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Psalm 141

Verfasst: 16.09.2026 14:09
von Jörg
Erläuterungen und Kernworte


V. 5. Behüte mich vor den freveln Leuten. Dieses Versglied lautet ganz gleich wie der zweite Teil des Anfangsverses. Der Satz enthält offenbar das, was den Psalmisten am meisten bewegte. The Speakers Commentary 1881.

Die meinen Gang gedenken umzustoßen: die mir ein Bein stellen, um mir den Boden unter den Füßen wegzunehmen und mich tückisch zu Fall zu bringen; die mir die feste Grundlage des Glaubens nehmen wollen und das Vermögen, in guten Werken voranzuschreiten, die mich durch Sünde zu Fall bringen wollen, dass ich von dem Weg des Heils abstürze. James Millard Neale † 1866.

V. 7. Die Stimme meines Flehens. Der einzig sichere Schutz für einfältige und ungelehrte Leute, wenn sie durch die verschmitzten Beweisführungen von Ketzern und Ungläubigen bedrängt werden, ist nicht der Versuch, sie zu widerlegen, sondern das Gebet, eine Waffe, die ihre Gegner selten gebrauchen und die ihnen unverständlich ist. Bruno von Aste † 1123.

V. 8. Du beschirmst mein Haupt. Das Haupt wird genannt, weil der Feind darauf vor allem zielt. John Mayer 1653.

V. 9. Sie möchten sich des erheben: nicht nur gegen mich, sondern auch gegen dich, als ob sie durch ihre Kraft und Klugheit deinen Ratschluss und deine Verheißungen in Betreff meiner zunichte gemacht hätten. M. Pool † 1679.

V. 10. Das Unheil ihrer Lippen bedecke sie. (Grundtext) Die Juden zogen durch ihre eigene Schuld den Einfall der Römer herbei; aber am Schrecklichsten war die Wirkung ihres Rufes: Sein Blut komme über uns und über unsere Kinder. W. H. Tucker 1840.

V. 11. Solche Stellen schauen zurück auf das Gericht über Sodom sowie über die Rotte Korah (vergl. Ps. 55,16; 63,10) und stellen uns die feurigen Gerichte der Endzeit lebhaft vor Augen, vergl. z. B. Off. 19,19 ff. W. de Burgh 1860.

V. 12. Der Mann der Zunge, Schwätzer, Lügner, Schmeichler, Verleumder, Zänker, Afterredner, Ohrenbläser, wird nicht bestehen auf Erden; denn solche Leute werden von den Weltmenschen ebenso verabscheut wie von den Gottseligen. Kardinal R. Bellarmin † 1621.

V. 10-12. Der Prophet sagt in diesen drei Versen die gerechten Gerichte voraus, die der Himmel über die Verleumder und Verfolger der Gerechten verhängen wird. Die Lippen dieser Leute, welche Unheil gegen andere geredet haben, werden das Mittel sein, sie selber mit Schmach zu bedecken, wenn sie aus ihren eigenen Worten gerichtet werden (Mt. 12,37). Jene Zungen, die dazu mitgewirkt haben, die Welt in Brand zu setzen, werden mit den glühenden Kohlen der ewigen Rache gequält werden, und die Menschenkinder, die mit solchem Eifer und solchem Überlegen Gruben bereitet haben, um ihre Mitmenschen zu verderben, werden in den tiefen Abgrund gestürzt werden, aus dem sie nie und nimmer herauskommen werden. Böse Mäuler und lügnerische Verkläger werden keinen Bestand haben, sondern die Strafe wird die Sünder durch alle ihre krummen Wege verfolgen und sie schließlich als ihre rechtmäßige Beute ergreifen. Wenn diese gewichtigen Wahrheiten in unserem Herzen fest gewurzelt sind, werden sie uns in den schlimmsten Zeiten festen Halt gewähren. Bischof G. Horne † 1792.

V. 13. Ich weiß, dass usw., denn ich habe dafür Gottes eigenes Versprechen, und das ist untrüglich. John Trapp † 1669.

V. 13.14. Lieber Mitchrist, du darfst alles aufs Spiel setzen für die Glaubwürdigkeit der göttlichen Zusagen. Er, der keinem Lügner und Bundbrüchigen gestatten wird, auf seinem heiligen Berge Fuß zu fassen, der wird noch viel weniger auch nur einen Gedanken der Lüge oder Untreue in seinem eigenen heiligen Herzen aufkommen lassen. William Gurnall† 1679.

