G.D.Krummacher Andachten aus "Tägliches Manna"

Basiert auf "Biblische Lehre" - aber damit die Praxis nicht zu kurz kommt, ein Extra-Forum

Moderator: eddi

Benutzeravatar
Peter01
Moderator
Beiträge: 815
Registriert: 18.10.2009 07:43

Beitragvon Peter01 » 10.03.2015 06:31

Wir warten seines Sohnes vom Himmel, Jesus, der uns von dem zukünftigen Zorne erlöset hat.
1. Thessalonicher 1,10


Welch' ein Übel wäre es, wenn sich die Heiligkeit und Gerechtigkeit Gottes – wenn sich mit Einem Wort sein Zorn an uns Sündern selbst in eigner Person erweisen sollte; wenn das ganze Gericht des entsetzlichen Fluches sich auf uns herabsenkte, wenn er uns unsere Missetat zurechnete, wenn wir selbst um derselben willen verwundet und zerschlagen werden sollten, und in den Kerker geworfen würden, von bannen man nicht herauskommt, bis man den letzten Scherf bezahlt hat. Dann wären wir ja auf ewig verloren. Aber seht, von diesem entsetzlichen Übel hat Christus sein Volk kraft seiner Stellvertretung gänzlich befreit, in welchem sie die Erlösung haben, durch sein Blut, nämlich die Vergebung der Sünden. Wie herrlich ist das demselben gegenüberstehende Gut, das Christus seiner auserwählten Gemeinde durch seine Stellvertretung erworben hat! Befreiung von aller Schuld und Strafe, gänzliche Freisprechung in dem göttlichen Gericht, Wiedereinsetzung in alle Gerechtsame der Kinder Gottes – mit Einem Wort: Gott, der da reich ist an Barmherzigkeit, hat uns, wie Paulus Eph. 2 redet, nach seiner großen Liebe, womit er uns geliebt hat, da wir tot waren in Sünden, samt Christo lebendig gemacht, (denn aus Gnaden seid ihr selig geworden,) und hat uns samt ihm auferweckt, und samt ihm in das himmlische Wesen versetzt in Christo Jesu. Wohl denn allen, die da berechtigt sind zu sagen: Er trat an unsere Stelle! Wohl allen, welche diesen Bürgen haben, ja sogar wohl alten, die gewahr werden, wie durchaus unentbehrlich ihnen dieser Bürge, diese Stellvertretung ist, die darnach dürsten und schreien, wie ein Hirsch nach frischem Wasser, und denen verheißen ist, das ihnen des Wassers aus dem lebendigen Brunnen umsonst gegeben werden soll.

Was uns mit Frieden und Trost erfüllt,
Was unsere Seelen alleine stillt,
Was wir immer müssen im Herzen finden,
Ist die Versöhnung für unsre Sünden
Durch Jesu Blut.

Benutzeravatar
Peter01
Moderator
Beiträge: 815
Registriert: 18.10.2009 07:43

Beitragvon Peter01 » 11.03.2015 06:35

Es ist Ein Gott, und Ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, nämlich der Mensch Christus Jesus.
1. Timotheus 2,5


Wir kennen den Stellvertreter. Es ist Christus, für uns geschlachtet. Er vereinigt in seiner Person alle die Eigenschaften und Vollkommenheiten, welche zu dem hohen Mittleramte erforderlich sind. Auf der einen Seite Gott so nahe verwandt wie ein Sohn dem Vater, ja also, dass beide eins sind, er im Vater und der Vater in ihm ist, besitzt er alle die Weisheit und Herrlichkeit, alle die Kraft, Liebe und Heiligkeit, all' den Reichtum und Mut, welche zu diesem hohen Geschäft erforderlich sind; auf der andern Seile uns so nahe verwandt, dass er der Sohn des Menschen heißt, dass er unseres Fleisches und Blutes teilhaftig geworden, und so beide von Einem herkommen, der da heiligt und die geheiligt werden, kann dass, was er tut und leidet, dem Geschlecht zu Gute kommen, in dessen Natur er's vollbringt, denn hier ist Immanuel, das ist verdolmetschet: Gott mit uns. – Er hat sich auch nicht selbst in die Ehre gesetzt, dass er Mittler wurde, sondern der zu ihm gesagt hat: du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeuget: darum geht auch des Herrn Vornehmen glücklich durch ihn fort, und dieser Knecht, der Gerechte, macht durch seine Erkenntnis viele gerecht. Einen solchen Hohenpriester mussten wir haben und haben einen solchen Hohenpriester, der da ist heilig, unschuldig, unbefleckt, von den Sündern abgesondert, und höher denn der Himmel ist.

