Andachten zu den Johannesbriefen

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Jörg
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Andachten zu den Johannesbriefen

Beitragvon Jörg » 28.11.2010 07:15

C.O.Rosenius Das wir gehört haben, das wir gesehen haben mit unseren Augen, das wir beschaut haben und unsere Hände betastet haben vom Wort des Lebens, ... das verkünden wir euch. 1. Joh. 1, 1 u. 3.

Welch mächtiger Trost und welche Stärke war es für den Apostel Johannes, daß er so zeugen konnte! Es ist die triumphierende Gewißheit, die hiermit ausgesprochen wird: Ich verkündige nichts Ungewisses, sondern das, was ich mit meinen Augen gesehen, mit meinen Ohren gehört und mit meinen Händen betastet habe. Johannes war der Glückliche, der an der Brust Jesu gelegen, mit Ihm gewandelt, geruht und gewacht, an Seinem Kreuze gestanden hatte und auch bei Seiner Himmelfahrt zugegen war. So wundern wir uns nicht, daß Johannes mit Freuden alles tun und leiden konnte. Er hat sich auch in seinem Evangelium auf sein eigenes Schauen berufen: ,,Wir sahen Seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit." Ebenso hat auch der Apostel Petrus triumphiert und sein Zeugnis mit seinem eigenen Schauen bekräftigt: ,,Wir sind nicht klugen Fabeln gefolgt," sagt er, ,,da wir euch kundgetan haben die Kraft und Zukunft unseres Herrn Jesus Christus, sondern wir haben Seine Herrlichkeit gesehen!" Gott sei Lob und Preis!

,,Aber", so sagst du, ,,welche Gewißheit haben denn wir, die wir es nicht mit eigenen Augen gesehen haben?" Gott sei Lob und Preis! In Vers 9 des fünften Kapitels seines ersten Briefes sagt Johannes: ,,Wer an den Sohn glaubt, der hat solches Zeugnis in sich selbst," der hat gesehen und beschaut! ,,Gott hat sich nicht unbezeugt gelassen." Wer dem Zeugnis Gottes nicht glaubt, der ist mit allem Recht mit Blindheit geschlagen; er sieht nichts, selbst das nicht, was gerade vor ihm steht, wie wir an den ungläubigen Juden sehen, die ebenso wie Johannes und Petrus den Herrn Jesus und alle Seine Werke vor Augen hatten, und doch sahen sie nichts. Derjenige aber, der an den Sohn Gottes glaubt, sieht in Ihm ,,Urim und Thummim", Licht und Vollkommenheit, und geht auch täglich mit Ihm um. Sollte er Ihn dann nicht kennen?

Wer an den Sohn Gottes glaubt, sieht herrliche Dinge, zuerst in sich und in der Geschichte seines Lebens, nämlich eine neue Schöpfung, die nicht weniger bewunderungswürdig ist als die erste Schöpfung. Ferner sieht er um sich her viele Bestätigungen des Wortes Gottes. Was sieht er z. B. in den Überresten des alten Israel, den Juden, die unter uns wohnen, oder gar in der Erbärmlichkeit der Götterlehren aller Heiden? Was sieht er in der bloßen Tatsache, daß das Wort von dem Gekreuzigten nicht mit Seinem Tod aufhörte, sondern in alle Lande hinausgegangen ist? Was braucht er mehr zum Beweis für die Auferstehung Christi oder um zu wissen, wer dieser Herr war? Ist alles das nicht ein Sehen? Dank und Lob, o Gott! Wir haben gesehen, wir haben geschaut. Aber man muß sich unter die gewaltige Hand Gottes demütigen und um Gnade, um geistliche Augen und um Licht bitten; denn dies kommt nur von oben herab, von dem Vater des Lichts.

Das andere, was Johannes uns hier lehrt, ist dieses, daß wir täglich mit dem Wort des Lebens umgehen müssen. Dies deutet er mit den mehrfach wiederholten Worten an: ,,Das wir gehört haben, das wir gesehen haben mit unseren Augen, das wir beschaut haben und unsere Hände betastet haben vom Wort des Lebens." Dies nämlich ist die andere notwendige Bedingung, um einen alles besiegenden Trost in und eine innige Freude über Jesus zu haben, daß wir nämlich diese Dinge nicht nur gehört oder gesehen haben, sondern wieder und immer wieder hören, sehen und beschauen und aufs neue beschauen und ,,betasten" oder mit diesen unseren himmlischen Reichtümern umgehen. Hier liegt das Geheimnis, Kraft und Trost im Herzen zu haben.

Wir berühren damit einen Punkt, auf dem alles beruht. Hier liegt auch die Ursache, weshalb so wenig Friede, Freude und Kraft in unseren Herzen wohnen. Wir beschauen alles andere tausendmal, nur nicht das, was Leben und Frieden gibt. Mitten unter einem fleißigen Hören und Lesen kann man doch das Auge seiner Seele nur auf sich oder auf das Elend gerichtet haben; - in die Herrlichkeit Christi aber und in die ewige Auserwählung Gottes, in unsere himmlischen Reichtümer also, kann man sich nicht versenken. Was helfen dann alle Wort Gottes? Was unsere Seele beschaut und womit sie umgeht, das erfüllt das Herz. Es ist darum eine beklagenswerte Schwachheit vieler Christen, daß sie so wenig das Große, Herrliche betrachten, das sie mit Friede und Freude erfüllen würde. Stattdessen beschäftigen sie sich mit Dingen, mit denen Qual und Unruhe verbunden sind. Was man am meisten betrachtet, davon hat man auch den stärksten Eindruck. Gott helfe uns, Sein Wort auch in dieser Beziehung ganz ernst zu nehmen! Auch sollten wir einander dazu verhelfen mit Ermahnungen und Aufmunterungen, auf daß wir anfangen möchten, fleißiger mit unserem großen Reichtum in Christus umzugehen. Es gibt ja keine andere Weise, Freude und Stärke ins Herz zu bekommen. Luther, der täglich nichts anderes tat, als im Worte und in der Lehre zu arbeiten, nahm wegen des Bedürfnisses seiner eigenen Seele täglich die Glaubensartikel und die zehn Gebote Gottes und einige wohlbekannte Sprüche von Christus vor sich, die er aufs neue zum vielleicht schon tausendsten Mal betrachtete. Kein Christ hat bis jetzt eine andere Weise gefunden, Kraft im Herzen zu gewinnen und zu behalten. Möchte Gott uns helfen, dieses ins Werk zu setzen!

Jesu, Du bist unaussprechlich Herrlich Deinem Kind. Gnad' und Frieden, Heil und Leben Herr in Dir ich find!
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

Jörg
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Beitragvon Jörg » 29.11.2010 05:32

C.O.Rosenius Unsere Gemeinschaft ist mit dem Vater und mit Seinem Sohne Jesus Christus. 1. Joh. 1, 3.

Dies ist ein großes, verborgenes Geheimnis, das auch die ,,geheimnisvolle Vereinigung" genannt wird, das dabei aber doch eine ernste Wirklichkeit ist. Es ist schon in dem göttlichen Ewigkeitsratschluß mit dem Menschen und in seiner Erschaffung begründet. Der Apostel sagt: ,,Wir sind göttlichen Geschlechts." Dies sei als erster Grund gesagt. Aber diese Vereinigung mit Gott, die durch den Sündenfall gestört wurde, erhielt noch einen neuen, herrlicheren Grund in der Menschwerdung Christi. In Ihm wurden Gott und Mensch in einer Person vereinigt. ,,Er soll Immanuel heißen", Gott mit uns, Gott in unserem Fleisch. Dadurch ist der Mensch zu der Ehre und Würde erhoben, daß er Gottes Wohnung und Gemeinschaft, ein Leib und ein Geist mit dem Herrn sein kann.

