Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer Davids von Spurgeon

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Jörg
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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps28

Beitragvon Jörg » 28.12.2019 13:57

Erläuterungen und Kernworte

Auf dass ich nicht gleich werde denen, die in die Grube fahren. Großer Gott, du siehst meine traurige Lage. Nichts erscheint mir groß und begehrenswert auf dieser Erde wie das Glück, dir dienen zu dürfen und doch bringen mich meine Verhältnisse und Pflichten in Verbindung mit Menschen, welche die Gottseligkeit verurteilen und verspotten. Mit innerem Abscheu höre ich sie Tag für Tag die unaussprechlich herrlichen Gaben deiner Gnade schmähen und lästern und den Glauben und die Inbrunst der Frommen als Geistesschwachheit verspotten. Da ich solcher Gottlosigkeit ausgesetzt bin, ist mein einziger Trost, Gott, der, dass ich mein Herzeleid vor dir ausschütte und zu dir um Hilfe rufe. Obwohl diese gotteslästerlichen Reden jetzt in meiner Seele nur Entrüstung und Mitleid hervorrufen, so fürchte ich doch, sie könnten auf die Länge meine sittliche Kraft schwächen und mich auf die krummen Pfade der Menschengefälligkeit und Nachgiebigkeit bringen. Und doch wäre das deiner Herrlichkeit so unwert und der Dankbarkeit, die ich dir schulde. Ich fürchte, ich möchte, ohne es recht zu wissen, einer von den Feiglingen werden, die erröten, wenn es deinen Namen zu bekennen gilt. Mir graut bei dem Gedanken, dass ich so gottlos werden könnte, den Zügen deiner Gnade hartnäckig zu widerstreben, so treulos, dass ich mit meinem Zeugnis wider die Sünde zurückhalte, so im Selbstbetrug gefangen, dass ich meine strafwürdige Furchtsamkeit mit dem Namen der Klugheit beschönige. Schon fühle ich, wie sich dieses Gift unbemerkt in mein Herz einschleicht; denn obwohl ich von ferne nicht möchte, dass mein Wandel dem der Ruchlosen auch nur im Geringsten ähnlich würde, so befällt mein Herz doch Furcht bei dem Gedanken, sie zu beleidigen. Ich würde mich nicht unterstehen, ihrem Beispiel zu folgen; aber ich bin fast eben so bange, sie zu reizen. Ich weiß, dass es unmöglich ist, beide, eine ungöttliche Welt und einen heiligen Gott, zu befriedigen, und doch verliere ich diese Wahrheit so aus den Augen, dass sie, statt mich in meinem Entschluss zu festigen, nur dazu dient, mein Schwanken desto unentschuldbarer zu machen. Was kann ich anders tun, als dich um Hilfe anzuflehen! Stärke du mich, Herr, gegen diesen Verfall meiner sittlichen Kraft; bewahre mich vor dem Abwärtsgleiten, wodurch deine Ehre verlästert würde. Lass mich deine ermutigende, belebende Stimme vernehmen. Wenn dein Lebensodem mich nicht durchweht und meinen schwachen Glauben anfacht, so ist, das fühle ich, nur ein Schritt zwischen mir und der Verzweiflung. Ich stehe am Rande des Abgrunds, ich bin nahe daran, in eine fluchwürdige Verwicklung mit solchen Leuten zu geraten, denen nichts lieber wäre, als wenn sie mich mit sich in den Höllenschlund hinabreißen könnten. Jean Baptiste Massillon † 1742.

V. 2. Es ist einer der ältesten Gebräuche, so man in dem Volk Gottes findet, dass sie, ein Zeichen der Erhebung ihrer Seelen zu Gott von sich zu geben, ihre Hände im Gebet gen Himmel erhoben. So hielt Mose seine Hände empor, 2. Mose 17,11 f., wie auch vorher 2. Mose 9,33 . Diesen gottseligen Gebrauch hatte David als König auch an sich genommen. Was beschuldigen sich dann heutzutage unsere Staats-, Hof- und Kriegsleute, dass sie sich dieses Gebrauchs beschämen? Hätten sie Herzen, die auf Gott gerichtet, Seelen, die von der Welt gen Himmel erhaben wären, so würden sich die Hände bald auch konfirmieren. J. D. Frisch 1719.

Ein rechtschaffenes Gebet fordert das ganze Herz und alle Kräfte und eine starke, nie zweifelnde Zuversicht zu Gott. So das Herz und Gemüt zu Gott erheben, das ist das rechte Händeaufheben, welches durch die äußerliche Gebärde ausdrückt wird. Aurelius Augustinus † 430.

V. 3. Lass mich nicht einmal mithingenommen werden, wie den unschuldigen Jonathan, mit den Boshaften und mit den Freveltätern: Wenn ich etwa wider meinen Willen vermischt sein muss mit Leuten, die friedlich reden mit ihren. Nächsten und doch das Böse im Herzen haben. F. C. Oetinger 1775.

David hat nicht deswegen so gebetet, weil er wirklich meinte, dass Gott ohne Wahl willkürlich gegen die Menschen wüte, sondern er zieht von der Natur Gottes den Schluss, dass er guter Hoffnung sein dürfe, da es ja sein eigentliches Amt sei, die Frommen und die Verworfenen voneinander zu scheiden und einem jeglichen den Lohn zu geben, den er verdient. Jean Calvin † 1564.

Die freundlich reden mit ihrem Nächsten und haben Böses im Herzen. Wer vor Gott wandelt, dem ist alle Verstellung, auch gegen die Menschen, ein Gräuel. Herz und Zunge gehen bei ihm Hand in Hand; er kann nicht mit dem Munde schmeicheln und mit dem Herzen hassen, ins Angesicht loben und hinter dem Rücken tadeln. Die Liebe sei nicht falsch, sagt der Apostel (Röm. 12,9), sei ungefärbt (1. Petr. 1,22). Heuchlerische Liebe ist schlimmer als offener Hass; verstellte Freundschaft ist nicht besser als eine gemeine Lüge, denn man gibt damit etwas vor, was nicht ist. Viele machen es Joab nach, der zu Amasa sprach: "Friede mit dir, mein Bruder!" und ihn mit der rechten Hand bei seinem Bart fasste, da er ihn küsste, und ihm im selben Augenblick das Schwert in den Leib stieß, da er starb. (2. Samuel 20,9 f.) Man sagt, es gebe in Spanien einen Fluss, in dem alle Fische eine goldene Farbe hätten; nehme man sie aber aus dem Wasser, so seien sie ganz wie andere. Nicht alles ist Gold, was glänzt. Falsche Mäuler bergen Hass (Spr. 10,18). Und wie kann, wer seinem Freund schmeichelt und lügt, gegen Gott aufrichtig sein? Thomas Watson 1660.

Hiermit hat der heilige Geist fein abgemalet aller falschen Heiligen Herz, Mut und Sinn, die alle die Kainische Art (1. Mose 4,8) an ihnen haben. Denn aller Heuchler Art und Natur ist diese, dass sie einen guten Schein führen, reden freundlich, stellen sich demütig, geduldig, geben Almosen und ist doch daneben ihr Herz voll mörderischer, tückischer Anschläge. Martin Luther † 1546.

V. 4. Gib ihnen nach ihrem Tun usw. Hier drängt sich wiederum die Frage auf, ob es denn recht sei, auf jemand Rache herabzuflehen; doch will ich nur kurz davon handeln. Erstens ist es außer allem Zweifel, dass, wo das Fleisch uns reizt, Rache zu suchen, dies Begehren in den Augen Gottes frevelhaft ist. Gott verbietet uns nicht nur, unsern Feinden als Rache für Unbill, die sie uns persönlich zugefügt haben, Böses anzuwünschen, sondern es kann auch gar nicht anders sein, als dass alle die Gelüste, welche aus dem Hass entspringen, sündig sind. Auf Davids Verhalten dürfen sich daher diejenigen nicht berufen, welche ihre ungezügelte Leidenschaft dazu treibt, Rache zu begehren. Nicht seine persönlichen Kümmernisse sind es, durch die der heilige Gottesmann hier entflammt wird, seinen Feinden Verderben anzuwünschen; sondern, ganz abgesehen von den Gelüsten seines Fleisches, fällt er hier ein gerechtes Urteil über die Sache selbst, über die Gottlosigkeit seiner Feinde. Bevor daher jemand Rache über die Bösen verkündigen darf, muss er erst Herz und Sinn von allem Ungehörigen reinigen. Zweitens gilt es Weisheit, dass uns die Verabscheuungswürdigkeit des Bösen, das uns erzürnt, nicht zu leidenschaftlichem Eifer entzünde, wie das sogar Christi Jüngern begegnete, als sie begehrten, dass Feuer vom Himmel fallen möchte, um die zu verzehren, welche ihren geliebten Meister nicht beherbergen wollten (Lk. 9,54). Sie meinten, sich dabei sogar auf das Vorbild des Elia berufen zu können; Jesus aber bedrohte sie und sagte ihnen: Wisset ihr nicht, welches Geistes Kinder ihr seid? Vor allem gilt es, diese Regel zu beobachten, dass wir von Herzen das Wohlergehen des ganzen Menschengeschlechts wünschen und dafür wirken. Dann werden wir nicht nur den Wirkungen der göttlichen Gnade nicht widerstreiten, sondern die Bekehrung derer herzlich begehren, welche hartnäckig ihrem eignen Verderben entgegenzueilen scheinen. Kurz, David ist hier frei von böser Leidenschaft und wird sowohl vom Geist der Besonnenheit als der Gerechtigkeit geleitet. Nicht seine, sondern Gottes Sache ist’s, die er vertritt. Und durch dies Gebet erinnert er sowohl sich als die übrigen Gläubigen, dass die Gottlosen, wenn sie sich auch für eine Zeit ungestraft die Zügel mögen schießen lassen zur Ausübung aller Laster, doch zuletzt vor dem Richterstuhl Gottes erscheinen müssen. Jean Calvin † 1564.

Es ist in solchen Stellen bei richtiger Erklärung sicherlich nichts zu finden, was die göttliche Autorität dieser alttestamentlichen Schriftstücke auch nur im Geringsten anfechten könnte. Wie deutlich lehrt uns der Herr Jesus selber (Lk. 9,54 f.), dass sein Geist und der Geist eines Elia nicht derselbe sind. Und doch nimmt ohne Zweifel kein Prophet des alten Bundes eine höhere Stelle ein -- als eben der Prophet Elia. Unser Heiland verurteilt den Propheten keineswegs; er verbietet aber seinen Jüngern, einen gleichen Eifer an den Tag zu legen. J. J. Stewart Perowne 1864.

Ja, großer Gott, gerade weil du voll Anfang an stets bemüht gewesen bist, die Menschen zu retten, wirst du gewiss mit ewigem Fluch diese Kinder der Ungerechtigkeit treffen, die nur dazu geboren scheinen, sich selbst und andere zu verderben. Gerade deine Freundlichkeit gegen das Menschengeschlecht erfordert es, dass das Unwetter deines Zornes über diese Verführer hereinbreche. Je mehr du für unser Geschlecht getan hast, desto sicherer wird sich die Strenge deiner Gerechtigkeit in der Vertilgung dieser Elenden enthüllen, deren Sinnen einzig daran geht, deiner Güte gegen die Menschen entgegenzuarbeiten. Sie bemühen sich unaufhörlich, die Menschen weit von dir abzubringen und du wirst es ihnen vergelten, indem du sie auf ewig von dir entfernst. Sie achten es für einen großen Gewinn, wenn sie ihre Mitmenschen zu deinen Feinden machen können; so sollen sie denn den verzweifelten Trost haben, dass sie selber deine Feinde sein werden in alle Ewigkeit. Gibt es wohl eine passendere Strafe für diese Elenden, die alle in ihre Empörung wider deine anbetungswürdige Majestät verwickeln möchten, als dass sie, durch die Gemeinheit ihres Wesens, auf ewig unter dem schrecklichen Zwang sein sollen, dich ohne Unterlass zu hassen? Jean Baptiste Massillon †1742.
Wer sich nur nach dem, was er fühlt, richtet, der verliert Christus. (Martin Luther)

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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps28

Beitragvon Jörg » 30.12.2019 15:42

Erläuterungen und Kernworte

Die Ägypter töteten die israelitischen Knäblein, deshalb schlug Gott die Erstgeburt Ägyptens. Sisera , der mit seinen eisernen Wagen Israel zu verderben gedachte, wurde getötet durch den eisernen Nagel, den Jael ihm durch die Schläfe trieb (Richter 4,13.21). Adoni-Besek musste bekennen: Wie ich getan habe, so hat mir Gott wieder vergolten (Richter 1,5-7). Gideon richtete in Sukkoth und Pnuel ein Blutbad an und seine siebzig Söhne wurden von Abimelech erschlagen auf einem Stein (Richter 8,16 f.; 9,5). Abimelech wiederum büßte diese Freveltat, indem ein Weib von dem Turm zu Thebez einen Mühlstein auf seinen Kopf warf und ihm den Schädel zerbrach (Richter 9,53). Simson büßte seine Augenlust durch Blindheit. Über Agag fällte Samuel das Urteil: "Wie dein Schwert Weiber ihrer Kinder beraubt hat, also soll auch deine Mutter der Kinder beraubt sein unter den Weibern", und zerhieb ihn zu Stücken vor dem Herrn in Gilgal (1. Samuel 15,33). Saul hatte die Gibeoniter getötet; um dieser Bluttat willen wurden sieben seiner Söhne gehängt (2. Samuel 21,1-9). Bekannt ist, wie Gott dem Ahab das Blut Naboths auf seinen Kopf vergalt, dass an eben der Stätte, da die Hunde das Blut Naboths geleckt hatten, die Hunde auch sein Blut leckten (1.Kön. 21,19; 2.Kön. 9,25 f.). Dem Jerobeam verdorrte eben die Hand, die er wider den Knecht Gottes ausgereckt hatte (1.Kön. 13,4). Joab, der Abner und Amasa getötet hatte, fand seine Vergeltung nach langer Zeit (1.Kön. 2,28-35). Daniels Ankläger kamen in der Löwengrube um, worin sie Daniel für immer begraben geglaubt hatten (Dan. 6). Haman sehen wir an dem Galgen hangen, den er für Mardochai bestimmt hatte (Esther 7,9 f.). Auch die Geschichte der späteren Zeiten weist viele ähnliche Beispiele auf. Der Sultan Bajazet wurde von dem asiatischen Eroberer Tamerlan i. J. 1402 in einem eisernen Käfig umhergeführt, wie er es mit Tamerlan beabsichtigt hatte. Der Kaiser Maxentius baute i. J. 312 eine Brücke, um Konstantin in einer Schlinge zu fangen, und wurde an eben dem Ort besiegt. Papst Alexander VI. starb i. J. 1503 an Giftwein, den er für andere bestimmt hatte. Karl IX. von Frankreich überschwemmte in der Bartholomäusnacht 1572 die Straßen von Paris mit dem Blut der Hugenotten, und bald nachher drang ihm das Blut aus allen Teilen seines Leibes in blutigem Schweiß. Kardinal Beaton überlieferte den frommen George Wishart dem Feuertode und starb bald darauf (1546) eines gewaltsamen Todes; er wurde im Bett ermordet und seinen Leichnam stellte man an demselben Fenster zur Schau, aus dem er der Hinrichtung Wisharts zugesehen hatte. G. S. Bowes 1860.

Es ist ein wunderlich Ding um die Gerichte und die Gerechtigkeit Gottes, dass Gott alle Dinge richtet und straft nach dem Herzen des Menschen und dass einem Menschen eben das widerfahren muss, was er im Herzen hat. Darum sagt St. Paulus: Lerne doch prüfen, was da sei der gute und wohlgefällige Wille Gottes (Röm. 12,2), und lerne ihn von dem Willen des Satans unterscheiden, auf dass, wenn du das Gute erwählst, du erfüllt werdest mit aller Gottesfülle; wo du das nicht tust, sondern Böses im Herzen hast, so folgt daraus, dass du wirst erfüllt werden mit aller Fülle des Satans, das ist, mit aller seiner Bosheit. Aurelius Augustinus † 430.

V. 5. Denn sie achten nicht auf das Tun des Herrn usw. Dieser Vers deckt die Wurzel der bösen Werke, die Gottlosigkeit, auf: Die Bösen sind deshalb so dreist, andern zu schaden, weil sie nicht bedenken, dass sie mit Gott selbst zu schaffen haben, wenn sie die Menschen feindlich angreifen und vor keiner Schandtat zurückschrecken. Klagt ihr Gewissen sie an, so beruhigen sie sich mit eitler Selbstbespiegelung und werden in ihrer frechen Selbstherrlichkeit endlich ganz verstockt. Zuerst, wenn sie berauscht sind von ihrem Glück, bilden sie sich ein, dass Gott ihr Freund sei und dass er sich um die Guten, weil diese viele Drangsale zu leiden haben, nicht kümmere. Zuletzt kommen sie jedoch dahin, dass sie meinen, dass alles durch Zufall geschehe, und so sind sie durch eigene Schuld bei hellem Lichte blind. Jean Calvin † 1564.

Bei 5a denkt David vorzugsweise daran, dass sie schmählich verkennen, wie so gar herrlich und gnädig sich Gott immer aufs Neue zu ihm als seinem Erwählten bekannt hat. Er hat 2. Samuel 7 die Verheißung empfangen, dass Gott ihm ein Haus bauen , d. i. seinem Königtum ewigen Bestand verleihen wolle. Die Absalomiten sind in Empörung gegen diese göttliche Veranstaltung begriffen. Darum werden sie das Widerspiel der dem David gegebenen Gottesverheißung erleben: Jahwe wird sie niederreißen und nicht bauen; er wird diese widergöttlich aufgerichtete Dynastie in ihrem Entstehen vernichten. Prof. D. Franz Delitzsch † 1890.

Das Tun Jahwes meint die Zeichen der Zeit, vorläufige Strafgerichte, durch die er seinen Unwillen über jenes gottlose Treiben zu erkennen gibt, vergl. 64,10, über die sich aber die verstockten Sünder leichtsinnig hinwegsetzen. -- Das letzte Versglied: "Mög er sie niederreißen und nicht auferbauen!" ist eine sprichwörtliche Redensart, vergl. Jer. 24,6; 42,10; 45,4. Prof. D. F. Bäthgen 1904.

V. 6. Er hat erhört ... Das Gebet ist das beste Mittel in der Not. Es ist das rechte Universalheilmittel, kein solches, wie es die Quacksalber anpreisen, sondern auf Grund vieltausendjähriger Erfahrung hat es das Zeugnis: Probatum est, es ist erprobt und bewährt erfunden. Und der beste, weiseste und geschickteste Arzt hat es uns verordnet; es kann nicht fehlschlagen. D. William Gouge † 1653.

V. 7. Der Herr ist meine Stärke. Welch süßer Trost! Wenn jemand eine Last auf sich hat, ihm aber zu der Bürde Kraft gegeben und, wenn die Bürde verdoppelt, seine Kraft verdreifacht wird, so wird ihm die Last nicht schwerer, sondern leichter sein, als zuvor, da er nur seine natürliche Kraft hatte. So mögen unsre Trübsale wohl schwerer werden, dass wir ausrufen müssen: "Ich kann’s nicht tragen"; aber wenn wir unsere Bürden in unserer Kraft auch nicht tragen können, warum sollte uns das in der Kraft des Herrn nicht möglich sein? Meinen wir wirklich, unser Heiland könnte sie nicht tragen? Und wenn dieser Gedanke sich rasch selber richtet, warum sollten wir dann nicht dazu gelangen, sie tragen zu können? Aber können wir denn, möchte jemand fragen, Christi Kraft haben? Ja gewiss, seine Kraft wird uns zu Eigen durch den Glauben; das bezeugt die Schrift oft. Der Herr ist unsere Stärke; Gott ist unsere Stärke; der Herr Zebaoth ist unsere Stärke; Christus ist unsere Stärke. Siehe Ps. 28,7; 43,2; 118,14; Jes. 12,2; Hab. 3,19; Kol. 1,11 . So ist denn Christi Kraft unsere Kraft, sie ergießt sich in uns, so dass wir fähig werden, zu tragen, was immer uns auferlegt wird. Isaac Ambrose † 1674.