Wir Christenleut' hab'n jetz und Freub',
Weil uns zu Trost ist Christus Mensch geboren;
Hat uns erlöst; wer sich des tröst't
Und glaubet's fest, soll nicht werden verloren.

Benutzeravatar
Peter01
Moderator
Beiträge: 815
Registriert: 18.10.2009 07:43

Beitragvon Peter01 » 12.03.2015 06:29

Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der Herr.
Jesaja 55,8


Es ist nicht gut, wenn wir uns unterstehen, die Art, Zeit und Weise der Erfüllung der göttlichen Weissagungen sowohl, als Verheißungen im Voraus festsetzen zu wollen. Denn wir verrechnen uns dabei gemeiniglich sehr, und es kommt sich viel anders, als man dachte. Gott erfüllt beides, aber nach seiner eignen Weise. Er hat z. B. verheißen, sein Volk zu heiligen, und tut das auch gewiss, aber er macht's meistens wunderbar, und macht, wie Hiob Kap. 12. sagt, die Obersten wohl irre auf dem Umwege, wo kein Weg ist, macht etliche zum großen Volk und bringt sie wieder um, breitet ein Volk aus und treibet es wieder weg. Selbst ein leiblicher Arzt muss wohl auf entgegengesetzten Wegen das Ziel der Genesung suchen, und ein Übel wohl erst ärger machen, um es zu heilen, Schmerz durch Schmerz vertreiben, und schwächen, um zu stärken. Unsere Natur weiß keinen andern Weg, vollkommen zu werden, sagt ein erfahrner Heiliger, als dass sie suche etwas zu werden. Gottes Weg aber geht ganz anders. Er macht zunichte, was etwas ist, damit er Alles in Allem sei. Der Glaube wird nicht selten auf Wegen gestärkt, welche ihn ganz unterdrücken zu sollen scheinen, wie wir an Jakob, dem kanaanäischen Weiblein, den Jüngern im Schiff und andern sehen, und mehrenteils muss das Weizenkorn verwesen, wenn es nicht allein bleiben soll. Der Herr erfüllt sein Wort, und was er sagt, tut er auch.


Hilfe, die er aufgeschoben,
Hat er drum nicht aufgehoben;
Hilft er nicht zu jeder Frist,
Hilft er doch, wenn's nötig ist.

Benutzeravatar
Peter01
Moderator
Beiträge: 815
Registriert: 18.10.2009 07:43

Beitragvon Peter01 » 13.03.2015 06:26

Gott hat ein Wort geredet, das habe ich etliche mal gehöret, dass Gott allein mächtig ist.
Psalm 62,12


