Lesung aus Arthur W. Pink "Das Leben des Elia"

Basiert auf "Biblische Lehre" - aber damit die Praxis nicht zu kurz kommt, ein Extra-Forum

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Joschie
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Kapitel.21 Beharrlich im Gebet

Beitragvon Joschie » 17.01.2021 08:43

Kapitel.21 Beharrlich im Gebet

Wie schlimm sind doch jene Worte pervertiert worden: „Lasst uns nun mit Freimütigkeit hinzutreten zu dem Thron der Gnade“ (Heb. 4,16; Elberf.)! Zu meinen, sie gäben uns den Freibrief, den Herrn Gott anzureden, als wäre Er unseresgleichen, hieße, Licht durch Finsternis und Gut durch Böse zu ersetzen. Wenn wir bei Gott Gehör bekommen wollen, müssen wir unseren rechtmäßigen Platz vor Ihm einnehmen, und der ist in dem Staub der Erde. „So demütigt euch nun unter die gewaltige Hand Gottes, damit er euch erhöhe zu seiner Zeit“; erst danach heißt es: „Alle eure Sorgen werft auf ihn, denn er sorgt für euch“ (1.Petr. 5,6-7). Wir müssen uns erniedrigen, weil wir unsere Armseligkeit empfinden. Wenn Mose seine Schuhe ausziehen musste, ehe er sich dem brennenden Dornbusch näherte, aus dem ihm die Herrlichkeit Gottes erschien, dann müssen auch wir uns im Gebet so verhalten, wie es der Majestät und der Macht des großen Gottes entspricht. Es ist wahr, der Christ ist ein erlöster Mensch und angenommen in dem Geliebten, aber er ist noch immer ein Sünder. Wie jemand einmal gesagt hat: „Die sanfte Liebe, die uns die quälende Furcht austreibt, schafft in uns eine Furcht, die so zart und empfindsam ist wie die des Johannes, der, obwohl er seinen Kopf an Christi Brust gelehnt hatte, Skrupel hatte, allzu hastig in das Grab einzudringen, indem Er geruht hatte.“

Drittens, beachte besonders, dass dieses Gebet Elias auf eine göttliche Verheißung begründet war. Als der Herr Seinem Knecht den Auftrag gab, erneut vor Ahab zu erscheinen, hatte Er ausdrücklich gesagt: „Ich will regnen lassen auf die Erde“ (18,1). Warum sollte er Ihn denn jetzt ernstlich um Regen anflehen? Dem natürlichen Verstand erscheint es überflüssig, dass wir um eine Sache bitten sollen, die Gott bereits zugesichert hat: Würde nicht Gott Sein Wort einlösen und unabhängig von weiterem Gebet den Regen senden? So dachte Elia nicht, und auch wir sollten nicht so denken. Gottes Verheißungen haben nicht den Zweck, uns davon zu entbinden, vor dem Gnadenthron für die zugesagten Segnungen zu bitten, vielmehr haben sie den Zweck, uns zu unterweisen, worum wir bitten sollen, und uns zu ermutigen, im Glauben darum zu bitten, damit wir ihre Erfüllung erlangen. Gottes Gedanken und Wege sind immer anders – und unendlich höher – als unsere. In Hesekiel 36,24-36 finden wir eine ganze Kette von Verheißungen, doch in unmittelbarem Zusammenhang damit lesen wir: „Auch darin will ich mich vom Hause Israel bitten lassen, dass ich dies ihnen tue“ (V. 37).

Indem wir um die Dinge bitten, die Er verheißen hat, bekennen wir Ihn als den Geber und lernen unsere Abhängigkeit von Ihm; der Glaube kommt zur Ausübung, und wir wissen die Barmherzigkeit, die wir von Ihm empfangen, dann umso mehr zu schätzen. Gott wird tun, was Er vorhat, aber Er will, dass wir um alles, was wir von Ihm haben möchten, bitten. Selbst zu Seinem geliebten Sohn sagt Gott: „Bitte mich, so will ich dir Völker zum Erbe geben“ (Ps. 2,8): Sein Lohn muss in Anspruch genommen werden. Auch wenn Elia (im Glauben) ein „Rauschen eines gewaltigen Regens“ hörte, musste er dennoch dafür beten (Sach. 10,1). Gott hat verordnet, dass wir, wenn wir empfangen wollen, zuvor bitten müssen; dass wir suchen müssen, wenn wir finden wollen, dass wir anklopfen müssen, wenn wir die Tür des Segens geöffnet haben möchten; tun wir das nicht, so beweisen wir damit die Wahrheit der Worte: „Ihr habt nichts, weil ihr nicht bittet“ (Jak. 4,2). So sind uns also Gottes Verheißungen gegeben, um uns zum Gebet anzureizen, um als Formen zu dienen, in die unsere Bitten gegossen werden, um den Umfang anzuzeigen, in welchem wir Erhörung erwarten dürfen.
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Kapitel.21 Beharrlich im Gebet

Beitragvon Joschie » 27.01.2021 11:06

Kapitel.20 Beharrlich im Gebet

Viertens, sein Gebet war definitiv auf den Punkt. Die Schrift sagt: „Bitte den HERRN, dass es regne“ (Sach. 10,1), und genau dafür betete der Prophet; er verallgemeinerte nicht, sondern konkretisierte. Gerade an dem Punkt versagen viele. Ihre Bitten sind so vage, dass sie eine Antwort kaum erkennen würden, wenn sie käme; ihre Anliegen entbehren jeglicher Präzision, so dass selbst der Beter am nächsten Tag Schwierigkeiten hat sich zu erinnern, worum er gebeten hat. Kein Wunder, dass solches Beten für die Seele kein Gewinn ist und wenig zustande bringt. Briefe, die keiner Antwort bedürfen, enthalten wenig oder nichts, das irgendwie wertvoll oder wichtig wäre. Möge der Leser sich mit diesem Gedanken vor Augen den vier Evangelien zuwenden und sehen, wie bestimmt in seinem Anliegen und genau in der Beschreibung seines Falles jeder einzelne war, der zu Christus kam und Heilung erlangte, und bedenke, dass es uns zur Lehre berichtet wird. Als Seine Jünger den Herrn baten, sie beten zu lehren, sagte Er: „Wenn jemand unter euch einen Freund hat und ginge zu ihm um Mitternacht und sprächt zu ihm: lieber Freund, leih mir drei Brote“ (Lk. 11,5) – nicht einfach „Nahrung“, sondern „drei Brote“!

