74. Frage: Soll man auch die kleinen Kinder taufen?
Ja; denn sie gehören ebenso wie die Erwachsenen in den Bund Gottes und seine Gemeinde. Auch ihnen wird, nicht weniger als den Erwachsenen, in dem Blut Christi die Erlösung von den Sünden und der Heilige Geist, der den Glauben wirkt, zugesagt. Darum sollen auch die Kinder durch die Taufe, das Zeichen des Bundes, in die christliche Kirche als Glieder eingefügt und von den Kindern der Ungläubigen unterschieden werden, wie es im Alten Testament durch die Beschneidung geschehen ist, an deren Stelle im Neuen Testament die Taufe eingesetzt wurde.
Wir verwerfen den Irrtum der Anabaptisten, die nicht nur mit der einen und ein Mal unternommenen Taufe nicht zufrieden sind, sondern auch die Taufe von Kindern, die von gläubigen Eltern geboren sind, verwerfen. Wir aber glauben, dass sie auf dieselbe Weise zu taufen und mit dem Zeichen des Bundes zu besiegeln sind, wie einst in Israel die kleinen Kinder beschnitten wurden, nämlich wegen derselben Verheißungen, die unsern Kindern gemacht sind. (Matth. 19,14; 1. Kor. 7,14; 1. Mos. 17,11.12). Und in der Tat hat Christus nicht weniger Blut vergossen, um die Kinder der Gläubigen, als um die Erwachsenen (Kol. 2,11.12) abzuwaschen. Deshalb dürfen sie das Zeichen oder Sakrament dessen, was Christus um ihretwillen vollbracht hat, empfangen, wie im Gesetze der Herr befiehlt, das Sakrament des Todes und Leidens Christi den neugeborenen Kindern mitzuteilen, indem für sie ein Lamm dargebracht wird, was das Sakrament des kommenden Christus ist (3. Mos. 12,6; Joh. 1,19). Außerdem gewährt die Taufe den Kindern der Gläubigen jetzt dasselbe, was die Beschneidung dem jüdischen Volke gewährte. Und dies ist der Grund, weshalb Paulus die Taufe die Beschneidung Christi nennt (Kol. 2, 11).
Niederländ. Glaubensbekenntnis.
Diejenigen irren sehr, welche unsere reformierte Lehre als eine den baptistischen Irrtümern alter und neuer Zeit geneigte ansehen. Im Gegenteil haben unsere Reformatoren und vornehmsten Gottesgelehrten mit Macht jene widerlegt.
Unser Zwingli hat klar und deutlich in seinem Traktat von der Taufe die Rechtmäßigkeit der Kindertaufe nachgewiesen, ebenso unser Calvin im 4. Buche seiner Institution oder Unterweisung, Guido de Brès, der Verfasser des niederländischen Glaubensbekenntnisses, hat ein gründliches Werk geschrieben, betitelt: Die Wurzel, der Ursprung und das Fundament der Wiedertäufer, worin er dieselben aufs schärfste widerlegt. Vortrefflich ist auch, was Petrus Dathenus auf dem Gespräch zu Frankenthal mit den Wiedertäufern gehalten und Rommer 1571 gegen dieselben vorgebracht hat. Er sagt u. a.: Was die h. Schrift meldet von den Gläubigen, so versteht sie diese mit ihrem Samen oder ihren Kindern, wie alle Verheißungen Gottes darauf gehen. Weil nun genugsam bewiesen, dass nur eine Seligkeit, ein Weg zur Seligkeit, ein Name, dadurch alle Menschen selig werden, eine Versöhnung der ganzen Welt, ein Haupt und ein Leib ist, der durch Christum selig wird, fahren wir fort und wollen zu bedenken geben die Summa: dass der Bund Gottes mit Abraham und allen Gläubigen gemacht, ewig ist, dass die Kinder im Alten Testament das Bundeszeichen gehabt, dass die Gnade Gottes durch Christum nicht geschmälert, sondern ausgebreitet worden, dass der eine Bund Gottes, den Gott mit Abraham aufgerichtet, nicht aufgehoben, sondern bestätigt sei, und dass deswegen den Kindern das Siegel des Bundes nicht kann genommen werden. Die Erwachsenen, die in ihrem Alter erst berufen oder bekehrt und zu dem Bunde Gottes gebracht werden, darin sie zuvor nicht gewesen sind (wie Heiden und Juden), müssen erst gelehrt und danach getauft werden. Mit solchen wissen wir nicht anders zu handeln, denn Gott mit Abraham, da er zu seinem Bunde berufen worden. Dass Abraham mit Isaak, nachdem er in den Bund Gottes aufgenommen worden, ebenso gehandelt, lehrt die Schrift nicht, sondern das Widerspiel. Obgleich Abraham ist erst beschnitten worden, da er über 90 Jahre alt war, so ist doch Isaak am achten Tage beschnitten worden. Weil nun der Bund Gottes, den wir, von Natur Heiden gewesen, mit Abraham gemein haben, derselbe ist, den Abraham auch gehabt; so folgt, dass mit den erwachsenen Christen, da sie zum Bunde Gottes berufen werden, und nachmals mit ihren Kindern, die ihnen geboren werden, nachdem sie in dem Bunde Gottes sind, ebenso gehandelt werden soll, wie auch mit Abraham und seinen Kindern geschehen.