David stellt sich hier ja wohl als ein Kind, oder als einen einseitigen Menschen dar, dem man eine Sache etliche mal sagen muss, ehe er sie einigermaßen fasst. Wahre Christen werden dem Gold verglichen. Dasselbe muss aber mehrmals und um so öfter in den Tiegel, je reiner es werden soll, wo zugleich die Glut immer stärker wird. – Man kann glauben, man kenne nun das menschliche Verderben in seiner Größe und Umfang, da man aus diesem Kelch vielleicht nur eben die Lippen genetzt hat und später noch viel anders davon wird denken und reden lernen. Man kann auch glauben, dem Evangelio bis auf den Grund zu sehen, und später noch viele erstaunungswürdige Einsichten darin erlangen. Zwei können mit gleicher Aufrichtigkeit die nämliche Wahrheit bekennen, der Eine aber in einem weit tiefem Sinne, als der Andere. Kommen auch grade nicht die nämlichen Erfahrungen auf's neue wieder vor, so werden doch die vorigen gründlicher gemacht, wiewohl man sich wie ein Perpendikel vorkommen kann, der sich immer bewegt, ohne doch weiter zu rücken. Gewiss aber muss der Christ, einen Weg wohl mehrmals machen und am nützlichsten ist es, wenn der Weg zwischen seinem Herzen und Christo so fleißig von ihm betreten wird, dass kein Grashalm der eigenen Gerechtigkeit oder Weltliebe daraus wachsen kann.

Herr, öffne mir die Tiefen meiner Sünden,
Lass mich auch sehn die Tiefe deiner Gnad',
Lass keine Ruh' mich suchen oder finden,
Als nur bei dir, der solche für mich hat.

Benutzeravatar
Peter01
Moderator
Beiträge: 815
Registriert: 18.10.2009 07:43

Beitragvon Peter01 » 15.03.2015 07:24

Mit Gott wollen wir Taten tun, Er wird unsre Feinde untertreten.
Psalm 60,14


Was für große Taten können doch die armen Christen ausrichten, wenn der Herr sie dazu beruft. Solch Zutrauen sollten sie daher auch billig zu Gott haben, denn auf eigenes Vermögen kommt's gar nicht an. Wie verkehrt ist es daher, wenn wir gegen irgend ein Gebot, möchte es auch noch so Großes fordern, das Mindeste einwenden, da es bloß darauf ankommt, wie wir es auffassen, ob im Sinne des Werk- oder des Gnadenbundes; wie verkehrt, wenn wir ihm unsere Ohnmacht entgegen halten, oder gar in der Forderung eine Beeinträchtigung der Rechtfertigung wittern. Die Forderungen und Ermahnungen sind eben so geeignet, unsern Geist zu erquicken, als die eigentlichen Verheißungen. Es kommt dabei nur auf das hörende Ohr und sehende Auge an, welche beide der Herr macht. Also getrost Gebote her, und wenn es hieße: Ihr sollt vollkommen sein, gleich wie euer Vater im Himmel vollkommen ist. Teile du das Meer! Mögen spitzfindige Leute es denn erläutern, wie der Herr dem Menschen das zuschreibt, was er doch selber tut, oder was für einen Anteil der Mensch an einem Werke hat, oder nicht hat, das Gott durch ihn ausrichtete: wir wollen indes glauben lernen, und im Glauben darreichen die Tugend.

Ich kann Alles tragen,
Ich darf Alles wagen,
Weil du bist mein Pfand.
Ewig bei mir bleibe,
Alle Not vertreibe,
Führ' mich bei der Hand.

Benutzeravatar
Peter01
Moderator
Beiträge: 815
Registriert: 18.10.2009 07:43

Beitragvon Peter01 » 16.03.2015 06:48

Der dich gemacht hat, ist dein Mann.
Jesaja 54,5


Diese Stelle könnte auch so gegeben werden: der dich gemacht hat, hat dich, – du hast nicht bloß ihn, er hat auch dich, und wird dich nicht lassen, welches ja sehr tröstlich ist, weil daraus erhellet, dass die Seele den Herrn nicht nur mit ihren oft so schwachen Glaubensarmen, sondern der Herr auch sie mit den ewigen Armen seiner Liebe gefasst hat und sie nicht fahren lässt. Eine solche zwiefache Schnur hält fest. Es bedarf ihrer aber auch. Dieser Name hat offenbar etwas sehr Ermunterndes für das arme Israel. Und diesen Trost haben alle wahre Christen. Es ist wahr, sie waren Knechte der Sünde. Es ist wahr, sie waren in der schrecklichsten Gewalt des Satans und der Obrigkeit der Finsternis. Es ist auch wahr, dass beide ihr ehemaliges Besitztum ungern dran geben, und noch manche Versuche
machen, um sie wieder zu erobern, welches ihnen auch nicht selten zu gelingen scheint, und das wohl auf eine Furcht und Zagen erregende Weise. Aber da ist's ermutigend, zu hören: der dich gemacht hat, hat dich. Sagte die Braut: ich halte ihn und will ihn nicht lassen, wie viel mehr wird das der Bräutigam sagen und tun.

