Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer Davids von Spurgeon

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Jörg
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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps23

Beitragvon Jörg » 20.08.2019 13:07

Erläuterungen und Kernworte

Es sei an die unvergleichliche Schilderung des Tals des Todesschattens in Bunyans Pilgerreise erinnert, die dem angefochtenen Christen so reichen, aus der Erfahrung geschöpften Trost bieten kann. -- J. M.

Der Tod hat in der Menschheit Jesu seinen Stachel gelassen und hat nun keine Macht mehr, Gottes Kinder zu verletzen. Vicomtesse Powerscourt 1830.

Dein Stecken und Stab. Der Hirtenstab dient zu dreierlei Zwecken. Erstens zählt der Hirt die Schafe damit, indem er sie, eins nach dem andern, unter ihm durchgehen lässt (3. Mose 27,32). Man denke daran bei diesen Worten. "Ob ich auch durch die Bosheit der Menschen in so großer Gefahr bin, ist doch dies mein Trost, dass ich von dir nicht vergessen bin, denn du kennst die Deinen und sorgst dafür, dass dir nicht eines fehle." Zweitens treibt der Hirt mit seinem Stab die Schafe an, wenn sie lässig sind und nicht vorwärts wollen. Mag es unserm Fleisch auch unangenehm sein, wenn der Herr uns aus der Trägheit und aus einem lauen Gewohnheits-Christentum aufrüttelt, so führt er uns doch gerade dadurch, dass er uns antreibt, unsere Schritte zu beschleunigen und in seinem Dienst tätiger und eifriger zu werden, zur wahren geistlichen Freude. Drittens treibt der Hirt mit seinem Stabe die Schafe zurück , wenn sie müßig und unachtsam von der Herde wegschweifen, ihre eignen Wege gehen und auf andern Weiden grasen, ohne die Gefahren zu beachten, die ihnen bei solchem Abirren drohen. Ist das nicht ein großer Trost, dass der Herr seine Schafe nicht dem Verderben überlässt, sondern von den Irrwegen zurückbringt, die sie stets den größten Gefahren und Nöten aussetzen ? So enthalten also diese Worte eine Hinweisung auf Gottes treue Fürsorge für seine Herde. Obadiah Sedgwick † 1658.

Der Hirt hat stets einen Stab bei sich, wenn er mit seiner Herde auf die Weide zieht. Dieser Stab ist oft an seinem obern Ende gebogen oder mit einem Haken versehen, woher der Bischofsstab seine bekannte Form hat. Mit diesem Stab regiert der Hirt die Herde, leitet er sie auf die Weide und verteidigt er sie gegen die Feinde. Mit ihm züchtigt er sie auch, wenn sie unfolgsam sind, und bringt er sie zurück, wenn sie von der Herde weglaufen. Man kann sich einen Hirten so wenig ohne diesen Stab denken, als einen Pflüger ohne den Ochsenstachel (1. Samuel 13,21; Apg. 9,5). W. M. Thomson 1859.

Stecken, womit du leitest, schützest und treibst, dass es fortgeht; diesen regiert der Eifer des Herrn. Stab , worauf du dich lehnest, um Halt zu machen, dass es nicht zu schnell geht und die Schafe nicht übertrieben werden: diesen regiert die Langmut des Herrn. K. H. Rieger † 1791.

Der Sänger unseres Psalms traut auf den Herrn, wiewohl er sich im tiefsten Dunkel befindet und keinen Schritt breit vor sich sehen kann. Das ist wahrlich großer Glaube! Wir haben vor dem geheimnisvollen Unbekannten viel größere Furcht, als vor allem, was wir sehen können Ein geringes Geräusch erschreckt uns in der Dunkelheit, während selbst große Gefahren, die sichtbar sind, uns nicht die Geistesgegenwart rauben. Was aber entzieht sich so völlig der menschlichen Erfahrung und Berechnung und selbst seiner Einbildung, als das Tal des Todesschattens mit allem, was dazu gehört? Aber auch angesichts dieses finstern Tales und in demselben wankt die Zuversicht des Psalmisten nicht. Er glaubt, ohne zu sehen. Wie oft setzt uns etwas, das wir nicht kennen, in Schrecken. Sogar die Jünger erschraken, als sie die Wolke überzog auf dem Verklärungsberg (Lk. 9,34). Wie oft ist uns die Ungewissheit der Zukunft eine härtere Glaubensprobe als die Drangsal, in die uns ein gegenwärtiges Übel versetzt! Viele teure Gotteskinder können dem Herrn in allen ihnen bekannten Übeln vertrauen: aber warum diese Furcht, diese bösen Vorahnungen, diese Mutlosigkeit, wenn sie wirklich auch das ihnen Unbekannte und Ungewisse dem Herrn in gleicher Weise anvertrauen? Statt uns kindlich an das Wort des Herrn zu halten, es sei genug, dass jeder Tag seine eigne Plage habe, umgeben wir das Unbekannte mit den Schreckgespenstern unserer Einbildungen und Berechnungen und vergessen nur zu oft das einfältige Vertrauen auf den Herrn. Phil. Bennett Power 1862.

Lasst uns beachten, dass David mitten auf der grünen Aue an das Elends- und Todesschattental denkt, durch das sein Weg ihn bald führen mag, wenn es der Herr so will. Das ist wahre Weisheit, bei heiterem Wetter für den Sturm Vorsorge zu treffen, in Tagen der Gesundheit ans Kranken- und Sterbebett zu denken, in Glück und Frieden sich auf das Schlimmste gefasst zu machen und gleich der klugen Ameise im Sommer sich Speise auf den Winter zu sammeln. John Prime 1588.

Die Frau des Missionars Hervey in Bombay lag im Sterben. Ein Freund sagte ihr, er hoffe, der Heiland werde jetzt bei ihr sein auf dem Gang durch das finstere Tal des Todesschattens. Sie erwiderte: "Wenn dies das finstere Tal ist, dann ist kein dunkler Fleck darin; es ist lauter Licht." Es waren ihr fast während ihrer ganzen Krankheit lichte Blicke in die göttlichen Vollkommenheiten geschenkt. "Die Heiligkeit des Herrn", sagte sie einst, "erscheint mir als die lieblichste aller seiner Eigenschaften." Und ein andermal bezeugte sie, dass es ihr an Worten fehle, ihre Eindrücke von der Herrlichkeit und Erhabenheit Christi wiederzugeben. "Es ist mir", sagte sie, "als ob, wenn alles andere, so herrlich es sein mag, sich in ein Nichts auflöste und nur Er selber bliebe, meine Seele volle Genüge hätte; es würde dennoch ein unermessliches All von Herrlichkeit sein. C. H. Spurgeon 1869.

Gerade die Bereitschaft für Leiden und Tod befähigt den Christen zu wahrem Lebensgenuss. Wessen Herz bereit ist, dem schmecken die Freuden dieses Lebens nie lieblicher, als wenn er sie mit Todes- und Ewigkeitsgedanken würzt. Die Aussicht, dass die irdischen Freuden ihm einst genommen werden, macht ihm nicht mehr Kummer, als wenn jemand, der bei einem Festmahl sitzt, sieht, dass der erste Gang, nachdem er sich an ihm zur Genüge erlabt hat, abgetragen wird, um dem zweiten, noch köstlicheren, Platz zu machen. David freute sich an Gottes Tisch (V. 5) und war zum Gang durchs finstere Tal bereit (V. 4). Und war Petrus nicht ein Mann, der wahrhaft das Leben genoss, da er so friedlich im Gefängnis (keinem begehrenswerten Orte!) schlafen konnte, gebunden zwischen zwei Kriegsknechten, und das in der Nacht, ehe Herodes ihn hinrichten wollte? Nicht gerade eine geeignete Zeit, sollte man denken, um eine gute Nachtruhe zu erwarten! Und doch schläft er so fest, dass der Engel, der ihn aus dem Kerker zu führen gesandt ist, ihn an die Seite schlagen muss, um ihn zu wecken! (Apg. 12,6 f.) Ich bezweifle, dass Herodes selber in jener Nacht so gut geschlafen habe, wie dieser sein Gefangener. Was für ein Schlaftrunk war es denn, der den Mann Gottes zu so süßem Schlummer gebracht hatte? Ohne Zweifel das Evangelium des Friedens. Er war zum Sterben bereit, darum konnte er schlafen. Warum sollte die drohende Hinrichtung seine letzte Nachtruhe in dieser Welt stören, da sie ihn doch nur zu der ewigen Ruhe in der andern Welt einführen konnte? William Gurnall † 1679.

V. 5. Nxfl:$u ist der Esstisch mit den Speisen, Jes. 21,5 . Übergang zum Bilde eines gütigen Gastgebers, der zugleich so mächtig schirmt, dass seine Gäste die Freuden, die er bietet, sorglos genießen können. Lic. H. Keßler 1899.

Gott ist beim Segnen seiner Knechte durchaus unabhängig von den gottlosen Menschen. Diese mögen sich darüber ärgern und es zu vereiteln suchen, so ist doch ihre Wut viel zu ohnmächtig Gottes Rat und Wohlgefallen zu hindern. Ein Tropfen Wasser löscht kein Feuer. Obadiah Sedgwick † 1658.

Ich habe dem Papst viel zu schaffen gemacht, dieweil ich mein Torgauer Bier trank. Martin Luther † 1546.

Im Angesicht meiner Feinde, so dass sie es sehen und vor Neid und Ingrimm fast vergehen, ohne es hindern zu können. Mt. Polus † 1679.

Im Morgenland ist es Sitte, dass man Gäste, die man ehren will, mit kostbaren wohlriechenden Ölen salbt und ihnen einen Becher auserlesenen Weines reicht, den man mit Bedacht bis zum Überfließen gefüllt hat. Das erstere soll ein Zeichen der Liebe und Hochachtung sein, das andere andeuten, dass der Gast, solange er im Hause weile, an allem Überfluss haben solle. Samuel Burder 1812.

Eine englische Dame besuchte ein arabisches Schiff, das bei Trincomali auf Ceylon angelegt hatte, um sich die Ausrüstung des Schiffes anzusehen und einige kleine Einkäufe zu machen. Als sie eine Weile in der Kajüte gesessen hatte, kam eine Araberin und goss ihr wohlriechendes Öl auf das Haupt. Joseph Roberts 1835.

Du hast die Erweisungen deiner Güte nicht auf die notwendigen Dinge des Lebens beschränkt, sondern du hast mich auch mit den Annehmlichkeiten des Lebens, ja mit Überfluss überschüttet. Erklärung schwieriger Psalmstellen 1831.

Die Balsamwürzen Ägyptens mögen unsere Leiber vor der Verwesung schützen und ihnen eine jahrtausendelange Erhaltung in dem düstern Grabesdunkel sichern; aber das köstlich duftende Öl deiner Gnade, Herr, das du in geheimnisvoller Weise auf unsere Seelen träufelst, schmückt sie, stärkt sie und legt in sie den Keim der Unsterblichkeit und sichert sie so nicht nur vor zeitweiligem Verderben, sondern erhebt sie aus diesem Haus der Knechtschaft in die ewige Seligkeit an deinem Herzen. Jean Baptiste Massillon † 1742.

Mein Becher fließt über. David hatte nicht nur die Fülle, sondern Überfluss. Solche, die dies Glück genießen, müssen ihren Becher sorgsam in der Hand tragen und zusehen, dass sein Überfluss nicht auf die Erde verschüttet werde, sondern in die weniger vollen Gefäße ihrer ärmeren Brüder fließe. "Gebt, so wird euch gegeben", das ist ein Grundsatz, an dessen Richtigkeit wenige im Ernst glauben. John Trapp † 1669.

Mit dem vollgeschenkten Becher rühmt David seinen königlichen Reichtum, der ihm nach den Berichten der heiligen Schrift in ungewöhnlicher Fülle geschenkt war. Wenn Gott die Gläubigen reich macht, so bändigt er zu gleicher Zeit bei ihnen die zügellosen Begierden des Fleisches durch den Geist der Enthaltsamkeit. Wenn David sich auch in seinen Verhältnissen mit Recht mehr erlaubte, als wenn er einer aus dem gewöhnlichen Volke gewesen oder in der Väterlichen Hütte geblieben wäre, so hütete er sich doch bei allen reichen Genüssen, dass er nicht bloß sein Fleisch fütterte und fett machte: Er wusste den Tisch, den ihm der Herr bereitete, von einem Futtertrog zu unterscheiden. Jean Calvin † 1564.

Mein Becher ist hyfwfr:, bis zum Berauschen sättigende Fülle . (Vergl. die Übers. der Vulgata.) Von diesem Becher waren die Märtyrer trunken, die auf dem Wege zur Todesmarter weder ihr schluchzendes Weib, noch ihre Kinder, noch ihre andern Angehörigen und Freunde sahen und kannten (vergl. 5. Mose 33,9), aber von Dank und Freude überströmten und sprachen: Ich will den Kelch des Heils erheben (Ps. 116,13). Aurelius Augustinus † 430.

V. 6. Nur Glück und Gnade werden mir folgen usw., wörtlich: mich verfolgen, wie gute Geister an Stelle der Feinde; nur durch die Beziehung auf letztere erklärt sich der harte Ausdruck. Lic. H. Keßler 1899.

David sagt nicht, da sein Becher immer voll sein werde und sein Haupt immer mit Öl gesalbt, sondern er schließt nur im Allgemeinen, dass Gott, weil er unermüdlich ist, Gutes zu tun, auch bis ans Ende wohltätig gegen ihn sein werde. Jean Calvin † 1564.

Und werde wohnen im Hause des Herrn immerdar. Dieser Schluss zeigt deutlich, dass David durchaus nicht bei den irdischen Vergnügungen und Annehmlichkeiten stehen bleibt, sondern dass der Himmel sein Ziel ist, auf das er alles bezieht. Jean Calvin † 1564.

Auch ein gottloser Mensch mag etwa in Gottes Haus einkehren, ein Gebet sprechen usw., der Prophet aber will dort bleiben immerdar. Seine Seele kniet allezeit am Thron der Gnade und bringt dort Anbetung, Dank und Bitte dar. William Fenner † 1640.

Dass wir im Hause des Herrn bleiben werden immerdar, das sollte sowohl die höchste aller unsrer Zukunftshoffnungen sein, als die eine große Lektion, die uns die Wechsel des Lebens lehren. Sorgen und Freuden, Wanderschaft und Ruhe, die zeitweiligen Erquickungszeiten und die immer wiederkehrenden Kämpfe, all dies soll uns gewiss machen, dass es ein Ende gibt, das allen den Erdenwechseln die rechte Auslegung geben wird, worauf uns diese alle hinweisen und wozu sie uns bereiten sollen. Der Tisch wird uns hier schon in der Wüste gedeckt: Aber das Beste kommt noch in Gottes Haus. Es ist, als wenn der Sohn eines großen Königs aus fremden Landen in das Reich seines Vaters heimkehrt und auf jedem Haltepunkt seiner Reise nach der Residenz durch herrliche Festlichkeiten und durch Gesandte des Thrones willkommen geheißen wird, bis er endlich das heimatliche Königsschloss betritt, wo er das Reisegewand beiseite legt und sich mit seinem Vater an der königlichen Tafel niedersetzt. Alexander Maclaren 1863.

Durch alle die reichen Gnadenerweisungen, womit der Herr ihn überschüttet hatte (V. 1-5), kam David zu der Überzeugung, dass Gottes Huld gegen ihn ewig währen werde (V. 6). William Perkins † 1602.

Homiletische Winke

V. 1. Man führe das Bild vom Hirten und den Schafen im Einzelnen aus. (Vergl. Joh. 10,11-16. 27-29 .) Der Hirt regiert, führt, weidet und beschützt die Schafe. Diese folgen ihm nach, gehorchen seiner Stimme, lieben ihn und vertrauen ihm. Man lege prüfend die Frage vor, ob wir zu den Schafen gehören, und schildere das endliche Los der Böcke, die jetzt noch mit den Schafen zusammen weiden.
V. 1b. Der Glückliche, der für Zeit und Ewigkeit allem Mangel entrückt ist.
V. 2a. Die Ruhe des Glaubens. 1) Sie kommt von Gott: Er lässt mich lagern. 2) Sie ist tief: Er lässt mich lagern. 3) Sie gibt volle Befriedigung: auf saftig grünen Auen. 4) Sie veranlasst zu stetem Lobpreis.
Die Nährkraft und der Wohlgeschmack des Wortes Gottes. (Auen saftig grünen Grases, Grundt.)
V. 2. Geistliche Nahrung und Erquickung, beides uns vom Herrn in seinem Wort dargeboten.
V. 2b. Vorwärts ! Der Führer, der Weg, die Erquickungen des Weges, der Wanderer. (Zu den Erquickungen gehört beides, die Lieblichkeit des Weges und die gute Weide.)
V. 3. Freundliche Erquickung und heilige (darum sichere) Leitung. Der göttliche Beweggrund zu beidem.
V. 3-4. Die selige Stille im gläubigen Herzen (Joh. 14,27). 1) Er erquickt. 2) Er führt a) auf rechter Straße b) um seines Namens willen. 3) Er ist nahe auch im finstern Tal.
V. 4. Gottes Gnadennähe der einzig sichere Halt im Tode.
Leben im Tode und Licht im Dunkel.
Die gottselige Ruhe des Gläubigen im Sterben.
V. 4c. Gottes Stecken und Stab, als Zeichen seiner Leitung, der Trost derer, die Gott gehorsam sind.
V. 5. Der gottgewirkte Trutz des Glaubens, die Salbung mit dem Öl der Freuden, die fürstliche Bewirtung.
V. 5c. Zeiten überströmender Gnade und welche Pflichten sie uns auferlegen.
V. 6a. Das Glück des in Gott Zufriedenen.
V. 6. Auf dem Wege und daheim, oder: Himmlische Begleiter und himmlische Wohnungen.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps24

Beitragvon Jörg » 07.09.2019 12:18

PSALM 24 (Auslegung & Kommentar)


Überschrift

Ein Psalm Davids. Obwohl uns die Überschrift nichts sagt, als wer der Verfasser des Psalms gewesen ist, so ist doch gerade dies uns von Interesse, indem es uns anleitet, zu beachten, in welcher Mannigfaltigkeit der Geist Gottes auf das Gemüt des großen Sängers Israels einwirkte, so dass dieser in Psalm 22 seiner Harfe jene überwältigend traurigen Töne entlocken, in Psalm 23 eine so liebliche, friedevolle Weise anstimmen und dann diesen majestätischen Jubelpsalm dichten konnte. Wir vermögen sehr vielseitige Aufgaben zu erfüllen, wenn der Herr in uns und durch uns wirkt.
Wir halten es mit vielen Auslegern für wahrscheinlich, dass David diesen Psalm gedichtet habe, damit er an dem frohen Tage gesungen werde, da die Bundeslade aus dem Hause Obed-Edoms in das auf Zion erbaute Zelt gebracht wurde. Die Worte passen gar wohl zu dem heiligen Freudentanz, mit welchem David bei diesem hochfestlichen Anlass dem Volke voranging. Der Blick des Psalmsängers war jedoch, über das vorbildliche Hinaufziehen der Bundeslade hinaus, auf die glorreiche Himmelfahrt des Königs der Ehren gerichtet.1

Inhalt und Einteilung


Der mit Psalm 15 verwandte Psalm preist zuerst den wahren Gott und singt von seiner Allmacht und Weltherrschaft; er beschreibt sodann das wahre Israel, das mit Gott trauter Gemeinschaft pflegen darf; er schildert endlich den Gott Israels als den wahren Helfer und Erlöser, der die Seinen von der Erde emporzieht und ihnen die Tore der himmlischen Herrlichkeit auftut, weshalb dieser Psalm schon von den Kirchenvätern als Himmelfahrtspsalm angesehen worden ist.

Auslegung

1. Die Erde ist des Herrn und was drinnen ist;
der Erdboden und was drauf wohnt.
2. Denn Er hat ihn an die Meere gegründet
und an den Wassern bereitet.


