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Charismatische Erfahrungen eines Aussteigers aus der FCJG Lüdenscheid


Einleitung
Die Auseinandersetzung über die Beurteilung der charismatischen Bewegung innerhalb der Christenheit ist nun bald so alt wie diese Bewegung selbst. Innerhalb der „nicht-charismatischen“ Christenheit gibt es zu dieser Lehr- bzw. Glaubensrichtung die verschiedensten Auffassungen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Das Meinungsspektrum reicht auf der einen Seite von einer wohlwollenden Anerkennung dieser Geisteskräfte als von Gott gegeben, bis hin zur völligen Ablehnung der gesamten Bewegung als von einem fremden Geist gewirkt, auf der anderen Seite.
Was soll man nun noch glauben? – Tatsache ist, dass es sich dabei um eine weltweite Bewegung handelt, der sich Millionen von Gläubigen angeschlossen haben und mit der man früher oder später in Berührung kommen wird, wenn man sich in christlichen Kreisen bewegt.
Für einen Christen unserer Zeit ist es nun von großer Bedeutung für sich persönlich Klarheit darüber zu bekommen, wie er denn selbst diese Bewegung einstuft. Denn je nachdem zu welcher Einschätzung man gelangt, hat dies große Auswirkungen auf das persönliche Glaubensleben und auch auf die Wahl der Gemeindezugehörigkeit.
Kommt man zu dem Schluss, dass es der Geist Gottes ist, der sich in all den übersinnlichen Geistesgaben manifestiert, dann sollte man sich ebenfalls um diese vermeintlichen Segnungen bemühen und sich möglichst einer Gemeinde anschließen, in der die Kraftwirkungen dieses Geistes auch erfahrbar sind.
Kommt man aber zu der Auffassung, dass es sich dabei um einen verführerischen Geist handelt, dann wird man sich konsequent von dieser Bewegung distanzieren und andere Gläubige vor dieser Bewegung und ihren Veranstaltungen warnen. Denn dann werden die Gläubigen in diesen Versammlungen in die Irre geleitet und es wird dort unserem wahren Herrn die Ehre geraubt.
Die vorliegende Schrift ist im Wesentlichen ein Erfahrungsbericht, der zum einen Einblicke in die Praktiken und Lehren dieser Bewegung geben soll und zum anderen dem Leser eine Orientierungshilfe bei der kritischen Auseinandersetzung mit dieser Geistesströmung bieten möchte.

1. Vorgeschichte
Nach sieben Jahren esoterischer Betätigung durfte ich im Dezember 2001 zu dem Jesus Christus finden, der in der Bibel bezeugt wird. Nach dem Ende des Umherirrens in der Welt der übersinnlichen Heilsangebote für Leib und Seele fand ich in einer Baptisten-Gemeinde ein geistiges Zuhause, in dem ich mich angenommen und verstanden wusste. Ich erlebte, wie sehr man durch die Gemeinschaft mit Gläubigen gestärkt und getröstet werden kann, und ich bin sehr dankbar für all den Segen, den ich in meiner Gemeinde empfangen durfte.
Im weiteren Verlauf meines Glaubenslebens hörte ich dann irgendwann davon, dass es eine so genannte „charismatische Bewegung“ innerhalb der Christenheit gibt. Dabei wurde sehr schnell deutlich, dass bei dieser Gruppierung ein Glaubensverständnis anzutreffen war, das eine ganz neue Dimension des Glaubenslebens beinhaltete.
Da in den nachfolgenden Ausführungen immer wieder von der einen oder anderen Sonderlehre dieser Bewegung die Rede sein wird, soll an dieser Stelle ein kurzer Überblick über die wesentlichen Elemente der charismatischen Glaubenslehren gegeben werden, ohne dabei Anspruch auf Vollständigkeit erheben zu wollen.
Wesentliche Elemente der charismatischen Glaubenslehren:
Auch wenn es innerhalb dieser Geistesbewegung unterschiedliche Lehrmeinungen gibt und - je nach Auffassung - das eine oder das andere Element dieser Geisteswirkungen mehr oder weniger stark betont wird bzw. der eine oder andere Lehrer keine Anerkennung findet, so ist doch für die ganze Bewegung charakteristisch, dass sie in ihrem Glaubensverständnis das Element einer Geistestaufe besonders hervorhebt. Man lehrt und glaubt, dass es der Heilige Geist ist, der durch diese Geistestaufe erst in seiner wahren Kraft in den Gläubigen zum Ausdruck kommt, da durch diese Erfahrung Geistesgaben in den Gläubigen geweckt werden, die sie zu besonderen Diensten im Leib Christi befähigen sollen. Dabei beruft man sich darauf, die urchristlichen Geistesgaben scheinbar heute wieder praktizieren zu können. Eine kleine Übersicht dieser Gaben wird nachfolgend dargestellt.

a) Man lehrt, dass das äußere Zeichen, woran man erkennen kann, dass jemand die Geistestaufe erlebt hat, die Zungenrede ist. Wenn jemand in Zungen reden kann, dann ist er auch geistesgetauft. Diese Gabe soll sowohl zur eigenen Erbauung als auch zur Erbauung der Gemeinde dienen und wird entsprechend in den Versammlungen praktiziert. Oft wird sogar ein gemeinsames „Zungen-Singen“ angestimmt.

b) Die Gabe der Heilung wird in speziellen „Heilungsgottesdiensten“ eingesetzt, bei denen Menschen auf übernatürliche Weise von ihren Leiden befreit werden sollen. Immer wieder wird dabei von spektakulären Heilungen berichtet, nachdem ein Heilungsprediger für Kranke gebetet hat.

c) Weitere außergewöhnliche Erfahrungen, die man in derartigen Versammlungen machen kann, sind das Empfangen und Weitergeben von so genannten Prophetien und Weissagungen. Dabei erleben Gläubige oftmals, dass diese Botschaften sehr persönlich in ihr Leben hinein sprechen.

d) Eine ganz besondere Demonstration der Kraft dieses Geistes findet im so genannten „Ruhen im Geist“ seinen Ausdruck. Hierbei werden Gläubige von der dort wirkenden Geisteskraft durch unterschiedliche Methoden - aber i.d.R. rücklings - zu Boden geworfen (z.B. durch „Blasen ins Mikrofon“, Handauflegung, u.a.) und bleiben dann unter den verschiedensten Empfindungen, so lange in einer Art Trance liegen, bis die Geisteswirkung aufgehört hat und man wieder in der Lage ist sich zu erheben. Es wird dort gelehrt, dass dies ebenfalls dazu dient, sich mit dem Heiligen Geist füllen zu lassen.

e) Die Realität Satans und der Mächte der Finsternis wird in allen bibeltreuen Gemeinden gelehrt und ist aufgrund des Zeugnisses der Bibel und von Seelsorgeerfahrungen keine unbekannte Größe im Glaubensleben eines Christen. Allerdings gehen die Charismatiker auch hier noch einen Schritt weiter, indem sie die Kräfte der Finsternis im Gebet aktiv herausfordern und eine so genannte „geistliche Kampfführung gegen territoriale Dämonen“ betreiben. Man möchte auf diese Weise Straßen, Städte oder gar ganze Landstriche für Jesus Christus erobern und glaubt sich durch die empfangenen Geistesgaben in einer besonderen Vollmachtsstellung gegenüber der Finsternis.

Was meinen Bekanntenkreis anging, so gab es damals sowohl Geschwister, die keine Berührungsängste mit der charismatischen Bewegung hatten, als auch Geschwister, die mich regelrecht vor der Begegnung mit den Charismatikern warnten und mir einzuschärfen versuchten, mich nicht auf diese Kraftwirkungen einzulassen.
Als ich das erste Mal von dieser Bewegung hörte, genügte es mir zunächst, diese unterschiedlichen Meinungen einfach so stehen zu lassen. Ich selbst wusste damals zu wenig darüber und wollte auch nicht wirklich wissen, was es damit auf sich hat. Da in unserer Gemeinde im Gottesdienst keine derartigen spektakulären Geistesgaben praktiziert wurden, sah ich erst einmal auch keine Notwendigkeit, mich weiter damit auseinanderzusetzen. Ich vertraute der Gemeindeleitung bezüglich ihrer Lehrhaltung hinsichtlich der charismatischen Geistesgaben. Ohne konkret nachvollziehen zu können warum eigentlich, kam ich für mich so zu der Auffassung, dass es wohl besser wäre, dieser Bewegung erst einmal aus dem Weg zu gehen.
Trotz meiner zunächst ablehnenden Haltung kam ich nun aber doch mit dieser Bewegung und dem darin wirkenden Geist in Berührung. Wie es dazu kam und was sich dabei ereignete, will ich im Folgenden berichten. Mein Name ist Joachim Friedl. Ich bin 32 Jahre alt und lebe in Schwäbisch Gmünd. Die Gemeinde, bei der meine charismatischen Erfahrungen begannen, war die „Freie Christliche Jugendgemeinschaft Lüdenscheid“ (FCJG) unter der geistlichen Leitung von Walter Heidenreich.

