G.D.Krummacher Andachten aus "Tägliches Manna"

Basiert auf "Biblische Lehre" - aber damit die Praxis nicht zu kurz kommt, ein Extra-Forum

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Peter01
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Beitragvon Peter01 » 30.03.2015 06:12

Darum, dass seine Seele gearbeitet hat, wird er seine Lust sehen und die Fülle haben.
Jesaja 53,11


Seine Seele hat gearbeitet? Ist dem also? Bedarf's etwas mehr zur Erläuterung dieses Ausdrucks, als einer Erinnerung an die schauerliche Begebenheit in Gethsemane, an die drei Stunden lange Verlassenheit am Kreuze? Was für eine Seelenarbeit musste das sein, die den Körper so angriff, dass er unerhörter Maßen Blut schwitzte, und dahin kam, dass er mit dem Tode rang? Welche Arbeit der Seele, alle Sünde wegzuschaffen, der mehr ist, als Sandes am Meer, alle Versuchungen zu überwinden, allen Fluch wegzutragen! Er gab sein Leben in den Tod. Hier wiegt jedes Wort Zentner. Was ist das für ein Er? Was ist das für ein Leben? Was ist das für ein Geben oder Ausgießen? Was ist das für ein Tod? Und hat nicht der Herr sich seinem Tode ausschließlich in dem heiligen Abendmahl ein Denkmal gestiftet, das so lange dauern wird, bis der letzte Tag der Welt anbricht! Was muss das für ein heilbringendes Ereignis für uns arme Sünder sein, da wir nach Röm. 5 mit ihm gestorben sind, damit der sündliche Leib aufhöre und wir hinfort der Sünde nicht mehr dienen; denn wer gestorben ist, der ist gerechtfertigt von der Sünde, da wir nach Kapitel 8 fragen mögen: wer will Verdammen? Christus ist gestorben; da er nach Hebräer 2 durch den Tod dem die Macht genommen hat, der des Todes Gewalt hatte, das ist dem Teufel. Mit welcher Liebe, Danksagung und Freude sollen wir denn nicht die herrliche Gedächtnisfeier dieses Todes begehen!

O Leben, Arbeit, Leiden, Not
Des Heiland's meiner Seelen!
Euch will ich mich befehlen.
Geht in mich ein, und lasst mich seh'n
Das Leben aus dem Tod' aufsteh'n
In allen seinen Kräften.

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Peter01
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Beitragvon Peter01 » 31.03.2015 05:45

Betet stets in allen Anliegen, mit Bitten und Flehen im Geist.
Epheser 6,18


Das Gebet ist ein notwendiges, ja wie unser Katechismus sagt, das vornehmste Stück der Gottseligkeit. Ein Christ ohne Gebet wäre ein eben so großer Widerspruch, als wenn man sagen wollte: ein lebender Mensch ohne Atem. Der wäre entweder nicht lebendig, oder läge in einer schweren Betäubung, oder dem Tode nahe. Ein wirklicher Christ kann das Beten eben so wenig lassen, als ein lebender Mensch das Atmen, und er betet mehr, als er selber weiß. Es wird aber auch vieles Beten genannt, was diesen Namen nicht verdient, sondern von dem Herrn Jesus Worte machen genannt wird. Ein solches Beten ist eine leichte Sache, denn es ist ja nicht schwer, einige oder viele Worte zu finden, oder zu lernen, wie die Gebete lauten, z. B. Gott sei mir Sünder gnädig; Jesus, du Sohn Davids, erbarme dich meiner! – Aber desto schwerer ist es, in rechter Form und Weise so zu beten, dass es Gott gefällt, und von ihm erhört wird. Ja, so zu beten, ist nicht so sehr schwer, als nur durch den heiligen Geist möglich. So notwendig nun das Gebet, so notwendig ist uns der heilige Geist, als ein Geist des Gebets; vor allen Dingen, um im Namen Jesu zu beten, welches doch die Jünger in den drei Jahren, das sie mit Jesu gewandelt, nicht verstanden, noch gekannt hatten. Und woher soll uns die Aufrichtigkeit, die Andacht, die Zuversicht und der Glaube werden, dass Gott aller unserer Unwürdigkeit ungeachtet, um Christi willen, unser Gott und unser Vater sei? O! wie wohl spricht Augustinus: gib uns, o Herr! den heiligen Geist, damit wir um denselbigen beten mögen. Sonst geht’s, wie Jakobus sagt: Ihr bittet übel, als selbst gerechte Pharisäer, und krieget nichts – und wie Gott sagt: ob ihr schon lange und viel betet, höre ich euch doch nicht. Dagegen bringt ein: Herr, gedenke meiner! – vom heiligen Geist gewirkt – einen Schächer nach wenigen Stunden in's Paradies.

