Arthur W. Pink "Der Heilige Geist"

Empfehlungen, Kritik oder Rezensionen von christlichen Büchern und Medien

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Joschie
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Arthur W. Pink "Der Heilige Geist"5.Die Bundes-Ämter des Heiligen Geistes

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5.Die Bundes-Ämter des Heiligen Geistes

Aus dem Gesagten sollte deutlich geworden sein, daß Heiligung ebenso unverzichtbar ist wie Rechtfertigung. Nun, in der Schrift werden uns viele Bereiche dieser wichtigen Wahrheit der Heiligung vor Augen geführt, die wir hier nicht alle behandeln können. Soviel sei gesagt, daß es sich bei dem Aspekt, den wir hier angesprochen haben, um das Wirken des Geistes in der Seele handelt, wodurch Er die Heiligen inwendig würdig macht, ihr Erbteil im Licht (Kol. 1,12) anzutreten: Ohne dieses Wunder der Gnade kann niemand in den Himmel kommen. „Was vom Fleisch geboren ist, das ist Fleisch“ (Joh 3,6); ganz gleich, wie gebildet und geläutert es ist, ganz gleich, wie getarnt durch religiösen Zierrat, es bleibt immer Fleisch. Es ist wie mit allem, was die Erde hervorbringt: Keine noch so große Kunstfertigkeit kann das ursprüngliche Material des Grundstoffs verwandeln.


Kein Fabrikationsprozess kann Baumwolle in Wolle oder Flachs in Seide verwandeln: Wir können sie ziehen, drehen, spinnen oder weben, bleichen oder glätten, solange wir wollen, ihre Natur wird dennoch dieselbe bleiben. So können menschengemachte Prediger und das ganze Heer kreatürlicher Eiferer Tag und Nacht schuften, um Fleisch in Geist zu verwandeln, sie können von der Wiege bis zum Grab arbeiten, um Leute für den Himmel tauglich zu machen; doch nach allen Bemühungen, den Äthiopier weiß zu waschen und die Flecken vom Leoparden zu reiben, wird Fleisch immer noch Fleisch sein und unter keinen Umständen ins Reich Gottes kommen. Das können allein die übernatürlichen Einwirkungen des Heiligen Geistes vollbringen. Der Mensch ist nicht nur durch Erbsünde und tatsächliche Sünde bis ins Innerste verdorben, sondern er ist auch absolut unfähig, geistliche Dinge zu verstehen, anzunehmen und zu besitzen (1.Kor. 2,14).

Die zwingende Notwendigkeit der heiligenden Wirkung des Geistes ergibt sich also nicht nur aus der Sündhaftigkeit des Menschen, sondern aus dem Zustand geistlichen Todes, der es ihm unmöglich macht, gottesfürchtig zu leben, zu atmen und zu handeln, so wie der Leichnam auf dem Friedhof unfähig ist, das stille Grab zu verlassen und an die betriebsamen Orte der Menschen zu gehen. Wir kennen Gottes Wort und unsere eigenen Herzen wahrlich schlecht, wenn wir Beweise fordern für eine Tatsache, die uns allerorts vor Augen geführt wird; die Schlechtigkeit unserer Natur, die völlige Abgestorbenheit unseres fleischlichen Herzens werden uns täglich und stündlich so aufgezwungen, daß sie für den Christen ebenso schmerzliche Gewißheit sind, als sähe er den Übelkeit erregenden Anblick eines Schlachthofes oder als röche er den Leichengeruch eines verwesenden Körpers.

Angenommen, ein Mann ist blind geboren: so hat er eine natürliches Unvermögen zu sehen. Keine Argumente, Bitten, Drohungen oder Versprechungen können ihn sehend machen. Geschieht aber das Wunder und der Herr berührt die Augen mit Seiner göttlichen Hand, so kann er unverzüglich sehen. Obwohl er nicht erklären kann, wie und warum, kann er zu allen Nörglern sagen: „Eins aber weiß ich: daß ich blind war und bin nun sehend“ (Joh. 9,25). Ebenso ist es mit dem Werk der Heiligung durch den Geist, das mit der Neugeburt begann, als ein neues Leben geschenkt, eine neue Befähigung zugeteilt und ein neues Verlangen geweckt wurde. Dieses Werk wird in der täglichen Erneuerung (2.Kor. 4,16) fortgeführt und in der Verherrlichung vollendet. Worum es mir hier geht, ist folgendes: Ob der Geist uns der Sünde überführt, Buße in uns wirkt, uns den Geist des Gebets einhaucht oder von dem, was Christi ist, nimmt und es unseren freudigen Herzen zeigt: immer verrichtet Er seine Bundesämter. Wir dürfen Ihm den Lobpreis und die Anbetung geben, die Ihm gehören.
Die meisten Gedanken dieses Kapitels verdanke ich Pastor J. C. Philpot (1802-1869).
Das Pferd wird gerüstet für den Tag des Kampfes, aber der Sieg kommt von dem HERRN. Spr. 21,31

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Arthur W. Pink "Der Heilige Geist"6.Der Heilige Geist in alttestamentlicher Zeit

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6.Der Heilige Geist in alttestamentlicher Zeit

Über diesen Aspekt unseres Themas herrscht heutzutage allgemeine Unwissenheit. Die wildesten Ideen kursieren, wie das Verhältnis der dritten Person der Gottheit zu den alttestamentlichen Heiligen gewesen sein könnte. Aber das ist kaum verwunderlich angesichts der schrecklichen Verwirrung hinsichtlich der Errettung jener Menschen; viele meinen, ihre Errettung sei auf völlig andere Weise geschehen als diejenige der neutestamentlichen Heiligen. Das wiederum braucht uns auch nicht zu überraschen, denn es ist nur eine der unseligen Auswirkungen der fehlgeleiteten Bemühungen jener, die beflissentlich so viele Gegensätze wie möglich zwischen der gegenwärtigen Dispensation und den vorangegangenen konstruiert haben – was zwangsläufig zur Herabsetzung der früheren Glieder der Familie Gottes führt. Die alttestamentlichen und die neutestamentlichen Heiligen hatten weit mehr gemeinsam als allgemein angenommen.

