Was bedeutet Gnade??

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Joschie
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Was bedeutet Gnade??

Beitragvon Joschie » 11.07.2008 13:40

Ich lese gerade den Epheserbrief dabei ist mir aufgefallen das der Begriff Gnade sehr of vorkommt :!: Dazu einige Fragen:
1.Was bedeutet Gnade :?:
2.Welche Rolle hat der Vater,Sohn und der Heilige Geist bei der Gnade :?:
3.Welche anderen Begiffe gibt es für die Gnade :?:
4.Welche Auswirkung hat sie auf den einzelnen Gläubigen und die Gemeinde :?:
Gruß und Segen von Joschie
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€rni
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Gnade

Beitragvon €rni » 11.07.2008 20:41

Hallo Joschie,

eine schöne Frage! Mir ist zuerst aufgefallen, dass Paulus nicht einfach von Gnade spricht, sondern z. B. in 1:7 vom Reichtum der Gnade.

Nun aber zu deinen Fragen:

1. Was ist Gnade?

Irgendwo habe ich gelesen, dass Gnade eine unverdiente Gunst Gottes ist. Gnade ist also das Gegenteil von Verdienst. Ich bekomme etwas, was ich nicht verdiene. Was hätte ich denn von Gott verdient? Die Antwort ist klar: den Zorn Gottes, ewige Verdammnis wegen meiner Sünde. Gnade bedeutet aber, dass Gott mir etwas gibt, was ich nicht verdient habe, nämlich Vergebung der Sünden, ewiges Leben, ...

Dabei müssen wir bedenken, dass Gnade nicht bedeutet, dass Gott einfach unsere Schuld übersieht und Sünde nicht straft. Nein, Gnade bedeutet vielmehr, dass Gott etwas getan hat, was wir selbst nicht tun können. Gott ist heilig und gerecht und er kann nicht einfach über meine Sünde hinwegsehen. Er muss (!) strafen. Gnade bedeutet, dass Gott, der Vater, an meiner Stelle seinen eigenen sündlosen Sohn, unseren Herrn Jesus Christus, straft und mir an seiner Stelle dessen Gerechtigkeit zuordnet. Gnade bedeutet, dass Gott mein Erlösungswerk vollbringt, welches ich selbst nicht vollbringen kann.

2. Welche Rolle haben Vater, Sohn und Geist?

Gott, der Vater, plante schon vor Grundlegung der Welt, dass es keine andere Möglichkeit der Errettung gibt als durch die Gnade. Sein ganzes Heilshandeln läuft darauf hinaus.

In dem Herrn Jesus Christus, seinem Kommen, seiner Kreuzigung, seiner Auferstehung, Himmelfahrt führt der Vater sein Gnadenwerk aus. Aus gibt keine Gnade außerhalb des Heilswirkens durch den Sohn.

Der Heilige Geist öffnet dem Sünder die Augen für seine Verlorenheit, so dass er erkannt, dass er nicht vor Gott bestehen kann und dass seine einzige Hoffnung in dem Herrn Jesus Christus und seinem vollbrachten Erlösungswerk besteht. In Verbindung mit der Verkündigung des Evangeliums ruft Er den Sünder zur Buße und zum Glauben an den Herrn Jesus Christus.

3. Welche anderen Begriffe

Ich denke, Erbarmen ist verwandt mit Gnade. Erbarmen ist die Herablassende Liebe Gottes, und diese zeigt sich insbesondere im Kommen des Herrn Jesus Christus.

4. Welche Auswirkungen hat die Gnade

Nun, wir denken in erster Linie meist an Sündenvergebung und ewiges Leben. Aber Gnade ist mehr. Wenn du Eph. 1:3-12 liest, dann siehst du, dass die Gnade mehr beinhaltet, nämlich Gottes Wirken, dass wir heilig und untadelig sind (4), Söhne Gottes (5), erlöst (7) . eine Einheit unter dem Haupt des Herrn Jesus Christus (1o), ein ewiges Erbe (11), ein Leben zur Ehre Gottes (6,12,14). Gnade bedeutet auch, dass wir, die wir einst Feinde Gottes waren, Vergebung empfangen haben (2:1-10) und die wir einst fern von Gott waren, nun "Gottes Hausgenossen" sind (2:19-22) und schließlich (und dies ist ja ein Thema des Epheserbriefes) zur Gemeinde Gottes gehören dürfen.