Du bist ein Geist, der lehret,
Wie man recht beten soll;
Dein Beten wird erhöret,
Dein Singen klinget wohl,
Es steigt zum Himmel an,
Es steigt und lässt nicht abe,
Bis der geholfen habe,
Der allen helfen kann.

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Peter01
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Beitragvon Peter01 » 01.04.2015 05:34

Ich hielt mich nicht dafür, dass ich etwas wüsste, ohne allein Jesum Christum den Gekreuzigten.
1. Korinther 2,2


So vollkommen die heilige Schrift alle Fragen beantwortet, welche ein heilsbegieriges Gemüt tun kann, so wenig befriedigt sie die Neugier, und selbst eine fromme Neugier. Ich möchte etwas Wunderliches sagen: Nicht das Wissen, sondern das Nichtwissen sei das Rechte, sehe aber wohl ein, das nur diejenigen dieses einräumen können und werden, die da glauben; die wahre Weisheit besteht in der Unmündigkeit, die ihr sagen lässt, und gern von dem Nämlichen lernt, zu dessen Füßen Maria saß, und damit das beste Teil erwählt hatte, außer dem uns auch niemand belehren weder kann noch soll, der aber hier einen Engel, dort einen Stern, da einen Traum und dort Menschen braucht. Der Herr sei mit uns! Ach, Herr, errette uns doch durch deine große Kraft von allem eignen Wissen, Können und Wollen, und leite uns dahin, dass wir nichts wissen als dich, der du einst als Fluch am Kreuze gehangen hast, und nun als der Segen auf dem Throne sitzest. Ach! leite uns dahin, dass wir ohne dich, du Lebensfürst, nichts tun können, und dass wir mit deinem Paulus, unserm lieben Bruder, auch nicht einmal etwas reden dürfen, was du nicht durch uns wirkest. Errette uns doch von allem eignen Willen und lehre uns endlich in Wahrheit sagen: dein Wille geschehe! Strecke uns doch hin zur Erde vor dir, und führe uns in die rechte Selbsterniedrigung und Verleugnung unsrer selbst, denn wer sein Leben verliert um deinetwillen, der Wird es finden. Siehe, Herr! wir sind Ton, sei du unser Töpfer.

Nichts können und nichts wissen,
Nichts wollen und nichts tun.
Als Jesu folgen müssen,
Das heißt in Frieden ruhn.

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Beitragvon Peter01 » 07.04.2015 05:44

Ohne Blutvergießen geschieht keine Vergebung.
Hebräer 9,22


Das alttestamentliche Blutvergießen hat aufgehört und musste eingestellt werden, nachdem das unvergleichliche Blut Jesu Christi vergossen ist, und zwar, wie er selbst sagt: zur Vergebung der Sünden. Es hat den höchsten Wert und die herrlichste Kraft. Den höchsten Wert, denn es ist das Blut eines Menschen, welches einen so großen Wert; hat, dass es nur mit Blut bezahlt werden kann, denn wer das vergießt, dessen Blut muss nach göttlichem Befehl wieder vergossen werden. Es ist das Blut eines Unschuldigen, wie sonst keiner unschuldig ist, eines Heiligen, wie sonst keiner heilig ist, und das schon deshalb ein teures Blut genannt zu werden verdient, wie Petrus es nennt. Aber das ist noch nicht alles. Es ist das Blut des Seligmachers. Es ist das Blut Christi, des obersten Propheten, des einigen Hohenpriesters, des höchsten Königs, einer mit dem heiligen Geist ohne Maß gesalbten Person; einer Person, die leiblicher Weise von einer sehr hohen Abkunft war, und aus einem königlichen Hause abstammte, noch mehr: die alle Engel Gottes, keinen ausgenommen, anbeten müssen, die alle verehren sollen, wie sie den Vater ehren, mit einem Worte: es ist das Blut des Sohnes Gottes, wie Paulus Apost Gesch. 20,28 sagt, wodurch er sich seine Gemeinde erkauft habe. – Wer wird nun den Wert eines solchen Blutes berechnen können? Was ist dagegen alles Gold und Silber? Und was wollen wir sagen, wenn wir bedenken, dass wir um einen solchen Preis von allen unsern Sünden und aus aller Gewalt des Teufels erkauft sind? Wohl mag es heißen: ihr seid teuer erkauft!

