Die Prädestinationslehre und die Gemeinde Jesu

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Jose
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Die Prädestinationslehre und die Gemeinde Jesu

Beitragvon Jose » 05.07.2010 21:02

In diesem Forum beschäftige ich mich besonders mit der Prädestinationslehre. Ich habe gelernt, dass es nicht einfach darum geht, wen Gott zum Heil zuvor bestimmt hat und wen zum Verderben, sondern, es müssen auch bestimmte Bibelstellen hinsichtlich der Auslegung richtig verstanden werden und vieles mehr.

Während ich mich mit diesem Thema beschäftige tauchte auch die Frage über den Einfluss der Prädestinationslehre auf die Gemeinde auf.
Die Lehre von der Prädestination

Calvin vertrat ebenso eigensinnig die Auffassung, dass nicht alle Menschen für die gleiche Bestimmung geschaffen seien. Hieraus ergab sich seine Lehre von der Prädestination (Vorherbestimmung). Den einen würde das ewige Leben, den anderen die Verdammnis zugeordnet. Gott alleine bestimme den Verlauf der Dinge, so dass sich die Vorherbestimmung in Gottes Werken zeige. "Daraus folgt, dass die Vorhersehung in seinem Wirken besteht, und deshalb ist es unklug, wenn einige von einem bloßen Vorherwissen Gottes schwatzen." Von Gott könne der Mensch eine besondere Fürsorge erwarten, die er an die Kirche weitergegeben hat. Die Kirche bot also einen besonderen Zufluchtsort. Auch wenn für Calvin das Gemeindeleben immer wichtig war, so glaubte er doch in diesem Zusammenhang daran, dass die Kirche eine Stiftung von oben war und nicht aus dem Zusammenschluss der Gläubigen erwuchs. Anderenfalls hätte seine Prädestinationslehre für ihn keinen Sinn ergeben.

http://www.wissens-center.de (eventuell ist der Zugang nur für Mitglieder zugänglich)
Gerade der letzte Satz warf in mir die Frage auf: Wie ist die heutige Lehre über die Gemeinde Jesu dort wo man von der Prädestinationslehre überzeugt ist? Gilt Apg. 2,41 noch: "Die nun sein Wort aufnahmen, ließen sich taufen; und es wurden … Seelen hinzugetan." Ist für einen überzeugten Calvinisten die Gemeinde die Gemeinschaft der Gläubigen?

Meine Frage kann ich auch anders stellen: Gibt es Gemeinden die einerseits die Prädestinationslehre lehren, andererseits aber z.B. an der Kindertaufe, Konfirmation usw. hängen? Die Frage zu beantworten dürfte schwierig sein, denn die Prädestinationslehre ist eine Lehre und keine Gemeinderichtung.


Viele Grüße,
José

Verwandte Themen die ich angelegt habe:
Was ist am Calvinismus besonders?: http://www.betanien.de/forum/viewtopic.php?t=1148
Calvin und "Die Lehre von der Prädestination": http://www.betanien.de/forum/viewtopic.php?t=1155
Bibelzitate sind, wenn nicht anders angegeben, nach der rev. Elberfelder (PC-Ausgabe)

maxb
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Beitragvon maxb » 05.07.2010 21:50

Ja, es gibt solche Gemeinden. Früher waren die meisten calvinistischen Gemeinden auch Anhänger der Kindertaufe. Schau mal bspw. hier rein: http://de.wikipedia.org/wiki/Presbyterianische_Kirchen

Auch die Lutheraner glauben an die Prädestinationslehre, auch wenn sie da (zumindest formal) mit den Reformierten nicht komplett übereinstimmen was die doppelte Prädestination angeht.

lutz
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Beitragvon lutz » 05.07.2010 22:30

Auch wenn für Calvin das Gemeindeleben immer wichtig war, so glaubte er doch in diesem Zusammenhang daran, dass die Kirche eine Stiftung von oben war und nicht aus dem Zusammenschluss der Gläubigen erwuchs. Anderenfalls hätte seine Prädestinationslehre für ihn keinen Sinn ergeben.
Ist es dir möglich, Jose, hier genauere Infos zu bringen?
Ich kann mir darunter wirklich nichts Konkretes vorstellen.
Was meint diese Quelle mit: "Anderenfalls hätte seine Prädestinationslehre für ihn keinen Sinn ergeben"?

Danke!

Lutz

PS: Deine Quelle ist nicht frei zugänglich.