Ein Vers, der von vielen unserer modernen Theologen grob mißbraucht wurde, ist Johannes 7,39: „Der Geist war noch nicht da; denn Jesus war noch nicht verherrlicht.“ Es ist schon eigenartig, welche Schlüsse manche Menschen, die doch auch das Alte Testament kennen, aus diesem Vers ziehen. Die Worte „war noch nicht da“ kann eben sowenig absolut verstanden werden wie „Henoch war nicht mehr“ (1.Mose 5,24; Elberf.); sie bedeuten lediglich, daß dem Heiligen Geist noch nicht die volle Autorität Seines Amtes übergeben war. Er war hier auf Erden noch nicht öffentlich bekundet worden. Alle Gläubigen zu allen Zeiten wurden von Ihm geheiligt und getröstet, aber „das Amt des Geistes“ (2.Kor. 3,8) war zu jener Zeit noch nicht in vollem Maße eingeführt; die Ausgießung des Geistes in der Fülle Seiner übernatürlichen Gaben hatte noch nicht stattgefunden.

Zunächst will ich kurz auf das Wirken des Geistes in Zusammenhang mit der ersten (oder: materiellen) Schöpfung eingehen. Bevor die Welt durch Gottes Wort erschaffen wurde und alles, was man sieht, aus nichts entstand (Hebr. 11,3), als die ganze Masse lebloser Materie noch ein einziges gestaltloses Chaos – „wüst und leer“ – war, da, so heißt es, „schwebte der Geist Gottes auf dem Wasser“ (1.Mose 1,2). Es gibt andere Schriftstellen, die das Werk der Schöpfung Seinem unmittelbaren Handeln (in Verbindung mit dem Vater und dem Sohn) zuschreiben. Zum Beispiel heißt es: „Durch seinen Hauch [Geist] wird der Himmel heiter“ (Hiob 26,13; Elberf.). Und Elihu bekennt: „Der Geist Gottes hat mich gemacht, und der Odem des Allmächtigen hat mir das Leben gegeben“ (Hiob 33,4). „Du sendest aus deinen Odem, so werden sie geschaffen, und du machst neu die Gestalt der Erde“ (Ps. 104,30).
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Arthur W. Pink "Der Heilige Geist"6.Der Heilige Geist in alttestamentlicher Zeit

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6.Der Heilige Geist in alttestamentlicher Zeit

Und in welcher Beziehung stand der Heilige Geist zu Adam? Da in dieser Frage heute viel Dunkelheit herrscht, müssen wir näher auf sie eingehen.
Drei Dinge waren erforderlich, um den Menschen für das Leben vor Gott zuzurüsten, für das er erschaffen war. Erstens, die Fähigkeit, Gottes Sinn und Willen zu erkennen im Hinblick auf all die Pflichten und Gehorsamsschritte, die Gott von ihm verlangt; und geöffnete Augen für Gottes Wesensmerkmale und Eigenschaften, damit der Mensch erkennt: Gott ist das einzig angemessene Ziel aller Handlungen und Pflichten religiösen Gehorsams und die allgenügende Befriedigung und Belohnung in dieser Welt und in Ewigkeit. Zweitens, eine freie, ungehinderte, kompromißlose Neigung, alle Verpflichtungen des Gesetzes einzuhalten, mit denen Gott das Leben Seiner Geschöpfe vor Ihm geordnet hat. Drittens, die Fähigkeit des Denkens und Wollens – verbunden mit der Einwilligung der Empfindungen – zur regelmäßigen Erfüllung aller Pflichten und zur Enthaltung von der Sünde. All diese Dinge waren aufgrund der Rechtschaffenheit seines ursprünglichen Ranges und Standes integrale Bestandteile seiner Natur. Und sie waren spezifische Folgen des unmittelbaren Einflusses des Heiligen Geistes.
Somit können wir sagen, daß Adam im Stand seiner Schuldlosigkeit den Heiligen Geist hatte. Er hatte Ihn in diesen besonderen Wirkungen Seiner Macht und Güte, und er hatte Ihn nach der Weise jenes Bundes, welche die Möglichkeit einschloß, Ihn gänzlich zu verlieren, wie es dann ja auch geschah. Er hatte Ihn nicht durch besondere Innewohnung, denn die ganze Welt war damals Gottes Tempel. Im Bund der Gnade, begründet in der Person und auf den Mittlerdienst Christi, ist es anders. Wem der Geist Gottes zur inwendigen Erneuerung des Bildes Gottes gegeben ist, bei dem bleibt Er für immer
(J. Owen, 1680).

Die drei Eigenschaften, die der berühmte Puritaner hier aufgeführt hat, stellten den Hauptbestandteil jenes „Ebenbildes Gottes“ dar, in welchem der Mensch durch den Geist erschaffen war. Der Beweis hierfür wurde in der Tatsache gesehen, daß bei der Neugeburt der Heilige Geist eben diese Fähigkeiten in den Seelen der Auserwählten Gottes wiederherstellt: „...und den neuen [Menschen] angezogen, der erneuert wird zur Erkennntnis nach dem Ebenbild dessen, der ihn geschaffen hat“ (Kol. 3,10); d. h. die geistliche Erkenntnis, die der Mensch beim Sündenfall verlor, wird, potentiell, bei der Neugeburt wiederhergestellt; aber sie könnte nicht „erneuert“ werden, wenn der Mensch sie nie besessen hätte! Der Heilige Geist hatte Adam tatsächlich mit sehr großer Erkenntnis ausgestattet. Eine Verdeutlichung hiervon sehen wir in 1.Mose 2,19. Ein umfassender Beweis findet sich in 1.Mose 2,21-23: Gott versetzte Adam in einen tiefen Schlaf, nahm eine Rippe aus seiner Seite, formte eine Frau daraus und brachte sie zu ihm. Bei ihrem Anblick sagte Adam: „Das ist doch Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch.“ Er wußte, wer sie war und woher sie kam, und daraufhin gab er ihr einen passenden Namen. Dies alles konnte er nur durch den Geist der Offenbarung und des Verständnisses wissen.
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Arthur W. Pink "Der Heilige Geist"6 .Der Heilige Geist in alttestamentlicher Zeit