Diese Vereinigung fängt an, wenn ein zerschlagener Geist nach dem Herrn und Seiner Gerechtigkeit hungert und dürstet. Dann ist die Herzenstür aufgemacht, ,,dann", spricht der Herr, ,,werde Ich eingehen und das Abendmahl mit ihm halten und er mit Mir". Der Bräutigam sucht die Braut, und die Braut sucht Ihn, wer würde dann die Vereinigung hindern können? Christus sagt, daß Er in einer solchen Seele ,,wohnen" will. Zwar ruft die Vernunft: Nein, nein, unmöglich! Aber was hilft's? Es ist der eigene, wundersame Ratschluß des Herrn. Er selbst hat gesagt: ,,Wer Mich liebt, der wird Mein Wort halten, und Mein Vater wird ihn lieben, und Wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm machen." Kannst du dies nicht begreifen, dann bedenke nur, wer dieser Herr ist, der solches sagt. ,,Bei Ihm ist nichts unmöglich." Was sollte dem Allmächtigen leichter sein, als das zu tun, was Er will! Nun ist der Ratschluß Seines eigenen Willens und Sein freies Wohlgefallen, daß Er sich mit dem Menschen wieder vereinigen und in Seinen Kindern auf Erden wohnen und leben will. Bei Joh. 17, wo Jesus mit Seinem Vater redet, sagt Er: ,,Ich in ihnen, und Du in Mir, auf daß sie vollkommen seien in eins." Ja, es steht ausdrücklich so da. Kann etwas noch deutlicher sein? Und Paulus sagt: ,,Ihr seid der Tempel des lebendigen Gottes; wie denn Gott spricht: Ich will in ihnen wohnen und unter ihnen wandeln." Gerade durch diese innige Vereinigung werden wir, wie Petrus sagt, der göttlichen Natur teilhaftig.

Seht! Dies ist nun das erste, was zu unserer Gemeinschaft mit dem Vater und Seinem Sohn Jesus Christus gehört. Mit dieser Vereinigung folgt zweitens die Teilhaftigkeit an den Gütern Christi, an Seinem Reich und Seinen Schätzen. Wir kennen aus dem ganzen Evangelium Gottes ,,die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, daß, ob Er wohl reich ist, ward er doch arm um unsertwillen, auf daß wir durch Seine Armut reich würden". Er ist wahrlich nicht um Seinetwillen ein Mensch geworden. Es geschah alles um unsertwillen und uns zugute, wie die Schrift es so deutlich bezeugt: ,,Den, der von keiner Sünde wußte, hat Gott für uns zur Sünde gemacht, auf daß wir Gottes Gerechtigkeit würden in Ihm." Ist dies nicht ein feiner Tausch! Er nimmt unsere Sünden auf sich und gibt uns Seine Gerechtigkeit. Die Braut war arm und schuldbeladen; aber der Bräutigam übernimmt ihre Schulden und gibt ihr Seine Reichtümer. Dies ist der Hauptinhalt des ganzen Evangeliums. Zum anderen enthält dies aber auch, daß ein jeder, der an Christus glaubt und mit Ihm vereinigt wird, in demselben Augenblick auch alles dessen teilhaftig wird, was Christus uns erwarb: Seines Gehorsams, Seiner Heiligkeit, Seiner Gerechtigkeit, der Verdienste Seines Leidens und Sterbens; alles wird so ganz unser eigen, als hätten wir selbst getan und gelitten, was Er tat und litt. Wenn ein armer Sünder nach dieser Gnade zu hungern und zu dürsten anfängt und sie mit dem Glauben des Herzens umfaßt, dann wird dieses ganze Verdienst Christi ihm geschenkt und ihm zugerechnet als sein eigenes Verdienst, seine eigene Gerechtigkeit, deren er sich sein ganzes Leben lang gegen seine täglichen Sünden und Gebrechen getrösten soll.

Beachte aber! Es ist durchaus nicht genug, daß du dies weißt und oft gehört hast, sondern es muß solange beherzigt, beschaut und betrachtet werden, bis dein Herz Trost daraus erhält und du mit Ernst sprechen kannst: ,,Es ist mein!" Dann erst gibt es Leben, dann erst hebt ein seliger Umgang zwischen der Braut und dem Bräutigam an. O, welch wundersamer und hoher Trost, mit dem Glauben des Herzens sprechen zu können: ,,All das meinige ist Sein, und das Seinige ist mein. Meine Sünde ist Seine Sünde, meine Not wurde Seine Not; aber Seine Gerechtigkeit ist meine Gerechtigkeit, Sein Gehorsam ist mein Gehorsam, Sein Blut ist meine Reinheit, Sein Tod ist mein Leben! Gelobt sei Sein Name! Gegen meine Sünde stelle ich Seine Gerechtigkeit, gegen meine Kälte Seine Liebe, gegen meine Schwachheit Seine Stärke und spreche: Bin ich sündig, so ist Christus gerecht; bin ich kalt, so ist Christus warm; bin ich verzagt und ängstlich, so ist Christus durchaus nicht verzagt, Er weiß Rat. Kurz, all das Seinige ist mein, und das meinige ist Sein." Er selbst will, daß wir so glauben.

Was Du bist, bist Du alles mir zur Freude; Dein ganzes Reich ist nun mein Gut und Weide; Denn was Du tat'st vom Kleinsten bis zum Größten, Ist mir zum Besten.
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Beitragvon Jörg » 30.11.2010 05:27

W.Nee Gott ist Licht, in ihm ist keinerlei Finsternis. 1. Johannes 1,5

Während Johannes uns in seinem Evangelium Christus als die zu den Menschen gekommene Gnade und Wahrheit offenbart, stellt er ihn uns in seinen Briefen als Licht und Liebe dar. Was im Evangelium Wahrheit war, wird in den Briefen Licht; was dort Gnade hieß, heißt hier Liebe. Warum? Der Grund ist der: Was in Gott Licht ist, wird, wenn den Menschen mitgeteilt, Wahrheit; was in Gott Liebe ist, erscheint, wenn es zu den Menschen kommt, als Gnade. Wahrheit und Gnade sind hier auf Erden, Licht und Liebe droben in Gott. Und deshalb besteht immer die Möglichkeit, daß die Gnade mißbraucht und die Wahrheit falsch angewandt wird. Die Menschen haben sich diese beiden Dinge in unrechter Weise zu eigen gemacht und für ihre Zwecke benützt. Licht und Liebe dagegen, der Ursprung der beiden, sind gleichbedeutend mit Gott und daher dem Mißbrauch der falschen Verwendung entzogen, denn zu Gott können wir nicht hinaufklettern. In seinen Briefen will uns Johannes sagen, wir müssen zu Gott als dem Ursprung der Quelle zurückkehren; nur dann werden wir das, was die Gemeinde der Frühzeit besaß und was uns verlorengegangen ist, wiederentdecken.
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Beitragvon Jörg » 01.12.2010 05:48

C.H.Spurgeon ,,Gemeinschaft mit Ihm." 1 Joh. 1, 6.