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Pilger Andreas
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Beitragvon Pilger Andreas » 06.07.2010 08:07

maxb hat geschrieben:Früher waren die meisten calvinistischen Gemeinden auch Anhänger der Kindertaufe.
Nicht nur früher. Die calvinistische Lehre, wenn man das so bezeichnen mag, beinhaltet auch die Kindertaufe. Es gibt zwar auch Gemeinden und Christen, die sich reformiert/calvinistisch bezeichnen und die Kindertaufe ablehnen (Spurgeon ist so ein Beispiel), das ist aber eher eine Anomalie. Sie haben nur den Teilaspekt der Prädestination und vielleicht das Abendmahslverständnis übernommen.

Gruß,
Andreas

maxb
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Beitragvon maxb » 06.07.2010 10:31

Wenn du unter "calvinistischer Lehre" die Gesamtheit der Lehre Calvins meinst, magst du recht haben. Unter Calvinismus verstehe ich aber als erstes nur die 5 Punkte. Deinen letzten Satz verstehe ich aber nicht ganz. Inwiefern habe ich als Baptist nur einen Teilaspekt der calvinistischen Prädestinationslehre übernommen? Ich kann jede Aussage von einem reformierten Kindertäufer bzgl. der Souveränität Gottes in der Errettung unterschreiben. Die reformierte Tauflehre hängt ja mehr damit zusammen, wie man die Bündnisse zwischen Gott und Menschen versteht, als mit der Erwählung. Meinst du mit Anomalie, dass es einfach untypisch ist Baptist und gleichzeitig Calvinist (im Sinne der 5 Punkte) zu sein oder bist du der Meinung, dass einem Baptisten schon auf Grund seines Baptistseins ein Aspekt der Erwählungslehre fehlt?

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Pilger Andreas
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Beitragvon Pilger Andreas » 06.07.2010 11:23

In der Tat geht es darum, was unter Calvinismus zu verstehen ist. Den Calvinismus auf die 5 Punkte zu verkürzen greift meines Erachtens zu kurz, weil er eben mehr umfaßt, wie z. B. die Bundestheologie, die Du auch erwähnst. Wenn man den Calvinismus mit der reformierten Lehre gleichsetzt, wird man beim Betrachten der reformierten Beknntnisschriften (Niederländisches Bekenntnis, Hugenotten Bekenntnis, Heidelberger Katechismus, Westminster Bekenntnis, ...) vieles wiederfinden, das Calvin genauso gelehrt hat, unter anderem eben auch die Kindertaufe. Unter den offiziellen baptistischen Bekenntnissen, die die Prädestinationslehre wiedergeben, sind mir nur das baptistische Glaubensbekenntnis von 1689 (in Anlehnung an Westminster) und das Bekenntnis der ev.–taufgesinnten Gemeinde Hamburg bekannt. Zum einen, da wohl die Mehrheit zur der ersten Gruppe gehört und da Calvin die Kindertaufe gelehrt hat, bezeichne ich es als Anomalie Calvinist und Baptist zu sein. Man Begriffe nicht ohne weiteres einfach neu definieren. Zum andern ist es natürlich eine weitere Frage, die ich so nicht spontan beantworten kann, in wie fern eine baptistische Tauflehre ein Fremdkörper im Zusammenhang mit der Prädestinationslehre darstellt. Hier wäre zu fragen, was die Taufe überhaupt ist. Und dies wird ja höchst unterschiedlich beantwortet. Ist sie ein reiner Bekenntnisakt? Wirkt sie die Wiedergeburt? Wird man dadurch in den Bund mit Gott aufgenommen? Wer ist der handelnde in der Taufe: Gott oder der Mensch?

Gruß,
Andreas

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Beitragvon Joschie » 06.07.2010 13:58

Pilger Andreas hat geschrieben:sind mir nur das baptistische Glaubensbekenntnis von 1689 (in Anlehnung an Westminster)
Das baptistische Glaubensbekenntnis von 1689 lehnt sich nicht nur an das Westminster an sondern auch an die Savoy-Erklährung von 1658 an.
Was verstehst du unter Calvinismus die Institutio von 1536 oder von 1559.Wird hier ein dogmatischer Strich gezogen oder gehört dazu auch die Dordtrechter Lehrregeln,die verschiedenen Bekenntnisse und Teile der Puritaner wie John Owen dazu?
Gruß Joschie
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Pilger Andreas
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Beitragvon Pilger Andreas » 06.07.2010 15:09

