Eine Erklärung zum bapt. Glaubensbekenntnis(1689) für heute.

Basiert auf "Biblische Lehre" - aber damit die Praxis nicht zu kurz kommt, ein Extra-Forum

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Jörg
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Der Tisch des Herrn

Beitragvon Jörg » 22.07.2014 03:45

Das wortwörtliche Verständnis widerspricht den historischen Gegebenheiten, in denen dieser Satz ursprünglich gesprochen worden war (Mt 26,26-29). Alexander Hodge sagt darüber: „Als unser Herr dies sagte und ihnen das Brot zu essen gab, saß er in seinem gesunden, unzerteilten Körper in ihrer Mitte, er aß und trank mit ihnen.“ Diese Lehre steht auch der biblischen Lehre über die Person Christi entgegen. Christus nahm einen wahren menschlichen Leib an. Er hat diesen noch immer, und er wird ihn für immer behalten. Dieser Leib ist begrenzt, endlich und in der gegenwärtigen Zeit von der Erde abwesend (Lk 24,36-43.50-51; Joh 1,14; 20,26-29; Apg 1,9-11; 3,21). Ein solcher Leib kann nicht in Tausenden von Sakramenten gleichzeitig vorhanden sein. Außerdem kann die „Transsubstantiation“ nach dem ausdrücklichen Zeugnis der Bibel nicht wahr sein. Im Abendmahl erinnern wir uns an Christus, wir gedenken seiner (1Kor 11,24-26), bis er wiederkommt. Dies zeugt von der Tatsache, dass er einen gewöhnlichen menschlicher Körper besitzt, mit dem er im Abendmahl nicht gegenwärtig ist. Wir gedenken nicht an jemanden, der leibhaftig anwesend ist. Die wortwörtliche Auslegung übersieht den bildlichen Gebrauch des Hilfsverbs „sein“, das in der Bibel häufig vorkommt.
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Joschie
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Beitragvon Joschie » 22.07.2014 11:42

“Denn das Trachten des Fleisches ist Tod, das Trachten des Geistes aber Leben und Frieden.”
Römer 8,6


Mit geistlicher Gesinnung meint Paulus – so denke ich – das aktive Wirken dieses neuen geistlichen Lebens im Gläubigen. Dieses neue geistliche Leben bewegt den Gläubigen dazu, über geistliche Dinge nachzudenken und sich an ihnen zu erfreuen; vor seiner Bekehrung kam das bei ihm gar nicht vor! Ungläubige lieben nur die Dinge dieser Erde, aber Gläubige geben der Liebe für göttliche Dinge eine höhere Priorität.

[aus: John Owen, Thinking spiritually, Grace Publications Trust, S.14]
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

Jörg
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Beitragvon Jörg » 24.07.2014 04:00

Ein Beispiel für diesen bildlichen Gebrauch findet sich im Abendmahl selbst wieder. Jesus sagt dort: „Dieser Kelch ist der neue Bund.“ (1Kor 11,25). Der Kelch steht in bildlicher Weise für den Wein. Andere Beispiele für diese bildhafte Verwendungsweise dieses Verbs sind: Lukas 12,1; Offenbarung 1,20; 1. Mose 17,10-11; 41,26-27; Hesekiel 37,11. Der biblische Zusammenhang erfordert die bildliche Auslegung, und die in der Bibel übliche Grammatik lässt dies zu. Da das einzige Argument für eine leibliche Wandlung auf den Worten „Dies ist mein Leib“ beruht, müsste die Lehre von der Transsubstantiation bereits als unbewiesen angesehen werden, wenn es eine andere Auslegung gäbe, die gleichermaßen wahrscheinlich wäre. Tatsache ist allerdings, dass die anderen Aussagen der Heiligen Schrift diese Lehre sogar verwerfen. Auch die Vernunft spricht gegen die Transsubstantiation, denn sie geht von der Richtigkeit der nachvollziehbaren Beobachtungen unserer fünf Sinne aus. Auch wenn die Heilige Schrift lehrt, dass die Erkenntnis, die wir durch unsere Sinne gewinnen, begrenzt ist (2Kor 5,7), so geht sie doch überall davon aus, dass die Vernunft und der gesunde Menschenverstand, so weit sie reichen, richtige Einsicht in die Wirklichkeit vermitteln (Lk 24,36-43; 1Joh 1,1-3). Die sinnliche Wahrnehmung beweist, dass die Substanzen der Elemente, selbst nach der Konsekration, Brot und Wein bleiben und nicht zu Leib und Blut werden. Die spitzfindige philosophische Unterscheidung zwischen Akzidens und Substanz hilft hier auch nicht weiter. Diese Definition würde den Wert der Vernunft und des gesunden Menschenverstandes an sich in Frage stellen.
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Beitragvon Jörg » 26.07.2014 04:30

