Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer Davids von Spurgeon

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Jörg
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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps17

Beitragvon Jörg » 08.01.2019 17:08

3. Du prüfest mein Herz , wie das Gold im Feuer erprobt wird. Wie Petrus, so beruft sich David darauf: Du weißt alle Dinge, du weißt, dass ich dich lieb habe (Joh. 21, 17). Es ist ein herrliches Ding, wenn man sich geradezu auf den Herrn berufen kann und wir den Richter selber auffordern können, zu unserer Verteidigung Zeuge zu sein. "Ihr Lieben, so uns unser Herz nicht verdammt, so haben nur eine Freudigkeit zu Gott." (1.Joh. 3, 21.) Du stehest nach ihm (oder suchst es heim) des Nachts. Es ist, als wollte er sagen: Herr, du bist ja zu allen Stunden in mein Haus getreten. Du hast mich gesehen, wenn niemand sonst in der Nähe war. Du kommst unversehens und merkst auf alle, auch auf die durch keine Rücksicht auf Menschen gezügelten Handlungen, und du weißt, ob ich der Verbrechen, die man mir zum Vorwurf macht, schuldig bin oder nicht. Wohl dem, der so des allwissenden Auges, der Nähe des Allgegenwärtigen gedenken und in diesem Gedanken seinen Trost finden kann. Wir glauben sagen zu dürfen, dass auch wir solche mitternächtlichen Heimsuchungen erlebt haben, und sie waren köstlich, so köstlich, dass die Erinnerung daran unsere Sehnsucht erweckt nach der Wiederkehr solcher Gnadenstunden. Herr, vor dir sagen wir’s: Würden wir, wenn wir wirklich Heuchler gewesen wären, solch trauten Umgang mit dir gehabt haben, oder könnten nur ein so glühendes Verlangen nach Erneuerung desselben empfinden? Du läuterst (oder schmelzest) mich und findest nicht ... (Grundt.) Sicherlich meint der Psalmist: irgendetwas Heuchlerisches oder Böses in dem Sinne, in welchem die Lästerer ihn anklagten. Denn wenn der Herr unser ganzes Wesen zur Prüfung in den Schmelztiegel werfen würde, so würden auch bei den Besten die Schlacken schrecklich anzusehen sein, und die Reue würde ihre Schleusen weit auftun müssen. Münzprüfer entdecken schlechte Legierungen schnell, und wenn der Oberste aller Prüfer zuletzt von uns sagen wird, dass er nichts gefunden, so wird das wahrlich eine glorreiche Stunde sein. "Sie sind unsträflich vor dem Stuhl Gottes" (Off. 14, 5). Sogar jetzt schon kann der alles enthüllende Blick der Allwissenheit da keinen Flecken sehen, wo der große Mittler alles mit Schönheit und Vollkommenheit bedeckt.
Ich habe mir vorgesetzt, dass mein Mund nicht soll übertreten. 1 O dieser böse Mund! Ein Vorsatz um den andern wäre nötig, ihn in Schranken zu halten. Die Zahl der Zungenübel ist größer, als die aller andern Übel zusammen, und sie sind tiefer gewurzelt. Hände und Füße kann man binden; selbst einen Tobsüchtigen mag man mit der Zwangsjacke bändigen; aber wer fesselt die Zunge? Mehr als ein Vorsatz tut Not, sie, die im Sündigen so flink ist, zu beherrschen. Löwen zu zähmen und Schlangen zu beschwören ist ein Kinderspiel gegen dieses Vornehmen, denn "die Zunge kann kein Mensch zähmen" (Jak. 3, 8). Wer unter den Lügen anderer zu leiden hat, sollte umso wachsamer sein über sich selbst. Eben das hat den Psalmisten wohl bewogen, den heiligen Vorsatz aufzuzeichnen, um ihn sich desto besser ins Herz zu prägen. Auch wollte er damit vielleicht beteuern, dass, wenn er etwa in seiner Selbstverteidigung zu viel gesagt hätte, dies nicht mit Absicht geschehen sei; denn er wünschte in jeder Hinsicht seine Lippen auf den lieblichen und schlichten Ton der Wahrheit zu stimmen. Trotz alledem wurde David verleumdet, als sollte gezeigt werden, dass auch die reinste Unschuld sich von der Bosheit mit Schmutz bewerfen lassen muss. Es gibt hienieden keinen Sonnenschein ohne Schatten, keine reife Frucht, an der nicht die Vögel picken.

4. Beim Tun der Menschen. (Wörtl.) Solange wir mitten unter den Menschen sind, wird uns ihr Tun und Treiben unter die Augen kommen, und wir werden genötigt sein, in unserm Tagebuch eine Rubrik "Menschenwerk" offen zu halten. Völlig frei zu sein von den toten Werken der fleischlich gesinnten Menschheit, das ist das demütige Verlangen der Seelen, die durch den heiligen Geist lebendig geworden sind. Bei dem Tun der Menschen habe ich durch das Wort deiner Lippen gemieden die Wege der Gewalttätigen . (Wörtl.) Er hatte sich auf der Heerstraße der Schrift gehalten und nicht die Nebenpfade der Bosheit erwählt. Wir würden bald dem Beispiel der Schlechtesten folgen, wenn Gottes Gnade nicht die heilige Schrift als das rechte Mittel gebrauchte, um uns vor dem Argen zu bewahren. Die Wege der Gewalttätigen haben uns oft in Versuchung geführt. Wir wurden gereizt, Gewalttat mit Gewalttat abzuwehren oder zu vergelten; das Verlangen wurde in uns mächtig, unsere Feinde mit ihrer Münze zu bezahlen. Aber da erinnerten wir uns an das Vorbild unseres Heilands, der auf seine Feinde nicht Feuer vom Himmel herabrufen wollte, sondern sanftmütig betete: Vater, vergib ihnen! Jenes göttliche Buch, das verstaubt auf so manchem Gesims steht, ist der einzige Führer für alle, welche die verführerischen und verwirrenden Irrgärten der Sünde meiden wollen, und es ist das beste Mittel, den jugendlichen Pilger davor zu bewahren, dass er je diese gefahrvollen Wege betritt. Wer dem Buche des Lebens nicht folgt, wird ein Spielball in der Hand der Menschen, wird von ihrem gottlosen Tun und Treiben fortgerissen. David konnte als Beweis seiner Aufrichtigkeit geltend machen, dass er mit den Gottlosen auf deren verderblichen Wegen keinerlei Gemeinschaft habe. Wie dürfen wir es wagen, unsere Sache vor Gott zu bringen, wenn wir unsere Hände nicht in Unschuld waschen können bezüglich aller Verbindung mit den Feinden des erhabenen Königs?



5.Erhalte meinen Gang auf deinen Fußsteigen,
dass meine Tritte nicht gleiten.
6.Ich rufe zu dir, dass du, Gott, wollest mich erhören;
neige deine Ohren zu mir, höre meine Rede.

5. In der Anfechtung ist es nicht leicht, die rechte Haltung zu bewahren. Es ist schwer, ein Licht brennend zu erhalten, wenn viele Neider es auszublasen suchen. In schlimmen Zeiten ist das Gebet besonders notwendig; darum nehmen weise Leute dazu sogleich ihre Zuflucht. Der heidnische Philosoph Plato († 384 v. Ehr.) sagte zu einem seiner Schüler; "Wenn die Menschen von dir übel reden, so lebe derart, dass ihnen niemand glaubt." Der Rat ist gut; nur hat Plato uns nicht gesagt, wie man ihn ausführen soll. Hier dagegen haben wir eine Lehre in einem Vorbild verkörpert: Wenn wir behütet sein möchten, so müssen wir zu dem Hüter Israels rufen und um den göttlichen Beistand für unsere Sache werben. Erhalte meinen Gang 2 : halte meine Schritte fest, wie ein vorsichtiger Wagenlenker seine Pferde fest am Zügel hält, wenn es bergab geht. Wir schreiten bald schnell, bald langsam, und auch der Weg ist nie lang der gleiche; aber ist Gott bei uns, unsern Gang zu erhalten, so kann uns nichts in der Beschaffenheit des Weges oder unserer Schritte zu Fall bringen. Wer schon einmal gestrauchelt ist und sich die Knie arg verletzt hat, der sollte wohl mit zweifacher Inbrunst so beten. Und wir alle, die wir infolge von Adams Fall auf so schwachen Füßen stehen, sollten jede Stunde des Tages genauso beten. Wenn ein sündloser Vater solchen Fall getan, wie sollte ein sündiger Sohn sich brüsten dürfen? Auf deinen Fußsteigen. Wir können uns des Bösen nicht enthalten, ohne uns zum Guten zu halten. Wird der Scheffel nicht mit Weizen gefüllt, so mag er bald wieder voll Spreu sein. Wolle der Herr uns tüchtig machen, in allen Regeln und Pflichten unseres allerheiligsten Glaubens festen Schrittes zu wandeln, vermöge seiner bewahrenden Gnade! Dass meine Tritte nicht gleiten. Wie? Gleiten auf Gottes Wegen? Ja, der Weg ist freilich gut, aber unsere Füße sind schlecht; darum gleiten sie leicht, selbst auf des Königs Heerstraße. Wen wundert’s, wenn fleischlich gesinnte Menschen gleiten und fallen auf ihren selbst erwählten Wegen, die gleich dem Tal Siddim voll verderblicher Gruben sind (1. Mose 14, 10)? Straucheln kann man über ein Gebot sowohl als über eine Anfechtung. Jesus Christus selbst ist vielen ein Stein des Anstoßens (Jes. 8, 14), und die Lehre von der Gnade ist schon manchem ein Ärgernis geworden. Der Herr allein kann unsern Gang in den Fußsteigen der Wahrheit bewahren.

6. Ich nun, dem nach dem Vorhergehenden das Gewissen ein gutes Zeugnis gibt, rufe zu dir; denn die Not treibt mich. Ich habe dich angerufen (V. 1) und nahe jetzt deinem Altar aufs Neue mit derselben Bitte in größter Zuversicht; denn du wirst mich erhören (wörtl.), wie du, o Gott, es allezeit tust denen, die auf dich trauen. Die Erfahrung ist eine treffliche Lehrmeisterin. Wer in Stunden der Not die Treue Gottes erfahren hat, der kommt mit großer Freudigkeit, sein Anliegen vor Gottes Thron zu bringen. Nach dem Quell von Bethlehem, aus dem wir in vergangenen Jahren so manchen erfrischenden Trunk tun durften, verlangt es unsere Seelen immer wieder (2. Samuel 23, 15); auch wollen wir von ihm nicht den löcherigen Zisternen der Erde zuliebe lassen. Neige deine Ohren zu mir, höre meine Rede. Du Hoher und Erhabener, der du auf das Niedrige siehst, beuge dich vom Himmel hernieder und lege dein Ohr an meinen Mund. Gewähre mir dein volles Gehör, wie es Menschen tun, wenn sie sich hinüberlehnen, um jedes Wort des Freundes aufzufangen. Der Psalmist kommt hier zu seiner ersten Bitte zurück und gibt uns damit das Beispiel, wie wir unsere Sache wieder und wieder treiben sollen, bis wir volle Gewissheit haben, dass unser Ziel erreicht ist.

Fußnoten
1. Der Sinn des Satzes wird verschieden aufgefasst, etwa: Denke ich Arges, nicht überschreitet es (oder. nicht soll es überschreiten meinen Mund. Luthers Übersetzung, mit der Spurgeons Auslegung übereinstimmt, ist immerhin möglich.

2. Gegen diese Fassung als Bitte spricht das Perf. im 2. Glied. Es ist zu übersetzen: Meine Schritte hielten fest an deinen Geleisen - da wankten meine Füße nicht. Demnach gehört V. 5. noch zu dem I Abschnitt des Psalms.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

Jörg
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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps17

Beitragvon Jörg » 12.01.2019 12:20

7.Beweise deine wunderbare Güte, du Heiland derer, die dir vertrauen,
wider die, so sich wider deine rechte Hand setzen.
8.Behüte mich wie einen Augapfel im Auge,
beschirme mich unter dem Schatten deiner Flügel
9.vor den Gottlosen, die mich verstören,
vor meinen Feinden, die um und um nach meiner Seele stehen.
10.Ihr Herz schließen sie zu,
mit ihrem Munde reden sie stolz.
11.Wo wir gehen, so umgeben sie uns;
ihre Augen richten sie dahin, dass sie uns zur Erde stürzen;
12.gleichwie ein Löwe, der des Raubs begehrt,
wie ein junger Löwe, der in der Höhle sitzt.

7. Beweise deine wunderbare Güte. Wunderbar ist Gottes Gnade, weil sie einzigartig, uralt und unwandelbar ist, und zumal wegen der Wunder, die sie wirkt. Der Grundtext spricht von den Gnaden Gottes in der Mehrzahl. Sie sind in der Tat sehr mannigfach; wer könnte sie zählen? Die Krone aller ist unsere Erlösung durch das teure Blut des Eingebornen. Gottes Gnade ist aber manchmal verborgen. Der Psalmist bittet: Erweise sie! Erweisungen der göttlichen Liebe sind unvergleichliche Herzstärkungen für die Ermattenden. Welch köstliche Bitte! Lasst uns sie recht im Herzen bewegen. Nach dem Grundtext gehört das "wunderbar" eigentlich zu dem Zeitwort; es steht hier das gleiche Zeitwort, das wir Ps. 4, 4 übertragen haben; "Der Herr hat sich einen Frommen wundersam ausgesondert." So hier: Erweise wunderbar deine (vielfache) Gnade, erzeige sie mir auf besondere Weise in dieser Stunde schwerer Trübsal und mache sie dadurch auch vor andern herrlich.
Überaus tröstlich ist der Name, der hier unserm gnadenreichen Gott beigelegt wird: Du Heiland derer, die dir vertrauen . Er ist der Gott des Heils. Es ist jetzt und immer seine Gewohnheit, die Gläubigen zu retten. Manche ziehen die Worte "durch deine rechte Hand" zu dem Wort "Heiland", also: Der du durch deine rechte Hand rettest, die sich bei dir bergen oder bei dir Zuflucht suchen, von (ihren) Widersachern. 3 Jahwe setzt seine beste und herrlichste Kraft ein, indem er seine rechte Hand der Weisheit und Macht dazu gebraucht, um alle die zu retten, die bei ihm Zuflucht suchen, wer immer sie sein mögen. Welch seliger Glaube, der uns den allmächtigen Schutz des Himmels sichert! Gepriesen seist du, Gott, der du dich gegen unwürdige Sterbliche so gnadenreich erweisest, wenn ihnen nur die Gnade geworden ist, auf dich zu trauen. Die rechte Hand Gottes streckt sich aus, um allen Schaden von den Heiligen fern zu halten. Gott ist um Mittel nie verlegen. Seine Hand genügt. Er wirkt ohne Mittel und Werkzeuge so gut wie mit denselben.

8. Behüte mich wie einen Augapfel im Auge (wörtl.: wie das Männchen, die Tochter des Auges -- zwei bildliche Bezeichnungen des Augensterns). Kein Teil des Leibes ist kostbarer und empfindlicher und wird sorgsamer gehütet als das Auge. Und wieder ist kein Teil des Auges so besonders des Schutzes bedürftig wie der Augenstern, die Pupille. Der Allweise hat dem Auge eine wohl beschützte Stellung gegeben; es ist von vorstehenden Knochen umringt, wie Jerusalem von Bergen. Dazu hat sein erhabener Schöpfer es mit mancherlei Hüllen innerer Bedeckung versehen, außer dem Wall der Augenbrauen, dem Vorhang der Augenlider und dem Zaun der Wimpern. Und über das alles ist jedem Menschenkind eine so große Wertschätzung für sein Auge eingegeben und eine so rasche Empfindung jeglicher Gefahr, dass für kein Glied des Leibes treuer gesorgt ist als für das Sehorgan. Eben so sorgsam, Herr, behüte du mich; denn dein Wort (5. Mose 32, 10) gibt mir zu der kühnen Bitte ein Recht. Wie viel mehr noch dürfen wir, die Glieder des mystischen Leibes Jesu, so beten! Beschirme mich unter dem Schatten deiner Flügel. Wie die Vogelmutter (es ist hier zunächst an den Adler zu denken, vergl. 5. Mose 32, 11) ihre Brut völlig vor Schaden beschirmt und sie unterdessen an ihrem warmen Herzen hegt und pflegt, indem sie sie mit ihren Flügeln deckt, so mache du es mit mir, du treuer Gott; denn ich bin dein Küken und deine Liebe übertrifft an Wärme und Zärtlichkeit alle andere.

9. Vor den Gottlosen usw. Die Feinde, von denen David errettet zu werden trachtete, waren gottlose Menschen. Es ist für uns hoffnungsvoll, wenn unsere Feinde Gottes Feinde sind. Sie waren ihm in innerster Seele Feind 4, waren seine Todfeinde , denen nichts als sein Tod genügen wollte. Die Feinde unserer Seele sind im höchsten Sinne unsere Todfeinde; denn die wider unsern Glauben Krieg führen, trachten uns nach dem Leben unsers Lebens. Auch die Todsünden sind unsere Todfeinde, und welche Sünde trüge nicht den Tod in sich? Die Feinde verstörten David: Sie gingen darauf aus (perf. conatus), Leben und Besitz ihm gewaltsam zu zerstören; noch mehr, sie suchten sein geistliches Leben zu verheeren, wie fremde Heere eine Landschaft plündern oder wilde Tiere ein Land verwüsten. Er vergleicht sich selbst mit einer belagerten Stadt (vergl. 2.Kön. 6, 14 , Grundt.) und klagt, dass seine Feinde um und um wider ihn stehen. Es mag uns wohl drängen, um so angelegentlicher unsern Trost über uns zu suchen, wenn rings um uns her alles von Todfeinden starrt. Dies ist unsere tägliche Lage, denn ringsum lauern Gefahren und Sünden. O Gott, behüte Du uns vor ihnen allen!

10. Ihr Fettherz verschließen sie. (Nach dem Grundt.) Üppigkeit und Wohlleben erzeugen eine Verfettung des Herzens in Hochmut und prahlerischem Eigendünkel, so dass es seine Tore gegen jede Regung des Mitleids und alles vernünftige Urteil verschließt. Das alte Sprichwort sagt; "Volle Bäuche machen leere Schädel", und es ist noch mehr wahr, dass sie häufig leere Herzen machen. Das üppigste Unkraut wächst auf dem fettesten Boden. Reichtum und Selbstgenügsamkeit sind der Brennstoff, mit dem manche Sünden ihre Flammen unterhalten. Hoffart und alles vollauf, das waren Sodoms Zwillingssünden (Hes. 16,49). Wenn die Falken satt sind, vergessen sie ihren Herrn und der volle Mond ist von der Sonne am weitesten entfernt. Mit ihrem Munde reden sie stolz. Wer sich selbst anbetet, wird keinen Trieb haben, den Herrn anzubeten. Eben weil der Gottlose in seinem Herzen voller Selbstgefälligkeit ist, füllt er seinen Mund mit prahlerischen und anmaßenden Worten. Glück und Eitelkeit wohnen oft beieinander. Wehe dem fetten Ochsen, wenn er gegen seinen Herrn brüllt: Das Beil ist nicht weit.