Wenn Sünd' und Satans Macht
In Angst und Not mich treiben,
So denkt mein armes Herz
Alleine doch an dich;
Es gehe, wie es geh',
Ich will der Deine bleiben.

Benutzeravatar
Peter01
Moderator
Beiträge: 815
Registriert: 18.10.2009 07:43

Beitragvon Peter01 » 17.03.2015 06:37

Alles und in allem Christus.
Kolosser 3,11


Mit einem Worte, Christus, der ganze Christus, wie er uns von Gott gemacht ist, ist der Grund, wo Israel gelagert ist. Er ist der Fels, auf welchem seine Gemeine gegründet ist, und die Pforten der Hölle überwältigen sie nicht Da kann wohl von außen die Welt gegen anrennen, und wie sie oft getan, mit Feuer und Schwert dagegen wüten; innerlich kann wohl das Verderben toben und Satan wüten, die Jünger auch wohl schreien: wir verderben! weil die Wellen schon über das Schifflein gehen, und der Sturm noch mehr darüber herzuwerfen droht; – es hat doch so wenig zu bedeuten, dass Jesus fragt: warum seid ihr so furchtsam? als wäre auch unter solchen Umständen kein Grund dazu vorhanden. Hier muss aber auch ein Jeder gelagert sein. Ist es deine eigene Kraft, sind's deine eigenen Einsichten, denen du folgst, so wohnst du in einem Hause, das kein Fundament hat, und beim ersten Sturm über dir zusammenfallen wird. Von der Unzulänglichkeit jener überzeugt werden, überzeugt werden von den heiligen und hohen Forderungen des Gesetzes, überzeugt werden von der unermesslichen Heiligkeit Gottes, und von unserer Unheiligkeit, Blindheit, Verkehrtheit, und dann überzeugt werden von der Bereitwilligkeit Jesu Christi, sich solcher Verlornen treulich und seligmachend anzunehmen, das leitet zu dem wahren Grunde.

Der Grund, drauf ich mich gründe,
Ist Christus und sein Blut;
Das machet, dass ich finde
Das ew'ge, wahre Gut.

Benutzeravatar
Peter01
Moderator
Beiträge: 815
Registriert: 18.10.2009 07:43

Beitragvon Peter01 » 18.03.2015 06:40

Der Herr züchtigt mich wohl, aber er gibt mich dem Tode nicht.
Psalm 118,18


Gott handelt wie ein Vater, der seinen Sohn wohl derbe züchtiget und ihm verbieten kann, ihm von die Augen zu kommen, ohne doch einen Augenblick aufzuhören, Vater zu sein, und wenn andere mit zugreifen, und den Sohn misshandeln wollen, so würde er bald wieder seines Sohnes Partei wider jene unberufene Zuchtmeister ergreifen. Tut meinem Sohne kein Leid, befahl David über seinen Sohn Absalom, obschon er denselben wegen eines Aufruhrs mit einem Kriegsheer verfolgte. Und wenn der himmlische Vater seinen Kindern seine süßen Tröstungen vorenthält, so dauern doch seine heiligenden, bewahrenden und stärkenden Einflüsse fort. Wodurch sie sich zu einer Gottseligkeit angespornt finden, die um so reiner ist, je weniger sie von einigem Trost begleitet wird, wie Christus seinen höchsten Gehorsam zu einer Zeit vollbrachte, da Er von Gott verlassen war. Die Zeichen der Wiedergeburt treten oft, ohne dass die Seele selbst es sieht, in geistlicher Dürre am klarsten hervor, wie Sterne in dunkelster Nacht am hellsten leuchten. Eine Seele, die in Verlassenheit dennoch ihrem Gott festiglich anhangt, den sie nicht schmeckt noch fühlt, ist etwas ausnehmendes, weit mehr als eine Seele, die das im großen Freudengenuss übt. In der Nacht wachsen die Pflanzen am meisten.