Auch die Savoy-Erklärung ist nicht baptistisch, auch wenn sie in anderen Punkten vom Westminster Bekenntnis abweicht.
Calvin hat seine Institutio nicht umgeschrieben, sie ist gewachsen, im Gegensatz zu Melanchthons Loci Communes. Alle Grundzüge der letzten Ausgabe sind meines Wissens schon in der ersten enthalten.
Den Dortrechter Lehrregeln haben bei der Synode sicher nur Kindertäufer zugestimmt, denn gleichzeitig wurden ja das Niederländische Glaubenbekenntnis und der Heidelberger Katechismus als gültige Dokumente anerkannt, und beide sprechen sich explizit für die Kindertaufe aus.
Die meisten Puritaner, von Ausnahmen abgesehen, vertraten die Prädestinationslehre und die Kindertaufe.

Gruß,
Andreas

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Re: Die Prädestinationslehre und die Gemeinde Jesu

Beitragvon lutz » 06.07.2010 15:45

Jose hat geschrieben: Während ich mich mit diesem Thema beschäftige tauchte auch die Frage über den Einfluss der Prädestinationslehre auf die Gemeinde auf.
http://www.betanien.de/kus/kus1.pdf
ab Seite 11:
Die Lehre von der Auserwählung demütigt und eint
von Tim Kelly

einleitend heißt es:

"Haben Sie sich je gefragt: Liegt es an Ihnen, dass Sie gläubig sind, oder liegt es an Gott? Nun, es liegt an Gott, ihm allein gebührt alle Ehre – auch für unser Heil und unseren Glauben. Das ist eine Tatsache, die uns demütigt – und die uns als Christen zusammenschweißt. Entgegen der heute landläufigen Meinung trennt gesunde biblische Lehre nicht, sondern sie vereint. Der gemeinsame Glaube an Gottes Gnade formt und fördert die Einheit. Das zeigt Tim Kelly zeigt anhand von 1. Korinther 1-4."

Und dann wäre noch die 2. Betanienkonferenz am 11. September 2010 :
http://www.betanien.de/verlag/material/ ... php?id=128
Thema:
Die Erwählung als Schlüssel für Gemeinde und Mission

Lutz

PS: Aber damit kann ich nach wie vor nichts Konstruktives anfangen:
Auch wenn für Calvin das Gemeindeleben immer wichtig war, so glaubte er doch in diesem Zusammenhang daran, dass die Kirche eine Stiftung von oben war und nicht aus dem Zusammenschluss der Gläubigen erwuchs. Anderenfalls hätte seine Prädestinationslehre für ihn keinen Sinn ergeben.
Meint man damit vielleicht:
Kirche kommt nicht durch einen Zusammenschluss von Menschen (Gläubigen) zustande – sondern die Ursache für die Existenz der Kirche als Gemeinschaft der Heiligen ist Gottes souveräner Erwählungsratschluss. Ohne diesen Erwählungsratschluss gäbe es nie und nimmer irgendeine Kirche.

Umgekehrt, wenn die Gemeinschaft der Heiligen ein bloßer zufälliger Zusammenschluss von Menschen eines gleichen Glaubens ist, dann braucht es dazu mit Sicherheit keinen Erwählungsratschluss Gottes in dieser Hinsicht. Dann formiert man sich so wie in Vereinen. Dann kann von einer Stiftung von "oben" auch nicht gesprochen werden.

Soll man dies so verstehen?

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Joschie
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Beitragvon Joschie » 06.07.2010 16:25

Pilger Andreas hat geschrieben:Auch die Savoy-Erklärung ist nicht baptistisch, auch wenn sie in anderen Punkten vom Westminster Bekenntnis abweicht.
Calvin hat seine Institutio nicht umgeschrieben, sie ist gewachsen, im Gegensatz zu Melanchthons Loci Communes. Alle Grundzüge der letzten Ausgabe sind meines Wissens schon in der ersten enthalten.
Den Dortrechter Lehrregeln haben bei der Synode sicher nur Kindertäufer zugestimmt, denn gleichzeitig wurden ja das Niederländische Glaubenbekenntnis und der Heidelberger Katechismus als gültige Dokumente anerkannt, und beide sprechen sich explizit für die Kindertaufe aus.
Die meisten Puritaner, von Ausnahmen abgesehen, vertraten die Prädestinationslehre und die Kindertaufe.