1. Des Herrn ist die Erde und ihre Fülle, d. h. alles, was auf ihr und in ihr ist, alle Erdenkreatur, der Erdkreis und die darauf wohnen. (Wörtl.) Wie sehr verschieden ist doch diese Gotteserkenntnis von der unwissenden Meinung der Heiden, dass jedem Gott nur das Land gehöre, in dem er verehrt werde, aber auch von dem Aberglauben der Juden zur Zeit Christi, die das Wort, dass das heilige Land das Eigentum Jahwes sei, in sehr fleischlichem Sinn auffassten und dachten, nur der Same Abrahams sei Gottes Volk. David, der größte König, den sie je gehabt hatten, hatte sie schon lange zuvor unterwiesen: Nein, sagt er, die ganze Erde gehört Jahwe, und alle, die darauf wohnen, sind seine Untertanen. Wenn wir bedenken, wie sehr das jüdische Volk zur Zeit Christi von religiöser Selbstüberschätzung erfüllt war und wie sie im Zorn entbrannten, als der Herr ihnen sagte, dass viele Witwen in Israel gewesen seien zu Elias Zeiten und der Prophet doch zu deren keiner gesandt worden sei als allein zu der heidnischen Witwe zu Sarepta, und dass viele Aussätzige in Israel gewesen seien zu des Propheten Elisa Zeiten und doch deren keiner gereinigt worden sei als allein Naeman aus Syrien; - wenn wir uns ferner erinnern, welcher Ingrimm die Juden erfasste, als Paulus ihnen eröffnete, dass er sich göttlichem Auftrag gemäß zu den Heiden wende, so staunen wir, dass sie in solcher Blindheit verharrten, trotzdem sie diesen Psalm so oft, ja nach einer zusätzlichen Überschrift der LXX und nach andern jüdischen Überlieferungen an jedem ersten Wochentag sangen. Dies Wort zeigt ja so klar, dass Gott nicht allein der Juden, sondern auch der Heiden Gott ist. Wie schlägt es aber auch jene eingebildeten Leute unserer Tage, die z. B. die Schwarzafrikaner für eine schlechte und verächtliche Menschenrasse halten, um die Gott sich nicht kümmere. Aber wer immer Mensch ist, den beansprucht Gott als sein Eigentum: Wer darf es wagen, ihn als ein bloßes Stück Ware zu behandeln? Jesus Christus hat vollends der Sonderstellung der Nationen ein Ende gemacht. Vor Gott gilt nicht Rasse noch Geschlecht noch Stand, sondern nur der Glaube, der durch die Liebe tätig ist.
Der Mensch lebt auf der Erde und verteilt seine Scholle unter seine Scheinkönige und Herrscher; aber die Erde gehört nicht dem Menschen. Er ist nur ein Pächter, dem der Eigentümer zu jeder Zeit kündigen kann; sein vermeintlicher Besitz ist durchaus unsicher, er kann jederzeit davon vertrieben werden. Das Schloss des großen Grundeigentümers ist droben über den Wolken und er hat für die stolzen Eigentumsurkunden der Würmer des Staubes nur ein Lächeln. Ein unumschränktes, ewiges Besitzrecht hat weder der Bauer noch der adelige Gutsherr, sondern einzig der Schöpfer. Sein ist die Erde und ihre Fülle, all der Reichtum an Tieren und Pflanzen und mineralischen Schätzen, die sich auf und in ihr finden. Gott hat dem Menschen Macht gegeben, sich diese Fülle zunutze zu machen und sie sogar mit geschickter Hand zu mehren. Aber alles ist des Herrn, das Feld und seine Frucht, die Erde und alle ihre Wunder. Und wir sehen einer Zeit entgegen, wo die Erde eine noch größere und edlere Fülle tragen wird, wenn die zu Gott geschaffene Welt im Tausendjährigen Reich ihrer Bestimmung entgegengeführt sein wird. Dann wird es herrlich in Erscheinung treten, dass die Erde des Herrn ist und was sie erfüllt. Diese Worte stehen jetzt an der großen Londoner Börse; einst werden sie in leuchtender Schrift am Firmament zu lesen sein.
Das Wort Erdboden oder Erdkreis im folgenden Versglied bezeichnet im Grundtext die Erde als fruchtbare und bebaute, also die bewohnten Teile der Erde, wo Jahwe in besonderer Weise als Herrscher anerkannt werden sollte. Ihm, der über die Fische im Meer und die Vögel in der Luft herrscht, sollte der Mensch, sein edelstes Geschöpf, die Huldigung nicht verweigern. Jahwe ist der Allherr, alle Völker stehen unter seinem Zepter. Er ist der wahre "Selbstherrscher" über alle Nationen; die Kaiser und Zaren sind nur seine leibeigenen Knechte. Der Mensch gehört nicht sich selbst, noch darf er Herz und Hand und Leib und Leben sein eigen nennen. Wir sind Jahwes rechtmäßige Knechte. Dies gilt zwiefach von denen, die durch ihn ein neues, himmlisches Leben empfangen haben. Weder Welt noch Satan haben einen Anspruch auf uns, sondern durch unsere Erschaffung wie durch unsere Erlösung sind wir das Eigentum des Herrn.
Paulus benutzt diesen Vers 1. Kor. 10,26 um zu zeigen, dass keine Speise unrein und nichts Geschaffenes ein Eigentum der erdichteten falschen Götter sei. Alles gehört Gott: Auf der Natur liegt kein Bann, nichts ist gemein oder unrein, was mit Danksagung genossen wird. Die Welt ist Gottes Welt und was auf dem Fleischmarkt feilgeboten wird, ist dadurch, dass es meines Vaters ist, geheiligt, so dass ich es ohne Gewissensbedenken genießen darf.

2. Der zweite Vers gibt den Grund an, warum die Erde Gott gehört: Er ist ihr Schöpfer. Das begründet ein unbestreitbares Besitzrecht. Denn er hat sie über Meeren gegründet und auf Strömen stellte er sie fest. (Grundtext) (Unter den Strömen verstehen hier manche die Meeresströmungen, vergl. Jona 2,4.) Gott ist es, der einst die Erde aus dem Meer hat hervortreten lassen (1. Mose 1,9), und er erhält sie in dieser Lage, so dass das Festland vor den Fluten bewahrt wird, die es sonst sofort, wie in den Tagen Noahs, verschlingen würden. Erschaffung und Vorsehung sind die beiden rechtsgültigen Siegel auf die Besitzurkunde des erhabenen Eigentümers aller Dinge. Der das Haus gebaut hat und seine Fundamente aufrecht hält, hat unbestreitbar das erste Recht darauf. Aber lasst uns auch beachten, auf welch unsicheren Grundlagen alle irdischen Dinge ruhen: Gegründet auf Meeren, befestigt auf Strömen! Der Christ weiß, gottlob, von einer andern Welt, nach der er ausschauen darf, und baut seine Hoffnungen auf eine festere Grundlage, als diese armselige Welt hat. Wer auf die Dinge dieser vergänglichen Welt sein Vertrauen setzt, baut aufs Wasser; wir aber haben durch Gottes Gnade unsre Hoffnung auf den ewigen Fels gegründet. Wir stützen uns auf die Verheißungen des unwandelbaren Gottes und verlassen uns auf die Beständigkeit unseres getreuen Heilands. Ihr armen Kinder dieser Welt, die ihr die Burgen eurer Zuversicht, die Paläste eures Reichtums und die Schlösser eurer Lust auf die Meere erbaut und auf die Ströme befestigt habt, wie bald werden eure fundamentlosen Bauten gleich Schaum auf dem Wasser vergehen! Der Sand ist trügerisch genug: Was aber soll man von dem noch weit unsteteren Meere sagen?

Fußnote
1. Siehe hierzu die Erläuterungen und Kernworte S. 451 f
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps24

Beitragvon Jörg » 10.09.2019 15:07

3. Wer wird auf des Herrn Berg gehen?
und wer wird stehen an seiner heiligen Stätte?
4. Der unschuldige Hände hat und reines Herzens ist;
der nicht Lust hat zu loser Lehre
und schwört nicht fälschlich:
5. Der wird den Segen vom Herrn empfangen
und Gerechtigkeit von dem Gott seines Heils.
6. Das ist das Geschlecht, das nach ihm fraget,
das da suchet dein Antlitz, Gott Jakobs. Sela.

In diesen Versen haben wir eine Beschreibung des wahren Israel. Die gewürdigt werden, als Edelknappen im Palast des himmlischen Königs zu stehen, zeichnen sich nicht durch blaues Blut, sondern durch den Adel ihres Charakters aus. Es sind weder ausschließlich Juden noch ausschließlich Heiden noch irgendein besonderer Zweig der Menschheit, sondern eine aus allen Völkern erlesene Schar solcher, die geheiligt und tauglich gemacht sind, auf des Herrn heiligem Berg zu wohnen.

3. Wer wird (oder darf) auf des Herrn Berg gehen? Um zu seinem Schöpfer zu gelangen, muss das Geschöpf hoch emporklimmen. Wo findet sich der kühne Bergsteiger, der diese schwindligen Höhen erklimmen kann? Und es handelt sich nicht nur um unersteigbare Höhen, sondern auch um eine dem Sünder unerträgliche Herrlichkeit. Wessen Auge wird den König in seiner Schönheit sehen und in seinem Heiligtum wohnen? Im Himmel thront Jahwe im höchsten Glanz seiner Herrlichkeit: Wer wird es wagen dürfen, seiner Majestät zu nahen? Nur die auserwählte Schar der Erlösten des Herrn wird die einzigartige Ehre haben, bei ihm in seinem himmlischen Palast zu weilen. Diese hochadligen Seelen sind voll Verlangens, mit Gott Gemeinschaft zu haben, und ihr Herzenswunsch wird ihnen gewährt werden. Das zweite Versglied wiederholt die feierliche Frage in anderer Form. Wer wird dort, an seiner heiligen Stätte, stehen können und dürfen? Wer wird dem Heiligen ins Antlitz schauen, wer die Feuerflammen seiner Herrlichkeit ertragen? Auf Grund des Gesetzes kann wahrlich niemand mit Gott vertrauten Umgang haben; aber die Gnade vermag uns tüchtig zu machen, Gott ins Auge zu blicken und seine Gegenwart zu ertragen. Die Frage, die unser Text aufwirft, sollte jeder mit Bezug auf sich selbst an Gott richten und nicht ruhen, bis er eine gnädige Antwort erhalten hat. In sorgfältiger Selbstprüfung lasst uns fragen: Herr, bin ich’s?

4. Der unschuldige Hände hat und reines Herzens ist. Heiligkeit in Handel und Wandel ist ein köstliches Zeichen des Gnadenstandes. Mit Pilatus seine Hände in Wasser waschen, heißt nichts; aber sie in Unschuld waschen, das ist von höchster Wichtigkeit. Es ist zu befürchten, dass manche die Lehre von der Rechtfertigung durch den Glauben so verkehren, dass sie die guten Werke verächtlich beiseite setzen; wer das tut, wird an jenem großen Tage ewige Verachtung zum Lohn haben. Es ist nichts als blauer Dunst, von innern Erfahrungen zu schwatzen, wenn das tägliche Leben nicht von Unreinigkeit, Unredlichkeit, Gewalttätigkeit und Bedrückung frei ist. Die zu Gott nahen wollen, müssen reine Hände haben. Welcher Fürst möchte sich wohl von Dienern, die schmutzige Hände haben, an der Tafel aufwarten lassen? Israeliten, die nach dem Zeremonialgesetz unrein waren, durften nicht in das Haus Gottes gehen, das doch mit Händen gemacht war: Wie viel weniger wird es solchen, an denen sittlicher Makel klebt, gestattet sein, geistliche Gemeinschaft mit dem heiligen Gott zu genießen? Sind unsere Hände von Schuld befleckt, so lasst uns sie jetzt, in der Zeit der Gnade, waschen in dem Born des Heils, in dem teuren Blut Christi, damit wir beim Gebet heilige Hände (1. Tim. 2,8) zu Gott aufheben können. Aber es würde nicht genügen, wenn unsere Hände nur rein wären und wir sie nicht auf ein reines Herz legen könnten. Echte Frömmigkeit ist Herzenssache. Wir mögen die Becher und Schüsseln auswendig waschen, solange wir wollen; bleibt die Innenseite schmutzig, so sind wir selber durch und durch unsauber in Gottes Augen; denn unsere Herzen sind ein viel wesentlicherer Teil unseres Ich als unsere Hände. Diese mögen wir verlieren und dennoch am Leben bleiben; aber Herz und Leben sind unzertrennlich. Unser wahres Leben liegt im innern Menschen, darum ist Herzensreinheit eine unumgängliche Notwendigkeit. Die innersten Falten des Herzens müssen ebenso sehr die reinigende Kraft der Gnade erfahren, wie die innere Fläche unserer Hände rein sein muss; sonst ist unsere Frömmigkeit ein Trug. Gebe Gott, dass unsere verborgensten Triebe und Kräfte durch die heiligende Kraft des Geistes entsündigt werden, damit wir die Heiligkeit lieben und alle Sünde verabscheuen. Die reines Herzens sind, werden Gott schauen: Alle andern sind Nachtvögel, die das Licht nicht erfragen können. Stockblind zu werden ist das Los derer, die ihre Herzen verstocken. Schmutz im Herzen wirft Staub in die Augen.
Der seine Seele nicht zum Nichtigen erhebt (wörtl.), d. h. nicht sein Begehren darauf richtet.2 Unsre Seele muss davon frei werden, an den niedrigen Tändeleien der Erde Ergötzen zu finden. Der Mensch, der für den Himmel geboren ist, hat nicht Lust zum Eiteln. Jedermann hat seine Freuden, auf die sein Dichten und Trachten geht. Der Weltmensch richtet sein Verlangen auf fleischliche Ergötzungen, die nichts als leere Eitelkeiten sind; wer aber Ewigkeitsleben in sich trägt, begehrt kräftigere Speise. Wer mit den Trebern3 zufrieden ist, wird zu den Schweinen gerechnet. Wenn wir an den Brüsten der Welt unser Labsal suchen, erweisen wir uns damit als ihre Kinder. Findest du in dem, was die Welt dir bietet, Befriedigung? Dann hast du deinen Lohn und dein Teil in diesem Leben; dann genieße es aber auch, so gut du kannst, denn es ist das einzige, was du an Freude je erleben wirst!
Und schwöret nicht fälschlich. Der Gottesfürchtige ist ein Ehrenmann und bleibt es unter allen Umständen. Dem Christenmenschen ist sein Ja der einzige Schwur; aber dieser ist so gut wie zwanzig Eide anderer Leute. Unwahrhaftigkeit schließt jedermann, er sei, wer er wolle, vom Himmel aus; denn kein Lügner wird in Gottes Reich eingehen, wie fromm auch sein äußerliches Bekenntnis oder Gebaren sein möge. Gott wird mit Lügnern nie etwas zu schaffen haben, außer dass er sie einst in den Feuerpfuhl werfen wird (Off. 21,8) Jeder Lügner ist ein Teufelskind und wird zu seinem Vater heimgeschickt werden. Falsche Anklagen, betrügerische Zeugenaussagen, gefärbte Berichte, endlich Verleumdungen und Lügen, - alle diese Dinge mögen für die Gesellschaft der Gottlosen passen; von Gottes Kindern werden sie verabscheut. Wie könnten diese mit dem Gott der Wahrheit Gemeinschaft haben, wenn sie nicht alles Falsche hassten?

5. Es wäre aber ganz irrig zu meinen, dass die Leute, welche im vierten Vers nach ihrer inneren und äußern Heiligkeit beschrieben sind, durch das Verdienst ihrer Werke des V. 3 genannten Vorrechts teilhaftig werden: Vielmehr sind ihre Werke die Wahrzeichen, woran man sie erkennen kann. Der jetzt uns vorliegende Vers zeigt, dass in den wahren Heiligen die Gnade, und die Gnade allein, regiert. Sie tragen den Rock des himmlischen Königs, aber weil der König sie aus freier Liebe damit bekleidet hat. Der echte Christ ist mit dem hochzeitlichen Kleid (Mt. 22,11) geschmückt: Aber er bekennt frei, dass der reiche Festgeber es ihm verliehen hat, ohne Geld und umsonst. Der wird den Segen vom Herrn empfangen und Gerechtigkeit von dem Gott seines Heils. So bedürfen also auch diese in V. 4 genannten heiligen Leute des Heils; sie empfangen die Gerechtigkeit und der Segen, der auf ihnen ruht, ist ein Geschenk Gottes, ihres Heilandes. Sie gehen auf des Herrn Berg nicht als Leute, die Gott etwas zu bringen haben, sondern als solche, die alles von ihm zu empfangen erwarten: Sie sind nicht mit ihren Verdiensten geschmückt, sondern mit einer Gerechtigkeit, die sie geschenkt erhalten haben. Ein Leben in Heiligkeit und Gerechtigkeit sichert uns Segen zu als den Lohn des dreimalheiligen Gottes: Aber dies heilige Leben ist selbst ein Segen, der aus der freien Gnade Gottes stammt und eine Frucht der Arbeit des heiligen Geistes am Menschenherzen ist. Erst gibt Gott uns gute Werke, dann belohnt er uns für sie. Die Gnade wird dadurch, dass Gott Heiligkeit fordert, nicht verdunkelt; vielmehr erweist sie sich gerade darin in ihrer Herrlichkeit, dass wir wahrnehmen, wie sie den Menschen mit köstlichem Schmuck ziert und mit feinem weißem Leinen bekleidet.

6. Das ist das Geschlecht, das nach ihm fraget, das da suchet dein Antlitz, - Jakob.4 Sie sind das wahre Gottesvolk, der rechtmäßige Same. Doch ist es für den Standpunkt der Gläubigen im alten Bunde bezeichnend, dass diese als solche dargestellt werden, die nach Gott fragen, d. i., deren Geist nach Gott ringt, ihn mit herzlichem Verlangen sucht (darasch). Man vergleiche, wie der Apostel bei der Anführung von Jes. 64,3 in 1. Kor. 2,9 das alttestamentliche "die auf ihn harren" nach dem Geist des neuen Bundes sinnig umwandelt in: "die ihn lieben". Aus unserm Psalmwort ersehen wir aber, dass solche, die aufrichtig nach Gott fragen, in Gottes Augen wert geachtet sind und in das Geschlechtsregister seines Volks eingetragen werden. Hat schon das Suchen des Herrn einen so starken sittlichen Einfluss (V. 4), welche heiligende Macht muss dann im Finden des Herrn liegen! - Das Antlitz des Herrn suchen heißt, Gemeinschaft mit dem Herrn begehren. O dass wir immer mehr darnach hungerten und dürsteten, das Angesicht des Herrn in seiner ganzen Herrlichkeit zu schauen! Das wird uns antreiben, uns von aller Unsauberkeit zu reinigen und vorsichtig zu wandeln. Wer seinen Freund sehen will, wenn er vorbeikommt, ist darauf bedacht, die beschlagenen Fensterscheiben zu putzen, es möchte sonst sein Freund vorübergehen, ohne dass er ihn bemerkt. Wirklich erweckte Seelen suchen den Herrn mehr als alles andre. Und da dies nicht die gewöhnliche Art der Menschen ist, bilden sie ein Geschlecht für sich, ein Volk, das von den Menschen verachtet, von Gott aber geliebt wird.
Dieser erste Teil des Psalms geht mit dem maßlosen Selbstruhm jener Juden ins Gericht, die sich als die Günstlinge des Himmels gebärdeten. Ihnen wird ins Gewissen gerufen, dass der Gott Israels der Gott der ganzen Erde ist und dass er der Heilige ist und nur solche, die in der Heiligung stehen, zu sich nahen lassen wird. Mögen solche, deren Bekenntnis nur ein äußerliches ist, beim Lesen dieser Verse der Stimme Gehör schenken, die da spricht: Ohne Heiligung wird niemand den Herrn sehen.
Sela. Stimmt die Harfe, erhebt eure Stimme, denn ein hochedler Gesang kommt jetzt an die Reihe, ein Lied von dem Freund unserer Seele.

Fußnoten
2. Vergl. 25,1 im Hebr. An Luthers Übersetzung ist nur die willkürliche Begrenzung auf die Lehre zu bemängeln. Andere (Schnitz, Kautzsch u.) fassen )w:$f hier in der oft vorkommenden engeren Bedeutung Lüge, Falschheit. Das Keri "meine Seele" erscheint unbrauchbar.

3. Spurgeon sagt Hülsen, in Anspielung auf Lk. 15,16, wo die engl. Bibel dieses Wort braucht. Allerdings ist an jener Stelle nicht an leere Hülsen, sondern wohl an die fleischigen Hülsen des Johannesbrotbaums zu denken.

4. In unsern hebräischen Bibeln steht nur: Jakob. Die revid. Lutherbibel schiebt nach dem Vorgang der LXX. und vieler Ausleger "Gott" ein (vergl. 20,2), und dieses Wort findet sich in der Tat in zwei hebr. Handschriften. Doch halten es viele Ausleger für einen Zusatz und übersetzen: (Das ist) Jakob, d. h. das wahre Gottesvolk. Luther selbst hat ebenfalls stets nur: Jakob.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

Jörg
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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps24

Beitragvon Jörg » 14.09.2019 12:06

7. Machet die Tore weit .
und die Türen in der Welt hoch,
dass der König der Ehren einziehe!
8. Wer ist derselbige König der Ehren?
Es ist der Herr, stark und mächtig,
der Herr, mächtig im Streit.
9. Macht die Tore weit
und die Türen in der Welt hoch,
dass der König der Ehren einziehe!
10. Wer ist derselbige König der Ehren?
Es ist der Herr Zebaoth,
Er ist der König der Ehren. Sela.

