Buße und Bekehrung

Lehrfragen in Theorie und Praxis - also alles von Bibelverständnis über Heilslehre und Gemeindelehre bis Zukunftslehre

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eugen
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Buße und Bekehrung

Beitragvon eugen » 21.06.2009 21:47

Guten Abend zusammen,

was ist der Unterschied zwischen Buße und Bekehrung? Was ist Bekehrung und was Buße?

Gruß
Eugen

Ralf_Wtal
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Demütigung

Beitragvon Ralf_Wtal » 24.06.2009 09:11

Hallo Eugen,

wenn ich diese Begriffe höre, frage ich mich immer zuerst: Warum und Wofür? Ist denn Gott nicht so lieb, daß wir diese Fragen einfach übergehen können? Der postmoderne Christ fragt doch eher danach, wie er sich Gott für sein Leben nutzbar machen kann. Ich bin polemisch. Deine Frage hat einen todernsten Hintergrund.

Warum Bekehrung ? – Sünde (gr. harmatia) bedeutet doch etymologisch Zielverfehlung. Der Mensch befindet sich entweder auf dem falschen Weg, nämlich nur zu sich selbst oder läuft neben der Spur, also auch nur zu sich selbst, aber fromm angestrichen. (Röm. 3,12; Röm 11,26; Judas 18)

„... denn nicht alle, die aus Israel sind, die sind Israel, auch nicht, weil sie Abrahams Same sind, ...“ (Röm. 9,7 EÜ) Das sollte uns, die wir aus den Nationen erwählt sind, eine Warnung sein. Das schlimmste Übel ist die orthodoxe Vermessenheit, der Stolz auf die selbst bewirkte Bekehrung, ohne Gott die Ehre zu geben, der Beginn einer frommen Karriere.

„ ... bekehre mich, daß ich mich bekehre, denn Du bist JHWH, mein Gott. Denn nach meiner Bekehrung empfinde ich Reue, und nachdem ich zur Erkenntnis gebracht worden bin, schlage ich mich auf die Lenden. Ich schäme mich und bin auch zu Schanden geworden, denn ich trage die Schmach meiner Jugend. (Jer. 31, 18.19 EÜ).

Bekehrung ist immer Wirkung Gottes, ein Auftun der Augen und Ohren des Herzens, ein ständiger Prozess, denn wie schnell sind wir in Gefahr, vom Wege abzukommen. Das ist verletzend, wenn Gotteserkenntnis und Selbsterkenntnis zur ständigen Umkehr und Versöhnung mit Gott aufrufen. Ohne Demütigung (Buße ist der tief empfundene Schmerz und die Dankbarkeit dafür, daß sich mir Gott zuwendet, um zu korrigieren) wird die Forderung von JOM KIPPUR (im Gesetz Mose regelmäßig) nicht erfüllt (3. Mose 3, 29 – Heb. 10,29)

Ralf

Jörg
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Beitragvon Jörg » 25.06.2009 17:36

Paulus bezeugte "sowohl Juden als auch Griechen die Buße zu Gott und den Glauben an unseren Herrn Jesus Christus" (Apg. 20,21). Das ist Bekehrung! Diese beiden Dinge müssen unbedingt vorhanden sein: Buße und Glaube. Fehlt eins von beiden, kann man nicht von Bekehrung sprechen. Es sind aber die einzig notwendigen Elemente der Bekehrung.

Jörg
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math1as
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Beitragvon math1as » 25.06.2009 21:02

Hab vor einiger Zeit einmal dieses Thema studiert.

Buße (gr. Meta-noeo)

Änderung seines Sinnes, sich bekehren, sein Denken (wieder) Gottes-Denken anpassen
Die Auswirkungen einer Sinneswandlung müssen sichtbar sein!

Für Ungläubige und Gläubige

Der Herr verzieht nicht die Verheißung, wie es etliche für einen Verzug achten, sondern er ist langmütig gegen euch, da er nicht will, daß irgend welche verloren gehen, sondern daß alle zur Buße kommen.
2.Ptr.3,9

Gedenke nun, wovon du gefallen bist, und tue Buße und tue die ersten Werke; wenn aber nicht, so komme ich dir und werde deinen Leuchter aus seiner Stelle wegrücken, wenn du nicht Buße tust.
Off.2,5

Bekehrung (gr. Epi-strepho)

Zurückkehren, zurückkommen
Die Bekehrung ist die erste Buße und kann daher nicht wiederholt werden!