Gruß,
Andreas
Irgendwie hast du meinen Beitrag falsch verstanden.Ich habe nicht geschrieben, das die Savoy-Erklärung baptistisch ist :!: Ich habe nicht geschrieben, das Calvin die Institutio umgeschrieben hat :!: Mir geht es immer noch um die Fragen, welche Schriften für dich den Calvinismus ausmachen.Baptismus nur auf die Tauffrage einzuengen ist einfach zu kurz gedacht und bei den englischen wie deutschen historisch falsch.Ist die Tauffrage für dich so entscheidend?
Gruß Joschie
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lutz
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Beitragvon lutz » 06.07.2010 19:04

Zur Frage nach einem Teilaspekt der Prädestinationslehre in Zusammenhang mit Kindern und „Kindertaufe“ möchte ich noch einen Gedankenanstoß formulieren.

http://confessio.reformata.de/index.php ... lehrregeln
Artikel 17
Da wir über den Willen Gottes aus seinem eigenen Wort urteilen müssen, welches bezeugt, daß die Kinder der Gläubigen heilig seien, zwar nicht von Natur, aber durch die Wohltat des Gnadenbundes, in welchen jene mit den Eltern eingeschlossen werden, so dürfen fromme Eltern an der Erwählung und der Seligkeit ihrer Kinder, die Gott in der Kindheit aus diesem Leben ruft, nicht zweifeln.
Die Frage wäre dann inwiefern der „Gnadenbund“, den man hier meint – mit der vor Grundlegung der Welt bereits in kraft stehenden Erwählung zum Heil übereinstimmt.
Es scheint mir zumindest, dass der „Gnadenbund“, der hier gemeint ist mit der „Erwählung vor Grundlegung der Welt“ zumindest in der Praxis (Sterben der Kinder) gleichgesetzt wird.

Also mir fällt es schwer einen Zusammenhang von „Erwählung zum Heil“ und „Taufe“ in einer Form herzustellen, der vor dem erkennbaren Eintritt der Wirkung (Glaube, ….) auf die Ursache (Erwählung vor Grundlegung der Welt) rückschließt.

Das Taufverständnis der „mehrheitlich historisch ersten Calvinisten“ oder der „mehrheitlich historisch ersten Reformierten“ und/oder der heutigen ... hat aber viele Facetten und ist nicht einfach darzustellen. Es gibt viele Baptisten, die es sich hier zu einfach machen und es gibt viele „Bundestheologen“, die es sich umgekehrt zu einfach machen. Am Ende hat man oft genau dasselbe wie in der Auseinandersetzung mit der Erwählungslehre – es werden Vorwürfe erhoben, die keine sind oder es wird die Gegenposition verleumderisch dargestellt.
Wir müssen hier sehr aufpassen und uns ganz genau erklären lassen.

Mal zwei Beispiele zum Thema:
______________________________________________

http://www.reformiert-info.de/2467-0-56-3.html

Hier geht es um den Heidelberger Katechismus:
…Aber man kann die Frage 74, in der die Kindertaufe begründet wird, erwählungstheologisch lesen. Die Kindertaufe wird ja damit begründet, dass die kleinen Kinder wie die Erwachsenen in den Bund Gottes und seine Gemeinde gehören und dass ihnen die Zusagen der Taufe nicht weniger gelten als den Erwachsenen. Man muss fragen: Gehören die Kinder schon von Geburt an in den Gottesbund? Oder werden sie erst im Vollzug der Taufe in den Gottesbund aufgenommen?
Auf den ersten Blick scheinen die Aussagen in HK 74 beide Möglichkeiten zuzulassen. Wenn man jedoch auf die Analogie zur Beschneidung achtet, kommt nur die erste Möglichkeit in Betracht. Der Bund besteht, zu ihm gehört man bereits als israelitischer Knabe von Geburt an. Dass Mädchen gar nicht beschnitten werden mussten, um diesem Bund anzugehören, wird nicht eigens erwogen, wie denn auch an diesem heiklen Punkt die Analogie zwischen Beschneidung und Taufe brüchig werden dürfte. Die Beschneidung ist ein äußeres Erkennungszeichen der Bundeszugehörigkeit. Wenn nun die Taufe als „Zeichen des Bundes“ charakterisiert wird, macht sie die Realität der Bundeszugehörigkeit sichtbar, bewirkt diese aber nicht. So können dann die getauften Kinder von den Kindern der Ungläubigen unterschieden werden. Auf diese Weise erreicht der HK auch ohne eine ausgearbeitete Erwählungslehre den gleichen Effekt. Es ist noch anzumerken, dass der Gedanke des Bundes nur hier und dann noch einmal in Frage 82 im Zusammenhang der Zulassung zum Abendmahl auftaucht.
In ekklesiologischer Hinsicht stellt sich die Frage noch einmal: Gehört man schon vor der Taufe zur Gemeinde? Oder wird die Gliedschaft in der Gemeinde durch die Taufe begründet? Die Antwort auf diese Frage hängt davon ab, wie man die Beziehungen zwischen Bund und Leib Christi deutet. Die Kinder gehören wie die Erwachsenen „in den Bund Gottes unnd seine [gemein]“, und sie werden in der Taufe „der Christlichen kirchen eingeleibt“<!--[if !supportFootnotes]-->[10]<!--[endif]-->. Man kann das so verstehen: Die Kinder werden in eine konkrete Kirche eingegliedert. Mit der Taufe wird nicht ihre Gliedschaft in der heiligen allgemeinen christlichen Kirche begründet (vgl. dazu HK 54) – die muss als bereits bestehend angesehen werden –, wohl aber die Mitgliedschaft in der jeweiligen konkreten sichtbaren Kirche. Das würde heißen: Im Vollzug der Taufe wird ein Mensch Mitglied der Kirche, die ihn tauft. Spätestens an diesem Punkt wird dann auch in einem reformierten Bekenntnistext die Taufe zum signum efficax: Hier bewirkt sie tatsächlich, was sie bezeichnet – die Eingliederung eines Menschen in die erfahrbare Kirche….
http://www.reformiert-info.de/4175-0-56-3.html
Die Prädestinationslehre wird Thema anlässlich der Taufe eines körperlich und geistig stark behinderten Kindes

