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	<title>Rezensionen Archive - Betanien Verlag</title>
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	<description>Ausgewählte bibeltreue Literatur</description>
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	<title>Rezensionen Archive - Betanien Verlag</title>
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		<title>Gottes perfekter Plan für mein Leben? &#8211; Von Kevin DeYoung</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Eduard Klassen]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 16 Mar 2017 11:37:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Blog]]></category>
		<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Warum suchen so viele Christen verzweifelt nach Gottes Plan für ihr Leben? Warum sind Verleger immer noch bereit, massenhaft Bücher zum Thema »Gottes Willen erkennen« herauszugeben (so wie dieses!), obwohl es bereits unzählige auf dem Markt gibt? Warum investieren Millionen von Christen schier endlos viel Zeit und Energie in das Warten, dass Gottes Wille sich offenbart? Und warum sorgen wir uns über den Willen Gottes, als sei er wie eine Atomsprengkopfrakete, die auf unser zukünftiges Glück abzielt? Ich möchte fünf Gründe nennen. </p>
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<p>Der Beitrag <a href="https://www.betanien.de/gottes-perfekter-plan-fuer-mein-leben-von-kevin-deyoung/">Gottes perfekter Plan für mein Leben? &#8211; Von Kevin DeYoung</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.betanien.de">Betanien Verlag</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Auszug aus dem Buch: <a href="https://www.cbuch.de/deyoung-leg-einfach-los.html">Leg einfach los! &#8211; Ein befreiender Weg, Gottes Willen zu entdecken</a></p>
<p><div id="attachment_1173" style="width: 1510px" class="wp-caption alignnone"><img data-recalc-dims="1" fetchpriority="high" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-1173" src="https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2017/04/Leg-einfach-los-Sprechblasen2.jpg?resize=960%2C640&#038;ssl=1" alt="leg einfach los" width="960" height="640" class="size-full wp-image-1173" /><p id="caption-attachment-1173" class="wp-caption-text">Leg einfach los! von Kevin DeYoung</p></div><br />
&nbsp;</p>
<h1>Die Herausforderung, sich zu entscheiden</h1>
<p>Warum suchen so viele Christen verzweifelt nach Gottes Plan für ihr Leben? Warum sind Verleger immer noch bereit, massenhaft Bücher zum Thema »Gottes Willen erkennen« herauszugeben (so wie dieses!), obwohl es bereits unzählige auf dem Markt gibt? Warum investieren Millionen von Christen schier endlos viel Zeit und Energie in das Warten, dass Gottes Wille sich offenbart? Und warum sorgen wir uns über den Willen Gottes, als sei er wie eine Atomsprengkopfrakete, die auf unser zukünftiges Glück abzielt? Ich möchte fünf Gründe nennen.</p>
<h2>Wir wollen Gott gefallen</h2>
<p>Über die Jahre habe ich mit vielen aufrichtigen Christen gesprochen, die ernsthaft wissen wollen: »Bin ich da, wo ich sein sollte? Tue ich das, was ich tun sollte?« Diese Männer und Frauen lieben den Herrn. Sie versuchen nicht, kompliziert zu sein. Sie glauben, dass Gott sich einen Weg für sie ausgesucht hat und sie möchten diesen Weg nicht verfehlen und Gott nicht enttäuschen. Wenn der Herr meint, wir sollten nach Nashville ziehen, wollen wir nicht in Chicago enden. Wenn er meint, wir sollen Chemie studieren, wollen wir nicht Russische Literaturwissenschaften als Hauptfach wählen. Wenn wir für die Mission bestimmt sind, wollen wir nicht in einem heimischen Vorort landen.</p>
<p>Das ist der erste Grund, warum wir Gottes individuellen Willen, seine persönliche Führung, für uns entdecken wollen: <em>Wir möchten Gott gefallen.</em> Wir möchten das tun, was Gott möchte. Das ist gut, aber wie ich bereits erklärt habe und in den kommenden Kapiteln konkretisieren werde, ist das nicht die Art und Weise, wie Gottes Wille »funktioniert«. Auch wenn wir die besten Absichten dabei haben mögen, wenn wir Gottes Willen herausfinden wollen, sollten wir doch endlich damit aufhören, uns ständig damit herumzuplagen, jede Entscheidung übermäßig zu vergeistlichen. Unsere fehlgeleitete Frömmigkeit führt dazu, dass die Nachfolge Jesu ganz falsch mystifiziert wird.</p>
<h2>Einige von uns sind zaghaft</h2>
<p>Der zweite Grund, warum manche Christen Gottes individuellen Willen suchen, besteht darin, dass <em>wir von Natur aus ziemlich zaghaft und zögerlich sind. </em>Energische, draufgängerische Typen tendieren weniger dazu, sich über Gottes Willen zu sorgen, als bedächtige, vorsichtige Typen. Manche voreiligen Christen müssen ermutigt werden, erst zu überlegen, bevor sie handeln. Andere hingegen müssen ermutigt werden, auch tatsächlich zu handeln, nachdem sie überlegt haben.</p>
<p>Ich persönlich habe einige impulsive Christen kennen gelernt, aber noch viel mehr zaghafte Christen, die durch Unschlüssigkeit und Passivität wie gelähmt waren. <strong>Sie weigern sich, eine Entscheidung zu treffen, ohne vorher alle Fakten abzuwägen und eine geradezu vollständige Sicherheit zu erlangen, dass am Ende alles gut werden wird.</strong> Als Kinder verlassen sie ihre Football-Mannschaft, weil sie vielleicht nicht die Besten sind. In der Schule rutschen sie ab und werden schlechter, weil sie es gar nicht erst versuchen, anstatt es zu versuchen und vielleicht den Erwartungen nicht ganz zu entsprechen. Solche Menschen meinte Paulus wohl, als er den Thessalonichern sagte: »Verwarnt die Unordentlichen, tröstet die Kleinmütigen, nehmt euch der Schwachen an, seid langmütig gegen alle!« (1Thes 5,14).</p>
<p>Manche Christen haben die besten Absichten, wenn sie Gottes Willen herausfinden wollen. Sie sind einfach nur zu vorsichtig und etwas zaghaft. Solche Christen brauchen Ermahnung, aber sie verdienen auch unsere Geduld und Hilfe.</p>
<h2>Wir wollen perfekte persönliche Erfüllung</h2>
<p>Der dritte Grund, warum wir nach Gottes individuellem Willen suchen, ist, dass <em>wir die perfekte Erfüllung in unserem Leben erstreben. </em>Viele von uns haben es so gut, dass wir beginnen, den Himmel auf Erden zu suchen. Wir haben jegliche Pilgergesinnung – die Einstellung, dass wir als Christen nur Fremde und Pilger auf Erden sind – verloren. Es ist alles eine Frage der Perspektive. Falls du denkst, Gott habe dir versprochen, dass diese Welt ein Fünf-Sterne-Hotel sein wird, wird es dir in den normalen Kämpfen des Alltags schlecht ergehen. Aber wenn du an Gottes Verheißung denkst, dass wir Pilger sein werden und diese Welt sich eher wie eine Wüste oder gar ein Gefängnis anfühlen wird, wirst du dein Leben überraschend glücklich finden.</p>
<p>Der Glaube an Jesus garantiert nicht, dass alles so läuft, wie wir es gerne hätten. Schau dir Hebräer 11 an, dieses Kapitel, das manchmal auch die »Hall of Fame (oder Heldengalerie) der Glaubenshelden« genannt wird. Beachte allein nur die drei ersten Glaubenshelden in diesem Kapitel. Der Bibelkommentator Bruce Waltke zeigt auf: Abel glaubte und starb, Henoch glaubte, starb aber nicht, Noah glaubte und alle anderen starben!<sup>[1]</sup> Der Glaube garantiert dir nicht, dass dein Leben – oder das Leben deiner Mitmenschen – ein Ponyhof oder Zuckerschlecken sein wird. Das Leben ist nicht immer nur Spaß und wir sollten das auch nicht erwarten.</p>
<p>Zum Teil ist das eine Generationensache. Immerhin zählen meine Altersgenossen und ich zu den ersten, die eine Inflation guter Schulnoten erlebten: Wir bekamen eine Eins dafür, in Integralrechnung unsere Gefühle ausgegraben und »unser Bestes« gegeben zu haben. Wir waren die Ersten, die auf Selbstwertgefühl programmiert wurden, als wir gelernt hatten, dass wir allein schon deswegen wunderbar und besonders sind, weil wir einen Pulsschlag haben. Seit wir denken können, wurden wir dazu ausersehen, Superstars zu werden. Einige von uns wurden zu Eliteschülern präpariert, noch bevor wir aufs Töpfchen gehen konnten, und wir waren mit der Fußballmannschaft unterwegs, noch bevor wir verstanden hatten, den Ball nicht mit den Händen spielen zu dürfen. Wir wurden für Mittelmäßigkeit mit Lob überschüttet und unsere Schwächen wurden durch wortgewandte Bildungssprache und Küchenpsychologie wegdiagnostiziert.</p>
<p>Es ist kein Wunder, dass wir von anderen Leuten erwarten, dass sie uns stets bestätigen, niemals kritisieren und uns für alles bezahlen, was wir tun möchten. Wir rechnen damit, direkt nach dem Studium einen großartigen Job in einer tollen Umgebung finden zu können, der uns dieselben Lebensstandards bietet, wie ihn unsere Eltern jetzt haben, und uns so engagiert an der Weltverbesserung teilhaben lässt, dass es sogar Bono stolz machen würde. Wir wollen alles. Und Gott soll uns den Weg dahin zeigen.</p>
<p>Die Generation meiner Großeltern erwartete im Großen und Ganzen weit weniger von ihrem Familienleben, ihrer Karriere, ihrer Freizeit und ihrer Ehe. Zugegeben – manchmal wurden sie dadurch unreflektiert und hatten womöglich leise vor sich hin krankende Ehen. Meine Generation jedoch befindet sich im anderen Extrem. Wenn wir heiraten, erwarten wir großartigen Sex, ein hervorragendes Familienleben, Freizeitabenteuer, vielfältige kulturelle Erfahrungen und persönliche Erfüllung bei der Arbeit. Es wäre eine gute Übung, unsere Großeltern einmal zu fragen, ob ihre Karriere sie persönlich erfüllt hat. Wahrscheinlich werden sie dich anschauen, als würdest du eine andere Sprache sprechen – und tust das ja auch. Erfüllung war nicht ihr Ziel. Essen war das Ziel, und Treue. Die meisten älteren Leute würden wahrscheinlich so etwas sagen wie: »Ich habe nie an Erfüllung gedacht. Ich hatte Arbeit. Ich aß. Ich lebte. Ich gründete eine Familie. Ich ging zur Kirche. Ich war dankbar.«</p>
<p>Neulich sprach ich mit meinem Großvater, der sein Leben lang Christ war und nun in seinen Achtzigern ist. Ich fragte ihn, ob er jemals daran dachte, was Gottes Wille für sein Leben war. »Ich glaube nicht«, war seine kurze Antwort, »Gottes Wille war nie eine Frage, die sich mir stellte oder über die ich überhaupt nachdachte. Ich meinte immer, dass meine Errettung … davon abhängt, dass ich im Glauben die Dinge annehme, an die wir bekennen. Darüber hinaus hatte ich nie das Problem zu überlegen: ›Ist dieses oder jenes das Richtige für mich?‹«</p>
<p>Je mehr ich mich mit meinem Großvater unterhielt, desto klarer wurde mir: Den Willen Gottes zu suchen über das hinaus, was Gott moralisch geboten hat, war für ihn ein fremdes Konzept. Seine Grundeinstellung war anscheinend: »Du … tust einfach Dinge«, und während du sie tust und mit dem Herrn wandelst, verbringst du nicht Unmengen von Zeit damit, herauszufinden, ob du das, was du tust, auch magst. Ich schätze, wenn du beschäftigt bleibst und dein ganzes Leben lang arbeitest, hast du keine Zeit, dir darüber Sorgen zu machen, ob du persönlich erfüllt bist.</p>
<p>Ich versuche wirklich nicht, all deine Hoffnungen und Träume zum Platzen zu bringen. Ich bin ganz für große, risikobereite Träume (wie du bald lesen wirst). Ich habe nichts dagegen, wenn Leute ihre freudlosen Jobs verlassen, um auszuprobieren, was ihnen wirklich gefällt. Aber als ein Gegengewicht zu all den Lass-deine-Träume-wahr-werden-Phrasendreschereinen bei Schulentlassungsreden müssen wir kräftig daran erinnert werden, dass wir oft zu viel vom Leben erwarten. Wir erwarten, dass wir den Himmel auf Erden erleben werden, und sind bitter enttäuscht, wenn die Erde sich als so unhimmlisch entpuppt. Wir sehnen uns nur wenig nach dem Lohn im künftigen Leben, weil wir lohnende Erfahrungen schon in diesem Leben erwarten. Und wenn <em>jede</em> Erfahrung und <em>jede </em>Situation lohnend sein und uns der totalen Erfüllung näher bringen <em>müssen</em>, dann werden plötzlich die Entscheidungen, wo wir leben, welches Haus wir kaufen, in welchem Studentenwohnheim wir unterkommen und ob wir Fliesen oder Laminat wählen, von schwerwiegender Bedeutung sein. Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir erfüllter wären, wenn wir nicht so sehr auf die Erfüllung fixiert wären.</p>
<h2>Wir haben zu viel Auswahl</h2>
<p>Von unseren fünf Gründen für unsere Obsession, Gottes Willen zu finden, ist dieser womöglich der entscheidendste: <em>Wir haben zu viele Wahlmöglichkeiten</em>. Ich bin überzeugt davon, dass vorherige Generationen nicht so stark wie wir damit gerungen haben, Gottes Willen zu entdecken, weil sie nicht so viele Optionen hatten wie wir. In vielerlei Hinsicht ist unsere ständige Sorge über den Willen Gottes ein westliches Phänomen der Mittelschicht der letzten fünfzig Jahre. Wer in anderen Teilen der Welt von einem Dollar pro Tag leben muss, hat einfach nicht viele Optionen. Ebenso wenig Optionen hatten die meisten unserer Großeltern, geschweige denn deren Großeltern. Vor einem Jahrhundert lebtest du meistens dort, wo du geboren wurdest. Du tatest, was deine Mutter oder dein Vater taten; wahrscheinlich arbeitetest du in der Landwirtschaft, wenn du ein Mann warst, und zogst Kinder auf (und arbeitetest nebenher in der Landwirtschaft), wenn du eine Frau warst. Viele der älteren Leute, mit denen ich gesprochen habe, begannen bereits mit 14 oder 15 zu arbeiten, und sie nahmen jede Arbeit an, die sie finden konnten. Sie arbeiteten für ihren Onkel oder ihren Vater oder fingen an, bei der Ernte zu helfen oder was auch immer an Arbeit in der Stadt zu bekommen war. Ironischerweise haben sie mehr geschafft als wir heute, weil es nicht so viele Optionen für sie gab.</p>
<p>Ich kann mir vorstellen, dass auch in anderen Bereichen die Entscheidung sehr viel einfacher war. Als potenzielle Ehepartner hätte es vor einem Jahrhundert vielleicht ein Dutzend in Frage kommende junge Leute in der Heimatstadt gegeben. Sogar wohlhabendere Leute waren in ihrer Wahlmöglichkeit erheblich eingeschränkt: Sie waren ortsgebunden (aufgrund des schwierigen Reisens) und an die Tradition gebunden (aufgrund kultureller und familiärer Werte). Es war üblich, dass junge Leute ein größeres Pflichtbewusstsein gegenüber Familie, Staat und Kirche besaßen. Heute können es sich dagegen nur wenige vorstellen, für etwas so Altmodisches wie Pflichtbewusstsein freiwillig die eigene Unabhängigkeit zu begrenzen und die Optionen einzuschränken.</p>
<p>Das Ergebnis ist eine schier endlose Fülle an Wahlmöglichkeiten. Heute können wir überall zur Schule gehen, Hunderte von Studienfächern belegen, nahezu überall wohnen, Tausende von Singles persönlich kennen lernen und Millionen weitere im Internet. Wir haben haufenweise Geschäfte, aus denen wir auswählen können, Dutzende Restaurants, Hunderte von Karriere­optionen und Millionen von Wahlmöglichkeiten.</p>
