Umgang mit Depressionen

Basiert auf "Biblische Lehre" - aber damit die Praxis nicht zu kurz kommt, ein Extra-Forum

Moderator: eddi

Gast

Beitragvon Gast » 06.04.2009 12:04

Arne hat geschrieben: Wie viele Christen sind ohne "Hoffnung", weil ihnen nicht bewusst ist - was sie in Christus Jesus für eine "Hoffnung" haben dürfen !
Und genau das ist das Problem. Depressive können diese Wahrheit oft nicht erkennen und es bringt auch nichts, sie 100mal darauf hinzuweisen. Es hilft aber immer, mit ihnen und für sie zu beten- um Gottes Willen, nicht zuerst um unseret willen.

Eine Sache, die mir auffällt ist die: daß sehr schnell aus eigenen "Erfahrungen" (die häufig als Beweis der Richtigkeit der eigenen Argumentation dienen) verallgemeinert wird. Ich sehe das sehr kritisch. Der Mensch ist zu vielschichtig, die Umstände zu diffizil, als das man alles über einen Kamm scheren kann. Hiobs Freunde machten denselben Fehler wie Manche in dieser Diskussion. Aber ich wiederhole mich...
M.
P.S.: danke Jörg für die guten inputs.

Gast

Beitragvon Gast » 06.04.2009 18:07

Eine Sache, die mir auffällt ist die: daß sehr schnell aus eigenen "Erfahrungen" (die häufig als Beweis der Richtigkeit der eigenen Argumentation dienen) verallgemeinert wird. Ich sehe das sehr kritisch.
Mir ist aufgefallen das deine Antwort eine eine Typische Standard Antwort ist !

.... Glaubst du daran das Jesus Christus Kraft hat Menschen zu Retten und ihnen auch zu zeigen das SEin Wort die Wahrheit ist ... ?

Ich Glaube das... und ich denke das Glauben wir aller... oder, etwa nicht - denn sonst bräuchten wir ja auch nicht Glauben...
Und genau das ist das Problem. Depressive können diese Wahrheit oft nicht erkennen und es bringt auch nichts, sie 100mal darauf hinzuweisen. Es hilft aber immer, mit ihnen und für sie zu beten- um Gottes Willen, nicht zuerst um unseret willen.
Ich habe doch genau das auch geschrieben... "es ist ihnen nicht Bewusst" und in anderer Weise, das so mancher an einem Punkt ist, wo alles reden schier ins eine Ohr rein und ins andere raus geht, aber ich weiß das es nicht umsonst ist - das ist vielleicht das was uns unterscheidet !

Ich habe an keiner stelle behauptet, das ein Christ nicht Depressiv sein darf und eben so wenig behaupte ich das dieser Mensch von heute auf morgen mit Freude durchs leben gehen muss !

Wir Vermitteln ihnen die Hoffnung die sie im Blick auf Jesus Christus haben können - das übrigens auch denen die noch Verloren sind und Jesus Christus noch nicht kennen !

Wir brauchen einfach mehr raum für eine begleitende Seelsorge... raum zu schaffen für Menschen die es ohne Hilfe von außen nicht schaffen, aber eben ohne jegliche Ideologie mit Dr. Titel.

Liebe Grüsse

So hier ist bei mir jetzt Schluss !
Zuletzt geändert von Gast am 06.04.2009 19:23, insgesamt 2-mal geändert.

Gast

Beitragvon Gast » 06.04.2009 19:07

Hallo,

ich möchte euch ein Buch empfehlen das mir eine Hilfe war einige Grundsätzliche dinge über Gott zu erfahren ( es ist eine brauchbare Hilfe, den sie zeigt auf den hin der wirklich helfen kann) - Versagen und innere Zerrissenheit von Walter Nitsche

Wäre das Buch nicht auch was für den Betanienverlag oder dem CLV ?

Das Buch gibt es nicht mehr, aber ich habe mal einen Links gesetzt wo ihr dieses Buch noch erwerben könnt...

http://www.amazon.de/Versagen-innere-Ze ... 3856662561

Hier noch einen Beitrag von mir zum selben Thema (im Bifo), wie dieses hier... von 2005 - übrigens die Raktionen von heute hätten auch die von 2005 gewesen sein können...
Einer sagte "Wer bin ich Mensch, das DU meiner Gedenkst ?