7. Dieser zweite Teil des Psalms enthüllt vor unsern Blicken unsern großen Stellvertreter, dessen Persönlichkeit vollkommen den göttlichen Anforderungen entspricht und der darum kraft seiner eigenen Würdigkeit zur heiligen Höhe des himmlischen Zion aufgestiegen ist. Unser Herr Jesus konnte auf den Berg des Herrn gehen, weil er unschuldiger Hände und reines Herzens war, und wenn wir durch den Glauben ihm gleich gestaltet werden, so wird sich auch uns das Himmelstor öffnen. Wir finden in diesen Versen ein Bild der glorreichen Himmelfahrt unseres Herrn.5 Wir sehen ihn mitten aus der kleinen Schar der Jünger dort auf dem Ölberg zur Höhe auffahren und nachdem die Wolken ihn von unsern Blicken hinweggenommen, geleiten ihn die Engel ehrfurchtsvoll zu den Pforten des Himmels.
Die uralten Pforten des erhabenen himmlischen Tempels 6 werden hier personifiziert und von der den Herrn begleitenden Schar seliger Geister im Liede angeredet. Es wird ihnen zugerufen: Erhebt, ihr Tore, eure Häupter (d. h. eure Oberschwellen), und erhöhet euch, ihr uralten Pforten (Grundtext), - als ob sie bei all ihrer Herrlichkeit und erhabenen Größe doch nicht groß genug wären, da der Herr der Herrlichkeit nun durch sie einziehen will. Möge alle Kreatur ihr Äußerstes tun, einen solch erlauchten Fürsten zu ehren. Er, der jetzt, unmittelbar von Kreuz und Grab, durch die Tore des himmlischen Jerusalem einzieht, ist höher denn die Himmel: Die Perlentore der obern Gottesstadt sind, so uralt und so erhaben sie sind, doch sein nicht würdig, vor dem selbst die Himmel nicht rein sind und der selbst seine Engel des Irrtums anklagt (Hiob 15,15; 4,18). Darum auf, macht euch weit, ihr Tore, dass der König der Ehren einziehe!

8. Die Wächter an dem Tore hören den Gesang der heranziehenden Scharen; sie schauen über die heiligen Zinnen und fragen: Wer ist der König der Ehren? Diese Frage ist voll der tiefsten Bedeutung und des Nachsinnens in Ewigkeit wert. Wer ist diese erhabene Persönlichkeit? Welcher Art ist seine Natur, sein Charakter, sein Amt und sein Werk? Welches ist sein Stammbaum? Welchen Rang bekleidet er und zu welcher Art von Wesen gehört er? In mächtiger Woge himmlischer Musik braust die Antwort der Engelscharen daher: Es ist der Herr, stark und mächtig, der Herr, mächtig im Streit. Wir kennen die Macht unseres Jesus von den Schlachten, die er geschlagen, und den Siegen, die er über Sünde, Tod und Hölle errungen hat, und wir jauchzen ihm zu, da wir sehen, wie er das Gefängnis gefangen führt (Eph. 4,8) in der Macht seiner Stärke. Ach, dass unsere Herzen fähig wären, würdig sein Lob zu singen! Du mächtiger Held, sei ewig erhoben! Wohl uns, dass du auf ewig gekrönt bist zum König aller Könige und Herrn aller Herren! (Off. 17,14)

9. Erhebet, ihr Tore, eure Häupter, und erhöhet euch, ihr Pforten der Urzeit, dass der König der Ehren einziehe. (Grundtext) Der Zuruf an die Tore wird wiederholt. Es gibt Zeiten tief ernster Empfindungen, in denen Wiederholungen nicht müßig, sondern voller Kraft sind. Man sagt, es sei im Orient nicht selten gewesen, dass man, um einem Gast zu zeigen, wie willkommen sein Einzug sei, die Türen aus den Angeln gehoben habe. Und manche Tore wurden, wie die Fallgitter unserer alten Stadttore, auf- und niedergezogen und hatten vielleicht oben einen Vorsprung, so dass sie buchstäblich ihre Häupter erhoben. Das Bild ist hochpoetisch und zeigt uns, wie weit die Tore des Himmels durch die Auffahrt unseres Erlösers geöffnet worden sind. Gott sei Dank, diese Tore sind seither nie geschlossen worden. Die offenen Türen des Himmels laden auch den schwächsten Gläubigen zum Eintritt ein.
Lieber Leser, du sagst vielleicht: Ich werde nie in Gottes Himmel eingehen, denn ich habe weder unschuldige Hände noch ein reines Herz. Ich bitte dich, blicke auf Jesus! Er hat den heiligen Berg des Herrn schon erstiegen und ist in das himmlische Heiligtum eingegangen als der Vorläufer (Hebr. 6,20) derer, die auf ihn ihr Vertrauen setzen. Folge seinen Fußstapfen nach (1. Petr. 2,21) und stütze dich auf seinen Verdienst. Er ist im Triumph gen Himmel gefahren und auch du sollst zu den Perlentoren einziehen, wenn du an ihn glaubst. Aber wie kann ich die Eigenschaften erlangen, die zum Himmel tauglich machen? Der heilige Geist wird sie dir geben. Er wird in dir ein neues, reines Herz schaffen. Der Glaube an Jesus ist das Werk des heiligen Geistes und dieser echte Glaube hat alle Tugenden als Keime in sich. Stehst du im Glauben, so bist du an dem Born des Heils: In ihm werden deine Hände und dein Herz rein und auch dein Mund wird entsündigt werden, dass er von Herzen die Wahrheit redet.

10. Der Schlussvers ist erhaben. Wer ist derselbige König der Ehren? Jahwe Zebaoth, der Herr der Heerscharen im Himmel und auf Erden, der Gebieter des Weltalls, Er ist der König der Ehren oder der Herrlichkeit. Alle wahre Herrlichkeit trifft wie in einem Brennspiegel in dem alleinwahren Gott zusammen; denn alle andere Herrlichkeit und Ehre ist nur ein vergängliches Schaugepränge, eine Pracht von Schminke und Dekoration, die nur eine Stunde währt. Der erhöhte Heiland ist das Haupt und die Krone des Weltalls, er ist der König der Ehren. Unserem Immanuel jauchzen die himmlischen Heerscharen zu und besingen sein Lob in den höchsten Tönen. Er, der einst verachtete Jesus von Nazareth, ist der Herr der Heerscharen: Denn ihm ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Halleluja!

Fußnoten
5. Siehe hierzu die Erläuterungen u. Kernworte S. 451 f.

6. Hält man, entgegen der jetzt üblich gewordenen Auffassung, die Zusammengehörigkeit der beiden Teile des Psalms und die Abfassung des Ganzen durch David fest, so ist bei den uralten oder ewigen Pforten nicht an die des (erst später erbauten) Tempels, sondern an die altersgrauen Tore der Zions-Königsburg zu denken.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

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Beitragvon Jörg » 17.09.2019 15:32

Erläuterungen und Kernworte

Zum ganzen Psalm. Dieser Psalm wurde ohne Zweifel abwechselnd von Chören und Einzelstimmen gesungen. In der Verteilung der Rollen mögen wir uns irren, in der Sache selbst schwerlich. Wir denken uns, der Vorsänger, der in diesem Falle vermutlich der König selber war, habe begonnen mit dem feierlichen Rezitativ:

Jahwes ist die Erde und was sie füllt,
der Erdkreis und die darauf wohnen;
denn Er hat ihn auf Meere gegründet
und auf Fluten festgestellt.

Wahrscheinlich hat dann, nach der morgenländischen Sitte, der Chor der Sänger, ja vielleicht das ganze Volk (1. Chr. 15,28), diesen Gesang aufgenommen und unter Musikbegleitung, vielleicht auch in einander antwortenden Doppelchören, wiederholt, bis der feierliche Zug am Fuße des Zion angekommen war. Dann mag der König, während er vor allem Volk die ersten Schritte zur Höhe hinaufging, wieder in ernstem, feierlichem Tone begonnen haben:
Wer darf den Berg Jahwes betreten
und wer stehen an seiner heiligen Stätte?

Worauf der erste Chor antwortete:
Wer unschuldige Hände hat und reines Herzens ist:
Wer nicht nach Eitlem trachtet
und nicht betrügerisch schwört.

Und alsbald fuhr der zweite Chor fort:
Der wird Segen von Jahwe empfangen
Und Gerechtigkeit von dem Gott seines Heils.

Dieser zweite Teil des Gesanges mag gedauert haben, bis der Zug die alten Tore der Zionsburg erreicht hatte, worauf der Vorsänger mit erhobener Stimme wieder begann:
Erhebt, ihr Tore, eure Häupter!
Ja, erhöht euch, ihr uralten Pforten,
dass der König der Ehren einziehe!

Wir denken uns diese Worte vom Gesamtchor in gleicher Weise wie zuvor wiederholt. Darauf erschallt eine Stimme als von den Toren: Es sind die Wächter, die feierlich fragen:
Wer ist denn der König der Ehren?

Worauf der Chor antwortet:
Jahwe, gewaltig und ein Held,
Jahwe, ein Held im Kriege.

Der ganze Festzug wiederholt dann unter Leitung des Vorsängers die Aufforderung an die Tore:
Erhebt, ihr Tore, eure Häupter,
ja, erhöht euch, ihr uralten Pforten,
dass der König der Ehren einziehe!

Worauf diese wieder fragen:
Wer ist denn der König der Ehren?

Und die ganze Menge des Volks, unter fortwährender Steigerung der Musik, die Antwort gibt:
Jahwe der Heerscharen,
Er ist der König der Ehren!
Nach John Kitto † 1854.

Nach der LXX. und dem Talmud wurde dieser 24. Psalm am ersten Wochentag im Gottesdienst des (zweiten) Tempels gesungen, in Erinnerung an den ersten Schöpfungstag. Am 2. Wochentag wurde der 48., am 3. der 82., am 4. der 94., am 5. der 81., am 6. der 93. und am Sabbat der 92. gesungen. R. H. Ryland 1853.

V. 1. Die Erde ist des Herrn. Dieser Anfang des Psalms zeigt den Juden, dass sie in sich selbst nichts haben, was sie berechtigen könnte, Gott näher zu stehen oder vertrauter mit ihm umzugehen als die andern Völker. Gott ist es, der durch seine Vorsehung die von ihm erschaffene Welt erhält, und seine Herrschaft erstreckt sich in gleicher Weise über alle, so dass er ein Recht hat, von allen verehrt zu werden, wie er ja auch allen Menschen ohne Ausnahme seine väterliche Fürsorge angedeihen lässt. Jean Calvin † 1564.

Es wird uns berichtet, dass Chrysostomus († 407), als er sich durch seine scharfen Predigten den Zorn der Kaiserin Eudoxia zugezogen hatte, sich seinem Freund Cyriacus gegenüber ausgesprochen habe, wie er sich beizeiten innerlich darauf gerüstet habe, wenn die Kaiserin ihn etwa in die Verbannung schicken wolle. "Ich dachte, wenn sie mich nun verbannt? -- Die Erde ist des Herrn und was darinnen ist. Will sie mir mein Hab und Gut nehmen? -- Nackt bin ich von meiner Mutter Leibe kommen, nackt werde ich wieder dahinfahren (Hiob 1,21). Wenn sie mich aber steinigt? Da dachte ich an Stephanus. Will sie mich töten? Da trat mir Johannes der Täufer vor Augen." John Spencer † 1654.

Als Johann Mathesius (der älteste Biograph Luthers, Prediger zu Joachimstal in Böhmen, † 1565) durch seine Predigten einen großen Herrn so erzürnte, dass er ins Elend gejagt werden sollte, spricht seine Frau Sibylle zu ihm: "Sei getrost, lieber Hauswirt, ich will mit dir über Berg und Tal: Man wird uns unsers Herrgotts Boden nicht verbieten können, denn die Erde ist des Herrn und was drinnen ist . Er wird uns nach seiner Zusage nicht Waisen lassen, sondern ein Hüttlein und Unterschlupf geben." Der Zorn des großen Herrn ist auch wieder verraucht und Mathesius im Frieden in Joachimstal gestorben. -- Nach seiner Lebensbeschreibung von Balth. Mathesius 1705.

Katharina von Navarra, Schwester Heinrichs IV., durfte unverboten reformierten Gottesdienst halten lassen: Nur Psalmen zu singen war auch ihr untersagt -- war dies doch das eigentliche Zeichen des Abfalls vom katholischen Glauben. Kaum war sie nach Paris gekommen, am 6. Juni 1598 -- nach der Verkündigung des Edikts von Nantes --, so ließ sie im Louvre Gottesdienst halten. Zwei- bis dreitausend Personen wohnten ihm bei. "Brüder, aus dem Feuer gerissen, Trümmer der Bartholomäusnacht" singen in dem Palast, wo so viel evangelisches Blut geflossen war, den 24. Psalm: Die Erde ist des Herrn, und was darinnen ist. Felix Bovet 1872.

Auch Monika, die Mutter Augustins, hat diese Worte angewendet in ihrer Weise, als sie in Ostia, fiebernd und ihren baldigen Tod ahnend, ihrem wieder gefundenen Sohne, den sie nicht mehr sollte heimbegleiten dürfen nach Afrika, gebot, ihren Leichnam getrost an der europäischen Küste zu lassen und zu bestatten, denn "die Erde ist des Herrn, und was darinnen ist!" Er werde sie auch da zu finden wissen am Tage der Auferstehung. -- Und mit diesen Worten entließ Prof. Balthasar Schuppius als Professor zu Marburg nach der Zerstörung der Stadt im dreißigjährigen Kriege seine Theologiestudierenden, indem er unter sie gleichsam die europäischen Länder und See- und Reichsstädte verteilte; denn "Messieurs, die Erde ist des Herrn, und mir scheint, unser Herrgott habe mich zu einem Quartiermeister angenommen." Nach A. von Salis 1902.

Des Herrn ist die Erde und was sie erfüllt. Als David in seinen Jünglingsjahren die Herden seines Vaters auf Bethlehems fruchtbaren Weideplätzen hütete, kam der Geist des Herrn über ihn; das Ohr wurde ihm geöffnet und sein Verständnis erleuchtet, dass er die Gesänge der Nacht verstehen konnte. Die Himmel verkündigten die Ehre Gottes und die funkelnden Sterne antworteten dem Himmel im Chor; ihre harmonischen Weisen erfüllten die Luft und ihre vollen und doch so zarten Stimmen drangen bis an die Enden der Erde.
"Das Licht ist der Glanz des Ewigen", sang die untergehende Sonne. "Und ich bin der Saum seines Gewandes", antwortete das zarte, rosige Zwielicht. Die Wolken zogen sich zusammen und sagten: "Wir sind sein nächtliches Gezelt". Und die Wasser in den Wolken und die tiefe Stimme des Donners fielen ein und sangen im Chor: "Die Stimme des Ewigen ergehet über den Wassern, der Gott der Ehren donnert im Himmel, der Herr über großen Wassern" (Ps. 29,3).
"Auf meinen Fittichen schwebt Er einher", lispelte der Wind, und die sanft bewegte Luft fügte hinzu: "Ich bin Gottes Hauch, der Odem des gütigen Allnahen". "Ach, ich höre die Lobgesänge", sagte die ausgedörrte Erde, "alles um mich her ist ein Lobpreis: Ich allein bin traurig und schweige!" Da antwortete ihr der Tau: "Ich will dich laben, dass du frisch und fröhlich werden sollst und deine Kinder sollen blühen wie die Rosen". "Ja, fröhlich blühen wir", sangen die erquickten Fluren, und die Ähren beladenen Kornfelder wogten vor Freuden, indem sie sangen: "Wir sind Gottes Segen, das Streitheer des Herrn wider den Mangel".
"Wir preisen dich aus der Höhe", sagte der milde Mond. "Und auch wir benedeien dich", ergänzten die Sterne. Und der lustige Grashüpfer zirpte: "Auch mich hat er erquickt mit dem perlenden Tau". "Er stillte meinen Durst", sagte das Reh. "Und erfrischte mich", fiel der Hirsch ein. "Und versorgt uns mit Speise", sagten die Tiere des Waldes. "Und kleidet meine Lämmer mit weicher Wolle", fügte voll Dankes das Schaf hinzu.
"Er hörte mich", krächzte der Rabe, "da ich verlassen und einsam war." "Er hörte mich", sprach die wilde Ziege auf den Felsen, "da meine Zeit gekommen war und ich Junge gebar." Und die Turteltaube girrte, und die Schwalben und die andern Vöglein stimmten in den Lobgesang ein: "Der Vogel hat ein Haus gefunden und die Schwalbe ihr Nest, da sie Junge hecken: Wir wohnen auf den Altären des Herrn und schlummern unter dem Schatten seiner Flügel in Ruhe und Frieden." "Und Frieden!", wiederholte die Nacht und das Echo nahm den Ton auf und ließ ihn immer wieder erschallen; -- da dämmerte es und der Hahn wachte auf und krähte fröhlich: "Öffnet die Tore, macht weit die Pforten, der König der Ehren naht! Erwacht, steht auf, ihr Menschenkinder! Lasst dem Herrn Dank und Preis erschallen, denn der König der Ehren naht!"
Da stieg die Sonne empor und David erwachte aus seiner Entzückung: Aber solang er lebte, klangen die melodischen Akkorde der Schöpfungsharmonien in seiner Seele nach und Tag um Tag entlockte er einer Harfe die süßen Töne, so gut er’s vermochte. -- Aus den Sagen des Talmud über die Gesänge der Nacht. D. F. A. Cox 1852.

Das fromme Gemüt sieht alle Dinge in ihrer Beziehung zu Gott und Gott in allen Dingen. Ingram Cobbin 1839.
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Beitragvon Jörg » 21.09.2019 12:49

Erläuterungen und Kernworte

V. 2. Xerxes, der Perserkönig, befahl einst seinen Soldaten, die Wasser des Hellesponts zu fesseln; so bindet Gott die Fluten gleichsam in Ketten, wie Basilius († 379) sagt: Ligatum est mare praecepto Creatoris quasi compedibus. Er spricht zum Meere: Bis hierher sollst du kommen und nicht weiter: Hier sollen sich legen deine stolzen Wellen! (Hiob 38,11.) Er sammelt die Wasser des Meeres wie in einem Schlauch und legt die Fluten in Vorratskammern (Ps. 33,7, Grundt.), so dass ohne seinen Willen nicht eine Woge das Land überfluten kann. D. John Boys † 1625.

Diese Worte weisen ohne Zweifel auf den Schöpfungsbericht zurück. Das Festland tauchte aus den Wassern hervor und ruht dem Anschein nach auf ihnen. Vergl. Ps. 136,6; Spr. 8,29. Es würde jedoch ganz irrig sein, in solchen Worten den Ausdruck einer bestimmten volkstümlichen Anschauung oder gar einer wissenschaftlichen Theorie über den Bau der Erdoberfläche zu vermuten. Hiob sagt Kap. 26,7: Er hängt die Erde an nichts. Solche Ausdrücke sind offenbar poetische Einkleidungen tiefer Gedanken. Vergl. Hiob 38,6. J. J. Stewart Perowne 1864.

Wie frei dergleichen mehr dichterische als physikalische Vorstellungen gehalten sind und wie wenig man berechtigt ist, darin physikalische Theorien zu suchen, zeigt sich Hiob 26,7, wo Gott die Erde wie den Himmel über dem Nichts aufgehängt hat. Der hebräische Dichter konnte über diese transzendenten Dinge frei mit solchen Vorstellungen spielen, ohne zu schwindeln oder zu schaudern, da er eine feste Stütze in seinem Gott hatte, der das Weltgebäude auch auf den schwankendsten Grund, ja auf das Nichts fest gründen konnte und auf dessen Allmacht allein aller Bestand beruht. Prof. D. Herm. Hupfeld 1858.

Hörst du, lieber Leser, wie zwar die Erde besteht und doch auf nichts steht? Sie schwebt neben und über den Wassern und doch wird sie von ihnen nicht verschlungen. Das macht’s: Sie hängt an Gottes Kraft- und Machtfinger und ruht auf seinem Wort. Daran gedenke, sooft die Sorgen dein Herz einnehmen wollen; halt es deinem Herzen für: Siehe, tut Gott das durch seine Allmacht ohne alle Menschenhilfe an dem ganzen Erdboden, warum nicht auch an dir, der du nur ein gar kleines Stücklein von der Erden bist. Alle deine Sorgenlast ist nichts gegen dem Erdboden und doch trägt diesen dein frommer Gott; alle deine Anfechtungen sind nichts gegen den Wellen des ungestümen Meers, doch setzt auch diesem der Herr seine Grenzen, an denen sich seine stolzen Wellen legen müssen. So traue denn auch du dem Herrn das Beste zu! J. D. Frisch 1719.

Er hat seine Kirche über den Fluten der Trübsal fest gegründet, so dass sie, so hoch diese steigen mögen, doch über ihnen gehalten wird und sicher ist und ewig sicher sein wird. Aurelius Augustinus † 430.