In Johannes 2,1-11 wird ein echtes Beispiel für eine Transsubstantiation berichtet, doch war in diesem Fall die Veränderung sinnlich wahrnehmbar. Im Bekenntnis werden zwei schlimme Folgen der Transsubstantiationslehre genannt. Diese Irrlehre zerstört in Wahrheit das Abendmahl. Diejenigen, die an dieser Lehre festhalten und glauben, dass sie das Abendmahl feiern, feiern es in Wahrheit gar nicht, sondern betreiben eine völlige Verdrehung desselben. Die zweite schlimme Folge, die sich aus dieser Lehre ergibt, besteht darin, dass sie Aberglauben und Götzendienst hervorbringt. Wenn man glaubt, die Elemente seien physisch der Leib und das Blut Jesu, dann werden sie mit abergläubischer Scheu betrachtet werden und folglich zum Gegenstand götzendienerischer Verehrung gemacht werden. Außerdem erzeugt dies Furcht vor demjenigen, der die Macht hat, ein solches Wunder zu tun. Da diese Lehre mit der Vernunft nicht vereinbar ist, führt dies des Weiteren dazu, dass derjenige, der an sie glaubt, seinen Verstand in Frage stellen wird, denn diese Lehre stellt etwas so Grundlegendes wie unsere sinnliche Wahrnehmung in Frage. Wenn jemand etwas Derartiges glaubt, dann kann er alles glauben. Dies öffnet Tür und Tor für die schreckliche Gefahr, dass der Glaube aus dem Bereich der historischen Wahrheit herausgenommen und in den Bereich der Mystik versetzt wird. Es besteht folgerichtig eine innere Verwandtschaft zwischen diesem Aberglauben und der historisch-kritischen Theologie. Die lutherische Lehre von der Konsubstantiation (die zwar nicht lehrt, dass das Brot und der Wein in den Leib Jesu verwandelt werden, sondern dass der physische Leib und das Blut Christi nach der Konsekration in, mit oder unter dem Brot ist) wird ebenfalls durch viele der Entgegnungen widerlegt, die oben gegenüber der Transsubstantiation vorgebracht worden sind.
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Beitragvon Jörg » 28.07.2014 03:54

V. Seine Empfänger (Abschnitt 7-8)

A. Die Vorzüge des würdigen Empfangs (Abschnitt 7)

Abschnitt 7 richtet seine gesamte Aufmerksamkeit auf einen einzigen Punkt: den Vorzug eines würdigen Empfangs des Abendmahls. Um den Segen des Abendmahls zu empfangen, müssen wir äußerlich, aber auch im Glauben daran teilnehmen. Wir müssen glauben, dass die Elemente tatsächlich den Heiland darstellen und wir uns den Nutzen seines Werkes zu Eigen machen, indem wir sie als Symbole, die für ihn stehen, zu uns nehmen. Christus geistlich zu essen, bedeutet, sich ihn und all seine Bundessegnungen, die er durch seinen gebrochenen Leib und sein vergossenes Blut erworben hat, zu Eigen zu machen (Joh 6,53-58). Die Worte dieser Verse dürfen aus verschiedenen Gründen nicht wortwörtlich verstanden werden. Ein wortwörtliches Verständnis entspräche genau dem Missverständnis der Juden (Joh 6,52). Es ist denkbar, dass Jesus genau dieses Verständnis in den Versen 60-63 zurückweisen wollte. Das Essen, von dem Jesus hier spricht, steht in der Gegenwartsform (Joh 6,54). Da Jesus bis dahin das Abendmahl noch nicht eingesetzt hatte, kann es hier nicht darum gehen, dass Christi Leib wörtlich im Abendmahl gegessen werden soll. Jesus hatte in dieser Rede wiederholt erklärt, dass er, wenn er sagt, man solle ihn „essen“, meint, dass man sich ihn und seine Erlösung im Glauben zu Eigen macht (Joh 6,29.35.47-58).
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Beitragvon Jörg » 30.07.2014 04:07

