DER HEIDELBERGER KATECHISMUS erklärt

Nur für Gläubige, die die fünf Punkte des Arminianismus ablehnen

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Joschie
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DER HEIDELBERGER KATECHISMUS erklärt

Beitrag von Joschie »

Vorab: Wir bedanken uns bei Andras Gramlich von Licht und Recht für die Genehmigung dieses Textes, als fortlaufende Lesung in diesem Forum benutzen zu dürfen. $:)


DER HEIDELBERGER KATECHISMUS erklärt mit den Worten bewährter Lehrer der Reformierten Kirche alter und neuer Zeit. Nebst allerlei Beigaben. Bearbeitet von Fr. W. Cuno,
Vorwort.
Dein Zeugnis ist gerecht und trüget nicht. Die Wahrheit ruht auf ewigfesten Gründen. Du weisest uns mit Recht auf dies Dein Licht, Nur hier ist Ruh, nur hier ist Heil zu finden. Mit innigstem Danke gegen den HERRN geben wir hie mit die in den sechs Jahrgängen der „Ev. Ref. Blätter“, 1891-1896, erschienenen Erklärungen des Heidelberger Katechismus als Sonderabdruck heraus. Was wir seinerzeit als einleitendes Wort in den „Ev. Ref. Blättern“ geschrieben haben, das wiederholen wir hier: Wie unentbehrlich dieser Katechismus der reformierten Christenheit auch heute noch bei seinem nie veraltenden Werte ist, kann nicht laut genug betont werden; denn ohne ihn wird das reformierte Bewusstsein immer mehr schwinden und einem Indifferentismus Platz machen, der den Übergang zum Abfall von der christlichen Wahrheit bildet. Treibet daher fleißig den Heidelberger, ihr lieben Amtsbrüder und Lehrer in den Schulen, die ihr unsre Jugend auch zu rechten Gliedern der Gemeine Jesu Christi heranbilden wollet. Und auch ihr lieben Hausväter in Stadt und Land, die ihr das reformierte Zion des Herrn noch lieb habt in unserer ernsten Gegenwart, treibet eifrigst den Katechismus unter einander und mit euern Kindern, besonders an dem Tage des Herrn. Des Herrn Segen wird euch gewiss erfreuen. Denn unser Lehr- und Bekenntnisbuch ist nach den Worten des alten Wilhelm von Bouma eine Türe zur Erkenntnis göttlicher Wahrheit, ein Schlüssel zur H. Schrift, ein Paradiesgärtlein geistlicher Tugenden, ein rechter Kinderschmuck, der Alten Trost, der Jugend Krone, der Streitenden Zepter, der Irrenden Wegweiser. Der Herr Jesus aber, das alleinige Haupt unserer reformierten Kirche, begleite diese unsere Handreichung zum rechten Gebrauche des Heidelbergers mit Seinem reichen Segen!
Das Pferd wird gerüstet für den Tag des Kampfes, aber der Sieg kommt von dem HERRN. Spr. 21,31

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Joschie
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DER HEIDELBERGER KATECHISMUS erklärt (Frage 1.)

Beitrag von Joschie »

DER HEIDELBERGER KATECHISMUS Frage 1.



1. Frage: Was ist dein einziger Trost im Leben und im Sterben?
Dass ich mit Leib und Seele im Leben und im Sterben nicht mir, sondern meinem getreuen Heiland Jesus Christus gehöre. Er hat mit seinem teuren Blut für alle meine Sünden vollkommen bezahlt und mich aus aller Gewalt des Teufels erlöst; und er bewahrt mich so, dass ohne den Willen meines Vaters im Himmel kein Haar von meinem Haupt fallen kann, ja, dass mir alles zu meiner Seligkeit dienen muss. Darum macht er mich auch durch seinen Heiligen Geist des ewigen Lebens gewiss und von Herzen willig und bereit, ihm forthin zu leben.

Frage 1.
Wie herrlich lautet gleich diese 1. Frage und wie tief führt sie uns in das Heiligtum der christlichen Lehre ein! Kurz den ganzen Inhalt der nachfolgenden drei Teile des Katechismus zusammenfassend, sagt sie uns gleich zu Anfang desselben, welch ein köstliches Gold des lauteren Glaubens darin sich vorfindet. Treffend hat daher Kohlbrügge bemerkt, dass wir über dieser 1. Frage unser ganzes Leben lang zu lernen haben:
Was ist dein einiger Trost im Leben und im Sterben?

„Die Frage nach dem Troste ist deswegen obenan gestellt“ schreibt Ursinus „weil sie den summarischen Inhalt des ganzen Katechismus enthält. Der Zweck desselben ist, dass wir einen gewissen Trost im Leben und im Sterben haben mögen. Zu diesem Zwecke nämlich ist die ganze Lehre von Gott vom Himmel geoffenbaret worden und von uns allermeist zu erlernen. Die Summa ist, dass wir Christo durch den Glauben eingepflanzt, um seinetwillen Gott angenehm und versöhnt werden und von ihm in Ewigkeit erhalten und bewahret bleiben.“ „Dieser Trost aber, wodurch ein heilsbegieriger Sünder Hoffnung haben kann, aus seinem Elend erlöst und des höchsten Guts teilhaftig zu werden, muss ein einiger Trost sein, weil nur ein höchstes Gut ist (Luk. 10,41.42); ein beständiger, der im Leben aushält, das durch die Sünde ein Sammelplatz von lauter Elend ist (Hiob 14,1.2), wie im Sterben, weil nach dem Tod ein Gericht folgt, in welchem der Sünder nichts als Verdammnis zu erwarten hat (Hebr. 9,27).“ Fr. Ad. Lampe (Milch d. Wahrh.).
Tröstet, tröstet mein Volk. Jes. 40,1.
Entschieden ist die Sprache des Katechismus, allen „Lauen“ (Offb. 3,16) zuwider; es ist aber,
wie Sal. Morff sagt, die Sprache eines wahren Gläubigen, die er führt (Eph. 4,21). Die Meisten wollen es mit Gott und der Welt halten, Neutralität zwischen beiden beobachten. Neutral sein ist aber nach J. M. Moscherosch so viel, als des Teufels nicht sein wollen und doch Gottes Feind sein können. Gehören also die Neutralen dem Herrn zu, dem sie dienen. Gott will uns kalt oder warm haben, lau speiet er uns aus. Gott und Welt sind einander zuwider. Du kannst nicht Gottes sein, es sei denn, dass du den Teufel erzürnest. Wer Gottes will sein, muss den Teufel notwendig zum Feinde haben. Heucheln, auf beiden Achseln tragen, sich Gottes schämen, das ist Gott verachten, verleugnen und dem Teufel hofieren.

Dass ich mit Leib und Seele, beides im Leben und im Sterben nicht mein, sondern meines
getreuen Heilandes Jesu Christi eigen bin.


„Der Apostel bezeugt (a. a. O.), dass wir Knechte Gottes geworden sind. So wenig wie beim
Freigemacht sein von der Sünde die Rede ist von dem, was der Mensch sollte getan haben, so wenig ist auch hier die Rede davon. Wenn der Apostel schreibt, dass wir Gottes Knechte geworden sind, so schreibt er mit einem Federstrich, dass uns Gott gänzlich in seine Macht genommen hat, wie wir denn in unserm Katechismus bekennen: das ist mein einiger Trost, dass ich mit Leib und Seele usw. Dass Gott uns in seine Macht genommen, so dass wir nicht mehr unser selbst sind, dafür haben wir, die da glauben, bereits Pfand und Siegel bekommen in unserer Taufe, da wir getauft worden sind auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des h. Geistes. In Gottes Macht sind wir nicht übergegangen durch eine Tat unsrerseits. Da sei nur die Anerkennung, dass wir in Gottes Macht übergegangen, dass wir Knechte geworden sind. Aber von Seiten Gottes ist solches geschehen, da unser Herr für uns am Kreuze blutete. Denn an seinem Kreuze hat Gott uns sich zum ewigen Eigentum erkauft mit dem Blute des,
ewigen Bundes und sind wir in seine Macht übergegangen in Christo Jesu.“ Kohlbrügge (de ware vrijh. leerr. ov. Rom. 6,22).

„Ich bin noch des Sinnes und der Meinung“ – sagte Friedrich III. in der Verteidigung seines Katechismus auf dem Reichstage zu Augsburg (1566) – „dass in Glaubens und Gewissenssachen ich nicht mehr, als Einen Herrn, der ein Herr aller Herren und ein König aller Könige ist, erkenne, und sage deswegen, dass es nicht um eine Kappe voll Fleisch zu tun, sondern dass es die Seele und deren Seligkeit belanget, die ich von meinem Herrn und Heiland Christo in Befehl trage; bin ich auch schuldig, ihm diese zu bewahren.“

Der mit seinem teuren Blute für alle meine Sünden vollkommend bezahlet und mich aus aller Gewalt des Teufels erlöset hat.

„Wie wir durch Christus erlöset sind, wird auf zweierlei Weise gezeigt:
1. Dass er mit seinem teuren Blut für alle unsere Sünden vollkommend bezahlet hat, d. i. dass er sich selbst für uns zum Lösegeld gegeben und unsere Schuld bezahlet hat. Denn da Gott den Menschen zu seinem Bild geschaffen und ihm seine Güter eingeräumt und ihn zu einem Herrn des ganzen Erdkreises gesetzt hatte, war er schuldig, sich dankbar gegen Gott zu erzeigen und ihm in Gehorsam zu dienen. Da er aber vom Teufel verleitet von Gott seinem Herrn abfiel und in die Sünde geriet, fiel er in tiefe Schuld und wurde Gott schuldig den Tod, zeitliche und ewige Strafe. Deshalb wurde er in den Schuldturm, unter des Teufels Gewalt geworfen, und solche Schuld brachte er durchs Geblüt auf alle seine Nachkommen, welche mit täglichen Sünden die Schuld immer größer machten. Und weil kein Mensch die Schuld konnte bezahlen und Gottes Zorn abwenden, so steckte sich der ewige Sohn Gottes in unsere Schuld und nahm Fleisch und Blut an sich, damit er an seinem Fleische büße und zahle, was unser sündliches Fleisch verschuldet hatte, ward für uns ein Opfer und Fluch am Kreuze, auf dass er den Fluch von uns hinwegnehme, vergoss sein Blut, litt und starb für uns und tat die Bezahlung, auf dass wir durch seine Auferstehung frei und ledig würden von Schuld und Pein. Denn wie die Gefangenen unter den Türken, wenn sie wollten ledig werden, sich mussten abkaufen lassen, also mussten wir auch einen Erlöser haben, der uns erkaufte und für uns das Lösegeld erlegte, welches sonst kein Mensch noch einige Kreatur hätte tun können. Denn es kostete zu viel ihre Seelen zu erlösen. Darum St. Petrus schreibt 1. Ep. 2: Wisset, dass ihr nicht mit vergänglichem Gold oder Silber erlöset seid von euerm eiteln Wandel nach väterlicher Weise, sondern mit dem teuern Blute Christi als eines unschuldigen und unbefleckten Lammes.
2. Dass er uns aus aller Gewalt des Teufels errettet hat. Denn wir armen Leute hatten nicht allein Gott erzürnet und waren ihm verschuldet geworden, sondern wir hatten noch einen heftigen Feind, den Teufel, der uns ohne Ursache feind war und wie ein brüllender Löwe herum ging und suchte, wie er uns verschlinge, hielt uns in seinem Reich gefangen und trieb die Leute aus einer Sünde in die andere. Befestigte sein Reich also, dass diesem starken Riesen niemand seine Gefangenen nehmen konnte, welche er dem Tod zu würgen übergab. Und wie das menschliche Geschlecht in des Teufels, Todes und der Hölle Fesseln lag, und niemand helfen konnte, da kommt der Herr Jesus und schlägt und überwindet den Teufel, zerstört sein Raubschloss, wird des Todes Gift und der Hölle Pestilenz, schlägt die Feinde in seine Ketten und führt sie zum Schauspiel herum, und macht die Gefangenen ledig. Darum weissagt Sacharja 9,9, dass der Herr Jesus unser König zu uns komme als ein Gerechter, der unsere böse Sache gut und uns gerecht und selig mache; und als ein Helfer, der uns aus des Teufels Gewalt erlediget; denn dem Satan durfte er keine Bezahlung tun, wir waren ihm nichts schuldig. Darum macht er uns mit Gewalt ledig, zerbricht den Schuldturm, und macht uns frei und los. Darum St. Johannes 1. Ep. 3,8 spricht: Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre und Gottes Werk in uns anrichte, dass wir nicht mehr der Sünde zum Tode, sondern der Gerechtigkeit zum Leben dienen könnten. (Röm. 6,16)“. Georg Spindler (Katech. Pred.).