Wie lieblich klingt mir das Getön,
Wenn ich die Wunden hör' erhöh'n
Die Gottes Lamm empfunden.
Das Herz genießt und freuet sich,
Es schmecket und empfindet dich,
Du Marterlamm voll Wunden.

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Beitragvon Peter01 » 08.04.2015 05:29

Du aber, Herr, bist unser Vater und unser Erlöser; von Alters her ist das dein Name.
Jesaja 63,16


Wer sagen kann: Mein Herr! der kann auch rühmen: Ich vermag Alles durch den, der mich mächtig macht, Jesum Christum! Durch ihn werde ich mehr als Überwinder werden, und wenn ich es mit noch listigern und mächtigern Feinden aufzunehmen hätte; denn in ihm habe ich Gerechtigkeit und Stärke. Wie kann einem solchen seine Heiligung mangelhaft ausfallen? Jesus Christus, sein allmächtiger Herr, wird ihn nicht immer in der Not bleiben lassen, sondern als einen Auserwählten aus derselben erretten, und dahin bringen, wo Er ist; daher die herrliche Sprache des Apostels Paulus: Als die Traurigen, aber allezeit fröhlich; als die Armen, aber die doch Viele reich machen; als die nichts inne haben, und doch Alles haben. Darum sind sie gutes Muts in Schwachheiten, und in Nöten, in Verfolgungen, in Ängsten, um Christi willen denn wenn sie auch schwach sind in sich – in ihrem Herrn sind sie doch stark. Dies ist die Glaubenssprache dessen, der abgesagt hat Allem, und sein Jünger geworden ist; dessen, der sich ihm ohne Vorbehalt und auf ewig ergeben; der verlassen hat Weib und Kind, Vater und Mutter, Brüder und Schwestern, Häuser und Äcker, um seines Namens willen. Ein solcher hat sich dem Herrn Jesu anbefohlen; an seinen durchbohrten Füßen liegend, hat er ihm einmal nach dem andern gesagt: Dir, mein Herr Jesu, ergebe ich mich ganz auf ewig! Erfülle in mir deinen ganzen Willen! – wie es geschrieben steht: Dieser wird sagen, ich bin des Herrn! jener wird genannt werden mit dem Namen Jakob; dieser wird sich mit seiner Hand dem Herrn zuschreiben, und wird mit dem Namen Israels genannt werden.

Herr Jesu, nimm mich hin auf deine Arme!
Ich rechne bloß auf Treu und auf Erbarmen;
Nichts soll mir lieber sein durch's ganze Leben,
Als dein Herz zu erfreun; und du musst's geben.

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Beitragvon Peter01 » 09.04.2015 05:13

Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubet.
Markus 9,23


Der Glaube rechnet ganz anders, wie der Unglaube. Dieser bleibt bloß bei demjenigen stehen, was vor Augen ist, der Glaube aber nimmt Gott mit in Rechnung, seine Verheißungen, seine Macht, Treue und Gnade, und hat so einen Mut, der sich auf etwas Unsichtbares gründet Mit Gott will er seine Taten tun. So spricht der Gläubige auch in allen Fällen: wir können es wohl. Wie jene beiden Jünger auf die Frage Jesu erwiderten: Könnet ihr? Könnt ihr den Bösewicht überwinden. Wie erschrecklich und mächtig er auch ist? Der Glaube antwortet: wir können es wohl. Könnt ihr im Gericht Gottes bestehen, da doch eurer Sünden mehr sind, denn des Sandes am Meere, und da ihr sogar noch immerdar zu allem Bösen geneigt seid? – könnt ihr trotz allen Versuchen und Gefahren dennoch beharren bis ans Ende und in Allem weit überwinden? – könnt ihr euren alten Menschen kreuzigen und töten, ablegen die Sünde, die euch immerdar anklebt und träge macht, und so eure Heiligung vollenden? Sie antworten: Wir können es wohl. Warum denn? Weil wir im Herrn Gerechtigkeit und Stärke haben; denn auf Ihn, nicht auf sich selbst, setzt der Glaube sein Vertrauen, und hofft vollkommen auf die Gnade, die uns dargeboten wird in der Offenbarung unseres Herrn Jesu Christi.