11. Wo wir gehen, so umgeben sie uns. 5 Der Grimm der Gottlosen ist nicht gegen einen Gläubigen allein gerichtet, sondern gegen die ganze Gemeinschaft. Das ganze Judenvolk war nur ein Bissen für Hamans Rachgier, und das alles wegen des einen Mardochai (Esther 3, 6). Der Fürst der Finsternis hasst alle Heiligen um ihres Meisters willen. Der Herr Jesus ist in dem uns mit enthalten und darin steht unsere Hoffnung. Er ist der Durchbrecher (Micha 2, 13) und wird für uns einen Weg bahnen durch die uns umringenden Feinde. Der Hass der Mächte des Bösen ist beständig und nachdrücklich. Sie bewachen jeden unserer Schritte, in der Hoffnung, dass der Augenblick komme, da sie sich auf uns stürzen können. Wenn unsere geistlichen Feinde uns so auf Schritt und Tritt bewachen, wie ängstlich sollten wir da alle unsere Bewegungen hüten, damit wir nicht zum Bösen verführt werden. Ihre Augen richten sie dahin, dass sie uns zur Erde stürzen. Wie würden sie frohlocken, wenn es ihnen gelänge!

12. Er gleicht (so Luther 1519) einem Löwen, der des Raubs begehrt, und einem jungen Löwen, der in der Höhle sitzt. Aus der Schar der Feinde wird jetzt (wie 7,3) einer hervorgehoben, der ihr Haupt ist. Löwen sind nicht gieriger oder listiger, als Satan und seine Helfer es sind, wo sie gegen die Kinder Gottes etwas vorhaben. Es dürstet den Feind nach dem Blut der Seelen, und er spannt alle seine Macht und List aufs Äußerste an, um seine scheußliche Begierde zu stillen. Wir sind schwach und töricht wie Schafe; aber wir haben einen Hirten, der weise und stark ist, der die Schliche des alten Löwen kennt und seiner Stärke mehr als gewachsen ist. Darum wollen wir uns nicht fürchten, sondern sicher in der Hürde ruhen. Hüten wir uns indes vor dem lauernden Feind, und gerade dann, wenn wir uns am sichersten fühlen, lasst uns Umschau halten, damit sich der Feind nicht etwa unversehens auf uns stürze.

Fußnoten
3. So die engl. Bibel, Geier, Hupfeld, Moll u.a. Diese lassen also das "von (ihren) Widersachern" noch von "retten" abhängig sein. Zu der Wortstellung bemerkt Moll: "Die Angst der Stunde versetzt mit dem Atem auch die Worte." -- Noch besser ist es aber wohl hsfxf mit Nmi und b:I zu verbinden: Du Retter derer die vor (ihren) Widersachern bei deiner Rechten Zuflucht suchen. So die meisten Neueren.

4. Nach den Akzenten gehört $peneb:I zu "Feinde": Feinde mit der Seele = Todfeinde. Man kann es aber auch zu dem Zeitwort ziehen. Sinn dann: die mich mit Gier umgeben.

5. Grundt.: Unsere Schritte -- -- (abgebrochene Redeweise, Baethgen ergänzt: beobachten sie, - nein,) schon haben sie mich umgeben. Andere fassen Wnr"W$I)a als Akk. = "auf Schritt und Tritt." Das Keri "umgeben sie uns" ist unnötige Korrektur. Der Wechsel der Zahl erklärt sich aus der Stellung Davids als Haupt seiner Getreuen.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps17

Beitragvon Jörg » 15.01.2019 16:49

13.Herr, mache dich auf, überwältige ihn und demütige ihn;
errette meine Seele von dem Gottlosen mit deinem Schwert,
14.von den Leuten mit deiner Hand, Herr,
von den Leuten dieser Welt, welche ihr Teil haben in ihrem Leben,
welchen du den Bauch füllest mit deinem Schatz,
die da Söhne die Fülle haben, und lassen ihr Übriges ihren Kindern.

13. Herr, mache dich auf. Je wütender der Angriff ist, desto inbrünstiger wird des Psalmisten Gebet. Sein Auge ist allein auf den Allmächtigen gerichtet, und er fühlt: Gott braucht sich nur zu erheben von dem Sitz, da er geduldig wartet, so wird alle Macht des Feindes alsbald gebunden sein. Mag der Löwe auf uns losspringen: Wenn Jahwe dazwischen tritt, brauchen wir keinen besseren Schutz. Wenn Gott unserm Feinde Auge in Auge in der Schlacht begegnet, so wird der Kampf bald vorüber sein. Tritt ihm entgegen, komm ihm zuvor, überliste und überwältige ihn, wirf ihn nieder! (Wörtl.) Zwinge ihn nieder, den starken Löwen, dass er mit gebeugten Knien (vergl. den Grundt. hier und 1. Mose 49, 9; 4. Mose 24, 9) am Boden liegt. Lass den Feind sich beugen, wie der Besiegte sich vor dem Sieger duckt. Was für ein glorreicher Anblick wird es sein, den Satan zu den Füßen unseres großen Herrn niedergeworfen zu sehen! Komm bald, du Tag des Triumphes! - Errette meine Seele von dem Gottlosen mit deinem Schwert. David vertraut auf das Schwert des Herrn, im Gegensatz gegen alle Menschenhilfe. Er ist gewiss, dass er unter Gottes Schutz sicher genug ist.

14. Fast jedes Wort dieses Verses hat den Gelehrten Anlass zu weitläufigen Untersuchungen gegeben, denn er ist sehr dunkel. 6 Von den Leuten - mit deiner Hand, Herr (nämlich: rette mein Leben, V. 13), von den Leuten dieser Welt , diesen Erdenwürmern, die keine andere Heimat haben als dieses enge Gebiet der Sterblichkeit und keine Hoffnungen und Wünsche kennen, die über dieses zeitliche, sichtbare Leben hinausgehen. Ihre Seele klebt an dem Staube, auf den ihre Füße treten. Welche ihr Teil haben in ihrem Leben. Gleich dem verlorenen Sohne haben sie ihr Teil und haben keine Geduld, des Vaters Zeit abzuwarten. Luther war stets in Sorge, er möchte sein Teil hienieden haben, und gab darum häufig Summen Geldes weg, die man ihm schenkte. Wir können nicht die Erde haben und den Himmel dazu als unsre Wahl und unser Teil. Weise Menschen wählen, was am längsten währt. Welchen du den Bauch füllest mit deinem Schatz. Ihre sinnliche Begierde erlangt, was sie fordert, und zwar reichlich. Gott gibt diesen Säuen die Treber, nach denen sie hungern. Ein freigebiger Mann weigert den Hunden ihre Knochen nicht und unser großmütiger Gott gibt selbst seinen Feinden genug, sie zu sättigen -- wären sie nicht so unvernünftig, nimmer satt zu sein. Gold und Silber, die in den dunkeln Schatzkammern der Erde verschlossen liegen, werden den Gottlosen reichlich zuteil, und so wälzen sie sich denn in fleischlichen Genüssen allerart. Jeder Hund hat seinen guten Tag, so haben sie den ihrigen; und er erscheint als ein heiterer Sommertag voll Glanz und Pracht. Doch ach, wie bald endet er in Nacht und Grauen! Sie haben Söhne die Fülle. Das ist ihre liebste Hoffnung, dass eine zahlreiche Nachkommenschaft ihren Namen hinaustragen werde in ferne Zeiten. Auch dies gewährt ihnen Gott; so haben sie denn alles, was das Herz sich wünschen kann. Was für beneidenswerte Kreaturen scheinen sie zu sein! Aber es ist nur Schein. Sie lassen ihr Übriges ihren Kindern. Sie haben ein flottes Haus gehalten und hinterlassen dennoch kein ärmliches Erbgut. Im Leben und im Sterben mangelt ihnen nichts -- als Gottes Gnade. Ach, der Mangel verdirbt alles. Sie hatten ein schönes Teil in der kurzen Erdenzeit, aber die Ewigkeit haben sie in ihre Berechnungen nicht aufgenommen. Im Kleinen waren sie klug, im Großen töricht. Sie dachten an die Gegenwart und vergaßen die Zukunft. Sie stritten um die Schale und verloren den Kern. Wie fein passt diese Schilderung auf so manchen glücklichen Kaufmann oder beliebten Staatsmann, und sie ist auf den ersten Blick sehr einleuchtend und verführerisch; aber was sind diese armseligen Maulwurfsfreuden gegen die Seligkeiten der Ewigkeit! Selbst, selbst, selbst, -- alle diese Freuden beginnen und enden in der niedrigsten Selbstsucht. Doch wie reich, Herr, sind, die in dir beginnen und enden! Erlöse du uns von aller Befleckung und allem Schaden, die uns die Gemeinschaft mit weltlich gesinnten Menschen bringen müsste!

15.Ich aber will schauen dein Antlitz in Gerechtigkeit;
ich will satt werden, wenn ich erwache, an deinem Bilde.

Ich aber. Ich beneide diese Menschen nicht um ihr Glück, noch begehre ich es, sondern ich habe und erhoffe ein weit besseres. Gottes Angesicht zu schauen und durch dieses Anschauen verwandelt zu werden in sein Bild 7 , so dass ich teilhabe an seiner Gerechtigkeit: das ist mein hoher Ehrgeiz. Und im Blick darauf lasse ich alle gegenwärtigen Freuden willig fahren. Meine Befriedigung liegt in der Zukunft; ich erwarte sie nicht in der Gegenwart. Ich will eine Weile schlafen, aber einst werde ich erwachen, erwachen zu ewiger Freude, weil ich in deinem Bilde, mein Gott und König, aufstehen werde. Lichtblicke in die ewige Herrlichkeit werden hienieden den Frommen zuteil, ihren heiligen Hunger zu stillen; aber das Fest erwartet sie in der obern Heimat. Dieser tiefen, unaussprechlichen, ewigen Fülle der Seligkeit gegenüber sind die Freuden der Weltmenschen, wie der Glühwurm, mit der Sonne oder wie der Tropfen am Eimer, mit dem Ozean verglichen.


Erläuterungen und Kernworte

Zum ganzen Psalm. Psalm 17 schließt ebenso wie Psalm 16 mit der Hoffnung auf das selige, genussreiche Anschauen Gottes, und auch sonst haben beide Psalmen hervorstechend Gemeinsames, aber bei übrigens sehr ungleichem Ton. Denn Ps. 17 ist in der Reihe der Davidischen Psalmen der erste derer, die wir Psalmen in grollendem Stil nennen. Die sonst so geflügelte und durchsichtige Sprache der Psalmen Davids wird da, wo er das wüste Treiben seiner Feinde und überhaupt der Gottlosen schildert, härter und in Gemäßheit des Gegenstandes und der Stimmung gleichsam voll unaufgelöster Dissonanzen (Ps. 17; 140; 58; 36,2 f., vergl. 10, 2-11); sie ist da rauer, unförmiger und ermangelt ihrer sonstigen Klarheit und Verklärung. Auch der Ton der Sprache wird dunkler und wie in dumpfem Gemurmel; sie rollt, indem sie die Suffixe mo, āmo und ēmo häuft, donnerartig dahin, wie Ps. 17,10; 35,16; 64,6.9, wo David schilderungsweise von seinen Feinden spricht, oder 59,12-14; 56,8; 21,10-13; 140,10; 58,7 , wo er ihnen wie prophetisch das Gericht Gottes verkündigt. Die heftigere, regellosere Bewegung der Sprache ist hier die Folge innerer stürmischer Erregung. Prof. D. Franz Delitzsch † 1890.

V. 1. Das Wort qdece bezeichnet hier nicht eine subjektive Eigenschaft (Gerechtigkeit), sondern einen objektiven Tatbestand, eine gerechte Sache, wie 35,27 u. ö. Der Sänger sagt absichtlich nicht yqid:ci (meine ...), weil er nicht die Person, sondern die Gerechtigkeit der Sache in den Vordergrund stellen will. Prof. D. F. Bäthgen 1904.

Höre -- merke -- vernimm. Die dreifach wiederholte und verdoppelte Bitte zeiget einen großen Affekt und viel Tränen an; weil in der Tat die geistlichen Menschen mehr die List als die Gewalt dieser Gottlosen schmerzt. Denn offenbare Gewalt kann man doch sehen und wenn man die Gefahr weiß, dieser auf einige Maße begegnen; allein die List verderbet eher, als man’s inne wird. Martin Luther 1519.

Das nicht aus falschem Munde geht. Dergleichen gibt’s -- einen Widerspruch zwischen dem Herzen und der Zunge, ein Rufen mit der Stimme und Spotten mit der Seele, ein Schreien zu Gott: "Lieber Vater, du Meister meiner Jugend", wobei man doch Böses tut (Jer. 3,4 f.), -- als ließe Gott sich durch gleißenden Schein täuschen, als nähme er, wie der alternde Isaak, einen Jakob für einen Esau und ließe er sich durch den Geruch der Kleider betrügen, als könnte er das schwarze Herz unter dem Engelsgewand nicht erkennen. Das ist eine unwürdige Vorstellung von Gott, wenn wir uns einbilden, wir könnten für innere Sünden genugtun und nahende Gerichte abwenden durch äußere Opfer, durch eine laute Stimme aus falschem Herzen, als ob Gott sich (gleich den Kindern) an dem Glänzen einer leeren Schale, an dem Gerassel von Steinen oder dem Klingen des Geldes ergötzte, - an der bloßen Stimme ohne Stimmung und Absicht der Anbetung. Stephen Charnock † 1680.

Der Adler schwingt sich wohl hoch in die Lüfte, aber er hat dabei durchaus nicht die Absicht, zum Himmel zu fliegen; er will vielmehr seine Beute erhaschen. Ebenso zeigen viele einen guten Teil scheinbare Frömmigkeit, indem sie ihre Augen gen Himmel erheben, tun das aber nur, um mit mehr Leichtigkeit, Sicherheit und Beifall ihre bösen Pläne hier auf Erden auszuführen, - Leute, die außen einem Cato, innen einem Nero gleichen. Hört man sie, so ist keiner besser; erforscht und erprobt man sie, so ist keiner schlechter. Sie haben Jakobs Stimme, aber Esaus Hände. Sie sprechen wie Heilige, handeln jedoch wie Teufel. Sie haben lange Gebete, aber wenig Gebet. Ihre heuchlerische Heiligkeit ist ihnen nur der Deckmantel für Schlechtigkeiten allerart und die Hebamme, die ihren teuflischen Absichten zur Geburt verhelfen soll. Peter Bales † 1610.

Fußnoten
6. Die revid. Übers. wird von Delitzsch, Lange - Moll u. a. bestätigt. -- Moll sagt: Auch hier erscheinen Ton und Folge der Worte als Sprache der Angst und Hast.

7. Wie wohl die ihm vorliegende eng. Übersetzung mit der revidierten Lutherbibel übereinkommt, fasst Spurgeon doch den Schluss-Satz nach Hieronymus: "Ich werde satt werden, wenn ich erwache in deinem Bilde." Ebenso der gewöhnliche Luthertext. Vergl. 1.Joh. 3,2. Luther selbst schwankte, übersetzte aber schon 1519 richtig so, wie es jetzt in der revidierten Übersetzung steht.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps17

Beitragvon Jörg » 19.01.2019 13:25

Erläuterungen und Kernworte

V. 3. Du prüfest mein Herz.

Das Herz will Ich erproben, was es sei,
Ob reines Silber das Metall, ob schnödes Blei,
Ob Gold, ob tönend Erz; das Feuer macht es klar,
Wo heil’ger Ernst, wo Trug dein Glaube war.

Ein Herz, das eigne nur und krumme Wege liebt,
In trotz’gem Eigensinn sich nimmer mir ergibt,
Als nur zu leerem Schein: Solch Tun begehr ich nicht,
Gleißt auch die Heuchelei wie ros’ges Morgenlicht.

Wo selbst in Trübsalsgluten nicht der Trotz zerfließt,
In heißen Tränen sich der Reue Schmerz ergießt:
Da ist verloren all mein väterliches Mühn,
Durch Züchtigung das Herz zu mir zurück zu ziehn.

Ein Mensch, der stets im Leiden murrt und klagt,
Bei jedem leichten Weh schon fassungslos verzagt:
Der hüllt in Rauch und Nebel all sein Sinnen ein,
Daß endlich ihm erlischt der Hoffnung letzter Schein.

Doch wo ein Herz in Trübsal stille harrt und glaubt,
Des Gottesfriedens voll, den keine Not ihm raubt;
Da glänzt das reine Gold, vom Feuer nicht verzehrt,
Das nur geläutert wird, verfeinert und geklärt.
Frei nach Francis Quarles † 1644.

V. 4. Wollt ihr wissen, wie es zugeht, dass ich die gottlosen Worte und Handlungen vermeide, welche die Menschen sich gewöhnlich erlauben? Ich habe es dem teuren Gotteswort zu danken. Mit ihm pflege ich Rat zu nehmen. Dies Wort ist es, was mich vor den schlimmen Wegen bewahrt, auf welche andere, die das Wort Gottes nicht zu ihrem Schutz brauchen, durch Satan, den Räuber und Mörder, fortgerissen werden. Können wir der Sünde und dem Satan mit einer besseren Waffe entgegentreten als der, mit welcher Jesus den Versucher besiegte? Nicht durch einen Blitzstrahl seiner Gottheit wollte er den Feind niederschmettern, sondern ihn mit dem Schwert überwältigen, welches er den Seinen hinterlassen hat, mit dem Schwert des Geistes, welches ist das Wort Gottes (Eph. 6,17). Wer diese Waffe recht zu führen weiß, an dem findet der Feind einen ihm gewachsenen Gegner. William Gurnall † 1679.

Es ist eine große Hilfe in der Versuchung, das Wort Gottes allezeit bereit zu haben. Wer in gefährlichen Zeiten reisen muss, der hat sein Schwert gegürtet. Wir sind in Gefahr und es tut uns Not, das Schwert des Geistes zu handhaben. Es ist seinesgleichen nicht. Je mehr wir mit der Schrift vertraut sind, desto größer ist unser Vorteil in den Kämpfen und Versuchungen. Vergl. 1.Joh. 2,14. Die Tür unserer Herzen ist dann dem Satan verriegelt. Ein Mensch muss entweder das Wort vergessen oder seine Liebe zum Wort verloren haben, ehe er zur Sünde fortgerissen werden kann. Thomas Manton † 1677.

V. 5. Herr, wie immer Sauls Wut gegen mich sein mag, lass weder dies noch irgendetwas anderes mich von deinem Wege drängen, sondern halte mein Herz nahe bei dir und erhalte meinen Gang in deinen Fußsteigen, dass meine Tritte nicht gleiten . Denn, Herr, sie lauern darauf, dass ich straucheln möge. Können sie nur das geringste Ausgleiten an mir gewahren, so beuten sie dies bis zum Äußersten aus; und ich bin ein armes, schwaches Geschöpf. Darum hilf mir, Herr, dass meine Tritte nicht gleiten! Jeremiah Burroughs † 1646.

Herr, stütze du meine Schritte, halte mich aufrecht, dass ich aushalten könne. Du hast an das Ziel des Laufes die Krone gesetzt; lass mich meinen Lauf wohl vollenden, dass ich die Krone davontragen möge. Es war das Gebet Theodor Bezas, des Nachfolgers Calvins, († 1605), und möge es auch das unsrige sein: "Herr, vollende, was du in mir angefangen hast, dass ich nicht nahe dem Hafen noch Schiffbruch leide." Thomas Watson † 1660.

V. 9. Vor den Gottlosen. Sie sind in gleicher Weise deine und meine Feinde; wie sie meine Widersacher sind vermöge ihrer Bosheit, ebenso sehr sind sie deine Widersacher vermöge ihrer Gottlosigkeit. So wollest du in einem dich rächen und mich erlösen. John Howe † 1705.

V. 10. Der Dichter schildert die allem Erbarmen unzugängliche Gefühllosigkeit der Feinde. blx bedeutet im Arabischen und Syrischen ursprünglich das die Eingeweide bedeckende Netz nebst dem zugehörigen Fett, vergl. 3. Mose 3,3 , und gilt als Sitz der Gefühle. "Sie hat mein Herz umgekehrt und mein Herz zerrissen", sagt ein Araber von einem weiblichen Wesen, das er leidenschaftlich liebt (Rob. Smith). Ebenso ist blx im Psalm zu verstehen; also eigentlich: Sie haben ihr Fettnetz (dem Erbarmen) verschlossen, vergl. 1.Joh. 3,17: klei/ein ta` spla/gcna. Die zuerst von v. Ortenberg aufgestellte vermöge: "Sie haben ihr Herz mit Fett verschlossen" ist also abzuweisen. Prof. D. F. Bäthen 1904.