Frage 1. 9
Und also bewahret, dass ohne den Willen meines Vaters im Himmel kein Haar von meinem Haupte kann fallen.

„Nein, kein Kind Gottes kann sich selbst verwahren, aber der treue Bundesgott tut’s aus lauter Erbarmen (1. Petr. 1,5). Es konnte Gott nicht einfallen, ein Erbe zu bestimmen und es den Erben selbst zu überlassen, dass sie zu diesem Erbe kämen; denn so käme keiner dazu; sondern wie er das verheißene Gut für die Seinen aufbewahrt in den Himmeln, so verwahrt er sie auch in der Welt, auf dass die Erben der Verheißung auch zu der Verheißung kommen, wie er bei sich selbst geschworen. Das ist die Frucht des Gebetes unseres treuen Hohenpriesters, welches wir lesen Joh. 17, seines Gebetes: Ich bitte nicht für die Welt, sondern für die, die du mir gegeben hast, denn sie sind dein; – seines Gebetes: Heiliger Vater, erhalte sie in deinem Namen, die du mir gegeben hast, dass sie eins seien, gleichwie wir. Ich bitte nicht, dass du sie von der Welt nehmest, sondern dass du sie bewahrest vor dem Übel.“ Kohlbrügge.

„Wahr ist es, viele Dinge geschehen ohne der Menschen Rat, nichts aber ohne Gottes Rat. Ohne der Menschen Rat fällt manches Haar von unserem Haupte, es geschieht aber nicht ohne Gottes Rat, nicht ohne des Vaters Willen (Matth. 10,30). Ohne der Menschen Rat geschieht’s, dass das Los, wenn es geworfen wird, so und nicht anders fällt. (Spr. 16,33) Ohne der Menschen Rat und Vorsehung geschieht es, dass etwa einem Arbeiter, der im Walde Holz fällen wollte, das Eisen des Stieles ausfährt und seinen Nächsten erschlägt. Es geschieht aber nicht ohne Gottes Rat, denn die Schrift sagt (2. Mos. 21,13), Gott habe einen solchen Menschen in des anderen Hände fallen lassen. So geschieht denn nichts von ungefähr vor unsern Augen, das nicht von Gott regieret werde.“ Luc. Germler.

Daniel 3,27 die drei Männer im Feuerofen.

Ja auch mir alles zu meiner Seligkeit dienen muss. „Wir wissen doch, dass den Gott Liebenden alle Dinge mitwirken zum Guten, da sie nach Vorsatz gerufen sind.“ Röm. 8,28 (wörtlich).
Es geht immerdar durch die Tiefe hindurch, dass wir Erfahrungen machen, dass uns alle Dinge mitwirken zum Guten. Dass es sich so verhält, ist eine Wahrheit, welcher wir uns freuen, wenn die Not überstanden ist. Denn wer ist je zuschanden geworden, der seine Hoffnung auf den Herrn Herrn gestellt hat? Wer ruft es nicht hintennach aus: Ich danke dir Herr, dass du mich ganz treulich zerschlagen hast (Ps. 119,67.71). Wer singt nicht zuletzt: O
Herr, ich bin dein Knecht, du hast meine Bande gelöst (Ps. 116,16). Sei nun wieder zufrieden, meine Seele, denn der Herr erweist dir Gutes (Ps. 116,7.8).“ Kohlbrügge. Rektor Hasenkamp in Duisburg pflegte, wenn im Leben des Christen so etwas vorkam, in dem
man die göttliche Dazwischenkunft nicht verkennen konnte, zu sagen: Das ist eine Kabinettsorder Jesu Christi.

Des Kurfürsten Friedrich III. von der Pfalz Wahlspruch, den man auch auf seinen Grabstein gesetzt hat, war: „Herr, nach deinem Willen.“ Über denselben hat er folgendes Lied gedichtet:
I.
Herr Gott, du lieber Vater mein,
Wie soll ich doch den Namen dein
Gnugsam von Herzen preisen,
Für deine große Güt und Gab,
Die du mir hast von oben ’rab
Durch deinen Geist lassen weisen
Ich bitt dich, du getreuer Gott,
Erhalt dieselb ’ in aller Not,
Die ich noch muss erfüllen:
Des Satans Tück und seiner Braut,
Dazu die Lüsten meiner Haut
Zerbrich Herr nach deim Willen.
II.
Nach großer Ehr und hoher Pracht
Ich nie in dieser Welt hab tracht,
Meins Stands mich lassen genügen,
Darein du mich gesetzet hast,
Beschweret auch mit keinem Last,
Weil mir der nicht wollt ’ fügen,
Bis dass du mich empor erhebt,
Dass ich in großen Würden schwebt,
Viel guter Herzen z’stillen,
Die G’wissens halben waren krank,
Solchs alles über mein Gedank
Geschah Herr nach dei’m Willen.
III.
Deinen Befehl und teures Wort,
Welch’s ist der Seelen höchster Hort,
Das hast mir offenbaret,
Zu leuchten in dem Lande, mein,
Wider des Papsttums falschen Schein,
Darüber nichts befahret.
Obschon die Welt mit ihrem Neid
Mir zugerichtet manches Leid
Mit Dräuen und mit Brüllen:
So hast du mich doch allezeit
Durch deinen Schutz und Gütigkeit
Errettet Herr nach dei ’m Willen.
IV.
Willen und Lieb zu deiner Ehr
Lass in mir wachsen täglich mehr
Bis an mein letztes Ende,
Und wann erfüllet sind die Tag,
Dass ich von hin soll scheiden ab,
Mein Geist nimm in dein Hände.
Dein Wort entzeuch meim Völklin nit,
Wann es dein Gnad durch d’Sünd verschütt,
Lass mich im Fried verhüllen.
Mein Land und Leut nach meinem Tod,
Darzu der Christen letzte Not
Regier, Herr nach dei’m Willen.
Das Pferd wird gerüstet für den Tag des Kampfes, aber der Sieg kommt von dem HERRN. Spr. 21,31

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Joschie
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DER HEIDELBERGER KATECHISMUS erklärt(Frage 1.)

Beitrag von Joschie »

„Auch das Kreuz“ sagt Johann von Münster zu Vorlage „dient uns zum besten, indem es je
länger je mehr unsern alten Adam tötet, macht dass wir die Sünde meiden, des Irdischen vergessen, das Himmlische begehren und zum Tode Lust gewinnen.“

Der 70jährige westphälische Edelmann Konrad Grothauss erfuhr dies auch auf seinem Totenbette (1612). Höchst andächtig hörte er zu, wann ihm die 1. Frage und Antwort unseres Katechismus und andere Sprüche vorgehalten wurden. Öfters nahm er seine Mütze dabei ab, ermahnte die Umstehenden zum Gebet und bezeugte, dass die beste
Art zu leben bis zum Tode sei die Begierde, etwas zu lernen.

Von dem 1611 zu Amberg an den Blattern gestorbenen 17jährigen Edelknaben des Prinzen Ernst von Anhalt von Joachim Grothauss zur Cronenburg erzählt Joh. Salmuth in dessen Leichenrede:
Durch ernste Buße und Bekehrung hat er sich zum seligen Sterbestündlein geschickt und bereitet mit Erkenntnis und herzlicher Reue wegen seiner Sünde, dass an ihm ein zerknirschtes und demütiges Herz gespüret worden. Hinwieder hat er sich in kindlichem Vertrauen der Barmherzigkeit Gottes und des treuen Verdienstes Jesu Christi getröstet, dass ihm Gott alle seine Sünden aus Gnaden verziehen und vergeben habe um des bitteren Leidens, Sterbens und Blutvergießens Jesu Christi willen. Dann hat er auch mit dem Gebet angehalten und sich mit Geduld und Gehorsam dem väterlichen Willen Gottes ergeben. Indem er sich mit Sprüchen Heiliger Schrift getröstet und dabei seiner H. Taufe und des H. Abendmahles erinnert worden, hat er selber die Frage von der Beschreibung der H. Sakramente aus dem Katechismus erzählt, dass die Sakramente H. sichtbare Wahrzeichen und Siegel seien; auch aus der 1. Frage des Katechismus sich getröstet, dass dies sein einiger Trost sei, Christi eigen zu sein.
Die Briefe von der Prinzessin Alice (verstorbene Tochter der Königin Viktoria) enthalten u. A. ein merkwürdiges Bekenntnis, dass der Unglaube der Seele in der Stunde des Todes durchaus keinen Trost bietet. Die Prinzessin
war eine hochgebildete Dame, und hatte durch intimen Verkehr mit dem Erz-Rationalisten Strauss gelernt, die Wahrheit des Evangeliums in Zweifel zu ziehen. Als Strauss sich bemühte, sie in den dunkelsten Schatten des Zweifels zu führen, da schauderte ihre zarte Seele instinktmäßig vor den Irrwegen der Trostlosigkeit, die am Ende dieser Lehre liegen.Als ihr zweiter Sohn Frittie, ein munteres Kind von zwei Jahren, starb, und sie nun dasselbe tot vor sich liegen sah, und nie zuvor ein solches Bedürfnis fühlte, um etwas ganz Gewisses zu glauben, schrieb sie offenherzig:
Das ganze Gebäude philosophischer Schlussreden, die ich mir selbst gezogen hatte, finde ich ohne irgend ein Fundament; nichts ist davon übrig geblieben. Es ist wie Staub weggebröckelt. Was würden wir sein, was würde aus uns werden, wenn wir nicht glaubten, dass ein Gott ist, der die Welt und uns regiert?