<p>In seinem Buch »Anleitung zur Unzufriedenheit« erzählt Barry Schwartz von seinem Ausflug zum örtlichen mittelgroßen Supermarkt. Er fand 285 verschiedene Sorten Kekse, 13 Iso-Drinks, 65 Sorten Trinkpäckchen, 85 Kindersäfte, 75 Eistees, 95 Sorten Chips und Knabbersnacks, 15 Sorten Mineralwasser, 80 verschiedene Schmerzmittel, 40 Varianten von Zahnpasta, 150 Lippenstifte, 360 Shampoosorten, 90 verschiedene Erkältungs- und Hustenmittel, 230 Arten von Suppen, 75 diverse Fertigsaucen, 275 Variationen von Frühstückszerealien, 64 verschiedene Grillsaucen und 22 Variationen von Tiefkühlwaffeln.<sup>[2]</sup> Wer schon einmal Lebensmittel in Nordamerika eingekauft hat, weiß, dass diese Liste nur eine kleine Auswahl dessen ist, was man in den Regalen alles finden kann. Das ist der Grund, warum wir bei einer bestimmten gewohnten Sorte von Müsli, Marmelade oder Mahlzeit bleiben, weil wir schlichtweg nicht die Zeit und Energie aufbringen können, jedes Mal eine neue Wahl zu treffen, wenn wir zum Supermarkt gehen. Aus diesem Grund gibt mir meine Frau auch jedes Mal eine minutiös detaillierte Einkaufsliste mit, wenn ich die unglückselige Aufgabe habe, den Wocheneinkauf zu erledigen. Wenn sie mir ohne weitere Details lediglich sagen würde, ich soll Babynahrung mitbringen, könnte ich mit allem zurückkommen – von Erbsenbrei bis hin zu löslichen Getreidekeksen mit Kirschgeschmack. Ich brauche Details, weil es sonst einfach zu viele Möglichkeiten gibt, etwas zu vermasseln.</p>
<p>In einigen Ländern leiden die Menschen unter zu wenig Wahlmöglichkeiten. In der westlichen Welt haben wir zu viele. Ich erinnere mich an einen Missionar aus der Türkei, der scherzhaft meinte: Das Schwierigste daran, wieder zurück in den Vereinigten Staaten zu sein, seien all die Salatdressings. »Gib mir einfach irgendein Dressing«, sagte er, als wir gemeinsam Essen gingen. »Ich will nicht aus sieben verschiedenen Sorten von Joghurtdressings wählen müssen.« Ich vermute, unsere übermäßige Beschäftigung damit, den Willen Gottes herausfinden zu wollen, liegt größtenteils daran, dass wir mit Wahlmöglichkeiten überschüttet sind. Wir glauben, es mache uns glücklich, Auswahl zu haben, aber es kommt der Punkt (und die meisten von uns haben ihn längst überschritten), an dem wir mit weniger Optionen besser dran wären.</p>
<p>Barry Schwartz hat seine Studenten beobachtet, die er als Professor unterrichtet, und seine Beobachtungen sind sehr aufschlussreich und meiner Erfahrung nach auch absolut richtig. Er beschreibt, dass seine Studenten viele verschiedene Interessen und Fähigkeiten besitzen. Sie verfügen über haufenweise Talent und Möglichkeiten. Die Welt steht ihnen offen. Aber anstatt diese Freiheit zu genießen, quälen sich die meisten mit ihr herum. Sie sind dazu gezwungen, zwischen konkurrierenden Interessen zu navigieren: Geld verdienen und die Welt verändern, ihren Geist herausfordern und ihrer Kreativität freien Lauf lassen, auf eine Karriere hinarbeiten und Zeit für die Familie haben, sich niederlassen und ins Ausland gehen, eine Karriere starten und ein anderes Praktikum ausprobieren, in einer pulsierenden Stadt leben und auf dem Land zur Ruhe kommen, mit dem Arbeiten beginnen und sich weiterbilden und qualifizieren.</p>
<p>Wenn du Student bist, hast du tatsächlich schwindelerregend viele Wahlmöglichkeiten. Und weil Freunde und Familie oft über das ganze Land oder sogar die ganze Welt verstreut leben, hast du weniger Verpflichtungen und enge Beziehungen, die deine Freiheit einschränken, und nichts, was dich an berufliche Traditionen oder Orte bindet. Füge dem noch hinzu, dass du überall einfach hinreisen und in vielen Jobs von jedem beliebigen Ort aus am Computer arbeiten kannst, und das Ergebnis ist eine völlige Entwurzelung und eine Explosion der Optionen. Alles ist zu haben.</p>
<p>Schwartz fasst es treffend zusammen:</p>
<blockquote><p>Man lernt rasch, dass die Frage »Was wollen Sie nach dem Examen machen?« von den meisten Studenten nicht gern gehört wird, ganz zu schweigen von der Beantwortung. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass viele Studenten besser dran wären, wenn sie ein bisschen weniger begabt wären oder ein bisschen mehr Pflichtgefühl gegenüber der Familie hätten, um in der Heimat zu bleiben, oder sogar, wenn sie unter wirtschaftlicher Rezessionsangst stünden: »Nimm den sicheren Job – denn wer weiß, was kommt.« Mit weniger Optionen und mehr Einschränkungen blieben ihnen viele Abwägungen erspart. Sie hätten weniger Selbstzweifel, weniger Mühe, ihre Entscheidungen zu rechtfertigen, mehr Zufriedenheit und weniger Anlass, ihre Entscheidungen hinterher zu bedauern.<sup>[3]</sup></p></blockquote>
<p>Schwartz’ Beurteilung trifft vollkommen zu. Ich bin mir sicher, dass manche Christen Gott dadurch dienen können, dass sie sechs Monate lang in der Welt herumtingeln. Und ich denke auch, dass manche jungen Leute etwas für Christus bewegen können, wenn sie sich von einer Arbeitsstelle zur nächsten und von Ort zu Ort treiben lassen. Aber ich bin mir genauso sicher, dass einige dieser Personen damit selbstzentrierte Entscheidungen treffen, unter dem Vorwand von Erfahrung, kultureller Horizonterweiterung und manchmal auch – ich sage es äußerst ungern – unter dem Deckmantel von Kurzzeit-Missionseinsätzen. Als Pastor einer Universitätsgemeinde habe ich Verständnis dafür, dass viele verschiedene Leute zu unseren Gottesdiensten kommen und gehen. Das gehört zum Leben mit Studenten und Doktoranden. Ich finde es spannend, wenn jedes Jahr neue Leute kommen. Wenn sich aber niemand niederlassen und eine Zeit lang – geschweige denn ein Leben lang – bleiben würde, könnten wir all den Studenten überhaupt nicht dienen. Die Gemeinde braucht »Lebenslängliche« und solche, auf die sie sich langfristig verlassen kann.</p>
<p>Meine Sorge ist, dass angesichts all der Optionen, die wir heute haben, diese Möglichkeit selten erwogen wird: »Wie kann ich meiner lokalen Gemeinde am effektivsten dienen und dort am meisten Frucht bringen?« Ich frage mich: Führt die heutige Fülle von Möglichkeiten weniger dazu, dass reife Nachfolger Christi herangebildet werden, als vielmehr dazu, dass Christen langfristige Verantwortung vermeiden und seltener positiv prägende Auswirkungen hinterlassen?</p>
<p>Mit derart vielen Wahlmöglichkeiten verwundert es nicht, dass wir ständig daran denken müssen, dass das Gras auf der anderen Seite des Zaunes immer grüner ist, wie es im Sprichwort heißt. Wir grübeln pausenlos darüber nach, was besser oder was schöner an einer neuen Sache oder Person sein könnte. Das Wort »entscheiden« kommt sprachgeschichtlich von »das Schwert aus der Scheide ziehen«, nämlich zum Zweck des Trennens und Abhauens.<sup>[4]</sup> Das erklärt, warum Entscheidungen heute so schwerfallen. Wir ertragen diesen Gedanken nicht, irgendeine unserer Optionen »abzuhauen«. Wenn wir A wählen, fühlen wir den Schwerthieb, den es uns versetzt, nicht B und C und D haben zu können. Daraus resultiert, dass jede Wahl sich schlimmer anfühlt, als gar nicht erst eine Wahl zu haben. Und wenn wir eine Wahl treffen, stellt sich gleich die Käuferreue ein und wir zweifeln und hadern, ob wir vielleicht nur das Zweitbeste gewählt haben. Oder schlimmer, wir leben weiterhin auf unbestimmte Zeit im Keller unserer Eltern, während wir versuchen, uns selbst zu finden und Gottes Stimme zu hören. In unserer Freiheit, alles tun und überall hingehen zu können, fühlen wir uns vielmehr gebunden als frei, weil Entscheidungen treffen zu müssen sich mehr nach Qual als nach Vergnügen anfühlt.</p>
<p>Zu viele jungen Menschen von heute haben keine Stabilität und Sicherheit, wenig Entscheidungsfreude und viele Selbstzweifel. Es dauert immer länger, bis sie sich entscheiden, sich dauerhaft niederzulassen. Und manche treffen diese Entscheidung nie. Ich vertrete nicht die Ansicht, dass jeder zurück in seine Heimatstadt ziehen und irgendeine x-beliebige Arbeitsstelle annehmen soll (wenngleich das für manche zumindest ein Schritt in überhaupt irgendeine Richtung wäre). Einige von euch sollten wirklich ins Ausland gehen und andere werden mal hier und mal dorthin ziehen müssen. Aber ich plädiere dafür, weniger umherzustolpern, früher damit zu beginnen, Gott tatsächlich zu dienen, und vor allem nicht ständig die eigene Entscheidungsunfähigkeit zu vergeistlichen, indem man sie als diffuses Suchen nach dem Willen Gottes ausgibt. Ich behaupte, dass unser Eifer nach dem Willen Gottes wahrscheinlich weniger auf ein Herz hindeutet, das unbedingt Gott gehorsam sein möchte, als vielmehr auf einen Kopf, der stetig um all die Optionen kreist, aus denen es zu wählen gilt.</p>
<h2>Wir sind Feiglinge</h2>
<p>Der fünfte und letzte Grund, warum wir Gottes Willen herausfinden wollen, ist, <em>weil wir feige sind.</em> Das stimmt. Manchmal, wenn wir dafür beten, Gottes Willen zu erkennen, beten wir das Gebet eines Feiglings: »Herr, zeige mir, was ich tun soll, damit mir nichts Schlimmes zustößt und ich nicht in Gefahr oder ungewohnte Situationen komme.« Wir möchten sicher sein, dass für uns und unsere geliebten Freunde und Familienangehörigen alles gutgehen wird. Aber schauen wir uns einmal das biblische Beispiel von Esther an: Gott sprach nicht auf diese Weise zu ihr. Als jüdische Frau, die einen ungewöhnlichen Schönheitswettbewerb gewonnen hatte, um Königin an der Seite von Ahasveros zu werden (Est 2,2-17), musste Esther lernen, dass Gottes Pläne Risiken mit sich bringen können – aber auch die Gelegenheit, Courage zu zeigen.</p>
<p>Haman, die rechte Hand des Königs, war ein Feind der Juden und bewirkte einen Erlass, dass alle Juden umgebracht werden sollten. Der persische König Ahasveros unterzeichnete diesen Erlass, ohne die Hintergründe zu kennen. Als Mordechai, Esthers älterer Cousin und Pflegevater, von diesem Plan erfuhr, erzählte er es Esther in dem Wissen, dass sie die einzige war, die in der Position war, ihr eigenes jüdisches Volk zu retten. Sie aber weigerte sich und sagte: Wenn sie ohne einberufen zu sein vor König Ahasveros treten würde, würde sie gemäß dem persischen Gesetz getötet werden – es sei denn, der König strecke ihr sein goldenes Zepter entgegen, damit sie am Leben bliebe. Den Thronsaal auf eigene Initiative zu betreten, war sehr riskant. Deshalb ließ sie Mordechai ausrichten, dass sie es nicht tun würde.</p>
<p>Die Bibel berichtet uns von Mordechais Antwort auf die Worte von Esthers Boten:</p>
<blockquote><p>Da ließ Mordechai der Esther antworten: »Denke nicht in deinem Herzen, dass du vor allen Juden entkommen würdest, weil du im Haus des Königs bist! Denn wenn du jetzt schweigst, so wird von einer anderen Seite her Befreiung und Rettung für die Juden kommen, du aber und das Haus deines Vaters werden untergehen. Und wer weiß, ob du nicht gerade wegen einer Zeit wie dieser zum Königtum gekommen bist?« (Est 4,13-14)</p></blockquote>
<p>Was würdest du an Esthers Stelle tun? Um ein Zeichen vom Himmel beten? Darauf warten, dass Gottes Wille sich offenbart? Fragen, warum Gott dich in solch eine schwieriges Situation gebracht hat? Gar nichts und einfach davon ausgehen, dass alles, was Leid und vielleicht sogar Tod einschließt, nicht Gottes Plan für dein Leben sein kann? Schau, was Esther tat:</p>
<blockquote><p>Da ließ Esther dem Mordechai antworten: »So geh hin, versammle alle Juden, die in Susa anwesend sind, und fastet für mich, drei Tage lang bei Tag und Nacht, esst und trinkt nicht. Auch ich will mit meinen Mägden so fasten, und dann will ich zum König hineingehen, obgleich es nicht nach dem Gesetz ist. Komme ich um, so komme ich um!« (4,15-16)</p></blockquote>
<p>Beachte, was wir in dieser Geschichte <em>nicht</em> lesen: Wir lesen nicht, dass Esther nach irgendeinem offenbarten Wort vom Herrn suchte (wobei ein kluger Leser Gottes Wirken in Mordechais Rat an sie erkennen könnte). Sie hatte keine Verheißung, wie ihre persönliche Zukunft aussehen würde. Alles, was sie wusste, war: Es ist eine gute Sache, ihr Volk zu retten. Gott sagte ihr nicht, was passieren würde, wenn sie gehorchen würde, und er hat ihr auch nicht verraten, was sie exakt tun müsste, um Erfolg zu garantieren. Sie musste ein Risiko für Gott eingehen. »Komme ich um, so komme ich um«, lautete ihr mutiges Motto.</p>
<p>Esther verbrachte keine Wochen oder Monate damit, Gottes Willen für ihr Leben zu erkennen, bevor sie handelte. Sie tat einfach, was richtig war und was vor ihr lag, ohne ein spezielles Wort von Gott. Wenn der König ihr sein goldenes Zepter entgegenstreckte – preis den Herrn! Wenn nicht, würde sie sterben.</p>
<p>Esther war mannhafter als die meisten Männer, die ich kenne – mich eingeschlossen. Viele von uns, Männer wie Frauen, sind extrem passiv und feige. Wir gehen keine Risiken für Gott ein, weil wir wie besessen sind von Sicherheit, Geborgenheit und vor allem der Zukunft. Deshalb fallen die meisten unserer Gebete unter zwei Kategorien: Entweder beten wir dafür, dass alles gutgehen wird, oder wir beten dafür, zu wissen, dass alles gut gehen wird. Wir beten für Gesundheit, Reisen, die Arbeit – und das sollen wir auch. Aber die meisten unserer Gebete laufen darauf hinaus: »Herr, lass niemandem irgendetwas Unangenehmes widerfahren. Mach alles für alle Menschen auf der ganzen Welt schön.« Und wenn wir nicht diese Art von Gebeten sprechen, beten wir dafür, dass Gott uns sagt, dass alles gut ausgehen wird.</p>
<p>Das ist oft genau das, worum wir bitten, wenn wir dafür beten, Gottes Willen zu erkennen. Wir bitten nicht um Heiligkeit, Gerechtigkeit oder Sündenerkenntnis. Wir möchten, dass Gott uns sagt, was zu tun ist, damit alles angenehm für uns ausgeht. »Sag mir, wen ich heiraten soll, wo ich leben soll, auf welche Schule ich gehen soll, welche Arbeitsstelle ich nehmen soll. Zeig mir die Zukunft, damit ich keinerlei Risiken eingehen muss.« Das klingt nicht sehr nach Esthers Haltung.</p>
<p>Von Zukunftssorgen in Beschlag genommen zu sein, ist nicht Gottes Wille für unser Leben, denn es ist nicht Gottes Weg, uns die Zukunft zu zeigen. Sein Weg ist es, durch die Bibel zu uns zu reden und uns durch die Erneuerung unserer Gesinnung zu verändern. Sein Weg ist keine Kristallkugel. Sein Weg ist Weisheit. Wir sollten damit aufhören, von Gott zu erwarten, dass er uns die Zukunft offenlegt und alle Risiken aus unserem Leben nimmt. Wir sollten auf Gott schauen – auf seinen Charakter und seine Verheißungen – und dabei das Vertrauen haben, um seines Namens Willen auch Risiken einzugehen.</p>
<p>Gott ist allwissend und allmächtig. Er hat jedes Detail unseres Lebens durchgeplant und ausgearbeitet – die fröhlichen wie auch die schwierigen Tage – alles zu unserem Besten (Pred 7,14). Weil wir Gottes souveränem Willen vertrauen, können wir uns völlig seinem moralischen Willen widmen, ohne uns über seinen individuellen Willen sorgen zu müssen.</p>
<p>Mit anderen Worten: Gott geht keine Risiken ein, also können wir es.</p>
<p>Für einige bedeutet das, Gott genug zu vertrauen, um nicht am Geld zu hängen. Für andere bedeutet es, in schwierigen Umständen oder unangenehmen Situationen an Gottes Wort festzuhalten. Für wieder andere bedeutet es kulturübergreifende Mission oder mehr Evangelisation oder eine neue Vision oder ein Sündenbekenntnis oder die Auseinandersetzung mit einer Sünde oder eine neue Verletzlichkeit in einer Beziehung. Und für noch andere bedeutet es, den Hintern hochzubekommen und einen Job anzunehmen oder die Angst vor Ablehnung zu überwinden und sich eine liebenswerte christliche Frau zu suchen. Für uns alle bedeutet es, unser unstillbares Verlangen abzulegen, jeden Aspekt oder zumindest die allerwichtigen Aspekte unseres Lebens vor unseren Augen festzunageln, bevor es überhaupt so weit ist.</p>