Liebe Gemeinde,
….
Wir taufen auch Kinder, die was den Glauben angeht, keinen eigenen Willen haben. Sie wissen nicht, wie ihnen geschieht. Wir taufen auch ein Kind wie Emma, der wir nach unseren Maßstäben nicht erklären können, was es mit dem Glauben auf sich hat.

Und das, obwohl wir Reformierten auch nicht glauben, dass wir mit der Taufe etwas Magisches tun, was die Emma nun irgendwie verzaubert, ihr einen Schutzschild verpasst oder Ähnliches. So schön das wäre, wenn es funktionieren würde. Es wäre doch allzu sehr die Erfüllung eines Menschentraumes, sich vor allem Unglück schützen zu können.

Nein, es bleibt dabei: Die Taufe ist nichts Anderes, als dass wir ein Zeichen der Liebe Gottes setzen. Ein Zeichen dafür, dass Gott Emma kennt und ihr Leben begleitet und behütet und alle ihre Wege mitgeht. Anders gesagt: Die Taufe ist ein Zeichen dafür, dass Gott Emma „erwählt“ hat.
….
Das heißt: Er entscheidet, ob wir gläubige Menschen sind oder nicht. Er entscheidet, ob wir das Zeichen der Taufe zu Recht empfangen haben oder nicht.
….

Lutz
Zuletzt geändert von lutz am 06.07.2010 19:06, insgesamt 1-mal geändert.

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Pilger Andreas
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Beitragvon Pilger Andreas » 06.07.2010 19:05

Joschie hat geschrieben:Mir geht es immer noch um die Fragen, welche Schriften für dich den Calvinismus ausmachen.
Zweifelsohne die Institutio. Dann gab es reformierte Strömungen in Schottland, es entstand das schottische Glaubensbekenntnis; unter den Hugenotten das französiche; in England das Westminster Glaubensbekenntnis; in den Niederlande/Belgien die Confessio Belgica; in der Schweiz das 2. helvetische Bekenntnis; in Schottland das schottische Bekenntnis. Und nicht zu vergessen in Deutschland der Heidelberger Katechismus.
Dies alles sind reformierte Bekenntnisschriften und all diese sprechen sich explizit pro Kindertaufe aus. Da alle darin überinstimmen folgere ich daraus, daß die Kindertaufe ein Element des Calvinismus ist.
Joschie hat geschrieben:Baptismus nur auf die Tauffrage einzuengen ist einfach zu kurz gedacht und bei den englischen wie deutschen historisch falsch.
Baptismus, das sagt der Name, entscheidet sich ja eben an der Tauffrage. Themen wie die Prädestination sind im Baptismus unterschiedlich beantwortet worden. Im englischen unterscheidet man zwischen den general (contra Prädestination) und den particular (pro Prädestination) Baptists.
Joschie hat geschrieben:Ist die Tauffrage für dich so entscheidend?
Meines Erachtens läßt sie sie nicht vom Calvinismus lösen. Weder historisch noch theologisch.