Jesus sagt zu uns das ER uns Liebt und uns umgestalten möchte, uns ein neues Wesen und eine neue Gesinnung schenken möchte - Das Alte ist vorrüber siehe neues ist geworden.
Ist damit auch mein Leid, meine erfahrene Not vorbei ?
Gewiss nicht, aber Jesus hat uns gezeigt wie wir durchkommen - schaue nicht auf DICH und ebenso auch nicht zurück - schaue auf mich und meine Liebe, auf mein Wort !
Leid ist uns ebenso verheissen wie Freude, wobei man heute dabei ist zu Glauben das das mit dem Leid nicht im Willen Gottes ist.
Warum ?
Viele Menschen sind im Leid Gereift und Gewachsen, warum hat Gott das zugelassen ?
Ich höre immer wieder - von Christen- Jesus möchte das wir Glücklich sind ich Denke das das ganz gewiss stimmt, aber ob er dies so meinte wie es heute verstanden wird, will ich bezweifel.
Denn wie viele bleiben Kraftlos am Boden liegen wenn sie festellen, das Jesus eben kein Glücksautomat ist. ER ist das Glück, Er selbst ist dieses Glück und diese Freude - Weil er mich liebt darum bin ich Glücklich auch wenn ich im Leid bin und dunkle stunden erfahre, eben daraus erwähst die zuversicht auf ihn, weil ich WEISS das er mich NICHT im Dunkeln lässt !!!!
Weil Er die Liebe ist kann ich mich auf ihn stützen und ausruhen, Kraft holen auch in Lieblosen Tagen !

Er ist mein Lieber Sohn, auf IHN sollt Ihr schauen !

Wenn ich auf mich schaue, was kann ich da sehen oder finden ?
Kraft die Berge versetzt ?
Glauben ?

Der Text von Andy mag vieleicht einigen sehr Hart erscheinen, aber ich bitte euch mal Ernsthaft darüber nachzudenken.

Liebe Grüsse
Mit dem TROST mit dem ihr getröstet wurdet könnt auch ihr die TRÖSTEN die in Not sind... (auch wenn dieser Trost bei manchen erst durch Beton muss :) )

Jörg
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Beitragvon Jörg » 06.04.2009 19:56

Dr. Martyn Lloyd-Jones (er war nicht Dr. der Theologie, sondern Dr. der Medizin) schreibt folgendes: "Für uns, die wir ebenfalls mit solchen Patienten zu tun haben, ist es ganz wichtig, daß wir davon ausgehen, daß es psychische Krankheiten tatsächlich gibt. Wenn wir dies abstreiten, tun wir vielen Menschen, die zu uns kommen, Unrecht und machen uns letzlich seelischer Grausamkeit schuldig....

Es gibt eine ganze Reihe von Fällen psychischer Erkrankungen, wo der Patient auf seelsorgerliche oder biblische Ratschläge überhaupt nicht reagiert, ja, wo ein seelsorgerlicher Zuspruch den Zustand sogar verschlimmern würde." (aus "das Beste von Martyn Lloyd-Jones, S.83, VLM-Verlag)

Gruß Jörg
Wer sich nur nach dem, was er fühlt, richtet, der verliert Christus. (Martin Luther)

Gast

Beitragvon Gast » 07.04.2009 16:54

.... das bestreite ich auch nicht - das Menschen in eine tiefe Seelischen Not hineingeraten können aus der sie allein nicht mehr herausfinden - doch wie schon gesagt - ist es ein Seelisches Leiden, in den wenigsten fällen ein Organisches (bei dem man sicher einen Neurologen zu Rate ziehen sollte) - doch was die Seele angeht ist Jesus Christus und SEin Wort die einzige wirkliche hilfe - den sie macht Lebens tauglich, gibt Lebenssinn und Kraft eben auch in Krisensituationen - eben weil Jesus Christus das leben ist - deshalb muss man sie erst einmal soweit wiederherstellen, ihnen einen Ort bietet in dem sie sich Bergen können so das sie Verstehen das es auch für sie eine berechtigte Hoffnung gibt - und sie lernen die dinge mit neuen Augen zu sehen und im Licht der Worte Gottes zu verstehen und zu beurteilen... sie werden Mündige Christen und werden fest im schauen auf IHN...