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6.Der Heilige Geist in alttestamentlicher Zeit

Daß Adam ursprünglich mit dem Heiligen Geistes ausgestattet wurde, geht aus 1.Mose 2,7 hervor: „Da machte Gott der Herr den Menschen aus Erde vom Acker und blies ihm den Odem des Lebens in seine Nase.“ Wenn dieser Vers im Vergleich mit anderen Schriftstellen ausgelegt wird, dann kann er nichts anderes bedeuten, als daß der Dreieinige Gott dem ersten Menschen den Heiligen Geist gab. In Hesekiel 37 haben wir ein anschauliches, gleichnishaftes Bild von der Wiedergeburt des geistlichen Israel. Dort heißt es: „Weissage zum Odem, weissage, du Menschenkind, und sprich zum Odem: So spricht Gott der Herr: Odem, komm herzu von den vier Winden und blase diese Getöteten an, daß sie wieder lebendig werden! Und ich weissagte, wie er mir befohlen hatte, und sie wurden wieder lebendig“ (Verse 9-10). Und wiederum heißt es von dem Heiland: Nach Seiner Auferstehung „blies er sie an und spricht zu ihnen: Nehmt hin den heiligen Geist!“ (Joh. 20,22). Hier ist das Gegenstück zu 1.Mose 2,7: das eine die ursprüngliche Gabe, das andere die Wiedererstattung dessen, was verloren war.

Zu Recht wurde gesagt:
Die Lehre, daß der Mensch ursprünglich – wenn auch nicht endgültig – mit dem Geist erfüllt war, kann als die tiefe gedankliche Grundlage der biblische Lehre vom Menschen bezeichnet werden. Wenn der erste und der zweite Adam so zueinander in Beziehung stehen, daß der erste Mensch das Gleichnis oder Bild des zweiten war – was aufgrund der Heiligen Schrift (Röm. 5,12-14) jedermann bestätigt – dann ergibt sich daraus folgender Schluß: Hätte der erste Mensch nicht den Heiligen Geist behabt, so könnte der letzte Mensch – der Heiler und Wiedererstatter des verwirkten Erbes – nicht der Vermittler des Heiligen Geistes sein, der um der Sünde willen entzogen wurde und nur um der ewigen Gerechtigkeit willen, die Christus brachte (Röm. 8,10), erneut gegeben werden konnte
(G. Smeaton, 1880).

Als nächstes wollen wir die Beziehung des Heiligen Geistes zur Nation Israel betrachten. Eine erstaunliche und umfassende Aussage stammt von Nehemia, als er über die Wege Gottes mit Seinem Volk des Altertums nachsann: „Und du gabst ihnen deinen guten Geist, um sie zu unterweisen“ (Neh. 9,20). Der Geist ruhte (bis er betrübt wurde) auf den Mitgliedern des Sanhedrin (4.Mose 11,16-17). Er kam über die Richter (Richter 3,10; 6,34; 11,29; 15,14), die Könige (1.Sam. 11,6; 16,13), und die Propheten. Doch beachte: Es ist falsch zu sagen (wie es viele getan haben), daß vor Pfingsten der Heilige Geist in keinem Menschen wohnte. 4.Mose 27,18, Neh. 9,30, 1.Petr. 1,11 beweisen eindeutig das Gegenteil. Doch „sie waren widerspenstig und betrübten seinen heiligen Geist“ (Jes. 63,10), wie Stephanus bezeugte: „Ihr widerstrebt allezeit dem heiligen Geist, wie eure Väter, so auch ihr“ (Apg. 7,51).

Daß der Geist Gottes auch schon während der gesetzlichen Haushaltung in den Heiligen wohnte, wird aus vielerlei Überlegungen deutlich: Wie sonst konnten sie wiedergeboren sein, Glauben haben und gottgefällige Werke tun? Der Geist regte sie zu wahrhaftigem Gebet und zu geistlichem Gottesdienst an, bewirkte Seine Früchte im Leben der Heiligen – damals (s. Sach. 4,6) wie heute. Wir haben „denselben Geist des Glaubens“ (2.Kor. 4,13), den sie hatten. Alles geistlich Gute, das jemals in und durch Menschen gewirkt wurde, muß dem Heiligen Geist zugeschrieben werden. Der Geist wurde den alttestamentlichen Heiligen vorausblickend gegeben, ebenso wie die Sündenvergebung im Hinblick auf die Genugtuung, die Christus einst vor Gott leisten würde.
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Arthur W. Pink "Der Heilige Geist"7.Der Heilige Geist und Christus