2. Wie alles begann
Seit ein paar Wochen arbeitete ich gelegentlich als Aushilfe in einer christlichen Buchhandlung in Schwäbisch Gmünd. Eines Tages entdeckte ich dort ein Buch mit dem Titel „ Wen der Sohn frei macht, der ist richtig frei“. In diesem Buch geben ehemalige Drogenabhängige Zeugnis, wie ihre Beziehung zu Jesus Christus ihr Leben verändert hat. Mit großer innerer Bewegtheit hatte ich diese Geschichten gelesen und zum ersten Mal seit ich dort arbeitete, war ich froh gewesen, dass sich keine Kundschaft im Laden befand. – Weinend saß ich im Sessel hinter der Kasse.
Und so dachte ich mir, dass das doch kein Zufall sein könnte. Von all den Büchern in der Buchhandlung griff ich ausgerechnet zu diesem. Niemand hatte es mir jemals empfohlen oder mir davon erzählt. Als ich am Ende des Buches die Adresse einer Gemeinde in Lüdenscheid fand, beschloss ich spontan mich dort zu erkundigen, ob es denn eine Möglichkeit gäbe, die Arbeit unter Drogenabhängigen einmal in Form eines Praktikums kennen zu lernen. Wie sich bei diesem Telefonat herausstellen sollte, war dies ohne Probleme möglich und ich erhielt bald darauf eine Zusage für einen einwöchigen Einsatz im Missionshaus der FCJG in der letzten Juliwoche 2003.
Bei meinem ersten Anruf in Lüdenscheid hatte ich noch keine Ahnung welcher Gemeinderichtung die FCJG angehörte. Das Lebenszeugnis der Drogenabhängigen hatte mich damals so beeindruckt, dass ich blindes Vertrauen hatte. Als ich einige Tage nach meinem Anruf die Unterlagen über die FCJG im Briefkasten fand, kamen dann aber doch meine ersten Bedenken auf. Ich kannte eigentlich kaum irgendwelche Lehrer aus dieser Bewegung mit Namen, doch den Namen Reinhard Bonnke hatte ich schon des Öfteren im Zusammenhang mit der charismatischen Bewegung gehört. Und eben dieser Name tauchte nun in einem der Prospekte auf, die mir die FCJG zugesandt hatte.
Als ich daraufhin einer Schwester im Glauben von meinem Vorhaben erzählte, wurde ich darüber aufgeklärt, dass die FCJG in Lüdenscheid eine durch und durch charismatisch geprägte Gemeinde ist. Sie erklärte mir auch, dass Walter Heidenreich, der die ganze Organisation mit leitet, in der charismatischen Christenheit in Deutschland - aber auch international - ein sehr bekannter Mann sei.
Nachdem jetzt klar war, worauf ich mich mit der FCJG eingelassen hatte, kam ich durch diese Einsicht in eine geistige Zwickmühle. Auf der einen Seite gab es meine Begeisterung für die dortige Arbeit unter den Drogenabhängigen. Auf der anderen Seite standen die Ermahnungen der Geschwister, die vor der charismatischen Bewegung warnten. Da ich nun wusste, wie ernst diese gemeint waren, konnte und wollte ich diese Warnungen auch nicht einfach übergehen. Ich fürchtete mich damals regelrecht davor, mich einer Geistesströmung auszusetzen, von der ich nicht beurteilen konnte, was sie denn letzten Endes in mir bewirken würde, wenn ich mich auf sie einlassen sollte.
Und so war ich kurz davor, alles wieder abzusagen, als ich dann doch noch ein „gedankliches Schlupfloch“ entdeckte, wie ich die Warnungen vor dieser Gemeindeströmung mit meinem Wunsch deren Arbeit unter Drogenabhängigen kennen zu lernen, unter einen Hut bringen konnte. Ein Bruder, den ich sehr gern habe, gab mir damals den folgenden Rat: „Du kannst ja einmal dort hingehen und es dir ansehen – du brauchst dir ja nicht gleich die Hände auflegen zu lassen.“ – Das war die Lösung gewesen. Die Zwickmühle war überwunden. Zwar mit gemischten Gefühlen aber doch erwartungsvoll, konnte ich bald darauf meine Reise nach Lüdenscheid mit gutem Gewissen antreten.

3. Das Praktikum
3.1 Erste Berührungen mit dem Geist der charismatischen Bewegung

a) Wunder werden wahr
Zu der Zeit als ich mein Praktikum antrat, veranstaltete die FCJG gerade den „Summer of Love“. Sechzig Tage am Stück sollte an jedem Abend eine besondere Glaubensveranstaltung auf dem dortigen „Gebetsberg“ stattfinden. Lehrer aus verschiedenen Ländern waren eingeladen, um ihre Lehre weiterzugeben und die Gläubigen zu ermutigen und aufzubauen.
Mein Praktikum begann im Missionshaus, wo ich zum ersten Mal persönlich ehemalige Drogenabhängige kennen lernte, die vor kurzem noch schwerstabhängig waren und die mir glaubwürdig schilderten durch ihre Begegnung mit Jesus von der Sucht frei geworden zu sein. Dieselben Geschwister erzählten mir auch von Heilungen, die sie an den vorangegangenen Abenden auf dem Gebetsberg am eigenen Leib erfahren hatten. Der Mann, durch den diese Wunder im Rahmen der „Summer of Love“-Veranstaltungen gewirkt worden waren, hieß Charles Ndifon. Dieser Heilungsprediger aus Afrika hatte sich einige Monate zuvor durch sein spektakuläres Wirken in der Mongolei bereits einen Namen gemacht und es wurde nun regelrecht den noch verbleibenden zwei Tagen mit diesem Mann entgegen gefiebert. So war ich nun sehr gespannt, was da auf mich zukommen würde. Es sollte meine erste Teilnahme an einem „Heilungsgottesdienst“ sein.
Die Atmosphäre einer solchen Veranstaltung ist nur schwer in Worte zu fassen. Es ist eine Mischung aus gespannter Erwartung und bewunderndem Staunen. Während dieser Veranstaltung geschahen mehrere übernatürliche Heilungen, die von verschiedenen Menschen an jenem Abend bezeugt wurden. Im Folgenden möchte ich beispielhaft einen kurzen Ausschnitt davon wiedergegeben, damit der Leser einen kleinen Eindruck bekommt, was ihm bei einer derartigen Versammlung begegnen kann.
Nachdem einige Zeit sehr emotional ansprechende Anbetungslieder gesungen wurden, betete der Heilungsprediger im Namen Jesu für den Abend und die Anwesenden. Immer wieder fragte er mit sanfter Stimme „Seid ihr bereit für Wunder?“ und fügte hinzu: „Es ist so einfach, du musst nur glauben.“. Dann begann er einige Leute im Versammlungszelt anonym anzusprechen, indem er ihre Krankheiten beim Namen nannte und ihnen zusagte, dass sie in jenem Augenblick, wo er sie ansprach, geheilt würden. Das hörte sich in etwa wie folgt an: „Es befindet sich jemand hier im Saal mit der Krankheit X und ich sage dir, dass du gerade geheilt wirst. Im Namen Jesu, sei geheilt!“.
Anschließend erklärte er der Versammlung, dass hier ein Mann mit einem Lungenleiden anwesend wäre, das ihn dazu zwang, ständig ein Atemgerät bei sich zu tragen. Diesen forderte er nun auf, zu ihm nach vorn zu kommen. Und tatsächlich kam daraufhin jemand auf die Bühne, auf den diese Beschreibung passte. Der Prediger erklärte nun, dass dieses Atemgerät nicht Gottes Wille für den Mann wäre, sondern dass Gott ihm Lungen zum Atmen gegeben hätte und fragte ihn, ob er von dem Gerät befreit werden möchte. Er fragte den Mann weiter, ob er an Jesus glaube und ob er glaube, dass dieser ihn in jenem Augenblick gesund machen würde. Als er ihm jedes Mal mit „Ja“ antwortete, erklärte der Prediger, dass er nun keine Angst zu haben bräuchte, und dass es für die Heilung nicht einmal nötig wäre, ihn zu berühren. „Gott ist hier, der dich jetzt gesund macht.“, sagte er ihm zu.
Nochmals erklärte er jenem Mann, dass Gott ihm Lungen zum Atmen gegeben hätte und bat ihn nun, das Atemgerät von sich zu legen. Er ermutigte ihn daraufhin, ohne dieses Gerät auf der Bühne hin- und herzulaufen und der Mann tat wie ihm geheißen. Der Prediger erklärte, dass Jesus für diesen Mann am Kreuz bezahlt habe, und dass es der Teufel sei, der es möchte, dass er weiter an dieser Maschine hängt. Er erklärte dem Mann, dass er ruhig weitergehen könnte, und dass er jetzt frei sei. Und so geschah es dann tatsächlich. – Ich erinnere mich noch, wie ich diesen Mann, zusammen mit seinen Angehörigen tränenüberströmt den Mittelgang des Zeltes nach draußen gehen sah und ich musste mir bei allem kritischen Hinterfragen eingestehen, dass es so aussah, als ob er wirklich geheilt worden wäre.
Der Heilungsprediger erklärte uns daraufhin, dass dies für ihn nichts Außergewöhnliches gewesen sei, und dass er auf der ganzen Welt schon Tausende gesehen hätte wie diesen Mann, die alle ebenso wieder gesund geworden waren. Dann forderte er die Versammlung dazu auf, Gott für das eben gewirkte Wunder einen Applaus zu geben.
Im weiteren Verlauf des Abends wurden wir nun dazu aufgerufen, uns in Zweier-Teams zu formieren und uns gegenseitig die Hände aufzulegen, um so füreinander beten zu können. Doch da mir die Warnung meiner Geschwister von zu Hause noch in den Ohren klang, verweigerte ich meinem Nächsten diese Geste. „Nur nicht die Hände auflegen lassen!“ - Das war das Gebot der Stunde.
Aber nun begann in meinem Inneren eine Auseinandersetzung, die mich zweifeln ließ: Beim Betrachten meiner Lage, stellte ich fest, dass ich in einer Versammlung von mehreren hundert Gläubigen war, von denen wohl die allermeisten fest davon überzeugt waren, dass dieser Prediger im Geiste Gottes handelte, und dass die von ihm angepriesenen Wunder und Heilungen vom Herrn Jesus gewirkt waren. Und so bekam ich den Eindruck, dass nur ausgerechnet ich unerfahrenes, noch keine zwei Jahre altes Kind Gottes, an der Echtheit dieser Wunder zu zweifeln wagte. – Ich kam mir ziemlich komisch dabei vor und fragte mich außerdem, was Gott denn über diese Gedanken denken würde. Noch mehr bedrückte mich der Gedanke, dass ich jetzt meinem Nächsten neben mir ein Gebet verweigert haben könnte, das ihn eventuell hätte heil werden lassen können. Denn ich wusste, dass der Bruder, der mich zu dieser Veranstaltung geleitet hatte, ein großes gesundheitliches Problem hatte und ich begann ein schlechtes Gewissen zu bekommen bei dem Gedanken, dass ich jetzt Schuld wäre, wenn er nicht gesund würde. Doch auch diese Bedenken konnten mich zunächst nicht umstimmen.
Und so war ich am Ende der Veranstaltung noch immer fest entschlossen, am folgenden Tag mit meinen kritischen Prüfungen fortzufahren. Allerdings mit dem Unterschied, dass ich es nun bereits für möglich hielt, dass sich die warnenden Geschwister geirrt haben könnten. Dieser Heilungsdienst hatte mich so beeindruckt, dass ich die Möglichkeit nicht mehr ausschließen wollte, dass es der echte Geist Gottes war, der dort wirkte. Ich hatte vor meinen Augen erlebt, wie Menschen durch Gebet von körperlichen Gebrechen geheilt wurden. Und auch wenn ich nicht alles im Detail erkennen konnte, so erschien mir das Zeugnis der wieder heil gewordenen Menschen, doch glaubwürdig gewesen zu sein. Es war nicht zu leugnen, dass tatsächlich etwas geschehen war und so hatte dieser eine Abend bereits in mir bewirkt, dass ich von meiner ablehnenden Distanz abzurücken begann.

