G.D.Krummacher Andachten aus "Tägliches Manna"

Basiert auf "Biblische Lehre" - aber damit die Praxis nicht zu kurz kommt, ein Extra-Forum

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Peter01
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Beitragvon Peter01 » 23.01.2015 06:16

Du bereitest vor mir einen Tisch gegen meine Feinde.
Psalm 23,5


In den Wegen des Herrn geht's nicht immer gleich reichlich und auch nicht immer gleich knapp herum. Die lieben Jünger hatten wohl einmal Hunger, mussten auf die Frage: Kinder, habt ihr nichts zu essen? mit Nein antworten und Ähren ausraufen, um sich an den aufgeriebenen Körnern zu erquicken. Zuweilen hatten sie aber auch Wein und Braten auf ihrer Tafel, und einen schönen Saal, und eine Menge von Fischen, dass sie nicht damit zu bleiben wussten. So geht’s noch im Geistlichen. Leset die Psalmen, von wie verschiedenen Inhalts sie sind. Da weint und jammert der eine Psalm, und geht wie aus dem tiefsten Basston, dass man zweifeln sollte, ob der wohl je wieder heiter aussehen werde; da ringt er mit Gott und spricht sich selbst Mut zu, flehet und bettelt und ermahnt Gott zum Erwachen, als wäre er eingeschlafen, zum Aufstehen, als sitze er da müßig. Ein anderer Psalm rühmt und jauchzt, als ob alles überstanden sei, rühmt sich seiner Unschuld, Frömmigkeit und Gerechtigkeit, als wäre kein Fehl daran, dass man denken sollte, nie würde der danieder liegen, so fest ist sein Berg gesetzt, durch des Herrn Wohlgefallen. Und dies ist die Geschichte des einzelnen Christen. Oft eh' wir's uns versehen, lässt er uns viel Gutes geschehen. Oft findet ein zerschlagenes Herz gleichsam mitten in der Einöde einen Lustgarten und wird auf die angenehmste Weise mit einem Trost überrascht, den solches noch fern glaubte.

Er kennt die rechten Freudenstunden,
Er weiß auch, wenn's uns nützlich sei.

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Peter01
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Beitragvon Peter01 » 28.01.2015 09:48

Selig sind, die reines Herzens sind, denn sie werden Gott schauen. Matthäus 5,8

Der es begreift, wie viel ein reines aufrichtiges Herz zu bedeuten hat, der wird Bedenken tragen, sich desselben so leichtlich zu rühmen, und sich erinnern, dass Salomo die menschliche Natur im Ganzen als ränkevoll darstellt, und dass es Christen sind. Welche Petrus auch zur Ablegung aller Heucheleien, wie sonstiger Unarten auffordert. Ein einfältiges Auge macht den ganzen Leib licht, ein Schalksauge aber finster. Etwas Großes, aber auch etwas Notwendiges ist es, ohne falsch und lauterlich auf Gott gerichtet zu sein. Den Aufrichtigen lässt er's gelingen. So wie aber er es ist, der nach Psalm 99 Frömmigkeit gibt: so ist er's auch, der Aufrichtigkeit, Gerechtigkeit und Gericht in Jakob schafft. Davon war David so sehr überzeugt, dass er Psalm 139 mit großem Drange betet: Erforsche mich, Gott, und erfahre mein Herz, prüfe mich und erfahre wie ich's meine – denn, sagt Gott beim Jeremias: Arglistig und betrüglich ist des Menschen Herz mehr denn ein einiges Ding. Schaffe du, o Gott, in mir ein reines Herz, und gib mir einen neuen, gewissen Geist.

Ich darf nach eignem Rat nicht hören,
Ich kenne meines Fleisches List,
Das nur zu viel sich zu betören
Mit falschem Schein gewohnet ist.
Mein Himmelsmeister, mein Prophete
Schenk mir ein Herz, das mit Bedacht
In Lernbegierde vor dich trete,
Und geb auf deinen Wink recht Acht.