<p>Gott hat einen wundervollen Plan für dein Leben – einen Plan, der dich durch Prüfungen und Erfolge bringen wird, während du in das Bild seines Sohnes verwandelt wirst (Röm 8,28-29). Darin können wir absolut zuversichtlich sein. Aber Gottes übliches Vorgehen ist es nicht, uns diesen Plan im Voraus zu zeigen – rückblickend vielleicht, aber selten vorab.</p>
<p>Fühlst du dich dadurch herausgefordert, dich zu entscheiden? Verzweifle nicht. Gott verheißt dir, deine Sonne und dein Schild zu sein, dich zu tragen und mit seinem starken Arm zu beschützen. So können wir damit aufhören, darum zu betteln, dass Gott uns die Zukunft aufzeigt, und damit beginnen, zu leben und gehorsam zu sein, weil wir überzeugt sind, dass Gott die Zukunft in seinen Händen hat.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><sup>[1]</sup>     Bruce Waltke: <em>Finding the Will of God: A Pagan Notion?</em> Grand Rapids: Eerdmans 1995, S. 15.</p>
<p><sup>[2]</sup>     Vgl. Barry Schwartz: <em>Anleitung zur Unzufriedenheit:</em> <em>Warum weniger glücklicher macht</em>. Ullstein <sup>4</sup>2014, S. 17-18.</p>
<p><sup>[3]</sup>     Ebd., S. 158-159.</p>
<p><sup>[4]</sup>     Beim englischen <em>decide</em> ist es ganz ähnlich: Das Wort kommt vom lateinischen <em>decidere</em>, was ebenfalls »abhauen«, »abschneiden« bedeutet. Die deutsche Übersetzung haben wir hier passenderweise übertragen (Anmerkung Betanien Verlag).</p>
<p>&nbsp;</p>
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<h6>Kevin DeYoung</h6>
<h1 style="margin: 0px;">Leg einfach los!</h1>
<h3 style="margin: 10px 0px 10px 0px;">Ein befreiender Weg, Gottes Willen zu entdecken</h3>
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		<title>Rezension zu »theo:logisch« von William Lane Craig</title>
		<link>https://www.betanien.de/rezension-zu-theologisch-warum-der-christliche-glaube-vernuenftig-ist-von-william-lane-craig/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Eduard Klassen]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 15 Mar 2017 09:05:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Blog]]></category>
		<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Neulich führte ich im Internet einen argumentativen Schlagabtausch mit einem ziemlich selbstbewussten Atheisten. Es war eine fruchtlose Diskussion, da mein Gegenüber kein Argument, und so es noch so vernünftig, auch nur ansatzweise gelten ließ und bereit war, seine Position zu überdenken. Solche Menschen begegnen einem immer wieder, aber erfreulicherweise gibt es auch die Menschen, die dem christlichen Glauben skeptisch gegenüberstehen, die aber bereit sind ihre Denkweise einer kritischen Prüfung zu unterziehen. Und für genau solche Leute, die aus intellektuellen Gründen ihre Mühe mit den Behauptungen des Christentums haben (z.B. das es einen Gott gibt, das Jesus von den Toten auferstand, usw.), ist dieses Buch gedacht. </p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h4>Diese Rezension wurde uns von Andreas Münch zur Verfügung gestellt. Er ist Autor des Buches „<a href="https://www.cbuch.de/muench-der-wahre-gott-der-bibel.html">Der wahre Gott der Bibel</a>“, des Andachtsbuches „<a href="https://www.cbuch.de/muench-leben-als-gottes-volk.html">Leben als Gottes Volk – tägliche Andachten aus den fünf Büchern Mose</a>“ und er schreibt regelmäßig Artikel für das Timotheus Magazin. Hier erfahren Sie mehr über ihn: <a href="http://www.andreas-muench.com">andreas-muench.com</a>.</h4>
<div id="attachment_1128" style="width: 1510px" class="wp-caption alignnone"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-1128" class="wp-image-1128 size-full" src="https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2017/03/DSC01155-.jpg?resize=960%2C640&#038;ssl=1" alt="theo:logisch von William Lane Craig" width="960" height="640" srcset="https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2017/03/DSC01155-.jpg?w=1500&amp;ssl=1 1500w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2017/03/DSC01155-.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2017/03/DSC01155-.jpg?resize=1024%2C683&amp;ssl=1 1024w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2017/03/DSC01155-.jpg?resize=768%2C512&amp;ssl=1 768w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2017/03/DSC01155-.jpg?resize=190%2C127&amp;ssl=1 190w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2017/03/DSC01155-.jpg?resize=24%2C16&amp;ssl=1 24w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2017/03/DSC01155-.jpg?resize=36%2C24&amp;ssl=1 36w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2017/03/DSC01155-.jpg?resize=48%2C32&amp;ssl=1 48w" sizes="(max-width: 960px) 100vw, 960px" /><p id="caption-attachment-1128" class="wp-caption-text">theo:logisch von William Lane Craig</p></div>
<h2>Skeptiker und Kritiker</h2>
<p>Neulich führte ich im Internet einen argumentativen Schlagabtausch mit einem ziemlich selbstbewussten Atheisten. Es war eine fruchtlose Diskussion, da mein Gegenüber kein Argument, und so es noch so vernünftig, auch nur ansatzweise gelten ließ und bereit war, seine Position zu überdenken. Solche Menschen begegnen einem immer wieder, aber erfreulicherweise gibt es auch die Menschen, die dem christlichen Glauben skeptisch gegenüberstehen, die aber bereit sind ihre Denkweise einer kritischen Prüfung zu unterziehen. Und für genau solche Leute, die aus intellektuellen Gründen ihre Mühe mit den Behauptungen des Christentums haben (z.B. das es einen Gott gibt, das Jesus von den Toten auferstand, usw.), ist dieses Buch gedacht.</p>
<p>Der Autor, <strong>William Lane Craig</strong>, ist Research Professor der Philosophie und momentan wohl einer der aktivsten Apologeten des christlichen Glaubens. In dem Buch »theo:logisch &#8211; Warum der christliche Glaube vernünftig ist« ist es Craigs Anliegen, allein aufgrund der Logik aufzuzeigen, dass die christliche Weltanschauung mit ihren Hauptaussagen, der Wahrheit entspricht und somit für einen vernünftig denkenden Menschen ein annehmbares Glaubenssystem darstellt.</p>
<h2>Studieren, nicht nur lesen</h2>
<p>Im Vorwort schreibt Craig: »Dieses Buch soll eine Art Wegweiser sein für diejenigen, die die Wahrheit des Christentums erkunden wollen. <strong>Dieses Buch sollte also studiert und nicht nur gelesen werden.</strong>« (S. 9).</p>
<p>Zweifellos wird man bereits nach wenigen Seiten feststellen, dass es keine einfache Lektüre ist, da man selbst beständig herausfordert ist, mitzudenken und der Argumentation des Autors zu folgen. Im Vorwort wird erklärt, wie der Autor vorgeht. Zu unterschiedlichen Themen werden jeweils Argumente und Schlussfolgerungen aufgestellt, wobei auf mögliche Einwände und Gegenargumente eingegangen wird. Am Ende eines jeden Kapitels wird die Argumentationslinie des Autors anschaulich graphisch dargestellt, so dass man die grundsätzlichen Gedanken leicht nachvollziehen kann. Meines Erachtens eine große Hilfe, bei der Lektüre.</p>
<div id="attachment_1153" style="width: 1510px" class="wp-caption alignnone"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-1153" class="wp-image-1153 size-full" src="https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2017/03/theologisch_09.jpg?resize=960%2C640&#038;ssl=1" alt="Argumentationslinie des Autors in theo:logisch" width="960" height="640" srcset="https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2017/03/theologisch_09.jpg?w=1500&amp;ssl=1 1500w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2017/03/theologisch_09.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2017/03/theologisch_09.jpg?resize=768%2C512&amp;ssl=1 768w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2017/03/theologisch_09.jpg?resize=1024%2C683&amp;ssl=1 1024w" sizes="(max-width: 960px) 100vw, 960px" /><p id="caption-attachment-1153" class="wp-caption-text">Argumentationslinie des Autors</p></div>
<h2>Sinn und Inhalt des Buches</h2>
<h4>In Kapitel 1 geht Craig der Frage nach, warum ein solches Buch, oder die Suche nach der Wahrheit uns überhaupt interessieren sollte.</h4>
<p>Der Autor steigt sofort ins Thema ein und stellt die These auf, dass ein Leben ohne Gott letztendlich absurd sein muss, da es ohne Gott keinen Sinn und keine Werte im Leben geben kann. Craig untersucht kritisch die atheistische Anschauung und hinterfragt, ob sie wirklich in aller konsequent lebbar ist. Denn wenn die atheistische Weltanschauung der Wahrheit entspricht, dann hat unser Leben letztendlich keinen Sinn, denn woher sollte uns dann Bedeutung zukommen? Ohne ein göttliches Wesen, also eine übernatürliche Macht über uns, gibt es auch keine moralische Werte und niemand wird uns &#8211; in diesem, wie im nächsten Leben &#8211; für unsere Taten zur Rechenschaft ziehen. Gerade an diesem Punkt veranschaulicht Craig das Dilemma sehr drastisch, indem er z.B. auf die Folterungen in den sowjetischen Gefängnissen bezieht, in denen die Folterer ganz bewusst ihre grausamen Machenschaften damit rechtfertigten, dass sie niemand für ihre Taten zur Rechenschaft ziehen wird (vgl. S. 21). Im weiteren Verlauf des Buches wird der Autor immer wieder radikale Beispiele heranziehen, um aufzuzeigen, zu welchen Schlussfolgerungen wir kommen müssen, wenn wir ein bestimmtes Glaubenssystem bis zum Ende konsequent durchdenken.</p>
<p>Die Kapitel 2-9 behandeln jeweils eine fundamentale Frage:<br />
2) Warum existiert überhaupt irgendetwas?<br />
3) Warum begann das Universum zu existieren?<br />
4) Warum ist das Universum so fein abgestimmt, dass Leben möglich ist?<br />
5) Können wir ohne Gott gut sein?<br />
6) Und was ist mit dem Leid?<br />
7) Wer war Jesus?<br />
8) Ist Jesus von den Toten auferstanden?<br />
9) Ist Jesus der einzige Weg zu Gott?</p>
<p>Der Natur der Sache entsprechend sind die Kapitel inhaltlich recht unterschiedlich gelagert und so wird der Leser mit dem ein oder anderen Kapitel mehr anfangen können, als mit anderen (zumal jeder Skeptiker »sein besonderes« intellektuelles Problem hat).</p>
<h4>Die Kapitel 2-4 behandeln die Frage nach der Existenz unseres Universums.</h4>
<p>Die Argumente und Gegenargumente sind für Laien, die sich nicht näher mit dem Thema auseinandergesetzt haben und für die Physik nicht gerade das Lieblingsfach in der Schule war, nicht immer einfach zu verstehen, obwohl der Autor viele Veranschaulichungen heranzieht, um das Thema auf verständliche Weise herunterzubrechen. Fachwörter oder wichtige Personen sowie Konzepte werden neben dem Fließtext gesondert aufgeführt, so dass man nicht erst bei Wikipedia nachschlagen muss, um dem Gedankengang zu folgen. In jedem Kapitel finden sich einzelne Fragen und Anregungen zum weiteren Nachdenken oder als Gesprächsgrundlage für weitere Diskussionen.</p>
<div id="attachment_1164" style="width: 1510px" class="wp-caption alignnone"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-1164" class="size-full wp-image-1164" src="https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2017/03/theologisch_13.jpg?resize=960%2C640&#038;ssl=1" alt="" width="960" height="640" srcset="https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2017/03/theologisch_13.jpg?w=1500&amp;ssl=1 1500w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2017/03/theologisch_13.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2017/03/theologisch_13.jpg?resize=768%2C512&amp;ssl=1 768w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2017/03/theologisch_13.jpg?resize=1024%2C683&amp;ssl=1 1024w" sizes="auto, (max-width: 960px) 100vw, 960px" /><p id="caption-attachment-1164" class="wp-caption-text">Anregungen am Textrand</p></div>
<h4>Kapitel 5-6 behandeln andere Themen als bisher und wenden sich dem moralischen Problem zu.</h4>
<p>Diese beiden Kapitel sind vermutlich für viele Leser weitaus zugänglicher, da sie Fragen behandeln, die für die meisten Skeptiker alltäglicher sind. Craig macht deutlich, dass Menschen zwar ohne den Glauben an Gott gut sein können (nach menschlichem Empfinden), dass wir aber unbedingt Gott brauchen, um eine Basis für gut und böse, richtig und falsch zu haben, da ein atheistischer Humanismus ein willkürlicher und unplausibler Haltepunkt ist. Kapitel 6 behandelt eines der Hauptargumente, die gegen eine Existenz Gottes ins Feld geführt werden, nämlich das offensichtliche Leid in der Welt. Der Autor weist darauf hin, dass man das Thema von zwei Seiten aus betrachten kann, nämlich von der emotionalen als auch von der intellektuellen Warte aus. Dem Titel des Buches folgend, geht Craig das Thema streng logisch an. Er zeigt auf, dass es nach der christlichen Weltanschauung intellektuell kein Problem ist, dass sowohl Gott als auch das Leid existieren, da z.B. der Mensch in Rebellion mit seinem Schöpfer lebt oder die Hauptbestimmung des Menschen nicht darin besteht glücklich und leidfrei zu leben, sondern Gott zu kennen.</p>
<h4>Die Kapitel 7-8 sind historischer Natur und gehen der Frage nach, wie wahrscheinlich es ist, gemessen an einer fairen Analyse der vorliegenden historischen Daten, dass Jesus tatsächlich gelebt hat und von den Toten auferstanden ist.</h4>
<p>Craig betont die Zuverlässigkeit der neutestamentlichen Schriften und widerlegt ein populärwissenschaftliches Gegenargument nach dem anderen. Diese Kapitel bergen auch für geschulte Bibelkenner noch so manche neue Erkenntnis, wenn es um die Kultur und Gepflogenheiten zur Zeit Jesu ging. So merkt Craig z.B. an, dass die Juden zur Zeit Jesu zwar an eine Auferstehung der Toten glaubten, allerdings nur im Sinne einer allgemeinen Auferstehung, am Ende der Zeiten und nicht an eine individuelle, auch nicht die des Messias. Demnach wäre es den Jüngern Jesu wohl nie in den Sinn gekommen, Jesu Leichnam zu stehlen und zu behaupten, dass er von den Toten auferstanden sei. (S. 235).</p>
<h4>Das letzte Kapitel behandelt die Frage, ob Jesus der einzige Weg der Rettung ist?</h4>
<p>Hier geht es vor allem um die Frage, was mit den Menschen passiert, die nie die Chance hatten, von Jesus zu hören, weil sie entweder vor ihm gelebt haben oder das Evangelium nie zu ihnen gekommen ist? Auch die Frage, wie die Hölle, als ewige Strafe für zeitliche Sünden nachvollziehbar sein soll, wird hier behandelt. Im Großen und Ganzen sind die Antworten ausgereift und dürften viele zufriedenstellen. Doch an dieser Stelle muss ich doch ein paar kritische Anmerkungen machen.</p>
<h2>Ist Gott logisch erklärbar?</h2>
<p>Craig schreibt auf Seite 260: »Doch in einem gewissen Sinn sind es nicht diese Sünden [vorher werden diverse Tatsünden aufgelistet], die einen von Gott trennen. Denn Christus ist für diese Sünden gestorben, die Strafe für diese Sünden wurde bezahlt. Man muss nur Christus als Heiland annehmen, um von solchen Sünden komplett frei und rein zu sein.« Craig argumentiert in diesem Buch streng logisch. Jetzt kann man aber einwenden, dass, wenn Christus tatsächlich für diese Sündenschuld bezahlt hat, es ungerecht ist, wenn der Sünder die Schuld für diese Sünde immer noch zu tragen hat (wie Calvinisten ja gegenüber Arminianern anmerken).</p>