b) Die inneren Barrieren fallen
Am Dienstagvormittag sollte es dann weitergehen. Es waren wesentlich weniger Leute anwesend und ich konnte somit auch viel näher an das ganze Geschehen herantreten. Zu Beginn erklärte uns der Prediger sein Glaubensverständnis und führte aus, dass Jesus selbst gesagt hat, dass seine Jünger noch größere Dinge tun würden als er. Eine seiner zentralen Glaubenslehren in diesem Zusammenhang war die, dass er betonte, dass der Jesus, der vor 2000 Jahren über die Erde ging, derselbe Jesus sei, der heute auch in ihm wirke und er fügte hinzu, dass es allein an unserem Glauben läge, dies zu fassen.
Nachdem er zunächst an Einzelnen seine Gabe der Heilung demonstriert hatte, rief er die Gläubigen dazu auf nach vorn zu kommen. Wie am Vorabend wurde man nun aufgefordert sich gegenseitig die Hände aufzulegen, um anschließend nach den Anweisungen des Predigers füreinander zu beten. Beeindruckt von den vorangegangenen Heilungen, begann auch ich nun ernsthaft abzuwägen, ob ich nicht einfach ebenfalls nach vorn gehen sollte. Doch trotz dieser Überlegungen wagte ich es auch dieses Mal nicht mitzumachen. Als dann am Ende der Veranstaltung wieder zig Gläubige aus allen Altersgruppen freudestrahlend von den verschiedensten Heilungserfahrungen, die sie gerade erlebt hatten, Zeugnis gaben, war mein Erstaunen groß und ich wusste nicht mehr, was ich noch Negatives daran finden sollte. Es war alles im Namen Jesu geschehen, und der Prediger gab stets Gott die Ehre für alles was gewirkt wurde. Außerdem wurde immer wieder darauf verwiesen, was die Bibel zu diesem oder jenem über Heilungen sagen würde, und ich glaubte, dass diese Interpretationen biblisch waren.
So kam es, dass ich am Ende dieser Morgenveranstaltung geistig an einem Punkt angelangt war, dass ich bereit war das Wirken dieses Mannes, als vom echten Geist Gottes gegeben, anzuerkennen. Ich dachte mir: „Die Brüder und Schwestern können sagen was sie wollen, aber das, was ich hier mit eigenen Augen erlebt habe, wiegt für mich mehr als irgendwelche theoretischen Erklärungen.“
Für die letzte Veranstaltung jenes Heilungspredigers wurde die „Nacht der großen Wunder“ angekündigt. Wir wurden schon am Morgen ermutigt, ganz besondere Heilungen für die Abendveranstaltung zu erwarten und ich war sehr gespannt, was da passieren würde. Auch wenn ich bei der nächsten Gelegenheit nicht gleich voller Begeisterung nach vorn laufen wollte, war ich jetzt doch innerlich bereit, mich auf diese Kraftwirkungen einzulassen. Das erste Mal seit meiner Ankunft fand ich die innere Freiheit, mich richtig auf die bevorstehende Veranstaltung zu freuen. Durch meine Erfahrungen und Erlebnisse in Lüdenscheid konnte ich die Warnungen von zu Hause nicht mehr annehmen. Meine inneren Barrieren waren eingerissen.
Im folgenden möchte ich zwei Ereignisse aus jener Abendveranstaltung aufgreifen und kurz schildern, da diese für die weitere Entwicklung meiner Glaubenshaltung gegenüber den dort erfahrbaren Kraftwirkungen eine wesentliche Rolle spielten.
Zunächst gab es an jenem Abend ein bemerkenswertes Beispiel dafür, wie sehr dieser Geist mit dem Geist der Zeit Hand in Hand geht. Nachdem der Prediger alle Anwesenden, die ein Handy dabei hatten, dazu aufgefordert hatte, nach vorn zu kommen, bat er sie nun bei jemandem anzurufen, von dem sie wüssten, dass er Heilung bräuchte und an diesem Abend gerade zu Hause wäre. Als alle per Zeichen bekundeten, dass sie jemanden am anderen Ende erreicht hatten, begann er für die durch die Standleitung mit der Versammlung verbundenen Heilungsbedürftigen zu beten. Durch diese Standleitung sollten nun, wie angekündigt, die ersten „großen Wunder“ des Abends gewirkt werden.
Der allmächtige und allgegenwärtige Gott sollte sich also nach dem Willen dieses Predigers einer Standleitung per Handy bedienen, um so Menschen von ihren Gebrechen zu heilen. – Das war schon eine erstaunliche Vorgehensweise. Das muss man erst einmal zu glauben bereit sein. Doch mein Vertrauen war groß und ich fand auch da gleich eine Erklärung, die meine Zweifel verdrängte: „Bei Gott ist kein Ding unmöglich.“. Und tatsächlich meldeten sich auch einige der angerufenen Heilungsbedürftigen am anderen Ende der Standleitung und bekundeten, dass bei ihnen eine Besserung eingetreten sei. So war ich weiterhin bereit zu glauben, dass es der Heilige Geist ist, der dort wirkt.
Das andere Ereignis dieses Abends, auf das ich eingehen möchte, war der Augenblick als ich selbst dazu bereit war, mich im Gebet geistig mit dem Heilungsprediger eins zu machen. Denn in jenem Moment bat ich das erste Mal den Geist, der dem Prediger die Macht gab, diese Wunder zu tun, um Hilfe. Ganz konkret geschah das, als der Prediger für diejenigen Anwesenden betete, die an einem gebrochenen Herzen litten. – Da traf er bei mir ins Schwarze. Und obwohl ich nicht nach vorn gegangen war und lediglich auf meinem Platz mitgebetet hatte, meinte ich bei diesem Gebet tatsächlich eine Berührung in meinem Herzen empfunden zu haben. Ich fühlte so etwas wie Wärme und Geborgenheit und ich glaubte damals, dass es Jesus war, der das bewirkt hatte.
Auch wenn ich dem Handauflegen noch immer skeptisch gegenüber stand, so gab mir diese erste Berührung doch die Gewissheit, dass es da wohl mehr geben muss im Glaubensleben eines Christen, als mir bisher bekannt war. Und so verließ ich diese Veranstaltung mit großen Erwartungen, was ich denn noch alles während meines Aufenthalts in Lüdenscheid erleben würde.
Was die Warnungen meiner Geschwister von zu Hause anging, so entkräftete ich diese von nun an mit der neu gewonnenen Auffassung, dass sie deshalb nie diese besonderen Segnungen erfahren hatten, weil sie eben noch nie bereit gewesen waren, sich auf diese Geisteswirkungen einzulassen. Wenn sie das alles an meiner Stelle erlebt hätten, so war ich mir gewiss, dann würden sie ihre Meinung sicherlich ebenfalls korrigiert haben. Aber das sollte nun meine Sorge nicht mehr sein. Ich war gerade dabei, den Glauben der Christen ganz neu zu entdecken - so glaubte ich damals jedenfalls – und diese Entdeckungen gefielen mir immer besser.
Am nächsten Morgen durfte ich nun das Obdachlosen-Cafe in Lüdenscheid kennen lernen. Die Hingabe der dort arbeitenden Geschwister beeindruckte mich sehr und es machte mir viel Freude, dort mithelfen zu dürfen. Alles passte irgendwie zusammen und gab für mich ein schlüssiges Bild ab: „Wo eine besondere Hingabe gelebt wird, da wirkt auch der Geist Gottes auf eine besondere Art und Weise.“, folgerte ich damals unvoreingenommen.
Und so besuchte ich mit gestärktem Vertrauen an jenem Mittwochabend die nächste Veranstaltung auf dem Gebetsberg. Ein Mann aus Deutschland, namens Olli (Reiner) Ewers, predigte über die Liebe und ich hatte das Empfinden, dass von ihm eine besondere Kraft ausging. Immer wenn er ein Wort Gottes zitierte, hatte ich den Eindruck, dass dieses Wort mich regelrecht körperlich berührte. Diese Erfahrung interpretierte ich damals als ein Zeichen besonderer Vollmacht dieses Predigers. Und so verließ ich diese Veranstaltung einmal mehr beeindruckt von den dort wirkenden Geisteskräften.