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Peter01
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Beitragvon Peter01 » 29.01.2015 06:44

Der Herr ist gütig und eine Feste zur Zeit der Not, und kennt die, so auf ihn trauen. Nahum 1,7

Wenn ihr in Not seid, trauet zuversichtlich, er könne, er wolle und werde euch daraus erretten, oder sie doch zum Besten wenden. Wenn ihr gar keinen Ausweg mehr sehet, so freut euch darüber, dass er dem rufet, das nicht ist, dass es sei. Antwortet in allen, auch den schwierigsten Fällen auf alle Fragen und Rätsel: Christus, – und damit sind sie gelöset. Stellen sich eure Sünden in Schlachtordnung gegen euch auf, so könnt ihr sein Blut nur zeigen und gleich muss ihr Trotz schweigen; rückt das Gesetz mit seinen strengen und dringenden Forderungen wieder heran, so haltet ihr ihm den Schild der Gerechtigkeit Christi vor und sprecht:

Die Sünde kann nicht mehr
Mich durch's Gesetz verdammen:
Denn alte Zornesflammen
Hat Jesus ausgelöscht;

Wollen die geistlichen Feinde euch binden und rufen schon: Philister über dir, Simson! – so gerät alsdann der Geist Gottes über euch, und alle Bande reißen, wie ein flächserner Faden am Lichte versengt, und ihr rufet, stark in dem Herrn und in der Macht seiner Stärke: in dem allen überwinden wir weit um des willen, der uns geliebet hat. Ihr habt Recht, ihr habt Recht. Gehet fort in dieser eurer Kraft und lasst euch nichts irren.

Wenn mir was fehlt, so sag' ich's dir.
Dann kann mir gar nichts fehlen;
Wenn mich was trifft, so hilfst du mir,
Ich brauch' mich nicht zu quälen.

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Beitragvon Peter01 » 30.01.2015 06:55

Aber du, Herr Herr, sei du mit mir um deines Namens willen, denn deine Gnade ist mein Trost, errette mich. Psalm 109,21

Was hilft da, wo es gilt, alle Erkenntnis und Wissenschaft, was helfen sogar alle Erfahrungen der göttlichen Aushilfe und Durchhilfe, alle vormaligen Versicherungen und Huld, was hilft's sogar, ob wir hundertmal haben glauben können, wenn's uns nicht auch zu der Stunde gegeben wird, wo es Not tut? Ihr vermögt das Geringste nicht, das gilt sowohl von der ersten als letzten Hälfte des Weges, und so ist uns ein sehr abhängliches Leben und Verhalten sehr anzuempfehlen. Tut Er seine milde
Hand auf, so sammeln wir. Die Abweichungen, welche uns die Schrift auch an den heiligsten und ausgezeichnetsten Personen sehen lässt, dienen auch zum Beweise, dass auch sie nicht anders als aus Gnade selig geworden sind, und dass es keinen andern Weg zur Seligkeit gebe, als den neuen und lebendigen durch Jesum Christum, zum Beweise, dass es keine andere Gerechtigkeit gibt, worin wir im Gerichte Gottes bestehen können, als diejenige, welche Christus uns durch seinen vollkommenen Gehorsam erworben hat, und die der bußfertige Sünder im Glauben ergreift. Werden wir denn recht von Herzen demütig! Verzagen wir denn ganz an uns selbst, um vollkommen zu hoffen auf die Gnade, welche uns dargeboten wird in der Offenbarung unseres Herrn Jesu!

Vater, deine rege Gnade
Mach' uns, die wir deine sein,
Sei dem Gang im Lebenspfade
Manche salbungsvolle Pein.