V. 10-14. Zuletzt, nach dem dreimaligen Anlauf im Gebet, bezeugt der Psalmist große Freudigkeit auf den Ausgang, den Gott machen, und auf die Frucht, die es bei allen Gerechten schaffen werde. Bewährter Vorteil! Da kommt mehr heraus, als wenn man sich ins Klagen gegen die Menschen ausschüttet. Aber mit dem köstlichen Sagen zum HERRN: Du bist mein Gott muss es freilich seine Richtigkeit haben. Dass der Glaube seine Zuversicht auf den allmächtigen Gott setzt, die Hoffnung zu diesem Fels der Ewigkeit sich alles Guten beständig versieht und die Liebe sich unter allem an der Leutseligkeit Gottes vergnügt und sich ihm ganz zu Eigen hingibt: hinter solcher Übung lässt sich manches auswarten. Der Gottlose ist wie ein Wetter, das vorübergeht; wenn er schon manche Spuren der Verwüstung hinter sich lässt, so ist das etwas Geringes gegen Gottes Güte, deren die Erde voll ist und worüber die Gerechten immer fröhlich sein sollen. Karl H. Rieger† 1791.

Homiletische Winke

V. 2-6.
I. Woher Davids Leiden kam: aus der Feindschaft von Menschen. Darin war David ein Vorbild Christi. 1) Die Gottlosigkeit seiner Feinde: sie waren böse Menschen, V. 2a. 2) Ihre Gewalttätigkeit, V. 2b. 3) Ihre boshaften Überlegungen, V. 3a. 4) Ihre Verschwörung,
V. 3b. 5) Ihre giftigen Reden, V. 4. 6) Ihre offenbare Absicht, V. 5b. 7) Ihre tückischen Anschläge, V. 6. II. Das eine Gegenmittel Davids gegen alle diese Anfechtungen: Glaube mit Gebet. George Rogers 1885.
Verfolgungen, wie David sie zu erleiden hatte, sind in unserem Land heutzutage kaum zu befürchten; dennoch ist kein Mensch vor Anfeindungen völlig sicher, und mancher hat mehr zu leiden, als man denkt. I. Einige Fälle, die noch heute keineswegs unerhört sind. 1) Ein christlich gesinnter Arbeiter erregt, weil er unrechte Sitten und Handlungen nicht mitmachen kann, die Feindschaft seiner Mitarbeiter. Man richtet ihm allerlei Unheil an, verdirbt ihm die Arbeit, entwendet ihm sein Werkzeug, redet allerlei Übels wider ihn, bis sein Arbeitgeber ihn schließlich entlässt, um den Frieden in seinem Betrieb wiederherzustellen, oder es wird ihm unmöglich. entsprechende Arbeit zu finden, weil er nicht in widergöttlichen Verbindungen sein will. 2) Einem christlichen Handlungsgehilfen oder Beamten können, weil seine Gegenwart für seine in Sünden lebenden Berufsgenossen ein Hindernis ist, allerlei Schlingen gelegt werden usw. II. Nützlicher Rat in solchen Lagen. 1) Nimm wie der Psalmist deine Zuflucht zu dem HERRN mit der Bitte: Errette mich, behüte mich. 2) Bewahre unter allen Umständen Unsträflichkeit und Redlichkeit. 3) Und wenn den Unheilstiftern ihre bösen Pläne gelingen, so traue auf den HERRN, der es dennoch also hinausführen kann, dass, was sie böse zu machen gedachten, zum Heil ausschlägt. John Field 1885.
V. 4.
Wie sich die Verderbtheit des natürlichen Menschen in seinem Reden zeigt.
V. 5.
Die Gefahren des Gläubigen unter den Weltmenschen. 1) Die Verstecktheit der Angriffe der Gottlosen. 2) Die Mannigfaltigkeit ihrer Mittel. 3) Die List, mit der sie den Platz für ihre Fallen wählen: "an dem Wege". 4) Wem ihre Anschläge gelten: "mir". Den Menschen selber wollen sie verderben.
Die Fallen am Wege, oder: Versteckte Versuchungen, nahe Versuchungen, Versuchungen im täglichen Wandel.