Fünftens, sein Gebet war ernstlich: „Er betete ernstlich“ (Jak.5,17; Elberf.). Es ist nicht notwendig, dass ein Mensch ruft und schreit, um seine Ernsthaftigkeit zu beweisen, doch andererseits darf kaltes, förmliches Bitten nicht erwarten, Erhörung zu finden. Gott gewährt unsere Bitten nur um Christi willen, dennoch, wenn wir Ihn nicht mit Herzenswärme und in Wahrheit anrufen, mit inbrünstigem Geist und nachdrücklichem Flehen, werden wir die gewünschte Segnung nicht erlangen. Diese Dringlichkeit wird uns in der Schrift ständig eingeprägt, wenn Gebet mit Suchen, Anklopfen, Rufen und Ringen verglichen wird. Bedenke, wie Jakob mit dem Herrn rang, und wie Daniel seufzte und seine Seele ausschüttete. Wie anders ist das träge, schlaffe Bitten der meisten unserer modernen Christen! Von unserem Erlöser steht geschrieben, dass Er „Bitten und Flehen mit lautem Geschrei und mit Tränen dargebracht hat“ (Heb. 5,7). Nicht das halbherzige, mechanische Bitten sichert die Antwort, sondern “das inbrünstige Gebet eines Gerechten vermag viel“ (Jak.5,16; Elberf.).

Sechstens, beachte Elias Wachsamkeit im Gebet: „... und sprach zu seinem Diener: Geh hin und schaue zum Meer!“ (V. 43). Während wir im Gebet verharren und auf Antwort warten, müssen wir Ausschau halten, ob schon Zeichen zum Guten sichtbar sind. Wie der Psalmist sagt: „Ich harre des HERRN, meine Seele harret, ich hoffe auf sein Wort. Meine Seele wartet auf den HERRN mehr als die Wächter auf den Morgen, mehr als die Wächter auf den Morgen“ (Ps. 130,5-6). Die Anspielung bezieht sich auf jene, die auf dem Wachtturm postiert waren und nach Osten hin nach dem ersten Anzeichen der Morgendämmerung Ausschau hielten, um die Botschaft (mit der Posaune) an den Tempel weiterzuleiten, so dass das Morgenopfer rechtzeitig geopfert werden konnte. In gleicher Weise muss die bittende Seele wachsam auf jedes Zeichen achten, das die Ankunft des erbetenen Segens anzeigen könnte. „Seid beharrlich im Gebet und wacht in ihm mit Danksagung!“ (Kol. 4,2). Ach wie oft versagen wir an diesem Punkt, weil unsere heiligen Wünsche nicht von Hoffnung aufrecht gehalten werden. Wir beten, doch wir halten nicht erwartungsvoll Ausschau nach den Gunstbeweisen, die wir suchen. Wie anders war es bei Elia!
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Kapitel.21 Beharrlich im Gebet

Beitragvon Joschie » 08.02.2021 10:45

Kapitel.21 Beharrlich im Gebet

Siebtens, die Beharrlichkeit in seinem Gebet. Dies ist das offensichtlichste Merkmal dieser ganzen Prozedur; und wir sollten es besonders zu Herzen nehmen, weil gerade an diesem Punkt die meisten von uns am schlimmsten versagen. „... und sprach zu seinem Diener: Geh hinauf und schaue aufs Meer! Er ging hinauf und schaute und sprach: Es ist nichts da.“ „Nichts“: nichts am Himmel, nichts, das aus dem Meer aufsteigt und den kommenden Regen ankündigt: Wissen nicht sowohl meine Leser wie auch ich aus Erfahrung, was das bedeutet? Wir haben den Herrn gesucht und dann hoffnungsvoll nach Seinem Eingreifen Ausschau gehalten, aber anstelle eines Zeichens von Ihm, dass Er gehört hat, ist da „nichts“! Und wie war unsere Reaktion? Haben wir schmollend und ungläubig gesagt, „genau wie ich dachte“, und haben aufgehört zu beten? Wenn ja, war das eine falsche Haltung. Zuerst versichere dich, dass deine Bitte auf eine göttliche Verheißung gegründet ist, und dann warte glaubend auf Gottes Zeitpunkt der Erfüllung. Wenn du keine definitive Verheißung hast, befiehl dein Anliegen in Gottes Hände und gib dich, was den Ausgang der Sache betrifft, in Seinen Willen.

„Er ging hinauf und schaute und sprach: Es ist nichts da.“ Selbst Elia wurde nicht immer sofort erhört, und wer sind wir, dass wir eine prompte Antwort auf unser erstes Bitten erwarten? Der Prophet meinte nicht, weil er ein Mal gebetet hatte und keine Reaktion sehen konnte, könnte er aufhören zu beten; stattdessen fuhr er fort, sein Anliegen mit aller Dringlichkeit vorzutragen, bis er empfing, worum er bat. Das war die gleiche Beharrlichkeit wie bei dem Patriarchen Jakob: „Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn“ (1.Mose 32,26). So betete auch der Psalmist: „Ich harrte des HERRN, und er neigte sich zu mir und hörte mein Schreien“ (Ps. 40,2). „Und er sprach: Geh wieder hin siebenmal“ (V. 43; Elberf.) – so lautete Elias Anweisung an seinen Diener. Er war überzeugt, dass Gott früher oder später seine Bitte erhören würde, doch er wusste auch, dass er Ihm „keine Ruhe lassen“ sollte (Jes. 62,7). Sechsmal kehrte der Diener zurück mit der Meldung, dass kein Vorzeichen von Regen zu sehen war, doch der Prophet ließ in seinem Flehen nicht locker. Und lasst uns nicht kleinmütig sein, wenn unser Beten nicht von unmittelbarem Erfolg begleitet ist, sondern lasst uns hartnäckig sein und Glauben und Geduld üben, bis der Segen kommt.

Einmal, zweimal, dreimal, ja sechsmal bitten zu müssen, war keine geringe Prüfung für Elias Ausdauer, aber ihm wurde Gnade gegeben, dass er die Prüfung ertragen konnte. „Darum wartet der HERR darauf, dass er euch gnädig sei“ (Jes. 30,18). Warum? Um uns zu lehren, dass wir nicht aufgrund unserer Inbrunst oder Dringlichkeit oder der Rechtmäßigkeit unseres Anliegens erhört werden: wir können nichts von Gott beanspruchen – alles ist aus Gnade, und wir müssen Seine Zeit abwarten. Der Herr wartet, nicht, weil Er tyrannisch ist, sondern „dass er euch gnädig sei“. Es ist zu unserem Wohl, dass Er wartet: damit unsere Gnadengaben sich entwickeln können, damit Unterordnung unter Seinen heiligen Willen in uns gewirkt werden kann; dann wendet Er sich uns liebevoll zu und sagt: „Dein Glaube ist groß: Dir geschehe, wie du willst“ (Mt. 15,28). „Das ist die Zuversicht, die wir haben zu Gott: Wenn wir um etwas bitten nach seinem Willen, so hört er uns. Und wenn wir wissen, dass er uns hört, worum wir auch bitten, so wissen wir, dass wir erhalten, was wir von ihm erbeten haben“ (1.Joh. 5,14-15). Gott kann Sein Wort nicht brechen, aber wir müssen Seine Zeit abwarten und uns nicht entmutigen lassen, sondern im Gebet fortfahren, bis Er sich zu unseren Gunsten stark erweist.
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Kapitel.21 Beharrlich im Gebet

