Griechische Brille

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Moderator: Jörg

R.H.
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Griechische Brille

Beitragvon R.H. » 29.09.2007 12:14

Viele Arminianer und auch chalcedonisch-orthodox denkende Pfingstler, wie der amerikanische Theologe Gordon Fee sind der Ansicht, dass reformatorisch gesinnte Christen, die in der Tradition Augustins stehen, alles aus einer griechisch philosophischen (aristotelischen) Perspektive betrachten. Unsere Erwählunglehre und die Gebundenheit des Geistes an das Wort wären einem antiken Juden wie Paulus fremd gewesen. Solche Thesen können einem an die Sustanz gehen, weil man das Vertrauen in die eigene beurteilungsfähigkeit der Schrift verliert. Was nützt es wenn ich beim natürlichen (ohne der Schrift spekulative Gewalt anzutun) lesen des ersten Kapitels des Epheserbriefes die Erwählungslehre für mich bestähtigt finde, wenn ich als Mitteleuropäer, und somit griechischem Erbe, von Haus aus falsch programmiert bin. Auch die reformatorischen Bekenntnisschriften und Auslegungtraditonen sind dann keine zuverlässige
Stütze mehr, da auch bsw. die Verfasser des Westminsterbekenntnisses die griechische Brille trugen und nicht wussten wie ein Jude dachte. Wie denkt ihr? Wie kann man diese ungesunde Paranoia ablegen? ??!
Es ist nichts neu in der Theologie - ausgenommen das, was falsch ist.
(C.H. Spurgeon)

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Joschie
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Beitragvon Joschie » 29.09.2007 12:35

Ja wie denkt ein Jude damals und heute,der Umkehrschluß ist doch der das denn alle Völker die an Jesus glauben jüdisch denken müsten ??! ??! ??!
Gruß und Segen vo $:P :wink: nJoschie
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Gast

Beitragvon Gast » 29.09.2007 14:50

Hallo R.H.,

darf ich vermuten, dass Du dieses Thema aufgreifst, weil Du Dich mit Bibelkritik beschäftigst?
Nach einer theologischen Arbeit im Internet zufolge würde ich vermuten, dass Dir eine Arbeit von Darrell J. Doughty aufgefallen ist.
Um besser ins Thema einzusteigen würde ich gerne Deine Meinung darüber hören. Gehe doch bitte über google.de mit dem Suchwort Gordon Fee Kritik auf die pdf-Datei mitdem Namen " P P F E P".
Siehst Du denn diesbezüglich ein "normatives Paradigma", wie der Verfasser Darrell J. Doughty aufzustellen versucht ?
Im ersten Überblick würde ich sagen, dass diese Meinung ein Angriff auf die Echtheit der Bibel ist.

Hinsichtlich Deiner gestellten Frage muss ich mich schlauer machen.

Gruß

Olly

R.H.
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Nicht Bibelkritik ist das Problem

Beitragvon R.H. » 30.09.2007 15:13

Hallo Olly,

ich habe mir den Bericht angesehen aber, mein Problem ist nicht die Bibelkritk, sondern meine kulturelle Prägung. Gordon Fee meint unser Blick für die biblische Wahrheit ist durch augustinisches und mit ihm griechisch philosophisches Denken verzerrt. Pfingstlerische Theologen wie Fee lehnen das filioque ab und dadurch bekommt der Heilige Geist eine stärkere Eigendynamik, da er nicht mehr so ans Wort gebunden ist. Auch die Erwählunglehre soll einem antiken Juden fremd gewesen sein und ist nur ein Produkt unserer augustinisch-aristotelischen Prägung (Brille), die uns den Text einfach anders verstehen lässt als es die damalige Intention des Autors war.