Da der Gläubigen Kinder ins Reich Gottes gehören und Christus will, dass man auf sie Achtung geben, sie aufnehmen und nicht ärgern soll, und des himmlischen Vaters Wille ist, dass nicht eins von den Kleinen verderbe, so kann jedermann schließen, dass sie in Gottes Gnaden, Gott angenehm und geheiligt seien. Darum die Unrecht tun, die nicht wollen zugeben, dass die Kinder die Taufe als ein Zeichen der innerlichen Heiligung empfangen. Denn wie Petrus von Cornelius und denen, die bei ihm in seinem Hause waren, spricht, Apg. 10,47: Mag auch jemand das Wasser wehren, dass diese nicht getauft werden, die den h. Geist empfangen haben gleichwie auch wir? also können wir auch sagen: Mag auch jemand wehren, dass der Gläubigen Kinder nicht getauft werden, die Gott in seinem Bund zu seinen Kindern aufgenommen, in seines Sohnes Reich versetzt und ihnen das ewige Leben verheißen hat?
Dies, dass man’s weiß, dienet ernstlich dazu, dass man verstehen könne, dass die Papisten Unrecht haben, die da meinen, dass man alle Menschen ohne Unterschied taufen soll. Darum fragen sie und disputieren, ob man ein Judenkind wider Willen und Wissen seiner Eltern taufen möge, und bedenken nicht, dass welchen die Verheißung und der Bund Gottes nicht zugehört, dass denselben auch das Siegel nicht zustehe, als da sind alle ungläubigen Türken, Juden und ihre Kinder. Denn obwohl die Juden im Bunde mit Gott gewesen, sind sie doch daraus gefallen von wegen ihres Unglaubens, und sind verworfen. Darum wie göttliche Verheißung ihnen nicht gilt, also stehet sie auch ihren Kindern nicht zu und der halben können und sollen sie auch nicht getauft werden, es sei denn, dass sie gläubig werden, dem Evangelium gehorsamen, ihres Glaubens gute Rechenschaft wissen zu geben und denselben öffentlich zu bekennen. Dieser Irrtum der Papisten ist daher gekommen, dass sie nicht anders gemeint haben, denn dass die Taufe der Anfang sei unserer Seligkeit und wenn sich jemand nur taufen lasse, so würde er selig, da doch der Anfang und Grund unserer Seligkeit allein ist Gottes väterliche Liebe und ewige Gnadenwahl, da er uns in seinem Sohne zu seinen Erben erwählet und zur Kindschaft verordnet hat, ehe der Welt Grund gelegt war (Eph. 1,4). Und solche ist allein ein Ursache unseres Glaubens und ohne dieselbe können wir nicht glauben, noch Gott anrufen, ihm dienen und selig werden. So tut es auch das äußerliche Taufen nicht, wo nicht ein Mensch innerlich durch Gottes Geist getauft, gewaschen und geheiligt werde.