Ich darf dem Abgrund pochen,
Auf deine Macht und Treu;
Die Riegel sind zerbrochen,
Die Fesseln sind entzwei;
Des Werkbundes Donnerkeile,
Des Satans Feuerpfeile
Zermalmt mein Glaubensschild.

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Beitragvon Peter01 » 10.04.2015 05:21

Du Herr Zebaoth, du, Gott Israels, hast das Ohr deines Knechtes geöffnet. Darum hat dein Knecht sein Herz gefunden, dass er dies Gebet zu dir betet.
2. Samuel 7,27


Es ist freilich nicht zu leugnen, dass das Gebet, dieses geistliche Atmenholen der Seele, nicht immer so recht von Statten will; es ist aber auch wahr, dass die Seele mit David wohl ihr Herz findet, um ein Gebet vor dem Herrn zu tun, welches sie selbst in Verwunderung setzt, und wovon sie sagen mag: mein Beten ist Genießen. Ergießt es sich in Worten, so sind sie die aller zärtlichsten und kindlichsten. Wie sie dem Abba- und Vaternamen entsprechen; sind's Seufzer, so sind's die aller innigsten; sind's Tränen, sie entquillen dem tiefsten Seelengrunde. Ist's Fürbitte für Andere, wie sehnsuchtsvoll; ist's Bitte, wie zutraulich; ist's Dank, wie gerührt; ist's Lob, wie herzlich. Da sieht das Glaubensauge durch Christum die offene Tempeltür bis in's Heiligtum, und an dem durch die Stangen des Gnadenthrons zurückgeschobenen Vorhang einen Vorgeschmack des Himmels, dessen Luft anweht und stärkt.

Sonst konnt ich nicht das Abba schrein;
Durft dich nicht Vater nennen;
Doch drang des Glaubens Kraft herein,
Ich lernte dich erkennen.
Ich hielt mich gläubig an den Sohn,
Da kam ein Blick von deinem Thron,
Der mich freimütig machte.

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Beitragvon Peter01 » 13.04.2015 05:42

Christus hat uns erlöset von dem Fluch des Gesetzes, da er ward ein Fluch für uns.
Galater 3,13


Die Größe und Abscheulichkeit der Sünde erscheint an dem Kreuze in dieser Stellvertretung in ihrer ganzen Nacht. Ist das die Sünde? Ist das ihr Lohn? Ist hier, wie Paulus sich ausdrückt, die Erweisung der göttlichen Gerechtigkeit in Absicht derselben? Musste Gottes eigner Sohn sterben, wenn es möglich wäre, dass er sündigte, und musste er wirklich sterben, da er unter die Übeltäter gerechnet wurde? Was soll denn außer Christo aus uns werden? Hat Gott seines eigenen Sohnes nicht verschont, wie viel weniger wird er unserer schonen, wenn wir nicht in seinen Wegen wandeln. Seine Rechte halten und darnach tun. Hier stellt sich unserem Verstande zugleich das wunderbare Rettungsmittel zur andächtigen Erwägung dar, das in den merkwürdigen Worten bezeichnet wird: Der von keiner Sünde gewusst, ist für uns zur Sünde gemacht, auf dass wir würden in ihm die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt. Christus hat uns erlöset von dem Fluche des Gesetzes, da er warb ein Fluch für uns; denn es steht geschrieben: Verflucht ist Jedermann, der am Holze hängt. Hier stellt sich uns unerhörter Weise Gott als ein solcher dar, der Gottlose gerecht spricht; ein Geheimnis, dass nie in eines Menschen Herz gekommen ist, ja, wogegen alle Vernunft sich empört. Durch seine Wunden werden wir heil? durch seinen Tod empfangen wir das Leben? durch seine Verurteilung die Freisprechung? Wer kann's ergründen.


Verweile, verweile hier, o Seele, mit deiner Betrachtung.
Den Sohn der Liebe trifft des Vaters Rute;
Was Wunder, dass sich die Natur verhüllt.
O Seelenlicht, was schenkst du mir zu gute!