Und also bricht das Herz ihm gegen dich;
Er spricht: Ich muss mich über dich erbarmen,
Du armes Kind hast niemand außer mir,
Drum halt' ich dich in meinen treuen Armen;
Sei gutes Muts, die Hilfe ist schon nah',
Dein Trost ist da.

Benutzeravatar
Peter01
Moderator
Beiträge: 815
Registriert: 18.10.2009 07:43

Beitragvon Peter01 » 19.03.2015 06:33

Der im Finstern wandelt, und scheinet ihm nicht, der hoffe auf den Namen des Herrn und verlasse sich auf seinen Gott.
Jesaja 50,10


Wollte man fragen: Können denn wahre Kinder Gottes in einen solchen, eben angedeuteten Zustand geraten, der sich nur für Verworfene zu reimen scheint? so ist die bejahende Antwort keinem Zweifel unterworfen. Habt ihr doch Äußerungen der Heiligen, habt ihr doch die Worte Christi aus dem Jesajas genommen. Ps. 104, Vers 20 sagt David: Du machest Finsternis, dass es Nacht werde; da regen sich alle Wilden Tiere. Das findet auch seine Anwendung auf's Geistliche. In dem Stande, wovon wir reden, verlassen auch die wilden Tiere die Höhlen und Klüfte, worin sie verborgen lagen und schliefen, so lange es Tag war, und verbreiten durch ihr Gebrülle und Heulen Grauen und Entsetzen, und zerreißen, was sie erhaschen können. Wehe dann den armen wehrlosen Schafen, wenn der Hirte sie nicht schützt, oder gar wehe dem Hirten selbst! Was gibt's denn nun, was dem Menschen in solchem desolaten und trostlosen Zustande einigen Halt und Stütze gäbe? Nur ein einziges Mittel. Und was für eins? Christus nennt es in den angeführten Worten: Er hoffe auf den Namen des Herrn, und verlasse sich auf seinen Gott. Beides, der Name Gottes, wie er ihn selbst 2. Mose 34 aussprach, als barmherzig, gnädig und geduldig, von großer Gnade und Treue, und der Name Christi, welcher Jer. 23 Herr, unsere Gerechtigkeit, genannt wird, bildet einen Stecken und Stab, den der im Finstern wandelnde Gottesfürchtige mit der nackten Hand des Glaubens fassen mag und soll, um sich sicherlich darauf zu stemmen und zu verlassen.

Auf meinen lieben Gott
Trau ich in Angst und Not;
Er kann mich allzeit retten
Aus Trübsal, Angst und Nöten.