Als die Prinzessin den Glauben (den Strauss ihr mit List geraubt hatte) wieder erlangte, da wurde sie wieder gepflanzt auf den festen Felsen. Ihr Vertrauen auf Gott brachte ihr Friede, Hoffnung und Stärke, während ihres kurzen, aber angenehmen Lebens und in der Stunde des Todes. Ihre Erfahrung spricht zu jedem Zweifler und richtet an ihn die Frage: „Erlangst du durch den Zweifel gegenwärtiges Genüge? Heiliget derselbe deine Gedanken und deinen Wandel? Wenn nicht, was soll er dir geben in der Versuchung und vornehmlich dann, wenn deine Seele ringt in den Fluten des
Jordans? Eine getaufte Negerin sollte bei ihrem kranken Herrn wachen. Da sie aber am folgenden Tage zur Kirche zu gehen wünschte, sagte die Hausfrau zu ihr, sie möge nur zu Bett gehen und in der nächsten Nacht bei dem Kranken wachen. Am folgenden Morgen fand die Sklavin die Leiche ihres Herrn. Mit Tränen und Seufzen rief dessen Frau in großer Herzensangst aus: „Ach, lieber Gott, wird mein Mann wohl selig sein?“ Verwundert über diese Worte, fragte die Negerin: „Ist es denn möglich, das weiße Leute, die von Kindheit an Gottes Wort lesen können, so unglücklich sind, ihrer Seligkeit nicht gewiss zu sein?“ Wie beschämend ist dies für Christen!
Wenn es zehn tausend tausend Millionen Welten gäbe, und eben so viele Himmel voll Menschen und Engel, so wäre Christus doch vermögend, alle ihre Bedürfnisse zu befriedigen und uns alle mit Gottesleben zu füllen. Christus ist die Quelle des Lebens, und wer weiß, wie tief sie ist bis auf den Boden? Tue alle die Schönheit von zehn tausend tausend Welten von Paradiesen, gleich wie der Garten Eden, in eine; tue alle Bäume, alle Blumen, alle Gerüche, alle Farben alle Geschmacke, alle Freuden, alle Süßigkeiten in eine: O welche Pracht und Herrlichkeit würde das sein! Und doch würde es viel weniger sein gegen den schönen, teuersten, herzgeliebten Christus als ein Tropfen Regen gegen alle Meere, Ströme und Quellen von zehn tausend Erden.
Rutherford.

Darum Er mich auch durch seinen heiligen Geist des ewigen Lebens versichert. „Wir lesen zwar, dass der Gerechte umkomme Jes. 57,1, aber da wird nicht verstanden, dass die Gerechten durch den Tod um ihre Seligkeit kommen, sondern vor dem Unglück weggerafft und zur Ruhe und zum Frieden kommen. Die Welt achtet der Gläubigen Tod ein Verderben, besonders wenn sie um Christi willen als Übeltäter hingerichtet werden. Aber der Glaube urteilt anders Matth. 5,10. Deshalb es gehe den Schäflein Christi in diesem Leben wie es immer wolle, so werden sie doch nicht umkommen. Wie aber? sind sie so stark, dass sie sich selbst beschützen und verteidigen und des Wolfs sich erwehren können? Ach nein, sie sind so schwach und wehrlos, dass wenn ihre Seligkeit in ihren eigenen Händen stünde, so würden sie dieselbe leicht verlieren. Der Teufel ist so stark, er würde sie alle um ihre Seligkeit bringen. Aber höret, liebe Christen, woher es komme, dass sie nicht können umkommen und verloren werden. Niemand, sagt Christus Joh. am 10., wird sie aus meiner Hand reißen. Der Vater, der sie mir gegeben hat, ist größer denn alles, und niemand kann sie aus meines Vaters Hand reißen. Dass aber Christus sie auch könne selig machen, lehrt er klar, wenn er sagt, er habe seine Schafe in seiner Hand, und der Vater, der sie ihm gegeben, habe sie auch in seiner Hand. Nun wird niemand dieselben Christo und seinem himmlischen Vater aus den Händen reißen können. Wenn Christus seine Schafe nicht sollte beschützen und selig machen können, so müsste solches geschehen entweder wegen der Sünde, dass sie so groß und schwer wäre dass sie durch das Blut Christi nicht könnte abgewaschen werden; oder wegen des Kreuzes und der Trübsale, durch welche sie überwunden und von Christo gerissen würden; oder endlich durch Einen, der stärker und gewaltiger ist denn Christus. Aber unter diesen drei ist keines, das die Seligkeit der Schafe Christi hindern könnte. Die Sünde kann es nicht tun, denn der Vater hat Christum zur Sünde gemacht für sie 2. Kor. 5,21. Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Röm. 8,33.34. Kreuz, Trübsal und Verfolgung kann ihre Seligkeit nicht wehren oder umstoßen, denn wer will uns scheiden von der Liebe Gottes? Trübsal oder Angst usw. Auch kann keine stärkere oder größere Gewalt sein, dadurch sie ihrem Hirten Christo entzogen oder ihm und seinem himmlischen Vater aus den Händen gerissen werden können, denn der Vater ist größer denn alles.

Diese Gewissheit unserer ewigen Seligkeit sollen wir allezeit brauchen zum Trost wider die Sünde, den Tod, die Hölle und die Verdammnis, auch wider alles Kreuz, Trübsal und Verfolgung, so uns in diesem Leben zustoßen, denn Sünde, Tod und Hölle können uns nicht schaden, die wir durch Christi Tod erkauft und mit seinem Blut von solchen Feinden erlöset sind. Die leiblichen Feinde anlangend, ob sie wohl uns die Welt zu enge machen und uns vom Erdboden vertilgen wollen, so können sie uns doch den Himmel nicht nehmen, den Gott uns zu geben beschlossen. Er hat Macht und Stärke genug, uns den Himmel und die ewige Seligkeit zu geben, darum tröstet Christus seine Jünger mit diesen Worten: Fürchte dich nicht, du kleine Herde, denn es ist eures Vaters Wohlgefallen, euch das Reich zu geben. Luk. 12,32.

Aber hier sollen wir wohl zusehen, dass wir diese tröstliche, nützliche Lehre nicht missbrauchen zur fleischlichen Sicherheit, indem wir denken oder sagen wollten: Ist unsere Seligkeit also gewiss und fest bewahret in den Händen Christi und seines himmlischen Vaters, so können wir wohl sicher sein, nach unserm Gefallen leben, wir werden doch nicht verdammt werden, es wird uns doch niemand aus den Händen Christi und seines himmlischen Vaters reißen. Vor solchen Reden und Gedanken sollen wir uns fleißig vorsehen und hüten, denn es sind nicht Reden und Gedanken der Schäflein Christi, sondern der Böcke. Seine Schäflein wissen, dass sie unter dem Hirtenstab ihres Hirten Christi bleiben, seine Stimme hören und ihm folgen sollen, sie wissen, dass sie in der Erkenntnis Christi täglich wachsen und zunehmen sollen, sie wissen, dass sie mit Früchten der Gerechtigkeit sollen erfüllet werden. Phil. 1,11.

Sie wissen, dass der Teufel Tag und Nacht herumgeht als der höllische Wolf und suchet, wen er verschlingen möge. 1. Petr. 5,8. Darum sind sie nüchtern und wachen und widerstehen dem im Glauben. Und obwohl sie zeitweise faul und träge in ihrem Amt werden, so muntern sie sich doch auf, wenn der Herr mit der Rute des Kreuzes kommt, und verrichten wiederum fleißig ihr Amt, und schaffen mit Furcht und Zittern, dass sie selig werden. Phil. 2.12.“ Johann Jacob Hermann, Pastor zu Herborn, in seiner Leichenrede auf Graf Georg zu Nassau-Catzenelbogen, 1624.
Dem teuern Gottesmanne Olevian begegnete einen Tag vor seinem Tode etwas Ungewöhnliches, was er am folgenden Tage seinem Kollegen, dem Professor Johannes Piscator zu Herborn mit diesen Worten erzählte: Es war mir, als ob ich auf der herrlichsten Aue wanderte und beim Gehen nicht tropfenweise, sondern in reicher Fülle wie aus vollen Gefäßen mit dem Tau des Himmels übergossen würde, woraus ich eine unermessliche Freude an Leib und Seel überkam. Piscator erwiederte hierauf: dein guter Hirte Jesus Christus hat dich auf seine Weide geführt – und, setzte der Kranke hinzu: zu dem Quell des lebendigen Wassers. Nachdem nun aus Ps. 42, Jes. 9 und Matth. 11 die trostvollsten Verse vorgelesen worden, wiederholte Olevian oft die Worte: Ach, dass meine Reise zum Herrn sich nicht mehr lange hinziehen würde! Ich begehre aufgelöst und bei Christo zu sein. Kurz vor seinem Heimgange trat der Diakon Alsted an sein Bette und fragte: Lieber Bruder, Ihr seid ohne Zweifel Euerer Seligkeit in Christo gewiss, gleichwie Ihr die Andern gelehret habt? Da legte Olevian die Hand auf sein Herz und sprach mit sterbender Stimme: Ganz gewiss. Das waren seine letzten Worte. Bald darauf entschlief er im Frieden Gottes. Solches geschah den 15. März 1587 Vormittags zwischen 9 und 10 Uhr.