Als wir durch den Glauben mit Christo vereinigt wurden, kamen wir in eine so völlige Gemeinschaft mit Ihm, daß wir eins wurden mit Ihm, und daß seine und unsre Neigungen sich gegenseitig und übereinstimmend gestalteten. Wir haben Gemeinschaft mit Christo in seiner Liebe. Alles, was Er liebt, lieben auch wir. Er liebt die Heiligen; wir auch. Er liebt die Sünder; wir auch. Er liebt das arme, verirrte Menschengeschlecht und seufzt und sehnt sich, daß die Wüste dieser Erde möchte in ein Paradies des Herrn verwandelt werden; so auch wir. Wir haben Gemeinschaft mit Ihm in seinen Wünschen. Ihn verlangt nach der Verherrlichung Gottes; danach trachten wir auch. Er wünscht, daß die Heiligen möchten bei Ihm sein, wo Er ist; und dort wünschen auch wir bei Ihm zu sein. Er sehnt sich danach, die Sünde zu vernichten; siehe, wir kämpfen unter seinem Panier. Er möchte gern, daß seines Vaters Name geliebt und gelobt würde von aller Kreatur; und auch wir bitten täglich: ,,Dein Reich komme; Dein Wille geschehe auf Erden wie im Himmel." Wir haben Gemeinschaft mit Christo in seinen Leiden. Wir werden zwar nicht ans Kreuz geheftet, noch sterben wir eines grausamen Todes, aber wenn Er geschmähet wird, so werden wir mitgeschmähet; und wahrlich, es ist süß, um seinetwillen Schmach zu erdulden; verachtet zu werden, weil wir in seiner Nachfolge wandeln; und die Welt zum Feinde zu haben. Der Jünger ist nicht über seinem Meister. In unserm Teil haben wir Gemeinschaft mit Ihm in seinen Mühsalen und in seiner Arbeit, indem wir den Menschen dienen durch das Wort der Wahrheit und durch Werke der Liebe. Unsre Speise und Erquickung besteht wie die seine darin, daß wir den Willen tun Des, der uns gesandt hat, und vollenden sein Werk. So haben wir auch Gemeinschaft mit Christo in seinen Freuden. Wir sind selig in seiner Seligkeit, wir freuen uns über seine Erhöhung. Hast du je diese Freude geschmeckt, liebe gläubige Seele? Es gibt keine reinere und entzückendere Wonne, und ist keine höhere bekannt unter dem Himmel, als die, daß wir Christi Freude in uns vollkommen haben, auf daß unsre Freude überschwenglich sei. Seine Herrlichkeit erwartet uns, um unsre Gemeinschaft völlig zu machen, denn seine Gemeinde wird mit Ihm sitzen auf seinem Stuhl als seine innig geliebte Braut und Königin.
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Beitragvon Jörg » 02.12.2010 05:39

C.O.Rosenius So wir sagen, daß wir Gemeinschaft mit Ihm haben und wandeln in der Finsternis, so lügen wir und tun nicht die Wahrheit. 1. Joh. 1, 6.

Was bedeutet das, in der Finsternis zu wandeln? Wir müssen die Frage nicht selbst beantworten, sondern die Meinung des Herrn, die Erklärung des Wortes finden, damit wir weder unnötig betrübt noch fälschlich getröstet werden.

Gott sei Dank! Alles ist im Worte erklärt. Christus spricht: ,,Wer Arges tut, der hasset das Licht und kommt nicht an das Licht, auf daß seine Werke nicht gestraft werden." Wenn ein Mensch das strafende Wort scheut, nicht vor Gott kommen und sich wegen der Sünde nicht strafen lassen will, sie auch nicht bekennen und nicht Vergebung und Versöhnung suchen will, sondern einhergeht und sich verbirgt und mit Judas spricht: ,,Ich bin's nicht!" - sollte das nicht ,,in der Finsternis wandeln" sein? Vergleiche nun hiermit Vers 8: ,,So wir sagen, wir haben keine Sünde, so verführen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns," und Vers 9: ,,So wir aber unsere Sünden bekennen, so ist Er treu" usw. Zu sagen, man habe Gemeinschaft mit Gott, dabei aber in der Finsternis zu wandeln, heißt, keine offene Sache mit Gott zu haben und mit seiner Sünde nicht vor dem Gnadenthron zu liegen. Mit anderen Worten: Wenn man die Sünde dem Urteil nicht unterwerfen, sie nicht vor Gott bekennen und sie auch nicht lassen, sondern mit ihr ungestört bleiben will und eine Decke von Entschuldigungen und Heuchelei über sich zieht, um sie ruhig und unbestraft zu behalten, dann wandelt man in der Finsternis.

Der eigentliche Grund davon ist ein schlafender, ungehorsamer und unbußfertiger Geist, der Gott für nichts hält. Denn wenn der Herr uns in Seinem Worte Seinen Willen und Ratschluß zu unserer Seligkeit verkündet und uns sowohl von der Neugeburt des Herzens als auch von der Heiligung des Lebens sagt, wir aber dennoch in einem Zustand, der mit diesem Worte nicht übereinstimmt, dahinleben können, dann sehen wir, daß das Wesen und der Grund Verstockung und Verachtung gegen Gott sind. Mancher lebt äußerlich sehr fromm, ist durch Andachtsübungen, christliche Wirksamkeit und schöne Werke und Worte weit geschieden von der Welt, wandelt aber doch in der Finsternis, denn er lebt nicht vor dem Gnadenthron, im ,,Allerheiligsten", in der Buße zu Gott und im Glauben an unseren Herrn Jesus Christus." Viele wissen nichts von einer Geburt aus dem Geist. Sie verachten das Wort von dem inneren Zustand des Herzens und spotten also des Allmächtigen. Gott aber ist ein Licht; Seine Augen sehen es, Er merkt es wohl, und Er läßt sich nicht spotten.

Vielleicht bist du dir keiner Geburtsarbeit des Geistes an deiner Seele bewußt und damit auch keiner Not und keines Urteils der Sünde, womit du vor dem Gnadenthron gekämpft

und endlich durch die liebliche Botschaft des Herrn Erlösung vom Fluch sowie die Gewißheit der Vergebung deiner Sünden und neues Leben im Herzen empfangen hast. Vielleicht weißt du nur, daß du einen neuen Weg angefangen hast, als du mit Andachtsübungen, Gebeten und guten Werken anfingst, ja, sie auch fortgesetzt hast, ohne jemals deine übermächtigen Sünden wirklich erkannt zu haben. Du bist dir vielleicht auch nicht dessen bewußt, daß die Gnade mitten in deiner Verlegenheit ,,viel mächtiger" geworden ist, sondern deine Besserung und dein Trost haben gleichen Schritt miteinander gehalten - so nämlich, daß sich dein Trost auf deine Besserung gegründet hat, - und so gehst du einher und hoffst auf ein gutes Ende. Das heißt des Herrn spotten und Sein Wort verachten. Die Schrift lehrt den Weg des Überfließens unserer Sünde, aber auch der Gnade Gottes, dieser engen Pforte der neuen Geburt. Du weißt, daß Jesus ausdrücklich sagt: ,,Es sei denn, daß jemand von neuem geboren werde, kann er das Reich Gottes nicht sehen." Aber du fürchtest dich nicht, du hoffst, daß du es trotzdem sehen wirst. Du hörst manche Gläubige aus eigener Erfahrung von dem Werk der Neugeburt im Herzen, von der Sündennot, vom Glauben und vom Zeugnis, von dem Frieden und der Freude im Heiligen Geist reden, woraus du erkennen kannst, daß es eine große Wirklichkeit ist. Du aber bleibst stumm, solange dieses Thema behandelt wird, bis man zu den Werken, zur Wirksamkeit kommt, da bist du zu Hause. Aber du hoffst dennoch, daß es dir gut gehen wird und daß du Gottes Reich zu sehen bekommst! Du weißt wohl, was der Herr davon sagt, aber du willst es nicht verstehen und ihm nicht nachforschen, sondern gehst schnell daran vorüber. - Sieh, das heißt mit seinem Innern in der Finsternis wandeln und nicht an das Licht kommen wollen.

