Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer Davids von Spurgeon

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Jörg
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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps37

Beitragvon Jörg » 31.07.2020 15:30

12. Der Gottlose droht dem Gerechten,
und beißt seine Zähne zusammen über ihn.
13. Aber der Herr lacht über ihn;
denn er sieht, dass sein Tag kommt.
14. Die Gottlosen ziehen das Schwert aus und spannen ihren Bogen,
dass sie fällen den Elenden und Armen,
und schlachten die Frommen.
15. Aber ihr Schwert wird in ihr Herz gehen,
und ihr Bogen wird zerbrechen.


In diesen Versen haben wir vor uns das Bild eines stolzen Bedrückers, der bis an die Zähne bewaffnet ist.

12. Der Gottlose sinnt(Unheil) gegen den Gerechten. (Wörtl.) Warum kann er den Braven nicht in Frieden lassen? Weil Feindschaft ist zwischen dem Schlangen-Samen und dem Weibes-Samen. Aber warum greift er ihn dann nicht in offenem, ehrlichem Kampfe an? Warum sinnt er so mühsam, wie er ihn durch tückische Anschläge verderben könne? Weil es Schlangenart ist, hinterlistig zu sein. Unter offener Flagge segeln, passt denen nicht, die an Bord des Apollyon5 sind. Und beißt seine Zähne zusammen (dem Schall nachahmenden Wort des Grundtexts entsprechender: knirscht mit den Zähnen) über ihn . Die Gottlosen zeigen durch ihre Gebärden, was sie tun würden, wenn sie die Macht dazu hätten. Können sie den Frommen nicht zerreißen, so müssen sie doch die Zähne zusammenbeißen über ihn; können sie ihn nicht zermalmen, so müssen sie wenigstens mit den Zähnen knirschen gegen ihn. Das ist genau, was eine verkommene Welt dem einen Gerechten sondergleichen, dem Friedefürsten, gegenüber getan hat. Dennoch übte er an denen, die so ihre Wut und ihren Hass an ihm ausließen, keine Rache, sondern erduldete das Unrecht wie ein stilles Lamm.

13. Aber der Herr lacht über ihn. Der Gottesfürchtige braucht sich nicht darum zu bekümmern, dass dem Ruchlosen vergolten werde; er kann das ruhig dem Allherrn (Adonai) überlassen. Mag der stolze Verächter mit den Zähnen knirschen und vor Wut schäumen; er hat es mit einem zu tun, der auf ihn und all sein Rasen mit Verachtung hinabblickt, ja der über ihn lacht, denn er sieht und hat schon vorlängst gesehen (wörtl.), dass sein Tag kommt . Der Gottlose aber sieht’s nicht, wie nahe ihm das Verderben auf den Fersen ist; er prahlt, wie er die Frommen zermalmen wolle, während die Rache schon ihren Fuß erhoben hat, ihn zu zertreten wie den Kot aus der Gasse. Wie entsetzlich: Sünder, in der Gewalt eines eifrigen Gottes und dennoch sinnend, wie sie seine Kinder verderben können. O ihr Armen, die ihr so in das gezückte Schwert des Herrn lauft.

14. Die Gottlosen haben das Schwert gezückt. (Grundt. Perf.) Sie sind ganz zum Angriff bereit; sie haben das Schwert schon in der Hand und warten sehnsüchtig auf den Augenblick, in dem sie es dem Gerechten ins Herz stoßen können. Und den Bogen gespannt, wörtl.: niedergetreten . Eine Waffe ist ihnen nicht genug, sie halten noch eine andere in Bereitschaft. Sie sind mit einem so mächtigen Bogen gerüstet, dass sie ihn nicht mit der Hand, sondern mit dem Fuße spannen müssen. Wenn es auf Waffengewalt und Bereitschaft ankommt, muss es ihnen gelingen. Dass sie fällen den Elenden und Armen. Die sind das Wild, dem sie nachstellen, die Beute, die sie mit ihrer fluchwürdigen Bosheit zu erjagen suchen. Nicht ihresgleichen greifen diese Feiglinge an, sondern solche, die sich ihres sanftmütigen Geistes oder ihres geringen Standes wegen nicht wider sie verteidigen können. Lasst uns stets daran denken, wie unser sanftmütiger und demütiger Meister von grausamen Feinden umringt war, die sich mit allen möglichen Waffen gerüstet hatten, ihn zu fangen und zu fällen. Und schlachten die Frommen, Grundt.: redlich Wandelnde . Nichts außer der völligen Ausrottung der wahrhaft Frommen genügt den Gottlosen. Alle, die aufrichtig handeln und gerade Wege gehen, haben den tödlichen Hass der listigen Ränkemacher, deren Lust die Ungerechtigkeit ist, auf sich lasten. Diese kennen kein heißeres Verlangen, als jene hinzuschlachten, ein Blutbad unter ihnen anzurichten. Ein Hinweis auf die Geschichte ist überflüssig. Wie wahr sind unseres Heilands Worte: Wärt ihr von der Welt, so hätte die Welt das Ihre lieb; weil ihr aber nicht von der Welt seid, sondern Ich habe euch von der Welt erwählet, darum hasst euch die Welt. (Joh. 15,19.)

15. Aber ihr Schwert wird in ihr Herz gehen. Gleich Haman, dem ersten Ersinner einer Bartholomäusnacht (Esther 3), werden sie an den Galgen gehängt werden, den sie selber für Mardochai errichtet haben. Unzählige Male ist dies der Fall gewesen. Auch Saul, der den David umzubringen suchte, fiel in sein eignes Schwert. Und ihr Bogen wird zerbrechen. Sie haben sich doppelt bewaffnet gegen die Wehrlosen; aber all ihre List und Macht hilft ihnen nichts. Ein Stärkerer wird über sie kommen und ihren Bogen zerbrechen oder sie werden in der Raserei diesen so überspannen, dass er von selber bricht. Die Bosheit überlistet sich selbst. Sie trinkt den Giftbecher, den sie für einen anderen gemischt hat, und verbrennt sich selbst an dem Feuer, das sie für den Nächsten angezündet hat. Was sollen wir uns denn das Herz zermartern über dem Gedeihen der Gottlosen, wenn diese so beflissen sind, sich selber zu verderben, während sie annehmen, den Heiligen Schaden zuzufügen?
Die nächsten neun Verse beschreiben hauptsächlich die Gesinnung und den gesegneten Stand der Gottseligen und die Lichtwirkung des Bildes wird erhöht durch einige dunkle Pinselstriche, die die Gottlosen und ihr Schicksal zeichnen.

Fußnote
5. Apollyon, d. h. der Verderber, Name des im Gesicht Off. 9,11 geschauten Engels aus dem Abgrund, hier als Schiffsname angewandt.
Wer sich nur nach dem, was er fühlt, richtet, der verliert Christus. (Martin Luther)

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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps37

Beitragvon Jörg » 04.08.2020 14:39

16. Das Wenige, das ein Gerechter hat, ist besser
als das große Gut vieler Gottlosen.
17. Denn der Gottlosen Arm wird zerbrechen;
aber der Herr erhält die Gerechten.
18. Der Herr kennt die Tage der Frommen,
und ihr Gut wird ewiglich bleiben.
19. Sie werden nicht zuschanden in der bösen Zeit,
und in der Teuerung werden sie genug haben.
20. Denn die Gottlosen werden umkommen;
und die Feinde des Herrn, wenn sie gleich sind wie eine köstliche Aue,
werden sie doch vergehen, wie der Rauch vergeht.
21. Der Gottlose borgt und bezahlt nicht;
der Gerechte aber ist barmherzig und gibt.
22. Denn seine Gesegneten erben das Land;
aber seine Verfluchten werden ausgerottet.
23. Vom dem Herrn wird solches Mannes Gang gefördert,
und er hat Lust an seinem Weg.
24. fällt er, so wird er nicht weggeworfen;
denn der Herr hält ihn bei der Hand.


16. Das Wenige, das ein Gerechter hat, ist besser denn das große Gut vieler Gottlosen. Das ist ein feines Sprichwort. Das wenige eines Gerechten wird der Menge (Grundt.) der Schätze vieler Gottlosen gegenübergestellt, wodurch die Aussage sehr kraftvoll wird. Es ist mehr wahres Glück in dem durchs Wort Gottes und Gebet geheiligten (1.Tim. 4,5) Gericht Kraut des gottseligen Menschen als in dem gemästeten Ochsen profaner Feinschmecker. Wir möchten lieber mit Johannes fasten, als mit Herodes Feste feiern; lieber mit den Propheten in Obadjas Höhle von Brot und Wasser leben, als mit den Götzenpriestern an Isebels Tisch schwelgen (1.Kön. 18,13.19). Das Glück eines Menschen besteht nicht in den Haufen Goldes, die er in der Truhe hat. Die Zufriedenheit findet multum in parvo (viel in wenig), während einem gottlosen Herzen die ganze Welt zu wenig ist.

17. Denn der Gottlosen Arme werden zerbrochen. (Wörtl.) Alle Macht, Unheil zu stiften, wird ihnen genommen werden, denn eben die Arme, die sie gegen Gott und die Frommen erhoben haben, werden zermalmt werden. Sie werden weder anderen mehr schaden noch sich selber helfen können. Gott macht oft die sich allmächtig wähnenden Bösen zu ohnmächtigen Krüppeln. Gibt es einen verächtlicheren Anblick als die Raubgier, wenn ihr die Zähne ausgebrochen (Ps. 3,8; 58,7), und die Bosheit, wenn ihr die Arme zerschmettert sind? Aber der Herr erhält die Gerechten. Jahwe selber stützt sie; so sind sie wohl bewahrt.

18. Der Herr kennt die Tage der Frommen. Gottes Vorwissen lässt ihn des stolzen Unterdrückers lachen (V. 13); aber für die lauteren Seelen, die mit ganzem Herzen an ihm hängen, sieht er eine lichtvolle Zukunft voraus, und er behandelt sie als Erben des Heils. Das ist allezeit unser Trost, dass alle unsere Geschicke unserem Gott bekannt sind und nichts von alledem, was uns zukünftig begegnen wird, ihn überraschen kann. Kein Pfeil kann uns von ungefähr durchbohren, kein Dolch uns unvermerkt ins Herz treffen; weder in der Zeit noch in der Ewigkeit kann uns irgendein Übel zustoßen, das Gott nicht vorhergesehen hätte. Die Zukunft wird nur eine fortgehende Entfaltung all des Guten sein, das der Herr für uns aufbewahrt hat. Und ihr Erbe (Grundt.) wird ewig bleiben . Ihr Erbteil schwindet nicht dahin. Es ist ein unveräußerliches und unantastbares Erblehen; niemand kann sie dessen berauben, niemand es zerstören. Das ist des Gläubigen alleiniges Vorrecht, ein ewiges Besitztum zu haben.

19. Sie werden nicht zuschanden in der bösen Zeit. Wohl kommen auch für sie schwere Zeiten der Heimsuchung; aber diese sind zugleich die Zeiten, wo sie in besonderer Weise die heraus- oder hindurchrettende Macht Gottes erfahren. Da die Redlichen nie darauf gerechnet haben, von aller Not verschont zu bleiben, so sind sie auch nicht enttäuscht, wenn sie nun berufen werden, ihr Teil Trübsal hinzunehmen, sondern sie werfen sich vielmehr in der bösen Zeit von neuem auf ihren Gott und erproben in neuer Weise seine Treue und Liebe. Gott ist nicht bloß in den sonnigen Tagen des Glücks ein Freund, sondern auch im Sturmes-Tosen der Trübsal. Und in der Teuerung werden sie genug haben. Ihr Mehl im Kad soll nicht verzehrt werden und ihrem Ölkrug soll nichts mangeln, bis die Zeit der Heimsuchung vorbei ist; und wenn ihnen auch nicht gerade die Raben Brot und Fleisch bringen, kommt ihnen doch auf irgendwelche andere Weise das zu, was sie benötigen; denn dem Gerechten wird sein Brot gegeben, sein Wasser hat er gewiss (Jes. 33,16). Unser Heiland selber stützte sich hierauf, als ihn hungerte in der Wüste, und wies im Glauben den Versucher zurück; auch wir können uns mit derselben Erwägung des Sorgengeistes entschlagen, der uns zur Sünde verleiten will (V. 8). Wenn Gottes Vorsehung über uns wacht, brauchen wir uns über den Preis des Roggens nicht abzuhärmen. Mehltau und Hagel und Dürre sind in der Hand des Herrn. Der Unglaube kann auch nicht eine Ähre vor dem Brandigwerden schützen; der Glaube aber kann, wenn er nicht die Ernte bewahrt, Größeres als dies tun, nämlich uns die Freude am Herrn bewahren.

20. Denn die Gottlosen werden umkommen. Was für ein Zauberlicht auch ihre Gegenwart umgaukeln mag, ihre Zukunft ist Finsternis, die man greifen mag. Das Urteil ist über die Gottlosen schon gefällt, sie werden nur zur Hinrichtung aufbehalten. Mögen sie in Purpur und köstlicher Leinwand Eindruck machen wollen und alle Tage herrlich und in Freuden leben, das Damoklesschwert hängt doch über ihnen und wenn sie bei nüchternem Verstand wären, würde sich ihr Lachen in Weinen und ihre Ausgelassenheit in Wehklagen verkehren. Und die Feinde des Herrn werden sein wie das Köstlichste (d. h. das Fett) der Lämmer. (Andere Übers.6 Wie das Fett der Opfer völlig auf dem Altar verzehrt wurde, so werden die Gottlosen gänzlich vertilgt werden und von der Stätte ihrer Ehre und ihres Stolzes verschwinden. Es ist nur ein Unterschied: Sie sind Gott kein süßer Geruch. Die meisten Ausleger übersetzen: Und die Feinde des Herrn sind wie die Pracht der Auen. Damit würde der Dichter zu dem Bild des zweiten Verses zurückkehren. Sie mögen Eindruck machen wollen wie die Ebene Saron im Frühlingsschmuck; doch wenn der Glutwind der göttlichen Gerichte über sie hinfährt, ist alles eine dürre Wüste. Sie schwinden dahin wie der Rauch, schwinden dahin. Sic transit gloria mundi: So vergeht alle Herrlichkeit der Welt! Wo ist die dicke Rauchwolke, die alles in Finsternis hüllte? Dahin, dahin! Die Wiederholung ist ergreifend. Nicht eine Spur ist von ihnen zurückgeblieben. Vergl.

21. Der Gottlose borgt, und bezahlt nicht ; - dies teils, weil er nicht will, hauptsächlich aber, weil er nicht kann. Mangel folgt der Verschwendung; so bleibt die Schuld denn ungetilgt. Oft kommt solche Armut über die Gottlosen in diesem Leben. Ihre "noblen Passionen" bringen sie so herunter, dass sie an der Tür des Wucherers anklopfen müssen und dem Bankrott verfallen. Der Gerechte aber ist barmherzig (mildtätig) und gibt . Die Barmherzigkeit gibt ihm viel; darum gibt auch er in barmherziger Liebe den Dürftigen. Er ist mildtätig und je mehr er gibt, desto mehr hat er. Er leiht nicht, sondern er gibt. Soviel er nur kann, leiht er der Stimme der Not sein Ohr. Er gibt nicht, um die Trägheit dadurch zu ermutigen, sondern in wirklicher Barmherzigkeit und gesunder Mildtätigkeit, die wirklichen Mangel voraussetzt. Das Wort mag uns ein Wink sein, wie viel besser es in der Regel ist, zu geben als zu leihen. Meist läuft das Leihen aufs Schenken hinaus, und es ist ebenso gut, diese Tatsache im Voraus anzuerkennen und durch ein wenig Großzügigkeit dem Unvermeidlichen vorzubeugen. Wenn diese beiden Sätze eine Beschreibung des Gottlosen und des Gerechten sind, so hat der Schreiber dieser Zeilen guten Grund, zu wissen, dass der Gottlosen in und um London nicht wenige sind.

22. Denn seine Gesegneten erben das Land. Gottes Segen ist wahrer Reichtum. Wirkliches Glück, wie es den Auserwählten bundesmäßig zugesichert ist, liegt in der göttlichen Huld. Aber seine Verfluchten werden ausgerottet. Sein Stirnrunzeln ist Tod, ja noch mehr, es ist die Hölle. Man vergl. Mt. 25,34.41.

23. Von dem Herrn aus werden die Schritte eines Mannes gefestigt, an dem7 er Wohlgefallen hat. (Grundt.) Nicht in des Mannes Körperkraft und Willensstärke liegt es, wenn er feste Schritte tut. Einem Saul gebrach es von Natur an beidem nicht und doch wurde sein Gang zum Erbarmen schwankend und haltlos. Der Herr ist’s, der unsere Knöchel ehern und unser Rückgrat eisern macht; und seine Lust ist’s, in den Schwachen seine Macht zu erweisen. Nicht die Glätte oder Rauheit des Weges, auf dem wir wandeln müssen, wohl aber die Art unseres Ganges wird erkennen lassen, ob der Herr an uns Wohlgefallen hat. Ein Abraham ging festen Schrittes den dornenvollen Pfad auf Morijas Höhe.

24. Doch kann es auch dem Gerechten wohl begegnen, dass er einen Fehltritt tut und nicht nur wankt, sondern wirklich zu Fall kommt, oder es kann das Unglück ihn zu Boden bringen. Es mag sein, dass er gleich einem Hiob von allem entblößt wird, gleich Joseph ins Gefängnis kommt oder gleich Jona in die Tiefe des Meers geworfen wird. Aber auch gesetzt den Fall, dass er fallen sollte, so wird er doch nicht (der Länge nach) hingestreckt . (Grundt.) Er mag auf die Knie stürzen, aber nicht aufs Angesicht oder wenn er auch den Boden berührt, wird er doch bald wieder aufrecht stehen. Keiner der Heiligen Gottes soll einen Fall tun, von dem er sich nicht wieder erhebt; dies ist das Schicksal der Gottlosen und Heuchler (Ps. 36,13). Der Kummer kann uns in den Staub legen und der Tod ins Grab, aber tiefer können wir nicht sinken, und aus der tiefsten Niedrigkeit werden wir zur höchsten Höhe fahren. Denn der Herr hält ihn bei der Hand, wörtl. stützt seine Hand . Jahwe neigt sich in herablassender Liebe zu den Seinen, er hält sie mit seiner eignen Hand im Fallen auf und gibt ihnen damit einen Stützpunkt, an dem sie sich wieder aufrichten können. Er überlässt es nicht von ihm gesandten Helfern, sie aufzurichten, sondern leistet ihnen persönlich Beistand. Selbst wenn der Herr es zugibt, dass wir fallen, lässt er uns in einem gewissen Maße seine haltende Macht erfahren. Wo die Gnade uns nicht vor dem Sinken schützt, bewahrt sie uns doch vor dem Versinken, wie es Petrus so herrlich erlebt hat (Mt. 14,31; Lk. 22,32). Hiob hatte am Ende doppelt so viel Reichtum wie zuvor, Joseph wurde ein Herr über ganz Ägyptenland und Jona kam glücklich ans Land. Nicht darum stehen die Auserwählten von jedem Falle auf, weil sie etwa stark oder weise sind oder ein besonderes Verdienst haben, sondern weil der Herr ihr Helfer ist, so dass niemand und nichts sie überwältigen kann.

Fußnoten
6. So übersetzt die engl. Bibel nach den Alten. rkIa heißt in der Tat meist Lamm. Durch Ps. 65,14 und andere Stellen steht aber auch die Bedeutung Aue fest und diese wählen mit Luther fast alte neueren Ausleger. Vergl. V. 2. Luther folgt aber nicht den Akzenten der Masora, nach diesen ist zu übersetzen: Und die Feinde des Herrn sind (so vergänglich) wie die Pracht der Auen; sie vergehen wie der Rauch, vergehen.

7. Das Waw ist erklärend: und zwar eines solchen, an dem ... Da bei Mann der Artikel fehlt, muss es allgemein gefasst werden. Schultz-Keßler betonen hier die Grundbedeutung von rbegIe : der Starke, der mannhafte Mensch. Vergl.
Hiob 38,3.
Wer sich nur nach dem, was er fühlt, richtet, der verliert Christus. (Martin Luther)

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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps37

Beitragvon Jörg » 08.08.2020 12:36

25. Ich bin jung gewesen und alt worden,
und habe noch nie gesehen den Gerechten verlassen
oder seinen Samen nach Brot gehen.
26. Er ist allezeit barmherzig, und leiht gerne,
und sein Same wird gesegnet sein.