Wie gewiss Ursinus seines Glaubens und durch ihn seiner Seligkeit war, davon gibt er selbst ein kräftiges Zeugnis. „Wenn ihr meinet, schreibt er, dass man von keinem bestimmt sagen könne, dass er würde selig werden, so habt ihr Recht, wenn ihr von andern sprechet; aber in Bezug auf uns selbst oder auf das eigene Gewissen und die Überzeugung eines jeden Einzelnen von sich selber ist diese Ansicht schrecklich, gottlos, teuflisch, gotteslästerlich, welche den ganzen Grund des Heiles umstürzt. Wer euch das gelehrt hat, der hat euch gelehrt wie ein Teufel, wenn er gleich vom Himmel wäre. Ja ich will euch noch mehr sagen: wenn ihr nicht vor dem Ende eures Lebens gewiss seid, ob ihr ein Erbe des ewigen Lebens seid, so werdet ihr es nach diesem Leben nicht sein. Davor euch Gott behüte! denn eben der Glaube selbst ist diese Gewissheit, welche ist der Anfang des ewigen Lebens, welchen schon in diesem Leben alle haben müssen, die es nach demselben haben wollen. Wenn ihr die Erklärung des Wortes Hoffnung bedächtet, dass sie eine sichere Erwartung des ewigen Lebens ist, so würdet ihr ein solch Ding nicht schreiben, davor mir die Haare zu Berg gehen. Wollte ich doch nicht hunderttausend Welten nehmen, dass ich so weit von meinem Christo
sein sollte und nicht bass wissen, ob ich sein wäre oder nicht.“
Der berühmte schottische Theologe Thomas Watson sagt:
Der h. Geist versichert die Kinder Gottes ihrer Seligkeit und erweckt und entzündet in ihren Herzen eine ernstliche Begierde nach dem himmlischen Erbe
. Darum lesen wir von dem Pfande des Geistes 2. Kor. 1,22, von den Erstlingen des Geistes Röm. 8,22, von dem Siegel des Geistes Eph. 1,13. Gott stillet seine Kinder nicht mit Rasseln. Sie sind Glieder Christi, darum müssen sie Teil haben an seinem seligen Erbe. Die Glieder müssen ja sein, wo das Haupt ist. Die Arminianer aber wollen uns überreden, dass ein gerechtfertigter aus der Gnade ganz fallen und also des himmlischen Erbes verlustig gehen könne. Aber wie ungereimt ist doch diese Lehre! Ist Christus denn zertrennet? 1. Kor. 1,13. Kann er ein Glied seines Leibes verlieren, so ist ja sein Leib nicht vollkommen; denn wie kann der Leib vollkommen sein, dem ein Glied fehlet? Und wenn Christus ein Glied verlieren kann, warum dann nicht eben sowohl alle übrigen, so dass Er ein Haupt ohne Leib wäre. Aber seid versichert, dass die Gemeinschaft mit Christo nicht kann getrennet werden Joh. 17,12, also auch nicht das Erbe verloren werden.“
Und ihm forthin zu leben von Herzen willig und bereit macht. Vgl. Fr. 51. a. „Nachdem Christus von den Toten auferstanden ist, ist dieses eine gewisse Anzeige, dass der himmlische Vater sein Lösegeld angenommen und ihm wirklich die Heiden zum Erbe und der Welt Ende zum Eigentum gegeben (Ps. 2,8), und dass er ihn zu einem Herrn und Christ gemacht habe (Apg. 2,36). Lebten wir dann noch uns selbst und in unserer natürlichen Verderbnis, so würden wir untreu dem, der uns nicht mit vergänglichem Gold und Silber, sondern mit seinem teuern Blut erlöset hat; und es wäre zugleich eine freventliche Empörung wider Gott, der unserm Herrn Jesu Christo die Herrschaft über alles auf eine so feierliche Weise anvertraut und übergeben hat. Soll es denn nicht vielmehr bei uns heißen: Leben wir, so leben wir dem Herrn. Röm. 14,7.8.9.“
Sal. Morff.
Das Wollen, – ist das Geständnis jedes wahrhaft wiedergeborenen Menschen mit St. Paulus, liegt mir bei, aber das Vollbringen des Guten finde ich nicht. Denn nicht was ich will tue ich, Gutes; sondern was ich nicht will, Böses, vollführe ich. Röm. 7,18.19.
Der heilige Geist wirket (als Verheißung vom Vater und Sohne) mit dem Geiste der Auserwählten mit, hat aber zuvor gemacht, dass sie nicht anders wollen, als er will, und da wirkt er in den Gläubigen also, dass sie seiner inne werden an seiner Wirkung, im Handel und Wandel, an seinem Zeugnisse in ihrem Gewissen, an seiner Erleuchtung im Verstande, an seinem Lebens- und Sterbenstroste im Herzen. Kohlbrügge.
.
Zu Verment in Konnektikut lebte Oberst Allen, ein offener Verächter des Evangeliums, der auch in mehreren Schriften die gute Sache Christi angegriffen und verhöhnt hatte. Eines Tages las er eben einem Freunde einen neuen Aufsatz gegen das Christentum vor, als ihm die schreckliche Nachricht gebracht wurde, dass seine kranke Tochter im Sterben liege. Der Freund begleitete ihn in das Krankenzimmer. Der Oberst trat an das Bett seiner Tochter, welche von ihrer verstorbenen Mutter treu im Evangelium unterwiesen worden war, und ergriff mit tiefem Schmerze die erkaltende Hand seines Lieblings. Da richtete sich die Tochter noch einmal auf und sagte: Vater, worauf soll ich sterben? auf die Lehre, welche du mir gegeben oder auf den Glauben meiner Mutter? Glaube lieber, erwiderte der Oberst, was deine Mutter dich gelehrt hat.
Das Pferd wird gerüstet für den Tag des Kampfes, aber der Sieg kommt von dem HERRN. Spr. 21,31

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DER HEIDELBERGER KATECHISMUS erklärt(Frage 2.)

Beitrag von Joschie »

2. Frage: Was musst du wissen, damit du in diesem Trost selig leben und sterben kannst?
Drei Dinge: Erstens: Wie groß meine Sünde und Elend ist. Zweitens: Wie ich von allen meinen Sünden und Elend erlöst werde. Drittens: Wie ich Gott für solche Erlösung soll dankbar sein.


Frage 2.
„Hier hast du, l. L. gleichsam eine Himmelsleiter, an der drei Sprossen oder Staffeln sind. Willst du auf derselbigen in den Himmel, so musst du alle drei Sprossen wohl betreten und keine überhüpfen.“ Christoph Stähelin, um 1724 Prediger zu St. Gallen.

„An diesem Stück mangelt es vielen in der Kirche Gottes, die zwar etwas wissen und dessen fein gedenken können, aber das Tun will bei ihnen nicht fort, da bleibt’s stecken. Nun muss aber ein Christ ein rechter Praktikant sein, nicht nur ein Hörer oder Schwätzer, sondern ein Täter. Man muss tun nach den Geboten des Herrn. Nun ist das des Herrn Gebot, dass wir es kurz zusammenfassen und summieren, dass wir unsere Sünde und Elend recht erkennen und von Herzen bereuen sollen. Das lasset uns tun. Des Herrn Gebot ist: wer nicht verzweifeln, sondern getröstet und selig werden will, der muss glauben an Jesus Christus, wie jener Kerkermeister zu Philippi. Das lasset uns tun durch die Gnade Gottes. Des Herrn Gebot ist, dass wir sollen unser Licht leuchten und uns im Stande guter Werke finden lassen. Das lasset uns tun.“ J. Dan. Wildius, Inspektor zu Hanau 1631.

Der 1675 zu Heidelberg verstorbene Bibliothekar Dan. Spanheim sagte in seiner letzten Krankheit zu dem ihn besuchenden Pastor: Ihr wisset, dass ich die Zeit meines Lebens keinem Menschen meinen Zustand habe offenbaren wollen, sondern Gott allein meine Not jederzeit habe vorgetragen. Aber nun muss ich ausbrechen: Mein Herz ist wie ein Stein, ich kann nicht fühlen den Stachel der Sünden, ich kann mich nicht recht zu Staub und Asche machen, damit Gott in mir verherrlichet werde. O tiefe Wurzel der Sünden! Mein Gott, verlass mich nicht, sonst bin ich in meiner Ungeduld und Verstockung gelassen. Herr, wenn es dein Wille wäre, wollte ich gern verlassen sein. Es ist aber dein Wille nicht, die armen Sünder und mich zu verlassen; doch ich hoffe, mein Gott wird mich schon mit Christo in den Garten Gethsemane führen, denn der Knecht ist nicht besser als sein Herr. Töte, töte, mein Gott, so werde ich leben.

Chrysostomus, von der Kaiserin Eudoxia bedroht, gestand, dass er nichts fürchte als die Sünde.
„Man halte sich doch einfältiglich an den Weg, den unser Katechismus zur Seligkeit anweiset,
und der in den drei Stücken besteht, zu erkennen: 1. wie groß meine Sünde und Elend sei, 2. wie ich von aller meiner Sünde und Elend möge erlöset werden, und 3. wie ich Gott für solche Erlösung soll dankbar sein, so werden wir weder zu hoch noch zu niedrig fahren, in der Sache weder zu viel noch zu wenig tun, weder zur Rechten noch zur Linken abirren, indem Jemand hinter uns her ruft: dies ist der Weg, den selbigen gehet, sonst weder zur Rechten noch zur Linken.“ G. D. Krummacher.
Pastor Kohlbrügge, am 5. März 1875 zu Elberfeld heimgegangen, sagte einmal in seinen letzten sagen: „Der Heidelberger! der einfältige Heidelberger! haltet daran fest, Kinder! Ihr könnet von selbst nicht eine einzige Wahrheit verstehen; aber es ist Alles enthalten in dem Einen Worte des Katechismus, wie ich es euch gelehret habe.“

Deine Zeugnisse sind sehr fest. Ps. 93,5.

Deine Zeugnisse sind wunderbar, darum beobachtet sie meine Seele. Ps. 119,129.144.
Die Dreiteilung unseres Katechismus ist ganz schriftmäßig. Man vgl. die Stellen Ps. 50,15; Röm. 7,24.25; Eph. 5,8.9. Nach derselben ist besonders der Brief an die Römer aufgesetzt.
Die Gräfin Charlotta Luisa von Hanau, gestorben am 16. Juli v. J. 1649, hielt auf ihrem Totenbette eine christliche und gottselige Rede von unserm allgemeinen Jammer und Elend, von unserer Erlösung daraus und von dem neuen Gehorsam und christlichen Wandel, so dass der bei ihr anwesende Pastor Konrad Henning recht die Kraft des Heiligen Geistes dabei verspüren konnte.
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DER HEIDELBERGER KATECHISMUS erklärt(3. Frage)

Beitrag von Joschie »

3. Frage: Woher erkennst du dein Elend?
Aus dem Gesetz Gottes.


Frage 3.
„Wie ein Spiegel die Flecken unseres leiblichen Angesichtes uns sehen lässt, so zeigt das Gesetz uns unsere Ohnmacht, unsere Sündhaftigkeit und mit beiden den Fluch. Wen nämlich zur Erlangung der Gerechtigkeit die Kraft verlässt, der muss notwendig in dem Unflat seiner Sünden stecken bleiben; der Sünde aber folgt der Fluch. Je größerer Übertretungen das Gesetz, uns also zeigt, eines desto schweren Gerichts macht es uns schuldig. In dieser Beziehung sagt der Apostel Röm. 3,20: durch das Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde, indem er das erste Geschäft desselben beschreibt, nämlich bei den noch nicht wiedergebornen Sündern. Damit stimmt ein anderer Auspruch desselben überein: Röm. 5,20, das Gesetz sei neben eingekommen, auf dass die Sünde mächtiger würde. Also sei es eine Todesanstalt, da es Zorn erwecket und den Tod bringet. Denn um so mehr vergrößert sich ohne Zweifel die Sündenschuld, je deutlicher sich das Gewissen derselben bewusst wird, weil die Übertretung alsdann ein Trotz gegen den Gesetzgeber wird. Das Gesetz erregt also Gottes Zorn zum Verderben des Sünders, weil es an sich nur anklagen, verdammen und verderben kann. Wie auch Augustinus schreibt:
Wenn der Geist der Gnade fehlt, ist es nur da, um zu verklagen und zu töten.
Dadurch verliert jedoch das Gesetz weder an Ansehen noch von seiner Vortrefflichkeit. Wahrlich die Erkenntnis des Gesetzes würde allein schon zu unserm Heile hinreichend sein, wenn unser Wille zum Gehorsam gegen dasselbe ganz geschickt und geeignet wäre; aber da unser fleischliches, verderbtes Wesen gegen das geistige Gesetz Gottes feindselig streitet, und durch die Zucht desselben nichts gebessert wird: so muss das Gesetz, welches, wenn es folgsame Hörer gefunden hätte, zum Heil gegeben war, eine Ursach zur Sünde und zum Tode werden.“ J. Calvin, Instit. II.
Als Gottfried Daniel Krummacher nach Baerl gekommen war, stand er dem Leben aus Gott noch ganz ferne. Erst das Wort des gottesfürchtigen Gerd, dass doch der Heilige Geist in reichem Maße über ihn kommen möge, ergriff ihn aufs innerste und warf ihn zu Hause auf die Kniee. Er fühlte die Heiligkeit des Gesetzes und seinen Tod und seine gänzliche Verwerflichkeit vor Gott. Die Angst vor dem heiligen Richter droben drohte ihm den Atem abzudrücken. Viele Nächte hindurch rang er unter heißen Seufzern mit dem Herrn. Einst besuchte ihn Gerd und als nun Krummacher in den ergreifendsten Klagen sein Herz ausgeschüttet, lachte er schier vor Freuden. Wie, rief der Bedrängte, Ihr könnt zu meinem Elende lachen? Ich sehe, Herr Prediger, war die Antwort, dass der Morgen anbricht; ja, ja, so muss es gehen: in zerbrochenen Herzen will Jesus wohnen. Damals fuhr aus allen Winkeln der Stachel des Gesetzes auf ihn los; von allen Seiten wurde ihm seine Sündhaftigkeit und gänzliche Verwerflichkeit vor Gott aufgedeckt. Der gesegnete englische Prediger Thomas Adams zu Wintringham hatte sich aus der weltlichen Gesinnung in den Mystizismus geflüchtet. Dennoch konnte ihm dieser keinen Frieden geben. Er kreuzigte sich zwar aufs strengste und erfüllte seine vielfältigen Pflichten aufs genaueste. Aber bei all dem fühlte er immer mehr vor dem Gesetze Gottes seine Sündhaftigkeit und den Fluch desselben. Erst im Jahre 1748 erbarmte sich seiner der Herr und schenkte ihm in den sechs ersten Kapiteln des Römerbriefes, an dem er sich vorher stets gestoßen, klar und tief in das seligmachende Geheimnis unserer Rechtfertigung durch Christum hineinzuschauen.
Das Gesetz ist an sich selbst ein gutes Ding; denn es zeigt uns den Willen Gottes an, und dennoch gereicht es uns zum Tode. Nicht dass das Gesetz an sich selbst uns zu töten vermöchte, sondern durch das Gesetz erkennen wir, dass wir, wenn wir demselben nicht nachkommen, des Todes würdig seien. Also tötet uns der Buchstabe des Gesetzes 2. Kor. 3,6; Röm. 7,10. Demnach erlernen alle Menschen an dem Gesetze: du sollst Gott aus allen Kräften lieb haben, dass sie des Todes würdig sind. Denn es ist niemand, der nicht entweder andere Dinge mehr als Gott lieben würde, oder nicht Gott öfters vergäße. Daher empfindet ein Jeder, dass er billig verdammt wird nach der Gerechtigkeit Gottes.“ Huldr. Zwingli.
S. z. Fr. 115 des Kat.
Die Alten pflegten zu sagen: der Teufel habe zwei Spiegel, welche er den Menschen vorhalte. Der erste ist der Verkleinerungsspiegel, darin macht er die Sünde gar klein und gering, und hält denselben dem Menschen vor, wenn er ihn zur Sünde reizen und treiben will. Der andere ist der Vergrößerungsspiegel, darin macht er die Sünde gar groß und dick, und hält dieselbe dem Menschen vor, wenn er ihn in dieselbe gebracht und gestürzt hat. Mit dieser List betrügt der Teufel sehr viele Menschen, dass sie entweder mit großer Lust die Sünden wider das Gewissen begehen, oder hernach in Anfechtung wegen der Sünde verzweifeln. Dawider sollen wir uns also rüsten, dass wir zuvor bedenken, welch ein schwer und gefährlich Ding es um die Sünde sei; wenn wir aber je in Sünde geraten sind, sollen wir bedenken, dass Christi Verdienst und Gottes Barmherzigkeit viel größer sei als unsere, ja als der ganzen Welt Sünde
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DER HEIDELBERGER KATECHISMUS erklärt(Frage 4.)