Und dazu gibt es auch Christliche Einrichtungen - Wendepunkt e.v und andere die noch Glauben das Jesus Christus auch hier der ist der Helfen kann ohne jeglichen Christlich gefärbten Humanismus !

Sicher können wir hier auch Trübsal blasen und uns gegenseitig runter ziehen wie Krank manche doch sind... und wie schier unmöglich es ist das das Wort Gottes, oder das was ich im Glauben tue, in solchen Situationen nichts ausrichten kann... doch diese Hoffnung sollten wir haben...

Lügen die der Mensch Glaubt... weil die Welt keine Antwort hat und die Pharmaindustie Millionen geschäfte damit macht...
Die Behandlung der Depression mit Tabletten stellt eine – in vielen Fällen – wirksame Methode zur Therapie dieser Erkrankung dar. Dies lässt sich damit erklären, dass die Depression – wie oben beschrieben – auf eine Stoffwechselstörung im Gehirn zurückzuführen ist. Die Medikamente sorgen auf verschiedene Weise dafür, dass diese Störung behoben wird.
http://www.lilly-pharma.de/gesundheit/d ... ssion.html

Eine Depression ist keine "Krankheit" - sondern ein Symptom unser Zeit und Jesus Christus ist die Antwort !!!

Jörg
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Beitragvon Jörg » 07.04.2009 18:15

Jetzt ist also wieder die Pharmaindustrie schuld! Genauso könnte ich sagen, Diabetes mellitus hat nichts mit einer Funktionsstörung der Schilddrüse zu tun, sondern die Pharmaindustrie will sich nur bereichern. Das ist doch unsachliche Kritik, also Polemik.

Arne, mir sind Menschen begegnet, die in religiösen Wahnvorstellungen glaubten, sie wären Johannes der Täufer. Daraufhin bekamen sie Psychopharmaka und nach einer gewissen Zeit waren sie frei von ihren Wahnvorstellungen und wieder einigermaßen lebensfähig.

Arne, Dein Problem ist, dass Du alles "vergeistlichst". Das hört sich zwar fromm an, kann aber böse enden.

Ich schließe mal wieder mit Worten von Martyn Lloyd-Jones: "Wir müssen endlich begreifen, daß auch eine psychische Krankheit eine "organische" Ursache hat, daß sie nämlich durch einen fehlerhaften Gehirnstoffwechsel hervorgerufen wird. Wir sind allzusehr von Freud und Konsorten konditoniert worden und sollten endlich wieder auf den Boden der Tatsachen zurückkehren! In diesem Zusammenhang besteht übrigens die begründete Hoffnung, daß die Phamakologie weitere Fortschritte macht und immer bessere Medikamente entwickelt." (aus "Das Beste von Martyn Lloyd-Jones, S.102/103, VLM-Verlag).

P.S.: Mir scheint übrigens der von Dir empfohlene Wendepunkt e.V. eine wesentlich ausgewogenere Sichtweise zu haben als Du. Hier wird eng mit Psychiatern zusammengearbeitet und es gibt auch keine Verteufelung von Psychopharmaka.

Gruß Jörg
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Gast

Beitragvon Gast » 07.04.2009 19:04

Jetzt ist also wieder die Pharmaindustrie schuld! Genauso könnte ich sagen, Diabetes mellitus hat nichts mit einer Funktionsstörung der Schilddrüse zu tun, sondern die Pharmaindustrie will sich nur bereichern. Das ist doch unsachliche Kritik, also Polemik.
Das ist doch Nonsens - das habe ich nicht behauptet und ist auch nicht sinn und Zweck der Übung - viel mehr habe ich gesagt das eine Depression keine Krankheit ist(so wie man uns einreden will) und ebenin den meisten fällen keine Organische Störung (in diesem sinne ist es eine Krankheit) vorliegt... - was aber durch aus möglich sein kann, und da ist es sicher Sinnvoll einen Neurologen aufzusuchen...

