Sind die Juden das Volk Gottes und andere Fragen?

Nur für Gläubige, die die fünf Punkte des Arminianismus ablehnen

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Gast

Sind die Juden das Volk Gottes und andere Fragen?

Beitragvon Gast » 06.01.2009 20:51

Aus gegebenem Anlass und da im Bereich "Aktuelle Sachthemen" das Thema Israel diskutiert wurde, moechte ich gerne ein paar Fragen aufwerfen, um zu hoeren, welche bibilisch begruendeten Antworten aus reformierter Sichtweise dazu gegeben werden. Ich muss der Ehrlichkeit halber zugeben, dass ich glaube die Antworten schon zu kennen. Es geht mir teils um Selbstvergewisserung. Ausserdem gibt es aber vielleicht auch Aspekte der biblischen Aussagen, von denen ich noch nichts weiss und ich kann dazulernen.

Die Fragen sind:

1. Sind die heutigen Juden - Anhaenger des juedischen Glaubens - das Volk Gottes?

2. Hat der Staat Israel eine besondere Beziehung zu Gott?

3. Sind die Gruendung des Staates Israel und seine militaerischen Erfolge in den Kriegen der letzten 60 Jahen als Wunder von Gott und Erfuellung biblischer Prophetie anzusehen?

4. Ist es biblisch vorausgesagt, dass der Staat Israel die besetzten Gebiete - Ostjerusalem, Cisjordanien - als juedisches Eigentum erhalten wird? Und stehen daher israelische Politiker, die bereit sind diese Gebiete - zumindest zum Teil - den Paleastinensern zu ueberlassen in Opposition zum Willen Gottes?

5. Muessen andere Staaten Israel unterstuetzen, damit sie von Gott gesegnet werden? Und duerfen sie vor allem nicht Israel dazu draengen Land aufzugeben?


Vielen Dank fuer Euren Input,

Till

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Joschie
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Beitragvon Joschie » 07.01.2009 10:40

Hallo Till
Hier eine Tabelle zu deine Fragenn,Wieleicht können wir daran einiges festmachen :idea: :!: :?:
Gruß Joschie
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

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H.W.Deppe
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Beitragvon H.W.Deppe » 30.03.2009 09:10

Zum Teil sind die Fragen ja politischer Natur. Auch wenn Gott souverän das Weltgeschehen regiert: Jesu Reich ist nicht von dieser Welt und Fleisch und Blut können das Reich Gottes nicht erben. In der Schrift finde ich kein geistliches Mandat, um Territorialpolitik zu betreiben.

Frage 1 ist eine sehr gute und grundlegende Frage. Es gilt zu untersuchen: Wie definiert die Schrift das "Volk Gottes"? Kann es zwei Völker Gottes geben? Ich finde in der Schrift jedenfalls keine zwei Völker Gottes und auch kein Volk Gottes, das sich durch Unglauben auszeichnet.

Frage 2 ist auch nicht so einfach zu beantworten. Können "Staaten" überhaupt eine Beziehung zu Gott haben? Tatsächlich deutet in der Schrift ja einiges darauf hin, dass Gott nicht nur mit Individuen handelt, sondern mit Gemeinschaften wie Familien, Volksstämmen usw. Die Nation Israel im alttestamentlichen Sinne hatte natürlich eine besondere Beziehung zu Gott. Die Juden als Volk haben auch heute noch manche geistlichen Vorrechte, die habe ich unter http://www.betanien.de/verlag/material/ ... php?id=110 zusammenzufassen versucht. Aber ein "Staat" ist ja noch mehr als eine ethnische Gruppe. Das Territorium des alten Landes Israel war ein Element des typologischen Schattensystems des alten Bundes. Ich finde in der Schrift weder ein Zurück zu den Schattenbildern noch die Aussicht, dass Gläubige auf dieser alten Erde einen Territorialstaat erstreben sollten.

Dass alttestamentliche Rückkehrverheißungen für Israel (aus Babylon) oft zu unrecht auf die heutige Situation angewendet werden, ist unter http://www.betanien.de/verlag/material/ ... php?id=111 nachzulesen.

Es würde mich freuen, wenn hier noch weitere Einsichten mitgeteilt würden.

Grüße, Werner
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Robert
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Beitragvon Robert » 17.04.2009 10:51

Da ich die 5 Punkte des armin. ablehne ( die von Calvin auch), das Thema aber eigentlich auch an anderer Stelle stehen könnte, erlaube ich mir etwas zum wichtigen Thema zu schreiben.
"Hans Werner schrieb:
Kann es zwei Völker Gottes geben? Ich finde in der Schrift jedenfalls keine zwei Völker Gottes und auch kein Volk Gottes, das sich durch Unglauben auszeichnet. "

Zwei Völker kann es nicht geben, nur Israel wurde als Volk auserwählt, Christen sind kein Volk.
Aber: kann es ein Volk Gottes geben, das sich durch Unglauben auszeichnet?
Hier möchte ich gerne mit ja antworten, weil Israel doch immer des Unglaubens bezichtigt wird in der Bibel.
Sehe ich das falsch?