Gar mannigfaltig sind die Werke des Teufels zu unserem Verderben. Es gibt auch Bekenner unter uns, die von ihrer Erweckung und der Anzündung ihres Glaubens, ihrem klaren Zeugnisse usw. wirklich viel erfahren haben und dies mit vielen Worten beschreiben können. Sie wissen vom Gesetz und auch vom Evangelium, vom Glauben und von der Heiligung zu reden - und doch wandeln sie noch in der Finsternis. Sie üben mit freiem Mute die Werke der Finsternis und wollen sich gegen die Sünde nicht wehren, sich nicht strafen lassen, ihr Wesen vielmehr entschuldigen und verteidigen. Das ist es, was Johannes als ein Zeichen derjenigen anführt, die in der Finsternis wandeln, wenn er am Haß ein Beispiel nimmt und spricht: ,,Wer da sagt, er sei im Licht, und hasset seinen Bruder, der ist noch in der Finsternis und wandelt in der Finsternis und weiß nicht, wo er hingeht; denn die Finsternis hat seine Augen verblendet."
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Beitragvon Jörg » 03.12.2010 05:48

C.H.Spurgeon ,,So wir im Lichte wandeln, wie Er im Lichte ist." 1 Joh. 1, 7.

Wie Er im Lichte ist! Können wir je dahin gelangen? Werden wir je imstande sein, so klar im Lichte zu wandeln, wie Er, den wir nennen ,,unser Vater", von welchem geschrieben steht: ,,Daß Gott ein Licht ist, und in Ihm ist keine Finsternis?" Gewißlich, das ist das Vorbild, das uns vorgestellt ist; denn der Heiland selber hat gesagt: ,,Seid vollkommen, gleichwie euer Vater im Himmel vollkommen ist;" und wenn wir gleich fühlen, daß wir nie zur Vollkommenheit Gottes gelangen werden, so trachten wir doch danach und geben uns nicht zufrieden, bis daß wir sie möglichst erreicht haben. Wenn der junge Künstler im Anfang den Pinsel zur Hand nimmt, so kann er kaum hoffen, es einem Raffael oder Michel- angelo gleich zu tun; wenn er aber in seinem Gemüt nicht ein hohes Vorbild bewegte, dem er nachstrebt, so würde er nur Unbedeutendes und Mittelmäßiges erreichen. Was bedeutet aber der Ausdruck, daß der Christ im Lichte wandeln soll, gleichwie Gott im Lichte ist? Wir begreifen, daß hier von einer Ähnlichkeit, nicht von einem gleichen Maße die Rede ist. Wir sind ebenso wahrhaft im Licht, ebenso herzlich im Licht, ebenso ernstlich im Licht, ebenso aufrichtig im Licht, obgleich wir nicht im gleichen Maße darin sein können. Ich kann nicht in der Sonne wohnen, es wäre ein zu glänzender Ort für meine Wohnung, aber ich kann wandeln im Licht der Sonne; und obgleich ich nicht zu derjenigen Vollkommenheit der Reinheit und Wahrheit gelangen kann, welche dem Herrn der Heerscharen, als dem unendlich Guten, eigen ist, so kann ich doch den Herrn allezeit vor Augen haben und mit dem Beistand, des innewohnenden Geistes danach streben, daß ich seinem Bilde ähnlich werde. Ein vorzüglicher alter Schriftausleger sagt: ,,Wir können im Lichte sein, wie Gott im Lichte ist, nach der Ähnlichkeit, aber nicht nach der Einerleiheit." Wir haben das gleiche Licht und sind und wandeln darin so wahrhaftig als Gott, obgleich die Gottähnlichkeit in vollkommener Heiligkeit und Reinheit uns nicht zukommt, bis daß wir durch den Jordan schreiten und zur Vollkommenheit des Höchsten eingehen. Vergiß nie, daß die Segnungen heiliger Gemeinschaft und völliger Reinheit mit dem Wandel im Lichte verbunden sein müssen.
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Beitragvon Jörg » 04.12.2010 07:00

C.H.Spurgeon ,,Das Blut Jesu Christi, des Sohnes Gottes, macht uns rein von aller Sünde." 1 Joh. 1, 7.

,,Macht uns rein," spricht der Apostel, und nicht: ,,es wird uns einmal rein machen." Es gibt viele, die da meinen, daß ihnen als Trost im Tode die Hoffnung auf die Vergebung der Sünde bleibe. Ach, wie unendlich besser ist es doch, daß wir schon jetzt rein werden, als wenn wir auf die bloße Möglichkeit der Sündenvergebung angewiesen wären, wenn es einmal mit uns zum Sterben kommen soll. Manche bilden sich ein, daß das Gefühl der Vergebung ein Gnadengeschenk sei, das uns erst nach jahrelanger innerer Christenerfahrung zuteil werden könne. Aber die Vergebung der Sünden ist etwas Gegenwärtiges, ein Vorrecht eben des heutigen Tages, eine Freude gerade dieser Stunde. Im gleichen Augenblick, wo ein Sünder sein Vertrauen auf Jesum setzt, hat Er auch völlige Vergebung schon empfangen. Unsre Schriftstelle zeigt auch eine Fortdauer an, weil sie in der gegenwärtigen Zeitform ausgedrückt ist. Es hieß gestern ,,macht uns rein," es heißt heute ,,macht uns rein," und ,,macht uns rein" heißt es auch noch morgen; es wird auch so bleiben, bis du durch den Jordan schreiten mußt; du darfst jede Stunde zu diesem Born kommen, denn er macht noch immerfort rein. Und ebenso haben wir die Vollständigkeit der Reinigung ins Auge zu fassen: ,,Das Blut Christi, seines Sohnes, macht uns rein von aller Sünde, nicht nur von Sünde, sondern von aller Sünde." Liebe Seele, ich kann dir nicht sagen, wie unaussprechlich süß dies Wort klingt, aber ich bitte Gott den Heiligen Geist, Er wolle dir einen Vorgeschmack davon geben. Vielerlei sind unsre Sünden wider Gott. Aber sei unsre Schuld groß oder klein, die gleiche Quittung tilgt alles aus, das Blut Jesu Christi ist eine so köstliche und göttliche Zahlung für die Übertretung der Verleumdung Petri, als für die Flucht des liebenden Johannes; unsre Missetat ist hinweg, auf einmal hinweg, und auf ewig hinweg. O selige Vollendung! Welch ein lieblicher Gedanke, um darüber einzuschlafen! ,,Ich will von nun an nichts andres seh'n, Als nur was am Kreuz für mich gescheh'n: Das ist meine Freude, mein Heil, mein Leben, Denn meine Sünden sind mir vergeben Durch Christi Blut!"
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Beitragvon Jörg » 05.12.2010 08:14

D.Rappard Das Blut Jesu Christi, des Sohnes Gottes, macht uns rein von aller Sünde. 1. Joh. 1,7.

Das tiefernste Wort von Off.21,27 ,,Es wird nicht eingehen in die Stadt irgend ein Gemeines.." darf wohl noch in unserem Herzen nachtönen. Wer von uns, der sich selbst erkannt hat, spürt es nicht mit Schmerz und Scham, wie viel Unreines noch in ihm ist? Mit Sünde vermischt ist unser Tun und Lassen. Die Selbstsucht dringt auch in unsere besten Taten. Müssen die Perlentore Jerusalems uns denn verschlossen bleiben? Auch hienieden schon das Tor zur innigen Gemeinschaft mit Gott?