<p>Als es das Problem der Informationslage geht, schreibt Craig auf Seite 261: »Jemand, der seine Vergebungsnotwendigkeit durch sein schlechtes Gewissen spürt und sich auf die in der Natur geoffenbarte Barmherzigkeit Gottes werfen wird, kann errettet werden.« Meines Wissens spricht die Bibel davon, dass wir aus der Natur Gottes ewige Kraft und Göttlichkeit erkennen können, aber nicht seine Barmherzigkeit oder Gnade (vgl. Röm 1,20). Mir scheint, dass Craig der natürlichen Offenbarung zuviel zutraut, wenn er schreibt: »Dennoch ist festzuhalten, dass die Errettung für jeden, der nie etwas vom Evangelium gehört hat, immer noch durch Gottes allgemeine Offenbarung in der Natur und im Gewissen <i>universell verfügbar</i> ist« (S. 262).</p>
<p>Auch wenn ich weiß, dass Craig möglichst schlüssige Antworten geben möchte, so wünschte ich mir, dass er sich irgendwann damit begnügt, darauf zu verweisen, dass wir Gottes Absichten nicht verstehen können und wir irgendwann einen Punkt erreichen, an dem wir uns vor der Göttlichkeit still und ehrfurchtsvoll verneigen, so z.B. bei der Frage: Warum hat Gott die Welt überhaupt geschaffen, wo er doch wusste, dass so viele Menschen dem Evangelium nicht glauben und so verlorengehen würden? (S. 268).</p>
<p>Leider fehlte mir auch ein Hinweis auf die biblische Sichtweise, dass der Mensch ein Sünder ist, der sich selbst überlassen niemals positiv auf das Evangelium reagieren würde, weshalb die Diskussion, dass es Menschen gibt, die das Evangelium angenommen hätten, wenn man es ihnen erzählt hätte, überflüssig ist (vgl. S. 270). Hier scheint Craig von der Willensfreiheit des Menschen in Bezug auf die Annahme des Evangeliums auszugehen, während er später bei der evangelistischen Einladung davon spricht, dass die Wiedergeburt ein Werk des Heiligen Geistes ist, der geistlich tote Menschen zum Leben erweckt (vgl. S. 287).</p>
<h2>Fazit</h2>
<p>Insgesamt gesehen ist das Buch ein stimmiges Plädoyer für die Wahrhaftigkeit des christlichen Glaubens. Meine Kritikpunkte dürften dem nicht-christlichen Skeptiker vermutlich ohnehin nicht auffallen. Ob er sich von den Argumenten überzeugen lässt, kann ich, als bereits überzeugter Christ, nur schwer beurteilen. Wer sich jedoch für das Gespräch mit Kritikern wappnen möchte, oder ein Buch sucht, dass er Skeptikern als Hilfestellung anbieten kann, der ist mit diesem Buch gut beraten.</p>
<div class="white-box">
<a href="https://www.cbuch.de/craig-theo-logisch-warum-der-christliche-glaube-vernuenftig-ist.html"><img data-recalc-dims="1" width="960" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-286" src="https://i0.wp.com/www.cbuch.de/media/catalog/product/cache/1/image/390x390/9df78eab33525d08d6e5fb8d27136e95/t/h/theologisch_01.jpg?fit=960%2C300&#038;ssl=1" alt="theologisch" height="300" /></a></p>
<h6>William Lane Craig</h6>
<h1 style="margin: 0px;">theo:logisch</h1>
<h3 style="margin: 10px 0px 10px 0px;">Warum der christliche Glaube vernünftig ist</h3>
<p><a class="standard-btn black-btn bold-btn" href="https://www.cbuch.de/craig-theo-logisch-warum-der-christliche-glaube-vernuenftig-ist.html"><span>Buch bestellen</span></a><br />
</div>
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		<title>Rezension zu Roger Liebi: Leben wir wirklich in der Endzeit? (PDF)</title>
		<link>https://www.betanien.de/rezension-zu-roger-liebi-leben-wir-wirklich-in-der-endzeit-pdf/</link>
					<comments>https://www.betanien.de/rezension-zu-roger-liebi-leben-wir-wirklich-in-der-endzeit-pdf/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Hans-Werner Deppe]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 23 Oct 2012 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Blog]]></category>
		<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Von Joachim Schmitsdorf. Dieses vielbeachtete Buch sollte kritisch hinterfragt werden. Liebi, Roger. Leben wir wirklich in der Endzeit? Mehr als 175 erfüllte Prophezeiungen. Dübendorf (Schweiz): Verlag Mitternachtsruf, 2012. Gebunden, 428 Seiten. 13,00 €. Bei der Besprechung des vorliegenden Buches steht man vor einer schwierigen Frage: Wie &#8230; </p>
<p><a href="https://www.betanien.de/rezension-zu-roger-liebi-leben-wir-wirklich-in-der-endzeit-pdf/" class="more-link"><span class="morelink-icon">Weiterlesen</span></a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.betanien.de/rezension-zu-roger-liebi-leben-wir-wirklich-in-der-endzeit-pdf/">Rezension zu Roger Liebi: Leben wir wirklich in der Endzeit? (PDF)</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.betanien.de">Betanien Verlag</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Von Joachim Schmitsdorf. Dieses vielbeachtete Buch sollte kritisch hinterfragt werden.</p>
<p><em>Liebi, Roger. Leben wir wirklich in der Endzeit? Mehr als 175 erfüllte Prophezeiungen. Dübendorf (Schweiz): Verlag Mitternachtsruf, 2012. Gebunden, 428 Seiten. 13,00 €.</em></p>
<p>Bei der Besprechung des vorliegenden Buches steht man vor einer schwierigen Frage: Wie kann man hierbei dem Autor gerecht werden? Es ist unmöglich, im Einzelnen darzulegen, ob alle genannten Prophezeiungen sich jeweils so erfüllt haben, derzeit so erfüllen oder noch so erfüllen werden, wie der Autor meint. Das würde mindestens so viel Platz beanspruchen wie das Buch selbst. Wir müssen uns daher auf folgende Punkte beschränken: Erstens ist zu fragen, mit welcher Hermeneutik Liebi an die Heilige Schrift herangeht; zweitens wollen wir einige typische Beispiele dafür beleuchten.</p>
<p>Lesen Sie den ganzen <a href="https://www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2012/10/Rezension_Liebi_Endzeit.pdf" target="_blank" rel="noopener">Artikel als PDF</a>.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.betanien.de/rezension-zu-roger-liebi-leben-wir-wirklich-in-der-endzeit-pdf/">Rezension zu Roger Liebi: Leben wir wirklich in der Endzeit? (PDF)</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.betanien.de">Betanien Verlag</a>.</p>
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		<title>Thorsten Brenscheidt: &#8222;Faszination Bibel&#8220; &#8211; eine neue Zeitschrift zur (vermeintlichen) Erweckung der Bibelmüden (PDF)</title>
		<link>https://www.betanien.de/thorsten-brenscheidt-faszination-bibel-eine-neue-zeitschrift-zur-vermeintlichen-erweckung-der-bibelmueden-pdf/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans-Werner Deppe]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 10 Dec 2010 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Blog]]></category>
		<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitkritik/Apologetik]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.betanien.de/wordpress/thorsten-brenscheidt-faszination-bibel-eine-neue-zeitschrift-zur-vermeintlichen-erweckung-der-bibelmueden-pdf/</guid>

					<description><![CDATA[<p>Die Auswirkungen der Zeitschrift „Aufatmen“ „Jaja, die Bibel ist wichtig, aber &#8230;“ &#8211; Die Aussage klingt genervt. Bibellesen ist „eigentlich wichtig“, aber „umgeben von einem unangenehmen Geruch aus Pflicht und Routine“. So wirbt ein Verlag für seine neue Zeitschrift „Faszination Bibel“ und lädt ein zur „Selbsthilfegruppe &#8230; </p>
<p><a href="https://www.betanien.de/thorsten-brenscheidt-faszination-bibel-eine-neue-zeitschrift-zur-vermeintlichen-erweckung-der-bibelmueden-pdf/" class="more-link"><span class="morelink-icon">Weiterlesen</span></a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.betanien.de/thorsten-brenscheidt-faszination-bibel-eine-neue-zeitschrift-zur-vermeintlichen-erweckung-der-bibelmueden-pdf/">Thorsten Brenscheidt: &#8222;Faszination Bibel&#8220; &#8211; eine neue Zeitschrift zur (vermeintlichen) Erweckung der Bibelmüden (PDF)</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.betanien.de">Betanien Verlag</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h2>Die Auswirkungen der Zeitschrift „Aufatmen“</h2>
<p>„Jaja, die Bibel ist wichtig, aber &#8230;“ &#8211; Die Aussage klingt genervt. Bibellesen ist „eigentlich wichtig“, aber „umgeben von einem unangenehmen Geruch aus Pflicht und Routine“. So wirbt ein Verlag für seine neue Zeitschrift „Faszination Bibel“ und lädt ein zur „Selbsthilfegruppe der Bibel-Unlustigen“.</p>
<p>Es handelt sich um den Bundes-Verlag in Witten, der 1996 mit der Zeitschrift „Aufatmen“ neoevangelikale Trends setzte und wie kein anderer einen großen Einfluss auf evangelikale Christen ausübte; leider nicht zu bibeltreuer Christusnachfolge, kompromisslosem Festhalten an Gottes Wort und Widerstehen des Zeitgeistes, sondern ganz im Gegenteil: Ökumene, Charismatik, Bibelkritik, Mystik bis hin zum Pantheismus verwirrten, spalteten und säten einen erbärmlichen Zustand unter den Evangelikalen.</p>
<p>Ulrich Eggers, der Leiter von Bundes-Verlag und „Aufatmen“, will lieber „Jesus-treu statt bibeltreu“ sein und zählt sich zu den Redakteuren seines Verlages, „die manchmal Mühe haben, Begeisterung für die Bibel zu empfinden“. Er beschreibt ehrlich die Auswirkungen von „Aufatmen“: „Manch eine/r schöpfte mehr Mut und Hoffnung aus dem Lebenszeugnis anderer als aus der Bibel selbst. &#8230; Zugleich war es auffallend, dass trotz mancher Kritik an zu vielen Themenpredigten oder zu bibel-losen Artikeln wenig Alternativen sichtbar wurden: Wo waren die lebendigen Bibel-Artikel, inspirierenden Auslegungen, begeisterten Bibel-Lehrer? Wir hatten das Gefühl: Der Kaiser ist nackt! Wir haben ein Problem! Und: Es muss was getan werden! Denn natürlich sahen auch wir das so: Die Bibel ist zu wichtig, als dass wir Christen sie links liegen lassen dürfen.“ Mit dieser zutreffenden Beschreibung von „Aufatmen“ mit „bibellosen Artikeln“ und fehlenden „inspirierenden Auslegungen“, macht Eggers ungewollt Anti-Werbung für seine Zeitschrift. Beschämend ist zudem die Erwähnung, die Bibel „nicht links liegen lassen zu dürfen“. Bei all den oben erwähnten fragwürdigen Beigaben bedarf es aber wohl dieser Aussage. Sie offenbart aber, was in der evangelikalen Landschaft angerichtet wurde. Gedacht sind Eggers’ Zeilen natürlich als werbewirksamer Hinweis auf eine neue Zeitschrift aus dem gleichen Hause mit der gleichen Prägung.</p>
<p>Den vollständigen Artikel als <a href="https://www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2010/12/brenscheidt-faszinationbibel.pdf" target="_blank" rel="noopener">Thorsten Brenscheidt: &#8222;Faszination Bibel&#8220; &#8211; eine neue Zeitschrift zur (vermeintlichen) Erweckung der Bibelmüden (PDF)</a>.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.betanien.de/thorsten-brenscheidt-faszination-bibel-eine-neue-zeitschrift-zur-vermeintlichen-erweckung-der-bibelmueden-pdf/">Thorsten Brenscheidt: &#8222;Faszination Bibel&#8220; &#8211; eine neue Zeitschrift zur (vermeintlichen) Erweckung der Bibelmüden (PDF)</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.betanien.de">Betanien Verlag</a>.</p>
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		<title>Rezension der &#8222;Konkordanz biblischer Aussagen über die Zukunft&#8220;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans-Werner Deppe]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 14 Dec 2008 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Blog]]></category>
		<category><![CDATA[Eschatologie]]></category>
		<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Rezension der &#8222;Konkordanz biblischer Aussagen über die Zukunft&#8220; von Gertrud Wasserzug, CV Dillenburg 2007. Gertrud Wasserzug versucht in diesem Buch, ihre eng gefasste Vorstellung eines Zukunftsschemas durch eine systematische Auflistung von Bibelstellen zu untermauern. Eigentlich sollte man meinen, eine Konkordanz sei ein Werkzeug zu einem unvoreingenommenen &#8230; </p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1>Rezension der &#8222;Konkordanz biblischer Aussagen über die Zukunft&#8220; von Gertrud Wasserzug, CV Dillenburg 2007.</h1>
<p>Gertrud Wasserzug versucht in diesem Buch, ihre eng gefasste Vorstellung eines Zukunftsschemas durch eine systematische Auflistung von Bibelstellen zu untermauern.</p>
<p>Eigentlich sollte man meinen, eine Konkordanz sei ein Werkzeug zu einem unvoreingenommenen Bibelstudium, um ohne vorausgesetztes Lehrsystem durch Schriftauslegung zu einer gesunden Lehre zu gelangen. Dieses Buch ist jedoch exakt das Gegenteil: Die Autorin legt ihr vorgefasstes Schema zugrunde und ordnet diesem ohne exegetische Begründung Schriftstellen nach Gutdünken zu.</p>
<p>Bezüglich ihres strikten Systems des Dispensationalismus ist dieses Werk nicht nur tendenziös, sondern manipulativ, indem es dem Leser vortäuscht, die genannten Schriftstellen würden sich auf die postulierten Abschnitte der Zukunft beziehen, denen die Autorin sie zuordnet. Daher ist dieses Buch nicht wirklich eine Konkordanz, sondern ein Verteidigungsversuch des Dispensationalismus, dessen ausgeklügeltes Schema in dem Buch immer wieder durch die typischen Zeitskala-Grafiken dargestellt wird. (Was haben solche dogmatischen Darstellungen in einer Konkordanz zu suchen?) Gertrud Wasserzug hat hier das Pferd von hinten aufzuzäumen versucht: An erster Stelle stellt sie ihr Lehrsystem und setzt die einzelnen Bibelstellen wie ein falsch kombiniertes Puzzle zu einem verzerrten Bild zusammen.</p>
<p>So geht sie z.B. von zwei zertrennten Gottesvölkern mit zwei unterschiedlichen Zukünften aus und gliedert ihre Kapitel in „Die Zukunft der Gemeinde“ und „die Zukunft Israels“. Entsprechend der dispensationalistischen Behauptung, die Gemeinde werde im AT nicht erwähnt, listet Wasserzug im Kapitel „Die Zukunft der Gemeinde“ keine einzige AT-Stelle an, obwohl das im AT verheißene Heil, z.B. „neue Himmel und neue Erde“ (Jes 65-66), allen Gläubigen gilt. Entgegen Wasserzugs Sichtweise sind die Gläubigen aus den Nationen ja schließlich „Miterben“ und „Miteinverleibte“ und Mitteilhaber der Verheißung“ mit den Gläubigen aus Israel (Eph 2-3).</p>
<p>Mit ihrem vorausgesetzten, aber falschen Schema muss die Autorin zwangsläufig Schriftstellen falsch zuordnen. Einige Beispiele:</p>
<p>&#8211; Röm 8,21, wo davon die Rede ist, dass die Schöpfung – genau wie der Leib der Gläubigen – von der Vergänglichkeit freigemacht werden wird, ordnet sie einem vergänglichen tausendjährigen Zwischenreich zu (S. 355)<br />
&#8211; Jes 66,23, wo es um die Ewigkeit geht (vgl. „neue Himmel und neue Erde“ in V. 22 und die ewige Hölle in V. 24), ordnet sie einem angeblichen künftigen buchstäblichen Tempeldienst in Jerusalem zu, obwohl allein „Gott und das Lamm“ der Tempel sein werden, wenn die neuen Himmel und neue Erde da sind (Offb 21,22)<br />
&#8211; Jer 29,14, wo von der Rückkehr der Juden nach der siebzigjährigen babylonischen Gefangenschaft die Rede ist (vgl. die „siebzig Jahre“ in V. 10; erfüllt unter Esra und Nehemia), ordnet sie einer künftigen Rückkehr Israels in sein Land zu, obwohl bereits lange erfüllt (gleiches gilt für zahllose weitere Stellen wie z.B. 5Mo 30,3-6 etc.)<br />
&#8211; den „Neuen Bund“ aus Jer 31,31-34 etc. ordnet sie einem künftigen Reich für Israel zu, obwohl die Verheißung des Neuen Bundes im Neuen Testament durch Jesu Blut erfüllt worden ist (Lk 22,20; Hebr 8,10.13 etc.).<br />
&#8211; viele Verheißungen eines „ewigen“ Reiches ordnet die Autorin einem zeitlichen Zwischenreich zu<br />