Gott wirkt sie durch uns.
..bekehre mich, daß ich mich bekehre, denn du bist der HERR, mein Gott. Jer.31,18

So tut nun Buße und bekehret euch, daß eure Sünden ausgetilgt werden, damit Zeiten der Erquickung kommen vom Angesicht des Herrn,
Apg.3,19

http://truth.gyger.at/2008/02/rettung.html

Jörg
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Beitragvon Jörg » 26.06.2009 17:30

math1as hat geschrieben: Die Bekehrung ist die erste Buße und kann daher nicht wiederholt werden!
Wobei der Begriff "Bekehrung" auch auf Gläubige bezogen werden kann. Unser HERR sagte einmal zu Petrus: "Wenn du dich dereinst bekehrst, so stärke deine Brüder." (Lukas 22, 32)
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eugen
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Beitragvon eugen » 26.06.2009 17:46

Jörg hat geschrieben:
math1as hat geschrieben: Die Bekehrung ist die erste Buße und kann daher nicht wiederholt werden!
Wobei der Begriff "Bekehrung" auch auf Gläubige bezogen werden kann. Unser HERR sagte einmal zu Petrus: "Wenn du dich dereinst bekehrst, so stärke deine Brüder." (Lukas 22, 32)
Kann man Petrus zu diesem Zeitpunkt als "bekehrt" bezeichnen? Ich denke nicht. "Bekehrt" bin ich wenn der Heilige Geist mich reinigt und in mir wohnt. Das konnte man von Petrus nicht behaupten.

Jörg
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Beitragvon Jörg » 26.06.2009 18:06

eugen hat geschrieben: Kann man Petrus zu diesem Zeitpunkt als "bekehrt" bezeichnen? Ich denke nicht. "Bekehrt" bin ich wenn der Heilige Geist mich reinigt und in mir wohnt. Das konnte man von Petrus nicht behaupten.
"Als nun Jesus am Galilläischen Meer entlangging, sah er zwei Brüder, Simon, der Petrus genannt wird, und Andreas, seinen Bruder; die warfen ihre Netze ins Meer; denn sie waren Fischer. Und er sprach zu ihnen: Folgt mir nach; ich will euch zu Menschenfischern machen! Sogleich verließen sie ihre Netze und folgten ihm nach" (Matthäus 4, 18-20).

Wow, das nenne ich eine dramatische Bekehrung! Seinen Beruf zu verlassen, um Jesus nachzufolgen. Wer könnte das schon von sich erzählen?

Kann Bekehrung nicht auch einen allmählichen Prozeß beinhalten? Manche Zeugnisse von Christen hören sich für mich verdächtig an. Bei ihnen hört es sich so an, als sei am Tag ihrer Bekehrung ALLES in Ordnung, alles ist nur noch wunderbar. Doch auch hier ist mehr Schein als Sein und die Realität sieht anders aus. Leider!
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Jörg
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Beitragvon Jörg » 27.06.2009 07:52

Und außerdem: wenn Petrus zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekehrt war, war er demzufolge auch nicht gläubig und auch nicht gerettet. Oder schlußfolgere ich hier falsch? Gibt es etwa Gläubige, die nicht bekehrt sind? Das wäre ein Widerspruch in sich selber.

Wenn Petrus noch nicht bekehrt wäre, käme es mir aber seltsam vor, daß Jesus diesem Petrus, nachdem er gesagt hat "Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn!" (Mt. 16,16), antwortete "Selig bist du, Simon, Jonas Sohn; denn Fleisch und Blut haben dir das nicht offenbart, sondern mein Vater im Himmel." (Mt. 16,17).

Nein, da finde ich die Erläuterung in der "Lutherbibel erklärt" zu Lukas 22, 32 besser: "wenn du dereinst dich bekehrst: Die Nachfolge war die erste Bekehrung. Nach der Verleugnung bedarf es einer zweiten, vertieften Hinwendung zu Jesus."

Martin Luther faßt dieses prozeßhafte in unserem Glaubensleben so wunderbar zusammen: "Dieses Leben ist nicht eine Frömmigkeit, sondern ein Frommwerden, nicht eine Gesundheit, sondern ein Gesundwerden, nicht ein Wesen, sondern ein Werden, nicht eine Ruhe, sondern eine Übung. Wir sind´s noch nicht; wir werden´s aber. Es ist noch nicht getan und geschehen; es ist aber in Gange und Schwange. Es ist nicht das Ende; es ist aber der Weg. Ein Christ ist im Werden, nicht im Worden-sein."