Beitrag von Joschie »

4. Frage: Was fordert denn Gottes Gesetz von uns?

Dies lehrt uns Christus mit folgenden Worten: »›Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Denken‹. Das ist das erste und größte Gebot. Und das zweite ist ihm vergleichbar: ›Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst‹. An diesen zwei Geboten hängen das ganze Gesetz und die Propheten.«


Frage 4.
Was die Liebe sei, davon sagt, Augustinus (de doctr. christ.) also: Ich nenne die Liebe eine Bewegung des Gemüts, zu lieben Gott um sein selbst willen, und sich selbst und den Nächsten von Gottes wegen. Also spreche ich nun auch, dass die Liebe sei eine Gabe, die dem Menschen vom Himmel herab gegeben, dadurch er Gott vor allen Dingen und über alle Dinge von Herzen liebet, und seinen Nächsten als sich selbst. Darum so hat die Liebe ihren Ursprung vom Himmel, von wo sie in unsere Herzen gegossen wird. Dieselbe nimmt aber zu und wächst durch Erinnerung und Betrachtung der Wohltaten Gottes, item durchs Gebet und Zuhören und Üben des Wortes Gottes, welches auch alles selbst Gaben Gottes sind. Darum spricht St. Paul (Röm. 5): die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, welcher uns gegeben ist. Denn die Liebe Gottes, mit welcher er uns liebet, ist der Grund und die Ursache der Liebe, mit welcher wir Gott wiederum lieben. Und aus diesen beiden fließt dann auch die Liebe des Nächsten, wie Johannes der Apostel sagt 1. Joh. 4: Wir lieben ihn, denn er hat uns zum ersten geliebt. Item, welcher den liebet, der ihn geboren hat, der liebet auch den, der von ihm geboren ist. 1. Joh. 5,1. „Wollen auch besehen etliche Zeugnisse der h. Schrift, aus welchen wir der Liebe Art und Eigenschaft desto besser mögen erkennen. So schreibt Paulus an die Korinther 1. Ep. 13,4-7: Die Liebe ist langmütig und freundlich usw. Und zu den Römern Kap. 12 spricht er, die Liebe komme den anderen Leuten mit Ehrerbietung zuvor, sie nehme sich der Heiligen Notdurft an, sie sei gastfrei und strebe danach, dass sie gern beherberge, sie rede wohl auch denen, die sie verfolgen, sie freue sich mit den Fröhlichen und weine mit den Weinenden, sie habe Mitleiden mit den Schwachen: Item, er spricht auch in derselben Epistel (Kap. 13,8-10):
Seid niemand nichts schuldig, denn dass ihr einander liebet, usw. So ist nun die Liebe des Gesetzes Erfüllung.“
H. Bullinger, Hausbuch. Vgl Gal. 5,14 und 3. Mos. 19,18.
Wie soll die Liebe Gottes sein? Nicht von geteiltem, sondern von ganzem Herzen, von ganzer Seele usw. Was ist das, den Nächsten lieben als sich selbst? Wie der Herr befohlen: Was du willst, dass dir die Menschen tun, tue du ihnen auch also. Die Gesinnung: Was Gott mir gibt, sollst du auch haben, mein Bruder, ja habe du Alles, es wird für mich schon etwas übrig bleiben, denn Gott ist mein Teil; die Gesinnung, welche in Christo war, der ob er wohl in der Gestalt Gottes war, sich erniedrigte und entleerte um unseretwillen. – Wer ist unser Nächster? der, auf den wir von unserer vermeinten Höhe herabsehen.
Kohlbrügge, Katech.
Welche sind die Gebote, die in Ewigkeit nicht aufgehoben werden? Antwort: diejenigen, in welchen das Gesetz und die Propheten begriffen sind. Matth. 22,37 ff. Du sollst lieben Gott usw. Alles, was nun die zwei Gebote in der ganzen heiligen Schrift berührt, das ist man schuldig zu halten in Ewigkeit.
Zwingli.

Galeazzo Caracciolo, Markgraf von Vico, durch Peter Martyr, den gewaltigen Wahrheitszeugen des sechzehnten Jahrhunderts an das italienische Volk, zur Erkenntnis der evangelischen Wahrheit geführt, verließ. wie so viele andere, aus Liebe zu dem Herrn und seinem Wort, Vaterland, Weib und Kind im Frühjahre 1551, da letztere dem Papsttum nicht entsagen und ihm nicht folgen wollten, und zog nach Genf, um dort als ein schlichter Bürger seinem Gott dienen zu können. Liebet Gott euren Vater! war das letzte Wort, welches der Basler Reformator Oekolampad seinen Kindern im Sterben zurief.

Als Wolfgang Musculus Prediger zu Augsburg war (1531), besuchte er täglich die von der Obrigkeit ins Gefängnis gesetzten Wiedertäufer und tat alles, ihre Liebe und Zutrauen zu gewinnen. Da einige von ihnen sehr angegriffen waren von der Kerkerluft, brachte er ihnen stets kräftige Speisen mit. Obgleich diese Leute ihn anfangs schmähten und von sich wiesen als einen falschen Propheten, ließ er sich doch nicht beirren. Mit der Zeit besiegte er sie durch sein Auftreten, dass sie ihn um eine Unterredung baten und sich für die Wahrheit gewinnen ließen. In ähnlicher Weise trat gegen diese Gegner der Kindertaufe ein anderer Gottesgelehrter, Franz Junius, in der belgischen Provinz Limburg im Jahre 1567 auf, wodurch er am besten der Tätigkeit dieser Leute entgegenarbeitete.
Liebe, erwirbt Liebe. Sie verträgt alles, sie glaubet alles, sie hoffet alles, sie duldet alles. 1. Kor. 13,7.

Zu Gnadenhütten in Nordamerika wohnte einmal ein heidnischer Mohikaner einem christlichen Gottesdienst, bei. Die Predigt handelte von der großen Liebe Gottes in der Erlösung durch Christum. Am Schlusse des Gottesdienstes fragte dieser Heide einen bekehrten Indianer, ob denn alle, die in der Kirche seien, die Liebe Gottes fühlten.
Das kann ich nicht sagen“, war die Antwort, „wer aber an Jesus glaubt, der fühlt sie. Ich will dir ein Gleichnis sagen. Wenn hier auf dem Tisch ein köstliches Essen stände, so würden doch nur diejenigen es schmecken, welche davon essen. So ist es auch mit der Liebe Gottes. Wer von Herzen an Jesus glaubt, der genießt und schmeckt sie und er kann auch davon sprechen. Die andern kennen sie nicht.


Der zu Amsterdam am 4. April 1728 gestorbene Prediger Hero Sibersma schreibt in seiner vortrefflichen Auslegung unseres Katechismus: Wenn wir Gottes Herrlichkeit liebten, würden wir sie überall lieben, und darum auch, wenn sie an unserm Nächsten geoffenbart wird. Desgleichen, wenn wir Gott als Schöpfer liebten, würden wir aus Respekt vor ihm unsern Nächsten lieben, der auch sein Geschöpf ist, und zwar aus einem Blute mit uns. Ja, so wir Gottes Gültigkeit liebten, so würden wir sie auch lieben, da sie an und über unsern Nächsten bewiesen wird. Auch würden wir seinen Willen preisen, der nicht allein unsern Nächsten hat segnen wollen, sondern auch uns ihn zu segnen befohlen hat. Und also würde man keinen Neid finden. Weiter, so wir Gott und sein Recht liebten, würden wir uns an unserm Nächsten nicht rächen, sondern Gott die Rache überlassen. Tue dabei: so wir Gottes Exempel liebten, so würden wir selbst unsere Feinde lieben, weil Gott uns als solche geliebt hat. O Liebe, ruft der alte Kirchenlehrer Anselm von Canterbury aus, wie groß ist dein Band, welches nicht allein die Engel mit Gott, sondern auch Gott und Mensch auf wunderbare Weise verbunden hat! Du hast Gott auf die Erde gezogen, an die Säulen gebunden, ans Kreuz geheftet, ins Grab verschlossen und bis zur Hölle gezogen. Was hat wohl dieses alles bewirkt, wenn nicht die Liebe und der Durst nach unserem Heile? O, härter als Stein und Erz sind die, welche das Band einer solchen Liebe nicht aufwärts zieht zu Gott, von dem es zuvor Gott herunter gezogen hat zu den Menschen. Pictet singt in seinen Liedern:

Komm’ mir mit deiner Gnad’ zu Hülf, du Treuer!
Mein Herz ist ohne dich eiskalt und hart wie Stein;
Entzünde es mit deinem Liebesfeuer.
Ach, möcht’ ich gegen dich ganz’ Liebe sein!