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Peter01
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Beitragvon Peter01 » 02.02.2015 06:56

Wir selbst, die wir haben des Geistes Erstlinge, sehnen uns auch bei uns selbst nach der Kindschaft, und warten auf unsers Leibes Erlösung. Römer 8,23

Es gibt Erstlinge des Geistes, die den Gläubigen von Zeit zu Zeit zu ihrem
Troste und Anmutigung mitgeteilt werden. Es gibt Zeiten, wo gleichsam Himmelluft die Seelen anweht, die alle Nebel verscheucht, die sie in vollen Zügen einatmet, und sich in allen ihren Geisteskräften gehoben und belebt fühlt, wieder jung wird wie ein Adler, dem sein Gefieder wieder gewachsen ist, dass er sich hoch empor schwingt. Es gibt Stunden, wo etwas von dem himmlischen Lobgetön das Herz durchbebt, und es zueiner erhabenen Andacht und Anbetung hinreißt. Dies sind außerordentliche und seltene Dinge, die sich dennoch bei einigen Seelen ereignen, und wie sie durch außerordentlich tiefe Wasser der Anstrengung und Trübsal müssen, wo sie mit Jeremias ausrufen: nun bin ich gar dahin! so werden sie auch auf eine außerordentliche Weise erfreut. Sie sind wohl dermaßen überschüttet worden, dass sie ohnmächtig hinsanken, und der Braut im Hohenliede nachsagten; ich bin krank vor Liebe. Den Bischof Palafox überwältigte der Gedanke: mein Gott ist in der Krippe! so, dass er in eine tiefe und lange Ohnmacht fiel, und die nämliche Wirkung brachte ein Eindruck von der Liebenswürdigkeit des Gekreuzigten bei einem Prediger in Amsterdam hervor, der mit der Austeilung des hl. Abendmahls beschäftigt, über den Gedanken: mein Gott am Kreuze! beinahe seinen Geist aufgegeben hätte.

Ich bin zufrieden,
Dass ich die Stadt geseh'n,
Und ohn' Ermüden
Will ich ihr näher geh'n,
Und ihre hellen goldnen Gassen
Lebenslang nicht aus den Augen lassen.

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Beitragvon Peter01 » 03.02.2015 06:41

Indes enthalte uns dein Wort, wenn wir es kriegen, und dasselbe dein Wort ist unsers Herzens Freude und Trost. Jeremia 15,16

Mag der Seele auch je zuweilen das Wort Gottes wie ein toter Buchstabe sein, und sie einem Kranken gleichen, „dem das Brot widerlich ist was ist es ihr aber manchmal! Sie spürt den rechten innerlichen Ausleger, den heiligen Geist, und so ist die Zeit da, von welcher Jesus sagt, dass er alsdann nicht mehr durch Sprichworte mit den Seinen reden, sondern ihnen frei heraus verkündigen wolle von seinem Vater. Welche köstliche Aufschlüsse werden ihnen zu Teil! Welche große und herrliche Sachen enthält oft ein Spruch, ja ein einzelnes Wort, welche Glaubensgründe, welche Höhen und Tiefen! Ja, das Herz wird zusammengefasst in der Liebe zu allem Reichtum des gewissen Verstandes des Geheimnisses Gottes und des Vaters und Christi, in welchem verborgen liegen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis. Kein Wunder, wenn sie alsdann das Wort süßer finden als Honig, köstlicher als feines Gold. Sie haben die Salbung und wissen alles; und ein solcher Tag in den Vorhöfen des Herrn ist wirklich besser, denn sonst tausend.

Bist du vielleicht betrübet,
Ja wirst du fort und fort
In Kreuz und Not geübet,
Komm! hier ist Gottes Wort;
Dies wird dich schon erquicken,
Dass, wenn gleich Höll' und Welt
Dich wollen unterdrücken,
Du doch behältst das Feld

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Beitragvon Peter01 » 04.02.2015 06:42