V. 3. Das ist aus der Maßen ein starker Text wider die Juden. Nun wisst ihr, dass Paulus disputieret und streitet wider die Beschneidung und dieselbe äußerliche Maskerade, dass die Juden ein Same Abrahams sind, haben die Prophezeiungen, haben die Verheißungen, das Testament usw. Solche Maskerade zieht ihnen hier der Prophet auch ganz und gar ab; Gott gebe, es sei ein Heide oder ein Jude, da fragt Gott nichts nach. Dass er aber eine Frage gebraucht, das tut er um des Ernstes und Unmöglichkeit willen, die er damit anzeigt: Lieber, wer wird auf des Herrn Berg gehen? Da antwortet der Jude bald: "Ich"; der Papst und die Seinen auch: "Ich." Er spricht aber: Es wird nicht so zugehen. Den Berg des Herrn aber nennt er nicht allein den, der zu Jerusalem ist, sondern die Örter überall, wo man in der Welt von Gott lehret und prediget. Martin Luther 1530.

Wer wird auf des Herrn Berg gehen? Wenn es so ist, dass niemand auf des Herrn Berg gehen darf, als wer schuldlosen Wandels und reines Herzens ist, nicht am Eiteln hängt und ohne Trug ist, dann ist die Frage schnell beantwortet. Keiner wird hinaufgehen, denn es gibt keinen so Beschaffenen unter den Adamskindern. Schuld klebt an unsern Händen und befleckt ist unser Inneres. Die Gewichtigsten unter den Menschen wiegen weniger als nichts, denn nichtig und eitel sind sie immer (vergl. Ps. 62,10), und die Besten finden in sich eine Neigung zu Lug und Trug. So ist denn keiner würdig, die heilige Höhe zu ersteigen. Doch hören wir von einem, der zur Höhe aufgefahren ist. Er hatte all die Erfordernisse, die der Psalm geltend macht. Er war vollkommen rein in Herz und Leben und kein Betrug wurde in seinem Munde erfunden (1. Petr. 2,22). Ja, aber das war doch nur einer; was soll das den andern allen? Er war unser Haupt, -- und lässt auch ein Haupt sein Glied, welches es nicht nach sich zieht? Mark Frank † 1664.

Wer wird auf des Herrn Berg gehen? Niemand fährt gen Himmel, denn der vom Himmel herniederkommen ist, nämlich des Menschen Sohn, der im Himmel ist (Joh. 3,13). "Darum," sagt der heilige Bernhard († 1153), ist es trefflich geredet (Hebr. 7,26), dass wir einen solchen Hohenpriester haben mussten, wie Jesus es ist; denn er weiß, wie schwierig es für uns ist, zu den himmlischen Höhen emporzuklimmen: Er kennt die Schwäche von uns, die wir hinaufsteigen sollen." Joh. Lorinus † 1634.

V. 3-6. In Übereinstimmung mit Psalm 15 wird auch hier das Geschlecht der rechten Gottesverehrer nicht als ein solches beschrieben, das gewissenhaft seine äußeren Opfer bringt, regelmäßig in den Gottesdiensten erscheint, in der Beobachtung der heiligen Gebräuche es an nichts fehlen lässt: Vielmehr wird die Teilnahme an den Handlungen der Anbetung an dieser Stätte und die Würdigkeit, die Opfer darbringen zu können, selbst abhängig gemacht von der Reinheit des Herzens und der Hände, -- was näher erklärt wird durch die Reinheit von jedem bösen Werk [Tholuck übersetzt V. 4 b: der nicht am Schlechten Lust hat] und von jeder trügerischen Rede. Und so sollen ja auch wir Christen dahin kommen, unsere Gottesdienste insgesamt nicht sowohl als eine Pflicht, als vielmehr als eine verliehene Gnade anzusehen. Indem er nun sagt: Das ist das Geschlecht, das nach ihm fragt und sein Antlitz sucht, will er zur Erkenntnis bringen, dass, wer sonst nach Gott zu fragen und Gott zu suchen vorgäbe, ohne doch nach einem reinen Herzen und reinen Händen zu streben, für einen Heuchler angesehen werden müsse. Indem er aber eben vorzugsweise dieses Geschlecht Jakob nennt, macht er einen Unterschied, den auch der Apostel Paulus Röm. 9,6 gemacht hat, zwischen einem fleischlichen Jakob und einem Jakob nach dem Geist. An diesem Israel nach dem Geist sind denn auch, wie Paulus sagt, als der Messias kam, Gottes Verheißungen nicht zuschanden geworden, obwohl der große Haufe ihn verworfen hat. Prof. D. Aug. Tholuck 1843.

V. 4. Herz bedeutet hier den ganzen inwendigen Menschen mit allen seinen Gedanken, Ratschlägen, Gewissen und Zuneigungen. J. D. Frisch 1719.

Soll ich dir den Mann beschreiben, der vor Gott als sittlich gut anerkannt wird? Es ist der, dem das göttliche Gesetz als alleinige Richtschnur seines Handelns gilt, und der in allem seinem Tun Gott vor Augen hat; der von selbst den andern Befehlen Gottes gehorcht, weil er dem ersten und größten Gebot: "Gib mir, mein Sohn, dein Herz," gehorsam worden ist. Sein Verhalten richtet sich nicht nach dem, was Sitte ist oder Vorteil verspricht, sondern nach dem unverbrüchlichen Richtmaß der Pflicht. Führe einen solchen als Zeugen vor Gericht: Er wird kein falsch Zeugnis geben, weder wider seinen Nächsten noch zugunsten desselben. Gib ihm die größten Summen ungezählt in Verwahr: Er wird nicht stehlen. Weihe ihn in die vertraulichsten Angelegenheiten deiner selbst oder deiner Familie ein: Du kannst ganz ruhig sein, denn in seinem Busen lebt kräftig der Grundsatz der Wahrheit und Rechtschaffenheit. Du darfst ihm in der Finsternis so gut vertrauen wie am hellen Tage; denn er ist tugendhaft, nicht weil es sein guter Ruf oder sein Nutzen erfordert, nicht weil die Augen der Leute auf ihn gerichtet sind, sondern weil die Liebe und die Furcht des Herrn in seinem Herzen eine alles beherrschende Stellung haben. D. Ebenezer Porter 1834.

Und schwört nicht falsch und er stellt seine Zunge auch in keiner andern Weise in den Dienst der Hölle. Der Meineid steht hier als eine der abscheulichsten Zungensünden für alle übrigen. Peraldus aber zählt nicht weniger als vierundzwanzig verschiedene Zungensünden auf, von denen der Bürger des neuen Jerusalem jede einzelne aufs Sorgfältigste meidet, da des Teufels Zorn seinen reinen Lippen schlechterdings nicht ansteht. John Trapp † 1669.

Der Himmel lässt sich mit schönen Worten und einem schimmernden Bekenntnis nicht gewinnen. Nur der Christ, der ein Täter des Wortes ist, wird vor dem Herrn bestehen, während der, dessen Glaube nur ein Schaugepränge ist, vor dem Angesicht des Ewigen in den Boden sinken wird, wie solche Scheinfrömmigkeit ja auch schon hier auf Erden nicht standhält. Gerade die, welche am meisten von Religion schwatzen, sind oft im Tun und Wandel am erbärmlichsten. Eines jeden Frömmigkeit ist eitel, dessen Bekenntnis nicht durch ein heiliges Leben beglaubigt wird. William Gurnall † 1679.

V. 5. Der wird Gerechtigkeit empfangen. Unsere eigene Gerechtigkeit nennt Jesaja ein dreckiges Kleid (Kap. 64,5 [6]), und Paulus nennt sie Kot (Phil. 3,8). Wie mancher unserer "Gebildeten" sähe den letzteren Vergleich gern aus seiner Bibel ausgemerzt, -- und der erstere ist im Urtext so stark, so anstößig, dass unsere meisten Übersetzungen nicht einmal andeuten, welche Art Dreck gemeint ist. Da denn unsere Gerechtigkeit so beschaffen ist, sind wir genötigt, anderwärts, außer uns, eine Gerechtigkeit zu suchen, die den Namen verdient. "Der wird Gerechtigkeit empfangen", sagt der Prophet hier, und der Apostel redet von der Gabe der Gerechtigkeit. (Röm. 5,17, Grundtext) So handelt es sich also um eine geschenkte Gerechtigkeit; diese sollen wir suchen. Aber wo sollen wir Gerechtigkeit finden? Hiob sagt uns, wo wir sie nicht finden: Nicht bei den Himmeln, denn sie sind nicht rein vor Gott; nicht bei den Heiligen, denn keiner unter ihnen ist ohne Tadel: nicht bei den Engeln (Hiob 4,18, Grundtext), denn sie beschuldiget er der Torheit. (Vergl. Hiob 15,15; 4,18; 25,5;) Können denn diese alle uns nicht helfen, so wird uns ein Name köstlich, den Jeremia uns nennt: Jahwe unsere Gerechtigkeit. (Jer. 23,6) Bischof Launcelot Andrewes † 1626.

V. 6. Das ist das Geschlecht. Durch das hinweisende Fürwort das tilgt der Psalmsänger aus der Liste der Gottesknechte alle die unechten Israeliten aus, die im falschen Vertrauen auf ihre Beschneidung und ihre Tieropfer nicht daran denken, sich selber Gott zum Opfer darzubringen, und doch zur selben Zeit sich verwegen in die Kirche eindrängen. Jean Calvin † 1564.

(Das ist) Jakob. So werden diejenigen, welche in Wahrheit nach Gott fragen, d. h. nach ihm trachten und ihn verehren, passend genannt, erstens, weil sie "rechte Israeliten" sind (Joh. 1,47; Röm. 9,6); zweitens, weil sie Gottes Angesicht suchen, wie Jakob zu Pniel (1. Mose 32,25-31); und drittens, weil sie, wie Jakob dort, Segen erlangen (vergl. auch Hos. 12,4 f.), ja Gerechtigkeit von dem Gott ihres Heils, wie es hier im vorhergehenden Verse heißt. John Trapp † 1669.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

Jörg
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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps24

Beitragvon Jörg » 25.09.2019 16:01

Erläuterungen und Kernworte

V. 7. An dem mächtigen Kastell von Banias (Cäsarea Philipp) am Fuße des Hermon sind noch Überreste eines alten Tores, das wie ein Fallgitter aufgezogen wurde. Die Torflügel liefen in Rinnen. John Gadsby 1862.

Statt Urzeit- Pforten übersetzen diejenigen, welche nicht an die Zionsburg, sondern an den Tempel denken, ewige Pforten. Jedenfalls ist dann aber nicht der feste Sitz nach langen Wanderungen (Kimchi, Rosenmüller), sondern der als Wohnung des Ewigen (1.Kön. 8,13) immer bleibende (Ps. 132,14) gemeint (Calvin, Hupfeld, Hitzig). An Türen in der Welt (Luther) darf man nicht denken, weil Mlfw( die Bedeutung "Welt" erst nach Abschluss des alttestamentlichen Kanons erlangt hat, sonst aber bald rückwärts in die Urzeit (1. Mose 49,26; Jes. 58,12), bald vorwärts in die Ewigkeit weist. K. B. Moll 1884.

V. 7-10. Die messianische Deutung dieser zweiten Hälfte des Psalms, oder doch ihre Anwendung auf Christus, bewegt sich in der Überlieferung auf drei Linien: 1) Die griechische Kirche versteht die Verse von dem feierlichen Eintritt des Todesüberwinders in den Hades, das Totenreich. So schildert das (judenchristliche) so genannte Nikodemusevangelium in seinem zweiten Teil den descensus Christi ad inferos zunächst in Anlehnung an unsern Psalm. Zweimal erschallt im Hades plötzlich eine Donnerstimme: "Hebet die Tore auf, ihr Fürsten (nach der LXX), und erhebt euch, ihr ewigen Pforten (des Hades), auf dass der König der Ehren einziehe." Der Fürst des Hades (Beelzebub, vom Satan unterschieden) fragt: "Wer ist der König der Ehren?", und David antwortet mit V. 8 des Psalms. Während er noch redet, erscheint Jesus, erleuchtet das Dunkel des Hades, zerbricht die unzerbrechlichen Fesseln, tritt den Tod unter seine Füße, nimmt dem Fürsten des Hades seine Gewalt und führt erst Adam, dann alle Heiligen aus dem Totenreich ins Paradies. Diese Schilderung entbehrt zum Teil nicht sinniger Schönheit, hat aber mit der Exegese des Psalms nichts zu tun. 2) Justin der Märtyrer sagt, dieser 24. Psalm gehöre auf Christi Himmelfahrtstag, denn da hätten die Engel im Himmel gesungen: Machet die Tore weit usw. Andere Kirchenväter folgten ihm in dieser Deutung oder Anwendung und danach hat die englische Kirche den Psalm auch ausdrücklich für den Himmelfahrtstag bestimmt. Dieser Überlieferung folgten jahrhundertelang die englischen Ausleger und es wundert uns daher nicht, diese Art der Auslegung auch bei Spurgeon anzutreffen. Schon Prof. D. Joh. Aug. Dietelmair muss in seiner "aus den auserlesensten Anmerkungen verschiedener englischer Schriftsteller zusammengetragenen Erklärung" aus dem Jahre 1755 (insofern einem kleinen Vorgänger von Spurgeons "Schatzkammer") dazu bemerken, es sei kein genügende Hinweis vorhanden, dass allhier eben von der Himmelfahrt Christi geredet werde. Auch uns mutet diese Beziehung, zumal als eigentliche Deutung, fremd an. 3) Wir halten für die Exegese die Beziehung der Verse auf den Einzug der Bundeslade fest. Später ist jedoch dieses Lied ohne Zweifel, unter Absehen von seinem nächsten Zweck, zum Adventslied Israels geworden, vergl. Mal. 3,1; und so bietet sich uns sehr angemessen die Anwendung desselben auf das uns vor Augen stehende Kommen des Herrn zu seiner Gemeinde und unsere Bereitung für das himmlische Zion dar. -- J. M.

Wenn der König von England in die City (die innere Stadt) von London einziehen will, begehrt der Herold an den verschlossenen Toren für seinen königlichen Herrn Einlass, indem er ruft: "Öffnet das Tor!" Eine Stimme lässt sich von drinnen vernehmen: "Wer ist da?" Der Herold antwortet: "Der König von England." Alsbald tut sich das Tor auf und der König zieht unter dem Jubel seines Volkes ein. Diese Sitte ist uralten Herkommens. Christmas Evans † 1838.

Diese Worte erinnern uns an den Einzug Jesu in Jerusalem (Mt. 21). Die ganze Stadt erregte sich und sprach: Wer ist der? Das Volk aber sprach: Das ist der Jesus, der Prophet von Nazareth aus Galiläa. Und der ganze Haufen seiner Jünger und alles Volk, das vorging und nachfolgte, lobten Gott mit lauter Stimme und sprachen: Hosianna dem Sohne Davids! Gelobet sei, der da kommt im Namen des Herrn! Hosianna in der Höhe! Und die Kinder im Tempel schrieen und sangen: Hosianna dem Sohn Davids! Wie viel herrlicher muss denn sein Einzug in das himmlische Jerusalem gewesen sein! Sollte da nicht "die ganze Stadt sich erregt" und gefragt haben: Wer ist der ? Siehe, wie Tausende von Engeln ihn geleiten und Zehntausende ihm entgegengehen, um ihr Willkommen zu bieten. Der Einzug der Bundeslade in die Stadt Davids war davon nur ein schwaches Vorbild. Andrew Fuller † 1815.

Welche Zunge genügte wohl, und wäre es die des höchsten Erzengels, den Willkommensgruß zu schildern, womit du, o König der Herrlichkeit, in dem gesegneten Reich der Unsterblichkeit begrüßt wurdest? Wahrlich, der Himmel, die Wohnung der seligen Geister, hatte noch nie von solcher Freude widergehallt. Gott fuhr auf mit Jauchzen und der Herr mit heller Posaune (Ps. 47,6). Als Gott den Erstgebornen in die Welt einführte, sprach er: Es sollen ihn alle Engel Gottes anbeten (Hebr. 1,6). Wie viel mehr hat er ihm jetzt, da er in die Höhe auffährt und das Gefängnis gefangen führt (Eph. 4,8), einen Namen gegeben, der über alle Namen ist, dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen alle Knie! (Phil. 2,9 f.) Und wenn die heiligen Engel schon in der Weihnacht, bei seinem Eintritt in den Stand der Niedrigkeit und Schwachheit, so jubilierten, mit welchem Triumph werden sie ihn jetzt willkommen geheißen haben, da er nach vollbrachtem Erlösungswerk zur himmlischen Herrlichkeit zurückkehrte! Als David, sein Vorbild, den Goliath erschlagen und dessen Haupt nach Jerusalem gebracht hatte (1. Samuel 17,54), waren ihm die Weiber aus allen Städten Israels entgegengegangen mit Gesang und Reigen: Wie mögen die himmlischen Geister dem großen Überwinder des Todes und der Hölle entgegengekommen sein! Wie sangen sie: Erhebet, ihr Tore, eure Häupter, und erhöht euch, ihr ewigen Pforten, dass der König der Ehren einziehe! Und wie er einst gen Himmel gefahren ist, so wird er wiederkommen: Siehe, der Herr kommt mit viel tausend Heiligen; tausendmal tausend dienen ihm, und zehntausendmal zehntausend stehen vor ihm (Judas V. 14; Dan. 7,10), von welchen allen ich schon den Lobgesang zu hören meine: Das Lamm, das erwürget ist, ist würdig zu nehmen Kraft und Reichtum und Weisheit und Stärke und Ehre und Preis und Lob. Dem, der auf dem Stuhl sitzt, und dem Lamm sei Lob und Ehre und Preis und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit! (Off. 5,12 f.) Und warum stimmst du, meine Seele, nicht mit ein in den himmlischen Chor? Warum wirst du nicht von seliger Freude hingerissen, da du siehst, wie dieser unser erstgeborner Bruder über alle Himmel erhöht ist, von den Engeln und Erzengeln, den Cherubim und Seraphim angebetet wird und auf dem Thron sitzt zur Rechten des Vaters, mit unvergleichlicher Herrlichkeit und Majestät gekrönt? Bischof Joseph Hall † 1656.

Seht hier zu der Unsterblichkeit den Pfad,
Die uns sein Tod erwarb, die kräftiglich erwiesen
In seiner Auffahrt. Hat er nicht den Tod besiegt?
Hört es, ihr Völker, hört, ihr Toten, alle:
Er lebt! Des Todes Bande sind gesprengt.
Tut weit euch auf, ihr heil’gen, ew’gen Tore,
Und lasst den Ehrenkönig ziehen ein!
Wer ist der Ehrenkönig? Der den Thron
Der Herrlichkeit vertauscht mit Todesschmerzen!
Tut weit euch auf, ihr heil’gen, ew’gen Tore,
Und lasst den Ehrenkönig ziehen ein!
Wer ist der Ehrenkönig? Der den Feind erschlug,
Der Menschheit grimmen, mörderischen Feind.
Er, dessen Liebe zu den Staubgebornen
Die Engel selbst zu schau’n gelüstet hat.
Nach Edwurde Young † 1765.