Liebe ist des Gesetzes Erfüllung. Liebe kommt hervor aus Achtung und Gehorsam. Es ist aber bei uns, als aus uns, keine Achtung und Gehorsam Gottes da, folglich auch keine Liebe. Der Katechismus will uns aber durch Überzeugung, wie elend wir sind, hinleiten zu dem tätigen und leidenden Gehorsam des zweiten Adams, Christi. Nur in diesem Gehorsam werden wir als Gerechte hingestellt, wenn wir glauben an seinen Namen.
Kohlbrügge.
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DER HEIDELBERGER KATECHISMUS erklärt(Frage.5)

Beitrag von Joschie »

5. Frage: Kannst du das alles vollkommen halten?

Nein, denn ich bin von Natur aus geneigt, Gott und meinen Nächsten zu hassen.


Frage 5.
Kannst du dies Alles vollkommen halten?
Warum fragt der Katechismus: Kannst du dies Alles vollkommen halten? Weil wir meinen,
dass, wenn wir unser Bestes getan haben, Gott es doch so genau nicht nehmen wird, und dass, wenn wir neun Gebote gehalten haben, Gott uns das zehnte wohl schenken möge.
Kohlbrügge.
Das Streben des Fleisches ist Feindschaft gegen Gott, Röm. 8,7. Wir bekennen und bezeugen, dass wir arme, elende Sünder sind, empfangen und geboren in aller Bosheit und Verderbnis, geneigt zu allem Bösen, unnütz zu einigem Guten, und dass wir mit unserm sündiges Leben ohne Unterlass deine heiligen Gebote übertreten. Gebet vor der Predigt.
„Ich bin fleischlich, unter die Sünde verkauft.“ Röm. 7,14.
Ich bin von Natur geneigt, Gott und meinen Nächsten zu hassen.‘ Auf diese natürliche Neigung gründet sich unser sündhafter und verderbter Zustand, nicht auf die Ausbrüche der Sünde, die deren Wirkungen und Folgen sind; auch ist das Verderben nicht danach zu bemessen, ob diese Ausbrüche gröber oder feiner sind. Die natürliche Neigung des Menschen ist auf das gerade Gegenteil von dem gerichtet, was Gott in seinem Gesetze von uns fordert: Gott und den Nächsten zu lieben. Und diesen Gegensatz drückt der Katechismus in seiner ganzen Schärfe aus: geneigt, Gott und den Nächsten zu hassen. O. Thelemann.
In Röm. 7,14 ff. hält St. Paulus das Gesetz und des Menschen Natur gegen einander, auf dass offenbar werde, woher des Menschen Elend komme, nämlich nicht aus dem Gesetz, welches ein heiliges Gebot ist, sondern aus der verderbten Natur. Danach setzt er ein Exempel eines neugeboren Menschen, in welchem die hinterstellige Sünde wider den Geist also streitet und oft die Oberhand behält, dass kein heftigerer, größerer Kampf ist denn der des Geistes und Fleisches. Nun ist Gottes Gesetz geistlich, der Mensch aber fleischlich, darum vergleichen sie sich mit einander, wie das Licht sich vergleicht mit der Finsternis. Er sagt aber, dass das Gesetz geistlich sei, es erfordert geistlichen Verstand und geistliche Sinne, geistliche Affekte und Bewegung, und eine himmlische Frömmigkeit und Gerechtigkeit, darin kein Tadel und Mangel ist. Ich aber, spricht er, bin fleischlich, das ist, ich bin gar anders und gar wider das Gesetz gesinnt, dass ich ihm nicht kann gehorsam sein, denn ich bin der Sünde unterworfen, die im Fleische herrscht, und bin wie ein leibeigener Knecht, der gehen muss, wohin ihn sein Herr treibt. Denn also treibt die sündige Art im Menschen, dass Herz, Gemüt und alles Tun zu Sünden geneigt ist, dass der Mensch wider seinen Willen tun muss, was er doch nicht tun will, und hat auch keinen Gefallen daran und weiß nicht, wie er in das Übel gerät, dass er nicht tut, was er will, sondern das, was er hasset und für Sünde und Unrecht hält. Daraus denn folget, dass der erneuerte Mensch das Gesetz für gut und für ein heiliges Gebot hält und Lust habe, dasselbe zu erfüllen, und werde doch von der Sünde, die im Fleische stecket, wider das Gesetz zu tun getrieben, und muss der Sünde Gefangener sein. Hieraus hört ihr, dass, obwohl ein Mensch zu Gottes Bild erneuert wird durch den Geist Gottes, der das Gesetz wieder in sein Herz pflanzet, dass er Lust zum Gesetze hat und von Herzen gern und mit Freuden wollte nach dem Gesetze und Gottes Geboten leben, so stecke doch eine solche Unart in seinem Fleische, die ohne Unterlass wider den neuen Menschen streitet und eine Untugend nach der andern erregt, darum der Mensch Gott und seinen Nächsten nicht kann vollkommen lieben, und dass solche Sünde Fleische eine Ursache ist, des Todes und alles Unglückes, und nicht das Gesetz Gottes. Denn obwohl das Gesetz in den Leuten, die noch gar fleischlich sind, nur den Tod und die Verdammnis wirkt, weil es die Sünde offenbart und straft und Gottes Zorn dräuet, so bringt es doch in den Neugeborenen gute Früchte, und ist allein das Fleisch hinderlich, dass es nicht lebendig machet. Daher denn der stete Streit des Fleisches wider den Geist und des Geistes wider das Fleisch.
Georg Spindler.
Alles schreit nach Liebe, was die Stacheln der Wahrheit fühlt, um mit der Liebe die Wahrheit an den Galgen zu hängen und fortzuleben, wie man gelebet hat. A. Zahn.
Von dem Hasse der Menschen gegen Gott und den Nächsten gibt uns besonders die Kirchengeschichte die
meisten Beispiele an die Hand, wie denn „dieselbe im Grunde nicht viel mehr ist, wie der Londoner Prediger John Newton bezeugt hat, als eine Erzählung der Schändlichkeiten, zu welchen Leidenschaften, Vorurteile und eigennützige Absichten unter dem Vorwande und dem missbrauchten Ansehen der Religion die Menschen verleitet haben.“
Es sind nicht bloß die Römischen welche seit den Tagen der Reformation die Bekenner des Evangeliums ihren Hass fühlen lassen, es sind es auch die eigenen Hausgenossen, welche die treuen Zeugen der Wahrheit im wie außer dem Predigerstande bis heute verfolgen. Denken wir an die Reformatoren, besonders an Calvin, der sich für Gottes Kirche aufopferte und doch sogar noch in unseren Tagen, von sogenannten Reformierten, als ein hartherziger Mann ausgeschrien und gehasst wird; denken wir an den mutigen Reformator Schottlands, John Knox, den bedeutende Geschichtsschreiber heute noch zu einem Fanatiker stempeln.
Wie die Geneigtheit da ist, so ist auch die Wirklichkeit. Wer empfindet nicht Hass Gottes,
weil Gott ihn und sein Tun straft; wer möchte nicht manchmal wollen, Gott nähme es nicht so ernst mit der Sünde und zürne nicht so gewaltig dagegen. Der Mensch ist so sehr Gottes Feind, dass er sich durchaus nicht bekehren will und lieber mit der ganzen Welt umkommt und seinen bösen Willen und Lust durchsetzt, wenn Gott ihm nicht mit allmächtiger Liebe zuvorkommt und ihm zu stark wird. Und wie tief in dem Menschen der Hass seines Nächsten steckt, beweist die schreckliche Eigenliebe, beweist der Brotneid, und allermeist der theologische Hass und die geheimen und offenbaren Verfolgungen wider den Gerechten. Kein Kind sucht von sich selbst Gott, nimmt von sich selbst Gottes Wort zur Hand, um seine lieblichen Worte zu lesen; kein Kind leidet von sich selbst, dass dem Brüderchen was mehr gegeben werde als ihm. Kohlbrügge.
„Saulus schnaubte mit Drohen und Morden wider die Jünger des Herrn.“ Apg. 9,1.

Oberst Gardiner hatte eine solche Fertigkeit im Bösen, dass selbst die ungewöhnlichsten, wunderbaren Errettungen aus Todesgefahr keinen Eindruck auf ihn machten. Doch ward er am Tage der Kraft Gottes willig gemacht, dem Herrn sich zu ergeben. Der berühmte Londoner Wahrheitszeuge Johann Newton, vorher ein Seemann, schreibt von sich: Wenn es sich handelt um die Geduld und Langmut Gottes, um das wundervolle Dazwischentreten seiner Vorsehung zu Gunsten eines unwürdigen Sünders, um die Kraft seiner Gnade in Erweichung des härtesten Herzens, um den Reichtum seiner Barmherzigkeit in Vergebung der schrecklichsten und gehäuften Schulden, so weiß ich in der Tat kein mehr außerordentliches Beispiel als mein eigenes. Ein europäischer Zimmermann arbeitete in seiner Werkstatt in Neuseeland, dessen Bewohner von Natur sehr zornig sind und die kleinste Beleidigung mit dem Herzblut ihrer Gegner abwaschen. Ein solcher Neuseeländer hatte für den Zimmermann im Tagelohn gearbeitet und trat in die Werkstatt, um zu warten, dass ihm der Lohn ausbezahlt würde. Der Zimmermann fuhr ihn an, hieß ihn, sich hinauspacken, und als jener ganz sanftmütig erwiderte, er wolle nicht hindern, fiel der erzürnte Europäer über ihn her, trat ihn mit dem Fuß und schlug ihn. Der Neuseeländer ließ dies geschehen. Als aber der Europäer aufgehört hatte, fasste der Neuseeländer ihn mit einer Hand, warf ihn, als wäre er ein Kind, gegen die Wand, griff nach einem Beil und schwang es über seinem Haupt. „Jetzt siehst du“, sprach er, „dass dein Leben in meiner Hand ist. Du verdankst es nur dem Evangelium. Du merkst wohl, mein Arm ist stark genug, dich zu töten. Mein Arm will dich totschlagen, aber mein Herz sagt nein; denn ich habe die Missionare predigen gehört. Wäre mein Herz noch so finster wie vormals, als ich das Evangelium noch nicht kannte, so würde ich dir den Kopf jetzt abhauen.“ Er ließ ihn los und tat ihm auch nicht das Geringste zu leid.
Das tut das Evangelium. Röm. 12,19.20: Rächet euch selber nicht, meine liebsten, sondern gebet Raum dem Zorn (Gottes); denn es steht geschrieben: die Rache ist mein ich will vergelten, spricht der Herr. So nun deinen Feind hungert, so speise ihn, dürstet ihn, so tränke ihn. Wenn du das tust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln.
Das Pferd wird gerüstet für den Tag des Kampfes, aber der Sieg kommt von dem HERRN. Spr. 21,31

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DER HEIDELBERGER KATECHISMUS erklärt(Frage.6)

Beitrag von Joschie »

6. Frage: Hat denn Gott den Menschen so böse und verkehrt erschaffen?

Nein. Gott hat den Menschen gut und nach seinem Ebenbild erschaffen, das bedeutet: wahrhaft gerecht und heilig, damit er Gott, seinen Schöpfer, recht erkenne, von Herzen liebe und in ewiger Seligkeit mit ihm lebe, ihn zu loben und zu preisen.