Der Herr ist innen meine Stärke und nach außen mein Schild. Der Glaube findet beides, Kraft und Schutz, in Jahwe und das eine nicht ohne das andere; denn was nützte dem Krieger ein Schild, wenn er keine Kraft zum Streiten hätte, und was die Kraft ohne den Schild? D. W. Wilson 1860.

Auf ihn hofft mein Herz und mir ist geholfen. Dem Glauben wird das zur Wirklichkeit, was er doch noch nicht sehen kann. Er hat eine eigne Art des Konjugierens, hat jemand gesagt: Er wandelt die zukünftige Zeit in die Gegenwart. John Trapp † 1669.

Und aus meinem Liede lasse ich sein Lob ertönen. (Grundt.) Aus dem Leide quillt das Lied und aus dem Liede quillt das Lob des, der das Leid gewendet, wie V. 6. 8 es anstimmen. Prof. D. Franz Delitzsch † 1890.

V. 8. Der Herr ist ihre Stärke : nicht meine Stärke allein, sondern die Stärke eines jeden Gläubigen. Merke: Gottes Kinder freuen sich ebenso sehr über die Tröstung und Hilfe, die ihren Nächsten widerfährt, wie über die, welche sie selbst erfahren. Denn wie wir die Wohltat des Sonnenlichtes nicht weniger genießen, weil andere auch daran teilhaben, so wäre es auch töricht, wenn wir andere deshalb beneideten, weil ihnen das Licht des göttlichen Angesichts leuchtet: Es ist des Lichtes genug für alle, genug für jeden Einzelnen. Matthew Henry †1714.

V. 9. Erhöhe sie, richtiger: trage sie -- wie der Hirt die Schwachen, die Kleinen und die Kranken seiner Herde emporhebt und in den Armen trägt. Albert Barnes † 1870.

Homiletische Winke

V. 1. Zu dir, Herr, rufe ich, mein Hort. Des Gläubigen Zuflucht in der Stunde des Zagens.
Des Frommen Furcht, den Gottlosen gleich zu werden.
Gottes Schweigen - wie schrecklich es sein kann.
Gleich denen, die in die Grube fahren. Wie tief eine Seele sinken kann, wenn Gott sich schweigend von ihr abkehrt.
V. 1-2. Das Gebet. 1) Seine Natur: ein Schreien zu Gott. Der Schrei a) Äußerung des Lebens (neugeborenes Kind); b) Ausdruck des Schmerzes; c) Ruf um Hilfe. 2) An wen es sich richtet: Jahwe, mein Hort. Gott ist unseres Lebens Grund, unsere Zuflucht und unser unwandelbarer Freund. 3) Was es erstrebt: Höre mich, schweige mir nicht. Wir erwarten eine Antwort und zwar eine klare und bestimmte, eine baldige, unseren Nöten angemessene und wirksame Antwort. 4) Worauf es sich gründet: auf Gottes Gnade in Christus Jesus. (Zu deinem heiligen Chor: Gottes Thronen im Allerheiligsten über dem blutbesprengten Gnadenstuhl, vergl. Röm. 3,25; Hebr. 4,16; Eph. 1,7; Röm. 5,2.)
V. 3. 1) Das Wesen der Gottlosen, das wir meiden sollen. (Sie sind gottlos, nach dem Wort des Grundtextes sittlich haltlos, charakterlos; verüben Unheil; heucheln mit der Zunge; haben Böses im Herzen.) 2) Ihr Schicksal, das wir fürchten sollen. (Sie werden hingerafft ins Verderben.) 3) Die Gnade, die uns vor beidem, ihrem Wesen und ihrem Schicksal, bewahren kann.
V. 4. Maß für Maß, oder: Wie der Frevel, so die Strafe.
V. 5. Eine sträfliche Vernachlässigung, in der viele beharren und durch die sie sich reichen Segens verlustig und schrecklicher Verdammnis teilhaftig machen.
V. 6. Gebetserhörungen sind es wert, dass wir sie im Herzen bewahren, anderen bezeugen und den Herrn dafür preisen.
V. 7. Des Gläubigen Reichtum in Gott (Lk. 12,21). 1) Im Blick auf die Gegenwart ist der Herr a) seine Stärke im Wirken und Dulden; b) sein Schild wider jede Gefahr Leibes und der Seele. 2) Im Blick auf die Vergangenheit (Auf ihn traute mein Herz und mir wurde geholfen) ist er reich an Erfahrungen des Trostes, der Hilfe, der Erquickung von Gottes Angesicht. 3) Im Blick auf die Zukunft ist seine Seele fröhlich und still in Gott und sein Herz erklingt von Gottes Lob. (Kol. 3,16 f.)
Die Anbetung Gottes auf Grund seiner Gnade. 1) Was der Herr dem Gläubigen ist. 2) Wie unsere Herzen gegen ihn gestimmt sein sollen.
V. 8. Die Allmacht Gottes steht den Gläubigen zur Verfügung auf Grund ihrer Einheit mit dem Gesalbten des Herrn.
V. 9. Ein Gebet für die streitende Gemeinde Gottes auf Erden.
Wer sich nur nach dem, was er fühlt, richtet, der verliert Christus. (Martin Luther)

Jörg
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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps29

Beitragvon Jörg » 04.01.2020 13:47

PSALM 29 (Auslegung & Kommentar)



Überschrift

Die Überschrift sagt uns nur, dass wir wiederum einen Psalm Davids vor uns haben.

Inhalt

Der Psalm preist die Herrlichkeit Gottes, wie sie sich im Hallen des Donners und im Toben des Sturmes kundgibt. Siebenmal erschallt die Stimme des Herrn in diesem Psalm, daher man ihn den Psalm der sieben Donner nennt. Wie man den achten Psalm beim Mondlicht und Sternenglanze lesen muss und wie zum 19. , wenn man seine Schönheit voll empfinden will, der Strahl der aufgehenden Sonne gehört, so fühlt man die Kraft des 29. am gewaltigsten, wenn auf dunklem Flügel der Orkan daherbraust und ringsumher Blitze aufleuchten oder das zweifelhafte Zwielicht den Krieg der Elemente ankündigt. Die Verse schreiten im Grundtext nach dem Schall der Donnerschläge einher. Überall gibt der Herr seine Nähe kund und die ganze Erde verstummt vor der Majestät seiner Gegenwart. Wir mögen in der erhabenen Naturoffenbarung Gottes auch sein Wort in Gesetz und Evangelium nach der Herrlichkeit seiner Macht gleichsam abgespiegelt sehen, wie Luther den Psalm überschreibt: "Vom Donner göttlichen Worts." Rechte Prediger sind "Donnersöhne" (Mk. 3,17), und die Stimme Gottes in Jesus Christus ist voller Majestät. Vielleicht zeigt uns ein prophetischer Durchblick in diesem Psalm auch die furchtbaren Stürme der letzten Tage (vergl. die sieben Donner Off. 10,3) und wie Gottes Volk darin gesichert sein wird.

Einteilung

Die beiden ersten Verse sind ein Aufruf zur Anbetung. Von V. 3-10 wird der Lauf des Wetters geschildert und zwar so, dass Gott dadurch in all der furchtbaren Erhabenheit seiner Macht verherrlicht wird. Der letzte Vers gibt einen lieblichen Abschluss mit der Versicherung, dass der allmächtige Gott seinem Volk beides, Stärke und Frieden, geben werde. Mögen Himmel und Erde vergehen, der Segen des Herrn wird seinem Volke bleiben.

Auslegung

1. Bringt her dem Herrn. ihr Gewaltigen,
bringt her dem Herrn Ehre und Stärke!
2. Bringt dem Herrn die Ehre seines Namens;
betet an den Herrn in heiligem Schmuck!

1. Bringet her dem Herrn, ihr Gewaltigen, Grundt. ihr Gottessöhne , bringet her dem Herrn Ehre (Herrlichkeit) und Stärke , d. h. erkennet sie ihm preisend zu. Weder Menschen noch Engel können Jahwe etwas geben; aber sie sollen seine Herrlichkeit und Macht erkennen und sie in ihren Liedern wie in ihren Herzen rühmen. Dem Herrn, und ihm allein, soll die Ehre dargebracht werden. Was die Menschen Naturkräfte nennen, das ist Gottes Walten, und wir dürfen nicht ihnen die Macht zuschreiben, sondern nur dem unendlichen, unsichtbaren Wesen, dem alles sein Dasein verdankt. Ihr Gewaltigen (Luther). Ihr Großen der Erde und des Himmels, ihr Könige und ihr Engel, betet miteinander den Seligen und allein Gewaltigen (1.Tim. 6,15) an. Ihr Herren auf Erden bedürft dieser Mahnung; denn ihr fehlt oft da, wo eure geringeren Brüder in Inbrunst anbeten. Lasst euch nicht länger da vermissen. Beugt sogleich eure Häupter und leistet dem König der Könige die Huldigung, die auch ihr ihm schuldet. Wie oft halten es die Großen und Mächtigen der Erde unter ihrer Würde, den Herrn zu fürchten! Kommen sie aber dahin, Jahwe die Ehre zu geben, so ist ihre Frömmigkeit der schönste Edelstein in ihrer Krone. Bringet her dem Herrn Ehre (Herrlichkeit) und Stärke . Beides sind die Menschen nur allzu willig für sich selbst in Anspruch zu nehmen, obwohl beides das ausschließliche Vorrecht dessen ist, der das Leben in ihm selber hat (Joh. 5,26). Mögen Kronen und Schwerter ihre Abhängigkeit von Gott anerkennen! Nicht euren Waffen, ihr Könige, gebt die Ehre noch sucht eure Stärke in euren Kriegsheeren; denn all euer Glanz ist wie die welkende Blume und eure Macht ein hinschwindender Schatten. Wann wird der Tag kommen, da die Könige und Fürsten es für ihre Wonne achten werden, ihrem Gott die Ehre zu geben? "Du sollst anbeten Gott, deinen Herrn, und ihm allein dienen"; das sollte das Wappenzeichen auf jedem Waffenrock sein.

2. Bringt dem Herrn die Ehre (Herrlichkeit) seines Namens . Zum dritten Mal dieselbe Mahnung; denn die Menschen sind träge, Gott die Ehre zu geben, und zumal die Großen sind oft von der eignen Herrlichkeit allzu sehr eingenommen, als dass sie Zeit hätten, Gott das ihm gebührende Lob darzubringen, obwohl nichts von ihnen gefordert wird, als was durchaus recht und billig ist. Es sollte wahrlich nicht nötig sein, die Menschen so oft zu drängen, dass sie geben, was sie schuldig sind, zumal wo die Zahlung so leicht, die geforderte Huldigung so beseligend ist. Auch Unglaube und Misstrauen, Klagen und Murren rauben dem Herrn die Ehre. In dieser Hinsicht lassen es auch die Gläubigen noch oft daran fehlen, ihrem König die schuldige Ehre zu geben. Betet an den Herrn. Beugt euch vor ihm in tiefer Ehrfurcht und heiliger Scheu und lasst eure huldigende Anbetung den Ordnungen entsprechen, die er selber aufgestellt hat. Einst erforderte der Gottesdienst viele Zeremonien und die Menschen sammelten sich um ein Gotteshaus, dessen feierliche Pracht tiefbedeutsam war und dessen Priester und Sänger in sinnbildlichem heiligem Schmuck dem Herrn dienten. (2. Mose 28,2; 3. Mose 16,4; 2. Chr. 20,21; Ps. 110,3.) Nun aber beten wir an im Geist und in der Wahrheit (Joh. 4,24), und der Baustil der Kirche und die Kleidung der Anbeter sind jetzt unwesentliche Dinge, da die geistige Schönheit der Herzensreinheit und der Heiligkeit im Wandel in den Augen des dreimal heiligen Gottes von weit höherem Wert sind. O dass wir stets in dem heiligen Schmucke anbeteten, der den Heiligen ziemt! In den Ruf zur Anbetung, der in diesen beiden Versen ertönt, stimmt der laut hallende Donner ein, -- das Glockengeläute des Weltalls, das Könige und Engel und alle Erdensöhne zur Anbetung lädt.

3. Die Stimme des Herrn gehet über den Wassern,
der Gott der Ehren donnert,
der Herr über großen Wassern;
4. die Stimme des Herrn geht mit Macht,
die Stimme des Herrn geht herrlich.
5. Die Stimme des Herrn zerbricht die Zedern,
der Herr zerbricht die Zedern im Libanon;
6. und macht sie mit den Füßen ausschlagen wie ein Kalb,
den Libanon und Sirjon wie ein junges Einhorn;
7. die Stimme des Herrn sprüht Feuerflammen.
8. Die Stimme des Herrn erregt die Wüste,
der Herr erregt die Wüste Kades;
9. die Stimme des Herrn erregt die Hirschkühe,
und entblößt die Wälder;
und in seinem Tempel sagt ihm alles Ehre.
10. Der Herr sitzt, eine Sintflut anzurichten;
und der Herr bleibt ein König in Ewigkeit.

3. Die Stimme des Herrn (ergeht) über den Wassern. Dass der Donner die Stimme des Herrn genannt wird, ist nicht nur dichterischer Redeschmuck; der Ausdruck ist von tiefer Wahrheit. Der Donner hallt von oben her; er übertönt alle andern Laute; er flößt Schauer ein; er ist vom Tun der Menschen völlig unabhängig und hat je und je als die gewaltige Begleitung gedient, wo Gott zu den Adamssöhnen redete. Seine besondern Schrecken hat ein Meeressturm, wenn eine Tiefe der anderen zuruft und die tobende See dem zornigen Himmel antwortet. Kein Anblick kann mehr erschüttern als das Zucken des Blitzes rings um den Schiffsmast her und kein Ton ist mehr dazu angetan, ehrfurchtsvolle Scheu zu erwecken, als das Krachen des Donners auf der weiten Flut. Kinder Gottes haben oft mit der anbetenden Freude, die nur die Heiligen kennen, dies erhabene Schauspiel genossen, -- und selbst solche, die Gott fern standen, sind wider Willen von Ehrfurcht erfüllt worden, solange der Sturm tobte.
Der Gott der Ehren oder der Herrlichkeit donnert. Der Donner ist in Wahrheit nicht lediglich eine elektrische Erscheinung, der Herr sendet ihn. Selbst die alten Heiden redeten vom donnernden Zeus; aber unsere modernen Weisen wissen nur von Gesetzen und Kräften. An alles oder nichts sollen wir glauben, um nur von Gott loszukommen. Die Elektrizität kann aus sich selbst nichts tun. Sie wirkt, wenn sie gerufen und gesandt wird, ihre Botschaft auszurichten. Solange der allmächtige Gott ihr nicht den Auftrag gibt, ist ihr Feuerstrahl macht- und wirkungslos. Ebenso gut könnte ein Granitblock oder eine Eisenstange mitten in den Himmel fliegen, als der Blitz treffen kann, ohne dass der große Urheber aller Dinge ihn sendet. Der Herr (donnert) über großen Wassern . Noch hört das Ohr des Sängers keine Stimme, außer der Stimme Jahwes, wie sie aus den vielgestaltigen und dunkeln Wassern des obern Ozeans der Wolken hervorbricht und von den unzähligen Wogen der sturmgepeitschten See drunten widerhallt. Die Wasser über und unter der Feste staunen wegen der Stimme des Ewigen. Und wo der heilige Geist die göttlichen Verheißungen über den Trübsalsfluten unserer Seele erschallen lässt, da offenbart sich Gott so herrlich in der Welt des Geistes, wie nur je in der sichtbaren Welt. Über uns, unter uns und um uns ist lauter Friede, wenn der Herr uns Frieden zuspricht.
Wer sich nur nach dem, was er fühlt, richtet, der verliert Christus. (Martin Luther)

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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps29

Beitragvon Jörg » 08.01.2020 16:45

4. Die Stimme des Herrn (ergeht) mit Macht. Eine unwiderstehliche Macht begleitet den Blitz, welcher der Donner Ausdruck gibt. In einem Augenblick richtet die Kraft der Elektrizität, wenn es des Herrn Wille ist, die wunderbarsten Dinge aus. Ein Schriftsteller, der diesen Gegenstand behandelt, sagt, es sei im Blitz ein Licht enthalten von der Intensität der Sonne in ihrer vollen Leuchtkraft, eine Hitze, fähig, die härtesten Metalle zu schmelzen, eine Gewalt, die augenblicklich die der mächtigsten Tiere lähme, eine Macht, die die alles durchdringende Schwerkraft der Erde aufhebe, und eine Energie, die die innigsten chemischen Verbindungen auflösen und wiederherstellen könne. Mit Recht spricht der Dichter 2 von dem "unwiderstehlichen Blitz"; denn dieser ist die höchste der von Gott geschaffenen Naturkräfte, gegen deren Gewalt wir alle ohnmächtig sind.
Machtvoll, wie in der Natur, ist die Stimme Gottes auch im Reich der Gnade. Der Leser wolle den Vergleich durchführen. Er wird im Evangelium vieles finden, davon der Donner Gottes im Wetter ein Gleichnis ist. Gottes Stimme, sei es in der Natur, sei es in der besondern Offenbarung, erschüttert Himmel und Erde. Sehet zu, dass ihr den nicht abweist, der da redet! (Hebr. 12,25.) Ist seine Stimme so gewaltig, wie muss erst seine Hand sein! Hüten wir uns, sie wider uns zu reizen!
Die Stimme des Herrn geht herrlich, oder (ergeht) mit Majestät. Der König der Könige redet eine königliche Sprache. Gleichwie, wenn der Löwe brüllt, alle Tiere des Waldes verstummen, so wird die Erde still und stumm, wenn Jahwes gewaltiger Donner rollt; alles ringsumher wird in bebende Furcht und banges Staunen versetzt. Und was das geschriebene Gotteswort betrifft, so tritt seine Majestät hervor in der Art, wie es redet, wie auch in seinem Inhalt und in seiner Gewalt über das Menschenherz. Gott sei Dank, es ist die Majestät der Gnade; sie schwingt ein silbernes Zepter. Solcher Majestät ist das Wort von unserer Erlösung bis zum Überfließen voll.

5. Die Stimme des Herrn zerbricht (die) Zedern.

Vom Blitz zersplittert, steht die prächt’ge Tanne, -
Ein rauchgeschwärzter Stumpf.

Mächtige Baumriesen fallen krachend nieder unter der Macht des geheimnisvollen Geschosses oder stehen verdorrt als Gedenkzeichen seiner Macht. Der Libanon selbst ist nicht sicher, so hoch er sich erhebt und so uralt seine ehrwürdigen Wälder sind: Der Herr zerbricht die Zedern im Libanon . Die höchsten und ansehnlichsten unter den Bäumen wie unter den Menschen dürfen nicht darauf rechnen, frei auszugehen, wenn sich der Herr in seinem Zorn naht. Das Evangelium Jesu hat eine gleiche Herrschaft über die Unzugänglichsten unter den Sterblichen; und wenn der Herr sein Wort sendet, so zerbricht es Herzen, die stolzer sind als die Zedern des Libanon.

6. Und machet sie mit den Füßen ausschlagen wie ein Kalb, den Libanon und Sirjon 3 wie einen jungen Wildochsen 4. Nicht nur die Bäume (V. 6 a), sondern die Berge selbst (V. 6 b) bewegen sich, als wenn sie hüpften und sprängen, wie junge Wildochsen oder Antilopen. Das glorreiche Evangelium Gottes hat mehr als die gleiche Macht über felsenhartes Widerstreben und bergehohen Stolz des Menschen. Die Stimme unseres sterbenden Herrn hat die Felsen zerrissen und die Gräber aufgetan; die Stimme des erhöhten Heilands wirkt noch die gleichen Wunder, gepriesen sei sein Name! Die Berge unserer Sünden stürzen in sein Grab und versinken in dem roten Meer seines Blutes, wenn seine Mittlerstimme sich vernehmen lässt.