Wollen wir über den Reichtum der Gnade Gottes anbeten? Gott hätte uns bestrafen müssen, aber in seiner Gnade vergibt er uns nicht nur durch den Herrn Jesus Christus, nein, er gibt uns Anteil an seiner Herrlichkeit.

Liebe Grüße

€rni

Gast

Beitragvon Gast » 12.07.2008 08:16

Hallo Joschie,
den Begriff "Gnade" kann man nicht so alleinstehend betrachten. Es ist Gnade, die uns Gott gibt, indem er uns die Versöhnung mit ihm durch Jesus Christus anbieten und schenkt (wenn wir sie denn annehmen). "Gnade" aber als sigulärer Begriff deckt das aber nicht ab und kann daher zu ganz anderen Irrtümern und Fehlschlüssen kommen.

Daher sollte parallel oder in einem dazu auch die "Gerechtigkeit Gottes" behandelt werden.

Martin

maxb
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Beitragvon maxb » 12.07.2008 09:08

mhing, das kommt drauf an, wie man zur Erwählung und zum freien Willen des Menschen steht. Ich denke, die Gnade selbst rettet bereits und ist nicht nur ein Angebot. Das kann man aber auch in einem anderen Thread diskutieren.

Gast

Beitragvon Gast » 12.07.2008 09:39

Hallo Max,
damit gibst du zu, dass das folgende von deiner vorgesetzen Meinung allein abhängt? Das wäre nun nicht so toll.

Nein, ich will keine Neudiskussion über das Thema, das du nun anschneidest. Mir wurde nur selbst vor Jahren klar, wie sehr die Gerechtigkeit Gottes die Frage nach der Gnade betrifft. Gott ist die Gerechtigkeit. Gnade ist aber genau ein Bruch dieser Gerechtigkeit. Wer begnadigt wird, wird durch diesen Akt unverdient von der ihm zustehenden Strafe verschont. Begnadigung macht dich nur von der Strafe frei, nicht aber vom Urteil.
Mit diesem Gedanken kommen wir nicht in die Nähe des biblischen Begriffs der Gnade.

Gottes Gnade erfolgt in vollster Gerechtigkeit:
Er lässt Christus für uns sterben. Christus stirbt für unsere Schuld. Dadurch trägt er die Last der Sünde. Es wird also die Folge der Sünde nicht begnadigt, nicht großzügig darüber hinweg gesehen, sondern es wird diese Schuld komplett getilgt und beseitigt. Die Gnade Gottes ist also nicht großzügig über unsere Vergehen hinweg zu sehen, sondern durch den Tod Christi als einzige Möglichkeit diese Schuld komplett und endgültig zu tilgen. Durch den sündlosen Tod Christi am Kreuz sind diese Schulden komplett hinweg und fort.

Der Punkt ist nur der, dass dieses Opfer nicht automatisch für die Menschen gilt. Es ist nicht so, dass dieses Opfer pauschal wirkt, sondern es muss angenommen und zugerechnet werden. Genau diese Begriffe finden wir in der Bibel:
(Ich betrachte bei einem Thema immer die Erstnennungen im Wort)
1Mo 6,8 Noah aber fand Gnade vor dem HERRN.
1Mo 6,9 Dies ist die Geschichte Noahs: Noah, ein gerechter Mann, war untadelig unter seinen Zeitgenossen; mit Gott wandelte Noah.
1Mo 7,1 Und der HERR sprach zu Noah: Geh in die Arche, du und dein ganzes Haus! Denn dich habe ich gerecht ersehen unter diesem Geschlecht.
1Mo 15,6 Und Abram glaubte dem HERRN, und das rechnete er ihm zur Gerechtigkeit.
Die Gerechtigkeit und die Gnade des Heils wäre damit klar. Doch noch unklar ist, wie der Mensch nun in diese Gerechtigkeit kommt. Hier ist der strittige Punkt: Bekommt er diese Zurechnung des Opfers Christi ohne oder mit seinem Zutun? Aus diesen beiden Erstnennungen des Begriffes "Gnade" und "gerecht" ist aber zu sehen, dass es nicht trennbar ist.

