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	<title>Eschatologie Archive - Betanien Verlag</title>
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	<title>Eschatologie Archive - Betanien Verlag</title>
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		<title>Sechs Siegel: eine Krise jagt die nächste, bis zum Happy End</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans-Werner Deppe]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 04 Apr 2022 12:54:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Blog]]></category>
		<category><![CDATA[Eschatologie]]></category>
		<category><![CDATA[Timotheus Magazin]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Von Hans-Werner Deppe&#160; Die Lage der Welt scheint sich dramatisch zuzuspitzen. Ist das nur eine vorübergehende Krise, eine Welle, eine von mehreren Geburtswehen vor der Wiederkunft Christi (Mk 13,8)? Das Buch der Offenbarung liefert uns Antworten, nach welchem Muster die Endzeitabläufe auftreten. Es schildert das, was &#8230; </p>
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<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" height="640" width="960" decoding="async" src="https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2022/04/Bild-Sechs-Siegel-1024x683.jpg?resize=960%2C640&#038;ssl=1" alt="Sechs Siegel in der Offenbarung" class="wp-image-7286"/></figure>



<p>Von Hans-Werner Deppe&nbsp;</p>



<p>Die Lage der Welt scheint sich dramatisch zuzuspitzen. Ist das nur eine vorübergehende Krise, eine Welle, eine von mehreren Geburtswehen vor der Wiederkunft Christi (Mk 13,8)? Das Buch der Offenbarung liefert uns Antworten, nach welchem Muster die Endzeitabläufe auftreten. Es schildert das, was aus Johannes’ Perspektive „bald geschehen soll“, in mehreren Visionszyklen. Der erste dieser Zyklen sind die zwei Kapitel Offenbarung&nbsp;6 und&nbsp;7. Hier werden die sieben Siegel des geheimnisvollen Buches durch das Lamm geöffnet und die Endzeitschrecknisse beginnen sich zu entfalten.</p>



<p>Man kann diese zwei Kapitel mit einem spannenden Hollywood-Actionfilm vergleichen: Eine dramatische Entwicklung führt zu einer immer schlimmer werdenden Notlage. Man denkt, die Situation ist hoffnungslos, die Welt verloren, wer könnte noch Rettung bringen? Anstatt dass es besser wird, wird alles nur immer noch schlimmer. Eine Krise jagt die nächste. Doch schließlich beweist ein Held seine unfassbaren Fähigkeiten und es wird doch noch alles gut. Dank des Retter-Helden gibt es ein wunderbares Happy End. In Hollywoodfilmen wird typischerweise ein menschlicher oder übermenschlicher Held präsentiert, ein Superman, der die Bewunderung und Verehrung der Zuschauer empfängt. Das ist das Tückische an solchen Filmen. Als Christen wissen wir, dass allein Jesus die Welt retten kann; in solchen Filmen werden abgöttische Helden verherrlicht. Und auch, wenn der Zuschauer weiß, dass das alles nur Fiktion ist, werden doch innerlich falsche Erwartungsvorstellungen dessen, was ein Retter ist und ihn ausmacht, produziert.</p>



<p>Die Erwartung hingegen, dass die Lage der Welt sich immer weiter zuspitzt und es schlimmer wird statt besser – dass nach der Corona-Krise der Ukraine-Krieg kommt und danach sicherlich die nächste Krise – diese Erwartung sollten wir Christen tatsächlich haben. Und das nicht aufgrund von Actionfilmen, sondern weil wir genau das in Offenbarung&nbsp;6 sehen. Schauen wir uns das Kapitel im Überflug an und beachten wir, was für eine Art von Retter-Held der Jesus Christus hier im Hintergrund ist – absolut anders als die Actionhelden:</p>



<span id="more-7285"></span>



<h2 class="wp-block-heading">Die vier apokalyptischen Reiter</h2>



<p>Wer ist der Handelnde in Offenbarung&nbsp;6, wer ist der Akteur, die Hauptperson? Es werden die ersten Siegel des Buches geöffnet, und niemand anderes als das Lamm, der Herr Jesus Christus, ist es, der einzig und allein würdig ist, diese Siegel zu öffnen&nbsp;(Offb&nbsp;5,2.5.9) und dies nun zu tun beginnt. Das Lamm ist der Handelnde und der Held. Mit seinem Öffnen der ersten vier Siegel erscheinen vier Pferde und vier Reiter, die verschiedene Nöte bringen, und zwar weltweit, wie aus dem Begriff „Erde“ in den Versen&nbsp;4 und&nbsp;8 hervorgeht. Die Reiter sind dabei nicht die Hauptakteure. Sie scheinen eher von ihren Pferden getragen zu sein und handeln nicht in eigener Macht, sondern ihnen „wurde gegeben“&nbsp;(Vers&nbsp;2.4.8) dieses oder jenes zu tun. Das ist bereits eine Hauptbotschaft. Aus unserer menschlichen Perspektive scheinen Politiker, Machthaber und Mogule die Drahtzieher dieser Welt zu sein, aber letztlich sind sie es nicht. Gott steht darüber. Jesus sagte zu Pilatus, dass er keine Macht hätte, wenn sie ihm nicht „von oben gegeben wäre“&nbsp;(Joh&nbsp;19,11). Die Mächtigen mögen gottfeindliche Pläne schmieden, doch „der im Himmel thront, lacht, der Herr spottet über sie“&nbsp;(Ps&nbsp;2,4).</p>



<p>Die vier Reiter der ersten vier Siegel bilden eine zusammenhängende Abfolge von Entwicklungen, ein logisches Fortschreiten weltweiter Eskalation. Der Reiter auf dem weißen Pferd wird von manchen Auslegern sogar für Jesus selbst gehalten, der durch den weltweiten Triumphzug des Evangeliums sein Reich in dieser Welt verbreitet. Diese Auslegung halte ich für problematisch. Zwar wird später in Kapitel&nbsp;19 der Herr als auf einem weißen Pferd triumphierend vom Himmel kommend beschrieben, aber die ursprünglichen Hörer&nbsp;(Offb&nbsp;1,3) der Verlesung des Offenbarungs-Briefes in den sieben Empfängergemeinden hatten beim Vorlesen dieser Stelle noch nichts von Kapitel&nbsp;19 gehört. Hier haben wir vielmehr einen Anti-Messias, der siegreich ein Weltreich beherrscht. Darin können wir den römischen Kaiser sehen oder das Römische Reich an sich, das damals den Großteil der bekannten Welt beherrschte und eine sehr lange relative stabile Friedenszeit herbeiführte, die berühmte Pax Romana („römischer Friede“, ca. 29&nbsp;v.Chr. bis 250&nbsp;n.Chr.). </p>



<p>Auch wenn es an den Außengrenzen des Reiches während dieser Zeit zu kriegerischen Konflikten kam (z.B. in Palästina selbst, oder denken wir an Germanien und die Niederlage der Römer im Teutoburger Wald im Jahre 9&nbsp;n.Chr.) war die Pax Romana doch weitgehend geprägt von innerer politischer Stabilität und Sicherheit – jedoch unter einem absolutistischen Herrscher und mit eingeschränkter Freiheit. Vor Allem Christen hatten darunter zu leiden. Doch das Römische Reich expandierte gerade dadurch, dass es den eroberten Völkern Sicherheit zum Preis der Unterwerfung anbot.</p>



<p>Der zweite Reiter auf dem roten Pferd bringt Krieg, was meistens logisch auf eine totalitäre Herrschaft folgt. So war es auch beim Römischen Reich. Krieg und politische Umwälzungen wiederum führen zu wirtschaftlichen Nöten, die mit dem dritten Reiter auf dem schwarzen Pferd kommen. Eine Tagesration Getreide kostet einen ganzen Tageslohn („ein Maß Weizen für einen Denar“, Offb&nbsp;6,6). Hunger und Elend sind die Folge. Die Luxusgüter Wein und Öl hingegen sind von der Inflation nicht betroffen. Möglicherweise hat dies auch damit zu tun, dass in der Region der Empfänger, in Kleinasien, Wein und Öl angebaut wurde, Getreide hingegen importiert werden musste und in dieser Wirtschaftskrise extrem teuer wurde. Ansatzweise beginnen auch wir aktuell die Teuerung von Importerzeugnissen zu spüren. Wenn wir bedenken, dass die Ukraine und auch Russland für uns Hauptlieferanten von Getreide und anderen Bedarfsgütern sind, ist absehbar, dass das Leben sich noch sehr verteuern wird.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein Muster von Tyrannei, Krieg und Elend</h2>



<p>Der vierte Reiter auf dem fahlen Pferd heißt „Tod“, was auch „Pest, tödliche Krankheit“ bedeuten kann und der blassgrünen (griech. <em>chloros</em>) Farbe des Pferdes entspricht. In alttestamentlichen Prophezeiungen werden die vier Gerichtswerkzeuge Gottes, die wir bei diesem Reiter sehen, ebenfalls zusammen angeführt: Schwert, Hunger, tödliche Krankheiten und wilde Tiere (siehe z.B. 5Mo&nbsp;32,24-25; Hes&nbsp;14,13-20). Dieser letzte Reiter ist die weitere Eskalation der vorhergehenden Reiter, die bereits Schwert und Hunger brachten. Nach dem Untergang des Römischen Reiches folgte das finstere Mittelalter mit Armut, Kriegen und Pest-Epidemien, die teilweise regional durchaus mehr als ein Viertel der Bevölkerung dahinrafften&nbsp;(Offb&nbsp;6,8). Wilde Tiere wie Wölfe und Bären waren ebenfalls eine Gefahr, allerdings schildert die Offenbarung in den weiteren Kapiteln noch viel schlimmere Bestien: den Drachen, die alte Schlange (das ist der Teufel) und die zwei antichristlichen Tiere, die ab Kapitel&nbsp;13 die Szene betreten.</p>



<p>Damit sind wir bei der Frage der symbolischen Bedeutung. Auch wenn viele Details auf das Römische Reich passen, beschreiben die Visionen nicht unbedingt konkrete historische Ereignisse und Entwicklungen, sondern ein wiederkehrendes Muster einer logisch zusammenhängenden Abfolge menschlicher Herrschaft und Weltlenkungsversuche: Tyrannei, Krieg und Elend. Der Islam zog seit dem 7.&nbsp;Jahrhundert ebenfalls zur Welteroberung aus, auch das Papsttum schickte sich dazu an. Das Heilige Römische Reich deutscher Nation war vom Mittelalter bis 1806 der erste Versuch, das alte Römische Reich wiederherzustellen, Napoleons Reich war der zweite. Hitler nannte seinen Versuch dann Drittes&nbsp;Reich. Und heute erleben wir einen weiteren Wiederherstellungsversuch dieses globalen Machtmonopols, der durch eine technische Kontroll-Infrastruktur nun bestens umsetzbar ist. Wir können sehr dankbar sein, dass wir in unserem Land jahrzehntelang Demokratie und Rechtstaatlichkeit mit Gewaltenteilung hatten. Gewaltenteilung statt Machtmonopol ist eine Errungenschaft biblischer Weltanschauung, denn aufgrund der Bibel wissen wir, wie verdorben der Mensch ist, und ein Machtmonopol aus verdorbenen Menschen führt unweigerlich in die Unterdrückung. Macht korrumpiert und absolute Macht korrumpiert absolut.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Christenverfolgung als Folge der Krisen</h2>



<p>Christen sind aus verschiedenen Gründen immer besonders von Unterdrückung betroffen: Sie werden als unliebsame Minderheit schikaniert, oder ihnen wird als Sündenböcke die Schuld an den Krisen gegeben. Unterwerfung unter die Forderungen der Macht, einschließlich deren gotthafter Verehrung, bedeutet für sie oft Ungehorsam gegenüber Gott, was für sie nicht in Frage kommt. Christen sind in Diktaturen oft jene, die aus Glaubensüberzeugung nicht mitmachen bei dem, was die Machthaber mit ihren Gesetzen fordern und ihren Ideologien propagieren. Sie werden verfolgt „um des Wortes Gottes und des Zeugnisses (Jesu) willen“&nbsp;(Offb&nbsp;6,9; vgl. 1,2.9; 12,17 u.a.).</p>



<p>Und so wendet sich beim Öffnen des fünften Siegels der Blick vom allgemeinen Geschehen auf der Erde hin auf das Schicksal der Christen. Viele sind bereits unter Christenverfolgung getötet worden, und noch weitere Märtyrertode müssen folgen, doch nur noch für „kurze Zeit“&nbsp;(Offb&nbsp;6,11). Dieses fünfte Siegel, die Christenverfolgung, ist ebenso wenig zusammenhanglos aneinandergereiht wie die ersten vier Siegel, sondern steht in einer logischen Abfolge. Das ist die große Lektion, die wir hier lernen sollten: Es wird mit dieser Welt – trotz weltgeschichtlichem Auf und Ab und wellenmäßigen Auftreten von Krisen, Konflikten und Kriegen wie bei Geburtswehen – letztlich nicht besser werden, insbesondere für uns Christen. Bei allen Helden und Anti-Helden, die die Weltszene betreten, müssen wir als Christen im Blick behalten, dass unser wahrer Held das Lamm ist, das die Siegel nach und nach öffnet, bis zu seinem triumphalen Wiederkommen.</p>



<p>Als Trost für die schwere Zeit bis dahin wird den Gläubigen posthum ein „weißes Gewand gegeben“&nbsp;(Offb&nbsp;6,11a), eine Gerechtigkeit und wahre moralische Überlegenheit, die das Lamm durch sein Blut am Kreuz erkauft hat (Offb&nbsp;7,14; 5,9) und ihnen wird als Trost die göttliche Verheißung des baldigen Sieges Gottes zuteil (Offb&nbsp;6,11b).</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wer kann vor dem Zorn des Lammes bestehen?</h2>



<p>Doch zuerst wird es noch schlimmer, denn nachdem mit den ersten fünf Siegeln beschrieben wurde, was Menschen und ihre Herrschaft auf der Erde anrichten, kommt mit dem sechsten Siegel Gottes Zorn in Gestalt geologischer und kosmischer Katastrophen zum Ausdruck. Auch die Eliten&nbsp;(Offb&nbsp;6,15) sind dem hilflos ausgesetzt und wünschen sich, dass die Berge über sie fallen&nbsp;(Offb&nbsp;6,16a), was der Herr Jesus schon auf dem Weg zur Kreuzigung den weinenden Frauen voraussagte&nbsp;(Lk&nbsp;23,30). Man könnte hier an schreckliche Szenarien wie Nuklearwaffen oder russische Vakuumbomben denken, aber die Menschen begehren nicht Schutz vor Strahlung, sondern „vor dem Angesicht dessen, der auf dem Thron sitzt, und vor dem Zorn des Lammes“&nbsp;(Offb&nbsp;6,16b). Nun wird die Frage aller Fragen aufgeworfen: „Wer vermag zu bestehen?“&nbsp;(Offb&nbsp;6,17), und zwar vor dem Zorn Gottes, der sich im weiteren Verlauf der Offenbarung auch noch in den sieben Posaunen und sieben Zornesschalen zeigen wird. War es in Kapitel&nbsp;5 die Frage, wer würdig ist, die Siegel des Buches zu öffnen, nämlich das Lamm, wird nun gezeigt, wer vor dem Zorn Gottes gerettet wird: Jene, die zum Lamm gehören, die durch sein Blut gekennzeichnet und „versiegelt“&nbsp;(Offb&nbsp;7,3) sind, von ihm erkauft und geliebt.</p>



<p>Johannes „hört“ (Offb 7,4) zunächst nur die Anzahl der Versiegelten: 144.000 aus den zwölf Stämmen Israels (wobei die Stämme etwas anders aufgelistet werden als im AT). Dann „sieht“ (Offb 7,9) er eine große, unzählbare Menge aus allen Nationen und Völkern. Die Gemeinde der Erretteten besteht grundsätzlich aus Juden und Heiden (Eph 2,13ff), die Gott sich als anbetendes Volk erlöst und erkauft hat. Sie alle gehen auf dieser Erde durch eine „große Bedrängnis“ (Offb 7,14; vgl. Apg 14,22; 1Thes 3,3-4 u.v.a.), und wir müssen darauf gefasst sein, dass sich diese Bedrängnis immer weiter zuspitzt. Doch das glorreiche Happy End ist die ewige Gemeinschaft mit Gott, vom Lamm geleitet zu „Wasserquellen des Lebens“, „und Gott wird jede Träne von ihren Augen abwischen“ (Offb 7,17). Der Herr Jesus ist unser Held, der sein Blut für uns gegeben hat, der auf dem Thron sitzt und die Weltgeschichte lenkt, und der bald triumphierend wiederkommen wird. Möge es bis dahin schon jetzt unser Lebensinhalt sein, ihm zu folgen, „wohin es auch geht“ (Offb 14,4), ihm zu dienen und ihn anzubeten.</p>



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<h4 class="wp-block-heading">Timotheus Magazin Nr. 46</h4>



<h6 class="wp-block-heading"> 01/2022 </h6>



<p>Umfang:<em> 44 Seiten</em> <br>Format:<em> 21 x 29,7 cm</em><br>Medium:<em> Printausgabe</em></p>



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		<title>Bereit für die kommende Trübsal &#8211; Ein Brief von Corrie ten Boom</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans-Werner Deppe]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 20 Dec 2015 11:29:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Blog]]></category>
		<category><![CDATA[Eschatologie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>1974 schrieb Corrie ten Boom (1892–1983) einen Brief mit dem Titel: „Vorbereitet für die kommende Bedrängnis“. Vorbemerkung Im Jahre 1974 schrieb Corrie ten Boom (1892-1983) einen bemerkenswerten Brief über Christenverfolgung. Dabei geht sie auch auf die so genannte Vorentrückungslehre ein, die seit etwa 150 Jahren unter &#8230; </p>
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<div>1974 schrieb Corrie ten Boom (1892–1983) einen Brief mit dem Titel: „Vorbereitet für die kommende Bedrängnis“.</div>
<h2>Vorbemerkung</h2>
<p>Im Jahre 1974 schrieb Corrie ten Boom (1892-1983) einen bemerkenswerten Brief über Christenverfolgung. Dabei geht sie auch auf die so genannte Vorentrückungslehre ein, die seit etwa 150 Jahren unter ansonsten bibeltreuen Christen immer weitere Verbreitung findet, und verurteilt sie als höchst gefährlich – weil sie schläfrig und unvorbereitet macht (wichtige Kernaussagen wurden fett hervorgehoben, siehe unten). Der Theologie-Dozent Peter Uhlmann hat den Brief erfreulicherweise ins Deutsche übersetzt. Parallel zum englischen Original ist Peter Uhlmanns Ausgabe auf seiner Webseite peteruhlmann.ch zu finden (genaue Quelleangabe unten). Corrie ten Boom hatte gewisse Frömmigkeitsstile von den Pfingstlern übernommen, was am Ende des Briefes leicht zum Ausdruck kommt. Wenn man ihre Aussagen über die Geistestaufe und das Erfülltsein mit dem Heiligen Geist aber biblisch versteht und nicht im pfingstlerischen Sinne als zweite, höhere Erfahrung, sind sie durchaus richtig und wichtig.</p>
<p>In seiner Vorbemerkung schreibt Peter Uhlmann:</p>
<p style="padding-left: 30px;">Angesichts der weltweit zunehmenden Christenverfolgungen, die ein noch nie dagewesenes Ausmaß angenommen haben, hat der folgende Brief von Corrie ten Boom eine ungeahnte Aktualität bekommen.</p>
<p style="padding-left: 30px;">Seit den ersten Jahrhunderten wurden Hunderttausende von Christen brutal verfolgt und unzählige wurden wegen ihres Glaubens getötet. Wenn wir in eine große Bedrängnis kommen werden, sollten wir auf jeden Fall bereit sein, für Christus Verfolgung auf uns zu nehmen und auch im Tod unserem Erlöser treu zu bleiben. Jesus sagte: „Sei treu bis in den Tod, und ich werde dir die Krone des Lebens geben (Offb 2,10).</p>
<p style="padding-left: 30px;">Christen, die an die Vorentrückungslehre glauben, die John N. Darby um 1833 von Edward Irving und seiner apostolisch-katholischen Kirche übernommen hatte, möchte ich in besonderem Maß bitten, diesen Brief aufmerksam zu lesen. Selbst wenn Sie bei ihrer Meinung verharren, sollten Sie sich bewusst sein, dass Millionen von erweckten Christen diese Lehre von Darby nicht für richtig halten.</p>
<p style="padding-left: 30px;">Es kann sein, dass die Bedrängnis, die viele Christen heute im Nahen Osten, im Norden Nigerias, in China, Nordindien, Nordkorea und zahlreichen weiteren Ländern erleben, auch vor den Toren Mitteleuropas nicht Halt macht.</p>
<p style="padding-left: 30px;">Jesus betete: „Ich bitte nicht, dass du sie (seine Nachfolger) aus der Welt nimmst, sondern dass du sie vor dem Bösen bewahrst“ (Joh 17,15). Jesus hatte allen wahren Nachfolgern Verfolgung vorausgesagt; folglich kann es auch uns treffen. Seit dem 1. Jh. bis ins unsere Zeit wurde die Erde in Europa mit dem Blut der Märtyrer getränkt. Glücklich zu preisen sind diejenigen, die mit dem Schlimmsten rechnen, damit sie vorbereitet sind, wenn es eintreffen sollte.</p>
<h2>Der Brief</h2>
<p>„Die Welt ist todkrank. Sie liegt im Sterben. Der große Arzt hat bereits den Totenschein ausgestellt. Doch es gibt für die Christen noch ein großes Werk zu tun. Sie sollen Ströme von lebendigem Wasser sein, Kanäle der Barmherzigkeit für diejenigen, die noch in der Welt sind. Sie können dies tun, weil sie Überwinder sind.</p>
<p>Christen sind Botschafter für Christus. Sie sind Vertreter vom Himmel her für diese sterbende Welt. Durch unsere Präsenz auf dieser Welt werden sich die Verhältnisse verändern.</p>
<p>Meine Schwester Betsy und ich waren im NS-Konzentrationslager Ravensbrück, weil wir das Verbrechen begangen hatten, Juden zu lieben. Siebenhundert von uns aus Holland, Frankreich, Russland, Polen und Belgien wurden in einem Raum zusammengepfercht, der für zweihundert gebaut war. Soweit ich weiß, waren Betsy und ich die einzigen beiden Vertreter des Himmels in diesem Raum.</p>
<p>Wir waren vielleicht die einzigen Vertreter des Herrn an diesem Ort des Hasses, aber wegen unserer Präsenz änderten sich dort die Dinge. Jesus sagte: „In der Welt habt ihr Bedrängnis, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden” (Joh 16,33). Auch wir sollen Überwinder sein, die das Licht Jesu in eine Welt bringen, die von Finsternis und Hass erfüllt ist.</p>
<p>Manchmal wird mir bange, wenn ich die Bibel lese und in der Welt sehe, wie all die Bedrängnis und die Verfolgungen wahr werden, wie es von der Bibel vorausgesagt wurde. Aber ich kann Ihnen sagen, wenn auch Sie Angst haben, dass ich gerade die letzten Seiten [der Bibel] gelesen habe. Ich kann jetzt laut rufen: „Halleluja! Halleluja!“, denn ich habe gefunden, wo geschrieben steht, dass Jesus sagte: „Wer überwindet, wird alles ererben, und ich werde sein Gott sein, und er wird mein Sohn sein“ (Offb 21,7).</p>
<p>Das ist die Zukunft und Hoffnung für diese Welt. Nicht, dass die Welt überleben wird, sondern dass wir inmitten einer sterbenden Welt Überwinder sein werden.</p>
<p>Im Konzentrationslager beteten Betsy und ich, dass Gott Betsy heilen würde, die so schwach und krank war. „Ja, der Herr wird mich heilen”, sagte Betsy voller Zuversicht. Sie starb am nächsten Tag und ich konnte das nicht verstehen. Sie legten ihren dünnen Körper auf den Betonboden, zusammen mit all den anderen Leichen der Frauen, die an diesem Tag gestorben waren.</p>
<p>Es war schwer für mich zu akzeptieren, dass Gott eine Absicht für all das hatte, was geschehen war. Doch aufgrund von Betsys Tod bin ich heute auf der ganzen Welt unterwegs, um den Menschen von Jesus zu erzählen.</p>
<p>Es gibt einige unter uns, die lehren, es gäbe keine Trübsal und die Christen wären in der Lage, all dem zu entkommen. Das sind die falschen Lehrer, vor denen Jesus uns warnte, dass sie in den letzten Tagen auftreten werden. Die meisten von ihnen wissen nur wenig von dem, was sich bereits auf der ganzen Welt ereignet. Ich war in Ländern, in denen die Heiligen schon furchtbare Verfolgungen erleiden.</p>
<p>In China wurde den Christen gesagt: „Seid nicht besorgt. Bevor die Trübsal kommt, werdet ihr verwandelt und entrückt.” Dann kam eine schreckliche Verfolgung. Millionen von Christen wurden zu Tode gefoltert. Später hörte ich einen Bischof aus China traurig sagen: „Wir haben versagt. Wir hätten die Menschen für die Verfolgung stark machen sollen, anstatt ihnen zu sagen, Jesus würde vorher kommen. Sagen Sie den Menschen, wie man in Zeiten der Verfolgung stark bleibt, wie man widersteht, wenn die Bedrängnis kommt, wie man besteht und nicht gefügig gemacht wird.”</p>
<p>Ich glaube, ich habe einen göttlichen Auftrag hinzugehen, um den Menschen dieser Welt zu sagen, dass es möglich ist, in dem Herrn Jesus Christus stark zu sein. Wir sind im Training für die Trübsal, aber mehr als sechzig Prozent des Leibes Christi auf der ganzen Welt ist bereits in die Trübsal eingetreten. Es gibt keinen Weg, ihr zu entfliehen. Wir sind die nächsten.</p>
<p>Seitdem ich um Jesu willen inhaftiert war und seit ich den Bischof in China getroffen habe, denke ich jetzt jedes Mal, wenn ich einen guten Bibeltext lese: „Hey, das kann ich für die Trübsalszeit Bedrängnis gebrauchen.“ Dann schreibe ich den Text nieder und lerne ihn auswendig.</p>
<p>Als ich im Konzentrationslager war, in einem Lager, in dem nur zwanzig Prozent der Frauen überlebten, haben wir versucht, uns gegenseitig mit den Worten zu ermutigen: „Nichts kann schlimmer sein als heute.” Aber der nächste Tag war noch schlimmer.<br />Während dieser Zeit hat mir ein Bibelvers, den ich auswendig kannte, große Hoffnung und Freude gegeben: „Wenn ihr wegen des Namens Christi beschimpft werdet, seid ihr glücklich zu preisen; denn der Geist der Herrlichkeit, der Geist Gottes, ruht auf euch. Niemand aber unter euch leide als ein Mörder oder Dieb oder Übeltäter oder der sich in fremde Angelegenheiten einmischt. Leidet er aber als ein Christ, so schäme er sich nicht, sondern ehre Gott mit diesem Namen.” (1Petrus 4,14-16)</p>
<p>Ich hörte mich selbst sagten: „Halleluja!“ Weil ich leide, wird Jesus verherrlicht! ”<br />In Amerika singen die Kirchen: „Lasst die Gemeinde der Bedrängnis entkommen“ („Let thy congregation escape tribulation“), aber in China und Afrika ist die Trübsal bereits angekommen. Im letzten Jahr allein erlitten mehr als zweihunderttausend Christen in Afrika den Märtyrertod. Nun ja, von solchen Ereignissen liest man nichts in den Zeitungen, weil sie zu schlechten politischen Beziehungen führen. Aber ich weiß davon. Ich bin dort gewesen. Wir müssen uns bewusst sein: Während wir in unseren schönen Häusern mit unseren schönen Kleidern sitzen und Steak zu Abend essen, werden viele, viele Glieder des Leibes Christi in diesem Augenblick zu Tode gefoltert. Und doch leben wir so weiter, als ob wir alle der Bedrängnis entkommen würden.</p>
<p>Vor einigen Jahren war ich in Afrika in einem Land, in welchem eine neue Regierung an die Macht gekommen war. Die erste Nacht in der ich da war, wurde einigen Christen befohlen, auf die Polizeiwache zu kommen, um sich dort registrieren zu lassen. Als sie ankamen, wurden sie verhaftet und in der gleichen Nacht hingerichtet. Am nächsten Tag geschah dasselbe mit anderen Christen. Den dritten Tag passierte das gleiche. Alle Christen im Bezirk wurden systematisch ermordet.</p>
<p>Am vierten Tag sollte ich in einer kleinen Kirche sprechen. Die Leute kamen, aber sie waren mit Angst und Spannung erfüllt. Während des Gottesdienstes sahen sie sich ständig mit fragenden Augen an: „Wird mein Sitznachbar der Nächste sein, der getötet wird? Werde ich der Nächste sein?”</p>
<p>Das Zimmer war heiß, stickig und voll von Insekten, die durch die offenen Fenster kamen und um die unverdeckten Glühbirnen über den kahlen Holzbänken herumschwirrten. Ich erzählte ihnen eine Geschichte aus meiner Kindheit:</p>
<p>„Als kleines Mädchen ging ich zu meinem Vater und sagte: ›Papa, ich fürchte, dass ich nie stark genug sein werde, um als Märtyrer für Jesus Christus zu sterben.‹ – ›Sag mir‹, sagte der Vater, ›Wenn du mit dem Zug nach Amsterdam fährst, wann gebe ich dir das Geld für die Fahrkarte? Drei Wochen vorher?‹ – ›Nein, Papa, du gibst mir das Geld für die Fahrkarte, kurz bevor wir in den Zug steigen.‹ – ›Das ist richtig,‹ sagte mein Vater, ›und so ist es mit der Kraft Gottes. Unser Vater im Himmel weiß, wann du die Kraft brauchst, um als Märtyrer für Jesus Christus zu sterben. Er wird dir alles zur rechten Zeit zur Verfügung stellen, was du brauchst.‹“</p>
<p>Meine afrikanischen Freunde nickten und lächelten. Plötzlich senkte sich ein Geist der Freude über diese Kirche und die Menschen begannen zu singen: „In dem Lieblichen, nach und nach werden wir uns an diesem schönen Ufer wieder begegnen.”</p>
<p>Im Verlauf dieser Woche wurde die Hälfte der Menschen dieser Gemeinde hingerichtet. Später erfuhr ich, dass die andere Hälfte vor einigen Monaten getötet wurde.</p>
<p>Aber ich muss Ihnen etwas sagen. Ich war so glücklich, dass mich der Herr gebraucht hat, um diese Menschen zu ermutigen, denn im Unterschied zu vielen ihrer Leiter hatte ich das Wort Gottes. Ich las und entdeckte in der Bibel, dass Jesus sagte, er habe nicht nur die Welt überwunden, sondern allen, die ihm bis zum Ende treu bleiben, werde er die Krone des Lebens geben (vgl. Offb 2,10)</p>
<p>Wie können wir uns auf die Verfolgung vorbereiten?</p>
<p>Erstens müssen wir uns vom Wort Gottes ernähren, es verdauen und es zu einem Teil unseres Wesens machen. Das bedeutet diszipliniertes Bibelstudium jeden Tag, wo wir nicht nur lange Passagen der Schrift auswendig lernen, sondern ihre Prinzipien in unserem Leben umsetzen.</p>
<p>Außerdem müssen wir eine persönliche Beziehung zu Jesus Christus entwickeln. Nicht nur den Jesus von gestern, den Jesus der Geschichte, sondern den lebensverändernden Jesus von heute, der lebt und zur Rechten Gottes sitzt.</p>
<p>Wir müssen mit dem Heiligen Geist erfüllt sein. Dieser Befehl der Bibel ist keine Option, sondern absolut notwendig. Die irdisch gesinnten Jünger hätten nie der Verfolgung der Juden und Römer standhalten können, wenn sie nicht auf Pfingsten gewartet hätten. Jeder von uns braucht ein persönliches Pfingsten, die Taufe des Heiligen Geistes. Wir werden niemals ohne sie in der Bedrängnis bestehen können.</p>
<p>In der kommenden Verfolgung müssen wir bereit sein, einander zu helfen und uns gegenseitig zu ermutigen. Wir dürfen nicht damit warten, bis die Trübsal beginnt. Die Frucht des Geistes sollte die bestimmende Kraft des Lebens jedes Christen sein.</p>
<p>Viele haben vor der kommenden Trübsal Angst. Sie wollen fliehen. Ich habe auch ein bisschen Angst, wenn ich daran denke, dass nach all den achtzig Jahren, einschließlich der schrecklichen Zeit im Konzentrationslager, ich auch noch durch die Trübsal gehen müsste. Aber dann las ich die Bibel und ich wurde froh.</p>
<p>Wenn ich schwach bin, dann werde ich stark sein, sagt die Bibel. Betsy und ich waren Gefangene für den Herrn, wir waren so schwach, aber wir bekamen Kraft, weil der Heilige Geist auf uns war. Diese mächtige innere Stärkung des Heiligen Geistes half uns durch. Nein, du wirst nicht stark in dir selbst sein, wenn die Bedrängnis kommt. Vielmehr wirst du stark sein in der Kraft dessen, der dich nicht verlässt. Ich kenne den Herrn Jesus nun sechsundsiebzig Jahre und nicht ein einziges Mal hat er mich verlassen oder mich enttäuscht.</p>
<p>„Obwohl er (Gott) mich schlägt, hoffe ich auf ihn” (Hiob 13,15). Ich weiß, dass Er allen, die überwinden, die Krone des Lebens geben wird. Halleluja!</p>
<p>Corrie ten Boom – 1974</p>
<p>Übersetzung von Peter Uhlmann, <a href="http://peteruhlmann.ch" target="_blank" rel="noopener">peteruhlmann.ch</a></p>
<p>Als PDF parallel zum englischen Originalbrief <a href="https://peteruhlmann.ch/_Resources/Persistent/0/9/3/0/0930baede193d74f3714bd12c9238d200ac55b38/Corrie%20Ten%20Boom%20gegen%20Vorentru%cc%88ckung.pdf" target="_blank" rel="noopener">hier veröffentlicht von Peter Uhlmann</a></p>
<p> </p>
<h2>Literaturempfehlung:</h2>