Danach dient solches wider alle, die vorgeben, dass allein die Erwachsenen, die ihren Glauben deutlich dartun und bekennen, mögen und sollen getauft werden, wie der Königin Candaces Kämmerer zuvor sein gläubiges Bekenntnis tun musste, ehe er getauft wurde. Denn solche meinen, wo nicht der Glaube und das Bekenntnis vorhergehe, so sei die Taufe nichts nütze. Denn ob es wohl wahr ist, dass man die Erwachsenen, die zu ihren Jahren kommen, nicht taufen soll, sie wissen denn ihres Glaubens gute Rechenschaft aus Gottes Wort zu geben, so hat’s doch viel eine andere Meinung mit der Gläubigen Kinder. Denn weil die Worte des Bundes klar also lauten: Ich bin dein und deines Samens Gott, und Paulus zeuget öffentlich, dass die Kinder der Eltern, da nur eins gläubig ist, heilig sind, d. i. in Gottes Bund aufgenommen, so können wir nicht anders schließen, denn dass alle Kinder, die von gläubigen Eltern geboren, selig seien als die in göttlichen Bund aufgenommen sind.
Ob es wohl war ist, dass die Taufe ohne Glauben nichts nützet, so ist doch nicht nötig, dass er Glaube stets vor der Taufe muss vorhergehen, denn er kann auch wohl nachfolgen nach vielen Jahren, gleichwie einer, der Gottes Wort gehört und doch das damals nicht geachtet, nach langer Zeit und oft wohl in den letzten Zügen desselben kann gedenken und ihm zu Nutz machen: also der in seiner Jugend Getaufte kann nach vielen Jahren zum Glauben kommen und sich seiner Taufe trösten. (Dass etliche vorgeben, dass auch die Kinder durch besondere Wirkung des h. Geistes glauben, kann man aus der Schrift nicht schließen.) Der Juden Knaben wurden beschnitten auf Abrahams Glauben, nicht auf den, welchen sie schon hatten, sondern in dem sie erzogen sollten werden. Darum spricht der Herr von Abraham: Denn ich weiß, er wird befehlen seinen Kindern und seinem Hause nach ihm, dass sie des Herrn Wege halten 1. Mos. 18,19. Aber mit Abraham hatte es eine andere Meinung, der musste zuvor glauben, ehe er das Siegel der Gerechtigkeit des Glaubens empfing. Also werden der Christen Kindlein auf der Apostel Glauben, welchen ihre Eltern bekennen, getauft, nicht dass sie den schon haben, sondern dass sie ihn bekommen werden durch fleißige Unterrichtung ihrer Eltern und Prediger. Aber mit alten erwachsenen Personen, welche die Taufe begehren, hat’s eine andere Gestalt und Gelegenheit, die müssen zuvor ihr Bekenntnis des Glaubens tun und sich Gott verpflichten, ihm all ihr Lebenslang in Heiligkeit und Gerechtigkeit zu dienen. Daraus denn folget, dass, ob es wohl unmöglich ist, ohne Glauben Gott zu gefallen, so gefallen doch Gott nicht allein, die jetzt schon glauben, sondern auch, die da glauben werden. Ja eben darum glauben wir, dass solches von Ewigkeit Gott also gefallen hat, und wo es ihm nicht gefallen hätte, so könnten wir nicht glauben und würden zum Glauben nicht gekommen sein. Darum sage ich, dass der Gläubigen Kinder Gott gefallen darum, dass er sie von Ewigkeit in Christo zur Kindschaft verordnet hat, welches man daraus schließen kann, dass er gewollt hat, dass sie von gläubigen Eltern sollten geboren und in seinen Bund aufgenommen werden. Darum obwohl das auch wahr ist, dass die Kinder nicht glauben, so schließt es sich doch nicht, die Kinder haben keinen Glauben, darum können sie nicht getauft werden und die Taufe ist ihnen nichts nütze. Denn die Taufe ist nicht allein ein Zeichen des Glaubens und der Buße, sondern vornehmlich ein Zeichen göttlicher Gnade und ein Siegel des Bundes, welches ihnen bezeugt, dass sie Gott zu