Gruß,
Andreas

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Die Prädestinationslehre und die Gemeinde Jesu

Beitragvon Jose » 06.07.2010 19:29

Aus den obigen Beiträgen habe ich verstanden, dass man die Lehre der Prädestination mit dem Beibehalten der Kindertaufe verbinden kann. Dafür muss man m.E. aber zwingend ein anderes Verständnis über die Gemeinde Jesu haben.

Entstehung der Gemeinde (Apg. 2, 37.38.41)
"Als sie aber das hörten, drang es ihnen durchs Herz, und sie sprachen zu Petrus und den anderen Aposteln: Was sollen wir tun, ihr Brüder? Petrus aber sprach zu ihnen: Tut Buße, und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden! Und ihr werdet die Gabe des Heiligen Geistes empfangen. Die nun sein Wort aufnahmen, ließen sich taufen; und es wurden an jenem Tag etwa dreitausend Seelen hinzugetan." Die Gemeinde Jesu besteht somit aus Menschen, die das Wort Gottes gehört haben und zu denen Gott reden konnte; die von ihren Sünden überführt wurden und die Jesus im Glauben am Kreuz erblickten, wo Er stellvertretend für sie das Gericht Gottes auf sich nahm, um sie zu erretten. So entstand die Gemeinde.

Gemeinde oder Institution Kirche
Wenn die Kindertaufe praktiziert wird und die getauften dann zur Gemeinde hinzugetan werden, haben wir es eigentlich nicht mit Gemeinde zu tun nach biblischem Verständnis, sondern mit der Institution Kirche. Von dieser Institution hatten sich offensichtlich weder Luther noch Calvin distanziert. Es mag sein, dass für Calvin es unvereinbar gewesen war, nur Gläubige in die Kirche aufzunehmen, weil er dadurch der Prädestination vorgegriffen hätte bzw. er hätte es mit der Kindertaufe nicht in Einklang bringen können. Für Calvin galt vermutlich (kann ich aber nicht behaupten): Die Kirche ist die Summe der Berufenen, die Gemeinde ist die Gemeinschaft der Auserwählten.


Der Bertelsmann Wissens-Center ist nur für Mitglieder zugänglich, aber da ich von dort die erwähnte Aussage habe, wollte ich die Quelle nicht unerwähnt lassen. Am Ende des Artikels werden einige Webseiten referenziert, die vielleicht dem einen oder anderen noch nicht bekannt sind:

Calvin, Johannes - Leben und Werk
http://www.newadvent.org/cathen/03195b.htm
Die Seite aus der 'Catholic Encyclopedia' bietet eine ausführliche Darstellung der Lebensstationen sowie des Schaffens von Calvin. Sie informiert zudem über geschichtliche Hintergründe sowie über den Einfluss des Reformators auf seine Zeit

Calvin, Johannes - Biografie
http://hls-dhs-dss.ch/textes/d/D11069.php
Ausführliche Infos zu Leben und Werk Calvins im 'Historischen Lexikon der Schweiz'

Johannes Calvin - Biografie
http://www.bautz.de/bbkl/c/calvin_j.shtml



Liebe Grüße,
José
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Beitragvon Pilger Andreas » 06.07.2010 19:47

Calvin unterschied zwischen der sichtbaren und unsichtbaren Kirche. Zur ersteren gehören alle, die getauft sind und sich zur Kirche halten und zur letzteren die Auserwählten Gottes. Somit wächst Unkraut neben Weizen. Jedoch wird in den reformierten Kirchen auch Kirchenzucht geübt, damit der offensichtlichen Sünde gewährt wird.

Gruß,
Andreas

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Beitragvon Joschie » 06.07.2010 19:54

Pilger Andreas hat geschrieben:Meines Erachtens läßt sie sie nicht vom Calvinismus lösen. Weder historisch noch theologisch
Die Institutio hat 815 Seiten Auflage 2008, hast du ein ja zu allen Punkten?
Der Particular und der Deutsche Baptismus(Onken) hat seine historischen Wurzeln bei den Puritanern und nicht bei den Wiedertäufern. Ist jemand der das Taufverständnis von Calvin nicht teilt kein Reformierter?
Gruß Joschie
P:S.Ich bin kein Baptist, aber die Fragen dienen auch zu meiner persönlichen Klärung.
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