O Gott sei ewig Preis und Dank, daß wir eine selige Antwort haben auf solche bange Fragen. D a s B l u t J e s u C h r i s t i m a c h t u n s r e i n v o n a l l e r S ü n d e. Halten wir uns nicht auf bei der Frage, wie solches geschieht, sondern glauben wir kindlich dankbar dem Zeugnis unseres Gottes. Das Blut Jesu Christi, das ist sein völlig ausgegossenes Leben, macht uns rein, nimmt hinweg die vergangene Schuld der Sünde und schützt vor ihrer gegenwärtigen Macht, von aller Sünde. Es ist eine Rettung für alle. Im Blute des Lammes gewaschen, wird auch das Befleckteste rein. Um dies göttliche Wunder zu erleben, muß die Seele sich ihrem Heiland gläubig hingeben. Herr, nimm alles! Herr, gib mir Dein volles Heil!

Wie ich bin, komm ich zu Dir! Nichts hat mir die Tür erschlossen, Als Dein Ruf: ,,Kommt her zu mir!" Und Dein Blut für mich vergossen.
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Beitragvon Jörg » 06.12.2010 05:58

C.O.Rosenius Das Blut Jesu Christi, des Sohnes Gottes, macht uns rein von aller Sünde. 1. Joh. 1, 7.

Du, der du vielleicht ein recht grober Sünder bist, bedenke: Was wiegst du diesem gegenüber? Gib darauf acht, wie der Apostel hier redet! Damit du einigermaßen merken mögest, was dieses Versöhnungsmittel gilt, wollen wir jedes Wort dieses kostbaren Spruches betrachten und - beherzigen.

Betrachten wir zuerst, wer der ist, von dem hier die Rede ist! Das Blut Jesu Christi, des Sohnes Gottes. Bedenke! Jesus Christus - der solange vorher verheißene ,,Weibessame", ,,der Gesalbte des Herrn" (Christus), ,,welches Ausgang von Anfang und von Ewigkeit her gewesen ist", der aber doch in Bethlehem geboren wurde und von dem die Engel in den Wolken sangen: ,,Euch ist heute der Heiland geboren, der Herr", und wiederum: ,,Er soll Jesus heißen; denn Er wird Sein Volk selig machen von seinen Sünden." Das Blut dieses Herrn Jesus Christus - bedenke, was das gilt! Welch eine Kraft würde dieser Spruch schon haben, wenn es nur so dastände! Aber es steht etwas noch Herrlicheres darin. Der Apostel will mit Fleiß auf den Wert und die Bedeutung Seiner Person hinweisen, darum hat er noch drei wichtige Worte hinzugesetzt: ,,des Sohnes Gottes." - ,,Das Blut Jesu Christi, des Sohnes Gottes."

So folge denn recht dem Finger des Apostels und schaue diese Worte ,,des Sohnes Gottes" recht an. Ist es möglich, ist es Wahrheit? Und dieser Sohn Gottes vergießt Sein Blut für uns! Ist das Wahrheit? Ja, es ist Wahrheit! Wäre es nicht Wahrheit, dann wäre nichts wahr im Wort Gottes, dann könnten wir alles in den Wind schlagen. Du merkst, daß es Wahrheit ist. Darum bedenke, was dieses bedeutet! Der große, allmächtige Gott, der Herr, der am Anfang die Welt und dieses Menschengeschlecht erschaffen hat, hat die Welt so geliebt, daß Er Seinen eingeborenen Sohn, Sein eigenes Wesen dahingibt, Ihn in unser Fleisch sich kleiden und unseren Bruder und Mittler werden läßt. Bedenke, welch eine Person! Gott, der Herr, gab uns nicht einen Engel, nicht einen Heiligen, denn das reichte nicht aus, - sondern den eingeborenen Sohn, wahrer Gott aus Gott und dem Vater gleich an göttlicher Macht und Herrlichkeit. Und Er wird zur Errettung der gefallenen Kinder dahingegeben. Es ist merkwürdig, daß die angenommene Menschheit dieses Sohnes in einer solchen Weise mit der Gottheit vereinigt wurde, daß Sein Blut in der Schrift auch das Blut Gottes genannt wird. Paulus z. B. sagt: ,,Der Heilige Geist hat euch gesetzt zu Bischöfen, zu weiden die Gemeinde Gottes, welche Er durch Sein eigen Blut erworben hat." Bedenke, welch ein teures Lösegeld! Die Himmel sind Seiner Hände Werk, die Erde und alles, was darauf ist, hat Er geschaffen, so daß Ihm gegenüber ,,die Heiden geachtet sind wie ein Tropfen, so im Eimer bleibt, und wie ein Scherflein, so in der Waage bleibt". Und eben dieser gibt sich sowie Sein Leben und Blut zur Errettung der Menschen dahin.

Von diesem Blut sagt der Apostel nun, daß es ,,uns reinmacht von aller Sünde". Was wird mit diesem Reinmachen gemeint sein? Hilft es uns, rein zu werden? Nein, es macht uns rein. Reinigt es uns von der Lust der Sünde? Nein, es macht uns rein von der Sünde. - Nur von der Sünde der geistlichen Schläfrigkeit und Trägheit? Nein, benutze nur die Augen! ,,Von aller Sünde", sagt er. - Und das macht ,,das Blut"? - Ja, das Blut.

Aber lehrt Johannes nicht, daß der Geist uns reinmacht? Gewiß! Aber nicht in demselben Sinn, wie das Blut des Sohnes Gottes es tut. Es ist durchaus notwendig, daß du, bevor du die Reinigung des Geistes erhalten kannst, zuerst verstehst und glaubst, was dieses Blut gilt. Wäre hier von dem Geist die Rede gewesen, so hätte das Reinmachen die Heiligung bezeichnet; hier aber ist von dem Blut, dem Versöhnungsmittel die Rede. Hier handelt es sich also um die Reinigung durch die Versöhnung und damit um die Tilgung der Schuld. Das nämlich ist es, was Jesus von Seinem Blut sagt ,,welches vergossen wird zur Vergebung der Sünden". Es würde Leben und Geist in deinem Herzen entzünden, wenn du Gnade erhieltest, zu sehen, wie allein das Blut des Sohnes Gottes uns vor Gott von allen Sünden reinmacht, so daß Er selbst spricht: ,,Ihr seid rein!"

Einmal wurden alle Sünden der Welt in Christi Tod getilgt. Der Apostel sagt ausdrücklich, daß Jesus ,,durch das Blut an Seinem Kreuz alles versöhnte, es sei im Himmel oder auf Erden", weshalb der versöhnte Gott alle Menschen teuer versöhnt sieht und Seine Botschafter jetzt nur bitten: ,,Lasset euch versöhnen!" - Zum anderen folgt daraus - und dies ist es, was unser Text eigentlich bezweckt -, daß ein jeder, der sich an Christus hält, sich wegen der Sünde strafen läßt, sich aber doch am Gnadenthron aufhält und also ,,im Lichte wandelt", um desselben Blutes willen vor den Augen Gottes beständig rein ist von allen Sünden. Alles Unreine und Sündliche, das noch im Herzen wohnt und sich leider täglich in Gedanken, Worten und Werken regt, wird ihm nie zugerechnet, sondern er ist vor Gottes Augen durch die Versöhnungskraft dieses ewig gültigen Blutes zu allen Stunden rein, er ist wie unter einem beständigen Gnadenregen. Es ist bei Gott entschieden, daß ihm nie eine Sünde zugerechnet werden soll, denn er hat die Versöhnung des Blutes für sich, und deshalb ist er rein. Wie tröstlich, daß dieses Blut vor den Augen Gottes mehr gilt als vor den unseren. Wenn wir auch nicht viel von der versöhnenden Kraft des Blutes sehen und glauben, so gilt es doch vor Gott.