Homiletische Winke


V. 1. Der große Eigentümer, seine Güter und seine Knechte, das Recht, das ihm gebührt, und das Unrecht, das er erfährt.
Die Erde ist des Herrn.
1) Führe andere vor, die das Eigentumsrecht für sich beanspruchen: Die Götzen, der Papst, der Mensch, der Teufel.
2) Geh mit ihren Ansprüchen ins Gericht.
3) Tu, wie dein Gewissen urteilt. Brauche alles zu Gottes Ehre, verkünde in allen Landen des Herrn Namen und nimm alles für Gott in Anspruch.
4) Denke dem nach, wie herrlich die Erde sein wird, wenn sie einst ganz ihres Schöpfers Namen tragen wird.
V. 1b. Alle Menschen gehören Gott an, als Söhne oder Untertanen, als (willige) Diener oder als Sklaven, als Schafe oder Böcke usw.
V. 2. Auf Meeren gegründet. Die Unsicherheit alles Irdischen.
V. 3. Eine hochbedeutsame Frage.
V. 4a. Der Zusammenhang zwischen äußerer Ehrbarkeit und innerer Reinheit.
Reine Hände:
1) Wie werden sie rein?
2) Wie bleiben sie rein?
3) Wie werden sie unrein?
4) Wie wieder rein?
V. 4b. Und hat nicht Lust zum Eiteln. (Grundtext) Willst du die Menschen erkennen, so sieh, wo sie ihre Freude suchen.
V. 5b. Auch der Fromme empfängt seine Gerechtigkeit als eine Gottesgabe, und sein Heil wird ihm aus Gnaden. Oder: Der evangelische Untergrund anscheinend gesetzlicher Schriftstellen.
V. 6. Wer sind die, die wahrhaft Gemeinschaft mit Gott suchen? Wo ist das wahre Gottesvolk?
V. 7. Man wende den Text auf den Einzug Christi in die Menschenherzen an.
1) Es stehen seinem Einzug Hindernisse im Wege: verschlossene Tore.
2) Wir müssen (in Kraft der Gnade) einwilligen, dass diese Hindernisse weggeräumt werden: Machet die Tore weit.
3) Dann wird der Herr einziehen.
4) Er zieht ein als König und als König der Herrlichkeit.
V. 7-10. in Anwendung auf Christus:
1) Sein Name: Herr der Heerscharen.
2) Seine Siege. (Der Herr, stark und mächtig im Streit).
3) Seine königliche Herrlichkeit als Frucht seiner Leiden.
4) Sein triumphierender Einzug ins obere Zion.
V. 8. Der mächtige Held. Seine Herkunft, seine Macht, seine Kämpfe und seine Siege.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps25

Beitragvon Jörg » 28.09.2019 11:36

PSALM 25 (Auslegung & Kommentar)



Überschrift


Ein Psalm Davids. David ist in diesem Psalm wie in einem getreuen Miniaturbild gezeichnet. Sein zuversichtlicher Glaube, seine mannigfachen Kämpfe, seine große Missetat, seine bittere Reue samt seinen großen Trübsalen, alles findet sich hier, so dass wir dem "Mann nach dem Herzen Gottes" wirklich ins Herz hineinsehen. Der Psalm stammt augenscheinlich aus den späteren Lebensjahren Davids, da er die Sünden seiner Jugend erwähnt. Und aus der schmerzlichen Bezugnahme auf die Intrigensucht und Grausamkeit seiner vielen Feinde werden wir wohl schließen dürfen, der Psalm gehöre in die Zeit, wo Absalom den großen Aufruhr gegen seinen Vater anstiftete. Der Psalm ist ein Denkmal der heiligen Aufrichtigkeit Davids, indem er darstellt, wie dieser sich durch seine Trübsale an seine Sünden erinnern und durch seine Sündennot zu seinem Gott treiben ließ.

Einteilung

Die zweiundzwanzig Verse beginnen im Grundtext (mit einigen Abweichungen, V. 2.5.18.22) mit den Buchstaben des hebräischen Alphabets. (Vergl. Ps. 9-10 .) Die Form des Akrostichons oder alphabetischen Liedes ist vom Verfasser wohl gewählt worden, um das Gedächtnis zu unterstützen. Und der heilige Geist mag uns damit zeigen wollen, dass auch die Kunst in Gottes Dienst Verwendung finden kann. Warum sollten nicht auch menschlicher Verstand und Scharfsinn den edelsten Zwecken dienstbar gemacht und auf den Altar Gottes gelegt werden? Bei dem eigentümlichen Bau des Psalms ist es nicht leicht, einigermaßen abgegrenzte Teile zu entdecken. Wir finden große Abwechslung an Gedanken, aber keinen Wechsel des Gegenstandes. Der Verfasser bedient sich zweierlei Ausdrucksweisen für seine Gedanken: des Gebets und der Betrachtung. Und da diese miteinander abwechseln, wollen wir darnach die Verse einteilen. Gebet V. 1-7, Betrachtung V. 8-10, Gebet V. 11, Betrachtung V. 12-15, Gebet V. 16 bis zum Schluss.

Auslegung

1. Nach dir, Herr, verlangt mich.
2. Mein Gott, ich hoffe auf dich. Lass mich nicht zuschanden werden,
dass sich meine Feinde nicht freuen über mich.
3. Denn keiner wird zuschanden, der dein harrt;
aber zuschanden müssen sie werden, die leichtfertigen Verächter.
4. Herr, zeige mir deine Wege,
und lehre mich deine Steige!
5. Leite mich in deiner Wahrheit und lehre mich;
denn Du bist der Gott, der mir hilft;
täglich harre ich dein.
6. Gedenke, Herr, an deine Barmherzigkeit und an deine Güte,
die von der Welt her gewesen ist.
7. Gedenke nicht der Sünden meiner Jugend und meiner Übertretungen;
gedenke aber mein nach deiner Barmherzigkeit
um deiner Güte willen 1!


1. Zu dir, Herr, erhebe ich meine Seele. (So wörtlicher Luther 1524. 2 Siehe, wie die gläubige Seele sich zu ihrem Gott aufschwingt, wie eine Taube zu ihrem Schlag. Wenn draußen die Sturmwinde toben, so wendet sich das Schiff des Glaubens und steuert seinem ihm wohlbekannten Zufluchtshafen zu. Welche Gnade, dass der Herr auf unser Rufen in der Stunde der Trübsal hören will, ob wir ihn auch in Zeiten vermeintlichen Glücks fast vergessen haben! Es heißt Gottes spotten, wenn wir beim Gebet wohl Hände und Augen aufheben, aber nicht auch unser Herz zu Gott richten. Im rechten Gebet schwingt sich die Seele von der Erde auf, dem Himmel zu. Das Gebet ist ein Aufstieg auf der Jakobsleiter: Unsere Sorgen und Kümmernisse lassen wir unten am Fuße der Leiter zurück und klimmen empor zu dem Bundesgott, dessen freundliches Angesicht uns droben an der Spitze entgegenwinkt. Freilich, manchmal kann sich die Seele nicht emporschwingen; sie hat ihre Flugkraft verloren und klebt am Staube und gleicht dann eher dem in der Erde kriechenden Maulwurf als dem zur Sonne auffahrenden Adler. Aber auch in solch dunkeln Zeiten sollen wir nicht vom Gebet ablassen, vielmehr durch Gottes Beistand alle unsere Kräfte anwenden, um unsre Seele aufwärts zu richten. Scheint dein Herz dir wie ein unbeweglicher Fels? Mach’ den Glauben zum Hebel und lass die allmächtige Gnade diesen in Bewegung setzen; was gilt’s, der schwere Block muss weichen. Aber was für eine Anstrengung kostet es manchmal! Mit all unserm Ziehen und Stoßen werden wir jämmerlich zuschanden, bis der himmlische Magnet der Liebe unseres Heilands seine allgewaltige Anziehungskraft erweist und unser Herz so unwiderstehlich aufwärts zieht zu Ihm, dem einen Liebenswürdigen, dass es, das tote, kalte, schließlich wie eine Feuerflamme himmelwärts lodert.

2. Mein Gott. Wie herzvertraulich ist diese Anrede! Der Sänger ist betend dem himmlischen Helfer schon einen Schritt näher gekommen, ja mit kühnem Griff des Glaubens erfasst er Gott als seinen Gott. Welch himmlische Musik liegt in dem Worte: Mein Gott ! Es ist zu beachten, dass der Psalmsänger die Äußerung der Empfindungen, die sein Herz dank der göttlichen Gnade bewegen, nicht in falscher Bescheidenheit unterdrückt. Da er in seiner Seele ein sehnliches Verlangen nach dem Herrn verspürt, bringt er es ganz schlicht zum Ausdruck (V. 1). Da er einen berechtigten Anspruch an Jahwe zu haben überzeugt ist und weiß, dass er auf Gott traut, bekennt er’s: Mein Gott, ich hoffe (oder: traue) auf dich. Der Glaube ist das Tau, das unser Schifflein an das Ufer kettet; indem wir daran ziehen, ziehen wir uns zugleich selber ans Land. Das Vertrauen verbindet uns mit Gott und bringt uns immer näher zu ihm. Solange der Anker unseres Glaubens in Gott versenkt ist, ist auch im heftigsten Sturm für uns keine Gefahr; risse der los, dann bliebe uns freilich keine Hoffnung mehr. Unser Glaube muss gesund und kräftig sein, sonst richten unsere Gebete bei Gott nichts aus. Wehe dem Krieger, der seinen Schild wegwirft! Wer soll den schützen, der in seinem Gott keinen Schutz findet? Lass mich nicht zuschanden werden . Ließest du es geschehen, dass die Hoffnung meines Vertrauens enttäuscht würde, so möchte es mich gereuen, deine Treue gepriesen zu haben. Lass das nicht zu; denn mancher lauert schon darauf. Auch der Beste hat Feinde und hat alle Ursache, zu beten, dass ihre ruchlosen Anschläge nicht in Erfüllung gehen mögen. Dass sich meine Feinde nicht freuen (oder frohlocken) über mich . Gib nicht zu, dass sie sich über mein Elend freuen und ihr freches Maul lästere und spöttisch frage: "Wo ist nun dein Gott? Die Gläubigen eifern für die Ehre ihres Gottes und können es nicht ertragen, dass die Ungläubigen ihnen höhnisch vorwerfen, der Herr, auf den sie trauen, erfülle ihre Hoffnungen ja nicht. Alle andre Zuversicht wird einst in ewiger Enttäuschung und Schande enden; unser Glaube aber wird nie und nimmer beschämt werden.

3. Denn keiner wird zuschanden, der dein harret. Einige ältere Ausleger, z. B. Kimchi, auch die englische Übersetzung, fassen diese Worte als Bitte auf: Mögen auch alle, die dein harren, nicht zuschanden werden . Leiden macht das Herz weit, indem es ihm die Fähigkeit des Mitleidens gibt. Wenn wir für uns selber zu Gott rufen, werden wir unsre Mitgenossen an der Trübsal (Off. 1,9) nicht lange vergessen können. Niemand hat solches Mitgefühl für die Armen, wie der, der selber arm gewesen ist oder es noch ist; niemand hat so herzliches Erbarmen mit den Kranken, als wer selber das köstliche Gut der Gesundheit lang hat entbehren müssen. Wir dürfen über zeitweilige Trübsal nicht klagen, wenn sie uns vor chronischer Herzverhärtung bewahrt; denn von allen Übeln ist ein gefühlloses Herz das schlimmste. Seinem Träger selbst ist es eine Last und den Nebenmenschen eine Qual. Ein Gebet, das der heilige Geist wirkt, ist niemals selbstsüchtig. Der Gläubige begehrt kein Sondervorrecht für sich allein, sondern möchte, dass alle, die mit ihm in gleicher Lage sind, auch mit ihm der göttlichen Gnade teilhaftig werden. Wir fassen diesen Satz jedoch besser mit Luther und fast sämtlichen alten und neuen Auslegern als Ausdruck der Überzeugung: Denn keiner wird zuschanden, der dein harrt . Unser himmlischer Vater wird sich seinen gläubigen Kindern nie anders als treu und gütig erzeigen.Er kann seine Bundeszusagen nicht vergessen.

Keiner wird zuschanden, welcher Gottes harrt;
Soll ich sein der erste, der zuschanden ward?
Nein, das ist unmöglich, du getreuer Hort!
Eher fällt der Himmel, eh’ mich täuscht dein Wort.
(Gustav Knak † 1878.)

Aber zuschanden müssen sie werden, die leichtfertigen Verächter, wörtlich: die ohne Ursache treulos handeln. 3 David hatte seine Feinde nicht herausgefordert. Sie hassten ihn ohne Ursache . Die Gottlosen können ihre Abtrünnigkeit weder rechtfertigen noch entschuldigen. Das Gesetz, gegen das sie sich vergehen, ist nicht hart und ungerecht. Gott ist kein tyrannischer Regent; die Führungen der Vorsehung sind kein unerträgliches Sklavenjoch. Die Menschen sündigen, weil sie sündigen wollen, nicht weil das Sündigen jemals vernünftig wäre oder ihnen einen Nutzen brächte. Darum ist Schande ihr wohlverdienter Lohn. Mögen sie jetzt, da es noch "heute" heißt, in der Scham der Buße erröten; wo nicht, so werden sie der ewigen Schmach und Schande, dem Erbteil der Gottlosen in der zukünftigen Welt, nicht entrinnen.

Fußnoten
1. Der Grundtext fügt hinzu: o Herr.

2. Die spätere Übers. Luthers: "Nach dir, Herr, verlanget mich", gibt jedoch den Sinn des Grundtextes besser wieder, da "die Seele auf etwas richten" heißt: sein Verlangen darauf richten. Vergl. den gleichen Ausdruck 24,4. Grundt.

3. Spurgeon bezieht dies nach dem Vorgang Calvins und anderer auf das Verhalten gegen David; doch spricht
der Gegensatz "die dein harren" für die auch sonst in den Psalmen gewöhnliche Bedeutung: von Gott abtrünnig sein.
Da es einen begründeten Abfall von Jahwe nicht geben kann, fasst Bäthen das Mqfyr" nach Ps. 2,1 und 2. Samuel 1,22 in der Bedeutung "ohne Erfolg". Andre, wie Luther u. Rosenmüller, übertragen die Bedeutung "ohne Ursache, eitel" auf "lose, leichtfertig".
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

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Beitragvon Jörg » 01.10.2019 15:19

4. Herr, zeige mir deine Wege, und lehre mich deine Steige! Ungeheiligte Naturen wollen stets ihre eigenen Wege durchzwingen, begnadigte Seelen aber rufen: Nicht mein, sondern dein Wille geschehe! Es wird uns manchmal schwer, den schmalen Pfad der Pflicht zu erkennen, und zu solchen Zeiten ist es die höchste Klugheit, den Herrn selber anzurufen, dass er ihn uns zeige. Oft sind die Wege, die Gott uns führt, geheimnisvoll und auch dann mögen wir uns an ihn wenden, dass er selbst der rechte Ausleger seiner uns unverständlichen Führungen sein möge, so wird er gewiss zur rechten Zeit alle Rätsel lösen. O dass wir recht gelehrig wären, Gottes Winke zu verstehen! Es ist uns, als hörten wir in dieser Doppelbitte ein kleines Kind zu seinem Vater sprechen: "Vater, zeige mir den Weg, und dann lehre meine kleinen, wankenden Füße darauf gehen." Was sind wir doch für schwache, unselbständige Geschöpfe! Wie unablässig müssen wir rufen: Stärke uns, du Gott der Stärke!

5. Leite mich in deiner Wahrheit und lehre mich. Die gleiche Bitte wie im vorhergehenden Verse. Das kleine Kind hat zu gehen angefangen, möchte aber an der hilfreichen Vaterhand weiter geführt werden. Es hat die ersten Buchstaben im Alphabet der Wahrheit gelernt, möchte aber weiter unterwiesen werden. Die Wahrheit lernt man durch Erfahrung und lernt man nicht ohne den göttlichen Lehrmeister; darum die mehrfach wiederholte Bitte unseres Psalms. Leite mich in deiner Wahrheit und erzeige mir deine Treue; leite mich in deiner Wahrheit, damit ich ihren Reichtum erkenne; leite mich auf dem Weg der Wahrheit, damit ich mich als Kind der Wahrheit erweise. David weiß viel, aber er erkennt auch, wie viel ihm noch fehlt. Viermal nacheinander bittet er in diesen beiden Versen um einen Platz in Gottes Schule. Es wäre gut, wenn manche unserer hochgelehrten Professoren, anstatt ihren eigenen Einfällen zu folgen und auf eigne Faust sich neue Pfade freien Denkens durchs Dickicht hauen zu wollen, zuerst einmal nach den alterprobten Pfaden der göttlichen Wahrheit fragen und den heiligen Geist bitten wollten, ihren Verstand zu heiligen und zu erleuchten und sie so zu gelehrigen Schülern der Wahrheit zu machen. Denn Du bist der Gott, der mir hilft, wörtlich: der Gott meines Heils. Der dreieinige Gott ist der Urheber und Vollender des Heils. Lieber Leser, ist er der Gott auch deines Heils? Hast du in des Vaters Erwählung, in des Sohnes Versöhnung und in des Geistes lebendig machender Kraft den Felsengrund deiner ewigen Hoffnung gefunden? Wenn ja, so hast du damit ein Anrecht auf weitere Segnungen. Wenn dich der Herr zur Seligkeit verordnet hat, wird er sich gewiss nicht weigern, dich nun auch in seinen Wegen zu unterweisen. Es ist ein köstliches Ding, wenn wir mit solchem Vertrauen zu Gott nahen können wie David hier. Das gibt uns große Kraft beim Gebet und feste Zuversicht in der Prüfung. Täglich (wörtlich: den ganzen Tag, d. h. unablässig) harre ich dein . Ausharrende Geduld ist eine köstliche Frucht des Glaubens. Wir warten mit getrostem Mut, wenn wir dessen gewiss sind, dass wir nicht vergeblich warten. Es ist unsre Pflicht und unser köstliches Vorrecht, der Winke unseres Herrn allezeit gewärtig zu sein und in Gehorsam, in Anbetung, in Hoffnung und Vertrauen sein zu harren. Unser Glaube muss erprobt werden; ist er rechter Art, so wird er auch andauernde Prüfungen ertragen, ohne zu unterliegen. Wir werden des Harrens auf Gott so leicht nicht müde werden, wenn wir uns daran erinnern, mit welch’ großer und gnädiger Geduld er einst darauf gewartet hat, dass wir zu ihm kämen.

6. Gedenke, Herr, an deine Barmherzigkeit und an deine Güte. Wir sind in Zeiten der Trübsal gewöhnlich geneigt zu fürchten, Gott habe uns oder doch seine altgewohnte Güte gegen uns vergessen. Darum redet sich die Seele ein, Gott müsse erinnert werden, und sie bittet ihn, ihr jene Liebe wieder zu erzeigen, die sie früher genossen hatte. Das ist heilige Kühnheit, die es wagt, so mit dem Allerhöchsten zu unterhandeln; lasst sie uns recht üben und pflegen! Aber gegen das unheilige Misstrauen, das uns jene Sorgen eingeflößt hat, wollen wir mit aller Macht ankämpfen. Was für herrliche Kleinode sind die zwei Worte: Barmherzigkeit und Güte! Sie sind süß wie Honigseim; kein Laut auf Erden kann sie an Lieblichkeit übertreffen. Und doch sind sie noch zu gering, ist alle Menschensprache zu armselig, Gottes Lieben zu beschreiben. Die unerschöpfliche Fülle deutet auch der Grundtext an, indem er die Mehrzahl braucht: Gedenke, Herr, an deine Barmherzigkeiten und deine Gnaden . Wenn der Herr in der Zukunft nur an uns handeln will, wie in vergangenen Zeiten, so sind wir wohl zufrieden. Wir begehren keine Änderung in Gottes Walten; wir flehen nur, dass der Strom der Gnade nie zu fließen aufhören möge.
Die von der Welt her gewesen ist. Wörtlich: denn sie sind von der Urzeit oder von Ewigkeit her. (Zu Luthers Übersetzung Welt vergl. Erläut. und Kernworte zu Ps. 24,7, S. 451.) David hatte einen festen Glauben an Gottes ewige Liebe. Die Gnadenerweise des Herrn sind nicht von gestern her. Wenn wir ihm anliegen, dass er sie uns gewähre, können wir uns auf das allerälteste Gewohnheitsrecht, auf Jahrtausende altes Herkommen und unzählige "Präzedenzfälle" berufen. In den weltlichen Gerichtshöfen wird auf alte Rechte und auf vorausgegangene Fälle großes Gewicht gelegt; so mögen wir uns auch vor dem Thron der Gnade auf sie berufen. "Der Glaube", sagt der alte Dickson († 1662), "muss auf Erfahrungen fußen und sie Gott herzhaft vorhalten; er hat sie in dem geheiligten Gedächtnis gebucht und darf sie dem in Erinnerung rufen, der nichts von Vergessen weiß." Bei dem unwandelbaren Gott ist es vom besten Erfolg, wenn man ihn an seine früheren Gnadenerweisungen und an seine ewige Liebe erinnert; denn Gott hat bei seinem Geben ein seltsames Gesetz, das heißt: Gnade um Gnade (Joh. 1,16). Wir tauschen gleichsam neue Gnaden gegen alte um; eine empfangene Gnade wird der Grund, eine neue zu empfangen. Zugleich frischen wir, indem wir Gott an seine früheren Liebesbeweise erinnern, in uns selbst das Andenken derselben auf. Und indem wir alles, was wir an Gutem genossen, bis zu dem Quell der ewigen Liebe verfolgen, woraus es geflossen ist, wallt unser Herz vor Freude über. Jene tun uns wahrlich einen schlechten Dienst, die uns das Nachsinnen über die ewige Erwählung und ähnliche Wahrheiten verleiden wollen.