Man sagt im Morgenland oft: "Der Mann ist fett", um ihn als sehr stolz zu bezeichnen. Von einem Großsprecher heißt es: "Was können wir tun? An dem Fett seines Fleisches erkennt man ihn." -- "Seht, wie fett sein Mund ist! Wie voll er das Maul nimmt!" -- "Nimm dich in Acht, Geselle oder ich schließe dir den fetten Mund!" J. Roberts, Morgenländische Bilder, 1844. V. 11. Ein Mensch, dem die Leute auflauern, um einen Grund zur Anklage gegen ihn vor dem König oder vor den Großen auszuspüren, sagt: "Ja, sie sind rings um meine Füße her; ihre Augen stehen immer offen; sie bewachen beständig meine Schritte, d. h. sie spähen nach den Spuren oder Fußtritten auf der Erde." J. Roberts 1844.

Sie umgeben uns wie Jäger, die das Wild durch eine Treibjagd ausrotten. Sie bilden einen Kreis, aus dem ihnen die Beute nicht entrinnen kann. C. H. Spurgeon 1869.

V. 12. Wie ein Löwe usw. Im vierten Buch des Verlorenen Paradieses von John Milton († 1674) haben wir eine dichterische Schilderung des Erzfeindes, wie er unsere ersten Eltern zur Beute suchte, da er ihre Glückseligkeit sah und sie zu verderben entschlossen war:

Stolz schreitet wie ein Löwe
Er um sie her, voll wilder Glut den Blick.
Dann, wie der Tiger, der zwei Rehlein sah
Am Waldesrande spielend, dicht heran sich schleicht,
Dann sich erhebt - und wieder kriechend naht,
Bis er den Augenblick gekommen sieht,
Da er mit jähem Sprung sie beid’ erhascht
In seinen Klau’n.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

Jörg
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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps17

Beitragvon Jörg » 22.01.2019 16:42

Erläuterungen und Kernworte

V. 14. Die Leute dieser Welt, welche ihr Teil haben in ihrem Leben. Die Zeit und diese niedere Welt schließen alle ihre Hoffnungen und Sorgen in sich. Sie haben keine Vorstellungen, an die sie ernstlich glauben, von irgendetwas jenseits dieses gegenwärtigen Lebens. Darum ist nichts, das sie von der rohesten Gewalttat zurückhalten könnte, wenn nicht Gott selbst sie zurückhält. Menschen, die nicht an eine andere Welt glauben, sind bereit, in dieser jedes erdenkliche Unheil anzustiften. John Howe † 1705.

Welche ihr Teil haben. Gott gibt den gottlosen Menschen ihr Teil hier, um zu zeigen, wie wenig Gutes ist in allen Dingen, die hienieden in der Welt sind. Wäre viel Gutes darin, so würden jene sie gewiss nie bekommen. Es lässt sich leicht zeigen, dass in körperlicher Kraft kein großer Vorzug ist; ein Stier hat mehr davon als du. Beweglichkeit des Körpers ist auch kein großer Vorzug; ein Hund hat mehr davon als du. Prächtige Kleidung ist kein großer Vorzug; ein Pfau hat sie prächtiger als du. Gold und Silber sind kein großer Vorzug; denn die Inder, die Gott nicht kennen, haben sie reichlicher als du. Hätten diese Dinge irgendwelchen großen Wert in sich, so würde Gott sie den Gottlosen gewiss nie geben. Wie kein großes Übel sein kann in der Trübsal dieser Zeit, weil die Heiligen so oft betrübt werden, so kann es kein großes Gut in dieser Welt geben, weil die Gottlosen so viel davon genießen. Luther sagt einmal: Das ganze Türkenreich, so groß es ist, ist nur ein Brosame, den Gott, der Hausherr, den Hunden vorwirft. Das große türkische Reich - so gering schätzte es Luther ein, und es ist wirklich nicht mehr. Unterschiedslos streut Gott die Dinge dieser Welt hin, weil er sie als geringe Dinge ansieht. Er achtet nicht einmal darauf, ob die Menschen bereit sind, ihm dafür die Ehre zu geben. Ob ja oder nein, sie sollen sie haben; er wagt sie daran. Wo es aber an die auserwählten Gnaden in Christo geht, so sieht Gott darauf, Ehre davon zu haben. Er gibt sie niemals irgendjemanden, ohne ihn zuerst dafür zuzubereiten, dass er ihm die Ehre gebe. Du siehst etwa einen Mann Holzäpfel auflesen. Mögen auch Schweine unter dem Baum umherlaufen, es ist ihm nicht der Mühe wert, sie zu verjagen. Es sind ja nur Holzäpfel; mögen sie sie haben. Wäre er aber daran, irgendeine edle, kostbare Frucht zu sammeln, und es kämen Schweine dazu, so würde er sie schnell vertreiben. In äußern Dingen - Holzäpfeln - lässt Gott die Schweine der Welt kommen und sie grunzend nehmen. Aber wo es seine edelsten Gaben in Christus Jesus gilt, da macht er einen Unterschied. Das ist köstliche Frucht. Ein Schmied, der Eisen verarbeitet, achtet nicht darauf, ob auch viele Funken und Eisenstückchen umherfliegen; aber ein Goldschmied, der Gold bearbeitet, bewahrt jedes Stäublein des Goldes. So sind diese äußeren Dinge nur wie Späne, Asche und dergleichen; davon gibt Gott den Gottlosen ihr Teil. - Ich habe von Gregor († 390) gelesen, er habe, als er zu einem Ehrenamt befördert worden, bezeugt, es gehe ihm keine Schriftstelle so zu Herzen und erfülle seinen Geist so mit Zittern wie das Wort: Du hast dein Gutes in deinem Leben empfangen (Lk. 16,25). Wie Hieronymus († 420) sagt, das Wort von der Auferstehung und dem Gericht habe ihm Tag und Nacht in den Ohren geklungen, so erging es dem Gregor mit diesem Wort: Du hast dein Gutes empfangen. Tag und Nacht tönte es ihm in die Seele. Wollte Gott, ich könnte euch dieses Psalmwort so ins Herz predigen, dass es, wenn die Predigt vorüber ist und ihr auf eurem Lager liegt, noch in euren Ohren klänge: Leute dieser Welt, die ihr Teil haben in ihrem Leben! Jeremiah Burroughs † 1646.

Die Erde und ihre Güter teilt Gott aus ohne Ansehen der Person, auch denen, die seine Kinder nur von der Schöpfung her sind, nicht nach der Erwählung. Und doch ist ein Unterschied zwischen dem Glück der einen und der andern. Denn das eine ist mit Herzensangst verbunden (selbst beim Lachen ist das Herz ihnen schwer); der andern Glück mit Frieden und Freude im heiligen Geist. Dieses Glück ist ein Pfand der höheren Beseligung in der zukünftigen Welt, das der andern ist ihr ganzes Teil, als ob Gott spräche: Mögen sie das nehmen, sie haben weiter nichts zu erwarten. Miles Smith † 1624.

Der Mensch ist mit Vernunft begabt und weiß, dass dieses Leben einem Schatten gleich ist, einem Traum, einer Geschichte, die erzählt wird, einer Nachtwache, dem Rauch, der Spreu, die der Wind verweht, einer Wasserblase und dergleichen schnell verschwindenden Dingen, und dass das zukünftige Leben nie ein Ende haben wird. Und doch hängt er sein ganzes Herz und all sein Sorgen an dies Leben, das heute ist und morgen nicht mehr sein wird; aber an das Leben, das ewig währt, denkt er nicht. Ist dies nicht Unnatur, so weiß ich nicht, was widernatürlich genannt werden mag. Thomas Tymme 1634.

Was gottlose Menschen von dieser Welt besitzen, ist alles, worauf sie je zu hoffen haben. Wie sollten wir sie um ihren gefüllten Beutel oder ihre hochklingenden Titel beneiden? Das ist ja ihr ganzes Teil. Sie empfangen jetzt ihr Gutes. Hast du Nahrung und Kleidung? Das ist das Teil der Kinder. Beneide die Gottlosen nicht, wenn sie mit der Herrlichkeit der Welt prahlen. Sie haben jetzt mehr als du, aber es ist alles, was sie zu bekommen Aussicht haben. Der Psalmist gibt uns eine Übersicht über ihr Vermögen. Sie sind Leute dieser Welt. Sie haben ihr Teil in dem eiteln, nichtigen Leben dieser Zeit. Und du, Christ, der du nichts besitzt, bist der sichere Erbe des Himmels, der Miterbe Jesu Christi, der der Erbe aller Dinge ist. Unermessliche Reichtümer werden für dich aufgehoben, so groß und unendlich, dass alle Sterne des Himmels zu wenig sind, sie danach zu schätzen. Du hast kein Recht zu klagen, als seiest du zu kurz gekommen; denn alles, was Gott hat, ist dein. Was Gott gibt, kommt dir zugute; was er versagt oder nimmt, dient dir zur Prüfung, zur Mehrung jener Gnadengüter, die weit köstlicher sind, als irgendeine zeitliche Ergötzung. Wenn du böse Menschen in Reichtum und Lebensgenus siehst, während du mit den Widerwärtigkeiten und Schwierigkeiten einer durstigen Lage zu kämpfen genötigt bist, und du hast eine heilige Verachtung der Welt gelernt, so glaube mir: Gott hat dir hierin mehr gegeben, als wenn er dir die Welt selbst gegeben hätte. D. Ezekiel Hopkins † 1690.

Um zu zeigen, dass gottlose Menschen oft das größte Teil in diesem Leben haben, braucht es nicht vieler Worte. Die Erfahrung aller Zeiten von Anbeginn der Welt bestätigt es, und deine eigene Beobachtung kann es, denke ich, versiegeln. Jedenfalls hat die Schrift es reichlich bezeugt. Das Geschlecht Kains, des ersten Mörders, machte es sich wohl in der Welt. (1. Mose 4,17 ff.) Geh die ganze Reihe der Schriften durch. Da findest du Joseph von seinen Brüdern verfolgt, Esau für eine Zeit weit mächtiger als Jakob, die Israeliten, Gottes Volk, in der Knechtschaft und Pharao auf dem Thron, Saul als Herrscher und David in der Höhle oder in der Wüste, Hiob in der Asche, Jeremia im Kerker, Daniel in der Löwengrube und die drei Jünglinge im Feuerofen, Nebukadnezar aber auf dem Thron. Im Neuen Testament sehen wir Felix auf dem Richterstuhl, Paulus vor den Schranken, den Reichen im Palast, den Lazarus vor seiner Tür. Hiob belehrt uns, dass die Hütten der Verstörer oft die Fülle haben (12,6), welche Fülle er Kapitel 21,7-15 ausführlich beschreibt: Sie sind mit Gütern gesegnet, V. 7, reich all Nachkommenschaft, V. 8-11, im Frieden daheim, V. 9, draußen in zunehmendem Wohlstand, V. 10, sie haben Freude die Fülle, V. 12, und Reichtum nach Wunsch, V. 13. Der Psalmist redet davon aus eigener Erfahrung, Ps. 37, 35; 73, 7 . So hier im Text. Sie erfreuen sich nicht nur der gewöhnlichen Erweisungen der göttlichen Huld, der Luft, die sie atmen, der Erde, darauf sie wandeln, - ihr Bauch ist gefüllt mit dem Besten, und dies nicht nur für sie selbst, sondern für ihre Nachkommenschaft. Sie lassen ihr Übriges ihren Kindern. Mit einem Wort: Sie haben ihr Teil in ihrem Leben. Ein Herr zahlt seinem Knecht baren Lohn, während er den Sohn im Einkommen kurz hält, solange seine Minderjährigkeit währt, damit er lerne, sich hinsichtlich seines Erbteils auf den Vater zu verlassen. So handelt Gott, der große Herr über alle, mit den Knechten, die ihm um den Lohn irgendeines zeitlichen Vorteils dienen: er gibt ihnen ihren baren Lohn und Sold. Für seine Kinder hat er ein besseres Teil bestimmt. Es gehört ihnen, aber sie müssen warten; jetzt gibt Gott ihnen wenig bar in die Hand, damit sie lernen, von der Verheißung zu leben und sich für ihr himmlisches Erbe gläubig auf die Güte und Treue ihres himmlischen Vaters zu verlassen, damit sie, nicht im Schauen, sondern im Glauben wandelnd (2.Kor. 5,7), nicht auf das Sichtbare sehen mögen (2.Kor. 4,18). Darin offenbart sich die Hinfälligkeit des Fundaments, worauf viele ihre Hoffnungen für den Himmel bauen. Manche sind geneigt zu folgern: "Wenn Gott mich nicht lieb hätte, so würde er mir gewiss nicht solch ein Teil in der Welt geben." Betrüge dich nicht in einer Sache von so großer Wichtigkeit. Ebenso gut dürftest du sagen: Gott liebte den Judas, weil er den Beutel trug, oder den reichen Mann, weil er in Freuden lebte, - und doch sind beide nun in der Qual. John Frost 1657.

Das Wort Bauch mag durch den heiligen Geist gewählt worden sein, um die Tatsache anzudeuten, dass ein sehr großer Teil der Sünden weltlich gesinnter Menschen mit der Hinneigung zu gemeinen und erniedrigenden Lüsten verknüpft ist und dass sie die Güte des Himmels selbst missbrauchen, indem sie ihre unglücklichen Seelen in die Fesseln der Sinne schmieden. Mögen sie aber gedenken, dass ihrem Götzendienst der Sinne zuletzt die furchtbarste Heimsuchung des göttlichen Zornes folgen wird. John Morison 1829.

Gottlose Menschen mögen die Erde haben und was sie erfüllt, die Erde und alles, was irdisch ist. Die Schätze der Erde füllen denen den Bauch, die des Himmels Schätze gering achten und deren Seelen nie auch nur einen Vorschmack himmlischer Schätze bekommen werden. Reichtum und Ehre sind das Los und Erbteil derer, die kein Erbteil haben unter den Erben der Herrlichkeit. Diejenigen haben die Erde in ihren Händen (Hiob 9,24), welche nichts vom Himmel in ihren Herzen haben. Die Gewalt über die Welt haben die, welche Sklaven der Welt sind. Sie beherrschen und regieren andere nach ihrem Gutdünken, sie, die der Satan gefangen führt nach seinem Gutdünken. Lass dich nicht kränken noch verwirren, wenn du die Zügel der Herrschaft in den Händen solcher siehst, die sich selbst nicht beherrschen können, oder wenn du diejenigen die Welt regieren siehst, welche nicht wert sind, in der Welt zu leben. Joseph Caryl † 1673.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

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Beitragvon Jörg » 26.01.2019 07:58

Erläuterungen und Kernworte

V. 14-15. Sie haben Söhne die Fülle. Er will sagen: Du hast diesen Leuten schon überflüssig ihren Willen getan; was brauchen sie noch mehr? Sie selbst haben aus deiner Güte, die sie nicht achten, volle Gewährung ihrer maßlos gesteigerten Wünsche, genug für ihre Lebenszeit. Und wenn sie persönlich nicht länger leben können, so dürfen sie in ihrer Nachkommenschaft fortleben. Nicht Fremde, sondern ihre zahlreichen Sprösslinge hinterlassen sie als Erben. Ist’s nun nicht genug, dass ihre Habgier befriedigt ist? Muss ihre Bosheit auch noch Sättigung finden? Müssen sie auch noch ins Werk setzen, was für Unheil immer sie gegen mich aussinnen können? Darum errette mich von ihnen. Dieser Schilderung seiner Feinde stellt er sich selber hier am Schluss des Psalms gegenüber: Ich aber . Hier ist er an seinem Wendepunkt, und nach einer anscheinenden Verwirrung kehrt sein Geist zu folgerichtigem Denken zurück, in Erwägung der eignen glücklicheren Lage, die er der ihrigen gegenüberstellt und der er den Vorzug gibt, und zwar aus folgenden Gründen. Sie sind gottlos, er gerecht: Ich aber will dein Antlitz schauen in Gerechtigkeit . Ihr Glück ist weltlich, irdisch, nur derart, wie es die Erde hervorbringen kann; das seinige ist göttlich, so wie es vom Antlitz und dem Wesen Gottes ausstrahlt. Das ihrige ist gegenwärtig, zeitlich, aus das schnell vergehende Leben beschränkt, das seinige zukünftig, immerwährend; es wartet seiner, wenn er erwachen wird. Das ihre ist nur halbes, mangelhaftes Glück, dazu angetan, die tierische Seite ihres Wesens zu befriedigen, ihren Bauch zu füllen; das seine ein würdiges, volles Glück, wie es den befriedigt, der den Namen Mensch verdient. John Howe † 1705.

V. 15. Mit dem (betonten) Ich hält er dem Glücke seiner Feinde sein unvergleichlich größeres entgegen. Er, der von Menschen Verkannte und Verachtete, wird in Gerechtigkeit, welche dann ihren Gnadenlohn finden wird (Mt. 5,8; Ebr. 12,14), Gottes Angesicht schauen, und will, wenn diese Hoffnung sich ihm erfüllt, sich recht erfreuen an Gottes Gestalt . Das Schauen des göttlichen Angesichts hier von Erfahrung der Gnadenwirkungen zu fassen, welche von dem wieder zugekehrten und enthüllten ausgehen, genügt nicht; das Parallelglied fordert ein wirkliches Anschauen wie 4. Mose 12,8 , wonach Jahwe dem Mose in der Selbstgestalt seines Wesens ohne die Zwischenwand akkomodativer (sich anpassender) visionärer Selbstverbildlichung gegenüberstand, zugleich aber wie 2. Mose 33,20 , wo dem Mose das Schatten des göttlichen Antlitzes versagt wird, wonach also die Selbstdarstellung Jahwes im Verkehr mit Mose nicht ohne Selbstverhüllung zu denken ist, die ihm das Schatten erträglich machte. Hier aber, wo David eine Hoffnung ausspricht, welche das letzte Ziel, der äußerste Gipfel alles seines Hoffens ist, hat man kein Recht, das Anschauen Gottes, des in Liebe sich ihm zu schauen gebenden, und die Ersättigung an der herrlichen Erscheinung seines heiligen Wesens irgendwie zu beschränken. Ist dies richtig, so kann "beim Erwachen" nicht bedeuten; "wenn ich aus dem Schlafe dieser Nacht erwache" (Ewald, Hupfeld u. a.); denn gesetzt, dass der Psalm vor Schlafengehen gedichtet wäre, welchen Sinn hätte die Vertagung so überschwänglicher Hoffnung auf die Zeit nach verbrachtem natürlichem Schlafe? Aber auch das "Erwachen zu einem neuen Leben der Beseligung und Befriedigung durch das nach der Nacht und dem Dunkel des Elends, in dem der Dichter jetzt noch schwebt, über ihm wieder aufgehende Sonnenlicht der göttlichen Gnade" (Kurtz) kann nicht gemeint sein; denn aus Leidensnacht erwachen ist eine unpassende und ebendeshalb unbelegbare Vorstellung. So bleibt also nur das Erwachen aus dem Todesschlafe übrig. Prof. D. Franz Delitzsch † 1890.