Was wäre aber nun der Fall, wenn Gott dem einen diese Gnade so einfach zurechnen würde, dem anderem nicht? Es wäre genau dieser Bruch in der Logik: Erst lässt er seinen Sohn qualvoll sterben und dann rechnet er nach Belieben zu. Erst macht er einen überaus mühevollen Weg zum Heil um dann das Heil nur einigen zugänglich zu machen? Erst sagt er, dass er nicht das Verderben des Gottlosen will, dann aber rechnet er ihm das notwenige Heil nicht zu? Wie kann er die Menschen auffordern, mit ihm zu rechten und legt ihnen die Dinge vor zur Entscheidung, wenn es diese Entscheidung gar nicht gibt?

Aus diesem Grund sind die Begriffe wie Gnade und Gerechtigkeit nicht trennbar.

Martin

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Joschie
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Beitragvon Joschie » 12.07.2008 11:01

Hallo Ihr!
Ich habe das Thema bewußt hier reingesetzt. In einem Bereich wo Nutzer mit verschiedenen geistigen Prägungen schreiben.Hier können alle Fragen um die Gnade gestellt werden. Freu mich auf euren Austausch.
Gruß und Segen von Joschie
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

maxb
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Beitragvon maxb » 12.07.2008 11:29

Gerade, weil Gnade und Gerechtigkeit bei Gott eng miteinander zusammenhängen, sind wir aus Gnade ohne unser Zutun gerettet.
Wenn Gott Jesus wirklich stellvertretend für alle Menschen bestraft hat und Jesus tatsächlich den Zorn Gottes für alle Menschen auf sich genommen hat, dann bleibt kein Zorn mehr für alle Menschen übrig und alle Menschen werden gerettet. Es kommt also darauf an, ob man die Kraft oder den Umfang des Sühneopfers beschränkt. Ich bin überzeugt, dass die Kraft in keinster Weise eingeschränkt ist, sondern der Umfang. Noah und Abraham waren wie alle anderen Menschen auch Sünder und der Glaube hat keinen von beiden gerettet. Der Opfertod Jesu hat sie gerettet. Der Glaube ist Gottes Weg diese Gerechtigkeit an die Menschen zu verteilen, denn der Glaube ist eine Gabe Gottes und nicht jeder bekommt diese Gnade. Eph 2,8: Denn aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben und das nicht aus euch, Gottes Gabe ist es.

Römer 3,25: Ihn hat Gott hingestellt als einen Sühneort durch den Glauben an sein Blut zum Erweis seiner Gerechtigkeit wegen des Hingehenlassens der vorher geschehenen Sünden

Gott hat den alttestamentlichen Gläubigen die Sünden nicht zugerechnet. Bis zum Tag der Kreuzigung war nicht verständlich, wie er das machen konnte ohne selbst ungerecht zu sein. Auf Golgatha hat Gott seinen Sohn geschlachtet und alle Strafe, die die Sünder treffen sollte, hat Jesus getroffen. Deswegen kann niemand, für den Jesus stellvertretend gestorben ist, bestraft werden. Jesus hat den Zornbecher ausgetrunken. Gott hat das in seiner Gnade für eine Vielzahl von Menschen, die niemand zählen kann, getan.

Gast

Beitragvon Gast » 12.07.2008 11:46

Hallo Max,
nach der Liste von Joschie sind wir noch bei Punkt 1: Was ist Gnade?

Gnade und Gerechtigkeit Gottes ist untrennbar. Dass Christus sich für uns opferte ist Gnade, Gerechtigkeit Gottes ist, dass es ohne dieses Opfer keine Gnade geben kann, keine Vergebung. Nur durch ein Opfer konnte entsprechend der Gerechtigkeit Gottes diese Schuld hinweg getan werden.
Daher ist es keine billige Gnade, kein Begnadigen, sondern nur aus der unermesslichen Heiligkeit, Gerechtigkeit Gottes heraus verständlich.