7. Gedenke nicht der Sünden meiner Jugend. Die Sünde ist das Unglück; darum muss sie vor allem weggeschafft werden. Herr, amnestiere 4 du mich für alle meine Sünden, insonderheit für die zucht- und zügellosen Torheiten meiner heißblütigen Jugend. Der Übertretungen, deren wir uns mit reuigem Herzen erinnern, will Gott nicht mehr gedenken; aber wenn wir sie vergessen, stellt er sie in das Licht vor seinem Angesicht (Ps. 90,8). Die Welt drückt gegen die Sünden junger Leute die Augen zu; aber sie werden dadurch nicht kleiner. Wehe dir, Jüngling, der du dem Festmahl an Satans Tisch zusprichst: Die Gräten werden dich noch im Alter empfindlich im Hals stechen. Wer auf seine Jugend hin frech sündigt, der vergiftet seine alten Tage. Wie mancher von uns hat diese Seite des heiligen Buches schon mit heißen Tränen benetzt, wenn er an seine Vergangenheit zurückdachte! Und meiner Übertretungen. Ein anderes Wort für dasselbe Übel. Es liegt aber wohl eine Steigerung vor. Den Jugendverirrungen stehen die Frevel oder Missetaten gegenüber, wobei letztere mehr dem kälteren, überlegenden Mannesalter eigen sind. Wer aufrichtig Buße tut, kommt nicht mit einem Sprung durch sein Sündenbekenntnis hindurch. Seine Reue presst ihm gar manchen Klagelaut ab; denn seine Sünden umschwärmen ihn wie die Bienen und stechen ihn empfindlich. Die schmerzliche Erkenntnis einer Sünde treibt den Gläubigen zur Buße über die ganze Menge seiner Fehltritte. Nichts als eine allumfassende, völlige Tilgung der ganzen Sündenschuld kann ein durch den heiligen Geist wirklich zur Buße erwecktes Gewissen zur Ruhe bringen. David begehrte, dass seine Sünden nicht nur vergeben, sondern auch vergessen seien. Gedenke aber mein nach deiner Barmherzigkeit um deiner Güte willen, o Herr! David und der sterbende Schächer, von beider Lippen kommt derselbe Gebetsseufzer: Gedenke mein; und beide stützen sich dabei offenbar auf denselben Grund der Hoffnung, nämlich auf die freie Gnade und die unverdiente Güte Jahwes. Wir dürften nie die Bitte wagen, dass uns unser Teil auf der Wage der vergeltenden Gerechtigkeit zugemessen werde; aber unser Flehen ist, dass Gott nach seiner Gnade an uns handeln möge.

Fußnote
4. Amnestie heißt bekanntlich: das Nichteingedenksein, Vergessen. Im Englischen nach dem Lateinischen ebenso: act of oblivion.
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Jörg
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Beitragvon Jörg » 05.10.2019 12:36

8. Der Herr ist gut und fromm,
darum unterweist er die Sünder auf dem Wege;
9. er leitet die Elenden recht,
und lehrt die Elenden seinen Weg.
10. Die Wege des Herrn sind nichts als Güte und Wahrheit
denen, die seinen Bund und Zeugnisse halten.


Diese drei Verse sind eine Betrachtung über die Eigenschaften und Taten des Herrn. Wer auf dem Erntefeld des Gebets arbeitet, tut gut, von Zeit zu Zeit innezuhalten und sich an einem Imbiss geistlicher Betrachtung zu erlaben.

8. Der Herr ist gut und fromm (wörtlich: gerade, d. h. rechtschaffen, treu meinend); darum unterweiset er die Sünder auf dem (rechten) Wege. Hier sind die Güte und die Gerechtigkeit des göttlichen Wesens in trautem Bunde zu schauen. Wer sie in der innigsten Vereinigung sehen will, der stelle sich an den Fuß des Kreuzes; denn in dem Opfer des Herrn Jesus sind sie in eins zusammengeflossen. Es ist nicht minder wahr als wunderbar, dass infolge des Sühnopfers die Gerechtigkeit Gottes ebenso sehr wie seine Gnade für das Heil der Sünder, zu deren Erlösung Jesus gestorben ist, eintritt. 5 Und wie ein guter Mensch naturgemäß bestrebt ist, auf andere heilsamen Einfluss auszuüben, dass auch sie zu guten Menschen werden, so will der Herr, unser Gott, in seiner großen Barmherzigkeit die Sünder auf dem rechten Wege , d. h. zur Heiligkeit, führen und sie seinem Bilde gleichgestalten. Somit berechtigt uns sogar die Heiligkeit unseres Gottes, die Bekehrung von Sündern zu erwarten. Dürfen wir aus Gottes Güte nicht etwa schließen, dass er auch die selig machen werde, die in ihren eignen Wegen beharren, so können wir doch des gewiss sein, dass er die Herzen der Übertreter erneuern und sie auf dem Weg der Heiligkeit leiten will. Wer ernstlich von der Sünde frei zu werden begehrt, der schöpfe hieraus Trost. Gott selbst will sich herablassen, die Sünder zu unterweisen. Welch eine Lumpenschule, 6 und Gott selber der Lehrer darin! Gottes Lehrweise ist aufs Praktische gerichtet. Er bringt den sündigen Menschenkindern nicht nur gewisse Lehrsätze bei -- denn damit wäre ihnen nicht geholfen --, sondern er unterweist sie in dem Wege, den sie gehen müssen, um aus der Stadt des Verderbens zum himmlischen Zion zu kommen.

9. Er leitet die Elenden oder Demütigen in dem, was recht ist (in der Bahn des Rechten), und lehret die Elenden oder Demütigen seinen Weg. (Grundt. 7 Die Demütigen, "die durch Leiden geschmeidig und sanftmütig Gemachten" (Ötinger), stehen in hoher Gunst bei dem Vater dessen, der von sich sagen könnte: Ich bin sanftmütig und von Herzen demütig (Mt. 11,29) und zwar eben deshalb, weil er in ihnen das Bild seines eingebornen Sohnes erkennt. Sie wissen, wie nötig sie einen Führer haben, und sind bereit, ihre Einsicht dem göttlichen Willen unterzuordnen; darum lässt sich der Herr auch gern herab, ihr Führer zu sein. Für die demütigen Seelen enthält dieser Vers eine köstliche Verheißung; mögen sie sich daran laben! Gerade die zarter und edler angelegten Gemüter sind in der Not mit ihrem Verstand bald zu Ende und werden dann in der Verlegenheit leicht zu unüberlegten Schritten getrieben; aber die Gnade kommt ihnen zu Hilfe und erleuchtet ihren Sinn, dass sie erkennen, was recht ist, und lässt sie den Pfad finden, den sie nach des Herrn Willen gehen sollen. Die Toren pochen auf ihre eigne Weisheit und wollen sich nichts sagen lassen; so verfehlen sie durch eigene Schuld den Weg zum Himmel. Die Demütigen dagegen sitzen zu Jesus’ Füßen und finden, dank seiner Unterweisung, das Tor der Herrlichkeit; denn die Demütigen lehrt er seinen Weg. O du Lehrer ohnegleichen, wie köstlich ist’s, dein Schüler sein zu dürfen und deine himmlische Unterweisung zu genießen!

10. Die Wege des Herrn sind nichts als Güte und Wahrheit (oder: Gnade und Treue) denen, die seinen Bund und Zeugnisse halten. Das ist eine Regel ohne Ausnahme. Gottes Gnade und Treue fließen über gegen die, die durch die Gnade treu und wahrhaftig geworden sind. So gefährlich manchmal der Weg, den Gott uns weist, scheinen mag, soll uns das doch nie zweifelhaft werden, dass wir, solange wir dem Willen Gottes folgen, keinen wirklichen Schaden zu besorgen haben. Seine Gnade werden wir in jedem sauren Bissen durchschmecken und seine Treue in jedem bittern Tropfen. Unser Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht. Lasst uns in unverbrüchlichem Glauben auf den Bund Jahwes stützen, der niemals hinfallen kann und bis ins Kleinste hinein geregelt und als unveränderlich besiegelt ist. Doch gehört diese Wahrheit nicht auf die Gasse -- sie möchte sonst von den Schweinen zertreten werden --, sondern sie ist eine köstliche Perle für das Halsband des Kindes. Wahrhaft begnadigte Seelen, die sich in echtem Glauben auf das vollbrachte Erlösungswerk des Herrn Jesus stützen, die halten den Bund des Herrn und wandeln in der Heiligung des Geistes nach seinen Zeugnissen. Ihnen müssen alle Dinge zum Besten dienen (Röm. 8,28); aber für solche, die in der Sünde beharren, gibt es keine derartige Verheißung. Wer den Bund hält, der wird von ihm gehalten. Wer die Gebote des Herrn erfüllt, der wird erfahren, dass sich die Verheißungen an ihm erfüllen.

11. Um deines Namens willen, Herr, sei gnädig meiner Missetat
die da groß ist.


11. Es könnte scheinen, als wäre diese Bitte an dieser Stelle nicht am rechten Platze, wenn Gebet nicht überhaupt immer am Platz wäre, zur Zeit und zur Unzeit. Nachdem der Psalmsänger sich V. 8-10 in erbaulicher Betrachtung gestärkt hat, nimmt er sein angefangenes schweres Werk wieder auf und ringt in diesem Verse noch einmal mit Gott um Vergebung seiner Sünden. Um deines Namens willen, Herr. Wer sich bei seinem Flehen auf diesen Grund stützt, tut keine Fehlbitte. Nicht um meiner Person oder meiner Verdienste willen, sondern zur Verherrlichung deiner Gnade und zur Offenbarung deines herrlichen Wesens sei gnädig meiner Missetat . Ich habe sie dir ja bekannt, ich verabscheue sie und bittere Reue nagt an meinem Herzen. Herr, tilge meine Schuld! Lass es mich aus deinem eignen Munde hören, dass sie mir vergeben ist. Denn sie ist groß. (Wörtl.) Die Last ist mir zu schwer, darum bitte ich dich: Nimm sie mir ab. Ihre Größe ist kein Hindernis für dich, denn du bist ein großer Gott. Siehe, wie unglücklich sie mich macht; darum erzeige mir eilend deine Gnade! Himmlischer Arzt, dein Kranker leidet schwer; darum heile du ihn. Einem großen Sünder zu vergeben, bringt dir großen Ruhm; um deines Namens willen also vergib mir . Beachte, wie dieser Vers die Logik des Glaubens ins Licht stellt, die der Logik derer, die auf Werke bauen, schnurstracks zuwiderläuft. Der Glaube sucht nichts Verdienstliches beim Geschöpf, sondern baut allein auf die Güte des Schöpfers; und statt durch die Größe der Sündenschuld zum Zweifel und zur Verzweiflung getrieben zu werden, schaut er auf das kostbare Sühnblut und wird in seinem Flehen um so brünstiger und kühner, je größer die Not ist.

Fußnoten
5. Obwohl wir dafür sind, "gerade" bezeichne hier Gott zunächst als den, der es treu meint mit den Menschen, liegen doch die Anwendungen Spurgeons dem Text nicht so fern, da ohne Zweifel die Erwähnung der Rechtschaffenheit Gottes zur sittlichen Bestimmung seiner vorher genannten Güte dient.

6. Ragged schools sind die bekannten Freischulen für die zerlumpte Straßenjugend Londons.

7. Das hebr. Wort faßt die Bedeutungen elend und demütig, auch sanftmütig in sich zusammen.
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Beitragvon Jörg » 08.10.2019 15:15

12. Wer ist der, der den Herrn fürchtet?
Er wird ihn unterweisen den besten Weg.
13. Seine Seele wird im Guten wohnen,
und sein Same wird das Land besitzen.
14. Das Geheimnis des Herrn ist unter denen, die ihn fürchten;
und seinen Bund lässt er sie wissen.
15. Meine Augen sehen stets zu dem Herrn;
denn er wird meinen Fuß aus dem Netze ziehen.

12. Wer ist der, der den Herrn fürchtet? Diese Frage muss zur Selbstprüfung treiben. Die Segnungen des Evangeliums sind nicht für jeden, der einen Anspruch darauf zu haben behauptet. Bist du königlichen Geschlechts oder nicht? Er wird ihn unterweisen den besten Weg, wörtlich: über den Weg, den er wählen soll . Wessen Herz richtig gestellt ist, der wird nicht irren, die Leitung von oben wird ihm nicht fehlen. Wem Gott das Herz geheiligt hat, dem erleuchtet er den Verstand. Wir alle wählen am liebsten selbst unseren Weg; aber welche Gnade ist’s, wenn der Herr unsere Wahl leitet und aus dem freien Willen einen guten Willen macht. Wenn Gottes Wille unser Wille wird, lässt Gott uns unsern Willen. Gott vergewaltigt unsern Willen nicht, er lässt uns in vielem freie Wahl. Er hat aber eine feine Weise, unsern Willen durch seinen Geist so zu beeinflussen, dass wir, frei und doch von ihm geleitet, wählen, was seinem Rat gefällt. Darin macht Gott sein Meisterstück in der Erziehungskunst. -- Der Wille soll dem Gesetz untertan sein; das ist der Weg, den er wählen soll. Aber so unwissend sind wir, dass wir unterwiesen werden müssen, und so eigensinnig sind wir, dass niemand als Gott selbst uns meistern kann.

13. Wer Gott fürchtet, hat nichts anderes zu fürchten. Seine Seele wird im Guten wohnen. Seine Herberge wird heißen: "Zum Glück". Inneres und äußeres Wohlergehen wird das Gepräge seines Lebens sein. Doch mussten schon die Gläubigen des alten Bundes durch die göttlichen Führungen lernen, dass das wahre Gut nicht in den Dingen dieser Erde zu finden ist und diese nur als Gottesgaben Wert haben. Man kann "im Guten übernachten" (buchstäbliche Übers.), auch wenn man wie Jakob dort nur einen Stein zum Kopfkissen hat, aber über einem sich der Himmel auftut. Ja, schon hier auf Erden weilt das Gotteskind im Glück, wenn es durch die Gnade beides gelernt hat, Überfluss zu haben und Mangel zu leiden (Phil. 4,12). Aber das Beste kommt noch, wenn wir unser irdisches Wanderzelt mit den ewigen Wohnungen droben vertauschen. Und sein Same wird das Land besitzen. Gott gedenkt an Isaak um Abrahams willen und an Jakob um Isaaks willen. Die Söhne frommer Eltern treten mit einem schönen Erbteil ins Leben hinaus; aber ach, mancher verwandelt den Segen in einen Fluch. Die Schuld liegt nicht an Gott, als ob er sein Wort bräche, wenn etliche die Erfüllung der Verheißungen an sich nicht erfahren, weil sie sich halsstarrig weigern, den ihnen zugedachten Segen anzunehmen. Schon im Alten Bunde waren nicht alle, die aus Abrahams Lenden hervorgegangen waren, der wahre Same Abrahams und Erben der Verheißung. Zudem leben wir jetzt in der Zeit, wo die Verheißung unseres Verses vornehmlich ihrem geistlichen Gehalt nach zu Recht besteht. Unser geistlicher Same ist der Erbe alles dessen, was hier unter dem Land oder Kanaan gemeint ist. Er empfängt den Segen des neuen Bundes. Möge der Herr uns viele geistliche Vaterfreuden erleben lassen! Um die Aussteuer unserer geistlichen Kinder brauchen wir uns keine Sorge zu machen; denn der Herr wird ihnen selbst ein königliches Erbteil geben in seinem Reich.

14. Das Geheimnis des Herrn ist unter denen, die ihn fürchten. Viele übersetzen hier statt Geheimnis: Die Freundschaft des Herrn wird denen ... Das hebräische Wort bezeichnet das vertraute Gespräch, dann den vertrauten Umgang überhaupt, die innige Gemeinschaft und Freundschaft. Da man aber eben im vertrauten Umgang die geheimen Falten des Herzens bloßlegt, liegt die Übersetzung Geheimnis nicht fern. Jedenfalls ist es um die Freundschaft, den trauten Verkehr mit dem Höchsten ein großes Geheimnis . Fleischlich gesinnte Menschen ahnen nicht, was darunter verstanden werden soll, und selbst der Gläubige kann es nicht mit Worten ausdrücken; denn es muss empfunden und erfahren sein, wenn es erkannt werden soll. Das Leben des Glaubens schwingt sich zu Höhen auf, zu denen sich kein Adler erheben kann, und führt in verborgenes Dickicht, in das kein Löwe zu dringen vermag. Weder die natürliche Weisheit noch die natürliche Kraft vermag die Tür dieser verborgenen Kammer zu entriegeln. Die geheiligten Seelen allein haben den Schlüssel zu der göttlichen Geheimschrift; sie allein vermögen die himmlischen Rätsel zu lösen. Sie sind eingeweiht in die Geheimnisse des oberen Heiligtums und hören da unaussprechliche Worte, die sie ihren Nächsten nicht wiederholen können. Und seinen Bund lässt er sie wissen. Das hohe Alter des Bundes, seine Sicherheit und Gerechtigkeit, sein Reichtum, seine Lieblichkeit und Vollkommenheit werden ihrem Herzen und Verstand aufgeschlossen und über das alles wird ihr eigener Anteil an diesem Bund ihren Seelen durch das Zeugnis des heiligen Geistes besiegelt. Es ist Gottes Wohlgefallen gewesen, seinen Liebesratschluss, den er im Bund der Gnade an seinem Volke verwirklicht hat, in dem heiligen Buch der göttlichen Offenbarung den Gläubigen kundzutun und durch seinen Geist leitet er uns in diese Geheimnisse hinein, auch in das tiefe Geheimnis der Erlösung. Wer den Sinn dieses Verses nicht aus eigener, seliger Erfahrung versteht, wird ihn durch keine Auslegung begreifen lernen; er schaue aufs Kreuz: dort liegt das Geheimnis und seine Lösung.

15. Meine Augen sehen stets zu dem Herrn. Voll Hoffnung und Vertrauen hält David seine Augen unablässig auf seinen treuen Bundesgott gerichtet. Wir können zu diesem Blick des Glaubens und der Hoffnung den ergebenen Blick des Gehorsams, den andächtigen Blick der Verehrung, den erstaunten Blick der Bewunderung, den sinnenden Blick der Betrachtung und den zärtlichen Blick der Liebe hinzufügen. Selig, wer seine Augen nie von Gott abwendet. Wohl sagt Salomo (Pred. 1,8): Das Auge sieht sich nimmer satt. Doch gilt dies nur vom Schauen auf die Kreatur; der Blick auf den Herrn dagegen füllt das Herz mit tief befriedigender Wonne. Denn Er wird meinen Fuß aus dem Netze ziehen. Beachten wir, in welch widerspruchsvolle Lage auch die begnadigte Seele kommen kann: Die Augen gen Himmel gerichtet und die Füße zeitweise im Netz. Der edlere Teil ihres Wesens verharrt in der Anschauung der göttlichen Herrlichkeit, während der niedere Teil ihrer Natur noch mit den Widerwärtigkeiten der Welt ringen muss. Das Netz wird sehr häufig in der Schrift als Bild der Versuchungen gebraucht. Der Herr behütet oft die Seinen, dass sie nicht in das Netz geraten; geschieht es aber doch, dass sie sich darin verstricken, so zieht er sie wieder heraus. Die englische Bibel hat hier: herausreißen. Das ist ein starkes Wort, und Gotteskinder, die in Sünde gefallen sind, erfahren, dass die Mittel zu ihrer Wiederaufrichtung nicht immer angenehm sind für das Fleisch. Der Herr fasst uns wohl etwas hart an und reißt uns mit derbem Griff aus der gefährlichen Verstrickung, damit wir merken, was für ein verzweifelter Schade die Sünde ist. Aber welche Gnade liegt darin! Lieber Christ, sei dafür dankbar! Der Herr wird uns von den listigen Anschlägen des grausamen Feindes erretten; und selbst wenn wir uns durch Schwachheit in Sünde verwickelt haben, wird er uns nicht dem Verderben überlassen, sondern mit fester Hand ans der Gefahr reißen. Ob unsre Füße auch schon im Netz wären, so wird doch, wenn unsre Augen zu Gott emporgerichtet sind, die Gnade gewiss zu unsrer Rettung ins Mittel treten.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

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Beitragvon Jörg » 13.10.2019 10:10

16. Wende dich zu mir, und sei mir gnädig;
denn ich bin einsam und elend.
17. Die Angst meines Herzens ist groß;
führe mich aus meinen Nöten!
18. Siehe an meinen Jammer und Elend,
und vergib mir alle meine Sünden!
19. Siehe, dass meiner Feinde so viel sind,
und hassen mich aus Frevel.
20. Bewahre meine Seele, und errette mich;
lass mich nicht zuschanden werden, denn ich traue auf dich.
21. Schlecht und recht, das behüte mich;
denn ich harre dein.
22. Gott, erlöse Israel
aus aller seiner Not!

16. Seine Augen waren auf Gott gerichtet, das wusste David; dennoch fürchtet er, der Herr möchte im Zorn sein Angesicht von ihm abgewandt haben. Der Unglaube flüstert uns manchmal ein, Gott habe uns den Rücken gekehrt. Aber wenn wir zu Gott gekehrt sind, brauchen wir nicht zu fürchten, er werde sich von uns abkehren; jedenfalls dürfen wir unerschrocken rufen: Wende dich zu mir . Wenn der Friede gestört ist, liegt die Ursache immer in uns selbst und wenn dies Hemmnis hinweggeschafft ist, kann nichts mehr unsre selige Gemeinschaft mit Gott hindern. Und sei mir gnädig. Auch die Heiligen müssen ihren Stand stets auf dem Boden der Gnade nehmen; sie kommen trotz all ihrer gereiften Erfahrung nicht über das Zöllnergebet hinaus: Sei mir gnädig. Denn ich bin einsam und elend. David fühlte sich verlassen und von Traurigkeit niedergebeugt. Jesus war in den Tagen seines Fleisches genau in derselben Lage. Keiner, auch von seinen vertrautesten Jüngern, konnte mit ihm in die verborgenen Tiefen seiner Schmerzen hinabsteigen. Er musste die Kelter allein treten (Jes. 63,3). Gerade deshalb aber ist er wie kein anderer befähigt, die zu verstehen und denen trostreich beizustehen, die auch auf einsamem Pfade wandeln müssen.