Gnaden angenommen hat und wolle ihnen sein Gnadenwort auch verkündigen lassen und sie zum Glauben bringen, dass sie selig werden, wie die Worte der Verheißung Gottes lauten: Ich bin dein und deines Samens Gott, d. i. mit dir und deinen Kindern richte ich auf den Bund der Seligkeit. Denn obwohl niemand durch fremden Glauben selig wird, sondern der Gerechte lebet seines Glaubens, so ist doch das gewiss, dass der Eltern Glaube machet, dass ihre Kinder heilig, d. i. in Gottes Bund aufgenommen werden, denn der Glaube ergreift das, was die Verheißung Gottes ihm vorhält. Nun hält uns aber die Verheißung vor göttlichen Bund, dass er der Gläubigen und ihrer Kinder Gott sein wolle. Da nun der Glaube solches annimmt, so muss ja folgen, dass ihre Kinder im Bunde mit Gott und selig sind. Daher lesen wir Apg. 16,31. Daher lesen wir auch, dass die Apostel ein ganzes Haus und Geschlecht, Eltern und Kinder getauft haben, wie denn Gott den Bund, den er mit Noah aufgerichtet hat, auf seine Kinder und Nachkommen erstrecket (1. Mos. 9,8). Darum welche Gott für sein Volk erkennet, die müssen wir auch sein Volk und heiliges Erbe sein lassen, sonst müssen wir hören, was Gott zu Petrus gesagt: Was Gott gereinigt hat, das mache du nicht gemein (Apg. 10,15). Denn der Gläubigen Kinder sind Gottes Kinder und sind heilig wegen des Bundes, ob sie wohl von Natur Kinder des Zornes sind. Denn niemand soll denken, dass die Kinder alsdann Gottes Kinder werden, wenn sie die Taufe erlanget, sondern dass sie darum getauft werden, dass sie Gottes Kinder sind und durch die Taufe der Kindschaft versichert werden.
Du sprichst aber: Es sind dennoch viele, die von gläubigen und heiligen Eltern geboren werden, gottlos, die mit der Tat bekennen, dass sie im Bunde mit Gott nicht sind, wie das Exempel Esaus und tägliche Erfahrung ausweiset. Ja, Lieber, sind doch auch viele unter den Erwachsenen, welche, ob sie wohl mit dem Munde den Glauben bekennen, doch ihn mit der Tat und im Herzen verneinen, und sind lauter Heuchler, wie das Exempel Simons des Zauberers und vieler Juden ausweiset, die sich nur um ihres Nutzens und zeitlichen Genusses willen taufen lassen. Aber solche heimliche Gerichte und Urteile befehlen wir Gott. Wir halten insgemein alle die für selige Leute, die von gläubigen Eltern geboren werden, weil die Worte des Bundes und die christliche Liebe solches erfordert und weil Gott zusagt, dass er wolle Barmherzigkeit erzeigen, bis ins tausendste Glied denen, so ihn fürchten, und weil St. Paulus schreibet: Eure Kinder sind heilig (1. Kor. 7,14). Hiermit aber nehmen wir nichts dem heimlichen, verborgenen und sonderlichen Gericht und Urteil Gottes, und nehmen die aus, die, wenn sie erwachsen sind, durch Unglaube und unbußfertiges Leben aus dem Bunde fallen und göttliche Gnade verlieren. Denn wenn die Kinder zu Verstand und Jahren kommen und ihr Taufgelöbnis durch schändlich Leben und Unglauben verleugnen, halten wir sie nicht mehr für heilig und für Gottes Volk, wie Augustinus (lib. de baptismo) sagt: Ein Kind, das getauft ist, wenn es zu seinen vernünftigen Jahren kommt und nicht glaubt, noch sich von Sünden enthält, so hilft ihm nichts, was es als ein Kind empfangen hat. Wir halten sie für Unchristen, es sei denn Sache, dass sie umkehren und Buße tun, wie denn Gott mächtig ist und wohl wieder herzu bringen kann, welche sehr ferne gekommen. Darum wir auch an keinem Menschen verzweifeln vor seinem Ende, sondern hoffen von jedermann, dass sie sich wieder zu Gott bekehren werden. Georg Spindler.