25. Dieser Vers enthält eine Beobachtung, die David in seinem langen Leben gemacht hatte. Ich könnte nicht sagen, dass die Worte gerade so, wie sie da stehen, meine Erfahrung ausdrücken; habe ich doch mehr denn einmal Kinder absolut vorbildlicher Menschen unterstützt, die mich als gewöhnliche Bettler ansprachen. Aber das wirft keinen Zweifel auf das, was David hier als seine Erfahrung mitteilt. Er lebte unter einer Haushaltung, deren Verheißungen mehr aufs Äußerliche und Irdische gingen, als die der jetzigen Haushaltung, wo der persönliche Glaube mehr im Vordergrund steht. Nie wird der Gerechte verlassen; das ist jedenfalls eine Regel ohne Ausnahme. Selten genug ist’s, dass sein Same nach Brot geht ; und obwohl es gelegentlich vorkommt, als Folge von Verschwendung, Trägheit oder anderen Fehlern der Söhne, so ist es doch ohne Zweifel eine so seltene Sache, dass manche leben, die einen derartigen Fall nie gesehen haben. Geh in die Armenhäuser und sieh, wie wenige der Insassen Kinder wahrhaft frommer Eltern sind; tritt in die Gefängnisse und beachte, wie viel seltener noch du dort einen Sohn gläubiger Eltern triffst. Oft werden Söhne armer Prediger des Evangeliums reich. Ich bin nicht alt8 , aber ich habe manche Familien armer gottesfürchtiger Leute zu Reichtum kommen sehen und habe es vielfach beobachtet, dass der Herr die Treue des Vaters durch den Erfolg, den er dem Sohne gab, belohnte, so dass ich oft gedacht habe, die beste Weise, seine Nachkommen auszusteuern, sei die, um Christi Willen arm zu werden. In der Geschichte der indischen Mission z. B. können wir diese Wahrheit vielfach illustriert sehen.

26. Er ist immer barmherzig (mildtätig) und leiht gerne. Die Gerechten stehen beständig (buchstäblich: den ganzen Tag) unter dem Antrieb edelmütiger Freigebigkeit. Sie werden wohlhabend nicht durch Sparsamkeit, sondern durch Mildtätigkeit. Gleich dem gütigen Geber aller guten Gaben, dessen geliebte Kinder sie sind, ist’s ihnen eine Lust, Gutes zu tun. Wie knickerige, habsüchtige Maulchristen auf die Seligkeit hoffen können, ist denen ein Wunder, die solche Verse in ihrer Bibel lesen. Und sein Same wird gesegnet sein, ja (nach dem Wortlaut des Grundtextes) anderen zum Segen sein . Gott zahlt im nächsten Geschlecht mit Zinsen heim. Wenn Kinder frommer Leute Gott nicht fürchten und lieben, muss es seinen Grund in einer Versäumnis der Eltern oder in irgendeiner anderen unentschuldbaren Ursache haben. Der Freund des Hausvaters ist der Freund der Familie. Der Gott Abrahams ist auch der Gott Isaaks und Jakobs.

27. Lass vom Bösen und tue Gutes,
und bleibe wohnen immerdar.
28. Denn der Herr hat das Recht lieb,
und verlässt seine Heiligen nicht;
ewig werden sie bewahrt;
aber der Gottlosen Same wird ausgerottet.
29. Die Gerechten erben das Land
und bleiben ewig drinnen.


27. Dieser Vers enthält die siebente Vorschrift, die doppelt, verneinend und bejahend, ausgedrückt ist und die Quintessenz des ganzen Psalms enthält. Lass (weiche) vom Bösen und tue Gutes . Wir dürfen die Übeltäter nicht beneiden, sondern müssen uns ihrer Gesinnung und ihrem Beispiel gegenüber gänzlich ablehnend verhalten. Wir dürfen mit der Sünde keinen Waffenstillstand schließen, noch uns auf irgendwelche Verhandlungen mit ihr einlassen; es gilt, ihr ohne Zögern gänzlich abzusagen, und noch mehr als das, ihr mit aller Macht entgegenzuarbeiten. Wer es unterlässt, Gutes zu tun, gerät bald in böse Dinge. Und bleibe wohnen allezeit, d. h.: so wirst du allezeit wohnen bleiben. Mache dich so des Segens teilhaftig, den Gott dem treuen Samen Abrahams verheißen hat. Erlange das bleibende, friedevolle Erbteil des wahren Israel. Aller Gewinn und alle Ergötzung, die dir das Böse bietet, ist von kurzer Dauer; aber die Gnade lohnt mit ewigen Gütern.

28. Denn der Herr hat das Recht lieb. Ehre zu geben, dem Ehre gebührt, ist Gottes Lust, besonders wenn ein redlicher Mann von seinen Mitmenschen verleumdet worden ist. Es muss für Gott nach seinem Wesen in der Tat eine wahre Freude sein, solchen, die Unrecht erleiden, zu ihrem Recht zu helfen und die Anschläge der Ungerechten zunichte zu machen. Der erhabene Lenker der Geschicke lässt ganz gewiss den Reichen und den Armen, den Guten und den Bösen gerechtes Maß zuteil werden; denn er hat das Recht lieb. Und verlässt seine Heiligen (Grundt.: Frommen) nicht. Dies würde nicht recht sein, darum wird es nie geschehen. Gott ist gegen die ihm treu Ergebenen eben so treu, wie er allen Menschen gegenüber gerecht ist. Ewiglich werden sie bewahrt. Ihre ewige Sicherheit ist durch die Bundeszusagen gewährleistet und durch die Leistung der Bürgschaft sind diese rechtskräftig geworden. Mag kommen, was will, die Heiligen Gottes werden in Christus Jesus bewahrt; er lebt und sie sollen auch leben. Ein König behütet seine Kronjuwelen; so der Herr die Seinen. Wie das Manna, das doch sonst zerschmolz und verdarb, in dem goldnen Krüglein in der Bundeslade unter dem Gnadenstuhl auf immerwährende Reiten behalten wurde, so werden auch die treuen Seelen in der Macht Jesu, ihres Versöhners, bewahrt. Aber der Gottlosen Same wird ausgerottet, gleich dem Hause eines Jerobeam und eines Ahab, von denen nicht ein männliches Mitglied überblieb. Unrecht erworbene Würden und Reichtümer kommen selten auf das dritte Geschlecht; der Fluch reift aus, ehe viele Jahre dahin sind, und schüttet seine bösen Früchte über das gottlose Haus. In der Hinterlassenschaft ruchloser Menschen ist das sicherste Erbstück das Gericht, das sich an ihrer Familie vollzieht.

29. Die Gerechten werden (Grundt.) das Land erben. Als Miterben Jesu Christi werden sie das himmlische Kanaan, das Gegenbild des irdischen, mit allen seinen Bundessegnungen in Besitz nehmen. Und ewig darin bleiben. Von den irdischen Gütern kann man uns, wie von einem Pachtgut, vertreiben; aber aus dem himmlischen Besitz kann uns niemand ausbieten. Das Paradies ist das unantastbare Erbe der Gläubigen und sie sollen ewig darin wohnen und seine Fülle genießen. Wer möchte nicht unter solchen Bedingungen in den Dienst des Herrn treten? Und wer wollte sich noch wegen der so schnell dahinschwindenden Schätze der Gottlosen ereifern und grämen?

30. Der Mund des Gerechten redet die Weisheit,
und seine Zunge lehret das Recht.
31. Das Gesetz seines Gottes ist in seinem Herzen,
seine Tritte gleiten nicht.
32. Der Gottlose lauert auf den Gerechten,
und gedenkt ihn zu töten.
33. Aber der Herr lässt ihn nicht in seinen Händen,
und verdammt ihn nicht, wenn er verurteilt wird.

30. Der Mund des Gerechten redet die Weisheit. Da sich der ganze Psalm damit beschäftigt, das verschiedene Geschick der Gerechten und der Gottlosen darzustellen, ist es entsprechend, dass er ein Zeichen gibt, woran man den Gerechten erkennen kann. Des Menschen Zunge ist kein übles Kennzeichen seiner Gesinnung. Der Mund verrät das Herz. Gute Menschen reden in der Regel, was zur Erbauung dient, ihre Rede ist lieblich und mit Salz gewürzt und am liebsten sprechen sie von göttlichen Dingen, entsprechend der göttlichen Erleuchtung, die sie empfangen haben. Gerechtigkeit ist Weisheit, ins Tun umgesetzt; daher sind sittlich gereifte Charaktere auch wahrhaft weise Menschen. Sie sinnen auf Weisheit (vergl. den Grundt.), darum reden sie auch weise. Und seine Zunge lehrt (wörtl.: redet) das Recht . Er tritt für das Recht ein, fällt über Menschen und Dinge ein gerechtes Urteil und sagt voraus, dass Gott seine Gerichte über die Gottlosen kommen lassen wird, wie der Herr es von alters her getan hat. Er führt weder törichte noch schlüpfrige, weder seichte noch gemeine Reden. Was wir sprechen, ist von weit größeren Folgen, als manche sich einbilden.

31. Das Gesetz seines Gottes ist in seinem Herzen, seine Tritte gleiten nicht. Da ist das Beste am besten Ort; so bringt es die besten Erfolge zu Stande. Es wundert uns nicht, dass dieses Mannes Rede so bewundernswert ist, da sein Herz mit einem so köstlichen Schatz gefüllt ist. An dem Guten und Göttlichen feine Lust haben, die innersten Beweggründe und Wünsche reinigen und weihen lassen, dem Herrn von Herzensgrund gehorsam sein, - das ist die sicherste Weise, den ganzen Lauf des Lebens auf sein erhabenes Ziel hinzurichten und sich sogar in den kleinen Dingen des Lebens, in den einzelnen Schritten, vor bedenklichen Fehltritten zu behüten. In solchen Zeiten wie die, in welchen wir leben, einen gleichmäßig festen Gang zu bewahren, diese Gnade wird nur solchen gegeben, deren Herzen gegen Gott redlich gesinnt sind und die darum in Wahrheit, nach unserem Verse, Gott ihren Gott nennen können. Die weltliche Klugheit muss sich bald hierhin, bald dorthin wenden und winden und strauchelt und fällt und kommt mit all ihren Sprüngen doch nicht ans Ziel, während die Aufrichtigkeit gemessenen Schrittes auf ihrem geraden Wege fortgeht und das Ziel langsam, aber sicher erreicht.

32. Der Gottlose lauert auf den Gerechten und gedenkt ihn zu töten. Bildeten die Gesetze des Landes nicht eine Schranke, so würden wir bald unter den Gerechten ein Blutbad angerichtet sehen. Jesus wurde belauert von seinen Feinden, die nach seinem Blute dürsteten (z. B. Lk. 20,20), und seine Jünger dürfen von denen keine Gunst erwarten, die den Meister gehasst und getötet haben.

33. Aber der Herr lässt ihn nicht in seinen Händen. Gott erscheint oft zur Befreiung seiner Knechte, und wenn er in diesem Leben ihren Leib nicht aus den Händen ihrer Feinde errettet, so erfüllt er ihre Seele mit solchem Überschwang der Freude und des Friedens, dass sie sich triumphierend aus der Gewalt ihrer Peiniger emporschwingen. Wir mögen wie Hiob für eine Weile in des Feindes Hand sein; aber dass wir seiner Macht überlassen werden sollten, ist unmöglich. Und verdammt ihn nicht, wenn er verurteilt wird. Die Zeit schon wird das voreilige Urteil umstoßen oder sonst wird die Ewigkeit den Gerechten von dem Verdammungsurteil reinigen, das in der Zeit über ihn gefällt worden war. Die Vorsehung lässt wohl, und zwar aus sehr weisen Absichten, auf Erden mancher Ungerechtigkeit den Lauf; aber nicht allezeit wird sauer süß genannt, noch immerdar das Licht als Finsternis verschrien werden. (Vergl. Jes. 5,20). Zu seiner Zeit wird das Recht an den Tag kommen: Alles Unechte, mag es noch so scheinbar sein und noch so anmaßend auftreten, wird entlarvt und das Wahre und Echte enthüllt werden. Haben wir treu gehandelt, so dürfen wir uns getrost von dem kleinlichen Gericht der Leute auf das Reichsgericht des großen Tages, der alles offenbar machen wird, berufen.

Fußnote
8. Spurgeon war bei dem Erscheinen des zweiten Bandes des Treasury, der diesem Psalm enthält erst 36 Jahre alt.
Wer sich nur nach dem, was er fühlt, richtet, der verliert Christus. (Martin Luther)

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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps37

Beitragvon Jörg » 11.08.2020 07:40

34. Harre auf den Herrn, und halte seinen Weg,
so wird er dich erhöhen, dass du das Land erbst;
du wirst es sehen, dass die Gottlosen ausgerottet werden.
35. Ich habe gesehen einen Gottlosen, der war trotzig,
und breitete sich aus, und grünte wie ein Lorbeerbaum.
36. Da man vorüberging, siehe, da war er dahin;
ich fragte nach ihm, da wurde er nirgends gefunden.
37. Bleibe fromm, und halte dich recht;
denn solchem wird’s zuletzt wohl gehen.
38. Die Übertreter aber werden vertilget miteinander,
und die Gottlosen werden zuletzt ausgerottet.
39. Aber der Herr hilft den Gerechten;
der ist ihre Stärke in der Not.
40. Und der Herr wird ihnen beistehen und wird sie erretten;
er wird sie von den Gottlosen erretten und ihnen helfen;
denn sie trauen auf ihn.


34. Harre auf den Herrn. Dies Wort enthält die achte goldne Lebensregel unseres Psalms und ein hohes Ziel ist’s, das sie uns vor Augen hält. Harre, bis Gottes Stunde gekommen ist. Warte gehorsam als ein Knecht, hoffnungsfreudig als ein Erbe, mit gewisser Zuversicht als ein Held des Glaubens. Dies Wörtlein "Harre" ist leicht zu sagen, aber schwer auszuführen; dennoch muss der Glaube es zur Tat werden lassen. Und halte seinen Weg. Bleibe auf dem schmalen Pfad; lass dich nicht durch Hast nach Reichtum oder durch Genuß und Bequemlichkeit zu unheiligen Handlungen verleiten. Dein Wahlspruch sei: Vorwärts, immer vorwärts! Werde nicht matt und denke nie daran, vom guten und geraden Wege des Herrn abzuweichen. Wer bis ans Ende beharrt, der wird selig (Mt. 10,22). So wird er dich erhöhen, dass du das Land erbest. Du sollst von den irdischen Gütern alles haben, was dir wirklich gut ist, und bei den himmlischen Gütern gibt es keine Einschränkung. Erhöhung soll das Los der Hochgesinnten sein; nicht mehr soll zwischen ihrer innern Würde und ihrer äußern Stellung ein Missverhältnis sein. Du wirst es sehen, dass die Gottlosen ausgerottet werden. Ein schrecklicher und zugleich höchst lehrreicher Anblick! Die Rüge des Grämens und Neidens, welch ein Antrieb zur Dankbarkeit! Sei still, meine Seele, du siehst es ja im Glauben voraus, welch schreckliches Ende es mit den Feinden des Herrn nehmen wird.

35. Zum zweiten Mal schlägt David sein Tagebuch auf und teilt uns daraus, diesmal in dichterisch hohem Stile, mit, was er gesehen hat. Es ist wichtig, dass wir im Gedächtnis bewahren und verwerten, was wir von den Führungen der göttlichen Vorsehung beobachten. Ich habe gesehen einen Gottlosen, der war trotzig (gewalttätig). Er flößte allen Schrecken ein, er herrschte über andere mit tyrannischer Gewalt und setzte alles durch, ein Cäsar an Macht, ein Krösus an Reichtum. Und breitete sich aus und grünte wie ein Lorbeerbaum. Er reihte Haus an Haus und rückte Feld an Feld (Jes. 5,8) und wurde immer mächtiger und reicher. Er schien immergrün zu sein wie ein Lorbeerbaum, er breitete sich behäbig aus und stand im blühenden Wachstum wie ein Baum, der seit unvordenklichen Zeiten in seiner heimischen Erde steht (Grundt.), der nie verpflanzt worden ist und sich desto tiefer eingewurzelt hat. Der Grundtext nennt keine besondere Baumart; eine weit sich ausbreitende und himmelhoch sich erhebende Eiche mag uns das Bild nahe bringen. (Einige lesen: wie eine Zeder.) Der Gottlose ist ein Ding von Erden, dessen Wurzeln im Untern haften; seine Würden sind welkendes Laub und ob auch sein Schatten den Pflanzen Licht und Luft raubt, die unter seiner Krone dahinzusiechen verurteilt sind, so ist er doch selbst ein sterblich Ding, wie die Axt des Holzhauers erweisen wird. In dem himmelragenden Baum, der der König des Waldes zu sein beansprucht, siehe die Größe des Gottlosen zur jetzigen Zeit; warte eine Weile und wundere dich über des Wechsels der Dinge, wenn der Stamm als Brennholz hinweggeschafft und selbst der Wurzelstrunk aus dem Erdreich gerissen wird.

36. Da man vorüberging, siehe, da war er dahin - sowohl der Baum als auch der Mensch. Wie rein fegt der Tod alles hinweg! Zum Erstaunen aller war auf einmal der große Mann dahin, sein Gut verkauft, sein Geschäft bankrott, sein Haus verödet, sein Name vergessen und das alles in so kurzer Zeit! Ich suchte (Grundt.) ihn, da wurde er nirgends gefunden . Wir forschen und suchen, von Neugierde getrieben, nach dem Gottlosen; aber er hat keine Spur hinter sich gelassen. Wie an Vögel von schlimmer Vorbedeutung begehrt niemand sich an ihn zu erinnern. Manche der allergeringsten Frommen sind im Gedächtnis der Nachwelt unsterblich, ihre Namen duften noch heute in der Gemeinde des Herrn wie eine ausgeschüttete Salbe, während man von den hervorragendsten Ungläubigen und Schmähern nach wenigen Jahren kaum mehr den Namen weiß. Menschen, die gestern noch in aller Munde waren, sind morgen vergessen; denn nur die Tugend ist unsterblich.

37. Achte auf den Frommen und schaue an den Redlichen. (Grundt.9 Hast du so mit Erstaunen den Sturz des Gottlosen beobachtet, so wende nun deine Aufmerksamkeit dem aufrichtig und von ganzem Herzen vor Gott Wandelnden zu und beachte den grellen Gegensatz. Gute Menschen sind unserer Beachtung und Beobachtung wert. Ein aufrichtiger Mensch ist ein Wunder der Gnade und ist es darum wohl wert, dass wir ihn genau betrachten. Doch richtet der Psalmdichter unsere Aufmerksamkeit hier vor allem auf das verschiedene Endgeschick der Gerechten und der Gottlosen. Manche übersetzen; Denn eine Zukunft oder ein (glückliches) Ende wird dem Mann des Friedens . Das Friedenskind hat ein Ende voll Friedens. Friede ohne Ende wird am Ende dem Manne Gottes zuteil. Am Lebenstag des Gläubigen mag’s am Morgen regnen, am Mittag donnern und danach in Strömen gießen; aber es muss sich aufklären, ehe die Sonne unter den Horizont sinkt. Kampf und Not mögen andauern bis zu unserer letzten Stunde; aber dann werden wir zum letzten Mal damit zu tun gehabt haben. Andere übersetzen: Dass Nachkommenschaft dem Manne des Friedens zuteil wird.10 Von diesem Segen hat der Psalm schon früher geredet.

38. Die Übertreter aber werden vertilget miteinander. Gemeinsamer Untergang harrt derer, die in der Empörung wider Gott gemeinsame Sache gemacht haben. Und die Gottlosen werden zuletzt ausgerottet. Einige übersetzen hier: Das Ende der Gottlosen wird abgeschnitten . Ihre Zeit wird verkürzt, ihr Scheinglück nimmt ein jähes Ende, alle ihre Hoffnungen erlöschen. Die Stunde ihrer Hinrichtung kommt eilend herbei. Ihre Gegenwart wird verkürzt durch ihre Sünden; sie bringen ihr Leben nicht zur Hälfte (Ps. 55,24). Eine Zukunft haben sie nicht, wenigstens keine solche, die von uns begehrt würde, während die Gerechten ihre herrliche Zukunft für ihr höchstes Gut und bestes Erbteil achten. Auch hier übersetzen viele (vergl. zu V. 37); Die Nachkommenschaft der Gottlosen wird ausgerottet. Obwohl der Kindersegen und das Fortbestehen der Geschlechter eine der besondern Israel gegebenen Verheißungen war, die wir nicht ohne weiteres auf uns übertragen dürfen, sehen wir es doch noch heute sowohl an einzelnen Familien als an ganzen Völkern, wie die Sünde zum Untergang führt.

39. Aber die Hilfe (das Heil) der Gerechten kommt vom Herrn . (Wörtl.) Unter dem Heil ist zu verstehen Hilfe und Errettung jeder Art; alle Hilfe aber wird hier Jahwe als dem alleinigen Helfer zugeschrieben. Lasst uns seinen Namen preisen. Der ist ihre Stärke, besser: ihre Schutzwehr (vergl. zu Ps. 27,1), in der Not . Während die Drangsal die Gottlosen zu Fall bringt, treibt sie die Gerechten zu ihrem allmächtigen Schirmherrn, dem es eine Lust ist, sie zu schützen und zu befreien.