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7.Der Heilige Geist und Christus
Ich befürchte, daß die Behandlung dieses besonderen Aspektes unseres Themas einigen Lesern zu abstrus vorkommen wird; doch ich zähle auf ihre Nachsicht, wenn ich bemüht bin, auch für diejenigen zu schreiben, die Anhaltspunkte suchen, um die Tiefen der Gottheit zu ergründen. Wie ich bereits erklärte, habe ich den Wunsch, Christen der unterschiedlichsten Entwicklungsstufen und von sehr unterschiedlicher Auffassungsgabe zu dienen; und deshalb möchte ich ein weitgefächertes geistliches Menü anbieten. Wer Hunger hat, der wird sich nicht angeekelt vom Tisch abwenden, nur weil eine der Speisen nicht nach seinem Geschmack ist. Ich bitte also um Geduld, wenn ich mich bei der Auslegung der ganzen Thematik um annähernde Vollständigkeit bemühe.
Da die menschliche Natur Christi in die hypostatische Union aufgenommen wurde, können wir zu Recht sagen, daß einerseits die Person Christi gesalbt wurde, was die Berufung zum Dienst betrifft; während wir andrerseits nicht vergessen, daß die menschliche Natur gesalbt wurde, insofern wir die tatsächliche Zuteilung göttlicher Gaben, Tugenden, Hilfen und Fähigkeiten betrachten, die zur Durchführung Seines Dienstes erforderlich waren. Aber damit wir uns nicht in Einseitigkeit verlieren, muß auch hinzugefügt werden, daß der Heilige Geist, nach der Ordnung der Dreieinigkeit, Seine Macht nur zur Anwendung bringt, um den Willen des Sohnes auszuführen ... Was die Salbung des Herrn Jesus durch den Geist betrifft, so war sie bei jedem der drei aufeinanderfolgenden Grade unterschiedlich. Der erste Grad geschah bei der Fleischwerdung; der zweite Grad war zeitgleich mit Seiner Taufe, und der dritte und höchste Grad folgte anläßlich der Himmelfahrt, als Er sich auf Seinen Mittlerthron setzte und vom Vater die Gabe des Geistes empfing, um sie Seiner Gemeinde in überreichem Maße auszuteilen“(G. Smeaton).
Wir haben uns schon mit der ersten Salbung des Herrn Jesus befaßt, die darin bestand, daß im Mutterleib Seine menschliche Natur mit allen geistlichen Tugenden ausgestattet wurde und Er Seine ganze Kindheit hindurch bis zum Alter von dreißig Jahren durch die unmittelbaren Einwirkungen der dritten Person der Gottheit erleuchtet, geführt und bewahrt wurde. Jetzt wollen wir kurz Seine zweite Salbung betrachten, durch die Er feierlich für Seine öffentliche Mission geweiht und von Gott für Sein Werk zugerüstet wurde. Dies geschah am Jordan bei Seiner Taufe durch den Vorläufer Johannes. Als Jesus aus dem Wasser stieg, öffneten sich die Himmel, und der Heilige Geist stieg in Form einer Taube auf Ihn herab; dann konnte man die Stimme des Vaters hören, die von Seinem vorbehaltlosen Wohlgefallen an Seinem inkarnierten Sohn zeugte (Mt. 3,16-17). Alle Hinweise auf diese einzigartige Begebenheit erfordern, daß wir sie genau untersuchen und betend studieren.
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Arthur W. Pink "Der Heilige Geist"7.Der Heilige Geist und Christus

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7.Der Heilige Geist und Christus

Als nächstes wird berichtet: „Jesus aber, voll des heiligen Geistes, kam zurück vom Jordan und wurde vom Geist in die Wüste geführt“ (Lk. 4,1). Der Zusammenhang läßt sich leicht erkennen: Die menschliche Natur Christi besiegt den Satan durch die Kraft des Geistes; daher lesen wir, daß nach der Versuchung Jesus „in der Kraft des Geistes wieder nach Galiläa“ kam (Lk. 4,14). Und unmittelbar anschließend heißt es: „Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat, zu verkündigen das Evangelium den Armen; er hat mich gesandt, zu predigen den Gefangenen, daß sie frei sein sollen, und den Blinden, daß sie sehen sollen, und den Zerschlagenen, daß sie frei und ledig sein sollen, zu verkündigen das Gnadenjahr des Herrn,“ und Er fügte hinzu: „Heute ist dieses Wort der Schrift erfüllt vor euren Ohren“ (Lk. 4,18.19.21).

Hier wird deutlich, worin der Hauptunterschied zwischen dem ersten und dem zweiten ‘Grad’ der Salbung Christi durch den Geist besteht. Der erste Grad bewirkte die Formung Seiner menschlichen Natur und ihre Ausstattung mit vollkommener Weisheit und makelloser Heiligkeit. Der zweite Grad erfüllte Ihn mit übernatürlichen Kräften zur Durchführung Seines großen Werkes. Der erste war persönlicher, ‘privater’ Natur, der zweite hatte eine öffentliche, auf das Gemeinwohl gerichtete Zielsetzung; der eine verlieh Ihm geistliche Tugenden, der andere rüstete Ihn mit den Gaben aus, die Er zum Dienst benötigte. Die Notwendigkeit dieser doppelten ‘Salbung’ ergab sich aus der geschöpflichen Natur und aus der Knechtsgestalt, die Er angenommen hatte. Sie war zugleich eine Bestätigung des Vaters, daß Er die Person Christi angenommen und Ihn in Sein Mittleramt eingeführt hatte. Somit erfüllte sich jene alte Prophetie: „Auf ihm wird ruhen der Geist des Herrn, der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Furcht des Herrn. Und Wohlgefallen wird er haben an der Furcht des Herrn“ (Jes. 11,2.3).

„Denn der, den Gott gesandt hat, redet Gottes Worte; denn Gott gibt den Geist ohne Maß“ (Joh. 3,34). Dieser Vers bringt die herausragende Stellung Christi zum Ausdruck, denn Er empfängt den Geist in einer Weise, wie kein anderer Mensch Ihn je empfangen konnte. Beachte den Gegensatz dazu im Epheserbrief: „Einem jeden aber von uns ist die Gnade gegeben nach dem Maß der Gabe Christi“ (4,7). Einzig und allein in dem Mittler „wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig“ (Kol. 2,9). Die Einzigartigkeit der Beziehung des Geistes zu unserem Herrn tritt auch in Römer 8,2 hervor: „Denn das Gesetz des Geistes des Lebens in Christo Jesu hat mich freigemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes“ (Elberf.). Beachte die kursiv gedruckten Worte: Diese Aussage offenbart nicht nur, aus welcher Quelle das Handeln Christi entspringt, sondern sie deutet auch an, daß mehr Gnade in Ihm wohnte als in allen geschaffenen Wesen.
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7.Der Heilige Geist und Christus