Glaube wird hier durch das Bild des Essens als eine Handlung, bei der man sich etwas zu Eigen macht, bildlich dargestellt. So wie die Speise nur etwas nützt, wenn sie gegessen wird, so nützt Christus nur etwas, wenn man ihn sich im Glauben zu Eigen macht. Auch wenn Jesus hier in keiner Weise vom Abendmahl spricht, so können wir doch daraus ableiten, dass es dem Wesen nach um nichts anderes geht als bei der Segnung, die man im Abendmahl empfängt, bzw. der Art und Weise, wie man diese empfängt. Es handelt sich lediglich um eine besonders hilfreiche Möglichkeit, wie man sich Christus geistlich zu Eigen machen kann. Jedes Mal, wenn wir unseren Glauben an Christus ausüben, tun wir dasselbe, was wir beim Abendmahl tun, und wir empfangen auch dieselben Segnungen. Die für unsere Sinne physisch spürbare Gegenwart der Elemente stellt eine besondere Hilfe für Gottes Volk dar, um sich Christi Leib und Blut, den Kaufpreis für unsere Erlösung, tatsächlich bewusst zu machen. Auf diese Weise vergegenwärtigt es den Leib Christi, nicht leiblich, sondern geistlich für das Auge des Glaubens. Die einzig bedeutende Sache im Blick auf Christi Leib und Blut besteht darin, dass sie den Kaufpreis für unsere Erlösung darstellen. Sie hatten und haben an sich keine besonderen physischen Eigenschaften. Daher hätte es auch keinen Nutzen, wenn wir sie essen würden, selbst wenn wir das könnten.
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Beitragvon Jörg » 01.08.2014 05:01

B. Die Schuld von unwürdigen Empfängern (Abschnitt 8)

Das Bekenntnis spricht in Abschnitt 8 von zwei Arten oder Klassen unwürdiger Empfänger: Erstens die offensichtlich Unbekehrten und zweitens alle anderen, die in unwürdiger Weise daran teilnehmen wollen.

1. Von offensichtlich Unbekehrten

Die Erkennungszeichen von offensichtlich Unbekehrten werden mit den Worten „alle unwissenden und gottlosen Personen“ zum Ausdruck gebracht (30,8). Dieser Ausdruck kennzeichnet diejenigen, um die es hier geht, eindeutig als offenkundig Unbekehrte. Kein Mensch, der das Evangelium und seine grundlegenden Wahrheiten nicht kennt, kann in würdiger Weise am Abendmahl teilnehmen. Wie könnten solche Leute an Jesus Christus denken, den sie gar nicht kennen? Erkenntnis ist für die Bekehrung unabdingbar (Eph 4,17-21). Des Weiteren kann kein gottloser Mensch in würdiger Weise am Abendmahl teilnehmen. Sein Verhalten zeigt, dass er keine Erinnerung an das Heil in Christus hat und unbekehrt ist (Eph 4,22-24; 5,3-9). Es ist eine große Sünde, wenn solche unwissenden und gottlosen Personen am Abendmahl teilnehmen. Dies verstößt sowohl gegen das dritte als auch gegen das neunte Gebot in den denkbar heiligsten Dingen. Das Bekenntnis stellt nicht nur fest, dass es für solche Leute eine große Sünde wäre, am Abendmahl teilzunehmen. Es hält auch fest, dass es eine große Sünde wäre, wenn sie zum Abendmahl zugelassen würden. Diese Aussage beinhaltet die Tatsache, dass die Gemeinde das Recht und die Pflicht hat, über den Tisch des Herrn zu wachen, und denjenigen, die unwürdig sind, sich ihm zu nahen, dies zu verwehren. Dies sind die biblischen Grundlagen dafür: 1. Unsere Pflicht, so weit es in unserer Macht steht, andere davon abzuhalten, dass sie sündigen und Schuld auf sich laden. 2. Unsere Pflicht, mit anderen keine Gemeinschaft zu haben (oder zu essen), die offenkundig gottlos sind, aber behaupten, Christen zu sein (1Kor 5,9-13; 2Joh 10). 3. Die Tatsache, dass der Tisch des Herrn der Gemeinde vorbehalten ist (Apg 2,41-42; 20,7; 1Kor 11,17-22.33-34).
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Beitragvon Jörg » 03.08.2014 05:22