Frage 6.
Woher kommt denn solche verderbte Art des Menschen?
Der Mensch war anfänglich gut und nach Gottes Ebenbild geschaffen. Das Bild Gottes war das Element seines anfänglichen Daseins. Indem die Menschen gemacht sind im Bilde Gottes, sind sie damit zugleich gemacht, wie 1. Mos. 1,26 besagt, gemäß der Gleichheit Gottes. Wie nun die Pflanze im Sonnenlicht und die Muschel im Meereswasser alles findet, was da dient, um ihre Eigenschaften recht zu entfalten und in voller Herrlichkeit dazustehen, so auch der Mensch im Bilde Gottes. Hier entfaltete er sich seiner Bestimmung gemäß, indem er hier so recht in seinem Elemente war. Das wird bezeichnet durch den Ausdruck: ‚Lasset uns Menschen machen – gemäß unserer Gleichheit.‘ Nach dieser Gleichheit geschaffen war der Mensch gut; er war unschuldig, gerecht und wahrhaft heilig. Er hatte vor seinem Falle das Wollen und Vollbringen des Guten, und es floss aus seiner von Gott erschaffenen Natur, gut zu sein und zu handeln. Dr. E. Böhl.
Worin die Erneuerung des Bildes Gottes in dem Menschen besteht (Eph. 4,24), darin bestand dieses auch anfänglich. Nun bestehet jene in Gerechtigkeit und Heiligkeit. Darum ist das Bild Gottes, darin der Mensch im Anfang geschaffen war, gewesen eine Gleichförmigkeit mit Gott in Gerechtigkeit und Heiligkeit. Es hat zwei Teile: Weisheit und Heiligkeit. Belangend die Weisheit, sagt Paulus: Ziehet an den neuen Menschen, der geschaffen ist in Erkenntnis nach der Gleichnis, dessen der ihn geschaffen hat. Diese Weisheit besteht in drei Stücken: 1. Dass er Gott seinen Schöpfer vollkömmlich kannte. Denn Adam vor dem Falle kannte Gott, soviel einem Geschöpf gebührte, von seinem Schöpfer zu wissen. 2. Er wusste seinen Willen, so viel ihm zu wissen nötig war, seinen Gehorsam zu erzeigen. 3. Er wusste die Weisheit und den Willen seines Schöpfers in Betreff der einzelnen Kreaturen. Denn als Adam geschaffen war, brachte Gott alle Kreaturen zu ihm als ihrem Herrn und Könige, dass er ihnen Namen geben sollte. Hieraus ist zu sehen, dass Adam vor dem Fall die Namen aller Dinge gekannt, samt der Weisheit Gottes in derselben Erschaffung, sonst hätte er ihnen nicht die rechten Namen geben können. Und da Gott die Eva zu Adam brachte, kannte er sie alsbald und sagte: Das ist Bein von meinen Beinen usw. Der zweite Teil des Bildes Gottes im Menschen ist Heiligkeit und Gerechtigkeit, welche nichts anders ist, als eine Gleichförmigkeit des Willens und der Affekten, und dass er sich an Leib und Seel richtet nach dem Willen seines Schöpfers. Doch hatte Adam vor dem Fall einen solchen Willen, der frei und wandelbar war, also dass er Gutes oder Böses konnte wollen. Wir müssen nicht meinen, dass der Wille des Geschöpfes unwandelbar gut sei. Gott ist allein unwandelbar und wird dadurch als ein Schöpfer vom Geschöpf unterschieden. Und hier haben wir zwei Stücke zu bedenken: 1. Warum der Mann genannt wird Gottes Bild, und nicht das Weib. Antwort: Er wird also genannt, nicht als wäre er allein heilig und gerecht, denn dies ist beiden gemeinsam, sondern weil ihm mehr äußerliche Vortrefflichkeit und Würdigkeit gegeben war als der Frau. 2. Warum Christus Gottes Bild genannt werde? Antwort: Um zweier Ursachen willen:
1. Weil er ist eines Wesens mit dem Vater und dessen vollkommenes Bild, und wie Paulus Hebr. 1,3 schreibt, der Schein seiner Herrlichkeit und das ausgedrückte Bild seiner Person. 2. Weil Gott, der unsichtbar ist, sich selbst in Christo offenbar gemacht, in welchem als in einem Spiegel wir anschauen mögen die Weisheit, Güte, Gerechtigkeit und Barmherzigkeit Gottes.
Das 2. Stück ist die Würdigkeit der Person des Menschen Hebr. 2,7, welche in 4 Stücken bestehet: 1) in der seligen Gemeinschaft mit dem wahren Gott. Denn Paulus sagt von den unberufenen Heiden (Eph. 4,18), dass sie fremd gewesen von dem Leben Gottes. Daraus wir im Gegenteil abnehmen können, dass unsere Ersteltern vor dem Fall gehabt ein göttliches Leben, welches nichts anders ist, als hier auf Erden ein solches Leben zu führen, dass das Geschöpf habe eine selige Gemeinschaft mit Gott ohne Mittel. Diese bestand darin, dass Gott sich auf eine besondere Weise dem Menschen offenbarte, so dass sein Leib und seine Seele waren ein Tempel des Schöpfers. Diese Gemeinschaft erwies sich in dem gemeinsamen Umgang, welcher dem Menschen gestattet ward. 2) Darin, dass der Mensch gemacht ist zum Herrn und König über alle Kreaturen, wie David sagt Ps. 8,7; 1. Mos. 1,28. 3) Vor seinem Fall hatte er eine wunderbare Herrlichkeit und Majestät über alle Kreaturen an seinem Leibe. Ps. 8,6; 1. Mos. 9,2. 4) War seine Arbeit vor dem Fall ohne Pein und Mühe.
Nun folgt das 3. Stück: der Beruf des Menschen vor dem Fall. Dieser ist ein besonderer und ein allgemeiner. Der besondere bestand darin, zu gehen in den Garten Eden, denselben zu bewahren, die Bäume und Früchte desselben zu handhaben. – Der allgemeine aber darin, seinen Schöpfer zu ehren und ihm zu dienen, wozu er durch das Recht der Schöpfung verbunden war, denn das Gesetz der Sitten war von Natur in sein Herz geschrieben. Dieses ist begriffen in den zehn Geboten. – Hier müssen wir drei Dinge bedenken: den Ort, wo Adam Gott verehrte; die Zeit, und sodann die Sakramente. 1. Gott hat von Anfang einen Ort gehabt, wo er wollte als Gott geehrt sein, der genannt wird Gotteshaus, welches war der Garten Eden, wo Gott sich selbst seinem Geschöpf offenbarte. Betreffend die Zeit des Gottesdienstes war solche der siebente Tag oder Sabbat von Anfang der Welt, welches Heiligung kein zerimonalisches Gesetz gewesen. Betreffend die Sakramente, so gab es zwei: der Baum des Lebens, welcher den Menschen versicherte, dass er allezeit leben würde, so lange er Gottes Gebote hielte; und der Baum des Erkenntnisses Gutes und Böses, welcher dazu diente, dass Adams Gehorsam gegen Gott an demselben geübt würde, denn er bezeugte, dass der Mensch sterben würde, wenn er Gottes Gebot überträte. Seine Benennung zeigt an, dass der Mensch, wenn er dieses Gebot überträte, Gutes und Böses in sich selbst finden würde. 4. folgt nun der Zweck, zu dem der Mensch erschaffen worden, nämlich um zweier Ursachen willen: 1. damit ein Geschöpf wäre, welchem sich Gott selbst offenbarte, welches auf eine besondere Weise erkenne und verkündigte seine Weisheit, Güte. Barmherzigkeit in der Schöpfung des Himmels, der Erde und aller Dinge, die darinnen sind, wie auch seine Vorsehung in Regierung derselben. 2. Gleichwie Gott beschlossen hatte, seinen Namen herrlich zu machen in Erklärung seiner Barmherzigkeit und Gerechtigkeit an seinen Kreaturen, also hat er danach auch den Menschen erschaffen, damit er an etlicher Seligmachung seine Barmherzigkeit erzeigte, und seine Gerechtigkeit an etlicher wohlverdienten und gerechten Verdammnis. Wilh. Perkins.
Derselbe schreibt:
Die besonderen Teile des Menschen sind zwei: Leib und Seele. Die Ursache, warum Gott gewollt hat, dass er aus diesen zwei Teilen bestehen sollte, ist diese: Etliche Geschöpfe waren allein leiblich, als Tiere, Fische, Vögel, etliche geistlich, als die Engel. Der Mensch aber ist beides, geistlich an der Seele, leiblich und empfindlich in Betreff des Leibes, damit nichts mangelte an der Vollkommenheit der Natur. So man sagt, dass der Mensch habe drei Teile: Leib, Seel und Geist, wegen 1. Thess. 5,23, so ist dies die Antwort, dass durch den Geist verstanden wird der Verstand, dadurch wir etwas verstehen; durch die Seele der Wille und die Affekten. Darum sind diese zwei keine zwei Teile, sondern zwei verschiedene Kräfte einer und derselben Seele.“ Licht, Liebe, Leben und die drei Worte mit dem bedeutsamen Inhalte, den unser Bekenntnis ihnen einräumt, wurzelnd in Gottes dreimal heiligem Wesen, widerstrahlend in seinem Ebenbilde und dadurch dasselbe verklärend, sie bilden den tiefen, seligen Akkord, in welchem die Krone der Schöpfung ihr Loblied dem Höchsten darzubringen berufen war. Gott hatte seinem Ebenbilde dazu die Stimme gebildet. Herm. Dalton.
In der Nähe von Neusalz an der Oder hielt ein Lehrer einen Vortrag, in dem er seine Zuhörer darauf hinwies, bei allem immer das Wohl der Seele in acht zu nehmen. Da stand hernach ein junger Mediziner auf und erklärte: sein Meister, Professor Virchow, habe schon viele Menschenschädel untersucht, aber eine Seele habe er noch nie gefunden. Alles horchte auf. Der Lehrer fragte ruhig: „Hat Herr Virchow Verstand?“ Entrüstet über die Frage, antwortet der junge Mann: „Das steht doch außer Zweifel!“ Der Lehrer fragte weiter: „Haben Sie seinen Verstand schon einmal gesehen?“ Der Mediziner errötete; die Bauern lachten hell auf; er griff nach seinem Hut und eilte davon.

Einst fand ein Kardinal während des Kostnitzer Konzils einen Hirtenknaben am Wege sitzen und weinen. Auf Befragen des Kardinales deutete der Knabe auf eine vor ihm liegende Kröte und sagte: „Ich traure darüber, dass ich es bis jetzt noch nie von Herzen erkannt und Gott dafür gedankt, dass er aus mir einen Menschen nach seinem Bilde, und nicht so ein hässliches Tier gemacht hat.“
Das Pferd wird gerüstet für den Tag des Kampfes, aber der Sieg kommt von dem HERRN. Spr. 21,31

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DER HEIDELBERGER KATECHISMUS erklärt(Frage.7)

Beitrag von Joschie »

7. Frage: Woher kommt denn diese böse und verkehrte Art des Menschen?

Aus dem Fall und Ungehorsam unserer ersten Eltern Adam und Eva im Paradies. Da ist unsere Natur so vergiftet worden, dass wir alle von Anfang an Sünder sind.