Benutzeravatar
Peter01
Moderator
Beiträge: 815
Registriert: 18.10.2009 07:43

Beitragvon Peter01 » 20.03.2015 06:27

Mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.
Matthäus 11,30


Man hat von dem Christentum irrige Vorstellungen, wenn man meint, es bestehe nur in Beschwerden, Lasten und Kämpfen. Freilich heißt es: „kämpfet;“ aber dieser Kampf ist doch ein guter Kampf, und hat ein herrliches Ende; freilich heißt es: Ringet darnach, dass ihr durch die enge Pforte eingehet. – Einer erlanget das Kleinod, laufet nun also, dass ihr es ergreifet – das Himmelreich leidet Gewalt, und die Gewalt tun, reißen es zu sich. – Das ist alles Wahr, aber eben so wahr ist es auch, wenn Jesus sagt: Mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht. Schwer machen wir uns dieses Joch, wenn wir trachten, unsere eigene Gerechtigkeit aufzurichten; durch Wollen und Laufen erschweren wir uns den Dienst des Herrn Jesu, der gesagt hat: „In mir habt ihr den Frieden!“ Irrig ist es aber auch, wenn man meint, in lauter angenehmen Empfindungen und Erquickungen zum gewünschten Ziel zu kommen, und sich darin nicht finden kann. Wenn man zuweilen eine Zeit lang auf den Herrn harren muss, und daraus allerlei irrige Schlüsse macht, als ob ein Christ lauter angenehme und gute Tage haben müsse. Freilich wollte die stolze Natur dieses gerne; die wünscht, es nicht nötig zu haben, alle Tage und in allen Vorkommenheiten dieses Lebens so arm, elend, jämmerlich, blind und bloß zu Jesu zu kommen, und seinem Rate zu folgen, Gold zu kaufen von Ihm. – Aber dies ist der einzige wahre Weg, den uns das Evangelium zeiget. Wenn wir auch zuweilen getröstet und erquickt, gar entzücket würden bis in den dritten Himmel – immer müssen wir's doch wieder bei dem suchen, der gesagt hat: „Ich will euch erquicken.“

Er muss wachsen, wir aber müssen abnehmen.
O, wüssten das doch alle Leute,
Die er mit seinem Blut erkauft,
Wie schad' es ist, dass nicht noch heute
Ihm alles in die Arme lauft,
Und wie so gut es Jedermann
Bei dir, mein Heiland, haben kann!

Benutzeravatar
Peter01
Moderator
Beiträge: 815
Registriert: 18.10.2009 07:43

Beitragvon Peter01 » 23.03.2015 06:43

Siehe, meine Freundin, du bist schön; siehe, schön bist du.
Hohelied 4,1


Der Mensch aber fängt an schön zu werden, wenn er anfängt, seine Hässlichkeit zu sehen. So lange er fragt: bin ich auch blind? und dies von sich zurückweisen will; so lange er meint, nicht zu sein, wie andere Leute, und sonderlich wie dieser Zöllner; so lange er sagt: ich habe keinen Mangel, steht's sehr übel um ihn. Aber erkennt er erst seine Missetat, so sieht der Herr schon etwas Schönes an ihm, das ihm gefällt, wie es Jer. 3,13 heißt: ich bin barmherzig, spricht der Herr, und will nicht ewiglich zürnen, allein erkenne deine Missetat. Der erste Schritt, den der verlorne Sohn tat, um auf's Schönste gezieret zu werden, bestand darin, dass er einsah, wie elend der Zustand war, in welchem er sich befand. Ich verderbe im Hunger, sprach er. – Was offenbar wird, ist Licht, sagt Paulus, Eph. 5,13. Es kommt also alsdann schon ein göttliches Keimlein in die Seele, weswegen der Herr ihr wohl will, denn bei ihm ist lauter Licht. Es kommt ein Fünklein Wahrheit in die Seele, dass sie Gott damit nicht mehr Lügen straft, dass sie sagt: Sünde habe ich nicht; ein Fünklein das sich schon durchglimmen und die Seele frei machen wird. Dies ist also der erste Schritt aus dem Tal der Finsternis zum Lichte, wo man schön wird.

Wer ist der Braut des Lammes gleich?
Wer ist so arm, und wer so reich?
Wer ist so hässlich und so schön?
Wem kann's so wohl und übel gehn?
Lamm Gottes! du und deine sel'ge Schaar
Sind Menschen und auch Engeln wunderbar.