Es ist gut sich Hilfe zu holen, wenn man diese nicht ohne Menschliche Unterstützung bewältigen kann und da wird es sicher einige gute an laufspunkte geben - die eben dabei hilft den Blick wieder auf den auszurichten der uns liebt und unsere Hilfe, unser leben ist !
Zuletzt geändert von Gast am 07.04.2009 19:18, insgesamt 1-mal geändert.

lutz
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Beitragvon lutz » 07.04.2009 19:15

Beim momentanen Stand der Dinge würde ich gern folgende Frage an die medizinischen Experten stellen.
Ich bin mir nämlich in einer Sache jetzt nicht sicher.
Wir sind bei Depression. Der Mensch ist geschaffen zumindest aus Leib und Seele - eine Einheit.
Ist es denn in der Tat möglich genau festzustellen, was hier die Ursache ist (Leib oder Seele)?

Ich weiß z. B., dass Panikattacken zu den heftigsten leiblichen Reaktionen führen können.
Diese leiblichen Parameter sind anzeigbar über Messgeräte.
Wie muss ich mir also eine Beweisführung in Sachen Depression - organische Ursache vorstellen?
Wertet man die leiblichen Parameter der Depressiven aus und schlussfolgert dann auf die Ursache im leiblichen Bereich?
Ist es also zweifelsfrei belegbar, was hier den Anfang macht - Leib oder Seele?

An Arne:
Vielleicht könntest du mal genauer ausführen, was dich an der Äußerung: "Depression ist eine Krankheit." so stört.
Welche Gedankengänge verbindest du mit dem Wort "Krankheit"?

Danke!
Lutz

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Beitragvon Jörg » 07.04.2009 19:53

Arne, Du gehst mit keiner Silbe auf mein erwähntes Beispiel ein: Der Mann, der in seiner religiösen Wahnvorstellung meinte, er sei Johannes der Täufer.

Lehnst Du auch hier Psychopharmaka ab?

Bin auf Deine Antwort gespannt.

Jörg
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Gast

Beitragvon Gast » 07.04.2009 20:07

Hallo Lutz,

die frage ist sehr gut... was verstehe ich unter Krankheit oder warum trenne ich hier Körperlicher Krankheit und Seelische Not ?

Ich denke es ist an manchen stellen, in dem was ich geschrieben habe, wenigstens einigermaßen deutlich geworden das ich ebenso meine das ein körperliches gebrechen sehr wohl einen Arzt und eine entsprechende Behandlung, sowie auch die für das Gebrechen benötigten Medikamente benötigt - das soll hier bitte zur Kenntnis genommen werden !

Da ich aber Christ bin weiß ich um den zustand des Menschen, und wir, die sich Christen nennen, sollten darüber bescheid Wissen - den in der Bibel wird uns der zustand des Menschen beschrieben... (ich möchte das hier jetzt nicht weiter ausführen, aber ich meine das müsste uns allen klar sein)

Der Mensch ist keine von Chemie gesteuerte Maschine, nein sie ist ein Wesen das Verantwortung für sein leben trägt ... der Mensch wir von Gefühlen, seinen Vorstellungen über das was er leben nennt, seinen Träumen, von Wünschen, von Zielen getrieben die ihm seinen Wert und seinen Sinn geben soll - ich rede jetzt von einem Menschen der Jesus Christus noch nicht gefunden hat... der Mensch wird von vielen dingen umtrieben... und getrieben... man frag sich vielleicht was das jetzt mit einer Depression zu tun hat...

Fragt mal einen Wirtschaftsexperten der kann euch das genau erklären ;)

Doch es läuft nicht alles so wie der Mensch sich das vorstellt... er stößt früher oder später an seine grenzen und muss erkennen das es da noch mehr außerhalb seines Denkens und seiner Vorstellung gibt - viele Menschen haben gelernt den daraus entstandenen Fragen die durch solche Grenzsituationen entstehen auszuweichen... spielen Theater und versuchen ihr leben irgenwie zu meistern - andere haben nicht mehr die kraft dieses Theater mitzuspielen oder sie sind von der Realität einfach erschlagen...