Dass Higinius der römische Bischof verordnet hat die Patenschaft , dass bei der Taufe, wie auch bei der Juden Beschneidung geschieht, allezeit mussten etliche gottesfürchtige gläubige Leute sein, die um die Taufe mussten bitten und zusagen, dass sie wollten Fleiß haben, dass die Kinder in wahrer Erkenntnis Gottes möchten aufwachsen und wenn sie zu ihren Jahren gekommen wären, sie erinnern, dass sie durch dieses heilige Pfandzeichen dem Teufel, der Welt und ihrem eigenen Fleisch und Lüsten abgesagt und sich Gott ergeben hätten, ihm in Heiligkeit und Gerechtigkeit ihr Lebenslang zu dienen, und dass sie den Kindern bei der Taufe einen Namen geben, dabei sie die selbigen, wenn sie erwüchsen, könnten erinnern, dass sie unter Gottes Volk gezählt und ins Buch der Lebendigen eingeschrieben wären und Gott einen Eid getan hätten, dass sie im Bunde des guten Gewissens und in einem heiligen bußfertigen Leben beständig bis an ihr Ende wollten verharren, von Gott nicht weichen, sondern Gott im Namen seines Sohnes durch Kraft des H. Geistes anrufen, dass er in ihnen wolle vollbringen, was er in der Taufe angefangen hätte: das ist eine löbliche Stiftung gewesen, aber zu unseren Zeiten in einen Missbrauch und in weltliche Pracht geraten. Denn die Gevatter meinen, sie haben’s wohl ausgerichtet, wenn sie nur bei der Taufe gestanden seien, ob sie schon nicht einmal bedenken, was die Taufe sei, viel weniger ihre Paten ihres Taufgelübdes erinnern. Denn die Leute hängen nur an den äußerlichen Zeichen und meinen, es sei alles auf einmal ausgerichtet, wenn ein Kindlein einmal getauft wird, und wissen nicht, dass die Taufe das ganze Leben über ihre Wirkung haben soll. Darum vergessen sie aller Vermahnung und erinnern weder sich noch ihre Paten, dass sie schuldig seien, der Sünden abzusterben und der Gerechtigkeit zu leben. Darum in vielen sich die Frucht und der Nutzen der Taufe nicht zeiget, und ist Taufe und alles an ihnen verloren. –
Ein Vater, der zur Erkenntnis der Wahrheit gekommen ist, soll sich aufs höchste befleißigen, dass sein Kind recht getauft werde und soll eher die Taufe aufschieben, denn dass er sollte zugeben, dass ein Weib oder Päpstler es taufen sollte. Denn ob es wohl wahr ist, dass die Taufe im Papsttum auch für eine rechte Taufe zu halten sei, weil sie im Namen des Vaters, des Sohnes und des H. Geistes geschieht, darum wir auch die nicht wiedertaufen, die aus dem Papsttum zu uns treten, so tut doch derjenige große Sünde, der die Taufe von ihnen begehrt, weil er weiß, dass dieselbe mit viel Menschentand befleckt ist. Stirbt ein Kind darüber, so geschieht es ohne des Kindes Schuld (dass es noch nicht getauft ist), und ist keine Gefahr dabei, denn das verdammt nicht, wenn man die Taufe nicht (recht) haben kann, sondern wenn man sie verachtet. G. Spindler.
Sollte Gott, schreibt J. Friedr. Bula in seiner Schrift: Die heilige Taufe, erst dann der Gott eines
Menschen oder Kindes werden, wenn es gläubig und fromm geworden? Sieht man denn nicht, dass man auf diese Weise den Menschen aus und durch sich selbst lebendig, gläubig und gerecht werden oder doch den Anfang dazu machen lässt? Wenn aber Gott einen Menschen in seinen späteren Jahren erweckt und bekehrt, so hat er diesen Menschen gekannt und geliebt als sein Eigentum, noch ehe er geboren war.
Was kann nun tröstlicheres und nützlicheres von der Taufe geredet werden, denn das, was wahrhaftig ist. Denn dass man an den äußerlichen Elementen hänget, des Wassers Nutzen hoch rühmet und ohne Grund der Schrift viel von der Taufe plaudert und nichts beweiset, was ist einem Christen damit geholfen? Darum behaltet ihr diesen Nutzen und gewissen wahrhaftigen Trost und gedenkt stets euer ganzes Leben über an eure Taufe, und da euch Gott aus einem Kreuze in das andere wirft, lässt eure Sünden rügen und offenbaren und seinen grimmigen Zorn wider die Sünde sehen, führet euch zur Hölle, lässt euch Höllenangst und des Todes Stacheln fühlen, so denkt, dass er euch solches zuvor in der H. Taufe für gebildet hat, dass ihr für und für dieses ganze Leben über mit allerlei Kreuz und Leiden müsst getauft und euer alter Adam also gedämpft werden, damit der Geist die Überhand behalte und über das Fleisch obsiege. Streitet deshalb getrost wider die Feinde und seid des gewiss, dass ihr über dieselben in Christo siegen und die Überhand behalten werdet. Denn gleichwie ihr in der Taufe aus dem Wasser gezogen seid, also werdet ihr aus allem Kreuz und aller Not endlich errettet werden durchs Grab und den Tod in das ewige Leben und rechte gelobte Land eindringen, und das Ende eures Glaubens, der Seelen Seligkeit und die unverwelkliche Ehrenkrone im ewigen Leben davon bringen. G. Spindler.