Selig sind, die nicht sehen, und doch glauben. Johannes 20,29

Ein Gläubiger kann berufen sein, einen nackten d. i. einen solchen Glauben zu üben, der, wie Christus zum Thomas sagt, nicht siehet und doch glaubet, oder der gar, wie Abraham wider Hoffnung hoffend, glauben soll. Ist er dazu berufen, was vielleicht nicht allen Gläubigen geschieht, so versteht sich's von selbst, dass er aller natürlichen und sinnlichen Stufen beraubt, auch zugleich mit den bedeutendsten Schwierigkeiten umringt wird. Ging's nicht Paulo so in Asien, wo er eben deswegen so über die Maßen und über Macht beschwert würde, dass er sich schon des Lebens begab. Damit er nicht auf sich selbst, sondern auf Gott sein Vertrauen stellte. – Freilich möchte man von solchen Führungen wohl sagen: das widerfahre dir nur nicht. Aber Gott will auch solche haben, die ihn also anbeten. Doch laufen solche enge Wege zuletzt in einen weiten Raum aus, so dass es nun heißt: du wirst erfahren, dass ich der Herr bin, an welchem nicht zu Schanden werden, die mein harren, denn ich bin der Herr, dein Heiland, und der Mächtige in Jakob, sein Erlöser. Auf solche Führung mag sich indessen ein jeder Christ wohl gefasst halten, und dann gilt's glauben. Doch der Herr hält Treue und Glauben. Er wirke in uns das Werk des Glaubens mit Kraft.

Der Glaube bricht durch Stahl und Stein,
Und fasst die Allmacht selber,
Der Glaube wirket mehr allein,
Als alle goldnen Kälber.
Wenn Einer Nichts als glauben kann,
So kann er Alles machen;
Der Erde Kräfte sieht er an
Als ganz geringe Sachen.

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Beitragvon Peter01 » 05.02.2015 06:41

Und die Apostel sprachen zu dem Herrn: „Stärke uns den Glauben.“ Lukas 17,5

Eine wichtige, nötige, nachahmungswerte Bitte.
Jesus ist der Herr, der Alles in seiner Hand hat, und reich ist über Alle, die ihn anrufen, und überschwänglich tun kann über Bitten und Verstehen. Die Apostel wandten sich demnach an den rechten Mann, der auch die Mühseligen und Beladenen zu sich einladet, um sie zu erquicken. Die Apostel waren es, welche diese Bitte taten. Wir befinden uns demnach in einer ehrenwerten Gesellschaft, wenn wir dieselbe Bitte tun. Auch diesen teuern Männern, aus deren Grund die Gemeinde gebaut ist, war das Glauben so wenig leicht, dass sie ihrem und unserm Herrn mehrmals Anlass gaben, zu fragen: wo ist euer Glaube? O! ihr Kleingläubigen, wie, dass ihr keinen Glauben habt! ihren Unglauben zu schelten, und sie zu ermahnen: glaubet an Gott, und glaubet auch an mich. Es befremde demnach Niemand, wenn's ihm auch so geht. Um was baten sie den Herrn denn? Um Stärkung und Vermehrung des Glaubens. Sie mussten also dasmal einen besondern Mangel desselben bei sich spüren. Jesus gibt ihnen eine merkwürdige Antwort, wenn er sagt: wenn ihr Glauben habt, wie ein Senfkorn, und sprächet zu diesem Maulbeerbaum: reiß dich aus, und versetze dich in's Meer, so wird er euch gehorsam sein. Sie denken an etwas Großes, Jesus redet von etwas Kleinem, als wollte er sagen: messet die in euch selbst wohnende Kraft so genau nicht aus, sondern haltet euch im Glauben und durch denselben zu Allem geschickt, was von euch gefordert wird. O! köstlicher Glaube. Der Herr wirke ihn kräftiglich in uns.

Ich glaube zwar an dich,
Doch nur mit schwachem Glauben;
Oft will die Zweifelsucht
Mir alle Hoffnung rauben.
Wer macht das Herz gewiss,
Als du, O Herr, allein?
Lass deine Hilfe doch
Von mir nicht ferne sein.