Der dritte Grad der Salbung Christi war Seinem erhöhten Stand vorbehalten und wird so beschrieben: „Da er nun durch die rechte Hand Gottes erhöht ist und empfangen hat den verheißenen heiligen Geist vom Vater, hat er diesen ausgegossen, wie ihr hier seht und hört“ (Apg. 2,33). Dieser höchste Grad der Salbung, mit dem Christus „gesalbt [wurde] mit Freudenöl wie keiner seinesgleichen“ (Ps. 45,8) und der an Pfingsten offenbar wurde, war eine Himmelfahrts-Gabe. Die Erklärung, die Petrus dafür lieferte, war nur eine Umschreibung von Psalm 68,18 (Elberf.): „Du bist aufgefahren in die Höhe, du hast die Gefangenschaft gefangen geführt; du hast Gaben empfangen im Menschen, und selbst für Widerspenstige, damit Jehova Gott eine Wohnung habe.“ Die überreiche Zuteilung des Geistes war für die Errichtung und Zurüstung der neutestamentlichen Gemeinde bestimmt und wurde folglich nach der Himmelfahrt all jenen geschenkt, für die Christus durch Sein Opfer die Gabe des Geistes erworben hatte.

Als der Mittler war der Herr Jesus mit dem Heiligen Geist gesalbt für die Ausübung all Seiner Ämter und für die Durchführung Seines Mittlerwerkes. Das Recht, den Geist in die Herzen gefallener Menschen zu senden, hatte Er durch Sein Sühneopfer erworben. Es war der wohlverdiente Lohn für all Seine Mühen und Leiden. Eines der wichtigsten Resultate der vollkommenen Genugtuung, die Christus vor Gott zugunsten der Seinen leistete, war Sein Recht, ihnen Seinen Geist zu schenken. Von alters her war Ihm verheißen worden: „Durch seine Erkenntnis wird er, mein Knecht, der Gerechte, den Vielen Gerechtigkeit schaffen; denn er trägt ihre Sünden. Darum will ich ihm die Vielen zur Beute geben, und er soll die Starken zum Raube haben, dafür daß er sein Leben in den Tod gegeben hat“ (Jes. 53,11-12). So hatte auch Sein Vorläufer angekündigt: „Der wird euch mit dem heiligen Geist und mit Feuer taufen“ (Mt. 3,11).

Dieser Gedanke wird in Galater 3,13-14 näher ausgeführt: „Christus aber hat uns erlöst von dem Fluch des Gesetzes, da er zum Fluch wurde für uns ... damit der Segen Abrahams unter die Heiden komme in Christus Jesus und wir den verheißenen Geist empfingen durch den Glauben.“ Die Ausgießung des verheißenen Geistes folgte jenem großen Werk, der Aufhebung des Fluches, mit kausaler Notwendigkeit. Bevor den Menschen der Heilige Geist gegeben werden konnte, mußten zuvor ihre Sünden fortgenommen sein; in 3.Mose 14,14.17 finden wir das Vorbild hierfür – das „Öl“ (Sinnbild für den Geist) wird über das „Blut“ getan! Daß Christus das Recht hat, Seinen Erlösten den Heiligen Geist zu geben, zeigt nicht nur, daß ihre Sünden ausgelöscht sind, sondern ist auch ein klarer Beweis für Seine göttliche Würde, denn kein bloßer Diener Gottes, und sei seine Stellung noch so erhöht, könnte so handeln und eine solche Gabe austeilen!
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7.Der Heilige Geist und Christus


Aus den verschiedenen Bibelstellen, die davon handeln, daß Christus für Seine Ämter gesalbt wurde, ergibt sich manchmal der Eindruck, als hätte Er die untergeordnete Stellung eines Menschen eingenommen, der zur Durchführung seiner Mission Leitung, Hilfe und wunderbare Kraftzufuhr benötigte (z.B.: Jes. 11,1-3; 61,1-2); an anderen Stellen heißt es, Er hat den Geist (Offb. 3,1), Er gibt den Geist (Apg. 2,33), Er sendet den Geist (Joh. 15,26), als wäre wiederum der Geist in Seinen Handlungen dem Sohn untergeordnet. Doch solche scheinbaren Widersprüche sind gelöst, sobald wir begreifen, daß der Sohn und der Geist in einer vereinten Mission für die Errettung der Auserwählten Gottes zusammenwirken. Der Sohn erwarb die Erlösung; der Geist offenbart sie und bringt sie an allen, für die sie erkauft wurde, zur Anwendung.

Wenn hier von Christus und dem Heiligen Geist die Rede ist, dann muß zum Verständnis erläutert werden, daß wir unseren Herrn hier nicht in Seiner Eigenschaft als zweiter Person des dreieinigen Gottes betrachten, sondern als den göttlich-menschlichen Mittler, und den Heiligen Geist nicht in abstrakter Form als Bestandteil der Gottheit, sondern als den, der in Gottes ewigem Bund ein bestimmtes Amt innehat. Dies ist zweifellos der schwierigste Aspekt unseres Themas, doch es ist sehr wichtig und bedarf unseres Gebets, daß wir hierin zur klaren biblischen Erkenntnis gelangen. Ein rechtes Verständnis – im Rahmen unserer gegenwärtig begrenzten Kapazität – der Beziehung zwischen dem Heiligen Geist und dem Erlöser ist der Schlüssel zu manchen schwierigen theologischen Fragen und zu einer Anzahl verwirrender Bibelstellen; es befähigt uns, das Wirken des Geistes in den Christen besser zu verstehen. Möge Gott mich bei der Behandlung des Themas vor allem Irrtum bewahren und mich leiten, das zu schreiben, was der Verherrlichung des dreieinigen Gottes und der Erbauung Seines geliebten Volkes dient.