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Beitragvon Peter01 » 14.04.2015 05:29

Des Herrn Furcht ist Anfang der Erkenntnis.
Sprüche 1,7


Christen kommen oft aus einer Schule in die andere. Oder geht's nicht wirklich oft also? Werden nicht immer neue Lektionen aufgegeben? Ich will dich unterweisen, heißt's im Ps. 32. Wir kommen nicht aus der Schule, und was kann nützlicher sein? Meine nur Niemand, er habe ausgelernt, und wäre jemand wirklich am letzten Kapitel, so könnte es wohl geschehen, dass sein Meister ihn wieder zu dem ersten zurückführte, weil das erstmalige Aufsagen etwas obenhin geschah, und es nun genommen werden soll. – Als Meister kennen wir nur Einen, und das ist Christus. Jener große Heilige war auch einst in die Meisterschaft hineingeraten, so dass er auch sagte: Nach mir redete keiner. Er wurde aber so in die Schülerschaft zurückgedrängt, dass er sprach: Ich will dich fragen, lehre mich; (Hiob, 42,4) und ein Anderer war so gelehrt geworden, dass er sagte: Ich halte mich nicht dafür, etwas zu wissen, ohne allein Jesum Christum den Gekreuzigten. Wohl dem aber, der das vierfache Wissen hat, von welchem Johannes am Schlusse seiner ersten Epistel schreibt.

Mein Himmelsmeister, mein Prophete,
Schenk mir ein Herz, das mit Bedacht
In Lernbegierde vor dich trete,
Und geb auf deinen Wink recht acht.

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Beitragvon Peter01 » 15.04.2015 05:44

Das Blut Jesu Christi, seines Sohnes, macht uns rein von aller Sünde.
1. Johannes 1,7


Wenn die Seele diesen freien, offenen Born wider alle Sünde, und Unreinigkeit, im Licht des heiligen Geistes in seiner ganzen Kraft entdeckt, so wirft sie sich mit gänzlichem Vertrauen – Alles von demselben, nichts von sich erwartend – getrost in denselben hinein, und erfährt seine wundertätige Kraft mit Erstaunen an sich selbst. Die allergrößeste Veränderung geht auf einmal mit ihr vor, eine Veränderung, von welcher sie früher keine Herstellung hatte. Die Sünde ist wie weggewischt; sie ist wirklich wie ein Nebel vor der Sonne der Gerechtigkeit verschwunden; sie ist nicht mehr da, weder in ihrem verklagenden Andenken, noch auch in ihren versuchenden Anfällen. Ihr seid abgewaschen, ihr seid geheiliget, ihr seid gerecht worden durch den Namen des Herrn Jesu und durch den Geist unseres Gottes. Es steigt ein Dankopfer, eine Rauchwolke des Lobes nach der andern empor. Sonst war ich blind, nun sehe ich; sonst war ich tot, nun lebe ich, – doch nicht ich, Christus lebet in mir; sonst war ich schwarz wie die Nacht, nun weiß wie der Schnee, schön wie die Sonne, lieblich wie der Mond, schrecklich wie die Heeresspitzen. Ist da nicht gut sein? Sollen wir da nicht Hütten bauen?

Mein Wohlergehen im Herzen
Kommt von den bittern Schmerzen
Des Lammes Gottes her;
Und seit ich Trost gefunden
In seinen heiligen Wunden,
So weiß ich auch nichts Liebers mehr.

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Beitragvon Peter01 » 16.04.2015 05:27

Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.
Psalm 23,1


Es ist nicht selten, dass wahre Christen mitten in allerlei inneren und äußern drückenden Umständen so seelenvergnügt gemacht werden, als hätten sie keinerlei Mangel an irgend einem Guten, wo sie auch rühmen können: Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. David lag und schlief nach Ps. 3 ganz ruhig, und erwachte eben so getrost, obschon sich viel Tausend rings umher wider ihn lagerten. Mancher Gläubige war seelenvergnügt und ohne Sorgen, obschon so arm, dass er nicht wusste, wo er eines seiner Bedürfnisse hernehmen sollte: er konnte unbekümmert den Herrn sorgen lassen, und der sorgte denn auch. Wie mancher Fromme ist heftig krank, und voll Beschwerde und Schmerz, aber auch dabei innerlich so wohl, das es ihm, so zu reden, eine Lust ist, sich von den Schmerzen durchwühIen zu lassen, die er gerne so lange wühlen lässt, wie es dem Herrn gefällt. Er kann die größten und empfindlichsten VerIuste, und selbst die schnödesten und unbilligsten Misshandlungen aller Art erleiden, und doch einer Lerche gleichen, die mitten im Gewitter singt.