7. Die Stimme des Herrn sprüht Feuerflammen. Wie bei den Schlägen eines schweren Hammers die Funken vom Amboss fliegen, so begleitet das Flammen des Blitzes Jahwes Donnerschläge. Dass die Blitzstrahlen wirkliche Feuerflammen sind, erweist sich ja, sooft der Blitz Häuser oder Kirchen trifft, dass sie in Flammen auflodern. Wie leicht wäre es dem Herrn, mit seinen feurigen Geschossen die aufrührerischen Geschöpfe zu vernichten, -- und wie gnädig ist die Hand, die so große Frevler verschont, da es ihr doch so leicht wäre, sie zu zerschmettern!
Feuerflammen begleiten die Stimme Gottes auch im Evangelium und erleuchten und schmelzen die Menschenherzen; durch sie verzehrt er unsre Lüste und entzündet er in uns die Gluten stets lodernder Liebe und Heiligkeit. Das Pfingstfest gibt zu diesem Vers eine schöne geistliche Auslegung.

8. Nun braust der Sturm über die Wüste dahin. Die Stimme des Herrn erregt 5 die Wüste; der Herr erregt die Wüste Kades. Gott wirbt nicht um den Beifall der Menschen; -- seine größten Werke kommen zustande, wo kein forschendes Menschenauge sie sieht. Wo kein menschlicher Laut vernommen wird, da ertönt die Stimme Gottes erschreckend deutlich. Die weiten, schweigenden Ebenen erzittern vor Furcht. Ihr Schweigen huldigt der Stimme des Allmächtigen. Durch die niedern Ebenen hallt Gottes Stimme, wie über die hohen Berge. Die Armen wie die Mächtigen müssen die Herrlichkeit des Herrn erkennen. Auch öde und unfruchtbare Lande sollen durch den himmlischen Klang des Evangeliums erfreut werden. Welch eine erschütternde und überwältigende Kraft ist in Gottes Wort! Selbst die starre Wüste des toten Formalismus wird in Bewegung gebracht, wenn es der Herr so beschließt.

9. Die Stimme des Herrn macht die Hirschkühe kreißen , d. i. Geburtswehen empfinden. (Grundt.) Diese schüchternen Tiere werfen, von dem Donner zu Tode erschreckt, vorzeitig ihre Last ab. Einige Ausleger lesen mit einer kleinen Änderung: macht die Eichen erbeben, was uns zu der zweiten Vershälfte: und entblößet die Wälder, besser zu passen scheint. 6 Des Waldes dichte Schatten lichten sich 7 in dem unheimlichen Glanz des Blitzes und selbst die dunkelsten Schluchten werden für den Augenblick bloßgelegt.

Durch düstre Wälder zuckt
Der Flammenschein bis in die tiefsten Gründe
Und schreckt das Reh von seinem Lager auf.

Unsere ersten Eltern suchten eine Zuflucht unter den Bäumen, aber die Stimme des Herrn fand sie bald heraus und ließ ihre Herzen erzittern. Vor dem Lichtglanz des Allmächtigen gibt es kein Verbergen; ein Strahl aus seinem zürnenden Auge wandelt die Mitternacht in hellen Mittag. Das Evangelium hat gleiche Kraft über die finstern Herzen; in einem Augenblick erhellt es jeden dunkeln Schlupfwinkel der Gottlosigkeit im Herzen und erfüllt die Seele mit Schrecken vor dem Herrn.
Und in seinem Tempel sagt ihm alles Ehre (oder Herrlichkeit). Die im Tempel anbetend weilten, fühlten sich getrieben, die Herrlichkeit Jahwes zu preisen, als sie die wiederholten Donnerschläge vernahmen. So ist die ganze Welt ein Tempel Gottes und wenn er auf den Fittichen des Windes einherfährt, so ertönt alles von seinem Preis. Auch wir, die Erlösten des Herrn, die wir lebendige Tempel seines Geistes sind, stimmen in den Lobpreis seines Namens ein, da wir die Wunder seiner Macht in der Schöpfung sehen und eben so große Wunder der Gnade an unsern Herzen erfahren. Keine Zunge darf stumm sein in Gottes Tempel, wo es gilt, die Ehre des Herrn zu preisen. Der Grundtext ist kräftig: Und in seinem Tempel (oder Palast 8 sagt (ruft) alles (ein jedes von den Wesen dort, OlIkIu): Herrlichkeit (Glorie). Wir sehen, unsere methodistischen Brüder brauchen sich des nicht zu schämen, wenn sie in feuriger Begeisterung dem Herrn ihr "Gloria, Gloria!" anstimmen. Möchte das Feuer nur stets heiliges Feuer sein!

10. Der Herr thront über der Flut. (Andere Übers. 9 Die Flut des Gewitterregens folgt dem Sturm; aber keine Sintflut kann das Fundament des göttlichen Throns unterwühlen. Der Allmächtige ist ruhig und unbekümmert, wie sehr immer die Tiefe brüllen und toben mag: Sein Regiment waltet auch über dem unbeständigsten und ungestümsten Element. Über der weiten, wilden Wasserwüste wandelt Jahwe als Herrscher und in königlicher Herrlichkeit fährt er daher auf dem Sturm. Der Herr bleibt ein König, Grundt. thront als König, in Ewigkeit . Jesus hat die Herrschaft auf seiner Schulter ewiglich; unser Wohl ruht auch in stürmischen Zeiten sicher in seiner Hand. Nicht Satan ist König, sondern Jahwe-Jesus ist’s. Darum lasst uns ihn anbeten und uns immer über ihn freuen.

11. Der Herr wird seinem Volk Kraft geben ;
der Herr wird sein Volk segnen mit Frieden.

Eine große Macht hat sich in dem Orkan entfaltet, dessen Verlauf der Psalm so gewaltig schildert. Und nun, in der kühlen Stille nach dem Sturm, wird diese Macht den Auserwählten als ihre Stärke verheißen. Er, der den nie fehlenden Pfeil entsendet, will seinen Erlösten Adlersflügel geben; er, der mit seiner Stimme die Erde erschüttert, wird die Feinde seiner Heiligen erschrecken und seinen Kindern Frieden geben. Warum sind wir schwach, wenn es doch eine göttliche Kraft gibt, zu der wir unsre Zuflucht nehmen können? Warum sind wir voller Sorgen, da doch des Herrn eigener Friede unser ist? Jesus, der starke Gott, ist unser Friede. Welch eine Seligkeit liegt darin schon jetzt! Welch eine Seligkeit wird es uns bringen an jenem Tage, der den Gottlosen Finsternis sein wird und kein Licht!
Lieber Leser, ist das nicht ein köstlicher Psalm, bei Sturm und Wetter zu singen? Kannst du mitten im Donner ein Loblied anstimmen? Wirst du singen können, wenn die letzten Donner erschallen (Off. 10,3) und Jesus die Lebendigen und die Toten richtet? Gehörst du in Wahrheit zu Gottes Volk, so ist der letzte Vers dein Erbteil: Dies mag dir wahrlich zum Singen Mut machen.

Fußnoten
1. Zu dem Ausdruck vergl. die Erläuter. und Kernw. S 538. Gemeint sind jedenfalls die Engel (u. zwar diese ausschließlich), wofür hier V. 9 (wo, gegen Spurgeons Auslegung, der himmlische Tempel gemeint sein wird), sowie Ps. 89,7 (vergl. dort V. 6-8) spricht. Spurgeons Auslegung schießt sich an die alte Übersetzung Söhne der Gewaltigen = Gewaltige an, der auch Luther gefolgt ist. Die Ausdehnung des Begriffs auf die Großen des Himmels und der Erde bei Spurgeon und andern ist keine Bereicherung der Auslegung; vielmehr wird dadurch gerade eine der besondern Schönheiten des Psalms, nämlich der über der irdischen Machtoffenbarung Jahwes im Himmel erschallende Lobgesang der Himmlischen, abgeschwächt.

2. James Thomson († 1748), dem auch die hernach angeführten Zeilen entnommen sind.

3. "Der Schimmernde, Funkelnde," nach 5. Mose 3,9 der phönizische Name des schneebedeckten Hermon.

4. Über Luthers Übersetzung Einhorn siehe die 8. Anm. zu Ps. 22,22.

5. Entweder: macht vor Schrecken erzittern, oder: macht aufwirbeln (vergl. lOx der im Kreise aufwirbelnde Sand).

6. Lowth, Venema u. lesen tOly)" , Eichen oder eigentlich Terebinthen. Diese weibliche Pluralform kommt jedoch nur als Eigenname vor; auch ist die gewöhnliche Übers. des Wortes. für unseren Vers durch Hiob 39,1 verbürgt.

7. Spurgeon denkt hier kaum mit Recht an das Aufdecken des Waldesdunkels durch die Blitzeshelle. Die meisten Ausleger erklären: Der Blitz schält die Bäume, der Sturm entblößt sie von Ästen, Laub und Krone. Vergl. zu dem hebr. Wort Joel 1,7; 1. Mose 30,37.

8. Nach unserer Auffassung von V. 1 ist hier der himmlische Tempel oder Palast gemeint.

9. Grundt. Der Herr thronte (einst) zur Sintflut (= sie anzurichten), oder: über der Sintflut, und so thront der Herr als König in Ewigkeit. Über den Sinn siehe den Auszug aus Delitzsch Seite 543.
Wer sich nur nach dem, was er fühlt, richtet, der verliert Christus. (Martin Luther)

Jörg
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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps29

Beitragvon Jörg » 11.01.2020 14:14

Erläuterungen und Kernworte

Zum ganzen Psalm. Der Psalm gehört zu den erhabensten Denkmälern altisraelitischer Lyrik. Der furchtbarschöne Anblick eines Gewitters begeistert den Dichter zu einem Hymnus auf den, dessen Herrlichkeit im Gewitter zu Tage tritt. Über dem rollenden Donner auf der Erde, dessen Widerhall in dem siebenmaligen "die Stimme des Herrn" vernommen wird, ertönt hoch oben im himmlischen Palast der Lobgesang der Engel, die bewundernd die unbegreiflich hohen Werke ihres Herrn anbeten. Der Sänger aber weiß, dass der Gott, dem eine solche Gewalt über die Natur zusteht, seinem auserwählten Volke Kraft verleihen kann und wird. Wie furchtbar auch sein Walten in der Natur ist, mit seinem Volke hat er Gedanken des Friedens. Prof. D. F. Bäthgen 1904.

Um die Schönheit des Grundtextes, der z. B. das Rollen des Donners (V. 3-9) und das Zucken des Blitzes (V. 7) wunderbar malt, den des Hebräischen unkundigen Leser einigermaßen nachempfinden zu lassen, geben wir hier die Übersetzung von Franz Delitzsch mit einigen Bemerkungen desselben wieder.
Der Psalm gilt einer Machtoffenbarung des im Himmel thronenden und von da die Welt regierenden Gottes. Darum richtet sich der Eingang des Psalms an die himmlischen Geister in der Umgebung des Weltregenten: Sie sollen seinen glorreichen Namen gebührend preisen.
1. Gebet Jahwe, ihr Gottessöhne,
Gebet Jahwe Glorie und Macht!
2. Gebet Jahwe die Glorie seines Namens,
Huldiget Jahwe in heiligem Schmuck!
Sogleich folgt die Schilderung des Gewitters. Die Stimme Jahwes ertönt im Donner und Sturmgebrause, zunächst noch in der Ferne, über den obern Wassern. In V. 3 lassen sich die ersten Donner vernehmen; in V. 4 kommt das Gewitter näher und die Schläge werden stärker.
3. Gedröhn Jahwes über den Wassern,
Der Gott der Glorie donnert,
Jahwe über großen Wassern.
4. Gedröhn Jahwes ergeht in Kraft,
Gedröhn Jahwes ergeht in Pracht.
Nun entlädt sich das Wetter in seiner ganzen Gewalt über den nördlichen Gebirgen.
5. Gedröhn Jahwes zerbricht Zedern,
Es zerbricht Jahwe die Zedern Libanons,
6. Und macht sie aufhüpfen gleich einem Kalbe,
Libanon und Sirjon wie ein Wildochsen-Junges.
Auf jeden Donner folgt sofort der Blitz:
7. Gedröhn Jahwes flammt aus zuckendes Feu’r.
Vom Norden her zieht das Gewitter nach dem Süden Palästinas, in die arabische Wüste, oder es sind zwei Gewitter, die aufeinander stoßen:
8. Gedröhn Jahwes bringt ins Kreisen die Wüste,
Ins Kreisen bringt Jahwe die Wüste Kades.
9. Gedröhn Jahwes versetzt Hirschkühe ins Kreißen,
Es entästet die Wälder -
Und in seinem Tempel sagt alles: "Glorie!"
Dies (V. 9c) ist das himmlische Echo der Machtoffenbarung Gottes auf Erden. Es geschieht, wozu der Dichter V. 1-2 aufgefordert hatte.
Der Regen strömt herab, an die große Flut erinnernd: Gott sitzt auf dem Throne in Gericht und Gnade. Letztere erfahren seine Auserwählten. Die Macht Jahwes wird ihnen als Siegeskraft zuteil, und Friede folgt auf den Sturm.
10. Jahwe ist zur Sintflut gesessen,
Und es sitzet Jahwe ein König auf ewig.
11. Jahwe wird Macht seinem Volk verleihen,
Jahwe wird segnen sein Volk mit Frieden. -- J. M.

Keine Naturerscheinung ist so furchtbar wie das Gewitter und fast alte Dichter, von Homer und Virgil bis zu Dante und Milton und bis in unsre Tage, haben es zu schildern versucht. Auch in der Bibel haben wir eine ergreifende Schilderung eines Gewittersturmes, die außer durch ihre Naturwahrheit besonders durch die Empfindung der Gegenwart Jahwes in jedem der aufeinander folgenden Schläge eine heilige Lebendigkeit und Kraft besitzt. D. James Hamilton 1849.

Im Mittelalter wurde dieser Psalm fleißig gebetet als Mittel gegen das Einschlagen. G. T. 1881.

Ein herrlicher Lobpsalm bei einem Ungewitter, dessen Majestät die ganze Natur erschüttert, so dass im Himmel und au Erden alles die Größe der Macht Gottes fühlt. Dieser Herr ist der Gott seines Volkes, der gibt ihm Kraft und verleiht ihm Frieden. -- Um des Sängers Gefühle recht mitzuempfinden, muss man sich ein Gewitter des Morgenlandes, namentlich des gebirgigen Palästina, denken, welches mit entsetzlichem Schall in den ringsumher liegenden Gebirgen, auch häufig mit wolkenbruchähnlichem Regenguss verbunden, Schrecken über Menschen und Tiere, Zerstörung über Städte und Felder verbreitet. Der Reisende Wilson beschreibt ein solches Ungewitter in der Gegend von Baalbek: "Ich wurde von einem Ungewitter betroffen, als wenn die Schleusen des Himmels sich geöffnet hätten; in einem Augenblick kam es heran und wütete mit einer Gewalt, die das Ende alter Dinge ins Gedächtnis rief. Über das ganze Land war ein feierliches Dunkel verbreitet; in Strömen goss der Regen herab und von den Bergen herunterstürzend wurde er durch die entsetzliche Gewalt des Sturmes in dicke Nebelwolken verwandelt." Vergl. auch das aus dem Leben gegriffene Gleichnis des Herrn, Mt. 7,27. Prof. D. August Tholuck 1843.

V. 2. $deqo trad:ha ist heiliger Ornat, schmuckvolles Feiergewand, 2. Chr. 20,21, vergl. Ps. 110,3 . Eine Machtoffenbarung Gottes steht bevor. Die himmlischen Geister sollen in ihrer ganzen äußern Erscheinung sich dazu rüsten. Wenn V. 2 Aufforderung an die Gemeinde hier auf Erden oder, wie 96,9, an die Erdbewohner wäre, so müsste der Wechsel der Angeredeten ausgedrückt sein; sie ist also, V. 2 wie V. 1, an die Priester des himmlischen lkfyh" (Tempels oder Palastes) gerichtet. Die in den Psalmen betende Gemeine fühlt sich so verbunden den Geistern vor Gottes Thron, dass sie zu diesen redet und wie in dem hohen Selbstbewusstsein einer Vertreterin der Sache Gottes und einer Chorführerin des Gottesdienstes im Himmel und auf Erden diese Geister zum Lobpreise Gottes auffordert (103,20; 148,2). Auch in der Apokalypse (der Offenbarung Johannis) gehen Gottes Gerichten Lobgesänge und Trompetenschall der Engel vorher. Prof. D. Franz Delitzsch † 1890.

V. 3. Die Stimme des Herrn geht über den Wassern. Während manche Ausleger unter den Wassern die in den Gewitterwolken angesammelten Wassermassen verstehen, denken andre an das Mittelmeer, von welchem das Wetter heraufziehe. Als Beispiel der Macht des Gewitters auf der See teilen wir folgende Schilderung des Missionars Emil R. Süvern mit, die uns gerade zukommt.
"Wie schnell unser Leben ein Ende haben kann, das wurde mir in der Nacht vom 30. auf den 31. Mai (1894) recht klar. Wir waren in der Nähe der Libyerischen Küste. Schon abends wetterleuchtete es fortwährend die ganze Küste entlang und nachts entfaltete sich ein furchtbares Gewitter. Wer einen solchen Gewittersturm auf dem Meere noch nicht durchgemacht hat, kann sich keinen Begriff davon machen. Furchtbar zuckten die Blitze und entsetzliche Donnerschläge folgten einer nach dem andern. Plötzlich gab es einen Knall, der das ganze Schiff, welches fortwährend hin und her geschaukelt wurde, erschütterte: Es hatte etwa fünfzehn Fuß vom Schiff eingeschlagen. Nun folgte Schlag auf Schlag, einer noch schlimmer als der andere, und wir glaubten jeden Augenblick, dass das Schiff getroffen werde. Was uns einen solchen Gedanken noch entsetzlicher machte, war die Nachricht, dass die beiden Blitzableiter an den Masten nicht in Ordnung seien, sowie die Tatsache, dass wir so viel Pulver und Petroleum an Bord hatten und folglich durch einen einzigen zündenden Schlag hundert und vierzig Personen dem Tode preisgegeben sein würden. Doch der Herr erhörte die Gebete seiner Kinder auf dem Schiff und bewahrte uns in Gnaden vor einem so plötzlichen Ende, wofür wir ihm auch von Herzen dankten. Wir hatten keine Furcht vor dem Tod; aber unser Sehnen ging nach Kamerun und außerdem machte uns das Bewusstsein, dass so viele Menschen unvorbereitet zum Sterben waren, den Gedanken an ein solches Ende zu einem schrecklichen. Drei volle Stunden währte das Gewitter, dann ließ es nach und es blieb nur eine sehr unruhige See zurück. Die Verheißung Jes. 43,2 hatte sich an uns in jeder Beziehung verwirklicht: Wir waren in Feuer- und Wassergefahr gewesen, aber es hatte uns nichts geschadet. Dankbaren Herzens und voller Zuversicht setzten wir unsere Reise fort, im Bewusstsein, dass es gut ist, auf den Herrn vertrauen." -- J. M. 1894.

Die Stimme des Herrn geht über den Wassern. Ja, großer Gott, die Tränenfluten, die meinen Augen entströmen, verkünden deine göttliche Gegenwart in meiner Seele. Dies Herz, bisher so trocken, so dürr, so hart, dieser Fels, den du zum zweiten Male geschlagen hast, wird dir nicht länger widerstehen, denn aus ihm ergießen sich nun Heil bringende Wasser in Fülle. Die gleiche Gottesstimme, welche die Berge umstürzt, sie donnert und blitzt und öffnet den Himmel über dem Sünder; sie gebietet nun den Wolken, Schauer der Segnungen auszugießen und wandelt die Einöde seiner Seele in ein Gefilde, das hundertfältige Frucht bringt. Diese Stimme höre ich. Jean Baptiste Massillon † 1742.
Wer sich nur nach dem, was er fühlt, richtet, der verliert Christus. (Martin Luther)

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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps29

Beitragvon Jörg » 14.01.2020 16:08

Erläuterungen und Kernworte

V. 3-10. Alle Dinge, die wir gewöhnlich als Wirkungen der natürlichen Kräfte des Stoffes und der Gesetze der Bewegung bezeichnen, sind in der Tat (genau und eigentlich gesprochen) die Wirkungen von Gottes Walten, das beständig und in jedem Augenblick auf den Stoff einwirkt, sei es unmittelbar, sei es mittelbar durch irgendein geschaffenes Wesen, dem Intelligenz verliehen ist. Folglich gibt es nichts derart wie "natürliche Ursachen" oder "Naturkräfte". Samuel Clarke (Freund und Schüler des berühmten Mathematikers und Astronomen Isaak Newton) † 1729.