Gruß Jörg
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Beitragvon math1as » 27.06.2009 13:10

Der Vers "Wenn du dich dereinst bekehrst, so stärke deine Brüder." (Lukas 22, 32) Impliziert doch das Petrus sich noch nicht bekehrt hatte oder? sonst ist der Vers irgendwie sinnlos.

Ich würde argumentieren das bevor der HG zu Pfingsten auf die Jünger kam sie auf der gleichen Basis gerechtfertigt wurden wie die Heiligen des Alten Testaments aus glaube darauf das Gott einen Weg zu ihrer Rettung schaffen würde und im vertrauen zu auf seine Verheißungen hin. (1.Mo 15,6 Und er glaubte dem4 HERRN; und er rechnete es ihm als Gerechtigkeit an.)

Natürlich bedeutet ein Bekehrung nicht das man keine Sünde mehr tut: 1.Joh 1,8 Wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben, betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns.
Aber gleichzeitig herrscht die Sünde nicht mehr über uns wir fallen immer noch auf ihre Lüge herein haßen sie aber und verabscheuen was wir tun. Ein Zitat von Martin Luther fasst dies gut zusammen, lässt aber außer acht das bei der Bekehrung wirklich etwas im Menschen geschah. Er wurde wieder geboren. Das dürfen wir nicht vergessen.

Die Bekehrung selbst geht glaub ich sprungartig aber es kann einen längeren Prozess geben daer dazu führt das ich mich bekehre. Gott zieht uns ja zu dem Punkt wo wir aufgeben und uns bekehren.

Eine Abhandlung zu dem Thema ist beim Schwengeler Verlag erschienen. Die Leseprobe behandelt genau das worüber wir sprechen.

http://www.cbuch.de/product_info.php/in ... tWort.html

Jörg
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Beitragvon Jörg » 27.06.2009 13:48

math1as hat geschrieben:Der Vers "Wenn du dich dereinst bekehrst, so stärke deine Brüder." (Lukas 22, 32) Impliziert doch das Petrus sich noch nicht bekehrt hatte oder? sonst ist der Vers irgendwie sinnlos.
Vielleicht bringt folgende kurze Erklärung zu Lukas 22,32 ein wenig Licht ins Dunkel:
http://www.bibelkommentare.de/index.php ... wer_id=606
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eugen
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Beitragvon eugen » 27.06.2009 19:49

Jörg hat geschrieben:Vielleicht bringt folgende kurze Erklärung zu Lukas 22,32 ein wenig Licht ins Dunkel:
http://www.bibelkommentare.de/index.php ... wer_id=606
bibelkommentare.de hat geschrieben:Petrus war ohne Frage schon seit mehreren Jahren „bekehrt“ (vgl. Lk 5, 8-11) und liebte seinen Herrn mit der ganzen Kraft seiner Seele.
--> Luk 5,8-11 "8 Als das Simon Petrus sah, fiel er Jesus zu Füßen und sprach: Herr, geh weg von mir! Ich bin ein sündiger Mensch. 9 Denn ein Schrecken hatte ihn erfasst und alle, die bei ihm waren, über diesen Fang, den sie miteinander getan hatten, 10 ebenso auch Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, Simons Gefährten. Und Jesus sprach zu Simon: Fürchte dich nicht! Von nun an wirst du Menschen fangen. 11 Und sie brachten die Boote ans Land und verließen alles und folgten ihm nach. "

Für mich ist es nicht "ohne Frage", dass Petrus damals bekehrt war. Ich stimme Math1as zu, dass Petrus wohl eine Rechtfertigung der Heiligen des ATs erfahren hat, diese aber etwas anderes war als die Bekehrung. Dieser Vers aus Lukas spricht lediglich von dem Dienst des Petrus. Im AT hat der Heilige Geist schon öfter Menschen zum Dienst für Gott befähigt ohne, dass diese eine Bekehrung erlebt haben. Deshalb halte ich diesen Vers für eine schwache Begründung für Petrus' Bekehrung.