3.2 Die Geistesgaben
a) Das „Ruhen im Geist“
Am folgenden Donnerstag war nun das erste Mal seit meiner Ankunft in Lüdenscheid keine offizielle Großveranstaltung geplant gewesen. Weil ich aber an jenem Abend etwas Zeit alleine verbringen wollte, beschloss ich dennoch wieder auf den Gebetsberg zu gehen. Zu meiner Überraschung stellte ich bei meiner Ankunft fest, dass ich nicht so alleine sein würde, wie ich es erwartet hatte. – Im kleinen Gebetszelt fand doch wieder eine Veranstaltung statt. Da ich aber an meinem ursprünglichen Vorhaben festhalten wollte, interessierte ich mich zunächst nicht weiter dafür. Erst nachdem ich meine persönliche Stille beendet hatte und noch immer Licht in besagtem Zelt brennen sah, machte ich mich nun doch noch auf den Weg dorthin, um zu sehen, warum die anderen gekommen waren.
Nachdem ich Platz genommen hatte, hörte ich gerade noch, wie der bereits erwähnte Olli Ewers über das Leben im Geist lehrte. Aber schon bald nach meiner Ankunft war der Vortrag beendet und ich dachte nun, dass ich jetzt mit den anderen wieder nach Hause gehen könnte. Doch zu meiner Überraschung sollte dies noch nicht das Ende der Veranstaltung gewesen sein. Es gab noch einen zweiten Teil. - Es folgte nun die Ankündigung der beiden Leiter des Abends (neben Olli Ewers war auch Helmut Diefenbach als Vertreter der FCJG anwesend), dass sie so wörtlich „etwas vom Heiligen Geist empfangen“ hätten, und dass sie diese Gabe nun gerne an die Gläubigen weitergeben möchten. Wie selbstverständlich erhob man sich daraufhin von den Stühlen und brachte sie an den Zeltrand, um Platz zu schaffen. Als nächstes stellten sich dann die Gläubigen in gewissem Abstand voneinander im Zelt auf und Olli und Helmut begannen nun, von vorn beginnend, durch das Zelt zu gehen, um jedem Einzelnen, der da stand, die Hände aufzulegen.
Und so beobachtete ich, wie die vor mir stehenden Geschwister der Reihe nach, einer nach dem anderen, umkippten. Die meisten fielen steif gestreckt nach hinten und wurden noch während des Fallens von zwei hinter ihnen positionierten Geschwistern aufgefangen und zu Boden gelegt.
Einen Mann sah ich auch auf eine andere Art fallen. Er sackte regelrecht auf der Stelle, wo er gestanden hatte, in sich zusammen. Sein Körper fiel wie leblos zu Boden und blieb dort liegen. Manche der anderen mussten noch Schreien bevor sie umfielen und wenige blieben stehen, obwohl ihnen die Hände aufgelegt wurden. Trotz dieser außergewöhnlichen Erfahrungen und Erlebnisse, lief doch alles in einer sehr ruhigen und unspektakulären Art und Weise ab. Das hatte mich sehr beeindruckt. Es war kein besonderer Showeffekt gewünscht. Alles ging seinen Lauf – jeder wusste, was ihn erwartete bzw. was er zu tun hatte.
Für die meisten im Zelt, so schien es, war dies offenbar keine besondere Vorgehensweise, sondern ein bekanntes Ritual. Das „Ruhen im Geist“, wie es genannt wird, wurde hier lebendig praktiziert und ich war nun kurz davor, das erste Mal in meinem Leben ebenfalls eine solche Erfahrung zu machen.
Ich stand ganz hinten auf der rechten Seite des Zeltes und beobachtete das alles mit großen Augen. - Jetzt wurde es ernst. Viele Gedanken schossen mir durch den Kopf. Einerseits waren da, wie so oft zuvor, die Warnungen: „Lass dir nur nicht die Hände auflegen!“ – Andererseits blickte ich dann wieder auf all die Erfahrungen in Lüdenscheid. Ich wusste, wenn ich jetzt davon laufen würde, dann bedeutete dies auch all die anderen Erfahrungen, die ich in Lüdenscheid gemacht hatte - und die ich bereits als von Gottes Geist gewirkt, anerkannt hatte - wieder ins Zwielicht zu rücken. Das konnte und wollte ich nicht. Das hätte nämlich gleichzeitig bedeutet, auch all die lieben Geschwister dort als verführt einzustufen, und das hielt ich zu diesem Zeitpunkt für unmöglich. Ich hatte Vertrauen gefasst und wollte daran festhalten. Aufgeregt begann ich zu beten: „Herr Jesus Christus, wenn diese Gabe, die dort weitergegeben wird, von Dir ist, dann möchte ich sie empfangen, aber wenn nicht, dann will ich sie auch nicht haben.“
Je näher Olli sich auf mich zu bewegte, desto größer wurde meine Anspannung. Ich hörte wie er beim Händeauflegen immer wieder kurz in Zungen betete und häufig dabei sagte „Der Verstand muss weg!“. Auch schnippte er dabei regelmäßig wie selbstverständlich mit den Fingern.
Nun stand er also direkt vor mir. Alles ging ganz schnell. Ich bemerkte wie sich die Fänger hinter mir bereit machten und ich betete noch immer um Jesu Beistand. Auch bei mir betete Olli kurz etwas in Zungen. Er legte mir seine Hand auf den oberen Stirnbereich und befahl auch mir, dass der Verstand weg muss. Im blinden Vertrauen darauf nun die Gabe des Heiligen Geistes zu empfangen, hörte ich daraufhin auf zu beten und gab mich in jenem Moment innerlich ganz auf.
Und tatsächlich – nachdem Olli zweimal gesagt hatte „Der Verstand muss weg!“, - spürte ich, wie ich plötzlich in einer Art Schwerelosigkeit nach hinten kippte. In meinem Geiste nahm ich alles wahr, was geschah. Ich realisierte, dass ich fiel, und dass ich aufgefangen und zu Boden gelegt wurde. Allerdings hatte ich während des Moments des Fallens das Empfinden der Körperlichkeit völlig verloren. Es fühlte sich schwebend an. Als ich meine Augen wieder öffnete, hätte ich aus meinem Empfinden heraus nicht sagen können, wie lange ich auf dem Boden gelegen hatte. Da aber viele, die vor mir gefallen waren, immer noch da lagen, wusste ich doch, dass es nur eine kurze Zeit gewesen sein konnte.
Als ich nun wieder aufstand, spürte ich eigentlich nichts Besonderes mehr. Keine Kraft, keine übersinnlichen Fähigkeiten, keine außergewöhnlichen Wahrnehmungen – alles schien so zu sein wie vor dem Fallen auch. Und so war ich doch etwas enttäuscht gewesen, da es für mich zunächst so aussah, als hätte sich nichts Wesentliches in meinem Leben verändert. Die Fülle des Geistes hatte ich mir damals irgendwie anders vorgestellt. Aber Geisteskraft hin oder her – ich freute mich sehr, dass ich jetzt auch das „Ruhen im Geist“ miterlebt hatte und war froh darüber, nicht weggelaufen zu sein.
Doch schon am folgenden Tag sollte ich hinsichtlich der Wirkung dieses Erlebnisses eines Besseren belehrt werden. Als ich an jenem Freitagmorgen zur Bibel griff, um meine stille Zeit zu beginnen, erlebte ich zu meiner Verwunderung etwas ganz Neues mit dem Wort Gottes. Als ich zu lesen begann, spürte ich regelrecht am eigenen Leib, wie ich von einer Kraft berührt wurde. Da es in Hebräer 4,12 heißt „... das Wort Gottes ist lebendig und kräftig...“, kam ich sehr bewegt zu dem Schluss, dass ich wohl gerade diese Erfahrung gemacht haben musste. Der Zusammenhang mit den Erlebnissen des Vorabends war schnell hergestellt. Das „Ruhen im Geist“ war also doch nicht ohne Wirkung geblieben und ich hatte tatsächlich etwas empfangen. Ich freute mich riesig.
Was meine Freude trübte, war das immer näher rückende Ende meines Praktikums. Jener Freitag sollte mein letzter offizieller Tag im Missionshaus und im Obdachlosen-Cafe sein und ich war schon ein bisschen traurig, jetzt wieder aus diesem wunderbaren Kräftewirken herausgehen zu müssen. Nach dieser Erfahrung am Morgen hatte ich eigentlich den Wunsch, mehr über den Umgang mit dieser Geisteskraft zu lernen. Außerdem hatte ich mich in Lüdenscheid sehr wohl gefühlt und auch die lebendige Gemeinschaft dort hatte mir sehr gut gefallen. - Was blieb war also das bevorstehende Wochenende. – Und das sollte es noch in sich haben.