„Tretet her zu mir und höret dies! Ich habe von Anfang an nicht im Verborgenen geredet; von der Zeit, da es geschieht, bin ich auf dem Plan. – Und nun sendet mich Gott der Herr und sein Geist“ (Jes. 48,16). In diesem bemerkenswerten Vers sprach der Herr Jesus von alters her im Geist der Prophetie. Er sagte, daß Er die Nation schon immer in offener Weise angeredet hatte, von der Zeit an, als Er erstmals Mose im brennenden Busch erschien und sich selbst als „Ich bin, der ich bin“ (2.Mose 3) vorstellte; und Er war immer beim Volk Israel gegenwärtig als ihr Herr und Befreier. Und jetzt hatten der Vater und der Geist Ihn gesandt, um die verheißene Befreiung Seines Volkes zu bewirken – gesandt in der Gestalt des sündigen Fleisches, das Evangelium zu predigen, das Gesetz zu erfüllen und der göttlichen Gerechtigkeit um Seiner Gemeinde willen volle Genüge zu leisten. Dies ist ein herrliches Zeugnis für die Dreieinigkeit der Personen in der Gottheit (der Sohn Gottes wird in menschlicher Gestalt als Mittler gesandt; Jehova, der Vater und der Geist sind es, die Ihn senden) und ein Beweis für die Sendung, den Auftrag und die Vollmacht Christi, der nicht von sich selbst kam, sondern von Gott gesandt war (Joh. 8,42).
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7.Der Heilige Geist und Christus

„Der Herr wird ein Neues im Lande schaffen: Das Weib wird den Mann umgeben“ (Jer. 31,22). Dieser Vers ist eine der prophetischen Ankündigungen des Wunders der göttlichen Fleischwerdung; das ewige Wort wurde Fleisch; ein menschlicher Leib und eine menschliche Seele wurden durch das übernatürliche Eingreifen des Geistes für Ihn bereitet. Hier deutet der Prophet an, daß unter dem aktiven Einfluß der schöpferischen Kraft Gottes „ein Weib einen Mann umgeben“ wird. Die Jungfrau Maria wird durch die überschattende Kraft des Höchsten (Lk. 1,35) – ohne Hilfe und Zutun eines Mannes – ein Kind empfangen und gebären. Dieses transzendente Wunder nennt Jesaja ein „Zeichen“ (7,14). Jeremia nennt es „ein Neues auf der Erde“; und der neutestamentliche Bericht lautet: „Als Maria, seine Mutter, dem Josef vertraut war, fand es sich, ehe er sie heimholte, daß sie schwanger war von dem heiligen Geist“ (Mt. 1,18).

„Das Kind aber wuchs und wurde stark, voller Weisheit, und Gottes Gnade war bei ihm. Und Jesus nahm zu an Weisheit, Alter und Gnade bei Gott und den Menschen“ (Lk. 2,40.52). Das menschliche Wesen Christi war nicht nur übernatürlich durch den Heiligen Geist geboren, sondern es wurde auch durch Ihn gesalbt (siehe 3.Mose 2,1 für das rituelle Vorbild), und so mit allen geistlichen Tugenden ausgestattet. Aller Fortschritt in der geistigen und geistlichen Entwicklung des heiligen Kindes, Sein Wachstum in der Erkenntnis und Heiligkeit ist dem Geist zuzuschreiben. „Fortschritt“ und Wachstum in der menschlichen Natur, die anzunehmen Er sich freiwillig erniedrigt hatte, ist mit Seiner göttlichen Vollkommenheit sehr wohl vereinbar, wie Hebräer 2,14.17 deutlich zum Ausdruck bringt. George Smeaton schreibt in seinem Buch:
„Der Geist schuf durch Sein Wirken die Verbindung zwischen der göttlichen und der menschlichen Natur Christi und sorgte dafür, dass Christus ständig im vollen Bewusstsein Seiner eigenen Persönlichkeit war und ein ununterbrochenes Empfinden Seiner göttlichen Sohnschaft besaß.“

Somit wurde bei der Inkarnation der Heilige Geist das große Leitprinzip der gesamten irdischen Geschichte Christi, gemäß der Ordnung, die von Ewigkeit her das Wirken der heiligen Dreieinigkeit kennzeichnet: Alles geschieht vom Vater im Sohn durch den Heiligen Geist. Der Geist war es, der die irdische Natur Christi formte und den ganzen Verlauf Seines irdischen Lebens lenkte. Ohne Anordnung des Geistes wurde nichts begonnen, ohne Seine Führung nichts gesprochen und ohne Seine Kraft nichts zur Ausführung gebracht. Lassen wir das außer Acht, so laufen wir Gefahr, die beiden Naturen Christi zu vermischen, indem wir die eine in die andere absorbieren, anstatt sie in unseren Gedanken getrennt und unterschieden zu halten. Wäre Seine Göttlichkeit in Seine Menschlichkeit absorbiert worden, so wären Trauer, Furcht und Mitleid unmöglich gewesen. Der rechte Gebrauch Seiner seelischen Anlagen war nur durch den Geist gewährleistet, der die volle Gewalt über Ihn hatte.
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7.Der Heilige Geist und Christus

„Von der Geburt bis zur Taufe lenkte der Geist Seine geistige und moralische Entwicklung und stärkte Ihn all die Jahre Seiner Zurüstung und körperlichen Arbeit hindurch. Er war in dem Zimmermann ebenso gegenwärtig wie in dem Messias, und die Arbeit an der Werkbank war so vollkommen wie das Opfer am Kreuz“ (S. Chadwick).