Beitragvon Joschie » 27.02.2021 11:20

Kapitel.21 Beharrlich im Gebet

„Und beim siebentenmal sprach er: Siehe, es steigt eine kleine Wolke auf aus dem Meer wie eines Mannes Hand“ (V. 44). Die Beharrlichkeit des Propheten war nicht vergeblich gewesen, denn jetzt bekam er ein Zeichen von Gott, dass er erhört war. Gott gibt nicht oft die volle Antwort auf Gebet auf einmal, sondern zuerst ein wenig, und dann allmählich mehr und mehr, wie Er es für uns für richtig befindet. Was der Glaubende jetzt hat, ist nichts im Vergleich mit dem, was er einst haben wird, wenn er beharrlich im Gebet bleibt, in glaubendem, ernstlichem Gebet. Wenn es Gott auch gefiel, den Propheten eine Weile warten zu lassen, so hat Er doch seine Erwartungen nicht enttäuscht, und Er wird auch uns nicht enttäuschen, wenn wir im Gebet bleiben und in demselben mit Danksagung wachen. So lasst uns denn bereit sein, mit Freude und Dankbarkeit den geringsten Hinweis auf eine Erhörung unserer Gebete zu empfangen und ihn als Zeichen zum Guten annehmen und als Ermutigung, mit Bitten fortzufahren, bis wir eine vollkommene Erfüllung jener Anliegen erleben, die auf sein Wort gegründet sind. Kleine Anfänge bringen häufig wunderbare Wirkungen hervor, wie das Gleichnis vom Senfkorn lehrt (Mt. 13,31-32). Die schwachen Bemühungen der Apostel waren von erstaunlichem Erfolg gekrönt, als Gott sich zu ihnen bekannte und sie segnete. In den Worten „wie eines Mannes Hand“ sehe ich auch eine symbolische Bedeutung: Eines Mannes Hand war im Gebet erhoben und warf gleichsam einen Schatten auf den Himmel!

„Elia sprach: Geh hin und sage Ahab: Spann an und fahre hinab, damit dich der Regen nicht aufhält!“ (V. 44). Elia verschmähte nicht dieses bedeutende Omen, so klein es auch war, sondern schöpfte unverzüglich Mut daraus. So überzeugt war er, dass die Fenster des Himmels sich bald öffnen und Schauer im Überfluss herabströmen würden, dass er seinen Diener mit einer dringenden Botschaft zu Ahab sandte, dass er unverzüglich aufbrechen sollte, ehe der Sturm losbrechen und die Wasser des Kischon so anschwellen würden, dass der König an seiner Heimreise gehindert würde. Welch heiliges Vertrauen in einen Gebet erhörenden Gott wurde hier sichtbar! Glaube erkannte den Allmächtigen hinter der „kleinen Wolke“. Eine „Handvoll Mehl“ war ausreichend gewesen, um einen Haushalt viele Monate lang zu ernähren, und eine Wolke „wie eines Mannes Hand“ konnte sich vermehren und gewaltige Regengüsse hervorbringen. „Und ehe man sich’s versah, wurde der Himmel schwarz mit Wolken und Wind, und es kam ein großer Regen“ (V. 45). Sollte dies nicht deutlich zu uns reden? O bitter angefochtener Christ, lass dich ermutigen von dem, was hier berichtet wird: Die Antwort auf deine Gebete mag viel näher sein als du denkst.

„Ahab aber fuhr hinab nach Jesreel“ (V. 45). Der König hatte prompt auf die Botschaft des Propheten reagiert. Wieviel schneller wird auf die Diener des Herrn gehört, wenn sie zeitliche Ratschläge geben, als wenn sie geistlichen Rat anbieten! Ahab hatte jetzt keine Zweifel mehr, dass der Regen fallen würde. Er war damit zufrieden, dass Der, welcher Elia mit Feuer geantwortet hatte, jetzt mit Wasser antworten würde; dennoch blieb sein Herzen hart wie Stahl gegen Gott. Welch tragisches Bild bietet sich uns hier: Ahab war überzeugt, aber nicht bekehrt. Wie viele in den heutigen Kirchen sind wie er: sie haben die Religion im Kopf, aber nicht im Herzen; sie sind überzeugt, dass das Evangelium wahr ist, aber sie lehnen es ab; sie wissen, dass Christus erretten kann, doch sie beugen sich Ihm nicht.
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Kapitel.22 Auf der Flucht

Beitragvon Joschie » 16.03.2021 07:58

Kapitel.22 Auf der Flucht

Im Wechsel von 1.Könige Kapitel 18 zu Kapitel 19 finden wir eine plötzlichen, seltsamen Übergang. Es ist, als schiene die Sonne hell und freundlich am klaren Himmel, und im nächsten Augenblick, ohne Warnung überziehen schwarze Wolken den Himmel, und Donnerschläge erschüttern die Erde. Die Kontraste zwischen diesen Kapiteln sind scharf und überraschend. Am Schluss des einen: „Die Hand des HERRN kam über Elia“, als er vor Ahab herlief; zu Beginn des nächsten war er ganz mit sich selbst beschäftigt und „lief um sein Leben“. Im ersteren sehen wir den Propheten in Höchstform, im letzteren in seiner Tiefst Form. Dort war er stark im Glauben und ein Helfer seines Volkes, hier ist er von Furcht erfüllt und lässt seine Nation im Stich. In dem einen tritt er den vierhundert Baalspropheten unerschrocken entgegen; im anderen flieht er panikergriffen vor einer Frau. Vom Berggipfel begibt er sich in die Wüste, und während er zuvor Jahwe ersuchte, Seinen großen Namen zu rechtfertigen und zu verherrlichen, fleht er jetzt, dass Er ihm das Leben nehme. Wer hätte sich einen so tragischen Fortgang vorstellen können?

In den verblüffenden Kontrasten, die hier dargestellt werden, haben wir einen eindrucksvollen Beweis für die göttliche Inspirationder Schrift. In der Bibel wird menschliche Natur in ihren wirklichen Farben gemalt: die Charaktere ihrer Helden werden zuverlässig abgebildet, die Sünden ihrer Berühmtheiten frei und offen berichtet. Gewiss, Irren ist menschlich, aber ebenso menschlich ist es, die Fehler derer zu verschleiern, die wir bewundern. Wäre die Bibel ein menschliches Machwerk, geschrieben von uninspirierten Historikern, so hätten sie die Tugenden der meisten großen Männer ihrer Nation verherrlicht, ihre Laster verschwiegen oder übertüncht und zu beschönigen versucht. Hätte ein menschlicher Bewunderer Elias Geschichte aufgeschrieben, so wäre sein tragisches Versagen fortgelassen worden. Die Tatsache, dass es berichtet ist und dass kein Versuch unternommen wurde, es zu entschuldigen, ist ein Beweis, dass die Charaktere der Bibel in den Farben der Wahrheit undWirklichkeit gemalt sind, und dass sie nicht von menschlicher Hand skizziert sind, sondern dass die Schreiber vom Heiligen Geist inspiriert waren.