<figure class="wp-block-image size-large is-resized"><a href="https://www.cbuch.de/johnson-der-triumph-des-lammes-kommentar-zur-offenbarung.html"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" src="https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2015/12/triumph-des-lammes.jpg?resize=227%2C362&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-5853" width="227" height="362" srcset="https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2015/12/triumph-des-lammes.jpg?resize=643%2C1024&amp;ssl=1 643w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2015/12/triumph-des-lammes.jpg?resize=188%2C300&amp;ssl=1 188w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2015/12/triumph-des-lammes.jpg?resize=82%2C130&amp;ssl=1 82w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2015/12/triumph-des-lammes.jpg?resize=15%2C24&amp;ssl=1 15w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2015/12/triumph-des-lammes.jpg?resize=23%2C36&amp;ssl=1 23w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2015/12/triumph-des-lammes.jpg?resize=30%2C48&amp;ssl=1 30w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2015/12/triumph-des-lammes.jpg?w=712&amp;ssl=1 712w" sizes="(max-width: 227px) 100vw, 227px" /></a></figure>



<p></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.betanien.de/bereit-fuer-die-kommende-truebsal-ein-brief-von-corrie-ten-boom/">Bereit für die kommende Trübsal &#8211; Ein Brief von Corrie ten Boom</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.betanien.de">Betanien Verlag</a>.</p>
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		<title>Emerging Church, das Tausendjährige Reich und reformierte Theologie</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans-Werner Deppe]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 18 Apr 2013 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Blog]]></category>
		<category><![CDATA[Eschatologie]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitkritik/Apologetik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Eine Stellungnahme von Hans-Werner Deppe In letzter Zeit häufen sich öffentliche falsche Darstellungen der lehrmäßigen Ausrichtung des Betanien Verlags. Hier möchten wir eine kurze Richtigstellung dazu abgeben. Z.B. auf der eigentlich bibeltreuen KFG-Tagung in Groß-Dölln Mitte April 2013 wurde von Dr. Wolfgang Nestvogel in einem (auch &#8230; </p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h2>Eine Stellungnahme von Hans-Werner Deppe</h2>
<p>In letzter Zeit häufen sich öffentliche falsche Darstellungen der lehrmäßigen Ausrichtung des Betanien Verlags. Hier möchten wir eine kurze Richtigstellung dazu abgeben. Z.B. auf der eigentlich bibeltreuen KFG-Tagung in Groß-Dölln Mitte April 2013 wurde von Dr. Wolfgang Nestvogel in einem (auch auf CD verbreiteten) Vortrag behauptet, die Endzeit-Sicht und Publikationen des Betanien-Verlages würden dem Gedankengut der Emerging Church &#8222;den roten Teppich auslegen&#8220;. Dies möchten wir richtigstellen, denn eine Aussage könnte wohl kaum weiter von der Wahrheit entfernt sein. Im Gegenteil: Mit unserem Literatur- und Materialangebot setzen wir uns bekanntermaßen sehr gegen die Verbreitung „emergenter“ Auffassungen ein!</p>
<p>Ansatz des erwähnten irrigen Gedankens war wohl folgender: Die emergente Bewegung einerseits strebt nach der Aufrichtung eines irdischen Reiches Gottes; der Amillennialismus andererseits (die reformatorische Endzeit-Position des Betanien Verlags) versteht die „tausend Jahre“ in Offenbarung 20 symbolisch auf die Jetztzeit bezogen. Diese beiden Positionen haben jedoch überhaupt nichts miteinander zu tun.</p>
<p>Zunächst wichtig für das Bibelverständnis: Der Abschnitt in Offenbarung 20, wo von &#8222;tausend Jahren&#8220; die Rede ist, steht in keinem Zusammenhang mit der künftigen neuen Schöpfung, die auch als &#8222;messianisches Friedensreich&#8220; bezeichnet wird, wie z.B. Jes 11 (&#8222;der Wolf wird beim Lamm lagern&#8220; etc.) Mit den Regeln gesunder Schriftauslegung sind diese beiden Dinge &#8211; die nur in Offb 20 erwähnten tausend Jahre und das messianische, unseres Erachtens ewige Reich &#8211; nur schwer zu verbinden. Dennoch existiert im Denken vieler Christen eine ganz starre Verbindung und sogar Gleichsetzung dieser beiden Dinge. Wir bitten, dies einmal zu überprüfen und zu hinterfragen. Schließlich ist das von den alttestamentlichen Propheten verheißene Friedensreich ein <i>ewiges </i>Reich (Jes 34,17; 45,17; 60,21; Jer 31,40 u.v.a.).</p>
<p>Der Amillennialismus legt Jesu Aussage, dass sein Reich nicht von dieser Welt ist (Joh 18,36), am konsequentesten aus. Wir meinen, dass Jesu Reich weder jetzt noch in Zukunft ein diesseitiges, zeitliches, politisches Reich auf dieser Erde sein wird. Für eine ausführliche Erklärung dieser Sicht fehlt hier natürlich der Platz. Nehmen wir hier nur einmal 2. Petrus 3,11-16: Christen leben in der Erwartung der Wiederkunft Jesu, bei der die „Elemente in Brand aufgelöst werden“, danach wird es „neue Himmel und eine neue Erde“ geben. Bis dahin sollen wir in geistlicher Gesinnung der Nachfolge Jesu leben. Diese Schriftstelle charakterisiert sowohl die Zeit vor als auch die Zeit nach der Wiederkunft Jesu so klar, dass eigentlich alle millennialistischen (auch dispensationalistischen), postmillennialistischen und emergenten Sichtweisen ausgeschlossen sind: Die Bibel kennt nur zwei Zeitalter, das jetzige und das zukünftige, wobei das jetzige Zeitalter unverbesserlich böse und gerichtsreif ist. Näheres hierzu erklärt das Buch „Endzeit? Eigentlich ganz einfach!“ von Samuel Waldron, das so Gott will in wenigen Monaten beim Betanien Verlag erscheinen wird. Wir stellen die Kapitel 4-6 über das biblische Modell der zwei Zeitalter vorab <a href="https://www.betanien.de/verlag/material/Walron_Endzeit_Kap4-6.pdf">HIER </a>als PDF zur Verfügung.</p>
<p>Auf der oben erwähnten KFG-Tagung wurde in diesem Zusammenhang auch das 2007 von uns herausgegebene Buch „Zukunft. Hoffnung. Bibel“ von Roland Hardmeier als Beispiel für den angeblich schlechten emergenten Einfluss des Betanien Verlags erwähnt. Ehrlicherweise hätte man hier darauf hinweisen müssen, dass wir dieses Buch vor einiger Zeit aus unserem Angebot genommen haben, da der Autor inzwischen ein bedeutender Vertreter der sozial geprägten &#8222;missionalen&#8220; Theologie ist (siehe unsere Erklärung in unserem Shop <a href="http://www.cbuch.de/Hardmeier-Zukunft-Hoffnung-Bibel-p2232/">HIER</a>). Diese Auffassung des Autors kommt in dem Buch jedoch nicht zum Tragen, mit der kleinen Ausnahme, dass der Autor an wenigen Stellen eine Kontinuität zwischen (womöglich verbessertem) jetzigen und dem zukünftigen Zeitalter sieht. Dies lehnen wir ab – allerdings ist es für jeden bibeltreuen Verlag schwierig, ausschließlich solche Werke zu veröffentlichen, bei denen sie jeden einzelnen Satz voll bejahen können. So eng gefasst ist unser Umgang mit anderen Auffassungen jedenfalls nicht. Die jetzige Verbindung des Autors zur Transformations-Theologie war jedoch Grund genug, das Buch aus unserem Angebot zu nehmen.</p>
<p>Im Nachfolgenden habe ich als Hilfe zur Orientierung eine „Skala“ aufgestellt, die angibt, wie sehr oder wie wenig die verschiedenen Endzeit-Sichtweisen von einer diesseitigen Orientierung geprägt sind.</p>
<p><b>Skala (aufsteigende Reihenfolge) der irdischen (diesseitigen) Orientierung von Endzeit-Sichtweisen:</b></p>
<p><i>„Stufe 0“: Amillennialismus:</i><br />
• Vor der Wiederkunft Jesu: geistliches Reich (himmlisch, Jesus auf dem himmlischen Thron, „inaugurierte“ d.h. geistlich vorerfüllte Form des Reiches)<br />
• Nach der Wiederkunft Jesu: ewiges geistliches Reich (neue Schöpfung, materielle Erfüllung)</p>
<p><i>„Stufe 1“: historischer Millennialismus:</i><br />
• Vor der Wiederkunft Jesu: geistliches Reich (himmlisch)<br />
• Nach der Wiederkunft Jesu: zunächst irdisches Reich, dann neue Schöpfung</p>
<p><i>„Stufe 2“: Dispensationalismus:</i><br />
• Vor der Wiederkunft Jesu: geistliches Reich (himmlisch). Extreme Form: kein Königtum Jesu<br />
• 7 Jahre Zwischenphase: Wiederaufrichtung einer diesseitig-alttestamentlichen Ordnung für Israel<br />
• Nach der Wiederkunft Jesu: zeitliches, diesseitiges, politisches Reich (Israel als führender Nationalstaat)</p>
<p><i>„Stufe 3“: Postmillennialismus:</i> (u.a. im Katholizismus)<br />
• Vor der Wiederkunft Jesu: zeitliches, diesseitiges, politisches Reich (verschiedene Auffassungen, ob durch Jesus vom Himmel aus oder von Menschen regiert -&gt; Rekonstruktionismus)<br />
• Nach der Wiederkunft Jesu: ewiges geistliches Reich (neue Schöpfung)</p>
<p><i>„Stufe 4“: Emergente Bewegung</i><br />
• Vor der Wiederkunft Jesu: diesseitiges, politisches Reich durch soziale Transformation<br />
• Nach der Wiederkunft Jesu: generell kein klarer Bruch, wenig Orientierung auf diese Hoffnung, Kontinuität zum vorhergehenden irdischen Reich, „Jetzt“ und „Dann“ sind verschmolzen in der Vorstellung von „Gottes neuer Welt“</p>
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		<title>Wird Israel wieder hergestellt? &#8211; Vorträge als MP3</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans-Werner Deppe]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 20 Dec 2008 10:24:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Audio]]></category>
		<category><![CDATA[Blog]]></category>
		<category><![CDATA[Eschatologie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Vorträge von Hans-Werner Deppe zu dem oft brisantem Thema: Wird Israel wieder hergestellt? Teil 1: Der ewige Landbesitz Abrahams (H.W. Deppe, MP3, 18 MB) Teil 2: Was ist Israel? (H.W. Deppe, MP3, 18 MB) Teil 3: Römer 11,1-16 (H.W. Deppe, MP3, 15 MB) Teil 4: Römer &#8230; </p>
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<p>Der Beitrag <a href="https://www.betanien.de/wird-israel-wieder-hergestellt-vortraege-als-mp3/">Wird Israel wieder hergestellt? &#8211; Vorträge als MP3</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.betanien.de">Betanien Verlag</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Vorträge von Hans-Werner Deppe zu dem oft brisantem Thema: Wird Israel wieder hergestellt?</p>
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<audio class="wp-audio-shortcode" id="audio-3301-1" preload="none" style="width: 100%;" controls="controls"><source type="audio/mpeg" src="https://www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2008/12/20080900-abraham.mp3?_=1" /><a href="https://www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2008/12/20080900-abraham.mp3">https://www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2008/12/20080900-abraham.mp3</a></audio></p>
<p>Teil 1: <a href="https://www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2008/12/20080900-abraham.mp3">Der ewige Landbesitz Abrahams</a> (H.W. Deppe, MP3, 18 MB)</p>
<p><audio class="wp-audio-shortcode" id="audio-3301-2" preload="none" style="width: 100%;" controls="controls"><source type="audio/mpeg" src="https://www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2008/12/20080921-israel.mp3?_=2" /><a href="https://www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2008/12/20080921-israel.mp3">https://www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2008/12/20080921-israel.mp3</a></audio></p>
<p>Teil 2: <a href="https://www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2008/12/20080921-israel.mp3">Was ist Israel?</a> (H.W. Deppe, MP3, 18 MB)</p>
<p><audio class="wp-audio-shortcode" id="audio-3301-3" preload="none" style="width: 100%;" controls="controls"><source type="audio/mpeg" src="https://www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2008/12/20081005-roem11a.mp3?_=3" /><a href="https://www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2008/12/20081005-roem11a.mp3">https://www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2008/12/20081005-roem11a.mp3</a></audio></p>
<p>Teil 3: <a href="https://www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2008/12/20081005-roem11a.mp3">Römer 11,1-16</a> (H.W. Deppe, MP3, 15 MB)</p>
<p><audio class="wp-audio-shortcode" id="audio-3301-4" preload="none" style="width: 100%;" controls="controls"><source type="audio/mpeg" src="https://www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2008/12/20081012-roem11b.mp3?_=4" /><a href="https://www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2008/12/20081012-roem11b.mp3">https://www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2008/12/20081012-roem11b.mp3</a></audio></p>
<p>Teil 4: <a href="https://www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2008/12/20081012-roem11b.mp3">Römer 11,16-36</a> (H.W. Deppe, MP3, 18 MB)</p>
<p><audio class="wp-audio-shortcode" id="audio-3301-5" preload="none" style="width: 100%;" controls="controls"><source type="audio/mpeg" src="https://www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2008/12/20081130-neuerbund1.mp3?_=5" /><a href="https://www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2008/12/20081130-neuerbund1.mp3">https://www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2008/12/20081130-neuerbund1.mp3</a></audio></p>
<p>Teil 5: <a href="https://www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2008/12/20081130-neuerbund1.mp3">Was ist der Neue Bund?</a> (H.W. Deppe, MP3, 18 MB)</p>
<p><audio class="wp-audio-shortcode" id="audio-3301-6" preload="none" style="width: 100%;" controls="controls"><source type="audio/mpeg" src="https://www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2008/12/20081207-neuerbund2.mp3?_=6" /><a href="https://www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2008/12/20081207-neuerbund2.mp3">https://www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2008/12/20081207-neuerbund2.mp3</a></audio></p>
<p>Teil 6: <a href="https://www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2008/12/20081207-neuerbund2.mp3">Der Neue Bund und die neue Schöpfung</a> (H.W. Deppe, MP3, 17 MB)</p>
<p>Wir empfehlen dieses Buch als weiterführende Lektüre:</p>
<p><div class="white-box">
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</div></p>
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		<title>Argumente gegen den Dispensationalismus</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans-Werner Deppe]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 18 Dec 2008 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Blog]]></category>
		<category><![CDATA[Eschatologie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das einfachste und naheliegendste Argument gegen den Dispensationalismus lautet: Er steht nicht in der Bibel. Auf ihn trifft nicht zu, „es steht geschrieben &#8230;“ Damit meine ich nicht, dass dieses Fremdwort nicht in der Bibel vorkommt, sondern die speziellen Lehren des Dispensationalismus wie z.B. die Vorentrückungslehre &#8230; </p>
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<p>Der Beitrag <a href="https://www.betanien.de/argumente-gegen-den-dispensationalismus/">Argumente gegen den Dispensationalismus</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.betanien.de">Betanien Verlag</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Das einfachste und naheliegendste Argument gegen den Dispensationalismus lautet: Er steht nicht in der Bibel. Auf ihn trifft nicht zu, „es steht geschrieben &#8230;“ Damit meine ich nicht, dass dieses Fremdwort nicht in der Bibel vorkommt, sondern die speziellen Lehren des Dispensationalismus wie z.B. die Vorentrückungslehre sind nicht direkt der Schrift zu entnehmen. Es sind konstruierte Lehren. Wenn man nicht über das hinaus denkt, was geschrieben steht, wird man den Dispensationalismus nicht bestätigt finden.</p>
<p>Übrigens ist die Schriftstelle, die besagt, dass wir nicht über das hinaus denken sollen, was geschrieben steht, sehr wichtig für den Umgang mit diesem Thema, das leicht zu Streit und Rechthaberei führen kann. Denn das Über-die-Schrift-Hinaus-Denken führt nach 1. Korinther 4,6 dazu, dass man sich „gegeneinander aufbläht“, also in Hochmut und Rechthaberei verfällt. In dem, was geschrieben steht, können wir uns in Demut einig sein. In dem, was darüber hinaus geht, brauchen wir uns nicht einig sein. Man kann für sich selbst unterschiedliche Ansichten haben, aber nicht von anderen erwarten, die eigenen Ansichten würden auch verbindlich für andere Christen gelten. Wenn man jedoch Ansichten vertritt, die dem widersprechen, was geschrieben steht, sollte man bereit sein, seine Sicht zu revidieren. So werde ich im Folgenden kurz aufzeigen, welche Lehren des Dispensationalismus nicht in der Bibel gelehrt werden oder sogar der Bibel widersprechen.</p>
<ol>
<li><strong> Der Dispensationalismus lehrt, dass die Bibel und die Heilsgeschichte in mehrere Heilszeitalter (Haushaltungen oder Dispensationen) aufzuteilen sind. Zwischen den einzelnen Heilszeitaltern bestehe eine unüberbrückbare Diskontinuität. </strong></li>
</ol>
<p>Antwort: Das Beachten der heilsgeschichtlichen Epoche ist bei der Bibelauslegung fraglos wichtig und daher als hermeneutisches Hilfsmittel richtig. Die Schrift selbst lehrt die dispensationalistische Einteilung in Haushaltungen jedoch nicht und deshalb darf dieses Einteilen nicht zu einer Maxime werden, die unser Schriftverständnis bestimmt und überfremdet. Die Betonung von Diskontinuität lehrt die Schrift ebenfalls nicht, dazu werden wir unten am Beispiel des Verhältnisses zwischen Israel und Gemeinde noch näher eingehen. Außerdem wird die Einheit der Schrift durch dieses Fragmentieren untergraben. Dieses „Zerschneiden“ der Schrift mit 2Tim 2,15 zu begründen, beruht auf einer falschen Auslegung („Hineinlegung“) dieser Schriftstelle. Die Schrift ist eine Einheit, weil es nur einen Heilsweg und einen Heiland gibt, der bereits auf den ersten Seiten der Bibel angekündigt und dessen vollendeter Triumph auf ihren letzten Seiten beschrieben wird.</p>
<p>Das dispensationalistische Zerteilen der Schrift führt auch dazu, dass das im NT in Christus vollkommen offenbarte Heil nur als eine von mehreren Phasen der Heilsgeschichte angesehen wird, anstatt als ihr erfüllender Gipfel und Endpunkt. So meinen Dispensationalisten z.B., künftig werde wieder ein Rangunterschied zwischen Gläubigen aus den Juden und aus den Heiden bestehen, entgegen der biblischen Lehre, dass in Christus „nicht Jude noch Grieche“ ist und alle Gläubigen durch Christus „Abrahams Nachkommenschaft“ sind (Gal 3,28-29). So dominiert das dispensationalistische Prinzip der Diskontinuität beim Verstehen der Schrift über das biblische Prinzip der fortschreitenden, aufeinander aufbauenden Heilsoffenbarung.</p>
<ol start="2">
<li><strong> Der Dispensationalismus lehrt, Jesus habe Israel das davidisch-messianische Königreich angeboten, doch entgegen Gottes Absicht hätten die Israeliten es abgelehnt. Daher sei die Wiederherstellung des davidischen Königreichs aufgeschoben worden bis zur Wiederkunft Jesu.</strong></li>
</ol>
<p>Der bekannte Dispensationalist J. D. Pentecost schreibt das Scheitern dieser angeblichen Absicht Gottes dem Satan zu: „Mit allen erdenklichen natürlichen und übernatürlichen Mitteln führte der Satan seine unnachgiebige Kriegführung aus, um Christus daran zu hindern, auf seinem ihm zugewiesenen Thron in dem Königreich, das aufzurichten er gekommen war, zu gelangen“ („Thy Kingdom Come“, S. 203). Demzufolge hätte Satan sein Ziel erreicht. Doch Jesu Worten zufolge war es vielmehr Satans Ansinnen, den Herrn von seinem entschiedenen Weg zum Kreuz abzuhalten (Mt 16,21-23). Jesus „musste“ „vieles leiden und getötet und am dritten Tag auferweckt werden“ (Mt 16,21). Dies war von Anfang an Gottes Plan und entsprach den alttestamentlichen Prophezeiungen: „So steht geschrieben und so musste der Christus leiden und am dritten Tag auferstehen“ (Lk 24,26-27.46). Seine Auferstehung und Himmelfahrt werden dann in der Apostelgeschichte eng mit dem verheißenen Davids-Thron und -Reich verknüpft (Apg 2,29-34; 13,34-36). Dies stimmt auch mit der Prophetie Daniels über die Himmelfahrt Christi überein (Dan 7,13-14). Auch was den Tempel betrifft, dürfen wir wissen, dass er in dem auferstandenen Christus bereits wieder aufgebaut ist (Joh 2,19).</p>
<p>Nach Apostelgeschichte 15,16 hat sich die „Wiederaufrichtung der Hütte Davids“ durch das Evangelium erfüllt. Diese Wiederaufrichtung ist nämlich die Voraussetzung für die Heidenmission (Apg 15,17; Amos 9,11-12), worauf Jakobus hier hinweist. Jesus kam nicht, um ein irdisches Reich anzubieten, sondern „um zu sein Leben zu geben“ (Mk 10,45) und sich nach seiner Auferstehung als Erstling einer neuen Schöpfung auf den Thron zur Rechten Gottes zu setzen. Dispensationalisten sagen, Jesus sei zwar auch jetzt König, herrsche aber nicht: „Obwohl Christus auch heute König ist, herrscht er nicht als König“ (Ryrie: Die „Bibel verstehen“, S. 296). Doch der Schrift nach „muss er herrschen, bis er alle Feinde unter seine Füße gelegt hat“ (1Kor 15,25; vgl. Ps 110,1) Dies bezieht sich eindeutig auf die Jetztzeit (Hebr 10,12-13). Es wäre auch seltsam, wenn der Herr auf einem Thron sitzt (wie die Schrift vielfach bezeugt), ein himmlisches Reich hat (Kol 1,13) und König genannt wird (Apg 17,7; 1Tim 1,17; 6,15), ohne tatsächlich zu herrschen. Das messianische Reich ist in verborgener Weise jetzt und wird in allumfassender Weise mit der Wiederkunft des Herrn und der neuen Schöpfung kommen.</p>