Diese Opfer Christi am Kreuz ist unverdient. Es wurde ohne unser Zutun gebracht und gilt universell, d.h. für alle Menschen aller Zeiten. Der Weg, dieses Opfer für sich persönlich zu erhalten ist die Zurechnung. Das wird ausdrücklich bei einigen Personen so genannt. Doch setzt man nun an, dass diese Gnade nur eingen Menschen zugänglich ist (weil sie dafür bestimmt sind, andere eben nicht), kommt man wieder zurück zum Problem der Gerechtigkeit Gottes. Es passt nicht zur Gerechtigkeit Gottes einen zu erwählen und den anderen zu vernichten. Auch das Handeln Gottes, seine Aussagen widersprechen solch einer Annahme:
Er ruft den Sünder zur Buße, die Engel jubeln über einen Sünder der umkehrt, nicht über die 100 gerechten, der Gottlose soll leben und nicht untergehen, wie oft wollte Gott Israel sammeln und zur Nachfolge bringen, ....

Daher sehe ich die Frage nach der Gnade sehr eng mit der Frage nach der Gerechtigkeit verbunden. Wenn wir keine Chance hätten, keine Wahl, gäbe es auch keine Gerechtigkeit sondern nur Automatismus.

Martin

Gast

Beitragvon Gast » 12.07.2008 12:46

maxb hat geschrieben:Gerade, weil Gnade und Gerechtigkeit bei Gott eng miteinander zusammenhängen, sind wir aus Gnade ohne unser Zutun gerettet.
Wenn Gott Jesus wirklich stellvertretend für alle Menschen bestraft hat und Jesus tatsächlich den Zorn Gottes für alle Menschen auf sich genommen hat, dann bleibt kein Zorn mehr für alle Menschen übrig und alle Menschen werden gerettet. Es kommt also darauf an, ob man die Kraft oder den Umfang des Sühneopfers beschränkt. Ich bin überzeugt, dass die Kraft in keinster Weise eingeschränkt ist, sondern der Umfang. Noah und Abraham waren wie alle anderen Menschen auch Sünder und der Glaube hat keinen von beiden gerettet. Der Opfertod Jesu hat sie gerettet. Der Glaube ist Gottes Weg diese Gerechtigkeit an die Menschen zu verteilen, denn der Glaube ist eine Gabe Gottes und nicht jeder bekommt diese Gnade. Eph 2,8: Denn aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben und das nicht aus euch, Gottes Gabe ist es.

Römer 3,25: Ihn hat Gott hingestellt als einen Sühneort durch den Glauben an sein Blut zum Erweis seiner Gerechtigkeit wegen des Hingehenlassens der vorher geschehenen Sünden

Gott hat den alttestamentlichen Gläubigen die Sünden nicht zugerechnet. Bis zum Tag der Kreuzigung war nicht verständlich, wie er das machen konnte ohne selbst ungerecht zu sein. Auf Golgatha hat Gott seinen Sohn geschlachtet und alle Strafe, die die Sünder treffen sollte, hat Jesus getroffen. Deswegen kann niemand, für den Jesus stellvertretend gestorben ist, bestraft werden. Jesus hat den Zornbecher ausgetrunken. Gott hat das in seiner Gnade für eine Vielzahl von Menschen, die niemand zählen kann, getan.
Wie berechnet man denn genau den "Umfang des Suehneopfers"? Wieviel ml Blut kosten 1 Millionen Menschen? Wieviel gibt es fuer einen Geiselhieb?

maxb
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Beitragvon maxb » 12.07.2008 13:02

Das ist eine Frage nach dem Wert des Blutes. Der Wert wird aber nicht in Frage gestellt. Das Blut reicht aus um so viele Menschen zu retten, wie es gibt, gab und geben wird und noch mehr. Es geht darum für wen es gedacht ist - für wen es gilt. Es waren aber nicht die Geißelhiebe, die für unsere Sünden bezahlt wurden. Es war Gottes Zorn, der auf Jesus ausgegossen wurde - nicht die Nägel, nicht der Speer und nicht die Peitschen der Menschen.