Die Stimme des Herrn rollt über die See,
Des Ewigen Donner hallt über die Flur.
Die Stimme des Herrn aus verborgener Höh’
Tönt Schrecken und Macht: Es erbebt die Natur.
Durch den schweigenden Wald hallt wider sein Ruf;
In den Schluchten lodert feurige Glut;
Über Wasserströmen thront Er, der sie schuf;
Denn sein ist der Sturm, wie die brausende Flut.
Nach James Montgomery † 1854.

Des Höchsten Ruf durch die Wolken rollt,
Des ewigen Gottes Donner grollt.
Der König tritt auf den Wogen einher,
Er fährt auf der Wolken fliegendem Heer.
Laut tönt des Herrschers Ruf durch die Stille,
Sein Blitz zuckt durch des Sturmes Gebrülle.
Entwurzelt liegen die Zedern schon,
In den Grundfesten wanket der Libanon.
Des Allherrschers Stimme bringt Berge zu Fall,
Zum reißenden Strom ist verwandelt das Tal.
Wenn einst der sterbende Gottessohn ruft,
Da erbeben die Felsen; auf tut sich die Gruft.
Berg Zion und Berg Sirion
Werden hüpfen, wie auch der Libanon.
Des Messias Ruf wird die Erde erschüttern,
Und in Wehen werden die Gräber erzittern:
Zehntausendmal Tausende wird man sehn
Lebend aus ihren Grüften erstehn.
Vom Frieden Gottes die Kunde erschallt,
Gottesfrieden die Erde widerhallt,
Ein ewiges Evangelium, ein Licht,
Das da leuchtet von Gottes Angesicht.
Dies selige Licht will Jahwe senden,
Zu erleuchten die Welt an allen Enden.
Nach John Barclay † 1798.

Die Stimme des Herrn. Die siebenmalige Wiederholung dieses Ausdrucks ist wie eine Folge von Donnerschlägen. Man meint, die furchtbare Artillerie des Himmels eine Salve nach der andern abfeuern zu hören, wobei das Echo Schlag auf Schlag dem Schalle folgt. C. H. Spurgeon 1870.

V. 4. Die Stimme des Herrn geht mit Macht. Ich möchte Gott die Ehre geben, die seinem Namen gebührt, um des wunderbaren Wandels willen, den er in meinem Herzen gewirkt hat. Nichts war in mir zu finden, als rohe Gottlosigkeit und eingewurzelte Leidenschaft. Aus diesem heillosen Zustande wandelte er mich um in einen neuen Menschen und verherrlichte an mir die Ehre seines Namens und die Macht seiner Gnade. Er allein vermag solche Wunder zu wirken. Ungläubige, die die Hand Gottes in der Schöpfung nicht erkennen wollen, müssen gewiss in diesem Falle zugestehen: "Das ist Gottes Finger!" Ja, großer Gott, das Chaos vermag dir nicht zu widerstehen. Es hört deine Stimme und gehorcht. Aber das verhärtete Herz stößt dich zurück und deine mächtige Stimme ruft nur zu oft vergeblich ihm zu. Du bist nicht so groß und wunderbar, wenn du Welten aus dem Nichts ins Dasein rufst, als du es bist, wenn du einem rebellischen Herzen mit Macht gebietest, sich aus dem Abgrund seiner Sünde zu erheben und in den Wegen deiner Gebote zu wandeln. Ein Chaos des Frevels und der Unwissenheit zu zerstreuen durch die Majestät deines Wortes, Licht zu ergießen in die schauerlichste Finsternis und durch den heiligen Geist harmonische Ordnung herzustellen, wo alles Verwirrung war: Das offenbart in weit höherem Maße deine Allmacht, als dass du himmlische Gesetze und überirdische Sonnen aus dem ersten Chaos hervorgerufen hast. Jean Baptiste Massillon † 1742.

Mehr noch als der gewaltige Donner, der in unser Ohr tönt, oder der zuckende Blitz, der in unser Auge leuchtet, treibt Gottes Wort in Gesetz und Evangelium den Menschen zur Anerkennung der Herrlichkeit Gottes. Es ist mehr von königlicher Macht in dem Donner des Worts, als in dem Wort des Donners . Dieses schreckt und überführt; jenes schreckt und beseligt. Wenn Gott durch seine Drohungen erschreckt hat, so tröstet er durch seine Verheißungen. Und hat er uns geängstigt durch die Erkenntnis unserer Sünden und eines Zornes über dieselben, wie durch ein furchtbares Wetter, so erquickt er uns sogleich durch das sanfte Wehen der geoffenbarten Gnade und durch den lieblichen und freundlichen Sonnenschein seiner Huld in Christus Jesus. Joseph Caryl † 1673.

O möchten die Donnersöhne (Mk. 3,17) des Evangeliums sich so mächtig unter dem ganzen Himmel vernehmen lassen, dass die Welt wieder darauf merkte, ehe die Stimme des Menschensohnes, die so oft die Sünder zur Buße gemahnt hat, sie zum Gericht ruft! Bischof D. George Horne † 1792.

Wo eines Königs Wort ergeht, da offenbart sich Macht. Aber welche kaiserliche Stimme kann man dem majestätischen Donner des Herrn vergleichen? C. H. Spurgeon 1870.

V. 5. Die Philosophen meinen, bei der Erforschung der Mittelursachen nicht wissenschaftlich zu verfahren, wenn sie Gott nicht weit von seinen Werken trennen. Das ist indes eine teuflische Wissenschaft, die unsre Betrachtung auf die Werke der Natur festbannt und von Gott abwendet. Wenn jemand einen Menschen kennen lernen wollte und sich dabei um sein Antlitz nicht kümmerte, sondern lediglich die Spitzen seiner Fingernägel ins Auge fasste, würde man mit Recht über solche Torheit lachen. Aber viel größer noch ist die Torheit jener Philosophen, die sich aus den unserem Erkennen zunächstliegenden Mittelursachen gleichsam einen Schleier weben, damit sie nur ja nicht die Hand Gottes erkennen müssen, die sich so deutlich in seinen Werken kundgibt. Jean Calvin † 1564.

Wie Sturm und Blitz im Nu herabfahren und die Berge und höchsten Bäume umstürzen, so bringt der Herr die Stolzen, Hoffärtigen und Anmaßenden zu Fall, die sich wider Gott setzen und das Verderben der Stillen und Frommen suchen. Robert Cawdray 1609.

Die alten Ausleger Hieronymus und Basil erinnern uns daran, dass der Sturm, der die Zedern zerbricht, ein Bild des brausenden Gottesgeistes ist, der die hohen und stolzen Gedanken dieser Welt in den Staub legt. Christopher Wordsworth 1868.

Der Herr zerbricht die Zedern. Wie schändlich ist es dann, dass unsere harten Herzen nicht brechen und nicht nachgeben, ob auch der Donner der furchtbaren Drohungen aus Gottes Mund sie trifft! John Trapp † 1669.

Die Zedern des Libanon. Diese mächtigen Bäume Gottes, die Jahrtausende hindurch der Macht der Stürme getrotzt haben (wie man in der Tat auf dem Libanon in unsrer Zeit noch Zedern gefunden hat, deren Jahresringe ihnen ein dreitausendjähriges Alter bezeugen) und die ihre immergrünen, gewaltigen Äste bis in die Region des ewigen Schnees erheben, sind die ersten Opfer der Wut des Blitzes. Man weiß ja, da der Blitz die höchsten Spitzen zuerst trifft. Robert Murray Mac-Cheyne †1843.

Wenn ich auch die Weise derer nicht liebe, die überall darauf aus sind, die heilige Schrift zu allegorisieren, so zweifle ich doch nicht, dass wir diese und manche andere Schriftstelle mit Nutzen allegorisch deuten können. Eine unleugbare Wahrheit liegt hier zugrunde, nämlich die, dass der Herr in der Predigt seines Wortes gleichsam die Gewalt des Donners und des Blitzes offenbart. Beides ist der Beachtung wert. Joseph Caryl † 1673.

V. 6. Er macht sie mit den Füßen ausschlagen wie ein Kalb, das will sagen: Er macht die Splitter und Bruchstücke von Bäumen, die der Blitz getroffen, auffliegen, -- oder es bezieht sich darauf, dass die Bäume von Wind, Sturm oder Erdbeben geschüttelt werden. Joh. Diodati † 1649.

Die gewaltigen Bäume, die einen Umfang von 36 Fuß erreichen, stürzen, vom Blitz getroffen, nieder; beim Aufschlagen brechen die Äste und schnellen noch einmal zurück, um wieder zur Erde zu fallen. Dieses Auf- und Niederschlagen der gestürzten Bäume vergleicht der Dichter mit den ungeschlachten Sprüngen eines Kalbes oder eines jungen Wisent (Ps. 22,22). Im zweiten Glied nennt der Dichter statt der einzelnen Bäume den ganzen Wald; denn diesen, nicht aber die Berge selbst, meint er mit Libanon und Sirjon; vergl. Jes. 10, 34;40,16. Prof. D. F. Bäthgen 1904.

Auf den ersten Blick kann es scheinen, als seien auch im zweiten Versglied noch die Zedern gemeint und als stünden Libanon und Sirjon metonymisch für die Zedern, die auf ihnen wachsen. Doch hören wir nie davon, dass Zedern auf dem Sirjon oder Schenir oder Sion oder Hermon (das Gebirge hat alle diese Namen) wüchsen; und sodann gibt es eine Parallelstelle, wo diese Auslegung schwer anwendbar ist, Ps. 114,4 . Dort heißt es in der Schilderung des Auszugs der Kinder Israel: Die Berge hüpften wie die Lämmer, die Hügel wie die jungen Schafe. Robert Murray MacCheyne † 1843.
Wer sich nur nach dem, was er fühlt, richtet, der verliert Christus. (Martin Luther)

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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps29

Beitragvon Jörg » 18.01.2020 13:35

Erläuterungen und Kernworte

V. 7. Die Stimme des Herrn spaltet Feuerflammen. (Andre Übers.) Durch Gottes Macht werden die Feuerflammen geteilt und aus den Wolken auf die Erde herabgesandt in der furchtbaren Gestalt des vielgezackten Blitzes, dieses schrecklichen blinkenden Schwertes des Allmächtigen, dem nichts widerstehen kann. Die gleiche Gotteskraft offenbart sich in seinem Wort, das da ist lebendig und kräftig und schärfer als ein zweischneidig Schwert, das die Herzen der Menschen durchbohrt, schmelzt, erleuchtet und entflammt. (Apg. 2,3; Ebr. 4,12.) Bischof D. George Horne † 1792.

Dieser Vers ist, wie Theodoret († 457) bemerkt, recht bezeichnend für Gottes Tun am Pfingstfest, da er geteilte Flammen sandte in den Feuerzungen, die sich aus einem himmlischen Quell oder Brunnen der Flamme verteilten und auf die Häupter der Apostel niederließen und die Jüngerherzen mit dem Feuer heiligen Eifers und heiliger Liebe erfüllten. Chr. Wordsworth 1868.

Hier wird unzweifelhaft auf den Blitz angespielt und das Bild will entweder sagen, der Blitz scheine gespalten oder zerhauen zu sein in Zungen und Lichtstreifen oder, was wahrscheinlicher ist: Die Wolken erscheinen als zerschnitten oder zerhauen, wie um Öffnungen oder Pfade für den Blitz zu machen. Albert Barnes † 1870.

V. 8. Die Stimme des Herrn erregt die Wüste. Großer Gott, wie habe ich mich bemüht, dir zu entrinnen! Für meine Unruhe suchte ich Schutz in einem Schlupfwinkel, wo nichts mich meinem Gott verraten könnte. Weit hinweg von allen Hilfsmitteln der Religion, fern von allen den Kanälen, die mir die Wasser der Gnade zuführen konnten, getrennt von allen. deren überführendes Zeugnis mich von der Sünde hätte zurückhalten sollen, -- und doch, eben dort, großer Gott, wo ich glaubte, eine Zuflucht gefunden zu haben, dahin deine ewige Gnade nicht reichte, wo ich straflos sündigen dürfte, -- eben dort in jener Wüste ergriff mich deine Stimme und warf mich dir zu Füßen! Jean Baptiste Massillon † 1742.

V. 9. Das Furchtbare des Gewitters wird erhöht durch die Schilderung, wie der Donner durch seine Schrecken die Hirschkühe zu vorzeitigem Kreißen bringt ; obwohl nach unserem poetischen Gefühl dies nicht so gut zu den übrigen Gleichnissen der Stelle stimmen, noch so schön und erhaben erscheinen mag, als das Bild der vor der Stimme Jahwes erbebenden Eichen (nach veränderter Lesart). Jean Calvin † 1564.

Wir brauchen uns nicht zu wundern, dass ein so furchtsames Geschöpf, wie die Hirschkuh, durch die furchtbare Erschütterung der Atmosphäre so mächtig erregt wird, wenn man weiß, dass manche der stolzesten Männer, die es je gegeben hat, dabei gezittert haben. Der römische Kaiser Augustus war, nach Suetonius, so erschrocken, wenn es donnerte, dass er sich ein Seehundsfell um den Leib wickelte, um sich gegen den Blitz zu schützen, und sich in eine entlegene Ecke verkroch, bis sich das Wetter verzog. Der Tyrann Caligula, der sich zuweilen die Miene gab, Jupiter selbst zu drohen, verhüllte sein Haupt oder versteckte sich unter sein Bett; und Horaz bekennt, er sei vom Atheismus bekehrt worden durch die Schrecken des Donners und des Blitzes, deren Wirkungen er mit gewohnter Anschaulichkeit schildert (Oden I, 34). D. George Paxton † 1837.

Und in seinem Tempel sagt ihm alles: Ehre. Man nimmt an, dieser Psalm sei von David bestimmt worden, während des Gewitters im Tempel gesungen zu werden, was nicht unwahrscheinlich ist. John Trapp † 1669.

Während Jahwe sich in dieser Form vom Himmel herab auf Erden in seiner unwiderstehlichen Allgewalt offenbart, sagt in seinem himmlischen Palast (11,4; 18,7) jedes von den Wesen dort: "Glorie!" Es geschieht, wozu der Dichter V. 1-2 aufgefordert hat. Jahwe empfängt seine inweltliche Glorie in tausendstimmigem Echo der Anbetung zurück. Prof. D. Franz Delitzsch † 1890.

V. 10.11. An die Gerichtskatastrophe der Sintflut und ihren gnädigen Ausgang erinnert jedes Gewitter; denn sie erscheint in der heiligen Geschichte als erster Eintritt des Gewitterregens und des Friede verkündenden Bogens in den Wolken. Jahwe, sagt der Dichter, ist zur Sintflut (sie auszurichten) hingesessen (auf seinen Thron) und sitzt (thront) infolgedessen oder seitdem, wie diese seine gegenwärtige Offenbarung im Gewitter zeigt, als König auf immer, indem er, in Zorn und Gnade richtend und segnend, vom Himmel (Ps. 115,16) auf die Erde hernieder wirkt. Hier auf Erden hat er ein Volk, welches er von oben mit Anteil an seiner eigenen Macht ausrüstet und mit Frieden segnet, während über dessen Feinde seine Zornwetter ergehen. Der Artikel im Hebr.: mit dem Frieden, ist wie V. 4 der gattungsbegriffliche: Er segnet sein Volk mit voller Verwirklichung des Friedens. Wie so eindrucksvoll ist gerade für diesen Psalm das Schlusswort: mit Frieden . Es wölbt sich wie ein Regenbogen darüber. Der Anfang des Psalms zeigt uns den Himmel offen und den Thron Gottes inmitten von Lobgesängen der Engel und der Schluss des Psalms zeigt uns auf der Erde inmitten des allerschütternden Zornrufs Jahwes sein sieghaftes und mit Frieden gesegnetes Volk. Gloria in excelsis ist der Anfang und pax in terris das Ende. Prof. D. Franz Delitzsch † 1890.

Der Herr hat an der ersten Welt seine richterliche Übermacht bewiesen und es hat ihn keiner der Riesen vom Throne gestoßen. Die heutigen Feinde seines Reichs werden ihn auch müssen sitzen lassen. Wohl allen, die auf ihn trauen. Wenn er auch noch das Fürchterlichste aus seinen Schätzen wird offenbar werden lassen müssen, zur Zeit, wenn sein Zorn und der Menschen Zorn noch einmal aufeinander stoßen werden, so wird er doch darunter alles zu der Seinigen Bestem wenden und sein Volk segnen mit Frieden. K. H. Rieger † 1791.

V. 11. Der Herr wird sein Volk segnen mit Frieden. Es gibt einen dreifachen Frieden: einen zeitlichen Frieden, den äußern Segen Gottes; einen geistlichen und innern Frieden, die Gnade, und einen ewigen Frieden, die Herrlichkeit. Und wie ein herrschaftliches Haus eine Diele oder eine Halle hat, die in die innern Räume einführt, so ist der äußere Friede der Vorsaal zu den innern Wohnungen eines seligen Gewissensfriedens und jener ewigen Ruhe, die im Himmel auf uns wartet; wie ja auch der äußere Friede uns manche Gelegenheit und Beihilfe gewährt, beides, den innern und den ewigen Frieden, zu erwerben und zu ergreifen. Ephraim Udall 1642.

Obwohl manche Seelen, die Christus im Glauben erfasst haben, nicht sofort gänzlich von Unruhe und Druck des Gemüts befreit werden, haben sie doch den Frieden in pretio, in promisso und in semine -- den Preis dafür, die Verheißung und den Anfang desselben. 1) Der Preis ist Christi Blut. Gott kann den nicht von sich weisen, der ihn anfleht: Herr, gib mir den Frieden des Gewissens; hier ist Christi Blut, der Preis dafür. Was die Schuld abzahlen konnte, kann uns zuverlässig auch die Quittung verschaffen. Der Friede des Gewissens ist Gottes eigenhändige Quittung, dass die Schuld getilgt ist. Gäbe es einen Trank, der jede Krankheit unfehlbar heilte, so dürften wir getrost sagen: Sobald der Kranke ihn hinabschluckt, hat er sich gesund getrunken; er ist gesund, obwohl er es im Augenblick noch nicht fühlt. 2) In der Verheißung hat jeder wahre Gläubige den Gottesfrieden. "Der Herr wird sein Volk segnen mit Frieden." Er ist dazu entschlossen; wer wird es hindern? Dem aufgeweckten Gewissen will allerdings nichts schwerer eingehen als die Hoffnung des Friedens. Nun ist es ja aber ein Zweck dieses Psalms zu zeigen, was für große Dinge Gott tun kann, und zwar ohne dass es ihn mehr kostet als ein Wort. Lies V. 3-10 aufmerksam. Der Gott, der sich so majestätisch erweist, verheißt, sein Volk zu segnen mit Frieden. Dies äußerlich und innerlich. Denn wäre es nicht ein elender Friede, wenn’s auf den Straßen ruhig wäre, aber Kampf auf Leben und Tod in den Häusern? Und eine noch viel elendere Sache wäre es, Frieden auf den Straßen und in den Häusern zu haben, aber Krieg und Blut in unserm schuldbeladenen Gewissen. Was für Frieden kann ein armes Geschöpf schmecken oder genießen, solange das Schwert des göttlichen Zorns wider das Gewissen aufgehoben ist? Aber Christus hat den Frieden der Vergebung erkauft und seinen Begnadigten in seiner Verheißung hinterlassen, Joh. 14,27 . Er ist beides, der Erblasser, der sein Gut vermacht, und der Testamentsvollstrecker, der austeilt, was seine Liebe den Gläubigen hinterließ. 3) Jeder Gläubige hat diesen Frieden im Anfang und Keim im Besitz. Die Frucht des Friedens geht so natürlich aus der Rechtfertigung und Heiligung hervor, wie jede Frucht aus ihrem Samen. Allerdings treibt und reift die Saat in dem einen früher als in dem andern zur Frucht. Aber jeder, über dessen Seele eine Saatzeit der Gnade geht, wird auch seine Erntezeit der Freude haben. William Gurnall † 1679.