Das ist auch der nähr Boden für eine Depression... wenn der Mensch an seine Grenzen stößt, wie auch immer diese für ihn aussehen... Auslöser kann Einsamkeit sein, der Verlust eines geliebten und für ihm wichtigen Menschen usw.... die Palette kann beliebig erweitert werden... und wenn man man die gruppe von Jugendlichen fragt die wegen einer Depression behandelt werden sollte man sich anhören was sie umtreibt... auch den Alten Menschen... oder den Geschäftsmann, und sogar den Psychologen der selbst in Depressionen gefangen ist, weil er sieht das das was er tut keine wirkliche Hilfe bieten kann...

Jesus Christus sagt... ich bin das leben... ich bin der Weg...

Der Mensch ist ein von Gott geschaffenes Wesen das darauf angelegt war in Gemeinschaft mit IHM zu leben und zu SEiner Ehre - doch wir Wissen das diese Gemeinschaft zu Bruch ging wegen des Ungehorsams des Menschen ... so zog das Elend ein bei den Menschen... ich weiß das das was ich hier schreibe nichts für Wissenschaftsgläubige Menschen ist - aber hier nahm alles seinen Anfang...

Du Lutz, ich kann das hier gar nicht in kürze vermitteln :) - denn dazu brauch ich auch noch einen Haufen Bibelstellen und auch noch ne menge mehr... es wäre so schön wen andere sich hier beteiligen würden... und davon schreiben würden wie Jesus Christus ihnen zur Kraft wurde, obwohl sie doch so schwach sind.... etwas Licht hineinbringen mit ihren Lampe... Rufen und ziehen zu dem der Rettet... Licht macht, aufhilft ...

Kurz und knapp:

Da ist ein Loch im Herzen des Menschen... wenn das nicht gestopft wird kollabiert der Mensch - Bildhaft gesprochen .... doch nur einer kann es füllen !!!

"Depression" - ist ein Verzweifelter Schrei nach leben... - wie antworten wir ihnen ?

Das muss ich aber mal weitergeben... es ist zwar nicht eine ausführliche Schilderung darüber was eine Depression ist - aber ich fand es passend zum Thema hier

lutz
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Beitragvon lutz » 07.04.2009 22:34

Hallo Arne,

du unterscheidest körperliche Gebrechen und seelische Not.
Bei körperlichen Gebrechen gibt es keine Probleme in Beziehung Arzt - Behandlung - Medikamente.
Der Mensch ist keine von Chemie gesteuerte Maschine.
Dem werden sicher die Meisten weithin zustimmen.

Nun kommen wir zum Bereich der seelischen Not.
Hier muss ich nochmals nachfragen:
Du koppelst "Depression" mit "ein verzweifelter Schrei nach Leben".
Verstehe ich dich richtig, dass in deinen Augen "Depression" eine Art Vorstufe für Bekehrung, Wiedergeburt ... sein kann?
Verstehe ich dich richtig, dass in deinen Augen "Depression" eine spezielle Krafterweisung des Herrn bei Gläubigen nach sich zieht?

Wenn ich so denke, dann würde es in der Tat bedeuten, dass ich mit Psychopharmaka jemanden vom Heil abhalten oder spezielle Krafterweisungen des Herrn verdunkeln kann.

Lutz

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Beitragvon Jörg » 08.04.2009 05:00

Jörg hat geschrieben:Arne, Du gehst mit keiner Silbe auf mein erwähntes Beispiel ein: Der Mann, der in seiner religiösen Wahnvorstellung meinte, er sei Johannes der Täufer.

Lehnst Du auch hier Psychopharmaka ab?

Bin auf Deine Antwort gespannt.

Jörg
Hallo Arne, keine Antwort ist auch eine Antwort. Denn wenn Du die Frage mit Nein beantwortest, würdest Du Dich in Widersprüche verwickeln. Beantwortest Du Sie mit Ja, müsste ich Dein Verhalten als unverantwortlich bezeichnen, denn auch Du müsstest zugeben, dass der psychisch Kranke Deine gut gemeinten frommen Ratschläge nicht annehmen kann.