Ich will schauen dein Antlitz. Das Antlitz eines Fremden kann ich sehen, ohne dass es mich irgendwie bewegt. Schaue ich aber einem Freund ins Angesicht, so geht von seinem Antlitz sofort ein belebter und freudiger Ausdruck in das meinige über. Die Seele, die Gott liebt, erschließt sich ihm, öffnet sich seinen Einflüssen und Eindrücken, wird leicht geformt und gebildet nach seinem Willen, gibt sich der umschaffenden Macht seiner sich offenbarenden Herrlichkeit hin. Da bleibt kein Widerstand zurück, wenn die Liebe Gottes in der Seele vollkommen geworden ist; und so überwältigend wirkt der erste Anblick seiner Herrlichkeit auf die erwachende Seele, dass er sie vollkommen und gottähnlich macht, beides in einem Augenblick. John Howe † 1705.

In diesen Worten haben wir 1) die Zeit seiner vollen und vollendeten Glückseligkeit: wenn ich erwache; 2) was ihn beglückt: Gottes Antlitz und Wesensgestalt, und wie er dessen froh wird; ich will schauen; 3) seine innere und äußere Lage im Stande der Glückseligkeit: in Gerechtigkeit . Da wird mein Herz völlig dem Willen Gottes, der vollkommenen und genauen Richtschnur der Gerechtigkeit, angepasst sein. 4) Das Maß seiner Glückseligkeit: Ich will satt werden an deinem Bilde, d. h. deine Herrlichkeit wird sich mir offenbaren, und sie wird mich entschädigen für alle Trübsal, die ich um deines Namens willen erduldet habe, so dass meine Seele sagen wird: Ich habe genug. Jeremiah Burroughs † 1646.
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Beitragvon Jörg » 29.01.2019 16:00

Erläuterungen und Kernworte

Habt ihr nie beobachtet, wie bei der Fertigstellung des Inneren eines Kunstbauwerkes die Gerüste alles verdecken? Als Micheangelo († 1564) das Innere jenes Prachtbaues, der Sixtinischen Kapelle, ausschmückte, konnte der Papst, der den Künstler mit dem Werke beauftragt hatte, die Zeit kaum erwarten, wo die Gerüste abgenommen werden würden; er brannte vor Verlangen, die glühenden Farben zu sehen, die dort mit unvergleichlicher Kunst ausgetragen wurden. Geduldig und beharrlich arbeitete der edle Künstler, Tag für Tag und fast bis in die Nacht sich mühend, und unter seinem Pinsel traten Propheten und Sibyllen und andere Gemälde hervor, wunderbar in ihrer Schönheit und sinnreichen Deutung, bis das Werk vollendet war. Wer nun am Tage vor der Fertigstellung in die Kapelle hätte gehen und emporblicken können, was hätte er gesehen? Pfosten, Bretter, Seile, Leim, Mörtel, Flecke und Schmutz. Als aber alles vollendet war, da kamen die Arbeiter, und das Gerüst wurde entfernt. Und wenn nun auch der Boden noch mit Schutt und Streu bedeckt war, war’s nicht, als hätte sich dem auswärts Blickenden der Himmel selbst geöffnet, und als schaute er hinein in die Vorhöfe Gottes und seiner Engel? Auch um die Menschen her bleibt das Gerüst noch lange erhalten, nachdem die Arbeit an dem Ebenbilde Gottes schon begonnen ist; und wunderbare Enthüllungen stehen bevor, wenn Gott das Gerüst, den Leib, wegnehmen und, was da gebildet worden ist, offenbaren wird. Durch Kummer und durch Freude, durch Freuden, welche lauter glättende Farben sind, und durch Trübsale, welche die Schatten jener glänzenden Farben sind, durch Gebete, durch die Eingebungen aus dem Heiligtum, durch deine Vergnügungen und durch dein Geschäft, durch Widerwärtigkeiten, durch Erfolge und Misslingen, durch das, was deine Zuversicht stärkt, und durch das, was sie prüft, durch die Dinge, über die du dich freust, und durch die, über die du trauerst: durch das alles hat Gott sein Werk in dir. Und du sollst vollendet werden nicht nach deinen Plänen, sondern nach dem göttlichen Modell. Dein Bild und das meinige werden ausgeführt, und durch wunderbare Fügungen und Einflüsse bildet uns Gott zu seinem Urbild hin. Weit über alles hinaus, was du selbst für dich tust, wirkt Gott, um dich in sein Bild zu gestalten. Und die wunderbare Deutung geht dahin, dass du, wenn du vor Gott stehst und siehst, was für dich geschehen ist, völlig befriedigt, satt sein wirst. Wie ist dies Wort Befriedigung, Sättigung einsam gewandert und hat nirgendwo eine Heimat gefunden seit den ersten Tagen der Welt! Gab es je eine menschliche Kreatur auf Erden, mit Fleisch umkleidet, die sagen konnte: Ich bin satt, durch und durch gesättigt, in jeder Hinsicht befriedigt? Wenn Gottes Werk vollendet ist, dann werden wir vor ihm stehen, und mit dem leuchtenden Ideal und der verklärten Vorstellung himmlischer Sehnsucht in uns werden wir ausblicken zu Gott und wieder zurück auf uns selbst und sagen: Ich bin satt. Denn "wir werden ihm gleich sein" (1.Joh. 3,2). Amen. Sollte uns das nicht genügen? Henry Ward Beecher 1862.

Die Heiligen im Himmel sind noch nicht erwacht im Bilde Gottes . Die Leiber der Gerechten schlafen noch, aber ihnen wird volle Genüge werden am Auferstehungsmorgen, wenn sie erwachen. Wenn ein römischer Eroberer im Felde gewesen war und große Siege erstritten hatte, so pflegte er mit seinen Kriegern nach Rom heimzukehren, still in sein Haus zu gehen und sich auszuruhen bis zum nächsten Tage. Dann verließ er die Stadt, um in öffentlichem Triumph seinen Einzug zu halten. Auch die Heiligen treten gleichsam heimlich in den Himmel ein, ohne ihren Leib. Aber am Jüngsten Tage, wenn ihre Leiber erwachen, werden sie ihre Triumphwagen besteigen. Es ist mir, als sähe ich den großen Zug, da Jesus Christus als der erste von allen, das Haupt mit Kronen geschmückt, mit seinem leuchtenden, verklärten, unsterblichen Leibe vorangehen wird. Hinter ihm kommen die Heiligen. Sie schlagen in die Hände oder entlocken ihren goldenen Harfen süße Melodien; sie alle ziehen ein im Triumph. Und wie sie kommen zu den Toren des Himmels und die Türen weit aufgetan werden, den König der Ehren zu empfangen, wie werden die Engel sich drängen an den Fenstern und auf den Dächern der himmlischen Stadt, den prächtigen Zug zu erwarten und Rosen und Lilien auf sie hinabzustreuen und zu rufen; Halleluja, Halleluja, Halleluja, der Herr, der allmächtige Gott, ist König! - Ich werde satt sein an dem glorreichen Tage, da alle Engel Gottes kommen werden, die Triumphe Jesu zu schauen, und da sein Volk an seinem Siegeszuge teilhaben wird. C. H. Spurgeon 1869.

Wenn ich erwache. Wie passend ist die Analogie zwischen unserm Erwachen aus dem natürlichen Schlafe und dem heiligen Erheben der Seele aus der Finsternis und der Erstarrung ihres gegenwärtigen Zustandes in das belebende Licht der Gegenwart Gottes! Es ist treffend gesagt, dass sie so erwache, wenn sie zuerst diese finstern Regionen verlässt, wenn sie ihre lästige Nachthülle zur Seite legt. Und dies wird sie vollkommen tun an dem frohen Morgen des Auferstehungstages, wenn die Sterblichkeit vom Leben verschlungen wird und alle noch schwebenden Schatten derselben hinschwinden und fliehen. Diese Deutung stimmt zu dem weiteren Inhalt des Verses. Denn zu welchem Zustand passt das Schauen des Angesichtes Gottes und die Sättigung an seinem Bilde so vollständig wie zu dem der künftigen Seligkeit in der andern Welt? John Howe † 1705.

Homiletische Winke

V. 1. Die Stimme Jesu, unserer Gerechtigkeit, und unsere Stimme. Man führe den Gedanken aus, wie beide zum Himmel aufsteigen, und weise darauf hin, welche Eigenschaften der Psalmist für unser Gebet fordert, nämlich Ernst, Ausdauer, Aufrichtigkeit usw.
V. 2. Lass mein Urteil von deinem Angesichte ausgehen. (Grundt.) 1) Wann wird der Spruch erfolgen? 2) Wer darf schon jetzt ihm zuversichtlich entgegengehen? 3) Was müssen wir tun, um zu der Zahl dieser Glücklichen zu gehören?
V. 3. Du prüfest mein Herz. Das Metall, der Glutofen, der Schmelzer usw.
V. 3b. Du besuchest mein Herz des Nachts. 1) Hoher Besuch. 2) Selig, wer desselben gewürdigt wird. 3) Eine besondere Besuchstunde. 4) Eine wohltuende Erinnerung. (Grundt. Perf.) 5) Das praktische Ergebnis des Besuches (Gewinn für das Leben).
V. 3c. Zungensünden, und wie man sie meidet.
V. 4. Des Königs Heerstraße und die Nebenwege.
V. 5. Erhalte. 1) Wer soll erhalten? Gott. 2) Was? Meinen Gang. 3) Wann? Jetzt. 4) Wo? Auf deinen Fußsteigen. 5) Wozu? Dass meine Tritte nicht gleiten.
Merken wir auf David, und lernen wir beten, wie er betete: Erhalte usw. 1) Wir sehen auf seinen Wandel. Er spricht von seinem Gang. Die Frömmigkeit erlaubt einem Menschen nicht, still zu sitzen. Er spricht von einem Gang in Gottes Fußsteigen. Deren gibt es dreierlei: a) der Pfad seiner Gebote, b) der Pfad seiner Verheißungen, c) der Pfad seiner Gnadenerweisungen. 2) Davids Augenmerk bei seinem Wandel: Dass meine Tritte nicht gleiten. Das ist die Sprache a) der Überzeugung, b) der Furcht, c) der Schwäche, d) der Zuversicht. William Jay † 1853.
V. 6. Zwei Worte, beide vollwichtig, ob auch klein: "Ich rufe" und "Höre". Zwei Personen, die eine klein, die andere groß: "Ich" und "Zu dir". Zwei Zeiten: "Ich habe gerufen" und "Du wirst hören". Zwei Wunder: Dass wir nicht mehr rufen, und dass Gott auf so unwürdige Gebete hört.
V. 7a. Siehe die Auslegung. Sehnsucht nach einem Lichtblick der göttlichen Güte.
V. 7b. Du Heiland usw. Gott der Heiland der Gläubigen.
V. 8. Zwei höchst sinnreiche Gleichnisse der Zärtlichkeit und Fürsorge. Das erste deutet auf lebendige Einheit, wie das Auge mit dem Leib untrennbar verwachsen ist; das andere auf liebende Gemeinschaft, wie die des Vogels und seiner Jungen.
V. 14. Weltmenschen. Wer sind sie? Was haben sie? Wo haben sie es? Was dann?
V. 15. Das ist die Sprache eines Mannes, der 1) mit sich selbst im Klaren ist, der seinen Entschluss gefasst hat, der sich nicht nach den Entscheidungen anderer richtet, 2) eines Mannes, der im Leben aufwärts strebt und große Aussichten vor sich hat; 3) die Sprache eines Israeliten.

Das Schauen des Angesichtes Gottes bedeutet ein Zwiefaches: 1) dass man sich seiner Huld erfreut; 2) dass man vertrauten Umgang mit ihm pflegt. William Jay † 1853.
Gott zu schauen und ihm ähnlich zu sein, das ist der Gläubigen Sehnsucht.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps18

Beitragvon Jörg » 03.02.2019 11:11

Kommentar & Auslegung zu PSALM 18


Überschrift

(Ein Psalm,) vorzusingen, Davids, des Herrn Knechts, welcher hat dem Herrn die Worte dieses Lieds geredet zur Zeit, da ihn der Herr errettet hatte von der Hand aller seiner Feinde und von der Hand Sauls. Wir haben diesen Psalm noch einmal in der Sammlung heiliger Schriften (2. Samuel 22) mit einigen Verschiedenheiten. Auch David selbst wird das Lied zu verschiedenen Zeiten gesungen haben, wenn er seine merkwürdige Lebensgeschichte überblickte und die gnädige Hand Gottes in all seinen Schicksalen beobachtete. Gleich unserem schönen Choral "Womit soll ich dich wohl loben" und andern ähnlichen Dankliedern ist dieser Psalm der Lobgesang eines dankbaren Herzens, das bei dem Rückblick auf die mannigfachen wunderbaren Gnadenerweisungen Gottes von heiliger Freude und Liebe zum Herrn überwältigt wird. Wir wollen den Psalm überschreiben: Der dankbare Rückblick. - Die alte Überschrift fordert Beachtung. Wiewohl David zu der Zeit die Königskrone trug, nennt er sich den Knecht Jahwes und erwähnt seine königliche Würde mit keiner Silbe. Daraus entnehmen wir, dass er es für eine höhere Ehre achtete, des Herrn Knecht, als der König von Juda zu sein, und er urteilte darin sehr weise. Da Gott ihm die Dichtergabe verliehen hatte, suchte er dem Herrn damit zu dienen, dass er diesen Psalm zur Verwendung in Gottes Haus abfasste. Es ist fürwahr nichts Geringes, die Lobpreisung Gottes, diesen köstlichen Teil des öffentlichen Gottesdienstes zu leiten oder zu heben. Wollte Gott, dass die dichterischen und musikalischen Fähigkeiten mehr dem Herrn geweiht würden, und dass alle unsere Musikmeister solche Leute wären, denen man wahrhaft erbaulichen und geistlichen Gesang anvertrauen könnte. Man beachte, dass die Worte dieses Liedes nicht gedichtet wurden, um dem Geschmack der Menschen zu gefallen, sondern dass sie dem Herrn geredet wurden. O dass unser Auge beim Gesang und bei allen andern heiligen Handlungen einfältiger auf die Ehre Gottes gerichtet wäre! Ein Loblied, das nicht einzig und von Herzensgrund dem Herrn gedichtet und gesungen wird, hat wenig Wert. David hatte wohl Ursache, seinen Dank so unmittelbar dem Herrn zu weihen; seinem Gott hatte er ja alles zu verdanken. Ihm, dessen Macht ihn erhalten hatte, gebührte allein der Lobpreis zur Zeit, da ihn der Herr errettet hatte . Dieselbe Empfindung, dass wir Gott, und Gott allein, Ehre und Dank schulden, sollte auch uns beseelen. Diese Schuld werden wir nie abtragen können.
Wenn wir dessen eingedenk sind, dass der 3. und der 50. Vers im neuen Testament (Hebr. 2,13; Röm. 15,9) als Worte des Herrn Jesus angeführt werden, wird es uns klar sein, dass auch dieser Psalm auf einen Größeren als David zielt. Der Leser wird unserer Hilfe in dieser Hinsicht nicht bedürfen. Wer Jesus kennt, wird ihn in seinen Leiden, seiner Errettung und seinem Triumph überall in diesem herrlichen Lied finden.

Einteilung

Die Verse 2-4 sind das Eingangswort, worin der Sänger seiner inbrünstigen Liebe zu dem Herrn beredten Ausdruck gibt. In Vers5-20 wird die rettende Gnade mit höchstem dichterischem Schwung gepriesen. Darauf beteuert der glückerfüllte Sänger V. 21-29, dass Gott gerecht gehandelt habe, indem er ihm solche Gunst erwiesen. Voll dankerfüllter Freude schildert er V. 30-46 aufs Neue die ihm widerfahrene Errettung und feiert zum voraus künftige Siege. Zum Schluss redet er in offenbar prophetischem Ausblick von den herrlichen Triumphen des Messias, des Samens Davids und des Gesalbten des Herrn.

Auslegung

2. Herzlich lieb habe ich dich, Herr, meine Stärke;
3. Herr, mein Fels, meine Burg. mein Erretter,
mein Gott, mein Hort, auf den ich traue,
mein Schild und Horn meines Heils und mein Schutz!
4. Ich rufe an den Herrn, den Hochgelobten,
so werde ich von meinen Feinden erlöset.


2. Herzlich lieb habe ich dich, Herr. Mit starker und zugleich herzinnig zarter Liebe umklammert David seinen Bundesgott, wie das Kind den Vater, das Weib den Mann ihres Herzens. Das hebräische Zeitwort racham, das (im piel) so häufig vom zärtlichen Erbarmen, besonders Gottes, gegen Hilfsbedürftige gebraucht wird, finden wir nur hier (im kal) auf die Liebe zu Gott angewandt. Es ist von großer Kraft und Zartheit zugleich und bezeichnet die tiefste, seelenvollste Liebesempfindung. Die gebrauchte Zeitform schließt zugleich den festen Entschluss Davids ein, in solch trautester Liebesgemeinschaft mit dem Höchsten zu verbleiben. (Manche übersetzen geradezu: Ich will dich lieben: doch ziehen wir die Übersetzung Luther s vor.) Der dreieinige Gott verdient die inbrünstigste Liebe unser aller Herzen; Vater, Sohn und heiliger Geist haben jeder ein Anrecht auf unsere Liebe. Der feierliche Vorsatz, nie von der Liebe zu lassen, entspringt ganz natürlich aus der gegenwärtigen Inbrunst der Zuneigung. Es ist verkehrt, vorschnell Entschlüsse zu fassen; wer aber diesen Vorsatz in der Kraft Gottes fasst, handelt überaus weise und schicklich. Meine Stärke. Unser Gott ist die Stärke unseres Lebens, unseres Charakters, unserer Werke, unserer Hoffnungen, unserer Kämpfe und unserer Siege. - Dieser Vers fehlt in 2. Samuel 22 . Es ist ein überaus köstlicher Satz, an die Spitze gestellt, um die Zinne des Tempels, den Gipfel der Pyramide zu bilden. Die Liebe ist noch heute die Krone aller Gnaden.

3. Herr, mein Fels, meine Burg. David war der Bosheit Sauls entgangen, indem er sich in den Klüften und Felsenfestungen Judäas verborgen hatte; und hier vergleicht er nun seinen Gott solch einem Ort der Bergung und Sicherheit. Gott birgt die Seinen oft heimlich bei sich vor dem Wüten der Menschen und verdeckt sie da vor dem Hader der Zungen und dem Toben der Trübsalsstürme. (Vergl. Ps. 31,21.) Die Klüfte des ewigen Felsen sind sichere Zufluchtsstätten. Mein Erretter , der in der Stunde der Gefahr ins Mittel tritt. Die dem Herrn angehören, werden oft, wenn sie beinahe gefangen genommen sind, von der Hand des Starken durch den noch Stärkeren errettet. Dieser Name Gottes, der Erretter, fasst viele Predigten in sich und ist der eindringenden Aufmerksamkeit aller durch Erfahrung gereiften Gläubigen wert. Mein Gott; das sind alle guten Dinge in einem. In diesem Ausdruck ist ein unermesslicher Reichtum enthalten; er bedeutet: mein beständiges, unwandelbares, unendliches und ewiges Gut. Wer in Wahrheit sagen kann; mein Gott, kann mit Recht hinzufügen: mein Himmel, mein alles. Mein Hort : meine sichere und ewig unwandelbare Zuflucht. Fels und Hort sind sinnverwandt, und doch bieten sie keine matte Wiederholung desselben Gedankens; denn nach dem Grundtext bedeutet das erste Wort den zerklüfteten Fels, die Felsenkluft als Bergungsort, während das andere den Fels nach seiner Festigkeit, Unwandelbarkeit und Unnahbarkeit bezeichnet. Auf den ich traue, oder bei dem ich Zuflucht suche und habe. Der Glaube muss geübt und erprobt werden, wenn anders die Vortrefflichkeit Gottes uns wahrhaft bekannt werden soll; und Gott muss der Gegenstand unseres Vertrauens sein, sonst ist, was wir Glauben nennen, nur Vermessenheit. Mein Schild , der die Streiche des Feindes abwehrt und mich vor Pfeil und Schwert deckt. Der Herr rüstet seine Krieger sowohl mit Schutz- als Trutzwaffen aus. Unser Waffenlager ist wohl versehen, so dass keiner ungewappnet in den Kampf zu gehen braucht. Und Horn meines Heils, das mich befähigt, meine Feinde niederzustoßen und mit heiligem Frohlocken über sie zu triumphieren. Und mein Schutz , wörtlich: meine steile Höhe, meine Hochburg, wo kein Feind mich erreicht und von wo ich auf ihr Wüten ohne irgendwelche Besorgnis und Angst niederblicke und weit umher ins gute Land hinausschaue. Es sind der Worte viel, mit denen David hier feinen Bundesgott preist und doch ist nicht eins zu viel. Wir könnten in heiliger Muße bei jedem einzelnen verweilen und aus der eingehenden Betrachtung reichen Gewinn ziehen. Wir müssen uns aber mit dem Hinweis begnügen, welch vollkommener Schutz der Herr den Seinen ist.

