Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer Davids von Spurgeon

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Jörg
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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps32

Beitragvon Jörg » 11.04.2020 11:37

Erläuterungen und Kernworte

V. 3. Da ich’s wollte verschweigen. Nichts ist bei dieser Geschichte (2. Samuel 11) unbegreiflicher, als dass das Gewissen des sonst so erleuchteten David so lange hat schlafen können. Allein wie leicht geschieht es, dass ein Mensch sich selbst an der Erkenntnis und dem Gefühl seiner Sünde hindert. Beständige Zerstreuungen lassen manchen lange nicht zu sich selber kommen. Den Stand, worin man lebt, und die Beispiele anderer, die eben dies getan haben, braucht man zu seiner Entschuldigung. Oder man gesteht bei sich selbst ein, dass man gesündigt habe, und die ganze Buße besteht in einer selbst gemachten moralischen Reflexion über die Sünde, in einem kaltsinnigen Gebet, Opfer, Almosen und natürlichem Vorsatze, es nie wieder zu tun. Dabei tröstet sich ein Rückfälliger bei aller Finsternis und Trockenheit, die er in sich fühlt, mit dem vorigen Gnadenstand. So mag es bei David auch eine Zeitlang gewesen sein. An seinem Hof ging es in dieser Zeit ohne Zweifel elend her. Die bösen Leute nahmen sich mehr Freiheit zum Sündigen als sonst heraus, weil der König selbst gesündigt hatte; die Frommen waren betrübt und keiner der Propheten konnte mehr ein Herz zu David haben. Nathan ging nicht eher zu ihm, bis ihn der Herr sandte, und der Herr sandte ihn, als David schon heimlich über seine Sünden verängstigt war. Prälat Magnus Friedrich Roos 1773.

Meine Gebeine verschmachteten. Gott scherzt nicht mit den Sünden seiner Kinder, sondern nimmt es mit seinen Auserwählten viel strenger als mit solchen, die ohne Gnade dahinleben, und züchtigt jene oft viel härter als diese. Davids Leiden waren teils äußerlich, teils innerlich. Diese, die Gewissensqualen, bewirkten jene, die körperlichen Leiden. Von den Qualen und Schmerzen seines Leibes schnitten einzelne ihm tief ins Fleisch; doch das war noch zu ertragen. Aber andere gingen bis ins Mark der Knochen; das war fast unerträglich. Und darin wird Gottes gerechte Vergeltung fühlbar. Vergeuden wir unsere Kraft in der Sünde, so schwächt Gott sie und macht uns ohnmächtig. Simson vergeudete seine Kraft durch seine sündige Liebe zu der Delila und zu welcher Schwäche sank er herab! Lasst uns denn erkennen, dass Gott uns die Leibes- und Seelenkräfte zu einem andern Zweck gegeben hat, nämlich, dass wir ihm dienen, und nicht, dass wir sie in des Teufels Dienst vergeuden. Archibald Symson 1638.

V. 4. Deine Hand: die züchtigende Hand Gottes, womit er seine Kinder zerstiebt (Hebr. 12,6). Man vergleiche zu dem Ausdruck z. B. 1. Samuel 5,11; Ps. 38,3; 39,11. Wir können uns hier dreierlei merken: Erstens, dass alle Trübsal von Gottes Hand kommt; zweitens, dass der Herr seine Hand gerade seine geliebten Kinder oft schwer fühlen lässt; und drittens, dass er seine Hand bisweilen Tag und Nacht so schwer auf ihnen liegen lässt. Thomas Taylor 1617.

Blutrote Sünden fordern blutige Tränen. Sündigt Petrus so gräulich, so muss er danach bitterlich weinen. D. Nathanael Hardy † 1670

Wenn Gott solche, die er lieb hat, so schwer züchtigt, wie wird er die zerschlagen und zerschmeißen, die außer der Gnade stehen! Gregor von Nazianz † 390

Wie es im Sommer dürre wird. Lässt sich die Sonne [in Palästina] schon im Winter ihre Macht nie allzu sehr beschränken, im Sommer beherrscht sie alles mit souveräner Gewalt. Schon im April und Mai wird das Getreide eingeerntet und nun brennt sie alle frischgrüne Vegetation von Feld und Steppe weg und alle Frühlingspracht flieht dahin wie ein Traum. Nur die Bäume und Reben, ganz besonders aber der treue Ölbaum inmitten heiß bestrahlter Felsen, behalten ihr Grün. Äcker und Felder aber bedecken sich mehr und mehr mit dem braunen Dornstrauch, der unabsehbare Strecken bedeckt und immer mehr verbrannt wird, und der nun üppig gedeihenden Distel. Ein Meer von Licht zittert in solchen Sommertagen heiß durch die Welt. Das Auge wird geblendet und schmerzt, wenn man ans Fenster tritt und hinausschaut auf die glühend angestrahlte Erde. Eine große Erquickung ist der Westwind, der im Sommer ein fast täglicher, auf allen Bergen, in allen Hütten sehr willkommener Gast ist. Nur wenn der Ostwind seiner Meister wird, muss er ausbleiben. Umso schlimmere Wirkungen hat dieser, auch Schirokko (von dem arab. Scherki = Ostwind) genannt. Vom Mai bis zum Oktober kommt er von Zeit zu Zeit und dauert dann oft viele Tage. Er kommt aus den Glutöfen der syrisch-arabischen Wüste mit heißem Atem dahergefahren. Stets ermattet er Menschen und Tiere aufs Äußerste (Jona 4,8). Die Blume, die in der Morgenfrühe noch mit leuchtenden Farben das Licht der Sonne begrüßt, ist am Abend verwelkt und verbrannt, und der Ostwind führt sie geknickt und verdorrt über Stoppeln und Dornen (Ps. 103,16). Bis Anfang November oder oft Dezember herrscht der Sommer unbeschränkt und nur der Tau netzt beim Westwind das durstige Land in der Morgenfrühe. Während der ganzen langen Sommerzeit fällt kein Tropfen Regen vom Himmel. D. Ludwig Schneller, "Kennst du das Land?" 1889.

Während der zwölf Jahre von 1846 bis 1859 fielen in Jerusalem zwischen den Monaten Mai und Oktober nur zwei leichte Regenschauer; der eine im Juli 1858, der andere im Juni 1859 Dr. Whitty.

V. 4.5.7. Sela. Die Musik steigert sich hier (V. 4) und tut das Ihrige, diese Höllenpein des erwachten Gewissens bei noch ungebrochenem Herzen zu malen. Das Sela am Ende von V. 5 ist das Widerspiel des ersten. Dort schrille Klage über den erfolglos sich abmarternden Sünder, hier heller Freudenklang über die selige Erfahrung des sich Gott ausschüttenden Sünders, - ein musikalisches Ja und Amen zu der großen Wahrheit von der rechtfertigenden Gnade. Am Schluss des siebenten Verses steigert sich die Musik zum dritten Male und zwar zum Ausdruck des höchsten Wonnegefühls. Prof. D. Franz Delitzsch † 1890

V. 5. Darum bekannte ich dir meine Sünde und verhehlte in eine Missetat nicht. Mancher unaufrichtige Mensch beweist großen Scharfsinn in der Kunst, seine Sünden zu verbergen und jedes Anzeichen derselben unsichtbar zu machen: Gleich einem Kranken, der mit einem ekelhaften, schimpflichen Übel behaftet ist, will er lieber sterben, als seine Schande bekennen. Aber die Aufrichtigkeit des Gottesfürchtigen kann man gerade daran erkennen, dass und wie er seine Missetat bekennt. Ein Kind Gottes wird seine Sünde auch im Einzelnen bekennen, wogegen ein unlauterer Christ wohl in Bausch und Bogen etwa zugibt, dass er gefehlt habe, und sich im Allgemeinen einen Sünder nennt, aber nicht wie David mit seinem Finger auf die Wunde zeigt und offen und ehrlich den tiefen Schaden bloßlegt. Vergl. z. B. Ps. 51,16, wo David deutlich von seinen Blutschulden spricht. Thomas Watson 1660.

Der beste Rat, den wir dem Sünder geben können, ist der: Sei du dein eigener Ankläger, indem du deine Schuld offen darlegst, wie der verlorene Sohn sprach: "Vater, ich habe gesündigt in den Himmel und vor dir" (Lk. 15,21). Denn es geht in dem himmlischen Gerichtshof nicht zu, wie vor unseren irdischen Richtern. Der irdischen Gerechtigkeit hat sich schon mancher entzogen, indem er seine Sünde frech leugnete; aber der göttlichen Vergeltung kann sich keiner entziehen. Bei dem menschlichen Richter führt ein offenes Bekenntnis unfehlbar zur Verurteilung: aber vor Gott führt es, wenn anders die Buße wirklich aufrichtig ist und sich demnach mit dem Glauben paart, eben so unfehlbar zur Vergebung. Vergl. 1.Kor. 11,31. Wie darum David, sobald er sich entschlossen hatte, seine Sünde zu bekennen, Barmherzigkeit erlangte, so tu agnosce et Dominus ignoscet, wie Augustinus († 430) sagt: Bekenne deine Sünde, so wird der Herr sie nicht mehr kennen wollen. Sei du nur aufrichtig im Bekennen, so wird Gott treu sein im Vergeben, vergl. 1.Joh. 1,9. Nur lass die confessio peccati, das Bekenntnis deiner Sünde, auch eine professio desinendi sein, ein Gelübde, sie zu lassen, wie der Kirchenlehrer Hilarius († 366) sagt: Dann kannst du darauf bauen, dass, wer seine Missetat bekennt und lässt, Barmherzigkeit erlangt (Spr. 28,13) Isaac Craven 1630.

Das ist untrügliche Wahrheit: Auf ein reumütiges Bekenntnis folgt Vergebung. So viel, sagt Augustin († 430), vermögen die drei kleinen Silben: Pe-ca-vi, Ich habe gesündigt. D. Nathanael Hardy † 1670

Die Missetat meiner Sünde. Was seine zweifache Sünde (seinen Ehebruch mit der Bath-Seba und den Meuchelmord an Uria) so besonders schwer machte, war, dass David dabei mit so schändlicher Heuchelei Gott und Menschen zu hintergehen suchte. Dies ist auch wohl der Grund, weshalb der Geist Gottes in dem Gesamturteil über David 1.Kön. 15,5 diese Sünde als den einen dunkeln Fleck seines Lebens bezeichnet. Das Wort der Wahrheit berichtet von manchen andern Fehltritten dieses Knechtes Gottes; aber sie alle verschwinden gegenüber dieser Sünde. Wohl konnte der Herr nach seiner großen Barmherzigkeit sein Kind an dieser Wunde nicht sterben lassen; die Wunde heilte, doch so, dass eine tiefe Narbe blieb, als ein Zeichen, daran andere erkennen können, wie verhasst die Heuchelei dem heiligen Gott ist. William Gurnall † 1679
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps32

Beitragvon Jörg » 15.04.2020 10:22

Erläuterungen und Kernworte

V. 6. Seht, wie glücklich der Mensch ist, dem Gott vergeben hat! Kein Wunder denn, dass der Psalmsänger hinzufügt: Um des willen werden alle Heiligen zu dir beten zur rechten Zeit. Gewiss werden, nachdem du gegen mich so gnädig gehandelt hast, alle, die dich wahrhaft lieben und lieben, zu dir beten , wenn sie von dem Wunder der Gnade hören, das du an mir getan hast. Sie werden, dadurch ermutigt, nicht schweigen, wie ich es so töricht und sündig getan habe, sondern werden vor dir ihre Fehltritte bekennen und deine Gnade erflehen, da du es so herrlich gezeigt hast, dass du zu finden bist von allen, die dich rechtschaffen suchen. James Harrington Evans † 1849

Da Gott sich als so gnädig und barmherzig erweist, wie es in Davids Erfahrung zu Tage getreten, wer wollte sich nun weigern oder auch nur zögern, zu seinem Gott zurückzukehren! Gewiss wird jeder, der sein Heil recht bedenkt, jeder fromm gesinnte Mensch (Grundt.), einen so gütigen und milden Herrn anrufen zur Zeit, da er zu finden ist . (Grundt.) Merke: Er, der sich in seinem Worte gebunden hat, dir zu vergeben, wenn du reumütig zu ihm kommst, hat dir doch nirgends auch nur den morgigen Tag zugesichert. Wie das Reden seine Zeit und Stunde hat (Pred. 3,7), so auch das Reden mit Gott; denn nicht immer lässt Gott mit sich reden. Es gibt eine bestimmte Zeit der Gnade im Allgemeinen wie für jeden einzelnen Menschen. Verachtet man diese Gnadenzeit in törichter Widerspenstigkeit oder versäumt man sie in träger Nachlässigkeit, so kommt unversehens die Stunde des göttlichen Zorngerichts. Nur die, die zur rechten Zeit in die von Gott bereitete Rettungsarche eingehen, bleiben bewahrt, wenn die großen Fluten kommen, während die Verächter in diesen untergehen. Erzbischof D. Robert Leighton † 1684.

Welche Wunder hat das Gebet ausgerichtet! Auf das Gebet Josuas stand die Sonne mitten am Himmel und verzog unterzugehen, beinahe einen ganzen Tag. Der Herr gehorchte der Stimme eines Mannes! (Jos. 10,12 ff.) Und Elia war auch ein Mensch gleichwie wir und sein Gebet verschloss die Fenster des Himmels und öffnete sie wieder, dass die Erde ihre Frucht brachte. (Jak. 5,17 f.) Wie oft wurden durch Moses Gebet Gott gleichsam die Hände gehalten, dass er nicht zuschlagen konnte, wenn er sein Volk strafen wollte. Das Gebet hat, ohne irgendwelche andern Mittel, die starken Mauern Jerichos niedergerissen, das Gebet hat das Meer geteilt, dass seine Wellen nicht an die Israeliten kommen konnten. Nach unserer Psalmstelle soll der treue Beter Errettung aus den größten Gefahren erleben. Kein Unglück dieser Welt, keine Not des Lebens, kein Schrecken des Todes soll ihn mit sich fortraffen, ihn von Gott losreißen und ins Verderben ziehen. Thomas Playfere 1604.

Die Leiden der Gläubigen werden mit Wasserfluten verglichen. Feuer und Wasser kennen kein Erbarmen, sagen wir im Sprichwort. Aber von den beiden ist das Wasser doch noch das Schrecklichere. Denn Feuer kann man doch mit Wasser löschen; aber die Gewalt des Wassers kann keine Menschenmacht, wenn es einmal wird geworden ist, dämpfen und zurückdrängen. Es heißt aber: große oder viele Wasserfluten. Wie die Wasserwogen eine über die andre hereinstürzen, so kommt auch, nach unserm alltäglichen Sprichwort, ein Unglück selten allein. Thomas Playfere 1604.

Da wir auf dem flachen Land die furchtbare Gewalt der Gebirgswasser nicht kennen, fehlt uns für manche der packendsten Bilder des Alten und Neuen Testaments oft das volle Verständnis. W. J. Conybeare 1856.

Der Gläubige mag wohl, wie Paulus (Apg. 27,41 ff.; 2.Kor. 11,25), Schiffbruch leiden und Tag und Nacht in der Tiefe des Meeres zubringen: aber umkommen wird er, wie auch dieser, doch nicht in den großen Wasserfluten. Mögen sie noch so heftig toben, sie sind in Gottes Gewalt. Vergl. Mk. 4,37-41. John Trapp † 1669.

An dieselbigen. Wir möchten auf dies Wort Nachdruck legen und damit dem Einwand begegnen: Viele heilige Männer haben doch ihre Güter verloren, große Qualen an ihrem Leibe erduldet, sind selbst in ihrem Gemüt schwer geängstigt worden; wie kann es denn heißen, die Wasserfluten seien nicht an sie gelangt? Wir antworten mit dem Hinweis auf das, was der heidnische Philosoph Anaxarchus , als er von dem tyrannischen König Nikokreon von Salamis verurteilt worden war, in einem Mörser zu Tode gestampft zu werden, zu dem Schergen sagte: "Schlag und stampfe, solang du willst, auf des Anaxarchus Rücken oder seinen "Sack" (so nannte er seinen Leib), den Anaxarchus kannst du doch nicht treffen." Aber besser noch ist’s, wir weisen auf das treffliche Wort Augustins († 430) hin: "Woher kommt es, dass die Seele stirbt? Weil (d. h. wenn) sie keinen Glauben hat. Woher kommt es, dass der Leib stirbt? Weil die Seele nicht mehr in ihm ist. Darum ist die Seele (das Leben) deiner Seele der Glaube." Ja, die großen Wasserfluten mögen wohl an die Güter eines gläubigen Mannes, an seinen Körper und an seinen Verstand kommen; aber an seinen Glauben, das ist, an ihn selbst, können sie nicht gelangen. Thomas Playfere 1604.