Grüße Jörg
Wer sich nur nach dem, was er fühlt, richtet, der verliert Christus. (Martin Luther)

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Beitragvon ewigesleben » 08.04.2009 05:48

Hallo,

zum Thema Psychopharmaka möchte ich noch anmerken, dass diese schon sehr bedenklich sind, man muss abwägen, wie schwer eine Depression ist, und ob so etwas wirklich notwendig ist. Ich kenne leider einige Fälle, in denen diese Medikamente die Menschen wirklich kaputt gemacht und in die Abhängigkeit gebracht haben. Die Leute merken, wenn sie diese nehmen, dass es ihnen emotional plötzlich besser geht, die Gewichtszunahme stört sie dann noch nicht einmal, und schwören auf diese Tabletten, ohne die sie - wie sie selbst zugeben - nicht mehr leben können. Problem ist auch, dass man nicht die eigentliche Ursache der Depression sucht und versucht daran zu arbeiten, sondern einfach die "Depression mit Tabletten herunterschluckt".
Zudem verändern Psyhopharmaka den Menschen in seiner Persönlichkeit.
Es ist sehr traurig, wie psychisch kranke Menschen in Kliniken einfach mit Psychopharmaka "zugedröhnt" werden, apathisch werden, sich verändern, und ihnen am Ende doch nicht geholfen ist - im Gegenteil, es wird noch viel schlimmer, da die Menschen abhängig gemacht werden und das eigentliche Problem umgangen wird.
Man müsste sich ja mit einem Problem auseinandersetzen, und das ist ja heute sehr unpopulär... Mit Tabletten lässt sich ein Mensch eben viel schneller abfertigen.
Ich persönlich lehne daher Psychopharmaka ab und würde sie selbst niemals nehmen. Ich habe gute Erfahrungen damit gemacht, die Phase der Depression mit des HERRN Hilfe durchzustehen, Sein Wort zu studieren, ja als Nahrung in mich aufzunehmen und allein IHN als Hilfe anzuflehen.
Dennoch möchte ich das nicht verabsolutieren, denn ich denke, dass es verschiedene Arten der Depression gibt, und bei manchen wird es wohl sinnvoll sein, für einen gewissen Zeitraum Psychopharmaka zu nehmen.
Tatsache ist, dass viel zu viele Menschen dieses Teufelszeug nehmen, obwohl es nicht notwendig wäre, und sie dadurch noch mehr Schaden nehmen.
Primär sollte immer der HERR in Seinem Wort und im Gebet selbst konsultiert werden, der doch unsere Seele am besten kennt und uns eine Hilfe in jeder Not ist.

Viele Grüße
Maria
»Der Tod ist verschlungen in Sieg! Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg?«
(1.Kor.15,54-55)

Gast

Beitragvon Gast » 08.04.2009 09:23

Hallo Jörg, lutz
was genau Ursache einer Depression ist, bleibt oft unklar. Meist ist es ein Mischbild. Was sicher ist, ist die deutliche Zunahme der Depression in der "westlichen" Gesellschaft, in hochtechnologisierten Ländern. Streß spielt eine wichtige Rolle, der Leistungsdruck, den eine sich immer schneller verändernde Gesellschaft erzeugt, sich selbst mit ihr zu verändern, auf neue Herausforderungen jederzeit und souverän zu reagieren. Wir nennen das Erschöpfungsdepression. Auch der Christ ist davon nicht ausgenommen. Er erlebt im Beruf und häufig auch in der Gemeinde einen immer stärker werdenden Leistungsdruck. Die rein organischen Ursachen von Depression sind die Minderheit. Sicher ist, daß Kranke mit einer Depression veränderte Hirnstoffwechsel haben (Ursache--> Wirkung). Hier setzen die Medikamente an. Man vermutet, daß Menschen mit Depression auf äußere und innere Einflüsse mit einer verminderten Resistenz reagieren
Wie auch immer: eine Trennung des Leibes von der Geistseele ist schier unmöglich. Genauso gilt das aber auch umgekehrt. Ansätze zur Hilfe wären gesamtgesellschaftliche Transformation, Entschleunigung, genauso wie individuelle Konzepte: "Nein-sagen" lernen etc., aber auch Gebet und ärtzlicher Rat, im letzten Falle als ultima ratio auch Medikamente.
Gott arbeitet m.E. nicht gegen die Erkenntnisse der Medizin, noch kann man das Gottvertrauen gegen eine ärztliche Behandlung ausspielen. Einem Christen eine neue Herzklappe zu verweigern, weil er doch durch "Glauben" oder "Vertrauen" oder "Heilung" heil würde ist genauso fahrlässig wie bei Depression eine medikamentöse Behandlung kategorisch abzulehnen, weil es eben ein "geistliches" Problem sei. Jemand sagte sehr treffend: die Medikamente sind eine Krücke des Arztes. Sie sind oft nötig, um den Patienten aus seinem Loch herauszuholen, um den Alltag möglich zu machen, um Suizide zu verhindern, um das Kreisen um sich selbst zu beenden. Wenn also hier Medikamente gegen biblischen Rat ausgespielt werden dann ist das wenig hilfreich- schon deswegen, weil keiner von den Diskutanden ein Fachmann ist. Glaube und ärztliche Behandlung schließen sich weder bei Bliddarmentzündung noch bei Depression aus. Sie ergänzen sich, wobei das Gottvertrauen die Grundlage, das Fundament bleibt.

