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Sechs Siegel: eine Krise jagt die nächste, bis zum Happy End

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Sechs Siegel in der Offenbarung

Von Hans-Werner Deppe 

Die Lage der Welt scheint sich dramatisch zuzuspitzen. Ist das nur eine vorübergehende Krise, eine Welle, eine von mehreren Geburtswehen vor der Wiederkunft Christi (Mk 13,8)? Das Buch der Offenbarung liefert uns Antworten, nach welchem Muster die Endzeitabläufe auftreten. Es schildert das, was aus Johannes’ Perspektive „bald geschehen soll“, in mehreren Visionszyklen. Der erste dieser Zyklen sind die zwei Kapitel Offenbarung 6 und 7. Hier werden die sieben Siegel des geheimnisvollen Buches durch das Lamm geöffnet und die Endzeitschrecknisse beginnen sich zu entfalten.

Man kann diese zwei Kapitel mit einem spannenden Hollywood-Actionfilm vergleichen: Eine dramatische Entwicklung führt zu einer immer schlimmer werdenden Notlage. Man denkt, die Situation ist hoffnungslos, die Welt verloren, wer könnte noch Rettung bringen? Anstatt dass es besser wird, wird alles nur immer noch schlimmer. Eine Krise jagt die nächste. Doch schließlich beweist ein Held seine unfassbaren Fähigkeiten und es wird doch noch alles gut. Dank des Retter-Helden gibt es ein wunderbares Happy End. In Hollywoodfilmen wird typischerweise ein menschlicher oder übermenschlicher Held präsentiert, ein Superman, der die Bewunderung und Verehrung der Zuschauer empfängt. Das ist das Tückische an solchen Filmen. Als Christen wissen wir, dass allein Jesus die Welt retten kann; in solchen Filmen werden abgöttische Helden verherrlicht. Und auch, wenn der Zuschauer weiß, dass das alles nur Fiktion ist, werden doch innerlich falsche Erwartungsvorstellungen dessen, was ein Retter ist und ihn ausmacht, produziert.

Die Erwartung hingegen, dass die Lage der Welt sich immer weiter zuspitzt und es schlimmer wird statt besser – dass nach der Corona-Krise der Ukraine-Krieg kommt und danach sicherlich die nächste Krise – diese Erwartung sollten wir Christen tatsächlich haben. Und das nicht aufgrund von Actionfilmen, sondern weil wir genau das in Offenbarung 6 sehen. Schauen wir uns das Kapitel im Überflug an und beachten wir, was für eine Art von Retter-Held der Jesus Christus hier im Hintergrund ist – absolut anders als die Actionhelden:

Die vier apokalyptischen Reiter

Wer ist der Handelnde in Offenbarung 6, wer ist der Akteur, die Hauptperson? Es werden die ersten Siegel des Buches geöffnet, und niemand anderes als das Lamm, der Herr Jesus Christus, ist es, der einzig und allein würdig ist, diese Siegel zu öffnen (Offb 5,2.5.9) und dies nun zu tun beginnt. Das Lamm ist der Handelnde und der Held. Mit seinem Öffnen der ersten vier Siegel erscheinen vier Pferde und vier Reiter, die verschiedene Nöte bringen, und zwar weltweit, wie aus dem Begriff „Erde“ in den Versen 4 und 8 hervorgeht. Die Reiter sind dabei nicht die Hauptakteure. Sie scheinen eher von ihren Pferden getragen zu sein und handeln nicht in eigener Macht, sondern ihnen „wurde gegeben“ (Vers 2.4.8) dieses oder jenes zu tun. Das ist bereits eine Hauptbotschaft. Aus unserer menschlichen Perspektive scheinen Politiker, Machthaber und Mogule die Drahtzieher dieser Welt zu sein, aber letztlich sind sie es nicht. Gott steht darüber. Jesus sagte zu Pilatus, dass er keine Macht hätte, wenn sie ihm nicht „von oben gegeben wäre“ (Joh 19,11). Die Mächtigen mögen gottfeindliche Pläne schmieden, doch „der im Himmel thront, lacht, der Herr spottet über sie“ (Ps 2,4).

Die vier Reiter der ersten vier Siegel bilden eine zusammenhängende Abfolge von Entwicklungen, ein logisches Fortschreiten weltweiter Eskalation. Der Reiter auf dem weißen Pferd wird von manchen Auslegern sogar für Jesus selbst gehalten, der durch den weltweiten Triumphzug des Evangeliums sein Reich in dieser Welt verbreitet. Diese Auslegung halte ich für problematisch. Zwar wird später in Kapitel 19 der Herr als auf einem weißen Pferd triumphierend vom Himmel kommend beschrieben, aber die ursprünglichen Hörer (Offb 1,3) der Verlesung des Offenbarungs-Briefes in den sieben Empfängergemeinden hatten beim Vorlesen dieser Stelle noch nichts von Kapitel 19 gehört. Hier haben wir vielmehr einen Anti-Messias, der siegreich ein Weltreich beherrscht. Darin können wir den römischen Kaiser sehen oder das Römische Reich an sich, das damals den Großteil der bekannten Welt beherrschte und eine sehr lange relative stabile Friedenszeit herbeiführte, die berühmte Pax Romana („römischer Friede“, ca. 29 v.Chr. bis 250 n.Chr.).