Diese biblischen Wahrheiten zwingen uns dazu eine „Offene Abendmahlsgemeinschaft“ abzulehnen. Damit ist die Praxis gemeint, alle am Abendmahl teilnehmen zu lassen, die daran teilnehmen wollen. Die Gemeinde ist gehalten, über den Tisch des Herrn zu wachen und ihn vor einer derartigen Entweihung zu bewahren. Wenn sie dem nicht nachkommt, handelt sie unrechtmäßig. Jedoch erfordern diese biblischen Wahrheiten auch keine „Geschlossene Abendmahlsgemeinschaft“. Damit ist die Praxis gemeint, nur Gemeindeglieder der eigenen Gemeinde oder der eigenen Denomination, die einen guten Ruf haben, am Abendmahl teilnehmen zu lassen. Nur wenn jemand meint, ausschließlich die eigene Gemeinde oder Denomination sei die wahre Gemeinde, in der es wahre Christen gibt, verwirft die „Geschlossene Abendmahlsgemeinschaft“ solche, die in Christi Augen würdig sind. Die biblischen Wahrheiten erfordern eine „Begrenzte Abendmahlsgemeinschaft“. Nur echte Gläubige, die Glieder in wahren Gemeinden sind, dürfen zum Abendmahl zugelassen werden. Eine treue Ausübung der „Begrenzten Abendmahlsgemeinschaft“ erfordert zwei Dinge: eine öffentliche Ankündigung der biblischen Anforderungen und ein privat ausgesprochenes Verbot gegenüber denjenigen, von denen bekannt ist, dass sie unwürdig sind (von denen man annimmt, dass sie möglicherweise daran teilnehmen würden).
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Beitragvon Jörg » 05.08.2014 05:06

2. Von Scheingläubigen

Es gibt nicht nur die Möglichkeit, dass offensichtlich Ungläubige eine große Sünde begehen, indem sie am Abendmahl teilnehmen, es besteht auch die Möglichkeit, dass Gemeindeglieder mit gutem Ruf aus wahren Gemeinden in unwürdiger Weise am Abendmahl teilnehmen. Diese sind es, die in besonderer Weise mit den Worten bezeichnet werden: „Jeder, der sie unwürdig empfängt“ (30,8). In diesem Zusammenhang sind drei wichtige Fragen zu beantworten. Was bedeutet es, dass jemand „des Leibes und Blutes des Herrn schuldig“ ist? (1Kor 11,27). Der Ausdruck „des Leibes …“ ist ein Genitiv der Beziehung. Er sündigt gegen den Leib und das Blut des Herrn, indem er diese entweiht. Er behandelt das Brot und den Wein, welche diese sinnbildlich darstellen, wie gewöhnliche Speisen. Dies ist eine Verletzung des dritten Gebots, ein nichtiges Aussprechen des Namens Christi. Es bedeutet, dass die Symbole für Christi Leib und Blut behandelt werden, als seien sie gewöhnliches Brot und gewöhnlicher Wein, wobei man sie nicht in ihrer heiligen Bedeutung betrachtet oder sie dementsprechend behandelt (1Kor 11,18-22.33-34). Diese Schuld ist sehr schwerwiegend und bringt zeitlich begrenzte Strafgerichte über Einzelne und Gemeinden, die sich dessen schuldig gemacht haben (1Kor 11,30-32), doch man kann auch für diese Schuld Vergebung empfangen (1Kor 11,32).
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Beitragvon Jörg » 07.08.2014 05:33