17. Die Angst meines Herzens ist groß, oder: Die Ängste meines Herzens haben sich ausgebreitet. 8 Wenn die Angst das ganze Herz bis in alle seine Winkel und Falten durchdringt, dann ist tatsächlich die Not groß . In dem vor uns liegenden Falle war das Herz vom Kummer angeschwollen wie ein See, der von großen Wasserfluten bis über seine Ufer angefüllt ist. Diese Größe der Not aber benutzt David rasch wieder in seinem Flehen als einen Beweggrund zur Errettung; und er ist der Kräftigsten einer. Wenn die dunkelste Stunde der Nacht da ist, dürfen wir der Dämmerung entgegensehen; wenn die See ihren tiefsten Stand erreicht hat, können wir mit Sicherheit auf ihr Steigen rechnen; und wenn unsere Leiden den höchsten Grad erreicht haben, dann dürfen wir hoffnungsfreudig beten: Führe mich aus meinen Nöten!

18. Siehe an meinen Jammer und Elend. Man bemerke, welch mannigfaltige Prüfungen über die Heiligen kommen. Wir haben hier nicht weniger als sechs Ausdrücke für ihre Leiden: einsam und elend, Angst und Nöte, Jammer und Elend . Aber man achte noch mehr auf die demütige und gläubige Gesinnung des wahren Gotteskindes, die uns hier entgegentritt. Sein ganzes Begehren ist: "Herr, siehe darein!" Er fordert nicht, auch beschwert er sich nicht. Wenn Gott ihm nur einen Blick zuwirft, will er zufrieden sein. Ist ihm das gewährt, so hat er nichts mehr zu bitten; denn er weiß, dass sein Elend und Leid Gott zum Eingreifen bewegen wird, und das Wie der Hilfe überlässt er getrost Ihm. Noch bemerkenswerter ist, wie schnell und sicher der Gläubige in der Trübsal die wahre Quelle alles Unheils entdeckt und die Axt an die Wurzel des Übels legt. Vergib mir alle meine Sünden, das ist der Notschrei einer Seele, die schwerer unter der Last ihrer Sünden als der Last ihrer Schmerzen leidet und die Vergebung dringender begehrt als die Befreiung aus der Not. Gesegnet ist der Mann, dem die Schuld unerträglicher ist als alles Unglück. Es wird nicht lange anstehen, bis der Herr ihm beides schenkt: Vergebung der Sünden und Heilung seiner Gebrechen (Ps. 103,3). Sonst sind die Menschen überaus schwerfällig, den engen Zusammenhang zwischen Sünde und Übel zu erkennen. Ein in der Gnade geschultes Herz allein merkt ihn.

19. Siehe an meine Feinde. (Wörtlicher.) Beobachte sie, siehe, wie mächtig sie sind, tue ihrem Wüten Einhalt, ja vertilge sie. Doch ist es, wie Delitzsch bemerkt, für das neutestamentliche Bewußtsein wohltuend, dass nicht ausdrücklich Gottes Rache über die Feinde herabgerufen wird. Daß ihrer so viel sind. Es bedarf der Scharfsicht eines Argus (des Hundertäugigen), sie zu bewachen, und der Kraft eines Herkules, sich mit ihnen zu messen; aber dem Herrn ist es ein Geringes, sie in die Flucht zu schlagen. Die Teufel der Hölle und die Gottesfeinde der Erde, sie alle sind ohnmächtig, wenn der Herr nur seinen Arm entblößt. Sie hassen mich aus Frevel. Haß ist der Atem der Schlangenbrut. Ihrem Erzeuger (Joh. 8,44) war der Hass das Element seines Lebens, und sie müssen es ihm notwendig gleichtun. Kein Haß ist so grausam, als der unvernünftige und grundlose. Ein Mensch mag dem, der ihm unrecht getan hat, vergeben; aber unversöhnlich haßt er den, dem er selber ein Unrecht zugefügt hat. Siehe, ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe: dies Wort unseres Meisters gilt uns immer noch.

20. Bewahre meine Seele vor dem Bösen und errette mich , wenn ich darein gefallen bin. Das ist in etwas anderer Form die Bitte des Vaterunsers: Führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Lass mich nicht zuschanden werden. Das ist die einzig Furcht, die wie ein Angsttraum das Gemüt des Psalmsängers bedrückt. Er zittert davor, dass er mit seinem Glauben durch die übergroße Trübsal, in der er sich befindet, ein Gegenstand des Spottes werden könnte. Edle Seelen können alles ertragen, nur nicht die Schande. David war ein so ritterlicher Geist, dass er eher alle Folterqualen erlitten hätte, als einen Abbruch an seiner Ehre. Denn ich traue auf dich. Der Name Gottes würde bloßgestellt, wenn der Herr solche, die ihm dienen, in Schmach und Schande versinken lassen würde. Das aber ist für ein gläubiges Herz ein unerträglicher Gedanke.

21. Schlecht und recht, das behüte mich, mit andern Worten: Unschuld und Redlichkeit mögen mich behüten . Kann man besseres, sichereres Geleit begehren? Wenn wir unter diesen Führern nicht "unser Glück machen", dann ist es besser, wir bleiben in Not und Ungemach, als dass wir ohne ihre Hut zu Reichtum und Ehren kommen. Gesteht doch selbst die ungöttliche Welt: Ehrlich währt am längsten. Der Erbe des Himmels aber versichert sich noch eines andern Schutzes, als den die Unsträflichkeit seines Wandels ihm gewährt; er wirbt im stillen Kämmerlein um den Beistand des himmlischen Schutzpatrons: Denn ich harre dein. Vorgeben, man harre auf Gott, während man ein unheiliges Leben führt, ist elende Heuchelei; und auf die eigene Gerechtigkeit zu vertrauen, ohne den Blick gläubig auf Gott gerichtet zu haben, ist im tiefsten Grunde nichts anderes als vermessene Gottesleugnung. Wie weit der Psalmsänger von solcher Selbstüberschätzung entfernt ist, zeigt gerade seine an Gott gerichtete Bitte, dass Frömmigkeit und Redlichkeit ihn als Hüterinnen auf seinem gefahrvollen Lebenswege geleiten mögen.

22. Gott, erlöse Israel aus aller seiner Not! Das ist eine umfassende Bitte; sie schließt alle Gläubigen und alle ihre Anfechtungen ein. Eignes Leid hatte den Psalmisten Mitleid gelehrt und ihn in die Gemeinschaft der geprüften Gotteskinder geführt; darum gedenkt er auch ihrer in seinen Gebeten. Israel, der vielgeprüfte, mit Gott und Menschen ringende, aber in allem siegreich seiende Held ist der Vorgänger aller wahren Heiligen. Das Volk Israel in Ägypten, in der Wüste, im Krieg mit den Kanaanitern und in der Gefangenschaft ist ein treffendes Bild der streitenden Kirche auf Erden. Jesus ist’s, der uns erlöst, sowohl vom Übel als auch von der Sünde; er ist ein vollkommener Heiland und wird alle die Seinen von allem Übel, von allen ihren Drangsalen (wörtl.) erlösen. Die Erlösung durch das Blut ist vollbracht; o Gott, lass uns bald die volle Offenbarung deiner errettenden Macht erfahren. Amen, Amen!

Fußnote
8. Die Übersetzung Luthers und die der engl. Bibel sind kaum haltbar, da das hiph. von bxr sich
im intrans. Sinn (sich ausbreiten) nicht belegen lässt. Diemeisten Ausleger lesen byxir:ha und nehmen das W an den Anfang der zweiten Verszeile: Die Beengungen meines Herzens mache weit und aus meinen Bedrängnissen führe mich heraus. -- Bäthgen dagegen will (Hohel. 6,5) lesen: Ängste bestürmen mein Herz ...
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps25

Beitragvon Jörg » 15.10.2019 14:53

Erläuterungen und Kernworte

Zum ganzen Psalm. In der Reihe unserer Psalmen ist dieser der erste unter sieben, die im Hebräischen eine entschiedene alphabetische Anordnung haben (so Ps. 34; 37; 111; 112; 119; 145; ferner Spr. 31 und die Klagelieder des Jeremia bis auf das letzte Kapitel), während Spuren einer solchen Anlage sich bereits in Ps. 9; 10 finden. Diese besteht darin, dass entweder die einzelnen Verse oder die aus mehreren Versen bestehenden Strophen der Reihe nach mit den Buchstaben des hebräischen Alphabets anfangen. Der Zweck dieser Einteilung ist ohne Zweifel, die Rede zu binden, ihr eine künstliche Form zu geben (wie wir dies durch Reim und Versmaß tun) und damit zugleich dem Gedächtnis eine Hilfe zu gewähren und eine Reihe von Sprüchen innerhalb eines gewissen Kreises zu ordnen und zu schließen. Da der letzte Zweck besonders außerhalb der eigentlich dichterischen Erzeugung liegt, so haben auch alle diese alphabetischen Psalmen miteinander gemein, dass sie nicht aus einem Guss eine Anschauung oder den Verlauf eines inneren Vorgangs darstellen, sondern bloß eine Anzahl gleichartiger Sprüche miteinander verbinden. Es ist dies der Anfang jener Spruchdichtung, welche Salomo nachher in anderer Art fortsetzte, einer Weise, die also innerhalb der älteren Psalmenform entstand und sich nachher selbstständig entwickelte. Hier in den Psalmen stehen jedoch die einzelnen Sprüche immer in einer gewissen Verbindung, es geht ein Gedanke aus dem andern hervor und das Ganze ist nicht ohne eine gewisse Abrundung. Bis in die späteren Zeiten behielt das Morgenland eine Vorliebe für solche Perlenschnüre, die sehr geeignet sind, dem Einzelnen zu rechter Stunde ein sinnvolles und gewichtvolles Wort in Herz und Mund zu geben. Prof. D. Otto von Gerlach 1849.

Die alphabetische Form ist nicht mehr ganz erhalten. Im 2. Verse tritt das B erst beim zweiten Wort ein. Das "mein Gott" ist vielleicht noch zum ersten Vers zu ziehen. J fehlt, wie in Psalm 34. Für fehlendes q ist R doppelt vorhanden. Am Ende steht, wie in Ps. 34, ein überzähliger Schlussvers, vielleicht ein liturgischer Zusatz aus späterer Zeit. -- J. M.

Der Psalm ist von der Art, dass er auf etliche Verse seines Gebets immer etliche Verse der erhaltenen innerlichen allgemeinen Versicherung der Gnade, wie V. 8.9.10, anführt, da David gerne eine ganz eigene Versicherung außer der allgemeinen gehabt hätte, bis er sich endlich V. 11-13 mit dem Allgemeinen begnügt. F. C. Oetinger 1775.

V. 1. Zu dir, o Herr, will ich meine Seele erheben: auf dich will ich meinen Seelenhunger richten (5. Mose 24,15), nach dir will ich mein Verlangen (Jer. 22, 27) und in dir mein Ergötzen haben (Hes. 24,25). F. C. Oetinger 1775.

Nach dem Bischof Cyprian († 258) von Karthago war es in den ersten Zeiten Sitte, dass der Vorsteher die Gemeinde zur Vorbereitung auf das Gebet mahnte, indem er die Worte vorausschickte: Sursum corda! Erhebet eure Herzen! Noch in unsern Tagen schreiben die Juden auf die Wände ihrer Synagogen die Worte: hm#n)lb Pwgk hnwkn)lb hlpt , d. h.: Ein Gebet ohne Ernst ist wie ein Körper ohne Seele. Und doch ist tatsächlich ihre Anbetung rein äußerlich, ein gedankenloses Hersagen auswendig gelernter Gebete, wie der Herr schon durch Jesaja (Kap. 29,13) klagt. Ein fleischlich gesinnter Mensch kann so wenig sein Herz im Gebet erheben , als ein Maulwurf fliegen. Selbst einem David wurde es bisweilen nicht leicht, denn auch des Besten Herz ist schwerfällig und neigt zur Erde wie das Gewicht an der Uhr. Darum lasst uns ablegen alles, was uns beschwert, und die Sünde, die uns immerdar anklebt (Hebr. 12,1), und lasst uns Gott bitten, dass er uns zu sich emporziehe, wie der Magnet das Eisen. John Trapp † 1669.

V. 3. Zuschanden müssen sie werden, die ohne Ursache die Treue brechen. (Grundt.) So geschah es: Ahitophel erhängte sich (2. Samuel 17,23); Absalom wurde von Gottes Hand an den Baum geknüpft und Joab gab ihm den Todesstoß (2. Samuel 18,9.14); die sich mit ihm verbündet hatten, kamen teils durch das Schwert um, teils flohen sie voller Scham über den elenden Ausgang ihres sündigen Vorhabens. O der Macht des Gebets! Was gibt es, das die Heiligen nicht durchs Gebet erlangen könnten? John Trapp † 1669.

V. 4. Herr, zeige mir deine Wege usw. Es gilt wohl zu unterscheiden die Wege der Menschen und die Wege Gottes; die Pfade der Sünde und die Pfade der Gerechtigkeit; deine Steige und meine Steige; deine Wege der Wahrheit, meine des Irrtums; deine, die deinen Augen, meine, die meinen Augen gut scheinen; deine, die gen Himmel führen, meine, die in der Hölle endigen. Darum zeige mir, Herr, deine Wege, ich möchte sonst meine Wege für die deinen halten; ja, leite du mich in deiner Wahrheit, damit ich nicht von deinen Wegen abkomme und auf meine eigenen gerate. Zeige mir deine Wege durch dein Wort; lehre mich deine Steige durch deinen heiligen Geist; leite mich in deiner Wahrheit durch deinen gnädigen Beistand. Robert Mossom 1657.

V. 4-7. trägt er seine zwei Hauptbitten vor: dass Gott ihn lehren möchte seine Wege und seine Wahrheit erkennen und dass er sich seiner erbarmen und ihn bei gnädiger Vergebung der Sünden erhalten möchte. Aber wie bedächtlich bittet er auch noch zuvor um die Unterweisung in den Wegen Gottes! Mancher dringt immer auf die Vergebung seiner Sünden und auf die Versicherung davon, lässt sich aber Gottes Geist und Wort nicht genugsam in die Wahrheit Gottes hineinleiten und bleibt bei seinem Unverstand in Gottes Wegen auch im friedsamen Genuss der Vergebungsgnade zurück. K. H. Rieger † 1791.

V. 4.5.8.9. Handle nach dem, was du als Wahrheit erkennst, so wird Gott dir mehr Licht geben. Tu heute, was sich heute als deine Pflicht erweist, so wird Gott dir deine künftigen Pflichten klar machen, wenn für sie das Heute kommt. Lass es dein ernstes Anliegen sein, bewusste Unterlassungssünden zu meiden, so wird Gott dich vor den Begehungssünden, in die du zu fallen fürchtest, bewahren. Diese Regel ist von großer Bedeutung. Sieh, wie ernst David begehrte, in Gottes Wegen zu wandeln, und wie er darum so nachdrücklich um Gottes Unterweisung und Leitung flehte! Zeige mir deine Wege, die so wenige kennen; lehre mich deine Steige, damit ich nicht dem Trug verfalle; leite mich in deiner Wahrheit , damit ich deinen Willen nicht nur wisse, sondern auch tue. Das ist sein Flehen; aber welchen Grund hat er, Erhörung zu erwarten? Denn Du bist der Gott meines Heils; dein Liebeswille geht ja auf mein Heil, darum kannst du dich ja nicht weigern, mich zu unterweisen. Und die Antwort ist in V. 8. 9 enthalten: Die Demütigen, die ihren Nacken unter sein Joch beugen, die nicht von dem Wahn befangen sind, als könnten sie sich selber führen, die leitet er in dem, was recht ist und lehret sie seinen Weg. D. Samuel Annesley † 1696.

V. 5. tme)E ist, wie das folgende "und lehre mich" zeigt, hier nicht die Treue Gottes, sondern die Wahrheit, welche in seinem Gesetz zutage liegt, vergl. Ps. 119,35; 19,8.10. Prof. D. F. Bäthgen 1904.

Den ganzen Tag (wörtlich) harre ich dein. Wir müssen unseres Gottes harren den ganzen Tag, mag der Tag uns auch gar lang werden, weil wir ganz gegen unsere Erwartungen und Berechnungen eine Stunde um die andere aufs Warten gewiesen werden. Harren müssen wir, ob es auch ein dunkler Tag ist und wir weder, was Gott tut, noch was wir tun sollen, verstehen. Harren sollen wir unseres Gottes, ob es auch ein stürmischer Tag ist an dem der Wind unser Schiff zurücktreibt oder wild umherwirft und jeden Augenblick der Untergang droht. Dennoch sollen wir voll guter Zuversicht sein, auf Gottes Hilfe warten und durch Geduld alle Schwierigkeiten besiegen. Christus ist im Schiff; warum so furchtsam? Gottes harren heißt auf ihn schauen, wie der Bettler auf seinen Wohltäter blickt mit dem ernstlichen Verlangen, eine Gabe von ihm zu empfangen. Gottes harren heißt nach ihm begehren, wie der Bräutigam nach der Braut. Nach ihr verlangt ihn von ganzer Seele; aber nach ihr allein. Hat er sie, so hat er sein Alles. Gottes harren heißt ferner in Abhängigkeit von Gott leben, wie das Kind sich in allem vom Vater abhängig weiß. Ihm vertraut es, auf ihn wirft es seine Sorgen. Schließlich heißt Gottes harren: leben in Unterwürfigkeit des Willens, leben zu seinem Dienst, wie der Knecht auf seinen Herrn wartet, allezeit bereit, seine Befehle auszuführen, sein Werk zu tun und in allem seine Ehre und seinen Nutzen zu befördern. Gottes harren heißt, sich völlig und ohne irgendwelchen Vorbehalt seinen weisen und heiligen Führungen und Verfügungen überlassen und freudig in sie einwilligen. Der Knecht erwählt nicht seinen eignen Weg, sondern folgt seinem Herrn auf Schritt und Tritt. So sollen wir uns Gott zur Verfügung stellen als solche, die keinen eignen Willen haben, sondern ihren Willen in dem seinen aufgehen lasen und darum nur eine Sorge haben, nämlich, wie sie ihm gefallen mögen. Matthew Henry † 1714.

Dein harre ich, dessen milde Hand, ja dessen liebevolles und erbarmungsreiches Herz für jeden Demütigen weit geöffnet ist. Dein harre ich, um die sanfte Stimme deines Geistes zu vernehmen, die meinem Gewissen Frieden zuspricht; harre ich, um die belebende Kraft deiner Gnade zu verspüren, die meinen Gehorsam anregt; harre ich, um die siegreiche Macht deines Geistes zu erfahren, die meine empörerische Natur bezwingt; harre ich, um die erquickende Kraft deiner Tröstungen zu genießen, die meine schmachtende Seele erfrischen. Um aller dieser Segnungen willen harre ich dein den ganzen Tag, du Gott meines Heils; den ganzen Tag , denn all die Güte, die du mir erzeigst, lässt mich nur desto sehnsüchtiger nach der ganzen Fülle deiner Segnungen ausschauen. Darum belebe du nur immer mehr mein Verlangen, lass es nicht gedämpft werden. Je freigebiger du bist, desto kühner lass mich werden; je köstlicher deine Gnade mir wird, desto sehnsüchtiger lass mein Verlangen werden, dass mein ganzes Leben ans Erden ein beständiges Sehnen nach der ewigen Gemeinschaft mit dir im Himmel werde. So lass mich dein harren mein Leben lang. Robert Mossom 1657.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

Jörg
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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps25

Beitragvon Jörg » 19.10.2019 13:12

Erläuterungen und Kernworte

V. 6. Deine Barmherzigkeiten. (Grundt. Mehrzahl.) O wie ruft da eine Tiefe der andern! Der unermessliche Abgrund meines Elends ruft, ruft laut dem unermesslichen Abgrund deiner Barmherzigkeit; deiner Barmherzigkeit, die meine Sünde vergibt und meine Gebrechen heilet; deiner Barmherzigkeit, in der du mich heiligst durch die Kraft deiner Gnade und mich tröstest durch deinen Geist; deiner Barmherzigkeit, durch die du mich von der Hölle errettest und zum Himmelserben machst. Gedenke, Herr, an diese deine mannigfaltige Barmherzigkeit, die sich von alters her an denen erwiesen hat, die auf dich harren. Robert Mossom 1657.