4. (Als) den Preiswürdigen rufe ich (Hilfe suchend) an den Herrn, so werde ich von allen meinen Feinden errettet. (Wörtl. 1 Der Psalmist preist aus seiner Erfahrung die Gebet erhörende Gnade Jahwes. Er mag mit den Worten zugleich seinen Vorsatz bekunden, den Herrn auch ferner mit freudigem Lobpreis anzurufen, in der Überzeugung, dass sein Gott sich in allen noch bevorstehenden Kämpfen eben so herrlich an ihm erweisen werde. Es ist gut, wenn wir den Herrn als Hochgelobten, als Vielgepriesenen und der Lobpreisung Würdigen (Grundt.) anrufen; denn dann beten wir in fröhlichem und zuversichtlichem Geist. Dankbarkeit für die bisherigen Gnadenerweisungen Gottes macht uns kühn, große Dinge von dem Herrn zu erbitten. In dem Wörtlein so, d. h. in der inneren Verbindung der beiden Versglieder, liegt viel. Lobpreisend errettet werden, das heißt in der Tat errettet werden. Viele werden trauernd und zagend errettet; David aber hatte solchen Glauben, dass er singend kämpfen und mit Lobpreis auf den Lippen die Schlacht gewinnen konnte. Wie beseligend ist es, neue Gnaden zu empfangen mit einem Herzen, das schon von Freude über erfahrene Huld erfüllt ist, und neuen Trübsalen auf Grund der bisherigen Erfahrungen der göttlichen Liebe mit fester Zuversicht entgegengehen zu können.

Fußnote
1. Andere übersetzen: "Gepriesen", rief ich (oder rufe ich stets), ist (oder sei) "Jahve", da wurde (oder werde ich) usw. Man fasst die Worte hOfhy: llfIhum: dann als den Schlachtruf Davids auf, wie denn Bäthgen daraus hinweist, dass tahlil noch heute bei den Arabern der Schlachtruf ist.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

Jörg
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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps18

Beitragvon Jörg » 05.02.2019 16:40

5. Es umfingen mich des Todes Bande,
und die Bäche Belials erschwerten mich.
6. Der Hölle Bande umfingen mich,
und des Todes Stricke überwältigten mich.
7. Da mir angst war, rief ich den Herrn an,
und schrie zu meinem Gott;
da erhörte er meine Stimme von seinem Tempel,
und mein Schreien kam vor ihn zu seinen Ohren.
8. Die Erde bebete und wurde beweget,
und die Grundfesten der Berge regten sich
und bebeten, da er zornig war.
9. Dampf ging auf von seiner Nase
und verzehrend Feuer von seinem Munde,
dass es davon blitzte.
10. Er neigte den Himmel und fuhr herab,
und Dunkel war unter seinen Füßen.
11. Und er fuhr auf dem Cherub und flog daher;
er schwebte auf den Fittichen des Windes.
12. Sein Gezelt um ihn her war finster
und schwarze, dicke Wolken, darin er verborgen war.
13. Vom Glanz vor ihm trennten sich die Wolken
mit Hagel und Blitzen.
14. Und der Herr donnerte im Himmel,
und der Höchste ließ seinen Donner aus
mit Hagel und Blitzen.
15. Er schoss seine Strahlen und zerstreute sie;
er ließ sehr blitzen und schreckte sie.
16. Da sah man das Bette der Wasser,
und des Erdbodens Grund ward aufgedeckt,
Herr, von deinem Schelten,
von dem Odem und Schnauben deiner Nase.
17. Er steckte seine Hand aus von der Hohe und holte mich,
und zog mich aus großen Wassern.
18. Er errettete mich von meinen starken Feinden,
von meinen Hassern, die mir zu mächtig waren,
19. die mich überwältigten zur Zeit meines Unglücks;
und der Herr wurde meine Zuversicht.
20. Und er führte mich aus ins Weite,
er riss mich heraus; denn er hatte Lust zu mir.


In hochdichterischer Sprache schildert der Psalmsänger nun seine Erfahrung von Jahwes rettender Macht. Die Poesie hat in allen ihren Schätzen keinen funkelnderen Edelstein als dieses klangvolle Lied der uns jetzt vorliegenden Verse. Die Not, der Hilferuf, das Herabfahren Gottes und die Rettung des Bedrängten sind hier zu einem Klanggebilde vereinigt, das der goldenen Harfen würdig ist. Beim Durchforschen dieses Gesanges hat es sich uns mit immer größerer Gewissheit aufgedrängt, dass neben David oder irgendeinem andern Gläubigen, und über diese hinaus, der Messias die Hauptperson dieses Liedes ist und dass jede Zeile in ihm ihre tiefste und höchste Erfüllung gefunden hat. Da wir unsere Erklärung in gemessenen Grenzen zu halten wünschen, müssen wir es dem andächtigen Leser überlassen, die überaus leicht sich ergebende Anwendung auf unsern einst so schwer bedrängten, jetzt erhöhten Herrn und Heiland selber zu machen.

5. Es umfingen mich des Todes Bande. Es war, als legte der Tod, gleich einem grausamen Sieger, seine Fesseln um ihn. Um und um war er von Schrecken des Todes umgeben, dass er deswegen erbleichte. Er glich einem Seefahrer, der mit zerschmettertem Steuer durch die schreckliche, todesweiße Brandung auf die Felsen getrieben wird. Welch traurige Lage des Mannes nach dem Herzen Gottes! Aber so macht es der Herr gerade mit seinen geliebten Kindern. Die Bäche Belials, das ist, der Nichtswürdigkeit und Bosheit, 2 erschreckten mich . Sturzbäche der Gottlosigkeit drohten alle Frömmigkeit hinwegzuschwemmen und die Hoffnung des Gerechten durch Spott und Verachtung mit sich fortzureißen. Diese Drohung war schon so weit ausgeführt, dass sogar der Held, der einst den Goliath erschlagen hatte, von Schrecken erfasst wurde. Selbst die durchaus seetüchtige Barke kracht manchmal in allen Fugen, wenn die Sturmesfurie rings um sie tobt. Auch der Mutigste, der für gewöhnlich das Beste hofft, kann in Umstände kommen, wo er das Schlimmste befürchtet. Teurer Leser: Der, der diese Zeilen schreibt, versteht den Vers besser als die große Mehrzahl der Menschen und fühlt sich geneigt zu weinen, und doch dabei zu singen, während er über einen Text schreibt, der seine eigene Erfahrung so getreu schildert. An jenem Abend des beklagenswerten Unglücks in der Surrey-Musikhalle 3 , da brachen die Fluten Belials los, und die darauf folgenden Bemerkungen eines großen Teils der Presse waren äußerst boshaft und ruchlos. Da war meine Seele in großer Drangsal, denn ich war umringt von Weh des Todes und den Lästerungen unbarmherziger Menschen. Aber o, wie viel Gnade war dennoch in dem allem, und welch süßen Honig göttlicher Güte reichte der Herr mir aus diesem Löwen der Trübsal (Richter 14, 8). Fürwahr, mein Gott hat mich erhört! Bist du in übler Lage? Teurer Freund, lerne aus unserer Erfahrung, dem Herrn zu trauen, der seine Erwählten nicht verlässt.

6. Der Hölle, d. i. der Unterwelt, Bande (oder nach anderer Übersetzung: Wehen 4 umfingen mich . Von allen Seiten bellten die Höllenhunde wütend. Eine Kette von Teufeln umzingelte den gejagten Mann Gottes. Nirgends war ein Entrinnen. Der Satan versteht es, unsere Küsten mit den Panzerschiffen der Sorgen und Schmerzen zu blockieren; aber gottlob! Der Hafen des Gebots ist allezeit offen, und die Gnade bahnt sich den Weg durch alle Feinde; sie trägt die Kunde unserer Drangsale von der Erde zum Himmel und bringt Segnungen vom Himmel zur Erde zurück. Des Todes Stricke überwältigten mich. Der alte böse Feind macht Jagd auf seine Beute, nicht nur mit der wilden Meute des höllischen Abgrunds, sondern auch mit den Schlingen der grausamsten List. Enger und enger ward das Netz um den armen Gefangenen gezogen, bis es, festgeschlossen, ihm jede Möglichkeit des Entschlüpfens nahm. Seine Lage war so hoffnungslos, wie es nur irgend sein konnte, so verzweifelt, dass nur der Arm der Allmacht noch Hilfe schaffen konnte. Er war gefesselt gleich einem Übeltäter, der zur Hinrichtung geschleppt wird, umzingelt gleich einem gejagten Wild, in einem Netz gefangen gleich einem zitternden Vöglein. Wäre es möglich, dass sich mehr Schrecken und Not auf ein armes, wehrloses Haupt zusammendrängen könnte?

7. Da mir angst war, rief ich den Herrn an, und schrie zu meinem Gott. Das Gebet ist das Hinterpförtchen, das offen bleibt, ob die Stadt auch rings vom Feinde umlagert ist; es ist der Ausweg aus der Grube der Verzweiflung, zu dem der geistliche Bergknapp alsbald flüchtet, wenn die Fluten des Verderbens aus der Tiefe über ihn hereinbrechen. Man beachte; erst ruft, dann schreit er; das Gebet wird dringlicher. Man übersehe auch nicht, dass er Gott erst mit dem Namen Jahwe anruft, alsbald aber das traute Wörtlein mein anwendet: mein Gott . So wächst der Glaube durch die Übung und hält sich immer fester an den treuen Bundesgott. Es gibt keine Unzeit für das Beten; keine Angst und Drangsal sollte uns abhalten, das göttliche Hilfsmittel des Flehens zu benutzen. Trotz des Tobens und Tosens der Wogen des Todes, trotz des Wütens der höllischen Mächte dringt der leiseste Ruf einer wahrhaft gläubigen Seele gen Himmel. Da erhörte er meine Stimme von seinem Tempel (oder Palast), und mein Schreien kam vor ihn zu seinen Ohren. Hoch droben, inmitten der mit Edelsteinen geschmückten Mauern und Perlentore (Off. 21), ward der Notschrei vernommen. All die Musik der Engelsheere und das Lobgetön der Seraphim konnten den Laut des Flehens nicht übertönen oder auch nur abschwächen. Der König hörte es in seinem Palast des unnahbaren Lichts und lieh dem Schreien seines geliebten Kindes gnädig sein Ohr. O der unerkannten Macht von der Heil’gen Beten, das also, um unseres Mittlers willen, durch Ohr und Herz des großen Gottes dringt! Der Ruf und Schrei der bedrängten Seele gelangt unmittelbar zum Herrn selbst; er geht nicht durch Vermittlung der Heiligen oder anderer Fürsprecher zu Gott: mein Schreien kam vor ihn. Wir dürfen mit Zuversicht, ja mit kühnem Freimut beten, weil unser Vater selbst auf unser Flehen horcht.

8. Es dauerte nicht lange, bis auf den Notschrei die Antwort kam. Der Herr verzieht nicht die Verheißung, er eilt seinen bedrängten Kindern schnell zu Hilfe. Vor Davids Geistesauge stehen die majestätischen Erscheinungen des Herrn in Ägypten, am Sinai und bei verschiedenen Gelegenheiten zur Zeit Josuas und der Richter, und es scheint ihm, es sei in seinen eignen Erlebnissen dieselbe Herrlichkeit der Macht und Güte Gottes hervorgetreten, und er dürfe daher die Darstellung der in seiner Errettung zu Tage getretenen Herrlichkeit den Schilderungen früherer Entfaltungen der göttlichen Majestät anpassen und diese in seinen Lobgesang verweben. Die Erde bebte und wurde beweget. Beachte, wie die festesten und unbeweglichsten Dinge die Macht des Gebets empfinden. Das Gebet hat die massivsten Gebäude erschüttert, Kerkertore geöffnet und steinerne Herzen zum Zittern gebracht. Das Gebet läutet die Sturmglocke; der Herr des Hauses steht auf, um zu Hilfe zu eilen, und unter seinem Tritt erzittert alles. Die Grundfesten der Berge regten sich und bebten, da er zornig war. Er, der die Säulen der Erde befestigt hat, kann sie in ihren Grundfesten erzittern und die Eckpfeiler der Schöpfung hüpfen lassen. Die Erde wankt und schwankt, die gewaltigen Gründe der Berge erbeben und bewegen einander (wörtl.), wenn Jahwe sich im Zorn aufmacht, die Feinde seines Volkes zu zerschmettern. Wie wird der winzige Mensch vor Gott standhalten können, wenn selbst die Berge vor Furcht erbeben? Möge er nicht in seinem Dünkel sich träumen lassen, dass die falsche Zuversicht, die er jetzt hegt, ihn an dem schrecklichen Tag des Zornes aufrecht halten werde.

9. Dampf (oder: Rauch) ging auf von seiner Nase : ein feuriger morgenländischer Ausdruck zur Bezeichnung heftigen Zornes. Der Hauch der Nüstern wird durch starke innere Erregungen heiß und sprüht mächtig hervor. Das Bild stellt den allmächtigen Erretter in der Hitze seines Zornes und dem heiligen Ungestüm seines Eifers dar. Die ganze Beschreibung ist die erhabene Schilderung eines Gewitters. Die schweren Wolken werden als der Rauch des göttlichen Zornes dargestellt. Nichts erzürnt Gott so wie Unrecht, das seinen Kindern zugefügt wird. Wer sie antastet, der tastet seinen Augapfel an (Sach. 2,12). Gott ist nicht den Leidenschaften unterworfen, die uns seit dem Sündenfall beherrschen; sein Zorn ist stets ein heiliger, die Ruhe des Alleinseligen wird durch nichts gestört. Da wir aber die Tatkraft und Eilfertigkeit, womit er handelt, bei Zürnenden zu sehen gewohnt sind, werden jene Eigenschaften durch dies dichterische Bild unserm Verständnis in passender Weise nahe gebracht. Der Hauch seiner Lippen genügt, seine Feinde zu vernichten: Und verzehrend Feuer ging aus von seinem Munde. Ehe sich aber dies Zornesfeuer ganz entlädt, kündigt es sich im Wetterleuchten an: Glutkohlen loderten von ihm (Gott) aus . (Grundt.) Das Ganze schildert das Herannahen Gottes, der im Wetter herniederfährt, um seinem Kinde zu Hilfe zu eilen. Bei seinem majestätischen Erscheinen bebt die Erde, die Wolken fliegen auf wie Rauch, und die noch fernen Blitze setzen den ganzen Horizont in Flammen.

Fußnoten
2. Andere übersetzen: des Verderbens. Ableitung und Bedeutung des Wortes Belial sind zweifelhaft. In späterer Zeit wurde es als Name für den Satan gebraucht.

3. Durch den großen Zulauf zu seinen Predigten war Spurgeon mehrere Jahre, bis zur Erbauung des Metropolitan Tabernacle im Jahre 1861, genötigt, die größten Lokale Londons zu benutzen. Am Abend des 19. Okt. 1856, als Spurgeon unter ungeheurem Zudrang den ersten Gottesdienst in der Surrey Music Hall hielt, erscholl während des Gebets der Ruf "Feuer". Es war blinder Lärm, wahrscheinlich von ruchlosen Leuten verursacht, um den Gottesdienst zu stören. Es entstand eine Panik, die Leute drängten, besonders von den Galerien, nach den Ausgängen, und die Folge war, dass sieben Menschen erdrückt und 28 erheblich verwundet wurden. Der erst 22 jährige Prediger, der keine Ahnung hatte, dass an den Ausgängen Menschen mit dem Tode rangen, bot alles auf, die Leute zu beruhigen. Schließlich aber brach er zusammen. Sein Nervensystem hatte einen furchtbaren Schlag erlitten. Erst später erfuhr er, mit welcher Flut von Schmähungen die Presse ihn, den völlig Unschuldigen, überhäuft hatte. Noch Jahrzehnte später konnte ihn die Erinnerung an dieses schreckliche Ereignis überwältigen. Näheres ist zu ersehen aus den Biographien Spurgeons, z. B. der gedrängten, aber trefflichen: "Ein Fürst unter den Predigern", von R. Schindler 1892.

4. Die LXX u. darnach auch die engl. Bibel übers. yl"b:xe V. 5a und 6a durch Wehen, von lbex". Da der st. constr. plur. dieses Wortes mit dem von lbexe Strick gleich lautet, muss der Zusammenhang entscheiden. V. 6b spricht für Luthers Fassung.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

Jörg
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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps18

Beitragvon Jörg » 09.02.2019 13:46

10. Mitten in dem die ganze Schöpfung erschauern lassenden Sturme fährt Jahwe als Rächer und Retter hernieder. Der Wolkenhimmel senkt sich unter seinen Füßen. Er neigte den Himmel und fuhr herab. Er kam in Eile und stieß gleichsam alles weg, was ihn am schnellen Herabfahren hinderte. Düsterschwarzes Gewölk verhüllte seinen Glanz: Dunkel war unter seinen Füßen . Er kämpfte inmitten der dichten Gewitterwolken, wie ein Krieger, der von Rauch und Staub eingehüllt ist; und doch traf er das Herz seiner Feinde mit dem scharfen Schlachtschwert seiner Rache. Das Dunkel ist kein Hindernis für Gott. Die dichteste Finsternis macht er zu seiner Hülle, zu seinem heimlichen Gezelt. Sieh, wie das Gebet Himmel und Erde bewegt und Stürme erregt, die in einem Nu die Feinde der Auserwählten Gottes niederwerfen. Es stand schlimm um David, ehe er betete; aber die Dinge wandten sich, sowie sein Flehen gen Himmel stieg, und nun stand es schlimm, viel schlimmer um seine Feinde, während er jauchzen konnte. Der Glaube zieht die göttliche Hilfe herbei und wendet das Blatt wider den Feind. Muss ich einen Feind haben, -- dass er nur nicht ein Mann des Gebets sei; sonst wird er bald die Oberhand über mich gewinnen, indem er seinen Gott zum Kampf herbeiruft.