Gast

Beitragvon Gast » 12.07.2008 13:38

maxb hat geschrieben: Das ist eine Frage nach dem Wert des Blutes. Der Wert wird aber nicht in Frage gestellt. Das Blut reicht aus um so viele Menschen zu retten, wie es gibt, gab und geben wird und noch mehr. Es geht darum für wen es gedacht ist - für wen es gilt.
Gut! Und fuer wen gilt das Suehneopfer Jesu? Fuer alle, die an Christus glauben und ihr Vertrauen auf ihn und sein Werk setzen.
Joh 3:16 Denn Gott hat die Welt so geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe.
Das heisst es ist nicht der verwerfende Ratschluss Gottes, der die Wirksamkeit des Suehneopfers JEsu beschraenkt, sondern der Unglaube des Menschen.

Die Lehre, dass die Wirksamkeit des Opfers JEsu und der Errettungswille Gottes universal sind, d.h. allen Menschen gelten, heisst auf Latein "gratia universalis" = die universale Gnade. Es ist also ein Lehrsatz, der das Wesen der Gnade Gottes beschreibt. Eben das diese universal ist und allen Menschen gilt.

Wer diese - historisch christliche Lehre - verwirft, weil er/sie meint, dass sie der anderen Lehre von der Gande, der sola gratia, d.h. dass die Errettung des Menschen nur aus Gott entspringt, widerspricht, zeichnet ein unbiblisches Bild vom Wesen der Gnade Gottes und damit vom Wesen Gottes selber. Er verunglimpft Gott.

rean
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Beitragvon rean » 12.07.2008 20:54

Das heisst es ist nicht der verwerfende Ratschluss Gottes, der die Wirksamkeit des Suehneopfers JEsu beschraenkt, sondern der Unglaube des Menschen.
Ein interessantes Beispiel liefert uns Apostelgeschichte, ist vielleicht etwas weiter ausgeholt, aber gibt die Lehre der Souveränität Gottes wieder. Zum einen heißt es:

Apg 12,5 Petrus nun wurde in dem Gefängnis verwahrt; aber von der Versammlung geschah ein anhaltendes Gebet für ihn zu Gott.

Und dann heißt es:

Apg 12,14 Und als sie die Stimme des Petrus erkannte, öffnete sie vor Freude das Tor nicht; sie lief aber hinein und verkündete, Petrus stehe vor dem Tore.
Apg 12,15 Sie aber sprachen zu ihr: Du bist von Sinnen. Sie aber beteuerte, daß es also sei. Sie aber sprachen: Es ist sein Engel.
Apg 12,16 Petrus aber fuhr fort zu klopfen. Als sie aber aufgetan hatten, sahen sie ihn und waren außer sich.

Da stellt sich doch die Frage, mit was für einen Glauben wohl die Gemeinde für Petrus gebetet hat? Offensichtlich war er nicht all zu groß…
Ich möchte natürlich nicht verneinen, dass Jesus oft erwähnt, dass der Glaube des Menschen eine Rolle spielt, aber zu meinen, dass Gottes Souveränität und die Errettung vom Glauben des Menschen abhängt, ist nicht biblisch, wie deutlich hervorgeht.

Genauso ist es mit der Wirksamkeit des Sühneopfers! Es hat in vollkommener Weise das vollbracht, wozu es bestimmt war und zu meinen, dass der Unglaube des Menschen dieses beschränkt, ist biblisch ebenso wenig haltbar.

Mich würde gerne interessieren, was du damit meinst
Es ist also ein Lehrsatz, der das Wesen der Gnade Gottes beschreibt. Eben das diese universal ist und allen Menschen gilt.
Nicht etwa, dass Gott alles vollbracht hat, aber nun die Errettung vom Menschen abhängt und er den Schritt/Entscheidung für Christus treffen muss, oder etwa doch?