b) Die Zungenrede
Am Samstag fand nun eine besondere Veranstaltung statt, bei der über Prophetie gelehrt werden sollte. Die Lehrer kamen aus der Morningstar-Gemeinde von Rick Joyner aus den Vereinigten Staaten. Rick Joyner ist derzeit ein sehr populärer geistiger Leiter der so genannten Prophetenbewegung.
Die Veranstaltung begann bereits vormittags und sollte bis in den Nachmittag andauern. Es waren wieder mehrere hundert Gläubige versammelt und man war gespannt auf die Lehre.
Die Versammlung wurde von dem bereits erwähnten Helmut Diefenbach eröffnet. Er erklärte auf der Bühne, dass er in der vorangegangenen Nacht auf dem Weg zum Kühlschrank eine Eingebung empfangen hatte. Er behauptete, dass ihm der Geist Gottes offenbart hatte, dass es an diesem Samstag zwei Personen in der Versammlung geben würde, die bereit wären, die gesamten Kosten dieser Veranstaltung zu übernehmen. Er nannte einen vierstelligen Eurobetrag und rechnete uns vor, wie viel denn nun jeder der zwei Zahlungswilligen zu übernehmen hätte.
Dann machte er vor der Versammlung nochmals deutlich, dass ja bekannt sei, was die Bibel über den Umgang mit falschen Propheten sagt (vergl. 5. Mose 18,20-22; Hes. 13,3-9; Mt 7,15-23) und bat nun diejenigen zwei Personen, die sich angesprochen fühlten, aufzustehen. Bald darauf erhob sich eine junge Frau und erklärte sich bereit, die Hälfte der Kosten zu übernehmen. Doch die zweite Person wollte sich nicht erheben und gab sich auch durch keinerlei andere Zeichen zu erkennen. Helmut fragte immer wieder in die Versammlung und ermahnte dazu, sich doch endlich zu erkennen zu geben. – Doch es blieb dabei, nur eine Person hatte den angeblich „prophetischen“ Ruf vernommen.
„Das war ein ganz schön vermurkster Auftritt.“, dachte ich damals bei mir selbst. – Doch trotz dieser seltsamen Gebärden war mein Vertrauen ungebrochen. Was die anderen Gläubigen anging, so schien sie die misslungene Prophetie ebenso wenig zu stören wie mich. Keiner warf mit Steinen oder forderte den Ausschluss des falschen Propheten. Es ging einfach weiter im Programm.
Was dann kam, war ein so genannter Lobpreisteil, bei dem einem fast die Ohren sausten. Nachdem einige Lieder gesungen waren, gab es dann eine Pause und die Versammlung wurde dazu aufgerufen, dem Herrn ein Lied in Zungen zu singen. Ein jeder sollte in der Sprache, die er von dem Geist empfangen hatte, einfach darauf los singen. Und so setzte ein wildes Gemurmel ein, das sich noch am ehesten mit dem Summen eines Wespennestes vergleichen ließe.
Als dieses Singen begann, erlebte ich nun, dass sich in mir eine Regung im Kehlkopfbereich äußerte, die ich zuvor noch nie erlebt hatte. Ich spürte, wie ich regelrecht dazu gedrängt wurde, meine Stimme ebenfalls zu erheben. Ich tat meinen Mund auf, formte einen Laut und dann ging es wie von selbst los. Ohne weiter nachzudenken, erlebte ich, wie der Geist meine Stimmbänder benutzte, um irgendwelche Laute zu formen, die mir völlig fremd waren. Alles geschah in einem besonderen Rhythmus und ich erkannte, dass das nicht nur irgendein seltsames Gelalle sein konnte. Und obwohl ich keine Ahnung hatte, was ich da aussprach, begriff ich in jenem Moment doch, was sich gerade ereignet hatte: Die Gabe der Zungenrede war in mir geweckt worden. Nun hatte ich also die Gewissheit, dass ich eine Geistestaufe, wie sie in den pfingst-charismatischen Kreisen gelehrt wird, empfangen hatte. Und so stimmte ich zu Tränen gerührt vor Freude über diesen Segen in das Gemurmel ein und machte so lange mit, bis dann wieder zum weiteren Ablauf zurückgekehrt wurde.

c) Prophetische Übungen
Als nächstes waren die Prophetinnen aus den USA an der Reihe und stellten uns neuartige Lehren über Prophetie vor, deren Wirksamkeit anhand sehr bewegender Zeugnisse eindrücklich untermauert wurde. Ob diese Lehren biblisch waren oder nicht, war hier nicht das Thema. – Das Vertrauen in die Lehrer war so groß, dass es völlig ausreichte, zu hören, dass durch die Anwendung dieser Methoden Menschen zu Christus gefunden haben. Und so folgte ich - einmal mehr beeindruckt von diesen ungeahnten Möglichkeiten - den Ausführungen über „prophetische Evangelisation“ und „prophetischen Tanz“.
Nachdem diese Lehren ausführlich erläutert wurden, folgte die Ankündigung, dass man nun Gelegenheit erhalten würde, die prophetische Gabe selbst praktisch zu üben. Zu diesem Zweck teilte man die gesamte Versammlung in Kleingruppen auf, die jeweils von einer der „Prophetinnen“ aus den USA geleitet wurden. Wie dies aussah und was sich dabei abspielte, möchte ich nachfolgend ausführlicher schildern.
Zuerst wurden wir (ca. 40-50 Personen) dazu aufgefordert, mit unseren Stühlen einen Kreis zu bilden, und die Leiterin bestimmte daraufhin einen aus unserer Runde, an dem die prophetische Gabe geübt werden sollte. Sie erklärte, dass nun jeder von uns den Herrn Jesus darum bitten sollte, ihm ein prophetisches Wort für diesen ausgewählten Mann zu geben. Die Regel war die, dass jeder, der etwas für die besagte Person empfing - sei es in Wort oder Bild - es auch der Gruppe mitteilen sollte. Es wurde gelehrt, dass es vorkommen könnte, dass jemand ein Bild empfängt, ohne ebenfalls die entsprechende Auslegung dazu zu erhalten. Dafür könnte dann im Kreis jemand anderes sitzen, der die Auslegung zum Bild des anderen empfangen hat und man sich so einander ergänzt.
Ich war ziemlich erstaunt darüber, dass das so einfach gehen sollte. Aber für die meisten schien dies keine außergewöhnliche Vorgehensweise zu sein. - Sie hatten schon öfters ein prophetisches Wort für jemanden empfangen. Und tatsächlich lief das Ganze dann so ab, wie es zuvor beschrieben worden war. Der eine sah z.B. eine Palme, ein anderer hatte eine Auslegung dazu usw. Ich staunte nicht schlecht über diesen Austausch.
Nach einer Weile fragte die Leiterin, wer denn nun in dieser Runde noch nie ein prophetisches Wort empfangen hatte. Wie die anderen, die ebenfalls noch ohne diese Gabe waren, folgte auch ich der Aufforderung, sich in der Mitte des Kreises aufzustellen. Diejenigen, die bereits die Gabe im Gebrauch hatten, bildeten daraufhin einen noch größeren Ring um uns herum, und wurden dann aufgefordert, für uns zu beten. Danach gab es wieder eine Übungsrunde, um herausfinden zu können, ob denn die Gabe nun geweckt worden war. Und tatsächlich blieb dieses Gebet nicht ohne Wirkung. Diejenigen, die noch immer nichts empfangen konnten, wurden von Runde zu Runde weniger.
Nachdem dieses Ritual zwei Mal wiederholt wurde, war ich noch immer unter denen, welche die Gabe nicht empfangen hatten, als auf einmal einige aus unserem Kreis prophetische Worte und Weissagungen über mich und mein Leben aussprachen. Als ich eingestehen musste, dass einige dieser Weissagungen einen nachvollziehbaren Zusammenhang mit meiner Vergangenheit hatten, war mein Erstaunen groß. Da eigentlich niemand in der Runde etwas über mich persönlich wissen konnte, schrieb ich diese Einblicke einem göttlichen Wirken zu. Und so glaubte ich damals, dass diese Weissagungen eine besondere Aufmerksamkeit Gottes mir gegenüber gewesen waren.
Gegen Ende der Übungsrunde konnte dann einer aus der Gruppe sehen, dass diejenigen unter uns, die die Gabe der Prophetie noch nicht praktizieren konnten, so etwas wie Ohrenschützer auf den Ohren hatten, die uns daran hinderten, die prophetischen Worte zu empfangen. Dies wurde dann gleich aufgegriffen und man betete zum Schluss der Veranstaltung noch dafür, dass Gott denen, die noch nicht hören konnten, diese Ohrenschützer wegnehmen sollte. Aber auch dies blieb ohne Erfolg. - Der „Empfang“ blieb weiterhin aus. Mein Trost war die Weissagung eines Bruders, dass ich die Stimme Gottes noch hören würde, dass mir die Ohren krachen werden. Und so gab ich die Hoffnung nicht auf, irgendwann auf meinem weiteren Glaubensweg, doch noch auch diese Gabe empfangen zu können.
Aber auch wenn es mit der prophetischen Gabe noch nicht geklappt hatte, so war ich doch zutiefst beeindruckt von diesen Erfahrungen. Fassungslos vor Erstaunen fragte ich mich nun ernsthaft, ob ich denn jemals schon richtig geglaubt hatte. „Wenn all dies möglich war“, so haderte ich damals, „wieso hatte ich dann bisher so ein vergleichsweise armseliges Christentum gelebt?“.
Bei aller Enttäuschung darüber, dass mir diese Geistesgaben in meiner Heimatgemeinde vorenthalten wurden, war ich auf der anderen Seite unglaublich froh darüber, wenigstens jetzt vor dem Leben in der „Fülle des Geistes“ zu stehen. „Jetzt geht’s erst richtig los!“, dachte ich damals, und hoffte, dass nun alles nur noch eine Frage der Zeit sein würde, bis auch ich diese Gaben aktiv gebrauchen konnte.