V. 7. Du bist mein Schirm usw. Unter dem Schutz der Hand, die einst so schwer auf mir lag, kann ich nun sicher ruhen. Du bist mein Versteck; ich scheue dich nicht mehr, sondern suche bei dir Zuflucht. In deiner Liebe bin ich wohl geborgen, was für Trübsal mein auch warte gemäß dem, was du mir durch Nathan hast verkündigen lassen, ich werde dennoch erhalten bleiben. Ja noch mehr: Du wirst mich so herrlich aus aller Drangsal erretten, dass ich dir fröhliche Dankeslieder singen und über deine gnädige Durchhilfe jubeln werde. James Harrington Evans † 1849

David sagt nicht nur: Du bist ein Schirm, sondern: Du bist mir ein Schirm. Darin liegt die Schönheit unseres Textes. "Der Herr ist mein", sagt David, "ich habe sein Heil ergriffen. Ich habe als Sünder meine Zuflucht zu seiner Liebe und seinem Erbarmen genommen, ich habe mich unter den Flügeln des allmächtigen Erlösers geborgen; so bin ich nun sicher." Welch himmelweiter Unterschied ist doch zwischen dem Herzensglauben, der sich das Heil persönlich aneignet, und dem Kopfglauben, der die Wahrheiten des Wortes Gottes nur zu einem Gegenstand spekulativen Denkens macht. Sieh dort jenen Wanderer, der auf öder, dem Wind und Wetter schutzlos preisgegebenen Heide von einem Ungewitter überrascht wird. Er sieht sich nach einer Zufluchtsstätte um. Wenn seine Augen nun einen Ort entdeckten werden, wo er sich vor der Wut der Elemente bergen kann, bleibt er dann wohl ruhig stehen und sagt: "Da ist ja ein Bergungsort; darum kann ich bleiben, wo ich bin?" Geht er nicht alsbald dorthin? Eilt er nicht, so schnell er kann, dem Sturm und Regen zu entfliehen? Ein Schutz und Schirm war jene Zufluchtsstätte längst; aber sein Schirm wurde sie erst, als er hinlief und sich dort barg. Wäre er nicht hingegangen, so hätte das schützende Obdach, und wenn hundert andere Wanderer sich dort geborgen hätten, ihm so wenig genützt, als wenn der Zufluchtsort gar nicht da gewesen wäre. Wer würde nicht sogleich an diesem einfachen Bilde erkennen, dass die Segnungen des Evangeliums ihre Kraft nur dann erweisen, wenn man sie sich persönlich zueignet? Der Name des Herrn ist ein festes Schloss; der Gerechte läuft dahin und wird beschirmt (Spr. 18,10) Fountain Elwin 1842

Du wirst mich vor Angst behüten, dass ich errettet gar fröhlich rühmen kann. Gott kann seine Kinder mit solcher Standhaftigkeit ausrüsten und seine bewahrende und errettende Gnade so erfahren lassen, dass Dinge, die andere mit Entsetzen und Angst erfüllen, sie nicht schrecken. Wohl ließ Gott es zu, dass Daniel in die Löwengrube geworfen wurde; aber er hielt durch seinen Engel den Löwen den Rachen zu, dass sie Daniel kein Leid tun konnten (Dan. 6,23). Wohl wurden die drei Männer gebunden in den glühenden Ofen gestürzt; aber der Herr war mit ihnen, er löste ihre Bande und ließ das Feuer keine Macht an ihrem Leibe beweisen (Dan. 3). Stephanus wurde durch den Blick auf seinen erhöhten Erlöser so erquickt, dass sein Sterben, trotzdem man ihn so grausam zu Tode steinigte, ein sanftes Einschlafen war, dem ein herrliches Erwachen unter Rettungsjubel folgte. Und so lesen wir von manchen Blutzeugen, die von ihren Todesqualen weniger erschüttert waren als ihre Henker. Sie wurden vor Angst behütet. D. John Donne † 1631.

Am Schluss dieses Verses schwingt David sich zu einer noch höheren Stufe des Glaubens auf. Gott wird ihn nicht nur vor Angst behüten, sondern mit Rettungsjubel umgeben (Grundt.) Statt der Drangsal wird ihn die rettende Gnade auf allen Seiten umringen. Wende du nun auch diese Sprache des Glaubens auf dich an, wie David sagt: Dass ich errettet gar fröhlich rühmen kann. Erkenne nicht nur Gottes Güte gegen andere, gegen einen Abraham, Isaak und Jakob, einen Noah oder Daniel oder David, sondern auch die dir selber widerfahrene Barmherzigkeit, wie Paulus sagt: Der mich geliebt hat und sich selbst für mich hingegeben (Gal. 2,20). Das wird dich im Glauben und in der dankbaren Liebe mächtig fördern Thomas Taylor 1617.

Wohl sind wir in dieser Welt ringsum von Angst umgeben (Joh. 16,33); aber lasst uns doch auch beachten, wie wir ebenso ringsum von Heil und Gnade eingeschlossen sind. Wir werden von allen Seiten angegriffen, aber auch von allen Seiten durch Gottes mächtigen Arm verteidigt. Darum sollte auch von jeder Saite unserer Seele Gottes Lob erklingen. Archibald Symson 1638.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps32

Beitragvon Jörg » 18.04.2020 12:30

Erläuterungen und Kernworte

V. 8. Ich will dich unterweisen und dir den Weg zeigen, den du gehen sollst , auf dem ich dich haben will. Du bittest, ich soll dich erlösen; lass dir nicht leide sein, lehre du mich nicht, lehre dich auch nicht. Lass mir dich, ich will dir Meisters genug sein, ich will dich führen den Weg, auf dem du mir gefällig wandelst. Dir scheint, es sei verderbt, wenn es nicht geht, wie du denkst; dein Denken ist dir schädlich und hindert mich. Es muss gehen, nicht nach deinem Verstand, sondern über deinen Verstand; senke dich in Unverstand, so gebe ich dir meinen Verstand. Unverstand ist der rechte Verstand; nicht wissen, wohin du gehst, das ist recht wissen, wohin du gehst. So ging aus Abraham von seinem Vaterland und wusste nicht, wohin (Hebr. 11,8). Er gab sich in mein Wissen und ließ fahren sein Wissen und ist den rechten Weg an das rechte Ende gekommen. Siehe, das ist der Weg des Kreuzes, den kannst du nicht finden, sondern ich muss dich führen wie einen Blinden; darum nicht du, nicht ein Mensch, nicht eine Kreatur, sondern ich, ich selbst will dich unterweisen durch meinen Geist und Wort den Weg, auf dem du wandeln sollst. Nicht das Werk, das du erwählest, nicht das Leiden, das du erdenkst, sondern das dir wider dein Erwählen, Denken, Begierden zukommt, da folge; da rufe ich, da sei Schüler, da ist es Zeit, dein Meister ist da gekommen, da sei nicht ein Pferd oder unvernünftig Tier. Folgst du mir und verlässt dich, siehe also denn: Ich will dir mit meinen Augen winken . Will dich nicht lassen, du sollst nicht versinken, will dein nicht vergessen. Deine Augen sollen zu sein über dich, währenddessen meine Augen offen sind über dich. Hast du nicht gelesen: Die Augen Gottes sind offen über die Frommen, Ps. 34,16 ? Und der Berg Morija heißt: Dominus videbit, der Herr sieht (1. Mose 22,8.14), ohne Zweifel, dass ich alleine es sehen soll, gleichwie ich da Abraham versahe, darinnen er sich gar nichts versahe. Das ist kürzlich nichts anders, denn einen rechten, einfältigen Glauben und festes Vertrauen, Zuversicht, Hoffnung will Gott von uns haben. Darum wird in diesen Worten nicht mit Namen der Glaube, Hoffnung, Demut, Geduld, sondern was derselben Tugend Art und eigentliche Natur ist, ausgedrückt. Viel sind, die von Tugenden schreiben, mehr die Namen preisen, als ihre Natur anweisen. Martin Luther 1525.

Diese dreifache Zusicherung Gottes: Ich will dich unterweisen, dir den Weg zeigen und dich mit meinen Augen leiten , lehrt uns auch drei Eigenschaften eines guten Seelsorgers. Er soll erstens seine Pflegebefohlenen in dem Weg zur Seligkeit unterweisen, zweitens ihnen auf diesem Wege vorangehen und drittens über ihnen und über ihren Wegen wachen. Archibald Symson 1638.

Wir können alle Gnadenerweise als Lichtstrahlen aus Gottes Auge ansehen. Der wird von Gottes Auge geleitet , wer sich durch die Liebesbeweise seines Schöpfers zu diesem hinziehen lässt. Aber wehe uns, wenn wir uns dieser sanften Leitung weigern; denn dann zwingen wir Gott, uns mit Zaum und Gebiss zu bändigen. Wenn wir Gottes Gnade missbrauchen, wenn wir den Geber aller guten Gaben vergessen und ihm nicht dankbar die Ehre erzeigen, die ihm gebührt, so nötigen wir ihn, uns, eben weil er uns liebt, mit Unglück und Not heimzusuchen. Darum murre nicht darüber, wenn dir viel Trübsal beschieden ist, sondern bedenke, wie viel du dir davon durch Eigenwillen und Undankbarkeit zugezogen haben magst, und achte fortan besser auf die sanften Züge deines Gottes. Henry Melvill 1837.

V. 9. Seid nicht wie Rosse und Maultiere, die nicht verständig sind. Wie viele jagen wie toll dahin in wüsten Wolllüsten und sind unvernünftiger als die Tiere! An gar manchen Stellen vergleichen die Propheten das unbändige Geschlecht ihrer Tage mit Tieren. Vergl. z. B. Jer. 2,24 und Ps. 49,21 . Gott hat dem Menschen die Vernunft gegeben; aber wenn die fleischlichen Lüste seine Sinne gefangen nehmen, rennt er wie wahnsinnig in sein Verderben. Würde Gott nicht manchen straff im Zaum halten, so würde er seinen Verstand wie einen Halfter abwerfen und alle Gesetze der Natur mit Füßen treten. Thomas Adams 1614.

Die alten Ausleger haben diese Worte auf allerlei Weise allegorisch gedeutet. Sie sagen z. B., das Pferd und das Maultier lasse jeden geltet aufsitzen und lasse sich jede Last gefallen. Sie fragten nicht danach, ob ihr Reiter ein Edelmann oder ein Bauer sei und ob sie Gold zur königlichen Schatzkammer oder Rüben auf den Markt zu tragen hätten. Eben so gleichgültig sei es dem gewohnheitsmäßigen Sünder, ob er zu seinem Vergnügen sündige oder des Vorteils halber oder aber nur anderen zur Gesellschaft: Er sündigt eben. Zum Maultier bemerken sie, dass der eine Teil seiner Eltern von unedlerer Art sei als der andere, es aber dem niedrigeren Teil ähnlicher sei als dem edleren, mehr vom Esel als vom Pferd an sich habe und so, finden sie, trügen auch alle unsere Gedanken und Handlungen mehr das Gepräge unserer unedlen Mutter, der Erde, als des Himmels. Die Alten sind in ihren Vergleichen - wir könnten noch manche anführen - weit gegangen, und doch hätten sie noch weiter gehen können, denn wer darlegen will, worin das unvernünftige Tier und der Sünder einander ähnlich sind, hat Spielraum genug. Und oftmals wird es so herauskommen, dass das Tier besser ist als der sündenbetörte Mensch. D. John Donne † 1631.

Warum ist doch ein Beinbruch bei einem Pferde unheilbar, dahingegen bei einem Menschen so leicht zu heilen? Das Pferd hat zu wenig Verstand , um sich dem Tierarzt zu überlassen. Wenn man ihm das Bein auch einrichtet, schlägt und stampft es und wirft es sich umher, bis es durch seinen tollen Eifer das Glied wieder ausgerenkt hat; denn es sieht den heilsamen Verband für eine Fessel an. Der Mensch dagegen überlässt sich willig dem Wundarzt und ist lieber kurze Zeit ein Gefangener, als lebenslang ein Krüppel. D. Thomas Fuller † 1661.

V. 10. Wer auf den Herrn hoffet, den wird die Güte umfangen : Wie wir von der Luft oder vom Sonnenschein umgeben sind. Er wird überall Güte und Freundlichkeit finden, daheim und draußen, bei Tag und bei Nacht, in Gesundheit und Krankheit, im Leben und Sterben, in Zeit und Ewigkeit. Albert Barnes † 1870.

"Merke du den Vers gut", sagte ein ehrwürdiger Greis, Richard Adkins, zu seinem Enkel, der ihm den 32. Psalm vorlas "Merke du das Wort: Wer auf den Herrn traut (wörtl.), den wird die Güte umfangen . Ich habe es in meiner Jugend gelesen und geglaubt; und nun ich es in meinem hohen Alter lese, weiß ich, dem Herrn sei Dank, dass es wahr ist. Ja, mein Kind, es ist ein köstlich Ding, mitten in den Freuden und Trübsalen der Welt auf den Herrn zu trauen" The Christian Treasury 1848.

V. 11. Die Ermahnung dieses Verses enthält drei Teile. Erstens, wozu aufgefordert wird: zur Freude; zweitens, wer sich freuen soll: die Gerechten und Frommen; drittens, was der Gegenstand ihrer Freude sein soll: der Herr . Und dreimal erfolgt die Aufforderung zur Freude, was uns darauf hinweisen mag, dass wir zu den geistlichen Dingen gar träge sind. Man beachte auch, dass die Ausdrücke sich (im Grundt.) steigern: Freut euch, frohlockt, jauchzt. Die geistliche Freude mehrt sich in der Tat stetig Archibald Symson 1638.

Es hat noch nie einen wahrhaft fröhlichen Menschen auf Erden gegeben außer den Gläubigen. Oder meinst du, die wilde Lust der Sünde sei Freude zu nennen? Ach, das sind Teufelsfreuden. Oder willst du behaupten, die Menschen ergötzen sich doch an vollen Scheunen und goldgespickten Beuteln? Das ist des Narren Freude (vergl. Lk. 12,20). Oder soll das Freude sein, wenn sie vom Wein toll werden? Ja, das ist eines Tollhäuslers Freude. Lies und glaube, was der Prediger, besonders Kap. 2,1-11 , aber überhaupt in seinem ganzen Buche, über die Genüsse der Erde sagt. Da findest du die beste Philosophie über diesen Gegenstand, die es je gegeben hat. Christopher Fowler † 1678.

Freut euch. Wenn ein fleischlich gesinnter Mensch das liest, denkt er wohl: Das ist ein Wort für mich. Aber er wird arg enttäuscht, wenn er weiter liest: des Herrn. Da lässt er bald das Wort fahren. Dahingegen andere, die von den stürmischen Wogen des Lebens hin- und hergeworfen werden und eben darum das Wort: Freuet euch, an sich vorübergleiten lassen, als ginge es sie nichts all, alsbald fest zugreifen, wenn sie lesen: Freuet euch des Herrn. Henry Airay † 1610.

Jubelt. Als der Dichter Carpani seinen Freund Haydn († 1809) fragte, woher es komme, dass dessen Kirchenmusik einen so fröhlichen Charakter habe, gab der große Komponist die schöne Antwort: "Ich kann nicht anders. Ich schreibe meine Musik nach den Gedanken, die ich empfinde. Wenn ich an Gott denke, wird mein Herz so voller Freude, dass die Noten mir gleichsam aus der Feder hüpfen und tanzen. Und da Gott mir solch ein fröhliches Herz gegeben hat, wird er mir’s wohl verzeihen, dass ich ihm mit einem fröhlichen Sinn diene." John Whitecroß.

Homiletische Winke

Ps. 1; 32; 41: drei Psalmen, die mit Seligpreisung beginnen. Vom Erforschen des göttlichen Wortes (Ps. 1) durch die selige Erfahrung der Gnade (Ps. 32) zu einem Leben der Liebe (Ps. 41,1)

V. 1. Glückseligkeit 1) Die natürliche Beschaffenheit dessen, dem hier die Seligkeit zugeschrieben wird 2) Die Art des Glücks, von dem die Rede ist 3) Das Mittel, wodurch diese Glückseligkeit den Menschen zugänglich gemacht worden ist. 4) Wie jeder Einzelne ihrer teilhaftig werden kann.
V. 1.2. Das Wesen der Sünde (Übertretung, Sünde, Missetat) und der Begnadigung (vergeben, bedecken, nicht zurechnen)
V. 2. Die Nichtzurechnung der Sünde - eine wunderbare Lehre. Erweise und erkläre sie aus der Schrift und zeige ihren hohen Wert.
Kein Falsch. Aufrichtigkeit die Voraussetzung und die Frucht der Begnadigung
V. 3. Das Verschweigen der Gewissenspein. Furcht und Verzweiflung führen leicht dazu; doch ist es höchst gefährlich. Mittel, dem bedrückten Herzen Luft zu machen. Ermunterung dazu. Der Gnädige, der darauf wartet, das reumütige Bekenntnis zu vernehmen.
Keine Pein ist größer als die Seelenqual dessen, der seinen Kummer in sich verschließt.
V. 3.4. Die Qualen, die sich der Mensch bereitet, der den sanften Zügen der Gnade nicht folgt.
V. 4. Die Pein des erwachten Gewissens: Sie nagt Tag und Nacht, ist von Gott gewirkt, wird unerträglich, schwächt und bringt schließlich um, wenn es nicht zu einem reumütigen Bekenntnis kommt.
V. 4b. Geistliche Dürre.
V. 5. Die beseligenden Folgen eines vollen Geständnisses, oder: Bekenntnis und Schulderlass in ihrem Zusammenhang nach der Lehre der Schrift.
V. 6a. Die Erfahrung des einen - die Ermunterung vieler.
Die Gnadenzeit und wie man sie ausnutzen soll.
V. 6. Die Vergebung der Sünden ein Angeld weiterer Segnungen
V. 6b. Große Not, noch größere Hilfe.
Die Unverletzbarkeit der Gläubigen.
V. 7. Auch der Christ kommt in Gefahr; doch kennt er die sichere Zuflucht, ergreift von ihr Besitz (mein Schirm) und kann sich der Errettung freuen.
Christus unser Schirm oder Bergungsort vor der Sünde, dem Teufel und den Drangsalen des Lebens, ebenfalls auch im Tod und im Gericht.
V. 7b. Ängste (Drangsale), vor denen der Gläubige behütet wird.
V. 7c. Mit Rettungsjubel wirst du mich umgeben. (Grundt.) Jubel über die Errettung von dem Schuldbann, der Hölle, dem Tod, den Zweifeln, den Versuchungen und unzähligen Gefahren.
V. 8. Der göttliche Lehrmeister, seine Schüler, ihre Aufgaben, ihre Strafen und Belohnungen.
V. 9. Gottes Zaum und Zügel. Die Unvernünftigen, die sie nötig haben, und weshalb wir nicht zu diesen gehören sollen.
Inwiefern sind wir besser oder schlimmer als die Rosse und Maultiere?
V. 10. Die vielen Plagen, die die Sünde bringt; die Güte, die die Gläubigen, auch in aller Not des Lebens, umfängt.
Das schmerzenreiche Los der Gottlosen und das gnadenreiche Los der Gläubigen, schon in dieser Zeit und später.
V. 11. Die Freude der Gläubigen. Ihre Quelle: der Herr. Ihre Fülle: freuet euch - frohlocket - jauchzet. (Grundt.) Ihre Angemessenheit: Sie ist in Gottes Wort geboten. Ihre seligen Wirkungen und ihre überreichlichen Ursachen.
Die ihr redlichen Hetzens seid (Grundt.); eine lehrreiche Beschreibung der aufrichtig Frommen.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

Jörg
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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps33

Beitragvon Jörg » 21.04.2020 14:56

PSALM 33 (Auslegung & Kommentar)



Überschrift

Überschrift oder Angabe des Verfassers suchen wir bei diesem Lobpsalm vergeblich. Es mag uns das, wie Dickson († 1662) bemerkt, ein Fingerzeig sein, die heilige Schrift mehr um des überall aus ihr hervorleuchtenden Geisteszeugnisses willen und nicht so sehr wegen ihrer Verfasser zu schätzen.