Wenn du aber die allgemeine Gnade meinst, dass der Regen über alle Menschen fällt, die Sonne über die Bösen und Guten scheint, die Früchte der Erde allen Menschen dienen etc., dann ist doch alles in Butter.

rean
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Beitragvon rean » 12.07.2008 21:13

Ist mir gerade noch eingefallen...

Wenn du sagst
Das heisst es ist nicht der verwerfende Ratschluss Gottes, der die Wirksamkeit des Suehneopfers JEsu beschraenkt, sondern der Unglaube des Menschen.


und das Evangelium nach Johannes sagt:

Joh 6,29 Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Dies ist das Werk Gottes, daß ihr an den glaubet, den er gesandt hat.

Dann hast du doch im Prinzip genau gesagt, dass eigentlich nicht der Mensch, sondern Gott selbst, da er den Glauben bewirkt, das Sühneopfer "beschränkt", du weißt nur noch nicht von deinem Glück...

maxb
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Beitragvon maxb » 12.07.2008 21:25

Die Johannesstelle ist nicht ganz so gut für diesen Zweck, weil es im Zusammenhang einfach nur bedeutet, dass Gott Glauben fordert. Dass Gott den Glauben auch gibt, ergibt sich aber z.B. aus Phil 1,29 und Eph 2,8

lutz
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Beitragvon lutz » 12.07.2008 22:15

Was ist Gnade?

Apg. 20, 24: " ... Zeugnis für die Heilsbotschaft von der Gnade Gottes abzulegen."
Das Evangelium ist untrennbar mit dem Verständnis von der Gnade Gottes verknüpft.
Und hier merken wir immer wieder, wie die Meinungen gehörig auseinander gehen.
Ist das Verständnis von der Gnade Gottes nicht konsequent Seinem Wort entnommen, dann haben wir sofort eine Veränderung des Evangeliums und umgekehrt.

Die Frage nach der Erlangung des Heils betrifft alle Religionen und Weltanschauungen.
Das Einzigartige am Christentum besteht in dieser Beziehung darin, dass es keine Selbsterlösungsreligion ist.
Gott ist der allein Handelnde und der alleinige Garant für das Gelingen.
ER macht sich nicht abhängig von fehlbaren, unzuverlässigen Menschen. In Gottes Wort finden wir genug Beschreibungen über die Willigkeit, Treue, Selbstdisziplin, Gehorsam, "Glauben" ... des Menschen.
Jeder, der sich selbst im Lichte von Gottes Wahrheit erkennen durfte - weiß, welche Katastrophe es bedeutet, wenn das Heil von ihm und seiner Entscheidung, ja selbst von seinem Glauben abhinge ...

Martin Luther hat wohl die humanistischen Ansichten des Desiderius Erasmus mit dem Schwert (Bibel) zerschlagen. Trotzdem folgen die Meisten der humanistischen Gesinnung des Erasmus, ja selbst in der lutherischen Kirche hielt diese durch Melanchthon nach Luthers Tod wieder Einzug. Die Kirchengeschichte zeigt immer wieder, wie versucht wurde aus der biblischen Lehre eine Selbsterlösungsreligion zu machen. Die Mehrheitsmeinung (und sei sie noch so historisch-christlich) ist in dieser Frage nicht empfehlenswert.

@mhing:
Wenn wie du richtig schreibst, Gottes Gerechtigkeit dadurch erfüllt wurde, dass der Herr für die Sünden der Menschen bezahlte, so ist damit eine Tatsache erfüllt. Bezahlt ist bezahlt, unabhängig von der Entscheidung eines Menschen. Mir ist unklar, wie der Mensch dann dieser Bezahlung für seine Sünden wieder verlustig gehen kann (indem er sich dagegen entscheidet, indem er nicht annimmt)?

Mk. 10, 45: "denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich bedienen zu lassen, sondern um selbst zu dienen und sein Leben als Lösegeld für viele hinzugeben."

Mt. 26, 28: "Denn dies ist mein Blut, das Blut des (neuen) Bundes, das für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden."

Lutz


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