Jörg
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Beitragvon Jörg » 28.06.2009 08:17

eugen hat geschrieben:

Für mich ist es nicht "ohne Frage", dass Petrus damals bekehrt war. Ich stimme Math1as zu, dass Petrus wohl eine Rechtfertigung der Heiligen des ATs erfahren hat, diese aber etwas anderes war als die Bekehrung.
"Die Rechtfertigung der Heiligen des ATs" schloß immer auch die Buße/Bekehrung mit ein. Es wurde auch im AT niemand gerechtfertigt ohne Bekehrung/Buße (und auch Petrus wurde nicht ohne Buße/Bekehrung gerechtfertigt). Deine Aussagen hören sich für mich so an, als ob es im Alten Testament keine Bekehrungen gab. Das diese Schlußfolgerung falsch ist, sieht man am Beispiel Ninive: "und sie sollen sich in den Sack hüllen, Menschen und Vieh, und zu Gott rufen mit Macht. Und ein jeder bekehre sich von seinem bösen Wege und vom Frevel seiner Hände! Wer weiß? Vielleicht läßt Gott sich gereuen und wendet sich ab von seinem grimmigen Zorn, daß wir nicht verderben. Als aber Gott ihr Tun sah, wie sie sich bekehrten von ihrem bösen Wege, reute ihn das Übel, das er ihnen angekündigt hatte, und tat´s nicht." (Jona 3, 8-10) Hier sieht man Schwarz auf Weiß, daß es auch im Alten Testament Bekehrungen gab, die Gott als solche anerkannte.

Ein weiterer Beiweis für Bekehrungen im AT sind die Bußpsalmen. Was lehrten uns die Reformatoren über wahre Buße/Bekehrung? Zwei Dinge sind unbedingte Voraussetzung: Reue und Glaube. Beides kann man in den Bußpsalmen finden (und auch bei Petrus, siehe Lukas 5, 8). Das dabei auch schon der Heilige Geist am Werk ist, zeigt Psalm 51, 12-14: "Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz, und gib mir einen neuen, beständigen Geist. Verwirf mich nicht von deinem Angesicht, und nimm deinen Heiligen Geist nicht von mir. Erfreue mich wieder mit deiner Hilfe, und mit einem willigen Geist rüste mich aus."

Und zum Schluß: "Wir finden das Zeitwort "bekehren" (hebr. schub) im atl. Text ca. 1050mal. Es wird in außerordentlich vielfältiger Weise angewandt als "sich wenden", sich umkehren, zurückkehren, sich abwenden, wiederherstellen, zurückgeben", aber auch in seiner besonderen Bedeutung als "bekehren, sich bekehren, umkehren" (ca. 120mal) im Sinne einer Änderung der Lebenshaltung, einer Rückkehr zum lebendigen Gott." (Lexikon zur Bibel von Fritz Rienecker, R. Brockhaus). Man sieht also, "Bekehrung" ist auch im AT höchst präsent. Und wie gesagt, ohne Buße/Bekehrung gab es weder bei Petrus noch bei den Heiligen des Alten Testamentes eine "Rechtfertigung".

Sehr betonen möchte ich allerdings, daß Buße im Glauben nicht die Rechtfertigung macht, sondern der Glaube empfängt die Rechtfertigung aus Gnade.

Grüße, Jörg
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Ralf_Wtal
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Bekehrung, Wiedergeburt, Heiligung.

Beitragvon Ralf_Wtal » 28.06.2009 21:18

Hallo zusammen,

hier wogt es ja mächtig hin und her.
Mit dem Blasen des Schofar an Rosch Ha-Schana werden die zehn Bußtage bis Jom Kippur angekündigt und unter anderem an den Empfang der Tora auf dem Berg Sinai erinnert.
Das Volk wird an seine begangenen Sünden erinnert und zur Buße und Umkehr aufgerufen. Das greift Jörg vollkommen richtig auf. Bekehren ist das Bedenken der eigenen Sündhaftigkeit, Demütigung und Zurückkehren zu dem Herrn. Das ist im AT und im NT nicht anders. Die Feste und deren Bedeutung im AT dienen uns als Beispiel, das können wir nicht einfach übergehen.

Was hier von der anderen Seite gesagt wird, ist die klassische pietistische Trilogie:
Bekehrung, Wiedergeburt, Heiligung.