Inhalt und Einteilung

Das Lob Jahwes ist der Gegenstand dieses heiligen Liedes. Die Gerechten werden ermahnt, den Herrn zu preisen, V. 1-3: und zwar wegen seines herrlichen Wesens, V. 4. 5, und seiner in der Schöpfung sich offenbarenden Majestät, V. 6. 7 . Die Menschheit wird aufgefordert, sich vor Jahwe zu scheuen, weil seine Ratschlüsse sich so machtvoll in der Geschichte erfüllen, V. 8-11. Gottes Volk wird selig gepriesen, V. 12 . Die Allwissenheit und Allmacht des Herrn und seine Fürsorge für sein Volk werden im Gegensatz zu der Schwäche des fleischlichen Arms verherrlicht, V. 13-19. Der Psalm schließt mit einem inbrünstigen Bekenntnis des Gottvertrauens, V. 20. 21, und einer ernstlichen Bitte, V. 22.

Auslegung

1. Freut euch des Herrn, ihr Gerechten;
die Frommen sollen ihn preisen.
2. Dankt dem Herrn mit Harfen,
und lobsingt ihm auf dem Psalter von zehn Saiten;
3. singt ihm ein neues Lied;
macht’s gut auf Saitenspiel mit Schalle.

1. Freut euch des Herrn, wörtl.: Jauchzt (jubelt) über den Herrn . Freude ist die Seele des Lobgesangs. Haben wir unsre Lust an dem Herrn, so preisen wir ihn eben damit in Wahrheit, selbst wenn kein Laut über unsere Lippen kommt. Dass Gott ist, und dass er ein solcher Gott ist und unser Gott, unser auf immer und ewig, das sollte in uns nie versiegende, ja übersprudelnde Freude erwecken. Sich an zeitlichen Gütern ergötzen, ist gefährlich; sich an sich selber ergötzen, ist töricht; sich an der Sünde ergötzen, ist verderblich; aber an Gott sich ergötzen, das ist wahre, ewige Himmelslust. Wer einen doppelten Himmel haben möchte, muss hier auf Erden anfangen, solche Freude zu hegen, wie die Seligen droben sie genießen. Dies ist sonderlich eure Pflicht, ihr Gerechten . Ihr habt größere Dankesschulden dem Herrn gegenüber auf euch lasten und eure geistliche Natur ist für solches Werk besser geschickt; so seid denn die ersten in dem seligen Dienst! Auch die Gerechten sind nicht allezeit fröhlich und haben es nötig, dass sie aufgemuntert werden, ihre Vorrechte zu gebrauchen. Die Frommen sollen ihn preisen, wörtl.: Den Rechtschaffenen ziemt Lobgesang. Gott hat ein Auge für das, was sich ziemt . Wenn die Heiligen das Feierkleid des Lobgesangs tragen, sind sie schön in Gottes Augen. Zur goldnen Harfe passt nur eine reine, im Blut der Versöhnung gewaschene Hand. Kein Schmuck ziert ein gottgeweihtes Antlitz so, wie heiliger Lobpreis. Es verstößt wider allen Anstand, wenn erhabene Lobgesänge von den Lippen solcher ertönen, denen die Singkunst zu einem Gewerbe herabgesunken ist und die vielleicht heute die Arie "Ich weiß, dass mein Erlöser lebt" mit demselben Pathos vortragen, wie morgen ein Lied aus des Teufels Dichterwerkstatt. Ein geistliches Lied in ihrem Munde passt so gut wie ein goldner Ring im Rüssel eines Schweins (Spr. 11,22). Verdrehte Herzen machen verdrehte Musik; aber an den Rechtschaffenen hat Gott sein Wohlgefallen. Lobgesänge sind das Gewand der Heiligen im Himmel: Es ist nicht mehr als billig, dass sie es hier auf Erden schon sich anpassen.

2. Dankt dem Herrn mit Harfen. Die Menschen haben jede Hilfe, die sie nur erlangen können, nötig, um sie zum Preise Gottes anzureizen: das ist’s, was wir daraus lernen können, dass im alttestamentlichen Gottesdienst Musikinstrumente verwendet wurden. Israel war in der Abc-Schule und hatte allerlei kindische Dinge nötig, ihm beim Lernen zu helfen; in unsern Tagen, da Jesus uns zum geistlichen Mannesalter führt, bedürfen wir der Saiten und Pfeifen nicht, um dem Herrn zu singen und zu spielen. Wir halten nicht dafür, dass diese Dinge dem Gottesdienst förderlich seien, da wir die Sorge haben, sie möchten die edle Einfachheit und Einfalt schädigen; aber wir behaupten keineswegs, dass sie unerlaubt seien, und wenn ein Luther oder ein Bach oder Händel den Herrn mit Hilfe der wohl gestimmten Laute oder Orgel besser preisen können, wer will ihnen ihr gutes Recht bestreiten? Wir bedürfen der Musik im Gottesdienste nicht, sie würde uns im Preis des Herrn eher hindern als fördern; aber wenn andere in diesem Stück anders gesinnt sind, leben sie nicht in der evangelischen Freiheit? Lobsingt (spielt) ihm auf dem Psalter von zehn Saiten. Dem Herrn gebührt volltönendes Lob , denn alle Töne sind sein und die ganze Tonkunst gehört ihm zu. Wo, wie in unserm Verse, verschiedene Musikinstrumente erwähnt werden, wollen wir daraus lernen, unsern Gott zu preisen mit allen Kräften, die wir besitzen.

3. Singt . Das ist die beste, lieblichste Musik. Kein Instrument ist der menschlichen Stimme ebenbürtig. Nur zur Unterstützung des Gesanges dürfen Instrumente geduldet werden, denn Harfensaiten und Orgelpfeifen preisen den Herrn nicht. -- Singet ihm ein neues Lied. Alle Lobgesänge sollten "ihm" geweiht sein. Singen um des Singens willen ist in Gottes Haus nichts wert; wir sollen unseren Tribut dem König darbringen und ihn nicht in den Wind streuen. Beachten das die meisten Kirchgänger wohl? Alle unsere Fähigkeiten sollten in Tätigkeit sein, wenn wir damit beschäftigt sind, den Herrn zu loben, so dass wir nicht gedankenlos in ausgefahrenen Geleisen einhergehen; wir sollten jeden Lobgesang zu einem neuen Lied machen. Die Gottesdienste stets frisch und lebendig zu erhalten, ist eine hochwichtige Sache; und soll unsere Andacht im Kämmerlein rechter Art sein, so muss es uns jeden Tag etwas Neues sein, den Herrn zu loben. Lasst uns nicht alten, abgenutzten Lobpreis dem Herrn darbringen, sondern in jeden Gesang unser Leben, unser ganzes Gemüt und Herz hineinlegen, da wir ja täglich neue Gnaden empfangen und täglich neue Schönheiten in dem Werk und Wort unsers Gottes entdecken. Machet’s gut. Es ist ganz unausstehlich, Gott in nachlässiger Weise preisen zu hören. Er verdient das Beste, was wir nur bringen können. Jeder Christ sollte sich, der Einfalt unbeschadet, bestreben, so weit nach den Regeln der Kunst zu singen, dass er in Takt und Melodie mit der Gemeinde übereinstimmt. Die lieblichsten Weisen und die schönsten Stimmen samt den herrlichsten Worten, es ist doch alles zu gering für unseren großen Gott; lasst uns nicht holprige Reime, in hart klingende Musik gesetzt und von misshelligen Stimmen gekreischt statt gesungen, dem Herrn als Opfer darbringen! Macht’s gut auf Saitenspiel mit Schalle. Man sollte es unserm Gottesdienst anmerken, dass er von Herzen kommt. Allzu feines Flüstern ist hier nicht fein. Nicht, als ob der Herr schwerhörig wäre; aber großer Freude ist es natürlich, sich kräftig zu äußern. Die Volksscharen jauchzen beim Anblick ihres irdischen Königs; sollen wir dem Sohne Davids kein lautes Hosianna bringen?
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

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Beitragvon Jörg » 25.04.2020 12:37

4. Denn des Herrn Wort ist wahrhaftig,
und was er zusagt, das hält er gewiss.
5. Er liebt Gerechtigkeit und Gericht.
Die Erde ist voll der Güte des Herrn.

4. Denn des Herrn Wort ist wahrhaftig (buchstäblich: gerade, d. i. rechtschaffen). Alles, was Gott redet, entspricht genau seinen Gedanken und seinem Willen. Gott ist der Gute: Darum muss auch alles, was er verordnet hat, gut, gerecht und vortrefflich sein. Es gibt nichts Verkehrtes und Schiefes im ganzen Weltall, außer was die Sünde hineingebracht hat: Des Herrn Wort hat alles gut geschaffen. Der vorliegende Vers beleuchtet aber speziell die Verheißungsworte Gottes. Sie sind redlich gemeint, das wird durch die tausendfältige Erfahrung der Gotteskinder bestätigt. Wenn wir diese Wahrhaftigkeit der Gottesworte betrachten, wie viel Grund haben wir da zu der Freude und dem Lobpreis, wozu uns die ersten Verse aufgemuntert haben! Und all sein Tun (vollzieht sich) in Treue. (Grundt.) Seine Werke sind der Ausfluss seiner Worte und sind diesen treu. Wie seine Worte mit seinen Gedanken, so stimmen seine Taten vollständig mit seinen Worten überein, wie es Luthers freie Übersetzung ausdrückt: Was er zusagt, das hält er gewiss . Er ist ein Fels. Vollkommen ist sein Tun: denn recht sind alle seine Wege. Ein Gott der Treue und ohne Falsch, gerecht und redlich ist er. (5. Mose 32,4 .) Was für einem herrlichen Gott dienen wir! Je besser wir ihn kennen lernen, desto anbetungswürdiger wird er uns in seinen Gedanken, Worten und Taten. Selbst wo er uns mit Trübsal heimsucht, bestätigt sein Tun die Wahrheit seines Wortes und die Lauterkeit seiner Liebesgedanken.

5. Er liebt Gerechtigkeit und Gericht (besser: Recht). Seine Wege von alters her beweisen das; denn sein ganzes Verhalten ist Gerechtigkeit und mit unverbrüchlicher Treue hält er ob dem Recht. Er stimmt dem Wahren und Rechten nicht nur zu, sondern sein innerstes Wesen hat seine Lust daran. Gottes Wesen ist ein Meer, von dem jeder Tropfen den Seinen ein Quellbrunn der Freude und des Preises werden sollte. Vor allem ist die Gerechtigkeit Jesu dem Vater teuer und um ihretwillen hat er Gefallen an denen, die mit ihr geziert sind. Anderseits ist die Sünde dem Herrn in einem für uns unermesslichen Grade verhasst und darum wehe denen, die in ihr sterben; wenn er in ihnen keine Gerechtigkeit findet, wird er an ihnen nach seiner unverbrüchlichen Gerechtigkeit handeln, und sie werden seine Liebe zum Recht als Gerichtseifer erfahren. Die Erde ist voll der Güte des Herrn. Kommt her, ihr Sternkundigen, ihr Geologen, ihr Naturforscher, ihr Pflanzenkenner, ihr Chemiker, ihr Schatzgräber der Erde, ja ihr alle, die ihr die Werke des Herrn erforscht; denn alles, was ihr Glaubwürdiges zu berichten habt, bestätigt diesen Satz. Von der Mücke, die im Sonnenstrahl spielt, bis zum Walfisch, der den Ozean durchquert, preisen alle Geschöpfe die Güte dessen, der sie geschaffen hat. Selbst die unwegsame Wüste schimmert von Erweisungen der Güte Gottes, die kein Menschenauge entdeckt, und die Tiefen der See bergen Schätze der göttlichen Liebe. Die Erde könnte ebenso gut des Schreckens wie der Güte Gottes voll sein; statt dessen ist sie bis zum Überfließen voll von Erweisen der Liebe und Barmherzigkeit. Wer für diese Güte Gottes kein Auge hat, trotzdem er in ihr lebt wie der Fisch im Wasser, ist des Todes würdig. Bezeugen aber schon die Naturwohltaten Gottes so tausendfältig seine Huld, wie herrlich wird sie sich dann an den Seinen entfalten! Und wenn die Erde schon der Güte Gottes voll ist, was muss es um den Himmel sein, wo alle Strahlen der göttlichen Gnade zusammentreffen!

6. Der Himmel ist durchs Wort des Herrn gemacht,
und all sein Heer durch den Geist seines Mundes.
7. Er hält das Wasser im Meer zusammen wie in einem Schlauch,
und legt die Tiefen in das Verborgne.

6. Der Himmel ist durchs Wort des Herrn gemacht. Die Himmel (im Hebr. stets in der Mehrzahl): Der Wohnort sowohl der Engel als auch der Sternenhimmel und die saphirblaue Feste, die sich über der Erde wölbt, sie sind durch ein Wort ins Dasein gerufen. Ja, durch das Wort; denn ohne dasselbe ist nichts entstanden von alle dem, was jetzt als Entstandenes da ist (Joh. 1,3). Es ist beachtenswert, dass im folgenden Satze der Geist erwähnt wird: Im Alten Testament ist die im Neuen erschlossene Offenbarung der Dreieinigkeit Gottes schon im Keim enthalten. Und all sein Heer durch den Geist, wörtl.: den Hauch, seines Mundes. Wie leicht ist es für den Herrn, die gewaltigsten Weltkörper sowie die herrlichsten Engel zu schaffen! (Denn auf beides, das Heer der Gestirne und das Heer der himmlischen Geister, bezieht sich vielfach in der Schrift das Wort Heer; man vergl. den Gottesnamen Herr der Heerscharen.) Es ist für Gott so leicht, ein Weltall zu schaffen, wie es für den Menschen ist, einen Hauch auszustoßen; nein, viel leichter, denn der Mensch atmet nicht aus eigner Kraft, sondern borgt den Odem seiner Nase von seinem Schöpfer. Wir mögen aus unserm Verse auch entnehmen, dass der Bestand aller Dinge durch die unendliche Weisheit geordnet ist; des Herrn Wort kann nämlich auch bedeuten: seine Festsetzung und Bestimmung. Die ganze Schöpfung ist durch das weise und gnadenreiche Wort des Herrn geordnet und durch den lebendigen Geist belebt worden und wird bis auf den heutigen Tag durch diese Kräfte erhalten.

7. Er sammelt die Gewässer des Meeres wie zu einem Haufen.1 Einst waren die Wasser zerteilt wie Korn, das auf die Tenne gestreut ist; jetzt sind sie wie zu einem Haufen an einen Ort gesammelt. (1. Mose 1,9 f.) Wer anders hätte sie so in ein Bett leiten können, als ihr erhabener Gebieter, auf dessen Geheiß die Wasser flohen? Der Ausdruck erinnert an die Erzählung von dem Wunder am Roten Meer (vergl. 2. Mose 15,8; Ps. 78,13), obwohl hier von der Schöpfung und Erhaltung2 der Welt im Allgemeinen die Rede ist. Jenes Wunder vom Schilfmeer wiederholt sich eben gewissermaßen Tag für Tag in der Natur; denn die See, die jetzt unter dem Einfluss des Mondes und der Sonne den Strand überflutet, würde das Festland gar bald verschlingen, wenn sie nicht durch die göttliche Bestimmung in ihren Grenzen gehalten würde. Und legt die Tiefen (die brausenden Wasserfluten) in das Verborgne, wörtlich: in Vorratskammern . Die Gründe des Meeres sind Gottes große Keller und Speicher, worin er das ungestüme Element verwahrt, so dass es uns nicht verderblich wird. (Vergl. Hiob 38,8 ff.: Jer. 5,22 .) Desgleichen sind, woran die Rabbiner bei unserem Verse denken, in dem Innern der Erde mächtige Wasserbehälter, aus denen unsere Quellen und Brunnen gespeist werden. Welch gnädige Fürsorge für ein so dringendes Bedürfnis! Bezieht sich der Text nicht auch vielleicht auf die Wolken3, diese reichen Vorratskammern von Regen und Schnee, aus denen die Landschaften der Erde so gütig versorgt werden? Nicht in Plunderkammern, sondern in Vorratskammern, also zum künftigen Gebrauch, sind diese Wassermassen aufgehäuft. Reiche, zarte Sorgfalt gibt sich in der Fürsorge unseres himmlischen Joseph zu erkennen, dessen Speicher schon gefüllt sind für die Zeiten, da die Erde unter Dürre seufzt. Diese Schätze könnten, wie einst bei der Sintflut, Kriegsvorräte der Rache sein, und je und je müssen sie auch heute noch zu Gottes Strafgerichten dienen; in der Regel aber stehen sie im Dienst des großen Verpflegungsamtes der Schöpfergüte.

Fußnoten
1. So ist nach dem masoretischen Text zu übersetzen. Luthers Übersetzung "Schlauch" ruht auf den alten Übersetzungen, die fast sämtlich statt dnsI, das Haufe, bes. Erntehaufe, heißt, dno (= d)no), Schlauch, gelesen oder die beiden Wörter verwechselt haben. Es liegt jedoch kein Grund vor von der masoretischen Lesart abzugehen, da diese einen guten Sinn gibt. Entweder: wie zu einem (auftürmten) Erntehaufen; einem solchen gleich ragen die konvexen Meereswasser, fest zusammengehalten, über das niedriger scheinende Festland (Delitzsch). Oder wie zu Garbenhaufen, wobei das Meer als ein wogendes Ährenfeld, die aufgestauten Gewässer als die Garbenhaufen desselben gedacht sind (Fr. W. Schultz).

2. Die Partizipien des Grundt. werden nach dem vorhergehenden Verse präsentisch zu fassen sein.

3. Siehe Hiob 38,2. f. 37. An unserer Stelle wird aber diese Auffassung, die auch Hitzig teilt, durch: Mwht, das die brausende Tiefe bezeichnet, verwehrt.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

Jörg
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Beitragvon Jörg » 28.04.2020 14:08

8. Alle Welt fürchte den Herrn,
und vor ihm scheue sich alles, was auf dem Erdboden wohnt.
9. Denn so er spricht so geschieht’s;
so Er gebietet, so stehet’s da.
10. Der Herr macht zunichte der Heiden Rat,
und wendet die Gedanken der Völker.
11. Aber der Rat des Herrn bleibt ewiglich,
seines Herzens Gedanken für und für.