Auf den ersten Blick scheint eine solche Aussage der persönlichen Ehre des Herrn Jesus abträglich zu sein; doch sobald wir verstehen, daß nach der Ordnung der Dreieinigkeit der Geist Seine Macht nur ausübt, um den Willen des Vaters und des Sohnes auszuführen, dann löst sich die scheinbare Schwierigkeit. Die helfende, vermittelnde Rolle des Geistes schmälert die Herrlichkeit des Sohnes in keiner Weise; im Gegenteil, sie offenbart sie nur um so deutlicher: sie zeigt nämlich, daß im Werk der Erlösung die Handlungen des Geistes denjenigen des Sohnes nebengeordnet sind. Hierzu füge ich einen weiteren Auszug aus G. Smeatons Buch an:

„Wenn Christus die menschliche Natur im wahren, richtigen Sinne des Wortes in Einheit mit Seiner göttlichen Person annahm, dann folgt daraus, daß die beiden Naturen unseres Herrn bei jeder Seiner Mittler-Handlungen aktiv zusammenwirkten. Der Einwand der Socinianer, es könne keine weitere Notwendigkeit, ja keinen Raum für die Wirksamkeit des Geistes geben, wenn die göttliche Natur im gesamten Rahmen des Mittlerdienstes Christi aktiv war, soll nur der Verwirrung dienen; denn diese Männer leugnen gänzlich die Existenz der göttlichen Natur in der Person Christi. Der ganze Stil ihrer Argumentation ist nichtig; die entscheidende Frage ist doch: Was lehrt die Schrift? Lehrt sie, daß Christus mit dem Heiligen Geist gesalbt wurde (Apg. 10,38)? daß Er vom Geist in die Wüste geführt wurde? daß Er in der Kraft des Geistes zurückkehrte, um Seinen öffentlichen Dienst zu beginnen? daß Er Seine Wunder durch den Geist wirkte? und daß Er vor der Himmelfahrt den Aposteln, die Er erwählt hatte, durch den Heiligen Geist Weisung gab (Apg. 1,2)?
Es gibt keinerlei Berechtigung für die kenotische oder ähnliche Theorien, die Ihm die wesentlichen Eigenschaften Seiner Göttlichkeit absprechen und Seine Menschlichkeit auf eine Ebene mit derjenigen anderer Menschen stellen. Ebenso wenig Berechtigung haben diejenigen, die leugnen, daß der Geist in jeder Mittler-Tätigkeit, die Er auf Erden ausgeführt hat oder im Himmel ausführt, auf die menschliche Natur Christi einwirkt. In all Seinen Tugenden und Fähigkeiten, ob sie Sein persönliches Leben oder Sein öffentliches Amt betreffen, ist die Salbung des Geistes zu erkennen. In Christus stimmen Person und Amt überein. In Seiner göttlichen Person war Er die Wesenheit aller Ämter, die Ihm übertragen waren; und durch den Geist wurde Er zugerüstet, diese zu erfüllen. Die Ämter, losgelöst von Ihm, wären nichts und könnten weder Zusammenhalt noch Gültigkeit haben ohne die zugrundeliegende Person.“
Wenn das Gesagte noch immer die Herrlichkeit der Person Christi zu schmälern scheint, so kommt das vermutlich daher, daß viele nicht klar sehen, wie real die menschliche Natur Christi war. Das Geheimnis ist groß, und unser einziger Schutz vor Irrtum liegt darin, daß wir uns treu an die verschiedenen Aussagen der Schrift zu diesem Thema halten. Drei Dinge gilt es im Blick zu behalten: Erstens, in allen Dingen (ausgenommen die Sünde) ist das ewige Wort „Seinen Brüdern gleich“ geworden (Hebr 2,17). Während Seines Säuglingsalter, Seiner Kindheit und Jugend entwickelten sich all Seine menschlichen Funktionen normal. Zweitens, Seine göttliche Natur unterlag keiner Wandlung oder Veränderung, als Er ins Fleisch kam, sie verschmolz aber auch nicht mit Seiner menschlichen Natur, sondern bewahrte ihre Eigenheit. Drittens, Er wurde „mit dem Geist gesalbt“ (Apg. 10,38), besser noch, Er war der absolute Empfänger des Geistes, der in einer solchen Fülle auf Ihn ausgegossen wurde, daß die Bibel sagt, es war „ohne Maß“ (Joh. 3,34).
Das Pferd wird gerüstet für den Tag des Kampfes, aber der Sieg kommt von dem HERRN. Spr. 21,31

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Arthur W. Pink "Der Heilige Geist" 8.Die Ankunft des Geistes

Beitrag von Joschie »

8.Die Ankunft des Geistes

Es ist sehr aufschlussreich und für uns vorbildhaft, wie jede der drei Personen des ewigen Gottes ausdrücklich jeder der beiden anderen göttlichen Personen Ehre gibt: Der Vater tat alles, um die Herrlichkeit Seines geliebten Sohnes zu bewahren, als dieser die sichtbaren Hoheitszeichen Seiner Göttlichkeit ablegte und Knechtsgestalt annahm; mehr als einmal bezeugte Er mit hörbarer Stimme: „Dies ist mein lieber Sohn.“ Der ins Fleisch gekommene Sohn lenkte unablässig die Aufmerksamkeit von sich fort auf den Einen, der Ihn gesandt hatte. Und so ist auch der Geist nicht gekommen, um sich selbst zu verherrlichen, sondern den, dessen Stellvertreter und Fürsprecher Er ist (Joh. 16,14). Die Bibel bezeugt, wie der Vater und der Sohn eifersüchtig die Herrlichkeit des Heiligen Geistes geschützt und für Seine Ehre Vorsorge getroffen haben.

„’Wenn ich nicht weggehe, kommt der Tröster nicht zu euch’ (Joh. 16,7); der Geist wird die angekündigten Werke nicht tun, solange ich hier bin; ich habe Ihm alles anvertraut. Wie mein Vater sichtbar alles Gericht dem Sohn übergab, damit alle Menschen den Sohn ehren wie den Vater (Joh. 5,22-23), so werden ich und mein Vater den Heiligen Geist senden, dem alles übergeben ist, damit die Menschen Ihn ehren, wie sie den Vater und den Sohn ehren. – So besorgt und achtsam ist jede der drei Personen darauf bedacht, einander in unseren Herzen Ehre zu verschaffen“ (T. Goodwin, 1670).