Homiletische Winke

V. 1-11. Die Offenbarung der Herrlichkeit des Herrn im Gewitter.
V. 1. Gott allein die Ehre! Eine heilige Pflicht, für die Großen (auch im Reiche des Geistes) zumal. Sträflich ist die Versäumnis dieser Pflicht, selig ihre Erfüllung.
Auch Nationalruhm sollte eine Verherrlichung Gottes sein.
V. 2a. Unsre Steuerpflicht gegen den König der Könige: 1) Die Gefälle des Königs; 2) die königliche Schatzkammer; 3) die Untertanen, die ihre Steuer zahlen; 4) der König selbst der Einnehmer. Wer sind die Schmuggler und wer die Zollwächter?
V. 2b. Anbetung in Geist und Wahrheit. Was will sie? Anbeten. Wen? Den Herrn. Wie? Im Schmuck der Heiligkeit.
V. 3. Gottes Stimme, wie sie sich vernehmen lässt im Leid und über dem Leid, -- in großen persönlichen und nationalen Heimsuchungen.
V. 4. Die Macht und Majestät des Evangeliums, durch die folgenden Verse zu illustrieren.
V. 5. Die zerbrechende Macht des Evangeliums.
V. 6. Die erschütternde Macht des Evangeliums.
V. 7. Das Feuer, das das Wort begleitet. (Ein inhaltreiches Thema.)
V. 8. Die Predigt des Evangeliums will die Wüsten der Gottlosigkeit erregen und beleben.
V. 9. Die Macht des Gotteswortes, die Geheimnisse des Menschenherzens zu enthüllen und die Herzen zu erneuern.
V. 9c. 1) Ein makelloser Tempel. 2) Einmütige Anbetung. 3) Mächtige Beweggründe. 4) Das Halleluja aller.
V. 10. Gottes allgegenwärtiges und unerschütterliches Regiment.
V. 11. Zweifache Segnungen aus gleicher Quelle; ihre Verbindung unter sich; ihre Vollendung.
Zweifache Segnung, aber ein Volk und ein Herr.
V. 11b. Gott segnet mit Frieden 1) in zeitlichen Dingen:2) mit geistlichen Gütern; 3) mit ewiger Ruhe und Freude.
Wer sich nur nach dem, was er fühlt, richtet, der verliert Christus. (Martin Luther)

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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps30

Beitragvon Jörg » 21.01.2020 16:34

PSALM 30 (Auslegung & Kommentar)


Überschrift

Ein Psalm, zu singen von der Einweihung des Hauses, von David, oder: Ein Psalm, Lied zur Einweihung usw. Viele alte und neue Ausleger deuten die Überschrift auf die Einweihung des Zedernhauses (2. Samuel 5,11), welches David sich errichtete, als er sich nicht mehr in der Höhle Adullam verbergen musste, sondern ein großer König geworden war. In der Tat passt V. 8a trefflich zu 2. Samuel 5,12 . Man nimmt dann nach unserm Psalm an, David sei durch eine lebensgefährliche Erkrankung eine Zeitlang verhindert worden, die neu erbaute Zionsburg zu beziehen, und habe nach der Genesung diesen Psalm für die Einweihungsfeier gedichtet. Bei dieser Auffassung würde das Lied uns lehren, dass es dem Christen wohl ansteht, bei einem Hauswechsel sein neues Heim Gott zu weihen. Wir tun daran wohl, bei solcher Gelegenheit unsere christlichen Freunde zusammenzurufen und zu bezeugen, dass, wo wir wohnen, Gott wohnt, und wo wir eine Hütte haben, Gott einen Altar hat. Man vergleiche Noahs Opfer beim Betreten der gereinigten Erde und so manchen Zug aus Abrahams Leben. Allein obwohl es nicht unmöglich ist, unter dem "Haus" den Königspalast zu verstehen, wie der stehende Titel des Haushofmeisters "der über das Haus ist" (2.Kön. 4,6 und öfters) zeigt, so ist es doch natürlicher, dabei an den Tempel zu denken. Diese Auffassung findet eine Stütze darin, dass das spätere jüdische Ritual den Psalm für das auch Joh. 10,22 erwähnte Tempelweihfest bestimmt, welches auf die von Judas Makkabäus i. J. 165 v. Chr. vollzogene Reinigung des durch Antiochus Epiphanes entweihten zweiten Tempels zurückgeht, vergl. 1.Makk. 4,52 ff. Da aber der Psalm nichts enthält, was ihn an und für sich zu einer solchen Feier passend erscheinen ließe, muss dieser Verwendung desselben eine ältere Überlieferung und ein tieferer Grund zu Grunde liegen. Wir werden den Psalm, der ein Danklied nach aufgehobener schwerer Heimsuchung ist, vielleicht am besten im Licht der letzten Tage Davids lesen, als er das Volk im Hochmut gezählt hatte und Gott ihn dafür gezüchtigt, auf seine Buße hin aber dem verderbenden Engel befohlen hatte, das Schwert in die Scheide zu kehren, und zugleich dem König die Stätte des künftigen Tempels gezeigt hatte (2. Samuel 24; 1. Chr. 21). Allerdings müssen wir dann die Worte Davids V. 3.4. 10 unseres Psalms nicht von persönlicher Erkrankung des Psalmisten, sondern von einem Todesleiden im weitern Sinn verstehen, wie solches 2. Samuel 24 sicher über David kam. (Auch in andern Psalmen finden wir ähnliche Ausdrücke im bildlichen Sinn.) Sonst passt der Psalm trefflich auf die ganze Lage in jener Zeit. So nehmen wir denn all, dass der Dichter auf der Tenne Aravnas die Inspiration zu diesem Lied empfangen habe und er dasselbe entweder für die Einweihung dieser neuen Opferstätte (von der er 1. Chr. 22,1 sagt: "Dies hier sei das Haus Gottes des Herrn") oder aber für die Einweihung des von seinem Sohne dort zu erbauenden Tempels bestimmt habe. Im letzteren Fall ist der Psalm ein Glaubenslied gewesen, da David dies Haus ja nicht erstehen sah. Der Glaube sieht die Erfüllung der göttlichen Verheißungen voraus und kann Gott auch für noch nicht empfangene Gnaden preisen.
Durch den ganzen Psalm ziehen sich Andeutungen, dass David schwer heimgesucht wurde, als er in Hochmut geraten war und sich sicher wähnte. Wenn Gottes Kinder in einer Richtung zu Glück und Gedeihen kommen, werden sie in der Regel nach einer andern Richtung in Prüfungen geführt; denn wenige unter uns können ungetrübtes Glück ertragen. Unsere Freuden und Hoffnungen müssen mit schmerzlichen Erfahrungen gemischt werden und desto mehr, wenn die Ruhe und das Wohlergehen fleischliche Sicherheit und Selbstvertrauen erzeugen Als David sich aber reuig zu Gott wandte, folgte bald die Vergebung, und Gottes Barmherzigkeit verherrlichte sich. Der Psalm ist ein Lied, ein Lobgesang und keine Klage. Er ist ein Lied zur Erinnerung an die Volkszählung und ein Lied zur Einweihung der Kultusstätte, die zum Gedächtnis des Aufhörens der Plage gestiftet wurde. So erinnert er uns an A. Knapps Wort. Ja, mein Jesu, lass mich nie vergessen meine Schuld und deine Huld!

Einteilung

V. 2-4 preist David den Herrn, weil dieser ihn errettet hat. V. 5.6 ruft er die Heiligen auf, mit ihm Gottes Barmherzigkeit zu rühmen. V. 7.8 bekennt er seinen Hochmut, um derentwillen er gezüchtigt worden war V. 9-11 wiederholt er die Bitten, die er in der Not an Gott gerichtet hatte, und in den beiden Schlussversen ruft er sich dankend die erfahrene Hilfe in Erinnerung und gelobt ewige Dankbarkeit.

Auslegung

2. Ich preise dich, Herr, denn du hast mich erhöht,
und lässt meine Feinde sich nicht über mich freuen.
3. Herr, mein Gott,
da ich schrie zu dir, machtest du mich gesund.
4. Herr, du hast meine Seele aus der Hölle geführt;
du hast mich lebend erhalten, da jene in die Grube fuhren.


2. Ich will dich erheben, Herr. (Grundt.) Ich will hoch von dir denken, wie es deiner würdig ist, und will meinen Gedanken über dich, so gut ich es nur eben vermag, im Lied Ausdruck geben. Andere mögen dich vergessen, über dich murren, ja dich verachten und lästern; ich aber will dich erheben, denn mir ist besondere Gnade widerfahren. Ich will die Güte, die du mir erwiesen, sowie die große Langmut, womit du mein Volk verschont hast, erheben; vor allem aber will ich von dir selber, von deinem herrlichen Wesen reden und rühmen, ich will Dich erheben, Jahwe. Das soll mein beständiges, freudiges Geschäft sein. Denn du hast mich emporgezogen. (Grundt.) Beachten wir die Antithese: Ich will dich erhöhen, weil du mich erhöht hast. [Luther 1524: Ich will dich erheben, Herr, denn du hast mich aufgehaben.] Ich möchte meinen Dank der erfahrenen Wohltat entsprechen lassen. Billig pries der Psalmsänger seinen Gott. Er konnte für das Lob, von dem sein Herz überfloss, guten Grund angeben. Er war emporgezogen worden wie ein Gefangener aus dem Verließ, wie Joseph aus der Grube; darum schlug sein Herz seinem Erretter entgegen. Uns hat die Gnade emporgezogen aus dem Abgrund der Hölle, aus dem Pfuhl der Sünde, aus dem Sumpf der Verzweiflung, aus dem Rachen des Todes, aus der Sklaverei des Zweifels und der Furcht; haben wir für dies alles keinen Lobgesang ? Und wie hoch hat uns der Herr erhöht! Zum Kindesrecht, zur Hausgenossenschaft Gottes, zur Gemeinschaft mit Christus; er hat uns mitgesetzt in den Himmel in Jesus Christus, wie der Apostel (Eph. 2,6) sagt. Ja, hoch sei unser Gott erhoben, denn er hat uns über die Sterne erhöht! Und hast meine Feinde sich nicht lassen freuen über mich. (Grundt.) Das war die Züchtigung gewesen, die David von den drei ihm nach der Volkszählung zur Wahl gestellten Übeln am meisten gefürchtet hatte. Er hatte gesagt: "Es ist mir sehr angst; aber lass uns in die Hand des Herrn fallen, denn seine Barmherzigkeit ist groß; ich will nicht in der Menschen Hand fallen." (2. Samuel 24,14 .) Schrecklich wäre in der Tat unser Los, wenn wir dem Willen unserer Feinde preisgegeben würden. Gelobt sei der Herr, dass wir vor einem so grauenhaftem Schicksal bewahrt geblieben sind! Dem Teufel und allen unsern geistlichen Feinden ist es nicht erlaubt worden, über uns zu frohlocken; denn wir sind errettet worden vom Strick des Vogelfängers. Unsere schlechten Kameraden von ehemals, die voraussagten, wir würden in unsere alten Sünden zurückfallen, sind mit ihren Prophezeiungen zuschanden geworden. Die darauf warteten, dass wir wanken würden und schadenfroh gerufen hätten: "Ha, ha! Gerade so wollten wir’s haben!" - sie haben bis heute umsonst gewartet. Glücklich die Leute, die der Herr so charakterfest bewahrt, dass selbst die Welt mit ihren Luchsaugen keinen wirklichen Makel an ihnen entdecken kann. Ist das bei uns der Fall? Dann lasst uns alle Ehre ihm geben, der uns lauter und unsträflich erhalten hat.
Wer sich nur nach dem, was er fühlt, richtet, der verliert Christus. (Martin Luther)

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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps30

Beitragvon Jörg » 24.01.2020 15:36

3. Herr, mein Gott, da ich schrie zu dir, machtest du mich gesund. Als die Seuche wütete, sandte David für sich und sein Volk Flehen zu Gott empor. Er ging sofort und ohne Umwege all die höchste Stelle und griff nicht zu fehlbaren menschlichen Mitteln. Gott ist der beste Arzt, auch für unsere leiblichen Gebrechen. Wir handeln gottlos und töricht zugleich, wenn wir uns in der Not nicht an ihn um Hilfe wenden. Der König Asa versündigte sich schwer, dass er in seiner Krankheit nicht den Herrn, sondern die Ärzte suchte (2. Chr. 16,12). Müssen wir einen Arzt haben, so sei es; aber lasst uns dennoch vor allem zu Gott gehen und ja nicht vergessen, dass in der Arznei an sich keine Macht zu helfen ist, noch sein kann. Die heilende Kraft muss von Gottes Allmacht ausströmen. Ist unsere Uhr in Unordnung geraten, so bringen wir sie zu dem Uhrmacher; sind Leib oder Seele in schlechtem Zustand, so lasst uns zu dem unsere Zuflucht nehmen, der sie geschaffen hat und es unfehlbar versteht, sie wieder in Ordnung zu bringen. Was unsere geistlichen Gebrechen betrifft, so kann nichts sie heilen, als wenn Christi Hand sie berührt. Rühren wir nur seines Kleides Saum an, so werden wir gesund, während alle andern Ärzte, und wenn wir sie alle miteinander fest in die Arme schließen könnten, uns doch nicht zu helfen vermöchten. Herr, mein Gott. Man beachte, wie der Glaube sich auf das Bundesverhältnis beruft. Ja wahrlich, hochbeglückt ist, wer den Herrn sein nennen kann. Wir wollen auch nicht übersehen, wie Davids Glaube die Leiter emporklimmt. Im ersten Vers sagte er; "Ich will dich preisen, Herr"; jetzt aber; "Herr, mein Gott". Himmlische Herzensmusik steigt aufwärts, wie die Weihrauchwolken vom Räucheraltar. Ich schrie zu dir. Beten konnte ich kaum; aber ich schrie. Ich schüttete mein Herz vor dir aus, wie ein kleines Kind auf seines Vaters Schoß. Ich schrie zu meinem Gott ; ich wusste, zu wem ich rufen sollte. Nicht zu meinen Freunden, nicht zu Menschenhilfe nahm ich Zuflucht. Daher der sichere, voll befriedigende Erfolg: Da machtest du mich gesund. Das ist keine Einbildung. Ich habe deine heilende Kraft erfahren. Ich fühle in mir die Kraft der Gesundheit; gepriesen sei dein Name! Wer nur in demütigem Flehen bei Gott Hilfe sucht von seiner Sündenkrankheit, der wird so gut und schnell wie der Psalmist Genesung finden; wer aber die Heilung nicht einmal sucht, muss sich nicht wundern, wenn seine Wunden stinkend werden und seine Seele stirbt.

4. Herr, du hast meine Seele aus der Unterwelt herausgeführt, riefst mich ins Leben zurück von denen, die in die Grube hinabgefahren. (Grundt.) Beachten wir die bestimmte Form des Ausdrucks. David sagt nicht; "Ich hoffe, du wirst es tun", sondern; "Du hast es getan." David war dessen ganz unzweifelhaft gewiss, dass Gott große Dinge an ihm getan hatte; und darüber war er fröhlich. Er war gleichsam schon ins Totenreich versunken und doch war er wieder herausgeholt, wieder hergestellt worden, um Gottes Erbarmen zu preisen. Auch war diese leibliche Errettung nicht alles. Das Grauen der alttestamentlichen Frommen vor der Unterwelt war ein Grauen vor dem Verderben in der Gottesferne, also vor dem, was wir im Licht der fortgeschrittenen Offenbarung die Hölle nennen. Vor dem Grabe verschont werden, ist viel; von dem Höllenabgrund errettet werden, ist mehr. So ist denn doppelte Ursache zum Dank, da beiderlei Errettung nur aus die herrliche Rechte des Herrn zurückgeführt werden kann. Er allein kann das Leben erhalten, er allein die Seele der Hölle entreißen.

5. Ihr Heiligen, lobsinget dem Herrn,
dankt und preist seine Heiligkeit.
6. Denn sein Zorn währet einen Augenblick,
und lebenslang seine Gnade;
den Abend lang währet das Weinen,
aber des Morgens ist Freude.

5. Ihr Heiligen, wörtlich; ihr seine Frommen, lobsinget (mit Harfenspiel) dem Herrn . Stimmt ein in meinen Lobgesang; nehmt eure Harfen und helft mir, würdig meinen Dank darbringen! Die erfahrene Hilfe erschien David so groß, dass er fühlte, er könne den Herrn nicht genügend dafür preisen; darum suchte er andere anzuwerben, ihm bei der seligen Pflicht zu helfen. Aber nicht mit verworfenen Menschen wollte er seinen Chor besetzen, mochten diese noch so schöne Stimmen haben; er brauchte fromme, heilige Sänger, die von Herzen singen können, weil Gott ihres Herzens Wonne ist. David ruft dich auf, du heiliges Volk des Herrn. Mögen die Sünder gottlos schweigen, wo es des Herrn Lob gilt, so sollt ihr desto heller singen. Ihr würdet eurem Namen "seine Frommen", d. h. die ihm treu ergeben sind, ihn herzlich lieben, wenig Ehre machen, wenn ihr stumm sein könntet. Er hat euch erwählt, euch mit Blut erkauft und Gott geweiht; eben dazu ist’s geschehen, dass ihr seine Tugenden verkündigen möget. So lasst denn diese Pflicht eure Lust sein. Lobsinget dem Herrn. Das ist köstlich und nützlich zugleich. Darum sollte es doch wahrlich nicht Not sein, euch zu einem so seligen Dienst so oft anzutreiben. Danket. (Luther.) Lasst eure Lieder Dankeslieder sein, in denen des Herrn Gnadentaten wieder in freudiger Erinnerung aufleben, wie der Grundtext hier sagt: Und preist sein heiliges Gedächtnis.1 Der Herr hat sich durch seine Offenbarungen und Großtaten ein Gedächtnis gestiftet und die Erinnerung an die Liebe des Herrn sollte unsre Harfen zum Preis stimmen, auch wenn die Gegenwart nicht freudevoll ist. Heilig aber ist der Name des Herrn, denn alle Selbstbezeugungen Gottes fließen aus dem Lichtmeer seiner Heiligkeit. Wohl erfüllt uns diese Heiligkeit des Herrn mit ehrfurchtsvoller Scheu; dennoch sollen wir unsre besten Kräfte einsetzen, sie zu preisen; denn wie der Zorn, so ist auch die Liebe Gottes in seiner Heiligkeit begründet. "Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth", das ist der Lobgesang der Seraphim (Jes. 6,3); lasst uns, die Erlösten des Herrn, darin einstimmen - nicht mit dumpfen Klagetönen, als zitterten wir vor der Heiligkeit Gottes, sondern mit einem Freudenpsalm als solche, die in Demut über sie frohlocken.