8. Alle Welt fürchte den Herrn. Nicht Israel allein, auch die Heiden. Der Verfasser unsers Psalms war nicht durch nationale Vorurteile geblendet. Er begehrte nicht, dass die Anbetung Jahwes auf den Samen Abrahams beschränkt bleibe, sondern wünschte, dass auch die fernen Völker dem Gott Israels huldigten. Sind sie nicht genügend erleuchtet, dass sie ihn preisen können, so mögen sie ihn doch fürchten. Es liegt schon eine, wenn auch noch sehr niedrige, Art der Gottesverehrung in dem Erschauern4 , welches unwillkürlich die unbegrenzte Macht des Gottes anerkennt, der sich in Donner und Blitz und den andern Naturgewalten so Furcht erregend bezeugt. Ein Gott hohnsprechender Lästerer ist ganz und gar nicht am Platze in einer Welt, die mit Beweisen der Allmacht und Göttlichkeit des Schöpfers übersät ist. Die ganze Erde kann nicht ein Fleckchen aufweisen, das für die Errichtung einer Synagoge des Atheismus passend wäre, noch einen Menschen, dem es anstehen würde, den Namen Gottes zu entweihen. Vor ihm scheue sich (erbebe) alles, was auf dem Erdboden wohnet. Mögen alle Bewohner des weiten Erdkreises ihre Götzen verlassen und in heiliger Scheu den einzig lebendigen Gott verehren. Was hier als Wunsch ausgedrückt ist, wird durch die Prophetie als gewiss verkündigt. Es kommt die Zeit, wo die Anbetung Gottes in der Tat das Weltall umfassen wird.

9. Denn Er sprach, da geschah’s. (Wörtl.) Die Schöpfung war die Folge eines Wortes. Jahwe sprach: Es werde Licht -- und es wurde Licht. Die Taten des Herrn sind erhaben durch die Leichtigkeit und Augenblicklichkeit, mit der sie sich vollziehen. "Was ist das für ein Wort?" war damals die Frage der erstaunten Menge (Lk. 4,36 Grundt.) und mag noch heute unsere Frage sein. Er gebot, da stand es da. Aus dem Nichts erstand auf Gottes Befehl das Weltgebäude und dieselbe Kraft, die es einst aufgerichtet hat, erhält es jetzt. In der Erhaltung der Welt entfaltet sich, obwohl unsere Augen es nicht wahrnehmen, eine eben so große Macht wie einst bei ihrer Erschaffung. Wohl dem, der gelernt hat, sich in allen Stücken auf das gewisse Wort dessen zu stützen, der das Weltall gebildet hat! Denn auch für den heutigen Tag gilt es noch: So Er spricht, so geschieht’s; so Er gebietet, so stehet’s da.

10. Der Herr macht zunichte der Heiden Rat. Während sein Wille geschieht, nimmt der Ewige zugleich darauf Bedacht, dem widergöttlichen Willen der Menschen zuvorzukommen. Ehe seine Feinde zur Tat kommen, vereitelt er ihre empörerischen Absichten in seiner Ratskammer; und wenn sie mit all der Geschicklichkeit, die die Hinterlist ihnen verleiht, zum Angriff schreiten, macht er ihre Schurkenstreiche zuschanden und lässt ihre viel versprechenden Pläne in einem Nichts endigen. Nicht nur die Torheit der Heiden, sondern auch ihre Weisheit muss sich vor der Macht des Kreuzes Christi beugen. Wie ermunternd ist das für solche, die zu wirken haben, wo spitzfindige Vernünftelei und eine fälschlich so genannte Philosophie mit der Wahrheit, wie sie sich in Jesus geoffenbart hat, im Kampfe liegen. Und wendet, besser Luther 1524: hindert, d. i. vereitelt die Gedanken der Völker . Ihre Verfolgungen, Verleumdungen und Falschheiten sind wie Staubpilze, die man gegen eine granitene Mauer schleudert -- sie sind nicht von der geringsten Wirkung; denn der Herr hat auch über das Böse die Oberhand und leitet es so, dass es zum Guten dienen muss. Gottes Sache ist nie in Gefahr: Die höllische List wird überboten von seiner unendlichen Weisheit und Satans Bosheit von Gottes unbegrenzter Macht.

11. (Aber) der Rat des Herrn bleibt ewiglich. Der Ewige ändert seinen Ratschluss nicht, noch wird, was er beschließt, je vereitelt; seine Absichten kommen zur Durchführung. Gott hat einen nach dem Rat seines Willens fest bestimmten Plan, und keiner der Anschläge seiner Widersacher kann seinen Vorsatz auch nur für einen Augenblick hintertreiben. Der Menschen Vorhaben wehen hin und her wie die Sommerfäden oder wie die Flocken der Wollblume; aber des Herrn Plan steht fester als die Erde (vergl. Lk. 21,33). Seines Herzens Gedanken für und für, wörtl.: auf Geschlecht und Geschlecht. Die Menschen kommen und gehen, die Söhne folgen ihren Vätern ins Grab; aber Gottes Absichten werden dadurch nicht gestört, sie gehen fort in ungeschwächter Kraft und bringen, was zuvor bestimmt ist, mit unfehlbarer Sicherheit zu Stande. Kein Mensch kann erwarten, dass sein Wille oder Plan von Geschlecht zu Geschlecht werde ausgeführt werden -- wird doch die Weisheit eines Zeitalters vom nächsten als Torheit verlacht; aber des Herrn Weisheit bleibt allezeit Weisheit, und seine Gedanken wandeln ihre erhabene Bahn von einem Jahrhundert zum andern. Seine Macht, seine Absichten auszuführen, wird durch den Lauf der Zeiten in keiner Weise vermindert. Er, der einst an Pharao seine unumschränkte Macht offenbarte, ist heute noch auch nicht um das Geringste weniger der König aller Könige und der Herr aller Herren. Sein Rat hält seinen Siegeszug durch die Weltgeschichte und kein Geschöpf kann ihm auch nur einen Augenblick widerstehen.

12. Wohl dem Volk, dessen Gott der Herr ist,
dem Volk, das er zum Erbe erwählt hat!

Wohl dem Volk, dessen Gott der Herr ist. Israel war glücklich im Dienst des einen wahren Gottes. Das war der große Vorzug des auserwählten Volkes, dass es eine Offenbarung von Jahwe empfangen hatte. Während andere vor ihren Götzen krochen, wurde das Volk der Wahl emporgehoben durch eine geisterfüllte Religion, die es mit dem unsichtbaren Gott bekannt machte und sich ihm vertrauensvoll hingeben lehrte. Alle, die auf den Herrn ihre Zuversicht setzen, sind im umfassendsten und tiefsten Sinn des Wortes glückliche Leute und niemand kann ihr Glück zerbrechen. Wohl dem Volk, das er zum Erbe erwählt hat. Die Erwählung ist die Grundlage von allem. Niemand erwählt Jahwe zu seinem Gott, ehe Gott ihn zu seinem Eigentum erkoren hat. Wie adelt diese Wahl! Wir sind nicht zu einem geringen Stande, noch zu einem unedeln Zweck erwählt: Wir sind dazu bestimmt, das besondere Eigentum und die Lust Jahwes, unseres Gottes, zu sein. Da uns denn solch ein liebliches Los gefallen ist, lasst uns darüber frohlocken und der Welt in unserm Wandel zeigen, dass wir einem herrlichen Meister dienen.

Fußnote
4. Vergl. in beiden Vershälften das Nmi in dem das scheue Zurückweichen liegt.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

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Beitragvon Jörg » 01.05.2020 11:53

13. Der Herr schaut vom Himmel
und sieht aller Menschen Kinder.
14. Von seinem festen Thron sieht er.
auf alle, die auf Erden wohnen.
15. Er lenkt ihnen allen das Herz;
er merkt auf alle ihre Werke.
16. Einem Könige hilft nicht seine große Macht;
ein Riese wird nicht errettet durch seine große Kraft.
17. Rosse helfen auch nicht,
und ihre große Stärke errettet nicht.
18. Siehe, des Herrn Auge sieht auf die, die ihn fürchten,
die auf seine Güte hoffen,
19. dass er ihre Seele errette vom Tode,
und ernähre sie in der Hungersnot.


13. Der Herr schaut vom Himmel. Jahwe wird hier dargestellt als hoch droben wohnend und hinab blickend. Er sieht alles, aber ganz besonders achtet er mit fürsorgender Liebe auf die, die auf ihn trauen (V. 18). Es ist eines unserer köstlichsten Vorrechte, dass wir allezeit unter des Vaters Augen sind, unserm besten Freund nie aus den Augen kommen. Und sieht aller Menschen Kinder. Alle Söhne Adams stehen unter so genauer Beobachtung wie einst Adam selbst, ihr einsamer Urahn dort im Garten Eden. Ob sie an den eis-erstarrten Polen oder in der sengenden Hitze des Äquators wohnen, ob auf den Bergen oder in den Tälern, ob in Hütten oder Palästen, -- das allsehende Auge wacht über allen Gliedern der großen menschlichen Familie.

14. Von der (fest gegründeten) Stätte seiner Wohnung (andre Übers.5 sieht er (aufmerksam) auf alle, die auf Erden wohnen . Hier wird der Gedanke des vorigen Verses etwas stärker noch einmal ausgesprochen. Er ist es wert, wiederholt zu werden, und zugleich ist das sehr nötig, denn die Menschen sind überaus geneigt, gerade diese Wahrheit zu vergessen. Wie etwa vornehme Leute am Fenster sitzen und die sich unten drängenden Volksmengen beobachten, so blickt der Herr aufmerksam nieder auf seine ihm verantwortlichen Geschöpfe und vergisst nichts von dem, was er da sieht.

15. Er, der ihnen allen das Herz bildet. (Grundt.) Das Herz ist nicht nur der Mittelpunkt des leiblichen Lebens, sondern durch Vermittlung der Seele, die nach der Schriftanschauung im Blut ist, auch der Mittelpunkt aller geistigen Tätigkeiten des Menschen. Es ist die geheime Werkstätte der Gedanken, der Herd der Gemüts- und Willensbewegungen und der Sitz des Gewissens. In der Beschaffenheit des Herzens ist die Individualität des Menschen begründet. Gott ist’s, der jedem, sei er König oder Bettler, das Herz gebildet hat . Nicht nur das Leben, sondern auch die Mannigfaltigkeit der Individualität geht auf den einen Schöpfer zurück. Was hast du, das du nicht empfangen hast? (1.Kor. 4,7.) Darum hast du keine Ursache, dich eines Dinges zu rühmen, sowenig wie der Ton, den die Hand des Töpfers bildet. Unser Texteswort deutet aber an, dass der Herr, eben weil er allen das Herz gebildet hat, auch der allwissende Herzenskündiger ist. Eben darum merkt er auch auf alle ihre Werke , denn er sieht diese in der Werkstatt der Gedanken entstehen. Dies Betrachten der menschlichen Taten ist bei Gott kein müßiges. Er wägt und beurteilt unsre Handlungen genau. Er liest in unserm äußeren Verhalten die verborgenen Absichten und löst das dem Anschein nach Gute in seine Elemente auf. Das weist auf ein künftiges Gericht hin, bei dem die Ergebnisse der göttlichen Gedanken über das Tun der Menschen als Glück oder Wehe zur Austeilung kommen werden. Bedenke deine Taten, o Mensch, denn Gott bedenkt sie!

16. Einem Könige hilft nicht seine große Macht (zum Siege). Alle Macht, die dem Tode nicht gewachsen ist, ist Einbildung, und die sich auf sie verlassen, sind einfältige Toren. Die gewaltigsten Heeresmassen haben sich je und je als unfähig erwiesen, ein Reich zu erhalten oder auch nur ihrem König das Leben zu retten, wenn vom Himmel das Urteil ergangen war, dass der Thron gestürzt werden sollte. Der Allsehende bewahrt die geringsten Seinen, ob sie auch ganz allein dastehen und nicht einen einzigen Freund haben; aber Zehntausende Wohlgewappneter können dem keine Sicherheit geben, welchen Gott dem Verderben überlässt. Ein Riese wird nicht errettet durch seine große Kraft. Geschweige, dass er andere zu schützen vermöchte, kann der kriegserfahrene Held nicht einmal sich selber helfen. Wenn sein Stündlein kommt, vermag ihn weder die Kraft seines Armes noch die Schnelligkeit seiner Füße zu retten. Der ohnmächtigste Gläubige ist wohl geborgen unter den Flügeln des Allmächtigen, während der mächtigste Sünder jede Stunde in Gefahr schwebt. Was reden wir doch so viel von unsern Armeen und unseren Helden? Des Herrn allein ist die Macht: lasst uns denn auch ihn allein rühmen.

17. Rosse helfen auch nicht, wörtl.: Trug ist das Ross zum Siege, d. h.: Betrogen ist, wer vom Rosse den Sieg erhofft . Die gefürchtetste Kriegsmacht der morgenländischen Weltvölker waren ihre Streitrosse und Kriegswagen, die von den Propheten in den lebhaftesten Farben geschildert werden. (Vergl. Jes. 5,28; Jer. 6,23; 8,16; 47,3; 50,42; Nah. 3,2 f.; Hab. 1,8; Hiob 39,19 ff. usw.) Seit der Salomonischen Zeit ahmte Israel darin den Weltmächten nach und setzte nicht selten sein Vertrauen auf Rosse und Wagen statt auf Jahwe; aber der Psalmsänger nennt die Streitrosse eine Lüge, eine Täuschung. (Vergl. zu Ps. 20,8, S. 349.) Aber der wackere Ritter dort auf dem stattlichen Schlachtross ist doch gewiss sicher, sei es, dass er siegt, sei es, dass er flieht? Nein, -- sein Ross, auf das er sich verlässt, trägt ihn in die Gefahr oder zieht ihn mit in seinen Fall. Und seine große Stärke errettet nicht (dass der Reiter entrinnen könnte). So erweisen sich die mächtigsten Helfer als weniger denn nichts, wenn sie am nötigsten sind. Auf Gott allein können wir uns verlassen, ihn allein sollen wir anbeten. Ein Sanherib kann sich mit seiner ganzen berühmten Reiterei nicht mit einem Engel des Herrn messen; Pharaos Rosse und Wagen erfuhren, dass es vergeblich ist, des Herrn Auserwählten nachjagen zu wollen. Und so wird einst die ganze verbündete Macht der Erde und der Hölle, wenn sie sich zum letzten Kampfe wider den Herrn und die Seinen aufmacht, alle ihre Pläne vereitelt und alle ihre Gewalt vernichtet sehen.

18. Siehe -- denn dies ist etwas Staunenswerteres als Heere und Rosse und ein besserer Schutz und Trutz als Wagen oder Schilde --: des Herrn Auge sieht auf die, die ihn fürchten . Das ist ihre Herrlichkeit und ihr Schirm, dass dies Auge sondergleichen über ihnen offen ist. Niemand kann sie unvorhergesehen überfallen; denn der himmlische Wächter sieht die Anschläge ihrer Feinde voraus (vergl. V. 15) und trifft die nötigen Vorkehrungen. Die Gott fürchten, brauchen nichts anderes zu fürchten. Mögen sie ihren Glaubensblick auf ihn richten, so wird sein Liebesblick allezeit auf ihnen ruhen. Die auf seine Güte (Gnade) hoffen. Es könnte uns dünken, als wäre das Hoffen ein geringer Erweis des Gnadenstandes, und doch ist es ein kräftiger. Das stille Hoffen und Harren findet bei Gott seinen Lohn so gut wie der tatenmutige Glaube. Sag’, liebe Seele, ist das nicht ein Wort der Ermutigung für dich? Hoffst du nicht auch auf die Gnade Gottes, die in Christus Jesus erschienen ist? Dann ruht des himmlischen Vaters Auge so gut auf dir wie auf deinem älteren, stärkeren Bruder. Diese milden Worte sind wie mürbes Brot für solche bestimmt, die noch Kinder sind in der Gnade und darum leichter Speise bedürfen.

19. Dass er ihre Seele errette vom Tode. Des Herrn Hand geht mit seinem Auge. Er schützt mit seiner Macht die, auf die er nach seiner Gnade Acht hat. Erweisungen der vom Tode errettenden und zur Genesung zurückführenden Kraft Gottes zäunen das Leben der Gotteskinder ein; der Tod kann sie nicht antasten, bis ihm der Herr den Vollmachtsbrief unterschrieben hat. Und selbst dann kann er uns nicht eigentlich einen tödlichen Streich versetzen, vielmehr nur uns den Ritterschlag der Unsterblichkeit geben. Er tötet nicht sowohl uns als unsere Sterblichkeit seit jener Stunde, da, wie Luther sagt, "ein Tod den andern fraß." Und ernähre sie in der Hungersnot. Selbst der grausige Hunger hat seinen Meister. Für seine Eliasse hat Gott stets irgendwo Mehl und Öl. In der Hungersnot werden sie genug haben (Ps. 37,19), dies Wort der Verheißung genügt dem Glauben und die Erfahrungen eines Abraham, Isaak und Jakob, eines David, eines Elia und Elisa und vieler Gotteskinder bekräftigen es. Alle Menschenmacht erweist sich einer Hungersnot gegenüber als ohnmächtig; Gott aber wird gerade in Nöten als mächtige Hilfe erfunden (Ps. 46,2 Grundt.) und erweist seinen Kindern gerade, wenn sie in den bedrängtesten Umständen sind, seine Freigebigkeit. Mein Bruder, harre auf Gott in deinen zeitlichen Angelegenheiten! Sein Auge ist offen über dir und seine Hand wird nicht lange mit der Hilfe säumen.

20. Unsre Seele harrt auf den Herrn,
Er ist unsre Hilfe und Schild.
21. Denn unser Herz freut sich über ihn,
und wir trauen auf seinen heiligen Namen.


20. Unsre Seele harret auf den Herrn. Ein Herrliches Bekenntnis, das die Gemeinde hier ablegt, ehe sie ihr Loblied schließt. Das Harren lernt sich schwer. Still warten, geduldig hoffen, unbeirrt auf Gott trauen, das ist eine der leuchtendsten Christentugenden. Unsre Seele , unser innerstes Leben, muss an Gott hangen. Wir sollen ihm nicht nur etliche glitzernde Kleinigkeiten anvertrauen, sondern alles, was wir sind und haben. Er ist unsre Hilfe und Schild; unser Beistand beim Wirken, unser Schutz in Gefahren. Es gibt nichts, was Gottes Volk bedarf, das es nicht in seinem Gott fände. Hast du ihn, so hast du alles. Dass er Gott zum persönlichen Besitz hat (unsre Hilfe, unser Schild), unterscheidet den wahren Christen vom Namenchristen. Auf dem Er liegt der volle Nachdruck. Das geistliche Israel traut auf Ihn allein.