<ol start="3">
<li><strong> Der Dispensationalismus lehrt, dass das nationale Volk Israel als Gesamtheit auch heute noch Gottes auserwähltes Volk sei. </strong></li>
</ol>
<p>Antwort: Zum auserwählten Volk Gottes gehören nur Gläubige, die an den Herrn Jesus Christus glauben; denn die Auserwählung Gottes führt immer zum ewigen Heil (Röm 8,29-30). Dieses Volk der wiedergeborenen Christen, das aus gläubigen Juden und Heiden besteht, ist ein „auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, eine heilige Nation, ein Volk zum Besitztum“ (1Petr 2,9; vgl. 2Mo 19,6; 5Mo 7,6). Diejenigen Juden, die nicht an Jesus glauben, sind „nicht mein Volk“ (Hos 1,9; Röm 9,25; Mt 21,43). Nur wenn sie zum Glauben an Jesus kommen, werden sie wieder ins Volk Gottes aufgenommen (Hos 2,25; Röm 9,25; 11,23). Diese gläubigen Juden sind die „Auswahl“ und „Geliebte um der Väter willen“ (Röm 11,28). Das jüdische Volk hat zwar bestimmte geistliche Vorrechte (Röm 9,1-5), aber die natürliche Zugehörigkeit zu diesem Volk bedeutet nicht Auserwählung oder Errettung, denn diese ist „nicht aus Geblüt“ (Joh 1,12), sondern aus Gott (Joh 1,13; Röm 9,11-24).</p>
<ol start="4">
<li><strong> Der Dispensationalismus lehrt, er selbst sei der Schlüssel zum einzig richtigen Bibelverständnis</strong></li>
</ol>
<p>Dispensationalisten sehen ihr System als Schlüssel zur Schrift an. Der führende Dispensationalist Dwight L. Pentecost schreibt in seinem Werk „Bibel und Zukunft“: „Die Schrift bleibt unverständlich, solange man nicht eindeutig zwischen Gottes Heilsplan für Sein irdisches Volk Israel und dem für die Gemeinde unterscheidet“ (S. 543).</p>
<p>Wenn jemand behauptet, eine spezielle Lehre sei der einzig wahre Schlüssel zur Schrift, müssen wir sehr skeptisch sein. Der einzige „Schlüssel zum richtigen Schriftverständnis“ ist der Herr Jesus Christus (vgl. Lk 24,45ff). Die biblische Lehre lässt sich nicht auf eine minimale Formel reduzieren, sondern es muss „der ganze Ratschluss Gottes verkündigt“ werden (Apg 20,27). Es gibt keinen Geheimcode in der Schrift, den man mit einem Schlüssel dechiffrieren kann.</p>
<p>Was obiges Zitat von Pentecost betrifft, werden wir weiter unten sehen, dass die Schrift keine zwei verschiedenen Heilspläne für verschiedene Völker Gottes lehrt. Auch wenn es richtig ist, zwischen dem alttestamentlichen Israel und der neutestamentlichen Gemeinde zu <em>unterscheiden</em>, so darf man aus dieser <em>heilsgeschichtlichen Unterscheidung </em>keine <em>heilsmäßige Trennung </em>machen (siehe Punkt 6).</p>
<ol start="5">
<li><strong> Der Dispensationalismus lehrt, dass die Zeit zwischen Pfingsten und Entrückung ein „Einschub“ oder eine „Einschaltung“ in der Heilsgeschichte Gottes sei.</strong></li>
</ol>
<p>Die meisten Dispensationalisten bezeichnen diese Zeitspanne als „Haushaltung der Gnade“ oder „Zeitalter der Gemeinde“ oder ähnlich. Darby meinte, dieser Einschub sei gar keine Haushaltung, sondern eine Art Pause in Gottes Plan, während der die „prophetische Uhr“ stillstände. Dispensationalisten meinen, die Gemeinde – die Gesamtheit der Gläubigen zwischen Pfingsten und Entrückung – sei im Alten Testament nicht erwähnt und ein „Geheimnis“, das erst im NT offenbart werde. Seinen eigentlichen Heilsplan – den Heilsplan mit dem Volk Israel – nehme Gott erst nach der Entrückung wieder auf (siehe Punkt 7).</p>
<p>Diese Sichtweise erscheint schon von daher fragwürdig, dass das jetzige Zeitalter als eine Art Lückenfüller gesehen wird und es demzufolge in der Bibel und in Gottes Heilsplan hauptsächlich um das nationale Volk Israel gehe. Aber hat Gottes Heil nicht gerade in der Jetztzeit seine größte Entfaltung gefunden, da das Evangelium bis an die Enden der Erde ausgebreitet wird? Ist nicht „über uns das Ende (oder Ziel) der Zeitalter gekommen“ (1Kor 10,11)? Die Schrift lehrt weder, dass zu Pfingsten ein abrupter Bruch zwischen zwei Heilszeitaltern aufgetreten sei, noch dass wir jetzt in einer „Einschaltung“ leben. Im Gegenteil finden wir neben dem, was zu Pfingsten neu eingeführt wurde (das Kommen des Heiligen Geistes) deutliche Kontinuitäten zwischen vorher und nachher (siehe Punkt 6).</p>
<p>Das „Geheimnis“, das im NT offenbart wird, ist keineswegs die angebliche Einschaltung eines zuvor verborgenen Zeitalters. Vielmehr besagt dieses Geheimnis, dass außer Israel auch die Nationen an Gottes Heil teilhaben und in gewisser Weise als „Mitbürger“ und Miterben“ zu Israel dazugehören sollen (Eph 3,3-6; 2,19) und dass Israel zum Teil verstockt wurde, eben damit auch die Heiden in Genuss des Heils kommen können (Röm 11,25). Eben weil dies ein Geheimnis war, müssen wir bei manchen alttestamentlichen Prophezeiungen, die augenscheinlich nur das Volk Israel betreffen, erwägen, ob diesem Geheimnis zufolge auch die Gläubigen aus den Nationen darin eingeschlossen sind.</p>
<p>Es ist eine unwahre dispensationalistische Behauptung, dass die Propheten des AT nichts über diese Heilszeit zu sagen gehabt hätten. Laut einer nach-pfingstlichen Aussage von Petrus ist das Gegenteil der Fall: „Alle Propheten, von Samuel an und der Reihe nach, so viele geredet haben, haben auch diese Tage verkündigt“ (Apg 3,24; vgl. 1Petr 1,10).</p>
<ol start="6">
<li><strong> Der Dispensationalismus lehrt, dass Israel und die Gemeinde zwei völlig verschiedene Völker seien, zwischen denen keinerlei Kontinuität bestehe und die daher heilsgeschichtlich absolut getrennt sind, auch was ihre Heilszukunft betrifft.</strong></li>
</ol>
<p>Antwort: Die Schrift lehrt diese Diskontinuität nicht, sondern zeigt vielmehr eine Kontinuität. Eine deutliche Kontinuität zwischen Israel und den ersten Jüngern bzw. der Gemeinde wird gelehrt in den Evangelien, der Apg., in Röm 9-11, Eph 2-3 etc. Jesus, die Apostel, die ersten Jünger und die erste Gemeinde waren ausnahmslos jüdisch. Paulus nennt diesen Keim der Gemeinde den Überrest Israels (Röm 11,1ff). Als in der Apostelgeschichte die ersten Heiden ins Volk Gottes aufgenommen wurden, geschah dies zuerst mit sehr großer Skepsis seitens der Gläubigen und sogar ihrer Führer (siehe Petrus in Apg 10).</p>
<p>Dispensationalisten behaupten, das NT würde Gläubige der Jetztzeit nie als „Israel“ bezeichnen. Doch dem entgegen deutet das NT viele israelitische Begriffe auf die Gemeinde bzw. sieht das wahre Israel jetzt in der Gemeinde (wobei es zwei Auffassungen gibt: a) die ganze jetzige Gemeinde bildet dieses wahre „Israel Gottes“, b) nur die jüdischstämmigen Gläubigen der Jetztzeit bilden das „Israel Gottes“)</p>
<p>Folgende Tabelle verdeutlicht die Kontinuität zwischen alttestamentlichem Israel und neutestamentlicher Gemeinde und zeigt, dass die Namen des alttestamentlichen Gottesvolkes auf das neutestamentliche übertragen wurden:</p>
<p>&nbsp;</p>
<table>
<tbody>
<tr>
<td width="276">
<h3>AT-Begriffe für / in Bezug auf Israel</h3>
</td>
<td width="312">
<h3>AT-Stellen</h3>
</td>
<td width="396">
<h3>Neutestamentliche Übertragung</h3>
</td>
</tr>
<tr>
<td width="276">Königliches Priestertum</td>
<td width="312">2Mo 19,6</td>
<td width="396">1Petr 2,5.9, Offb 1,6; 5,10</td>
</tr>
<tr>
<td width="276">heilige Nation</td>
<td width="312">2Mo 19,6</td>
<td width="396">1Petr 2,9</td>
</tr>
<tr>
<td width="276">Erwähltes (Eigentums-) Volk</td>
<td width="312">5Mo 7,6; 10,15; 14,2; Jes 43,20.21</td>
<td width="396">Eph 1,4; Kol 3,12; 2Thes 2,13; 1Petr 2,9</td>
</tr>
<tr>
<td width="276">Braut Gottes</td>
<td width="312">Jes 54,5-6; Jer 2,2; Hes 16,32; Hos 1,2</td>
<td width="396">2Kor 11,2, Eph 5,31-32</td>
</tr>
<tr>
<td width="276">Kinder Abrahams</td>
<td width="312">2Chr 20,7; Ps 105,6; Jes 41,8</td>
<td width="396">Röm 4,11.16; Gal 3,7.29; 4,23.28.31</td>
</tr>
<tr>
<td width="276">erwähltes Volk</td>
<td width="312">5Mo 7,7</td>
<td width="396">Kol 3,12 u.v.a.</td>
</tr>
<tr>
<td width="276">Israel</td>
<td width="312">viele</td>
<td width="396">Eph 2,12.19; Röm 2,28f; 9,6; 11,26; Hebr 8,8; Gal 6,16; vgl. 1Kor 10,18</td>
</tr>
<tr>
<td width="276">Jerusalem (Mutterstadt Israels)</td>
<td width="312">Ps 149,2; Jes 12,6; 49,18-22; 51,18 (vgl. Jes 54,1 mit Gal 4,26f); Kla 4,2</td>
<td width="396">Gal 4,26; Hebr 12,22; Offb 21,2ff</td>
</tr>
<tr>
<td width="276">Zion</td>
<td width="312"></td>
<td width="396">Hebr 12,22</td>
</tr>
<tr>
<td width="276">Juden</td>
<td width="312">Esra 5,1; Jer 34,8.9; Sach 8,22.23</td>
<td width="396">Röm 2,1ff; vgl. Offb 2,9</td>
</tr>
<tr>
<td width="276">Beschneidung</td>
<td width="312">1Mo 17,10.13; Ri 15,18</td>
<td width="396">Apg 7,51; Röm 2,28-29; 4,11; Phil 3,3; Kol 2,11f</td>
</tr>
<tr>
<td width="276">Erster („alter“) Bund mit Israel</td>
<td width="312"></td>
<td width="396">neuer Bund mit „Israel und Juda“: Hebr 8,8</td>
</tr>
<tr>
<td width="276">Verheißung des neuen Bundes</td>
<td width="312">für „Israel und Juda“: Jer 31; Hes 36</td>
<td width="396">Erfüllung im NT: Lk 20,22; 1Kor 11,25; 2Kor 3,6; Hebr 8-10</td>
</tr>
<tr>
<td width="276">Geliebte Gottes</td>
<td width="312">2Mo 15,13; 5Mo 33,3; Esr 3,11</td>
<td width="396">Röm 9,25; Eph 5,1; Kalo 3,12; 1Jo 3,1</td>
</tr>
<tr>
<td width="276">Kinder Gottes</td>
<td width="312">2Mo 4,22; 5Mo 4,1; Jes 1,2.4; 63,8; Jer 31,9; Hos 11,1</td>
<td width="396">Joh 1,12; 11,52; Röm 8,14.16; 2Kor 6,18; Gal 3,26; Gal 4,5-7; Phil 2,15; 1Jo 3,1</td>
</tr>
<tr>
<td width="276">Herde Gottes</td>
<td width="312">Ps 78,52; 80,1; Jes 40,11; Jer 23,1-3; 31,10; Hes 34,12-16; Mi 5,4; Sach 10,3</td>
<td width="396">Joh 10,14.16; Apg 20,28-29; Hebr 13,20; 1Petr 2,25; 5,2.3</td>
</tr>
<tr>
<td width="276">Haus Gottes</td>
<td width="312">4Mo 12,7</td>
<td width="396">1Tim 3,15; Hebr 3,2-6; 10,21; 1Petr 4,17</td>
</tr>
<tr>
<td width="276">Tempel</td>
<td width="312"></td>
<td width="396">Joh 2,21; 1Kor 6,19; Offb 21,22</td>
</tr>
<tr>
<td width="276">Volk Gottes</td>
<td width="312">2Mo 6,7; 5Mo 27,9; 2Sam 7,23; Jer 11,4</td>
<td width="396">Röm 9,25; 2Kor 6,16; Tit 2,14</td>
</tr>
<tr>
<td width="276">Gottes Wein(berg)</td>
<td width="312">Jes 5,3-7; Jer 12,10</td>
<td width="396">Lk 20,16; Joh 15,1-5</td>
</tr>
<tr>
<td width="276">Acker Gottes</td>
<td width="312">Jer 12,10</td>
<td width="396">1Kor 3,9</td>
</tr>
<tr>
<td width="276">Reich Gottes</td>
<td width="312">2Mo 19,6; 1Chr 17,14; 28,5</td>
<td width="396">Röm 14,17; 1Kor 4,20; Kol 1,13; 4,11; Offb 1,6</td>
</tr>
<tr>
<td width="276">Ölbaum</td>
<td width="312">Jer 11,16; Hos 14,6</td>
<td width="396">Röm 11,24</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>Neben dieser Kontinuität gibt es selbstverständlich auch Diskontinuitäten wie das vollbrachte Heil Christi, die Einsetzung des neuen Bundes, das Kommen des Heiligen Geistes und den Abschluss der biblischen Offenbarung. Der Fehler des Dispensationalismus besteht also nicht im <em>Beobachten</em> von Diskontinuität, sondern in der <em>Verabsolutierung </em>der Diskontinuität und dem <em>Leugnen</em> wichtiger Kontinuitäten.</p>
<p>Ein Schlüsselabschnitt für das Verständnis der Beziehung zwischen Israel und Heiden in der Gemeinde ist Römer 9-11. Das Bild vom Ölbaum (V. 17-26) zeigt, dass es nicht zwei Völker Gottes gibt, sondern ein einziges. „Natürliche Zweige“ wurden ausgebrochen (ungläubige Israeliten) und „wilde Zweige“ eingepfropft (gläubige Heiden). Auch Israeliten können durch Glauben an Jesus wieder eingepfropft werden. Die Natur des Baumes und seiner Wurzel ist „israelitisch“, die gläubigen Heiden sind aus reinem Erbarmen Gottes aufgenommen worden. Von daher ist es nicht richtig zu sagen, die Gemeinde habe Israel ersetzt (wie manche Nicht-Dispensationalisten es behaupten), sondern richtig formuliert wäre: „Das wahre Israel ist durch das Heilswerk Christi in den neuen Bund eingetreten und wurde um gläubige Heiden erweitert.“</p>
<p>Auch Epheser 2,11 – 3,13 lehrt, dass die gläubigen Heiden jetzt nicht mehr „ausgeschlossen vom Bürgerrecht Israels“ sind (2,12), sondern sie sind „Mitbürger“ (2,19), „Miteinverleibte“, „Miterben“ und „Mitteilhaber der Verheißung“ (3,6) und bilden so zusammen mit den gläubigen Juden eine einzige Heilskörperschaft. Die Schrift lehrt keine zwei Heilskörperschaften. Die „Zwischenwand der Umzäunung“ (2,14) ist abgebrochen. Da sie am Kreuz abgebrochen wurde, wird sie auch in Zukunft nicht wieder aufgerichtet werden. Es gibt kein Zurück in die Zeit und Zustände vor dem Kreuz.</p>
<h4>Trennung oder Unterscheidung?</h4>
<p>Zweifellos ist es für ein richtiges heilsgeschichtliches Verständnis der Bibel wichtig, zwischen Israel und der neutestamentlichen Gemeinde zu unterscheiden. Dispensationalisten <em>unterscheiden</em> aber nicht nur zwischen Israel und der Gemeinde, sondern sie <em>trennen</em> Israel und die Gemeinde völlig voneinander, auch was das Heil betrifft (Originalton von Dispensationalisten: „Israel und die Gemeinde sind zwei völlig verschiedene Paar Schuhe“). Und das ist falsch. Ein beispielhafter Vergleich: Sicher ist es wichtig und richtig, zwischen Mann und Frau und ihren unterschiedlichen Aufgaben in der Gemeinde zu unterscheiden. Das ist aber etwas anderes als eine völlige Trennung zwischen Mann und Frau, denn trotz zu unterscheidender Aufgaben etc. gilt, dass Mann und Frau in Christus eins sind und zusammengehören. Dieses Beispiel von Mann und Frau kann man zwar nicht hundertprozentig auf den Fall von Israel und Gemeinde übertragen, aber es verdeutlicht eines: unterscheiden ja, trennen nein. Ich hoffe, dass diese Klarstellung Missverständnisse vermeidet. Ich erhielt nämlich z.B. eine eMail von einem Dispensationalisten, der mich provozierend fragte, ob denn der Herr Jesus seine Jünger in Wirklichkeit „zur Gemeinde gesendet hätte“, als er sagte: „&#8230; geht (nur) zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel“ (Mt 10,6). So eine Unterstellung ist natürlich Unsinn und deshalb ist es wichtig zu betonen: Eine Ablehnung der dispensationalistischen <em>Trennung</em> zwischen Israel und Gemeinde bedeutet nicht, gar nicht mehr zwischen Israel und Gemeinde zu unterscheiden und überall, wo „Israel“ steht, nun wie mit einer Brille „neutestamentliche Gemeinde“ zu lesen.</p>
<p>Nun werden manche sagen: „An diese absolute Trennung oder Diskontinuität glaube ich zwar nicht, aber trotzdem glaube ich an die dispensationalistische Zukunftserwartung von Vorentrückung, Trübsalszeit, Wiederherstellung Israels und Tausendjährigen Reich mit Tempeldienst.“ Aber ist das nicht ein beliebiges Herauspicken und Auslesen von Einzellehren, wie es gerade spontan gefällt? Ich befürchte, dass ein solcher Glaube ein oberflächlicher, unsystematischer und inkonsequenter Mischmasch ist. Schließlich basieren all diese in einer solchen Haltung bejahten Zukunftslehren grundlegend auf der Trennung zwischen Israel und Gemeinde. Konsequent und systematisch zu Ende gedacht, muss man das ganze dispensationalistische Lehrprogramm entweder annehmen oder ablehnen, sonst verhakt man sich letztlich in Widersprüche. (Eine Ausnahme ist wohl die Erwartung eines irdischen Taus. Reiches, jedoch ohne Sonderstellung Israels; diese Ansicht harmoniert auch mit einem ansonsten nicht-dispensationalistischen Schriftverständnis).</p>
<ol start="7">
<li><strong> Der Dispensationalismus lehrt eine künftige Wiederherstellung Israels und des jüdischen Systems samt Tempel- und Opferdienst</strong></li>
</ol>
<p>Antwort: Das Neue Testament lehrt keine künftige Wiederherstellung Israels. Auch von Dispensationalisten angeführte Einzelverse wie Mt 23,29; Röm 11,26; 2Kor 3,16; Apg 1,6 und 3,21 u.a. lehren nicht diese dispensationalistischen Auffassungen. Unter <a href="https://www.betanien.de/argumente-die-scheinbar-fuer-den-dispensationalismus-sprechen/">Pro-Disp-Argumente</a> möchte ich auf diese Verse eingehen. Vielmehr lehrt das NT, dass jetzt „das Ende der Zeitalter“ gekommen ist (1Kor 10,11; vgl. Hebr 9,26; 1Petr 4,7). Wir leben in den „letzten Tagen“ (Apg 2,17; Jak 5,3; Hebr 1,2).</p>
<p>Was aber ist dann mit den alttestamentlichen Verheißungen? Genau diese Frage beantwortet Paulus in Römer 9-11, wo er zeigt dass „ganz Israel gerettet wird“ (11,26). Ich habe lange Zeit gedacht, in Römer 11,26 stünde „danach wird ganz Israel gerettet“. Das steht dort aber nicht, sondern dort steht „so – auf diese Weise – wird ganz Israel errettet“. Auf welche Weise? Wie Paulus es zuvor beschrieben hat: Ein Teil der Israeliten wurde „verstockt“ (V. 25), d.h. das Gericht wurde zeitlich aufgeschoben, sodass jetzt eine lange Zeit der Gnade ist, wo sowohl Juden wie Heiden zum Glauben an Jesus Christus kommen können und, bildhaft gesprochen, in den einen Ölbaum eingepfropft werden. Durch die Errettung der „Vollzahl“ der Juden (V. 12) und der „Vollzahl“ der Heiden (V. 25) wird „ganz Israel“ errettet. Dabei ist wichtig zu beachten, dass auch die „Vollzahl“ der Juden (V. 12) bereits in der Jetztzeit gebildet wird, siehe diese Verse 5.12-15.31.</p>
<p>Auch in der einzigen Stelle in der Bibel, wo von einem „tausendjährigen Reich“ die Rede ist, in Offb 20, steht nichts von einer Wiederherstellung Israels oder der Erfüllung alttestamentlicher Prophezeiungen – und schon gar nicht von einem wiedereingeführten Tempel- und Opferdienst.</p>
<p>Auch Petrus, der „Apostel der Beschneidung“, hat zwar zwei Briefe mit Lehren über die Zukunftserwartung geschrieben, aber darin schreibt er nichts von einer Wiederherstellung Israels (siehe 2Petr 3).</p>
<p>Auch Matthäus 24-25, die bedeutendste prophetische Rede des Herrn Jesus, sagt nichts über eine Wiederherstellung Israels (der erste Teil von Kap. 24 spricht von der Zerstörung Jerusalems im Jahre 70 n.Chr., siehe 24,2) oder einem tausendjährigen Reich. Im Gegenteil sagt der Herr, dass nach seiner Wiederkunft und seinem Gericht die einen „ins ewige Leben“ und die anderen „ins ewige Verderben eingehen“ (25,46).</p>
<p>Dem Hebräerbrief zufolge ist eine Wiedereinführung des schattenhaften Opfer- und Tempeldienstes unmöglich. Wenn man Hesekiel 40ff konsequent wortwörtlich versteht – wie Dispensationalisten es tun – müsste es wieder Sündopfer und eine aaronitische Priesterschaft geben. Die Tier-Sündopfer sind aber ein für allemal abgeschafft, und Christus ist Hohepriester nach der Ordnung Melchisedeks. Wie soll da wieder eine aaronitische Priesterschaft eingeführt werden, die der Hebräerbrief eindeutig als veraltet und überholt bezeichnet?</p>
<p>Dispensationalisten behaupten auch vielfach, der Herr Jesus habe die irdische Reichserwartung der Juden letztlich bestätigt. Nach meinem Verständnis von Jesu Dienst und Verkündigung hat er diese Erwartung jedoch korrigiert zu einem geistlich-neuschöpflichen Verständnis. Allein die Tatsache von Kreuz und Auferstehung machen dies deutlich, ferner Schriftstellen wie Mt 5,3.10.19.20; 11,11; 12,28; 13,11.19.24.31.33.43-47; 16,19; 18,3ff; 19,14; Joh 18,36 u.a.</p>
<h4>Was aber ist mit dem im Alten Testament angekündigten Friedensreich?</h4>
<p>Im Alten Testament wurde das messianische Reich angekündigt und bildete die Heilserwartung der Juden. Mit dem ersten Kommen Jesu in Niedrigkeit und seinem Erlösungswerk mit Kreuz und Auferstehung wurde deutlich, dass sich das messianische Reich in zwei Phasen aufteilt: in die jetzige Phase der verborgenen Gestalt dieses Reiches, und in die zweite Phase der Vollendung in Herrlichkeit, wenn Christus wiederkommt. Dann wird es neue Himmel und eine neue Erde geben. Auf der neuen Erde können viele alttestamentliche Prophezeiungen buchstäblich in Erfüllung gehen, z.B. dass der Löwe beim Lamm liegt usw. Dispensationalisten führen jedoch eine dritte Phase ein, das Zwischenreich des irdischen Milleniums („tausendjähriges Reich“; Offb 20 wird unter <a href="https://www.betanien.de/argumente-die-scheinbar-fuer-den-dispensationalismus-sprechen/">Pro-Disp-Argumente</a> diskutiert).</p>
<p>Viele Prophezeiungen über die Rückkehr von Juden in ihr Land wurden bereits erfüllt in der Rückkehr aus der babylonischen Gefangenschaft. Manche gehen aber darüber hinaus: Z.B. die Prophezeiungen über die „Wiederaufrichtung der Hütte Davids“ (des davidischen Königtums) aus Amos 9,11ff wird in Apostelgeschichte 15,16 von Jakobus als erfüllt erklärt, nämlich in der Auferstehung und Himmelfahrt Christi, der sich zur Rechten Gottes auf den „Thron Davids“ gesetzt hat (Apg 2,34; vgl. Apg 13,34; Hebr 10,12-13 u.a.). Sein Reich ist nicht von dieser Welt, sondern von der künftigen. Dann, in der neuen Welt, werden die gläubigen Israeliten das ihnen verheißene ewige Heil erben – zusammen mit den gläubigen Heiden. Dort werden sie aus der jetzigen Zerstreuung als Fremdlinge in dieser Welt alle zu einer einzigen Herde versammelt sein und Gott und das Lamm wird in ihrer Mitte wohnen und regieren.</p>
<p>(Nachbemerkung: Es gibt jedoch eine Kompromisslösung: Der Glaube an ein buchstäbliches irdisches Tausendjähriges Reich, allerdings ohne Unterscheidung zwischen Gläubigen aus Israel und aus den Nationen. Diese Sichtweise nennt sich „historischer Prämillenialismus“ und kommt auch dem „progressiven Dispensationalismus“ nahe. Ich persönlich glaube dies zwar nicht, aber diese Auffassung steht nicht so sehr im Widerspruch zur Bibel wie der herkömmliche Dispensationalismus.)</p>