Der berühmte Prediger Bremens, Albert Hardenberg, ein Mann von reformatorischer Bedeutung im 16. Jahrhundert., gab 1551 mit seinen Amtsbrüdern ein Gutachten über die Gegner der Kindertaufe: Wir lehren, dass ohne Christus niemand selig werden kann und dass der halben alle Menschen, auch der Gläubigen junge Kinder dem Herrn mögen und sollen zugeführt werden, wo es möglich ist, durch die H. Taufe. Es gehören aber der Christen Kinder darum mit zu der Taufe, weil sie mit zu dem Bunde der Gnade gehören, gleich wie Abrahams Kinder mit zur Beschneidung gehören. Wir lehren ferner, dass diejenigen, die in ihrer Kindheit getauft sind, Unrecht tun, wenn sie sich wieder taufen lassen, und so durch die zweite Taufe die erste zuschanden machen; wir lehren auch, dass diejenigen Unrecht tun, die die Gemeine Gottes verstören und den Dienst der Prediger verachten; und die Lehre und Sakramente verachten, deren sie sich enthalten und andere davon abwendig machen und sich in Winkeln und heimlichen Plätzen versammeln. Wir erachten die Wiedertäufer für eine schädliche Sekte, die die Einigkeit der Kirche zerschneidet; wir erachten, dass der Christen Kindertaufe nicht von dem Papste neu eingesetzt, sondern von der Apostel Zeiten an in der Kirche üblich gewesen sei.
Der am 14. Februar 1858 zu Halle heimgegangene Professor der Theologie Johannes Wichelhaus schreibt: Warum hat man zu allen Zeiten so viel Einwendungen gegen die Kindertaufe gemacht? Der Grund liegt klar zu Tage. Man hält es für Gottes unwürdig, dass er Kinder in seinen Bund und seine Gemeinschaft aufnehme, man will nicht eine Taufe, welche Allen ihr ganzes Leben hindurch eine laute Predigt ist, dass die ganze Sache der Seligkeit lediglich ein Werk Gottes und seiner Erbarmung ist, man will keine Kirche, die Unmündige und Säuglinge zu ihren Gliedern zählt. Vielmehr will man, dass der Mensch sich selbst zur Gnade zubereite, dass er nicht hineingetragen, hineingebracht, hineingetauft werde in die Gemeinschaft Christi und der himmlischen Güter, sondern dass er mit Verstand, mit Bewusstsein, aus eignem Trieb, auf eignen Beinen, dass ich so sage sich selbst zu Gott begebe und sich zur Taufe geschickt mache. Man will eine Kirche von Mündigen, von lauter Gläubigen, Bußfertigen, Heiligen. Solche Anmaßung und eine solche Kirche ist aber nicht nach der Schrift.