„Und die Hand des HERRN kam über Elia, und er gürtete seine Lenden und lief vor Ahab hin, bis er kam nach Jesreel“ (1.Kön. 18,46). Das ist großartig. Der Ausdruck „die Hand des HERRN“ wird in der Schrift oft gebraucht, um Seine Kraft und Seinen Segen zu bezeichnen. So sagte Esra: „Die Hand unseres Gottes war über uns und errettete uns vor Feinden“ (8,31). „Die Hand des Herrn war mit ihnen, und eine große Zahl wurde gläubig und bekehrte sich zum Herrn“ (Apg. 11,21). Dieser Vers, als Fortführung der vorangegangenen Vers, insbesondere Vers 42, enthält eine lehrreiche Aussage: Zuvor sahen wir den Propheten in Selbsterniedrigung zur Erde gebückt, und hier sehen wir, wie Gott seinen Knecht ehrt und ihm wunderbare Kraft verleiht wenn wir Gottes Kraft und Segen über uns haben möchten, müssen wir einen niedrigen Platz vor Ihm einnehmen. In diesem Fall vermittelte „die Hand des HERRN“ übernatürliche Kraft und Flinkheit der Füße, so dass er die achtzehn Meilen so schnell zurücklegte, dass er Ahabs Wagen sogar noch überholte: so ehrte Gott erneut den, der Ihn geehrt hatte, und lieferte Ahab obendrein einen weiteren Beweis für Elias göttlichen Auftrag. Dies war bezeichnend für Gottes Vorgehensweise: Dort wo ein Mensch seinen Platz im Staub vor dem Allerhöchsten einnimmt, wird bald vor anderen offenbar werden, dass ihn eine Kraft treibt, die größer ist als seine eigene.
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Kapitel.22 Auf der Flucht

Beitragvon Joschie » 30.03.2021 08:03

Kapitel.22 Auf der Flucht

„Er gürtete seine Lenden und lief vor Ahab hin, bis er kam nach Jesreel.“ Jedes Detail enthält eine wichtige Lektion für uns. Dass Gottes Kraft auf Elia ruhte, ließ ihn nicht achtlos und nachlässig in seinen Pflichten werden: Er raffte seine Kleidung zusammen, damit seine Bewegungen ungehindert waren. Und wenn wir „laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns bestimmt ist“, dann müssen wir „ablegen alles, was uns beschwert“ (Heb. 12,1).Wenn wir „bestehen wollen gegen die listigen Anschläge des Teufels“, müssen wir „an unseren Lenden umgürtet sein mit Wahrheit“ (Eph. 6,14). In dem Elia „vor Ahab hinlief“, nahm er die niedere Stellung eines gewöhnlichen Fußsoldaten ein; daran hätte Monarchen erkennen sollen, dass sein rigoroses gegen den Götzendienst keiner Nichtachtung seiner Person entsprang, sondern einzig und allein in seinem Eifer für Gott begründet lag. Die Kinder Gottes sind beauftragt, in allen zivilen Angelegenheiten „den König zu ehren“, und auch hierin ist es die Pflicht der Pastoren, ihren Leuten ein Vorbild zu sein. Elias Verhalten an dieser Stelle diente als ein weiterer Test für Ahabs Charakter. Hätte er auch nur den geringsten Respekt für den Knecht des Herrn gehabt, so hätte er ihn in seinen Wagen gebeten, wie es der vornehme Äthiopier mit Philippus tat (Apg. 8,31), aber bei diesem Sohn des Belial war das nicht zu erwarten.

Der gottlose König eilte vorwärts nach Jesreel, wo seine böse Lebensgefährtin ihn erwartete. Für Isebel muss es ein beschwerlicher Tag gewesen sein, denn viele Stunden waren vergangen, seit ihr Mann losgegangen war, um Elia am Karmel zu treffen. Der dringliche Befehl, den er von Jehovas Knecht erhalten hatte, ganz Israel sowie die Propheten des Baal auf diesem Berg zu versammeln, zeigte an, dass die Krise erreicht war. Zweifellos hegte sie die Hoffnung, dass ihre Priester triumphiert hatten, und als sie die Regenwolken sah, die den Himmel verdunkelten, schrieb sie die lang ersehnte Veränderung einem grandiosen Eingreifen Baals in Antwort auf die Gebete ihrer Priester zu. Wenn ihre Erwartung zutraf, dann war alles gut: Ihr Herzenswunsch würde Wirklichkeit werden, ihre Intrigen waren von Erfolg gekrönt, die unentschlossenen Israeliten würden für ihr götzendienerisches Regime gewonnen werden, und die letzten Spuren der Verehrung Jehovas würden ausgelöscht werden. Für die leidvolle Hungersnot würde Elia allein die Schuld bekommen, und die Beendigung derselben würde ihr und ihren Götzen zugeschrieben werden. Vermutlich waren es solche oder ähnliche Gedanken, die sie in der Zeit des Wartens beschäftigten.

Nun sollte die Ungewissheit vorbei sein; der König war angekommen und eilte, um ihr Bericht zu erstatten. „Und Ahab sagte Isebel alles, was Elia getan hatte und wie er alle Propheten Baals mit dem Schwert umgebracht hatte“ (V. 19,1). Das erste, was an diesem Bericht auffällt, ist seine Unvollständigkeit: Der Herr selbst bleibt völlig unerwähnt. Kein Wort über die Wunder, die Er an jenem Tage gewirkt hatte, wie Er nicht nur das Feuer vom Himmel fallen und das Opfer verzehren ließ, sondern sogar die Steine des Altars, und wie es große Mengen Wassers aus dem Graben aufgeleckt hatte; und wie in Antwort auf das Gebet Seines Dieners Regen im Übermaß herabgesandt wurde. Nein, Gott hat keinen Platz in den Gedanken der Bösen, vielmehr geben sie sich noch die größte Mühe, Ihn aus ihrem Sinn zu verbannen. Und selbst solche, die sich aus einer Art Eigennutz zur Religion halten, sich Christen nennen und Gottesdienste besuchen, reden zuhause mit ihren Frauen über alles, nur nicht über Gott und Seine wunderbaren Werke. Bei der großen Mehrheit der Namenschristen ist es wie bei ihrem Sonntagsanzug sie tragen sie an dem einen Tag, und für den Rest der Wochen hängen sie ihn beiseite.
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Kapitel.22 Auf der Flucht

Beitragvon Joschie » 14.04.2021 06:54

Kapitel.22 Auf der Flucht

„Und Ahab sagte Isebel alles, was Elia getan hatte.“ Da Gott im Denken der Bösen nicht vorhanden ist, neigt der Unglaube dazu, das, was der Herr getan hat, auf sekundäre Ursachen zurückzuführen oder menschlichen Werkzeugen zuzuschreiben. Ob Er nun im Gericht handelt oder segnet, Gott selbst ist aus dem Blickfeld verschwunden, und nur die Mittel, die Er einsetzt, oder die Werkzeuge, die Er benutzt, werden gesehen. Wenn ein Mann von unersättlichem Ehrgeiz das göttliche Werkzeug ist, um sündenbeladene Nationen zu züchtigen, dann wird dieses Werkzeug das Ziel weltweiten Hasses, aber die Nationen demütigen sich nicht vor Dem, der diese Rute schwingt. Wenn ein Whitefield oder ein Spurgeon zugerüstet wird, das Wort Gottes mit außergewöhnlicher Kraft und großem Segen zu predigen, dann wird er von den religiösen Massen verehrt, und Menschen reden von seinen Fähigkeiten und seinen Bekehrungen. So war es mit Ahab: erst schrieb er die Dürre und die Hungersnot dem Propheten zu – „Bist du nun da, der Israel ins Unglück stürzt?“ (18,17), anstatt zu sehen, dass es der Herr war, der eine Auseinandersetzung mit der schuldigen Nation hatte und dass er selbst der Hauptverantwortliche für ihren Zustand war; und jetzt ist er noch immer damit befasst, was „Elia getan hatte“.