40. Und der Herr wird ihnen beistehen und wird sie erretten. In alle Zukunft wird Jahwe seinen Auserwählten helfen. Unser mächtiger Verbündeter wird seine Streiterscharen uns zum Entsatz in die Schlacht führen. Er wird sie von den Gottlosen erretten. Wie er den Daniel aus der Löwengrube errettete, so wird er seine Auserkorenen vor ihren Feinden bewahren; darum brauchen sie sich nicht zu ereifern, noch den Mut sinken zu lassen. Und ihnen helfen, denn sie trauen auf ihn oder bergen sich bei ihm. Der Glaube verbürgt die Sicherheit der Auserwählten. Er ist das Merkmal, das die Schafe der Herde Gottes auszeichnet und wonach diese von den Böcken werden geschieden werden. Nicht ihr Verdienst, sondern ihr Glaube unterscheidet sie von jenen. Wer möchte es denn nicht versuchen, im Glauben zu wandeln? Wer wirklich auf den Herrn traut, wird nicht länger an den Unregelmäßigkeiten der gegenwärtigen Zeit Anstoß nehmen und sich über sie erhitzen und ereifern, sondern sich mit der Überzeugung beruhigen, dass Gottes geheimnisvolle Wege dennoch gerecht sind und, was jetzt hart scheint, doch ohne Zweifel von Gottes gutem und gnädigem Willen also geordnet ist. So endet der Psalm mit einem Klang, der die ungeheiligte Unruhe, mit der er begonnen hatte, zu Grabe läutet. Wohl denen, die sich also aus schlimmen Gemütsstimmungen in eine gute, liebliche Glaubensstimmung hineinsingen können.

Fußnoten
9.Luther hat, mit den alten Übersetzungen, die Concreta als Abstracta gefasst: Bewahre Frömmigkeit und habe Rechtschaffenheit vor Augen. Doch würde man dann
h("r: (übe) statt h)"r: (sieh an) erwarten, vergl.
V. 3. Wir übersetzen mit der engl. Bibel und den meisten neueren Auslegern: Achte auf den Frommen und schaue an den Redlichen, dass usw. Das Subjekt des Nachsatzes ist als Objekt in den Vordersatz genommen.

10. MOl$f $y)il: muss zusammengefasst werden; und da in dem parallelen V. 38b tyrixA)a jedenfalls nicht die Zukunft als Geschick bedeutet, sondern wie Ps. 109,13 soviel wie (raze ist, werden wir das Wort auch hier Nachwuchs übersetzen müssen.
Wer sich nur nach dem, was er fühlt, richtet, der verliert Christus. (Martin Luther)

Jörg
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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps37

Beitragvon Jörg » 15.08.2020 07:54

Erläuterungen und Kernworte


Zu diesem und den verwandten Psalmen. Der Glaube an Gott ist zugleich Glaube an eine gerechte Vergeltungsordnung. Die Tugend muss belohnt werden, Wohlverhalten und Wohlergehen müssen unzertrennliche Gefährten sein; die Gottlosigkeit aber muss eben so notwendig bestraft werden. Dieser Forderung des natürlichen Rechtsgefühls und des Gottesglaubens widerspricht die Tora (das Gesetz) in keiner Weise. Segen und Fluch sind die Grundbegriffe, gerechte Vergeltung der alles beherrschende Grundgedanke des Gesetzes. Vergl. 3. Mose 26 und 5. Mose 28 . Dagegen scheint die Wirklichkeit hiermit im Widerspruch zu stehen, da das äußere Ergehen der Menschen ihrer sittlichen Würdigkeit sehr oft nicht entspricht.

Im Neuen Testament bildet nun dies kein schwer zu lösendes Rätsel. Denn teils ist die Glückseligkeit hier eine höhere, innere und verborgene, die von dem äußeren Ergehen unabhängig ist - vergleiche die Glückseligkeitslehre des Himmelreichs Mt. 5 - ; teils erwarten wir erst nach dem Tode die volle Ausgleichung durch gerechte Vergeltung. Im alten Bund war es anders. Die Belohnungen und Strafen waren wesentlich und hauptsächlich irdisch-zeitlicher Natur; von einem Leben nach diesem enthielt das Gesetz nichts Bestimmtes, und man war daher hinsichtlich der Vergeltung ausschließlich auf das Diesseits angewiesen und konnte der göttlichen Langmut nicht denselben Spielraum einräumen wie im neuen Bunde. In einer Beziehung freilich gab es schon im Alten Testament eine relative Unsterblichkeit: Das Volk als Ganzes blieb dasselbe und lebte durch die Generationen fort, und hinsichtlich der Völker stellten die Propheten in Aussicht den Tag des Herrn, an welchem durch Gericht und Erlösung die göttliche Gerechtigkeit sich enthüllen werde. Und insofern der Einzelne in seinen Nachkommen an jener Unsterblichkeit teilhatte, gab es auch für ihn eine Zukunft, in der er Segen oder Fluch als Frucht seines Tuns einernten konnte. Aber das Rätsel des individuellen Lebens im Glück der Gottlosen und Unglück der Frommen war dadurch noch nicht befriedigend gelöst. Über dieses Rätsel Licht zu erlangen, ringt daher der sinnende Geist des alttestamentlichen Weisen, vergl. das Buch Hiob und den Prediger. Auch in den Psalmen wird die Frage besprochen, namentlich in den der Chokma-(alttestamentlichen Weisheits-) Literatur nahe stehenden Lehrpsalmen. In Bezug auf die theoretische, mehr oder weniger vollkommene Lösung der Frage können wir hier vier verschiedene Stufen wahrnehmen:

1) Der Knoten des Rätsels wird nicht gelöst, sondern einfach zerhauen. Der Gerechte, der schon dem Untergang nahe scheint, muss gerettet werden, sonst wäre Jahwe nicht Jahwe, also um seines Namens willen; der Frevler, der sich so sicher wähnt, muss doch dem Gericht verfallen, so gewiss ein gerechter Gott ist. - So speziell in mehreren Gebetspsalmen, z. B. Ps. 3; 4; 5; 7; 9; Der feste, freudige Glaube weiß hier von keinem Zweifel.
2) Die Möglichkeit des Zweifels wird vorausgesetzt und der Anfechtung wird vorgebeugt durch mancherlei Erinnerungen und Ermahnungen, namentlich Ps. 37 von David. Das Glück der Gottlosen ist ein zeitweiliges und scheinbares und wird reichlich aufgewogen durch mancherlei Segen des Frommen, nämlich seine Seligkeit in Gott. Dieser Psalm geht nicht wesentlich über das Gesetz hinaus.
3) Der Kampf der Anfechtung ist wirklich eingetreten und im Leben des einzelnen gläubigen Individuums beendet worden: Ps. 73 von Assaph, der seine eigene Erfahrung mitteilt. Das Glück der Gottlosen und das Unglück der Frommen wird stark betont; erst am Ende dieses Lebens kommt der Ausgleich.
4) Ruhige Betrachtung des Gegenstandes im Anschluss an ein Sprichwort: Ps. 49 voll den Kindern Korah. Dieser Psalm vereinigt in sich die Grundgedanken der Psalmen 37; 73; Das Glück der Gottlosen ist scheinbar (= Ps. 37), da nämlich der Reichtum nichtig ist und nicht von dem gemeinsamen Schicksal des Todes erretten kann. Das Ende dieses Lebens bildet für alle den Wendepunkt (= Ps. 73). G. T. 1881.

Zum ganzen Psalm . Der Psalm antwortet auf viele Zweifel, die der Kleinglaube in Bezug auf die Gerechtigkeit der göttlichen Weltregierung aufwirft.
1) Gottlose Menschen blühen und gedeihen. - Antwort: Der Gerechte soll sich darüber nicht ereifern, denn wie das Gras werden jene bald abgehauen usw.
2) Aber den Gerechten geht’s übel. - Antwort: Das Dunkel ihres Unglückes wird dem Licht fröhlichen Gedeihens weichen; so gewiss sie glauben, dass auf die Nacht der Tag folgt, so gewiss dürfen sie in der Trübsal überzeugt sein, dass Erquickung und Befreiung kommen werden.
3) Aber man schmiedet Intrigen wider die Gerechten und verfolgt sie mit gewissenloser Bosheit; ja, fast ist es schon den Ruchlosen gelungen, sie gänzlich zu verderben. - Antwort V. 12-15 : Der Herr durchschaut alle die Anschläge der Bösen und lacht über ihre tückische und doch törichte Bosheit; während sie geschäftig sind, den Gerechten zu stürzen, und hoffen, dass der Glückstag bald kommen werde, an dem sie über den Untergang der verhassten Frommen jubeln können, sieht der Herr, dass der Unglückstag des Gottlosen herankommt, ein finsterer Tag, ein Tag der Rache und des Jammers. Ihr Bogen wird zerbrechen und das Schwert, das sie schon gezückt haben, wird ihr eignes Herz durchbohren.
4) Aber die Gerechten haben geringe Mittel. - Antwort V. 16 f.
5) Aber es werden noch drückendere Zeiten über sie kommen. - Antwort V. 19. [Wir müssen es dem Leser überlassen, die weiteren Einwürfe und Antworten dem Psalm zu entnehmen.]
Wollen wir aber; der Errettung teilhaftig werden, von der der Psalm am Schluss redet, so gilt es, dass wir uns nicht in Undankbarkeit ereifern über Gottes rätselhafte Führungen (V. 1), dass wir auf den Herrn trauen und Gutes tun (V. 3), am Herrn unsere Lust haben und nicht in den irdischen Dingen unsere Befriedigung suchen (V. 4), ihm unsere Wege befehlen (V. 5), fein still und demütig werden (V. 7-11), aufrichtigen Herzens seien (V. 14) und mildtätig (V. 21.26), Wahrheit und Gerechtigkeit reden (V. 30), das Gesetz unseres Gottes in unserem Herzen haben und seinen Weg halten (V. 31.34), auf den Herrn harren und nicht zu unerlaubten Mitteln greifen. Nicholas Byfield † 1622.

Wir könnten den Psalm ein herzstärkendes Mittel für den Rechtschaffenen in böser Zeit nennen oder ein heilsames Pflaster wider die Plage der Unzufriedenheit oder ein unfehlbar wirkendes Gegenmittel gegen das Gift der Ungeduld. D. Nathanael Hardy 1649.

Tertullian († etwa 230) nennt den Psalm einen Spiegel der Vorsehung, Isidor († 440) eine Arznei gegen das Murren. D. Christ. Wordsworth 1868.

Der Psalm erinnert uns nach Inhalt und Form sehr an das Buch der Sprüche. Wir hören in ihm Lehren gesunder Lebensweisheit und Gottesfurcht aus dem Munde gereifter Erfahrung, wie wir es uns etwa denken könnten, dass der Vater einer Familie oder ein Vater in Christus sie den um ihn gescharten Lernbegierigen mitteilen würde. Barton Bouchier 1855.

V. 1. Erzürne dich nicht usw. Hier zeigt sich der erleuchtete David als einen großmütigen Vorgänger, die Kleinmütigen zu unterweisen, dass sie sich den mit Bitterkeit vermengten Zorn nicht sollen einnehmen lassen. Ps. 4,5. J. D. Frisch 1719.

Sei nicht neidisch. Als die Königin Elisabeth von England im Gefängnis war, beneidete sie das Milchmädchen; aber wenn sie gewusst hätte, welch eine glorreiche Herrschaft sie später vierundvierzig Jahre lang führen würde, hätte sie jene Magd nicht beneidet. Und ebenso wenig braucht ein gottseliger Mensch, ob er auch im Elend ist, einen Gottlosen, der auf dem Gipfel des Gedeihens und der Lust steht, zu beneiden, wenn er das betrachtet, was er bereits in Händen hat, und vor allem, was er zu erwarten hat. John Trapp † 1669.

Würde man es nicht für Torheit achten, wenn jemand, der der Erbe eines Jahreseinkommens von Zehntausenden ist, einen Komödianten beneiden würde, der wie ein König gekleidet ist und doch nicht einen Fußbreit Landes besitzt? Der, obwohl er nach dem äußeren Ansehen, in der Scheinverehrung, die ihm dargebracht wird, und in dem Gefolge, das um ihn ist, einem König oder Edelmann gleicht, dennoch zur selben Zeit in Wirklichkeit ein Bettler ist, der sich mit dem Teller die Pfennige von den Zuschauern zusammenholen muss? So sind gottlose Menschen, ob sie auch prächtig gekleidet sind und köstlich leben, seinen Wunsch sich zu versagen brauchen und mehr haben, als das Herz begehren kann, doch nur zum Schein reich; der gottselige Christ ist der wahre Erbe. Zu welchem Guten dient jenen all ihr Gedeihen? Es lässt nur den Tag ihres Verderbens desto schneller herbeikommen. Dem Ochsen, der ins Joch gespannt wird, ist ein längeres Leben beschieden, als demjenigen, der auf die fette Weide geführt wird; dass diesem solch herrliche Tage gegeben werden, dient nur dazu, seine Schlachtung zu beschleunigen. Und so ist’s auch, wenn Gott einen gottlosen Menschen auf fette Weide setzt, ihn zu Ansehen und Macht kommen lässt: Es beschleunigt nur sein Verderben. Ludovicus de Carbone, angeführt von John Spencer † 1654.
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Wer sich nur nach dem, was er fühlt, richtet, der verliert Christus. (Martin Luther)

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Beitragvon Jörg » 18.08.2020 14:42

Erläuterungen und Kernworte

V. 1.2. Wie gleichzu greift und trifft der Prophet des Herzens Gedanken in dieser Anfechtung und hebt auf alle Ursache derselben und spricht zum ersten: O Mensch, du bist zornig, hast auch Ursache, wie du meinst; denn es sind böse Menschen und tun Unrecht und viel Übel und es geht ihnen dennoch wohl, dass die Natur achtet, aufrechte Ursache des Zorns hier zu sein. Aber nicht so, liebes Kind; lass Gnade und nicht Natur hier regieren. Brich den Zorn und stille dich eine kleine Zeit. Lass sie übel tun, lass es ihnen gut gehen; höre mich, es soll dir nicht schaden. So spricht denn der Mensch: Ja, wenn wird es denn aufhören? Wer mag die Länge halten? Er antwortet; Denn wie das Gras usw. Ein feines Gleichnis ist das, schrecklich für die Intriganten und tröstlich für die Leidenden. Wie fein hebt er uns aus unserem Gesicht und setzt uns vor Gottes Gesicht! Vor unserem Gesicht grünt, blüht und mehrt sich der Intriganten Haus und bedeckt alle Welt ganz, dass sie allein etwas scheinen; wie das grüne Gras die Erde deckt und schmückt. Aber vor Gottes Angesicht, was sind sie? Heu, das man schier machen soll; und je höher das Gras wächst, je näher ihm die Sensen und Heugabeln sind. Also, je höher, weiter die Bösen grünen und oben schweben, je näher ihr Unterliegen ist. Warum wolltest du denn zürnen, da doch ihre Bosheit und Glück so ein kurz Wesen ist? So sprichst du denn: Was soll ich währenddessen tun? Woran soll ich mich halten, bis dass solches geschehe? Höre zu, große Verheißung: Hoffe auf den Herrn und tue Gutes usw. Martin Luther 1526.

Oft verwelken die Gottlosen, wie das grüne Kraut, im Frühling ihres Lebens; mitten im Emporblühen fallen sie, im Beginn ihrer unheilvollen Verschwörungen verderben sie. Aber wenn sie sich auch zur vollen Größe entfalten, reifen sie doch nur der Ernte, der vorbestimmten Zeit des Abgeschnittenwerdens, entgegen. Robert Mossom 1657.

V. 3. Man beachte wohl die doppelte Mahnung; Vertraue usw. und tue usw. Das ist die rechte Ordnung; dies beides muss miteinander Hand in Hand gehen. Das eine ist die wirkende Kraft, das andere der Erweis dieser Kraft. Beiden zusammen gehört die folgende Verheißung. C. H. Spurgeon 1870.

Das Land Kanaan galt als der Inbegriff der irdischen und als das Vorbild der himmlischen Glückseligkeit. In des Herrn Land die Fülle der Gottesgaben zu genießen und dort unter des Herrn Schutz, nahe seinem Heiligtum und inmitten des auserwählten Volks zu wohnen, das war alles, was der echte Israelit sich nur wünschen konnte. Thomas Scott † 1821.

V. 4. Woran das menschliche Herz sonst seine Lust hat, das hält es hoch und wert, zieht’s anderen Dingen vor, denkt fleißig daran, redet und hört und liest gern davon, sucht’s, liebt’s und freut sich dessen, vergnügt sich damit, leidet gern etwas darum, verlieret’s ungern usw. J. D. Frisch 1719.

Beachte, was deine und was Gottes Sache ist. Habe du deine Lust am Herrn und er wird dir geben, was dein Herz wünscht. C. H. Spurgeon 1870.

Wie viel Gnade und Liebe weht uns in diesen Worten an! Zuvor wurden wir zum Vertrauen ermuntert und nun dies liebliche Wort hinzugefügt wird, wie wird es so klar, dass die Mahnung des heiligen Geistes auf den Frieden und die Seligkeit unseres Herzens abzielt. Ziemt es sich, solch milde Freundlichkeit geringschätzig außer Acht zu lassen? Auch er hat seine Lust an euch; ich spreche zu solchen, von denen dies angenommen werden darf. Auch heißt es Spr. 8,31 ganz allgemein: Meine Lust ist bei den Menschenkindern. Bedenkt, wer er ist und wer ihr seid; und staunt und betet an. Und woran anders solltet ihr eure Lust haben? Was wolltet ihr nennen, das euch euren Gott ersetzen könnte? Überdies, wer anders sollte an ihm seine Lust haben, als ihr, seine Freunde, seine Kinder, seine Hausgenossen? Bedenkt, welche Lebenskraft und Lebensfreude es in euch ergießen wird; denn die Freude am Herrn wird eure Stärke sein (Neh. 8,10). Wie mutig und getrost könnt ihr dann euren Lauf fortsetzen und alle eure täglichen Pflichten erfüllen! Ihr seid berufen, diesem Herrn zu dienen. Dürft ihr auch nur daran denken, sein Joch abzuwerfen? Wie wünschenswert ist es denn, dass ich an dem meine Lust habe, dem ich dienen muss; dies allein macht diesen Dienst ihm annehmbar und mir leicht und lieblich. Ferner ist dies ein Vergnügen, dessen ihr nicht beraubt werden könnt, eine Freude, die niemand von euch nehmen soll (Joh. 16,22). Andere Dinge, an denen ihr euch vergnüget, schwinden dahin, ihr erfahrt es Tag für Tag. Aber weder Mensch noch Teufel kann euch hindern, an Gott eure Wonne zu haben, wenn euer Herz sich ihm hingibt. Und seid ihr nie dazu geführt worden, an einer Person oder Sache Gefallen zu finden, gegen die ihr früher eine Abneigung hattet? Sogar jemand, der euch ein Unrecht zugefügt hat, könnte euch später durch Freundlichkeit das Herz abgewinnen. Sagt mir doch einen Grund, warum euer Herz gegen den herrlichen Gott härter sein sollte, der euch nie etwas Böses getan und dessen Walten über euch stets solches Wohlwollen, solche Liebe bezeugt hat. Bedenkt auch, wie ihr aus Erden so manchem Leiden und Ungemach ausgesetzt seid, dem ihr, auch wenn ihr dem Herrn nicht anhinget, doch nicht entgehen könntet (denn Leiden ist aller Menschen Los), das ihr hingegen dadurch, dass ihr am Herrn eure Lust habt, leicht werdet zu ertragen vermögen. Und über das alles bedenket ernstlich, dass ihr sterben müsst. Da gibt es kein Entrinnen. Wie erträglich, vielmehr wie lieblich wird euch dann der Gedanke sein, zu ihm zu gehen, mit dem ihr hier auf Erden schon in so trauter, wonniger Gemeinschaft gelebt habt! Wie schrecklich aber, vor ihm erscheinen zu müssen, wenn euer Gewissen euch anklagt, dass ihr trotz all dem Werben und Locken seiner Liebe ihm fremd und kalt gegenüber gestanden habt! John Howe † 1705.

Der wird dir geben usw. Dir soll geschehen, wie du willst (Mt. 15,28). Man sagt von Luther , er habe von dem Allmächtigen haben können, was immer er begehrt habe. Was sollte ein Günstling, der das fürstliche Vorrecht der besondern Fürsorge seines Königs hat, von diesem nicht erlangen können? John Trapp † 1669 .

Gottes und des Gottseligen Wünsche kommen überein; die beiden sind in dem, was sie wollen, eines Sinnes. John Bunyan † 1688.

V. 5. Befiehl usw. Das Wort des Grundtextes heißt wörtlich: etwas auf einen wälzen, wie jemand eine Last, die ihm zu schwer ist, auf die Schultern eines anderen abwälzt, der stärker ist als er. D. William de Burgh 1860.

Beachte wiederum das Zwillingspaar; Befiehl und traue. C. H. Spurgeon 1870.