Liebe Grüße

Roman
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Ron
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Beitragvon Ron » 01.10.2007 17:54

Hi zusammen,

grundsätzlich muss man sagen, dass es die Regel ist, seinen theologischen Gegnern "griechisches Denken" (oder Überhaupt ein philosophisches Gebäude) vor zu werfen. Bei einigen stimmt es, bei anderen nicht.
Übrigens ist das dieselbe Diskussion, wie in der KBA mit Hempelmann. Hempelmann weigerte sich die Chicago-Erklärung zu unterschreiben, weil er dieser vorgeworfen hatte, sie sei von aristotelisch-griechischem Denken (und nicht hebräischem) Denken geprägt gewesen. Dies ist völliger Unsinn, wie viele Gegenartikel dazu gezeigt haben (siehe dazu die Diskussion in den Büchern von Stadelmann, von Siebenthal, Baum uva.). Ähnlich ist der Vorwurf von Fee in Bezug auf die Erwählungslehre oder Wort und Geist zu werten: es ist schlichtweg falsch und ein rein rhetorisches Argument.
Sowohl die Erwählungslehre als auch das Zueinander von Wort und Geist ist eben nicht auf griechischem Denken begründet. Dies habe ich (und andere vor mir) damit belegt, dass beide Lehren bereits im AT (d.h. vor jeglichem griechischen "Philosophieren") stark bezeugt werden - und das NT greift diese Lehre des AT auf und ist sicher nicht durch griech. Philosophie geprägt. Es ist mal wieder die kritisch-liberale Theologie, die hier hinter solchen Argumenten steht. Daher datiert sie zB Aussagen des AT zur Erwählung oder zu Wort und Geist in die Exilszeit, weil man ja glaubt, dass diese Lehren erst mit der griechischen Kultur aufkamen. Dies ist natürlich schlichtweg falsch. Und wenn man diesen bibelkritischen Gedanken weiterdenkt, dann werden diese Leute auch mit der Gottheit Jesu etc. Probleme haben. Und das dies so ist, beweisen uns die Aussagen der Bibelkritiker zuhauf. Wer sich also (wie Hempelmann oder Fee u.a.) hinreißen lässt, diese Argumente zu bringen, der vermittelt nicht nur Falschdarstellungen, sondern auch handfeste Bibelkritik (denn dies ist Grundlage für ein solches Denken).

Außerdem: es ist genau umgekehrt. Die Lehre der Erwählung wird zumeist von der griechischen Philosophie und dem Humanismus abgelehnt, weil sie den Menschen als freie Kreatur sehen will. Für einen Hebräer im AT war es kein Problem zu wissen, dass allein Israel das auserwählte Volk Gottes war und die anderen Völker von den Segnungen der Gottesgegenwart und dem Heil ausgeschlossen waren. Dasselbe gilt für die Trennung von Wort und Geist, die eben ihre Wurzeln in der griechischen Philosophie hat, weil man nicht glaubte, dass der göttliche Geist (oder überhaupt etwas Göttliches) sich mit irdischen Dingen (wie zB menschliche Worte und Buchstaben) verbinden können.

Es gibt aber - um dies fairnishalber zu betonen - auch einige Wissenschaftler, die dies ehrlicherweise richtig darstellen (v.a. bei der Wort und Geist Frage, wo die meisten deutlich sehen, dass die Trennung von Wort und Geist griechische Wurzeln hat und nicht umgekehrt [wie Fee u.a. behaupten]).

Zu all den Themen siehe ausführlich zur Erwählugnslehre Senk.Ronald.2006. Das Israel Gottes.Hamburg: RVG, S.118ff; und zur Wort und Geist Frage Senk, Ronald. 2007. Das Schwert des Geistes. Oerlinghausen: Betanien).

Viele Grüße
Ron
Zuletzt geändert von Ron am 01.11.2007 09:25, insgesamt 1-mal geändert.

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Joschie
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Beitragvon Joschie » 02.10.2007 11:32

Hallo R.H.!
Könntest du bitte mal eine Quellenangabe machen, wo das steht von Gordon Fee?
Gruß und Segen vo :wink: $:P n Joschie!
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R.H.
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Beitragvon R.H. » 02.10.2007 12:10

Hallo Joschie,

Fee widmet sich diesem Thema Hauptsächlich in dem Buch "God's Empowering Presence" eine 992 Seiten starke Ausführung paulinischer Pneumatologie. Deutsch gibt es die auf 280 Seiten abgespeckte Variante:
"Der Geist Gottes und die Gemeinde" Leuchter Edition.
Im Netz findet man kritische Seiten wie http://jmm.aaa.net.au/articles/9455.htm
oder Bruder Olly hat mich auf folgende Seite aufmerksam gemacht:
http://www.radikalkritik.de/PaulinPara1.pdf

Liebe Grüße

Roman
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