Wie erkennt man die Wiedergeburt an sich oder an anderen?

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Christine
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Wie erkennt man die Wiedergeburt an sich oder an anderen?

Beitragvon Christine » 21.11.2011 13:02

Hallo!

Jesus sagt, dass man wiedergeboren sein muss, um das Reich Gottes zu sehen.
Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht von neuem geboren wird, so kann er das Reich Gottes nicht sehen! Johannes 3, 16
Es ist also ganz enorm bedeutsam, dass man genau weiß, ob man wiedergeboren ist.

Hierbei kann ein Gotteskind auch mal ganz schlimm angefochten sein und unsicher, ob es wirklich dem Herrn gehört. Das kann an mangelndem Glauben, mangelnder Bibelkenntnis oder auch an der nicht-perfekten Lebensführung liegen. Ob grobe oder kleinere Sünden, das spielt nicht mal eine Rolle. Zuweilen können einem die "kleineren" Sünden sogar noch schlimmer anfechten, weil die oft so gar nicht in das Selbstbild passen wollen.

Wie erkennt man also eine Wiedergeburt zweifelsfrei an sich selbst?
Und kann das Umfeld auch erkennen, ob man wirklich wiedergeboren ist? Wenn ja, wie?
Und noch weiter: können wir auch selbst erkennen, wenn jemand wiedergeboren ist? Welche Kriterien nennt die Bibel hier?

Grüße Christine

Jörg
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Beitragvon Jörg » 22.11.2011 05:33

Hallo Christine, ich glaube, daß durch die Wiedergeburt eine Veränderung bewirkt wird, die vorher nicht vorhanden war. Hier einige dieser Veränderungen:

- Hunger nach Jesus und seinem Wort (Jesus ist das Brot des Lebens; "begierig nach der vernünftigen lauteren Milch wie die neugeborenen Kindlein - 1. Petrus 2, 2)

- Jesus Christus und sein Blut ist mein einziger Trost

- “dass ER uns von Seinem Geist gegeben hat” (1. Joh. 4,13; 3,24) und ich nun meine Sünde, die ich vorher geliebt habe, hasse. Das heißt aber nicht, dass ich deshalb vollkommen bin. Das sieht man sehr deutlich an Petrus: Er verleugnete und wurde zum Lügner und Heuchler; aber dann heißt es von ihm “Er ging hinaus und weinte bitterlich”

- Liebe zu den Geschwistern im Herrn. Deshalb heißt es “Daran wird jedermann erkennen, daß ihr meine Jünger seid, so ihr Liebe untereinander habt (Joh. 13,35) und “Wer glaubt, dass Jesus der Christus ist, der ist von Gott geboren; und wer den liebt, der ihn geboren hat, der liebt auch den, der von ihm geboren ist.” (1. Joh. 5,1)

Lieben Gruß

Jörg
Wer sich nur nach dem, was er fühlt, richtet, der verliert Christus. (Martin Luther)

Jörg
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Beitragvon Jörg » 22.11.2011 06:37

Ein Wort von Rosenius ist mir in diesem Zusammenhang noch sehr wichtig, weil sonst die große Gefahr besteht, daß unser "frommes Ich" zum Mittelpunkt unseres Christseins wird und wir in der Gefahr stehen, unsere Heilsgewissheit zu verlieren, wenn wir durch dunkle Täler gehen und wir nur noch mit Paul Gerhardt singen können "An mir und meinem Leben ist nichts auf dieser Erd´, was Christus mir gegeben, das ist der Liebe wert":

“Aber denke nicht, dass du in der Finsternis der Anfechtung die Zeichen deiner Neugeburt sehen können wirst! - Im Finstern sieht man nichts; in der Anfechtung fühlt man nicht viel von seinem Glauben und seinem Hunger nach Christo oder von seinem neuen, heiligen Sinn nach dem Gesetz Gottes oder von seiner Liebe zu den Brüdern. - Nein, Gott kann alle Seine Werke in uns so verhüllen und verkehren, dass weder wir selbst noch andere sie sehen, ja “dass man schließlich nicht weiß, wer ein Christ ist”, wie Luther sagt. Dann ist es notwendig, etwas anderes zum Trost zu haben als das, was in uns gefunden wird, nämlich das, was Gott Selber in Seinem eigenen Wesen ist und für die Menschen getan hat. Wenn die Sünde, das Gesetz und unser eigenes Gewissen uns verdammen, dann lasst uns nie das ewig geltende Blut vergessen! Und wenn wir in langwieriger Finsternis und Schwäche ganz und gar “in verkehrtem Sinn dahingegeben”, dem Teufel und unseren eigenen mächtigen Sünden überlassen zu sein scheinen, dann wird nur die ewige Liebe, Treue und Zärtlichkeit des eigenen Wesens Gottes gegen den Menschen unseren Herzen noch versichern, dass Er, der uns in so großer Liebe nachging, als wir vor Ihm nur flohen und nie Seine Stimme hören wollten, dass Er uns unmöglich jetzt, wenn wir mit unaussprechlichem Seufzen nach Ihm rufen, unerhört und uns in einer Falschheit des Geistes oder Schwäche des Fleisches verlorengehen lassen kann. Nein, Er selbst wird wieder gutmachen, was unrichtig ist, Er selbst allein.”
Wer sich nur nach dem, was er fühlt, richtet, der verliert Christus. (Martin Luther)

Christine
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Beitragvon Christine » 26.11.2011 10:20

Hallo Jörg,

ich stimme dir oben völlig zu.
Die Wiedergeburt bewirkt eine Veränderung, die sich im Denken und Handeln des Menschen zeigen wird, das ist unausweichlich.