<p>Eine <strong>Wiedereinführung von Tieropfern</strong> ist dem NT zufolge unmöglich. Das NT lehrt eine solche Opfer-Wiedereinführung nicht. Ganz im Gegenteil, widerspricht das NT einer solchen Erwartung und warnt davor. Dem Hebräerbrief zufolge ist Christus „Hohepriester nach der Ordnung Melchisedeks“, die Tieropfer gehören aber zur Ordnung Aarons. Auch die in Hesekiel 40ff beschriebenen Opfer sind aaronitischer Art. Dort werden auch <strong>Sünd</strong>opfer erwähnt (Hes 40,39; 42,13; 44,19ff etc ). Somit ist eine künftige konsequent-buchstäbliche Erfüllung ausgeschlossen, da Christi Sündopfer ein für allemal alle anderen Sündopfer überflüssig gemacht hat. (Zum richtigen Verständnis von Hes 40ff beachte man die vielen Parallelen zu Offb 21-22)</p>
<table>
<tbody>
<tr>
<td width="312"><strong>Alter Bund</strong></td>
<td width="312"><strong>Neuer Bund</strong></td>
</tr>
<tr>
<td width="312">Veraltet (Hebr 8,13)</td>
<td width="312">Besser (Hebr 7,22; 8,6)</td>
</tr>
<tr>
<td width="312">Abbild, Schatten, Gegenbild (Hebr 8,5; 9,23-24; 10,1)</td>
<td width="312">Die Erfüllung in Christus</td>
</tr>
<tr>
<td width="312">Wiederholte Tieropfer und dementsprechender Gottesdienst</td>
<td width="312">Christi einmaliges, vollkommenes Opfer und dementsprechender Gottesdienst, keine weiteren Opfer mehr</td>
</tr>
<tr>
<td width="312">Hohepriestertum vieler nach der Ordnung Aarons, sündig (Hebr 6,19 – 7,27;</td>
<td width="312">Hohepriestertum Christi nach der Ordnung Melchisedeks, sündlos (Hebr 7,26)</td>
</tr>
<tr>
<td width="312">„Satzungen des Fleisches, auferlegt &#8230; „(Hebr 9,10)</td>
<td width="312">„&#8230; bis zur Zeit einer richtigen Ordnung““ (Hebr 9,10)</td>
</tr>
<tr>
<td width="312">„das Erste“ hat Christus „weggenommen“ (Hebr 10,9)</td>
<td width="312">„&#8230; um das Zweite aufzurichten“ (Hebr 10,9)</td>
</tr>
<tr>
<td width="312">Alljährliches Erinnern an die Sünden (Hebr 10,3)</td>
<td width="312">Kein Gedenken mehr an die Sünden (Hebr 10,17; Jer 31,43)</td>
</tr>
<tr>
<td width="312">Der Weg ins Heiligtum war durch den Vorhang versperrt</td>
<td width="312">Freimütigkeit zum Eintritt in das Heiligtum „durch den Vorhang, das ist durch sein Fleisch“ (Hebr 10,19; vgl. Mt 27,51)</td>
</tr>
<tr>
<td width="312">Priesterschaft endete mit dem Tod (Hebr 7)</td>
<td width="312">Ewige Priesterschaft</td>
</tr>
<tr>
<td width="312">Versöhnung einmal jährlich (Hebr 7,25; 9,12.15; 10,1-4.12)</td>
<td width="312">Eine ewige Versöhnung</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<ol start="8">
<li><strong> Der Dispensationalismus lehrt eine künftige Trübsalszeit für Israel und dass die Gemeinde vorher entrückt werde</strong></li>
</ol>
<p>Die Lehre einer „Vorentrückung“ ist in der Schrift nicht zu finden. Diese Lehre stammt von John Nelson Darby, der sie Historikern zufolge wahrscheinlich aus zweifelhaften schwärmerischen Quellen übernommen hat. Die Lehre einer künftigen siebenjährigen Trübsalszeit für Israel beruht auf dem willkürlichen Einfügen eines langen Zeitraums zwischen der 69. und 70. Jahrwoche Daniels. Das gibt aber der Text von Daniel 9 nicht her, vielmehr sind 70 Jahrwochen 490 zusammenhängende Jahre – sonst entstünde ein beliebig längerer Zeitraum. Ein solcher Einschub wird in der Schrift aber nicht gelehrt (unter <a href="https://www.betanien.de/argumente-die-scheinbar-fuer-den-dispensationalismus-sprechen/">Pro-Disp-Argumente</a> soll in Kürze näher auf Daniel 9 eingegangen werden).</p>
<p>Ein Studium des Wortes „Trübsal“ im NT zeigt, dass wir als Christen stets in der Trübsal leben. Zwar können noch Drangsale über diese Welt kommen, die zu dem gehören, was Johannes in Offenbarung 6-19 mit zum Teil sehr bildhafter Sprache beschrieben hat. Die Schrift sagt jedoch nicht, dass dies die Trübsalzeit Israels sei oder dass die Gemeinde vorher entrückt werde.</p>
<p>Dispensationalisten argumentieren, die Gemeinde sei schließlich nicht für den „Zorn“ bestimmt. Doch der „Zorn“ Gottes im NT meint zumeist das letztendliche Zorngericht in der Hölle. Vor dem Zorn, der im schrecklichen jüdischen Krieg von 66-73 n.Chr. über die ungläubigen Israeliten kam, sind die Christen zu jener Zeit bereits bewahrt worden (1Thes 1,10; 2,16; vgl. Mt 24).</p>
<p>Manche Dispensationalisten versuchen mit Offb. 3,10 zu begründen, dass die Gläubigen vor der Kulmination der endzeitlichen Drangsale entrückt würden. Dort steht jedoch, dass der Herr die Gemeinde von Philadelphia „vor der Stunde der Versuchung bewahrt“. Doch auch wenn diese Verheißung nicht nur dem damaligen Gläubigen in Philadelphia, sondern auch uns heute gilt, warum sollten sich diese Verheißung dann aber heute (oder künftig) in anderer Weise erfüllen als damals? Übrigens findet sich die gleiche Wortkonstruktion „bewahren vor“ (gr. tereso ek) in Johannes 17,15: „Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt wegnimmst, sondern das du sie <strong>bewahrst vor</strong> dem Bösen.“ Gott bewahrt die Seinen in der Welt nicht durch Hinwegnehmen, sondern durch Überwinden und Ausharren (oder auch durch geografische Trennung wie in Mt 24,16 und Offb 18,4).</p>
<ol start="9">
<li><strong> Der Dispensationalismus lehrt, der neue Bund sei noch nicht in Kraft und gelte nur dem nationalen Israel im tausendjährigen Reich</strong></li>
</ol>
<p>Diese Auffassung variiert in den verschiedenen Schulen des Dispensationalismus; manche gestehen ein, dass der neue Bund auch uns gelte oder wir zumindest auf eine geheimnisvolle Weise daran teilhätten oder davon nutznießen. Tenor aller Dispensationalisten ist, dass sich der „neue Bund“ aus Jeremia 31 auf die Aufrichtung eines irdischen tausendjährigen Reiches für das nationale Israel beziehe. Für sich allein genommen, mag man dies tatsächlich aus Jeremia 31 schließen. Das neue Testament gibt jedoch eindeutig Aufschluss über den neuen Bund: Er wurde durch das vergossene Blut Jesu eingeweiht und ist die einzige Grundlage, um Sündenvergebung, Erlösung und einen himmlischen Fürsprecher zu haben. Schauen wir uns den neutestamentlichen Befund zum neuen Bund an:</p>
<ul>
<li>In Lk 22,20 spricht der Herr vom neuen Bund, der durch sein vergossenes Blut geschlossen wird. Durch dieses vergossene Blut hat der Herr Jesus uns das Heil, das ewige himmlische Heil, erkauft. Wenn das nicht uns – Juden- und Heidenchristen der Jetztzeit &#8211; gelten würde, dann hätten wir offenbar gar kein Heil. Diese Aussage aus Lk 22,20 wird in 1Kor 11,25 von Paulus in einem Brief an eine vorwiegend heidenchristliche Gemeinde wiederholt und bestätigt. Wenn der neue Bund nicht uns gelten würde, bräuchten wir auch gar kein Abendmahl feiern.</li>
<li>In 2Kor 3,6 bezeichnet Paulus sich, den Heidenapostel, als „Diener des neuen Bundes“. Wie könnte Paulus das sein, wenn der neue Bund nur dem ethnischen Israel im Hinblick auf das taus. Reich oder rein „irdische Segnungen“ gelte?</li>
<li>Laut Hebr 7,22 beruht Jesu Hohepriestertum für uns darauf, dass er „Bürge eines besseren Bundes geworden“ ist. Wenn der neue Bund also noch nicht in Kraft wäre, dann hätten wir nicht nur kein Heil, sondern auch keinen himmlischen Hohenpriester (Hebr 7,26)!</li>
<li>Die Verheißung des neuen Bundes aus Jer 31 wird in Hebr 8,8-12 mit dem längsten AT-Zitat im NT zitiert. Aus dem Zusammenhang (bes. V. 6.13) geht klar hervor, dass der neue Bund für die Jetztzeit gilt, dies ist die gesamte Aussageabsicht dieses Abschnitts.</li>
<li>Auch aus Hebr 9,15ff geht hervor, dass der neue Bund mit dem Tod Jesu am Kreuz in Kraft getreten ist und uns gilt: dieses Bundesblut hat unser Gewissen gereinigt (V. 14) und die zu diesem Bund Berufenen empfangen ein ewiges Erbe (V. 15).</li>
<li>In Hebr 10,16 wird nochmals der neue Bund aus Jer 31 zitiert und eindeutig auf die Jetztzeit gedeutet, denn das Bundes-Zitat wird angeführt als Beleg für unsere vollkommene Heiligung durch das Opfer Jesu (V. 14). Dann wird aus diesem Bundes-Zitat auf unsere jetzige Vergebung geschlossen (V. 18).</li>
<li>Laut Hebr 12,24 sind wir zu „Jesus, dem Mittler eines neuen Bundes“ gekommen. Dies würde keinen Sinn machen, wenn er nicht auch für uns der Mittler dieses Bundes wäre. Man beachte auch den Zusammenhang, der Realitäten aus dem AT geistlich auf uns überträgt: himmlisches Jersusalem, Zion usw. (V. 12ff).</li>
</ul>
<p>Dieser Befund bringt Dispensatioanlisten in ernste exegetische Schwierigkeiten. Deshalb sind die einzelnen Schulen des Dispensationalismus mittlerweile zum Teil von dieser Lehre abgerückt (insb. der „progressive Dispensationalismus“). Dies ist quasi ein Eingeständnis der exegetischen Unhaltbarkeit der klassisch-dispensationalistischen Sicht.</p>
<p>Jedoch haben sich manche, die am klassischen Dispensationalismus festhalten wollen, ein raffiniertes Argument ausgedacht: Der neue Bund gelte jetzt nur „nach dem Geist“, aber in der Zukunft, im tausendjährigen Reich Israels, „nach dem Buchstaben“. So erklären sie, dass Paulus ein „Diener des neuen Bundes“ war, aber eben „nicht des Buchstabens, sondern des Geistes“ (alle Zitate aus 2Kor 3,6). Die Widerlegung dieses Argumentes findet sich jedoch noch im selben Vers: „Denn der Buchstabe tötet, der Geist aber macht lebendig“. Mit dem „Buchstaben“ ist hier das Gesetz des alten Bundes gemeint. Unmöglich kann mit dem „Buchstaben“ eine künftige Erfüllung des neuen Bundes gemeint sein, denn der „Dienst des Todes, mit Buchstaben geschrieben“ (2Kor 3,7) war genau das Gegenteil: der alte Bund, der in den von außen an den Menschen herangetragenen Gesetzen bestand, im Gegensatz zum neuen Bund, der den Menschen innerlich erneuert und den Willen Gottes innerlich aufs Herz schreibt (Hebr 8,10; 10,16).</p>
<ol start="10">
<li><strong> Der dispensationalistische Zukunftsplan mit Vorentrückung und Wiederherstellung Israels ist nicht nur nicht im Neuen Testament zu finden, sondern widerspricht auch klaren und wichtigen Schriftstellen über die Zukunft.</strong></li>
</ol>
<p>In 2. Petrus 3 wird ausführlich beschrieben, was wir als Christen zu „erwarten“ haben: Den „Tag des Herrn“, an dem Himmel und Elemente vergehen und „in Brand aufgelöst werden“ (2Petr 3,10-14): „&#8230; indem ihr die Ankunft des Tages Gottes erwartet und beschleunigt, um dessentwillen die Himmel in Feuer geraten und aufgelöst und die Elemente im Brand zerschmelzen werden! Wir erwarten aber nach seiner Verheißung neue Himmel und eine neue Erde &#8230; da ihr dies erwartet, befleißigt euch, unbefleckt und tadellos von ihm im Frieden gefunden zu werden.“</p>
<p>Nach 1. Korinther 15,23 findet die Auferstehung (und Entrückung) der Gläubigen bei Jesu „Ankunft“ statt, woraufhin das ewige Reich anbricht (V. 24). Die messianische Königsherrschaft findet nach V. 25 (vgl. Hebr 10,12-13) zuvor jetzt statt. Am Ende dieser Herrschaftszeit wird er alle seine Feinde unterwerfen und als letzten Feind auch den Tod abschaffen (V. 26). In 15,51-56 wird dieser Sieg über den Tod mit der Entrückung verbunden.</p>
<p>Nach 2. Thessalonicher 2,1-12 wird vor der Wiederkunft Jesu „und unserer Vereinigung mit ihm“ (V. 2) der „Abfall“ kommen und „der Mensch der Gesetzlosigkeit“, „der Sohn des Verderbens“ geoffenbart werden (V. 3). Nach meinem Verständnis macht es keinen Sinn, in „dem, was zurückhält“ die Gemeinde bzw. den Heiligen Geist zu sehen. Diese dispensationalistische Sicht wird dem Text aufgezwungen. Wir wissen nicht mit letzter Gewissheit, was mit dem „Zurückhaltenden“ gemeint ist. Es könnte, wie viele Ausleger meinen, Recht und Ordnung oder auch der römische Kaiser und das römische Reich sein. Letzteres würde Sinn machen, da das Papsttum durch den Niedergang des römischen Reiches hervorkommen konnte und der Papst quasi an die Stelle des römischen Reiches trat. Dies entspricht auch den Prophetie in Daniel 7,8, wo das „kleine Horn“ aus den Hörnern des römischen Reiches hervorgeht. Daniel 7 wiederum entspricht Offenbarung 13, wo vom Tier aus dem Meer und dem Tier aus dem Land als religiös-politische Macht die Rede ist. Martyn Lloyd-Jones zeigt neun bedeutsame Übereinstimmungen zwischen der Schilderung dieses „Antichristen“ in Daniel, 2. Thessalonicher und Offenbarung 13 auf („Gott und seine Gemeinde“, S. 145-147). Eigentlich erfüllt das Papsttum alles, was über diese Peron in 2. Thessalonicher 2 vorausgesagt ist; das schließt jedoch nicht aus, dass die endgültige Manifestation des Antichristen noch in der Zukunft liegt.</p>
<p>Römer 11,25 sagt nichts von einer künftigen Wiederherstellung Israels. Dort steht nicht „danach wird ganz Israel errettet werden“, sondern „<em>so</em> wird ganz Israel errettet werden“, wobei mit „so“ der zuvor beschriebene, gegenwärtige Prozess des Bildens des <em>einen „</em>Ölbaums“ aus gläubigen Juden und Heiden gemeint ist. Da es nur einen Ölbaum gibt, nur eine Heilslinie und nicht zwei, widerspricht eine Wiedereinführung des jüdischen Systems dieser Schriftstelle.</p>
<p>Auch Matthäus 24-25 lehrt weder Vorentrückung noch Wiederherstellung Israels und widerspricht diesen sogar. Auch wenn diese prophetische Rede Jesu nicht einfach auszulegen ist, liegt die Lösung nicht darin, die ganze Sache noch komplizierter zu machen und wie die Dispensationalisten zu behaupten, dies alles gelte nur den Juden in der angeblichen künftigen Trübsalszeit. Der Herr spricht in Kapitel 24 offensichtlich sowohl von der Zerstörung Jerusalems und dem schrecklichen Jüdischen Krieg 66-73 nach Christus, als auch von seiner Wiederkunft. Er sagt jedoch nichts davon, dass seine Jünger geraume Zeit vorher entrückt würden. Auch sagt er nichts von einem irdischen Reich nach seiner Wiederkunft. Vielmehr hält er bei seiner Wiederkunft Gericht, und dann gehen die einen „zur ewigen Strafe, die Gerechten aber in das ewige Leben“ (Mt 25,46).</p>
<ol start="11">
<li><strong> Der Dispensationalismus lehrt ein literalistisch-irdisches, engsichtiges Verständnis des Alten Testaments</strong></li>
</ol>
<p>Antwort: In meinen Ausführungen zur Hermeneutik (siehe <a href="http://www.betanien.de/sola-scriptura/artikel/hermeneutik.htm">Hermeneutik</a>) bekenne ich mich ausdrücklich zum Literalsinn der Schrift. Zum Literalsinn kommt jedoch noch eine hermeneutische Regel hinzu: die fortschreitenden Offenbarung, aufgrund der das Alte Testament im Licht des Neuen Testaments ausgelegt werden muss (1Kor 2,6-13; 1Petr 1,10). Wenn man das Alte Testament so auslegt, als gebe es das Neue gar nicht, könnte man bei vielen Aussagen tatsächlich zu der Auffassung kommen, dass ein irdisches Königreich für das nationale Israel zu erwarten sei. Aber das Neue Testament bringt uns unverzichtbares Licht für das Verständnis des Alten Testamentes. Dazu gehören z.B. folgende Punkte:</p>
<ul>
<li>Christus ist das Ziel, Erfüllung und zentraler Inhalt des Alten Testamentes. Er ist der wahre Auserwählte, der wahre Erbe, der wahre „Weinstock“ (Weinstock war ein Bild für Israel). Er ist der wahre Same Abrahams und in ihm sind alle, die an ihn glauben, wahre Kinder Abrahams (Gal 3,29). In ihm sind durch Abraham alle Nationen gesegnet. Er ist gegen die Erwartung der Juden gekreuzigt worden und als Erstling einer neuen Schöpfung auferstanden. In dieser Weise muss das Alte Testament Christus-zentriert gesehen und viele Prophezeiungen neuschöpflich verstanden werden.</li>
<li>„Israel“ wird im Neuen Testament neu dargestellt (siehe oben unter Punkt 5), dazu gehört die Einführung himmlischer und neuschöpflicher Begriffe wie das „himmlische Jerusalem“</li>
<li>Viele Prophezeiungen über Israel werden im Neuen Testament als erfüllt erklärt, z.B. Amos 9 in Apg 15,16ff; Jeremia 31 in Hebr 8 etc. Andere alttestamentliche Prophezeiungen werden im NT aufgriffen und weiter erklärt, z.B. der „neue Himmel und die neue Erde“ aus Jesaja 65-66 in 2Petr 3 und viele Details aus Hesekiel 40ff in Offenbarung 21-22 (Wasserstrom; Bäume mit 12facher Frucht etc). Wir dürfen diese apostolische Vorgehensweise zwar nicht willkürlich auf alle möglichen atl. Prophezeiungen anwenden, jedoch zeigt es, wie die inspirierten Autoren des NT das AT gedeutet haben. Die neustamentliche Deutung des AT entspricht nicht der irdisch-literalistischen Deutung der Dispensationalisten.</li>
<li>Im NT werden Geheimnisse offenbart, die zum rechten Verständnis des Heilsplans und der Eschatologie – und damit auch diesbezüglicher alttestamentlicher Aussagen – berücksichtigt werden müssen. Z.B. wird in Epheser 3 das Geheimnis erklärt, dass die gläubigen Heiden „Miteinverleibte“ im Volk Gottes sein sollen. Da dies im AT nicht bekannt war, muss man dies bei der Auslegung von alttestamentlichen Verheißungen, die nur von „Israel“ sprechen, berücksichtigen.</li>
</ul>
<ol start="12">
<li><strong> Der Dispensationalismus geht nicht in textauslegender Weise (exegetisch) an die Schrift heran, sondern argumentiert mit einer Methodik, die nicht dem Grundsatz „Sola Scriptura“ entspricht. Beispiele:</strong></li>
</ol>
<ul>
<li>Das theologische System der Dispensationalisten bestimmt über ihre Auslegung. Klare Schriftstellen werden umgedeutet, um dem theol. System zu entsprechen. Dies ist unzulässig, denn allein durch das unvoreingenommene Annehmen der klaren Schriftaussagen bekommen wir das „Bild gesunder Worte“ (2Tim 1,13). Wir müssen von dem ausgehen und bei dem bleiben, was die Schrift sagt. Die Gesamtheit der biblischen Lehre ist zwar nicht unsystematisch, aber ein theologisches System darf nicht das Verständnis der Schrift bestimmen, sondern umgekehrt. Theologisch ausgedrückt: Nicht die Dogmatik bestimmt die Exegese, sondern die Exegese bestimmt die Dogmatik. Aus diesem Grund sind bereits viele exegetisch arbeitende bibeltreue Theologen vom herkömmlichen Dispensationalismus abgerückt (siehe dazu das Buch „Darby, Dualism und the Decline of Dispensationalism“ von Ronald M. Henzel, kann bei amazon.de bestellt werden).</li>
<li>Oft kombinieren Dispensationalisten einzelne passend scheinende &#8222;Hinweise&#8220; aus der Schrift wie bei einem mystischen Puzzlespiel zu einer wichtigen Lehre. Doch Gott offenbart seine Wahrheit nicht in einem Geheimcode, sondern in den klaren Lehraussagen der Schrift. Mit dem willkürlichen Kombinieren von einzelnen Rückschlüssen aus einzelnen Versen ließen sich beliebige Falschlehren „beweisen“.</li>
<li>Bisweilen verweisen Dispensationalisten auch darauf, nur besonders „geistliche“ Christen oder Eingeweihte könnten diese Lehre verstehen. Diese Ansicht steht in direktem Widerspruch zu 1Kor 4,6: Geistliche Christen denken nicht über das hinaus, was geschrieben steht. Die echte biblische Lehre entnehmen sie in Einfalt und Demut den klaren Schriftaussagen, anstatt diese zu „verdrehen“ (2Petr 3,16).</li>
</ul>
<p>Zusammenfassend lässt sich sagen: Der Dispensationalismus ist offenbar nicht das Ergebnis einer gesunden Schriftauslegung nach dem Grundsatz „Sola Scriptura“ &#8211; „allein die Schrift“.</p>
<p>Hans-Werner Deppe</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.betanien.de/argumente-gegen-den-dispensationalismus/">Argumente gegen den Dispensationalismus</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.betanien.de">Betanien Verlag</a>.</p>
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		<title>Einführung in den Dispensationalismus</title>
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		<pubDate>Thu, 18 Dec 2008 23:00:00 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Eschatologie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein theologisches System und seine problematische Eschatologie und Hermeneutik Der Dispensationalismus ist die auf John Nelson Darby (1800-1882) zurückgehende Lehre, dass die Heilsgeschichte in mehrere Heilszeitalter (Dispensationen) zu unterteilen sei. Das heilsgeschichtliche Gliedern der Schrift ist sicherlich eine hilfreiche Sache, allerdings lehrt der Dispensationalismus außer dieser &#8230; </p>
<p><a href="https://www.betanien.de/einfuehrung-in-den-dispensationalismus/" class="more-link"><span class="morelink-icon">Weiterlesen</span></a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.betanien.de/einfuehrung-in-den-dispensationalismus/">Einführung in den Dispensationalismus</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.betanien.de">Betanien Verlag</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h2>Ein theologisches System und seine problematische Eschatologie und Hermeneutik</h2>
<p>Der Dispensationalismus ist die auf John Nelson Darby (1800-1882) zurückgehende Lehre, dass die Heilsgeschichte in mehrere Heilszeitalter (Dispensationen) zu unterteilen sei. Das heilsgeschichtliche Gliedern der Schrift ist sicherlich eine hilfreiche Sache, allerdings lehrt der Dispensationalismus außer dieser Unterteilung noch einiges mehr, was auf dieser Webseite im Einzelnen erläutert wird, z.B. eine künftige Wiederherstellung des jüdischen Systems samt Tempeldienst und Tieropfern. Da der Dispensationalismus das theologische System der Brüdergemeinden und vieler anderer Freikirchen ist (ohne dass die meisten Mitglieder dieser Gemeinden dieses Fremdwort überhaupt kennen), ist er unter den bibeltreuen Christen in Deutschland sehr verbreitet. Viele sind Dispensationalisten, ohne es zu wissen.</p>