„Und Ahab sagte Isebel alles, was Elia getan hatte.“ Er wird gesagt haben, wie Elia ihre Priester verhöhnt hatte, wie er sie mit seiner beißenden Ironie gegeißelt und sie dem Spott des Volkes ausgeliefert hatte. Er wird geschildert haben, wie er sie durch seine Herausforderung hatte zuschanden werden lassen und wie er, wie durch einen mystischen Zauberspruch, Feuer vom Himmel fallen ließ. Er wird beschrieben haben, wie der Tischbiter den Sieg errungen hatte, wie begeistert die Leute waren und wie sie auf ihre Angesichter gefallen waren und gerufen hatten „Der HERR ist Gott, der HERR ist Gott“. Dass er Isebel all diese Dinge berichtete, nicht um sie von ihrem Irrtum zu überzeugen, sondern um sie vielmehr gegen Gottes Knecht anzustacheln, wird aus der wohl kalkulierten Klimax deutlich: „... und wie er alle Propheten Baals mit dem Schwert umgebracht hatte.“ Dies offenbart erneut, was für einen furchtbaren Carakter Ahab hatte! Wie die lange Dürre und die anschließende Hungersnot ihn nicht zum Herrn gebracht hatten, so führten auch diese Barmherzigkeit Gottes, dass Er Regen sandte und sein Herrschaftsgebiet erquickte, ihn nicht zur Buße. Weder göttliche Gerichte noch göttliche Segnungen werden, für sich genommen, die Unerneuerten zurückgewinnen: einzig und allein ein Wunder der souveränen Gnade kann Seelen von der Macht der Sünde und des Satans zu dem lebendigen Gott hinwenden.

Es ist nicht schwer, sich die Wirkung vorzustellen, die Ahabs Bericht auf die hochmütige, herrschsüchtige und grausame Isebel hatte: er würde ihren Stolz so sehr verletzen, ihr rasendes Temperament so erhitzen, dass nichts außer der unverzüglichen Beseitigung des Objektes ihrer Entrüstung sie wieder beruhigen könnte: „Da sandte Isebel einen Boten zu Elia und ließ ihm sagen: Die Götter sollen mir dies und das tun, wenn ich nicht morgen um diese Zeit dir tue, wie du diesen getan hast“ (V. 2). Wenn schon Ahabs Herz von den Ereignissen auf dem Karmel unberührt und gegen Gott verhärtet blieb, dann ließ sich seine heidnische Gefährtin noch viel weniger dadurch erweichen. Er war fleischlich und materialistisch, an religiösen Dinge nur mäßig interessiert; solange er reichlich zu Essen und Trinken hatte und seine Pferde und Maultiere versorgt waren, war er zufrieden. Aber Isebel war anders, ebenso resolut, wie er schwach war. Schlau, skrupellos, unbarmherzig wie sie war, benutzte sie Ahab nur als Werkzeug, um ihre Wünsche durchzusetzen, und war damit, wie in Offenbarung 2,20 angedeutet, eine Vorschattung der Frau auf dem scharlachroten Tier (Offb. 17,3). Die Krise war von höchster Dringlichkeit, und sowohl politische Erwägungen als auch ihre Entrüstung trieben sie zu sofortigem Handeln. Wenn man dieser nationalen Reformation freien Lauf ließe, würde sie alles vernichten, wofür sie jahrelang gearbeitet hatte.
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Kapitel.22 Auf der Flucht

Beitragvon Joschie » 06.05.2021 09:05

Kapitel.22 Auf der Flucht

„Die Götter sollen mir dies und das tun, wenn ich nicht morgen um diese Zeit dir tue, was du diesen getan hast.“ Beachte die unerbittliche, schreckliche Feindschaft gegen Gott in einer Seele, die von Ihm verlassen war. Ihr Herz war unkorrigierbar und für Gottes Gegenwart und Kraft gänzlich unempfänglich. Und beachte, wie dieser furchtbare Hass zum Ausdruck kam: Außerstande, Jehova direkt zu verletzen, ließ sie ihre Boshaftigkeit an Seinem Knecht aus. So war es immer bei Menschen, die Gott in ihren verworfenen Bewusstseinszustand dahingegeben hatte. Eine Plage nach der anderen wurde über Ägypten gebracht, doch anstatt dass der Pharao seine Waffen der Rebellion niederlegte, verkündete dieser elende Narr, nachdem der Herr Sein Volk mit starker Hand herausgeführt hatte: „Ich will nachjagen und ergreifen und den Raub austeilen und meinen Mut an ihnen kühlen. Ich will mein Schwert ausziehen, und meine Hand soll sie verderben“ (2.Mose 15,9). Als alle, die im jüdischen Rat saßen, auf Stephanus blickten und „sahen sein Angesicht wie eines Engels Angesicht“, von himmlischem Glanz erleuchtet, und als sie seine Botschaft hörten, nahmen sie diese nicht etwa an, sondern „es ging ihnen durchs Herz, und sie knirschten mit den Zähnen über ihn“, und wie Wahnsinnige „schrien sie laut und hielten sich die Ohren zu und stürmten einmütig auf ihn ein, stießen ihn aus der Stadt hinaus und steinigten ihn“ (Apg. 7,54-58).

Hüte dich davor, Gott zu widerstehen und Sein Wort zurückzuweisen, damit du nicht von Ihm dahingegeben wirst und Er es zulässt, dass Wahnsinn dich ins Verderben treibt. Je offenkundiger es wurde, dass Gott mit Elia war, desto mehr wurde Isebel gegen ihn erbittert. Jetzt, als sie erfuhr, dass er ihre Priester getötet hatte, war sie wie eine Löwin, die ihrer Jungen beraubt war. Ihr Zorn kannte keine Grenzen; Elia musste unverzüglich getötet werden. In prahlerischer Gewissheit des morgigen Tages schwor sie bei ihren Göttern und sprach eine furchterregende Verwünschung gegen sich selbst aus, wenn Elia nicht dasselbe Ende finden würde. Isebels Beschluss zeigt die extreme Härte ihres Herzens. Er veranschaulicht in tragischer Weise, wie die Bosheit in einem Menschen wachsen kann. Sünder erreichen solche furchtbaren Höhen trotziger Verachtung nicht von heute auf morgen, doch wenn das Gewissen sich allen Schuldgefühlen widersetzt, wenn das Licht immer wieder abgewiesen wird, dann werden die selben Erfahrungen, die uns weich und demütig machen sollen, uns stattdessen nur noch härter und unverschämter machen, und je deutlicher uns Gottes Wille vorgelegt wird, umso mehr wird er in unserem Denken Entrüstung und in unserem Herzen Feindschaft hervorrufen; dann ist es nur noch eine kurze Zeit, bis die Seele dem ewigen Feuer überliefert wird.