Er wird’s machen. (Wörtl.) Die Sache, die Gott machen wird, ist nicht spezifiziert, zum Zeugnis: Alles, was Machens bedarf und seiner Sorge nötig hat, ob’s ihm gleich nur überhaupt besohlen wäre, soll doch besorgt werden. Das Machen Gottes selbst belangend, so ist es allezeit an den Seinigen gut und wohl getan. Es muss ihm der Ruhm bleiben, dass er habe alles wohl gemacht, Mk. 7,37, vergl. Ps. 52,11 . J. D. Frisch 1719.

Er wird’s wohl machen. Wenn ein schwieriges Stück Arbeit einem Lehrling gegeben wird, damit er daran seine Kunst versuche, ist man zu Recht besorgt, dass es in der jungen, ungeübten Hand misslingen werde; wenn sich aber ein geschickter und erfahrener Meister daran macht, bezweifelt niemand, dass dieser das werde wieder vollbringen können, was er schon so oft zur Zufriedenheit aller zustande gebracht hat. Wäre unser Gott ein Neuling in der großen Kunst der Weltregierung und der Leitung seiner Gemeinde, hätte er bis zum heutigen Tag noch nie eine Probe seiner unendlichen Weisheit, Macht und Güte, womit er die schrecklichsten Ereignisse zum Wohl und zur Freude der Seinen wendet, abgelegt, so müsste uns in der Tat Bestürzung ergreifen, wenn es uns ist, als ob wir in den Gefahren zu versinken im Begriff wären, in die uns die List der Feinde so oft bis über die Ohren hineinstürzt. Aber da der Herr in den vergangenen Zeiten so viele Beweise gegeben hat sowohl von seiner unübertrefflichen Meisterschaft als auch von seinem festen Willen, alle menschlichen Angelegenheiten, wie zu seiner Verherrlichung, so zum wahren Besten aller derer, die ihn lieben, hinauszuführen, so würde es gottvergessene, unentschuldbare Undankbarkeit sein, die glückliche Vollendung irgendeines Werkes, das er begonnen hat, in Zweifel zu ziehen. Robert Baylie 1643.

Man vergleiche Paul Gerhardts köstliches Lied ans dem Jahre 1653; Befiehl du deine Wege.

V.6. Mag man dich auch beschuldigen, als gingst du mit bösen Dingen um, lass dich’s nicht anfechten; denn ob dein Ruf auch durch Verleumdungen und Lästerreden eine Weile verdunkelt würde, wie die Sonne durch Nebel und Wolken, so wird deine Unschuld doch gleich der Sonne, die alle Dünste vertreibt, wieder aus den Wolken hervorbrechen und wird so hell leuchten wie die Sonne am Mittag. Symon Patrick † 1707.

V. 7. Sei stille. Das ist das Schwerste, was von einem Menschen verlangt werden kann; mag ihm das Schwierigste zu tun befohlen werden, es ist nichts gegenüber diesem Gebot, nichts zu tun. S. E. Hieronymus † 420.

David sah seinen Feind, den Saul, Glück haben, und dass ihm sein Mutwille glücklich fortging, war aber stille, befahl’s Gott und wollte ihn nicht verderben, ob er gleich oft in seine Hände kam. Johann Arnd † 1621.

Sei stille dem Herrn, richte dein Auge gläubig auf ihn und bringe all die Gedanken des Unglaubens zum Schweigen, die sich in dem zagenden Gemüt erheben und am Herzen nagen, wenn es nur auf das Leiden und die Not blickt und nicht Gottes Hand in den Trübsalen erkennt und die Nebeldünste der Erde ihm so den Anblick der ewig klaren Sterne entziehen. Da mag das Herz wohl mit Jakob in düsterer Schwermut klagen: "Es geht alles über mich" (1. Mose 42,36), oder mit Elia in der Anwallung des Verzagens; "Es ist genug; so nimm nun, Herr, meine Seele" (1.Kön. 19,4), oder mit Jona im finsteren Geist des Murrens: "Zu Recht zürne ich" (Jona 4,9). All solchen Einflüsterungen des Unglaubens soll sich das Herz verschließen, still sein und wissen, dass Gott dennoch im Regimente sitzt und alles wohl macht. Schweigen soll die Stimme des Murrens, aber nicht die Stimme des Flehens; denn das Gebet führt uns gerade in die heilige Stille vor dem Herrn. Wir wenden uns zu dem Gott unseres Heils, blicken zu ihm auf, übergeben ihm all unseren Kummer, alle unsere Sorgen und fühlen uns, indem wir das tun, gestärkt zur Geduld und Hoffnung. Dieses Stillesein schließt die Bereitwilligkeit ein, den Herrn für uns wählen zu lassen, auf Grund der Überzeugung, dass alle unsere Sachen weit besser in seinen als in unseren eigenen Händen ausgehoben sind.
Noch einige praktische Bemerkungen; 1) Dies Stillesein vor dem Herrn bezieht sich zunächst auf diejenigen Prüfungen, die Gott uns sendet, nicht auf die Leiden, die wir uns, wie es so oft geschieht, selber bereiten. Es ist ein Unterschied zwischen den Bürden, die uns die Pflicht auslegt, und denjenigen, die wir uns durch unser Abweichen selber zuziehen. Jene können wir auf den Herrn abwälzen, diese aber mögen wir zu unserer Züchtigung lange zu tragen haben und unter ihrer Last dahinzukeuchen verurteilt sein. 2) Allezeit sollen wir uns dieser edlen Kunst befleißigen. Jeder von uns gibt zu, dass wir in den großen Prüfungen des Lebens der ausharrenden Geduld bedürfen; wir mögen aber nicht so bereitwillig sein, zuzugeben, dass wir sie in den kleinlichen, sich täglich wiederholenden Mühen ganz gewöhnlicher Art eben so nötig haben. Aber diese sind ebenso wohl ein Prüfstein unseres Christentums wie jene. James D. Burns † 1864.

Beachten wir wiederum das Zwillingspaar der Pflichten; Sei stille und warte. - Sodann bemerke man den Gegensatz: Der Gottlose führt seinen Weg glücklich durch (Grundt.) - und V. 5: Der Herr wird’s wohl machen . Die Ursache des Kummers ist, dass der Gottlose alle seine Intrigen glücklich ausführen zu können scheint; der Trost aber ist, dass auch mit uns alles zum guten Ende hinausgeführt werden soll, und das auf die beste Weise durch Gott selbst. C. H. Spurgeon 1870.
Wer sich nur nach dem, was er fühlt, richtet, der verliert Christus. (Martin Luther)

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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps37

Beitragvon Jörg » 22.08.2020 07:27

Erläuterungen und Kernworte

V. 8. Und was hilft solcher Zorn ? Er macht die Sache nicht besser, ja führt sie nur tiefer in den Schlamm. Und ob es schon aufs Allerbeste geriete, dass du oben lägest und gewönnest, was hast du gewonnen? Gott hast du verhindert, damit seine Gnade und Gunst verloren, und den bösen Übeltätern bist du gleich worden und wirst gleich mit ihnen verderben, wie folget. Martin Luther 1526.

Ihrer viel tun böse Dinge im Zorn aus Rachgier und Ungeduld, was sie später in Ewigkeit gereut. Johann Arnd † 1621.

V. 9. Werden das Land erben : Sowohl der Sterblichen als auch der Lebendigen, sowohl die alte als auch die neue Erde. Das Land der Sterblichen oder die alte Erde wird hier den Frommen verheißen mit ihren Häusern, Ackern, Gütern, Schätzen, Nutzbarkeiten und Gemächlichkeiten, soviel ihnen dieser Dinge not und nützlich sind. Das Land der Lebendigen aber, die neue Erde, darin Gerechtigkeit wohnt, 2. Petr. 3,13, soll mit ihren Schätzen, Gütern, fried- und freudevollen Wohnungen alles vollkommen machen. J. D. Frisch 1719.

V. 9.11.22.29.38. Die Weisheit, Güte und Gerechtigkeit wäre in der Regierung Gottes wahrzunehmen, wenn wir Augen dazu hätten! Der genealogische und chronologische Teil derselben wird in der Absicht auf den Unterschied der Gerechten und Gottlosen am wenigsten beobachtet. M. F. Roos 1774.

V. 11. Den Sanftmütigen wird der Besitz des Landes Kanaan und damit zugleich, nach den Propheten, die Herrschaft über die Erde verheißen. Nicht die stürmischen Geister, die nach dem Besitz der Welt jagen und ringen, sollen das Erdreich besitzen, sondern die stillen Dulder, die jetzt aus einem Winkel in den anderen gedrängt und auf alle Weise unterdrückt werden. Gerade sie, die alles Rechtes und Besitzes beraubt erscheinen, sie und sie allein sollen die Erde besitzen und genießen; und was könnte angemessener und billiger sein? Nicht jetzt sollen sie die Erde haben, denn noch ist sie nicht des Habens wert. Nicht diese verfluchte Erde soll ihr Eigentum sein; aber wenn der Herr der Erde diese völlig in Besitz genommen hat und statt des Fluches Gottes Segen sie bedeckt, dann sollen die Gesegneten des Herrn sie nach heiligem Recht erben. John Pennington 1656.

Und ihre Lust haben an großem Frieden. (Wörtl.) Wahrlich, wenn einst die Herrlichkeit des Herrn die Erde bedeckt, wenn alle Reiche dieser Welt das Eigentum des Friedensfürsten geworden und die Gottlosen ausgerottet sind, dann wird Friede und Heil in unermesslicher Fülle aus Erden sein. D. W. Wilson 1860.

V. 12-15. Man beachte, wie den Gottlosen ihr Zähneknirschen über die Gerechten damit gleichsam erwidert wird, dass der Herr über sie lacht, und wie sich alle ihre Unheilspläne durch des Herrn Leitung gegen sie selber wenden müssen. C. H. Spurgeon 1870.

V. 13. Das Lachen unseres Herrn Gottes spritzt höllisch Feuer. Martin Luther † 1546.

Scheint es nicht fast, als stehe der heilige Geist unseren Trübsalen gar kühl gegenüber, da er Gott darstellt, als lache er dabei nur? Wenn unsere Rettung bei Gott etwas gilt, warum erhebt er sich denn nicht, der Wut unserer Feinde mit Macht entgegenzutreten? Wir wissen, dass dieses Gedulden Gottes, wie wir schon zu Ps. 2,4 gesagt haben, unsere Geduld bewähren soll. Und damit kein Fleisch murrend frage, warum der Herr der Gottlosen nur lache und nicht an ihnen Rache übe, wird der Grund hinzugefügt: Er sieht, dass der Tag ihres Verderbens nahe ist. Jean Calvin † 1564

V. 14.15. Wenn die Gottlosen am nächsten daran sind, dem Volk des Herrn ein Unheil zuzufügen, dann ist das Unheil ihnen selber am nächsten. John Trapp † 1669.

V. 16. Das wenige, das ein Gerechter hat, ist besser usw. 1) Weil die Gottlosen sich vielfach durch unrechte Mittel bereichern und damit sich nicht nur auf Erden viel Plage bereiten, sondern auch einen Schatz des Zorns auf den Tag des Zornes häufen (Röm. 2,5), während die Gerechten bei dem Wenigen, aber Wohlerworbenen, das sie besitzen, Frieden des Gewissens und dazu die Hoffnung auf den Himmel genießen. 2) Weil die Gerechten ihre Güter wohl anwenden und dadurch wahren Nutzen davon haben, während die Gottlosen ihre Reichtümer missbrauchen und diese ihnen somit nur schaden. 3) Weil die Gerechten, ob sie auch nur von der Hand zum Munde leben, was sie haben, als Gottes Gaben und Unterpfänder seiner väterlichen Liebe und Fürsorge genießen, so dass es ihnen ein süßes Himmelsmanna ist, das sie köstlich erquickt und tief befriedigt, während die Gottlosen bei all ihren Reichtümern von solcher Freude und Sättigung nichts wissen. 4) Weil Gott die Gerechten bei grober Kost nicht selten besser gedeihen lässt, als die Gottlosen bei all ihrem Überfluss, vergl. Dan. 1,8-16. 5) Endlich, weil die Gottlosen ihren Reichtum nicht lange genießen, vergl. die folgenden Verse des Psalms. Arthur Jackson † 1666.

Solche, die dem Herrn fern und fremd gegenüber stehen, haben wohl den Gebrauch der äußeren, irdischen Gaben Gottes, aber man kann nicht eigentlich sagen, dass sie sie genießen. Sie scheinen die Herren ihrer Güter und sind doch deren Sklaven. Sie mögen von Genuss träumen, aber all ihr Genuss ist ein Traum, leere Einbildung. Wahre Erquickung fließt aus einer anderen Quelle als einer solchen, nach der man in der Erde graben kann. Gottes Liebe ist der Brunnquell aller echten Freude. O wie hebt das den Wert jeder, auch der alltäglichsten Gnadengabe, wenn wir sagen können; "Christus hat mich geliebt und sich selbst für mich hingegeben, damit ich mich dieser Segnungen erfreuen könne." Und haben wir dann auch nur Nahrung und Bedeckung (1.Tim. 6,8), so haben wir mehr, als wer ohne diesen Schatz der Liebe Gottes das ganze Türkenreich oder alle Schätze Indiens besäße. David Clarkson † 1686.

Wie die Wasserbäche, die von den Hügeln einiger der Molukken (der indonesischen Gewürzinseln) fließen, von dem Zimt und den Gewürznelken duften, die dort wachsen, so wird auch, was du hast, und wäre es nur ein Trunk Wassers, nach der Liebe und Gnade des Gebers schmecken. George Swinnock † 1673.

Mit den gottlosen Reichen ist’s wie mit einem Schiff, das mit Gold und Silber beladen ist; es mag bis zum Sinken beladen sein und hat doch Raum, zehnmal mehr zu fassen. So geht’s auch hier: Was der elende Geizhals hat, mag genug und übergenug sein, ihn ins Verderben zu stürzen: Aber er hat nie genug, sein Wünschen zu befriedigen. Der König von Spanien, weitaus der größte Fürst in der ganzen Christenheit, dessen Reich so weit ist, dass er sagen kann, die Sonne bescheine dasselbe allezeit, hat doch den Wahlspruch: Totus non sufficit orbis: Die ganze Welt genügt nicht. Und die Zeit wird gewisslich kommen, wo die reichsten Gottlosen, die je gelebt haben, eingehen werden, dass ihre Verantwortlichkeit so viel geringer gewesen und somit ihr Zustand in der Ewigkeit so viel weniger elend wäre, wenn sie in Armut gelebt und sich ihr Brot ihr Leben lang an den Türen hätten erbetteln müssen. John Glascock 1659.

Besser des Lazarus Krumen mit dem Segen als des reichen Mannes köstliche Speisen mit dem Fluch; besser ein zwilchener Kittel mit dem Segen, als Purpur und Seide mit dem Fluch. Thomas Brooks † 1680.

V. 17. Der Gottlosen Arme; ihre Kraft, ihre Tapferkeit, ihr Einfluss, ihre Klugheit, ihr Reichtum. Thomas Brooks † 1680.

V.18. Der Herr kennt die (Lebens-)Tage der Frommen und keine Bosheit der Menschen kann sie verkürzen. D. W. Wilson 1860.

V. 21. Bezahlt nicht: Weil er es vor Not nicht kann. Vergl. 5. Mose 28,12.43 f. Ein Israelit, der in solche Lage kam, wurde samt seiner Familie dem Gläubiger leibeigen, vergl. 2.Kön. 4,1. D. Daniel Creßwell † 1844.
Wer sich nur nach dem, was er fühlt, richtet, der verliert Christus. (Martin Luther)

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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps37

Beitragvon Jörg » 24.08.2020 17:37

Erläuterungen und Kernworte

V. 23. Und er hat Lust an seinem Wege. Man beachte, dass wir in V. 4 gemahnt worden sind, am Herrn unsere Lust zu haben, und dass nun hier vom Herrn ausgesagt wird, er habe an uns und unserem Wege Lust. Ferner: Unser Weg ist seine Lust und wir sollen seinen Weg halten (Ps. 34). Diese Gegensätze sind lehrreich. C. H. Spurgeon 1870.

V. 24. Fällt er, so wird er nicht weggeworfen, denn usw. Damit tröstet der Geist und antwortet den heimlichen Gedanken, die jemand möchte haben und bei ihm selbst sagen: Ja, ich habe dennoch etwa gesehen, dass der Gerechte hat unterliegen müssen, und ist seine Sache gar in die Asche gefallen vor denen Gottlosen? Ja, spricht er, liebes Kind, lass das auch sein, dass er falle; aber er wird dennoch nicht so liegen bleiben und verworfen sein; er muss wieder auf, ob schon alle Welt dran verzweifelt habe. Denn Gott erwischt ihn bei der Hand und hebt ihn wieder auf. Martin Luther 1526.

V. 25. David sagt nicht, er habe den Gerechten nie in Trübsal gesehen, sondern: Er habe ihn nie in der Trübsal verlassen gesehen. Oder seinen Samen nach Brot gehen , fügt er hinzu, weil das Betteln in dem Gottesstaate Israel ein Zeichen der äußersten Verlassenheit war. Denn obwohl Gott vorausgesagt hatte, dass es allezeit an Armen im Lande nicht fehlen würde, hatte er es doch Israel wissen lassen, dass völlige Verarmung nur eitle Folge der Untreue des Volks sein würde (vergl. 5. Mose 15,11. 4), und hatte so trefflich für die Bedürftigen gesorgt, dass eigentliche Bettelarmut kaum eintreten konnte, wie Bettler denn auch im ganzen Alten Testament nur an wenigen Stellen erwähnt werden. Wollte aber jemand sagen, David selber habe sich von Ahimelech und von Nabal Brot erbettelt, so antworte ich: Vereinzelte Fälle des Bettelns machen noch keinen zum eigentlichen Bettler. Wir können nicht sagen, David habe sich sein Brot erbettelt, weil er einmal in Bedrängnis war und Ahimelech um Brot bat und in einem zweiten Notfall sich an Nabal wandte. In solchen plötzlichen Verlegenheiten könnte der reichste Mann der Welt in die Lage kommen, um ein Stück Brot zu fragen. Treffliche Menschen können in solch eine Klemme geraten; aber sie werden selten, wenn überhaupt je, darin gelassen. Joseph Caryl † 1673.

Man wird vielleicht einwerfen, dass es viele gerechte Leute gegeben habe, die arm gewesen seien. Aber man beachte, dass hier voll mildtätigen Gerechten die Rede ist, wie der folgende Vers zeigt. Und wer hat je einen solchen oder dessen Samen in so großer Armut gesehen, dass er gewohnheitsmäßig nach Brot gehen musste? Als unser Heiland viertausend Mann mit sieben Broten und ein wenig Fischen gespeist hatte, so dass alle gesättigt waren, da konnten die Jünger noch sieben Körbe mit den übrigen Brocken füllen. "Die Lebensmittel wurden im Austeilen vermehrt, und so ist’s mit den Almosen, die den Armen gegeben werden", sagt Augustinus zu der Stelle. D. Michael Jermin † 1659.

Ich habe noch nie gesehen usw. Ich halte dafür, dass dies in allen Fällen buchstäblich wahr ist. Auch ich bin nun ein Greis; ich bin in manchen Ländern gereist und habe vielerlei Gelegenheit gehabt, fromme Leute in allerlei Lebenslagen kennen zu lernen, und habe noch nie, dass ich wüsste, ein Beispiel des Gegenteils gesehen. Gott legt denen Ehre bei, die ihn fürchten; und so trefflich sorgt er sowohl für sie als auch für ihre Nachkommen. Adam Clarke † 1832.

Wir finden in der Tat Ausnahmen, wie z. B. bei Elis Nachkommen (1. Samuel 2,36). Aber das war die Folge davon, dass Eli eben nicht den vollen Charakter eines Gerechten hatte. Und wir wissen, dass die Verheißungen ausbleiben müssen, wenn wir die Mittel zu ihrer Erfüllung vernachlässigen. Siehe 1. Mose 18,19. David Davidson 1836.

V. 25.26. Viele Leute quälen sich mit sorgenvollen Gedanken, wie es ihren Kindern wohl gehen werde, wenn sie selber nicht mehr da seien; aber sie bedenken nicht, wie Gott für sie selber gesorgt hat, als sie noch Kinder waren. Ist des Herrn Arm verkürzt? Ist er nicht dein Vater geworden, als Vater und Mutter dich verließen Ps. 27,10)? Und sollte diese Güte, die du erfahren hast, dich nicht zu der Überzeugung bringen, dass er auch deine Kinder nicht verlassen werde? Viele Väter sorgen sich im Misstrauen gegen Gott dermaßen um ihre Kinder, dass sie ihrem Leib das Nötige an Nahrung und Ruhe vorenthalten und sogar ihre Seele aufs Spiel setzen, um jene als vermögende Leute zu hinterlassen. Wenn Wucher, Betrug, Bedrückung und Erpressung sie reich machen können, so sollen sie nicht arm sein. Ihre Torheit wäre lächerlich, wenn es nicht so tief traurig wäre. Sie sorgen sich, ihre Kinder möchten ins Elend geraten, und doch schlagen sie den geradesten Weg ein, sie ins Elend zu führen; denn sie werden sie nicht sowohl als Erben ihrer Güter, als vielmehr als Erben ihrer Übeltaten zurücklassen. Die Kinder erben so gewiss ihrer Väter Sünden als deren Ländereien. "Gott spart desselben Unglück auf seine Kinder und seine Nachkommen werden des Brots nicht satt habend" (Hiob 21,19; 27,14) Der Gerechte aber ist allezeit barmherzig und leiht gerne und sein Same wird gesegnet sein . Wovon der Weltmensch denkt, dass es seine Kinder arm machen werde, davon sagt Gott, dass es dem Samen des Gerechten ein Segen sein werde. So vertraue denn dem Herrn die Zukunft deiner Kinder an. Thomas Adams 1614.