<p>Es gibt unterschiedliche Spielarten und abgeschwächte Formen des Dispensationalismus, die nicht alle das vertreten, was hier als dispensationalistische Lehre dargestellt wird. So lehrten Darby und die „klassischen Dispensationalisten“ z.B., der neue Bund gelte ausschließlich dem nationalen Israel, gemäßigtere Dispensationalisten erkennen hingegen an, dass der neue Bund uns Christen der Jetztzeit gilt. Dargestellt ist hier der traditionelle Dispensationalismus, der von Darby eingeführt, von seinem Schüler William Kelly systematisiert und später vor allem durch C. I. Scofield (durch seine Scofield-Bibel), Lewis S. Chafer, John F. Walwoord, Charles C. Ryrie, Arnold Fruchtenbaum und W.J. Ouweneel u.a. verbreitet wurde. Auch die bekannten und beeindruckenden Heilszeiten-Schaubilder von Clarence Larkin (deutsche Entsprechung: „Bibelpanorama“) haben stark zur Verbreitung des Dispensationalismus beigetragen.</p>
<p>Hier ein Überblick über die Entwicklung verschiedener Dispensationalismus-Schulen:</p>
<table width="924">
<tbody>
<tr>
<td width="216"><strong>Darby-Dispensationalismus</strong><br />
(seit ca. 1830)</p>
<p>Darby, Kelly u.a.</td>
<td width="241"><strong>Klassischer </strong></p>
<p><strong>Dispensationalismus</strong></p>
<p>(ab ca. 1880)</p>
<p>Scofield, Moody, Larkin u.a.</td>
<td width="239"><strong>Revidierter </strong></p>
<p><strong>Dispensationalismus</strong></p>
<p>(benannt nach der Revision der Scofield-Bibel, ab ca. 1960)</p>
<p>Walvoord, Pentecost, Ryrie, Fruchtenbaum u.a.</td>
<td width="228"><strong>Progressiver </strong></p>
<p><strong>Dispensationalismus</strong> (benannt nach dem biblischen Prinzip der progressiven Offenbarung,</p>
<p>ab ca. 1980)</p>
<p>Block, Blaising u.a.</td>
</tr>
<tr>
<td width="216">Ein ewiger himmlisch-irdisch-Dualismus bestimmt die gesamte Theologie, was in einer ewigen Dichotomie zwischen Israel und der Gemeinde resultiert.</td>
<td width="241">Der ewige Dualismus wird verworfen. Es bleibt die ewige Dichotomie zwischen Israel und Gemeinde, die die ganze Theologie bestimmt. Daraus resultiert ein himmlisch-irdisch-Dualismus nur in der Ekklesiologie und Eschatologie.</td>
<td width="239">Der Dualismus wird vollends verworfen, was zu einer <em>zeitlichen</em> Dichotomie zwischen Israel und Gemeinde führt (d.h. sie sind nicht ewig getrennt). Dies bestimmt nur die Ekklesiologie und Eschatologie.</td>
<td width="228">Die Dichotomie zwischen Israel und Gemeinde (zwei getrennte Völker Gottes) wird verworfen zugunsten einer bloßen <em>Unterscheidung </em>zwischen Israel und Gemeinde (zwei Phasen in dem einen göttlichen Heilsplan).</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>Übersetzt aus: Ronald M. Henzel: Darby, Dualism and the Decline of Dispensationalism, S. 158</p>
<p>Diese Informationen habe ich zusammengestellt, weil etliche Gerüchte, Missverständnisse und Fehlinformationen im Umlauf sind über solche, die den Dispensationalismus ablehnen. Sicher gibt es unter den vielen Nicht-Dispensationalisten auch solche, die nicht bibeltreu sind, denn schließlich vertreten auch Bibelkritiker und liberale Theologen, aber auch irdisch eingestellte Rekonstruktionisten („Reich Gottes jetzt“) dieses Lehrsystem nicht. Es zeugt aber von fehlendem Unterscheidungsvermögen und wenig Kenntnis, wenn man alle Nicht-Dispensationalisten in einen „bibelkritischen Topf“ wirft oder ihnen eine irdische Gesinnung vorwirft. Der Dispensationalismus kann nicht in Anspruch nehmen, die einzig mögliche bibeltreue und geistlich gesinnte Denkweise zu sein. Eine solche verengte Sicht ignoriert Jahrhunderte erwecklicher Kirchengeschichte (z.B. zwischen Reformation und Darbysmus) und verkennt herausragende Männer Gottes wie C.H. Spurgeon, Matthew Henry, John Bunyan, John Newton, William Carey, George Whitefield, Jonathan Edwards, B.B. Warfield, Martyn Lloyd-Jones, John Piper und unzählige andere, die keine Dispensationalisten, aber von Grund auf bibeltreu und geistlich eingestellt waren.</p>
<p>Darüber hinaus möchte ich deutlich machen, dass der Dispensationalimus sogar eine von Grund auf falsche Herangehensweise an die Bibel ist und zu einem falschen Verständnis von Gottes Heilsplan führt. Ich möchte ihn nicht als „Irrlehre“ bezeichnen, aber als falsche und ungesunde Lehre. Doch betone ich, dass ich Christen, die den Dispensationalismus vertreten oder an solche Lehren glauben, weiterhin sehr schätze, liebe und in Gemeinschaft und Dienst – so weit möglich – mit ihnen verbunden sein und bleiben möchte.</p>
<p>Ich selbst habe nach meiner Bekehrung mit 24 Jahren (1993) etliche Jahre überzeugt an den Dispensationalismus geglaubt. Doch immer wieder „stolperte“ ich über Schriftstellen wie Eph 2,14ff (die abgebrochene „Zwischenwand der Umzäunung“); Gal 3,29 (alle Gläubigen sind in Christus wahre Kinder Abrahams); Röm 9-11 (das wahre Israel ist nicht gleich dem natürlichen Israel), dem Studium des Hebräerbriefes (Abschaffung aller Tieropfer) und der Beobachtung keines radikalen Bruchs zwischen Israel und Gemeinde im Neuen Testament – wie es der Dispensationalismus lehrt -, sondern einer gewissen Kontinuität. Zwar kannte ich fast nur dispensationalistisch denkende Christen, doch immer wieder hörte ich von solchen, die sich vom Dispensationalismus abgewendet hatten. Auch fragte ich mich, ob nicht die Bündnisse in der Bibel die besseren Eckpfeiler zum Unterteilen der Schrift wären als die konstruierten „Haushaltungen“ der Dispensationalisten.</p>
<p>Und die Lehre von der Gnadenwahl und Souveränität Gottes machte mich nachdenklich, ob die Zeit der Gemeinde wirklich nur ein „Einschub“ oder „Nebengleis“ oder gar „Unfall“ in Gottes Heilsplan war – denn diesen Eindruck vermittelt der Dispensationalismus mit seiner Lehre, der Herr Jesus habe Israel „das Reich angeboten“, aber das Evangelium für die ganze Welt und die Zeit der Gemeinde gab es dann nur, weil die Israeliten nicht so reagierten, wie sie es eigentlich hätten tun sollen. Ich frage mich: War das im NT gelehrte weltweite Heil nicht von Anfang an Gottes souveräner Plan, seine Erwählten zu einem vereinten Volk, zu einer einzigen „Herde“ zu sammeln (Joh 10)? Ist wirklich das nationale Israel das Zentrum der Heilsgeschichte und die Jetztzeit nur eine „Pause“, oder ist Christus dieses Zentrum und die jetzige Zeit der weltweiten Evangeliumsverbreitung die Endphase der Heilsgeschichte? Nach 1Kor 10,11 ist schließlich „über uns das Ende der Zeitalter gekommen“ (vgl. Hebr 1,2; Jak 5,3 u.a.).</p>
<p>In dem Buch „Das Tausendjährige Reich &#8211; vier Standpunkte“ (leider vergriffen) lernte ich eine Sichtweise kennen („historischer Prämillenialismus“), die zwar ein buchstäbliches tausendjähriges Reich erwartet, jedoch ohne Unterscheidung zwischen Gläubigen aus Israel und den Nationen. Dies war für mich zunächst die naheliegendste Alternative zum Dispensationalismus.</p>
<p>Schließlich wurde ich von Christen in einem Hauskreis herausgefordert, bestimmte eschatologische Lehren des Dispensationalismus wie die „Vorentrückungslehre“ mit der Schrift zu belegen. Dabei musste ich feststellen, dass dies mit gesunder Schriftauslegung nach dem Maßstab „allein die Schrift“ nicht möglich war. Dieses Nur-bei-der-Bibel-Bleiben war dann auch das Prinzip, was es mir nach und nach unmöglich machte, an etlichen dispensationalistischen Sonderlehren weiter festzuhalten.</p>
<p>Ironischerweise ist es aber gerade der Vorwurf einer falschen Hermeneutik (Herangehensweise an die Schrift), weswegen mich mittlerweile etliche Mitchristen als abgeirrt verurteilt und abgelehnt haben. Deshalb möchte ich vorab betonen, dass ich natürlich an die vollständige Inspiration, Autorität, Irrtumslosigkeit und Unfehlbarkeit der Schrift glaube, wie sie z.B. in der Chicago-Erklärung beschrieben ist. Ferner ist mir sehr wichtig, an die Bibel nicht mit einer menschlichen Hermeneutik heranzugehen, sondern die Bibel mit der Bibel selbst auszulegen. Keine menschlichen Bedingungen und Lehrsysteme dürfen zur höchsten Autorität der Schriftauslegung gemacht werden. Wir müssen über Schriftauslegung das lehren, was die Schrift selbst über Schriftauslegung lehrt – und nichts anderes. Ich nenne das „Sola-Scriptura-Hermeneutik“. Sola Scriptura – allein die Schrift – war eine Maxime der Reformatoren, zu der ich mich voll und ganz bekenne. Und auf der Grundlage „Allein die Schrift“ möchte ich herausfordern, über die Wahrheit oder Unwahrheit des Dispensationalismus nachzudenken.</p>
<p>Hans-Werner Deppe</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.betanien.de/einfuehrung-in-den-dispensationalismus/">Einführung in den Dispensationalismus</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.betanien.de">Betanien Verlag</a>.</p>
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		<title>Argumente, die scheinbar für den Dispensationalismus sprechen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans-Werner Deppe]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 18 Dec 2008 10:33:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Blog]]></category>
		<category><![CDATA[Eschatologie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>1.) Die tausend Jahre in Offenbarung 20 Offenbarung 20,1-10 war für mich lange Zeit die Hauptstütze im Glauben an ein tausendjähriges Reich (wenngleich manche Dispensationalisten allein auf das AT als Grundlage für ihren Milleniumsglauben verweisen). Schließlich ist in diesem Schriftabschnitt sechsmal von „tausend Jahren“ die Rede &#8230; </p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h2>1.) Die tausend Jahre in Offenbarung 20</h2>
<p>Offenbarung 20,1-10 war für mich lange Zeit die Hauptstütze im Glauben an ein tausendjähriges Reich (wenngleich manche Dispensationalisten allein auf das AT als Grundlage für ihren Milleniumsglauben verweisen). Schließlich ist in diesem Schriftabschnitt sechsmal von „tausend Jahren“ die Rede &#8211; je einmal in den Versen 2-7. Ist das nicht eine überwältigende Beweislast dafür, dass es ein buchstäbliches Tausendjähriges Reich auf Erden geben wird?</p>
<p>Bei einer textauslegenden Herangehensweise an diesen Abschnitt stellen wir jedoch zunächst fest, dass die hier beschriebenen tausend Jahre nicht das Millenium der Dispensationalisten sind. Wir lesen hier nichts von einer Wiederherstellung Israels, nichts von einem Tempel- oder Opferdienst, nichts vom verheißenen Land und nichts von der Erfüllung dahingehender alttestamentlicher Prophezeiungen. Exegetisch gesehen ist es nicht richtig, dass die Dispensationalisten diesen Bibelabschnitt als „Joker“ gebrauchen, um alle ihre aus dem Alten Testament abgeleiteten Theorien hier hinein zu platzieren. Somit müssen wir unterscheiden zwischen a) der dispensationalistischen Vorstellung des Milleniums und b) der herkömmlichen Erwartung eines künftigen Milleniums. Letztere Sichtweise war in der Kirchengeschichte auch vor dem Aufkommen des Dispensationalismus bekannt. Manche Christen erwarteten ein Tausendjähriges Reich Christi auf Erden, jedoch ohne die dispensationalistische Lehre von der Wiedereinführung des jüdischen Systems. Zu dieser Sicht, dem so genannten „historischen Prämillenialismus“, habe ich eine zeitlang geneigt, nachdem ich mich vom Dispensationalismus abgewandt hatte. Der historische Prämillenialismus führt bei weitem nicht zu solch schwerwiegenden lehrmäßigen Problemen wie der Dispensationalismus mit seiner „Zwei-Völker-Gottes-Lehre“, der Ablehnung der Gültigkeit des Neuen Bundes und der „Zurück-zum-jüdischen-System“-Erwartung. Deshalb darf man den historischen Prämillenialismus nicht mit dem Dispensationalismus verwechseln. Die Dispensationalisten finden in Offenbarung 20 keinerlei Unterstützung für ihre speziellen Lehren, die sie vom historischen Prämillenialismus unterscheiden.</p>
<p>Auch wenn ich den historischen Prämillenialismus viel eher akzeptieren kann als den Dispensationalismus, möchte ich hier kurz auf die amillenialische Sichte von Offenbarung 20 eingehen. Zunächst ist festzuhalten, dass in Offb. 20,1-7 nichts von einem irdischen Reich steht. Daher hängt die Erwartung der „tausend Jahre“ als eine noch künftige Ära allein an der Annahme, dass die Offenbarung in strikt zeitlicher Reihenfolge geschrieben ist und sich dieser Abschnitt erst nach den in Kapitel 19 beschriebenen Ereignissen erfüllen wird. Aber die Offenbarung ist nicht strikt chronologisch. Z.B. wird in Kapitel 12 – nachdem in den vorigen Kapiteln bereits die endzeitlichen Siegel- und Posaunengerichte prophezeit wurden – die Geburt des Messias (12,5) und die darauffolgende Entwicklung beschrieben. Das ist nicht der einzige zeitliche Bruch in der Offenbarung. Das Endgericht wird nämlich im Laufe des Buches mehrmals erwähnt, obwohl es danach jeweils mit Ereignissen vor dem eigentlichen Ende fortfährt. Eine genauere Untersuchung ergibt, dass die Offenbarung in Zyklen verfasst ist, die sich steigern. Diese Struktur nennt sich „progressiver Parallelismus“ und ist aus der antiken Literatur bekannt; auch der 1. Johannesbrief hat eine ähnliche zyklische Struktur. Der Kommentator William Hendriksen gliedert die Offenbarung in seinem bekannten Buch „More Than Conquerors“ in sieben fortschreitende Zyklen, die sich alle vom ersten Kommen Jesu bis zum Endgericht bei seiner Wiederkunft erstrecken:</p>
<table>
<tbody>
<tr>
<td width="348"><em>Zyklus</em></td>
<td width="192"><em>Abschnitt (Kapitel)</em></td>
<td width="312"><em>Endgericht in diesem Abschnitt</em></td>
</tr>
<tr>
<td width="348">Christus und die sieben Gemeinden</td>
<td width="192">1 – 3</td>
<td width="312">1,7; 2,16.27, 3,3.10.</td>
</tr>
<tr>
<td width="348">Sieben Siegel</td>
<td width="192">4 – 7</td>
<td width="312">6,12-17</td>
</tr>
<tr>
<td width="348">Sieben Posaunen</td>
<td width="192">8 – 11</td>
<td width="312">11,15.18</td>
</tr>
<tr>
<td width="348">Der Drache, das Tier und der falsche Prophet</td>
<td width="192">12 –14</td>
<td width="312">14,14.16</td>
</tr>
<tr>
<td width="348">Sieben Schalen</td>
<td width="192">15 – 16</td>
<td width="312">16,15-21</td>
</tr>
<tr>
<td width="348">Babylon und sein Fall</td>
<td width="192">17 – 19</td>
<td width="312">19,11ff</td>
</tr>
<tr>
<td width="348">Die Vollendung</td>
<td width="192">20 – 22</td>
<td width="312">20,7ff</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>Sehr offensichtlich sind z.B. die Parallelen zwischen Offenbarung 12 und 20:</p>
<table>
<tbody>
<tr>
<td width="528"><em>Offenbarung 12,7-11</em></td>
<td width="456"><em>Offenbarung 20,1-6</em></td>
</tr>
<tr>
<td width="528">1. Himmlischer Schauplatz (V. 7)</td>
<td width="456">1. Himmlischer Schauplatz (V. 1)</td>
</tr>
<tr>
<td width="528">2. Kampf des Engels Michaels und anderer gegen Satan und sein Heer (V. 7-8)</td>
<td width="456">2. Der Engel bindet Satan (V. 2)</td>
</tr>
<tr>
<td width="528">3. Satan wird auf die Erde geworfen (V. 9)</td>
<td width="456">3. Satan wird in den Abgrund geworfen (V. 3)</td>
</tr>
<tr>
<td width="528">4. Der Drache, die Schlange, die den Erdkreis verführt (V. 9)</td>
<td width="456">4. Der Drache, die Schlange, die die Nationen verführt (V. 2-3.7-8)</td>
</tr>
<tr>
<td width="528">5. Der Satan hat Wut und nur eine „kurze Zeit“(V. 12)</td>
<td width="456">5. Der Satan wird für „kurze Zeit“ freigelassen (V. 3)</td>
</tr>
<tr>
<td width="528">6. Der Fall Satans führt zur Herrschaft Christi mit seinen Heiligen (V. 10-11)</td>
<td width="456">6. Der Fall Satans führt zur Herrschaft Christi (V. 4)</td>
</tr>
<tr>
<td width="528">7. Die Mitherrschaft der Heiligen ist mit ihrem Überwinden „wegen des Wortes ihres Zeugnisses“ „bis zum Tod“ verbunden (V. 11)</td>
<td width="456">7. Die Mitherrschaft der Heiligen ist damit verbunden, dass sie „um des Zeugnisses Jesu und um des Wortes Gottes willen enthauptet worden waren“ (V. 4)</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>Demnach folgt Offenbarung 20,1-7 nicht zeitlich auf Offenbarung 19, sondern bezieht sich – wie auch Kapitel 1-19 &#8211; wieder aufs neue auf die Zeit zwischen den beiden Kommen Jesu mit einem besonderen Augenmerk auf die Zuspitzung vor seiner siegreichen Wiederkunft. Andernfalls wäre es auch schwer zu erklären, wie die „Nationen“ in Offb 20,3 vor der Verführungskunst Satans geschützt werden können, wo sie doch angeblich zuvor in Kap. 16 und 19 bereits gerichtet wurden.</p>
<p>Dass Offb. 20,1-10 eine Rekapitulation von Kap 19 ist, wird auch daran deutlich, dass es sich bei dem Sieg Jesu in Kap. 19,11-21 und Kap. 20,7-10 um ein und dieselbe Endschlacht handelt – die Schlacht von „Gog und Magog“. Diese Schlacht wurde bereits in Hesekiel 38-39 angekündigt. Während Offenbarung 19,17-18 genau die Ausdrucksweise von Hesekiel 39,4.17-20 verwendet („das große Mahl Gottes“, bei dem das Fleisch von „Großen und Kleinen“ von Vögeln und Tieren gefressen wird), wird in Offenbarung 20,8 ausdrücklich „Gog und Magog“ erwähnt (vgl. Hes 38;2; 39,1.6). Die Endschlacht von Gog und Magog ist anscheinend sowohl in Offb 19 als auch 20 beschrieben. Es ist die siebte und allerletzte der sieben Plagen, die in Kap. 15 angekündigt wurden und die den Zorn Gottes ein für allemal „vollenden“ (15,1.8).</p>
<p>Wie aber ist dann dieser Bibelabschnitt mit den „tausend Jahren“ zu verstehen?</p>
<p>Zunächst ist offensichtlich, dass wir in diesem Abschnitt mit bildhafter Sprache zu tun haben: Wohl kaum wird eine buchstäbliche Schlange mit einer buchstäblichen Eisenkette gebunden und mit einem buchstäblichen Schlüssel verschlossen.</p>
<p>Es sind drei Punkte, die hier beschrieben werden: 1. das Binden Satans (V. 1-3), 2. die Herrschaft Christi mit seinen Heiligen (V. 4-6) und 3. der letzte Aufstand Satans (V. 7-10). Dieses Schema kann sich sehr wohl auf die Zeit zwischen dem ersten und zweiten Kommen Jesu beziehen:</p>
<ol>
<li>Zweifellos wurde durch Jesu Heilswerk der Satan besiegt und in gewisser Weise „gebunden“, siehe z.B. Mk 3,27; Lk 10,18; Joh 12,31; 16,11; Kol 2,15 und Hebr 2,14. In der Zeit vor dem Kreuz waren die „Nationen“ vollständig unter dem Bann Satans, und Gott wirkte nur in und mit Israel. In der jetzigen Zeit der Evangeliumsverkündigung ist die Verführungsmacht des Feindes durch das Wort vom Kreuz gebrochen und aus allen Nationen werden Menschen errettet. Dies schließt den fortdauernden Einfluss Satans nicht aus; er wirkt insbesondere durch seine dämonischen Götzen (1Kor 10,20) und Lehren (Eph 6,12; 1Tim 4,1) und durch die ihm untergebenen Ungläubigen (Eph 2,2; 1Petr 5,8-9). Auch 2Thes 2,6 deutet darauf hin, dass die Einflussmöglichkeit des Widersachers „zurückgehalten“ und auf ein von Gott bestimmtes Maß eingeschränkt wird bzw. wurde, sodass der letztendliche „Abfall“ und der „Sohn der Gesetzlosigkeit“ (2Thes 2,3) während dieser „tausend Jahre“ noch nicht vom Teufel auf den Plan gebracht werden können.</li>
<li>Die Szene mit den Thronen in Offb 20,4-6 spielt offenbar auf Daniel 7,9.22 an und findet anscheinend im Himmel statt, wo in der Offb. stets der Thron Christi und Gottes ist (Offb 1,4; 3,21; 4,2ff etc.). Die Verse 1-3 beziehen sich also auf die Situation auf der Erde; während die Verse 4-6 eine himmlische Perspektive bieten. Hier müssen wir bedenken, dass das Buch der Offenbarung zum Trost und zur Ermutigung von bedrängten Gläubigen während heftiger Christenverfolgung geschrieben wurde. Ihnen wird hier gezeigt, dass sie nicht zur Verlierer-, sondern zur Siegerseite gehören. Auch wenn sie von Menschen um ihres Glaubens willen getötet werden, so leben sie doch; sie herrschen mit und empfangen als Erben das Reich. Daher beziehen manche Ausleger das Mitherrschen nur auf die Seelen verstorbener Christen, die jetzt bei Christus weilen. Eine andere Sicht sieht in der „ersten Auferstehung“ die Wiedergeburt bei der Bekehrung, was mit anderen Schriftstellen von Johannes übereinstimmt (Joh 5,24-25; 1Jo 3,14; vgl. Kol 2,12). So gesehen lässt sich sagen, dass auch die lebenden Gläubigen bereits mit Christus in den Himmel versetzt sind (Eph 2,6; Kol 3,1) und sogar in gewisser Weise – verborgen und geistlich, auf keinen Fall irdisch-politisch – mit ihm „mitherrschen“ (Röm 5,17; Offb 1,5-6; 1Petr 2,9 – „königliches Priestertum“). Jedenfalls muss der meistens mit „sie wurden lebendig“ übersetzte Ausdruck (griechisch <em>ezäsan</em>, wörtlich „sie lebten“) keinesfalls die künftige leibliche Auferstehung meinen, denn es ist ausdrücklich erst „die erste Auferstehung“ (vgl. die zwei Auferstehungen in Joh 5,24-29).</li>
<li>Nach dieser himmlischen Perspektive führen die Verse 7-10 unseren Blick wieder auf die Erde: der Satan wird wieder losgelassen und verführt nochmals die Nationen, sodass sich mit ihm die ganze Macht der Erde zum letzten Kampf gegen Gott und sein Volk versammelt. Diese Schlacht von „Gog und Magog“ ist, wie oben bereits gezeigt, offenbar dieselbe wie in Kapitel 19. Es ist „<em>der</em> Krieg“ (griechisch <em>ton polemon</em> mit Artikel), der auch bereits in 16,14 beschrieben wird: „&#8230; Geister von Dämonen &#8230; die ausziehen zu den Königen des ganzen Erdkreises, sie zu versammeln zu <em>dem </em>Krieg des großen Tages Gottes, des Allmächtigen“. Auch in 19,19 führen „die Könige der Erde und ihre Heere &#8230; <em>den</em> Krieg“.</li>
</ol>