Doch sieh hier die bewahrende Hand Gottes! Anstatt ihren Beamten zu befehlen, den Propheten umgehend zu töten, sandte sie einen Diener, um ihm ihren Urteilsspruch anzukündigen. Wie oft vereitelt irrsinnige Leidenschaft ihre eigenen Ziele, wenn Raserei das Urteilsvermögen trübt, so dass Klugheit und Vorsicht nicht mehr zum Einsatz kommen. Vielleicht fühlte sie sich ihrer Beute so sicher, dass sie keine Angst hatte, ihren Plan anzukündigen. Doch zukünftige Ereignisse liegen nicht in der Verfügungsgewalt der Menschenkinder, ganz gleich, welche Stellungen weltlicher Macht sie innehaben. Vielleicht dachte sie auch, Elia wäre so mutig, dass ein Fluchtversuch unwahrscheinlich war; doch darin irrte sie. Wie oft „fängt Gott die Weisen in ihrer Klugheit“ (Hiob 5,13) und macht die Ratschläge der bösen Ahitofels zur Torheit (2.Sam. 15,31)! Herodes hatte mörderische Absichten mit dem Kind Jesus, aber von Gott im Traum gewarnt, brachten ihn Seine Eltern nach Ägypten (Mt. 2,12). Die Juden „hielten Rat“ und beschlossen, den Apostel Paulus zu töten, aber „es wurde Saulus bekannt, dass sie ihm nachstellten“, und die Jünger befreiten ihn aus ihren Händen (Apg. 9,23). Und so war es auch hier: Elia wird gewarnt, bevor Isebel ihre Rache an ihm austoben kann.
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Kapitel.22 Auf der Flucht

Beitragvon Joschie » 12.05.2021 11:07

Kapitel.22 Auf der Flucht

Dies bringt uns zum traurigsten Teil der Erzählung. Der Tischbiter wird von der Entschlossenheit der Königin unterrichtet, ihn zu töten; was war seine Reaktion? Er war ein Knecht des Herrn, ersucht er nun seinen Meister um Anweisungen? Wieder und wieder haben wir in der Vergangenheit gesehen, wie „das Wort des Herrn“ zu ihm kam (17,2; 18,1) und ihm sagte, was er tun sollte. Doch ach, anstatt die Situation vor Gott auszubreiten, nimmt er die Angelegenheit selbst in die Hand; anstatt geduldig auf Ihn zu warten, handelt er auf einen jähen Impuls hin, verläst den Gefechtsposten und flieht vor der Frau, die seinen Tod sucht. „Und als er das sah, machte er sich auf und ging fort um seines Lebens willen, und kam nach Beerseba, das zu Juda gehört; und er ließ seinen Knaben dort zurück“ (V. 3; Elberf.). Beachte die Formulierung „Und als er das sah, machte er sich auf.“ Seine Augen waren auf die böse, rasende Königin geheftet; seine Gedanken kreisten um ihre Macht und ihren Zorn, und deshalb war sein Herz von Schrecken erfüllt. Glaube an Gott ist die einzige Befreiung von fleischlicher Furcht: „Siehe, Gott ist mein Heil, ich bin sicher und fürchte mich nicht“; „Wer festen Herzens ist, dem bewahrst du Frieden; denn er verlässt sich auf dich“ (Jes.12,2; 26,3). Elias Sinn war nicht länger auf Jehova gerichtet, und deshalb packte ihn die Furcht.

Bislang war Elia durch die Glaubensvision des lebendigen Gottes aufrecht gehalten worden, aber jetzt verlor er den Herrn aus dem Blick und sah nur eine rasende Frau. Wie viele warnende Beispiele stehen doch in der Heiligen Schrift dafür, welche verheerende Folgen es haben kann, im Schauen zu wandeln! „Und Lot hob seine Augen auf und sah die ganze Ebene des Jordan, dass sie ganz bewässert war“ (1.Mose 13,10; Elberf.), und er traf seine Wahl dem entsprechend. Aber kurz darauf lesen wir, dass er „Zelte aufschlug bis nach Sodom“! Der mehrheitliche Bericht der zwölf Männer, die Mose als Kundschafter in das Land Kanaan ausgesandt hatte, war: „Wir sahen dort auch Riesen, Anaks Söhne aus dem Geschlecht der Riesen, und wir waren in unseren Augen wie Heuschrecken und waren es auch in ihren Augen“ (4.Mose 13,33). Infolge dieses Berichts „fuhr die ganze Gemeinde auf und schrie, und das Volk weinte die ganze Nacht.“ Im Schauen Wandeln lässt die Schwierigkeiten größer erscheinen und lähmt jede geistliche Aktivität. Als Petrus „den starken Wind sah, erschrak er und begann zu sinken“ (Mt. 14,30). Wie eindrucksvoll schreibt die Bibel hingegen von Mose: „Durch Glauben verließ er Ägypten und fürchtete die Wut des Königs nicht, denn er hielt standhaft aus, als sähe er den Unsichtbaren“ (Heb.11,27; Elberf.); nur, wenn das Auge des Glaubens stetig auf Gott gerichtet ist, kann ein Mensch „standhaft aushalten“.

„Und als er das sah, machte er sich auf und ging fort um seines Lebens willen“ nicht um Gottes willen oder um des Heils des Volkes willen, sondern weil er nur an sich dachte. Der Mann, der es mit vierhundert und fünfzig falschen Propheten aufgenommen hatte, floh jetzt vor einer Frau; der Mann, der bis hierhin so treu im Dienst des Herrn gewesen war, verließ jetzt seinen Posten, und das zu einem Zeitpunkt, als seine Anwesenheit vom Volk besonders gebraucht wurde, wenn ihre neu gewonnenen Überzeugungen gestärkt werden sollten und das Werk der Reformation fortgeführt und fest gegründet werden sollte. Was für ein Mann! Wie der Mut Petrus in der Gegenwart der Magd verließ, so welkte Elias Kraft angesichts Isebels Drohungen. Sollen wir nun ausrufen: „Ach, wie sind die Mächtigen gefallen!“? Nein, denn das wäre ein sehr fleischliches, falsches Denken. Die Wahrheit ist: „Nur wenn Gott Seine Gnade und den Heiligen Geist gewährt, kann ein Mensch aufrecht wandeln. Elias Verhalten an dieser Stelle zeigt, dass der Geist und der Mut, die er zuvor an den Tag gelegt hatte, von dem Herrn und nicht von ihm selbst waren; und dass selbst diejenigen, die den größten Eifer und Mut für Gott und Seine Wahrheit haben, schwach und ängstlich werden, sobald sie sich selbst überlassen sind“ (John Gill).
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Kapitel.23 In der Wüste