V. 7.
1) Was der Glaube spricht. 2) Was die Demut bittet.
V. 7.8.
David tröstete sich in der Anfechtung 1) an seinem Anteil an Gott, V. 7a; 2) an dem Zutritt, den er zu Gott hat: er darf mit Gott reden und gnädige Antwort von ihm erwarten, V. 7b; 3) an seiner Zuversicht auf Hilfe und Schutz von Gott und an seiner Freude am HERRN, V. 8; 4) an seinen bisherigen Erfahrungen von Gottes Fürsorge für ihn, V. 8b. (Perf. Grundtext) Matthew Henry † 1714.
V. 7-9.
Drei Gründe, die der Gläubige bei der Bitte um Bewahrung geltend machen darf: 1) Sein Bundesanrecht an Gott. 2) Die bisherigen Erweisungen der beschirmenden Gnade. 3) Wie unangemessen es wäre, wenn die Gottlosen durch Gewährung ihres Begehrens in ihrer Gottlosigkeit bestärkt würden.
V. 7.8.13.14.
Zeiten, da wir besonders angegriffen, verleumdet und versucht werden, sollten auch besondere Zeiten des Gebets und des Glaubens sein. Der Psalmist lässt hier fünferlei hervortreten. I. Er behauptet sein Eigentum, V. 7 a. 1) Was ihm gehört: Gott. Gegensatz zu Abgötterei. Persönliche Liebe zu Gott. 2) Er macht sein Anrecht an dies sein Eigentum geltend. 3) Wen er als Zeugen dafür in Anspruch nimmt: den Unsichtbaren, Heiligen, der in das Verborgene sieht. 4) Der Anlass, bei dem er dies sein Anrecht geltend macht. II. Er bringt Gebet dar, V. 7b. 1) Er betet oft. 2) Seine Gebete sind voller Bedeutung. 3) Sie sind für Gott bestimmt. 4) Sie bedürfen des göttlichen Aufmerkens. III. Er erfährt Bewahrung im Kampf, V. 8. 1) Gott ist sein Waffenträger, der ihn beschützt. 2) Gott beschirmt den edelsten Teil seines Wesens. 3) Gott ist oft seine Hilfe gewesen. 4) Gottes Stärke hat sich ihm zugute erzeigt. IV. Er erwartet Beschützung vor der Unterdrückung, V. 13. 1) Gott ist ein gerechter Richter. 2) Er ist ein mitfühlender Freund. 3) Er ist ein erprobter Beschützer. Er sagt Lobpreis voraus, V. 14. 1) Der Lobpreis ist gesichert durch die Dankbarkeit. 2) Er kommt zum Ausdruck in Worten. 3) Er ist eingeschlossen in dem Vertrauen. 4) Er wird im Leben geübt durch Gemeinschaft mit Gott. William Bickle Haynes 1885.
V. 10.
Das Unheil ihrer Lippen wird sie bedecken. (Grundtext) Wie die Sünde derer, die Böses reden, auf sie zurückfällt. William Bickle Haynes 1885.
V. 12a.
Ein Gebet wider böse Mäuler. I. Verschiedenerlei böse Mäuler. 1) Lügner. Der gemeine Lügner, Lügner im Handel, an der Börse, in der Politik usw. 2) Verbreiter von Gerüchten. 3) Lästerer und Flucher. 4) Freigeister und Verführer. 5) Verbreiter von Zweifeln und neuen Lehren. II. Die Angemessenheit der Bitte: "Ein böses Maul möge nicht bestehen." 1) Weil Bösesreden etwas höchst Schlechtes ist. 2) Weil es unermesslichen Schaden anrichtet. 3) Weil, wer wünscht, dass Gottes Wahrheit auf Erden bestehe, wünschen muss, dass die bösen Mäuler keinen Bestand haben. III. Die Beschränkung der Bitte: "auf Erden." 1) Es ist sicher, dass die bösen Mäuler weder im Himmel noch in der Hölle Bestand haben können. 2) Die Erde ist das einzige Gebiet, wo sie eine Weile Erfolg haben können, und leider sind die Menschen nur zu geneigt, sich durch sie beeinflussen zu lassen. 3) Ach, dass die, welche ein böses Maul haben, sich bekehrten und durch den Glauben an den, der die Gerechtigkeit und die Wahrheit ist, gerecht und wahrhaftig würden! John Field 1885.