<p>Wann wird das sein? Das Buch der Offenbarung zeigt – wie auch zahlreiche andere Stellen im NT &#8211; dass sich vor der Wiederkunft Christi die satanische Verführung zuspitzen wird. Die Zeit zwischen Himmelfahrt und Wiederkunft Christi umfasst demnach zwei Phasen: Das Gebundensein Satans – was zu einer Ausbreitung des Evangeliums und zu Erlösten in aller Welt führt &#8211; und Satans Freilassung, sodass er eine „kurze Zeit“ (12,12; 20,3) die Gläubigen bedrängen kann. Diese zwei Phasen werden unterschiedlich gewichtet: „tausend Jahre“ im Vergleich zu einer „kurzen Zeit“. Hierin scheint die ermunternde Botschaft zu liegen: Im Vergleich zu unserem geistlichen Sieg in der Verbindung mit Christus fällt die Bedrängnis kaum ins Gewicht. Da Zahlen in der Offenbarung vorwiegend symbolische Bedeutung haben, ist es müßig, ein Ende der „tausend Jahre“ konkret in der Geschichte aufzeigen zu wollen. Grundsätzlich sind zwei verschiedene Sichtweisen möglich: a) die zwei Phasen sind tatsächlich eine lange und eine kurze Epoche und zeitlich klar getrennt, und b) die zwei Phasen stellen aus geistlicher Sicht sowohl eine Gewichtung als auch eine Entwicklungstendenz dar. Letzteres würde bedeuten, dass die Verführung Satans nicht nur eine Phase, sondern ein ständiger Aspekt zwischen den beiden Kommen Christi ist, der sich fortschreitend ausprägt. Dies entspricht der neutestamentlichen Lehre, dass bereits zu apostolischen Zeiten „das Geheimnis der Gesetzlosigkeit wirksam“ (2Thes 2,7) war, aber erst kurz vor der Wiederkunft Christi sich vollends entfalten wird. Schon damals waren „viele Antichristen ausgegangen“, was aber nicht ausschließt, dass künftig noch „der Antichrist kommt“ (1Jo 2,18). Der Sieg Christi über diese teuflischen Mächte und ihre Untertanen wird aber ebenso real in der Zeit stattfinden wie seine damit verbundene Wiederkunft.</p>
<p>Nachdem in der Offenbarung bereits geschildert wurde, dass „das Tier und der falsche Prophet“ in den Feuersee geworfen werden (19,20), wird auch der Satan selbst dieses ewige Schicksal erleiden (20,10). Die Formulierung in V. 10 besagt jedoch nicht, dass dazwischen tausend Jahre liegen.</p>
<h2>2.) Lehrt Römer 11,26 nicht eine künftige Wiederherstellung Israels?</h2>
<p>Römer 9-11 behandelt das Thema „Was ist mit Israel?“ Nach den ersten acht Kapiteln des Römerbriefes &#8211; der Darlegung des Evangeliums, das das Heil über die Grenzen Israels hinaus trägt &#8211; muss Paulus (insbesondere nach dem Thema Erwählung am Ende von Kapitel 8) auf dieses Thema eingehen, weil sich dem jüdischen und dem des AT kundigen Leser nun einfach diese Frage aufdrängt: „Hat Gott etwa sein Volk verstoßen?“ (11,1). Wird Gott seine Verheißungen für Israel etwa nicht erfüllen?</p>
<p>Ich habe lange gedacht, dass gegen Ende dieser drei Kapitel Paulus seinen Argumentationsfaden dahin führt, dass anschließend an diese „Zeit der Gemeinde“ „ganz Israel errettet“ werde (11,26). Doch an dieser Stelle steht nichts von einer <em>anschließenden </em>Errettung Israels. Vielmehr schreibt Paulus: „&#8230; <em>so (auf diese – zuvor beschriebene &#8211; Weise) </em>wird ganz Israel errettet werden“.</p>
<p>Doch gehen wir die ganzen drei Kapitel kurz durch: In Römer 9,1-5 leitet Paulus das Thema ein mit seinem persönlichen Anliegen für sein eigenes Volk und der Bestätigung ihrer Privilegien – die darin gipfelten, dass aus ihnen „dem Fleisch nach der Christus ist“ (V. 5).</p>
<p>Dann geht Paulus auf den erwarteten Einwand seines imaginären Diskussionspartners ein: „Nicht aber, als ob das Wort Gottes hinfällig geworden wäre &#8230;“ (V. 6) Nein, Gott steht zu seinen Verheißungen, nichts ist hinfällig! Wie das – wo doch das Volk der erwählten Kinder Gottes (Kap. 8) nunmehr durch das Evangelium nicht mehr auf die Israeliten beschränkt ist? Paulus Antwort: „ &#8230; denn nicht alle, die aus Israel sind, die sind Israel“ (V. 6). Gottes Wort geht also in Erfüllung &#8211; aber nicht an dem rein ethnischen Israel, sondern an dem wahren Israel. Das NT benutzt den Begriff „Israel“ in zweifacher Weise: es gibt das „Israel nach dem Fleisch“ (1Kor 10,18) und andererseits das „Israel Gottes“ (Gal 6,16). Hier in Römer 9,6 bestätigt Paulus die klare Lehre, dass die Erlösung „nicht aus Geblüt“ ist (Joh 1,13). Nachkommen Abrahams &#8211; Israeliten nach dem Fleisch &#8211; haben zwar Privilegien, sind aber nicht errettet, nur weil sie Israeliten sind.</p>
<p>Dann nennt Paulus Beispiele dafür, dass nicht automatisch alle Nachkommen Abrahams zum wahren Israel gehören, sondern nur die „nach Auswahl“ „Berufenen“ „Gefäße des Erbarmens“ (V. 11 und 23). Diese Erwählten aus dem ethnischen Israel werden auch der „Überrest“ genannt: „Wäre die Zahl der Söhne Israels wie der Sand des Meeres, nur der Überrest wird errettet werden“ (Röm 9,27).</p>
<p>In Kap. 10 geht es dann um die Gerechtigkeit aus Glauben, welche ein beträchtlicher Teil des ethnischen Israel nicht erlangt hat, bevor Paulus dann in Kap. 11 zu der Frage kommt: „Hat Gott etwa sein Volk verstoßen?“ Seine Antwort „Das ist ausgeschlossen! Denn auch ich bin ein Israelit aus der Nachkommenschaft Abrahams, vom Stamm Benjamin.“ Paulus selbst war ein Beispiel für jemanden, an dem die Verheißungen an Israel in Erfüllung gehen.</p>
<p>Im darauffolgendem Abschnitt zeigt Paulus, dass der in Kap. 9 erwähnte erwählte Überrest auch seinerzeit bestand. Gott ist also keineswegs von seinen alten Prinzipien abgewichen. Paulus selbst war ein Beispiel für jemanden dieses erwählten Überrests. Es gehören jedoch noch viel mehr zu dem Überrest &#8211; so wie Elia nicht der einzige war, sondern noch 7000 andere (V. 2-4). „So ist nun auch in der jetzigen Zeit ein Überrest nach Auswahl der Gnade entstanden“ (V. 5).</p>
<p>Und so gibt es eine „Vollzahl“ aus dem ethnischen Israel, die das Heil erlangen werden (V. 12). Diese Vollzahl wird eindeutig in der Jetztzeit gebildet, denn Paulus selbst strebte durch Judenmission danach, zum Erreichen dieser Vollzahl beizutragen (V. 13-15). Es ist „in der jetzigen Zeit ein (jüdischer) Überrest nach Auswahl der Gnade entstanden“ (V. 5) und es ist „jetzt“ – in der jetzigen Zeit des Evangeliums, in der Zeit zwischen den zwei Kommen Christi – wo Israeliten sowohl „ungehorsam gewesen“ sind als auch „Erbarmen finden“ (V. 31).</p>
<p>In V. 16-25 beschreibt Paulus das Volk Gottes als einen Ölbaum, wobei die Israeliten die „natürlichen Zweige“ sind. Ungläubige Juden wurden herausgebrochen und Gläubige aus den Nationen („wilder Ölbaum“) werden „eingepfropft“. Hier ist wichtig zu beachten, dass es nur <em>einen</em> Ölbaum gibt und nicht zwei. Es gibt keinen gesonderten Heilsplan Gottes für die Israeliten. Juden und Heiden haben Teil an ein und demselben Heilsplan. Demzufolge widerspricht gerade dieser Abschnitt der Lehre von zwei Völkern Gottes und von einer „Einschaltung“, nach der Gott sein Handeln mit Israel künftig wieder aufnehme.</p>
<p>Der Ölbaum wird also in der Jetztzeit gebildet aus gläubigen Juden und Heiden (V. 17-26). Natürlich werden auch Juden, die an den Herrn Jesus gläubig werden, als natürliche Zweige wieder in den Ölbaum eingefügt, bis ihre segensreiche Vollzahl erreicht ist. Heidenchristen sollen sich der Privilegien der Juden bzgl. des Evangelims (Röm 1,16) auch in der Jetztzeit stets bewusst sein und sie würdigen (V. 18-25).</p>
<p>Auch von den Heiden gibt es eine „Vollzahl“ (V. 25) der Erwählten. Wenn die Vollzahl der Juden und die Vollzahl der Heiden in den Ölbaum eingegangen sind, ist der Heilsplan vollendet. Der zum Gericht aufbewahrte Teil Israels ist „verstockt“ (V. 25) – d.h. ihr Gericht ist aufgeschoben (Verstockung heißt nicht, dass sie sich später doch noch bekehren können) – damit ausreichend Zeit besteht, bis auch der letzte zum ewigen Leben verordnete Heide bekehrt ist. Diese Teilhabe der Heiden an dem Heil, das ursprünglich nur Israel verheißen war, ist ein „Geheimnis“ (V. 25).</p>
<p>Auf diese Weise „wird ganz Israel errettet. „Ganz“ Israel kann nicht „alle Juden“ bedeuten, denn definitiv sterben viele Juden im Unglauben und gehen verloren. Offenbar bezieht es sich auf die Vollzahl der erwählten Juden, wohl einschließlich der Hinzugepfropften gläubigen Heiden. Das ist eben nicht „ganz Israel nach dem Fleisch“, sondern das wahre Israel aus Kap. 9,6 und das „Israel Gottes“ aus Gal 6,16. Auch Eph 3,6 lehrt, dass die Gläubigen aus den Nationen mit Israel in Christus „Miterben, Miteinverleibte und Mitteilhaber der Verheißung“ sind. Sie sind ebenso wie die gläubigen Juden „in Christus“, ihrem jüdischen Erretter, der „aus Zion“ (11,26) gekommen ist, d.h. aus Israel (vgl. 9,5). Dieses Kommen Christi „aus Zion“ hat bereit bei seinem ersten Kommen stattgefunden, denn da hat er auch bereits den in V. 27 genannten „Bund“ durch sein Blut eingeweiht, wodurch alle Gläubigen Zugang zu Gott haben (vgl. Hebr 10,16-17 u.a.).   Die gläubige „Auswahl“ der Juden sind „Geliebte um der Väter willen“ (V. 28.) Die anderen sind „hinsichtlich des Evangeliums Feinde“. Nicht alle Israeliten sind verstockt, es gibt viele, die „jetzt Erbarmen finden“ (V. 31).</p>
<p>Nachbemerkung: Manche Bewegungen in der Kirchengeschichte – wie die Puritaner und die Pietisten – haben in Römer 11 Hinweise auf eine künftige Massenbekehrung unter Juden gesehen. Ich glaube zwar nicht, dass die neutestamentliche Lehre mit ihrem Nachdruck auf <em>persönlichen </em>Glauben Raum gibt für eine <em>nationale </em>Bekehrung, aber eine Erweckung unter Juden wäre zweifellos hoch erfreulich. Wie zeitlich nah eine solche Erweckung an der Wiederkunft Jesu liegen könnte, sei dahingestellt. Doch auch wenn dem so sein sollte, hätte dies kaum etwas gemein mit dem dispensationalistischen Programm von Israel-Gemeinde-Dualismus, Vorentrückung und Wiederherstellung des jüdischen Systems.</p>
<h2>3.) Prophetie muss buchstäblich ausgelegt werden</h2>
<p>Der Dispensationalismus nimmt für sich in Anspruch, die Bibel einschließlich der prophetischen Aussagen konsequent wortwörtlich zu interpretieren (außer dort, wo die Schrift selbst ausdrücklich sagt, dass der Abschnitt gleichnishaft oder symbolisch zu verstehen sei). Wenn es tatsächlich stimmt, dass Prophetie immer buchstäblich verstanden werden muss, dann hätte der Dispensationalismus tatsächlich einiges an Schlagkraft gewonnen.</p>
<p>Doch lässt sich das Prinzip einer konsequent buchstäblichen Auslegung von Prophetie aufrecht erhalten? Schauen wir uns die ersten Prophezeiungen der Schrift an: „&#8230; vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen, davon darfst du nicht essen; denn an dem Tag, da du davon isst, wirst du gewisslich sterben“ (1Mo 2,17; Elberf.). Nun – starb Adam am Tag des Sündenfalls buchstäblich? Nein. Er starb geistlich; offenbar war die erste Prophezeiung der Schrift nicht natürlich-buchstäblich gemeint. Die nächste Prophezeiung ist das so genannte Ur-Evangelium: „&#8230; er [der Nachkomme der Frau] wird dir [der Schlange] den Kopf zermalmen, und du, du wirst ihm die Ferse zermalmen“ (1Mo 3,15). Ist dies buchstäblich gemeint bzw. hat sich dies buchstäblich erfüllt? Offenbar nein, es ist die geistliche Bedeutung des mit Schmerzen verbundenen Sieges Christi über den Widersacher.</p>
<h2>4. Die 70. Jahrwoche Daniels</h2>
<p>Die Grundlage für das prophetische Zeitraster der Dispensationalisten bildet die Prophetie der 70 Jahrwochen aus Daniel 9. Dort offenbart in Vers 24-27 der Engel Gabriel: „Siebzig Wochen sind über dein Volk und deine heilige Stadt bestimmt &#8230;“ Die Nation Israel befindet sich zu der Zeit in der babylonischen Gefangenschaft. Gott verheißt hier, dass er Israel „von dem Erlass, Jerusalem wieder aufzubauen“ (V. 25) an gerechnet 70 „Wochen“ (hebräisch „Siebener“) Frist gewährt, „um das Verbrechen zum Abschluss zu bringen und den Sünden ein Ende zu machen und die Schuld zu sühnen und eine ewige Gerechtigkeit einzuführen und Gesicht und Propheten zu versiegeln und ein Allerheiligstes zu salben“. Kurz gesagt: eine Gnadenfrist, in der Israel wiederhergestellt sein wird und die sich erstreckt bis zum Kommen des Messias („Gesalbten“, V. 26) und der anschließenden „Vernichtung“ und „Verwüstung“ (V. 27). Die Ausleger sind sich allgemein einig, dass es sich bei den Wochen um Jahrwochen handelt, d.h. dass die „70 Wochen“ insgesamt 70 mal 7, also 490 Jahre umfassen. (Die Zahl 70 x 7 wird in Mt 18,22 in Verbindung mit Vergebung genannt).</p>
<p>Vom besagten Erlass, Jerusalem wieder aufzubauen (über die genaue Datierung gibt es unterschiedliche Sichtweisen), an gerechnet, endeten diese 490 Jahre wenige Jahre nach der Himmelfahrt Christi. Die elementare Theorie der Dispensationalisten besagt jedoch, seit dem Ende der 69. Woche stünde die „prophetische Uhr still“, sodass wir uns jetzt in einer beliebig langen „Einschaltung“ befänden und die 70. Woche immer noch zukünftig sei. Diese 70. Jahrwoche Daniels sei die zu erwartende „große Trübsalszeit für Israel“. Vom Bibeltext her lässt sich feststellen, dass die 70 Jahre zwar unterteilt sind in 7 und 62 Jahre und 1 Jahr, aber im Text selber deutet nichts auf eine beliebig lange Lücke zwischen 69. und 70. Jahrwoche hin, ebenso wenig wie etwas auf eine Lücke zwischen den 7 und 62 Jahren hindeutet.</p>
<p>Wie begründen dann Dispensationalisten ihre Annahme, wo sie doch nicht direkt aus dem Text hervorgeht? Sie glauben, dass derjenige, der „einen Bund stark machen wird für die vielen“ (V. 27) der Antichrist ist. Dies sei der „kommende Fürst“, von dem auch in V. 26 die Rede ist. Der Antichrist sei es auch, der „zur Hälfte der Woche“ „Schlachtopfer und Speisopfer aufhören lässt“ (V. 27). Und da sich die Zeitangaben einer „halben Jahrwoche“, also dreieinhalb Jahre (oder 42 Monate oder 1260 Tage) auch im NT in der Offenbarung finden, gehen Dispensationalisten davon aus, dass die 70. Jahrwoche Daniels jene Drangsalszeit sei, die vom Herrn Jesus und dem Apostel Johannes als Zeitphase vor der Wiederkunft Jesu vorausgesagt wurde.   Unterstützt wird diese Annahme durch die dispensationalistische Lehre der absoluten Diskontinuität zwischen Israel und Gemeinde, die das Stillstehen der prophetischen Uhr für Israel erklären soll.</p>
<p>Wir haben nun aber bereits gesehen, dass ein Zeitraum von 490 Jahren – buchstäblich verstanden – bereits   verstrichen ist und dass nichts im Text von einer etwaigen Lücke zwischen 69. und 70. Jahrwoche spricht. Auch an keiner anderen Bibelstelle finden wir etwas darüber, dass „die prophetische Uhr für Israel“ angehalten wurde. Als ersten Einwand sollten wir also festhalten, dass sich diese „Lückentheorie“ nicht auf das geschriebene Wort Gottes gründet, sondern aus indirekten Folgerungen abgeleitet ist.</p>
<p>Für die Auslegung von Vers 26-27 möchte ich hier zwei Ansätze vorstellen, die sich lediglich in der Deutung der zweiten Hälfte der 70. Woche unterscheiden. Gehen wir also zunächst auf die ersten 69-einhalb Wochen ein: Nach 7 plus 62 Wochen kam der Messias, doch er wurde „ausgerottet“, an ein Kreuz genagelt (V. 26a). Nachdem die Führerschaft und der Großteil der Juden den Messias verworfen hatten, neigte sich die Gnadenfrist für die Nation Israel dem Ende und Jerusalem wurde durch die Römer zerstört, die Nation zerschlagen und das Volk getötet oder zerstreut (V. 26 b). Genau so ist es geschehen.</p>
<p>Kommen wir zu Vers 27: Wer ist „er“ – der einen Bund „stark machen“ wird? Die zuletzt genannte Person ist der Messias (V. 26; der „kommende Fürst“ wird in V. 27 nicht direkt als Person genannt, sondern nur als Zusatz zu seinem „Volk“). Und so war es auch: Jesus, der Messias, bekräftigte den neuen Bund in seinem Blut. Etwa dreieinhalb Jahre lang verkündigte er das Heil, das durch Glauben an ihn erlangt wird. Dann, zur „Hälfte der Woche“ erfüllte und beendete er alle schattenhaften „Schlachtopfer und Speisopfer“ (V. 27a) durch sein ein für allemal gültiges Opfer am Kreuz.</p>
<p>Was ist nun mit der verbleibenden zweiten Hälfte der 70. Woche? Ohne mich hier ausdrücklich auf eine bestimmte Sicht festzulegen, möchte ich die zwei verbreitetsten nicht-dispensationalistischen Sichtweisen kurz vorstellen:</p>
<p>Sicht 1) Auch nach Tod, Auferstehung und Himmelfahrt Christi war Gottes Augenmerk zunächst noch besonders auf die Nation Israel gerichtet: Ihnen galt das Evangelium zuerst, und ihnen wurde es zunächst ausschließlich verkündet. Von den 70. Jahrwochen verblieben nach Jesu Himmelfahrt noch dreieinhalb Jahre. Nach dieser Zeit (also im Lauf der Apostelgeschichte) hatte sich gezeigt, dass die bis dahin noch nicht gläubig gewordenen Juden das Evangelium endgültig von sich gestoßen hatten. „Zu euch musste notwendig das Wort Gottes zuerst geredet werden; weil ihr es aber von euch stoßt und euch selber des ewigen Lebens nicht für würdig haltet, siehe, so wenden wir uns zu den Nationen“ (Apg 13,46). Später schrieb Paulus: „Der Zorn ist endgültig über sie gekommen“ (1Thes 2,16). Die ungeheure Drangsal, die damals über Israel kommen sollte, sagte auch der Herr Jesus in Mt 24 voraus. Daniel 9,27 ist demnach eine weiterführende Rekapitulation von Vers 26; beide Verse beschreiben das Werk des Messias und die auf seine Verwerfung folgende Zerstörung der Nation durch die Römer.</p>
<p>Sicht 2) Da sich in der Offenbarung Zeitangaben finden, die dreieinhalb Jahren entsprechen (11,2.3; 12,6.14; 13,5; vgl. Dan 7,25; 12,7.11-12) wird eine Verbindung gesehen zwischen der zweiten Hälfte von Daniels 70. Jahrwoche und dem in der Offb. genannten Zeitraum. In der Offenbarung ist damit jedoch anscheinend in symbolischer Weise der gesamte Zeitraum zwischen den beiden Kommen Jesu, also die Zeit der bedrängten und verfolgten Gemeinde gemeint. Die Zeit der Gemeinde wäre dann eine ausgedehnte Hinauszögerung des Endes der 70. Jahrwoche. Zwar geht diese Sicht ebenso wenig wie die dispensationalistische Lückentheorie aus Daniel 9 selbst hervor. Doch bieten die mehrmaligen Nennungen entsprechender Zeitangaben in der Offb. schriftgemäße Anhaltspunkte, sodass diese Sicht in exegetisch und gesamttheologisch nachprüfbar wäre, was an dieser Stelle jedoch vorerst zu weit führen würde. Dazu müsste auch der Begriff der „Drangsal“ ausführlich studiert werden. Hier nur der Hinweis, dass dem Zeugnis der Schrift zufolge die gesamte Zeit der Gemeinde eine Zeit der Drangsale ist, in der alle Gläubigen „Mitgenossen in den Drangsalen &#8230; in Jesus“ (Offb 1,9) sind. Auch Paulus verwendet das Wort „Drangsal“ 23 Mal, wobei es sich 21 Mal auf die gegenwärtige Zeit bezieht.</p>
<h2>5.) Der Tempel in Hesekiel 40-48</h2>
<p>In Hesekiel 40-48 ist ein großartiger Tempel beschrieben, und Dispensationalisten glauben, dass im Tausendjährigen Reich dieser Tempel buchstäblich aufgerichtet sein wird und dort die beschriebenen Opfer als Gottesdienst dargebracht werden. Ihrer Ansicht nach müssen diese neun prophetischen Kapitel buchstäblich verstanden werden, weil alles andere dem Wort Gottes nicht gerecht werde.</p>
<p>Wir haben jedoch oben bereits gesehen, dass es durchaus Prophezeiungen im Alten Testament gibt, die ganz offenbar nicht buchstäblich gemeint sind. Als ein weiteres Beispiel nennen wir die Prophezeiung aus Jesaja 2,2, wo es heißt, dass „der Berg des HERRN höher sein wird als alle anderen Berge“. Bedeutet das, dass Jerusalem höher als der Mount Everest liegen wird? Wohl kaum. Hier handelt es sich um bildhafte Rede, und das bemerkenswerterweise im Zusammenhang des verheißenen messianischen, allumfassenden Friedensreiches. Insbesondere Visionen können bildhafte Lehrstücke vermitteln, das sehen wir an Petrus in Apostelgeschichte 10. Als das Tuch mit dem Krabbelgetier vom Himmel kam und er aufgefordert wurde, davon zu essen, verstand er es zunächst buchstäblich und lehnte ab. Die Bedeutung der Vision war jedoch nicht der buchstäbliche Verzehr buchstäblicher Insekten, sondern eine bildhafte geistliche Lektion.</p>
<p>Und wenn in Hesekiel 40-48 vom wahren Tempel Gottes die Rede ist, müssen wir bedenken, dass dem Neuen Testament zufolge der Herr Jesus selbst und seine Gemeinde dieser neue wahre Tempel sind. (Weiter unten werden wir auf die starken Parallelen zwischen Hesekiel 40-48 und Offb 21-22 eingehen.)</p>
<p>Der Herr Jesus hat gesagt:</p>
<p>„Es kommt die Stunde, da ihr weder auf diesem Berg, noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet &#8230; Es kommt aber die Stunde und ist jetzt, da die wahren Anbeter den Vater in Geist und Wahrheit anbeten werden &#8230; Gott ist Geist, und die ihn anbeten, müssen in Geist und Wahrheit anbeten“ (Joh 4,20-24; vgl. Apg 7,48).</p>
<p>Kann es dieser Aussage zufolge überhaupt noch möglich sein, dass Gott einst wieder irdisch-zentral in einem buchstäblichen Tempel in Jerusalem angebetet wird? Dispensationalisten sagen ja, der Herr spräche ja schließlich nur von einer „Stunde“ ohne ortsbeschränkte Anbetung. Ob sie meinen, dass in Zukunft nicht nur wieder in einem buchstäblichen Tempel in Jerusalem, sondern auch nicht mehr „in Geist und Wahrheit“ angebet wird, ist mir nicht klar. Denn „nicht in Jerusalem“ und „sondern in Geist und Wahrheit“ gehören ja zusammen.</p>