Lamm Gottes, Deinen Wunden Verdank ich's Tag und Nacht, Daß sie den Rat gefunden, Der Sünder selig macht. Gelobet sei Dein Todesschweiß, Und allen Deinen Schmerzen Sei ewig Ehre, Lob und Preis
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

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Beitragvon Jörg » 07.12.2010 07:39

W.MacDonald »Wenn wir unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, daß er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit.« 1. Johannes 1,9

Ohne die Zusicherung dieses Verses wäre es praktisch unmöglich, im Leben als Christ vorwärtszugehen. Wenn wir in der Gnade wachsen, bekommen wir ein immer tieferes Bewußtsein unserer absoluten Sündhaftigkeit. Wir müssen eine Möglichkeit haben, uns sofort von Sünden zu reinigen, ansonsten sind wir zu ununterbrochenem Schuldbewußtsein und ständiger Niederlage verurteilt.

Johannes sagt uns, daß für die Gläubigen diese Möglichkeit im Bekennen der Sünden besteht. Der Ungläubige empfängt die richterliche Vergebung der Sündenstrafe durch Glauben an den Herrn Jesus. Der Gläubige empfängt die väterliche Vergebung der Verunreinigung durch die Sünden mittels des Bekennens.

Sünde unterbricht die Gemeinschaft mit Gott im Leben des Kindes Gottes, und diese Gemeinschaft bleibt unterbrochen, bis die Sünde bekannt und unterlassen wird. Wenn wir bekennen, handelt Gott getreu Seinem Wort; Er hat verheißen zu vergeben. Aber Er ist auch gerecht, wenn Er uns vergibt, weil das Werk Christi am Kreuz eine gerechte Grundlage geschaffen hat, aufgrund der Gott dies tun kann.

Dieser Vers bedeutet also, daß, wenn wir unsere Sünden bekennen, wir wissen können, daß alle Einträge im Register gelöscht sind, daß wir völlig gereinigt sind, daß die wunderbare Familienatmosphäre in der Gemeinschaft mit Gott wiederhergestellt ist. Sobald uns in unserem Leben Sünde bewußt wird, können wir in die Gegenwart Gottes gehen, die betreffende Sünde bei ihrem Namen nennen, sie verurteilen und mit Sicherheit wissen, daß sie weggetan worden ist.

Aber wie können wir es sicher wissen? Wenn wir das Gefühl von Vergebung haben? Es ist überhaupt keine Frage der Gefühle. Wir wissen, daß uns vergeben wurde, weil es Gott in Seinem Wort sagt. Gefühle sind bestenfalls unzuverlässig. Gottes Wort ist gewiß.

Aber angenommen, jemand sagt: »Ich weiß, daß Gott mir vergeben hat, aber ich kann mir selbst nicht vergeben.« Das klingt sehr fromm, doch in Wirklichkeit verunehrt es Gott. Wenn Gott mir vergeben hat, dann will Er, daß ich mir diese Vergebung im Glauben zu eigen mache, mich in ihr freue, und als gereinigtes Gefäß hinausgehe und Ihm diene.
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Beitragvon Jörg » 08.12.2010 06:56

C.O.Rosenius So wir unsere Sünden bekennen, so ist Er treu und gerecht, daß Er uns die Sünden vergibt. 1. Joh. 1, 9.

David sagt über das Bekennen der Sünde in den Versen 3 u. 5 des 32. Psalms: ,,Da ich es wollte verschweigen (nämlich, was ich getan habe, meine große Sünde), verschmachteten meine Gebeine durch mein täglich Heulen ... aber ich sprach: Ich will dem Herrn meine Übertretungen bekennen; da vergabst Du mir die Missetat meiner Sünde." Dieses Bekennen geschieht vor dem Herrn. ,,Ich will dem Herrn bekennen," sagt David, woraus zugleich deutlich wird, daß auch ,,das Verschweigen" ein Verschweigen vor dem Herrn gewesen ist.

,,Wie kann man aber etwas vor dem Herrn verschweigen? Vor Seinen Augen ist doch alles bloß und entdeckt." - Wir verstehen dieses Verschweigen aus der Erfahrung. Es bedeutet eigentlich, mit seiner Sünde, seinem beladenen und kranken Gewissen in einer gewissen Entfernung von Gott dahinzugehen, bis das Sündengefühl sich von selbst abkühlen soll, bevor man in Erkenntnis seiner Sünde zum Gnadenthron gehen, Gott zu Füßen fallen und Vergebung und Erlösung suchen will. Das Wort kann aber auch auf die unbußfertige Welt angewandt werden. Sie erkennt die Sünde, in der sie lebt, nicht und kann sie darum auch nicht bekennen. Darum enthält das Wort ,,bekennen" Buße zu tun, unsere Sünde und den auf uns lastenden Fluch recht erkennen zu lernen und Gnade in Christus zu suchen.

Das ist nun alles, was erforderlich ist, um der erworbenen Vergebung teilhaftig zu werden. Es muß - um ein Bild zu gebrauchen - eine harte Zeit, eine Hungersnot im Lande entstehen, in dem der verlorene Sohn sich aufhält, auf daß er lernen möge, ans Vaterhaus und an die große Sünde zurückzudenken, die er tat, als er seinen Vater verließ und sein Erbe hindurchbrachte. Dann erst beschloß er nämlich: ,,Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und sagen (bekennen): ,,Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir; ich bin hinfort nicht mehr wert, daß ich dein Sohn heiße, mache mich zu einem deiner Tagelöhner!" Jesus hat diese Worte gebraucht, als Er die Bekehrung eines Sünders beschreiben wollte. Aus ihnen können auch wir etwas über das rechte Bekennen und die rechte Bekehrung lernen. Der verlorene Sohn nannte keine bestimmte Sünde, sondern sagte nur: ,,Ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir und bin hinfort nicht mehr wert, daß ich dein Sohn heiße." Er sagte nicht: Diese oder jene Sünde verdient dein Mißfallen, sondern ich, ich bin ganz und gar unwürdig.

Was sollen wir daraus lernen? Doch dies: Es ist keine rechte Bekehrung, wenn man nur die eine oder die andere Sünde fühlt und erkennt, daneben aber manche gute Seite zu haben meint, womit man zufrieden ist. Man muß sich ganz und gar der Verdammnis wert fühlen. - Zum anderen: Der verlorene Sohn blieb nicht, wo er war, sondern kehrte wirklich zu seinem Vater zurück. Es ist demnach ein falsches Sündenbekenntnis, wenn du bleiben kannst, wo du bist, fern von Gott, in der Welt und in der Sünde. Beachte aber auch dies: Der verlorene Sohn sagte: ,,Mache mich zu einem deiner Tagelöhner." Zeigen sich hier nicht seine Eigengerechtigkeit und sein Unglaube? Er meinte nicht, daß er aus lauter Gnade das volle Kindesrecht erhalten könne, sondern daß er sich hinaufarbeiten müsse.

Das trifft noch immer bei denen zu, die Buße tun wollen. Dabei ist aber zu beachten, daß der Vater diese irrtümliche, wenn auch gute Absicht nicht in Erwägung zieht. Es heißt: ,,Als er (der Sohn) noch ferne von dannen war (kein einziges Gebet hatte beten, keine einzige Träne hatte weinen, keinen einzigen Dienst hatte leisten können), sah ihn sein Vater, und es jammerte ihn, lief und fiel ihm um seinen Hals und küßte ihn." Hätte der Vater nicht mit Recht sagen können: ,,Weiche von mir, du unwürdiger, du erniedrigter Sohn, du hast dein Erbe hindurchgebracht, du hast dein Kindesrecht verscherzt"? Aber nein, er warf ihm seine Sünde nicht mit einem Worte vor, auch forderte er nicht die geringste Genugtuung, sondern ließ ihm sofort ,,das beste Kleid", einen Fingerreif an seine Hand, Schuhe an seine Füße anlegen und ein Freudenfest zu seiner Rückkehr veranstalten.