Benutzeravatar
Peter01
Moderator
Beiträge: 815
Registriert: 18.10.2009 07:43

Beitragvon Peter01 » 24.03.2015 06:37

Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hilfe kommt.
Psalm 121,1


Auf Bergen ist uns das Heil erworben, und nur in und aus der Höhe wird es gefunden. Trachtet deswegen nicht nach dem, was auf Erden ist, sondern nach dem, was droben ist. Seid ihr Christen, so seid ihr von Oben her, und könnt euch an niedrigen Dingen nicht sättigen. Hebet eure Augen in die Hohe! heißt es. Von dannen erwarten wir Hilfe und unseres Leibes Erlösung. Wir richten unsern Blick aufwärts, wenn das Angenehme dieser Erde uns reizen, und unsere Herzen umstricken will, beim droben ist unser Schatz. Diese Belohnung sah Moses an, und wollte deswegen lieber mit dem Volke Gottes Ungemach leiden, als die zeitliche Ergötzung der Sünde genießen. Gegen das Gewinnen Christi war dem Apostel alles Schaden und Auskehricht. Will das Gewirre dieser Erde und ihre Mühe uns ermatten – der Blick hinauf nach dem jenseits des Jordans gelegenen Lande der Ruhe stillt und stärkt. Bin ich in Not, so hebe ich mit David, Ps. 123, meine Augen auf zu dir, der du im Himmel sitzest. Siehe, wie die Augen der Mägde auf die Hände ihrer Frauen, also sehen unsere Augen auf den Herrn, unsern Gott, bis er uns gnädig werde. Sei uns gnädig, Herr, sei uns gnädig, denn unsere Seele ist sehr voll Verachtung.

Schafft, dass ihr den Geist erhebt
Von den Lüften dieser Erden,
Und hier dem zu Ehren lebt,
Dem ihr einst sollt ähnlich werben;
Schickt das Herze da hinein.
So ihr ewig wünscht zu sein.

Benutzeravatar
Peter01
Moderator
Beiträge: 815
Registriert: 18.10.2009 07:43

Beitragvon Peter01 » 25.03.2015 06:56

Alle Züchtigung, wenn sie da ist, dünket sie uns nicht Freude, sondern Traurigkeit zu sein; aber darnach wird sie geben eine friedsame Frucht der Gerechtigkeit denen, die dadurch geübet sind.
Hebräer 12,11


Es ist für ein leidendes Herz eine nicht geringe Stärkung, wenn es die gnädigen Absichten erkennt, welche der Herr durch Leiden, die er verhängt, erreichen will; wenn es sie nicht als Strafen, sondern als Verbesserungsmittel betrachten kann. Freilich belehrt uns das Wort Gottes deutlich und ausführlich genug darüber, dass der Vater der Geister uns züchtige, uns selbst zu Nutz, dass wir seine Heiligung erlangen, – aber in den Leiden selbst kann man davon nicht immer den erwünschten Gebrauch und Anwendung machen. Auch zeigt sich der Nutzen nicht immer auf der Stelle, sondern erst später, und zum Teil erst in der Herrlichkeit; und dann ist dieser Nutzen von der Art, dass er unserer Natur, der dadurch ein schlechter Dienst geschieht, meist übel gefällt, weil man nämlich kleiner, demütiger, und vom Vertrauen zu sich selbst ausgeleerter wird. Wie könnte aber ein solches Ziel, und wie könnte ein Weg der Natur gefallen, der zu solchem Ziele fährt? Da kann es nach Psalm 83 gehen, wo es heißt: Befolge sie mit deinem Wetter, und erschrecke sie mit deinem Ungewitter, mache ihr Angesicht voller Schande, dass sie – nach deinem Namen fragen müssen. Das Ziel ist gut, der Weg aber schrecklich, und so lange jenes nicht sichtbar hervortritt, sondern man noch auf diesem Wege wankt, wird man freilich fragen: Warum bekümmerst du deinen Knecht? Aber bedenke, dass es von Ihm heißt: Sein Rat ist wunderbarlich, aber herrlich führt er's hinaus.

Lass dir süße
Sein die Küsse,
Die dir Jesu Rute gibt;
Der sie führet
Und regieret,
Hat nie ohne Frucht betrübt.