Fußnote
1. "Parallel dem Namen (vergl. 2. Mose 3,15; Jes. 26,8; Hos. 12,6; Ps. 97,12; 135,13), jedoch nicht identisch mit demselben. Der Name macht Gott bekannt das Gedächtnis bringt ihn und was nur ihm schuldig sind, in Erinnerung." (Lange -Moll.)
Wer sich nur nach dem, was er fühlt, richtet, der verliert Christus. (Martin Luther)

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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps30

Beitragvon Jörg » 27.01.2020 15:50

6. Denn sein Zorn währt einen Augenblick. David weist hier auf die Züchtigungen hin, welche Gott in seiner väterlichen Weisheit über seine Kinder verhängt, wenn sie vom guten Wege abirren. Eine solche Heimsuchung war die Plage 2. Samuel 24, die um der Sünde Davids (und, siehe dort V. 1 , des Volkes) willen über Israel kam. Solche Züchtigungen dauern nur kurz und werden aufgehoben, sobald der Gezüchtigte in wahrer Reue Vergebung sucht und die Gott wohlgefällige Sühne gebracht ist. Siehe 1. Chr. 21,17.18.22.26.27. Ja, schon vorher, V. 15 , lesen wir: Und im Verderben sah der Herr drein und reute ihn das Übel und sprach zum Engel, dem Verderber: "Es ist genug. Lass deine Hand ab!" Welche Gnade ist’s, dass des Herrn Zorn nur einen Augenblick währt; denn wenn er lange brennen würde, würde alles Fleisch vor ihm vergehen. Gott hängt seine Rute je eher je lieber an den Nagel, sobald sie ihren Zweck erreicht hat. Er ist langsam zum Zorn und schnell, ihm ein Ende zu machen. Wenn aber sein zeitlicher, väterlicher Zorn so furchtbar ist, dass er kurz sein muss, wenn er uns läutern und nicht verzehren soll: Wie schrecklich muss dann der ewige Zorn des Weltenrichters wider seine Feinde sein! Und lebenslang seine Gnade. Man vergleiche dazu die herrliche Parallelstelle Jes. 54,8 : Ich habe mein Angesicht im Augenblick des Zorns ein wenig vor dir verborgen; aber mit ewiger Gnade will ich mich dein erbarmen, spricht der Herr, dein Erlöser. - Die englische Bibel übersetzt an unserer Stelle; In seiner Gnade ist Leben.2 Auch dies ist eine köstliche Wahrheit und David erfuhr sie. Sobald der Herr huldvoll auf David niederblickte, war die Stadt gerettet, über der schon der Verderber schwebte; Leben herrschte statt des Todes und auch das Herz des Königs lebte wieder auf. Wir sterben dahin gleich welkenden Blumen, wenn der Herr seine Stirn runzelt; aber ein Gnadenblick von seinem Angesicht lässt uns wieder aufleben, wie der Tau die Fluren. Gottes Gnade macht das Leben nicht nur lieblich und fröhlich, sondern sie ist das Leben. Wer wissen will, was leben heißt, der suche Gottes Gnade! Am Abend kehrt Weinen ein als Gast, um über Nacht zu bleiben. (Dies der Sinn des Grundtextes.) Gern möchten wir dem ungebetenen Gast die Tür verschließen; aber gegen ihn hilft weder Schloss noch Riegel. Doch fasse dich; er bleibt nur über Nacht und eine Nacht ist keine Ewigkeit, mögen die Stunden auch noch so langsam verrinnen. Selbst in der trübsten Winterzeit zündet der Morgenstern seine Lampe an. Gott hat es weislich so geordnet, dass in unsern Leidensnächten der Tau der Tränen niederrieselt: Er fällt nicht umsonst aufs Erdreich. Wenn des Bräutigams Fernsein alles in uns und um uns düster macht, ist’s schicklich, dass die vereinsamte Seele nach einem Wiedersehen des Geliebten schmachtet. Aber am Morgen - Jubel! 3 (Wörtl.) Auf einmal ist die Freude da, und sie jagt den Gram in die Flucht, den unerwünschten Gast, der sich am Abend eingeschlichen hatte. Wie oft haben wir’s erfahren, dass mit dem Licht des neuen Tages der Kummer verschwunden war. Freude folgt auf Leid, auf Seufzen Jauchzen. Ist die Nacht vorbei, so flieht die Dunkelheit. Doch muss das Licht vom Himmel kommen, wenn die Nacht wirklich weichen soll. Wenn die Sonne der Gerechtigkeit aufgeht, wird es licht im Herzen. Wie sollte nicht jubilieren, wer Jesus kennt und den Frieden der Vergebung schmeckt? Schon die ersten Strahlen des Morgenrots der göttlichen Huld erquicken wunderbar das ausgemergelte Herz; doch geht’s zum vollen Tag. Die Gläubigen wissen es aus Erfahrung, was Spitta singt:

O Jesu, meine Sonne,
Vor der die Nacht entfleucht !
O Jesu meine Wonne
Die alle Not verscheucht !
Im Herzen klingt mir täglich
Der eine helle Ton:
Wie hast du so unsäglich
Geliebt, o Gottessohn

Ja, lasst uns dem Herrn singen; denn auch in unserm Psalm dient dieser Vers zur Begründung der Aufforderung V. 5: Lobsinget dem Herrn, ihr seine Heiligen und eine treffliche Begründung gibt er! Kurz sind die Nächte des Leidens, nie endende Tage der Seligkeit und Wonne folgen ihnen; darum auf, Psalter und Harfe, wacht auf, lasset den Lobgesang hören!

7. Ich aber sprach, da mir’s wohl ging:
Ich werde nimmermehr daniederliegen.
8. Denn, Herr, durch dein Wohlgefallen hattest du meinen Berg
stark gemacht;
aber da du dein Antlitz verbargst, erschrak ich.


7. Ich aber sprach, da mir’s wohl ging, Grundt.: in meiner Sicherheit . Als David von allen seinen Feinden Ruhe hatte und sein aufrührerischer Sohn tot und begraben war, da war die Zeit der Gefahr. Manch ein Schiff geht bei windstillem, heiterem Wetter unter. Keine Versuchung ist so gefährlich, wie die der fleischlichen Sicherheit. Da sprach er; Ich werde nimmermehr daniederliegen (wörtl.: wanken ; engl. Übers.: bewegt werden). O David, da sagtest du mehr, als zu sagen oder auch nur zu denken weise war; denn Gott hat den Erdboden auf die Meere gegründet, um uns zu zeigen, was für ein armseliges, veränderliches, leicht bewegliches und unbeständiges Ding unsere Welt ist. (Vergl. zu Ps. 24,2, S. 439.) Wehe dem, der auf sie baut! Er baut sich selber einen Kerker für seine Hoffnungen. Statt zu denken, wir würden niemals daniederliegen, täten wir besser, daran zu denken, dass wir bald uns legen werden, um hier auf Erden niemals wieder aufzustehen. Nichts ist beständig unter dem wechselnden Mond. Weil mir’s heute wohl ergeht, darf ich nicht meinen, es müsse morgen auch so sein. Wie die oberste Speiche des Rades in regelrechtem Lauf bald die unterste ist, so geht es mit allem auf Erden. Es findet unaufhörlich eine Umwälzung statt. Viele, die heute im Staube liegen, werden morgen hoch erhöht sein, während die, welche heute in schwindelnder Höhe sind, bald den Erdboden küssen werden. Der Wohlstand hatte offenbar dem David den Kopf verwirrt, sonst hätte er nicht so voll Selbstvertrauens sein können. Dass er stand, hatte er nur der Gnade zu verdanken; dennoch vergaß er sich, und darum tat er einen Fall. Lieber Leser, ist nicht derselbe Hang zum Stolz in unser aller Herzen? Hüten wir uns, dass nicht die betäubenden Dünste des Erfolges uns in den Kopf steigen und auch wir zu Narren werden.

8. Denn, Herr, durch dein Wohlgefallen hattest du meinen Berg stark gemacht oder fest gegründet. David schrieb sein Gedeihen der göttlichen Huld zu und soweit handelte er richtig; denn es ist gut, das Walten des Herrn darin zu erkennen, wenn wir einen festen Stand haben und es uns wohl geht. Aber wir können hier wahrnehmen, wie das Gute auch bei guten Menschen nicht unverfälscht gut ist; denn diese Anerkennung der göttlichen Quelle seines Wohlstands war bei David vermischt mit fleischlicher Sicherheit. Er vergleicht seinen Stand mit einem Berg - ein Maulwurfshügel hätte einen treffenderen Vergleich geliefert, denn wir können von uns nicht leicht zu gering denken. Er rühmte, dass sein Berg feststehe; und doch hatte er in dem unmittelbar vorhergehenden Psalm (29,6) vom Libanon und Hermon als von hüpfenden Kälbern gesprochen. War Davids Stand fester als der des Libanon? Ach, eitle Selbstüberschätzung, wie liegst du uns allen so nah! Wie schnell zerplatzt die Seifenblase, wenn Gotteskinder eingebildet werden und annehmen, sie könnten unter den Sternen Unveränderlichkeit genießen und Beständigkeit auf diesem beständig sich wirbelnden Erdball! Wie empfindlich war die Art, wie Gott seinen Knecht von seinem Irrtum zurückbrachte: Aber da du dein Antlitz verbargst, erschrak ich. Gott brauchte nicht zur Rute zu greifen; das Verbergen seines Angesichts war genug. Das zeigt erstens, dass Davids Frömmigkeit echter Art war: Denn was kümmert’s einen Sünder, ob Gott sein Angesicht ihm verbirgt? Und zweitens sehen wir hier, wie völlig die Freude gottseliger Menschen davon abhängt, dass der Herr ihnen nahe ist. Kein Berg, wie hoch immer er sei, kann uns einen Ruheplatz gewähren, wenn unsere Gemeinschaft mit Gott unterbrochen und sein Antlitz vor uns verhüllt ist. Doch wohl denen, die dann Leid tragen! Das Beste ist, sich in dem Licht des göttlichen Antlitzes sonnen zu können; das Nächstbeste, gründlich unglücklich zu sein, wenn uns dies Glück verwehrt ist.

Fußnoten
2. Ähnlich übers. die LXX, sowie Hengstenberg. In der Tat steht Leben gewöhnlich in der Bedeutung des materiellen Gegensatzes gegen den Tod. Aber Ps. 27,4 zeigt dass bei diesem Wort unter Umständen auch der Zeitbegriff hervortreten kann. Entscheidend ist für unsere Stelle der Gegensatz zu Augenblick, sowie die Parallele Jes. 54,8, die ohne Zweifel auf unseren Vers zurückblickt.

3. Man kann aus dem Vorhergehenden das Zeitwort ergänzen: kehrt Jubel ein; aber noch kräftiger ist der Ausdruck, wenn man diesen Satz als Nominalsatz fasst. Aber am Morgen - Jubel! (nämlich: ist Jubel da, plötzlich, unerwartet.)
Wer sich nur nach dem, was er fühlt, richtet, der verliert Christus. (Martin Luther)

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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps30

Beitragvon Jörg » 31.01.2020 15:40

9. Zu dir, Herr, rief ich,
und zu dem Herrn flehte ich:
10. Was ist nütze an meinem Blut, wenn ich zur Grube fahre?
Wird dir auch der Staub danken und deine Treue verkündigen?
11. Herr, höre, und sei mir gnädig!
Herr, sei mein Helfer!


9. Zu dir,Herr, rief ich und zu dem Herrn (dem Allherrn, Adonai) flehte ich . Das Gebet ist die untrügliche Zuflucht der Gotteskinder. Wenn ihnen jeder Ausweg abgeschnitten ist, bleibt ihnen doch noch der Zugang zum Gnadenstuhl. Ob ein Erdbeben unsern Berg in den Grundfesten erschüttert, der Thron der göttlichen Barmherzigkeit steht dennoch fest. Lasst uns nie das Beten vergessen und nie die Wirksamkeit des Betens in Frage stellen. Die Hand, die die Wunden geschlagen hat. sie kann auch heilen. Lasst uns zu ihm eilen, der uns züchtigt; er wird sich erbitten lassen. Beten ist ein besserer Trost als Kains Städtebau und Sauls Begehren nach einem Harfenspieler. Zerstreuungen und fleischliche Vergnügungen sind ein schlechtes Rezept für verwirrte und verzweifelnde Seelen. Ernstes Flehen wird Erfolg haben, wo alle andern Mittel fehlschlagen.

10. In diesem Vers erfahren wir, was und wie David betete. Er rang mit dem Herrn, er machte mit Nachdruck Gründe vor Gott geltend, er verteidigte mit Ernst sein Anliegen. Sein Gebet war nicht eine Auseinandersetzung seiner theologischen Anschauungen, auch nicht ein Erzählen seiner Erfahrungen, und noch viel weniger suchte er unter dem Vorwand, zu Gott zu beten, andern Leuten verstohlene Hiebe zu versetzen. (Alle diese Dinge, und schlimmere, werden ja bei Gebetsversammlungen je und dann an die Stelle heiligen Flehens gesetzt.) Er rang mit Gott in heißem Flehen; darum gewann er den Sieg. Kopf und Herz, Verstand und Gemüt, Gedächtnis und heilige Logik, alles wirkte zusammen, um die Sache in der richtigen Weise dem Gott vorzutragen, der die Liebe ist und sich so gern überwinden lässt. Was für Gewinn (hättest du) an meinem Blut, (hättest du) daran, dass ich zur Grube führe ? (Wörtl.) Würdest du nicht einen Sänger aus deinem Chor verlieren, und zwar einen, dem es seines Herzens Lust ist, dich zu verherrlichen? Wird dir auch der (Grabes-) Staub danken und deine Treue verkündigen ? Wird dann nicht ein Zeuge deiner Treue und Wahrhaftigkeit weniger sein? So verschone denn deinen armen, unwürdigen Knecht um deines eigenen Namens willen!

11. Herr, höre, und sei mir gnädig! Eine kurze, inhaltsreiche Bitte, die in jeder Lage dienlich ist; lasst uns recht oft von ihr Gebrauch machen. Sie war des Zöllners Gebet, möge sie auch das unsere sein. Wenn Gott unser Flehen hört, ist es eine große Tat der Gnade; unsere Bitten verdienen keine Antwort. Herr, sei mein Helfer! Ein anderes treffendes, nachdrückliches, stets passendes Gebet. Es ist das rechte Wort für hunderterlei Lagen, worin Gottes Kinder sich befinden können. Es passt für den Prediger, der seine Kanzel betritt, wie für den Dulder, der sich auf seinem Lager in Schmerzen windet, für den Reichsgottesarbeiter, der unter der Mühsal seines Dienstes seufzt, wie für jeden Gläubigen, der unter innerer oder äußerer Anfechtung leidet. Wenn Gott seine Hilfe erscheinen lässt, verschwinden die Schwierigkeiten. Er ist der Seinen Helfer und erweist sich kräftig als solcher in der Not. Und siehe, die beiden kurzen und doch inhaltreichen Bitten kannst du beten, auch wenn du mit Geschäften abgearbeitet bist und dir das große Vorrecht langer stiller Stunden ungestörten Umgangs mit Gott in Gebet und Betrachtung seines Wortes nicht vergönnt ist, das solche genießen können, deren Tage in stiller Zurückgezogenheit dahinfließen.

12. Du hast mir meine Klage verwandelt in einen Reigen;
du hast mir meinen Sack ausgezogen und mich mit Freude gegürtet,
13. aus dass dir lobsinge meine Ehre und nicht stille werde.
Herr, mein Gott, ich will dir danken in Ewigkeit.

12. Man beachte den Gegensatz. Gott nimmt den Seinen die Klage, das Trauern; und was gibt er ihnen stattdessen? Ruhe und Frieden? Ja, aber noch einen guten Teil mehr: Du hast mir meine Klage in einen Reigen verwandelt. Der Herr macht ihre Herzen vor Freude hüpfen zu der Musik seines Namens. Er löst ihnen das beengende Trauergewand. Das ist gut und schön. Wer freute sich nicht, wenn er den Sack des Elends los wird? Aber was dann.? Er bekleidet uns. Und womit ? Mit irgendeinem gewöhnlichen Kleid ? Nein, sondern mit dem königlichen Gewand, das der Schmuck der verklärten Geister im Himmel ist: Du hast mich gegürtet mit Freude. Da der Gurt beim Orientalen ein Hauptschmuck ist, liegt in dem Gürten oft, und so auch hier, zugleich die Bedeutung des Schmückens. Mit Freude gegürtet werden ist besser, als Kleider von Samt und Seide zu tragen, die mit köstlichen Stickereien ausschmückt und mit Gold und Edelsteinen besät sind. Mancher arme Mann trägt diesen kostbaren Gurt rund um sein Herz, obwohl seine äußere Kleidung vielleicht nur aus grobem Zwillich besteht; und solch einer braucht keinen Kaiser um all seinen Prunk zu beneiden. Es preise den Herrn, wer solch eine göttliche Investitur (Einkleidung) erlebt hat! Die Erfahrung der vollen Vergebung und Rechtfertigung, das ist die rechte Umgürtung mit dem Gurt der Freuden.

13. Auf dass dir lobsinge meine4 Ehre, das ist, meine Seele, als der edelste Teil meines Wesens, und nicht stille werde . Es wäre schändlich, wenn wir nach Empfang so großer Wohltaten den Herrn zu preisen vergessen könnten. Gott will nicht, dass unsere Zungen müßig seien, während sich so viele Anlässe zur Dankbarkeit rings um uns her darbieten. Er will in seinem Hause keine stummen Kinder haben. Im Himmel werden sie alle singen, darum sollen sie auch auf Erden schon sein Lob anstimmen und niemals schweigen. Nichts soll uns am Preis unseres Gottes hindern. Herr, mein Gott, ich will dir danken (dich mit Begleitung von Harfenspiel preisen) in Ewigkeit.

Ich will von deiner Güte singen,
Solange sich die Zunge regt.
Ich will dir Freudenopfer bringen,
Solange sich mein Herz bewegt.
Ja, wenn der Mund wird kraftlos sein,
So stimm’ ich doch mit Seufzen ein.

Ach nimm das arme Lob auf Erden,
Mein Gott, in allen Gnaden hin;
Im Himmel soll es besser werden,
Wenn ich bei deinen Engeln bin:
Da sing’ ich dir im höhern Chor
Viel tausend Halleluja vor.
(Johann Mentzer † 1734.)

Fußnote
4. Man mag allerdings mit LXX, Luther, Delitzsch das "meine" ergänzen oder dann eher ydiObkI: lesen. Zu dem Ausdruck vergl. dann Ps. 7,6; 16;9; 108,2; Doch kann hier auch (wie Ps. 149,5) Lobgesang heißen: Auf dass dich besinge nie verstummender Preis (Bäthgen Keßler).
Wer sich nur nach dem, was er fühlt, richtet, der verliert Christus. (Martin Luther)

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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps30

Beitragvon Jörg » 04.02.2020 15:40

Erläuterungen und Kernworte

Zur Überschrift. Von der Einweihung des salomonischen Tempels lesen wir 1.Kön. 8 . Sie wurde mit Gebet, vielen tausend Opfern und einem vierzehntägigen Volksfest gefeiert. Auch als der zweite Tempel vollendet war, begingen die Priester, die Leviten und die übrigen aus der Gefangenschaft Zurückgekehrten die Einweihung des Hauses Gottes mit Freuden (Esra 6,16). Im Neuen Testament (Joh. 10,22) lesen wir von dem durch Judas Makkabäus nach der Reinigung und Wiederherstellung des Hauses Gottes angeordneten Tempelweihfest, das dann alljährlich, bis zur Zerstörung des Tempels durch Titus, mit feierlichen Opfern, Musik und Gesang und allerlei Volksfesten acht Tage lang gefeiert wurde. (1.Makk. 4,54 ff.) Dass es aber auch sonst üblich war, beim ersten Beziehen eines neuen Hauses ein Fest, und zwar ohne Zweifel ein Fest religiöser Art, zu veranstalten, ersieht man aus der göttlichen Anordnung 5. Mose 20,5 , dass niemand zum Kriegsdienst ausgehoben werden sollte, der sein Haus noch nicht eingeweiht, d. h. noch nicht unter den üblichen Formen davon Besitz ergriffen hätte. Die Sitte, neue Häuser feierlich einzuweihen, war unter allen Völkern mehr oder weniger herrschend. So weihten die Römer ihre Tempel, Theater und Statuen, wie auch ihre Paläste und Häuser ein. D. Samuel Chandler † 1766.

Wie die Israeliten durch die Darbringung der Erstlingsfrüchte feierlich anerkannten, dass sie den Ertrag des ganzen Jahres von der Hand des Herrn empfingen, so erklärten sie durch die Einweihung ihrer Häuser, dass sie Fremdlinge und Gottes Lehnsleute seien und Haus und Hof vom Herrn erhalten hätten. Wenn daher eine Aushebung für einen Krieg stattfand, war es ein gerechter Grund zur Freilassung, wenn jemand geltend machte, dass er sein Haus noch nicht eingeweiht habe. Überdies war diese Sitte der Hauseinweihung wohl dazu angetan, den Israeliten in Erinnerung zu bringen, dass jeder nur dann sich in der rechten Weise seines Hauses erfreue, wenn er es so verwaltete, dass es gleichsam ein Heiligtum Gottes im Kleinen war und aufrichtige Frömmigkeit und lauterer Gottesdienst darin herrschten. Die vorbildlichen Gebräuche des Gesetzes haben nun aufgehört; aber wir sollen uns an die Lehre St. Pauli halten, dass alles, was Gott für unseren Gebrauch bestimmt, geheiligt wird durch Wort Gottes und Gebet. (1.Tim. 4,4 s.) Jean Calvin † 1564.