&#8211; die in Mt 24,15ff angekündigte Zerstörung Jerusalems ordnet sie der Zukunft zu, obwohl dies bereits im Jahre 70 n.Chr. erfüllt wurde. Die diesbezüglich noch deutlicheren Schriftstellen Lk 21,20 und Mt 24,2 führt sie lt. Bibelstellenindex in der gesamten Konkordanz gar nicht an.</p>
<p>Die Beispiele ließen sich noch zigfach weiterführen. Als am traurigsten ist sicher zu bewerten, dass die Autorin das Volk Gottes, Christi Leib und Braut und Herde, die er in eins versammelt hat, zerstückelt und zertrennt. Der Herr hat sein Leben für die Seinen gegeben, in Ihm sind sie alle vereint und haben in Ihm dasselbe geistliche Erbteil aufgrund derselben Verheißungen. „Ist etwa der Christus zerteilt?“ Gewiss nicht, vielmehr ist in Ihm Gottes Ja und Amen auf Seine Verheißungen Gottes geschehen.</p>
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		<title>Rezension: Peter Streitenberger, Die fünf Punkte des Calvinismus.</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans-Werner Deppe]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 31 Oct 2007 09:05:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Blog]]></category>
		<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Rezension: Peter Streitenberger, Die fünf Punkte des Calvinismus. Eine Antwort (Hünfeld: CMD, 2007). Eine Rezension von Joachim Schmitsdorf. Streitenbergers Meinung zum Thema ist bereits aus anderen Publikationen bekannt, etwa aus der Zeitschrift Gemeindegründung 87 (3/2006): 12-21 oder auf einer schweizer Bibelkreis-Internetseite, die in letzter Zeit leider &#8230; </p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezension: Peter Streitenberger, Die fünf Punkte des Calvinismus. Eine Antwort (Hünfeld: CMD, 2007).</em></p>
<p><em>Eine Rezension von Joachim Schmitsdorf.</em></p>
<p>Streitenbergers Meinung zum Thema ist bereits aus anderen Publikationen bekannt, etwa aus der Zeitschrift Gemeindegründung 87 (3/2006): 12-21 oder auf einer schweizer Bibelkreis-Internetseite, die in letzter Zeit leider zunehmend durch unsachliche Kritik an reformierten Christen hervorgetreten ist. Dafür, dass er sich dort mehrfach polemisch zum Thema geäußert hat, entschuldigt sich Streitenberger im Vorwort seines Buchs (S. 11). Dies ist durchaus zu würdigen, wie auch die Tatsache, dass sich sein Tonfall im Vergleich zu seinen früheren Veröffentlichungen gebessert hat. Weiter verbesserungsbedürftig ist hingegen die sachliche Qualität seiner Argumente. Streitenbergers Meinung zum Thema ist bereits aus anderen Publikationen bekannt, etwa aus der Zeitschrift Gemeindegründung 87 (3/2006): 12-21 oder auf einer schweizer Bibelkreis-Internetseite, die in letzter Zeit leider zunehmend durch unsachliche Kritik an reformierten Christen hervorgetreten ist. Dafür, dass er sich dort mehrfach polemisch zum Thema geäußert hat, entschuldigt sich Streitenberger im Vorwort seines Buchs (S. 11). Dies ist durchaus zu würdigen, wie auch die Tatsache, dass sich sein Tonfall im Vergleich zu seinen früheren Veröffentlichungen gebessert hat. Weiter verbesserungsbedürftig ist hingegen die sachliche Qualität seiner Argumente.</p>
<p>1. Einseitige bis falsche Darstellung und emotionale Manipulation</p>
<p>Das Buch beginnt schon mit dem Irrtum, die Erwählung sei der „Kerngedanke“ sowie „Dreh- und Angelpunkt“ der calvinistischen Lehre (S. 14). Was Calvin selbst betrifft, so kommt er in seiner Institutio, die aus vier Büchern besteht, erst im dritten Buch ab Kapitel 21 darauf ausführlich zu sprechen! Auch die fünf Punkte des Calvinismus fangen nicht bei der Erwählung, sondern bei der völligen Verdorbenheit des Menschen an.<br />
Diese durch die Synode von Dordrecht 1618-1619 formulierten „fünf Punkte“ sind nicht mit „dem Calvinismus“ gleichzusetzen. Sie spiegeln zwar durchaus die Gnadenlehre des Genfer Reformators wider, doch beinhaltet dessen Lehre weit mehr. Dies bemerkt auch Streitenberger (S. 19); dass er dennoch falsche Lehren Calvins und unrühmliche Episoden aus dessen Leben, die (sofern zutreffend) durchaus zu kritisieren sind, unterschwellig mit den „fünf Punkten“ in Verbindung bringt (S. 63-80), muss man als emotionale Manipulation des Lesers werten. Was nämlich haben diese Dinge mit den fünf Punkten zu tun? Nichts! Auch Christen anderer Konfessionen wie George Whitefield (einer der Väter des Methodismus), Bischof John C. Ryle (Anglikaner) und Charles H. Spurgeon (Baptist) teilten die Lehren von Dordrecht, ohne dass sie deshalb für Glaubens- und Gewissenszwang in einem religiösen Polizeistaat gewesen wären (dafür ließen sich noch zahlreiche weitere Beispiele aus Vergangenheit und Gegenwart anführen).</p>
<p>2. Unzuverlässige Quellen</p>
<p>Immer wieder beruft sich Streitenberger auf Dave Hunts Buch What Love is This?, doch dieses ist die denkbar schlechteste Quelle zum Thema; es ist voll schlechter Argumente und sachlicher Fehler (James White, Verblendet durch Tradition: Ein offener Brief an Dave Hunt, S. 1-9).1 Hunt hat sich kurz vor der Veröffentlichung dieses Buchs damit gebrüstet, die Schriften der Reformatoren nie gelesen zu haben, meint aber dennoch, ihre Lehre beurteilen zu können (James White, Die große calvinistische Verschwörung: Eine Stellungnahme zu Vorwürfen von T. A. McMahon, S. 3f)2. Zudem ist Hunt der biblischen Sprachen unkundig (White, Verblendet durch Tradition, S. 3). Mehrere bibeltreue Theologen hatten ihm deshalb im Voraus von der Veröffentlichung von What Love is This? dringend abgeraten (ebd., S. 5; Die große calvinistische Verschwörung, S. 3-5).</p>
<p>3. Linguistisch und biblisch-theologisch unhaltbar</p>
<p>In Gemeindegründung 87 (3/2006): 3 behauptet Wilfried Plock, Streitenberger besitze „besonders gute Griechisch-Kenntnisse“. Das mag vielleicht Leser beeindrucken, die des Griechischen nicht mächtig sind; wer Streitenbergers Behauptungen allerdings am biblischen Grundtext prüft, kann sie nur tendenziös, einseitig und unhaltbar nennen. Er vernachlässigt nicht nur wichtige Charakteristika des Griechischen; auch einem Leser ohne einschägige Sprachkenntnisse sollte auffallen, dass Streitenberger oft genug den jeweiligen Kontext missachtet, an die Schrift mit einer vorgefassten Haltung herantritt und diese jeder Bibelstelle aufzwingen will, die seiner Meinung widerspricht. Dazu nur ein paar Beispiele:</p>
<p>Lesen Sie den ganzen <a href="https://www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2017/07/Rezension-5Punkte.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Artikel als PDF</a>.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.betanien.de/rezension-peter-streitenberger-die-fuenf-punkte-des-calvinismus/">Rezension: Peter Streitenberger, Die fünf Punkte des Calvinismus.</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.betanien.de">Betanien Verlag</a>.</p>
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		<title>Rezension: &#8222;Die biblische Lehre von den Heilszeiten“ von Ernst G. Maier</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans-Werner Deppe]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 20 Jun 2007 07:43:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Blog]]></category>
		<category><![CDATA[Eschatologie]]></category>
		<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Eine Rezension mit einer allgemeinen Beurteilung des Dispensationalismus „Die biblische Lehre von den Heilszeiten“ von Ernst G. Maier, Hünfeld, Christlicher Mediendienst, 2007 Zunächst möchte ich mein tiefes Bedauern ausdrücken, mit dem ich diese Rezension verfasst habe. Ich habe keinerlei Motivation, den Verlag CMD oder die dahinter stehenden &#8230; </p>
<p><a href="https://www.betanien.de/rezension-die-biblische-lehre-von-den-heilszeiten-von-ernst-g-maier/" class="more-link"><span class="morelink-icon">Weiterlesen</span></a></p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h2>Eine Rezension mit einer allgemeinen Beurteilung des Dispensationalismus</h2>
<p>„Die biblische Lehre von den Heilszeiten“ von Ernst G. Maier, Hünfeld, Christlicher Mediendienst, 2007</p>
<p>Zunächst möchte ich mein tiefes Bedauern ausdrücken, mit dem ich diese Rezension verfasst habe. Ich habe keinerlei Motivation, den Verlag CMD oder die dahinter stehenden Gläubigen oder den Autor des Buches in Misskredit zu bringen. Im Gegenteil tut es mir aufrichtig leid, dass zu einem Buch aus diesem Verlag und mit diesem Hintergrund etwas Kritisches zu sagen ist. Meine nun folgenden Einwände bezüglich dieses Buches schmälern nicht meine Wertschätzung der betreffenden Glaubensgeschwister.</p>
<p>Ernst Maiers Buch soll eine „Ausarbeitung über das dispensationalistische Lehrsystem“ (S. 10) sein, daher ist aus meinem Artikel nicht nur eine Rezension geworden, sondern gleichzeitig auch eine allgemeine Beurteilung des Dispensationalismus, der insbesondere in der Brüderbewegung, aber mittlerweile auch vielfach im freikirchlichen Bereich unhinterfragt vertreten wird. Prägend waren bei dieser Verbreitung nicht nur die Väter des Dispensatioanlismus wie Darby und Scofield, sondern insbesondere einflussreiche Ausbildungsstätten wie das Dallas Theological Seminary, das Moody Bible Institute, die hiesigen Bibelschulen Wiedenest oder Brake und nicht zuletzt Literatur und Vorträge von Autoren wie Wim Malgo, Arnold Fruchtenbaum, Hal Lindsay und Tim LaHaye.</p>
<p>Titel und Untertitel dieses Buches warten mit einem sehr hohen Anspruch auf: Die „biblische Lehre von den Heilszeiten“ sei ein „eminent wichtiger Schlüssel zum Verständnis der Schrift“.<a href="https://www.betanien.de/sola-scriptura/artikel/rezension-maier.htm#_ftn1" name="_ftnref1">[1]</a> Nun, zwecks Übersichtlichkeit und heilsgeschichtlichem Verständnis mag der Bibelleser die Heilige Schrift durchaus in verschiedene Epochen oder Heilszeiten („Dispensationen“) einteilen – daran ist weder etwas zu kritisieren, noch ist dies das Monopol der Dispensationalisten, die nach diesem Unterteilen benannt sind. Wesenskern des Dispensationalismus ist aber nicht das Gliedern, sondern die Lehre von zwei verschiedenen Völkern Gottes – dem nationalen Israel und der Gemeinde. Diese Sichtweise ist in der Theologiegeschichte relativ jung und ist ein erst im 19. Jahrhundert entworfenes Lehrsystem.<span id="more-4920"></span></p>
<p>Der Untertitel bzw. die Vorwortaussage, der Inhalt des Buches sei „ein [eminent] wichtiger Schlüssel zum Verständnis der Schrift“ klingt ausgesprochen kühn. Wenn sich eine bestimmte Lehre als unverzichtbarer, einziger „Schlüssel zur Bibel“ ausgibt, ist Skepsis angebracht. Was ist mit all den Gläubigen vor der Zeit, als dieser Schlüssel „entdeckt“ wurde? Schließlich geht der Dispensationalismus auf John Nelson Darby (1800-1880) zurück und wurde erst durch C.I. Scofield (1843-1921) und seine Scofield-Bibel bekannt gemacht. Auch stellt sich die Frage: Ist die Bibel etwa ein kodiertes Buch, das noch einen Schlüssel außerhalb ihrer selbst erfordert? Besagt das reformatorische Motto „sola scriptura“ nicht, dass die Bibel in sich selbst hinreichend ist? Ist Christus nicht der einzige und wahre Schlüssel zur Bibel?</p>
<p>In der Einführung (mit 10 Seiten bereits fast 8% des Buches) versucht der Autor zunächst, ein Konzept für eine „Geschichtsphilosophie“ zu entwerfen und dessen Anforderungen zu definieren. Dabei wird nicht klar, ob er den Begriff „Philosophie“ einfach nur unglücklich gewählt hat, oder ob er sich tatsächlich über die Warnung vor jeder Philosophie aus Kolosser 2,8 hinwegsetzt. Wie dem auch sei, bleibt fraglich, warum in einem Buch, dessen Botschaft angeblich unverzichtbar für alle Christen sein soll, gleich zu Beginn ein sehr akademisch anmutendes Philosophiekonzept aufgestellt wird. Vielleicht drückt sich der Autor aber auch nur unnötig kompliziert aus. Z.B. nennt er als letzten von sechs Punkten: „Eine biblische Geschichtsphilosophie muss auf die drei grundlegenden Fragen des Menschen: ‚Wo kommen wir her? Warum sind wir hier? Wo gehen wir hin?’ befriedigende Antworten geben.“ (S. 18) Tatsächlich sollten Christen die Antwort auf diese wichtigen Fragen nicht erst in irgendeiner komplizierten Philosophie finden. Die Antwort sollte für sie auf der Hand liegen, wenn sie selber regelmäßig die Bibel lesen und in ihrer Gemeinde die Schrift lücken- und schnörkellos ausgelegt und gepredigt wird.</p>
<p>Wenn die biblische, neutestamentliche Sicht der Heilsgeschichte gelehrt werden soll, warum wird dann zuallererst eine Geschichtsphilosophie entworfen? Warum nimmt man nicht einfach jene Lehrtexte des Neuen Testaments, die die Heilsgeschichte erklären, und legt diese fortlaufend und sauber aus? Texte wie Römer 9-11, Epheser 2-3 und der Hebräerbrief müssten hier vorrangig betrachtet werden. Doch der Dispensationalismus gründet sich nicht auf fortlaufende Schriftauslegung, sondern tatsächlich – schon bei Darby – auf philosophische Grundannahmen. Dies wäre als erster Schwachpunkt des Dispensationalismus zu nennen.</p>
<p>In Maiers Einführung wird zudem eine weitere Schwäche des Dispensationalismus deutlich: Dispensationalisten neigen dazu, dort, wo sie einen <em>Unterschied </em>in der Bibel sehen, nicht nur zu <em>unterscheiden</em>, sondern gleich zu <em>trennen</em>. So spricht Maier auf S. 12 von „zwei verschiedenen Evangelien“, deren Existenz er aus einem Vergleich von Mt 10,7 mit 1Kor 15,1-5 schließt. Nun gibt es tatsächlich <em>Unterschiede</em> in den jeweiligen Schwerpunkten dieser Schriftstellen, aber muss man daraus zwingend auf verschiedene Evangelien schließen? Schließlich sagt Paulus in Galater 1,7, dass es „kein anderes Evangelium gibt“. Unterschiede können ja auch auf unterschiedlichen Schwer- bzw. Gesichtspunkten oder auf einer Weiterentwicklung im Sinne der fortschreitenden Offenbarung beruhen, es muss nicht unbedingt eine Zäsur erfolgt und etwas ganz Neues eingeführt worden sein. Wenn ein Kind heranreift und zu einem Erwachsenen wird, identifiziert man auch nicht zwei <em>verschiedene</em> Personen, wohl aber <em>Unterschiede</em> in den Entwicklungsphasen ein und derselben Person. Und genau diesen Fehler haben Dispensationalisten in ihrer <em>Trennung</em> zwischen alttestamentlichem Israel und neutestamentlicher Gemeinde begangen: Aus Unterschieden in der fortschreitenden Entfaltung von Gottes Plan mit seinem <em>einen </em>Volk haben sie zwei getrennte Völker Gottes gemacht.</p>
<p>Im Abschnitt über „die Grundlagen des Dispensationalismus“ zählt der Autor „vier Pfeiler“ des Dispensationalismus auf: Der erste Punkt, die „wörtliche Auslegung der Heiligen Schrift“, ist gewiss kein Monopol der Dispensationalisten. Auch andere bibeltreue Christen gehen stets vom Literalsinn der Schrift aus.</p>
<p>„Der zweite Pfeiler des Dispensationalismus“ ist nach Maier „die sorgfältige Unterscheidung von Israel und der Gemeinde“. Wie bereits gesagt, trifft der Dispensationalismus aber nicht nur eine berechtigte <em>heilsgeschichtliche</em> <em>Unterscheidung</em>, sondern eine <em>heilsmäßige</em> <em>Trennung</em> von Israel und Gemeinde – wobei es unter Dispensationalisten unterschiedliche Ausprägungen dieser Trennung gibt. Der klassische Dispensationalismus sieht Gläubige aus Israel sogar auf ewig getrennt von der neutestamentlichen Gemeinde – die Trennung bleibe auch in der Ewigkeit bestehen. Gemäßigte Dispensationalisten wie Maier gehen nicht so weit, beharren aber auf einer künftigen besonderen Wiederherstellung des ethnischen Israel, das dann als heilige Nation eine höhere Stellung habe als die anderen Gläubigen und wieder einen schattenhaften Tempelgottesdienst praktiziere. Sie meinen zudem, die ethnischen Juden seien auch im ungläubigen Zustand ein Volk Gottes: Sie bildeten das „irdische Volk Gottes“, während zum himmlischen Volk Gottes nur die Gläubigen zwischen Pfingsten und Entrückung gehörten. Meines Wissens lehrt die Schrift aber nicht, dass Gott ein Volk aus Ungläubigen habe.</p>