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Beitragvon Peter01 » 06.02.2015 06:46

Wer kann sagen: ich bin rein in meinem Herzen und lauter von meiner Sünde? Sprüche 20,9

Zwar meint der natürliche Mensch, es habe mit der Aufrichtigkeit nicht viel zu sagen, und rühmt sich derselben leicht in allen seinen Werken, da er doch ganz davon entblößt ist. Desto mehr macht aber die Aufrichtigkeit heilsbegierigen Seelen zu schaffen, und es ist ihnen oft sehr bedenklich, sich diese kostbare und wichtige Eigenschaft zuzutrauen, und mit Recht – denn arglistig und betrüglich ist des Menschen Herz, wer kann's ergründen? – So beschreibt die heilige Schrift das menschliche Herz, woraus, wie Jesus sagt, List, Schalkheit und Schalksauge hervorgeht. Er braucht drei Wörter, um die nämliche Sache zu bezeichnen, und beutet damit an, wie groß und tief diese Untugend sei, weswegen er auch von einem krummen und verdrehten Geschlecht redet. Den Aufrichtigen aber lässt er es gelingen. Und so kommt es z. B. nicht auf das Maß der Traurigkeit, nicht so sehr auf die Stärke und Zuversicht des Glaubens, auf die Größe der Verleugnung oder die Inbrunst der Liebe, sondern ihre Echtheit an. Wenn es nur echtes Gold ist, das mit Feuer durchläutert ist, und das Feuer vertragen kann, darauf kommt's an, nicht auf die Größe des Haufens. Zwei Pfennige gelten da mehr, als hundert Groschen.
Mache den Gedanken bange,

Ob das Herz es redlich mein',
Ob die Seele an dir hange,
Ob wir scheinen oder sein!
Lass uns deine Wahrheit lieben,
Und damit umgürtet sein,
Uns um dich allein betrüben,
Und in dir allein erfreun!

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Peter01
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Beitragvon Peter01 » 09.02.2015 06:41

Christus ist einmal geopfert, wegzunehmen vieler Sünden.
Hebräer 9,28


Jesus Christus ist der wahre Hohepriester und verwaltet das wahrhafte Priestertum. Größtenteils hat er's vollendet und beendet. Und was heißt das? Er hat uns mit dem einigen Opfer seines Leibes erlöset. Er hat uns mit Gott versöhnt. Er hat sich selbst für die ihm vom Vater Gegebenen geheiligt, auf dass auch sie geheiliget würden in der Wahrheit. Er hat als das Lamm Gottes der Welt Sünde getragen. Er ist um unserer Missetat willen verwundet, und um unserer Sünde willen zerschlagen. Er, der Gerechte, hat gelitten für die Ungerechten, und unsere Sünde geopfert auf dem Holz, und das Volk dadurch geheiliget, dass er litte. Durch dieses sein Opfer, welches er in der tiefsten Erniedrigung am Kreuz vollbracht, ist er eine Ursache worden der Seligkeit allen, die ihm gehorsam sind. Diesen Teil seines Priestertums hat der Sohn Gottes vollbracht und beendigt während seines 33. jährigen Aufenthalts hier auf Erden, sonderlich in den 28, vorzüglich in den 6, und am allermeisten in den 3 letzten Stunden seines versöhnenden Leidens, in Gethsemane, vor seinen Richtern, am Kreuz und am meisten während der dreistündigen Finsternis. An dem einen unvergesslichen Tage ist die Sünde des Landes weggenommen. Sach. 3. Sie ist versöhnt, die Missetat zugesiegelt und die ewige Gerechtigkeit angebracht, an dem großen Tage, an welchem der Messias ausgerottet wurde, aber nicht für sich. Dan. 9.

Nun ist dieses dein Geschäfte
In dem obern Heiligtum,
Die erworb'nen Segenskräfte
Durch dein Evangelium
Allen denen mitzuteilen,
Die zum Thron der Gnaden eilen;
Nun wird uns durch deine Hand
Heil und Leben zugewandt.