Habe ich keinen Heller,
Weder Brot, noch Teller,
Weder Fach noch Dach;
Reißen mir die Kleider,
Sagen andre: Leider,
Schreien weh und ach!
Sing ich doch, und glaube noch;
Ich will ruhen, trinken, speisen,
Und den Vater preisen.

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Beitragvon Peter01 » 17.04.2015 06:33

Siehe, ich will Jerusalem schaffen zur Wonne und ihr Volk zur Freude.
Jesaja 65,18


Gewiss ist es, dass nur wahre Christen wissen, was eigentlich Freude sei, welches niemand als sie in Zeit und Ewigkeit erfahren. O! dass denn Viele wahrhafte Christen würden, um das Wasser zu trinken, was Christus gibt, und in uns ein Quell des Wassers wird, der in's ewige Leben quillt. Seht! welche große und herrliche Dinge kann man erlangen! Und die verschmähet und versäumet ihr, und jaget einem Schatten nach und einem Irrlicht, das euch nur in's Verderben stürzt? Tut das doch nicht länger, sondern tretet auf die Wege, und schauet und fraget, welches der rechte Weg sei, und wandelt darinnen, so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Nicht Verleugnung bloß erwartet der Herr Jesus, sondern schenkt auch Freuden; er legt nicht bloß Pflichten auf, sondern schenkt auch Kraft, sie zu erfüllen, nicht bloß Lasten auf, sondern hilft sie auch tragen. Betrübet er, er tröstet auch wieder; tötet er, macht auch wieder lebendig; führt er in die Hölle, er führt auch wieder heraus. Werdet deswegen so klug, dass ihr am ersten nach dem Reich und der Gerechtigkeit Gottes trachtet: das Andere wird euch zufallen.

Wer leben will, und gute Tage sehen,
Der mache sich zu dieses Hirten Stab;
Hier wird sein Fuß auf süßer Weide gehen.
Da ihm die Welt vorhin nur Träber gab;
Hier wird nichts Gutes je vermisst,
Dieweil der Hirt ein Herr der Schätze Gottes ist

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Beitragvon Peter01 » 20.04.2015 05:33

Gott war in Christo und versöhnete die Welt mit ihm selber, und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu, und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung.
2. Korinther 5,19


Welch eine gründliche, vollständige und standhafte Beruhigung schöpft der bußfertige Sünder aus dieser Versöhnung. Er lernt sie nicht sobald verstehen – und seine Sünden verschwinden wie ein Strohhalm in der Glut. Er betrachtet sich nicht mehr wie einen Sünder, sondern wie einen Heiligen, nicht mehr wie einen Strafbaren, sondern wie einen Gerechten; Gott ist ihm nicht mehr wie ein strenger Richter, sondern wie ein gnädiger Vater. So vergeblich seine frühern Bemühungen waren, durch des Gesetzes Werk in seinem Gewissen eine frohe Hoffnung des ewigen Lebens, Trost im Leben und im Sterben zu erlangen, so reichlich fließen sie ihm aus diesem Brunnen zu. Freilich sind diese Wirkungen in ihrer tröstenden als heiligenden Richtung in diesem Leben unvollkommen, abwechselnd, mancher Störung und Unterbrechung unterworfen; sie sind aber auch nicht für diese Welt berechnet. In ihrer ganzen Fülle werden sie sich erst dort erweisen, wo dieser Friedensstrom alle Schleusen durchbricht und alles überschwemmt. Bis dahin sind wir wohl selig, aber in der Hoffnung; wissend, dass wir einen Bau haben, von Gott erbaut, ein Haus, nicht mit Händen gemacht, das ewig ist im Himmel.

Ich bin durch Christum ausgesöhnt.
Der das Gesetz erfüllet;
Die Straf' ist völlig abgelehnt
Und aller Zorn gestillet.