<p>Als dritten Pfeiler nennt Maier die „ewige Bedeutung der Bündnisse Gottes mit Abraham und David“. Tatsächlich verdeutlicht der Abrahamsbund Gottes Heilsplan nicht nur mit Israel, sondern mit der ganzen Welt. Abraham sollte demnach „zum Vater einer Menge Nationen werden“ (1Mo 17,4). Genau das hat sich in der neutestamentlichen Gemeinde erfüllt: Alle Gläubigen, Juden wie Heiden, sind in Christus „Abrahams Nachkommenschaft und nach Verheißung Erben“ (Gal 3,29). Der Abrahamsbund ist also ein starker Beleg für die ewige Zusammengehörigkeit von Gläubigen aus den Juden und aus den Heiden in Christus als das <em>eine </em>Volk Gottes. Auch Heidenchristen sind in Christus echte Kinder Abrahams (1Petr 3,6).</p>
<p>Zu Recht weist Maier auf Apg 7,5 hin und sagt, dass der Abrahamsbund noch nicht erfüllt ist. Dabei sollte er jedoch bedenken, dass Abraham kein irdisches Reich erwartete, sondern ein himmlisches (Hebr 11,16). Bemerkenswerterweise führt Maier diese Schriftstelle aus Hebr 11 sogar an – offenbar ohne sich bewusst zu sein, dass sie der dispensationalistischen Erwartung eines irdischen Erbes für das ethnische Israel widerspricht. Tatsächlich können wir eine noch künftige Erfüllung des Abrahambundes erwarten, allerdings nicht beschränkt auf das Land Israel, sondern auf die ganze „Welt“ (Röm 4,13) – womit nach Hebr 11,16 aber eben die neue Welt – neue Himmel und neue Erde – gemeint sind, ein „unerschütterliches Reich“ (Hebr 12,28).</p>
<p>In Bezug auf den Davidbund nennt Maier einige Schriftstellen, die den Thron Davids als <em>ewig </em>bezeichnen (2Sam 7,16; 23,5; Ps 89,4-5.29.35). Hier kann also kein zeitlich begrenztes &#8211; auch nicht tausendjähriges &#8211; Reich gemeint sein, sondern es ist von einem <em>ewigen</em> Reich die Rede. Nach Apg 2,25-36 hat sich die Verheißung an David darin erfüllt, dass sich Christus zur Rechten Gottes auf seinen Thron gesetzt hat. Dort ist er, bis seine Feinde zu seinen Füßen gelegt sind (V. 35, vgl. Ps 110,1). Nach 1Kor 15,23-28 wird Christus dann, wenn alle Feinde ihm unterworfen sind, das Reich dem Vater übergeben und mit ihm auf dem ewigen Thron regieren (Offb 22,1).</p>
<p>Maier nennt hier auch Lk 1,31-33 als Beleg für den Dispensationalismus. Wörtlich verstanden verheißt der Engel Maria in Lk 1,33 jedoch, dass ihr Sohn, der Herr Jesus, „in Ewigkeit“ herrschen wird „und seines Königtums wird kein Ende sein“ &#8211; offenbar auch nicht nach 1000 Jahren.</p>
<p>Auf S. 20 wirft Maier die These auf, dass der Herr Jesus „nach der Entrückung der Gemeinde und nach der Großen Trübsalszeit Israels“ „das verheißene Friedensreich auf dieser Erde“ aufrichten werde. Die Schrift sagt jedoch weder, dass sich die „große Trübsal“ (dieser Begriff stammt aus Mt 24,21 und Offb 7,14) speziell auf das nationale Israel beziehe, noch lehrt sie ein auf 1000 Jahre begrenztes irdisches Reich (Offb 20,1-6 spricht weder von der Erde noch von Israel noch von Erfüllung atl. Verheißungen). Vielmehr lehrt das vom Autoren genannte Kapitel Mt 25, dass nach der Wiederkunft Jesu die einen ins ewige Leben eingehen, die anderen in die ewige Pein (25,46). Und laut den ebenfalls genannten Versen Apg 15,14-18 ist die in Christus geschehene Wiederaufrichtung der „Hütte Davids“ gerade daran zu erkennen, dass durch die Heidenmission Heiden zum Volk Gottes hinzugerufen wurden.</p>
<p>Der vierte Pfeiler des Dispensationalismus ist nach Maier: „Manche Aspekte des Reiches Gottes auf dieser Erde sind noch zukünftig“ (S. 20). Diese Aussage wäre völlig richtig, wenn die Worte „auf dieser Erde“ weggelassen würden: Zwar sind gewisse Aspekte des Reiches Gottes seit dem ersten Kommen Jesu schon jetzt durch die Gemeinde auf dieser Erde realisiert, andere Aspekte hingegen noch nicht. Aber sie werden nicht auf dieser Erde, sondern auf der neuen Erde und in den neuen Himmeln – im ewigen Reich Gottes – vollends erfüllt. Dies ist das einfache, durchgängig im NT gelehrte Schema des „schon jetzt“ und zugleich „noch nicht“ – das Reich Gottes kommt in <em>zwei</em> Phasen (Jetztzeit und Ewigkeit) – und nicht in <em>drei</em> (Jetztzeit, T-Reich, Ewigkeit).</p>
<p>Ebenfalls auf S. 20 trifft der Autor die absoluten Aussagen: „Auf die Frage nach dem Irrtum der Pfingstbewegung, der Charismatischen Bewegung und der Dritten Welle kann nur der Dispensationalismus eine befriedigende Antwort geben. Wer die Grundzüge der dispensationalistischen Theologie ablehnt, hat keine Grundlage zur lehrmäßigen Abwehr dieser Bewegungen.“ Damit meint er offenbar, alle Nicht-Dispensationalisten könnten schwärmerische Lehren, Phänomene und Bewegungen nicht <em>allein mit Bibel</em> widerlegen. Damit stellt er der Schrift und allen Christen aus der Zeit vor Darby ein schlechtes Zeugnis aus. Reicht die Schrift allein als verteidigendes „Schwert des Geistes“ nicht aus und braucht man zum Abweisen von Irrlehren ein Sonderlehrsystem? Kann es sein, dass Jahrhunderte bibeltreuer reformatorischer Theologie hier geringschätzig herabgewürdigt werden? Deren Vertreter wie Luther und Calvin &#8211; oder auch George Whitefield und Jonathan Edwards<a href="https://www.betanien.de/sola-scriptura/artikel/rezension-maier.htm#_ftn2" name="_ftnref2">[2]</a> &#8211; haben den Schwärmern ihrer Zeit sehr wohl entschlossen mit der Bibel widerstanden. Maiers exklusiver Anspruch überzeugt nicht, sondern vermittelt eher den Eindruck von mangelnder Kirchengeschichtskenntnis oder Selbstüberschätzung.</p>
<p>In Kapitel 2, „Der Hintergrund des kosmischen Konflikts“, schreibt Maier über Gottes Schöpfung, die Rebellion des Teufels, den Sündenfall und die Strategie Gottes in diesem kosmischen Konflikt“. Dabei betont Maier, dass Gott unbedingt ein Reich <em>auf dieser Erde</em> aufrichten will und wird: „Um seine Souveränität unter Beweis zu stellen, muss Gott die Erde in ihrem ursprünglichen Zustand wieder herstellen. Diese Wiederherstellung muss auf dieser jetzigen Erde geschehen, nicht erst auf der neuen Erde und dem neuen Himmel. Würde Gott dies nicht tun, würde der Anschein erweckt werden, dass er Satan und sein Reich nicht überwunden hat und auch nicht überwinden kann. Dass Gott dies tun wird, hat er durch seine Propheten verheißen (Apg 3,21; vgl. Jes 11,1ff.)“ (S. 31). Diese Überlegungen stammen nicht aus der Schrift. Würde Petrus mit der „Wiederherstellung aller Dinge“ in Apg 3,21 ein künftiges irdisches Reich für Israel meinen, hätte er dies in 2Petr 3 erwähnen müssen. Dort spricht er aber genau davon, dass wir „neue Himmel und eine neue Erde erwarten“ (3,13) – und zwar unmittelbar im Zusammenhang der Wiederkunft Jesu. Auch Jesaja verheißt als Heilserwartung für Israel kein zeitlich begrenztes Reich – auch nicht in Jes 11 –, sondern ein ewiges (34,17; 60,19-21), nämlich „einen neuen Himmel und eine neue Erde“ (65,17; 66,22).</p>
<p>Die alte Erde verhält sich nämlich zur neuen so, wie unser sterblicher Leib zum Auferstehungsleib. Die philosophischen Überlegungen Maiers müssten für den Leib ebenso gelten und so müsste man sagen: „Würde Gott nicht den sterblichen Leib verherrlichen, sündlos machen, völlig heilen usw., würde der Anschein erweckt werden, dass er Satan und sein Reich nicht überwunden hat.“ Das ist natürlich falsch. Gottes Heil geht nur über Kreuz und Auferstehung. Die ganze Erde, die Natur und Schöpfung, befindet sich jetzt noch, genau wie unser Leib, in unerlöstem Zustand. Z.B. Römer 8,18ff lehrt diese Parallele ganz eindeutig. So wie es für Leib nur zwei Phasen gibt – sterblich und ewig – so gibt es auch für die Erde nur zwei Phasen und nicht drei: <em>Jetzt</em> „der Nichtigkeit unterworfen“ (Röm 8,20) und <em>künftig</em> „von der Knechtschaft der Vergänglichkeit frei gemacht“ (V. 21). In Römer 8 kann nicht von der Schöpfung im Tausendjährigen Reich die Rede sein, denn die wäre noch „vergänglich“. Wer auf dieser alten, unerlösten Erde Gottes Reich vollendet sehen will, leistet ebenso einer irdischen Gesinnung Vorschub wie jemand, der für unseren sterblichen Leib Heilung oder Sündlosigkeit fordert.</p>
<p>Vielen Aussagen von Maier wären richtig, wenn er anstelle des irdischen Tausendjährigen Reiches den biblischen Ausdruck „neue Himmel und neue Erde“ einsetzen würde. Zahlreiche andere Aussagen sind lediglich spekulative Behauptungen ohne biblische Begründungen. Z.B. schreibt er: „Gott muss den Menschen dazu bringen, dass er die jetzige Erde so verwaltet, wie es ursprünglich vorgesehen war … Gott muss den Menschen die vollkommene Umgebung für den Menschen wieder herstellen, so, wie sie vor dem Sündenfall war …“ (S. 32). Doch weder die dazu genannten Schriftstellen noch eine andere Argumentation begründen, warum Gott dies „muss“.</p>
<p>Ein weiteres Beispiel: Der Antisemitismus muss keineswegs darin begründet sein, dass Gott das ethnische Israel künftig wieder zu einem Sonderstatus erheben wird und Satan dies verhindern will (wie Maier auf S. 35 behauptet), sondern schon solch klare Prophezeiungen wie 5Mo 28,37 und Jer 24,9 erklären den Antisemitismus aus biblischer Sicht. Maiers Behauptungen beruhen nicht auf Schriftauslegung, sondern werden dogmatisch und spekulativ vorausgesetzt. Das ist weder guter Umgang mit der Schrift noch gesunde Lehre, die sich aus der Schrift herleitet. Eine solche Vorgehensweise schmälert natürlich das Vertrauen zum Autor. Aufgrund dieses bisher aufgezeigten, durchgängigen fragwürdigen Umgangs mit der Schrift werde ich im Rest dieser Rezension nicht mehr auf alle einzelnen unrichtigen Aussagen Maiers eingehen, sondern mich auf die gravierendsten Mängel beschränken.</p>
<p>In Kapitel 5 will Maier die Lehre von den „Haushaltungen“ biblisch begründen. Wie bereits gesagt, ist es durchaus berechtigt, die biblische Heilsgeschichte in Epochen aufzuteilen. Maier baut dieses Konzept jedoch zu einem Lehrsystem aus, das er als „Schlüssel“ letztlich über die Schrift selbst stellt.</p>
<p>Auch hier wird wieder ein sehr fragwürdiger Umgang mit der Schrift deutlich: Anhand des Gleichnisses vom ungerechten Verwalter (Lk 16,1-8) will Maier zeigen, was eine „Haushaltung“ im Sinne des Dispensationalismus ist (S. 38). Das geht gewiss nicht nur weit an der Aussageabsicht des Bibeltextes vorbei, sondern hat mit ihm überhaupt nichts zu tun. Wenn ein Prediger über Lukas 16,1-8 predigen sollte und dabei Maiers Interpretationen verkündigte, blieben die Zuhörer geistlich brotlos.</p>
<p>Zu Maiers Ausführungen zu den Begriffen „Haushaltung“ bzw. engl. „Dispensation“ ist anzumerken, dass man diese Begriffe wie bereits gesagt durchaus verwenden kann, ohne ein Dispensationalist zu sein. Es ist unter Schriftauslegern quasi aller Prägungen üblich, verschiedene Epochen zu unterscheiden, und auch alte Theologen wie Augustinus bezeichneten die von ihnen (jeweils unterschiedlich) identifizierten Phasen bereits als „Haushaltung“ oder „Dispensation“.</p>
<p>Aus Maiers Aussagen wird deutlich: Der Dispensationalismus ist eine systematische Überstrapazierung des Einteilens und Gliederns, das zum Bibelstudium eigentlich hilfreich sein mag, aber in der Bibel nicht den Stellenwert hat, zu dem Dispensationalismus es erhebt. Maier zählt zahlreiche „Merkmale einer Haushaltung“ auf (S. 39ff), z.B.: „Eine Haushaltung ist von Gott bestimmt … hat Hausregeln … gilt für eine bestimmte Zeit …“ etc. Wenn es in der Schrift tatsächlich so klare Bestimmungen und Leitlinien gebe, stellte sich die Frage: Warum kommen einzelne Dispensationalisten dann zu so unterschiedlichen Einteilungen der verschiedenen Haushaltungen?</p>
<p>Manche Behauptungen des Autors sind zirkelschlussartig oder redundant. Bei seinen Aussagen: „In den Heilszeiten wird der Gehorsam des Menschen gegenüber dem offenbarten Willen Gottes geprüft … Jede Heilszeit offenbart den Ungehorsam des Menschen“, ließe sich „in den Heilszeiten“ einfach durch „immer“ oder „während der ganzen Heilsgeschichte“ ersetzen, was den Aussagewert für den Dispensationalismus gegen Null tendieren ließe.</p>
<p>Ein weiteres Beispiel für Maiers schier unsäglichen Umgang mit der Schrift: Maier behauptet, im Neuen Testament würden „mindestens drei Haushaltungen Gottes [d.h. Zeitalter im Sinne des Dispensationalismus] ausdrücklich genannt oder vorausgesetzt“ (S. 42) und verweist auf Eph 1,10; 2,3 und Kol 1,26. In Eph 1,10 sei mit „Verwaltung der Erfüllung der Zeiten“ „die Zeit des Millenniums“ gemeint – was sicher nicht der Aussageabsicht des Textes entspricht. Ebenso wenig entspricht, wie Maier behauptet, die „Verwaltung der Gnade Gottes“ in Eph 3,2 (nicht 2,3 wie angegeben!) der „gegenwärtigen Zeit der Gemeinde“. Schließlich schreibt Paulus über diese „Verwaltung“ bzw. „Haushaltung“: „… die mir im Hinblick auf euch gegeben ist“. Wohl kaum wurde Paulus das „Zeitalter der Gemeinde“ gegeben. Hier geht es um den Dienst der Evangeliumsverkündigung an Heiden. Eine „Verwaltung“ bzw. „Haushalterschaft“ im Sinne eines Dienstes bzw. einer Aufgabe ist sicher etwas ganz anderes als ein Zeitalter. In Kolosser 1,26 sei angeblich von „vorhergehenden Zeiten“ die Rede. Das habe ich allerdings in keiner Bibelübersetzung gefunden. Die als Quelle angegebene Lutherbibel übersetzt ähnlich wie die Elberfelder: „seit ewigen Zeiten“. Maier schlussfolgert aus seinem unrichtigen Schriftzitat, „dass es vor der gegenwärtigen Heilszeit eine andere Heilszeit gegeben haben muss.“ Ganz abgesehen von Maiers falscher Wiedergabe und von der Tatsache, dass hier von „Zeiten“ im Plural die Rede ist, spricht Vers 25 von einer „Verwaltungsaufgabe“ des Paulus in genau demselben Sinne wie Eph 3,2 und Vers 26 von der fortschreitenden Offenbarung des Evangeliums – ohne dass hieraus ein oder mehrere dispensationalistische Systemzeitalter gemacht werden. Auch in unserem Sprachgebrauch sprechen wir von „alten“ oder „früheren Zeiten“ einfach im Sinne von „Vergangenheit“ und ohne diese Vergangenheit systematisch zergliedern zu wollen. Maiers überstrapazierte Schlussfolgerung aus Kol 1,26 ist ein Beispiel für die dispensationalistische Schwäche, bestimmte Begriffe in der Schrift herauszusuchen und mit einer herangezogenen angeblichen Bedeutung zu überfrachten, die mit dem Zusammenhang und der Aussageabsicht des Bibeltextes meist nur wenig tun hat.</p>
<p>Auf S. 44 thematisiert Maier ganz unvermittelt die „Zeit der siebzigsten Jahrwoche“, womit er sich auf Daniel 9,27 bezieht. In dem ganzen Abschnitt erwähnt er keinen einzigen Vers aus dem Buch Daniel und lässt den Leser so im Unklaren, um welche Schriftaussagen es überhaupt geht. Von biblischer Lehre, die sich auf Schriftauslegung gründet, kann hier keine die Rede sein. Da die Sichtweise, die siebzigste Jahrwoche Daniels sei – im Gegensatz zum Literalsinn von Daniel 9 – noch zukünftig, ohnehin eine spezielle Sonderlehre des Dispensationalismus ist, ist dieser Abschnitt für den gewöhnlichen Leser eher verwirrend als aufschlussreich.</p>