11. Dieser Vers ist von unnachahmlicher Erhabenheit. Auch bei Hesekiel finden wir die Cherubim als den Thron der göttlichen Majestät tragend und mit Blitzesschnelle überall hinführend, gleichsam als den Thronwagen Gottes dargestellt. Wir wollen uns hier nicht in Erörterungen über das geheimnisvolle Wesen der Cherubim verlieren; es genüge die Bemerkung, dass, wie die Engel uns ohne Zweifel als Beschützer und diensteifrige Freunde zur Seite stehen, so auch die ganze Macht dieser heiligen, Gott allezeit schauenden Geschöpfe dazu angeworben ist, die Befreiung des gefährdeten Knechtes des Herrn zu beschleunigen. Er fuhr auf dem Cherub und flog daher. Auch die Natur bietet alle ihre Kräfte uns zur Hilfe dar, sogar die Gewalten der Luft sind dienstbereit: Er schwebte auf den Fittichen des Windes . Der Herr kommt mit Windeseile, wenn es gilt, Barmherzigkeit zu erweisen; dagegen zögert er lange mit seinem Einschreiten, wenn ein Sünder auf diese Weise zur Buße gelockt werden soll. Das Daherfahren Jahwes ist hier sowohl in seiner Erhabenheit als Schnelligkeit geschildert. Wie der Adler in majestätischer Ruhe mit weit ausgebreiteten Schwingen einherschwebt, ohne heftigen Flügelschlag, ohne auffällige Kraftanstrengung, so kommt der Herr in der Majestät der Allmacht, den Seinen zu helfen.

12. Er machte Finsternis zu seiner Hülle, rings um sich zu seinem Zelte Wasserdunkel, Wolkendickicht. (Wörtl.) Immer dicker wird die Finsternis des Unwetters und die Wolken schütten den Regen in Sturzbächen herab. Beides bildet das heimliche Gezelt des unsichtbaren, aber Wunder wirkenden Gottes. Er hüllt sich in undurchdringliche Finsternis. Der Glaube zwar sieht ihn; aber kein anderes Auge vermag ihn im Wasserdunkel und Dunstgewölk zu schauen. Gesegnetes Dunkel, das meinen Gott verbirgt! Darf ich ihn nicht sehen, so ist es doch köstlich, zu wissen, dass er im Verborgenen für mein ewiges Heil wirkt. Auch Toren können glauben, dass Gott da ist, wenn die Sonne lieblich scheint und die Luft klar und heiter ist; aber der Glaube ist scharfsichtig und entdeckt seinen Gott auch im schrecklichen Dunkel und tobenden Sturm.

13. Plötzlich brach das nun herangezogene Gewitter los. Vor dem Glanze vor ihm fuhren seine Wolken dahin; Hagel und Feuerkohlen! (Wörtl. 5 Des Ewigen Glanz erleuchtete die Wolken und ließ sie in dem Abglanz seiner Herrlichkeit erstrahlen, die im Wolkengezelt verborgen war; und Salven von Hagel und von Feuerkohlen, d. i. funkelnden und zündenden Blitzen , wurden auf den Feind geschleudert. Erst war es, als hingen die Blitze an den Wolken, die dadurch in ein Flammenmeer verwandelt schienen, und dann brach der Hagel los, und Feuerfunken und Flammen von entsetzlicher Majestät erschreckten die Erdensöhne.

14. Zu all der Feuerpracht des Gewitters kam das furchtbare Krachen des Donners. Der Herr donnerte im Himmel und der Höchste ließ seinen Donner (wörtl. seine Stimme) aus. Fürwahr, eine passende Musikbegleitung zu den Flammen der Rache. Wie werden die Menschen es ertragen können, Gottes Stimme am jüngsten Tage zu hören, wenn diese ihr Schicksal verkündet, da ihnen schon jetzt das Herz entfällt, wenn sie sie nur von ferne rollen hören? Für David aber ward dies schreckliche Schauspiel ein Anlass zum Gesang. So findet jeder Gläubige selbst in den Schrecken Gottes ein Thema zu heiliger Lobpreisung. Hagel und Feuerkohlen! (Wörtl.) Dieser nochmalige Ausruf des Staunens vergegenwärtigt uns lebhaft die Furchtbarkeit des Gewitters. Bischof Horne († 1792) sagt, jeder Gewittersturm solle uns an den Sturm der Ruche erinnern, der einst die Auferstehung der Toten begleiten wird. Aber sollen wir nicht auch dessen eingedenk sein, dass der sich so machtvoll im Gewitter offenbarende Gott unser Vater und Freund ist, und sollen wir dadurch nicht in der Gewissheit bestärkt werden, dass wir trotz allen Gefahren sicher sind, weil er für uns den Kampf ausficht? Der Fürst, der in der Luft herrscht, ist bald vertrieben, wenn der feurige Cherubwagen durch sein Reich fährt. Darum sollen die Legionen der Hölle uns nicht schrecken. Er, der mit uns ist, ist größer denn alle, die wider uns sind.

15. Er schoss seine Blitze wie scharfe Strahlen, d. i. Pfeile, in die Heere der Feinde und zerstreute sie, er ließ sehr blitzen und schreckte (verwirrte) sie. Die Gottlosen, die sonst so gern trotzen und prahlen, erweisen sich als Feiglinge, sobald Jahwe ihnen auf dem Kampfplatz gegenübertritt. Sie verachten sein Wort und haben ein großes Maul; aber wenn es zum Treffen kommt, ergreifen sie das Hasenpanier. Die zuckenden Flammen und Donnerkeile schreckten und verwirrten sie. Gott ist um Waffen nie verlegen. Wehe dem, der mit seinem Schöpfer hadert! (Jes. 45, 9 .) Des Allmächtigen Pfeile verfehlen nie ihr Ziel; sie sind mit Blitzen gefiedert und mit Widerhaken ewigen Verderbens gerüstet. Sünder, fliehe zu der Felsenkluft, da du Zuflucht findest, ehe diese Pfeile dir im Herzen sitzen.

16. So schrecklich war der Ansturm Gottes wider seine Feinde, dass die ganze Ordnung der Natur dadurch geändert wurde und die Gründe der Ströme und Meere bloßgelegt wurden. Da sah man das Bett der Wasser. Und die tiefen Höhlen im Innern der Erde wurden emporgehoben, bis des Erdbodens Grund aufgedeckt ward. Wie allgewaltig ist doch dein Schelten, Herr! Wenn schon das Schnauben des Odems deiner Nase (oder das Schnauben deines Zornhauches) so schrecklich ist, was muss es sein, wenn dein Arm sich regt! Vergeblich sind die Versuche der Menschen, etwas vor dem zu verbergen, dessen Wort die verborgensten Tiefen entriegelt und die Tore der Erde aus ihren Angeln hebt. Vergeblich ist jede Hoffnung, ihm Widerstand leisten zu können, da ein Flüstern seiner Stimme den Erdkreis vor Schrecken vergehen lässt.

17. Nun kommt die Errettung. Der Urheber derselben ist göttlich: Er streckte (seine Hand) aus; die Tat ist himmlisch: von der Höhe; und die Errettung ist wunderbar: er zog mich aus großen Wassern. Hier ward David gleichsam ein anderer Mose, "aus dem Wasser gezogen". (2. Mose 2, 10 ist die einzige Stelle, wo das betreffende Wort des Grundtextes noch vorkommt.) So sind auch alle Gläubigen ihrem Herrn gleich, dessen Taufe in großen Wassern der Angst und in seinem eigenen Blute uns von dem zukünftigen Zorn errettet hat. Alle Sturzseen des Übels können den nicht ersäufen, dessen Gott über den Fluten thront und ihre Wut zurückhält.

18. Er errettete mich von meinem starken (oder grimmen) Feinde und von meinen Hassern, denn sie waren mir zu mächtig. (Wörtl.) Haben wir göttliche Errettung erfahren, so gilt es wohl darauf zu achten, dass wir alle Ehre dem Herrn zuschreiben, indem wir unsere Ohnmacht bekennen und an die Macht und den Grimm des von Gott besiegten Feindes gedenken. Gottes Allmacht empfängt Ehre aus all den Ereignissen des Kampfes. Unser großer geistlicher Widersacher ist ein starker und grimmer Feind, in der Tat viel zu mächtig für arme, schwache Geschöpfe wie unsereins; aber wir sind bisher errettet worden und werden dieselbe Macht Gottes erfahren bis ans Ende. Gerade unsere Schwäche ist ein Grund für das Eingreifen der göttlichen Hilfe. Man beachte die Kraft des Wörtleins denn im Grundtext: denn sie waren mir zu mächtig.

19. Die sich mir entgegenwarfen an meinem Unglückstag. (Wörtl.) Den bösen Tag machten sich die boshaften Feinde in ihrer Grausamkeit wohl zunutze, um David mit List völlig zu verderben. Aber er konnte sagen: Der Herr ward meine Zuversicht, wörtlich: ward mir zum Stab (vergl. 23,4), auf den gestützt ich mich aufrecht hielt. Wir setzen statt des Und besser ein Aber oder Da: Da ward der Herr meine Stütze . Welch ein köstliches Aber, das den gordischen Knoten zerhaut und die hundertköpfige Hydra erschlägt. Es hat fürwahr keine Not, wenn Jahwe unser Stab und Stecken ist.

20. Und er führte mich aus ins Weite. Als Joseph eine Weile im Kerker geschmachtet hatte, gelangte er in den Palast, und David stieg von der Höhle Adullam auf den Thron. Wie süß ist die Freude nach dem Leid! Die Freiheit ist umso köstlicher nach einer Zeit kummervoller Gefangenschaft und beklemmender Not. Bedrängte Seelen ergötzen sich auf dem weiten Feld der Verheißung, wenn Gott den Feind vertreibt und die Tore der umzingelten Stadt öffnet. Der Herr lässt sein Werk nicht halb vollendet liegen; nachdem er den Feind in die Flucht geschlagen hat, führt er den Gefangenen in die Freiheit. Ein weites Land fällt in der Tat dem Gläubigen als Besitz zu. Sein Friede kann ohne Grenzen sein, denn es gibt keine Schranke für seine Vorrechte. Er riss mich heraus, denn er hatte Lust zu mir. Freie Gnade war der Grund der göttlichen Errettung. Wir mögen ganz gewiss sein, dass wir, wenn wir nur tief genug gehen, das in unbeschränkter Freiheit waltende Erbarmen als den Untergrund entdecken werden, woraus all die Quellwasser der Gnade hervorsprudeln. Wer sein Netz ins tiefe Meer der göttlichen Güte senkt, bringt stets die Perlen der erwählenden, aussondernden Liebe zu Tage. Warum Jahwe Lust zu uns hat, ist eine Frage, auf die wir keine Antwort geben können, ein Geheimnis, das selbst die Engel nicht zu lösen vermögen; aber dass Gott an seinen Geliebten Wohlgefallen hat, ist gewiss und ist die fruchtbare Wurzel von eben so zahlreichen wie kostbaren Wohltaten. Kind Gottes, geh ein wenig in die Stille und verarbeite innerlich das lehrreiche Wort, das vor uns liegt; lerne die jedes in uns liegenden Grundes entbehrende Liebe Gottes als den Grund all der Güte ansehen, die wir genießen.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

Jörg
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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps18

Beitragvon Jörg » 12.02.2019 16:08

21. Der Herr tut wohl an mir nach meiner Gerechtigkeit;
er vergilt mir nach der Reinigkeit meiner Hände.
22. Denn ich halte die Wege des Herrn,
und bin nicht gottlos wider meinen Gott.
23. Denn alle seine Rechte hab ich vor Augen,
und seine Gebote werfe ich nicht von mir,
24. sondern ich bin ohne Tadel vor ihm,
und hüte mich vor Sünden.
25. Darum vergilt mir der Herr nach meiner Gerechtigkeit,
nach der Reinigkeit meiner Hände vor seinen Augen.
26. Bei den Heiligen bist du heilig,
und bei den Frommen bist du fromm,
27. und bei den Reinen bist du rein,
und bei den Verkehrten bist du verkehret.
28. Denn Du hilfst dem elenden Volk,
und die hohen Augen erniedrigst du.
29. Denn Du erleuchtest meine Leuchte;
der Herr, mein Gott, macht meine Finsternis licht.

21. Der Inhalt der nun folgenden Verse ist die Ausführung des "Denn er hatte Lust (oder Gefallen) an mir" V. 20. Der Herr tut (oder tat 6 mir nach meiner Gerechtigkeit; er vergilt (vergalt) mir nach der Reinigkeit meiner Hände. Wenn wir unsern Psalm als im letzten Grunde messianisch fassen, sind diese starken Beteuerungen der Gerechtigkeit leicht verständlich, denn das Gewand unseres Herrn war weiß wie der Schnee; dagegen haben sie, als Aussage Davids über sich selbst gefasst, manchen verblüfft. Doch ist die Sachlage klar, und wenn man die Worte nicht zu straff spannt, über den von David beabsichtigten Sinn hinaus, so braucht sich gar keine Schwierigkeit zu erheben. Wiewohl die Austeilung der göttlichen Gnade in vollkommenster Freiheit und ohne Rücksicht auf menschliches Verdienst geschieht, so ist doch im Walten der Vorsehung oft eine Regel der Gerechtigkeit erkennbar, nach der denen, welche Unrecht leiden, zuletzt ihr Recht wird, und die Gottseligen schließlich errettet werden. Die Trübsale, die David in seinen jungen Jahren durchmachte, erwuchsen aus der gottlosen Bosheit des neiderfüllten Saul, der seine Verfolgungen ohne Zweifel mit Beschuldigungen, die er und andere gegen den Charakter des Mannes nach dem Herzen Gottes vorbrachten, zu decken suchte. Da bezeugt David nun, dass diese Anklagen völlig erlogen gewesen seien, und versichert, dass er, dank der göttlichen Gnade, in Gerechtigkeit gewandelt habe, welche der Herr, all jenen Schmähern zum Trotz, gnädig belohnt habe. Vor dem Höchsten beugte sich der Mann nach Gottes Herzen als ein Sünder, der nur von Gnade lebte: aber vor seinen Verleumdern konnte er, ohne zu erröten, von der Reinigkeit seiner Hände und der Gerechtigkeit seines Lebens sprechen. Wer sich vor dem Urteil der Menschen nicht auf seine Unschuld berufen darf, der kennt die heiligende Macht der Gnade noch wenig. Es liegt keine dünkelhafte Selbstgerechtigkeit darin, dass ein redlicher Mann sich dessen bewusst ist, dass er redlich ist, noch auch darin, dass er glaubt, Gott vergelte ihm Gutes in den Führungen der Vorsehung eben wegen seiner Lauterkeit; denn das ist eine oft ganz unwiderlegbar all den Tag tretende Tatsache. Aber es würde allerdings Selbstgerechtigkeit sein, wenn wir solche Gedanken aus dem Gebiet der providentiellen Weltregierung auf das des geistlichen Reiches der himmlischen Gnadengüter übertragen würden; denn auf diesem Gebiete waltet die Gnade unumschränkt frei, und nur die Gnade. Es ist durchaus kein Gegensatz gegen die Lehre, dass das Heil allein aus der Gnade kommt, und nicht im Mindesten ein Erweis pharisäischer Gesinnung, wenn ein begnadigter Mensch gegenüber der Verleumdung seine Unschuld nachdrücklich behauptet und seinen guten Namen männlich verteidigt. Der Gottesfürchtige hat ein unbeflecktes Gewissen und ist sich seiner Aufrichtigkeit bewusst. Soll er das Zeugnis seines Gewissens verleugnen und das Werk des heiligen Geistes in ihm verachten, dadurch, dass er sich heuchlerisch schlechter macht, als er ist? Der gottselige Mensch legt auf seine Lauterkeit hohen Wert, sonst wäre sein Wandel gar nicht ein Wandel vor Gott und mit Gott. Sollen wir ihn stolz nennen, weil er das Juwel eines achtbaren Namens nicht leichthin verlieren will? Der Fromme sieht, wie Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit, ob auch erst nach langer Zeit, dank der göttlichen Vorsehung ganz gewiss ihren Lohn bringen. Darf er nicht, wenn er sieht, wie solcher Lohn ihm selber zuteil wird, den Herrn dafür preisen? Ja vielmehr, muss er nicht die Treue und Güte seines Gottes verkündigen? Man lese doch die Aussagen dieses und der folgenden Verse als den Lobgesang, den ein Mann von gutem Gewissen anstimmt, nachdem er einen gewaltigen Sturm von übeln Nachreden, Schmähungen und Verfolgungen ohne Schaden überstanden hat, so wird keine Gefahr sein, dass wir den Sänger beschuldigen, als habe er auf seine sittliche Unantastbarkeit zu großen Wert gelegt.

22. In diesem Verse wiederholt David die Versicherung seiner Lauterkeit, und zwar in bejahender und verneinender Form. Denn ich hielt inne die Wege des Herrn und wich nicht frevelnd von meinem Gott. (Wörtl.) Das Tun des Guten und das Meiden des Bösen müssen in einem wahrhaft geheiligten Leben miteinander verbunden sein. Dieselbe Gnade nötigt zu dem einen und hält zurück von dem andern. Die Worte unseres Verses stellen den Gottesfürchtigen als einen Wanderer dar, der sorgsam die Wege des Herrn beobachtet, um sie einzuhalten, und der nicht freventlich , das ist vorsätzlich, hartnäckig und trotzig, den verordneten Weg verlässt, auf dem Gott die Pilger auf Erden mit seiner Gegenwart erfreut. Man beachte, dass in dem Ausdruck: "und wich nicht freventlich von meinem Gott" zwischen den Zeilen zu lesen ist, dass David es gewohnt war, in Gemeinschaft mit Gott zu leben, so dass er von ihm sagen durfte: mein Gott. Der Herr weicht nicht von den Seinen; mögen sie sich hüten, dass sie nicht von ihm weichen.

23. Denn alle seine Rechte hatte ich vor Augen. Gottes Wort, sein Wesen und seine Taten sollten allezeit vor unsern Augen sein. Wir sollten sie kennen zu lernen suchen, sie betrachten und verehren. Die Menschen vergessen in der Regel das, woran sie nicht gern denken; für den Gläubigen sind aber die erhabenen Rechte des Allerhöchsten ein Gegenstand liebender und freudiger Bewunderung. Wir sollten Gottes Bild so beständig vor uns haben, dass wir, nach unserm Maße, darin umgestaltet werden. Diese tiefinnerliche Liebe zu Gottes Rechten muss der Ursprung unserer christlichen Redlichkeit im öffentlichen Wandel sein. Die Quelle muss voll sein von Liebe zur Heiligkeit; dann werden die Ströme, die von ihr ausgehen, lauter und klar sein. Und seine Gebote warf ich nicht von mir, ich schob sie nicht beiseite. Gottes Wort innerlich von sich abzuweisen, ist der sichere Weg zu grober Sünde. Wer nicht mehr mit dem Sinn des Herzens in der Schrift forscht, nimmt ihr den Einfluss auf den äußeren Wandel. Erst bedeckt sich die Bibel mit Staub; dann gibt es einen befleckten Rock.

Fußnote
6. Die Verse 22-25 fasst man jedenfalls besser auch (wie den vorhergehenden Abschnitt) als Rückblick auf und übersetzt sie daher im Imperf. oder Perfekt. Bei V. 21 ziehen wir jedoch das Präsens vor.
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Beitragvon Jörg » 15.02.2019 15:50

24. Sondern ich war ohne Tadel vor ihm. David nimmt volle Redlichkeit hier für sich in Anspruch, eine Redlichkeit, die vor Gottes Urteil echt erfunden wird. Was immer Menschen Böses von ihm denken mochten, er wusste, dass er im Wandel mit Gott () vollkommen gewesen war, sich Gott völlig hingegeben hatte. (Über tamim vergl. die 1. Anm.) Überdies wagt er es auch, sorgsame Wachsamkeit gegenüber seiner , d. h. der ihm anhangenden, und zumal gegenüber seiner vornehmsten, ihn besonders bedrängenden und belauernden Sünde zu behaupten: Und hütete mich vor meiner Sünde (wörtlich). Es ist ein besonderes Zeichen von der Wirksamkeit der Gnade im Herzen, wenn die ungestümsten Seiten unserer Natur wohl behütet sind. Wenn das schwächste Glied der Kette nicht gebrochen ist, werden die stärkeren Glieder sicher genug sein. Davids heftiges Temperament hätte ihn verleiten können Saul zu töten, als er ihn in seiner Gewalt hatte; aber die Gnade befähigte ihn, seine Hände von dem Blut des Feindes rein zu halten. Doch welches Wunder war das, und wie sehr war es wert, dankbaren Herzens erwähnt zu werden, wie es in diesen Worten geschieht. Es mag auch uns je und je eine rechte Herzstärkung sein, solcher Ereignisse zu gedenken, wo wir unser Ich verleugnet haben, und Gott zu danken, dass wir dazu fähig waren.