V. 12b.
Der grausame Jäger, verfolgt von seiner eigenen Meute.
Sünden, über die man nicht Buße tut, hetzen den Übeltäter selber ins Verderben. I. Erläuterung. 1) Solche Sünden können eine überwältigende Macht des Widerstandes von Menschen hervorrufen, wie bei Napoleon u. a. 2) Sie können den Sünder in die Grube stürzen, die er andern gegraben, wie Haman. 3) Sie können Gewissensbisse hervorrufen, die zum Selbstmord führen, wie bei Judas. 4) Ganz gewiss ist, dass sie den Sünder vor den Richterstuhl verfolgen und seine Seele in die Hölle hetzen. II. Anwendung. 1) Welch ein schrecklich Ding muss es doch um die Sünde sein! 2) Umso schrecklicher, weil sie unser eigenes Gemächte ist. 3) Fliehe vor den rächenden Verfolgern zu Christo, der einzigen, aber auch sicheren Zuflucht. John Field 1885.
Die Aufspürung und Verfolgung des freveln Sünders. I. Wie sich die Jagd entwickelt. 1) Zuerst merkt das Opfer nichts davon. 2) Aber bald spürt der Sünder, dass das Gesetz, das Gewissen, das Schicksal (d. i. Gottes gerechtes Walten), der Tod ihm auf den Fersen sind. 3) Seine eigenen Übeltaten schreien am lautesten hinter ihm her. II. Wie die Jagd endet. Er wird umzingelt, gestürzt, ist für immer verloren, wenn er nicht Buße getan, solange noch Raum dafür war. III. Ein anderer, der hinter dem Sünder her ist: Des Menschen Sohn ist gekommen usw. William Bickle Haynes 1885.
V. 13.
1) Eine Tatsache, deren der Psalmist gewiss ist. 2) Warum er derselben so gewiss ist. 3) Das Verhalten, das aus dieser Gewissheit hervorgeht.
Etwas, das zu wissen von hohem Wert ist 1) für die Elenden und Armen, die auf den HERRN trauen, 2) für deren Bedrücker, 3) für alle Menschen, damit sie lernen, auf den HERRN zu vertrauen, und damit sie ihn preisen für sein Mitleid gegen die Hilfsbedürftigen und für seine unparteiische Gerechtigkeit. John Field 1885.
V. 13.14.
1) Zuversicht in jeder Lage, V. 13. 2) Dankbarkeit für alles, V. 14a. 3) Sicherheit in Zeit und Ewigkeit, V. 14b.
V. 14.
Eine der edelsten Weisen, den HERRN zu loben: Das Bleiben vor seinem Angesichte. Oder: Ehrfurcht vor Gottes Gegenwart, heilige Gemeinschaft mit dem HERRN, gläubiges Ausruhen in Gottes Walten und gehorsames Tun des göttlichen Willens: die beste Weise, Gott zu danken.
Zwei über allen Widerspruch erhabene Versicherungen: I. Die Gerechten werden dem HERRN danken, mögen andere noch so undankbar sein. 1) Sie erkennen an, dass all ihr Gutes von Gott ist. 2) Sie fühlen sich des Guten, das sie empfangen, nicht wert. 3) Weil sie Gerechte sind, ist es ihnen ein Anliegen, in allem recht zu handeln, und das schließt die Dankbarkeit ein. 4) Dem HERRN danken zu können, das ist ein Hauptstück der Freude, die sie aus dem Guten ziehen, das ihnen zuteil wird. II. Die Frommen (Redlichen) werden sicherlich vor Gottes Angesicht bleiben. 1) In dem Sinne, dass sie allezeit den HERRN vor Augen haben, Ps. 16,8. 2) In dem Sinn bleibender gegenwärtiger Gemeinschaft mit Gott. 3) In dem Sinne, dass sie Gottes Wohlgefallen genießen. 4) In dem Sinne, dass sie ewig im Himmel in Gottes Nähe bleiben werden. John Field1885.