<p>Anschließend beschreibt Maier die sieben Heilszeitalter des Dispensationalismus näher. Manches davon ist durchaus richtig. Bei der „Haushaltung des Gesetzes“ (S. 50) stellt sich die Frage, ob die Gesetzesgebung vom Sinai lediglich die Einführung einer „Haushaltung“ war gleich wie z.B. Gottes Handeln mit Noah oder Berufung von Abraham. Die Schrift nennt die Epoche unter Gesetz „alter“ bzw. „erster Bund“, den Mose vermittelte, in Parallele zum Neuen Bund, den der Herr Jesus eingesetzt hat. Eine m.E. schriftgemäßere Einteilung der Heilsgeschichte würde diese Bündnisse und die Parallelen und Unterschiede, Kontinuitäten und Diskontinuitäten zwischen ihnen deutlicher herausstellen.</p>
<p>Gleiches gilt wohl erst recht für die von Maier als „Haushaltung des Heiligen Geistes“ bezeichnete neutestamentliche Zeit (S. 51). Die Zeit des Neuen Bundes, den der Herr Jesus durch sein vergossenes Blut einführte (Mt 26,28; Lk 22,20; 1Kor 11,25), ist nicht nur eine Haushaltung neben vielen, sondern die Erfüllung des Heilsplanes Gottes in Christus. Ebenfalls fraglich ist die dispensationalistische Einteilung, die den Beginn dieser Haushaltung auf das Pfingstereignis datiert.<a href="https://www.betanien.de/sola-scriptura/artikel/rezension-maier.htm#_ftn3" name="_ftnref3">[3]</a> Bis dahin sei die „Haushaltung des Gesetzes“ gewesen. Die schriftgemäße Einteilung wäre alter bzw. erster Bund und neuer Bund, wobei der Übergang nicht auf einen exakten Tag datiert wird. Das griechische Wort für alter und neuer <em>Bund</em> bedeutet auch altes und neues <em>Testament</em>, woher die beiden Bibelteile ihren Namen haben. Die Trennlinie dazwischen ist der Zeitraum des ersten Kommens Jesu mit dem Höhepunkt von Kreuz und Auferstehung und der Vollendung durch den Dienst der Apostel. Die Kraft und Inspiration für diesen Dienst empfingen sie tatsächlich zu Pfingsten. Die Gültigkeit des Gesetzes ist hingegen nicht – erst recht nicht exakt am Pfingsttag – wie durch eine Zäsur abgeschnitten. Das Gesetz hat weiterhin einen geistlichen Zweck (Röm 3,20b; 5,20; 7,14; Gal 3,24). Die Phasen „unter Gesetz“ und „unter Gnade“ können durchaus auch heute noch in der geistlichen Entwicklung von Menschen vorkommen. Der Dispensationalismus hingegen will die jetzige Zeit als völlig losgelöst vom Gesetz sehen und hat daher z.T. antinomistische (gesetzlose) Züge.<a href="https://www.betanien.de/sola-scriptura/artikel/rezension-maier.htm#_ftn4" name="_ftnref4">[4]</a> So ist z.B. die aktuelle lehrmäßige Kontroverse, ob der Gläubige Jesus auch als Herrn oder nur als Heiland akzeptieren muss, überhaupt erst durch den Dispensationalismus aufgekommen. Vorher war unter bibeltreuen Protestanten allgemein klar, dass der Gläubige Jesus als Herrn gehorchen soll. Gewiss sind Gesetz und Gnade unvermischbar, aber dieser Grundsatz gilt für alle Zeiten und definiert keine isolierten Heilszeitalter. Der Neue Bund der inneren Erneuerung durch Gott wurde im Alten Testament verheißen und war schon damals die von Gott gegebene Heilshoffnung, wenn auch seine Erfüllung erst mit Christus kam.</p>
<p>Das zusammenhanglose Nebeneinanderstellen einzelner isolierter „Heilszeitalter“ ist wohl auch die Ursache dafür, dass der Dispensationalismus kein Problem damit hat, nach dem jetzigen Zeitalter einfach ein Zeitalter des Rückschrittes in die alttestamentliche Ordnung zu postulieren. Maier meint tatsächlich, nach der Entrückung würde „die Heilszeit Israels“ fortgesetzt, die „durch die Zeit der Gemeinde“ lediglich „unterbrochen“ wurde (S. 44-45). Ein Zurück in die alttestamentliche Ordnung widerspricht aber eindeutig der Botschaft des Hebräerbriefes (Hebr 8,13; 9,10 etc.), der gerade vor einem solchen Rückschritt warnt. Und die Bezeichnung des jetzigen christlichen Zeitalters als bloße, fast störende „Unterbrechung“ in Gottes eigentlichem Heilsplan mit dem irdischen Israel degradiert diese Zeit der weltweiten Evangeliumsverbreitung zu einem Nebenschauplatz der Heilsgeschichte.</p>
<p>Das „Tausendjährigen Reich“ bezeichnet Maier als „Haushaltung der Herrschaft Jesu Christi“ (S. 52). Hier wird wiederum etwas Allgemeingültiges &#8211; die Herrschaft Jesu &#8211; auf ein begrenztes Zeitalter eingeschränkt. Die Herrschaft ist Gott niemals aus der Hand geglitten, nur steht die letztendliche Unterwerfung aller seiner Feinde derzeit noch aus. Gewiss wird diese Zeit kommen. Die Schrift bezeichnet dies als das „künftige Zeitalter“ und kennt neben dieser ewigen Heilshoffnung kein weiteres Zwischenreich. Das messianische Reich ist ein ewiges Reich. Das, was Maier als kennzeichnend für ein Tausendjähriges Reich für Israel beschreibt, lässt sich alles entweder der jetzigen Zeit oder der künftigen Ewigkeit zuordnen. Der Dispensationalismus „schielt“ hier gewissermaßen und sieht doppelt: Er erkennt in dem, was die Schrift als eine einzige künftige Ewigkeit vorstellt, zweierlei Phasen.</p>
<p>In diesem Zusammenhang möchte ich meine Kritik jedoch einschränken und verschiedene Sichtweisen differenzieren: Während ich persönlich nicht an ein irdisches Tausendjähriges Reich glaube (so genannter Amillenialismus), möchte ich darauf hinweisen, dass es neben Amillenialismus und Dispensationalismus noch weitere Sichtweisen des Taus. Reiches gibt: den <em>Postmillenialismus</em> und den <em>historischen Prämillenialismus</em>. Der Postmillenialismus erwartet <em>vor</em> der Wiederkunft Jesu, also durch Menschen herbeigeführt, ein irdisches Tausendjähriges Reich. Ohne weiter darauf einzugehen, möchte ich mich von dieser Sicht ausdrücklich distanzieren.</p>
<p>Der historische Prämillenialismus erwartet ein irdisches Tausendjähriges Reich wie der Dispensationalismus, allerdings ohne Sonderstellung Israels und folglich ohne Wiedereinführung des jüdischen Kultus. Daher ist das Tausendjährige Reich des historischen – d.h. des schon in der frühen Kirchengeschichte vorhandenen – Prämillenialismus ein gänzlich anderes als das des Dispensationalismus. Der historische Prämillenialismus vertritt dieselbe Sicht vom Volk Gottes wie der Amillenialismus, während der Dispensationalismus zwei Völker Gottes lehrt und darauf aufbauend Sonderlehren, die auch das Heil und den Zweck des erstens Kommens Jesu betreffen. Meine Vorbehalte gegen den Dispensationalismus beziehen sich weniger auf den „endzeitlichen Ablaufplan“, sondern vielmehr auf sein Heils- und Kirchenverständnis (Soteriologie und Ecclesiologie). Die Erwartung eines irdischen Tausendjährigen Reiches wie im historischen Prämillenialismus möchte ich nicht so entschieden kritisieren.</p>
<p>Für den bedauerlichsten Abschnitt des ganzen Buches halte ich die Tabelle auf den Seiten 58-59, wo Maier den Dispensationalismus dem gegenüberstellt, was er für „nichtdispensationalistische Theologie“ hält. Wie er hier nicht-dispensationalistische Positionen pauschal und undifferenziert darstellt, halte ich für entweder inkompetent oder unlauter. Ich möchte auf die einzelnen Unterstellungen kurz eingehen (seine Behauptungen in <em>Kursivschrift</em>):</p>
<p>Maier behauptet, nichtdispensationalistische Theologie (lehre):</p>
<ul>
<li><em>Die Verantwortung des Menschen war während der gesamten Menschheitsgeschichte dieselbe</em>. Kommentar: Hierfür hätte ich gern Zitate und Quellenangaben. Meines Wissens lehrt z.B. die reformatorische Theologie, dass die Verantwortung des Menschen selbstverständlich dem Maß der Offenbarung Gottes entsprach.</li>
<li><em>Gott verwaltet die Menschen unter einem Bund, den „Bund der Gnade“.</em> Kommentar: Die reformatorische Bundestheologie lehrt zwei grundsätzliche Bündnisse: den Bund der Werke und den Bund der Gnade.</li>
<li><em>Sieht den Zweck der Weltgeschichte in der Erlösung des Menschen. (Beim Dispensationalismus hingegen liege dieser Zweck in der Ehre und Verherrlichung Gottes)</em>. Kommentar: Diese Behauptung stellt die Tatsachen auf den Kopf. In der reformatorischen Theologie, insbesondere dem Calvinismus, war die Ehre Gottes stets das höchste Ziel, während im Dispensationalismus Israel die höchste Stellung hat.</li>
<li><em>Sieht für Israel keine bleibende Hoffnung (während im Dispensationalismus [das ethnische] Israel das von Gott erwählte Volk ist und bleibt</em>. Kommentar: Auch Nichtdispensationalisten sehen eine bleibende Hoffnung für Israel, nämlich Christus und sein Heil einschließlich der ewigen neuen Himmel und neue Erde. Das Evangelium gilt den „Juden zuerst“. Wer hingegen Jesus ablehnt, gehört nicht zu Gottes Volk. So hatte Gott zum ethnischen Israel bereits zuvor gesagt, dass sie „Nicht-mein-Volk“ sind. Eine Wiederannahme als Volk ist nur durch den Glauben an Christus möglich, und zwar vor seiner Wiederkunft. Das Evangelium ist die „Hoffnung Israels“ (Apg 26,6-7; 28,20). Hingegen ist das zeitlich begrenzte Tausendjährige Reich keine ewige bleibende Hoffnung.</li>
<li><em>Gründet sich auf allegorische Auslegung der Prophetien. </em>Kommentar: Diese Unterstellung trifft nicht zu. Grundlage der reformatorischen Theologie ist das Neue Testament, in dessen Licht das Alte Testament ausgelegt wird.</li>
<li><em>… allegorisiert (alttestamentliche Aussagen, während der Dispensationalismus auf der wörtlichen Auslegung besteht). </em>Kommentar: Unzulässige Pauschalisierung. Auch reformatorische Theologie geht vom Literalsinn aus, beachtet aber auch die typologischen Deutungen alttestamentlicher Begriffe im Neuen Testament. Bereits die erste Prophezeiung der Bibel (1Mo 3,15) macht deutlich, dass Prophetie nicht immer buchstäblich gemeint ist. Hingegen weicht der Dispensationalismus vom Prinzip der Buchstäblichkeit ab, ohne eine neutestamentliche Begründung dafür zu haben, z.B. bei der „70. Jahrwoche Daniels“.</li>
<li><em>Versteht die Gemeinde als das „geistliche Israel“, als die Fortsetzung des einen Volkes Gottes, während der Dispensationalismus die Gemeinde als von Israel gesonderte Einheit versteht. </em>Kommentar: Dass der Dispensationalismus hier falsch liegt, habe ich oben bereits gezeigt. Die Schrift lehrt nicht zwei Völker Gottes, sondern eins. In der Gemeinde sind gläubige Heiden zu „Mitbürgern“ und „Miterben“ Israels geworden (Eph 2-3).</li>
<li><em>Lehrt, dass die Gemeinde auf der Erde bleibt, bis Jesus Christus wiederkommen wird. </em>Kommentar: Unzutreffend, denn auch reformatorische Christen glauben an die Entrückung, nur der Zeitpunkt steht zur Debatte.</li>
<li><em>Sieht die Wiederkunft Jesu Christi nicht, um sein messianisches Friedensreich aufzurichten. </em>Kommentar: Unzutreffend, die reformatorische Theologie lehrt, dass mit der Wiederkunft Jesu Christi sein ewiges Friedensreich beginnen wird.</li>
</ul>
<p><em> </em>Dass der Autor gegnerische Positionen nicht nur pauschal und ohne Zitate und Quellen darstellt, sondern auch völlig falsch, nimmt mir jedes Zutrauen in seine Fähigkeit oder Glaubwürdigkeit und damit auch jedes Interesse an einer weiteren Auseinandersetzung mit seinen Ausführungen. Es ist an dieser Stelle genug gesagt und ich möchte die Rezension damit auf die erste Hälfte des Buches beschränken.</p>
<p>Es ist zu wünschen, dass es auch unter den Lesern dieses Buches viele solcher Gläubige gibt, die sorgfältig „alles prüfen“ (1Thes 5,21) und „täglich in der Schrift forschen, ob es sich so verhält“ (Apg 17,11). Wer oberflächlich ist, mag sich durch die dispensationalistische Systematik täuschen lassen, aber einer Prüfung an der Schrift hält Maiers Buch an allen Ecken und Enden ganz offenbar nicht stand.</p>
<p><em>Hans-Werner Deppe</em></p>
<p><a href="https://www.betanien.de/sola-scriptura/artikel/rezension-maier.htm#_ftnref1" name="_ftn1">[1]</a> Der Ausdruck „eminent“ steht nur im Klappentext und im Vorwort.</p>
<p><a href="https://www.betanien.de/sola-scriptura/artikel/rezension-maier.htm#_ftnref2" name="_ftn2">[2]</a> Siehe dazu z.B. Benedikt Peters: „Der Geist der Erweckung. Die große Erweckung [unter Whitefield und Edwards] und die charismatische Bewegung“. Betanien Verlag, 2001.</p>
<p><a href="https://www.betanien.de/sola-scriptura/artikel/rezension-maier.htm#_ftnref3" name="_ftn3">[3]</a> Einige andere Dispensationalisten datieren die Zäsur auf andere Ereignisse im Verlauf der Apostelgeschichte.</p>
<p><a href="https://www.betanien.de/sola-scriptura/artikel/rezension-maier.htm#_ftnref4" name="_ftn4">[4]</a> Siehe dazu ausführlich John H. Gerstners Beitrag in: „Das Wort der Wahrheit recht zerteilen“, RVB Hamburg.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.betanien.de/rezension-die-biblische-lehre-von-den-heilszeiten-von-ernst-g-maier/">Rezension: &#8222;Die biblische Lehre von den Heilszeiten“ von Ernst G. Maier</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.betanien.de">Betanien Verlag</a>.</p>
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		<title>Brian McLaren: Die geheime Botschaft von Jesus &#8211; eine Rezension</title>
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		<pubDate>Wed, 04 Apr 2007 22:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Rezension Gerth Medien, Hc., 285 S., 15,95 Euro Brian McLaren ist ein Vorreiter der Emerging Church, die sich als Reformbewegung des Christentums versteht. Hat er den Buchtitel nur etwas reißerisch formuliert? Nein, der Autor denkt wirklich, dass der Herr Jesus seine Botschaft &#8222;ganz bewusst versteckt&#8220; hätte &#8230; </p>
<p><a href="https://www.betanien.de/brian-mclaren-die-geheime-botschaft-von-jesus-eine-rezension/" class="more-link"><span class="morelink-icon">Weiterlesen</span></a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.betanien.de/brian-mclaren-die-geheime-botschaft-von-jesus-eine-rezension/">Brian McLaren: Die geheime Botschaft von Jesus &#8211; eine Rezension</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.betanien.de">Betanien Verlag</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h2>Rezension</h2>
<p>Gerth Medien, Hc., 285 S., 15,95 Euro</p>
<p>Brian McLaren ist ein Vorreiter der Emerging Church, die sich als Reformbewegung des Christentums versteht. Hat er den Buchtitel nur etwas reißerisch formuliert? Nein, der Autor denkt wirklich, dass der Herr Jesus seine Botschaft &#8222;ganz bewusst versteckt&#8220; hätte (S. 17). McLarens Botschaft ist wahrlich &#8222;nicht im Text der Evangelien begründet&#8220; (S. 248), wie er selber schreibt. Dementsprechend willkürlich und haarsträubend ist sein Umgang mit der Bibel. Doch er meint, die Christenheit hätte Jesu wahre Botschaft bisher nie wirklich &#8222;kapiert&#8220; (Anhang 1).</p>
<p>Das Buch liefert eine Neuinterpretation vom Reich Gottes (das die deutsche Übersetzung stets mit &#8222;Gottes neue Welt&#8220; umschreibt). Diese &#8222;neue Welt&#8220; käme durch &#8222;eine politische, soziale, religiöse, künstlerische, wirtschaftliche, intellektuelle und spirituelle Revolution&#8220;, die Jesus &#8222;in Gang setzen&#8220; wollte (S. 17). McLaren vertritt eine völlig diesseitige, ans New Age anklingende Sicht vom Reich Gottes: Seine Zukunftshoffnung ist, &#8222;dass diese Welt ein Ort wird, an dem Gott wohnt. an dem Gottes Träume wahr werden&#8220; (S. 240). Unter der Hölle versteht er lediglich &#8222;eine Welt mit immer mehr Krankheit, Zerstörung der Umwelt [usw.]&#8220; (S. 216).</p>