Was bedeutet es, dass jemand unwürdig daran teilnimmt? Würdigkeit beschreibt hier keinen rechtlichen Verdienst, sondern beruht auf unserer Teilhabe am Evangelium. Es gibt so etwas wie eine „Evangeliumswürdigkeit“. In Matthäus 10,11.37-38; Epheser 4,1; Philipper 1,27; Kolosser 1,10; 1. Thessalonicher 2,12 und Offenbarung 3,4 findet sich überall dieselbe Wortwurzel wie in 1. Korinther 11,27.29. Diese Würdigkeit betrifft folgende Bereiche: 1. Die Erinnerung an Christus, während wir im Glauben und persönlich am Mahl teilnehmen (1Kor 11,24-26). 2. Die Selbstprüfung, bei der wir uns selbst prüfen und uns versichern, dass wir zu denen gehören, die beim Abendmahl an Christus denken und das Abendmahl nicht als gewöhnliche Speise betrachten (1Kor 11,28). 3. Die Beurteilung des Leibes, wobei wir im Glauben das heilige Symbol und die geistliche Bedeutung des Abendmahls hoch schätzen (1Kor 11,29). 4. Die Selbstbeurteilung, indem wir unser Versagen verurteilen, dass wir uns beim Abendmahl nicht an Christus erinnert haben und über diesen Fehltritt Buße tun (1Kor 11,31)
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Beitragvon Jörg » 09.08.2014 06:49

Wenn wir wirklich glauben, dass das Abendmahl den Tod des Herrn symbolisiert und wir eingedenk dieser Tatsache daran teilnehmen, dann sind wir würdig. Würdigkeit ist keine Frage, bei der wir in krankhafter Weise unser Leben im vorangehenden Monat peinlich genau unter die Lupe nehmen. Es geht vielmehr um ein ernsthaftes, gläubiges Verstehen dessen, was wir tun. Es geht darum, dass wir das Abendmahl als das betrachten, was es ist, und darum, dass wir es als bußfertige, gläubige Sünder empfangen. Paulus ermutigt Christen an keiner Stelle, dass sie sich vom Tisch des Herrn fernhalten sollen. Er ermutigt sie überall, dass sie in der rechten Haltung kommen. Sich davon fernzuhalten, bekundet nur: „Ich will über meine weltliche Herantreten an den Tisch des Herrn keine Buße tun.“ Worin besteht das Gericht, das man auf sich lädt? Es besteht in vorübergehender Krankheit und Tod (1Kor 11,30). Verse wie dieser passen in das moderne System oberflächlichen und fleischlichen Christseins. Man braucht sie, um die Ansicht zu unterstützen, dass das Beharren der Heiligen nicht notwendig sei. Wenn jemand nicht beharrt, führt dies nach diesem System zum leiblichen Tod und nicht zum geistlichen Tod. 1. Korinther 11,30 wird gewöhnlich als wichtigste Belegstelle dafür angeführt. Allerdings gibt es keinen Grund für die Annahme — es gibt sogar gute Gründe, die dagegen sprechen —, dass gemäß 1. Korinther 11,30 ein Christ so lange gezüchtigt wird, bis er stirbt. Gegen eine derartige Auslegung von 1. Korinther 11,30 zeugen zwei klar erkennbare Tatsachen dieses Gerichts. Erstens handelt es sich um eine gemeinschaftliche und nicht um eine individuelle Strafe. In der Tat sind Gemeindeglieder gestorben. Vielleicht sind auch wahre Christen gestorben. Doch das Gericht, von dem hier die Rede ist, ist ein Gericht über eine gemeinschaftlich begangene Sünde (1Kor 11,30-32).
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Beitragvon Jörg » 11.08.2014 04:12