Beitragvon Joschie » 29.05.2021 07:21

Kapitel.23 In der Wüste

Das Los der Kinder Gottes ist veränderlich und von häufigen Schwankungen gekennzeichnet. Und solange sie auf diesem Schauplatz sind, können wir nichts anderes erwarten, denn nichts unter der Sonne ist beständig; alles ist von Wechselhaftigkeit und Unstetigkeit gezeichnet. Der Mensch ist zur Mühsal geboren, wie die Funken sich erheben im Fluge, und die normale Erfahrung der Heiligen bildet keine Ausnahme zu dieser Regel. „In der Welt habt ihr Angst“ (Joh. 16,33), warnte Jesus ausdrücklich Seine Jünger; doch Er fügt hinzu: „Aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden“, und deshalb sollt ihr an meinem Sieg teilhaben. Doch wenn auch der Sieg gewiss ist, so erleiden sie doch auf dem Weg dorthin viele Niederlagen. Sie genießen keinen ununterbrochenen Sommer in ihrer Seele; es ist aber auch nicht ständig Winter bei ihnen. Ihre Reise über das Meer des Lebens ist ähnlich wie die der Seeleute auf dem Ozean, „wenn sie ... gen Himmel fuhren und in den Abgrund sanken, dass ihre Seele vor Angst verzagte, dass sie taumelten und wankten wie ein Trunkener und wussten keinen Rat mehr, die dann zum Herrn schrien in ihrer Not und er führte sie aus ihren Ängsten“ (Ps.107,26-28).

Bei Gottes öffentlichen Dienern ist es nicht anders. Gewiss, sie genießen viele Privilegien, die von den normalen Gliedern des Volkes Gottes nicht geteilt werden und für die sie einmal Rechenschaft ablegen müssen. Diener des Evangeliums müssen nicht das meiste ihrer Zeit unter Nichtchristen zubringen und für ihr tägliches Brot schuften. Stattdessen sind sie von ständigem Kontakt mit den Gottlosen abgeschirmt, und viel Zeit darf und sollte mit Studium, Betrachtung und Gebet verbracht werden. Darüber hinaus hat Gott ihnen besondere geistliche Gaben verliehen: ein größeres Maß Seines Geistes, eine tiefere Einsicht in Sein Wort, und deshalb sollten sie weit besser gerüstet sein, mit den Anfechtungen des Lebens fertig zu werden. Dennoch gehört „Trübsal“ auch zu ihrem Los, solange sie in dieser Wildnis der Sünde verweilen. Innewohnende Verderbtheit lässt ihnen Tag und Nacht keine Ruhe, und der Teufel macht sie zu besonderen Zielen seiner Boshaftigkeit und ist unablässig bemüht, ihren Frieden zu stören und ihre Tüchtigkeit im Reich Gottes zu schwächen, indem er die ganze Glut seines Hassen an ihnen auslässt.

Zu Recht darf von einem Diener des Evangeliums mehr erwartet werden. Er soll „den Gläubigen ein Vorbild [sein] im Wort, im Wandel, in der Liebe, im Glauben, in der Reinheit“ (1.Tim. 4,12); „... indem du in allem dich selbst als ein Vorbild guter Werke darstellst; in der Lehre Unverderbtheit, würdigen Ernst ...“ (Tit. 2,7; Elberf.). Doch auch ein „Mann Gottes“ ist doch immer noch ein „Mann“, umgeben von Gebrechlichkeit und zum Bösen neigend. Gott hat Seinen Schatz in „irdene (nicht stählerne oder goldene) Gefäße“ gelegt, die anfällig für Sprünge und Kratzer, in sich selbst wertlos sind: „damit“, fügt der Apostel hinzu, „die überschwängliche Kraft von Gott sei und nicht von uns“ (2.Kor. 4,7); somit ist das herrliche Evangelium, das die Prediger verkünden, keine Erfindung ihrer Gedanken, und die wunderbaren Wirkungen, die es hervorruft, sind kein Verdienst ihrer Fähigkeit. Sie sind nur Werkzeuge, schwach und wertlos in sich selbst; ihre Botschaft ist gottgegeben, und die Früchte derselben sind ausschließlich vom Heiligen Geist, so dass sie absolut keinen Grund zur Selbstverherrlichung haben, wie auch diejenigen, die von ihrer Arbeit profitieren, keinen Grund haben, Helden aus ihnen zu machen oder zu ihnen als zu höheren Wesen aufzuschauen, die gleichsam als kleine Götter einzustufen sind.
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Kapitel.23 In der Wüste

Beitragvon Joschie » 05.06.2021 06:27

Kapitel.23 In der Wüste

Der Herr wacht sehr eifersüchtig über Seine Ehre und wird sie mit keinem anderen teilen. Seine Kinder geben vor, dies als eine Grundwahrheit zu glauben, doch sie verlieren sie leicht aus den Augen. Auch sie sind menschlich und neigen zur Heldenverehrung, zum Götzendienst, neigen dazu, Geschöpfen das zu geben, was dem Herrn allein zusteht. Daher kommt es, dass sie so oft enttäuscht sind und entdecken, dass ihr geliebtes Idol auch nur, wie sie, aus Erde geformt ist. Gott hat sich zum Volk erwählt, „was töricht ist vor der Welt“, „was schwach ist“, „das Geringe“, „das, was nichts ist“ (lauter ‚Niemande‘), „damit sich kein Mensch vor Gott rühme“ (1.Kor. 1,27-29). Und Er hat sündige wenn auch wiedergeborene Menschen, keine Engel, berufen, Prediger Seines Evangeliums zu sein, damit es ganz deutlich würde, dass „die überschwängliche Kraft“ in der Berufung von Sündern aus der Finsternis zu Seinem herrlichen Licht nicht in ihnen liege noch aus ihnen hervorgehe, sondern dass Er allein dem Samen, den sie ausgestreut haben, Wachstum geben könne: „So ist nun weder der pflanzt noch der begießt etwas, sondern
Gott, der das Gedeihen gibt“ (1.Kor. 3,7).