Hallo ewigesleben,
eine gut konzeptionierte antidepressive Therapie gleicht nicht dem von Dir beschriebenen Horrorszenario. Neueste AD haben sehr viel weniger Nebenwirkungen als die alten trizyklischen Antidepressiva. Natürlich hat ein Medikament, das in den Hirnstoffwechsel eingreift Wirkung und Nebenwirkung. Hier ist enge Zsammenarbeit von Arzt und Patient nötig. Oft hilft ein Wechsel der Substanzklasse.
Ich weiß nicht, ob Du schon mal in einer psychiatrischen Klinik gearbeitet hast. Deine Beschreibung hört sich eher nach "Klischee" an. Leider gibt es Situationen, wo man sich zwischen zwei Übeln entscheiden muß: entweder, der Patient randaliert, halluziniert, zerstört sich selbst und andere oder er bekommt Neuroleptika, im Akutfall auch Tranquilizer. Dann ist er "ruhiggestellt"- sicher. Wer aber das o.a. Gegenteil erlebt hat, der entscheidet sich oft für das zweite Übel. Es dient dazu, einen Akutzustand mit Schäden für Leib und Leben des Patienten oder anderer Menschen zu verhindern.
Wo wir tatsächlich ein gesellschaftliches Problem haben ist bei der unkontrollierten Verschreibung und Einnahme von Benzodiazepinen, sog. "Beruhigungsmitteln" ("ich brauch es zum Schlafen"). Da stelle ich mich meistens stur und gebe sie nur bei Schmerzen, Agitiertheit oder nach Operation. Hier ist ein Abhängigkeitspotential (psychisch) häufig.
Gruß
M.

P.S.: Arne: was bewegt Dich eigentlich, hier so engagiert zu schreiben? Bist Du Seelsorgeexperte für Depression? Hast Du selbst schlechte Erfahrungen mit Ärzten gemacht? Möchtest Du Gottes Ehre hochheben, die Du durch Beiträge von Jörg oder mir beeinträchtigt siehst? Findest Du, ein depessiver Christ solle doch ohne Medikamente nur und allein durch Vertrauen auf Jesus heil werden? Meinst Du, Depressionen seien bei Christen ein rein geistliches Problem (bis auf die organisch bedingten Ausnahmen), das deswegen auch geistlich gelöst werden müsse? Wenn wir dich besser verstehen wäre das hilfreich, sonst schreiben wir seitenweise aneinander vorbei.

eugen
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Registriert: 11.04.2007 14:25
Wohnort: Karlsruhe

Beitragvon eugen » 08.04.2009 12:11

Hallo M.,

hast du überhaupt die Beiträge vom Arne gelesen? Ich habe nicht das Gefühl. Lies mal den Beitrag von Arne vom 05.04.2009 22:00.
Dann klären sich vielleicht einige Fragen.


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