So hat Jesus selbst die göttliche Vergebung beschrieben. So will Er erkannt und angesehen sein. Das Vaterherz war unveränderlich mild und voller Vergebung auch während des Fernseins und trotz aller Versündigung des gefallenen Sohnes. Es wurde nicht durch seine Rückkehr versöhnt - das war es hinreichend zuvor durch das Blutopfer Christi; aber der Weggegangene hatte keinen Nutzen davon, bevor er nicht zurückkehrte. Wir lernen hieraus, daß Gott auch mit den Gottlosen, Ungläubigen, Unbekehrten versöhnt ist. Christus hat auch ihre Sünden weggenommen auf einen Tag, auch ihnen ist die Gnade und Vergebung erworben. Das beste Kleid, die helle Seide der Gerechtigkeit Christi ist auch für sie lange bereitgewesen und hat darauf gewartet, angenommen zu werden.

Hier können wir auch lernen, wann die selige Stunde schlägt, in der ein armer Sünder Gnade, Vergebung und Kindesrecht wirklich annimmt, nämlich bei der ersten ernstlichen Rückkehr zum Herrn, d. h. das erstemal, wo er - verzweifelnd an sich selbst und allem Eigenen, als seiner eigenen Reue, seinem Gebet und seiner Bekehrung - das Auge der notleidenden, hungernden und dürstenden Seele auf den erhöhten, den gekreuzigten Christus richtet. Sie schlägt um soviel mehr dann, wenn er zum erstenmal seine Seligkeit in Christus versteht, wenn er zum erstenmal im Evangelium das sieht, was er früher nicht gesehen hat, wie nämlich alles in Ihm bereit ist, genug und mehr als genug.

Herr, wenn wir unser Elend sehen, So laß uns ja nicht stille stehen, Bis daß ein jeder sagen kann: Gott Lob, auch mich nimmt Jesus an.
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Beitragvon Jörg » 09.12.2010 07:21

C.H.Spurgeon Bekenntnis der Sünde. "Wenn wir sagen, wir haben nicht gesündigt, so machen wir ihn zum Lügner, und sein Wort ist nicht in uns. 1. Johannes 1, 10

Wir alle wissen, daß Sündenbekenntnis unumgänglich nötig ist zu unserem Heil. Wenn wir unsere Sünden nicht wahrhaftig und aufrichtig unserem Gott bekennen, so haben wir keine Verheißung, daß wir Erbarmen finden werden durch das Blut des Erlösers. "Wer seine Sünden bekennt und läßt, der wird Barmherzigkeit erlangen." Aber in der ganzen Schrift steht keine Verheißung für den, welcher seine Sünden nicht bekennt. Wie nun aber der Mensch sich über jeden Gegenstand der Schrift täuschen kann, so kann er sich besonders in Rücksicht des Bekenntnisses der Sünde sehr betrügen. Manche legen ein Sündenbekenntnis vor Gott ab, und doch empfangen sie keinen Segen, weil ihr Bekenntnis nicht die bestimmten Zeichen hat, welche von Gott verlangt werden, wenn das Bekenntnis rein und lauter sein und sich als ein Werk des heiligen Geistes ausweisen soll.

All den vielen, welche lange genug von Gott weggelaufen sind, läßt Gott sagen: "Kehrt wieder zurück, ich will euch wieder annehmen." Christus hat niemals einen armen Sünder, der wiederkehrte, von sich gewiesen. Darum kommt zu Ihm, ihr könnt ja nicht schlechter sein, als der verlorene Sohn. Kommt doch zu eures Vaters Haus; so gewiß, als Er Gott ist, wird Er auch sein Wort halten: "Wer zu mir kommt, den will ich nicht hinausstoßen."
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Beitragvon Jörg » 10.12.2010 06:48

C.H.Spurgeon ,,Und ob jemand sündigt, so haben wir einen Fürsprecher bei dem Vater, Jesus Christus, der gerecht ist." 1 Joh. 2, 1.

Ob jemand sündiget, so haben wir einen Fürsprecher. Ja, obgleich wir sündigen; wir haben Ihn noch. Der Apostel Johannes spricht nicht: ,,Ob jemand sündigt, so hat er seinen Fürsprecher verscherzt;" sondern: ,,wir haben einen Fürsprecher," ob wir gleich Sünder sind. Alle Sünde, die ein Gläubiger je begangen hat, oder die ihm zu begehen noch zugelassen wird, kann seinen Anteil an dem Herrn Jesu Christo als seinem Fürsprecher nicht aufheben. Der Name, der hier unserm Herrn gegeben wird, ist vertrauenerweckend: ,,Jesus." Ach, dann ist Er ein Fürsprecher, wie wir Ihn brauchen; denn Jesus ist der Name eines solchen, dessen Pflicht und Freude es ist, zu erretten. Sein Name ist Jesus, denn Er wird sein Volk selig machen von ihren Sünden; sein lieblichster Name schließt sein Werk ein. Danach heißt es: ,,Jesus Christus." Christus, der Gesalbte: das zeigt seine Vollmacht als Fürsprecher an. Christus hat ein Recht zur Fürsprache, denn Er ist des Vaters bestätigter Fürsprecher und erwählter Priester. Wenn wir Ihn gewählt hätten, möchte es mißlich ausfallen, wenn aber Gott die Hilfe einem Starken aufgetragen hat, so dürfen wir unsre Not getrost da niederlegen, wo Gott seine Hilfe zugesagt hat. Er ist Christus, und darum zu seinem Werk auserkoren; Er ist Christus, und darum geeignet zu seinem Amt, denn die Salbung verleiht Ihm die rechte Gewalt. Er ist ein solcher Fürsprecher, der das Herz Gottes bewegt und überwindet. Welche rührende Worte, welche überzeugende Sprache stehen Ihm zu Gebote, wenn Er sich meiner annimmt! Es bleibt noch eine Bezeichnung seines Namens übrig: ,,der gerecht ist." Das ist nicht nur seine Würde, sondern auch sein Verteidigungsgrund. Es ist seine Würde, und wenn der Gerechte mein Fürsprecher ist, dann ist meine Sache eine gute Sache, sonst hätte Er sich ihrer nicht angenommen. Es ist sein Verteidigungsgrund, denn Er begegnet der Anklage der Ungerechtigkeit gegen mich durch die Berufung auf seine Gerechtigkeit. Er erklärt sich als meinen Stellvertreter und rechnet mir seinen Gehorsam zu. Meine Seele, du hast einen Freund, der gar wohl zu deinem Fürsprecher geeignet ist; es kann Ihm nur wohl geraten; überlaß dich völlig seiner Fürsorge.
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Beitragvon Jörg » 11.12.2010 08:35

D.Rappard Ob jemand sündigt, so haben wir einen Fürsprecher bei dem Vater, Jesum Christum, der gerecht ist. 1. Joh. 2,1.

Der Gedanke von Rö 8,34 ,,Christus ist hier, welcher ist zur Rechten Gottes und vertritt uns" findet hier eine herrliche Bestätigung. Es ist interessant zu beachten, daß das Wort, das hier mit F ü r s p r e c h e r (Paraklet) übersetzt wird, dasselbe ist, das Jesus brauchte, als er seinen Jüngern den Heiligen Geist, den T r ö s t e r, verhieß. Christus ist unser Vertreter bei dem Vater; der Heilige Geist ist Vertreter bei uns, das eröffnet ein weites Gebiet zu seligem Nachsinnen. Schon allein die Gegenwart Jesu vor Gott ist eine beredte Fürsprache. Eine Geschichte aus dem Altertum soll diese Wahrheit beleuchten. - Ein junger Grieche hatte ein Verbrechen begangen, das mit dem Tode bestraft werden sollte. Man war im Gerichtssaal versammelt und erwartete den endgültigen Urteilsspruch. Da sah man, wie der Richter erbleichte und unverwandt auf einen Punkt hinschaute. Aller Augen wandten sich dahin und erblickten einen Mann, der stehend, schweigend den vernarbten Stumpen seines rechten Armes emporhob. Man kannte den Mann. Es war ein Held, der im Kampfe fürs Vaterland seinen Arm verloren hatte. Er war aber zugleich der Bruder des Verurteilten. Da brach von der Menge der Ruf los: ,,G n a d e! G n a d e!" Und der Richter bestätigte: ,,G n a d e f ü r d e n V e r b r e c h e r u m d e s v e r w u n d e t e n B r u d e r s w i l l e n!"