V. 26. Man merke: Je mehr der Gerechte gibt und leiht , desto besser ist’s für seine Kinder. Denn die Kinder sind stets am besten versorgt, deren Eltern also gesinnt sind, dass sie lieber Gott ihre Kinder, als ihren Kindern Reichtümer anvertrauen und die ihre Hoffnung darauf gründen, dass, ob sie auch sterben, Gott lebt. Könnte nur einer dieser reichen und doch erbärmlichen Väter, die sich selber aushungert und ausgemergelt haben, um ihre Söhne zu großen Herren zu machen, von den Toten aufstehen und das Wort Salomos erfüllt sehen: "Der Reiche zeugt einen Sohn, dem bleibt nichts in der Hand" (Pred. 5,13); ich bin überzeugt, das Nachsinnen über diese Dinge würde ihn so unglücklich machen, wie es nur eine Höllenpein kann. So bedenkt doch ihr dies, die ihr jetzt lebt und es an anderen seht, und verschließt euch der Einsicht nicht, dass eben dasselbe euren Kindern begegnen mag, wenn ihr dahin seid, falls eure Güter von euch schlecht erworben oder schlecht angewandt worden sind. Matthew Griffith 1633.

V. 29. Das Land erben. Wie nachdrucksvoll ist es, dass dieselbe Verheißung mit demselben Ausdruck fünfmal, nämlich V. 9.11.22.29.34 , wiederholt wird. D. W. Wilson 1860.

V. 30.31. Darum redet der Gerechte recht und dichtet Weisheit, dass Gottes Gesetze nicht in dem Buch, nicht in den Ohren, nicht auf der Zunge, sondern in seinem Herzen ist. Gottes Gesetz mag niemand recht verstehen, es sei ihm denn im Herzen, dass er es lieb habe und lebe danach, was der Glaube an Gott tut. Darum, ob die Gottlosen wohl viel Worte machen von Gott und seinem Gesetze, rühmen sich der Schrift Lehrer und Erfahrene, so reden sie doch niemals recht noch weise. Denn sie haben es nicht im Herzen; darum verstehen sie ihn nicht, es betrügt sie der Schein, dass sie die Worte und die Schrift führen und deswegen wüten und verfolgen die Gerechten. Ferner, des Gerechten Tritte rutschen nicht aus , sondern gehen gewiss frei einher, in gutem Gewissen, darum, dass er der Sache gewiss ist, und mag nicht verführt werden durch Menschen-Gesetz und -Beilehren. Aber die Gottlosen fallen und rutschen allezeit hin und her, haben keinen gewissen Tritt, weil sie Gottes Gesetz ohne den Glauben nicht recht verstehen. Martin Luther 1526.

V. 34. Harre . Wer in Wahrheit auf Gott vertraut, wartet geduldig, bis Gottes Stunde gekommen ist, bedient sich keiner anderen als der ihm von Gott au die Hand gegebenen Mittel und wandelt auf Gottes Weg, ob dieser auch ein Umweg scheint. Sie eilen mit Weile und stürzen ihre Seele nicht durch Hast in Gefahr. Sie treten nicht ab von dem guten und geraden Wege des Herrn, ob sie auch dadurch einem Verlust oder einer Trübsal ausweichen und einen begehrenswerten Vorteil erlangen könnten. Der echte Glaube lehnt sich auf seinen Gott; darum hält er Gottes Weg ein . Wer die Armut mehr fürchtet als die Sünde, wer mehr um die Dinge dieser Welt als um seine Seele besorgt ist, ja wer nicht eifersüchtig darüber wacht, dass seine irdischen Sorgen nicht die Oberhand gewinnen, - bei dem ist es klar, dass er in Bezug auf sein irdisches Durchkommen nicht im Gottvertrauen lebt. Und wer das Zeitliche nicht Gottes treuen Händen überlässt, der hat auch seine Seele nicht gläubig Gott übergeben, was immer er in dieser Beziehung denke oder vorgebe; seine Hoffnung auf die Seligkeit ist nichts als Einbildung. David Clarkson † 1686.

V. 35. Warum wird der Gottlose (nach Luthers und anderen Übersetzungen) hier mit einem Lorbeerbaum verglichen? Weil dieser im Winter, wenn die anderen, nützlicheren Bäume verwelkt und nackt dastehen, so grün ist wie im Sommer. So ist’s mit den Gottlosen. Wenn Gottes Kinder in den Stürmen der Verfolgungen, Anfechtungen und Trübsale verwelkt und wie tot sind, gedeihen die Gottlosen und scheinen in den Augen der Welt gar glücklich zu grünen. Das war der Fall mit Hophni und Pinehas (1. Samuel 2). Während die Gottesfürchtigen über die Schändung des Heiligtums trauerten, ließ Gott jene gewähren, dass sie sich den Bauch füllten und in ihrer Bosheit gediehen. Aber warum? Weil er sie verderben wollte. J. Gore 1633.

V. 35.36. Heute treibt er
Der Hoffnung zarte Blätter, morgen Blüten,
Die ihn mit dichter Blumenpracht umkleiden;
Am dritten Tage tödlich kommt der Frost,
Und - wenn er denkt, der gute sichere Mann,
Dass seine Größe reift - nagt ihm die Wurzel
Und stürzt ihn, so wie mich.
Kardinal Wolsey in Heinrich VIII. von William Shakespeare † 1616.

Als der Herr einst den unfruchtbaren Feigenbaum verfluchte, verdorrte dieser rasch und zwar bis auf die Wurzel. Der schreckliche Fluch des jüngsten Tages wird nicht weniger wirksam sein. Thomas Tymme 1634.

V. 40. Er wird - wird - wird. O der Beredsamkeit des Geistes Gottes, der Sicherheit der Gläubigen, der Gewissheit der Verheißungen! John Trapp † 1669.

O der schändlichen Untreue, Misstreue und verdammten Unglaubens, dass wir solchen reichen, mächtigen, tröstlichen Zusagungen Gottes nicht glauben, und zappeln so gar leicht in geringen Anstößen, so wir nur böse Worte von den Gottlosen hören. Hilf Gott, dass wir einmal rechten Glauben bekommen, den wir sehen, dass er in aller Schrift gefordert werde. Amen! Martin Luther 1526.

Homiletische Winke

V. 1. Die Kunst, die Seelenruhe zu bewahren.
V. 1.2. Eine häufige Anfechtung und ein bewährtes Mittel gegen dieselbe, nämlich der Blick auf das Ende des Sünders.
V. 2. Wie und wann die Gottlosen umkommen.
V. 3. Zwei Satzpaare, die ein heiliges, und zwei, die ein glückliches Leben (siehe S. 695) schildern. Das Bild des Gläubigen. 1) Aus wen traut er? 2) Was treibt er? 3) Wo wohnt er? 4) Wie nährt er sich?
V. 4. Man zeige, woran der Gläubige seine Lust hat und welcherart die Begehren seines Herzens sind und den Zusammenhang zwischen beiden. Sonnenschein im Herzen. Predigt von C. H. Spurgeon, Min.-Ausg. Bd. 3, S. 361. Bapt. Verlag, Kassel.
V. 5.6. Das Leben des Christen; 1) ein Leben der Entsagung; 2) ein Leben des Glaubens; 3) ein Leben voll zunehmender Herrlichkeit.
V. 6. Guter Trost für verleumdete Gerechte. Wo ist ihre Ehre jetzt? Wer wird sie enthüllen? Die allmähliche, aber sichere Weise dieser Enthüllung, und das herrliche Ende.
V. 7. Was sollen wir? Stille sein. Vor wem? Dem Herrn. Wann? Wie? Warum ? Stille, Geduld und Selbstbeherrschung.Sei stille dem Herrn: 1) ergeben in seinen Willen, denn was er will, dient stets zu deinem wahren Besten; 2) ruhend in seiner gnadenvollen Liebe; 3) bleibend in seinem Wort.Ruhe in dem Herrn. Predigt von C. H. Spurgeon, Botschaft des Heils, Bd. 3, S. 193. Bapt. Verlag, Kassel.
V. 8. Eine Predigt für aufgebrachte Gemüter. 1) Stehe ab vom Zorn. Der Zorn ist Unsinnigkeit, ist Sünde, verhindert dein Gebet, führt zum Übeltun und mag zu noch Schlimmerem führen. 2) Lass den Grimm auch für die Zukunft ganz fahren, scheide dich von ihm, bereue ihn, wache über dein Gemüt, halte deine Leidenschaften in Zucht und meide alles, was mit dem Murren und Neiden verwandt ist.
V. 9. Die Erben der Herrschaft.
V. 10. Bedenke, 1) was der abgeschiedene Sünder hat verlassen müssen; seine Besitztümer, Freuden, Ehren, Hoffnungen, Pläne usw.; 2) wohin er gegangen ist; 3) ob du sein Los teilen willst oder wirst.
V. 10.11. Schreckensworte für die Gottlosen, Trostworte für die Gläubigen.
V. 11. Die Wonne, die der Elenden harrt.
V. 15. Die selbstmörderische Natur des Bösen.
V. 16. Die Kunst, aus wenig viel zu machen.
V.16.17. 1) Verschiedene Besitzer einander gegenübergestellt. 2) Ihre Besitztümer miteinander verglichen. 3) Wem wird der Vorzug gegeben? 4) Warum?
V. 17b. 1) Die bevorzugten Leute, von denen der Text redet. 2) Ihre offenbare Not: Sie bedürfen des Stützens. 3) Der eigenartige Segen, den sie genießen: sie werden aufrecht erhalten über, unter und nach der Trübsal. 4) Ihr hoher Beschützer.
V. 18a. Der Trost, dass Gott um alles, was die Frommen betrifft, weiß und sich liebevoll und hilfsbereit kümmert.
V. 18b. Der Besitzt der Frommen. Worin besteht er? Wie haben sie ihn erlangt? Wie lange wird er ihnen bleiben?
V. 19. Gute Worte für böse Zeiten.
V. 21. Das Verhalten in Geldsachen - ein Prüfstein des Charakters.
V. 22. Gottes Segen das Geheimnis aller wahren Glückseligkeit; Gottes Missfallen- der Urgrund alles Elends.
V. 23. Das Geheimnis eines festen Ganges.
V. 24. Was mag geschehen? Was kann nicht geschehen? Was wird geschehen?
V. 25. Ein Spruch aus der Erfahrung eines ergrauten Beobachters.
V. 26. Des Gerechten barmherzige Gesinnung, seine edelmütige Handlungsweise und sein reicher Lohn. Worin besteht der Segen, der auf Kindern von frommen Leuten ruht, und worin nicht?
V. 28. 1) Des Herrn Liebe zum Recht. 2) Seine Treue gegen die Treuen. 3) Durch beides ist die Bewahrung der Frommen, aber auch 4) der Untergang der Gottlosen verbürgt.
V. 29. Kanaan als Vorbild des Erbes der Gerechten.
V. 30. Unsere Rede ein Prüfstein unserer Gottseligkeit.
V. 31. Das Beste am besten Ort mit der besten Wirkung.
V. 32.33. Unsere Feinde; ihre tief gewurzelte Bosheit; unser göttlicher Beschützer und Sachwalter.
V. 34. 1) Eine zwiefache Ermahnung: a) Harre auf den Herrn, b) und halte seinen Weg - warte und wirke, steh still und wandle, nimm. Gnade aus Gottes Fülle und wende sie an. 2) Eine zwiefache Verheißung; a) So wird er dich erhöhen, dass usw. - Gott der Urheber aller Erhöhung und Ehre. b) Du wirst es sehen, dass die Gottlosen ausgerottet werden - und sie werden ausgerottet werden. William Jay † 1853. Harrender Glaube, beharrliche Tugend, und die diesen beiden verheißene Erhöhung.
V. 34c. Was bewegt das Herz der Gottseligen angesichts des Schicksals der Sünder? Die Gottlosen abgeschnitten (wörtl.); 1) oft schon in diesem Leben von ihrer Stätte, ihren Reichtümern und Aussichten; 2) im Tode von jeglichem Besitz und Genuss; 3) am jüngsten Tage von der Auferstehung des Lebens (Joh. 5,29). William Jay † 1853.
V. 35-37. Drei denkwürdige Szenen; 1) Der imposante Anblick des Gottlosen; 2) sein erstaunliches Verschwinden; 3) das friedvolle Ende des Friedenskindes (nach anderer Übersetzung).
V. 39.40. Ein sechsfaches Seil der Verheißung. Wer kann sich daran halten? (Die Gerechten - denn sie trauen auf ihn).
Wer sich nur nach dem, was er fühlt, richtet, der verliert Christus. (Martin Luther)

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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps38

Beitragvon Jörg » 30.08.2020 11:01

PSALM 38 (Auslegung & Kommentar)


Überschrift

Ein Psalm Davids zum Gedächtnis. Das letzte Wort steht auch bei Psalm 70. Wahrscheinlich bedeutet es, dass der Psalm bei der Darbringung der Askara, des den Opfernden bei Gott in Erinnerung bringenden Rest des Speisopfers (3. Mose 2,2;24,7 u. öfters), gesungen werden sollte. Andere übersetzen: ein Psalm zur Erinnerung, nämlich der Leiden und der Rettung des Dichters; wieder andere: zum Preise, nämlich Gottes.

Einteilung

Der Psalmdichter beginnt mit einer Bitte V. 2, schüttet dann V. 3-9 seine Klagen aus, hält V. 10 einen Augenblick inne, um seinen Blick nach oben zu richten, fährt dann V. 11-15 mit der Schilderung seiner Kümmernisse fort und wendet sich V. 16 erneut mit einem Wort hoffnungsvollen Glaubens an Gott. V. 17-21 strömt zum dritten Mal sein Mund von seinem Herzeleid über; V. 22.23 schließt er mit dringendem Flehen.

Auslegung

2. Herr, strafe mich nicht in deinem Zorn,
und züchtige mich nicht in deinem Grimm.

Herr, nicht in deinem Zorn strafe mich. (Vergl. zu Ps. 6,2) Strafe muss mich treffen, denn ich bin ein ungehorsames Kind und du ein achtsamer Vater; aber mach’s gnädig mit mir, ob ich mich auch schwer versündigt habe. Anderer Zorn kann ich ertragen, aber deinen nicht. Wie deine Liebe meinem Herzen überaus köstlich ist, so schneidet dein Missfallen mir tief ins Gewissen. Und nicht in deinem Grimm züchtige mich. Züchtige mich, wenn du willst; als Vater hast du das Recht dazu und mir gebührt als Kind, es gehorsam auszuhalten. Aber wandle nicht den Stab in ein Schwert; schlage mich nicht zu Tode. Wohl könnten meine Sünden die ganze Glut deines Grimms anzünden; aber lass deine Gnade und Langmut die flammenden Kohlen deines Zornes löschen. Handle nicht mit mir wie mit einem Feind, strafe mich nicht wie einen Aufrührer. Erinnere dich deines Bundes und gedenke deiner Vatertreue; vergiss nicht meine Schwachheit und schone deines Knechts.

3. Denn deine Pfeile stehen in mir,
und deine Hand drückt mich.
4. Es ist nichts Gesundes an meinem Leibe vor deinem Drohen,
und ist kein Friede in meinen Gebeinen vor meiner Sünde.
5. Denn meine Sünden gehen über mein Haupt;
wie eine schwere Last sind sie mir zu schwer worden.
6. Meine Wunden stinken und eitern
vor meiner Torheit.
7. Ich gehe krumm und sehr gebückt;
den ganzen Tag gehe ich traurig.
8. Denn meine Lenden verdorren ganz,
und ist nichts Gesundes an meinem Leib.
9. Es ist mit mir gar anders als zuvor und bin sehr zerstoßen.
Ich heule vor Unruhe meines Herzens.


3. Denn deine Pfeile stecken in mir, wörtl.: haben sich in mich gesenkt, d. h. sie sind in mich eingedrungen. Die Pfeile sind Gottes Zorngerichte, die sich dem Psalmdichter an seinem Leibe als Krankheit, an seinem Geiste als innere Züchtigung zu fühlen geben. Vornehmlich sind wohl die Seelenleiden gemeint; denn diese haben eine schärfere Spitze und bohren sich mit ihren Widerhaken fester ein als alle äußeren Trübsale an und für sich. Gottes Gesetz verwundet tief und ruft einen heftigen Brand hervor, wenn es als Pfeil des heiligen Geistes das Herz des Sünders trifft, um ihn von der Sünde zu überführen. Den Pfeil kann man nicht leichtfertig durch Gleichgültigkeit oder Ausgelassenheit abstreifen oder mit der schmeichlerischen Hand der Selbstgerechtigkeit ausziehen. Der Herr versteht es, seine Geschosse so zu schleudern, dass sie nicht nur treffen, sondern stecken bleiben. Er kann das Schuldbewusstsein ins Innerste dringen lassen wie einen Pfeil, der bis zum Schaft dem Feinde ins Herz getrieben ist. Der Gedanke, dass der Herr seine Waffen auf seine Auserwählten richte, scheint uns seltsam. Aber in Wahrheit zielt er damit auf ihre Sünden, nicht auf sie selbst; und wer die die Sünde ertötende Macht der Wurfgeschosse Gottes in diesem Leben an sich erfährt, entgeht dem Schicksal, in der zukünftigen Welt von den verzehrenden Donnerkeilen des Allmächtigen erschlagen zu werden. Und deine Hand drückt mich, wörtlicher: ist auf mich herabgefahren . Der Herr hatte David seine Nähe schrecklich empfinden lassen; er hatte ihn mit der vollen Wucht seiner Hand niedergedrückt, dass ihm weder Kraft noch Atem blieb. Die Überzeugung von der Sünde ist nach den beiden Aussagen unseres Verses ein stechendes und drückendes Ding, scharf und quälend, verwundend und zermalmend. Wer die Schrecknisse Gottes (Hiob 6,4; Ps. 88, 16) aus Erfahrung kennt, weiß am besten, wie genau und lebenswahr diese Schilderung ist.

4. Es ist nichts Gesundes an meinem Leib (wörtl.: Fleische) vor deinem Drohen . Seelischer Druck wirkt auf den Körper; er ist im Stande, jede Krankheit zu erzeugen und zu fördern und ist an und für sich schon das schmerzlichste aller Übel. Seelenleiden greifen den ganzen Menschen an; sie schwächen den Körper und die Leibesschwachheit wirkt dann wieder auf das Gemüt zurück. Ein Tropfen der Feuerglut des göttlichen Zorns macht, dass unser ganzes Geblüt vor Elend überwallt. Und ist kein Friede in (oder, vergl. die 4. Anm. S. 700: nichts Heiles an) meinen Gebeinen vor meiner Sünde. Noch tiefer dringt die Krankheit ein, bis sogar die Knochen angegriffen werden. Von der Fußsohle bis aufs Haupt nichts Gesundes an sich haben und ohne Frieden , ohne Ruhe sein, das sind zwei traurige Mängel; aber jedes erwachte Gewissen ist sich ihrer bewusst und niemand kann da helfen als Jesus. Gottes Zorn ist ein Feuer, das das Mark verzehrt; es durchwühlt die verborgensten Teile des Leibes. Wer in den Knochen Schmerzen hat, wirft sich auf seinem Lager hin und her, er sucht Ruhe und findet keine und wird von der Pein ganz aufgerieben. So erzeugt auch die Erkenntnis der Sünde in vielen Fällen im Gewissen eine entsetzliche Unruhe, deren Qualen nur von der Hölle selbst übertroffen werden können.