25. Und so vergalt mir der Herr nach meiner Gerechtigkeit, nach der Reinigkeit meiner Hände vor seinen Augen. Erst schenkt uns Gott Heiligkeit, und dann belohnt er uns für dieselbe. Wir sind sein Werk, Gefäße, bereitet zu Ehren, und wenn das Gefäß geformt ist, wird ihm die Ehre nicht versagt, wiewohl tatsächlich alle Ehre dem Töpfer gebührt, auf dessen Scheibe es gebildet worden ist. Der Preis wird am Tage der Schaustellung der Blume zuerkannt, aber der Gärtner hat sie aufgezogen. Das Kind empfängt den Preis aus der Hand des Lehrers, aber die wirkliche Ehre gebührt dem Schulmeister, wiewohl er die Belohnung darreicht, statt sie zu empfangen.

26. Die Art, wie der Herr gegen den Sänger gehandelt hat, bringt diesem die allgemeine Regel der sittlichen Weltregierung Gottes in Erinnerung. Gott ist gerecht in seinem Walten mit den Menschenkindern und misst jedem das Seine zu. Gegen den Frommen (den Liebreichen) erzeigst du dich fromm (liebreich), gegen den Redlichen (eigentlich: gegen den Mann, der sich ungeteilten Herzens an Gott hingibt), erweist du dich redlich (von ungeteilter Liebe). (Grundt.) Jedem wird das Korn mit seinem eigenen Scheffel zugemessen, das Land mit seiner eigenen Messrute zugeteilt. Keine Regel kann mehr der Billigkeit entsprechen, keine für gottlose Menschen schrecklicher, für edelmütige ehrenvoller sein. Wie würden doch die Leute ihre zu leichten Gewichte wegwerfen und ihre zu kurzen Ellen zerbrechen, wenn sie das nur glauben würden, dass sie selber durch ihre betrügerischen Kniffe schließlich am meisten verlieren! Man beachte, dass sogar die Gütigen der göttlichen Güte bedürfen. Kein Grad von Freigebigkeit gegen die Armen oder Versöhnlichkeit gegen die Feinde kann uns über die Abhängigkeit von Gottes gnädiger Huld erheben. Gott, sei mir Sünder gnädig!

27. Gegen den Lauteren (den, der sich reinigt oder rein bewahrt), erweist du dich lauter (rein), und gegen den Verdrehten lässt du dich verkehrt finden (Grundt.). Die Verkehrtheit und Falschheit des Gottlosen ist sündlich und strafwürdig und der einzige Sinn, in dem der Ausdruck auf den dreimal heiligen Gott angewandt werden kann, ist der, dass der Richter aller Welt sich gegen den widerspenstigen Sünder ebenfalls von unbeugsamer Strenge finden lässt, ihn in seine Verkehrtheit dahingibt, und den, der selber die krummen Wege für sich erwählt hat, kreuz und quer zur Verdammnis führt. Calvin drückt sich darüber sehr stark aus: "Die tierische und ungeheuerliche Stumpfsinnigkeit des Menschen nötigt Gott, ganz neue, ungewöhnliche Ausdrücke zu gebrauchen und sich gleichsam mit ganz anderen, seinem Wesen fremden Eigenschaften zu bekleiden. In 3. Mose 26, 21-24.28 finden wir eine ähnliche Stelle. Dort sagt Gott: Wo ihr mir entgegen wandelt, so will ich euch auch entgegen wandeln. Als wollte er sagen, dass ihre Halsstarrigkeit und Widerspenstigkeit ihn zwingen werde, in seinem Teil seine gewohnte Langmut und Milde zu vergessen und ohne Erbarmen von allen Seiten auf sie loszustürmen. So sehen wir denn, was die Halsstarrigen auf die Länge durch ihre Verstockung gewinnen, nämlich, dass Gott sich auch gegen sie immer mehr verhärtet, um sie zu zerschmettern; sind sie hart wie Stein, so lässt er sie fühlen, dass er die Härte des Eisens hat. " Die jüdische Überlieferung sagt, dass das Manna einem jeden je nach seinem Gaumen geschmeckt habe; sicher ist, dass Gott sich jedem Menschen nach dessen eigentümlichem Wesen erzeigt.

28. Denn Du hilfst dem elenden Volk. Eine gar tröstliche Versicherung für die geistlich Armen, deren tiefe Kümmernisse jeden andern Trost außer solchem, der von Gott stammt, als ungenügend zurückweisen. Sie selbst können sich nicht helfen, auch können andere es nicht; aber Gott hilft ihnen. Und die hohen Augen erniedrigst du. Die auf andere mit Hohn hinabschauen, werden bald verächtliche Blicke auf sich selber gerichtet sehen. Der Herr verabscheut ein stolzes Angesicht. Welch ein Grund zu Buße und Beugung! Wie viel besser ist es, demütig zu sein, als Gott herauszufordern, dass er uns in seinem Zorn demütige!

29. Denn Du erleuchtest meine Leuchte. Auch die Kinder des Tages (1.Thess. 5,5) bedürfen manchmal der Leuchte. Mitten in der dunkelsten Stunde geht uns ein Licht auf. Eine Leuchte wird angezündet und ist uns ein Trost, dessen wir mit Ehren brauchen dürfen. Es ist unsere Leuchte; das heilige Feuer aber, durch das sie leuchtet, stammt von Gott. Unsere Schlüsse und Beweisgründe sind unser eigen; aber das tröstliche Licht, das sie verbreiten, ist von oben. Eine Leuchte, die Gott angezündet hat, kann kein Teufel ausblasen. Das Bild des ganzen Verses ist darauf gegründet, dass die Finsternis das Gemüt niederdrückt und das Licht eine wunderbar erhebende Wirkung hat. Es ist das Licht süß und den Augen lieblich, die Sonne zu sehen (Pred. 11,7); und ebenso vertreibt die Gegenwart des Herrn alle Düsternis des Leides und erfüllt den Gläubigen mit überströmender Freude. Es ist allemal ein froher Augenblick, wenn am Winterabend die Lampe angezündet wird; aber unvergleichlich beglückender ist es, wenn der Herr das Licht seines Antlitzes über uns erhebt. Man sagt, dass die armen Leute in Ägypten sich sogar die nötigste Nahrung entzögen, um Öl für ihre Lampen kaufen zu können und nicht im Finstern sitzen zu müssen; auch wir könnten aller irdischen Annehmlichkeiten entbehren, wenn nur das Licht der Liebe Gottes beständig unsere Herzen erfreut.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

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Beitragvon Jörg » 18.02.2019 16:04

30. Denn mit dir kann ich Kriegsvolk zerschlagen
und mit meinem Gott über die Mauer springen.
31. Gottes Wege sind vollkommen;
die Reden des Herrn sind durchläutert. Er ist ein Schild allen, die ihm vertrauen.
32. Denn wo ist ein Gott, ohne der Herr?
oder ein Hort, ohne unser Gott?
33. Gott rüstet mich mit Kraft,
und macht meine Wege ohne Tadel.
34. Er macht meine Füße gleich den Hirschen,
und stellet mich auf meine Höhen.
35. Er lehret meine Hand streiten,
und lehret meinen Arm einen ehernen Bogen spannen.
36. Du gibst mir den Schild deines Heils,
und deine Rechte stärkt mich;und wenn du mich demütigest, machst du mich groß.
37. Du machst unter mir Raum, zu gehen,
dass meine Knöchel nicht wanken.
38. Ich will meinen Feinden nachjagen und sie ergreifen,
und nicht umkehren, bis ich sie umgebracht habe.
39. Ich will sie zerschmettern, und sollen mir nicht widerstehen;
sie müssen unter meine Füße fallen.
40. Du kannst mich rüsten mit Stärke zum Streit;
du kannst unter mich werfen, die sich wider mich setzen.
41. Du gibst mir meine Feinde in die Flucht,
dass ich meine Hasser verstöre.
42. Sie rufen, aber da ist kein Helfer;
zum Herrn, aber er antwortet ihnen nicht.
43. Ich will sie zerstoßen wie Staub vor dem Winde;
ich will sie wegräumen wie den Kot auf der Gasse.
44. Du hilfst mir von dem zänkischen Volk,
und machest mich ein Haupt unter den Heiden;ein Volk, das ich nicht kannte, dienet mir.
45. Es gehorchet mir mit gehorsamen Ohren;
in den Kindern der Fremde hat’s wider mich gefehlt.
46. Die Kinder der Fremde verschmachten,
und kommen mit Zittern aus ihren Burgen.


Manche Wiederholungen sind kein leerer Wortschwall. Nachgedanken über Gottes Güte sollten die besten sein und sind es oft. Gleich Wein, der auf den Hefen liegt, gewinnt unsere Dankbarkeit an Kraft und Anmut, wenn wir über Gottes freundliches Walten nachsinnen. Die Verse, die uns nun zur Betrachtung vorliegen, sind die reife Frucht eines dankbaren Gemütes; es sind goldene Äpfel in silbernen Schalen. Sie beschreiben den Siegeslauf des Gläubigen und die Zerstreuung seiner Widersacher.

30. Denn mit dir (wörtl.: durch dich) kann ich Kriegsvolk zerschlagen (nach andern: anlaufen 7 und mit meinem Gott über die Mauer(n) springen. Ob wir dem Feind auf offenem Feld begegnen oder ihn im Hinterhalt der Mauern und Wälle antreffen, wir werden ihn in jedem Fall mit Gottes Hilfe überwinden. Ob sie uns mit lebendigen Mauern von Kriegerlegionen oder mit Steinwällen umringen, es ist dennoch unzweifelhaft, dass wir die Freiheit erringen werden. Gottes Krieger müssen sich darauf gefasst machen, von jeder Art des Kampfes etwas zu schmecken, und sie sollen in der Kraft des Glaubens entschlossen sein, sich als Männer zu zeigen. Aber es geziemt ihnen, sorgsam darauf bedacht zu sein, dass sie alle ihre Lorbeeren zu Jahwes Füßen niederlegen, indem ein jeglicher mit David spricht: Mit meinem Gott, durch seine Kraft, habe ich solche Heldentat vollbracht. Auch wir weihen hiermit unsere spolia optima, die Trophäen unserer Siege, dem Gott der Schlachten und schreiben ihm alle Ehre und alle Kraft zu.

31. Gott, -- sein Weg ist vollkommen. (Wörtl.) Gottes Wege mit seinen Kindern sind fern von allem Makel und Irrtum; alle seine Taten erstrahlen im Glanz der Gerechtigkeit, Wahrheit, Milde, Barmherzigkeit und Heiligkeit. Alles, was Gott tut, ist vollkommen in sich, und alle seine Wege miteinander sind tadellos in Harmonie und Vortrefflichkeit. Ist es nicht sehr tröstlich, zu glauben, dass er, der uns zu segnen angefangen hat, sein Werk tadellos hinausführen wird, weil sein Weg fehlerlos ist? Auch darf das göttliche Wort nicht ohne Lob bleiben: Die Rede des Herrn ist durchläutert, wie Silber, das im Schmelzofen erprobt und lauter erfunden ist. Die Lehren des göttlichen Wortes sind erhaben und ruhmwürdig, seine Vorschriften rein und klar, seine Verheißungen glaubwürdig, und die ganze Offenbarung Gottes im Wort ist im höchsten Maße voller Gnade und Wahrheit. David hat das Wort des Herrn erprobt, Tausende haben es getan, wir haben es getan, und es hat die Probe nie schlecht bestanden. -- Es ist schicklich, dass nach dem Rühmen des göttlichen Weges und Wortes der Herr selbst gepriesen werde; darum fügt David hinzu: Er ist ein Schild allen, die auf ihn trauen . Kein stich- und hiebfester Harnisch, kein eherner Schild sichert den Krieger so vollkommen, wie der Bundesgott Israels sein streitendes Volk beschützt. Er selber ist der Schild allen, die sich bei ihm bergen. Welch erhabener Gedanke! Wie großen Frieden kann darum jede auf den Herrn trauende Seele genießen!

32. Der Psalmist hat seinen Gott erwähnt; deswegen entbrennt sein Herz aufs Neue und seine Worte sprühen Funken. Er fordert Himmel und Erde heraus, ein anderes Wesen zu finden, das der Anbetung oder des Vertrauens gleich Jahwe würdig wäre. Er ist Gott und keiner mehr. Die Götzen der Heiden sind David zu verächtlich, sie auch nur zu erwähnen; er rümpft die Nase über sie alle, die in ihrem armseligen Nichts verschwinden, wo von Gott die Rede ist. Denn wer ist Gott, ohne der Herr? (Wörtl.) Wer anders schafft, erhält, versieht und regiert alles? Wer anders als er ist vollkommen in all seinem Wesen und herrlich in all seinem Tun? Vor wem als vor Jahwe allein sollte alle Kreatur sich anbetend neigen? Wer sonst hat auf ihren Dienst und ihre Liebe Anspruch? Und wer ist ein Hort, ohne unser Gott? Wo gibt’s sonst noch einen Felsen, darauf sich unerschütterliches Vertrauen gründen kann? Wo kann die Seele Ruhe finden? Wo ist Beständigkeit, wo Kraft? Fürwahr, bei dem Ewigen allein können wir Ruhe und Zuflucht finden.

33. Indem der frohlockende Sieger die Waffenrüstung überblickt, worin er gekämpft und den Sieg errungen hat, preist er den Herrn für jedes Stück der Rüstung. Dem Lendengurt ist die erste Strophe gewidmet: Der Gott, der mich mit Kraft umgürtet und macht unanstößig (vergl. V. 31) meinen Weg . (Grundt.) Weil ihm die Lenden mit Stärke von oben gegürtet waren, war der Krieger voller Heldenkraft, aller kreatürlichen Kraft weit überlegen; und während er, ohne diesen wunderbar wirksamen Gurt, schwach und schlaff, ohne Energie des Willens und Sammlung der Kräfte, gewesen wäre, war er nun, da er den Gurt der Wahrheit um die Lenden hatte, in seinem ganzen Handeln so zielbewusst, so innerlich gesammelt, dass sein Lauf vollkommen war, sein Weg geradeaus zum gottgewollten Ziele führte und schlechthin unanstößig war. Ist uns Kraft gegeben worden über die Sünde zu triumphieren und hat unser Wandel bisher das Evangelium geziert? Dann lasst uns alle Ehre ihm zuschreiben, der uns mit seiner unerschöpflichen Kraft gegürtet hat, damit wir im Kampfe unbesiegbar und in unserer Pilgerschaft unermüdlich seien.

34. Der meine Füße gleich macht den Hirschkühen (Grundt.) und stellet mich auf meine Höhen. David war in der Verfolgung seiner Feinde schnellfüßig gewesen wie eine Hirschkuh; aber statt an eines Mannes Beinen Gefallen zu haben (Ps. 147,10), erkannte er seine Schnelligkeit und Behändigkeit als Gabe der göttlichen Güte. Sind unsere Gedanken rasch und unsere Geisteskräfte behände, so lasst uns nicht vergessen, dass die Hand unseres besten Freundes uns solch auserlesene Gunst gewährt hat. David hatte in der Verfolgungszeit unbezwingliche Felsenfestungen erklimmen müssen; aber er war bewahrt worden vor dem Gleiten und hatte festen Stand nehmen können, wo kaum die wilde Bergziege Fuß zu fassen vermochte. Darin hatte sich die bewahrende Gnade herrlich kundgetan. Auch wir sind auf Höhen der Ehre, des Dienstes, der Versuchungen und Gefahren gestellt worden; doch sind wir bisher vor dem Fallen bewahrt worden. Langt die Harfe her, lasst uns mit dem Psalmisten in frohlockendem Dank wetteifern. Wären wir gestürzt, so hätte unser Wehklagen bitter sein müssen; da wir festgestanden, lasst unsere Dankbarkeit inbrünstig sein.

35. Der meine Hände zum Kriegen übt. (Wörtl.) Unser Held erkennt dankerfüllten Herzens an, dass er seine kriegerische Tapferkeit und seine Geschicklichkeit im Gebrauch der Waffen der göttlichen Unterweisung und Schulung zu danken hat. Er opfert keinen Weihrauch auf dem Altar der Selbstanbetung, dass er seine natürliche Gewandtheit oder seine durch Übung erlangte Geschicklichkeit rühmte. Vielmehr betrachtet er alle seine kriegerische Tüchtigkeit als eine Gabe himmlischer Gunst und opfert dem Geber seinen Dank. Der heilige Geist ist der große Exerziermeister der Streiter im heiligen Krieg. Dass meine Arme den ehernen Bogen niederdrücken. (Grundt.) Die ehernen Bogen waren die stärksten, daher am schwersten zu spannen. In der Regel wurden sie mit dem Fuße niedergetreten; so heißt auch das gewöhnliche Wort für spannen: treten. Hier aber ist ein anderes Wort gebraucht, das auf die Art der Helden hinweist, den Bogen, dessen eines Ende auf der Erde steht, mit der Hand niederzudrücken und so zu spannen, wozu besonders viel Kraft gehört. Vermutlich war David von Natur mit großer Kraft ausgerüstet; es ist aber noch wahrscheinlicher, dass er, ähnlich dem Simson, zuzeiten mit mehr als gewöhnlicher Stärke gegürtet ward. Auf jeden Fall misst er die Ehre seiner Heldentaten einzig und völlig seinem Gott bei. Lasst uns niemals so gottlos sein, den Herrn dessen zu berauben, was ihm zukommt; lasst uns seinem Namen treulich die Ehre geben, die ihm gebührt.

Fußnote
7. Cru)f entweder gleich Cro)f von Ccarf zerschmettern, so Luther, auch Delitzsch, oder gleich CWr)f von CWr laufen, hier mit Akk.: anrennen, so die engl. Übers. u. manche Ausleger, z. B. Keßler.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

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Beitragvon Jörg » 21.02.2019 16:04

36. Du gibst mir (Grundt.) den Schild deines Heils. Vor allen Dingen gilt es, den Schild des Glaubens zu ergreifen (Eph. 6,16), denn nichts anderes kann die feurigen Pfeile Satans auslöschen. Dieser Schild ist himmlischen Ursprungs, ist in allen Fällen eine unmittelbare Gabe Gottes. Er ist das Mittel, das Zeichen, die Bürgschaft und das Pfand des vollkommenen Heils. Und deine Rechte stützte mich. Die erhaltende Gnade Gottes lässt uns verborgenen Beistand zukommen und zu derselben Zeit gewährt uns die gütige Vorsehung offenbare Hilfe. Wir sind schwache Kindlein, die nicht allein stehen können; aber wenn des Herrn rechte Hand uns stützt, dann sind wir unbeweglich gleich ehernen Säulen (Jer. 1,18). Und deine Herablassung machte mich groß. (Grundt.*) Wie sehr hatte David diese Herablassung Gottes in seinem Leben erfahren! Er, der auf das Niedrige sieht, hatte sich den unbedeutenden Hirtenknaben zum Gefäß seiner Barmherzigkeit ausersehen. Und wie viel sanftmütige Milde und gnädige Herablassung hatte David auch als König erfahren, da Gott ihn trotz seinen Sünden nicht verwarf. Dass Gott sich klein macht, ist der Grund, dass wir groß werden. Wir sind so klein, dass wir, wenn Gott seine Größe ohne Herablassung zu unserer Schwachheit offenbaren würde, unter seinen Füßen zertreten würden. Aber der große Gott, der sich neigen muss, um die Himmel zu sehen, und sich bücken muss, um zu bemerken, was die Engel tun, der sieht auf die Geringen und Demütigen und macht sie groß, hebt sie empor. Lasst auch uns, gleich David, alles, was etwa Gutes und Großes an uns ist, der herablassenden Güte und Größe unseres himmlischen Vaters zuschreiben und unsere Krone ihm zu Füßen legen.