Benutzeravatar
Peter01
Moderator
Beiträge: 815
Registriert: 18.10.2009 07:43

Beitragvon Peter01 » 26.03.2015 06:36

Und auch ihr, als die lebendigen Steine, bauet euch zum geistlichen Hause. 1. Petrus 2,5

Der Stein – mag er auch ein lebendiger sein, und also fühlen, ein vernünftiger, und also überlegen – der Stein selbst kennt doch die Figur und Bildhauerei nicht, ob da oder dort noch ein Flick angebracht werden muss, und wo er am Palast seine Stelle angewiesen bekommt; aber der Meister, derjenige, welcher alles bereitet, das ist Gott, (Hebr. 3) weiß es, und tut also. Die lebendigen Steine täten also am besten, wenn sie den toten nachahmten, ließen sich so und anders kehren und wenden, flicken und bearbeiten, und sprächen: Herr, wir sind Ton, sei du Töpfer, statt dass sie so leicht widerbellen, jammern und fragen: wozu dies, wozu das? obschon ihnen dieses übel ansteht. Manche Christen sind wohl geneigt zu fragen: Warum begegnet mir so mancherlei, wovon Andere nichts erfahren? Allein, was soll man anders darauf erwidern, als dies: darum begegnet es dir, weil es deine Berufung und Erwählung, weil es deine Bestimmung so erfordert, weil du der Stein sein, die Stelle einnehmen, das Gebilde an dir tragen sollst. Wer sich damit nicht begnügen kann, muss sehen, dass er eine andere Antwort bekommt. Kann uns jemand genau die Absicht der göttlichen Weisheit nachweisen, so werden wir ihn mit Vergnügen hören, erwarten es aber nicht.

Meine Seel' ist stille
Zu Gott, dessen Wille
Mir zu helfen steht;
Mein Herz ist vergnüget
Mit dem, wie's Gott füget,
Nimmt an, wie es geht.
Geht es nur zum Himmel zu
Und bleibt Jesus ungeschieden,
So bin ich zufrieden.

Benutzeravatar
Peter01
Moderator
Beiträge: 815
Registriert: 18.10.2009 07:43

Beitragvon Peter01 » 27.03.2015 06:28

Um Jerusalem her sind Berge; und der Herr ist um sein Volk her von nun an bis in Ewigkeit.
Psalm 125,2


Diese Stadt gewahrt die vollkommenste Sicherheit und Ruhe. Außer derselben wütet der Feind, wütet der Tod, donnert und blitzt das Gesetz, brennet der Zorn, regiert das Elend, stürmt's, hagelt's. Wind, Regen dringen aus mich zu, mein matter Geist findet nirgends Ruh. Aber wenn gleich das Meer wütete und waltete, und von seinem Ungestüm die Berge einfielen, dennoch soll die Stadt Gottes fein lustig bleiben, mit ihren Brünnlein darin, da die heiligen Wohnungen des Höchsten sind. Gott ist bei ihr drinnen, darum wird sie wohl bleiben. Gott hilft ihr, Sela. Ps. 46. Sie ist eine Freistadt, und wer drinnen ist, ist gesichert gegen den Bluträcher, gegen den Fluch des Gesetzes, gegen den Zorn Gottes, den Tod, den Teufel, die Hölle. Entfallet darum nicht eurer Festung, bleibet stets in ihr. Schien es auch zuweilen, als wäre die Stadt nicht sicher; sie ist es doch, denn wie stark sind ihre Bewohner! Der Schwächste ist wie David, von dem die Weiber sangen: Saul hat Tausend, aber David Zehntausend geschlagen. Sie überwinden in allem weit. Wie klug sind sie, da sie alles wissen. Mögen sie immerhin schwach sein: so sind sie eben alsdann stark; unmündig sein: so sind sie eben alsdann klug. Der Herr ist eine feurige Mauer um sie her, sie werden nimmermehr umkommen, und Niemand wird sie aus seiner Hand reißen.

Schaut', da stehet
Jerusalem,
Gebaut von dem,
Der sich durch Lieb' und Macht verklärt!


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 16 Gäste