5. Denn meine Sünden (meine Verschuldungen) gehen über mein Haupt . Wie Wogen des Ozeans schlagen sie über mir zusammen; ich versinke in ihnen wie in einem tiefen Pfuhl schwarzen Schlammes. Über meine Hoffnungen, meine Kraft, mein Leben erheben sich meine Missetaten in ihrer ganzen Schrecklichkeit. Gleichgültige Sünder meinen wohl, ihre Sünden seien eine seichte Furt; aber wenn ihr Gewissen aufgerüttelt wird, erkennen sie die bodenlose Tiefe ihrer Verdorbenheit. Wie eine schwere Last sind sie mir zu schwer worden. Wohl uns, wenn die Sünde uns zur unerträglichen Last wird und die Erinnerung all unsere Verfehlungen uns so bedrückt, dass wir es nicht aushalten können. Dieser Vers ist der natürliche Aufschrei eines Menschen, der sich durch seine Übertretungen dem Verderben überliefert sieht und dem der Blick für die vollgültige Erlösung noch nicht geöffnet ist.
Wer sich nur nach dem, was er fühlt, richtet, der verliert Christus. (Martin Luther)

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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps38

Beitragvon Jörg » 01.09.2020 17:34

6. Meine Wunden stinken und eitern vor meiner Torheit. Beziehen wir diese Worte auf den Leib, so schildern sie einen höchst traurigen Krankheitszustand; aber auch von der Seelenverfassung des Psalmisten geben sie ein naturgetreues Bild. Das Gewissen versetzt uns einen Hieb nach dem andern, bis wir voller Beulen und Striemen sind und diese zu offenen Wunden werden, die von übel riechendem Eiter fließen, so dass das innere Verderben sich in seiner ganzen Ekelhaftigkeit bemerkbar macht. Der Schauder vor sich selber ergreift den Menschen, wenn Gottes Gesetz In Seiner Heiligen Geistesmacht ihm seine Verdorbenheit und Unflätigkeit ganz enthüllt! Es ist wahr, es gibt Krankheiten, auf die die Beschreibung dieses Verses genau passt, wenn sie den höchsten Grad erreicht haben; wir ziehen es aber vor, die Ausdrücke als lehrreiche Bilder anzusehen, da uns die Worte "vor meiner Torheit" eher auf einen sittlichen als einen körperlichen Krankheitszustand hinzuweisen scheinen. Torheit heißt die Sünde, weil sich durch sie der Mensch selbst verdirbt. Manche von uns wissen gar wohl, was es heißt, vor sich selber stinkend zu werden, so dass einem vor einem selber ekelt. Keine noch so garstige Krankheit ist so abscheulich wie die Sünde. Weder Pestbeulen noch Krebs noch andere die Luft verpestende Übel kommen ihr an unaussprechlicher Schlechtigkeit und Unreinheit gleich. Unsere persönlichen Wahrnehmungen haben uns das zu Gemüt geführt. Wir schreiben, was wir wissen, und zeugen, was wir gesehen haben; und noch jetzt schaudert uns, wenn wir daran denken, dass so viel Böses in den Tiefen unseres Wesens verborgen eitert.

7. Ich gehe krumm, besser; ich krümme mich vor Angst, winde mich vor Schmerzen. Und gehe sehr gebücket. Nichts bringt solche Wehen, und nichts beugt einen Menschen von aller Höhe so in den Staub, als wenn er seine Sünde und Gottes Zorn über dieselbe empfindet. Den ganzen Tag gehe ich traurig (in Trauergebärde, vergl. 35,14). Davids Seelenschmerz setzte nie aus, nie empfand er Linderung; selbst wenn er solchen Geschäften nachging, die er noch zur Not vollbringen konnte, war sein Gang schwerfällig und schlotternd wie der eines Trauernden, der zum Grabe geht, und seine Worte und Gebärden glichen den Wehklagen eines orientalischen Leichengefolges. Der ganze Vers erschließt sich unserm Verständnis besser, wenn wir uns dabei (nach dem Grundt.) den morgenländischen Leidtragenden vor Augen führen, wie er in härenem Gewand, mit Asche bestreut, in einen Haufen zusammengekauert mitten in Staub und Schmutz sitzt und in Krümmungen und Windungen seinem Schmerze Ausdruck gibt. Das ist das Bild des erweckten Sünders, nicht nach der äußeren Gestalt, aber nach der Wirklichkeit.

8. Denn meine Lenden - der Mittelpunkt der leiblichen Kraft - verdorren ganz.1 Ein Brand wütet in ihnen und dörrt sie ganz aus. Man merke: Das Übel sitzt tief und wirkt verzehrend. Auch im geistlichen Sinne brennt ein Feuer im Innern, wenn die Verdorbenheit des Herzens bloßgelegt wird. Und ist nichts Gesundes an meinem Leibe . Das hatte David schon zuvor gesagt. So bringt uns der heilige Geist die demütigende Wahrheit immer wieder in Erinnerung, nimmt uns jede Ursache des Ruhmes und lässt uns immer tiefer erkennen, dass in uns, das ist, in unserm Fleische, nichts Gutes wohnt (Röm. 7,18).

9. Ich bin erstarrt . (Grundt.) Leichenkälte, Todesstarre hatte ihn ergriffen. Solch seltsame Ungereimtheiten und Widersprüche finden sich beisammen in einem verstörten Gemüt und einem kranken Leib; es ist dem Menschen, als werde er abwechselnd von Fieberglut ausgetrocknet und von beißender Kälte gepeinigt. Wie die Seelen in dem Fegefeuer, von dem die Römischen fabeln, von glühenden Öfen in dickes Eis gestoßen werden, so stürzen gequälte Herzen von einem Extrem ins andere und empfinden doch stets die gleiche Pein. Von Hitze der Furcht in Schauder des Schreckens, von glühendem Verlangen in eisige Unempfindlichkeit - so löst bei dem von seiner Sünde überzeugten Menschen ein Jammer den andern ab und bringt das Opfer seiner Qual an des Grabes Rand. Und bin sehr2 zerstoßen wie in einem Mörser, zermalmt wie in einer Mühle. Der Körper des Kranken scheint ganz aus den Fugen gerenkt und zu einer zuckenden Fleischmasse zerquetscht zu sein und die Seele des Verzweifelnden ist in einem nicht weniger elenden Zustand. Wie ein Opfer, das von Dschagannathas Wagen zermalmt wird, so kommt sich die Seele vor, über deren Gewissen sich die Räder des göttlichen Zornes ihren Schreckensweg gebahnt haben. Ich heule vor Unruhe (Grundt.: wegen des Gestöhns) meines Herzens. Sein lautes Klagen und Stöhnen ist nur die Äußerung des unablässigen Gestöhns seines Herzens. Tief und heiser, wie das Brüllen eines Löwen3 , ist die Stimme des Kummers, und oft inartikuliert und schrecklich zu hören. Das Herz stößt Seufzer hervor, die nicht zu klarem Ausdruck gebracht werden können, und die Stimme versagt ihren Dienst zu menschlich vernünftiger Rede. Aber ob auch unser Flehen nur ein Stöhnen ist, vermag es darum nicht weniger bei dem Vater der Barmherzigkeit. Er hört es, wo ein Herz unter dem Druck des Schuldgefühls aufstöhnt und zu seiner Stunde gibt er dem Tiefbetrübten Ruhe und Erquickung.
Je genauer wir das Bild, das uns diese Verse vor Augen malen, im Licht der Erfahrung als das des erweckten Sünders betrachten, desto mehr wird uns einleuchten, wie treffend es gezeichnet ist. Uns scheint, es könne nicht die Beschreibung einer bloß äußerlichen Krankheit sein, so malerisch es als solche auch wäre; es hat eine Tiefe und eine ergreifende Gewalt in sich, der nur die geheimnisvollen, schrecklichen Seelenkämpfe völlig entsprechen.

10. Herr, vor dir ist alle meine Begierde,
und mein Seufzen ist dir nicht verborgen.


Herr (Adonai), vor dir ist alle meine Begierde. Ob ich mein Verlangen auch nicht in Worten äußern kann, vor dir ist’s offenbar . Gepriesen sei Gott, er liest das geheime Sehnen unseres Herzens. Nichts kann ihm verborgen sein; auch was wir ihm nicht zu sagen vermögen, versteht er vollkommen. Der Psalmdichter ist sich bewusst, dass er in seinen Klagen nichts übertrieben hat, und beruft sich auf die Allwissenheit Gottes zur Bestätigung seiner Worte. Der gute Arzt versteht sich auf die Symptome unserer Krankheit und durchschaut das innere Übel, das sie anzeigen; so sind wir denn in guten Händen. Und mein Seufzen ist dir nicht verborgen. Auch das leiseste Seufzen vernimmt er, versteht auch die stumme Sprache unserer Tränen. Kummer und Seelennot verbergen sich vor den Augen der Menschen, aber Gott erspäht sie. Niemand fühlt sich so verlassen wie der zerknirschte Sünder; dennoch ist Gott ihm nahe.

Fußnoten
1. Wörtlich:. sind voll von Gedörrtem, nämlich statt von fettem Fleisch, also = ganz gedörrt. (Vergl. Hiob 15,27 Grundt. vom Frevler: Er bedecket sein Gesicht mit Schmeer und setzt Fett an an der Lende.) Die inneren Lendenmuskeln Mylsk sind beim Gesunden ein Hauptsitz des Fettes, vergl. 3. Mose 3,4 u. and. St. - Viele Ausleger wagen es, Gedörrtes für Brand (Fieberbrand) zu nehmen. Andere nehmen nach der LXX ein anderes hlq niph. Gering geschätzt, beschimpft werden (Jes. 3,5 als Grundwort an: angefüllt mit Schmach, was die engl. Bibel auf eine ekelhafte Krankheit deutet.

2. Das sehr gehört übrigens hier, wie auch V. 7, wohl zu beiden Zeitwörtern: Ich bin erstarrt und zerstoßen so sehr.

3. Die beiden Wörter des Grundt. kommen auch vom Brüllen des Löwen vor.
Wer sich nur nach dem, was er fühlt, richtet, der verliert Christus. (Martin Luther)

Jörg
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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps38

Beitragvon Jörg » 06.09.2020 15:22

11. Mein Herz bebt, meine Kraft hat mich verlassen,
und das Licht meiner Augen ist nicht bei mir.
12. Meine Lieben und Freunde treten zurück und scheuen meine Plage,
und meine Nächsten stehen ferne.
13. Und die mir nach dem Leben trachten, stellen mir nach;
und die mir übel wollen, reden, wie sie Schaden tun wollen,und gehen mit eitel Listen um.
14. Ich aber muss sein wie ein Tauber und nicht hören,
und wie ein Stummer, der seinen Mund nicht auftut,
15. und muss sein wie einer, der nicht hört,
und der keine Widerrede in seinem Munde hat.


11. Mein Herz pocht stürmisch. (Grundt.) David hebt aufs Neue an, seinen Jammer zu schildern. Sein Herz klopfte rasch und heftig; er fühlte sich wie ein gejagtes Reh, er war in der höchsten Aufregung der Angst und des Schmerzes und das nicht vorübergehend, sondern beständig. Vielleicht trug dazu der Schmerz über die Untreue seiner Nächsten und Freunde bei, wovon er im nächsten Verse redet. Das bekümmerte Herz sucht Mitleid und wenn es keines findet und sich in seinem Weh ganz vereinsamt fühlt, mag es wohl stürmisch pochen. Meine Kraft hat mich verlassen. Er war von Schmerzen und Verwirrung aufs Äußerste erschöpft und nahe daran zu vergehen. Das Bewusstsein der Schuld und die klare Erkenntnis, dass kein Mensch uns in unserem Jammer helfen kann, reichen hin, einen zu des Todes Pforten zu bringen, zumal wenn niemand da ist, der uns ein freundliches Wort sagt und das zerbrochene Herz auf den guten Arzt hinweist. Und das Licht meiner Augen (ja, auch dies, Grundt.) ist nicht bei mir . Vor Weinen, Wachen und Fiebern waren seine Augen fast erblindet und wie das erquickende und belebende Licht seinem Leib fehlte, so war auch das innere Licht des Trostes von seiner Seele gewichen. Wie konnte es anders sein, da die, die das Licht und die Lust seiner Augen waren, ihn so schändlich im Stich ließen. Die Hoffnung, die Leuchte der Nacht, war am Erlöschen. In welch trauriger Lage war der Arme! Doch ist es mit etlichen von uns eben so weit gewesen und wir wären unzweifelhaft in solcher Nacht der Hoffnungslosigkeit umgekommen, wenn die unermessliche Barmherzigkeit nicht eingegriffen hätte. Jetzt freilich, da wir auf die Freundlichkeit zurückblicken können, mit der uns der Herr aus diesem Zustand herausgeführt hat, erkennen wir, wie heilsam es für uns war, all unsere Kraft dahinschwinden zu sehen, da es uns zu dem mächtigen Helfer trieb, und wie notwendig es war, dass unser Licht erlosch, damit des Herrn Licht uns alles in allem werde.

12. Meine Lieben und Freunde treten zurück und scheuen meine Plage4 Wie vor einem Aussätzigen wichen sie vor ihm und standen abseits; sie mieden seine Gesellschaft, aus Furcht, sie möchten in sein Unglück mit verwickelt werden, wie etwa die Boote durch ein sinkendes Schiff in die Tiefe hinabgezogen werden. Es ist überaus hart, wenn die, die die ersten sein sollten, uns zu Hilfe zu eilen, die ersten sind, die uns verlassen. In Zeiten schwerer Seelennot vermögen auch die liebreichsten Freunde nicht in die Tiefen unseres Kummers einzudringen; mögen sie noch so ängstlich um uns besorgt sein, sie können doch die Gewissenswunden nicht verbinden. O der Einsamkeit einer Seele, die durch den heiligen Geist mächtig von der Sünde überführt wird! Und meine Nächsten (die mir nahe standen) stehen ferne . Wie die Frauen, die Jesus aus Galiläa nachgefolgt waren, und alle seine Bekannten von ferne standen, als er am Kreuz hing, so sieht die Seele, der das Herz wegen der eigenen Sünden blutet, alle Menschen als ferne Zuschauer und erspäht in der ganzen Menge auch nicht einen Helfer. Oft hindern gerade die Nächsten solche, die Jesus suchen, noch häufiger sind sie kalte Beobachter und selten genug ist’s, dass sie den Reumütigen zum Heiland zu führen suchen.

13. Und Schlingen legen, die mir nach dem Leben trachten. (Grundt.) Es steht schlimm um uns, wenn zu dem innern Herzeleid auch das noch kommt, dass uns Anfechtungen von außen zusetzen. Davids Feinde suchten ihn in ganz gemeiner Weise in Schlingen zu fangen. Kann man ihn durch rechtmäßige Mittel nicht stürzen, so muss man es mit unredlichen versuchen. Schlingen legen ist ein niederträchtiges Geschäft; nur des Teufels Wilderer erniedrigen sich dazu. Aber das Gebet errettet uns von ihrer Bosheit; denn wer von Gottes Geist geleitet wird, vermag den Tücken der ganzen Sippschaft der Versucher zu entrinnen. Und die mein Unglück suchen, reden, wie sie mich (gänzlich) verderben wollen . (Grundt.) Lügen und Lästerungen und meuchelmörderische Reden strömten aus ihrem Mund, wie Wasser aus dem Marktbrunnen. Ihre Zunge stand nie still und ihr Herz war nie müßig, Verderben auszubrüten. Und sinnen den ganzen Tag auf Arglist. (Grundt.) Sie hatten nie Feierabend; der Schmiedeherd, auf dem sie ihre Intrigen schmiedeten, war vom Morgengrauen bis in die Nacht hinein ohne Unterbrechung in Tätigkeit. Konnten sie nicht handeln, so redeten sie, und konnten sie nicht reden, so sannen und planten sie. Die Bosheit kennt keine Rast und Ruh. Böse Menschen tun sich nie genug im Bösen. Sie umziehen Land und Wasser, um einem gottseligen Menschen Schaden zuzufügen. Keine Mühe ist ihnen zu groß, kein Preis zu hoch, wenn sie den Unschuldigen verderben können. Unser Trost ist, dass unser glorreiches Haupt die hartnäckige Bosheit unserer Feinde kennt und ihr zu guter Zeit ein Ende machen wird, wie er sie schon jetzt in Schranken hält.

14. Ich aber wie ein Tauber höre (es) nicht . (Grundt.) Das war gut gemacht. Heilige Gleichgültigkeit gegenüber den Verleumdungen und Hinterlisten böswilliger Menschen ist echte Tapferkeit und Klugheit. Das Beste, was wir da tun können, ist, uns zu verhalten, als könnten wir nicht hören noch sehen. Vielleicht hielt sich der Psalmist auch so taub, weil er sein Unvermögen fühlte, den Sticheleien seiner Feinde zu antworten und weil er in ihren lügenhaften und böswilligen Anklagen einen Kern der Wahrheit fand. Und (schweige) wie ein Stummer, der seinen Mund nicht auftut . David schwieg heldenmütig und darin war er ein hervorragendes Vorbild auf unseren Herrn Jesus, dessen bewunderungswürdiges Schweigen vor Pilatus weit aufschlussreicher war, als Worte es hätten sein können. Sich aller Selbstverteidigung enthalten, ist oft sehr schwer, aber auch sehr weise.

15. Und so bin ich (wörtl.) wie einer, der nicht hört und der keine Widerrede in seinem Mund hat . Er wiederholt die Tatsache seines Schweigens. Lasst es uns beachten, bewundern und nachahmen. Wir haben einen Anwalt und brauchen daher unsere Sache nicht selbst zu führen. Der Herr wird unseren Feinden ihre Schuld nachweisen und sie strafen, denn sein ist die Rache; wir dürfen daher in Geduld abwarten und unsere Kraft im Stillesein finden.

16. Über ich harre, Herr, auf dich;
Du, Herr, mein Gott, wirst erhören.

Denn (Grundt.) auf dich, Herr, harre ich; Du, Herr, mein Gott, wirst erhören. David stellte seine Sache dem anheim, der da recht richtet (1. Petr. 2,23), und war dadurch im Stande, seine Seele in Geduld zu fassen. Die Hoffnung auf Gottes Dazwischentreten und der Glaube an die Macht des Gebets sind zwei treffliche Stützen der Seele in Zeiten der Not. Kehren wir uns mit ganzer Wendung von der Kreatur ab zu dem erhabenen Herrn über alles und zu ihm als unserm Bundesgott, so finden wir im Harren auf ihn überschwänglichen Trost. Gleich einer reinen Perle mag der gute Ruf eines Ehrenmannes in den Kot geworfen werden; aber zu seiner Zeit, wenn der Herr seine Juwelen sammelt, werden die Gottseligen in makellosem Glanz strahlen. So sei denn still, verleumdetes Gotteskind, und lass deine Seele nicht von der Angst hin und her geworfen werden.

Fußnote
4. Wörtlicher: stehen abseits vor meiner Plage.
Wer sich nur nach dem, was er fühlt, richtet, der verliert Christus. (Martin Luther)

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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps38

Beitragvon Jörg » 08.09.2020 14:08

17. Denn ich denke: Dass sie sich ja nicht über mich freuen.
Wenn mein Fuß wankte, würden sie sich hoch rühmen gegen mich.
18. Denn ich bin zu Leiden gemacht,
und mein Schmerz ist immer vor mir.
19. Denn ich zeige meine Missetat an,
und sorge von wegen meiner Sünde.
20. Aber meine Feinde leben und sind mächtig;
die mich ungerechtfertigt hassen, derer ist viel.
21. Und die mir Gemeines tun um Gutes,
setzen sich gegen mich, darum weil ich mich an das Gute haltet.


17. Denn ich denke (wörtl.: spreche): Dass sie sich ja nicht über mich freuen ! David war keineswegs unempfindlich. Er scheute sehr den scharfen Stachel der höhnenden Bosheit und fürchtete, er möchte, sei es durch sein Verhalten, sei es durch seine Lage, den Gottlosen Anlass geben, hämisch über ihn zu frohlocken. Diese Besorgnis benutzte er sowohl als Beweisgrund in seinem Gebet als auch als Beweggrund zum Gebet. Wenn mein Fuß wankte, würden sie sich hoch rühmen wider mich.5 Der geringste Fehler eines Frommen wird ganz sicher bemerkt. Lange ehe es bei ihm zu einem Fall kommt, fangen die Gottlosen schon über ihn zu spotten an; der kleinste Fehltritt macht, dass alle Höllenhunde bellen. Wie vorsichtig sollten wir denn sein und wie dringend sollten wir flehen, dass die Gnade uns aufrecht halte! Wir wünschen durchaus nicht, wie der blinde Simson unseren Feinden zur Belustigung zu dienen (Richter 16,23-25); so lasst uns denn auf der Hut sein vor der trügerischen Delila, der Sünde, durch deren Tücken wir schnell um unsere Augen kommen können.

18. Denn ich bin nahe dem Fall6 - wie jemand, der lahm ist und wankt und jeden Augenblick zusammenzubrechen droht. Wer da steht, der sehe wohl zu, dass er nicht falle! Wie wenig gehört dazu, einen Christen lahm zu machen und welch ein unbedeutender Stein des Anstoßens kann ihn zu Fall bringen. Die Schwäche, die David hier von sich bezeugt, war durch Schmerz und Kummer verursacht. Er litt so, dass er nahe daran war, zu verzweifeln; er war in seinem Gemüt so niedergedrückt, dass er über einen Strohhalm stolperte. Etliche von uns wissen aus schmerzlicher Erfahrung, was es heißt, trockener Zunder zu sein für das Feuer des Kummers, allezeit bereit zu sein, zusammenzubrechen, zu trauern, zu seufzen und zu weinen bei jedem Anlass und aus jeder Ursache. Und mein Schmerz ist immer vor mir. Er brauchte nicht aus dem Fenster zu gucken, um Elend zu sehen; er fühlte es in sich selbst und stöhnte unter der Bürde seines sündhaften Leibes, der ihm mehr und mehr zur Plage wurde. Tiefe Überzeugung von der Sünde hält das Gewissen andauernd in Aufregung, dass es sich nicht zu einem faulen Frieden bereden lässt, sondern den Krieg bis aufs Messer weiterführt, bis der Feind erschlagen ist. Bis der heilige Geist den kostbaren Balsam der göttlichen Erlösung anwendet, bleibt der erweckte Sünder mit offenen Wunden bedeckt, die nicht geheilt, noch verbunden, noch mit Öl gelindert sind.