<p>Ebenso müssen wir in Frage stellen, ob es im Einklang mit dem Neuen Testament stünde, wenn die in Hesekiel beschriebenen Opfer wieder eingeführt würden. Dem Hebräerbrief zufolge ist dies nicht möglich, denn Christi ein für allemal gültiges Opfer hat alle anderen blutigen Opfer überflüssig und veraltet gemacht (Hebr 8,13; 9,10ff; 10,9.17-18). Dispensationalisten behaupten, die Opfer des Tausendjährigen Reiches seien „nach hinten fallende Schatten“, so wie die Opfer des AT Schatten voraus auf das künftige Opfer Christi waren. Sie geben damit zu, dass diese Opfer Schatten sind. Aber <em>alle </em>Schatten sind abgeschafft, nachdem mit Christus und seinem Opfer das Wirkliche gekommen ist. Die „Schatten nach hinten“ sind eine kluge Idee, aber sie werden nicht nur nicht im Neuen Testament gelehrt, sondern sie widersprechen dem Neuen Testament.</p>
<p>Außerdem muss man, wenn man Hesekiel 40-48 buchstäblich versteht, nicht nur schattenhafte Gedenkopfer erwarten, sondern „Sündopfer“ (Hes 40,39; 42,13; 43,19ff; 45,17), die ausdrücklich „Sühnung erwirken“ (Hes 43,20; 45,17).</p>
<p>Der in Hesekiel beschriebene Opferdienst wird offenbar von einer Priesterschaft nach der Ordnung Aarons („Leviten“: 43,19; 44,10; 45,5 u.a.) ausgeübt. Auch das widerspräche – wenn buchstäblich verstanden – dem Neuen Testament, denn das aaronitische Priestertum ist hinfällig geworden, weil der Herr Jesus Hoherpriester nach der Ordnung Melchisedeks ist (Hebr 7) und alle, die durch sein Blut erlöst sind, sind ein heiliges und Priestertum, das „geistliche Schlachtopfer“ darbringt. Die Bibel lehrt, dass die „Priester“ in der im AT verheißenen Heilsewigkeit nicht nur aus einer bestimmten Abstammung kommen, sondern unter anderem auch aus den Nationen (Jes 66,20-21; vgl. 1Petr 2,5.9 u.a.).</p>
<p>Die Dispensationalisten sind sich aber anscheinend nicht einig, ob das von ihnen erwartete Opfersystem jüdischer Natur ist oder nicht. So widerspricht sich z.B. Pentecost selbst, wenn er auf S. 541 von „Bibel und Zukunft“ einerseits M.F. Unger zitiert, der dies einer „Wiederherstellung des Judentums“ zuordnet, „bei der die Israeliten unmittelbar und die Nationen nur mittelbar sowie in der Unterordnung unter die Juden gesegnet werden“, aber andererseits auf S. 545 desselben Buches schreibt: „Das Opfersystem beinhaltet keinen wiederhergestellten Judaismus, sondern die Aufrichtung einer neuen Ordnung.“</p>
<p>Ein weiteres Problem bei der buchstäblichen Auslegung ist, dass demzufolge nicht der Herr Jesus, sondern David als König in Jerusalem regieren wird (Hes 34,23; 37,24). An diesen Stellen ist aber eindeutig von dem guten Hirten die Rede, dem Herrn Jesus (vgl. Hes 34,11-31 mit Joh 10; Hebr 13,20; 1Petr 2,25; 5,4), von dem David ein Typus war. So sehen wir, dass bereits vor den umstrittenen Kapiteln 40-48 eindeutig bildhafte Rede gebraucht wird. Dies müssen wir auch berücksichtigen bei der Verheißung der inneren Erneuerung durch den Geist Gottes (36,26-27; vgl. Hebr 8,10; 10,16) und der geistlichen Auferweckung (Hes 37). Dies ist zwar buchstäblich dem „Haus Israel“ verheißen, aber das NT lehrt, dass auch Heiden an dem Heil, das Israel verheißen war, gleichberechtigt teilhaben (Eph 2-3 u.a.). Die Vision von den auferstehenden Totengebeinen in Hesekiel 37 verdeutlicht außerdem, dass Hesekiels Offenbarung den Charakter bildhafter Sprache hat. Auch Dispensationalisten erkennen an, dass sich wohl kaum buchstäbliche Skelette, die in einem Tal aufgehäuft sind, als Heer auf die Füße stellen werden. Dies scheint ebenso bildhaft gemeint zu sein wie die Prophezeiung einige Verse vorher, dass Gott Menschen „ein neues Herz“ gibt und „das steinerne Herz wegnimmt“ (36,26).</p>
<p>Ebenfalls Zweifel am buchstäblichen Verständnis von Hesekiel 40-48 lässt der Umstand aufkommen, dass das dort beschriebene Territorium mit seinen Ausmaßen gar nicht in das Gelobte Land passt.</p>
<p>Aus neutestamentlicher Perspektive gesehen, muss man unbedingt die Parallelen zwischen Hes 40-48 und Offenbarung 21-22 beachten.</p>
<table>
<tbody>
<tr>
<td width="396">Thron Gottes, Gegenwart Gottes</td>
<td width="156">Hes 43,7; 48,35</td>
<td width="204">Offb 21,3; 22,1b.3</td>
</tr>
<tr>
<td width="396">Sündlosigkeit, absolute Heiligkeit</td>
<td width="156">Hes 43,7-9</td>
<td width="204">Offb 21,4f.8.27; 22,3.14f</td>
</tr>
<tr>
<td width="396">ewig</td>
<td width="156">Hes 43,7b.9</td>
<td width="204">Offb 22,5</td>
</tr>
<tr>
<td width="396">Maße, einzelne herrliche Beschreibungen</td>
<td width="156">Hes 43,10b.13; 48,16-17 u.a.</td>
<td width="204">Offb 21,15-17</td>
</tr>
<tr>
<td width="396">Wasserstrom aus Tempel bzw. Thron Gottes</td>
<td width="156">Hes 47,1ff</td>
<td width="204">Offb 22,1-5</td>
</tr>
<tr>
<td width="396">Baum am Flussufer, der jeden Monat Frucht trägt</td>
<td width="156">Hes 47,12</td>
<td width="204">Offb 22,2</td>
</tr>
<tr>
<td width="396">Tore der Stadt mit den Namen der Söhne Israels (Die zwölf Namen der Apostel auf den Grundsteinen verbinden das alttestamentliche mit dem neutestamentlichen Gottesvolk – Offb 21,14)</td>
<td width="156">Hes 48,30-35</td>
<td width="204">Offb 21,12f</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>Anscheinend hat Hes 40-48 also mit der Ewigkeit zu tun, die auch in Offb 21-22 beschrieben wird. Dies ist ein wichtiger Punkt, denn auch in Hesekiel wird gesagt, dass Gott sein Heiligtum „für ewig“ in die Mitte seines Volkes platziert (Hes 37,25.26.28). „Menschensohn, siehe die Stätte meines Thrones und die Stätte meiner Fußsohlen, wo ich mitten unter den Söhnen Israel wohnen werde für ewig“ (43,7; vgl. 43,9). Es handelt sich also um keine zeitlich beschränkte, nur tausend Jahre währende Sache, sondern um etwas Ewiges. Hesekiel verheißt nirgends ein nur tausendjähriges Reich auf der Erde, sondern vielmehr ewige Gemeinschaft mit Gott. Der Tempel wird dort Gott selbst bzw. „das Lamm“ sein (Offb 21,22).</p>
<p>Dies führt uns zu der Intention von Hesekiels Gesicht: Die Herrlichkeit, die Hesekiel in dem Tempelgebilde sah und dem Volk verkündete, sollte das Volk zur Buße führen. Sie sollten die vollkommenen Maße des wahren Tempels Gottes vergleichen mit ihrem unvollkommenen Leben und „sich schämen“ (Hes 43,10-11, vgl. 36,32). Es ist der Blick auf den Herrn selbst, der unser Leben reinigt.<br />
Manche Dispensationalisten behaupten, ein bildhaftes oder typologisches Verständnis würden den vielen Detailangaben Hesekiels ihre Bedeutung rauben. Doch sind wir uns nicht einig, dass ein irdisches, buchstäbliches Heiligtum – sei es die damalige Stifthütte oder der spätere Tempel oder ein angeblicher künftiger Tempel – wenn auch real, so doch immer ein typologischer Schatten für eine höhere geistliche Wirklichkeit ist? Gerade Dispensationalisten sind bekannt für ihre typologischen Auslegungen von Maßen, Zahlen, Tempelgeräten, Festen usw. Wenn aber der Typus die eigentliche Bedeutung ist, wird keinesfalls eine „Bedeutung geraubt“, wenn es nach der vollkommenen schriftlichen Offenbarung nicht mehr zum materiellen und nur schattenhaften „Anschauungsunterricht“ kommen sollte.</p>
<p>Als ein weiteres Argument weisen Dispensationalisten darauf hin, dass sich Hesekiels Tempelsystem durch einige Auslassungen vom mosaischen Heiligtum unterscheidet; so werden z.B. kein Hoherpriester, kein Rauchopferaltar, kein Schaubrottisch und kein trennender Vorhang genannt. Dispensationalisten nehmen dies als Hinweis, dass es sich um keine Rückkehr zum mosaischen System handle und daher theologisch möglich sei (wobei sie immer noch nicht die erwähnten Sündopfer erklären können.) S.A. Ellisien schreibt in „Von Adam bis Maleachi“: „War die Beschreibung des Tempels als symbolische Darstellung der Gemeinde gedacht, hätten die genannten Geräte unmöglich weggelassen werden dürfen; sie sind doch entscheidend für das Tempelritual.“ Abgesehen von dem Missverständnis, dass bei einem metaphorischen Verständnis dieser Tempel nicht unbedingt eine „symbolische Darstellung der Gemeinde“ ist – sondern vielmehr vom Herrn selbst (Joh 2,21; Offb 21,22) -, will dieser Einwand die neutestamentliche Gemeinde auf typologischer Ebene mit der alttestamentlichen Ordnung gleichsetzen. Das ist aber falsch. In der neutestamentlichen Heilszeit ist z.B. der trennende Vorhang abgeschafft (Hebr 10,20), und von daher ist es einleuchtend, dass bei Hesekiel kein Vorhang erwähnt wird. Darüber hinaus ist es ohnehin problematisch, exegetische und theologische Argumente auf Auslassungen zu begründen.</p>
<p>Dispensationalisten wenden außerdem ein: „Sollte sich die Tempelverheißung, als Ermutigung für Israel gedacht, in der Gemeinde erfüllt haben, ist sie eine Irreführung und Vorspiegelung falscher Hoffnungen für die Menschen, an die sie gerichtet war (43,7.10).“ (S.A. Ellisen in „Von Adam bis Maleachi“). Wer so etwas behauptet, verkennt die Tatsache, dass das Evangelium „den Juden zuerst“ gilt (Röm 1,16). Das NT lehrt keine zwei Heilswege oder Heilspläne für zwei verschiedene Völker Gottes. Das neutestamentliche Heil in Christus ist „die Hoffnung Israels“ (Apg 28,20; vgl. 26,6-7). Insbesondere die Juden sind eingeladen, das Heil in Christus und damit die Erfüllung der alttestamentlichen Heilsverheißungen anzunehmen. Das ist weder eine „Irreführung“ noch eine „Vorspiegelung falscher Hoffnungen“. Oder wer wird behaupten, Juden müssten enttäuscht sein, wenn sich ihre alttestamentlichen Verheißungen „nur“ in Christus und seinem ewigen Heil erfüllen?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>In Vorbereitung / Planung:</p>
<p>Die alttestamentlichen Wiederherstellungs-Verheißungen</p>
<p>Matthäus 23,39</p>
<p>Apostelgeschichte 1,6</p>
<p>Matthäus 17,10-12</p>
<p>etc.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.betanien.de/argumente-die-scheinbar-fuer-den-dispensationalismus-sprechen/">Argumente, die scheinbar für den Dispensationalismus sprechen</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.betanien.de">Betanien Verlag</a>.</p>
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		<title>Wann beginnt die Endzeit? Buchauszug aus Zukunft. Hoffnung. Bibel.</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans-Werner Deppe]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 15 Dec 2008 23:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>von Roland Hardmeier Auszug aus dem Buch Zukunft. Hoffnung. Bibel. (Edit 11/2017: auf amazon noch erhältlich) Die Apostel wussten sich mitten in den letzten Tagen, von denen die Propheten gesprochen hatten. Die Endzeit begann mit dem ersten Kommen Christi und endet mit seiner Wiederkunft. Die Endzeit &#8230; </p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h2>von Roland Hardmeier</h2>
<p>Auszug aus dem Buch Zukunft. Hoffnung. Bibel. (Edit 11/2017: auf amazon noch erhältlich)</p>
<p>Die Apostel wussten sich mitten in den letzten Tagen, von denen die Propheten gesprochen hatten. Die Endzeit begann mit dem ersten Kommen Christi und endet mit seiner Wiederkunft. Die Endzeit kann nicht auf die letzten Jahre vor der Wiederkunft eingegrenzt werden.</p>
<p>Im Alten und im Neuen Testament ist von den „letzten Tagen“, „am Ende der Tage“, „in jenen Tagen“, „am Ende der Zeiten“ oder von „späteren Zeiten“ die Rede. Diese Begriffe sind deckungsgleich und meinen das, was wir allgemein als „Endzeit“ bezeichnen. Die Frage, wann die Endzeit beginnt, lässt sich am Besten beantworten, wenn man sich mit der Lehre der Apostel über die „letzten Tage“ befasst.</p>
<p><b>Die Ankündigung der „letzten Tage“</b></p>
<p>Wenn die Apostel von den „letzten Tagen“ sprachen, bezogen sie sich auf die Ankündigungen der alttestamentlichen Propheten. Der Prophet Joel sprach von der Ausgiessung des Heiligen Geistes in den „letzten Tagen“ (Joel 3,1-5; Apg 2,17), Amos von „jenem Tag“, an dem der Herr die zerfallene Hütte Davids wieder aufrichtet (Amos 9,11), Micha von der Weisung, die „am Ende der Tage“ von Zion ausgehen wird (Micha 4,1), und Maleachi kündigte das Kommen Elijas an, bevor der „Tag des Herrn“ kommt (Mal 3,23). Mit diesen verschiedenen Begriffen sprachen die Propheten alle von der gleichen Zeit: Es ist die Zeit, die wir allgemein die Endzeit nennen. Die Apostel nannten diese Zeit die „letzten Tage“. Wenn man die Stellen untersucht, in denen im Neuen Testament von den letzten Tagen die Rede ist, wird klar, dass die ersten Christen mitten in den letzten Tagen lebten, von denen die Propheten gesprochen hatten. In seiner Pfingstpredigt zitierte Petrus den Propheten Joel, der von der Ausgiessung des Heiligen Geistes und dem Tag des Herrn gesprochen hatte:</p>
<p>„<i>Jetzt geschieht</i>, was durch den Propheten Joel gesagt worden ist: In den <i>letzten Tagen</i> wird es geschehen, / so spricht Gott: / Ich werde von meinem Geist ausgiessen / über alles Fleisch. / Eure Söhne und eure Töchter werden Propheten sein, / eure jungen Männer werden Visionen haben, / und eure Alten werden Träume haben. Auch über meine Knechte und Mägde / werde ich von meinem Geist ausgiessen / in <i>jenen Tagen</i>, und sie werden Propheten sein. Ich werde Wunder erscheinen lassen droben am Himmel / und Zeichen unten auf der Erde: / Blut und Feuer und qualmenden Rauch. Die Sonne wird sich in Finsternis verwandeln / und der Mond in Blut, / ehe der <i>Tag des Herrn</i> kommt, / der grosse und herrliche Tag. Und es wird geschehen: / Jeder, der den Namen des Herrn anruft, / wird gerettet“ (Apg 2,16-21).</p>
<p><i>Touto estin</i> („jetzt geschieht“) war eine allgemein übliche Formel, um die Auslegung eines Bibelabschnitts einzuleiten. Paulus gebrauchte sie etwa, um die Bedeutung alttestamentlicher Aussagen einzuleiten (Röm 9,8; 10,6-8). <i>Touto estin</i> bedeutet wörtlich „dies ist das Gesagte“. Die Elberfelderübersetzung gibt die Formel ziemlich wörtlich mit „dies ist es“ wieder, die Einheitsübersetzung übersetzt sinngemässer mit „jetzt geschieht“.</p>
<p>Dispensationalisten sind der Auffassung, dass es Petrus an Pfingsten nicht um die Erfüllung der Prophetie Joels ging, sondern lediglich um deren Erklärung. Heide sieht im Pfingstwunder lediglich einen „Vorgriff“ auf das messianische Zeitalter. Petrus sei nicht der Meinung gewesen, dass sich Joels Prophetie an Pfingsten erfüllt habe, <i>touto estin</i> sei im Sinne von „dies bedeutet“ zu verstehen. Es darf die Frage gestellt werden, was Pfingsten denn war, wenn nicht die Erfüllung der Prophetie Joels? Ist der Heilige Geist nicht „die Verheissung des Vaters“ (Apg 1,4), die Jesus den Jüngern aufgrund der alttestamentlichen Geistankündigungen versprochen hatte? Wussten sich Petrus und die anderen Apostel nicht im Zeitalter der messianischen Erfüllung? Lebten sie nicht mitten in den letzten Tagen, zu denen gemäss der Joelprophetie eben gerade die Geistausgiessung und die prophetische Rede gehört? In Petrus’ Briefen wird klar, dass Petrus sich in den letzten Tagen wusste:</p>
<p>„Ihr wisst, dass ihr aus eurer sinnlosen, von den Vätern ererbten Lebensweise nicht um einen vergänglichen Preis losgekauft wurdet, nicht um Silber oder Gold, sondern mit dem kostbaren Blut Christi, des Lammes ohne Fehl und Makel. Er war schon vor der Erschaffung der Welt dazu ausersehen, und euretwegen ist er am <i>Ende der Zeiten</i> erschienen“ (1Petr 1,18-20).</p>
<p>“Das ist schon der zweite Brief, den ich euch schreibe, liebe Brüder. In beiden will ich eure klare Einsicht wachrufen und euch erinnern: Denkt an die Worte, die von den heiligen Propheten im voraus verkündet worden sind, und an das Gebot des Herrn und Retters, das eure Apostel euch überliefert haben. Vor allem sollt ihr eines wissen: Am <i>Ende der Tage</i> werden Spötter kommen, die sich nur von ihren Begierden leiten lassen und höhnisch fragen: Wo bleibt denn seine verheissene Ankunft?“ (2Petr 3,3).</p>
<p><b>Der Beginn der „letzten Tage“</b></p>
<p>Die „letzten Tage“ waren nicht etwas, das die ersten Christen für die ferne Zukunft erwarteten. Die letzten Tage sind durch die Sendung Christi und die Ausgiessung des Heiligen Geistes bereits da. Der Apostel Paulus spricht in seinen Briefen von den Gefahren der letzten Tage. An seinen Mitarbeiter Timotheus schrieb er:</p>
<p>„Der Geist sagt ausdrücklich: In <i>späteren Zeiten</i> werden manche vom Glauben abfallen; sie werden sich betrügerischen Geistern und den Lehren der Dämonen zuwenden, getäuscht von heuchlerischen Lügnern, deren Gewissen gebrandmarkt ist“ (1Tim 4,1-2).</p>
<p>Paulus spricht in nicht von einer Zeit, die in der fernen Zukunft liegt, sondern von der Zeit, in der er selbst und Timotheus lebten. So ermahnt er Timotheus im Anschluss an seine Beschreibung der letzten Tage: „Dies trage den Brüdern vor!“ (1Tim 4,6). Timotheus sollte die Warnungen des Apostels über die letzten Tage weitergeben, weil diese schon begonnen haben. Im zweiten Brief an Timotheus tritt die Warnung vor den letzten Tagen noch deutlicher hervor. Paulus wies Timotheus an, die scheinheiligen Menschen der letzten Tage zu meiden, da er bereits mitten in den letzten Tagen lebte:</p>
<p>„Das sollst du wissen: In den <i>letzten Tagen</i> werden schwere Zeiten anbrechen. Die Menschen werden selbstsüchtig sein, habgierig, prahlerisch, überheblich, bösartig, ungehorsam gegen die Eltern, undankbar, ohne Ehrfurcht, lieblos, unversöhnlich, verleumderisch, unbeherrscht, rücksichtslos, roh, heimtückisch, verwegen, hochmütig, mehr dem Vergnügen als Gott zugewandt. Den Schein der Frömmigkeit werden sie wahren, doch die Kraft der Frömmigkeit werden sie verleugnen. Wende dich von diesen Menschen ab“ (2Tim 3,1-5).</p>
<p>Der Apostel Johannes schreibt in seinen Briefen von der „letzten Stunde“ und dem Aufkommen des Antichristen. Aus seinen Briefen geht deutlich hervor, dass die letzte Stunde sich auf seine eigene Zeit bezog. Er sagte nicht, dass die letzte Stunde <i>kommt</i>, sondern dass es die letzte Stunde <i>ist</i>. Im ersten Brief spricht Johannes besonders deutlich von der letzten Stunde:</p>
<p>„Meine Kinder, <i>es ist die letzte Stunde</i>. Ihr habt gehört, dass der Antichrist kommt, und jetzt sind viele Antichriste gekommen. Daran erkennen wir, dass es die <i>letzte Stunde</i> ist“ (1Joh 2,18).</p>
<p>Der Schreiber des Hebräerbriefs wusste, dass er in der Endzeit lebte. Er schreibt von „dieser Endzeit“, also der Zeit, in der er selbst lebte:</p>
<p>„Viele Male und auf vielerlei Weise hat Gott einst zu den Vätern gesprochen durch die Propheten; <i>in dieser Endzeit aber hat er zu uns gesprochen</i> durch den Sohn“ (Hebr 1,1-2).</p>
<p>„Jetzt aber ist er [Jesus] <i>am Ende der Zeiten</i> ein einziges Mal erschienen, um durch sein Opfer die Sünde zu tilgen“ (Hebr 9,26).</p>
<p>Auch Judas schreibt in seinem Brief davon, dass er und seine Briefempfänger in der Endzeit lebten, deren Zeichen von den Aposteln vorausgesagt worden waren. Judas erinnerte an die Warnungen in den Briefen von Paulus und Petrus:</p>
<p>„Ihr aber, liebe Brüder, denkt an die Worte, die von den Aposteln Jesu Christi, unseres Herrn, im voraus verkündet worden sind, als sie euch sagten: <i>Am Ende der Zeit</i> wird es Spötter geben, die sich von ihren gottlosen Begierden leiten lassen“ (Judas 17-18).</p>
<p>Der neutestamentliche Befund ist eindeutig: Die Endzeit begann mit dem ersten Kommen Jesu (Hebräer 1,1-2). Die Apostel (1Tim 4,1-5; 1Petr 1,20; 1Joh 2,18) und die übrigen Schreiber des Neuen Testamentes (Hebr 1,1-2; Judas Vers 18) standen mitten in den letzten Tagen, die von den Propheten vorausgesagt worden waren.</p>
<p><b>Was bedeutet Endzeit?</b></p>
<p>Endzeit bedeutet nicht das Ende der Geschichte, sondern zunächst einmal das Ende des alten Bundes. In Christus kam der alte Bund zu seinem Ziel und Ende. Gleichzeitig brach die von den Propheten angekündigte messianische Zeit an. Der alte Bund mit Israel wurde vom neuen, durch Christus gestifteten Bund abgelöst.</p>
<p>Mit dem Kommen Jesu haben die letzten Tage begonnen, von denen das Alte Testament spricht. Die Apostel wussten sich mitten in den letzten Tagen. Damit stellt sich die Frage, inwiefern die Zeit der Apostel eine Zeit des <i>Endes</i> war. Wie war es möglich, von der Zeit der Apostel als der Endzeit zu reden, wenn danach die Geschichte weiterging? Warum reden wir vom Neuen Testament, wenn Jesus das Ende brachte?</p>
<p><b>Das Ende des alten Bundes</b></p>
<p>Endzeit bedeutet nicht das Ende der Geschichte, sondern zunächst einmal das Ende des alten Bundes. Das Kommen Jesu, sein Sterben, seine Auferstehung und seine Himmelfahrt bedeuteten das Ende des alten Bundes. Durch die Ereignisse von Karfreitag und Ostern erfüllte sich die gesamte alttestamentliche Ordnung mit ihren Opfern und Riten. In diesem Sinn konnte der Apostel Paulus sagen, dass Christus das Ende des Gesetzes ist (Röm 10,4). Im Galaterbrief legt Paulus dar, dass das Gesetz als Lebensordnung eine zeitlich beschränkte Funktion hatte. Gott erklärte Abraham aufgrund seines Glaubens für gerecht. Alle, die glauben, sind Söhne Abrahams (Gal 3,6-7). Von Anfang an war der Glaube der Weg zur Gerechtigkeit vor Gott. Das Gesetz als Lebensordnung wurde wegen der Sünde des Menschen dem bei Abraham offenbarten Grundsatz der Glaubensgerechtigkeit hinzugefügt (Gal 3,19). Das Gesetz hatte die Funktion eines Erziehers auf Christus hin und galt nur so lange, bis Christus kam (Gal 3,19.23-24). Der alte Bund, den Gott mit Israel am Sinai gemacht hatte, war demnach von Anfang an zeitlich beschränkt. Durch Christus kam die gesamte alttestamentliche Ordnung zu ihrem unwiderruflichen Ende (Hebr 7,18-19). Jesus führte eine neue, bessere Ordnung ein, nämlich den Bund in seinem Blut. Aus der Sicht Israels bedeutete das Kommen Jesu deshalb eine Zeit des Endes. Es war die Endzeit des Alten Testamentes.</p>