Deine Barmherzigkeit und deine Güte, die von der Urzeit oder von Ewigkeit her gewesen ist. Möge das in die graue Vorzeit, ja in die Ewigkeit zurückreichende Alter der göttlichen Liebe unsre Herzen dazu leiten, sie recht zu schätzen. Welchen Wert legen viele auf Altertümer, wenn sie auch nur aus ganz geringem Stoff gefertigt sind und an sich wenig Nutzen und Wert haben! Und alte Rechte und Gnadenbriefe, wie sorgsam hüten doch die Menschen sie; und doch handelt es sich dabei nur um zeitliche Vorteile und manchmal um solche von ganz geringfügiger Bedeutung. Wie sollten wir denn den großen himmlischen Gnadenbrief, der so viel älter ist als die ganze Welt, in beständiger Erinnerung haben, und wie sollte jeder Gedanke daran uns köstlich sein! Beim Aufstehen und beim Niederlegen und den ganzen Tag hindurch sollte uns der Gedanke an diese Liebe Gottes zu uns begleiten. Was aus der Ewigkeit stammt, das währt auch in Ewigkeit; ist die Wurzel ewig, so sind es auch die Zweige. Die göttliche Liebe ist eine immer fließende Quelle, die nie versiegt, solange noch ein Gefäß leer ist oder noch mehr zu fassen vermag. Und dieser Born steht allen offen, die nur zu ihm nahen. Darum komm und schöpfe! Und hast du selbst nicht Gefäße genug, so geh und leihe dir welche, leere Gefäße, und nicht wenige: "bezahle deine Schulden damit und nähre dich vom Übrigen" (2.Kön. 4,7) -- es wird für die Ewigkeit reichen! Elisha Coles 1678.

V. 7. Gedenke nicht der Sünden meiner Jugend und meiner Übertretungen. David ist dessen eingedenk, dass er nicht etwa erst kürzlich zu sündigen begonnen hat, sondern schon von langer Zeit her Sünde auf Sünde gehäuft hat; darum beugt er sich, wenn wir so sagen dürfen, unter die angehäufte Schuld. Sodann deutet er an, dass, wenn Gott mit ihm nach der Strenge des Gesetzes verfahren wollte, nicht nur die Sünden von gestern, oder von etlichen Tagen her, vor Gericht kommen würden, sondern dass dann alles, worin er sich sogar von seiner früheren Jugend an wider Gott vergangen hat, ihm mit Fug und Recht zur Last gelegt werden würde. Sooft Gott uns daher durch seine Züchtigungen und die Zeichen seines Zornes schreckt, lasst uns nicht nur die Sünden uns in Erinnerung rufen, welche wir kürzlich begangen haben, sondern auch diejenigen vergangener Zeiten; denn sie bieten uns in der Tat Grund zu erneuter Scham und erneuter Reue. Jean Calvin † 1564.

Gedenke nicht der Sünden meiner Jugend. Das mag uns in Davids Mund ein überflüssiges Gebet scheinen; dürfen und müssen wir doch annehmen, dass David längst schon für die Sünden seines jugendlichen Alters Vergebung gesucht, dass ferner Gott sie ihm auf sein Bitten gewährt und gewiss nie widerrufen habe. Welche Veranlassung lag denn nun für David vor, diese Bitte um Vergebung für solch veralteter Sünden, die er vor langer Zeit begangen, aber auch Gott ihm längst schon vergeben hatte, wieder hervorzuziehen? Wir entgegnen auf diesen Einwurf erstens: Obwohl David ohne Zweifel schon längst wahre Reue über seine Jugendsünden an den Tag gelegt hatte, so empfand er doch, dass, wenn Gott ihn aufs Genaueste durchforsche, er auch mit seiner Reue nicht vor Gott bestehen könne. Zweitens hatte der Herr, obwohl er seine Sünde vergeben hatte, dem David doch die zeitliche Trübsal nicht erlassen, und diese mag, als David den Psalm dichtete, schwer auf ihm gelastet und das Bewusstsein seiner Schuld besonders lebhaft in ihm wachgerufen haben. Drittens ist Gottes Vergebung für vergangene Sünden stets gebunden an das fernere Wohlverhalten dessen, dem Gnade widerfahren ist. Hält er diese Bedingung nicht, so verdient er nach strengem Recht, dass ihm die empfangene Vergebung entzogen werde. Und wenn wir auch zugeben, dass David der Vergebung seiner Sünden gewiss gewesen sei, so steht es den Knechten Gottes doch wohl an, um die Segnungen zu bitten, deren Besitzes sie sich erfreuen, -- nicht um zu erlangen, was sie schon haben, denn das wäre ein müßiges Bitten, sondern um es zu bewahren. An solchem Flehen seiner Kinder hat Gott ein Wohlgefallen. D. Thomas Fuller † 1661.

Es ist ein böses Ding, mit dem "Alten der Tage" unausgeglichene Rechnung zu haben! John Trapp † 1669.

Wenn wir prüfend durchgehen, was uns etwa von Davids Jugendzeit bekannt ist, scheint es dann nicht (so mögen einige sagen) sehr unwahrscheinlich, dass David überhaupt Sünden der Jugend zu bekennen gehabt habe? Wir lesen nichts davon, dass er seine Kindheit etwa in Üppigkeit und Reichtum zugebracht habe. Ferner machen uns die Züge, welche die Bibel aus seiner Jugendgeschichte berichtet, nicht den Eindruck, dass er der verzogene Liebling seines Vaters gewesen sei; es scheint eher das Gegenteil der Fall gewesen zu sein, obwohl er der Jüngste in seines Vaters Haus war. Sodann war David von seiner frühesten Jugend an fromm. Vergl. Ps. 71,5-17; 22,10 f. und andere Stellen. Und aus dem frommen Kinde wurde ein Jüngling, der sich als Held des Glaubens zeigte, und aus dem glaubensstarken Jüngling der Mann nach dem Herzen Gottes. Er machte das böse Sprichwort zuschanden: In der Jugend ein Engel, im Alter ein Teufel. Und wohl zu beachten ist: David war schon von frühe an fast unaufhörlich im läuternden Tiegel der Trübsal. Wie konnte denn das Wasser trüb werden, das täglich geklärt wurde, wie der Stahl rostig werden, der täglich gewetzt wurde? Wie konnte Davids Seele in der Jugend schon unrein werden, da sie beständig durch Leiden gereinigt wurde? Die Antwort ist sehr einfach für den, der das Menschenherz, der sein eignes Herz kennt. David erkannte gar wohl, dass er in Sünden empfangen und geboren sei und sein Herz von Natur voll Verderbens sei. Denkt nicht, ich wolle den Versuch machen, euch zu sagen, an was für besondere Sünden David bei der Bitte unsres Verses gedacht habe. Sagt er doch selber im 19. Psalm: "Wer kann merken, wie oft er fehlet? Verzeihe mir, Herr, die verborgnen Fehle!" Wenn Davids Jugend aber trotz all dem vorhin Genannten mit Sünden allerart befleckt war, was sollen wir dann von solchen sagen, die in Reichtum, Genusssucht und Gottlosigkeit erzogen sind? D. Thomas Fuller † 1661.

V. 8. Der Herr ist gut und fromm: Darum unterweiset er die Sünder auf dem Wege. Wie die Erwählung ein Ausfluss der unumschränkten göttlichen Freiheit, die Vergebung unsrer Sünden die Frucht seiner Barmherzigkeit, unsere Erkenntnis ein Bächlein aus dem unerschöpflichen Quell seiner Weisheit und unsere Kraft eine Wirkung seiner mächtigen Stärke ist, so ist unsere Reinheit ein Abglanz seiner Heiligkeit. Wie die Unschuld der Geschöpfe bei der ersten Schöpfung eine Wirkung der Heiligkeit Gottes war, so ist auch die Reinheit, die uns durch die geistliche Neuschöpfung zuteil wird, ein Ausfluss derselben göttlichen Vollkommenheit. Stephen Charnock † 1680.

V. 9. Die Demütigen leitet er im Recht und lehret die Demütigen seinen Weg. Die Willigkeit, sich leiten und lehren zu lassen, findet sich bei keinem Menschen, bis das von Natur so stolze und aufgeblähte Herz gedemütigt ist und sich zum Gehorsam ergeben hat. Darum ist es Gottes Weise, dass er erst die Menschen beugt und demütigt und dann ihnen seine Hand reicht, um sie durchs Leben zu leiten. Jean Calvin † 1564.

Die Demütigen lehrt der Herr seine Geheimnisse (V. 14), nicht die stolzen Geister, die sich in ihrer Gelehrsamkeit beschauen. Thomas Goodwin † 1679.

Die Demütigen, das sind solche, die sich zu seinen Füßen setzen und sprechen: Rede, Herr, denn dein Knecht höret (1. Samuel 3,9); solche, deren Herz geschmeidig und empfänglich ist. Ein solcher war z. B. William Austin [ein Zeitgenosse John Trapps ], der sagte: Ich bin ein alter Mann; aber ich bin bereit, von einem jungen zu lernen, von meinem Gehilfen im Amt, der noch kaum ein Jahr im Dienst steht. John Trapp † 1669.

V. 10. Die Wege des Herrn. Das hebräische Wort bezeichnet die Spuren oder Gleise, welche die Wanderer oder die Wagen dadurch, dass sie immer wieder über dieselbe Stelle gehen, hervorbringen. Gnade und Wahrheit sind die Pfade, worin Gott in Bezug auf sein Walten mit den Menschenkindern beständig wandelt; und so häufig bezeugt er ihnen seine Gnade und erfüllt er seine Wahrheit, dass seine Pfade leicht erkennbar sind. Wie tief haben sich doch diese göttlichen Spuren in die Geschichte jeder Familie und jedes einzelnen eingeprägt! Wo immer wir unsern Fuß hinsetzen, da sehen wir: Die göttliche Gnade und Wahrheit sind da gewesen; wir sehen es an den tiefen Spuren, die sie zurückgelassen haben. Bezeugt sich aber Gott so als der Gnädige und Wahrhaftige an allen Menschen, so in besonderer Weise an denen, die seinen Bund und Zeugnisse halten , d. h. an denen, die sich seiner Offenbarung nicht nur dem Buchstaben nach unterwerfen, sondern in den Geist derselben eindringen. Adam Clarke † 1832.

Wie Gott seinem Wesen nach die Liebe und die Wahrheit ist, so sind auch alle seine Wege mit den Menschenkindern nichts als Gnade und Treue: Gnade, indem sie allesamt auf unser Bestes zielen, und Wahrheit oder Treue , indem sie seine Verheißungen zur Erfüllung bringen und seine Treue gegen uns ins Licht stellen. Was immer darum Gott dir senden mag, und wenn es auch deinen Erwartungen schnurstracks zuwiderläuft, lege du es als Liebe aus! A bono Deo nil nisi bonum: Von dem guten Gott kommt nichts als Gutes. Versuche es, ob du in dem rätselhaften Walten Gottes mit dir nicht schon in der Gegenwart irgendeinen auf dein Bestes gerichteten Zweck erspähen kannst; und wenn dir das nicht gelingen will, dann lass den Glauben sein Werk tun und harre: dein Gott wird’s herrlich hinausführen. Thomas Goodwin † 1679.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps25

Beitragvon Jörg » 22.10.2019 15:49

Erläuterungen und Kernworte

V. 11. Um deines Namens willen, Herr, sei gnädig meiner Missetat, denn sie ist groß. Ja, mein Gott, ich bekenne es: Wir alle sind sündig im höchsten Maße. Aber es liegt mir so fern, darin einen Grund zum Unterlassen meines Flehens zu sehen, dass ich darin vielmehr einen neuen, und zwar einen überwältigenden Grund sehe, der deine Güte zu uns herabziehen wird. Alles, was ich vorhin gesagt habe, ist auf nichts anderes gegründet als auf die Herrlichkeit und Ehre deines hochheiligen Namens. Um deines Namens willen. Und welchen Beweggrund zum Helfen könnte ich vorführen, der diesen deinen Namen mehr verherrlichen würde, als dass unsere Sünden zahlreich und schwer sind? Um deines Namens willen, Herr, sei gnädig meiner Missetat, denn sie ist groß. Ich bitte dich nicht, sagt David, Sünden alltäglicher Art zu vergeben, sondern viele Sünden, große Sünden. (Das Wort des Grundtextes bedeutet beides: viel und groß .) Wahrlich, das ist ein Beweggrund, der des Herzens Gottes würdig ist! Erhabene Schlussfolgerung, die nur Kraft haben kann, wenn sie sich auf die höchste Güte stützt! Der Sünder führt, um Vergebung seiner Sünden zu erlangen, Gott vor, wie groß und zahlreich seine Missetaten seien! Ja, so ist’s; und das nicht aus Liebe zum Sünder, noch aus Liebe zur Sünde, sondern aus Liebe zu Gottes Ehre und Herrlichkeit; welche Herrlichkeit sich desto größer und ruhmvoller erweist, je schwerer und zahlreicher die Sünden sind, welche sie vergibt. Und da die Größe der göttlichen Barmherzigkeit unermesslich und die Mannigfaltigkeit seiner Gnade unendlich ist und das Unermeßliche nicht gemessen und das Unendliche nicht gezählt werden kann, ist es in gewissem Sinne gerade für die Erweisung der Größe der göttlichen Barmherzigkeit und die Mannigfaltigkeit der göttlichen Gnade, damit beide einen angemessenen Gegenstand der Verherrlichung haben, nötig, dass die zu vergebenden Sünden groß und zahlreich seien. 9 Denn sie ist groß. So habe ich denn guten Grund, o Herr, dadurch, dass unsre Sünden groß und zahlreich sind, mich nicht entmutigen zu lassen. Grund habe ich auch, dich zu fragen, warum du nicht eilst, sie zu vergeben.-- Aus einer Fastenpredigt, gehalten zur Zeit, als den portugiesischen Besitzungen in Brasilien Verwüstung durch die Holländer drohte, von Antonio de Vieyra † 1697.

NO(f ist die Sünde als in Verschuldung setzender Zustand. Das folgende Denn begründet nicht, dass Jahve die Schuld vergibt, sondern dass er sie um seines Namens willen vergibt. Bei der Größe der Schuld hat er für die Vergebung nur ein einziges, in seinem Wesen selbst liegendes Motiv. Lic. H. Keßler 1899.

Für das Wort Name können wir an vielen Stellen Ehre oder Herrlichkeit setzen. Wenn Gott zu David sagt: "Ich habe dir einen großen Namen gemacht, wie der Name der Großen auf Erden" (2. Samuel 7,9), oder wenn die Gemeinde zu Gott sagt: "Du hast dir einen Namen gemacht, wie er jetzt ist" (Neh. 9,10), so ist es klar, dass mit dem Namen die Ehre gemeint ist. Dazu passt, dass im Hebräischen berühmte Männer "Männer von Namen" heißen (1. Mose 6,4). So tut Gott, wenn er Sünde vergibt, dies um seines Namens, d. h. um seiner Ehre und Herrlichkeit willen. In der Tat ist Gottes Herrlichkeit das Endziel alles seines Tuns. Unter allem, was Gott tut, ist aber nichts, was so sehr seine Herrlichkeit ins Licht stellt wie die Vergebung der Sünden. Es ist einem Mann eine Ehre, dass er Untugend überhören kann (Spr. 19,11; vergl. 1. Samuel 10,27; 11,12 f.); das sind Heldentaten, größer als solche, die die körperliche Überlegenheit zeigen. Wie viel mehr ist es Gott eine Ehre, Sünde zu vergeben! Seine Gnade und Barmherzigkeit, seine Güte und Leutseligkeit offenbaren sich in nichts so herrlich wie in der Tilgung unserer Missetaten. Paulus spricht davon, wie sich in der göttlichen Langmut gegenüber dem Sünder ein Reichtum der Güte erzeigt; wie viel größer noch erweist sich dieser Reichtum in der Vergebung der Sünden ! Ja, Gott hat den Weg des Heils so geordnet, dass darin nicht nur die Herrlichkeit seiner Gnade, sondern auch seiner Gerechtigkeit, ja auch seiner Weisheit, die er beide zu vereinen gewusst hat, wunderbar ins Licht tritt. -- Der Name ist die Offenbarung des Wesens; durch die Vergebung der Sünden macht Gott seine herrlichsten Eigenschaften kund, und eben dies ist der Zweck, wozu er jene verleiht. Diese Art, die Sache zu betrachten, kann uns sehr tröstlich werden. Eben weil Gott die Sünden um seines Namens willen vergibt, ist er bereit, große Sünden sowohl als kleine, viele sowohl als wenige zu vergeben. Ja, je größer unsere Sündenschuld ist, desto größer ist die Vergebung, desto größer auch Gottes Herrlichkeit, und darum macht David die Größe seiner Missetat zu einem Grund, Vergebung vom Herrn zu erflehen. Sich in schwere Sünden zu stürzen, damit Gott sich durch ihre Vergebung verherrliche, das wäre verabscheuungswürdige Vermessenheit; aber zu hoffen, dass unsre großen Sünden, wenn wir aufrichtig Buße tun, uns um seines Namens willen werden vergeben werden, das ist eine wohlbegründete Erwartung, die sich uns hilfreich erweisen mag selbst wider die stärksten Versuchungen zur Verzweiflung. D. Nathanael Hardy † 1670.

Wer in Aufrichtigkeit zu Gott kommt, um Vergebung seiner Sünden zu erlangen, sieht diese nicht als klein, sondern als groß an; groß, weil gegen einen großen Gott, gegen große Langmut und große Gnadenerweisungen begangen; groß auch wegen des empfangenen Lichtes, wider das man gesündigt hat; groß wegen der Menge der Sünden, groß wegen des Beharrens in denselben; groß wegen der vielen gebrochenen Vorsätze; groß, weil die Sünde so tief gewurzelt ist; groß wegen der Herrschaft, die sie ausgeübt hat; groß, weil auch der Zorn Gottes wider die Sünde groß ist; groß endlich, weil der Sünder auch andre zur Sünde verleitet. Anthony Palmer 1678.

"Huh!", sagt Pharao, "schafft mir diese ekelhaften Frösche, diesen schrecklichen Donner weg!" Was aber sagt David? "Herr, nimm weg die Missetat deines Knechts!" (2. Samuel 24,10.) Der eine begehrt, von der Züchtigung, von den Folgen der Sünde, befreit zu werden, der andre von der Sünde selbst, der Ursache der Züchtigung. Und es ist sehr wahr, dass der echte Christ sich um die Sünde viel mehr Kummer macht, als um die Frösche und den Donner. Ihm ist die Sünde noch viel ekelhafter als Frösche und Kröten und er hat mehr Angst vor ihr als vor Blitz und Donner. Jeremiah Dyke † 1620.

Pharao beklagte mehr die harten Plagen, die über ihn kamen, als das harte Herz, das in ihm war. Esau wurde über die Maßen sehr betrübt, nicht über seine Sünde, dass er sein Erstgeburtsrecht verkauft hatte, sondern über die darauf folgende Strafe, dass er den Segen verlor. Das ist gerade, wie wenn einem, der Zwiebeln schneidet, die Augen übergehen: Die Tränen fließen, weil die Schmerzen beißen. Der Seemann wirft beim Sturm die Ladung über Bord, die er sehnlich zurückwünscht, wenn das Wetter wieder heiter ist. Viele klagen mehr über die Leiden, zu denen sie geboren sind, als über die Sünden, in welchen sie geboren sind; sie erzittern mehr vor der Strafe der Sünde als vor dem Gift der Sünde. Dieses lieben sie, der Gedanke an jene erschreckt sie. William Secker 1660.

V. 12. Wer ist der, der den Herrn fürchtet? Furcht in der Zeit verbürgt ewige Sicherheit. Fürchte Gott, den über alles Erhabenen, so brauchst du keinen Menschen zu fürchten. Aurelius Augustinus † 430.

V. 13. Seine Seele wird im Guten wohnen -- es wird ihm nicht gehen wie Adam, der in den Genuß all der Herrlichkeiten des Paradieses gesetzt war, aber nur wenige Tage darin verblieb. Propst Gerhoch von Reichersberg † 1169.

Die Verheißung "das Land zu besitzen" ist von der Zeit her, als sie Mose im eigentlichen Sinn seinem Volk gegeben hat (5. Mose 4,22.40; 5,33; 6,18), im uneigentlichen Sinn zur Bezeichnung eines ungetrübten Friedens gebraucht worden, wie man das besonders aus Spr. 2,21 sieht. Vergl. Ps. 37,8 f. Prof. D. A. F. Tholuck 1843.

Fußnote
9. Wir erinnern bei Gelegenheit dieser missverständlichen Äußerung Vieyras daran, dass Spurgeon sich entschieden gegen die Annahme verwahrt, als unterschreibe er alles, was er aus andern Werken anführt. Siehe die Vorrede.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)


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