19. Denn ich zeige meine Missetat an. Die Lästerungen der Feinde wies er zurück, aber den Anklagen seines Gewissens gab er Raum. Ein offenes Bekenntnis ist unserer Seele heilsam. Wenn die Trübsal zu einer aufrichtigen und reuigen Anerkennung der Schuld führt, ist sie gesegnete Trübsal, eine Gnade, für die wir Gott recht von Herzen danken dürfen. Und sorge (gräme mich) von wegen meiner Sünde. Wohl uns, wenn uns nicht so sehr vor dem Herzeleid, das uns die Sünde bereitet, als vor der Sünde selbst, der Quelle dieses Herzeleids, bangt und es uns mehr drängt, diese zu bekennen, als jenes zu beweinen. Wegen der Sünde reuevollen Kummer empfinden, sühnt diese nicht, aber es ist die rechte Gesinnung, in der wir zu Jesus, dem Retter und Versöhner, unsere Zuflucht nehmen können. Wer mit der Sünde bricht, ist auch nahe dem Ende seines Herzeleids.

20. Aber meine Feinde leben und sind mächtig.7 So schwach und todkrank der Gerechte sein mag, den Mächten, die ihn angreifen, fehlt es jedenfalls nicht an Lebenskraft . Weder die Welt noch das Fleisch noch der Teufel leiden je an Mattigkeit oder Trägheit; diese Verbündeten arbeiten mit mächtiger, niemals erschlaffender Tatkraft auf unser Verderben hin. Wäre der Teufel krank, oder läge unsere sündigen Lust in den letzten Zügen, oder wäre Frau Eitelkeit -dieser -Welt altersschwach, so könnten wir das Gebet etwas lässiger betreiben; da unsre Feinde aber so voller Lebenskraft und so mächtig sind, gilt es, unablässig mit ganzem Ernst zu Gott zu rufen. Die mich ungerechtfertigt hassen, derer ist viel. Nicht nur, dass wir unseren Feinden an Kraft nicht gewachsen sind, sie sind uns auch an Zahl überlegen, dass ihrer hundert auf einen losstürmen. So schlecht die Sache der Bosheit ist, sie erfreut sich doch der allgemeinen Gunst. Das Reich der Finsternis wächst mehr und mehr. O des Jammers, dass wir sehen müssen, wie die erklärten Freunde von Jesus ihn im Stich lassen und die Feinde des Kreuzes sich in immer größeren Haufen zusammenrotten!

21. Und die mir Arges tun um Gutes, setzen sich gegen mich. Von solchen Leuten kann ein weiser Mann freilich nur wünschen, dass sie seine Feinde seien. Wie könnten wir die Gunst verworfener Menschen begehren? Es ist ein trefflicher Rechtsgrund gegen unsere Widersacher, wenn wir, ohne eine Ungerechtigkeit zu begehen, erklären können, dass sie Gesinnungsgenossen des Satans sind, dessen Art es ist, Gutes mit Argem zu lohnen. Darum weil ich mich an das Gute halte. Wenn man uns aus diesem Grunde hasst, dürfen wir es eitel Freude achten, solchen Hass auf uns lasten zu haben: der Grimm der Bösen ist die unbewusste Auszeichnung, die das Laster der Tugend erweist. Dieser Vers ist mit dem vorhergehenden Bekenntnis des Psalmdichters keineswegs unvereinbar; wir mögen uns vor Gott tief schuldig fühlen und uns dennoch bewusst sein, dass wir unseren Mitmenschen nichts Böses zugefügt haben. Die Wahrheit unumwunden anzuerkennen und sich mit stumpfer Gleichgültigkeit darein zu fügen, dass man verleumdet wird, das sind zwei ganz verschiedene Dinge. Der Herr mag mich mit Recht züchtigen und ich dennoch mit Recht zu meinem Nächsten sagen können; Was schlägst du mich?

22. Verlass mich nicht, Herr.
Mein Gott, sei nicht ferne von mir!
23. Eile mir beizustehen,
Herr, meine Hilfe.


22. Verlass mich nicht, Herr! Dies ist die Zeit, da ich dich am nötigsten habe. Wenn schwere Krankheit, Verlästerung und Sünde miteinander dem Gotteskind zusetzen, dann erbittet es sich besondere Hilfe vom Himmel und sie wird ihm zuteil. Der Gläubige fürchtet nichts, solange Gott mit ihm ist, und Gott ist mit ihm allezeit. Mein Gott, sei nicht ferne von mir! Entziehe mir nicht das Licht deiner Liebe, noch deine allezeit hilfsbereite Hand. Offenbare dich mir. Steh mir zur Seite. Lass mich’s aufs Neue erfahren, dass ich, ob sich im Unglück auch niemand sonst treu erweist (V. 12), in dir doch einen unwandelbar gnädigen und allgenugsamen Freund habe.

23. Eile, mir beizustehen. Zögern hieße mich dem Verderben überlassen. Der also flehte, war nahe genug daran, seinen Odem auszuhauchen; nur eilende Hilfe konnte ihn retten. Man beachte, wie die Größe des Herzeleids zum mutigen, dringenden Bitten treibt. Hier sehen wir eine der süßen Früchte der Trübsal; sie haucht unserem Flehen neue Kraft ein und treibt uns mit Heftigkeit zu unserm Gott. Herr, meine Hilfe! Nicht mein Helfer nur, auch meine Hilfe! Wem der Allherr zur Seite steht, der hat die Hilfe, das Heil im gegenwärtigen Besitz. Der Glaube schaut den glücklichen Ausgang all seiner Kämpfe voraus und fängt in diesem Vers schon an, Gott für die erwarteten Gnadenerweisungen die Ehre zu geben. Der Herr ist nun und nie nicht von seinem Volk geschieden. Seine Gnade wird uns im rechten Augenblick zu Hilfe eilen und im Himmel werden wir’s klar erkennen, dass wir nicht eine Prüfung zu viel hatten und nicht eine Pein, die allzu heftig war. Das Gefühl der Schuld wird sich in Frohlocken über das Heil unseres Gottes auflösen; der Kummer wird uns zur Dankbarkeit leiten und die Dankbarkeit zu unaussprechlicher und herrlicher Freude.

Fußnoten
5.Andere fassen diese zweite Vershälfte als Begründung aus der Erfahrung: Beim Wanken meines Fußes taten sie (ja) groß wider mich. Doch spricht für die Übers. Luthers der Zusammenhang.

6. , das Lahmwerden, sich nach einer Seite neigen, ist bildl. Bezeichnung für das Zusammenbrechen. Dazu ist er zugerichtet, d. h. fertig, ist nahe daran.

7. Statt der masor. Lesart MyYix (lebendig) lesen fast alle Neueren Mn/fxi (ohne Ursache), woraus auch das parallele "ungerechtfertigt" führt. übersetzen die meisten wie 40,6.13 : sind gewaltig an Zahl. Also: Und (oder: aber) die mir ohne Ursache Feind sind, sind zahlreich usw.
Wer sich nur nach dem, was er fühlt, richtet, der verliert Christus. (Martin Luther)

Jörg
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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps38

Beitragvon Jörg » 11.09.2020 15:07

Erläuterungen und Kernworte

Zum ganzen Psalm. Es gibt kaum einen anderen Psalm, der die menschliche Natur deutlicher so beschreibt, wie sie in dem Lichte erscheint, das der heilige Geist in solchen Zeiten auf sie wirft, wenn er uns von der Sünde überführt. Ich bin überzeugt, dass die Schilderung auf keine uns bekannte Leibeskrankheit passt. Sie kommt dem Aussatz sehr nahe; aber etliche Züge finden wir weder in dem, was die Alten, noch in dem, was unsere Zeitgenossen über den Aussatz sagen, wieder. Die Sache verhält sich wohl so: Was David hier beschreibt, ist ein geistlicher Aussatz, ein inneres Siechtum. Es ist die Sündenkrankheit mit den Leiden, die die Schulderkenntnis verursacht, was der Psalmdichter hier so lebenswahr schildert. C. H. Spurgeon 1870.

O wie kann ein Tröpflein vom Zorn Gottes schmecken, wenn dazu noch viel Liebe und Verschonen mit untergemischt ist, wie kann es doch den Menschen so Schmerzen bereiten! Was muss es sein, von dem Kelch zu trinken, den der Herr unvermischt eingeschenkt hat (Off. 14,10)? Wie wenig weiß einer sich selbst und andere zu schätzen, wenn er durch keine dergleichen Erfahrungen gelaufen ist oder wenn er sich aus dem Wort Gottes solcherlei Gerichte Gottes nicht ernstlich vorstellt. Wie viel Grund zu seinem guten Mut nimmt man noch aus dem äußerlichen Wohlergehen, Gesundheit, Zeugnis und Freundschaft der Menschen her, wie viel Sorge für seine Sünden schlägt man darüber in den Wind, wie manchem Bekenntnis der Sünden weicht man darüber aus ! Aber wie geht es, wenn einem Gott allen falschen Schmuck auszieht und einen bloß stellt? Da zeigt sich’s, was einem an Gott und seiner Gnade gelegen war. - Welch ein Widerstand ist im Menschen gegen das Licht, dass aus dem Licht müssen Blitze und Pfeile schießen! K. H. Rieger † 1792.

V. 3. Warum nennt David die Züchtigungen Pfeile ? Sie kommen von einem anderen (von Gott) und sind nicht in Davids Gewalt; sie fliegen schnell daher, er kann ihnen ihre Zeit nicht bestimmen; ihr Kommen ist zwar nicht ganz unsichtbar, aber doch kaum bemerkbar, dass es eines scharfen Auges und besonderer Wachsamkeit bedarf, ihnen zu entgehen. Außerdem sind ihrer viele; das Leben ist damit noch nicht gewonnen, dass man einem oder zweien ausweicht. Drittens haben sie ihn getroffen; sie haben ihn nicht so schussfest gefunden, dass sie wirkungslos von ihm abgeprallt wären. Und sie stecken fest in ihm, er kann sie nicht abschütteln. Er fühlt die Wunden wohl, weiß genau, wo das Übel sitzt, aber damit ist er noch nicht geheilt: Die Pfeile wirken vielmehr fort und entzünden schmerzlich sein ganzes Innere. Dazu drückt nun die Hand, die die Pfeile abgeschossen hat, ihn mit Allgewalt nieder. Doch ist ein Trost: Es sind Gottes Pfeile, es ist Gottes Hand; und Gott schlägt und verwundet die Seinen nicht, ohne dass zugleich auch der heilende Balsam seiner Barmherzigkeit in die Wunden träufelt. D. John Donne † 1631.

Trübsale kommen oft schnell wie ein Pfeil, in einem Nu. Sie kommen nicht selten, da man sich ihrer am wenigsten versieht, wie ein Pfeil aus dem Dickicht. Sie kommen mit wenig Geräusch; der Pfeil trifft, ehe oder sowie man ihn hört. Endlich sind die Trübsale scharf und ihrer Natur nach tödlich; wenn jemand von ihnen Nutzen hat, so liegt das an der Gnade Gottes, die in ihnen wirkt, nicht in der Natur der Trübsale an sich. Joseph Caryl † 1673.

Die Worte Gottes, in denen er tadelt und droht in der Schrift, das sind die Pfeile . Es fühlt sie aber niemand, außer derjenige, dem sie in das Herz gesteckt werden und das Gewissen erschrecken; das sind die weichherzigen, furchtsamen Menschen, denen sie Gott in das Herz schießt. Den unfurchtsamen aber, die verhärtet sind, fallen sie ab, gleichwie von einem harten Fels; und das geschieht so lange, wie durch Menschenpredigten die Worte gesagt werden, ohne Mitwirken und innerlich Einschießen Gottes. Martin Luther 1517.

V. 4. In meinen Gebeinen. Wie David im ersten Teil dieses Verses die extensio und Ausdehnung des Schmerzes durch alle seine Teile, so hat er durch diese letzten Worte die intensio, die Schärfe und zugleich die lange Dauer derselben, anzeigen wollen. D. J. Frisch 1719.

Vor deinem Drohen - vor meiner Sünde. Ach, ich bin wie ein Amboss unter zwei Hämmern. Der eine ist dein Grimm, der andere meine Sünde und beide schlagen unaufhörlich auf mich. Gottes Zorn und die Sünde sind die zwei Ursachen alles Elends: Aber die erste, eigentliche Ursache ist die Sünde. Sir Richard Baker 1639.

Lasst uns von den Bettlern lernen, wie wir uns Hilfe verschaffen können. Lege deine Wunden bloß, mache deine Not bekannt, enthülle all dein Elend, beschönige nichts. Bettler wissen aus Erfahrung, dass sie umso mehr Mitleid und Hilfe finden, je erbärmlicher sie erscheinen. Und doch ist die Barmherzigkeit der mitleidigsten Menschen nur ein Tropfen im Vergleich zu dem Meer des Erbarmens des Gottes aller Gnade. Und unter den Menschen gibt es viele, die wie der Priester und der Levit im Gleichnis (Lk. 10,30-32) an einem nackten, verwundeten, halbtoten Mitmenschen vorübergehen können, ohne sich sein zu erbarmen: Aber der Herr ist der rechte barmherzige Samariter. Man lese, wie Hiob, Hiskia, David und andere Gottesmänner ihre Klagen vor Gott ausgeschüttet haben, und beachte insbesondere auch, wie der Herr sich ihnen als der Erbarmer erzeigt hat; wir haben an ihnen gute Vorbilder und wollen uns durch sie ermutigen lassen, gleich ihnen mit unserer Not zum Herrn zu fliehen. Auch erwartet Gott solches von uns. D. William Gouge † 1653.

V. 5. Meine Sünden. Es ist uns von besonderem Nutzen, dass uns die Fehltritte und Rückfälle der Heiligen in Gottes heiligem Wort berichtet sind. Flecken erscheinen nirgends hässlicher als auf einem schönen Antlitz oder einem reinen Gewande. Und es ist wichtig, dass wir den Schmutz der Sünde recht kennen lernen. An den Sünden der Gottesmänner lernen wir von uns selber gering denken, von der Gnade Gottes abhängig bleiben und das Auge schärfer auf uns selbst richten, damit wir nicht in die gleichen oder noch schwerere Sünden geraten (Gal. 6,1). D. Hermann Witsius † 1708.

Es ist ein Wunderding: Wer keine Sünde hat, der fühlt und hat sie, und wer da Sünde hat, der fühlt sie nicht und hat keine; denn es wäre nicht möglich, dass er über und gegen die Sünde klagte, wenn er nicht in der Gerechtigkeit und Gnade lebte. Denn ein Teufel jagt den andern nicht aus (Lk. 11,18), Sünde verklagt auch ihresgleichen nicht und ein Wolf brüllt den anderen nicht an. Martin Luther 1517.

V. 6. Erst wenn wir allem dem, was David hier sagt, beipflichten können, haben wir angefangen, die Tiefe unserer Verdorbenheit zu erkennen. Es gibt eine Art Sündenerkenntnis, bei der unser Stolz und unsere Selbstschätzung nicht ernsthaft angetastet werden. Ganz anders ist’s aber, wenn wir uns in unserer Gottlosigkeit selber ekelhaft werden, wenn uns unsre Torheit und Gemeinheit und Undankbarkeit bedrückt und wir uns selber zu hassen anfangen. Nun sind unsere Wunden, die uns einst ein Gegenstand der Selbstbemitleidung waren und für die wir die Teilnahme und Hilfe unserer Freunde forderten, stinkend geworden, und wir verbergen sie gern: Denn würden nicht, wenn wir sie sehen ließen, unsere Lieben und Freunde scheu vor uns zurückweichen? So schweigen wir denn allen gegenüber, nur vor Gott nicht (V. 16). O der Liebe Gottes, dass er sich nicht von uns wendet! Ja, Dank, Jesus, dir, dass du dich von dem Aussätzigen nicht abgewandt hast, der vor dir niederkniete und sprach: "Willst du, so kannst du mich wohl reinigen", sondern hast deine Hand ausgestreckt und ihn angerührt und gesagt: "Ich will’s tun, sei gereiniget !" Zu wem anders dürften wir nahen, als zu dir? Mary B. Duncan † 1865.

Ich weiß, Herr, ich habe töricht gehandelt, meine Wunden so lange fließen zu lassen, ohne Hilfe zu suchen; denn nun stinken und eitern sie so schlimm, dass ich verzweifeln müsste, wenn ich dich nicht kennen würde, den guten Arzt, dessen Macht zu helfen so unbegrenzt ist wie sein Erbarmen. Sir Richard Baker 1639.

V. 7. Den ganzen Tag gehe ich traurig. Da war ich mir selber beides, eine Bürde und ein Schrecken, und nie habe ich so wie damals gewusst, was es heißt, des Lebens müde zu sein und sich dennoch vor dem Tode zu fürchten. O wie gern wäre ich irgendjemand anders, nur nicht ich selber gewesen; irgendetwas, nur kein Mensch, und in irgendeiner Lage, nur nicht in der meinigen! Denn nichts lag mir so beständig im Gemüte, als dass es für mich ganz unmöglich sei, Vergebung meiner Sünden zu erlangen und von dem zukünftigen Zorn errettet zu werden. John Bunyan † 1688.
Wer sich nur nach dem, was er fühlt, richtet, der verliert Christus. (Martin Luther)

Jörg
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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps38

Beitragvon Jörg » 15.09.2020 17:03

Erläuterungen und Kernworte

V. 9. David fühlte, wie die Schmerzen sich um sein Herz sammelten, und stöhnte deswegen auf. Das Herz ist’s, worauf Gott hauptsächlich zielt, wenn ein Christ von dem Weg abgeirrt ist. Gott mag andere, äußerliche Teile schwer verwunden, aber das tut er nur, um das Herz zu durchbohren, wo der Sitz der Sünde ist. Das Feuer, das das Gewissen anzündet, mag in Augen, Zunge und Hand schießen und es so zuwege bringen, dass der Mensch schrecklich aussieht, verzweifelt redet und seine Hand wider seinen eignen Körper wendet; aber die Hitze des Feuers ist vornehmlich drinnen, in dem Ofen, im Herzen. Es sind nur einzelne Funken, die euch in den Augen, den Worten und Taten eines solchen Menschen entgegensprühen. Nicholas Lockyer † 1684.

V. 12. Von falschen Freunden verlassen, fliehe ich zu dir, der du, ob du auch dem Anschein nach mein Feind bist, doch niemals deine Liebe wandelst, sondern ewig liebst, wem du einmal deine Huld zugewandt hast. Du scheinst fern von mir zu stehen, aber du bist nahe. Meine trügerischen Freunde und feigen Verwandten sind mir stechende Dornen statt lieblich duftende Rosen. Die Probe der Liebe sind Taten. Sie sind dem Namen nach meine Lieben und Freunde; aber ich sehe keine Taten. Darum eile ich zu dir, dessen Wort Tat ist; denn ich bedarf deiner Hilfe. Andreas Rivetus † 1651.

V. 14. Ich aber wie ein Tauber höre nicht und (schweige) wie ein Stummer, der seinen Mund nicht auftut . (Grundt.) Denn was soll ich auf ihr Reden hören, da ich doch nicht zu antworten gedenke, und was soll ich reden, da ich zuvor weiß, dass sie nicht auf mich hören? Ich weiß, ich würde sie durch Widersprechen doch nur reizen und so die Veranlassung sein, dass sie sich noch mehr versündigen. Das war von David sehr weise gedacht; aber noch mehr Bewunderung ringt es uns ab, dass er auch wirklich nach dieser Erkenntnis handelte. Wie glücklich wären wir, wenn unser Wille allezeit so bereit wäre, das zu tun, was die geheiligte Vernunft uns als das Beste erkennen lässt; wir gingen dann manchem Stein aus dem Wege, an dem wir uns jetzt stoßen. Sir Richard Baker 1639.

Er war taub und stumm erstens, weil er von den falschen und boshaften Urteilen seiner Feinde so überwältigt war, dass ihm nicht einmal erlaubt war, seinen Mund zur Selbstverteidigung zu öffnen. Er wollte aber auch still sein; so macht er vor Gott seine Geduld geltend, um Gott zu veranlassen, desto bereitwilliger an ihm sein Erbarmen zu erweisen. Denn solche Sanftmut und Gelassenheit sichert dem unschuldig Leidenden Gottes Huld und ist ein Zeichen echter Frömmigkeit. Jean Calvin † 1564.

