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Rezension der „Konkordanz biblischer Aussagen über die Zukunft“

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Rezension der „Konkordanz biblischer Aussagen über die Zukunft“ von Gertrud Wasserzug, CV Dillenburg 2007.

Gertrud Wasserzug versucht in diesem Buch, ihre eng gefasste Vorstellung eines Zukunftsschemas durch eine systematische Auflistung von Bibelstellen zu untermauern.

Eigentlich sollte man meinen, eine Konkordanz sei ein Werkzeug zu einem unvoreingenommenen Bibelstudium, um ohne vorausgesetztes Lehrsystem durch Schriftauslegung zu einer gesunden Lehre zu gelangen. Dieses Buch ist jedoch exakt das Gegenteil: Die Autorin legt ihr vorgefasstes Schema zugrunde und ordnet diesem ohne exegetische Begründung Schriftstellen nach Gutdünken zu.

Bezüglich ihres strikten Systems des Dispensationalismus ist dieses Werk nicht nur tendenziös, sondern manipulativ, indem es dem Leser vortäuscht, die genannten Schriftstellen würden sich auf die postulierten Abschnitte der Zukunft beziehen, denen die Autorin sie zuordnet. Daher ist dieses Buch nicht wirklich eine Konkordanz, sondern ein Verteidigungsversuch des Dispensationalismus, dessen ausgeklügeltes Schema in dem Buch immer wieder durch die typischen Zeitskala-Grafiken dargestellt wird. (Was haben solche dogmatischen Darstellungen in einer Konkordanz zu suchen?) Gertrud Wasserzug hat hier das Pferd von hinten aufzuzäumen versucht: An erster Stelle stellt sie ihr Lehrsystem und setzt die einzelnen Bibelstellen wie ein falsch kombiniertes Puzzle zu einem verzerrten Bild zusammen.

So geht sie z.B. von zwei zertrennten Gottesvölkern mit zwei unterschiedlichen Zukünften aus und gliedert ihre Kapitel in „Die Zukunft der Gemeinde“ und „die Zukunft Israels“. Entsprechend der dispensationalistischen Behauptung, die Gemeinde werde im AT nicht erwähnt, listet Wasserzug im Kapitel „Die Zukunft der Gemeinde“ keine einzige AT-Stelle an, obwohl das im AT verheißene Heil, z.B. „neue Himmel und neue Erde“ (Jes 65-66), allen Gläubigen gilt. Entgegen Wasserzugs Sichtweise sind die Gläubigen aus den Nationen ja schließlich „Miterben“ und „Miteinverleibte“ und Mitteilhaber der Verheißung“ mit den Gläubigen aus Israel (Eph 2-3).

Mit ihrem vorausgesetzten, aber falschen Schema muss die Autorin zwangsläufig Schriftstellen falsch zuordnen. Einige Beispiele:

– Röm 8,21, wo davon die Rede ist, dass die Schöpfung – genau wie der Leib der Gläubigen – von der Vergänglichkeit freigemacht werden wird, ordnet sie einem vergänglichen tausendjährigen Zwischenreich zu (S. 355)
– Jes 66,23, wo es um die Ewigkeit geht (vgl. „neue Himmel und neue Erde“ in V. 22 und die ewige Hölle in V. 24), ordnet sie einem angeblichen künftigen buchstäblichen Tempeldienst in Jerusalem zu, obwohl allein „Gott und das Lamm“ der Tempel sein werden, wenn die neuen Himmel und neue Erde da sind (Offb 21,22)
– Jer 29,14, wo von der Rückkehr der Juden nach der siebzigjährigen babylonischen Gefangenschaft die Rede ist (vgl. die „siebzig Jahre“ in V. 10; erfüllt unter Esra und Nehemia), ordnet sie einer künftigen Rückkehr Israels in sein Land zu, obwohl bereits lange erfüllt (gleiches gilt für zahllose weitere Stellen wie z.B. 5Mo 30,3-6 etc.)
– den „Neuen Bund“ aus Jer 31,31-34 etc. ordnet sie einem künftigen Reich für Israel zu, obwohl die Verheißung des Neuen Bundes im Neuen Testament durch Jesu Blut erfüllt worden ist (Lk 22,20; Hebr 8,10.13 etc.).
– viele Verheißungen eines „ewigen“ Reiches ordnet die Autorin einem zeitlichen Zwischenreich zu
– die in Mt 24,15ff angekündigte Zerstörung Jerusalems ordnet sie der Zukunft zu, obwohl dies bereits im Jahre 70 n.Chr. erfüllt wurde. Die diesbezüglich noch deutlicheren Schriftstellen Lk 21,20 und Mt 24,2 führt sie lt. Bibelstellenindex in der gesamten Konkordanz gar nicht an.

Die Beispiele ließen sich noch zigfach weiterführen. Als am traurigsten ist sicher zu bewerten, dass die Autorin das Volk Gottes, Christi Leib und Braut und Herde, die er in eins versammelt hat, zerstückelt und zertrennt. Der Herr hat sein Leben für die Seinen gegeben, in Ihm sind sie alle vereint und haben in Ihm dasselbe geistliche Erbteil aufgrund derselben Verheißungen. „Ist etwa der Christus zerteilt?“ Gewiss nicht, vielmehr ist in Ihm Gottes Ja und Amen auf Seine Verheißungen Gottes geschehen.

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