4. Prüft die Geister!
4.1 Das Ringen um Wahrheit

a) Anfängliche Begeisterung
Nun war ich fest entschlossen, meine in Lüdenscheid gemachten Erfahrungen nicht wieder loszulassen und wollte mehr über diese Art des Glaubenslebens kennen lernen. Am vorerst letzten Sonntag bei der FCJG klärte ich die Bedingungen für ein längeres Praktikum im Missionshaus ab und wir kamen überein, dass ich noch vor Ende des Jahres ein zunächst einjähriges Praktikum mit offenem Ende beginnen könnte. Mein Blick richtete sich nun ganz auf mein neues Ziel aus: Das Praktikum in der FCJG. Ich verband damit die Erfüllung meiner Sehnsucht nach einem geisterfüllten Leben als Christ und erhoffte mir davon eine neue Perspektive für mein Leben. Am 08.11.2003 sollte es in Lüdenscheid losgehen. Kaum zu Hause angekommen, kündigte ich meine Wohnung und meine damalige Arbeitsstelle in Schwäbisch Gmünd auf Ende Oktober 2003. Ich war bereit, alles hinter mir zu lassen.
Was mein persönliches Glaubensleben angeht, hatte ich nach meiner Rückkehr aus Lüdenscheid zunächst eine sehr erbauliche Zeit und war regelrecht von einer Euphorie beflügelt und getragen. Ich hatte große Freude am Bibellesen und machte regelmäßig übersinnliche Erfahrungen mit einer neuen Kraft in meinem Leben, die ich für den Heiligen Geist hielt. Jedes Mal wenn ich anfing in meiner stillen Zeit zu beten, erlebte ich, wie diese Kraft meinen Körper ganz leicht hin und her wippen ließ. Ich empfand diese übersinnliche Berührung als sehr angenehm, und dieses leichte Wippen wurde mir zum Zeichen der Gegenwart des Geistes, den ich empfangen hatte. Da ich anfangs keine Zweifel an der Echtheit dieser Kraftwirkungen hatte, praktizierte ich die Gaben des Geistes so oft wie möglich. Meine Gebetszeiten wurden dabei häufig durch ein Singen im Geist begleitet und ich war erstaunt, wie leicht es mir nun fiel, auch sehr lange zu beten. Wenn mir die Worte ausgingen, so „aktivierte“ ich eben das Zungengebet.
Nach all diesen geistigen Erfahrungen fühlte ich mich wie ein neuer Mensch. Mich konnte nichts mehr halten. Ich war damals fest davon überzeugt, dass ich auf diesem Weg Jesus nachfolge und alles andere war unwichtig. Und so beschloss ich, dass ich mich auch durch die bevorstehende Begegnung mit den kritischen Geschwistern nicht mehr von meinem Ziel abbringen lassen würde. Doch auch wenn ich mir meiner Sache gewiss war, so wollte ich erst selbst noch erfahrener im Umgang mit diesen vermeintlichen Segnungen werden, ehe ich mich dieser Auseinandersetzung stellen wollte. Da ich um die kontroversen Diskussionen wusste, erzählte ich so zunächst nur zwei mir sehr nahe stehenden Geschwistern von meinen neuen geistigen Erfahrungen. Doch bereits dieser Austausch sollte eine ganz neue Auseinandersetzung mit meinen frisch gewonnenen Glaubenserfahrungen ins Rollen bringen.

b) Jesaja 28,13
Nachdem ich meine charismatischen Erlebnisse einem jener Brüder geschildert hatte, sagte er mir, dass seiner Einschätzung nach, vieles dafür sprechen würde, dass die empfangenen Gaben echt seien. Was er allerdings zu bedenken gab, war der Hinweis auf eine Bibelstelle in Jesaja 28,13. Dort wird ausdrücklich von einer unverständlichen Zungenrede gesprochen und das nach hinten Umfallen wird dort zweifelsohne nicht als Zeichen eines Segens, sondern als ein Gerichtszeichen Gottes gewertet. Er gab mir offen zu verstehen, dass er deshalb kein abschließendes Urteil zu treffen vermochte und erklärte mir, dass man jetzt das Ganze erst einmal beobachten müsste, wie es sich weiter entwickeln würde.
Von dieser Bibelstelle hatte ich früher schon gehört, doch versuchte ich sie erst einmal nicht zu wichtig zu nehmen. Ich hatte ja meine Erfahrungen, und die schienen den Zusammenhang mit dieser Bibelstelle eindeutig zu widerlegen. Da ich aber wusste, dass die Warnung von einem sehr erfahrenen und an sich auch recht liberalen Bruder kam, nahm ich seine Bedenken sehr ernst. So begann ich diese Bibelstelle immer wieder zu lesen und fragte mich mit gemischten Gefühlen, was es wohl bedeutet, wenn da stand „...dass sie hingehen und rücklings fallen, zerbrochen verstrickt und gefangen werden.“
Die einzigen charismatischen Lehrbücher, die mir damals zur Verfügung standen, waren die von Derek Prince. So rief ich in dessen Deutschlandorganisation an, um mich zu erkundigen, was denn er über das „Ruhen im Geist“ lehrt. Bei meinem Anruf sprach ich dann mit einer sehr resoluten Dame, die mir, nachdem ich ihr mein Anliegen vorgetragen hatte, ermutigend durch den Hörer rief: „Wenn der Geist Gottes jemanden nach hinten umwerfen will, dann kann er das tun. Da können die sagen was sie wollen.“ Sie erzählte, dass sie es selbst schon am eigenen Leib erlebt hatte, und machte mir Mut meine Bedenken abzulegen und mich stattdessen an dem empfangenen Segen zu freuen.
„Vielleicht machte ich mir wirklich zu viele Gedanken und die Frau hatte Recht?“, dachte ich bei mir selbst. So nahm ich diesen Zuspruch zunächst dankbar an, denn diese Ermutigung gab mir für einen kurzen Moment etwas mehr Zuversicht. Aber wie ich es auch drehte und wendete, es reichte nicht, die erwähnte Bibelstelle zu entkräften. Auf der ganzen Welt machen Tausende Gläubige diese Erfahrung, doch kann man daraus nicht einfach schließen, dass deswegen das, was die Bibel dazu sagt, keine Bedeutung mehr hat. Ich war, wie so viele andere auch, „rücklings“ gefallen und ich fragte mich nun ernsthaft, ob ich fortan „zerbrochen, verstrickt und gefangen“ werden sollte. Da hörte der Spaß nun wirklich auf. Das war kein Feld auf dem man mal eben so herum experimentiert. Das war eine existentielle Glaubensfrage. Ich war verunsichert.

c) Esoterische Erinnerungen
Diese Verunsicherung wurde nun bald darauf durch ein sehr befremdendes Erlebnis während meiner Gebetszeit weiter bekräftigt. An einem Morgen, während meiner stillen Zeit, erlebte ich, dass das leichte Wippen meines Körpers, das ich regelmäßig während des Zungenredens erlebte, plötzlich in ein starkes Schütteln überging. Meine Arme, die ich im Gebet seitlich nach oben gestreckt hatte, begannen sich dabei sehr stark hin und her zu bewegen und mein ganzer Oberkörper wurde plötzlich heftig durchgeschüttelt.
Ich weiß nicht, ob dies eine Erfahrung ist, die andere Geschwister, die sich diesem Geist geöffnet haben, ebenfalls erleben und wie sie diese Erscheinung für sich interpretieren mögen. - Für mich persönlich jedenfalls war das ein Zeichen, das mir einen riesigen Schrecken einjagte. Denn dies war nicht das erste Mal, dass ich genau eine derartige Erfahrung gemacht hatte. Mir war dieses Erlebnis sehr vertraut aus einer Zeit, als ich noch tief in die Welt der Esoterik verstrickt war.
Zu jener Zeit war ich noch Reiki-Schüler gewesen. Zum ersten Mal erlebte ich derartige Schüttelerlebnisse bei einer Einweihungszeremonie in den ersten Reiki-Grad. Als ich mich von der Meisterin für diese Energie hatte öffnen lassen, spürte ich regelrecht wie eine fremde Kraft in meinen Körper kam und meinen ganzen Körper heftig durchschüttelte. In den darauf folgenden Jahren erlebte ich dann immer wieder in den unterschiedlichsten Lebenssituationen dieses seltsame Schütteln, vor allem an Armen und Kopf. Erst als ich mich bei meiner Bekehrung von diesem Geist losgesagt hatte, hörte dieses immer wiederkehrende Schütteln auf und verschwand bald darauf wieder ganz aus meinem Leben. Dieses Lossagegebet lag nun noch nicht einmal zwei Jahre zurück.
So musste ich mir nun die Frage stellen, ob sich der Heilige Geist genau so manifestieren sollte wie dieser Reiki-Geist? Das war schon eine seltsame Vorstellung. Doch ich war zunächst tatsächlich bereit, auch dies noch anzunehmen. Ich kam zu der Auffassung, dass es sich bei mir persönlich ja so verhalten könnte, dass wenn ich einen Geist empfange, dies sich dann eben u.a. durch solche Schüttelbewegungen äußerte und manifestierte. „Nun hatte ich eben den Geist Gottes empfangen“, so glaubte ich, „warum sollte es da anders sein wie damals beim Reiki-Geist?“ Ich war schon immer ein gutgläubiger Mensch gewesen, - manche mögen es naiv nennen. Wie auch immer, ich wollte das eben so sehen. Doch leider merkte ich bald, dass diese selbst gebastelte Theorie nicht genügte, um mir meine immer stärker aufkeimenden Zweifel zu nehmen.