Die öffentliche Ankunft des Geistes mit dem Ziel, den neuen Bund einzuführen und in Kraft zu setzen, kommt an Bedeutung gleich an zweiter Stelle nach der Fleischwerdung unseres Herrn, die den Zweck hatte, die alte Haushaltung zu beenden und die Grundlagen für die neue zu legen. Als Gott die Errettung der Auserwählten plante, bestimmte Er hauptsächlich zwei Mittel zu ihrer Durchführung: Die Gabe des Sohnes für die Seinen und die Gabe des Geistes an die Seinen; dadurch wird jede Person innerhalb der Dreieinigkeit verherrlicht. So hatten Gottes Verheißungen, die Er Seinem Volk gab, vom ersten Einbruch der Sünde an zwei große Themen: die Sendung Seines Sohnes in den Gehorsam bis zum Tode und die Sendung des Geistes, um die Früchte des Sühneopfers Christi wirksam zu machen. Jede dieser göttlichen Gaben wurde in einer Weise gegeben, die sowohl dem erhabenen Geber als auch der edlen Natur der Gaben angemessen war. Zwischen der Ankunft Christi und derjenigen des Geistes gibt es viele auffällige Parallelen:

1.Gott bestimmte, dass jeder der Beiden durch eine zeichenhafte Ankunft auf die Erde kommen sollte, um das Werk zu beginnen, das ihnen zugeordnet war. Ebenso wie der Sohn schon vor Seiner Menschwerdung bei den erlösten Israeliten gegenwärtig war (Apg. 7,37-38; 1.Kor. 10,4), aber Gott dennoch eine sichtbare, förmliche Ankunft beschloss, von der Sein ganzes Volk erfahren sollte, so war es auch mit dem Heiligen Geist: obwohl Er gegeben war, um in der gesamten alttestamentlichen Zeit Menschen zu erneuern (Neh. 9,20 etc.) und die Propheten zu bewegen, ihre Botschaften zu verkünden (2.Petr. 1,21), verordnete Gott dennoch, dass Er öffentlich und feierlich kommen sollte, begleitet von sichtbaren Zeichen und herrlichen Kraftwirkungen.
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Arthur W. Pink "Der Heilige Geist"8.Die Ankunft des Geistes

Beitrag von Joschie »

8.Die Ankunft des Geistes

2.Sowohl die Ankunft Christi als auch diejenige des Geistes waren Gegenstand alttestamentlicher Voraussagen. Im vergangenen Jahrhundert ist viel über die messianischen Prophetien geschrieben worden, aber Gottes Verheißungen bezüglich der Ankunft des Heiligen Geistes sind ein allgemein vernachlässigtes Thema. Einige der wichtigsten Zusagen Gottes, die sich mit der Ausgießung des Geistes auf Seine Heiligen befassen, sind: Psalm 68,18 (Luther: 68,19); Sprüche 1,23; Jesaja 32,15; Hesekiel 36,26; 39,29; Joel 2,28 (Luther: 3,1); Haggai 2,9. In diesen Bibelstellen wurde die Ankunft des Geistes ebenso deutlich angekündigt wie die Fleischwerdung des Erlösers in Jesaja 7,14.

3.Ebenso wie Christus Johannes den Täufer hatte, um Seine Menschwerdung anzukündigen und Seinen Weg zu bereiten, so hatte der Heilige Geist Christus selbst, um Sein Kommen vorauszusagen und die Herzen der Seinen für Seine Ankunft zuzurüsten.

4.Ebenso wie Gott Seinen Sohn sandte, „als die Zeit erfüllt war“ (Gal. 4,4), so sandte Gott Seinen Geist, „als der Tag der Pfingsten erfüllt wurde“ (Apg. 2,1; Elberf.).

5.Wie der Sohn im Heiligen Land Palästina geboren wurde, so kam auch der Geist in Jerusalem zu den Menschen.

6.Ebenso wie die Ankunft des Sohnes Gottes in diese Welt durch mächtige Wunder und Zeichen angekündigt wurde, so wurde das Kommen des Geistes von außerordentlichen Entfaltungen göttlicher Kraft begleitet und bestätigt. Die Ankunft eines Jeden war von übernatürlichen Erscheinungen gekennzeichnet: Die „Menge der himmlischen Heerscharen“ (Lk. 2,13) fand ihre Entsprechung in dem „Brausen vom Himmel“ (Apg. 2,2), und die „Klarheit des Herrn“ (Lk. 2,9) in den „Zungen, geteilt wie von Feuer“ (Apg. 2,3).

7.Wie ein außergewöhnlicher Stern das „Haus“ bezeichnete, wo das Christuskind geboren war, so wurde das „Haus“, in welches der Geist gekommen war, von einem göttlichen „Wind“ geschüttelt (Apg. 2,2).

8.In der Ankunft Christi war sowohl ein privater als auch ein öffentlicher Aspekt enthalten. Das gleiche gilt für die Ausgießung des Geistes. Die Geburt des Erretters wurde nur einigen verkündigt, aber als Er „Israel offenbart“ werden sollte (Joh. 1,31), wurde Er öffentlich bezeugt, denn bei Seiner Taufe wurde der Himmel aufgetan, der Geist stieg in Form einer Taube auf Ihn herab, und die Stimme des Vaters bestätigte Ihn öffentlich als Seinen Sohn. Entsprechend wurde der Geist den Aposteln privat kundgetan, als der auferstandene Retter sie "anblies und sprach: Nehmt hin den heiligen Geist“ (Joh. 20,22); und später kam Er öffentlich am Pfingsttag, als die große Menge derer, die damals in Jerusalem waren, auf Seine Ankunft aufmerksam wurden (Apg. 2,32-36).
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