Ja, daß Dein Blut für mich redet vor dem heiligen Gott, das, das ist meine Zuversicht alleine, sonst weiß ich keine.
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Beitragvon Jörg » 12.12.2010 05:55

C.O.Rosenius Und ob jemand sündigt, so haben wir einen Fürsprecher bei dem Vater, Jesus Christus, der gerecht ist. 1. Joh. 2, 1.

Hier redet Johannes die Gläubigen an, indem er sie ,,meine Kindlein" nennt. Er ermahnt sie, daß sie nicht sündigen. Zu gleicher Zeit aber setzt er voraus, daß es doch geschehen könnte. Was sagt er nun von einem solchen? Was soll derjenige denken und tun? Er soll in solchen Augenblicken dessen eingedenk sein, daß er einen Fürsprecher bei dem Vater hat. ,,Und ob jemand sündigt, so (dann) haben wir einen Fürsprecher bei dem Vater, Jesus Christus, der gerecht ist. Und derselbe ist die Versöhnung." Der Geist der Worte des Apostels scheint dieser zu sein: ,,Meine Kindlein, solches schreibe ich euch, daß ihr nicht sündigt, nicht unachtsam seid, jetzt, wo ihr in dem Blut Jesu Christi gereinigt seid und die Vergebung der Sünden erhalten habt (denn so hat er eben vorher geredet), sondern ihr sollt jetzt desto fleißiger gegen alle Sünden wachen, beten und streiten. Wenn es aber doch so übel geht, daß ihr in fleischlicher Schwachheit durch die Verführung der Welt und die List des Teufels sündigt - was leicht geschehen kann, denn ihr könnt nie so treu wachen, daß diese Feinde euch zuweilen nicht doch überwältigen werden -, dann ist das gewiß beklagenswert. Es wäre besser gewesen, wenn ihr nicht so gesündigt hättet, zumal ihr dadurch wirklich die Ungnade und Verwerfung Gottes verdient habt. Aber nun will Gott euch dennoch nicht ungnädig werden, denn ihr habt einen Fürsprecher bei dem Vater, der euch gerade dann von Nutzen ist, wenn ihr gesündigt habt. Denn wer nicht gesündigt hat, der bedarf keines Mittlers, Versöhners und Fürsprechers. Gott will also keineswegs, daß ihr sündigen sollt, noch weniger aber, daß ihr verzweifeln und umkommen sollt; darum hat Er euch einen Fürsprecher gegeben."

Nun fügt Johannes von Christus noch das Wort ,,der gerecht ist" hinzu. Das soll heißen: Bin ich sündig, dann ist Christus gerecht und heilig; und das ist genug. Seine Gerechtigkeit ist meine Gerechtigkeit. - ,,Und derselbe ist die Versöhnung für unsere Sünden." Für welche Sünden? Gewiß für alle; denn sonst wäre Er uns nicht von Nutzen, ja, dann wäre Er vergeblich gestorben. Aber Christus hat mit Seinem Blut wahrlich nicht nur einige Sünden, sondern alle, und nicht nur erträumte und eingebildete, sondern wirkliche Sünden, nicht nur die kleinen, sondern auch die großen, nicht nur die Sünden der Hand und der Zunge, sondern auch die des Herzens und der Gedanken, nicht nur die vergangenen, sondern auch die gegenwärtigen, oder wie Luther zu sagen sich erkühnt, ,,nicht nur die überwundenen und getilgten, sondern die unüberwundenen und starken, gewaltigen Sünden" gesühnt.

Sagst du nun: ,,Ja, Christus ist sicher eine Versöhnung für die Sünden der Heiligen, wie z. B. eines Johannes, Petrus, Paulus oder anderer solcher, wer aber weiß, ob auch für die meinigen?", dann antwortet Johannes hier: ,,Nicht allein aber für die unseren, sondern auch für die der ganzen Welt". Das bedeutet: nicht nur für Johannes, Petrus, Paulus und andere Heilige, sondern ,,der Welt" gehört alles an, was Mensch heißt. Untersuche nur, ob du ein Mensch bist, dann weißt du, daß auch deine Sünden gesühnt und durch Jesu Tod weggenommen sind.

Vielleicht möchtest du hier einwenden: Dessen darf ich mich nur trösten, wenn ich fromm gewesen bin, wenn ich das getan habe, was das Wort Gottes fordert, und wenn ich nicht gesündigt habe." Der Apostel aber sagt: ,,Und wenn jemand sündigt, dann haben wir einen Fürsprecher bei dem Vater." Achte genau auf dies kleine Wort dann, denn darauf beruht das ganze Gewicht und der ganze Wert dieses Spruches. Wir wollen gern die Versöhnungsgnade glauben und schätzen, aber nur dann, wenn wir selbst besser und andächtiger gewesen sind, wenn wir gebetet, gelesen oder etwas Gutes getan haben. Sobald wir aber gefallen sind und gesündigt haben oder das Gebet versäumt haben und kalt gewesen sind, lassen wir Christus mit Seiner Versöhnung nichts gelten, dann ist uns so zumute, als hätten wir keinen Heiland und Fürsprecher, oder als wäre Er nur für die Gerechten gekommen und als diente Er uns nur dann, wenn wir so sind, wie wir sein müßten. Aber der Apostel sagt hier das Gegenteil: ,,Gerade, wenn wir gesündigt haben, ist uns der Fürsprecher von Nutzen." Hieraus folgt, daß diejenigen, die an Christus glauben, in einer beständigen Gnade sind, die nicht so schwankt und wechselt wie ihre eigene Frömmigkeit.

Das ist nun die in allen Worten des Herrn offenbarte Lehre von der täglichen und ewigen Sündenvergebung, eine so liebliche und tröstliche Lehre, daß Heuchler oder falsche Christen sie nicht hören sollten, weil dies gewöhnlich zu ihrer eigenen Verdammnis geschieht; denn ,,sie ziehen die Gnade unseres Gottes auf Mutwillen." Und doch ist es uns nicht erlaubt, sie zu verschweigen, sondern sie muß zum Trost und zur Seligkeit der elenden, verzweifelten und armen Herzen ausgesprochen werden. Gerade sie schöpfen aus der überströmenden Gnade erneute Lust und Kraft zur Heiligung. Diejenigen dagegen, die daraus nur Anlaß zur Sicherheit und zum Verbleiben in der Sünde nehmen, die nicht ihre Sünden zu überwinden und abzulegen suchen, sondern sie lieber entschuldigen und verteidigen, diese sind es, die ,,die Gnade unseres Gottes auf Mutwillen ziehen" und Sünde tun, wovon derselbe liebevolle Johannes sagt: ,,Wer Sünde tut, ist vom Teufel; wer aus Gott geboren ist, der tut nicht Sünde, kann nicht sündigen (Sünde tun), denn er ist von Gott geboren. So wir sagen, wir haben keine Sünde, so verführen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns. So wir aber unsere Sünde bekennen, so ist Er treu und gerecht, daß Er uns die Sünde vergibt und reinigt uns von aller Untugend."
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)


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