Der Zweck des Psalms ist, das Gedächtnis der Veranlassung, bei der die Stätte des von Salomo zu erbauenden Tempels von Gott ausgewählt und der Tempel selbst durch ein göttliches Zeichen geweiht wurde, auf alle Zeiten zu erhalten. Hermann Venema † 1787.

Zum ganzen Psalm.
Erhöhn will ich ihn ewiglich,
Der mich erhöhet hat,
Dass nicht mein Feind kann rühmen sich;
Nun rühm’ ich Gottes Gnad’.
Schon bracht’ mich an des Grabes Rand
Die Strafe meiner Schuld;
Doch als ich nirgends Rettung fand,
Da fand mich Gottes Huld.
Zu ihm stieg mein Gebet empor
Aus finstrer Schreckensnacht;
Da neigte sich zu mir sein Ohr,
Das hat mir Heil gebracht.
War ich am Abend Weinens satt,
Hell strahlt das Morgenrot:
Der meine Kraft gebrochen hat,
Bricht nun den Bann der Not.
Der Sack wurde mir zum Festgewand,
Von Leid die Seele frei.
Im Nu ist wohl dein Zorn entbrannt,
Doch ewig währt die Treu’
O singe ihm mit Herz und Mund,
Wer zu den Seinen zählt.
Gedenket froh der seligen Stund’,
Da er euch hat erwählt!
Nach C. H. Spurgeon 1870.

Als D. J. F. D. Maurice († 1872), einer der bedeutendsten Männer der Broad Church d. i. der mild liberalen Richtung in der Kirche von England, wegen einer Abhandlung über das ewige Leben und den ewigen Tod seine theologische Professur am King’s College in London verlor, schrieb ihm sein Freund, der (namentlich durch seinen historisch-philosophischen Roman Hypatia) bekannte Charles Kingsley († 1875): "Geliebter Meister, ich werde Ihnen nicht kondolieren; darüber sind Sie erhaben. Nur erinnern will ich Sie an den [nach der Leseordnung der englischen Kirche] heutigen 30. Psalm, der merkwürdig genug mich durch alle großen Krisen meines Lebens geleitet hat." - Aus Ch. Kingsleys († 1875) Leben, von seiner Gattin.

V. 2. Das: Ich will dich erheben, steht in deutlicher Beziehung auf das Folgende: Du hast mich erhöht. Calvin bemerkt dazu; "Weil David wie aus dem Grabe zur Lebenslust erhoben war, verspricht er, den Namen Gottes zu erhöhen. Denn wie Gott uns, da wir in die Tiefe versenkt sind, durch seine Hand in die Höhe erhebt, so ist es wiederum unsere Schuldigkeit, sein Lob durch Herz und Mund zu erheben." Das dalah erhöhen, eigentlich schöpfen, erklärt sich aus der Darstellung des Unglücks unter dem Bilde eines tiefen Brunnens, in welchen der Sänger versenkt war. Dass an eine buchstäbliche Auffassung nicht zu denken ist, erhellt aus V. 4; "Du hast erhöht aus der Scheol (dem Totenreich) meine Seele," und aus V. 3, wo dem "du schufst mich" das "du heiltest mich" entspricht. Prof. D. E. W. Hengstenberg 1843.

V. 3. Du heiltest mich. Jedes schwere Leiden erscheint unter dem Bilde einer Krankheit, der Herr, der es wegnimmt, unter dem Bilde des Arztes. Vergl. Jes. 6,10; 2. Chr. 36,16. Das Heilen hier wird erklärt durch das Helfen in V. 11 und das Erfreuen in V. 12. Prof. D. E. W. Hengstenberg 1843.

V. 5. Ihr Heiligen, lobsingt dem Herrn. Wenn es sich darum handelte, von etwas anderem zu singen, würde ich den ganzen Chor der Geschöpfe Gottes auffordern, in den Gesang einzustimmen. Nun es sich aber um das Lob der göttlichen Heiligkeit handelt, was sollten da profane Stimmen in dem Konzert tun? Nur "Heilige" sind tüchtig, von Heiligkeit, zumal von Gottes Heiligkeit, zu singen; nur von ihren Lippen kommen heilige Lobgesänge. Sir Richard Baker 1640.

Der Gottesdienst hat eine innerliche und eine äußerliche Seite und das äußerliche soll dazu mithelfen, das Gemüt für den innerlichen Gottesdienst zu bereiten. Stumpfe Schläfrigkeit hindert die Tätigkeit der Seele, die entgegengesetzte Gemütsverfassung fördert sie. Der Gesang ist ein mächtiges Mittel, die Seele in die rechte Stimmung zu bringen. Er weckt das Herz auf. Auch ist der Gesang der Teil des öffentlichen Gottesdienstes, bei dem das stille Nachdenken am meisten zu seinem Recht kommt, da er das Herz länger bei den einzelnen Worten und Gedanken festhält. Gebet und Predigt schreiten schnell von einem Satz zum andern, so dass ein innerliches Verarbeiten nachfolgen muss, wenn wir den vollen Nutzen davon haben wollen; denn die neuen Gedanken folgen Schlag auf Schlag und lassen es nicht zu, dass wir das Vernommene im Augenblick tiefer überdenken und still dabei verweilen. Beim Gesang dagegen können wir zugleich beten und sinnen, die Geistesnahrung aufnehmen und rasch innerlich verarbeiten. Und wer nicht so die Psalmen singt, hat noch nicht recht singen gelernt. John Lightfoot † 1675.
Wer sich nur nach dem, was er fühlt, richtet, der verliert Christus. (Martin Luther)

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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps30

Beitragvon Jörg » 09.02.2020 11:33

Erläuterungen und Kernworte

V. 6. Sein Zorn. Gott ist nicht selten zornig mit seinen Knechten; und wie viel Grund zum Danken haben die unter euch, welchen Gottes Antlitz freundlich leuchtet! Andere macht er zur Zielscheibe seiner Pfeile und ihr hört sie seufzen über ihre innere Verlassenheit; ihr dagegen seid voller Freude. Ihr könnt hoffnungsfreudig den Himmel blicken, während jener Augen mit Kummer wie mit einem Schleier bedeckt sind. Gegen sie klingt Gottes Stimme rauh, während er euch freundlichen Trost zuspricht. Ihnen scheint er zu widerstehen, als wären sie seine Feinde, während er sich euch als liebevoller Freund erweist. Ihr seht ein freundliches Lächeln väterlicher Liebe auf seinem Antlitz, während sie nichts anderes darauf entdecken können als fortgesetztes Stirnrunzeln, das ihnen Schrecken und Angst einjagt. O preiset in Demut anbetend die Gnade, die euch widerfährt! Seid ihr besser als so viele Gotteskinder, die eben jetzt in einem feurigen Schmelzofen sind? Habt ihr weniger Schlacken als sie? Meint ihr, sie hätten in höherem Grade gesündigt, als ihr es je getan habt? Er zürnt mit ihnen wegen ihrer Mattheit und ihrer verkehrten Wege. Haben eure Herzen stets vor Liebe gebrannt? Haben eure Füße stets seinen Weg eingehalten? Seid ihr nie weder zur Rechten noch zur Linken abgewichen? Habt ihr euch nie von dem Hirten entfernt? Euer Gewissen gibt euch die Antwort. Welche Gnade ist es demnach, dass er mit euch nicht so zürnt wie mit ihnen! Werdet darüber nicht hochmütig; denn obwohl er euch seinen Zorn jetzt nicht fühlen lässt, mag es bald der Fall sein. Das war Davids Fehler: Ich aber sprach, da mir’s wohl ging: Ich werde nimmermehr daniederliegen. Doch gleich darauf folgt: Aber da du dein Antlitz verbargest, erschrak ich . Jetzt scheint die Sonne über euch; aber es können noch viele Stürme und Wolken und Finsternis über euch kommen, ehe ihr am Ende eurer Wanderschaft angelangt seid. Die Jünger freuten sich einst hoch über die Herrlichkeit auf dem Verklärungsberg und während der Unterredung zwischen Christus und Mose und Elia wähnten sie sich im Himmel. Hier ist gut sein, sprachen sie. Aber da kam eitle Wolke und bedeckte all die Herrlichkeit und Furcht und Schrecken befiel die Armen. Es ist wahr, der Zorn Gottes währt nur einen Augenblick; aber selbst dieser Augenblick ist unaussprechlich traurig und furchtbar. Das Weinen währt nur eine Nacht , aber diese Nacht kann entsetzlich bitter und schmerzlich sein. Sie kann schrecklich sein wie jene Nacht dort in Ägyptenland: Als die Ägypter um Mitternacht aufstanden, sahen sie, dass alte ihre erstgeborenen Söhne tot waren, und ein großes Geschrei und Klagen ging durchs ganze Land. So kann die Nacht des göttlichen Zorns all unsern Trost und unserer Augen Lust hinwegnehmen und die Erstgeburt unsere Kraft, alle Zuversicht und Freude unsrer Hoffnung mit einem Schlage vernichten. Timothty Rogers † 1729.

Am Abend kehrt Weinen ein, aber am Morgen Freude. Wie oft haben wir die Wahrheit dieses Wortes buchstäblich erfahren! Wie schwer drückt uns der Kummer am Abend ! Unser abgemartertes Gehirn, unsre überreizten Nerven scheinen ganz unfähig, den Druck zu ertragen. Das Herz klopft stürmisch, und der fiebrige, ruhelose Körper verweigert seine Hilfe bei dem Werk der Geduld. Wir fühlen uns elend und hilflos, es ist keine Kraft da, dem Ansturm zu widerstehen, wir brechen in heftiges Weinen aus und unsre Tränenströme scheinen nie versiegen zu sollen. Endlich übermannt uns der Schlaf. Der Kummer, die Anfechtung oder was immer es sei, das uns zu überwältigen sucht, geht den einen Schritt zu weit, mit dem es die Grenze überschreitet, und treibt gerade durch seinen übermäßigen Ansturm unsere schwache menschliche Natur dem Schlaf in die Arme, so dass wir für jetzt weiteren Anläufen des Kummers und Leides entrückt sind. Nach solch einer tränenvollen Nacht und dem schweren Schlaf der Erschöpfung erwachen wir mit einem unbestimmten Gefühl von Not und Kummer. Die Gedanken sammeln sich und nun wundern wir uns über die Heftigkeit unsrer Gemütsbewegung, so wie die Erinnerung daran zu uns zurückkehrt. Was war es denn, das so hoffnungslos, so finster schien? Warum waren wir am verzweifeln? So sehen sich die Dinge jetzt nicht an - traurig noch immer, aber erträglich, - schwierig, aber nicht unmöglich, - schlimm genug vielleicht, aber zum Verzweifeln doch nicht. Nein, wir können wieder Hoffnung fassen. Der Glaubensblick richtet sich nach oben, und mitten in dem Leid freut das Herz sich Gottes, seines Heilandes. Am Abend kehret Weinen ein, aber am Morgen Freude. Und so wird’s auch sein, wenn dies Leben mit seinen Kämpfen und Mühen, seinen Anfechtungen und Sünden einst in dem schweren letzten Kampf endet, - dann wird Gott den Seinen Schlaf geben. Sie schlafen ein in Jesu Armen und erwachen zu dem freudevollen Morgen, der keine Neige kennt, zu dem Morgen der lichten Ewigkeit. Dann strahlt die Sonne der Gerechtigkeit über ihnen. Licht ist nun ausgegossen auf alle ihre Wege. Und sie können nur staunen, wenn sie sich die Mühsale und Kümmernisse des Erdenlebens mit den Stunden der Hoffnungslosigkeit und des leidenschaftlichen Schmerzes in Erinnerung rufen, und was sie oft auf Erden gesagt haben, das sagen sie jetzt mit noch ganz anderer Wärme der Empfindung: Das Weinen hat nur "die Nacht" gewährt, und jetzt ist’s Morgen, und Freude und Jubel sind da ! Und unsere Sorgen und Zweifel, unsre Kümmernisse und Schwierigkeiten, die bangen, verzweiflungsvollen Blicke in die lange Nacht der Trübsal - wo sind sie? Ja, da wird überschwänglich in Erfüllung gehen, was Gott in seinem Wort verheißen hat; Die Erlösten des Herrn werden gen Zion kommen mit Jauchzen und ewige Freude wird auf ihrem Haupte sein. Wonne und Freude werden sie ergreifen, aber Trauern und Seufzen werden von ihnen fliehen und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen. (Jes. 51,11; Off. 21,4.) Mary B. M. Duncan † 1865.

Das Trauern der Gotteskinder währt nur bis zum Morgen. Der Herr wird ihre Nacht in Licht, ihr Seufzen in Singen, ihr Schluchzen in Jauchzen, ihre Schwermut in Frohmut, ihre Wehmut in Wonne wandeln. Das Leben des Christen ist voller Veränderungen. Gesundheit und Krankheit, Schwäche und Stärke, Mangel und Überfluss, Ehre und Schmach, böse Gerüchte und gute Gerüchte, Sorgen und Freuden, Leiden und Tröstungen, Elendsempfindungen und Gnadenerfahrungen wechseln miteinander ab. Lauter Honig würde uns schaden, lauter Wermut uns verderben; ein Gemisch von beiden dient am besten zur Gesundheit unserer Seele. Wir brauchen beides, den scharfen Nordwind der Trübsal und den milden Südwind der Gnade. Thomas Brooks † 1680.

Gott sendet uns die Trübsale als Engel, die eine Botschaft an uns auszurichten haben. Sie sollen uns sagen, dass wir Gottes vergessen und uns im Irdischen verloren haben, dass wir stolz und geringschätzig geworden sind. Haben sie sich ihres Auftrages entledigt, so verschwinden sie bald. Thomas Playfere 1604.

Die Welt beginnt ihre Zeit mit Tagen zeitlichen Wohlseins und endet mit einer Nacht der Dunkelheit und Angst, die kein Ende nimmt. Die Gemeinde des Herrn beginnt ihre Zeit mit der Nacht der innern und äußern Leiden; doch währt diese Nacht nur eine Welle und ihr folgt ein Tag der Erquickung vom Angesicht des Herrn, ein Tag, dessen Licht in alle Ewigkeit nicht untergeht. Timothty Rogers † 1729.

Des Gottesfürchtigen Freude kommt am Morgen, wenn des Gottlosen Freude verschwindet; denn diesem bringt der Morgen nicht Licht, sondern Finsternis, wie dem Gevögel der Nacht. Er fürchtet sich nicht nur vor dem Tadel und der Strafe, sondern ob auch niemand um seine nächtlichen Geschäfte weiß, leidet er schon Elend genug durch die Verwüstung seiner Seele, wie durch die Vergeudung von Kraft und Zeit und Geld. Zachary Bogan † 1659.

Keine Rose ohne Dornen - so ist’s mit allem Irdischen, und wer da zu fest zugreift, erfährt es. Gerade weil Gott seine Kinder nicht dem Verderben anheim geben will, lässt er sie, wenn sie ihr Herz an die Kreatur hängen, eben in dem, was sie mit sündiger Lust ergreifen, einen Stachel finden. D. John Preston † 1628.

V. 6.12. Zwar denkt zuweilen ein weinender Mensch, er könne nie aufhören zu weinen, und ein Trauernder, er wolle nie aufhören zu trauern; ist er aber ein wahrer Christ und hat der heilige Geist das Regiment in seiner Seele, so kann er seinen Vorsatz nicht ausführen. Er kann’s nicht hindern, wenn ihm der heilige Geist dasjenige, worüber er geweint hat, auf einer heiteren oder wenigstens erträglichen Seite vorstellt; ja er muss es leiden, wenn dieser göttliche Geist ihm den Sack gleichsam auszieht und ihn mit Freuden gürtet, wie von David V. 12 gesagt wird. Nur ein steifer Eigensinn kann das Trauern, das anschließend ein ungläubiges Murren wider Gott ist, ganze Monate und Jahre durchsetzen. M. F. Roos 1790.

V. 7. "Ich werde nimmermehr daniederliegen." Hiermit gesteht David seine Sicherheit. Denn so denken nicht nur die Gottlosen (Ps. 10,6), sondern es verfallen oft auch Gottes Kinder in solche Schwachheit, dass sie sich einbilden, sie stehen so fest, als wenn sie angenagelt wären, wie diese Redensart gebraucht wird. J. D. Frisch 1719.
Wer sich nur nach dem, was er fühlt, richtet, der verliert Christus. (Martin Luther)

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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps30

Beitragvon Jörg » 11.02.2020 16:15

Erläuterungen und Kernworte

V. 7.8. Solche Abschnitte unseres Lebens, da wir in eine besondere uns von Gott gewiesene Ausgabe eintreten oder eine besondere Gnade von Gott empfangen, sind Zeiten, wo wir uns aus außergewöhnliche Versuchungen des Satans gefasst machen müssen. Gerade wenn wir große Aufgaben ausrichten oder hohe Gnaden empfangen haben, sind wir am meisten geneigt, hochmütig zu werden und in Unvorsichtigkeit, fleischliche Sicherheit und Selbstvertrauen zu geraten, wie ein reichliches Mahl einen schläfrig oder der Speise überdrüssig macht, und wie die Menschen am meisten in Gefahr sind, sich zu vergessen, wenn sie zu Ansehen kommen. Hiobs Reichtum und Würde machten ihn, obwohl er sich beides ohne Makel erworben hatte, doch so voll Selbstvertrauens, dass er nach seinem eigenen Bekenntnis (29,18 Grundt.) sprach; "Sterben werde ich in meinem Nest in Ruh’ und Ehren, und meine Tage werden sich wie eines Phönix Tage mehren." Als David Gottes Huld in mehr als gewöhnlichem Maße erfuhr, wurde er, der doch mehr als die meisten andern Menschen die Veränderlichkeit des Erdenlebens gekostet hatte, so sicher, dass er wähnte, er werde nimmermehr daniederliegen. Aber er gestand seinen Fehler ein, und zur Warnung anderer schrieb er es nieder, dass er eben da, als die Strahlen der göttlichen Gnadensonne warm auf ihn niederschienen, der Versuchung der fleischlichen Sicherheit erlegen war. Da verbargst du dein Antlitz - und als Gott ihm sein Angesicht verbarg, da zeigte der Teufel ihm natürlich sein Gesicht - und ich erschrak oder wurde bestürzt . Wohlsein erzeugt Selbstvertrauen; Selbstvertrauen macht nachlässig; Nachlässigkeit führt dazu, dass Gott sich entzieht, und gibt dem Satan Gelegenheit, ungesehen seine Altschläge ins Werk zu setzen. Und wie es oft geschieht, dass ein Kriegsheer, wenn es sich durch einen Sieg in Sicherheit wiegen lässt, plötzlich überfallen und geschlagen wird, so erleiden auch wir nicht selten gerade nach geistlichen Fortschritten eine Niederlage. Richard Gilpin 1677.

Der Berg ist der von Natur und durch Kunst feste Zion (2. Samuel 5,9) und dieser ist als Schlossberg Emblem (Sinnbild) des Davidischen Reiches. Jahwe hatte Davids Reich stark gemacht, als er ihm seines Selbstvertrauens halber zu fühlen gab, wie er alles nur durch Ihn und ohne Ihn gar nichts sei. Prof. D. Franz Delitzsch † 1890.

David hatte den Berg Zion von den Jebusitern erobert und sich einen Palast zur Wohnung darauf erbaut; so war die Zionshöhe sein Berg geworden. Der Zion war durch seine natürliche Beschaffenheit stark und durch die Befestigungen, die David baute, wurde er fast uneinnehmbar. Auch hatte der Herr sich zu David bekannt, hatte seine Feinde vor ihm her in die Flucht gegeben und sein Reich befestigt. Dies alles erkannte David als Wirkung der göttlichen Huld gegen ihn an; aber - und hier beginnt sein Fehler- er glaubte sich nun versprechen zu dürfen, dass seine Ruhe und sein Glück in alle Zukunft so ungestört und unerschüttert bleiben würden, wie der Berg Zion selber. D. Samuel Chandler † 1766.