Frage 7.
Woher kommt denn solche verderbte Art des Menschen?
„Wir glauben, dass durch den Ungehorsam Adams die sog. Erbsünde sich über das ganze Menschengeschlecht verbreitet hat. Es ist aber die Erbsünde ein Verdorbenen der ganzen Natur, ein Erbschade, mit dem selbst die Kinder im Mutterleibe behaftet sind, und die wie eine giftige Wurzel alle Art von Sünde im Menschen hervorbringt, und sie ist so abscheulich vor Gott, dass sie genugsam ist, um das ganze Menschengeschlecht zu verdammen. Auch wird sie selbst durch die Taufe nicht gänzlich zunichte gemacht oder völlig ausgerottet, da die Sünde aus ihr als immerfort aufsprudelndes Wasser hervorkommt, gleich als aus einer unseligen Quelle; obgleich sie den Kindern Gottes nicht zur Verdammnis angerechnet, sondern aus reiner Gnade und Barmherzigkeit Gottes ihnen vergeben wird; nicht, damit sie in Sicherheit in der Sünde schlafen, sondern damit das Gefühl dieser Verderbtheit häufige Seufzer in den Gläubigen erwecke, damit sie desto sehnlicher wünschen, von diesem Leibe des Todes befreit zu werden. Hier verwerfen wir daher die Irrlehre der Pelagianer, welche behaupten, dass die Erbsünde nichts sei als Nachahmung.“
Niederländ. Glaubensbek. Art. 15.
„Unglaube war die Ursache des Abfalles von Gott. Der Unglaube aber erzeugte Eitelkeit und
Stolz, wozu sich der Undank gesellte, dass Adam der überschwenglichen Gnade Gottes, die ihn so ausgezeichnet hatte, dadurch schnöden Hohn sprach, dass er mehr begehrte, als ihm verliehen war.“
Calvin.
„Ich fürchte aber, wie die Schlange Eva verführte mit ihrer Schalkheit, also möchten auch euere Sinnen verrückt werden von der Einfältigkeit in Christo.“ 2. Kor. 11,3.
„Der Same der Schlange (1. Mos. 3,15) ist alles Fleisch. Alles was von Adam kommt, alles was durch den Willen eines Mannes geboren wird, ist von Natur ein Kind des Zorns, ein Kind des Teufels und des Todes; es befindet sich unter der Herrschaft des Teufels und der Sünde und ist der ewigen Verdammnis unterworfen.“ Kohlbrügge.
„Den Götzen Eigenliebe, das schnöde Seelengift, zerstör’ in mir!“ singt Fr. Ad. Lampe.
„Durch einen Menschen ist gekommen die Sünde – durch Eines Sünde die Verdammnis über alle Menschen.“ Röm. 5,12.18.
In Betreff des 3. Kap. des 1. B. Mose sagt Kohlbrügge in seiner trefflichen Erklärung desselben: Ist dies Wahrheit oder Dichtung? Wer ein Christ sein will und nicht ein Mohammedaner oder sonst ein Ungläubiger, der beweise dies allererste damit, dass er Gottes Wort ganz für Gottes Wort halte. Es ist augenscheinlich dass wir hier Geschichte vor uns haben. Es gebührt dem Menschen nicht, zu einer Dichtung umzuwandeln, was als ein Geschehenes durch Gottes Geist geschrieben ist. Die Sünde sitzt nicht in der Materie, nicht im Fleisch, wie manche schon geträumt, sondern sie hat unsere ganze Natur vergiftet.
„Ich bin ganz, mit meinem ganzen Menschen, mit Leib und Seele, mit Vernunft und Willen, mit allen Sinnen und Gliedern – fleischlich (Röm. 7,14), wie ich inwendig und auswendig lebe, ganz aus Fleisch geboren, aus ungerechtem Samen gezeugt und in Sünden empfangen: deshalben ist das Dichten und Trachten meines Herzens böse von Jugend auf, und immerdar bin ich ein Unreiner aus den Unreinen und ist des Herzens Grund eitel Sünde,
ja alles, was in und an mir sich reget und beweget, zugleich mit allen meinen Kräften. Begierden, Lüsten, Neigungen – meine ganze Beschaffenheit ist Sünde!“ Kohlbrügge.
Ein Beispiel von der Macht der Sünde im Menschen ist der im Jahre 1688 geborene englische Oberst James Gardiner. Er war hingegeben in tierische Lüste und in allerhand Unreinigkeit des Fleisches verfallen, verachtete Gottes Gebote und spottete über die erbarmende Gnade Gottes gegen ihn. Er hatte eine solche Fertigkeit im Bösen, dass selbst die ungewöhnlichsten Errettungen aus Todesgefahr keinen Eindruck auf ihn machten. Wie ein Brand aus dem Feuer wurde er später von Gott errettet. Wie weit die Sünde führen kann, zeigt das Verbrechen ohne Gleichen, die Vergiftung des Abendmahlskelches in der Nacht vom 11. auf den 12. November 1776 durch einen Ruchlosen in Zürich an der Stätte, welche der Verehrung Gottes gewidmet ist. Er wollte, wie Johann Kaspar Lavater bezeugt, Tod und Verderben durch das Mahl der Liebe. Tod und Untergang der Lehrer und Vorsteher der Kirche. – O Unglaube, wohin führst du? Noch rechtzeitig wurde die ruchlose Tat entdeckt, und so viele vor einem sicheren Tode bewahrt. Aber auch in denen, die durch Gottes Gnade in Christo sind, in den Wiedergeborenen, ist noch Sünde, wenn diese auch in ihnen bedecket ist. Ps. 32,2. Ja, sie gerade erkennen solche immer mehr.
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Joschie
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Re: DER HEIDELBERGER KATECHISMUS erklärt

Beitrag von Joschie »

8. Frage: Sind wir aber so böse und verkehrt, dass wir ganz und gar unfähig sind zu irgendeinem Guten und geneigt zu allem Bösen?

Ja, es sei denn, dass wir durch den Geist Gottes wiedergeboren werden.


Frage 8.
Sind wir aber dermaßen verderbt, dass wir ganz und gar untüchtig sind zu einigem Guten und geneigt zu allem Bösen?
Durch diese Übertretung, welche gewöhnlich Erbsünde genannt wird, ist jenes Bild Gottes im Menschen völlig verunstaltet worden und er und seine Nachkommen sind von Natur zu Feinden Gottes, Sklaven des Satans und Knechten der Sünde geworden, so sehr, dass ewiger Tod Macht und Herrschaft hat und haben wird über alle diejenigen, welche nicht vom Himmel wiedergeboren gewesen sind, sind oder sein werden. Diese Wiedergeburt wird durch die Kraft des heiligen Geistes hervorgebracht, der in den Herzen der Auserwählten Gottes festen Glauben an Gottes Verheißung, die uns durch sein Wort offenbart ist, wirkt; durch welchen Glauben wir Jesus Christus mit seinen unverdienten Gnadengaben und Wohltaten, die in ihm verheißen sind, erfassen. Eph. 2,1-3; Röm. 5,6.8; Joh. 3,5.6.15. Schottisches Glaubensbek. Art. 3.
Warum nennt die Schrift unsern angebornen Zustand, unser Fühlen, Denken und Wollen Tod? Weil wir in diesem Zustande tot sind für Gott, und er tot für uns, d. h. weil wir ganz gefühllos, unempfindlich und unempfänglich sind für Alles, was Gott ist, will und tut; für Alles, was er redet, bezeugt und wirkt, um uns zu belehren und zu sich zu ziehen; um uns zu gewinnen, zu erretten und zu beglücken, so dass es ganz unwirksam und vergeblich ist, und wir dabei bleiben, was und wie wir sind, nämlich entfremdet und fern von ihm, seine Feinde und Hasser, es sei denn, dass er uns lebendig mache durch die Stimme seiner Allmacht. J. Fr. Bula.
Christus hat durch seinen Tod die Macht genommen dem, der des Todes Gewalt hatte, das ist, dem Teufel; er hat den Tod abgeschafft und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht. Darum weiß er auch dieses Leben seinen erkauften Seelen durch den lebendig machenden Geist des Lebens wirklich mitzuteilen. Er hat Worte des ewigen Lebens, darum spricht er sein Zeugnis aus in die aller tiefsten Gründe der Seele und wirkt darin mit solcher Gottesmacht, bis endlich aus dem Tod das Leben hervorbricht und eine solche Seele sagen kann: Ich war tot, aber ich bin lebendig geworden, nun lebe ich, aber doch nicht ich, sondern Christus lebet in mir! Gal. 2,20. Ja, dieser Fürst des Lebens bläst den lebendigen Atem, den Geist des Lebens ein, wie dort in Adam, in die Totengebeine, die Ezechiel (37,10) auf dem Felde zerstreut sah, und in welche, da er über sie weissagte, der Geist des Herrn kam, dass sie lebendig wurden und sich auf ihre Füße richteten. J. Phil. Widder.
„Es sei denn, dass jemand von neuem geboren werde, kann er das Reich Gottes nicht sehen.“ Joh. 3,3.
Der Heilige Geist gesellt sich zu dem Menschen, dass es ihm nicht um das Mittel, sondern um Gott und sein Gebot geht, und er gesellt sich zu dem Mittel, dass er sich daran will verbunden wissen, da wirft er aber den lebendigen Samen in das Herz eines Menschen, das ist das lebendige und ewig bleibende Gotteswort; durch dieses Wort schafft er den Menschen um und macht ihn zum neuen Menschen, der vom Tode in das Leben übergeht. Aus Geist geboren werden ist: alles Vertrauen auf unser eigen Vermögen, Weisheit und Gerechtigkeit fahren lassen, und alles was in uns ist ganz und gar verdammen; denn wo solches geschieht, da weckt der Heilige Geist den Glauben, an welchem Glauben ein Mensch aus diesem Geiste ein ganz anderer Mensch wird, der im Herrn lebt und in dem Herrn seine Gerechtigkeit und Stärke hat und nicht mehr auf dem alten Stamme Adams erfunden wird.“ Kohlbrügge.
„Auf die Übertretung des Gebotes Gottes ist nach Gottes Drohung in den Menschen erfolgt der Tod und zwar dreierlei Tod, nämlich der geistliche (das Verderben der Natur des Menschen und die Unruhe des Gewissens), der leibliche oder zeitliche (einschließlich alles andere leibliche Ungemach) und der ewige Tod (die ewige Pein an Leib und Seel in der Hölle). Joh. Piscator, gestorb. als Prof. zu Herborn 1625.
Über die Wahrheit des Wortes: Der natürliche Mensch vernimmt nichts vom Geiste Gottes, erzählt ein Missionar folgenden Zug aus seinem Leben: „Als ich noch in Afrika war, machte ich mich je und je auf die Predigtreise. Einmal ritt ich in Begleitung meines Katechisten nach einem nahen Dorf, um zu predigen, und bald hatte sich ein Haufe jeglichen Alters und Geschlechts angesammelt. Ich predigte: wie alle Menschen Sünder seien und so unter dem Fluch und Zorn Gottes; wie aber Gott seinen lieben Sohn Jesus Christus gesandt hätte in die Welt, um uns zu erretten aus der Obrigkeit der Finsternis, und wie wir durch ihn glücklich und selig werden können usw. Nachdem ich fertig war, fragte einer: ‚Meister, hast du keinen Schnaps mitgebracht?‘ Ich war betrübt und dachte: soll das die Frucht meiner Predigt sein? Aber mir fielen obige Worte des Apostels ein, die ich als Titel obenan geschrieben habe.
Das Pferd wird gerüstet für den Tag des Kampfes, aber der Sieg kommt von dem HERRN. Spr. 21,31

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