21. Denn unser Herz freut sich sein. Was der erste Vers empfohlen und befohlen hat, dem kommt die Gemeinde nach. Wer auf den Herrn traut, kann nicht anders als fröhlichen Herzens sein: Unser Innerstes muss über unsern treuen Gott frohlocken. Denn wir trauen auf seinen heiligen Namen. Aus der Wurzel des Glaubens sprosst zur rechten Zeit die Blume der Freude. Der Zweifel brütet Kummer aus, das Gottvertrauen erzeugt edle Fröhlichkeit.

22. Deine Güte Herr sei über uns,
wie wir auf dich hoffen.


Eine große, umfassende Bitte beschließt den Psalm. Sie erfleht Gottes Gnade; diese bedürfen auch solche, die in fröhlichem Glaubensleben (V. 21) stehen. Und sie wird erbeten nach einem Maße, das der Herr selbst geeicht hat. Dir geschehe nach deinem Glauben, ist unseres Meisters eignes Wort, und er wird an diesem seinem Scheffel nicht ein Körnlein fehlen lassen. Ja, Herr, tu mehr denn dies, wenn unser Hoffen zuzeiten matt wird, und segne uns weit über unser Bitten und Verstehen!

Fußnote
5. So übersehen die meisten. Zu Luthers Fassung vergl. Rosenmüller: Nwkm ist ein bereiteter und fest gegründeter Ort oder Sitz (Thron) von Nwk bereiten, gründen. So wird der Tempel genannt 2. Mose 15,17; 1.Kön. 8,13; Jes. 4,5; der Himmel 1.Kön. 8,39. 43. 49; 2. Chr. 6,33. 39. Wtb# seiner Wohnung, d. i. wo er diesen gewissen und festen Sitz hat, von dem er nimmer weicht. Das Bild ist von den Königen genommen, die in ihrem Palast einen sicheren und besonderen Sitz, den Thronsitz, zu haben pflegen.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

Jörg
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Beitragvon Jörg » 09.05.2020 12:53

Erläuterungen und Kernworte

Zum ganzen Psalm. Diesen Lobpsalm wird die Gemeinde des Herrn in den letzten Zeiten noch besonders anstimmen, wenn die Allmacht Gottes alle Anschläge des Antichrists und alle widergöttliche Kraft zunichte macht und sich die Treue der göttlichen Verheißungen an denen herrlich erweist, die auf Gott geharrt haben. Samuel Horsley † 1806.

V. 1. Freuet euch, ihr Gerechten: nicht über euch selber, denn das wäre ein gefährlich Ding, sondern über den Herrn. Aurel. Augustinus † 430.

Den Rechtschaffenen ziemt Lobgesang. (Grundt.) Ein alltäglicher Mensch, der Gottes Lob singt, ist wie ein Düngerhaufe, auf dem Blumen blühen. Wie einem Krüppel das Tanzen, also stehet den Narren an, von Weisheit zu reden (Spr. 26,7), oder den Gottlosen, Gottes Heiligkeit und Liebe zu rühmen. Wie ungeziemend ist es, Gott zu preisen, für jemand, dessen ganzes Leben ein Verunehren Gottes ist! Es ist so unerträglich, einen Gottlosen, der in seinen Sünden dahinlebt, Gott loben zu hören, als wenn ein Wucherer davon schwätzt, dass er im Glauben lebe, oder wenn der Teufel die heilige Schrift in den Mund nimmt. Thomas Watson 1660.

Gott gefällt der, dem Gott gefällt. Aurelius Augustinus † 430.

V. 2. Hier werden zum ersten Mal im Psalmbuch Musikinstrumente erwähnt. Es ist beachtenswert, dass die alten Kirchenväter fast einstimmig dagegen Einspruch erheben, dass solche in der Kirche gebraucht werden; wie sie denn in der orientalischen Kirche bis auf den heutigen Tag verboten sind, wo dennoch, nach dem übereinstimmenden Urteil der Fachmänner, der Gesang, der freilich nur Chorgesang ist, alles übertrifft, was wir in unsern abendländischen Kirchen hören können. John Mason Neale 1860.

Unsere Kirche gebraucht, um Gott zu preisen, keine Tonwerkzeuge, wie Harfe oder Psalter, damit sie nicht den Juden nachzuahmen scheine. Thomas von Aquino † 1274.

-- Sie waren, gerade wie die Opfer, nur den Juden erlaubt, und zwar wegen der Schwerfälligkeit und Stumpfheit ihrer Seelen. Gott ließ sich zu ihrer Schwachheit herab, weil sie soeben erst aus dem Götzendienst herausgeführt worden waren. Jetzt aber können wir, statt mit Harfen, mit unserm Leibe Gott preisen. Johannes Chrysostomus † 407.

-- Die Sitte, den Gesang mit Musikinstrumenten zu begleiten, wie sie unter den Juden, weil sie im Kindesalter waren, bestand, ist in die christlichen Gemeinden nicht übergegangen, sondern nur der einfache Gesang. Justin der Märtyrer † 165/ 7.

Auf dem Psalter von zehn Saiten. Gott hat uns ein vielsaitiges Instrument gegeben, ihn damit zu preisen. Dürfen wir denn meinen, die Musik sei schon gut genug, wenn wir nur eine Saite rühren, d. i. nur mit der Zunge ihn preisen? Niemals. Sondern wenn der stille Ton des sinnenden Herzens, der helle Ton der bekennenden Zunge und der laute Ton der werktätigen Hand zusammenklingen, das ist ein Konzert, das Gott gefällt, und die einzige Musik, die auf ihn Eindruck macht. Sir Richard Baker † 1645.

V. 3. Singet ihm ein neues Lied. Tut alles Alte hinweg. Ihr kennt ja ein neues Lied. Ein neuer Mensch, ein neuer Bund, ein neues Lied. Dies neue Lied gehört nicht Menschen, die noch im alten Wesen sind. Keiner kann es lernen, er sei denn ein neuer Mensch, erneuert durch die Gnade. Aurelius Augustinus † 430.

Es ist ein trauriges Zeichen des Verfalls der Kirche, wenn sie der Aufforderung: Singt ihm ein neues Lied, nicht mehr nachkommen kann; desto sorgfältiger muss sie dann aber in Bewahrung ihrer alten Lieder sein. Prof. D. E. W. Hengstenberg 1843.

V. 5. Die Erde ist voll der Güte des Herrn. Wenn man all das Klagen der nichtsnutzigen Bewohner der Erde hört, möchte man meinen, Gott teile Böses, nicht Gutes aus. Wenn wir aber das Werk seiner Hände prüfen, sehen wir überall das Merkzeichen der Gnade, und es gibt keinen Ort auf Erden, wo sich seine Güte nicht bezeugte. Die überfließende Gnade Gottes erfüllt die Erde. Selbst die Undankbarkeit und Gottlosigkeit der Menschen bildet selten eine Schranke für seine Gütigkeit. Er lässt seine Sonne aufgehen über die Bösen und über die Guten und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte. Adam Clarke † 1832.

Gott hätte ja auch, wenn er gewollt hätte, die Welt so machen können, dass alles, was wir kosteten, bitter wäre, alles, was wir sähen, uns Abscheu erregte, alles, was wir berührten, uns verletzte, jeder Geruch ein Gestank, jeder Ton ein Missklang wäre. D. William Paley † 1805.

V. 6. Durch den Hauch seines Mundes. (Wörtl.) Dass man das xwr nicht durch Geist, sondern durch Hauch erklären müsse, erhellt aus dem Zusatz: seines Mundes, vergl. Jes. 11,4; und aus dem Parallelismus mit dem Worte. Dem bloßen Worte entspricht der bloße Hauch: Beides zusammen bildet den Gegensatz gegen die Kraftanstrengung, die Arbeit, den Gebrauch der Hilfsmittel und Werkzeuge, ohne die der ohnmächtige Mensch auch nicht das Geringste zustande bringen kann. Dann aus Parallelstellen wie Hiob 27,3; 33,4; Ps. 104,29 f. Auf der andern Seite aber kann eine Auslegung, die das "durch den Hauch seines Mundes" außer Beziehung zu dem Geist Gottes setzt, nicht richtig sein. In der Geschichte der Schöpfung, auf die der Verfasser hier wie in V. 7.9 überall wörtlich anspielt, wird die Schöpfung als Werk des Geistes Gottes und seines Wortes bezeichnet. Erst schwebt der Geist Gottes über den Wassern, dann spricht Gott. Man wird also annehmen müssen, dass Gottes Geist und Kraft hier unter dem Bilde des Odems erscheine, weil dieser bei dem Menschen die erste Bedingung des Lebens ist. Prof. D. E. W. Hengstenberg 1843.

Durchs Wort des Herrn. Kann von dem persönlichen Wort, dem Logos, verstanden werden, wie Johannes uns lehrt (Joh. 1,1). Johannes Coccejus † 1669.

(Dies ist eine Illustration zu der alten Rede, dass Coccejus Christum überall, Grotius († 1645) ihn nirgends finde. C. H. Spurgeon.)

V. 6-9. Bei Gott ist Sprechen und Tun , Verheißen und Erfüllen gleichbedeutend. Es ist für ihn eben so leicht, er ist eben so willig und vermögend, das eine zu tun wie das andere. Zwischen Gottes Sprechen und Tun ist kein solcher Abstand wie zwischen Menschen-Wort und -Tat. Sein Reden ist Tun. In seinem Wort ist die Allmacht, sei es, dass er befiehlt, sei es, dass er verheißt; daher wird es auch das Wort seiner Macht genannt (Hebr. 1,3). Ein Wort seines Mundes vermag in einem Augenblick mehr auszurichten, als die vereinten Mächte des Himmels und der Erde in einer ganzen Ewigkeit. Diese Erwägung räumt alsbald die hauptsächlichsten Schwierigkeiten hinweg, die unsern Glauben entmutigen und in seiner kräftigen Betätigung hindern könnten; denn was schwächt unsere Zuversicht mehr, als wenn wir eben die Erfüllung der Verheißungen für etwas Ungewisses oder Schwieriges oder noch in weiter Ferne Stehendes halten? Aus der oben angedeuteten Wahrheit darf aber der Glaube den Schluss ziehen, die Erfüllung der göttlichen Verheißungen sei eine gewisse, leichte und nahe Sache. David Clarkson † 1686.

V. 7. Er sammelt gleich einem Haufen die Wasser des Meers. (Grundt.) "Die Sammlung der Wasser nannte Gott Meer". (1. Mose 1,10 .) Auch dies unruhige Element musste unter Gesetze gestellt und in Grenzen gefasst werden, wenn eine für den Menschen und die ihn umgebenden Geschöpfe bewohnbare Erde geschaffen werden sollte. Davon, wie jenes geschehen ist, singt der Psalmist hier; es war allen Knechten Gottes ein Gegenstand des Staunens. Sie blickten von der Küste aufs weite Meer mit eben solchen Augen, wie wir sie haben, und unter dem Einfluss eines wohlbekannten Gesetzes schien es ihnen, wie uns, als berührten die schwellenden Wogen am Horizont den Himmel selbst, und die "hohe" See schien auch ihnen so viel höher als der Strand, als ob die Wogen jeden Augenblick ihr Gebiet verlassen und das Land überfluten wollten. Wir stehen trotz aller Wissenschaft ganz unter demselben Eindruck. Die Propheten sahen gerade wie wir und mit denselben Empfindungen. Wie wunderbar, dachten sie, ist dies doch: Ein niederer Wall von Sand ist in des Ewigen Hand das Mittel, die brausenden Fluten des Ozeans in Schranken zu halten! Der Herr hat dem Meere den Sand zum Ufer gesetzt, darin es allezeit bleiben muss, darüber es nicht gehen darf; und ob’s schon brodelt, so vermag doch nichts, und ob seine Wasser schon toben, so dürfen sie doch nicht darüber fahren! (Jer. 5,22.) D. John Duns 1868.

V. 8. Alle Welt fürchte den Herrn usw. Denn wer kann zweifeln, dass Gott Macht hat, zu tun, was er will auf Erden, da er das unbezwingbare Meer also gebändigt hat? Hugo de Groot † 1645.

Möge alle Welt keinen andern und nichts anderes fürchten als Jahwe. Wütet ein wildes Tier gegen dich? Fürchte Gott. Liegt eine Schlange auf der Lauer? Fürchte Gott. Hassen Menschen dich? Fürchte Gott. Greift der Teufel dich an? Fürchte Gott. Denn alle Kreatur (vergl. Röm. 8,39) steht unter dessen Gewalt, den allein zu fürchten dir befohlen ist. (Vergl. auch Mt. 10,28.) Aurelius Augustinus † 430.

V. 9. Er sprach, da geschah’s. Wie wir im Lateinischen sagen: dictum factum, gesagt getan; es ist keinerlei Zwischenraum zwischen Gottes Wort und Tat. Hugo de Groot † 1645.

Die Geschöpfe sind nicht ein Ausfluss des göttlichen Wesens, wie der Emanatismus es sich vorstellt, sondern Wirkungen des göttlichen Willens, die Frucht der höchsten Intelligenz, des göttlichen Vorsatzes und Ratschlusses. D. William Binnie 1870.

V. 10-11. Beachte den Gegensatz zwischen dem Rat der Heiden und dem Rat des Herrn, und zwischen den Gedanken der Völker und Seines Herzens Gedanken. C. H. Spurgeon 1870.

Für die Wahrheit, dass Gott wirklich die Welt regiert und alle menschlichen Ratschläge an seinem festen Ratschlusse scheitern müssen, hatte der fromme Israelit ein offenes Auge. Und wie oft waren die Anschläge der Heidenvölker gegen Gottes Heils- und Reichsplan mit Israel durch göttliche Machthilfe vereitelt worden! Übrigens gilt es, dass alle Anschläge der Menschen, sofern Gott sie nicht bestätigt, eitel sind. Und auch die Weltstaaten mit christlichem Namen, die ebenfalls ihre Gedankengespinste, Pläne als Größegedanken, Volksbeglückungs- und Aufklärungs-Gedanken haben und diese durch die weltkluge Kunst ihrer lügenhaften Politik in ein festes System (Rat) zusammenschließen, werden über kurz oder lang durch ihren Sturz beweisen, dass es allein von dem göttlichen Regierungssystem gilt, was V. 11 gesagt ist, nämlich, dass es ewiglich bleibe. Vergl. Jes. 40,6-8; 46,10; 14,24.26 f. G. T. 1880.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

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Beitragvon Jörg » 12.05.2020 14:50

Erläuterungen und Kernworte

V. 12. Glückselig das Volk, das der Herr erwählt hat. Jemandes Name mag in der Reichschronik verzeichnet stehen und dennoch der ewigen Vergessenheit anheim fallen; er mag in nie verwitternden Marmor gegraben sein und dennoch verderben; er mag ein Denkmal haben, das mit dem Koloss von Rhodos wetteifert, und dennoch schimpflich sein; er mag an den Toren der Wohltätigkeitsanstalten prangen und dennoch zur Hölle fahren; er mag an seinem eigenen Hause angeschrieben stehen und doch ein anderer dieses in Besitz nehmen. Alles dies heißt, seinen Namen in den Staub oder ins Wasser geschrieben haben, wo die Schriftzüge sich so schnell verwischen, wie sie geschrieben werden, und es beweist so wenig, dass jemand ein glücklicher Mensch sei, als ein Narr die Seligkeit des Pilatus daraus erweisen könnte, dass sein Name im Apostolikum steht. Wahre Glückseligkeit hat nur, wer durch das Zeugnis des heiligen Geistes gewiss geworden ist, dass sein Name auf den ewigen Blättern des Himmels, in jenem Buch der göttlichen Wahl geschrieben steht, das nie vergehen und in alle Ewigkeit lesbar bleiben wird. Thomas Adams 1614.

Damit nicht jemand denke, die Menschen erlangten so ein großes Gut durch ihre Bemühungen und ihren Fleiß, lehrt uns der Psalmdichter ausdrücklich, es fließe aus dem Quell der erwählenden Liebe Gottes, dass wir als Gottes Volk angesehen werden. Jean Calvin † 1564.

V. 15. Er merkt auf alle ihre Werke. Zwei Menschen geben den Armen; der eine sucht seinen Lohn im Himmel, der andre den Ruhm vor den Menschen. Du siehst bei den beiden ein Ding, Gott sieht zweierlei. Denn er merkt, was drinnen in ihren Herzen ist: er sieht ihre Absichten, die ihren Handlungen zugrunde liegenden Gedanken. Aurelius Augustinus † 430.

V. 16. Einem Könige hilft nicht seine große Macht. In der Schlacht bei Gaugamela (331 v. Chr.) wurde das ungeheure Heer der Perser von der zwanzigmal geringeren Schar Alexanders des Großen vollständig geschlagen und der einst so mächtige Darius fiel bald darauf durch Mörderhand. Napoleon führte im Juni des Jahres 1812 eine halbe Million Krieger nach Russland. Aber Frost und Hunger räumten unter dem gewaltigen Heer so furchtbar auf, dass wenige Monate später nur elende Trümmer davon übrig waren, und der von aller Welt gefeierte und gefürchtete Eroberer endete in der Gefangenschaft auf St. Helena. Auf unzähligen blutgetränkten Blättern der Weltgeschichte finden wir die Wahrheit unseres Verses bestätigt. Die mächtigsten Heere vergehen wie die Schneeflocken, wenn Gott wider sie ist. C. H. Spurgeon 1870.

Ein Riese, wie Goliath zum Beispiel. Wie oft gerade die geschicktesten Schwimmer untergehen, so fallen die Mächtigsten nicht selten zuerst. John Trapp † 1669.

V. 16-17. weisen hin auf die Unzulänglichkeit und Ohnmacht aller menschlichen Macht, wie groß diese immer sei, wie der 10. Vers auf die Nichtigkeit alles menschlichen Scharfsinns. J. J. Stewart Perowne 1864.

Ein Wanderer wird von einem Unwetter überrascht; er geht vom Wege ab, um unter einem mächtigen Eichbaum Schutz zu suchen, und, mit dem Rücken an den Stamm gelehnt, findet er in der Tat unter seinen Zweigen ein gutes Obdach -- bis auf einmal ein mächtiger Windstoß einen starken Ast des Baumes abbricht, der den sich sicher wähnenden Wanderer zum Krüppel macht, wenn nicht gar tötet. So geht’s nicht wenigen, die, um mancherlei Mühsalen zu entgehen, von dem ihnen von Gott gewiesenen Wege abtreten, um die Gunst und den Schutz irgendeines Großen dieser Erde zu gewinnen. Mag sein, dass sie in der Tat eine Zeitlang Hilfe und Schutz finden; aber unversehens stürzt der Große, auf den sie trauten, selber in den Staub und begräbt sie mit in seinem Fall, -- sie, die noch lange auf ihren Füßen hätten stehen können, wenn sie sich nicht auf den Arm des Fleisches gestützt hätten, von dem sie sich nun betrogen finden. Thomas Gataker † 1654.