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Peter01
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Beitragvon Peter01 » 10.02.2015 06:42

Herr, du bist unser Gott, du erhörtest sie; du, Gott, vergabest ihnen, und straftest ihr Tun. Psalm 99,8

Gott fängt wohl hintennach an, mit seinen Knechten zu rechnen, und ihnen unter die Augen zu stellen, was sie getan. Sie haben etwa die Größe ihrer Verschuldung, die Abscheulichkeit und Strafbarkeit derselben nicht genugsam erkannt, sind darüber nicht genugsam zerknirscht, gedemütigt und zerschlagen; die haben sich nicht genugsam vor Gott darüber angeklagt, haben sich noch einigermaßen selbst, wo nicht rechtfertigen, doch entschuldigen wollen; ihr Hass wider dieselbe ist etwa noch nicht glühend genug, ihr Verlangen nach Errettung und ihre Dankbarkeit für die Erlösung noch nicht inbrünstig genug. Sie sollen höher hinauf und tiefer herunter geführet werden; ihre Selbsterkenntnis soll einen Zuwachs bekommen, so wie die Einsicht in die wahre Beschaffenheit, den Umfang, die Unentbehrlichkeit und die Kostbarkeit der Gnade heller werden. Ihr Gewissen soll zarter, ihr Wandel vorsichtiger, ihr Aufsehen auf den Herrn unverwandter, ihr Bleiben in ihm, und Sein Bleiben in ihnen inniger und sie überhaupt tüchtiger gemacht werden zu jeglichem guten Werk durch den Glauben anChristum Jesum. Es geht aus Glauben in Glauben, aus Kraft in Kraft.

Ich rief zu Ihm: O Herr, erlöse mich,
Mach' meine Seele von Missetaten ledig!
Der Herr ist groß, er ist gerecht und gnädig,
Und unser Gott hört und erbarmet sich.Ps. 116

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Beitragvon Peter01 » 11.02.2015 06:37

Aus seinem Munde ging ein scharfes zweischneidiges Schwert. Offenbarung 1,16

Dies Schwert ist scharf und schneidet auf beiden Seiten; und Paulus sagt: Wir sind Gott ein guter Geruch Christi, beides unter denen die selig werden, und unter denen, die verloren werden. Dies Wort verfehlt also seines Zweckes nie. Ein Schwert, vornehmlich ein scharfes, zweischneidiges, dienet dazu, anzugreifen, und alles, was Widerstand bietet, selbst das schützende Schild zu durchhauen. Ein solches geht aus Jesu Munde, und er ist es selber. Dies Schwert erreicht auf beiden Seiten seinen Zweck. Er braucht's auf der einen Seite in Gnaden, und durchdringt die Seele des Menschen mit seinem Wort und Geist. Trotz aller entgegen gehaltenen Schilde des Hochmutes, der Sicherheit, der eigenen Gerechtigkeit, des Unglaubens, der Welt- und Sündenliebe, womit er sich umringt, donnert und ruft Er in die Seele: Adam, wo bist du? und er muss nackend hervor. Am ersten christlichen Pfingsten geht Zuhörern, die vor vierzig Tagen Christum gekreuzigt hatten, das Wort so durch's Herz, dass sie ausrufen: Ihr Männer, lieben Brüder, was sollen wir tun? und ihrer auf einmal drei tausend gläubig werden. Saulus reiset schnaubend mit Dräuen und Morden nach Damaskus. Aber durch Seine Frage: Saul, Saul, was verfolgst du mich? macht Jesus aus diesem reißenden Wolf ein folgsames Schaf. Wie oft ist es schon geschehen, dass die steifesten Ungläubigen bewogen wurden, zu den Füßen des Kreuzes Christi anzubeten, dass die stolzesten Pharisäer, an ihrer eigenen Vortrefflichkeit verzagend, an Christum gläubig wurden, dass diejenigen anfingen, Evangelium zu predigen, die es früher hassten, verspotteten und verfolgten; dass die leichtfertigsten Personen voll heiligsten Ernstes und Andacht wurden, dass Lasterknechte ihre Laster verfluchten; dass man sagen konnte: Solche sind eurer etliche gewesen; aber ihr seid abgewaschen, ihr seid geheiligt, ihr seid gerecht worden durch den Namen des Herrn Jesu Christi und durch den Geist unseres Gottes. In welchen allen sich die Gnade Christi als ein scharfes, heilsames Schwert zum Heil der Seele erweiset. Mag dies gleich Schmerzen verursachen und das Weib in Kindesnöten geraten; es wird dadurch doch ein Mensch geboren.