d) Das Gebet
Ich bemerkte immer mehr, wie diese übersinnlichen Erfahrungen meinen eigenen Geist uneins machten und mich innerlich in eine Zwickmühle brachten. Es gab einen Teil in mir, der sich am liebsten keinen Kopf mehr um diese ganzen Erfahrungen gemacht hätte und mit Begeisterung und Freude im November nach Lüdenscheid gefahren wäre. Auf der anderen Seite gab es in mir eine Stimme, die sich zunehmend Sorgen machte, ob denn das tatsächlich der richtige Weg sein würde.
Das Dilemma war nun, dass ich nicht mehr wusste an welchen Kriterien ich meine Einschätzung festmachen sollte. Je mehr ich in diese Auseinandersetzung kam, desto verwirrter wurde ich. Aufgrund meiner Erfahrungen in Lüdenscheid glaubte ich zunächst, dass die empfangene Gabe von Gott gegeben sein musste. - Nach einer kritischen Überprüfung durch das Wort Gottes und einigen nachfolgend sehr befremdenden Erfahrungen kamen mir jedoch zusehends Zweifel, ob denn meine damalige Einschätzung tatsächlich die wahrheitsgemäße war. Auf der anderen Seite fürchtete ich den Geist Gottes auf eine sehr schlimme Weise zu betrüben, wenn ich nun diese Geistesgaben vorschnell ablehnen sollte und ich hatte Angst, mich so völlig um den Segen Gottes zu bringen.
Auch der Rat meiner Geschwister konnte mir bei dieser Fragestellung nicht weiterhelfen. In meinem Bekanntenkreis gab es damals erfahrene Geschwister, die mich ermutigten, den Weg nach Lüdenscheid in Freuden zu gehen. Und es gab ebenso erfahrene Geschwister, die mich mit Tränen in den Augen vor diesem Schritt warnten. Und ich selbst hatte bald gar keinen Durchblick mehr und fühlte mich völlig überfordert. Ich konnte damals nicht sagen, welche Einschätzung denn nun die vertrauenswürdigere gewesen war. Und doch wusste ich, dass ich mich entscheiden musste. Es war nicht möglich, beide Standpunkte zu vertreten.
In dieser inneren Verzweiflung fasste ich dann neuen Mut mit dem Bibelwort aus Psalm 55,23, wo es heißt: „Wirf dein Anliegen auf den Herrn; der wird dich versorgen und wird den Gerechten in Ewigkeit nicht wanken lassen.“. Ermutigt durch diese Zusage fand ich daraufhin zu einem für mich sehr befreienden Gebet. Ich erklärte dem Herrn Jesus gegenüber, dass ich bereit sei nach Lüdenscheid zu gehen, und dass ich mein Leben jetzt so gestalten würde, wie wenn ich am 08.11.03 nach Lüdenscheid ginge. „Aber wenn es nicht Dein Wille sein sollte“, so betete ich damals, „dann gib mir bitte auf irgendeine Art zu verstehen, dass ich nicht gehen soll.“ Und wenn es am letzten Tag vor der Abreise sein sollte, so sagte ich damals zu, dann würde ich bleiben.
Trotz der Tragweite dieser Entscheidung hatte ich jetzt großes Vertrauen und eine Gewissheit, dass ich den rechten Weg geführt werden würde. In Psalm 37,5-7 heißt es: „Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn, er wird’s wohl machen“...“Sei stille dem Herrn und warte auf ihn.“ Und so wartete ich nun auf seine Führung.

4.2 Aufklärende Einsichten: Drei Tage – Eine Antwort

a) Das Video
Es verstrichen einige Wochen bis ich dann an einem Montagmittag zu einem befreundeten Bruder eingeladen wurde. Wir hatten bereits den 13. Oktober und meine eventuelle Abreise war nur noch knappe 3 Wochen entfernt. Er hatte mir schon vor einiger Zeit von einem Video über die charismatische Bewegung erzählt und in diesem Zusammenhang erwähnt, dass er sich sicher sei, dass eine ihrer führenden Persönlichkeiten namens Benny Hinn ein Zauberer sei, und dass dessen Taten, seiner Einschätzung nach, nicht durch den Geist Gottes gewirkt werden.
Und so schlug er vor, dass wir uns an jenem Mittag dieses Video gemeinsam ansehen, damit ich selbst einmal sehen könnte wie Benny Hinn die von ihm ausgehende Kraft gebraucht und wie diese Geisteskraft wirkt. Da ich zwischenzeitlich sehr daran interessiert war, gerade auch kritische Informationen über die Kraftwirkungen dieses Geistes zu sammeln, um mir so selbst ein Bild machen zu können, war ich gegenüber diesem Vorschlag sehr aufgeschlossen.
Was nun allerdings dort zu sehen war, übertraf alle Vorstellungen. Ich konnte beinahe nicht glauben, was dort aufgezeichnet war. Wenn man bei diesen Szenen den Ton abgeschaltet hätte, würde ein neutraler Beobachter wohl zu der Auffassung kommen, dass dort ein Mann völlig von Sinnen, auf die Leute im Saal losgelassen wurde, um ihnen das Bewusstsein zu rauben.
Immer wenn Benny Hinn in die Nähe von Menschen kam, fielen diese wie bewusstlos nach hinten um. Nachdem zunächst einige spektakuläre Krankheitsaustreibungen gezeigt wurden, bei denen die Hilfesuchenden jedes Mal nach hinten umgeworfen wurden, bewegte er sich auf verschiedene Leute, die auf der Bühne standen, zu, um auch diese mit der so genannten „Salbung des Heiligen Geistes“ zu Boden zu werfen. Als nächstes rief er die Evangelisten in der Halle auf die Bühne. Als diese dann angelaufen kamen, wedelte er mit seinem Sakko in ihre Richtung, und auch diese Männer wurden, trotz erheblichem Abstand, dadurch zu Boden geworfen und blieben liegen. Der Höhepunkt der Respektlosigkeit dieses Mannes ereignete sich, als er die Bühne verließ und auf die Menschen in den ersten Reihen zuging, um ihnen seine Hände auf den Kopf zu drücken, worauf diese wie leblos auf ihren Stühlen zusammensackten. – Ein Wahnsinn!
Das volle Ausmaß der verborgenen Tragik in dieser Aufführung wurde aber erst deutlich, wenn man dem Ton dieser Szenen Beachtung schenkte. Denn dort war zu hören, wie Benny Hinn die Gläubigen in dieser riesigen Halle wie ein Dirigent dazu aufrief, Loblieder auf den Herrn Jesus Christus zu singen. Er betete immer wieder im Namen Jesu, lobte die Kraft, die von ihm ausging und forderte die Versammlung dazu auf, Gott für dieses Wirken zu danken.
Als ich diese Bilder sah, wusste ich zunächst nicht ob ich lachen oder weinen sollte. Diese ganze Aufführung war einfach unglaublich und doch hatte sie gerade auch für mich persönlich einen erschreckend ernsten Hintergrund. Denn wenn es möglich war, dass Tausende von Christen glauben konnten, dass der Geist unseres Herrn Jesus Christus sich derartig unwürdig und erniedrigend aufführen würde, dann war es auch möglich, dass all die Christen, die in Lüdenscheid diesen Geist anbeteten, ebenso verführt sein könnten - mich eingeschlossen.
Es erschien mir völlig absurd, dass ein gläubiger Christ ernsthaft zu der Auffassung kommen konnte, dass dieses Schauspiel, das auf dem Video zu sehen war, durch den Geist Gottes aufgeführt würde. Und doch wusste ich von einer Predigtkassette von Walter Heidenreich („Übernatürliche Kraftwirkungen des Heiligen Geistes“ - FCJG-Lüdenscheid), dass eben dieser Benny Hinn auch von der FCJG Lüdenscheid verehrt und anerkannt wird, und dass man das Wirken dieses Mannes dort ebenfalls dem Heiligen Geist zurechnete. Dieser Zusammenhang versetzte meinem Vertrauen in die empfangenen Geistesgaben einen heftigen Schlag. Ich bekam große Zweifel darüber, ob die bisherige Einschätzung hinsichtlich meiner Erfahrungen in Lüdenscheid wahrheitsgetreu war.
Nach dem Video hatten wir eine Gebetsgemeinschaft, bei der wir Gott baten, dass er mir zeigen möge, ob diese von mir empfangenen Gaben, denn wirklich von ihm sind. Und tatsächlich sollte dieses Video erst der Anfang einer Reihe von Ereignissen sein, die mir halfen, meine charismatischen Erfahrungen in einem neuen Licht zu betrachten. Denn am darauf folgenden Tag ging es gleich weiter.

b) Okkulte Parallelen - Die Hypnose
An jenem Dienstag begab es sich, dass mir eine gläubige Schwester von einem großen Magier in ihrer Verwandtschaft erzählte, der schon als Jugendlicher von diesen übersinnlichen Fähigkeiten fasziniert war, und damals erlernt hatte, Hasen zum Umfallen zu bringen. Außerdem berichtete sie von seiner Kraft, Menschen etwas zu suggerieren und sie zu hypnotisieren.
Als wir nun über die Hypnose redeten, wurde mir etwas deutlich, was ich bisher so noch nicht hatte sehen können. Die Situation in Lüdenscheid in dem Gebetszelt war genau die, wie sie in einer Hypnosesituation vorherrscht. Wie es auch bei der Hypnose notwendig ist, dass sich der zu Hypnotisierende in eine völlige geistige Passivität begibt, so wurden wir auch von Olli dazu aufgefordert unseren Verstand auszuschalten. Dadurch erhält der Hypnotiseur Macht über denjenigen, der zugestimmt hat, hypnotisiert werden zu wollen. Genau in dieser Haltung befanden sich die Gläubigen im Gebetszelt, die damit einverstanden waren, durch diese Methode die angebliche Gabe des Heiligen Geistes zu empfangen. Ein weiteres Element aus der Hypnose war das Fingerschnippen, das Olli gebraucht hatte. In der Hypnosesituation bewirkt dieses Schnippen, dass in diesem Moment die ganze Aufmerksamkeit des zu Hypnotisierenden auf den Hypnotiseur gelenkt wird. So musste ich mich nun zu meinem weiteren Erschrecken ernsthaft fragen, ob ich hypnotisiert worden war. Es schien eigentlich unglaublich, aber es sprach sehr viel dafür. Der darauf folgende Mittwoch, der 15.10.03, sollte nun Klarheit bringen.

c) Das Warten hat ein Ende
Einige Wochen zuvor hatte ich begonnen ein Buch zu lesen mit dem Titel „Hinter den Kulissen - Toronto: Segen oder Fluch?“. Bis zum Mittwoch hatte ich etwa ein Drittel gelesen, und fand nun wieder Zeit damit fortzufahren. Mit großer innerer Anspannung folgte ich den Ausführungen des Autors und nachdem ich ein ganzes Stück weiter gelesen hatte, fing ich zunehmend an, mich selbst in den dort dargestellten Beschreibungen wieder zu finden. Sehr vieles was der Autor über die Zusammenhänge in der Begegnung mit der charismatischen Bewegung beschrieb, traf auch auf mich zu. Ich konnte mich fast wie in einem Film nochmals durch die Tage in Lüdenscheid gehen sehen, aber dieses Mal in einem ganz anderen Licht. Mir war so, als ob regelrecht ein Schleier von meinen Augen genommen wurde, und ich nun alles neu und klar sehen konnte. Doch was ich sah, machte mich sehr traurig.
Verführt ist man dann, wenn man selbst fest davon überzeugt ist, das Richtige zu tun, und doch völlig in die Irre geleitet wird, weil man die Fähigkeit verloren hat, die Wahrheit von der Lüge zu unterscheiden. – „Ich war „rücklings“ gefallen und jetzt wusste ich, dass ich „zerbrochen, verstrickt und gefangen“ gewesen war. Der Schreck saß tief. - Ich hatte einer Lüge geglaubt. Ich musste mir eingestehen, dass ich verführt worden war.
Indem ich mich einem fremden Geist zur Verfügung stellte, der sich als der Heilige Geist ausgibt und der mich dazu gebracht hatte, dass ich ihn und seine Kraftwirkungen verehrt und angebetet habe, hatte ich geistige Hurerei betrieben und Gott die Treue gebrochen. Geblendet von Gefühlen und übersinnlichen Erfahrungen hatte ich mich einem unsichtbaren Götzen hingegeben, der mir eine Illusion von Vollmacht und Segen vorspielte. Es ist die Tragik unserer Zeit, dass Hand in Hand mit der Überschwemmung unserer Gesellschaft mit dem esoterischen Gedankengut, auch derartige spiritistische Praktiken und Lehren innerhalb der Christenheit Eingang gefunden haben, und dass dieser fremde Geist Gläubige gefangen genommen hat, die seine Botschaften und seine Gaben wie einen Virus im Namen Jesu Christi weiter verbreiten.