Wenn das Handeln/Leben vernachlässigt wird, besteht meiner Meinung nach die Gefahr, den Glauben zu einer geistigen Angelegenheit zu machen, zu etwas, was allein innerlich im Menschen passiert. Wir "griechisch" geprägten Menschen sind leider gewohnt, den Geist vom Leib zu trennen.
Darum ist es unter Christen möglich, sich als wiedergeboren und geheiligt zu betrachten, selbst wenn das Leben ein Chaos ist.

Umgekehrt darf aber das Innere nicht vernachlässigt werden. Allein an einem frommen Wandel kann auch keine Wiedergeburt erkannt werden. Und an viel Beten, Bibellesen, Predigten hören, spenden, fasten und so weiter auch nicht. Das konnten die Pharisäer am besten und waren doch vom Glauben so weit entfernt wie es nur irgend möglich.

Für mich ist es das größte Wunder, dass ich glauben darf!
Es ist in wahres Sinn des Wortes übernatürlich, nicht natürlich erklärbar!

Wie würde man erkennen können, dass man nicht wiedergeboren ist?

Es gibt ja Zeiten der Anfechtung, in denen man vor dieser existenziellen Frage steht: "Bin ich wirklich echt? Ist mein Glaube wirklich zur Rettung? Reicht es aus?"
Ich mich habe Jahre dieser Frage abgerungen und geplagt, bis ich wirklich sicher war. Und am Ende wußte ich, dass die Lösung nicht in mir liegt, sondern in Christus, der mich hält bis ans Ende.

Gruß Christine

Jose
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Re: Wie erkennt man die Wiedergeburt an sich oder an anderen

Beitragvon Jose » 26.11.2011 12:30

Christine hat geschrieben:Wie würde man erkennen können, dass man nicht wiedergeboren ist?
Hallo Christine,
die Wiedergeburt schenkt Gott und in Seinem Wort haben wir die Verheißung, dass "so viele ihn aber aufnahmen, denen gab er das Recht, Kinder Gottes zu werden, denen, die an seinen Namen glauben" Joh 1,12. Gott erfüllt Seine Verheißungen, aber der Weg zur Wiedergeburt führt über Buße und Bekehrung, darum lesen wir: "Tut Buße und glaubt an das Evangelium!" Mk 1,15, und wir lesen auch: "Ich sage euch: So wird Freude im Himmel sein über einen Sünder, der Buße tut" Lk 15,7a. Im Himmel ist Freude, weil der Bekehrung die Wiedergeburt folgt und aus einem Menschenkind ein Gotteskind, ein neuer Himmelsbürger, geworden ist.

Entscheidend ist für mich daher zuerst die Frage: Hat man seine Sünden erkannt, hat man sich bekehrt? Viele möchten gerne Gotteskinder sein, vielleicht über die Zugehörigkeit zu einer Kirche, aber ohne Bekehrung geht es nicht.


Was aber den Kampf anbetrifft, von dem du geschrieben hast:
Es gibt ja Zeiten der Anfechtung, in denen man vor dieser existenziellen Frage steht: "Bin ich wirklich echt? Ist mein Glaube wirklich zur Rettung?
Diese Kämpfe und diese Zeiten kennt m.E. jedes Gotteskind, besonders wenn man mit verschiedenen Lehren konfrontiert wird. Nicht umsonst lesen wir auch: "Lasst euch nicht fortreißen durch verschiedenartige und fremde Lehren! Denn es ist gut, dass das Herz durch Gnade gefestigt" Hebr 13,9a.

Ich bin so dankbar, als auch in meinem Leben der Augenblick kam, wo ich nichts fühlend und mich so irdisch gesinnt vorkommend, doch Gott vertrauen konnte, weil Sein Wort nicht lügt. Aber wie mag es Jesus ergangen sein, als Er ausrief: "Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?" Mt 27,46. In dem Moment war es nicht nur dunkel um Ihn sondern sicherlich auch in Ihm, als Er um unsertwillen zur Sünde gemacht wurde. Und doch konnte Er dann mit lauter Stimme ausrufen: "Vater, in deine Hände übergebe ich meinen Geist!" Lk 23,46. Er hielt daran fest, unabhängig von Seinem Empfinden: "Und der mich gesandt hat, ist mit mir; er hat mich nicht allein gelassen, weil ich allezeit das ihm Wohlgefällige tue" Joh 8,29.

Bei dieser erwähnten Bibelstelle sind wir wieder an einem wichtigen Kriterium: Ist es uns wichtig, den Willen Gottes zu tun? Das ist mit Sicherheit, das Kennzeichen wahrer Gotteskindschaft, wobei, so wie Kinder manche Fehler machen, so sind auch Gotteskinder nicht fehlerlos, aber sie sind offen für die Ermahnungen des Heiligen Geistes. Gott hatte z.B. mit Sicherheit auch den Hananias und die Saphira ermahnt, aber sie hörten nicht darauf und Petrus sprach das Urteil: "Warum hast du dir diese Tat in deinem Herzen vorgenommen? Nicht Menschen hast du belogen, sondern Gott" Apg 5,4. Was mich bei dieser Begebenheit besonders bewegt ist die Tatsache, dass dieses Ehepaar getrennt befragt wurde, denn Saphira kam später und wir lesen: "Sag mir, ob ihr für so viel das Feld verkauft habt? Sie aber sprach: Ja, für so viel" Apg 5,8. Hier wäre noch Gelegenheit gewesen, den Weg der Ungerechtigkeit zu verlassen und Vergebung zu finden.

Zum Schluss lasst uns bedenken: "Die Frucht des Geistes aber ist: Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Enthaltsamkeit" Gal 5,22-23. Dies will der Heilige Geist in uns wirken und uns davon überführen, wenn das Trachten danach bei uns mangelt.

Liebe Grüße,
José


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