V. 17. Kommt die Stärke des Rosses von Gott, dann brauche sie dankbar, aber setze nicht dein Vertrauen auf sie: sonst machst du aus ihr einen Abgott. Wie oft warnt Gott uns davor, auf die Kreatur zu trauen, da er wohl weiß, wie geneigt wir sind, uns auf irgendetwas zu verlassen, was stark ist, und wäre es ein Vieh. Trug ist das Ross zum Siege (wörtl.). Es ist, als sagte Gott: Ihr meint, Rosse könnten euch helfen ; aber Ich sage euch: Es ist eitel Trug mit ihnen. Und als der Herr durch den Propheten Hosea seinem Volk eine mächtige Errettung verhieß, fügte er, damit Juda diese ja nicht von irgendwelcher irdischen Macht erwarte, ausdrücklich hinzu: Ich will ihnen helfen durch Jahwe, ihren Gott; ich will ihnen aber nicht helfen durch Bogen, Schwert, Streit, Rosse oder Reiter. (Hos. 1,7.) Joseph Caryl † 1673.

Wir werden nie lernen, die Bürde der Sorgen von unseren Schultern abzuladen, bis wir gelernt haben, sie auf den Herrn zu werfen, dessen Auge über uns wacht (V. 18). Nie wird darauf verzichten, Fleisch für seinen Arm zu halten, wer sich nicht auf Gott lehnt. Das Menschenherz kennt zu gut seine Unfähigkeit, sich ohne Stütze aufrecht zu halten, und muss sich darum irgendeinen Halt suchen, auf den es sich lehnen kann, sei es nun eine verlässliche oder eine trügerische, eine gesunde oder eine morsche Stütze. Die sich nicht zum Heiligen in Israel halten und nach dem Herrn nichts fragen, die ziehen hinab nach Ägypten um Hilfe und verlassen sich auf Rosse und hoffen auf Wagen, dass derselbigen viel sind, und auf Reiter, darum, dass sie sehr stark sind. Aber Gottes Wort spricht das Wehe über solche: Jes. 31,1. Vergl. auch Jes. 30,15-17. John Ball † 1640.

V. 18. Siehe, des Herrn Auge steht auf die, so ihn fürchten, die auf seine Güte hoffen. Manchen erscheint diese Zusammenstellung seltsam. Es scheint ihnen, die beiden Eigenschaften seien miteinander nicht zu vereinen: Entweder werde die Furcht der Hoffnung Abbruch tun oder die Hoffnung der Furcht . Aber die beiden unterstützen und stärken einander vielmehr gegenseitig; beide Tugenden sind nicht nur nie so schön, sondern auch nie so einflussreich, außer wenn sie miteinander Hand in Hand gehen. Die rechte Gottesfurcht fördert die Hoffnung einerseits dadurch, dass sie uns die Heiligkeit und damit auch die Treue Gottes vor Augen führt, und anderseits dadurch, dass sie uns von einem nachlässigen und leichtfertigen Wandel abhält, der stets unsern Frieden und unsere Hoffnungsfreudigkeit schädigen muss. Und ebenso dient die Hoffnung zur Vertiefung der Furcht. Denn nie erscheint Gott so erhaben, so unserer vollen Ergebenheit würdig, als wenn wir auf seine Gnade hoffen; und gerade je mehr wir des gewiss werden, dass sein Blick gnädig auf uns gerichtet ist , desto ernstlicher werden wir fragen: Herr, was willst du, dass ich tun soll? Und wiederum, je mehr wir bei dem Gedanken, den Herrn zu beleidigen und zu betrüben, erzittern, desto inbrünstiger werden wir Gottes Gnade erflehen und den Herrn als unsern Heiland in Anspruch nehmen. Diese Hoffnung wird in der Schrift eine lebendige Hoffnung genannt, und die Christen wissen aus Erfahrung, dass sie auf ihr ganzes Wesen denselben Einfluss ausübt, wie der Frühling auf unsere Gärten und Felder. William Jay † 1853.

V. 18-19. Während der Belagerung von La Rochelle (1628), die die Hugenotten mit fast beispielloser Tapferkeit beinahe fünfzehn Monate aushielten, kamen die Einwohner durch die Hungersnot in das größte Elend und waren genötigt, sich mit den widrigsten Speisen das Leben zu fristen. Ein viertel Scheffel Korn soll an die fünfhundert Mark unseres Geldes gegolten haben. Viele der vermögenden Einwohner leuchteten durch ihre edle Freigebigkeit. Manche übten die Wohltätigkeit so im Verborgenen, dass ihre Namen nie entdeckt wurden. Unter anderem wird folgende Geschichte erzählt: Ein Herr de la Goute, ein königlicher Advokat, hatte eine Schwester, die Witwe eines Kaufmanns namens Prosni , eine sehr fromme und wohltätige Frau, die zu der Zeit, als die Hungersnot drückender wurde, die Armen von ihrem damaligen Überfluss aufs Freigebigste unterstützte. Ihre Schwägerin, Frau de la Goute, war anders gesinnt und tadelte daher ihr Verhalten, indem sie sie erzürnt fragte, was sie denn machen wolle, wenn sie alles, was sie besäße, ausgegeben hätte. Ihre Antwort war: "Schwester, der Herr wird mich versorgen." Die Belagerung dauerte an, der Hunger wütete immer fürchterlicher in der Stadt, und die Witwe Prosni kam bald mit ihren vier Kindern in große Bedrängnis, da ihr alle Nahrungsmittel ausgingen. Da wandte sie sich an ihres Bruders Frau um Hilfe: diese aber schalt sie, statt sie zu trösten, wegen ihres unvorsichtigen Verhaltens und fügte höhnisch hinzu, da sie so vortrefflich gehandelt habe, dass sie bei all ihrem Glauben und ihren feinen Worten, der Herr werde für sie sorgen, so heruntergekommen sei, so solle der Herr jetzt nur zu guter Zeit für sie sorgen. Die Bedauernswerte ging, von diesen Worten bis ins Herz verwundet, heim; sie war tief betrübt, doch war sie fest entschlossen, dem Tode ruhig ins Antlitz zu schauen. Als sie aber ihre Wohnung erreichte, traten ihre Kinder ihr mit freudestrahlenden Gesichtern entgegen und berichteten ihr, ein ihnen ganz unbekannter Mann habe an die bei der späten Stunde schon verschlossene Tür geklopft und, nachdem sie geöffnet hätten, einen Sack, etwa zwei Scheffel, Weizen hineingeworfen; darauf sei er, ohne ein Wort zu sagen, schnell verschwunden. Madame Prosni traute kaum ihren Augen: mit einem von Dank gegen ihren gütigen Wohltäter überfließenden Herzen lief sie, so schnell ihre durch den Hunger geschwächte Kraft es zuließ, zu ihrer Schwägerin und rief ihr zu: "Schwester, der Herr hat für mich gesorgt"; und ohne noch ein Wort hinzuzufügen, ging sie wieder heim. Durch diese so unerwartete, gerade zur rechten Stunde ihr widerfahrene Hilfe wurde sie in den Stand gesetzt, sich und ihre Kinderschar bis zum Ende der Belagerung durchzubringen, und sie hat es nie erfahren, wer in Gottes Hand das Mittel gewesen war, ihr so wunderbar aus der zweifachen Not des Leibes und des Gemütes zu helfen. The Biblical Treasury.

V. 20. Unsre Seele harrt auf den Herrn. Auf dem Wort Seele liegt ein Nachdruck, den wir beachten wollen. Denn obwohl das Wort Seele im Hebräischen sehr viel gebraucht wird, drückt es hier den Ernst und die Herzinnigkeit der Hingabe an Gott aus. Die Gemeinde spricht gleichsam: Wir trauen aufrichtig, von ganzem Herzen, auf Gott, indem wir ihn allein für unsern Helfer und Beschützer halten. Jean Calvin † 1564.

Er ist unsre Hilfe. Als Antigonus, der König von Syrien, bei der Insel Andreos seinen Gegnern eine Schlacht liefern wollte, sandte er Kundschafter aus, die Bewegungen der Feinde zu überwachen und ihre Stärke zu erspähen. Der Bericht lautete, sie hätten mehr und besser bemannte Schiffe als er. "Was?", sagte Antigonus, "das kann nicht sein; quam multis meipsum opponis - wie viel rechnet ihr denn mich?"- womit er andeutete, dass ein Feldherr, zumal ein tapferer und erfahrener wie er, viele aufwiege. Und wo ist siegreiche Macht, wo Weisheit und Erfahrung, wenn nicht bei Gott? Er ist der rechte Kriegsmann (2. Mose 15,3), er ist der Herr der Heerscharen. Bei ihm allein ist Macht und Kraft, Israel zu erlösen aus allen seinen Nöten. Er kann, er will es tun: Er ist weise von Rat und mächtig von Tat. Außer ihm ist kein Heiland: er ist der Schild der Gerechten, die Kraft der Schwachen, die Zuflucht der Unterdrückten. Er ist instar omnium, alles in allem; wer ist ihm gleich in aller Welt? John Spencer † 1654.

Homiletische Winke

V. 1. Freude die Seele des Lobpreises. Der Herr der ewig sprudelnde Quell der Freude. Wer sind die Leute, die sich so freuen und lobpreisen können und sollen?
V. 1b. Den Rechtschaffenen ziemt Lobgesang (Grundt.): Er ist ihre Pflicht und ihre Ehre (Zierde).
Der Lobpreis ein wohlanständiges Ding. Was für Lobpreis? Harmonischer, d. i. solcher Lobpreis, bei dem Mund und Herz übereinstimmen. Warum? Er steht uns wohl an, wie die Flügel den Engeln, denn wir schwingen uns mit ihm empor; wie die goldenen Äpfel dem Baum, denn er ist unsre Frucht; wie das priesterliche Gewand dem Priester, denn er ist unsre Pflicht; wie einer Braut der Schmuck, denn er ist unser Schmuck; wie einem König die Krone, denn er ist unsre höchste Ehre. Wann? Allezeit, aber sonderlich inmitten von Verleumdung, Verfolgung, Krankheit, Armut und Todesschmerz. Wem? Nicht den Gottlosen, Heuchlern und Gleichgültigen. -- Ein Leben ohne Loben entbehrt seiner schönsten Zier.
V. 2. Der Gebrauch der Orgel und anderer Musikinstrumente im Gottesdienst. Ist er erlaubt? Ist er förderlich? Wenn ja, so zeige man den rechten Gebrauch, seine Schranken und Gesetze. Eine Predigt zur Hebung des Gemeindegesangs.
V. 3. Das neue Lied des neuen Bundes und wer allein es singen kann.
Die Pflicht, unsere Anbetung allezeit frisch zu erhalten.
Frische, Wohlklang und Innigkeit, drei Erfordernisse des Gemeindegesangs.
V. 4. Gottes Wort ist wahrhaftig, d. i. dem Gedanken und Willen Gottes ganz entsprechend; Gottes Tun ist getreu, mit seinem Wort übereinstimmend. Wie stellen wir uns zu beiden?
V. 4a. Alle Gottesworte, mögen sie Lehre, Gesetz, Geschichte oder Weissagung enthalten, sind durchaus wahrhaftig.
V. 4b. Gottes Tun in der Schöpfung, der Vorsehung und der Erlösung ist immer getreu, d. i. seines Wollens Wohlmeinen und seines Wortes Wahrheit bewährend.
V. 4-5. Vierfältiger Anlass zum Preise Gottes, aus seiner Wahrhaftigkeit (4 a), Treue (4 b), Gerechtigkeit (5 a) und Güte (5 b) hergenommen.
V. 5. Die Gerechtigkeit und die Güte Gottes: Beide leuchten gleichermaßen aus seinem Walten hervor.
V. 5b. Für jemand, der ein offenes Auge und eine beredte Zunge hat, ein Thema, das seinesgleichen sucht.
V. 6. Die Macht des Wortes und des Geistes bei der alten (irdischen) und der neuen (geistlichen) Schöpfung.
V. 7. Gottes Gewalt über die zerstörenden und die segensvollen Mächte.
Die Vorratskammern des großen himmlischen Gutsherrn.
V. 8. Die allgemeine Verehrung Gottes. Ihre gegenwärtigen Hindernisse, ihre Aussichten für die Zukunft, und was für Pflichten uns diesem Ziel gegenüber obliegen.
Ehrfurcht vor Gott, ein unumgängliches Erfordernis der wahren Anbetung.
V. 9. Wie unwiderstehlich das Wort Gottes wirkt a) in der Schöpfung, b) in der Berufung der Auserwählten, c) in ihrer Tröstung und Errettung, und d) in der Vollendung des Heils bei der neuen Schöpfung (2. Petr. 3,13).
V. 10. Wie Gott die Gedanken der Völker wendet: a) indem er sie vereitelt, b) indem er sie dem Evangelium gehorsam macht (2.Kor. 10,5).
V. 10-11. Gottes Rat und Menschenrat, oder: Irdische und himmlische Staatskunst.
V. 11. Die Ewigkeit, Unveränderlichkeit, Wirksamkeit und Weisheit der göttlichen Ratschlüsse. Gottes Absichten sind "die Gedanken seines Herzens", daher voller Weisheit, vor allem aber voller Liebe.
V. 12. Das Glück des Volkes Gottes.
Gottes Wohlgefallen an den Seinen und ihr Wohlgefallen an Ihm.
V. 13. Gottes Allwissenheit und was sie uns lehrt.
V. 13-15. Die göttliche Vorsehung.
V. 15. Wie und woher kennt Gott aller Menschen Herz und wie merkt er auf ihre Taten?
Die Verschiedenheit und die Gleichartigkeit der göttlichen Anlage im Menschen.
V. 16-18. Das Trügerische alles Vertrauens auf die Kreatur und die Sicherheit des Vertrauens auf Gott.
V. 18. Wahres und falsches Hoffen auf Gottes Güte.
Gott sieht auf die usw. 1) mit dem Blick des Kennens, 2) mit dem Blick der Liebe, und 3) mit dem Blick seiner Vorsehung.
V. 19. Ernährung in der Hungersnot, leiblicher und geistlicher.
V. 20. Das Harren auf den Herrn. Es schließt ein: 1) eine gewisse Überzeugung, dass Gott das höchste Gut ist; 2) ein Verlangen nach seinen Heilsgütern; 3) Hoffnung: 4) Geduld. William Jay † 1853.
Das Christenleben ein stündliches Harren auf Gott.
V. 21. Der Glaube - die Quelle der Freude.
V. 22. Ein Gebet, das nur für Gläubige passt.

Maß um Maß, oder: Inwiefern und warum bemisst Gott seine Gnadenerweisungen nach unserm Glauben?
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

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Beitragvon Jörg » 16.05.2020 12:57

PSALM 34 (Auslegung & Kommentar)


Überschrift

(Ein Psalm) Davids, da er seine Gebärde (wörtl.: seinen Verstand) verstellte vor Abimelech, der ihn von sich trieb und er wegging. Von diesem Ereignis, das David nicht zu besonderer Ehre gereicht, haben wir in 1. Samuel 21,11-16 einen kurzen Bericht. Wenngleich die Dankbarkeit David drängt, in einem Psalm der Güte Gottes zu gedenken, die ihm eine unverdiente Befreiung hat zuteil werden lassen, so lässt er doch keine Einzelheiten jenes Vorfalls in seinem Lied anklingen. Daraus mögen wir lernen, dass wir vor anderen mit unsern Sünden nicht zu prahlen brauchen, wie gewisse ruhmsüchtige Bekenner zu tun pflegen, die auf ihre Sünden gerade so stolz zu sein scheinen, wie unsre alten Kriegsinvaliden auf ihre Schlachten und Wunden. David hatte mit besonderer Geschicklichkeit den Verrückten gespielt; aber so verrückt war er denn doch nicht, dass er auch die Heldentaten seines Wahnsinns besungen hätte. Die Überschrift will gewiss nicht besagen, dass der Psalmist dieses Gedicht zur Zeit seiner Flucht von dem Hofe des Königs Achis von Gath verfasst habe, sondern nur, dass die Erinnerung daran die Veranlassung zur Dichtung des Psalms gewesen sei. Namentlich weist die alphabetische Anordnung (vergl. Ps. 9; 10; 25) auf eine Zeit, wo Davids Geist vollständig zur Ruhe gekommen war. Viel enger mit jenem Ereignis verknüpft ist Ps. 56. - Abimelech ist wohl der Würdename der philistäischen Könige, vergl. 1. Mose 21,22; 26,26.

Einteilung


Der Psalm besteht aus zwei Hauptabschnitten und zwar teilt er sich am Ende des 11. Verses, wo der Psalmist, nachdem er Gott sein Lob dargebracht hat, sich ermahnend und lehrend an seine Mitmenschen wendet. Die ersten 10 Verse (V. 2-11) bilden einen Hymnus und die letzten 12 eine Predigt. Zur Erleichterung der Übersicht teilen wir den Psalm folgendermaßen ein: V. 2-4 gelobt David, den Herrn zu preisen, und fordert andere auf, dasselbe zu tun: V. 5-8 erzählt er seine Erfahrung; V. 9-11 ermahnt er die Frommen zur Standhaftigkeit im Glauben; V. 12-15 enthalten dringliche Mahnungen, und V. 16-23 schließt der Psalm mit allgemeinen religiösen Belehrungen.

Auslegung

2. Ich will den Herrn loben allezeit;
sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein.
3. Meine Seele soll sich rühmen des Herrn,
dass es die Elenden hören und sich freuen.
4. Preist mit mir den Herrn,
und lasst uns miteinander seinen Namen erhöhen.