Nach Babylon kehrten nur wenige tausend Juden zurück, das entspricht doch nicht der Rückkehr eines ganzen Volkes, zumal die Rückkehr der 10 Stämme ( von ganz wenigen abgesehen) nicht erfolgte.
Auch die im Mosebuch aufgeschriebenen Grenzen Israels wurden noch nie erreicht, das ist der Zukunft vorbehalten.
Es wäre Spekulation zu behaupten, wir wüßten genau wie und wann das geschieht.
Aber daß Gott die Verheißung an Abraham/Isaak und Jakob und David usw. erfüllt, das glaube ich ganz sicher.

Wenn JESUS in der Schlacht von Hermagedon zurückkehrt um seinem abgefallenen Volk zu helfen ( Angriff auf Israel und Jesusalem), muß es ein ungläubiges Volk dort geben.
Kann Hesekiel 37 nicht ein Bild davon sein?
Erst im Unglauben, dann erweckt zum Glauben?
Gruß Robert

Gast

Beitragvon Gast » 25.04.2009 17:13

Robert hat geschrieben:Da ich die 5 Punkte des armin. ablehne ( die von Calvin auch), das Thema aber eigentlich auch an anderer Stelle stehen könnte, erlaube ich mir etwas zum wichtigen Thema zu schreiben.
Als ich diesen Thread eroeffnete wurde das Thema in einem anderen Thread in einem anderen Bereich parallel auch diskutiert. Der Thread ist noch da. Dort waere dein Beitrag angebracht. Hier in diesem Thread ging es ausschliesslich um

" bibilisch begruendeten Antworten aus reformierter Sichtweise".

Danke,
Till

Gast

Beitragvon Gast » 25.08.2009 17:39

Hallo,

ich bin der Auffassung, dass es nur EIN Volk Gottes gibt. Dieses Volk besteht aus Christus-Gläubigen jeglicher ethnischer Herkunft.

Offb. 5, 9-10:
"und sie sangen ein neues Lied: Du bist würdig, zu nehmen das Buch und aufzutun seine Siegel; denn du bist geschlachtet und hast mit deinem Blut Menschen für Gott erkauft aus allen Stämmen und Sprachen und Völkern und Nationen und hast sie unserm Gott zu Königen und Priestern gemacht, und sie werden herrschen auf Erden."
1.Petr 2, 9-10:
"Ihr aber seid das auserwählte Geschlecht, die königliche Priesterschaft, das heilige Volk, das Volk des Eigentums, dass ihr verkündigen sollt die Wohltaten dessen, der euch berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht; die ihr einst 'nicht ein Volk' wart, nun aber 'Gottes Volk' seid, und einst nicht in Gnaden wart, nun aber in Gnaden seid."
Außerdem setzt sich das Volk Gottes aus allen Erlösten (alter und neuer Bund) zusammen - aus allen, die "in den Fußtapfen des Glaubens gehen, den unser Vater Abraham hatte" (Röm 4,12). Außerhalb der Erlösung durch Gottes Gnade in Christus gibt es keine ewige Rettung und kein Anrecht auf ewiges Leben.

Ich glaube, unser Problem ist heute, dass wir bei der Vorstellung vom Volk Gottes überwiegend irdisch (ethnisch oder politisch) eingestellt sind und dabei vergessen, dass seit Christus etwas vollkommen neues, revolutionäres eingetreten ist: nämlich das Heil Gottes kommt zu allen Menschen - auch zu den Heiden. Seitdem gibt es eine grundlegende Veränderung in der Zusammensetzung des Volkes Gottes: jeder, der an Jesus Christus glaubt, ist nun Teil der einen neuen Herde unter einem Hirten - nämlich dem wahren Hirten Jesus Christus.

In Joh 10, 14-16 spricht Jesus davon:
"Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen und die Meinen kennen mich, wie mich mein Vater kennt und ich kenne den Vater. Und ich lasse mein Leben für die Schafe. Und ich habe noch andere Schafe, die sind nicht aus diesem Stall; auch sie muss ich herführen, und sie werden meine Stimme hören, und es wird eine Herde und ein Hirte werden."
Für mich besteht kein Zweifel, dass die Summe aller Schafe, die in der Herde Jesu Christi sind, das Volk Gottes ist - also Herde = Volk.

Wenn ich aber als Christ der Auffassung bin, dass es zwei Heilspläne gibt - einen für das Israel nach der Abstammung und einen für die Gemeinde, die sich wiederum aus Juden und Heiden zusammensetzt - dann werde ich an dieser Stelle die Herde nicht als Volk Gottes bezeichnen.

Soweit mein Beitrag zu diesem Thema.

Freundliche Grüße, Daniel


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