5. Gott ist treu!
Mein Trost in dieser Lage war nun das Wissen um eine Gemeinde in meiner Nähe, von der ich gehört hatte, dass sich deren Leiter völlig von der charismatischen Bewegung distanzierten. Zuvor hatte ich meist Stimmen gehört, die über diese Haltung gespottet hatten. Und ich erinnere mich, dass ich mich damals ebenfalls über diese sehr enge Sichtweise wunderte. Heute kann ich nachvollziehen, welche Gründe eine Gemeinde dazu bewegen, diese Abgrenzung vorzunehmen. Man wollte die Gläubigen vor dem Einfluss dieses fremden Geistes schützen und Gott die Treue halten.
Nachdem ich dem Pastor dieser Gemeinde meine Erlebnisse kurz am Telefon geschildert hatte, verabredeten wir uns am folgenden Samstag, um das Ganze in einem persönlichen Gespräch zu erörtern. Nach einem längeren Austausch und einigen Bibelbetrachtungen schlug er mir vor, ein Lossagegebet zu sprechen. Ich war einverstanden. Der Pastor erklärte mir, dass Gläubige in dieser Situation manchmal fürchteten, dass sie sich gegenüber dem Heiligen Geist versündigen könnten, und empfahl mir, mein Lossagegebet so zu formulieren, dass hier keine Bedenken aufkommen könnten. Und so sprach ich am Ende unseres Treffens dieses Gebet, in dem ich Jesus Christus darum bat, alles hinwegzunehmen, was seit Lüdenscheid in mein Leben gekommen war, das nicht von Ihm gewirkt worden ist und bat Ihn auch um Vergebung dafür, dass ich mich einem fremden Geist geöffnet hatte.
Schon am Tag darauf bemerkte ich, wie sich diese übersinnlichen Phänomene, die gerade während meiner Gebetszeit regelmäßig auftraten, nicht mehr manifestieren konnten. Das Wippen kam nicht wieder und ich wurde auch nicht mehr zur Zungenrede gedrängt. Zu meiner Freude durfte ich so erleben, daß der falsche Geist seinen Einfluß auf mein Leben wieder verloren hatte und ich jetzt wieder beten konnte wie ein ganz gewöhnliches Kind Gottes. Die Erleichterung war groß.
Doch hatte ich nicht viel Zeit zum Durchatmen, da ich nun als nächstes mein Leben in Schwäbisch Gmünd wieder ganz neu gestalten musste. Es war bereits Mitte Oktober und ich hatte noch zwei Wochen Zeit, um mir eine neue Wohnung und einen neuen Arbeitsplatz zu suchen. Gleichzeitig hatte diese ganze Auseinandersetzung, bei aller Freude darüber, dass sie zu Ende war, ziemlich an meinem Nervenkostüm gezehrt. Ich war sehr müde und innerlich ziemlich angeschlagen. Ich wusste weder ein noch aus, und so blieb mir auch hier nichts anderes übrig, als auf Gott zu hoffen. Und diese Hoffnung sollte nicht vergebens bleiben.
Gleich am Tag nach meiner Entscheidung nicht nach Lüdenscheid zu gehen, erfuhr ich an meinem Arbeitsplatz, dass der Kollege, der bereits seit zwei Monaten eingearbeitet wurde, um mich ab Anfang November ersetzen zu können, überraschend zum 31.Oktober gekündigt hatte. An dem Tag als ich mich gegen Lüdenscheid entschieden hatte, hatte er eine Zusage für eine andere Arbeitsstelle erhalten, die für ihn wesentlich attraktiver war. Somit war meine frühere Arbeitsstelle ab Anfang November wieder zu besetzen. Ich staunte nicht schlecht und konnte diese Fügungen kaum fassen. - Das war wie für mich gemacht. Und so erklärte ich meinen Kollegen noch am selben Tag, dass ich mich umentschieden hatte und jetzt doch wieder zur Verfügung stehen würde, wenn unser Vorgesetzter meiner Weiterbeschäftigung zustimmen sollte.
Da diese Lücke in der Personaldecke so kurzfristig nur schwer zu schließen gewesen wäre, war auch mein Chef nicht unglücklich über meine erneute Bewerbung. Innerhalb weniger Tage bekam ich dann Bescheid, dass meine Neueinstellung von der Hausleitung bewilligt wurde und ich bleiben konnte. Gleichzeitig war damit auch meine Wohnungsfrage gelöst. Der Kollege, der so kurzfristig gekündigt hatte, hatte bis dahin auch eine Wohnung für Firmenangehörige belegt und diese stand nun ebenfalls zur Verfügung.
Auch wenn diese Neueinstellung zunächst nur bis Ende Januar befristet war, fühlte ich mich angesichts meiner Ausgangssituation, mehr als reich beschenkt und war dafür sehr dankbar. Denn so hatte ich doch wenigstens etwas Zeit gewonnen, um mich neu zu besinnen und mein Leben wieder zu ordnen. Aber es sollte noch besser kommen.
Schon bald nach meiner Wiedereinstellung bewarb sich eine Kollegin, die schon lange Jahre auf dieser Position arbeitete, überraschend auf eine andere Stelle und erhielt tatsächlich eine Zusage, ab Februar 2004 dort anfangen zu können. Wiederum war mein Vorgesetzter in der Notlage sehr kurzfristig eine Personallücke füllen zu müssen und wiederum deckte sich der Beginn dieser Lücke mit meinem Vertragsende. Da so schnell kein geeigneter Ersatz für die ausscheidende Mitarbeiterin gefunden werden konnte, eröffnete mir unser Chef, dass er sich vorstellen könnte, die Zeit bis Ende August 2004 vorübergehend mit meiner Mitarbeit zu überbrücken. Noch vor Weihnachten wurde mein Arbeitsvertrag bis Ende August 2004 verlängert, und obendrein wurde mir noch eine erhebliche Verdienstverbesserung in Aussicht gestellt.
So war nun mein ursprüngliches Arbeitsverhältnis, wie ich es vor meinen Lüdenscheidplänen angestrebt hatte, wieder hergestellt. Ich konnte meiner Arbeit wieder in Frieden nachgehen und freute mich riesig über die verbesserte Bezahlung.
Dank sei Gott! - Gott ist treu!

Schluss
Abschließend möchte ich dem Leser danken, dass er sich die Zeit genommen hat, meine Ausführungen zu lesen. Ich habe versucht aufzuzeigen, wie sehr ein nicht informierter Christ durch die Begegnung mit den Wirkungen dieses Geistes beeindruckt und beeinflusst werden kann, und wie wichtig es für uns heute ist, sich der Auseinandersetzung mit der charismatischen Bewegung zu stellen.
Ich bin mir im Klaren darüber, dass dieser Aufsatz viele Geschwister vor den Kopf stoßen wird. Und ich möchte Euch versichern, dass ich keinen Gefallen daran habe. Ich habe mich lange gefragt, ob ich diese Schrift veröffentlichen soll, zumal ich ja niemand bin, der irgendwelche besonderen Verdienste im Leib Christi vorzuweisen hat, die diesen Ausführungen entsprechendes Gewicht verleihen würden. Was mich letzten Endes dazu gedrängt hat diesen Erfahrungsbericht niederzuschreiben, waren die Gespräche, die ich mit verschiedenen Geschwistern geführt hatte, die sich diesem Geist bereits ebenfalls geöffnet haben, bzw. die dieser Geistesströmung sehr aufgeschlossen gegenüberstehen.
So hoffe ich nun zum einen, dass diejenigen Geschwister, die mich persönlich kennen, besser verstehen können, warum ich meine Einstellung zu der charismatischen Bewegung und ihren Lehren korrigieren musste. Zum anderen ist es mein Gebet, dass diese Schrift dazu dienen möge, den einen oder anderen vor den Verirrungen, die ich durch eigene Fahrlässigkeit durchwandern musste, zu bewahren.
Möge der Herr Jesus diese Schrift dazu benutzen, dass sie ihm zur Ehre dient.

P.S.: Falls jemand einen Kommentar oder Fragen zu meinen Ausführungen hat, können diese an folgende E-Mail-Adresse gesendet werden: joa-chim[at]gmx.de. So weit es gewünscht wird, werde ich baldmöglichst darauf antworten.

© Joachim Friedl - Schwäbisch Gmünd, den 21. Juni 2004

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Wie können wir denn leben?

Francis Schaeffer
Wie können wir denn leben?

Paperback, 238 Seiten, 13,90 Euro
erschienen am 29.08.2014

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