Selbstverständlich hatten einzelne Gläubige gesündigt und wurden einzelne gerichtet (1Kor 11,29). Jedoch wird in diesem Abschnitt nicht behauptet, dass diejenigen, die gesündigt hatten, selbst gestorben sind. Es heißt nur, dass sie gerichtet wurden. Als David sündigte, starb nicht David, sondern sein Sohn. Und es mag sogar so gewesen sein, dass diejenigen, die am schlimmsten gesündigt haben, ihre Ehefrau, ihren Ehemann oder ihre Kinder durch den Tod verloren. Es gibt keinen sicheren Anhaltspunkt dafür, dass sie selbst gestorben sind. Es wird auch überhaupt nicht behauptet, dass wahre Christen unter der Züchtigung Gottes gestorben sind. Zweitens handelt es sich bei diesem Gericht um eine Züchtigung (1Kor 11,32). Der Grund für die Züchtigung wird in dieser Stelle klar ausgesagt. Sie bewahrt uns davor, mit der Welt verdammt zu werden. Dies wirft die Frage auf: „Auf welche Weise tut sie das?“ Sie tut dies dadurch, dass sie uns zur Buße bringt (Hebr 12,10-11). Wenn ein Einzelner gezüchtigt wird, dann geschieht dies mit dem Ziel, dass er Buße tut. Wenn in gleicher Weise eine Gemeinde gezüchtigt wird, dann geschieht dies, damit die Gemeinde Buße tut. Diese Schriftstelle macht sehr klar deutlich, dass jemand mit der Welt verdammt werden wird, wenn er unter der Züchtigung nicht Buße tut. Dies wirft eine letzte Frage auf: „Wie kann jemand unter der Züchtigung Gottes Buße tun, wenn ihn diese vorher umgebracht hat?“ Wenn sie ihn in einem unbußfertigen Zustand umbringt, dann kann er nur erwarten, dass er mit der Welt verdammt wird! Züchtigung, Buße, nicht mit der Welt verdammt zu werden — dies gehört nach Gottes Absicht unzertrennlich zusammen. Eine Züchtigung, die den Gezüchtigten tötet, bevor er Buße tut, ist unbiblisch.
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Über den Zustand des Menschen nach dem Tod

Beitragvon Jörg » 13.08.2014 03:45

31.Über den Zustand des Menschen nach dem Tod und über die Auferstehung der Toten

1. Die Körper der Menschen werden nach dem Tod wieder zu Staub und verwesen;1 doch da ihre Seelen (die weder sterben noch schlafen) eine unsterbliche Seinsweise besitzen, kehren sie sofort zu Gott zurück, der sie gegeben hat.2 Die Seelen der Gerechten, die dann in Heiligkeit vollkommen gemacht sind, werden ins Paradies aufgenommen, wo sie bei Christus sind und das Angesicht Gottes in Licht und Herrlichkeit erblicken, während sie auf die völlige Erlösung ihrer Körper warten. 3 Die Seelen der Gottlosen werden in die Hölle geworfen, wo sie in Qualen und äußerster Finsternis bleiben, aufbewahrt zum Gericht jenes großen Tages.4 Außer diesen beiden Aufenthaltsorten für die von ihren Körpern getrennten Seelen kennt die Schrift keinen.
1. 1Mose 2,17; 3,19; Apg 13,36; Röm 5,12-21; 1Kor 15,22.
2. 1Mose 2,7; Jak 2,26; Mt 10,28; Pred 12,7.
3. Ps 23,6; 1Kön 28,27-49; Jes 63,15; 66,1; Lk 23,43; Apg 1,9-11; 3,21; 2Kor 5,6-8; 12,2-4; Eph 4,10; Phil 1,21-23; Hebr 1,3; 4,14-15; 6,20; 8,1; 9,24; 12,23; Offb 6,9-11; 14,13; 20,4-6.
4. Lk 16,22-26; Apg 1,25; 1Petr 3,19; 2Petr 2,9.
Zuletzt geändert von Jörg am 16.08.2014 04:55, insgesamt 1-mal geändert.
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Über den Zustand des Menschen nach dem Tod

Beitragvon Jörg » 16.08.2014 04:55

2. Am letzten Tag werden die Heiligen, die als Lebende vorgefunden werden, nicht entschlafen, sondern verwandelt werden.1 Und alle Toten werden nicht mit einem anderen, sondern mit ihren eigenen Körpern2 auferweckt werden,3 auch wenn diese veränderte Eigenschaften besitzen.4 Dabei werden diese für immer mit ihren Seelen wiedervereinigt werden.5
1. 1Kor 15,50-53; 2Kor 5,1-4; 1Thess 4,17.
2. Hiob 19,26-27; Joh 5,28-29; 1Kor 15,35-38.42-44.
3. Dan 12,2; Joh 5,28-29; Apg 24,15.
4. 1Kor 15,42-44.52-54.
5. Dan 12,2; Mt 25,46.