Das Wort des Herrn ist ein zweischneidig Schwert,
Und ist zugleich der größte Trost auf Erd':
Wenn's schneiden soll, so schneidet's bis in die Seele,
Und soll es heilen, ist's ein Lebensöle.

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Beitragvon Peter01 » 12.02.2015 06:45

Vor allen Dingen ergreifet den Schild des Glaubens, mit welchem ihr auslöschen könnet alle feurigen Pfeile des Bösewichts.
Epheser 6,16


Wehe dem, der ohne Schild wandelt. Nicht allein werden ihn die Dornen mit ihren giftigen Stacheln verletzen, sondern die tödlichen Pfeile des ihm auflauernden Bösewichts werden ihn erreichen und übel umbringen, ja das Schwert des göttlichen Zorns wird ihn zerhauen und die Keule des Fluchs ihn zerschmettern. Er hat keinen Schutz, keine Sicherheit, keinen Halt. Was will er tun, wenn die Sünde ihn bezaubert, der Teufel ihn anficht, das Gesetz ihn verklagt, die Hölle nach ihm hascht? Da bedarf man eines abwehrenden Schildes. Hat der Mensch diesen Schild in sich selbst? O ja, wenn er ein Christ ist. Wer aus Gott geboren ist, der bewahret sich selbst und der Arge wird ihn nicht antasten. Der in ihm ist, ist größer, als der in der Welt ist. Aber er ist auch ein Mensch in Christo. Wer außer ihm von Sicherheit träumt, wird im Schiffbruch rettungslos erwachen. Wir wollen von Können und Haben nicht reden. Glaubte Jemand, nur etwas zu wissen, so wüsste er noch nichts, wie er's wissen müsste. Meinte Jemand, etwas zu sein – sei es so wenig, wie es wolle, so verführte er sich selbst. Was kann Entscheidenderes gesagt werden, uns unsere Wehrlosigkeit auf der einen Seite zu zeigen, auf der andern aber auch die Notwendigkeit, uns bei Zeiten nach einem tüchtigen Schilde umzusehen, der nicht zerbricht, vor den hellen blitzesschnellen Donnerkeilen, vor des Abgrunds Feuerpfeilen!
Und was ist der rechte Schild? Dein Kreuzholz ist mein Stecken, der Schild, der mich kann decken.
Was wehrt der von uns ab? Alles Übel, von welcher Seite, in welchem Maße, mit welcher Kraft es auch auf uns einschleiche oder anstürme. Dieser Schild ist aus dem Golde der Weisheit, Gerechtigkeit, Heiligung und Erlösung zusammengesetzt. Ist Jemand in Christo, so ist er gesichert. Glaubet aus aller Macht an den Herrn Jesum. Behaltet euch in der Liebe Gottes, und wartet auf die Barmherzigkeit unseres Herrn Jesu Christi zum ewigen Leben, der euch behüten kann ohne Fehl, und stellen vor das Angesicht seiner Herrlichkeit mit Freuden.

Reich mir die Waffen aus der Höhe,
Und stärke mich durch deine Macht,
Dass ich im Glauben sieg' und stehe,
Wenn Stärk' und List der Feinde wacht.