Auch wenn es an den Außengrenzen des Reiches während dieser Zeit zu kriegerischen Konflikten kam (z.B. in Palästina selbst, oder denken wir an Germanien und die Niederlage der Römer im Teutoburger Wald im Jahre 9 n.Chr.) war die Pax Romana doch weitgehend geprägt von innerer politischer Stabilität und Sicherheit – jedoch unter einem absolutistischen Herrscher und mit eingeschränkter Freiheit. Vor Allem Christen hatten darunter zu leiden. Doch das Römische Reich expandierte gerade dadurch, dass es den eroberten Völkern Sicherheit zum Preis der Unterwerfung anbot.

Der zweite Reiter auf dem roten Pferd bringt Krieg, was meistens logisch auf eine totalitäre Herrschaft folgt. So war es auch beim Römischen Reich. Krieg und politische Umwälzungen wiederum führen zu wirtschaftlichen Nöten, die mit dem dritten Reiter auf dem schwarzen Pferd kommen. Eine Tagesration Getreide kostet einen ganzen Tageslohn („ein Maß Weizen für einen Denar“, Offb 6,6). Hunger und Elend sind die Folge. Die Luxusgüter Wein und Öl hingegen sind von der Inflation nicht betroffen. Möglicherweise hat dies auch damit zu tun, dass in der Region der Empfänger, in Kleinasien, Wein und Öl angebaut wurde, Getreide hingegen importiert werden musste und in dieser Wirtschaftskrise extrem teuer wurde. Ansatzweise beginnen auch wir aktuell die Teuerung von Importerzeugnissen zu spüren. Wenn wir bedenken, dass die Ukraine und auch Russland für uns Hauptlieferanten von Getreide und anderen Bedarfsgütern sind, ist absehbar, dass das Leben sich noch sehr verteuern wird.

Ein Muster von Tyrannei, Krieg und Elend

Der vierte Reiter auf dem fahlen Pferd heißt „Tod“, was auch „Pest, tödliche Krankheit“ bedeuten kann und der blassgrünen (griech. chloros) Farbe des Pferdes entspricht. In alttestamentlichen Prophezeiungen werden die vier Gerichtswerkzeuge Gottes, die wir bei diesem Reiter sehen, ebenfalls zusammen angeführt: Schwert, Hunger, tödliche Krankheiten und wilde Tiere (siehe z.B. 5Mo 32,24-25; Hes 14,13-20). Dieser letzte Reiter ist die weitere Eskalation der vorhergehenden Reiter, die bereits Schwert und Hunger brachten. Nach dem Untergang des Römischen Reiches folgte das finstere Mittelalter mit Armut, Kriegen und Pest-Epidemien, die teilweise regional durchaus mehr als ein Viertel der Bevölkerung dahinrafften (Offb 6,8). Wilde Tiere wie Wölfe und Bären waren ebenfalls eine Gefahr, allerdings schildert die Offenbarung in den weiteren Kapiteln noch viel schlimmere Bestien: den Drachen, die alte Schlange (das ist der Teufel) und die zwei antichristlichen Tiere, die ab Kapitel 13 die Szene betreten.

Damit sind wir bei der Frage der symbolischen Bedeutung. Auch wenn viele Details auf das Römische Reich passen, beschreiben die Visionen nicht unbedingt konkrete historische Ereignisse und Entwicklungen, sondern ein wiederkehrendes Muster einer logisch zusammenhängenden Abfolge menschlicher Herrschaft und Weltlenkungsversuche: Tyrannei, Krieg und Elend. Der Islam zog seit dem 7. Jahrhundert ebenfalls zur Welteroberung aus, auch das Papsttum schickte sich dazu an. Das Heilige Römische Reich deutscher Nation war vom Mittelalter bis 1806 der erste Versuch, das alte Römische Reich wiederherzustellen, Napoleons Reich war der zweite. Hitler nannte seinen Versuch dann Drittes Reich. Und heute erleben wir einen weiteren Wiederherstellungsversuch dieses globalen Machtmonopols, der durch eine technische Kontroll-Infrastruktur nun bestens umsetzbar ist. Wir können sehr dankbar sein, dass wir in unserem Land jahrzehntelang Demokratie und Rechtstaatlichkeit mit Gewaltenteilung hatten. Gewaltenteilung statt Machtmonopol ist eine Errungenschaft biblischer Weltanschauung, denn aufgrund der Bibel wissen wir, wie verdorben der Mensch ist, und ein Machtmonopol aus verdorbenen Menschen führt unweigerlich in die Unterdrückung. Macht korrumpiert und absolute Macht korrumpiert absolut.