In seinen Zwei Predigten über die H. Taufe sagt Kohlbrügge: Wir werden nicht mehr beschnitten, sondern getauft. Denn die Beschneidung war bloß für die Männlein, ein Bild des Lammes für die Sünde, welches ein Männlein sein musste, ein Bild dessen, wovon Jesaja spricht: er heißt Wunderbar, Rat, Kraft, Held; und wiederum: der dich gemacht hat, ist dein Mann. Die Beschneidung war sodann eine blutige Handlung, und das vergossene Blut war ein Bild des Blutes Christi zur Vergebung der Sünden. Seitdem Christus wesentlich sein Blut vergossen für unsere Sünden, hat alles andere Blutvergießen ein Ende. Nunmehr gießt er aber seinen erworbenen Geist auf alles Fleisch, auf Weiblein wie auf Männlein (Gal. 3,28). Denn wir sind allzumal Einer in Christo; er gießt Wasser aus auf die Dürre, Ströme herab in die Wüste, dass daselbst sei in des Herrn Augen ein wasserreichen Garten. So ist denn das Sakrament eins; die jetzige Form der Erfüllung aller Verheißungen entsprechend. Die Täuflinge der Gemeine sollen aber Kinder sein, wie zu der Beschneidung Kinder von acht Tagen genommen worden sind, das war an einem Tage des Alters, entsprechend dem Tage der Auferstehung Christi. Waren die Kinder damals dem Herrn nicht zu jung, um von seinetwegen das Siegel seines ewigen Bundes zu empfangen, so möge derjenige sich vorsehen, der jetzt dem Herrn in den Weg tritt mit der Behauptung: Sie sind noch zu jung. Der heilige Geist lässt es uns vernehmen durch Christi Apostel: „Eure Kinder sind heilig.“ Wie sind sie heilig, wo nicht dadurch, dass sie in Christo geheiligt sind? Was also in Christo geheiligt ist, folglich in den Bund Gottes und seine Gemeine gehört, ist von Gottes wegen berechtigt, das Zeichen und Siegel dieses Bundes zu empfangen. Es ist dazu nicht allein berechtigt, sondern es darf ihm dieses Siegel durchaus nicht vorenthalten werden, kraft des Befehls Gottes: „Wes Seele nicht beschnitten wird, also das Sakrament, für die Kinder sowohl als für sich, verachtet, der soll ausgerottet werden aus seinem Volke.“
Wilhelm Dieterici, in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts ref. Prediger zu Lippstadt, dann zu Solingen, ermahnt: Bringe deine Kinder bei Zeiten und in allem christlichen Gehorsam und wahrer Demut zur H. Taufe, damit ihnen auch der Gnadenbund versiegelt und sie Christo und seiner Gemeine gebührlich einverleibt werden. Wenn deine Kinder erwachsen sind, so halte ihnen ernstlich und oft vor, wie sie sich in der H. Taufe dem Herrn allein aufgeopfert, dem Teufel aber und der Welt, sich selbst und allen Sünden abgesagt haben. Ermahne sie herzlich, dass sie dieser Zusage nachkommen, dem Herrn allein dienen und seinem Geist und Worte folgen. Und so oft du ihren Namen nennest, erinnere dich dessen. In Ansehung deiner selbst erinnere dich durch die H. Taufe, wie Gott der Vater sich alsbald nach deiner Geburt deiner so gnädig habe angenommen und dir seine Gnade durch das Sakrament der H. Taufe habe versiegeln lassen. Danke ihm stets dafür, so lange du lebst und so oft du die Taufe an deinen oder andern Kindern verrichten siehst. Lass dir aber auch die Taufe ein Mittel sein, dass du von Sünden je mehr und mehr abstehest und dich dem Herrn in der wahren Kraft der Gottseligkeit je länger je mehr übergebest. Kommt dir auch alsdann ein Zweifel an, ob dir Gott auch gnädig sei, so richte dich durch die Taufe wieder auf. Denn der Herr hat dir darin ein kräftiges Siegel der Vergebung deiner Sünden mitgeteilt, er will dein Gott sein. Endlich soll dich auch die Taufe lehren, andere Menschen zu lieben. Denn weil du der Kirche einverleibt und zur Gemeinschaft der Heiligen getauft bist, so musst du auch rechte Liebe zu andern Christen haben und mit ihnen eine geistliche Gemeinschaft in Christo halten.
Der am 18. Mai 1708 zu Rothenburg an der Fulda verstorbene Dekan Friedrich Lucä schreibt von seiner Taufe: Indem meine gottseligen Eltern reichlich erkannten, dass sie als Sünder einen Sünder geboren, ließen sie ihnen vor allem angelegen sein, meine Wiedergeburt zu einem Kinde Gottes durch die Heil. Taufe zu besiegeln.
Ferdinand Ribbeck, vor mehreren Jahren als ref. Pastor zu Soldin gestorben, war vorher einige Jahre Baptistenprediger gewesen. Mit Beschämung musste er, als er wieder nüchtern im Glauben geworden, auf jene verkehrte Wege zurückblicken, in denen er, nach seinem eigenen Geständnis, das Wort Gottes vergeblich zu sich reden ließ und die Ratschläge bewährter, im Dienste der Kirche ergrauter Männer und Knechte Gottes in den Wind schlug.
Das Pferd wird gerüstet für den Tag des Kampfes, aber der Sieg kommt von dem HERRN. Spr. 21,31