Das ist der Grund, weshalb Gott es offenbar werden lässt, dass auch die besten Menschen nur Menschen sind. Wie reich begabt sie auch sein mögen, wie erhaben im Dienst Gottes, wie hoch geehrt und von Gott gebraucht, sobald Seine erhaltende Kraft einen Augenblick von ihnen genommen ist, wird sehr bald sichtbar werden, dass sie wirklich nur „irdene Gefäße“ sind. Kein Mensch steht länger, als er von der Gnade Gottes gestützt wird. Selbst der erfahrenste Christ wird, sich selbst überlassen, augenblicklich schwach wie Wasser und ängstlich wie eine Maus. „Wie gar nichts sind alle Menschen, die doch so sicher leben“ (Ps. 39,6). Warum sollte es dann so unglaublich erscheinen, wenn wir von dem Versagen und den Fehlern der Begabtesten unter Gottes Heiligen und Knechten lesen? Noahs Trunkenheit, Lots Fleischlichkeit, Abrahams Wahrheitsverdrehungen, Moses‘ Zorn, Aarons Eifersucht, Josuas Hastigkeit, Davids Ehebruch, Jonas Ungehorsam, Petrus‘ Verleugnung, Paulus‘ Streit mit Barnabas – all das sind Veranschaulichungen der ernsten Wahrheit, dass „kein Mensch so gerecht [ist] auf Erden, dass er nur Gutes tue und nicht sündige“ (Pred. 7,20). Vollkommenheit ist im Himmel, aber nirgends auf der Erde außer in dem einen vollkommenen Menschen.

Doch der Hinweis sei gestattet, dass die Fehlleistungen dieser Männer nicht deshalb in der Bibel stehen, damit wir uns dahinter verbergen, als könnten wir daraus eine Entschuldigung für unsere eigene Untreue ableiten. Ganz im Gegenteil: sie sind uns als Warnsignale vor Augen gestellt, die wir besser beachten sollten. Davon zu lesen, sollte uns demütig und gegen uns selbst misstrauisch machen. Sie sollten unseren Herzen die Tatsache einprägen, dass unsere Kraft in dem Herrn allein zu finden ist und dass wir ohne Ihn nichts tun können. Sie sollten in ernstliches Gebet umgesetzt werden, dass Stolz und Selbstzufriedenheit in uns bezähmt werden mögen. Sie sollten uns anregen, ohne Unterlass zu bitten: „Stärke mich, dass ich gerettet werde“ (Ps. 119,117). Nicht nur das, sie sollten uns auch von ungebührlichem Vertrauen in die Geschöpfe lösen und uns davon befreien, zu viel von anderen, selbst von den Vätern in Israel, zu erwarten. Sie sollten uns fleißig im Gebet machen für unsere Geschwister in Christus, besonders für unsere Pastoren, dass es Gott gefallen möge, sie vor allem zu bewahren, das Seinen Namen entehren und Seinen Feinden Anlass zur Freude geben könnte.
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Kapitel.23 In der Wüste

Beitragvon Joschie » 16.06.2021 06:35

Kapitel.23 In der Wüste

Der Mann, auf dessen Gebet die Fenster des Himmels dreieinhalb Jahre lang verschlossen waren und auf dessen Fürbitte sie wieder geöffnet worden waren, bildete keine Ausnahme: auch er war aus Fleisch und Blut gemacht, und das durfte hier schmerzlich offenbar werden. Isebel sandte eine Botschaft um ihm zu sagen, dass er am nächsten Tag dasselbe Schicksal erleiden sollte, das ihre Propheten ereilt hatte. „Und als er das sah, machte er sich auf und ging fort um seines Lebens willen.“ oder „... und lief um sein Leben.“ Inmitten seines glorreichen Triumpfes über die Feinde des Herrn, in einem Augenblick, als die Menschen ihn brauchten, um sie zum völligen Sieg über den Götzendienst zu führen und den wahren Gottesdienst wieder aufzurichten, ist er erschrocken über die Drohung der Königin und flieht. Es war „die Hand des HERRN“, die ihn nach Jesreel gebracht hatte (1.Kön. 18,46), und er hatte keinen göttlichen Wink erhalten, von dort wegzugehen. Da wäre es doch sein Privileg und seine Pflicht gewesen, auf seinen Meister zu schauen, der ihn, wie zuvor vor Ahabs, jetzt auch vor Isebels Zorn schützen konnte. Hätte er sich in die Hände Gottes befohlen, so hätte Er ihn nicht im Stich gelassen, und großer Segen wäre vermutlich daraus erwachsen, wenn er auf dem Posten geblieben wäre, auf den der Herr ihn gestellt hatte.

Doch sein Blick war nicht länger auf Gott geheftet, stattdessen sah er nur eine wütende Frau. Der Gott, der ihn so wunderbar am Bach Krit ernährt und ihn im Haus der Witwe in Zarpat erhalten hatte, der ihn auf dem Karmel in so bemerkenswerter Weise gestärkt hatte, ist vergessen. Nur an sich selbst denkend, flieht er von dem Ort des Zeugnisses. Doch wie ist diese eigenartige Entgleisung zu erklären? Offensichtlich wurde seine Furcht dadurch erregt, dass die Drohung der Königin ihn so unerwartet traf. Hatte er nicht guten Grund, jetzt mit großer Freude die Zusammenarbeit aller Israeliten im Werk der Erneuerung zu erwarten? Würde nicht die ganze Nation, die gerufen hatte, „Der HERR ist Gott“, zutiefst dankbar sein, dass seine Gebete ihnen den langersehnten Regen verschafft hatten? Und in einem Augenblick schienen seine Hoffnungen jäh zerschmettert durch die Botschaft der aufgebrachten Königin. Hatte er denn jetzt allen Glauben verloren, dass Gott ihn schützen würde? Es sei fern von uns, so von ihm zu denken: vielmehr scheint er, vom Augenblick überwältigt, in panischer Angst zu reagieren. Er ließ sich keine Zeit zum Überlegen; völlig überrascht, handelte er unter dem Eindruck des Augenblicks. Wie wahr ist doch der Vers: „Wer glaubt, wird nicht ängstlich eilen“ (Jes. 28,16; Elberf.).

Während das Gesagte zwar Elias übereilten Aufbruch verständlich macht, erklärt es doch nicht sein eigenartiges Versagen. Es war der Mangel an Glauben, der ihn voller Angst sein ließ. Doch wir müssen bedenken, dass die Ausübung des Glaubens nicht in der Macht des Gläubigen liegt und dass er nicht den Glauben aktivieren kann, wann immer es ihm gefällt. Nein, der Glaube ist eine göttliche Gabe, und die Ausübung derselben geschieht allein durch göttliche Kraft, und sowohl in ihrer Zuteilung als auch in ihren Wirkungsweisen handelt Gott souverän. Doch obwohl Gott immer souverän handelt, handelt Er doch nie launisch. Er fügt nicht mutwillig Leiden zu, sondern weil wir Ihm Anlass geben, die Rute zu gebrauchen; Er entzieht die Gnade unseres Stolzes wegen und entzieht den Trost wegen unserer Sünden. Gott lässt es aus verschiedenen Gründen zu dass Seine Kinder stürzen, doch in jedem Fall geht dem äußerlichen Sturz das eine oder andere Versagen ihrerseits voraus, und wenn wir aus den berichteten Sünden solcher Menschen wie Abraham, David, Elia und Petrus den vollen Nutzen ziehen wollen, müssen wir sorgfältig studieren, was dazu führte und welches der konkrete Anlass war. Bei Petrus wird das allgemein so gemacht, doch bei den anderen
selten.
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