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Beitragvon Peter01 » 21.04.2015 04:55

Ist meine Hand nun so kurz geworden, dass sie nicht erlösen kann? Oder ist bei mir keine Kraft zu erretten?
Jesaja 50,2


Ach, wie tun ähnliche göttliche Erinnerungen einer bedrängten Seele so ungemein wohl, und setzen ihre Füße aus dem Schlamm aufs Trockne. Es kann eine Seele zagend niedersinken über ihre Sündenmenge. O! wie wohltuend ist's ihr da, wenn sie innerlich und kräftig an das Blut Christi erinnert wird, das zu unserer Versöhnung rann. Wenn sie im Gefühl ihrer Schwachheit an seine Kraft, im Gefühl ihres Elendes an seine Durchhilfe erinnert wird. Alsdann bekommt sie Flügel, und verjüngt sich wie ein Adler. Wie angenehm beschirmt wird eine trauernde Christenseele, wenn sie nur einsieht, wie sie in ihrem Kummer das Blut, die Gerechtigkeit, die Gnade und Kraft Jesu Christi so übersehen, und so wenig oder gar nicht in Anschlag gebracht und bei ihrem Turmbau mit in Aufrechnung gebracht hat. Da wird der Unglaube wohl mit sehr süßen Tränen beweint und abgeschworen, oder doch geschrien: Ich glaube, lieber Herr! komm zu Hilfe meinem Unglauben, – oder mit Hiob gesagt: Ich will's nicht mehr tun. (Hiob. Kap. 40.5)

O wie vergelt ich Gott, was er mir tat,
Da Wohltat mich auf Wohltat überhäufen;
Wohlan ich will den Kelch des Heils ergreifen,
Gelobet sei sein Name früh und spat.

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Beitragvon Peter01 » 22.04.2015 05:48

Und er ging hinaus nach seiner Gewohnheit an den Ölberg. Es folgten ihm aber seine Jünger nach an denselbigen Ort.
Lukas 22,39


Und er ging hinaus an den Ölberg. Segensreicher Gang für alle bußfertige und gläubige Sünder, aber ein schauerlicher Gang für ihn selbst, dessen Natur unter der Last zu unterliegen drohte, so dass sein gejagtes Herz ihm trotz der Kälte der Nacht die Stirn mit Schweiß netzte, ja das Blut aus den Adern heraus presste, das tropfenweis zur Erde rann. Erschrickst du nicht, frecher Sünder, und willst du nicht eilend zur Buße dich anschicken, ehe du ohne Rettung in diesem Meer versinkest? Bedenke, was zu deinem Frieden dient, ehe es zu spät ist! Seine Jünger gingen mit. Sie sollten von ferne Zeugen der Wunder sein, die sich da mit Jesu selber zutrugen. Nicht nur Zeugen, sondern auch einigermaßen Mitgenossen der Leiden sollten sie sein, besonders die drei, welche Zeugen seiner Herrlichkeit gewesen waren. Sie sollten jetzt auch die verfinsterte Sonne sehen, die sie in ihrer vollen Pracht erblickt hatten. Wer mit Christo herrschen will, muss auch mit ihm leiden. Vor der Freude im Herrn geht die Trauer her, wie auf die Freude der Welt lauter Herzeleid folgt. Lieber mit Jesu und seinen Jüngern in Gethsemane, als ohne ihn in den glänzenden Gemächern der Wollust, deren Leckerbissen doch ohnehin nicht ohne beigemischte Sandkörner sind, wie Salomo recht sagt, und endlich nichts als Leid gebären, oft hienieden schon, und dort unausbleiblich. Lieber mit Jesu und seinen Jüngern geweint, als mit den Kindern dieser Welt gelacht, lieber um seiner Seelen Heil gezittert und gejagt, als mit ihnen gejauchzt und gefrohlockt. – Ist das auch eurer Sinn? – Wohlan denn, verlasst das gottlose Jerusalem und steigt mit Jesu den Ölberg hinan, wo er leidet, von wo er aber auch gen Himmel fährt. Wollt ihr? Er wird helfen.

Für mich ging mein Herr in Todesnöten,
In den Garten dort hinein,
Wo wir ihn hör'n weinend für uns beten,
Ach! Um unser Seligsein;
Für uns überfiel in Todesschauer;
Unser Heil ward seiner Seele sauer;
Für uns ist er im Gebet
Bald erblasset, bald erröh't.


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