37. Du machtest unter mir Raum, zu gehen, und meine Knöchel wankten nicht. (Grundt.) Gott räumte ihm alle Hindernisse aus dem Wege, dass er auf wohl gebahntem Pfade wandeln konnte. Statt sich durch enge Bergpfade zu winden und sich in den Ritzen und Höhlen der Felsen zu verbergen, konnte er die weiten Ebenen im Siegeslauf durchziehen. Es ist keine geringe Gnade, zur vollen christlichen Freiheit und Weite des Herzens zu kommen; aber es ist noch größere Gnade, befähigt zu sein, in solcher Freiheit würdig zu wandeln, ohne dass die Knöchel wanken und die Füße gleiten. Auf den Felsspitzen der Anfechtung aufrecht stehen kann keiner, ohne dass Gottes Gnade ihn stützt; aber Hilfe von oben ist uns gerade so nötig, wenn unser Weg durch die üppigen Ebenen des Wohlergehens führt.

38. Die Bewahrung der Heiligen ist von schlimmer Vorbedeutung für deren Widersacher. Ich jagte meinen Feinden nach und ergriff sie und kehrte nicht um, bis ich sie vernichtet hatte. (Wörtl.) Die Amalekiter wähnten sich sicher mit ihrem Raube; aber als David nach der Weisung seines Gottes ihnen nachjagte, waren sie bald eingeholt und umgebracht (1. Samuel 30). Ist Gott mit uns, so müssen Sunde und Sorge fliehen, und jegliche Art des Bösen wird ausgerottet durch die Macht der Gnade. Welch ein herrliches Bild geben uns dieser und die folgenden Verse von den Siegen unseres glorreichen Herrn und Heilandes!

39. Ich, zerschmetterte sie, dass sie nicht wieder aufkommen konnten; sie stürzten unter meine Füße. (Wörtl.) Die Vernichtung unserer geistlichen Feinde ist eine vollkommene. Wir dürfen über Sünde, Tod und Hölle triumphieren als über Feinde, die durch unseren siegreichen Herrn für uns entwaffnet und aller Macht beraubt sind; gebe der Herr, dass sie in gleicher Weise in uns ausgerottet werden!

40-41. (Denn) Du gürtetest mich mit Stärke zum Streit, beugtest (krümmtest) meine Gegner nieder unter mich. Du ließest meine Feinde vor mir fliehen (dass sie mir den Nacken zukehrten), und meine Hasser, die rottete ich aus . (Grundt.) Es ist unmöglich, im Erfüllen der Pflicht, alle unsre Siege dem Gott unseres Heils zuzuschreiben, zuviel zu tun. Wahr ist, dass wir mit unsern geistlichen Gegnern selber ringen müssen; aber der Sieg ist weit mehr des Herrn als unser. Wir dürfen nicht gleich denen, deren Götze die eine Ehrsucht ist, uns selber rühmen; doch haben wir wohl ein Recht zu frohlocken, wo wir die großen Pläne des Herrn als willige und treue Werkzeuge in seiner Hand ausführen dürfen.

42. Sie schrieen, aber da war kein Helfer; zum Herrn, aber er antwortete ihnen nicht. (Grundt.) Das Gebet ist eine so mächtige und berühmte Waffe, dass sogar die Gottlosen in ihren Verzweiflungsanfällen dazu greifen. Böse Menschen haben je und dann Gott wider seine eigenen Knechte angerufen, aber ganz umsonst. Das Königreich der Himmel ist nicht mit sich selber uneins (vergl. Mt. 12,26), und Gott eilt nie seinen Feinden auf Kosten seiner Freunde zu Hilfe. Es gibt Gebete, die nicht besser als Lästerungen sind und daher keine tröstliche Antwort erlangen, vielmehr Gott zu desto heftigerem Zorne reizen. Soll ich jemand auffordern, sein eigenes Kind zu verwunden oder zu töten, um meine Bosheit zu befriedigen? Würde er nicht solche Beleidigung seiner Menschlichkeit ahnden? Wie viel weniger wird der Höchste die grausamen Wünsche der Feinde seiner Gemeinde beachten, die es wagen, Gebete um ihre Vernichtung zu ihm emporzusenden, indem sie ihr Dasein als ein Schisma (als eine Glaubensspaltung) und ihre Lehre als Ketzerei bezeichnen!

43. Und ich zermalmte sie (so dass sie) wie Staub (wurden) vor dem Winde, wie Gassenkot schüttete ich sie hin. Die Niederlage der heidnischen Völker, die sich wider den König David erhoben, war eine so völlige, dass sie wie Staub wurden, der im Mörser zermalmt ist. Ihre Kraft war zerbrochen, sie wurden so schwach wie der Staub vor dem Winde , so verächtlich wie der Kot auf den Gassen. So ohnmächtig und verächtlich sind die Feinde Gottes jetzt geworden durch den Sieg, den der Davidssohn am Kreuz errungen hat. Auf, meine Seele, tritt deinen Feinden kühn entgegen; denn sie sind tödlich verwundet und werden vor deinem mutigen Angriff ohnmächtig hinsinken.

44. Du rettetest mich aus Volksfehden. (Grundt.) Kämpfe innerhalb des eigenen Volkes sind überaus schwer beizulegen. Der Bürgerkrieg ist von allen Kriegen der elendste. Es ist der wärmsten Dankbarkeit wert, wenn Eintracht im Lande regiert. Unser Dichter preist Jahwe für die Einigkeit und den Frieden, die in seinem weiten Reiche herrschen, und wenn wir in den drei Reichen von Geist, Seele und Leib Frieden haben, so ist es unsere Pflicht, den Herrn dafür zu loben. Einigkeit innerhalb einer Gemeinde sollte wahrlich zu gleicher Dankbarkeit anfeuern. Du machtest mich ein Haupt unter den Heiden; Volk (-- Leute), das ich nicht kannte, diente mir. Die umliegenden Nationen, wie die Philister, Syrer und Ammoniter, neigten sich vor dem Zepter des Fürsten von Juda. O wann werden alle Lande unsern König anbeten und ihm mit heiliger Freude dienen? Fürwahr, diese Worte haben prophetischen Klang. Die Boten des Evangeliums unter den Heiden mögen daraus kräftige Ermutigung schöpfen. Ja, die Heiden werden noch den Gekreuzigten als ihr Haupt erkennen.

45. Aufs Gerücht von meinen Siegen gehorchen sie mir, die Söhne der Fremde schmeicheln mir in Unterwürfigkeit . (Grundt.) So leichten Kaufs ward der einst so bedrängte Held ein weithin berühmter Sieger, und so leicht werden unsere Triumph sein. Doch lasst uns lieber von Jesus reden. In wie vielen Fällen findet das Evangelium bereitwillige Aufnahme in Herzen, die allem Anschein nach nicht dafür vorbereitet waren! Solche, die nie die frohe Botschaft vernommen hatten, sind durch die erste Kunde davon gefesselt worden und haben sich dem Evangelium gehorsam ergeben, während, leider! andere, die an seinen lieblichen Klang gewöhnt sind, durch die Predigt eher verhärtet als erweicht werden. Gottes Gnade ergreift manchmal die Herzen, wie das Feuer durch die Stoppeln läuft; ganze Nationen werden gleichsam an einem Tage zum geistlichen Leben geboren. Liebe beim ersten Anblick ist nichts Unerhörtes, wo Jesus als Freier auftritt. Er kann Cäsars Botschaft veni vidi vici (Ich kam, sah, siegte) ohne Prahlen senden! Sein Evangelium hören ist in etlichen Fällen soviel als es glauben. Welcher Ansporn liegt darin, die Lehre vom Kreuz überall auszubreiten.

46. Die Söhne der Fremde schmachten dahin. Gleich dürrem Laub und welken Bäumen, über die der Glutwind dahingefahren, werden unsere und Christi Feinde saft- und kraftlos, matt und mutlos werden. Wer dem Herrn Jesus fremd gegenübersteht, dem ist auch alle wahre Glückseligkeit fremd. Wer sich weigert, aus dem Strom des Lebens bewässert zu werden, muss schnell dahinwelken und verschmachten. Und kommen mit Zittern aus ihren Burgen. Die Heidenvölker krochen zitternd aus ihren Bergfesten hervor, um Israels König zu huldigen; gerade so kommen arme Sünder aus den Burgen des Selbstvertrauens und den Höhlen fleischlicher Sicherheit, um sich vor dem Heiland, dem Herrn Christus, zu beugen. Unsere Sünden, die sich in unserm Fleisch, und Blut als in unbezwinglichen Festungen verschanzt haben, werden doch noch herausgetrieben werden durch die heiligende Kraft des göttlichen Geistes, dass wir dem Herrn in Einfalt des Herzens dienen.
So schließt der liebliche Sänger Israels seine dichterische Schilderung, in der er der Kämpfe der Vergangenheit gedacht und die noch zukünftigen Siege in freudigem Glauben vorweggenommen hat, und nun geht er zu mehr unmittelbarer Anbetung seines gnadenreichen Gottes über.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

Jörg
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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps18

Beitragvon Jörg » 26.02.2019 17:17

47. Der Herr lebt, und gelobet sei mein Hort;
und erhoben werde der Gott meines Heils,
48. der Gott, der mir Rache gibt.
und zwingt die Völker unter mich;
49. der mich errettet von meinen Feinden,
und erhöht mich aus denen, die sich wider mich setzen;du hilfst mir von den Frevlern.
50. Darum will ich dir danken, Herr, unter den Heiden,
und deinem Namen lobsingen,
51. der seinem Könige großes Heil beweist,
und wohl tut seinem Gesalbten,
David, und seinem Samen ewiglich.


47. Der Herr lebt! Sein ist das ursprüngliche, das wesenhafte, das freie und ewige Leben. Wir dienen nicht einem leblosen, einem eingebildeten oder dem Tode verfallenden Gott. Er allein hat Unsterblichkeit. Als treue Untertanen lasst uns rufen: Es lebe Jahwe (wie denn einige Ausleger, aber schwerlich richtig, übersetzen). Lang lebe der König aller Könige. In Kraft deiner Unsterblichkeit, die du uns einhauchst, weihen wir uns dir aufs Neue zum Dienst. Der Herr, unser Gott, lebt; lasst uns in ihm leben. Und gelobt (wörtl.: gesegnet, gebenedeit) sei mein Hort . Er ist der unerschütterliche Felsengrund unserer Hoffnung; er sei denn auch unser Lobgesang. Ja, unsere Herzen benedeien Jahwe, mit heiliger Liebe lobpreisen wir ihn. Und erhoben werde der Gott meines Heils. Fürwahr, es geziemt sich, dass der Herr als unser Heiland je mehr und mehr von uns verherrlicht werde. Überall sollten wir die selige Kunde von seinem Bund und seinem Kreuz ausbreiten, die Botschaft von dem Liebesrat des Vaters, der Erlösungstat des Sohnes und dem Erneuerungswerk des Geistes. Sollte er uns nicht teuer sein, der uns vom wohlverdienten Untergang errettet? Im Himmel singen sie dem, der uns geliebt hat und gewaschen von den Sünden mit seinem Blut (Off. 1,5; 5,9), und die gleiche liebliche Musik sollte in den Versammlungen der Gotteskinder hienieden fort und fort ertönen.

48. Der Gott, der mir Rache gibt und zwinget die Völker unter mich. Sich an persönlicher Rache zu ergötzen, ist unheilig und ruchlos. Aber David sah sich als das Werkzeug der göttlichen Strafgerechtigkeit über die Feinde Gottes und seines Volkes an; hätte er sich da nicht über das Gelingen, das Gott ihm gegeben hatte, gefreut, so wäre er tadelnswert gewesen. Dass die Gottlosen umkommen, ist an sich überaus schmerzlich; aber dass das Gesetz des Herrn an denen gerechte Vergeltung übt, die es brechen, das ist dem frommen Gemüt ein Anlass des Dankes. Es gilt immerhin, stets dessen eingedenk zu sein, dass die Rache nicht unser, sondern des Herrn ist, und er ist in der Ausübung derselben so gerecht und langmütig zugleich, dass wir sie getrost seinen Händen überlassen dürfen.

49. Mein Befreier von meinen Feinden; ja über meine Widersacher erhöhtest du mich, von dem gewalttätigen Mann errettetest du mich. (Grundt.) Von allen seinen Feinden und namentlich von dem einen, der an Gewalttätigkeit alle andern übertraf, ward der Gesalbte des Herrn erlöst, dass er zuletzt, über Saul und alle andern Widersacher erhöht, in hohen Ehren herrschte. Des gleichen Ausgangs aus allen Kämpfen dürfen sich alle, die auf den Herrn trauen, getrösten, weil Jesus, der es sich einst gefallen ließ, arm und gering unter den Menschen zu sein (vergl. 1. Samuel 18,23), nun erhöht ist über alle Fürstentümer und Gewalten (Eph. 1,21).

50. Darum will ich dich preisen unter den Völkern, Herr, und deinem Namen lobsingen. (Wörtl.) Die Art, wie Paulus diesen Vers im Römerbrief (15,9) anführt, beweist klar, dass Davids Herr hier redet. Doch ist damit David selbst nicht ausgeschlossen, und wir dürfen demnach diese Worte, uns zum Vorbild, als den Erguss einer gottgeweihten Seele ansehen, die sich ihres Gottes selbst in Gegenwart der ungöttlichen Menschen rühmt. Wer sind die Gottesverächter, dass wir um ihretwillen den Mund schließen sollten? Wir wollen unserm Gott lobsingen, ob sie es leiden mögen oder nicht, und wollen sie auf jede Weise zur Erkenntnis seiner Güte zu bringen suchen. Zu viel höfliche Rücksicht auf Verräter könnte Verrat an unserem König sein.

51. In diesen Schlussvers hat der Dichter eine Fülle des Ausdrucks hineingelegt, die von der höchsten Begeisterung der Dankbarkeit Zeugnis gibt. Der seinem Könige großes Heil (große Heilsfülle) verleiht und Gnade erzeigt seinem Gesalbten, David, und seinem Samen ewiglich. Im Hebräischen ist von dem Worte "Heil" die Mehrzahl gebraucht, um die Heilsfülle, die Mannigfaltigkeit und Vollkommenheit des Heils, anzuzeigen, das Jahwe durch seinen König den Menschen vermittelt. Groß wird dies Heil mit Recht genannt. Lasst uns bedenken, woraus, wozu und auf welche Weise wir gerettet sind. Alle diese Gnade wird uns in unserm König, dem Gesalbten des Herrn, zuteil. Gesegnet sind, die als sein Same auf ewigen Bestand hoffen dürfen. (Vergl. Ps. 89,5 .) Der Herr hat dem geschichtlichen David Treue gehalten; er wird auch dem geistlichen David den Bund nicht brechen, würde das doch noch viel mehr die Ehre seiner Krone und seines heiligen Namens antasten.
Der Psalm schließt in demselben herzinnigen Ton der Liebe zum Herrn, der uns am Anfang erquickt hat. Wohl denen, die sich so singend von Liebe zu Liebe aufschwingen können, wie die Pilger im Tränental von Kraft zu Kraft gehen (Ps. 84,8 Grundt.).

Erläuterungen und Kernworte

Der ganze Psalm ist eine großartige Dankeshymne. Er beginnt mit der Verherrlichung der erhabenen Vollkommenheiten Gottes, dessen Hilfe der Verfasser des Liedes so mannigfach erfahren hatte. Der Dichter beschreibt oder schildert vielmehr seine Gefahren, die Macht seiner Feinde, seine schnelle Befreiung von denselben, sowie die Entrüstung und die Macht seines Erretters, die sich in der Vernichtung seiner Feinde kundgegeben hatten. Er malt Gottes Eingreifen in so lebhaften Farben, dass es uns beim Lesen ist, als sähen wir die Blitze daherfahren, als hörten wir den Donner grollen und fühlten wir die Erde unter unsern Füßen erbeben. Hernach beschreibt er seine Siege so anschaulich, dass wir als Augenzeugen an ihnen teilzunehmen meinen. Er redet mit Seherblick von einem die Nationen umfassenden Königreich und schließt mit begeisterten Worten dankerfüllter Anbetung gegen Jahwe, dem er all seine Errettungen und Siege verdankt. Der Stil ist von großer rednerischer Kraft und erhabenem dichterischem Schwung und weist eine Fülle ungewöhnlicher Redewendungen auf. Doch ist er nicht gekünstelt, sondern die natürliche Sprache eines Mannes von höchster geistiger Begabung, der unter dem Einfluss göttlicher Eingebung schreibt und durch ganz außerordentliche göttliche Wohltaten tief bewegt und zugleich von den erhabensten Vorstellungen über Gottes Wesen und Walten erfüllt ist. D. John Brown 1853.

Der Stil des ganzen Psalms ist im höchsten Grade poetisch und erhaben. Wahrhaft königliche Gefühle und Gedanken eines von dem feurigsten Dank und lebendiger Zuversicht erfüllten Gemütes sprechen in seltener Kraft und reichster Fülle der Worte und Bilder sich aus. Wenn dieses eine Lied als ein echt Davidisches anerkannt wird, was von fast allen Kritikern geschieht, muss es genügen, einen jeden zu überführen, welch ein Geist in David gelebt und aus ihm gesprochen hat; denn ein ungefärbter, durch die tiefsten Leiden geprüfter Glaube feiert in diesem Liede seinen Sieg, zu dem die Liebe die ersten und die Hoffnung die letzten Worte gegeben hat. Prof. Joh. Wichelhaus † 1858.

Wer Weisheit zu gewinnen begehrt, der lese die Sprüche; wer heilig werden möchte, der vertiefe sich in den Psalter. Jede Zeile dieses Buchs duftet von Heiligkeit. Der vorliegende Psalm ist, wiewohl er unter den ersten steht, einer der letzten aus Davids Hand, wie uns das Vorwort sagt, und ist uns als eine kurze Zusammenfassung der Geschichte von Davids Leben hinterlassen worden. Der gottbegnadete König blickt hier, da er fast am Ende seiner Wallfahrt angekommen ist, dankerfüllten Herzens auf die Gefahren und Errettungen der vergangenen Zeiten zurück und schreibt diesen Psalm, um den Herrn damit zu preisen. Sollten wir nicht, seinem Beispiel folgend, im Alter unser Leben überblicken, über die wunderbare Güte und Fürsorge Gottes gegen uns sinnen und dann, dem Herrn zum Preise und uns und unsern Nachkommen zur Ermutigung, in der Bescheidenheit, die uns geziemt, eine Denkschrift der bemerkenswertesten Gnadenerweisungen Gottes gegen uns aufsetzen? Werden sich unsere Kinder und Kindeskinder nicht im Herrn freuen, wenn sie von seiner Güte gegen uns lesen? Und ein besseres Muster dazu könnten wir nicht haben, als David es uns hier gibt. Merken wir uns, wie er beginnt. Nicht sich selber errichtet er ein Denkmal, sondern er frohlockt über seinen Gott: Herzlich lieb habe ich dich, Herr, meine Stärke. Wie die Liebe Gottes zu uns der Ursprung aller uns zuteil werdenden Gnadenerweisungen ist, so sollte Liebe zu Gott das Ergebnis und die Wirkung ihrer aller sein. Wie uns der Strom zur Quelle führt, so sollten alle Gaben Gottes uns zu dem gütigen Geber leiten. Richard Steele 1670.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)


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