Das Lutherzitat von Jörg: „Dieses Leben ... ist ein Frommwerden ...“ kann es treffender nicht ausdrücken. Darin sind wir uns doch einig, daß Glaube wachsen muss. Wer Bekehrung als Prozess aufgibt, muss ausweichen und Heiligung als Prozess verstehen. Das schauen wir uns einmal näher an:

Wer von Heiligkeit spricht, muss das Profane und das Heilige strickt voneinander trennen. Dies fordert eindrücklich die erste Bitte des Vater Unser: „Dein Name werde geheiligt ...“
Heiligung ist Absondern und Dienstbarmachung für die Sache des Herrn, damit der Wille Gottes geschieht: „Dein Wille geschehe ...“ Heiligung liegt ausschließlich in der Souveränität Gottes. Nirgendwo steht in der Bibel, dass Heiligung eine Um- bzw. Rückwandlung (Restauration) des Menschen ist. Wir sollen Christus nachfolgen. Ich aber bin fleischlich, unter die Sünde verkauft (Röm. 7,14) Je mehr ich mein Elend und meine Sünde erkenne, wird Christus zu einem Zufluchtsort. Er ist der neue Mensch (Eph. 2,15) der in der Auferstehung erworden ist. Der alte Mensch ist in Christus gestorben, und die Toten vollbringen keine Werke mehr.

Das tief im Menschen verankerte Begehren, etwas im Fleisch (die Kreatürlichkeit des Menschen, seine Abstammung von Adam) vollenden zu wollen, wird im Galaterbrief thematisiert. „Ihr liefet gut; wer hat Euch aufgehalten ... (Gal. 5,7) Bei den Galatern ist es das Gesetz, im durch Tersteegen geprägten rheinischen Pietismus das mystische Heiligungsstreben, das die Gelüste des Fleisches wider den Geist hervorruft. Die Unfreiheit, in die der Mensch zurückfällt (und die er nicht wahrhaben will ), wird dadurch offenbar, das er sich auf den Standpunkt zurückzieht, Gott selber bewirke in ihm die Umgestaltung und da nur der Geist Gottes weiß, was im Menschen ist, muss dies durch andere nicht unbedingt wahrgenommen werden. Vor der Frage, ob der Mensch sich denn in seinem Heiligungsstreben in einer Norm befindet, weicht er aus. Schließlich wird die Gnade nach dem Maße der Gabe des Christus gegeben (Eph. 4,8). Will man das Maß der Gabe des Christus so verstehen, dass jedem eine angemessene Portion zugewiesen wird, wird diese Portion zum erklärten Maßstab, an dem der Mensch sich orientieren soll. Das lässt sich dann wunderbar relativieren. Wer mit dieser Einstellung sein Gewissen beruhigen kann, steht in der Gefahr in einer Oberflächlichkeit zu verharren, die eine Prüfung des Gewissens verhindert und damit eine tiefergehende Sündenerkenntnis nicht mehr zulässt, schließlich ist man ja bekehrt. Dann muss man auch erklären, daß Bekehrung nicht wiederholbar ist und den Prozess eines fleischlichen Heiligungsstrebens in Gang setzt.
Mit derartigen semantischen Klimmzügen werden bereits im Pietismus des 18. Jahrhunderts die Wurzeln für den Abfall vom alleinigen Heil in Christus gelegt.


Zusammenfassung: Bekehrung ist die ständige Hinwendung zum Herrn. Heiligung geschieht durch die souveräne Gnade unseres Herrn (Eph. 5,27) Sie ist Absonderung und Beauftragung zum Dienst, um Wachstum und Weiterentwicklung im Reiche Gottes zu fördern.

Die Beziehung zwischen Bekehrung und Wiedergeburt folgt ...

Ralf

Jörg
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Beitragvon Jörg » 29.06.2009 05:17

"Der Zöllner aber stand ferne, wollte auch die Augen nicht aufheben zum Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir Sünder gnädig! Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt hinab..." (Lukas 18, 14)

"Und er sprach: Jesus, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst! Und Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein." (Lukas 23, 42-43)

Frage an Eugen und Matthias: War denn - im Gegensatz zu (nach Eurer Meinung) Petrus - der Zöllner und der Schächer bekehrt?

Einen schönen Tag wünscht

Jörg
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Gast

Beitragvon Gast » 29.06.2009 10:44

hallo,
wie ist das eigentlich mit Rechtfertigung, mit Wiedergeburt, mit Taufe im heiligen Geist- alles ein Prozess? Kein einmaliges Ereignis? Haben wir vielleicht ein Begriffschaos (Bekehrung/Wiedergeburt, Heiligung)?
Verwirrt,
M.

P.S..ich finde die Frage sehr interessant, ob man im AT anders erlöst wurde als im NT. Da gibt es ja die verschiedensten Auffassungen, von "sie wurden auf Christus hin erlöst" bis zu "sie wurden einfach in einer anderen Haushaltung erlöst (und gehören nicht zur Gemeinde)". Mich würde Eure Erkenntnis diesbezügl. interessieren.


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