V. 14.15. Ich muss sie lassen Recht haben und stille schweigen wie ein Stock; denn meine Rede und Antwort gilt und hilft nicht. Dazu muss ich sie auch ungestraft lassen und das Maul zuhalten und muss unrecht haben; denn sie hören nicht, toben und lassen ihnen nicht sagen. Martin Luther 1517.

Ihr, die ihr euch wirklich kennt, ihr, die ihr wisst, was stilles Leiden, heimlicher Gram und verborgene Freude heißt: Lernt an eurem eigenen unsagbaren Kummer, an euren unausgesprochenen, weil unaussprechlichen Gefühlen, an den unenthüllten Tiefen eures eigenen Wesens, an dem ernsten, aber nie befriedigten Sehnen eures Geistes, ich sage, lernt solche achten und lieben, deren Inneres sich keinem Menschen ganz zu lesen gibt, von denen ihr aber gewiss seid, dass sie heiliges Mitleid und zarte Beachtung bedürfen. Wenn an meinem Herzen beständig ein verborgener Kummer nagt, der meine Stimme beim Singen von Lobliedern jeweils stocken lässt, - kann denn meines Bruders niedergeschlagenes Antlitz und sein beschwertes Herz nicht eine ähnliche Ursache haben? Und soll ich ihn verurteilen, weil er nicht fröhlich ist? Nein, sondern bedenke: Das Herz kennt sein eigenes Leid und in seine Freude kann sich kein Fremder mengen (Spr. 14,10). Die stillen Seufzer des Geistes sind nicht für unser Ohr, die heißen Tränen, die im Verborgenen rinnen, nicht für unser Auge: Nach Gottes Gnadenwillen ist ein Vorhang um jedes Herz gezogen. Aber in heiliger Erinnerung unserer eigenen Trauerstunden lasst unsere Stimme sanft, unseren Blick mild, unsere Tritte leise sein, wenn wir uns unter Trauernden befinden. Jessie Coombs 1867.

V. 16. Aber ich harre, Herr, auf dich usw. Alles, was uns zu Gott treibt, ist ein Segen, und alles, was uns davon abbringt, uns auf den Arm des Fleisches zu stützen oder in eigener Kraft stehen zu wollen, ist eine Wohltat für uns. C. H. Spurgeon 1870.

Das sind Worte eines feinen, festen Glaubens, der zur Zeit der Not alles fahren lässt und hält sich an Gottes Wort und Gnade und zweifelt nicht, Gott erhöre ihn und werde ihm helfen. Doch stimmt er ihm keine Zeit noch Weise, sondern spricht schlecht: Du wirst mir wohl antworten, ich will hoffen und nicht aufhören. Martin Luther 1517.

V. 19. Nur ein Herz, das wirklich in göttlicher Traurigkeit zerbrochen ist, legt ein aufrichtiges Bekenntnis seiner Sünden ab. D. Nathanael Hardy † 1670.

V. 20.21. Spricht einer: Wie kam es denn, dass David so viele Widersacher hatte? Wie konnte er sich so viele Menschen zu Feinden machen? Muss er nicht sehr unklug und heftig gewesen sein? Oder war er etwa ein verdrießlicher, unverträglicher Mensch? Sein Leben bezeugt das nicht. Vielmehr machte er sich gerade dadurch viele zu Feinden, dass er so gewissenhaft beflissen war, einen heiligen Wandel zu führen. Seine Feinde griffen ihn an, nicht etwa weil er gottlos gewesen wäre, sondern im Gegenteil, weil er dem Guten nachjagte. Das Endergebnis der Religion Christi wird großer Friede überall sein, aber die erste Wirkung ist, dass sie Streit verursacht (Mt. 10,34). C. H. Spurgeon 1870

V. 22.23. David schließt mit Seufzern um Hilfe. Es kommt nicht zur Erhellung der Zornfinsternis. Die fides supplex (der bittende Glaube) wandelt sich nicht in fides triumphans (in frohlockenden Glauben). Aber wie Kainsbuße und Davidsbuße sich unterscheiden, zeigen die Schlussworte: Herr, mein Heil vergl. 51,16). Die wahre Buße hat den Glauben in sich, sie verzweifelt an sich selbst, aber nicht an Gott. Prof. D. Franz Delitzsch † 1890.

Homiletische Winke

V. 2. Gottes Strafen im Zorn. 1) Wir haben es reichlich verdient: wir mögen es 2) mit Recht scheuen und darum 3) ernstlich um dessen Abwendung flehen. Benjamin Davies 1870.
Das Schrecklichste des Schrecklichen: Gottes Zorn. Warum sucht der Psalmdichter ihn durch sein Bitten abzuwenden und wie können wir ihm entrinnen?
V. 3. Gott züchtigt viele seiner Kinder scharf und doch liebt er sie darum nicht im Mindesten weniger, noch entzieht er ihnen zur rechten Zeit seine gnadenreiche Hilfe. Thomas Wilcocks 1586.
V. 4b. Die Sünde raubt uns den Frieden. Nur wer uns von der Sünde heilt, gibt uns wahren Frieden. Man halte bei beiden Tatsachen inne.
V. 4.5. Die Sünde gefällt wohl dem Auge, enttäuscht aber das Herz, martert die Gebeine und geht über das Haupt, überwältigt uns, beides mit ihrer Macht und dem folgenden Schuldbewusstsein.
V. 5. Das Bekenntnis eines erweckten Sünders.
V. 5b. Die Sünde 1) schwer: eine Last; 2) sehr schwer: eine schwere Last; 3) zu schwer: mir zu schwer, 4) und doch keine unbewegliche Last, denn obwohl sie mir zu schwer ist, hat Jesus sie doch getragen und hinweggetragen (Joh. 1,29; 1.Joh. 3,5).
V. 6. Die Torheit der Sünde. Wie immer sich der Mensch mit der Sünde zu schaffen machen mag, zeigt sich seine Torheit. 1) Liebäugeln mit der Sünde; 2) Begehen der Sünde; 3) Beharren in der Sünde; 4) Verbergen der Sünde; 5) Beschönigen der Sünde. Benjamin Davies 1870.
V. 7. Das Schuldbewusstsein. Wie qualvoll, wie tief, wie andauernd es ist. 1) Unerlaubte, 2) geziemende Gründe des Trauerns. 3) Kräftige Linderungs - und Heilmittel für das rechte Trauern.
V. 10. Die unterschiedlichen Herzensbegehren der Kinder Gottes; die Tatsache, dass Gott sie versteht, auch wenn sie nicht in Worte gefasst werden können; die Gewissheit, dass Gott sie gewähren wird.
Gottes Allwissenheit - eine Quelle des Trostes für die Verzagenden.
V. 14. Wie weise, würdevoll und wirksam, aber auch wie schwer es ist, zur rechten Zeit taub und stumm zu sein.
V. 16. Das Gebet - ein Kind der Hoffnung.
Wie das Vertrauen, dass Gott Gebet erhört uns im Abwarten stärkt.
V. 18a. Ich hüte mich vor dem Hinfallen. (Grundt.) Herr Falle -bald; seine Abstammung, sein Gebrechen, seine Krücken; seine Heilung.
V. 19. Der Segen eines reumütigen Bekenntnisses.
Die Zwillingskinder der Gnade: Confessio und Contritio Bekenntnis und Reue.
V. 19b. Es ist Grund genug für solche Sorge; Gottes Wohlgefallen ruht auf ihr und dem Leidtragenden bringt sie Segen.
V. 20. Die furchtbare Tatkraft und der Eifer der bösen Machte.
V. 22.23. Der Glaube geprüft, zitternd schreiend, sich an Gott klammernd, siegend.
Wer sich nur nach dem, was er fühlt, richtet, der verliert Christus. (Martin Luther)

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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps39

Beitragvon Jörg » 18.09.2020 11:30

PSALM 39 (Auslegung & Kommentar)


Überschrift

Ein Psalm Davids, wie ihn ein so wechselvolles Leben hervorrufen musste; ein Herzenserguss, wohl würdig eines Mannes, der so schwer geprüft wurde, ein so lebhaft und tief empfindendes Gemüt hatte und doch so fest im Glauben stand. Vorzusingen, für Jeduthun. Der Name Jeduthun bedeutet: der da lobt, war für einen Leiter des heiligen Psalmengesanges sehr angemessen. Es ist wohl ein Ehrenname, der dem eigentlich Ethan genannten Manne verliehen worden war. Jeduthun war einer der drei Sangmeister, die der König dazu verordnet hatte, im Haus des Herrn unter Begleitung von Saitenspiel, Psaltern, Harfen und hellen Zimbeln zu singen (1. Chr. 16,42) und seine Nachkommen scheinen sogar noch zu den Zeiten Nehemias in diesem heiligen Dienst gestanden zu haben. In Zion einen Platz und Namen zu haben, ist keine geringe Ehre und diesen Platz in einer langen, durch Gottes Gnade gewährten Erbfolge zu behaupten, ein ganz besonderer Segen. O dass es auch unsern Familien niemals an einem Mann fehlen möge, der vor dem Herrn, dem Gott Israels, stehe, ihm zu dienen.

Einteilung

Der Psalmdichter ist von Krankheit und Kummer niedergebeugt und wird in solcher Lage von ungläubigen Gedanken geplagt, die er aber zu unterdrücken sich fest vornimmt, damit nicht durch deren Aussprechen Unheil entstehe, V. 2. 3. Sein Stillschweigen erzeugt jedoch unerträgliche Leiden, die gebieterisch Aussprache verlangen, V. 4. So schüttet er denn sein Herz im Gebet vor Gott aus, V. 5-7 . Dies Gebet ist unseres Erachtens eine Klage voller Todessehnsucht oder doch zumindest ein sehr düsteres Gemälde des menschlichen Lebens. V. 8-14 fährt David im Gebet fort, aber seine Stimmung ist ruhiger, gottergebener; er hat eine klarere Einsicht in Gottes Walten gewonnen. Die dunkle Wolke ist vorübergezogen und der schwer angefochtene Gottesknecht kann wieder freier zu Gott aufblicken.

Auslegung

2. Ich habe mir vorgesetzt: Ich will mich hüten, dass ich nicht
sündige mit meiner Zunge.
Ich will meinen Mund zäumen,
weil ich den Gottlosen so vor mir sehen muss.
3. Ich bin verstummet und still,
und schweige der Freuden,
und muss mein Leid in mich fressen.
4. Mein Herz ist entbrannt in meinem Leibe
und wenn ich dran gedenke, werde ich entzündet;
ich rede mit meiner Zunge.



2. Ich setzte mir vor1, buchstäblich: Ich sprach; Ich will usw. David hatte den bestimmten Vorsatz gefasst, zu schweigen, und hatte sich diesen Entschluss fest ins Herz eingeprägt. In seiner großen Verwirrung war es seine vornehmste Sorge, er möchte sich versündigen; so fragte er sich denn, wie er dem am besten vorbeugen könne, und kam zu dem Entschluss zu schweigen. Es ist trefflich, wenn wir uns beim Verfolgen eines guten Zweckes dadurch stärken können, dass wir uns einen wohl überlegten, weisen Entschluss immer wieder ins Gedächtnis rufen. Was ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben, oder, was ich einmal gesagt habe, das will ich auch durchführen; dieser Grundsatz wird sich uns beim Nachjagen des Guten stets hilfreich erweisen. Ich will mich hüten, dass ich nicht sündige, buchstäblich: Ich will meine Wege hüten vor dem Sündigen usw. Wollen wir von der Sünde nicht überfallen werden, so gilt es, äußerst wachsam zu sein und unsere ganze Denk- und Handlungsweise wie mit Schildwachen zu umstellen. Unbewachte Wege sind meist unheilige Wege. Unbedachtsam wandeln heißt, nicht in der Gnade bleiben. In Krankheits- oder anderen Trübsalszeiten müssen wir hauptsächlich gegen diejenigen Sünden auf der Hut sein, zu denen wir in solchen Prüfungszeiten besonders geneigt sind, so namentlich gegen das Murren. Dass ich nicht sündige mit meiner Zunge. Zungensünden werden nicht selten gering geachtet; aber sie bringen schwere Verschuldung auf uns. Böse Worte sind wie Feuerfunken, die weit umherfliegen und oft großes Unheil anrichten. Wenn Gläubige sich in Zeiten der Niedergeschlagenheit harte Worte über Gottes Walten entschlüpfen lassen, sind die Gottlosen gleich bei der Hand, diese aufzufangen und zur Rechtfertigung ihres sündigen Tuns zu gebrauchen. Wird ein Mann von seinen eigenen Kindern geschmäht, so brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn seine Feinde ihn mit frechem Munde lästern. Unsere Zunge bedarf unaufhörlich der Bewachung, denn sie ist unbändig wie ein widerspenstiges Pferd; besonders scharf müssen wir sie aber im Zaum halten, wenn die züchtigende Geißel des Herrn sie zum Widerstreben reizt. Ich will meinen Mund zäumen. Nach dem Grundtext (vergl. 5. Mose 25,1) ist hier nicht sowohl an das Anlegen eines Zaumes zum Zweck des Leitens und Zurückhaltens als auch vielmehr an das eines Maulkorbes zum Verbinden und Verschließen des Mundes gedacht. Das war nicht ganz so weise, wie es den Anschein hat. Hätte David nur den Entschluss gefasst, in seinem Reden sehr vorsichtig zu sein, so wäre sein Vorsatz in jeder Hinsicht löblich gewesen; da er aber so weit ging, sich zu gänzlichem Schweigen, sogar zum Schweigen vom Guten (siehe die Auslegung von V. 3), zu verurteilen, so muss er, um das Mindeste zu sagen, in einer finsteren, verdrießlichen Stimmung gewesen sein. Indem er einen Fehler zu vermeiden suchte, fiel er in einen anderen. Die Zunge gegen Gott zu gebrauchen, ist eine Begehungssünde, aber sie gar nicht gebrauchen, das schließt offenbar eine Unterlassungssünde in sich. Man kann eine löbliche Tugend so einseitig befolgen, dass sie zum Laster wird. Wir suchen einer Klippe zu entgehen und geraten dabei auf eine andere. Die folgenden Worte: solange der Gottlose in meiner Gegenwart ist (wörtl.), schränken jedoch das Schweigen Davids ein und schützen es fast vor dem obigen Urteil. Da schlechte Menschen sicher selbst mit unsern heiligsten Worten Missbrauch treiben, ist es geraten, unsre Perlen nicht vor solche Schweine zu werfen. Doch es waren nicht nur heilige Worte, die David in Gegenwart der Ruchlosen bei sich behielt, sondern sein Herz war offenbar von Gedanken der Unzufriedenheit und Ungeduld bewegt. Sein Blick war dabei wohl nicht hauptsächlich, wie Luthers Übersetzung es auffasst, auf das Glück der Gottlosen gerichtet; er beschäftigte sich vor allem mit seiner eignen Lage, mit seinen schweren Leiden. Aber dies genügte, ihn in die Versuchung zu bringen, sich durch Murren gegen Gott zu versündigen, und so weist sein zugebundener Mund auf vieles hin, das in seinem Innern vorging und keine Nachahmung verdient. Doch wenn wir tadeln, wollen wir auch loben, was zu loben ist. Stand es innerlich so mit ihm, so war es höchst klug, dass er in Gegenwart der Gottlosen stumm war wie ein Grab. Die Weisheit verlangt es, dass Gutgesinnte, wenn sie von Gedanken des Zweifels verwirrt gemacht werden, diese nicht hastig vor anderer Ohren aussprechen, sondern den inneren Streit auf dem gewiesenen Kampfplatz ausfechten. Auch der standhafteste Gläubige wird je und dann vom Unglauben angefochten und es hieße dem Teufel beim Säen helfen, wenn wir alle unsere Gedanken des Zweifels und Argwohns ausstreuen wollten. Habe ich selber das Fieber, so ist kein Grund, warum ich auch meine Nachbarn damit anstecken sollte. Befinden sich auf dem Schiff meiner Seele verseuchte Gedanken, so will ich mein Herz in Quarantäne legen und keinem der verdächtigen Passagiere erlauben, im Boot der Rede ans Land zu gehen, bis ich wieder einen vollgültigen Gesundheits-Pass habe.

3. Ich verstummte in Schweigen. (Grundt.) Er war so schweigsam, als ob er keine Zunge hätte; nicht ein Wort kam über seine Lippen. Er war still wie ein Stummer. Und schwieg des Guten.2 Weder Gutes noch Böses kam über seine Lippen. Vielleicht befürchtete er, Verkehrtes zu reden, wenn er überhaupt den Mund auftäte, und beschloss darum, sich des Sprechens völlig zu enthalten. Das war ein leichtes, sicheres und wirksames Mittel, die Sünde zu vermeiden, wenn es nicht eine Vernachlässigung der Pflicht, von Gott Gutes zu reden, in sich schloss. Auch unser göttlicher Meister war den Gottlosen gegenüber still; doch nicht immer, denn vor Pontius Pilatus hat er ein gutes Bekenntnis abgelegt und seine königliche Würde bezeugt. Aber mein Schmerz wurde (dadurch nur) aufgeregt. (Grundt.) Sein Schweigen brachte den inneren Kummer nicht zum Schweigen; dieser kam vielmehr, da er sich nicht Luft machen konnte, in desto stärkere Gärung und Wallung. Die eingedämmten Fluten schwollen an und tobten. Indem wir unsere Herzensangst absprechen, öffnen wir gleichsam die Schleusen, dass die Fluten sich verlaufen können. Durch das Stillschweigen, da wir, wie Luther übersetzt, unser Leid in uns fressen , verschlimmern wir das Übel und verhindern zugleich dessen Heilung. In solcher Lage in Schweigen zu verharren, dazu bedarf es großer Festigkeit, und auch diese wird schwerlich standhalten, wenn der Kummer mit ganzer Heftigkeit auf die Seele einstürmt. Vor dem übermächtigen Aufprall der tosenden Flut weichen auch die stärksten Dämme. Unsere natürliche Kraft mag ihr Bestes tun, die Äußerungen der Unzufriedenheit zu unterdrücken; wenn ihr die Gnade nicht zu Hilfe kommt, muss sie unterliegen.

4. Mein Herz entbrannte in meinem Innern. (Grundt.) Seine Gedanken rieben sich gleichsam aneinander und erzeugten so einen heftigen Brand . Die Tür seines Herzens war verriegelt und da solch ein Feuer des Unmuts und Grams darin brannte, wurde die Hitze in dieser verschlossenen Kammer seiner Seele bald unerträglich. Stillschweigen ist für Leidende eine solche Pein, dass es unfehlbar zum Wahnsinn führt, wenn es nicht gebrochen wird. Drum, bekümmerte Seele, schütte dein Herzeleid aus! Tu das zuerst und gründlich vor Gott; dann magst du auch einem weisen, gottesfürchtigen Freund deinen Kummer klagen, es wird dir gesegnet sein. Durch mein Nachsinnen entzündete sich in mir ein Feuer. (Grundt.) Er sann darüber nach, wie die Gottlosen solch ein bequemes Leben hatten, während er täglich mit Anfechtungen und Trübsalen zu ringen hatte, und da er die Rätsel der Vorsehung nicht lösen konnte, wurde seine innere Erregung immer stärker. Je eifriger er das Knäuel zu entwirren suchte, desto mehr verwickelte es sich. Durch sein Grübeln stocherte er nur die glühenden Kohlen auf, dass sie in heller Flamme aufloderten. Mit jedem Augenblick wurde es ihm schwerer, ruhig zu bleiben. Sein Inneres glich einem Vulkan; ein Meer von Feuer wütete darin und wurde wie durch ein Erdbeben aufgewühlt. Ein Ausbruch war unvermeidlich; die glühende Lava musste sich in feurigem Strom ergießen. Ich redete mit meiner Zunge. Der Ausdruck ist von lakonischer Kürze. Die gefesselte Zunge sprengte ihre Bande. Der Knebel wurde mit Gewalt aus dem Munde geschleudert. Der Kummer lässt sich so wenig totschweigen wie ein Mord. Das Lob Gottes mögen wir unterdrücken, aber nicht den Aufschrei der Herzensangst. Entschluss hin, Entschluss her, Vorsicht hin, Vorsicht her, Sünde hin, Sünde her, - der ungestüme Wildbach bricht sich Bahn und fegt jedes Hindernis hinweg.

Fußnote
1. Da der Psalmist, wie sich ergeben wird, in V. 4 den Bruch dieses Vorsatzes als Vergangenes erzählt, ist dieser ganze Psalmteil imperfektisch oder plusquamperfektisch zu übersetzen.

2. So die engl. Übers., sowie Luther 1524. Die schwierige Stelle wird sehr verschieden gedeutet. In der Ausl. kommt Spurgeon mit denen überein, die bO+Imi als Abkürzung der Redensart (z. B. 1. Mose 31,24) vom Guten wie vom Bösen = von altem ansehen. Da aber das, wovon jemand schweigt, nie mit Nm eingeführt wird, wird bO+Imi eher den Zustand beschreiben, worin sich der Dichter befand: fern von allem Glück. Keßler deutet: auf Glück verzichtend.
Wer sich nur nach dem, was er fühlt, richtet, der verliert Christus. (Martin Luther)


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