3. Die Körper der Ungerechten werden durch die Kraft Christi zur Unehre auferweckt werden.1 Die Körper der Gerechten werden durch seinen Geist2 zur Ehre auferweckt3 und seinem eigenen verherrlichten Leib gleichgestaltet werden.4
1. Dan 12,2; Joh 5,28-29.
2. Röm 8,1.11; 1Kor 15,45; Gal 6,8.
3. 1Kor 15,42-49.
4. Röm 8,17.29-30; 1Kor 15,20-23.48-49; Phil 3,21; Kol 1,18; 3,4; 1Joh 3,2; Offb 1,5.
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Über den Zustand des Menschen nach dem Tod

Beitragvon Jörg » 18.08.2014 04:15

Gliederung des Kapitels

Abschnitt1-3
1 I. Der Zwischenzustand

A. Die Trennung von Leib und Seele im Zwischenzustand
1. Der Leib
2. Die Seele
B. Die Trennung von Gerechten und Gottlosen im Zwischenzustand
1. Der Zustand der Gerechten
• Ihr unmittelbarer Eintritt in diesen Zustand
• Ihre vollkommene Heiligkeit in diesem Zustand
• Ihre freudigen Umstände in diesem Zustand
• Ihr verherrlichter Gefährte in diesem Zustand
• Ihr wunderbares Vorrecht in diesem Zustand
• Ihre unvollkommene Seligkeit in diesem Zustand
2. Der Zustand der Gottlosen
• Ihr Ort
• Ihre Umstände
• Ihre Aussichten
3. Die Ermangelung anderer Möglichkeiten

2-3 II. Die endgültige Verwandlung

2 A. Die Tatsache dieser endgültigen Verwandlung
1. Für diejenigen, die am letzten Tag leben
2. Für diejenigen, die bereits vor dem letzten Tag gestorben sind
B. Das Wesen der endgültigen Verwandlung
C. Die Beständigkeit der endgültigen Verwandlung
D. Der Zeitpunkt der endgültigen Verwandlung
3 E. Der Gegensatz bei der endgültigen Verwandlung
1. Die Auferstehung der Ungerechten
2. Die Auferstehung der Gerechten
• Ihr Vorbild
• Ihr Urheber
• Ihr Wesen


Mit Kapitel 31 und 32 kommen wir zu dem Thema, das die Theologen „Eschatologie“ nennen, was so viel bedeutet wie die „Lehre von den letzten Dingen“. Seitdem das Bekenntnis im 17. Jahrhundert geschrieben worden war, hat sich dieses Thema zu einer heiß diskutierten Frage entwickelt. In Anbetracht dieser Tatsache ist es interessant, feststellen zu können, dass die Baptisten keinen Grund sahen, weshalb sie auch nur mit einem Wort von dem abweichen sollten, was die Presbyterianer und Kongregationalisten vor ihnen angenommen hatten. Hierin ist eine Lektion enthalten — vielleicht sogar mehr als nur eine.


I. Der Zwischenzustand (Abschnitt 1)

Wenn ich den Fachbegriff „Zwischenzustand“ gebrauche, meine ich damit die Zeit zwischen dem Tod und der Auferstehung. Wenn jemand stirbt, kommt er in den Zwischenzustand und bleibt dort bis zum Tag der Auferstehung. Da dieser Zustand weder das endgültige Schicksal der Gerechten noch der Gottlosen ist, wird er Zwischenzustand genannt. Das Bekenntnis fasst die biblische Lehre über den Zwischenzustand sehr geschickt zusammen, indem es zwei äußerst wichtige Unterscheidungen vornimmt: die Trennung von Leib und Seele im Zwischenzustand und die Trennung zwischen den Gerechten und den Gottlosen im Zwischenzustand. Wenn wir jemals in angemessener Weise verstehen wollen, was die Bibel in dieser schwierigen Frage lehrt, dann müssen wir es anhand dieser beiden Unterscheidungen verstehen.
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