2. Ich will den Herrn loben (lobpreisend segnen) allezeit. David ist entschlossen: Ich will , spricht er. Mögen andere tun, was sie wollen, er ist für sich selbst gänzlich entschieden. Weil er einen klaren Kopf und ein inbrünstiges Herz hat, weiß er, wem er Lob schuldet, was er schuldet, wie auch, wofür und wann er’s schuldet. Es gebührt uns, den Dank Jahwe selber darzubringen und nicht irgendeiner Mittelursache, deren er sich bedient. Der Herr hat von Rechts wegen den alleinigen Anspruch auf das Lob seiner Geschöpfe. Selbst dann, wenn, wie in Davids Fall, die genossene Wohltat uns an eine Sünde, die mit ihr verknüpft ist, erinnert, dürfen wir doch Gott nicht seines Ehrenlohns deshalb berauben, weil unser Gewissen uns dabei straft wegen des Anteils, den wir an den Ereignissen gehabt haben. Obgleich die Angel rostig war, sandte doch Gott uns den Fisch und wir danken ihm dafür. Allezeit: in jeder Lage, unter allen Umständen, vor, während und nach der Prüfung, an hellen Tagen der Freude und in finstern Nächten der Angst. Nie war David mit seinem Lob zufrieden als hätte er dessen nun genug getan; er empfand tief, dass sein Danken und Preisen stets weit hinter dem, was Gott gebührte, zurückblieb. Wohl dem, dessen Finger mit der Harfe vertraut sind! Wer Gott für seine Wohltaten preist, dem wird es nie an Gutem fehlen, wofür er danken kann. Gott zu preisen ist nie unzeitgemäß. Sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein: nicht nur in meinem Herzen, sondern auch in meinem Munde. Unsere Dankbarkeit soll nicht stumm sein, sondern in fröhlichen Liedern hervorbrechen. Unsere Zunge, die so gern unsern Ruhm singt, soll Gottes Ruhm verkündigen. Wie süß ist es, des Herrn Lob zu singen, wie reinigend und veredelnd wirkt es, mit welch’ lieblichem Dufte erfüllt es Herz und Haus! Wäre der Mund der Menschen allezeit des Lobes Gottes voll, so wäre kein Raum für das Murren wider Gott oder die Verleumdung des Nächsten. Führten sie diesen Leckerbissen beständig im Munde, so würde alle Bitterkeit der täglichen Trübsal vor der Süßigkeit dieser königlichen Speise verschwinden. Gott verdient es, dass wir ihn im Herzen preisen und mit dem Munde erheben: Er ist es wert, dass wir ihn im stillen Kämmerlein anbeten und vor aller Welt seinen Ruhm verkündigen.

3. Meine Seele soll sich rühmen des Herrn. Wir sind von Natur zum Rühmen sehr geneigt, und wenn wir es stets im Sinne Davids täten, so brauchte sich keiner darin zu mäßigen. Aber merken wir wohl: Sein Lobpreisen ist keine bloße Zungenfertigkeit, denn die Seele ist darin. Wie viel Anlass zu heiligem Rühmen finden wir doch in Jahwe! Seine Person, seine Eigenschaften, sein Bund, seine Verheißungen, seine Taten und tausend andre Dinge sind alle unvergleichlich, einzigartig, unermesslich. Wir mögen so viel Rühmens davon machen, wie wir wollen, man wird uns nie überführen können, dass wir zu viel gesagt hätten und in lügenhaftes Prahlen verfallen wären. Wahrlich, der diese Worte niederschreibt, findet an sich selbst nichts zu rühmen, wohl aber vieles zu beklagen, und doch soll niemand ihn daran hindern, sich in seinem Gott zu rühmen sein Leben lang. Dass es die Elenden (Grundtext aktiv: die Dulder) hören und sich freuen . Stille Dulder kränkt es in der Regel, wenn sie Leute sich rühmen hören; sie wenden sich von allen Prahlereien und stolzen Reden mit Abscheu ab; -- aber in dem Herrn sich zu rühmen ist ja etwas ganz anderes! Das tröstet im Gegenteil die Schwachen und ermutigt sie. Das glaubensstarke Zeugnis bewährter Christen gereicht Brüdern, die in der Schule der Leiden sind, stets zu großer Erquickung.

4. Preiset mit mir den Herrn. Buchstäblich: Gebt mit mir dem Herrn Größe oder Herrlichkeit . Ist diese Aufforderung an die Elenden gerichtet? Wenn dem so ist, so passt sie trefflich: Denn nur wer sich selbst klein fühlt, kann Gott erheben. Darum bittet David eben solche, ihm zu helfen, dass Gottes Ruhm unter den Menschenkindern ausgebreitet werde. Jahwe ist zwar unendlich groß und seiner Größe oder Herrlichkeit kann daher nichts hinzugefügt werden; aber sein Name gewinnt an offenbarer Herrlichkeit in dem Maße, in dem er allen Geschöpfen bekannt wird. Es ist gut, wenn wir unsre eigene Unzulänglichkeit, Gott nach Gebühr zu verherrlichen, erkennen und deshalb auch andere zu diesem gottseligen Werke aufrufen; denn damit erweisen wir uns selbst und unsern Freunden zugleich den besten Dienst. Kein Lob aber kann dasjenige übertreffen, das uns im Gefühl unserer eigenen Nichtigkeit niederbeugt, so dass wir angesichts der göttlichen Gnade, die sich wie die höchsten Bergriesen vor uns auftürmt, immer tiefer und tiefer in heilige Ehrfurcht versinken. Und lasst uns miteinander seinen Namen erhöhen. Gemeinsame Anbetung ist der natürliche Spross eines der Triebe des neuen Lebens. Im Himmel wird ihre Wonne voll genossen und wo sie hier auf Erden am reichlichsten geübt wird, ist die Erde dem Himmel am ähnlichsten.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

Jörg
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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps34

Beitragvon Jörg » 19.05.2020 17:12

5. Da ich den Herrn suchte, antwortete er mir
und errettete mich aus aller meiner Furcht.
6. Die auf ihn sehen, die werden erquickt,
und ihr Angesicht wird nicht zuschanden.
7. Da dieser Elende rief, hörte der Herr.
und half ihm aus allen seinen Nöten.
8. Der Engel des Herrn lagert sich um die her, so ihn fürchten,
und hilft ihnen aus.


5. Da ich den Herrn suchte, antwortete er mir. David muss in Gath recht verwirrt zu Gott geschrieen haben, sonst hätte er nicht zu so zweifelhaften Mitteln seine Zuflucht genommen, dass er sich für einen Verrückten ausgab und sich wie ein Wahnsinniger gebärdete, und doch fand sein armseliges, hinkendes Gebet bei Gott Annahme und brachte ihm Hilfe; desto mehr Grund hatte er, die überfließende Gnade des Herrn zu preisen! Wir dürfen Gott suchen, selbst wenn wir uns schwer verfehlt haben. Wenn Sünde den Gnadenthron versperren könnte, wäre es aus mit uns; aber das ist gerade der Reichtum der Gnade, dass dort Gaben sind sogar für Abtrünnige (Ps. 68,19) und ein Fürsprecher für sündige Menschen. Und errettete mich ans aller meiner Furcht. Gott hilft gründlich, indem er beides, sowohl unsere Furcht als ihre Ursachen, und zwar ganz und gar, wegräumt. Gepriesen sei sein Name: Gebet behauptet das Feld, erschlägt die Feinde und begräbt selbst ihre Gebeine! -- David redet in diesem und den vorhergehenden Versen so viel von sich, dass es fast scheinen könnte, als wäre er ein selbstsüchtiger Mensch, der nur an sein liebes Ich denkt; aber wir brauchen uns nicht zu schämen, von uns selbst zu reden, wenn wir damit ehrlich auf Gottes und nicht auf unsre eigene Verherrlichung hinzielen. Manche treiben die Ängstlichkeit in diesem Stück bis zur Torheit. Solche mögen bedenken, dass die Bescheidenheit, sobald sie Gott seiner Ehre beraubt, zur Untugend wird.

6. Die auf ihn sehen, die werden erquickt, wörtlich: die werden leuchtend, leuchtenden Angesichts. (Den Gegensatz bildet das schambedeckte Antlitz V. 6 b.) Der Psalmist gesteht, dass seine Errettung nichts Absonderliches gewesen sei, sondern eben solche Erfahrungen im Leben aller Gläubigen vorkämen; sie alle müssten mit ihm bezeugen, dass sie, sobald sie vertrauensvoll auf den Herrn geblickt hätten, erquickt worden seien, so dass ihr Antlitz zu leuchten und ihr Mut wieder aufzuleben begonnen habe. Welch reichen Segen kann ein Blick auf den Herrn uns bringen! Schaue auf Jesus, den gekreuzigten Heiland: Du findest Leben, Licht, Liebe, alles, in solchem Blick des Glaubens. Nie hat ein krankes Herz umsonst zum guten Arzte aufgeschaut: nie hat ein sterbendes Menschenkind das brechende Auge zur ehernen Schlange erhoben, ohne ihre Heilkraft zu erfahren. Und ihr Angesicht wird nicht zuschanden. Sie brauchen ihr Antlitz nicht zu verhüllen (vergl. den Grundt.), sondern dürfen es frei erheben; sie mögen vor Freude erröten, aber nicht vor Scham. Wer Gott vertraut, braucht sich des nicht zu schämen; Zeit und Ewigkeit werden seine Zuversicht rechtfertigen.

7. Da dieser Elende rief, oder: Hier ist ein Elender, der gerufen hat. David kommt nun wieder auf sich selbst zu sprechen. Er war in der Tat elend -- von allen Freunden verlassen und in höchster Lebensgefahr; aber in seinem Herzen rief, ja schrie er zu dem Treuen, der doch keines der Seinen je im Stiche lassen kann, und er fand Hilfe. Sein Gebet war ein Schrei -- so kurz, schmerzlich, dringend und kunstlos. Es war der Schrei eines Elenden; doch galt es darum im Himmel nicht weniger, denn da hörte der Herr, und von Gott gehört werden ist gleichbedeutend mit befreit werden, wie es weiter heißt: und half ihm aus allen seinen Nöten . Sofort war David aller seiner Drangsal ledig. Der Herr verscheucht unsere Kümmernisse, wie Menschen einen Schwarm Hornisse vertilgen oder wie der Wind den Nebel zerreißt. Das Gebet kann uns von allem unserm Leid eben so schnell befreien, wie der Herr Ägyptenland von den Fröschen und Fliegen säuberte, als Mose ihn bat. In diesem Verse haben wir das persönliche Zeugnis des Psalmisten vor uns; durch dasselbe redet er noch zu uns, obwohl er gestorben ist. Möge der bekümmerte Leser es zu Herzen nehmen und gutes Muts sein.

8. Der Engel des Herrn. Der Bundesengel, der Fürst über das Heer des Herrn (Jos. 5,14), umgibt mit seiner Streiterschar die Behausungen der Heiligen. Gleich einem gut verschanzten Heer umlagern die dienstbaren Geister die Auserwählten des Herrn, ihnen zu dienen und zu helfen, sie zu beschützen und zu trösten. Lagert sich um die her, die ihn fürchten. Auf allen Seiten halten Krieger Wacht, deren Augen sich kein Schlaf naht, und der Führer dieser Scharen ist einer, dessen Heldenmacht niemand widerstehen kann; denn dieser Engel ist kein anderer als Jahwe selbst. Und hilft ihnen aus. Wir ahnen kaum, wie viele Errettungen wir diesen unsichtbaren Händen verdanken, die beauftragt sind, uns zu tragen, damit unser Fuß sich nicht an einem Stein stoße.

9. Schmeckt und seht, wie freundlich der Herr ist.
Wohl dem, der auf ihn traut!
10. Fürchtet den Herrn, ihr seine Heiligen!
denn die ihn fürchten, haben keinen Mangel.
11. Reiche müssen darben und hungern;
aber die den Herrn suchen, haben keinen Mangel an irgendeinem Gut.


9. Schmeckt und seht. Wohlan, so versuche die Güte Gottes; koste sie, stelle einen inwendigen Versuch an, erprobe sie durch Erfahrung. Du kannst sie nicht sehen, außer wenn du sie kostest, sagt Bernhard von Clairvaux; dann aber wirst du auch sehen, d. i. zu einer geistlichen Erkenntnis der Güte des Herrn kommen; denn diese macht, wie der Honig, den Jonathan fand, die Augen hell. Wie freundlich der Herr ist. Nur durch persönliche Erfahrung können wir dies erproben. Siehe, ein reiches Festmahl ist vorbereitet; der König hat seine Ochsen und sein Mastvieh geschlachtet und es ist alles bereit (Mt. 22,4); es ist ein Mahl von Fettspeisen, ein Mahl von Hefenweinen, von Fettspeisen, die mit Mark bereitet, von Hefenweinen, die gereinigt sind (Jes. 25,6 wörtl.); aber all die Süßigkeit der königlichen Speise wird dir unbekannt bleiben, es sei denn, dass du davon isst, die Segnungen des Heils dir durch lebendige, innerliche, tatsächliche Aneignung zu Nutze machest. Wohl dem, der auf ihn traut! Der Glaube ist der Geschmackssinn der Seele. Wer den Herrn schmeckt, indem er ihm vertraut, der findet ihn immer gut und trägt für sich selbst reichen Segen davon: Er wird ein seliger Mensch. So enthält diese zweite Vershälfte die Begründung der Aufforderung, die die erste an uns gerichtet hat.

10. Fürchtet den Herrn, ihr seine Heiligen, die der Heilige ausgesondert, in seine traute Gemeinschaft eingeführt und zu seinem Dienst geweiht hat. Bringt eurem Bundesgott demütige, kindliche Ehrfurcht dar. Wandelt in seinen Geboten, achtet auf seinen Willen, zittert davor, ihn zu beleidigen, eilt, wo ihr ihm dienen könnt. Fürchtet nicht den Zorn der Menschen und lasst euch nicht durch ihre Drohungen zur Sünde verleiten; fürchtet Gott und außer ihm nichts. Denn die ihn fürchten, haben keinen Mangel. Jahwe kann seine treuen Diener nicht verhungern lassen. Vielleicht schenkt er ihnen keinen Überfluss; aber sie mit dem Nötigen zu versehen, zwingt ihn seine Verheißung und er wird sein Wort nicht zurückziehen. Gar manche unserer Wünsche und Launen mögen unerfüllt bleiben; aber wirklichen Mangel wird der Herr verhüten. Die Gottesfurcht oder wahre Frömmigkeit ist nicht nur die Pflicht der "Heiligen", sondern auch ihr seliges Vorrecht, der einzige sichere Weg zu wahrem Glück und Trost in Zeit und Ewigkeit. Die Gottseligkeit hat auch die Verheißung dieses Lebens. Wenn wir wie Hunde sterben müssten und es keine Ewigkeit gäbe, so würden wir doch zum Vorteil unsrer eigenen Glückseligkeit handeln, indem wir Gott fürchten. Die Menschen suchen sich Gönner und Schutzherren und hoffen, unter ihrem Schatten zu gedeihen und finden sich gar oft betrogen; aber wessen Freund und Beschützer Jahwe ist, dem kann es nie an etwas fehlen.

11. Junge Löwen (Grundt.1 müssen darben und hungern . Trotz ihrer Wildheit, List und Stärke, trotz ihrer jugendlichen Vollkraft brüllen sie manchmal vor nagendem Hunger; so geraten oft gerade die listigsten und gewalttätigsten Menschen bei all ihrem Scharfsinn und ihrer Gewissenlosigkeit in Armut, während die einfältigen Frommen, die nicht Löwen-, sondern Lammesnatur haben und sich demnach nicht von Raub und Mord nähren können, mit der ihnen zuträglichen Nahrung gesättigt werden. Gott vertrauen ist die beste Politik. Aber die den Herrn suchen, haben keinen Mangel an irgendeinem Gut. Kein wirkliches Gut wird denen versagt, deren erstes und höchstes Lebensziel ist, den Herrn zu suchen . Die Menschen mögen sie Toren schelten, aber der Herr wird sie als Weise rechtfertigen, und sie werden gewinnen, wo die Unwissenheit dieser Welt alles verliert; der Ruhm aber wird Gottes sein.

Fußnote
1. Die allegorische Deutung, die Spurgeon in die Auslegung, Luther nach LXX u. Vulg. sogar in den Text einträgt ("Reiche"), schwächt die Kraft des Bildes eher ab.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

Jörg
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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps34

Beitragvon Jörg » 23.05.2020 12:39

12. Kommt her, Kinder, höret mir zu;
ich will euch die Furcht des Herrn lehren.
13. Wer ist, der Leben begehrt.
und gerne gute Tage hätte?
14. Behüte deine Zunge vor Bösem,
und deine Lippen, dass sie nicht Trug reden.
15. Lass vom Bösen, und tue Gutes;
suche Frieden und jage ihm nach.

12. Kommt her, Kinder. Obwohl der Psalmdichter ein Kriegsheld und ein König war, schämte er sich doch nicht, Kinder zu lehren, und mit Recht, denn die Lehrer der Jugend gehören zum wahren Adel. Ihr Werk ist ehrenvoll und ihr Lohn wird herrlich sein. Vielleicht hatten sich die Knaben und Mädchen von Gath über den scheinbar verrückten David lustig gemacht. War dies der Fall, so sucht er hier sein früheres Unrecht wieder gut zu machen, indem er das aufwachsende Geschlecht belehrt. Wer die Jugend hat, der hat die Zukunft; darum bieten kluge Leute, die ihre Ansichten zu verbreiten wünschen, alles auf, um das Ohr der Jugend zu gewinnen. Höret mir zu: Ich will euch die Furcht des Herrn lehren. Soweit Gottesfurcht und Glaube überhaupt durch das Wort des Mundes gelehrt und durch das Hören des Ohrs gelernt werden können, sollen wir sie unsern Kindern als bestes Erbgut überliefern, indem wir ihnen die Grundsätze und die praktische Betätigung der Frömmigkeit einprägen. Dieser Vers gibt dem Sonntagsschullehrer für seine Klasse, den Eltern für ihre Kinder die rechte Weisung. Die Kunst des Lehrens will gelernt sein: Wohlan, hier finden wir echte Erzieherweisheit. Wir sollen die jungen Seelen durch die mächtige Anziehungskraft der Liebe zu gewinnen suchen, sie mit einem freundlichen "Kommt" locken, statt sie durch barsche Worte von uns wegzutreiben. Wir müssen sie von Spiel und Tand abbringen, um ihren Sinn mit höhern Zielen zu beschäftigen; denn solange ihre Köpfe von andern Dingen voll sind, können wir sie nicht mit Erfolg belehren. Wichtig ist, dass wir stets auf die Hauptsache zielen und die Gottesfurcht den Grundton aller Lehre bilde; dabei dürfen wir dann auch mit dem rechten Takt unsre eigene Persönlichkeit in die Wagschale legen, indem wir ihnen aus dem Schatze unserer Erfahrung erzählen und aus unserer Überzeugung keinen Hehl machen.