Es ist selten, dass jemand, der viel von den Gütern dieser Welt bekommt, nicht gleich dem verlornen Sohne fern über Land zieht. Es ist schwer, sich in äußerem Wohlstand nahe zu Gott zu halten, in steter Abhängigkeit vom Herrn zu leben und an ihm allein des Herzens Lust zu haben, wenn wir so vieles besitzen, was dem Anschein nach unser Leben erhalten und unser Herz befriedigen kann. Wie leicht kommt da der Glaube außer Übung und wendet sich unsere Liebe von Gott ab, der Kreatur zu. Als David im Glück war, tönte es nicht mehr so klar in seinem Herzen; "Der Herr ist mein Gut und mein Teil", sondern wir hören da eine ganz andere Sprache von seinen Lippen. Wir sind wie Kinder, die im goldnen Sonnenschein den Schmetterlingen nachjagen und sich unversehens weit vom Vaterhaus entfernen ; die Nacht bricht über sie herein, ehe sie es merken, und nun merken sie, dass sie sich verloren haben, und Angst befällt sie, denn sie wissen nicht, wie sie wieder heimkommen sollen. Als du dein Angesicht verbargest, erschrak ich. Elias Pledger 1677.

Erschrak ich. Das Wort im Grundtext wird von der äußersten Konsternation und Bestürzung gebraucht, wie bei Saul 1. Samuel 28,21, und zeigt einen plötzlichen Verlust alles Trosts, Rats und Kräften an. J. D. Frisch 1719.

Wie deutlich lehrt diese Erfahrung Davids (V. 8b) die herrliche, trostreiche Wahrheit, bei der die Ausleger aus dem Mittelalter mit Vorliebe verweilen, dass es eben davon, ob Gott seinen Geschöpfen das Angesicht zuwendet oder entzieht , abhängt, ob diese glücklich oder unglücklich sind; dass die geistliche Freude, welche oft wie von selbst in unserm Innern emporsprudelt, daraus zu erklären ist, dass Gottes Blick in Gnaden unmittelbar auf uns gerichtet ist, während die Traurigkeit, die uns manchmal befällt, ohne dass wir eine besondere Ursache derselben angeben können, - sei es eigentliche Schwermut oder zeitweilige Niedergeschlagenheit, - im Grunde nichts anderes ist, als dass Gott sein Antlitz vor uns verbirgt. John Mason Neale 1860.

Äußere Trübsale verletzen nur gleichsam die Haut, diese innere Trübsal aber, das Entziehen des göttlichen Angesichts , trifft die Lebensader. Jene prasseln wie ein Schauer nur auf das Dach nieder, diese dringt in das Innere des Hauses ein. Aber Christus bringt den Gläubigen kräftigen Trost wider den Kummer der geistlichen Verlassenheit. Er selbst war eine Zeitlang von Gott verlassen, damit sie nicht für immer von Gott verlassen sein müssten. Joh. Flavel † 1691.

V. 9. Bei Bernhard von Clairvaux († 1153) finden wir eine Parabel über das Gebet, die des Erzählens wert ist. Die Könige von Babylon und Jerusalem, das ist, die Welt und die Kirche, waren in steter Fehde. Als der Krieg schon lange gewährt hatte, begab sich’s, dass einer der Krieger von Jerusalem zu der Zitadelle der Stadt, der Burg der Gerechtigkeit, eilte. Die Burg war belagert; ein zahlloses Heer von Feinden umgab sie. So gab Furcht denn alle Hoffnung auf, aber Klugheit sprach ihr Trost zu. "Weißt du nicht", sagte sie, "dass unser König der König der Herrlichkeit ist, der Herr stark und mächtig, der Herr mächtig im Streit? Lass uns daher einen Boten zu ihm senden, der ihm von unserer Not Kunde gebe." Furcht antwortete; "Aber wer kann da hindurchbrechen? Finsternis bedeckt die Erde, unsere Wälle sind von einem wachsamen, wohl gewappneten Heer umlagert, und wir sind des Weges in das ferne Land ganz unkundig." Darauf fragten sie Gerechtigkeit um Rat. Die antwortete; "Seid gutes Muts! Ich habe einen ganz zuverlässigen Boten, der mit dem König und seinem Hause wohl bekannt ist und es versteht, in der tiefsten Stille der Nacht aus Pfaden, die sonst niemand kennt, zu des Königs Palast zu gehen, und der zu der geheimen Kammer des Königs Zutritt hat. Der Bote heißt Gebet." Alsbald macht Gebet sich auf den Weg, findet die Tore verschlossen, klopft, und klopft abermals, und ruft: "Tut euch auf, ihr Tore des ewigen Rechts, dass ich eingehe und dem König von Jerusalem sage, wie es um uns steht." John King † 1621. V. 10. Was für Gewinn (hättest du) an meinem Blut? David wäre willig, zu sterben, wenn er durch den Tod seinem Gott oder seinem Volk einen wirklichen Dienst tun könnte. (Vergl. Phil. 2,17 .) Aber er vermochte nicht einzusehen, dass irgendetwas Gutes daraus als Frucht hervorgehen könnte, wenn er auf dem Siechbett sterbe, wie es der Fall sein würde, wenn er auf dem Feld der Ehren fiele. Herr, spricht er, willst du einen aus deinem Volk umsonst verkaufen (Ps. 44,13), ihn dahingeben, ohne dass du dabei etwas gewinnst? Matthew Henry † 1714.

Davids Bitte um Lebensfristung war also nicht auf irdischen Besitz und Genuss, sondern auf Gottes Ehre gerichtet. Er fürchtete den Tod als Ende des Lobes Gottes. Denn jenseits des Grabes werden keine Psalmen mehr gesungen, 6,6. Der Hades war im Alten Testament noch unüberwunden, der Himmel noch nicht geöffnet. Im Himmel sind die Myli)" yn"bI:, die Gottessöhne, d. h. die Engel, 29,1, noch nicht selige Menschenkinder, Mdf)f yn"bI: Prof. D. Franz Delitzsch † 1890.

Soll unser Gebet bei Gott durchgingen, so muss es sich auf gute Gründe stützen. Gott hat es gern, dass wir mit ihm, dass ich so sage, disputieren und ihn mit heiligen Beweisgründen überwinden. Thomas Watson 1660.

V. 12. Gerade dieses Auf und Ab, das sich so oft in den Psalmen findet, dieser Wechsel zwischen Tiefen und Höhen, zieht mich so an. Adelaide Newton † 1854.

Ich sage mit dem Apostel; überwinde das Böse mit Gutem - den Gram durch Freude. Echte Freude ist das wahre Heilmittel gegen die Traurigkeit. Es hat nie ein anderes gegeben und kann kein anderes geben. Wenn unsre Seele weint, müssen wir ihr Gründe zur Freude darreichen. Aller andere Trost ist unnütz. Prof. D. Alexander R. Vinet † 1847.

V. 13. Ehre hier und Staub V. 10 haben eine Beziehung aufeinander, vergl. Ps. 7,6 . F. C. Oetinger 1775.

Was ist der Dank? Die Pacht, die wir Gott schuldig sind; und je größer das Lehnsgut, desto mehr Zins sind wir zu zahlen schuldig. G. S. Bowes 1863.

Homiletische Winke

Zur Überschrift. Hauseinweihung- und wie sie zu feiern ist.
V. 2a. Gott und sein Volk, einander erhöhend. (Ich will dich erhöhen - du hast mich emporgezogen. Wörtl.)
V. 2b. Der Segen der Bewahrung vor der Schadenfreude unsrer Feinde.
V. 2. Die Enttäuschungen Satans und seiner Helfershelfer.
V. 3. Der Kranke, der Arzt, die Nachtglocke an seinem Hause, die Arznei und die Kur. Oder: Der Bundesgott und die kranke Seele; ihr Hilferuf zu ihm und seine heilende Hand.
V.4. Heraufgeholt aus der Unterwelt; neubelebt aus der Mitte derer, die zur Grube sinken. (Grundt.) Rettung vom zeitlichen und ewigen Tod, beides unmittelbare Wirkung Gottes. Du hast.
V. 5. 1) Das Singen - ein Gottesdienst; 2) die Heiligen (Grundt.: ihr, seine Frommen) besonders dazu berufen; 3) ihr liebster Gesang: Gottes heiliges Wesen und seine heiligen Großtaten (sein heilige Gedächtnis, Grundt.).
V. 6. Der Zorn Gottes - in seiner Begehung zu den Auserwählten.
Die Nacht des Weinens und der Morgen der Freude "Kurz ist der Schmerz - und ewig ist die Freude!" (Schiller, Jungfrau von Orleans, Schluss.) Wahr bei den Gläubigen.
V. 7. Die eigentümlichen Gefahren des Wohlergehens.
Fleischliche Sicherheit: Woher kommt sie? Welche Gefahren birgt sie in sich? Wie erwehren wir uns ihrer?
V. 7-13. Was in Davids Herzen vorging 1) vor der Trübsal V. 7 , 2) während der Trübsal V. 8-11 und 3) nach der Trübsal V. 12. 13 William Jay † 1853.
Davids Wohlergehen hatte ihn in falsche Sicherheit eingelullt; Gott sandte ihm Trübsal, ihn daraus zu erwecken. Wir finden die verschiedenen Zustände seines Gemüts hier deutsch beschrieben 1) Sein Trotzen. 2) sein Verzagen; 3) sein inbrünstiges Flehen; 4) seine schnelle Wiederherstellung 5) sein dankbares Bekenntnis. Charles Simeon † 1836.
V. 8b. Die heilsame Trauer einer Seele in geistlicher Dunkelheit.
V. 9. in Verbindung mit V. 3: Gebet das Universalheilmittel.
V. 10a. Berufung auf Gottes Ehre, um Lebensrettung und neue Gnade zu erlangen.
V. 10b. Die Auferstehung - die Zeit, wo der Staub Gott preisen und seine Treue verkündigen wird.
V. 11. Zwei köstliche Bitten; kurz, aber inhaltreich und nie überflüssig.
Herr, sei mein Helfer! Ich sehe viele fallen; auch ich werde stürzen, wenn du mich nicht aufrecht hältst. Ich bin schwach und vielen Versuchungen ausgesetzt. Mein Herz ist ein betrüglich Ding. Meine Feinde sind mächtig. Auf Menschen kann ich kein Vertrauen setzen, ebenso wenig auf mich selbst. Was ich an Gnade früher empfangen habe, wird mich nicht durchbringen, wenn Du selber mir nicht stets beistehst. Herr, sei mein Helfer! Bei jeder zu erfüllenden Pflicht, in jedem Kampf, in jeder Anfechtung, bei jeder Bemühung, Gottes Reichssache zu fördern, in der Zelt des Wohlergehens wie in der Not, kurz, in jeder Stunde unseres Lebens passt dies kurze, aus dem Geist geborene Gebet. Möge es uns jetzt aus dem Herzen quellen und oft auf unsere Lippen kommen und mögen wir seine Erhörung erfahren. Denn wenn der Herr sich uns als Helfer erweist, ist keine Pflicht zu schwer, kein Feind unbesiegbar, keine Schwierigkeit unüberwindlich. James Smith † 1862
V. 12. Wunderbare Wandlungen; plötzlich, völlig, gottgewirkt (du), persönlich zu erfahren (mir); heilvoll.
Des Gläubigen wechselnde Tracht. Man erläutere dies an Mardochai oder Joseph. Man erinnere daran, wie der Christ bald ein Festgewand und bald ein Ttauerkleid, bald den Pilgerrock, bald den Arbeitskittel, bald des Bettlers Lumpen, bald die Sträflingsjacke trägt usw.
V. 13. Der herrliche Zweck der göttlichen Führungen.

Wann ist Schweigen sündig?
Heilige Gelübde; wann zu geloben? (Vergl. den ganzen Psalm.)
Wer sich nur nach dem, was er fühlt, richtet, der verliert Christus. (Martin Luther)

Jörg
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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps31

Beitragvon Jörg » 15.02.2020 13:43

PSALM 31 (Auslegung & Kommentar)




Überschrift

Ein Psalm Davids, vorzusingen. Die Anweisung an den Musikvorsteher zeigt, dass auch dieser Gesang mit seinen wechselnden Weisen, in denen sich so manche Töne der Klage und des tiefen Herzeleids finden, für den öffentlichen Gottesdienst bestimmt war; damit wird der Ansicht, dass in der Gemeinde nur Lobgesänge erklingen dürften, ein tödlicher Streif versetzt. (Vergl. zu Ps. 14, S. 198.) Manche der so bezeichneten Psalmen wären in der Tat vielleicht als zu traurige Weisen vom Gottesdienst des Tempels ausgeschlossen worden, wenn in dieser Hinsicht nicht unter der Leitung des heiligen Geistes besondere Fürsorge getroffen worden wäre.

Inhalt

Der Psalmdichter ist in schwerer Anfechtung von seinen Feinden. Aber er fleht mit herzlicher Zuversicht und heiligem Ungestüm zu seinem Gott um Hilfe und fühlt sich bald innerlich so gestärkt, dass er den Herrn für seine große Güte preisen kann. Nach der Überschrift ist David dieser Betrübte und von Gott Getröstete und wir sehen keinen triftigen Grund, diese Überlieferung umzustoßen. Bei Jeremia finden sich viele Anklänge an unseren Psalm; das beweist uns nur, wie auch ihm der Psalter ein Herzbüchlein war. Was die besondere Lage betrifft, die David zum Dichten dieses Liedes veranlasst hat, so denken manche an seine Umzingelung durch Saul in der Wüste Maon (1. Samuel 23,25 f.), andere an seine Bedrängnis durch die Treulosigkeit der Bürger zu Kegila (1. Samuel 23,12); uns scheint der tiefe Klageton des Psalms und die Erwähnung der Sünde Davids (V. 11) eher auf die Zeit der Flucht vor Absalom zu weisen. Es ist aber vielleicht ebenso gut, dass wir über die Zeit und Veranlassung der Abfassung nichts Gewisses ermitteln können: wir möchten sonst so viel Fleiß darauf verwenden, den Psalm auf Davids Lage anzuwenden, dass wir darüber ganz vergessen, dass er auch uns viel zu sagen hat (vergl. V. 24.25). - Im 6. Vers hören wir die Stimme unseres sterbenden Erlösers. Dass Jesus sich in dem letzten Augenblick seines Erdenlebens unseres Psalms bedient hat, macht uns diesen besonders wertvoll.

Einteilung

Scharfe Grenzlinien finden wir nicht. Die Klänge des Psalms bewegen sich wellenförmig auf und ab; bald sinken sie in den tiefen Ton der Klage, bald erheben sie sich in freudiger Zuversicht. Zur Erleichterung der Übersicht wollen wir aber folgende Einteilung geben: David bezeugt sein Gottvertrauen und bittet um Hilfe, V. 2-7. Er gibt seinem Dank für empfangene Gnade freudig Ausdruck, V. 8.9. Er beschreibt im Einzelnen seine jammervolle Lage, V. 10-14, und bittet abermals dringend um Befreiung, V. 15-19 . Voll Zuversicht und Dank redet er in der Sprache des Glaubens von dem Heil, das er erwartet, als lebte er schon im vollen Genuss desselben, V. 20-23, und er schließt, indem er zeigt, wie seine Erfahrung auf alle Gläubigen passt und ihnen zur Ermutigung dienen soll.

Auslegung

2. Herr, auf dich traue ich,
lass mich nimmermehr zuschanden werden;
errette mich durch deine Gerechtigkeit!
3. Neige deine Ohren zu mir, eilend hilf mir!
Sei mir ein starker Fels
und eine Burg, dass du mir helfest!
4. Denn Du bist mein Fels und meine Burg,
und um deines Namens willen wollest du mich leiten und führen.
5. Du wollest mich aus dem Netze ziehen, das sie mir gestellt haben;
denn Du bist meine Stärke.
6. In deine Hände befehle ich meinen Geist;
du hast mich erlöst, Herr, du treuer Gott.
7. Ich hasse, die da halten auf eitle Götzen;
ich aber hoffe auf den Herrn.

2. Herr, auf dich traue ich. Nirgendwo anders suche ich Zuflucht, mag das Unwetter noch so toben. Der Psalmsänger hat einen Bergungsort, und den besten, einzig sicheren. Er wirft im Sturme den Anker des Glaubens aus. Mag anderes zweifelhaft sein, - dass er auf seinen Gott vertraut, das bezeugt er aufs Bestimmteste als eine Tatsache. Er nagelt dies gleichsam fest. Und zwar tut er das gleich zu Anfang des Psalms; er möchte die Tatsache sonst später über dem ungestümen Andrang des Kummers aus den Augen verlieren. Dies Bekenntnis des Glaubens ist der Stützpunkt, an dem er den Hebel ansetzt, um den Sorgenstein auszuheben und fortzurücken. Er beruft sich auf sein Vertrauen auf den Herrn, um dadurch teils sich selber zu trösten, teils seinen Bitten vor Gott Nachdruck zu geben. Von Verdienst redet er kein Wort; der Glaube stützt sich auf Gottes Huld und Treue und auf sie ausschließlich. Lass mich nimmermehr zuschanden werden. Wie könnte Gott den Mann, der auf ihn allein seine Hoffnung setzt, schließlich der Enttäuschung preisgeben? Dann würde er nicht als der Gott der Gnade und der Wahrheit handeln. Es würde Gott selber Unehre bringen, wenn der Glaube nicht zuletzt seinen Lohn fände. Brächte das Vertrauen auf den Herrn keinen wirksamen Trost und keine Hilfe mehr, so wäre es um die Frömmigkeit geschehen. Errette mich durch deine Gerechtigkeit. Du bist nicht ungerecht, dass du eine Seele, die bei dir Zuflucht sucht, in die Not hinausstoßen oder deine Zusagen brechen könntest. Du wirst die Gerechtigkeit deiner oft so geheimnisvoll waltenden Vorsehung rechtfertigen und mich eine Befreiung erfahren lassen, dass ich fröhlich rühmen kann. Der Glaube darf es wagen, selbst von dem scharfen Schwert der Gerechtigkeit Beschützung zu erwarten. Solange Gott der Gerechte ist, wird er es nicht zulassen, dass das Gottvertrauen sich als nichtig, als Schwärmerei erweise. Wie lieblich klingt uns das Bekenntnis des Glaubens in unserm Vers, wenn wir es am Fuß des Kreuzes stehend lesen in der Gewissheit, dass die Verheißungen des Vaters in dem Sohne Ja und Amen sind.

3. Neige deine Ohren zu mir. Lass dich zu meiner Niedrigkeit herab; lausche meinen Bitten, wie einer, der sich kein Wort entgehen lassen möchte. Der Himmel könnte mit all der Fülle und Herrlichkeit seiner überweltlichen Harmonien Gottes Aufmerksamkeit wohl ganz für sich in Anspruch nehmen; dennoch merkt der Herr zu jeder Stunde auch auf das schwächste Seufzen seiner geringsten Kinder auf Erden. Eilend hilf mir! Wir haben Gott nicht Zeit und Stunde vorzuschreiben; das schließt jedoch nicht aus, dass wir, bei völliger Ergebung in Gottes Willen, dennoch um schnelle, wie um gewisse Hilfe bitten dürfen. Gottes Gunsterweisungen werden oft gerade durch die Eile, womit er sie gewährt, doppelt wertvoll. Verzögerten sie sich, so könnten sie zu spät kommen; - aber er fährt auf dem Cherub und stiegt auf den Schwingen des Windes daher, wenn er seinen Auserwählten Hilfe bringen will. (Vergl. Ps. 18,11.) Sei mir ein starker Fels, oder: ein Fels der Schutzwehr. Sei du mein Engedi (1. Samuel 24,1), mein Adullam (1. Samuel 22,1); mein unveränderlicher, unbeweglicher, uneinnehmbarer hoch erhabener Hort der Zuflucht. Und eine feste Burg, dass du mir helfest, buchstäblich: ein Burgenhaus , darin ich völlig sicher wohnen könne. David will nicht nur für den Augenblick der höchsten Not bei dem Allmächtigen Schutz suchen, sondern sich allezeit in dem Gott seines Heils bergen. Wie einfältig und doch mächtig betet der Mann Gottes! Er gebraucht keinerlei Redeschmuck; es ist ihm viel zu ernst mit seinem Anliegen, als dass er in seinen Worten anders denn schlicht sein könnte. Es wäre zu wünschen, dass alle, die öffentlich beten, die gleiche Regel beobachteten.
Wer sich nur nach dem, was er fühlt, richtet, der verliert Christus. (Martin Luther)


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