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Beitragvon Peter01 » 13.02.2015 06:36

Weil du so wert bist vor meinen Augen geachtet, musst du auch herrlich sein, und ich habe dich lieb. Jesaja 43,4

Christen sind etwas Edles schon wegen ihrer Geburt. Nicht meinen wir ihre natürliche Geburt, denn die wird mit Recht Ezech. 16 als eine so verächtliche beschrieben, „dass du hinaus geworfen würdest auf's Feld.“ Wahre Christen haben noch eine andere Geburt, nämlich die aus Gott. Sie sind aus Gott geboren und also göttlichen Geschlechts. Sie sind und heißen Kinder Gottes. Auch dem Fleische nach sind sie ihm nahe verwandt, denn wie sie Fleisch und Blut haben, ist der Sohn Gottes desselbigen ebenfalls teilhaftig worden. Sie heißen eine Braut des Lammes, Priester und Könige. Und sie heißen nicht bloß so, sondern besitzen und genießen alle die Vorzüge, welche mit diesen Benennungen verknüpft sind. Sie sind der Gegenstand einer so großen Liebe des Sohnes Gottes, dass er erklärt: Gleich wie mich mein Vater liebet, also liebe ich euch auch. Als Priester haben sie das Recht des Zutritts zu Gott, so wie die Verpflichtung, ihm täglich ihren alten Menschen zu opfern. Als Könige herrschen sie, und alles muss ihnen dienen, und dient ihnen bis zum Tode hin. Nichts aber schadet ihnen, selbst wenn sie etwas Tödliches tränken, nach Mark. 16,18. Es sind Gerechte, Heilige, Geliebte. So gerecht, dass sie alles herausfordern und fragen dürfen: wer will verdammen? So heilig, dass kein Flecken an ihnen ist; so lieb, dass des Herrn Eingeweide über sie brausen und gesagt wird: Mein Herz bricht mir gegen sie, dass ich mich ihrer erbarmen muss.

Königskronen sind zu bleich
Vor der Gottverlobten Würde;
Eine Hürde
Wird zum himmlischen Palast,
Und die Last,
Drunter sich die Helden plagen,
Wird den Kindern leicht zu tragen,
Die des Kreuzes Kraft erfasst.

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Beitragvon Peter01 » 15.02.2015 07:30

Du hast geboten, fleißig zu halten deine Befehle. O dass mein Leben deine Rechte mit ganzem Ernst hielte! Psalm 119,4.5

Die Gebote stehen da als Materialien, als Stoff und Anlass zum Gebete. Augustinus betete: Gib uns, Herr, was du gebeutst, und befiehl dann, was du willst, so sollst du nicht vergeblich befehlen. Gebeut Gott: Machet euch ein neu Herz und einen neuen Geist, so betet David: Schaffe in mir, Gott, ein rein Herz und gib mir einen neuen gewissen Geist. Gebeut Christum: Trachtet nach dem Reiche Gottes, so lehrt er uns, zugleich beten: Dein Reich komme. Ermahnte der Apostel, so betete er zugleich: Gott Schaffe in euch, was vor ihm wohlgefällig ist. Die Forderungen machen uns arm. Was bleibt uns denn übrig, als uns wie die Armen zu benehmen, b. h. zu
bitten, und uns bei dem zu melden, der da reich ist über alle, die ihn anrufen, dass er uns in seine himmlische Pflege und Versorgung aufnehme? Woher kommt's also, dass wir nicht mehr haben? Jakobus antwortet uns darauf: daher kommt's, dass ihr nicht bittet. Betet deswegen stets in allem Anliegen mit Bitten und Flehen im Geist, und wachet dazu mit allem Anhalten und Flehen für alle Heilige. Stoff und Anlass genug zum Beten liegt in den Geboten. Wie lange und viel werden wir wohl noch zu beten haben, ehe wir dahin gelangen, jene Gebote zu erfüllen, wo es z. B. heißt: Sorget nichts; wo es heißt: Danksaget für alles; wo es heißt: Freuet euch allewege, liebet euren Nächsten wie euch selbst; und wie selig werden wir sein, wenn wir uns das wirklich erbetet haben.

Ich kann ja gar nichts ohne dich,
Drum, Gott des Bundes, stärke mich.


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