13. Wer ist (der Mann), der Leben begehrt, der (zahlreiche Lebens-) Tage wünscht, um Gutes (Glück) zu sehen? (Grundt.) Ein langes, glückliches Leben wünscht jedermann, ganz besonders aber die Jugend, und wer ein bewährtes Rezept hiefür besitzt, verdient es, berühmt zu werden. Bloßes Dasein ist noch kein Leben; die Kunst zu leben, wirklich und glücklich zu leben, ist nicht allen bekannt. Die Menschen zu lehren, wie sie leben und wie sie sterben sollen, das ist der Zweck aller wahren religiösen Unterweisung. Der herrliche Lohn, den die Tugend in sich trägt, soll die Jugend zu sittlichem Streben reizen. Während wir sie Gott fürchten und lieben lehren, sollen wir zugleich die Wichtigkeit des sittlichen Verhaltens zu unsern Mitmenschen betonen.

14. Behüte deine Zunge vor Bösem. Nimm ja dies gefährliche Glied, deine Zunge, in Acht, damit sie nicht Böses stifte; denn das Böse wird auf dich zurückfallen und deine Lebensfreude trüben. Niemand kann auf andere Gift speien, ohne sich selber mit dem Gift den Mund zu verbrennen. Und deine Lippen, dass sie nicht Trug reden. Wer nach Glückseligkeit strebt, muss ängstlich alle Falschheit meiden. Wer mit Hinterlist umgeht und Ränke schmiedet, muss wie ein Spion, der im feindlichen Lager weilt, beständig fürchten, entdeckt und vor das Kriegsgericht gestellt zu werden. Reine und ehrbare Unterhaltung, die das Gewissen nicht befleckt, fördert die Glückseligkeit; aber lügenhaftes und böses Geschwätz füllt unser Ruhekissen mit Dornen statt mit Daunen. Wer sich mit Lügen helfen will, gerät in einen Strudel von Angst und Beschämung, dem er nicht entrinnen kann. David hatte diese unehrliche Politik versucht; aber hier beklagt er es und bittet andere, wenn sie alt werden und sorgenfrei leben wollen, sich doch ja vor allem zweideutigen, trügerischen Wesen zu hüten.

15. Lass (weiche weg) vom Bösen . Geh ihm aus dem Wege. Halte nicht bloß deine Hände davon fern, sondern bleibe selber weg. Wohne nicht bei einem Pesthause. Fliehe die Höhle des Löwen und das Nest der Otter. Lass zwischen dir und der Versuchung einen weiten Abstand sein. Und tue Gutes. Übe das Gute mit Tatkraft und Beharrlichkeit aus. Eine positive Tugend erzeugt von selbst auch eine negative, d. h., wer Gutes tut, wird sicher auch das Böse meiden. Suche Frieden . Ziehe ihn nicht bloß dem Unfrieden vor, sondern liebe ihn und suche ihn mit allen Mitteln zu fördern. Trachte nach dem Frieden mit Gott, mit deinem eigenen Herzen und mit deinen Mitmenschen, wie der Kaufmann nach einer köstlichen Perle trachtet. Nichts fördert unsere Glückseligkeit wirksamer als der Friede. Streit weckt Leidenschaften, die sich mit bohrender Gewalt ins Herz hineinfressen. Der Zornige mordet sich selbst so gut wie seinen Feind. Und jage ihm nach. Erstrebe ihn mit heißem Begehren. Ach, er ist so schnell verloren, dass in der Tat nichts schwerer zu bewahren ist wie der Friede; aber tu wenigstens dein Möglichstes und wenn Feindschaft sich erheben sollte, lass es nicht deine Schuld sein. Folge dem Frieden nach, auch wenn er dich flieht; nimm dir vor, nie streitsüchtig zu sein. Der Friede, den du so hegst und pflegst, wird in deine eigne Brust zurückkehren und dir eine unversiegbare Quelle des Trostes sein.

16. Die Augen des Herrn merken auf die Gerechten,
und seine Ohren auf ihr Schreien;
17. Das Antlitz aber des Herrn stehet gegen die, so Böses tun,
dass er ihr Gedächtnis ausrotte von der Erde.
18. Wenn die (Gerechten) schreien, so hört der Herr,
und errettet sie aus all ihrer Not.
19. Der Herr ist nahe bei denen, die zerbrochenen Herzens sind,
und hilft denen, die zerschlagen Gemüt haben.
20. Der Gerechte muss viel leiden;
aber der Herr hilft ihm aus dem allen.
21. Er bewahret ihm alle seine Gebeine,
dass der nicht eins zerbrochen wird.
22. Den Gottlosen wird das Unglück töten,
und die den Gerechten hassen, werden Schuld haben.
23. Der Herr erlöst die Seele seiner Knechte,
und alle, die auf ihn trauen, werden keine Schuld haben.


16. Die Augen des Herrn merken auf die Gerechten. Mit liebendem und zärtlich fürsorgendem Blick beobachtet er sie: Sie sind ihm so wert, dass er seine Augen nicht von ihnen abwenden kann. Über jedem Einzelnen wacht er mit solcher Sorgfalt und Aufmerksamkeit, als ob er das einzige Geschöpf im Weltall wäre. Und seine Ohren auf ihr Schreien. Beides, die Augen und die Ohren des Herrn, sind auf seine Heiligen gerichtet; sein ganzes Sinnen wendet sich ihnen zu. Mögen alle andern sie verachten, so werden sie doch von ihm nicht gering geschätzt und vernachlässigt. Wie eine Mutter jeden Laut ihres kranken Kindes sofort hört, so vernimmt er ihr Schreien. Mag der Schrei noch so gebrochen, klagend, unglücklich, schwach und kleingläubig sein, des Vaters scharfes Ohr fängt jeden Ton der Klage oder der Bitte auf und er säumt nicht, auf die Stimme seiner Kinder zu antworten.

17. Das Antlitz aber des Herrn stehet gegen die, die Böses tun. Gott verhält sich nicht gleichgültig gegenüber dem Tun der Sünder, sondern er richtet sein Angesicht gegen sie, fest entschlossen, ihnen weder Schutz noch Hilfe zu gewähren, sondern ihre Pläne zu vereiteln und sie selber zu vertilgen. Es steht bei ihm endgültig fest, dass es den Gottlosen nicht geraten soll; mit all seiner Macht stellt er sich ihnen entgegen, um sie zu stürzen. Dass er ihr Gedächtnis ausrotte von der Erde. Ihr Stern soll erlöschen, ihre Ehre sich in Schande verkehren; auch ihr Name wird vergessen oder verflucht sein. Völliges Verderben ist das Los, das auf die Gottlosen wartet.

18. Wenn die Gerechten 2 schreien. Wie Israel in Ägypten schreien sie auf unter dem schweren Joch der Sünde, der Versuchung, der Sorge und des Leides. So hört der Herr -- wie der treue Wächter auf den ersten Notschrei, der durch die Nacht hallt, zur Hilfe herbeieilt. Und errettet sie aus all ihrer Not. Kein Sorgennetz kann uns so gefangen halten, dass der Herr uns nicht daraus zu befreien vermag. Unsere Not mag groß und vielfältig sein, das Gebet kann uns dennoch daraus erretten; denn der Herr wird sich an uns mächtig erweisen.

Fußnote
2. Vielleicht stand ursprünglich V. 17 (p) vor V. 16 (() wie Klagl. Kap. 2-4. In der jetzigen Folge gleicht V. 18 dem V. 6 in seiner unbestimmten Fassung: Wer nur schreit, den hört ...
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Jörg
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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps34

Beitragvon Jörg » 26.05.2020 14:33

19. Der Herr ist nahe bei denen, die zerbrochenen Herzens sind. Nahe als Freund, uns sein Ohr zu leihen und uns zu trösten. Zerbrochene Herzen vermuten Gott oft in der Ferne, während er ihnen in Wirklichkeit ganz nahe ist; aber ihre Augen sind gehalten, dass sie ihren besten Freund nicht erkennen. Tatsächlich ist er in ihnen und mit ihnen: aber sie wissen es nicht. Sie laufen hierhin und dorthin und suchen Frieden in ihren eigenen Werken, in ihren Erfahrungen und Gefühlen, in ihren guten Vorsätzen und Entschlüssen, obwohl der Herr ihnen nahe ist und sich dem schlichten Glauben offenbaren würde. Und hilft denen, die zerschlagen Gemüt haben. Welch hoffnungsvolles, Gutes verheißendes Zeichen ist ein reuiges, Leid tragendes Herz. Gerade wenn der Sünder sich selbst verdammt, spricht der Herr ihn gnädig frei. Wenn wir uns selber strafen, wird Gott unser schonen. Er schlägt keinen mit der Rute des Gerichts, der schon blutet unter der Geißel der Buße. Erlösung und Zerknirschung sind eng miteinander verbunden.

20. Der Gerechte muss viel leiden. So werden sie Jesu, ihrem Bundeshaupt, ähnlich gestaltet. Die heilige Schrift schmeichelt uns nicht, wie unsere erdichteten Erzählungen, mit der Vorstellung, als ob Frömmigkeit uns vor allem Leid schütze. Im Gegenteil werden wir immer und immer wieder gemahnt, dass wir, solange wir in diesem Leibe pilgern, Trübsal zu erwarten haben. Anfechtungen kommen über uns von allen vier Winden und sie kommen so zahlreich und quälen uns so empfindlich, wie die Moskitos in den heißen Ländern. Es ist das Erdenlos der Auserwählten, auf ihrem Lebenspfad Unkraut und Dornen wachsen zu sehen, ja sich mitten unter sie niederlegen zu müssen und ihre Ruhe durch Leid aller Art gestört zu finden. Aber: seliges Aber! O wie zieht es den schmerzlichen Stachel aus dem vorhergehenden Wort heraus! Aber der Herr hilft ihm aus dem allen. Durch ganze Kriegsheere von Trübsalen führt der Herr seine Erlösten unversehrt wie im Triumph hindurch. Für den, der glaubt, hat jede Not ein Ende und ein fröhliches Ende. Keine Anfechtung darf dem Gerechten auch nur ein Haar seines Hauptes krümmen und selbst der Feuerofen des Elends kann ihn auch nicht einen Augenblick länger festhalten, wenn der Herr ihn herausruft. Hart wäre das Los des Gerechten zu nennen, wenn diese Verheißung nicht gleich einem Büschel Myrrhen hineingelegt wäre. Derselbe Herr, der die Trübsale wie seine Schäferhunde sendet, wird sie auch zurückrufen, sobald sein Zweck erreicht ist; aber er wird nie, auch den wildesten dieser Hunde nicht, zugeben, dass sie eins seiner Schäflein zerreißen und verschlingen.

21. Er bewahrt ihm alle seine Gebeine, dass der nicht eins zerbrochen wird. David hatte von Gath manche Striemen und Beulen davongetragen; aber seine Gebeine waren ganz geblieben. Kein bleibender Schaden haftet an den Heiligen. Die Ewigkeit wird alle ihre Wunden heilen. Ihr tiefstes Wesen bleibt unversehrt; sie mögen Fleischwunden haben, aber kein Teil ihres innern Organismus soll verletzt werden. Dieser Vers lässt sich zwar auch auf die häufigen Bewahrungen beziehen, die Gottes Kindern widerfahren; da aber die Erfahrung lehrt, dass fromme Leute so gut wie gottlose sich ein Glied brechen können, so ist es unmöglich, das hier Gesagte auf bloß körperliche Bewahrungen einzuschränken, und es muss, wie mir scheint, geistlich auf die schweren Verletzungen der Seele gedeutet werden, vor denen Gottes Liebe seine Kinder schützt. Wie Christus selbst kein Bein zerbrochen wurde (Joh. 19,31-36), so soll auch am mystischen Leibe Christi kein Glied zerschlagen werden; denn Gottes Liebe wacht über jedem Gläubigen, wie einst über Jesus. Darum darf uns kein verderbliches Unglück begegnen und wir sollen weder als Lahme noch als Krüppel ins Himmelreich eingehen, sondern werden nach des Lebens Prüfungen unversehrt, ohne ein Gebrechen und ohne eine Narbe, vor Gott dargestellt werden, dass sich erweisen wird, wie wunderbar wir in Jesus geborgen gewesen und aus Gottes Macht durch den Glauben bewahrt geblieben sind.

22. Den Gottlosen wird das Unglück töten; Grundt. : das Böse, das er liebt und pflegt, doch mit Einschluss des Unglücks, das es nach sich zieht. Wer in der Sünde beharrt, dem werden sich die Trübsale als Tod bringend erweisen; ihm sind sie nicht heilsame Arznei, sondern Gift. Dem Gottlosen braucht Gott nur den Strick zu lassen, so hängt er sich selbst damit, wie Ahitophel. Die eigne Bosheit stürzt ihn ins Verderben. Die Hölle selbst ist nur die Vollendung des Bösen. Der Gottlose trägt die Funken des Höllenfeuers schon in sich. O wohl denen, die sich in Jesus geborgen und bei ihm eine Erlösung von ihren Sünden gefunden haben; sie, und nur sie, werden dem ewigen Unheil entfliehen. Und die den Gerechten hassen, werden Schuld haben und ihre Schuld büßen müssen. Sie haben auf die besten der Menschen ihr Schlangengift gespieen; diesen hat es nichts anhaben können, sie selber aber wird es töten. Alle die Flüche, die sie gegen die Gerechten geschleudert haben, werden in ihr eignes Herz treffen. Sie haben mit abgefeimter Bosheit die Gerechten als Sünder und Heuchler anzuprangern gesucht; nun stehen sie in ihrer ganzen Elendigkeit da und haben nichts, womit sie ihre Schande decken könnten; vor aller Welt wird es offenbar, dass es nichts als gemeiner Hass war. Nun müssen sie ihre Bosheit büßen.

23. Der Herr erlöst die Seele seiner Knechte. Jede Hilfe, die uns von Gott zukommt, ist ein Teil seiner machtvollen Erlösung . Dieser Vers bildet den Gegensatz zu dem vorhergehenden. Während die Abtrünnigen, wenn sie fürs Gericht reif sind, dem Verderben anheim fallen, erfahren die Knechte des Herrn die errettende Macht des Gottes, dem sie dienen. Nun sind sie doppelt zu willigem Gehorsam verbunden. Das Wort für erlösen heißt ursprünglich loskaufen und diese Bedeutung schimmert oft durch, auch wo es in der übertragenen Bedeutung befreien steht. Freudig wollen wir ihm dienen, der uns mit seinem Blute so teuer erkauft und mit seiner Macht so herrlich befreit hat. Und alle, die auf ihn trauen oder (wörtl.) sich in ihm geborgen haben, werden keine Schuld haben . Der Glaube ist das Kennzeichen der Erlösten und wo dieses Wahrzeichen sichtbar ist, und wäre es auch an dem letzten und geringsten der Knechte des Herrn, sichert es ein vollkommenes Heil. Sie werden keine Schuld haben. Gott selber wird die Seinen, die so vielfach verlästert wurden, rechtfertigen; sie sollen, in dem Blut der Sühne gewaschen, auf ewig schuldlos da stehen. Ist das nicht ein köstlicher Schluss des Psalms, lieber Leser, besonders wenn wir ihn im Licht des neuen Bundes lesen?

Erläuterungen und Kernworte

Zur Überschrift. Ps. D. Ernst Stähelin erzählte uns, wie es einem seiner Bekannten hier ergangen sei. Derselbe, ein junger, wenig praktischer, aber mit seltener Ergebung und hohem Gottvertrauen erfüllter Mann, wünschte sehnlichst, das Heilige Land zu sehen, und setzte diesen Plan auch ins Werk, obwohl seine Mittel bald zu Ende sein mussten. Dies traf denn auch schon in Ägypten ein, wo er dennoch auf einer Dahabie sich nach dem obern Nil einschiffte -- als Ruderer. Die Gesellschaft, die ihn eingestellt hatte, merkte jedoch bald, dass er ein anderes Gewerbe studiert hatte, und nahm sich seiner an. Schlimmer erging es ihm am Jordan, wohin er mit leichtem Bündel, natürlich ohne alle Bedeckung, den Weg antrat. Die Beduinen griffen ihn auf und nahmen ihm alles, auch die Kleider von seinem Leibe, wie sie dies noch in den letzten Jahren praktiziert haben. In diesem furchtbaren Zustande, der wohl jeden andern entmutigt hätte, stellte jener sich getrost hin und sang mit fester Stimme: "Ein’ feste Burg ist unser Gott." Während er sein Lied sang, blieben die Beduinen stehen, beobachteten ihn aufmerksam und kehrten endlich mit ihrer Beute zurück, den Scheich an der Spitze, und legten ihm sein Eigentum mit allen Zeichen der Ehrerbietung zu Füßen. Er dankte Gott für diese wundersame Errettung und zog fröhlich weiter. Die Kenner der Landesbewohner zweifelten nach seinem Berichte keinen Augenblick, dass jene ihn für wahnsinnig gehalten hätten. Wenn noch heute der Wahnsinnige, wie von einer göttlichen Macht besessen, für so unantastbar gilt, dass selbst diese gierigen Vögel ihm ihren Raub herausgaben, so kann man sich leicht denken, wie David in jener verzweifelten Lage bei den Philistern darauf kam, sich wahnsinnig zu stellen. Damit wurde er auch für Todfeinde unnahbar. -- Durchs heilige Land, von Prof. D. C. von Orelli 1878.

Zum ganzen Psalm. Dieser Psalm ist einer der alphabetischen Psalmen oder psalmi abecedarii, wie die Kirchenväter sie nannten. Es ist zu bedauern, dass sich diese originelle Art hebräischer Poesie ohne Künstelei in unsere modernen Sprachen nicht übertragen lässt, schon weil die hebräischen Buchstaben sich nicht nur in der Anzahl und Reihenfolge, sondern auch teilweise in ihrem Laut mit den unsrigen nicht decken. D. W. Binnie 1870.

Als Probe mögen die Verse 11-14 in Delitzschs Übersetzung dienen:
Kraftvolle Raubtiere darben und hungern,
Doch um Jahwe Bestrebte ermangeln keines Gutes.
Liebe Kinder, auf, hört mir zu!
Furcht Jahwes will ich euch lehren.
Magst du, wer du auch seiest, lange leben,
Liebst du Tage, zu sehen Gutes --:
Nimm in Acht deine Zunge vor Bösem
Und deine Lippen vor trughaftem Reden.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)


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