Christenverfolgung als Folge der Krisen

Christen sind aus verschiedenen Gründen immer besonders von Unterdrückung betroffen: Sie werden als unliebsame Minderheit schikaniert, oder ihnen wird als Sündenböcke die Schuld an den Krisen gegeben. Unterwerfung unter die Forderungen der Macht, einschließlich deren gotthafter Verehrung, bedeutet für sie oft Ungehorsam gegenüber Gott, was für sie nicht in Frage kommt. Christen sind in Diktaturen oft jene, die aus Glaubensüberzeugung nicht mitmachen bei dem, was die Machthaber mit ihren Gesetzen fordern und ihren Ideologien propagieren. Sie werden verfolgt „um des Wortes Gottes und des Zeugnisses (Jesu) willen“ (Offb 6,9; vgl. 1,2.9; 12,17 u.a.).

Und so wendet sich beim Öffnen des fünften Siegels der Blick vom allgemeinen Geschehen auf der Erde hin auf das Schicksal der Christen. Viele sind bereits unter Christenverfolgung getötet worden, und noch weitere Märtyrertode müssen folgen, doch nur noch für „kurze Zeit“ (Offb 6,11). Dieses fünfte Siegel, die Christenverfolgung, ist ebenso wenig zusammenhanglos aneinandergereiht wie die ersten vier Siegel, sondern steht in einer logischen Abfolge. Das ist die große Lektion, die wir hier lernen sollten: Es wird mit dieser Welt – trotz weltgeschichtlichem Auf und Ab und wellenmäßigen Auftreten von Krisen, Konflikten und Kriegen wie bei Geburtswehen – letztlich nicht besser werden, insbesondere für uns Christen. Bei allen Helden und Anti-Helden, die die Weltszene betreten, müssen wir als Christen im Blick behalten, dass unser wahrer Held das Lamm ist, das die Siegel nach und nach öffnet, bis zu seinem triumphalen Wiederkommen.

Als Trost für die schwere Zeit bis dahin wird den Gläubigen posthum ein „weißes Gewand gegeben“ (Offb 6,11a), eine Gerechtigkeit und wahre moralische Überlegenheit, die das Lamm durch sein Blut am Kreuz erkauft hat (Offb 7,14; 5,9) und ihnen wird als Trost die göttliche Verheißung des baldigen Sieges Gottes zuteil (Offb 6,11b).

Wer kann vor dem Zorn des Lammes bestehen?

Doch zuerst wird es noch schlimmer, denn nachdem mit den ersten fünf Siegeln beschrieben wurde, was Menschen und ihre Herrschaft auf der Erde anrichten, kommt mit dem sechsten Siegel Gottes Zorn in Gestalt geologischer und kosmischer Katastrophen zum Ausdruck. Auch die Eliten (Offb 6,15) sind dem hilflos ausgesetzt und wünschen sich, dass die Berge über sie fallen (Offb 6,16a), was der Herr Jesus schon auf dem Weg zur Kreuzigung den weinenden Frauen voraussagte (Lk 23,30). Man könnte hier an schreckliche Szenarien wie Nuklearwaffen oder russische Vakuumbomben denken, aber die Menschen begehren nicht Schutz vor Strahlung, sondern „vor dem Angesicht dessen, der auf dem Thron sitzt, und vor dem Zorn des Lammes“ (Offb 6,16b). Nun wird die Frage aller Fragen aufgeworfen: „Wer vermag zu bestehen?“ (Offb 6,17), und zwar vor dem Zorn Gottes, der sich im weiteren Verlauf der Offenbarung auch noch in den sieben Posaunen und sieben Zornesschalen zeigen wird. War es in Kapitel 5 die Frage, wer würdig ist, die Siegel des Buches zu öffnen, nämlich das Lamm, wird nun gezeigt, wer vor dem Zorn Gottes gerettet wird: Jene, die zum Lamm gehören, die durch sein Blut gekennzeichnet und „versiegelt“ (Offb 7,3) sind, von ihm erkauft und geliebt.

Johannes „hört“ (Offb 7,4) zunächst nur die Anzahl der Versiegelten: 144.000 aus den zwölf Stämmen Israels (wobei die Stämme etwas anders aufgelistet werden als im AT). Dann „sieht“ (Offb 7,9) er eine große, unzählbare Menge aus allen Nationen und Völkern. Die Gemeinde der Erretteten besteht grundsätzlich aus Juden und Heiden (Eph 2,13ff), die Gott sich als anbetendes Volk erlöst und erkauft hat. Sie alle gehen auf dieser Erde durch eine „große Bedrängnis“ (Offb 7,14; vgl. Apg 14,22; 1Thes 3,3-4 u.v.a.), und wir müssen darauf gefasst sein, dass sich diese Bedrängnis immer weiter zuspitzt. Doch das glorreiche Happy End ist die ewige Gemeinschaft mit Gott, vom Lamm geleitet zu „Wasserquellen des Lebens“, „und Gott wird jede Träne von ihren Augen abwischen“ (Offb 7,17). Der Herr Jesus ist unser Held, der sein Blut für uns gegeben hat, der auf dem Thron sitzt und die Weltgeschichte lenkt, und der bald triumphierend wiederkommen wird. Möge es bis dahin schon jetzt unser Lebensinhalt sein, ihm zu folgen, „wohin es auch geht“ (Offb 14,4), ihm zu dienen und ihn anzubeten.

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