<p>Vom Alten Testament her gesehen sind die letzten Tage nicht nur eine Zeit der Rettung, sondern auch des Gerichts. Gemäss den Propheten werden nicht nur die Völker Gottes Rettung und Gericht erfahren, sondern insbesondere das erwählte Volk Israel. Dieser Gedanke wird im Neuen Testament mehrmals aufgenommen, am ausführlichsten bei Paulus.</p>
<p>Paulus befasst sich in Römer 10 mit der Tatsache, dass Israel nicht auf Gott hörte und so dem Gericht verfiel. Israels Unglaube wog so schwer, dass der Apostel siebenmal die Frage stellt, ob Israel nicht hören und verstehen konnte und darum in Unglauben versank. Paulus will in Römer 10,14-21 herausstreichen, dass Israel hätte umkehren können, aber nicht wollte. Paulus fragt ein erstes Mal: “Wie sollen sie nun den anrufen, an den sie nicht glauben?“ (Vers 14). Israel hatte zahlreiche Möglichkeiten zu glauben, aber es lehnte seinen Messias ab und wählte den Weg der Selbstgerechtigkeit. Zum zweiten Mal fragt Paulus: „Wie sollen sie an den glauben, von dem sie nichts gehört haben?“ (Vers 14). Die Israeliten hatten gehört! Sie hatten das Alte Testament, das Zeugnis vom Messias ablegte, und sie hatten von den Aposteln von der Auferstehung des Messias vernommen. Paulus fragt zum dritten Mal: „Wie sollen sie hören, wenn niemand verkündigt?“ (Vers 14). Immer wieder wurde Israel die Botschaft Gottes verkündigt, doch ohne Erfolg. Paulus fragt zum vierten Mal: „Wie soll aber jemand verkündigen, wenn er nicht gesandt ist?“ (Vers 15). Wie viele Verkündiger hatte Gott seinem Volk gesandt! Die Propheten, den Messias selbst, die Apostel, die ersten Christen! Sie alle verkündigten Israel die Botschaft der Umkehr. Aber Israel hörte nicht. Paulus fragt mit den Worten Jesajas zum fünften Mal: „Herr, wer hat unserer Botschaft geglaubt?“ (Vers 16). Wie zur Zeit Jesajas stiess die Botschaft Gottes auch zur Zeit Jesu und der Apostel weit gehend auf taube Ohren. Paulus fragt zum sechsten Mal: „Haben sie die Boten etwa nicht gehört?“ (Vers 18). Paulus könnte nun auf seine Missionsreisen hinweisen, die beweisen, dass die Juden überall die Gelegenheit gehabt hatten, das Evangelium zu hören. Aber Israel sollte nicht durch menschliches, sondern durch göttliches Urteil für schuldig befunden werden. So nimmt Paulus auf Gottes Offenbarung in der Natur Bezug, indem er Psalm 19,5 anführt. Aber auch auf dieses Zeugnis hörte Israel nicht. Und schliesslich fragt Paulus zum siebten und letzten Mal, um jeder Entschuldigung Israels zuvorzukommen: „Hat dann Israel, so frage ich, die Botschaft nicht verstanden?“ (Vers 19). Israel hatte willentlich den Weg Gottes abgelehnt und konnte darum keine Entschuldigung vorbringen.</p>
<p>Gottes Gericht kam mit Recht über das ungläubige Israel. Die Zerstörung Jerusalems im Jahre 70 n.Chr. war ein göttlich verordnetes Gericht, das bedeutete, dass Gott das Reich von Israel genommen und der Gemeinde übergeben hat. Der zerrissene Vorhang und der zerstörte Tempel waren das Zeichen, dass der alte Bund zu seinem unwiderruflichen Ende gekommen war. Weil Israel am Alten festhielt und den Messias verwarf, musste Gott das Alte mit Gewalt nehmen, um dem Neuen Platz zu machen. Historisch gesehen war das Jahr 70 n.Chr. das Ende des Alten Testamentes.</p>
<p><b>Der Beginn einer neuen Zeit</b></p>
<p>Die Endzeit des Alten Testamentes war zugleich der Beginn einer neuen Zeit. Es begann die Zeit des Neuen Testamentes. An die Stelle des alten Bundes, den Gott mit Israel am Sinai geschlossen hatte, trat der neue Bund im Blut Jesu. Wir haben bereits davon gesprochen, dass es im Leben und Dienst Jesu drei Zeichen gab als Erweis für die Gegenwart des Reiches Gottes. Das erste ist die Verkündigung des Evangeliums, das zweite das Vollbringen von Wundern und das dritte die Austreibung von Dämonen. Es gibt noch zwei weitere Zeichen, mit denen wir uns nun beschäftigen müssen. Das vierte und wichtigste Zeichen für den Beginn der neuen, messianischen Zeit ist die Auferstehung Christi. Sie ist das eschatologische Ereignis schlechthin.</p>
<p>Um die eschatologische Bedeutung der Auferstehung Christi zu verstehen, muss man sich der Auferstehungshoffnung des Alten Testamentes bewusst sein. Die Zukunftserwartung der Propheten war über weite Strecken eine Diesseitshoffnung. Die Propheten kündigten an, dass Jahwe zum Gericht über die Völker und zur Aufrichtung seiner Herrschaft kommt. Diese Zukunftshoffnung wurde als Eingriff in den Lauf der Geschichte und als totale Umwälzung der Ereignisse verstanden. Erst die Apokalyptiker redeten klar und deutlich von einer leiblichen Auferstehung und einem darauf folgenden jenseitigen Leben. So ist beim Propheten Daniel zu lesen: „Von denen, die im Land des Staubes schlafen, werden viele erwachen, die einen zum ewigen Leben, die anderen zur Schmach, zu ewigem Abscheu. Die Verständigen werden strahlen, wie der Himmel strahlt; und die Männer, die viele zum rechten Tun geführt haben, werden immer und ewig wie die Sterne leuchten“ (Dan 12,2-3).</p>
<p>Im Alten Testament gibt es keine klare Verheissung dafür, dass Gott einen einzelnen Menschen auferwecken wird. So können Psalm 16,10-11 (vgl. Apg 2,27-31) und Jesaja 53,10-12 im Rückblick als Andeutungen auf die Auferstehung Jesu verstanden werden, aber vom alttestamentlichen Standpunkt aus sind sie keine Verheissungen für eine individuelle Totenauferweckung zur Herrlichkeit. Die Auferstehungshoffnung des Alten Testamentes besteht darin, dass es am Ende der Zeit eine allgemeine, kollektive Auferstehung der Toten geben wird. Die Auferstehung zur Herrlichkeit eines einzelnen Menschen im Lauf der Geschichte ist im Alten Testament nicht im Blickfeld.</p>
<p>Die Auferstehung ist vom Alten Testament her gesehen der Auftakt zur Vollendung, sie führt an das Ende der Geschichte. Wenn sie sich ereignet, bricht Gottes neue Welt an und das Alte vergeht. Künneth folgert: „Wird die Auferstehung Jesu als das eschatologische Ereignis verstanden, so ist damit weiterhin zum Ausdruck gebracht, dass in dem auferweckten Kyrios der Anbruch des Auferstehungsäons gesetzt ist und damit die letzte und ewige Wirklichkeit ihren Anfang nimmt&#8230; Damit gewinnt die Auferstehung Jesu den Charakter einer Wende der Zeiten, derart, dass der alte Äon immer noch da ist, wenn der neue Äon anhebt.“ Mit der Auferstehung Christi ist die zukünftige Vollendung, die aufgrund des Alten Testamentes am Ende der Zeit erwartet wurde, bereits mitten in die Geschichte hereingebrochen. Das ist gegenüber der alttestamentlichen Erwartung etwas völlig Neues. In der Auferstehung Christi ereignet sich das Ereignis, das die Vollendung und die Ewigkeit herbeiführt, mitten im Lauf der Zeit! Mit der Auferstehung ist der Kreuzestod Christi als Heilsereignis göttlich beglaubigt. Aber die Auferstehung ist mehr als das, sie ist der Garant für die Vollendung aller Dinge. In der Auferstehung Christi ist der letzte Feind, der Tod, bereits besiegt und die Erneuerung alles Geschaffenen deshalb nur noch eine Frage der Zeit. In diesem Sinn nennt der Apostel Paulus Jesus die „Erstlingsfrucht“ der Entschlafenen (1Kor 15,20). Das Wort „Erstling“ geht auf das Gebot zurück, die erste Garbe der Ernte Gott darzubringen (Lev 23,9-11). Die erste Garbe durfte in der Gewissheit eingebracht werden, dass die Ernte folgt. So ist Christus als die Erstlingsfrucht der Entschlafenen von den Toten auferweckt worden. Seine Auferstehung bringt die Gewissheit der allgemeinen Auferstehung am Ende der Zeit und die Einlösung der Verheissungen Gottes mit sich. Durch seine Auferstehung hat Jesus dem Tod die Macht genommen (2Tim 1,10). Der Tod, der letzte Feind, konnte Jesus nicht zurückhalten, und damit ist die Macht des Todes über die Menschen gebrochen. Was Gott in der Kraft des Geistes an seinem Sohn tat, das wird Gott am Ende an den Gläubigen tun: „Wenn der Geist dessen in euch wohnt, der Jesus von den Toten auferweckt hat, dann wird er, der Christus Jesus von den Toten auferweckt hat, auch euren sterblichen Leib lebendig machen, durch seinen Geist, der in euch wohnt“ (Röm 8,11). In der Auferstehung Christi ist die Vollendung sozusagen greifbar nahe. „Da nämlich durch einen Menschen der Tod gekommen ist“, sagt der Apostel Paulus, „kommt durch einen Menschen auch die Auferstehung der Toten. Denn wie in Adam alle sterben, so werden in Christus alle lebendig gemacht werden“ (1Kor 15,21-22). Das leere Grab ist ein eschatologisches Zeichen, der Ostermorgen ist der Silberstreifen am Horizont, der die Vollendung ankündigt.</p>
<p>Cullmann hat in seinem Buch <i>Christus und die Zeit</i> gezeigt, dass das Kreuz und das leere Grab das Zentrum der Heilsgeschichte sind. Im Judentum liegt das Zentrum der Heilsgeschichte in der Zukunft und ereignet sich im Kommen des Messias. Im Neuen Testament ist nicht mehr der Kommende, sondern der schon Gekommene das Zentrum der Heilsgeschichte. Cullmann weist auf den durch die Auferstehung veränderten biblischen Zeitbegriff hin:</p>
<p>„Das chronologisch Neue, das Christus für den Glauben des Urchristentums gebracht hat, besteht nun darin, dass <i>für den gläubigen Christen die Mitte seit Ostern nicht mehr in der Zukunft liegt</i>&#8230; Die Mitte der Zeit ist nicht mehr das zukünftige Kommen des Messias, sondern das schon in der Vergangenheit abgeschlossene historische Leben und Wirken Jesu Christi&#8230; Das Zentrum ist erreicht, aber das Ende steht noch aus&#8230; <i>Die Entscheidungsschlacht in einem Krieg kann in einer verhältnismässig frühen Phase des Krieges schon geschlagen sein, und doch geht der Krieg noch lange weiter.</i> Obwohl die entscheidende Tragweite jener Schlacht vielleicht nicht von allen erkannt ist, bedeutet sie doch bereits den Sieg. Aber der Krieg muss noch auf unbestimmte Zeit weitergeführt werden bis zum ‚Victory Day’.“</p>
<p>Am Kreuz hat Jesus die Entscheidungsschlacht geschlagen. Satan ist besiegt, für die Sünde ist gesühnt, Gott ist mit der Welt versöhnt. Die Auferstehung bedeutet bereits den Sieg, denn die Macht des Todes ist gebrochen. Der Kampf geht weiter, doch die Vollendung ist jetzt nur noch eine Frage der Zeit. Das hat Konsequenzen für unsere eschatologische Schau: Nicht die Wiederkunft ist das Zentrum der Heilsgeschichte, sondern Tod und Auferstehung Christi. Vom Kreuz und vom leeren Grab aus wird im Neuen Testament die gesamte Eschatologie begriffen und entfaltet. Das alles Entscheidende liegt nicht in der Zukunft, es ist bereits geschehen.</p>
<p>Nun muss noch von einem fünften Zeichen die Rede sein. Das fünfte Zeichen für den Beginn der neuen Zeit ist die Ausgiessung des Heiligen Geistes. Mit der Auferstehung Christi und der Ausgiessung des Geistes ist die verheissene messianische Zeit Wirklichkeit. Als Israel in die babylonische Gefangenschaft geführt wurde, verkündeten die Propheten, dass der Herr sein Volk nicht aufgibt. Er werde es reinigen und wieder in das Land der Väter zurückführen, wo sich die Zusagen an die Glaubensväter in noch grösserem Mass erfüllen werden, als in den Tagen des vereinigten Königreichs (Jes 54,1-17). Das war die überaus hoffnungsvolle Botschaft der Propheten in den dunklen Tagen des Exils gewesen. Die Propheten riefen Israel zur Umkehr, und das Volk durfte damit rechnen, dass das messianische Zeitalter bald anbricht. Als Zeichen dafür gab Gott die Verheissung des Geistes. Jesaja sprach davon, dass Gott den Geist aus der Höhe über das Volk ausgiessen wird (Jes 32,15). Die Ausgiessung des Geistes wird wie Wasser auf dürstenden Boden sein (Jes 44,3). Und Joel sprach sogar davon, dass der Herr seinen Geist auf alle, nicht nur einzelne ausgiessen wird (Joel 3,1-2). In Israel wusste man daher: Wenn Gott seinen Heiligen Geist ausgiesst ist, das messianische Zeitalter da! Die Ausgiessung des Heiligen Geistes an Pfingsten (Apg 2,1ff) war für das jüdische Volk deshalb so bedeutsam, weil sie das prophetische Zeichen für den Anbruch des messianischen Zeitalters war. Endlich hatte Gott die messianische Zeit, die er durch seine Propheten angekündigt hatte, herbeigeführt! Die Verkündigung des Evangeliums, das Vollbringen von Wundern, die Austreibung von Dämonen, die Auferstehung aus den Toten und die Ausgiessung des Heiligen Geistes waren der Erweis dafür, dass die neue Zeit begonnen hatte.</p>
<p>Pfingsten bildet den Abschluss des Erlösungswerkes Christi. An Karfreitag starb Jesus den Tod für die Sünden der Welt, an Ostern auferstand er in Herrlichkeit, und in seiner Himmelfahrt setzte er sich zur Rechten Gottes und trat seine Herrschaft an. Als der erhöhte Herr, empfing er vom Vater den Geist und goss ihn aus. Petrus betonte, dass es Jesus war, der den Heiligen Geist ausgegossen hatte (Apg 2,33). Die Ausgiessung des Geistes war das Zeichen dafür, dass Jesus zum Herrn und König erhöht und sein Reich angebrochen war (Apg 2,33). Nun sollte in Übereinstimmung mit dem Versprechen an Abraham, dass durch ihn alle Völker Segen erlangen werden, das Evangelium verkündet und Gottes Herrschaft zu den Völkern ausgedehnt werden. Nun können nicht mehr nur einige an Gottes Heil teilhaben, alle sind ins Reich Gottes gerufen. Der Heilige Geist wurde auf alles Fleisch ausgegossen (Apg 2,1ff). Im Alten Testament war er Priestern, Königen und Propheten für ihre Aufgabe vorbehalten. Nun werden alle Gläubigen, ungeachtet ihrer sozialen Stellung oder Volkszugehörigkeit mit dem Heiligen Geist erfüllt. Gottes Gaben gelten nicht länger ausgewählten Menschen, im neuen Zeitalter können alle Visionen und Träume haben, alle können Propheten sein (Apg 2,17-18; 1Kor 14,5). Durch die Kraft des Heiligen Geistes ist die Gemeinde in der Lage, in aller Welt das Evangelium zu verkünden. Nicht nur Israel, alle Menschen sind jetzt zum Glauben gerufen (Mt 28,18-20), alle sollen umkehren (Apg 17,30). Das Lob Gottes, das am Pfingsttag aus jüdischen Kehlen in fünfzehn verschiedenen Sprachen zu Gott aufstieg (Apg 2,7-11) machte deutlich: Der Geist war ausgegossen worden, das Heil sprengte die Grenzen Israels. Die Zeit des alten Bundes war zu Ende, eine neue Zeit hatte begonnen!</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.betanien.de/wann-beginnt-die-endzeit-buchauszug-von-roland-hardmeier/">Wann beginnt die Endzeit? Buchauszug aus Zukunft. Hoffnung. Bibel.</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.betanien.de">Betanien Verlag</a>.</p>
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		<title>Rezension der &#8222;Konkordanz biblischer Aussagen über die Zukunft&#8220;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans-Werner Deppe]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 14 Dec 2008 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Blog]]></category>
		<category><![CDATA[Eschatologie]]></category>
		<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Rezension der &#8222;Konkordanz biblischer Aussagen über die Zukunft&#8220; von Gertrud Wasserzug, CV Dillenburg 2007. Gertrud Wasserzug versucht in diesem Buch, ihre eng gefasste Vorstellung eines Zukunftsschemas durch eine systematische Auflistung von Bibelstellen zu untermauern. Eigentlich sollte man meinen, eine Konkordanz sei ein Werkzeug zu einem unvoreingenommenen &#8230; </p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1>Rezension der &#8222;Konkordanz biblischer Aussagen über die Zukunft&#8220; von Gertrud Wasserzug, CV Dillenburg 2007.</h1>
<p>Gertrud Wasserzug versucht in diesem Buch, ihre eng gefasste Vorstellung eines Zukunftsschemas durch eine systematische Auflistung von Bibelstellen zu untermauern.</p>
<p>Eigentlich sollte man meinen, eine Konkordanz sei ein Werkzeug zu einem unvoreingenommenen Bibelstudium, um ohne vorausgesetztes Lehrsystem durch Schriftauslegung zu einer gesunden Lehre zu gelangen. Dieses Buch ist jedoch exakt das Gegenteil: Die Autorin legt ihr vorgefasstes Schema zugrunde und ordnet diesem ohne exegetische Begründung Schriftstellen nach Gutdünken zu.</p>
<p>Bezüglich ihres strikten Systems des Dispensationalismus ist dieses Werk nicht nur tendenziös, sondern manipulativ, indem es dem Leser vortäuscht, die genannten Schriftstellen würden sich auf die postulierten Abschnitte der Zukunft beziehen, denen die Autorin sie zuordnet. Daher ist dieses Buch nicht wirklich eine Konkordanz, sondern ein Verteidigungsversuch des Dispensationalismus, dessen ausgeklügeltes Schema in dem Buch immer wieder durch die typischen Zeitskala-Grafiken dargestellt wird. (Was haben solche dogmatischen Darstellungen in einer Konkordanz zu suchen?) Gertrud Wasserzug hat hier das Pferd von hinten aufzuzäumen versucht: An erster Stelle stellt sie ihr Lehrsystem und setzt die einzelnen Bibelstellen wie ein falsch kombiniertes Puzzle zu einem verzerrten Bild zusammen.</p>
<p>So geht sie z.B. von zwei zertrennten Gottesvölkern mit zwei unterschiedlichen Zukünften aus und gliedert ihre Kapitel in „Die Zukunft der Gemeinde“ und „die Zukunft Israels“. Entsprechend der dispensationalistischen Behauptung, die Gemeinde werde im AT nicht erwähnt, listet Wasserzug im Kapitel „Die Zukunft der Gemeinde“ keine einzige AT-Stelle an, obwohl das im AT verheißene Heil, z.B. „neue Himmel und neue Erde“ (Jes 65-66), allen Gläubigen gilt. Entgegen Wasserzugs Sichtweise sind die Gläubigen aus den Nationen ja schließlich „Miterben“ und „Miteinverleibte“ und Mitteilhaber der Verheißung“ mit den Gläubigen aus Israel (Eph 2-3).</p>
<p>Mit ihrem vorausgesetzten, aber falschen Schema muss die Autorin zwangsläufig Schriftstellen falsch zuordnen. Einige Beispiele:</p>
<p>&#8211; Röm 8,21, wo davon die Rede ist, dass die Schöpfung – genau wie der Leib der Gläubigen – von der Vergänglichkeit freigemacht werden wird, ordnet sie einem vergänglichen tausendjährigen Zwischenreich zu (S. 355)<br />
&#8211; Jes 66,23, wo es um die Ewigkeit geht (vgl. „neue Himmel und neue Erde“ in V. 22 und die ewige Hölle in V. 24), ordnet sie einem angeblichen künftigen buchstäblichen Tempeldienst in Jerusalem zu, obwohl allein „Gott und das Lamm“ der Tempel sein werden, wenn die neuen Himmel und neue Erde da sind (Offb 21,22)<br />
&#8211; Jer 29,14, wo von der Rückkehr der Juden nach der siebzigjährigen babylonischen Gefangenschaft die Rede ist (vgl. die „siebzig Jahre“ in V. 10; erfüllt unter Esra und Nehemia), ordnet sie einer künftigen Rückkehr Israels in sein Land zu, obwohl bereits lange erfüllt (gleiches gilt für zahllose weitere Stellen wie z.B. 5Mo 30,3-6 etc.)<br />
&#8211; den „Neuen Bund“ aus Jer 31,31-34 etc. ordnet sie einem künftigen Reich für Israel zu, obwohl die Verheißung des Neuen Bundes im Neuen Testament durch Jesu Blut erfüllt worden ist (Lk 22,20; Hebr 8,10.13 etc.).<br />
&#8211; viele Verheißungen eines „ewigen“ Reiches ordnet die Autorin einem zeitlichen Zwischenreich zu<br />
&#8211; die in Mt 24,15ff angekündigte Zerstörung Jerusalems ordnet sie der Zukunft zu, obwohl dies bereits im Jahre 70 n.Chr. erfüllt wurde. Die diesbezüglich noch deutlicheren Schriftstellen Lk 21,20 und Mt 24,2 führt sie lt. Bibelstellenindex in der gesamten Konkordanz gar nicht an.</p>
<p>Die Beispiele ließen sich noch zigfach weiterführen. Als am traurigsten ist sicher zu bewerten, dass die Autorin das Volk Gottes, Christi Leib und Braut und Herde, die er in eins versammelt hat, zerstückelt und zertrennt. Der Herr hat sein Leben für die Seinen gegeben, in Ihm sind sie alle vereint und haben in Ihm dasselbe geistliche Erbteil aufgrund derselben Verheißungen. „Ist etwa der Christus zerteilt?“ Gewiss nicht, vielmehr ist in Ihm Gottes Ja und Amen auf Seine Verheißungen Gottes geschehen.</p>
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		<title>Stellungnahme zu unserer eschatologischen Position (Kurzfassung, PDF)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans-Werner Deppe]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 09 Dec 2008 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Blog]]></category>
		<category><![CDATA[Eschatologie]]></category>
		<category><![CDATA[Lehre/Erbauung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Diese PDF enthält auf zwei Seiten: Einige meiner Einwände gegen den Dispensationalismus (Kurzfassung) Eine &#8211; meines Erachtens  &#8211; schriftgemäße Hermeneutik</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.betanien.de/stellungnahme-zu-unserer-eschatologischen-position-kurzfassung-pdf/">Stellungnahme zu unserer eschatologischen Position (Kurzfassung, PDF)</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.betanien.de">Betanien Verlag</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Diese <a href="https://www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2008/12/einige-meiner-einwaende-gegen-den-dispensationalismus.pdf" target="_blank" rel="noopener">PDF enthält auf zwei Seiten</a>:</p>
<ol>
<li>Einige meiner Einwände gegen den Dispensationalismus (Kurzfassung)</li>
<li>
<div>Eine &#8211; meines Erachtens  &#8211; schriftgemäße Hermeneutik</div>
</li>
</ol>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.betanien.de/stellungnahme-zu-unserer-eschatologischen-position-kurzfassung-pdf/">Stellungnahme zu unserer eschatologischen Position (Kurzfassung, PDF)</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.betanien.de">Betanien Verlag</a>.</p>
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