<p>Die schlimmste unter McLarens vielen Abweichungen vom bibeltreuen Glauben betrifft das Herz des Evangeliums. Hier klingt er oft interreligiös inklusivistisch (S. 20, 255-256, Kap. 18 etc.), Konfrontation mit Sünde und Buße fehlen gänzlich. Die Kreuzigung Jesu erwähnt er lediglich als &#8222;radikale Ablehnung jeder Gewaltanwendung&#8220; (S. 183). An anderer Stelle hat er sich noch eindeutiger über die biblische Lehre der Sühne durch Gottes Sohn geäußert: &#8222;Das hört sich an wie nur eine weitere Ungerechtigkeit in der kosmischen Gleichung. Das hört sich an wie göttlicher Kindesmissbrauch.&#8220; (&#8222;The Story We Find Ourselves In&#8220;, S. 102). Eine radikalere Verwerfung des biblischen Evangeliums ist kaum vorstellbar.</p>
<p>Ein groteskes Gottesbild vermitteln auch McLarens Aussagen über die Zukunft, die Gott demnach selber nicht kenne. Denn die Propheten wollten &#8222;die Zukunft nicht vorhersagen; sie wollten sie ändern&#8220; (S. 207). Das ist die neue Lehre des &#8222;Open Theism&#8220;, die Gott weder als allmächtig noch als allwissend darstellt. Geradezu hinduistisch beschreibt McLaren Gott auf S. 177: &#8222;Vater, Sohn und Geist befinden sich in einem ewigen, fröhlichen, pulsierenden Tanz aus Liebe und Ehre, Rhythmus und Harmonie, Anmut und Schönheit, Geben und Empfangen.&#8220; Das bringt auf den Punkt, wo es in der Emerging Church Bewegung langgeht: postmodernes New Age pur (aus deren Quellen er sich offen bedient, S. 247), einschließlich Yin-Yang, Mystizismus, Subjektivismus, Relativismus usw. Dass sich in dem Buch auch Richtiges und sogar Hilfreiches findet, macht es nur noch trügerischer.</p>
<p>Unter Bibeltreuen sollte ein solches Buch tabu sein, doch wurde es nicht nur von dem evangelikalen Verlag Gerth Medien (gehört mittlerweile Bertelsmann) herausgegeben, sondern wird mit dessen Prospekten sogar von konservativen Buchvertrieben in der Brüderbewegung verbreitet. Über solche Wege wird es auch in bibeltreue Kreise eingeschleust.<br />
Hans-Werner Deppe</p>
<p>&nbsp;</p>
<h3>Anhang – einige ausführlichere Zitate:</h3>
<p>„Was wäre, wenn Jesus seine eigentliche Botschaft sogar absichtlich verborgen hätte, wenn er nicht versucht hätte, sie möglichst offensichtlich und leicht verständlich zu machen, sondern sie ganz bewusst versteckt hätte, wie einen Schatz, den man suchen muss, wenn man ihn finden will?“ (S. 17)</p>
<p>„Was wäre, wenn die geheime Botschaft von Jesus einen verborgenen Plan enthält? Was wäre, wenn er gar keine neue Religion gründen wollte – sondern wenn er gekommen ist, um eine politische, soziale, religiöse, künstlerische, wirtschaftliche, intellektuelle und spirituelle Revolution in Gang zu setzen, die eine neue Welt hervorbringen soll? (Kasten S. 17)</p>
<p>„Aber wenn die christliche Religion die Botschaft Jesu entdeckt, versteht, glaubt und lebt […] dann haben alle etwas davon: Christen, Juden, Moslems, Hindus, Buddhisten, Agnostiker, Atheisten – alle.<br />
In einer Zeit des weltweiten Terrorismus und zunehmender religiöser Konflikte ist es sehr wichtig zu wissen, dass alle Muslime Jesus als großen Propheten verehren, dass viele Hindus bereit sind, Jesus als eine legitime Erscheinungsform des Göttlichen anzuerkennen, dass viele Buddhisten Jesus als eine der am meisten erleuchteten Persönlichkeiten der Menschheit betrachten und dass Jesus selber Jude war […]“ (S. 20-21)</p>
<p>„Wenn die Saison wieder einmal besonders schrecklich war […] dann tritt oft ein neuer Meister-Musiker auf den Plan, der die Tradition wieder mit Leben und Leidenschaft erfüllt – ein heiliger Patrick, ein Franz von Assisi, eine Teresa von Avila, eine Hildegard von Bingen, ein John Wesley, ein C.S. Lewis, ein Desmond Tutu, eine Mutter Teresa. Viele haben das Gefühl, dass die christliche Tradition heute neue Künstler braucht, die die Musik der neuen Welt tief in ihrer Seele tragen [&#8230;]“ (S. 101)</p>
<p>„Darüber würde ich jetzt gern ausführlicher reden: Vögel und Blumen als unsere Schwestern und Brüder! Das war Franz von Assisi viel klarer als uns. Wir könnten uns in diesem Zusammenhang intensiver mit der Spiritualität der Ökologie beschäftigen und Gottes neue Welt als das ultimative Ökosystem entdecken […]“ (S. 162)</p>
<p>„5. Gottes Beziehungsnetz. Eine weitere vielversprechende neue Metapher verwendet das Bild eines Netzes oder Systems von Beziehungen.<br />
Gott lädt die Menschen in ein lebenspendendes Netz von Beziehungen ein […]<br />
Wir leben heute in einem Ökosystem, das aus dem Gleichgewicht geraten ist und sich selbst zerstört […] Martin Luther King jr. sprach am liebsten von der <i>geliebten Gemeinschaft </i>oder dem <i>unentrinnbaren Beziehungsnetz der Gegenseitigkeit</i>.“ (S. 176-177)</p>
<p>„6. Gottes Tanz. Zu den kraftvollsten Bildern für die Trinität, die in der frühen Kirche verwendet wurden, gehört das Bild eines Tanzes, in dem jeder Tänzer zugleich auch mit den anderen tanzt. Vater, Sohn und Geist befinden sich in einem ewigen, fröhlichen, pulsierenden Tanz aus Liebe und Ehre, Rhythmus und Harmonie, Anmut und Schönheit, Geben und Empfangen. Das Universum wurde erschaffen, damit es den Tanz Gottes ausdrückt und selbst ein Teil davon wird.“ (Kasten S. 177)</p>
<p>„Wir könnten zum Beispiel über Gottes Stamm sprechen […] Dieser für alle offene Stamm ist keine Gruppe nur für Gleichgesinnte, die alle anderen Stämme automatisch ausschließt. Nein, diese Gruppe ruft allen anderen zu: ‚Kommt, macht mit!’ Sie möchte allen anderen Stämmen helfen, ihre ganz besondere Identität und ihr Erbe zu bewahren und sich zugleich in den Stamm aller Stämme einladen zu lassen, in dem alle in gegenseitigem Respekt, Harmonie und Liebe miteinander leben – weil Gott der oberste Stammeshäuptling ist, der alle Stämme geschaffen hat und liebt.“ (S. 178)</p>
<p>„Wenn man die Kreuzigung Jesu in diesem Licht betrachtet, kann man sie als radikale Ablehnung jeder Gewaltanwendung verstehen.“ (S. 183)</p>
<p>„Ich glaube, es ist heute an der Zeit, dass Menschen, die auf Jesus und seine Botschaft vertrauen, die Führung übernehmen und anderen zeigen, was alles geschehen könnte, wenn wir über 10 oder 20 oder 100 Jahre hinweg immer größere prozentuale Anteile unserer Finanzhaushalte […] für die Bekämpfung der Ursachen von Konflikten [investieren] […] deshalb könnte es dann durch Gottes Gnade immer weniger Kriege und Gewalt geben. Und eines Tages wird es durch Gottes Gnade vielleicht dem Krieg genauso ergehen wie es bereits der Sklaverei und dem Kolonialismus ergangen ist – und dann können wir sagen, dass die neue Welt Gottes wieder ein Stückchen weiter in diese Welt gekommen ist.“ (S. 193)</p>
<p>„Trotz dieser Warnungen vor Spekulationen glauben manche, dass die Bibel einen eindeutigen Fahrplan für die Zukunft enthalte […]<br />
Sie meinen, dass die Geschichte der Welt sozusagen wie ein Film sei, den Gott in Gedanken schon geschrieben und bei dem er schon Regie geführt habe, sodass bereits alles festgelegt sei […]<br />
[Doch] die Propheten […] wollten die Zukunft damit nicht vorhersagen, sie wollten sie ändern.“ (S. 206-207)</p>
<p>„Je nachdem, wie wir auf seine geheime Botschaft von der neuen Welt Gottes antworten, können wir zwei völlig verschiedene Welten schaffen – eine höllische und eine himmlische […] genau das will die ‚höllische’ Sprache mit Ausdrücken wie ‚Heulen und Zähneklapper’ ausdrücken. Es ist ein Welt mit immer mehr Gewalt und Krankheit, Zerstörung der Umwelt und wirtschaftlichen Katastrophen, Spaltungen auf gesellschaftlichen Ebenen […] Das ist die alte Welt, vor der die Propheten uns gewarnt haben […] die neue Welt ist nicht ohne Tränen; aber in der neuen Welt werden wir von Gott getröstet, die Tränen werden getrocknet. Die neue Welt ist nicht frei von Konflikten, aber hier führen die Konflikte zur Versöhnung, nicht zur Rache. Auch in der neuen Welt gibt es noch Mangel […]“ (S. 216)</p>
<p>„An dieser Stelle können wir also einen kleinen Blick auf Gottes endgültigen Traum erhaschen: nicht die Zerstörung dieser Schöpfung, die dann durch etwas anderes ersetzt wird, sondern die Zerstörung der Herrschaftmächte, die die Schöpfung verderben.“ (S. 226)</p>
<p>„[…] so wird Gott endlich seinen ursprünglichen Traum für die Schöpfung verwirklicht sehen – und dieser Traum wird der Schöpfung nicht gegen ihren eigenen Willen äußerlich aufgezwungen; er wird aus der Schöpfung selbst aufsteigen […]<br />
dass […] der eine Traum Gottes wahr werden wird: dass diese Welt ein Ort wird, an dem Gott wohnt, ein Ort, auf den Gott stolz ist und dem er seine Freude hat; ein Ort, an dem Gottes Träume wahr werden.“ (S. 240)</p>
<p>„Ganz besonders haben mich die Bücher von Dallas Willard, Norman T. Wright, Walter Wink, John Howard Yoder und Walter Brueggemann zum Nachdenken angeregt. Aber es gibt noch viele andere – Sharon Welch, Howard Snyder, Brian Hathaway, Jim Wallis, John Perkins, Tony Campolo, Tim King, Todd Hunter …“ (S. 247)</p>
<p>„Traditionelle Deutungen gehen davon aus, dass Jesus in erster Linie dazu gekommen sei, das zeitlose Problem der Erbsünde zu lösen, damit wir, wenn wir sterben, von hier wegkommen und in einen zeitlosen Himmel aufsteigen können. Damit kann man zwar manche Aussagen und Taten Jesu erklären, aber nicht so nachhaltig und überzeugend wie mit meiner eigenen Lesart.“ (S. 248)</p>
<p>„Könnte nicht Jesus, der im Islam schon immer als einer der größten Propheten galt, dort irgendwie wiederentdeckt werden? Dann könnte er den Islam von seiner gefährlichen, dunklen Seite befreien.“ (S. 255)</p>
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		<title>Rezension von &#8222;Israel und die Gemeinde&#8220; und &#8222;Biblische Glaubenslehre&#8220;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans-Werner Deppe]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 08 Mar 2007 12:09:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Blog]]></category>
		<category><![CDATA[Eschatologie]]></category>
		<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das zu der Freien Theologischen Akademie gehörende „Institut für Israelogie“ hat das Israelbuch von Jacob Thiessen mit dem „Franz-Delitzsch-Preis“ ausgezeichnet. Dieses Institut hat eine stark christlich-zionistische Ausrichtung und wird von der umstrittenen „Dr.-Fritz-May-Stiftung“ finanziell getragen. Im Vorwort versucht Helge Stadelmann alle Andersdenkenden diskreditierend indirekt mit dem Antisemitismus in Verbindung zu bringen. Solche diffamierenden, unsachlichen, und unbiblischen Aussagen sind bei Stadelmann nichts Neues. </p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-488" src="https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2017/03/Thiessen.jpg?resize=960%2C640&#038;ssl=1" alt="" width="960" height="640" srcset="https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2017/03/Thiessen.jpg?w=1500&amp;ssl=1 1500w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2017/03/Thiessen.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2017/03/Thiessen.jpg?resize=1024%2C683&amp;ssl=1 1024w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2017/03/Thiessen.jpg?resize=768%2C512&amp;ssl=1 768w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2017/03/Thiessen.jpg?resize=190%2C127&amp;ssl=1 190w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2017/03/Thiessen.jpg?resize=24%2C16&amp;ssl=1 24w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2017/03/Thiessen.jpg?resize=36%2C24&amp;ssl=1 36w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2017/03/Thiessen.jpg?resize=48%2C32&amp;ssl=1 48w" sizes="auto, (max-width: 960px) 100vw, 960px" /></p>
<h4>Rezension der Bücher von Jacob Thiessen: <a href="https://www.cbuch.de/thiessen-israel-und-die-gemeinde.html">„Israel und die Gemeinde“</a> und <a href="https://www.cbuch.de/thiessen-biblische-glaubenslehre.html">„Biblische Glaubenslehre“</a> <em>von Ronald Senk</em></h4>
<h2>Einleitung</h2>
<p>Zusätzlich zur Rezension des Israelbuches von Jacob Thiessen enthält diese Abhandlung im Anhang eine Stellungnahme zu Thiessens Dogmatikbuch „Biblische Glaubenslehre“. In seinem Dogmatikbuch wird nämlich deutlich, was für eine Hermeneutik von Thiessen vertreten wird. Das liefert den Hintergrund, um seine Aussagen im Israelbuch über die Themen Hermeneutik und Israel recht zu verstehen und einzuordnen. Dies alles gibt einen Überblick darüber, wie Thiessen mit der Bibel umgeht, welche theologischen Positionen er vertritt und wie (und durch wen) er zu diesen Positionen gekommen ist. Von diesem Hintergrund wird es leichter sein, sein neues Buch „Israel und die Gemeinde“ richtig zu verstehen und einzuordnen. Von daher ist es sinnvoll, ggf. den Anhang zuerst zu lesen.</p>
<p>Das zu der Freien Theologischen Akademie gehörende „Institut für Israelogie“ hat das Israelbuch von Jacob Thiessen mit dem „Franz-Delitzsch-Preis“ ausgezeichnet. Dieses Institut hat eine stark christlich-zionistische Ausrichtung und wird von der umstrittenen „Dr.-Fritz-May-Stiftung“ finanziell getragen. Im Vorwort versucht Helge Stadelmann alle Andersdenkenden diskreditierend indirekt mit dem Antisemitismus in Verbindung zu bringen. Solche diffamierenden, unsachlichen, und unbiblischen Aussagen sind bei Stadelmann nichts Neues (vgl. Senk 2006:12-13).</p>
<p>Ich möchte betonen, dass ich in meinem Buch <em><a href="https://www.cbuch.de/senk-das-israel-gottes.html">Das Israel Gottes – die Frage nach dem Volk Gottes im Neuen Bund</a> (2006, RVB) </em>auf sämtliche hier und in Thiessens Buch behandelten Aussagen bzw. Argumente ausführlich eingegangen bin. Daher werde ich hier nicht an jeder Stelle nochmals komplett neu argumentieren, sondern verweise auf die entsprechenden Seiten in meinem Buch. Diese Rezension ist daher am besten als Ergänzung zu meinem Israelbuch zu lesen. Da ich auf einige dogmatische Ansichten Thiessens eingehe, verweise ich auch auf folgende Literatur:</p>
<p><em>SENK, Ronald. 2005. „Der Zusammenhang von Wort und Geist in der Heiligen Schrift“ als pdf-Datei auf betanien.de.</em></p>
<p><em>___________ 2007. „Das Schwert des Geistes – Der Zusammenhang von Heiligem Geist und Gottes Wort in der Heiligen Schrift“. (Unveröffentlichtes Manuskript, Veröffentlichung erfolgt voraussichtlich 2007 im Betanien Verlag)</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<h2>Thiessens Umgang mit der Bibel (in Bezug auf das Thema Israel)</h2>
<p>Eigentlich würde schon die Einleitung in Thiessens Israelbuch ausreichen (S.9-11), um die Rezension inhaltlich zu füllen. So geht er einfach von einer <strong>Hermeneutik „der stufenweisen-mehrfach Erfüllung alttestamentlicher Prophetien“</strong> aus, ohne diese wirklich exegetisch zu begründen oder zu diskutieren. Es ist nicht redlich, einfach von einer speziellen Hermeneutik auszugehen, ohne des biblisch-exegetisch zu rechtfertigen. Dem Leser wird so großenteils verborgen bleiben, wie und warum Thiessen zu manchen theologischen Ergebnissen kommt. Gerade das umstrittene hermeneutische Prinzip der „mehrfachen, teilweisen bzw. stufenweisen Erfüllung“ alttestamentlicher Prophetien muss im Rahmen dieses Themas dargestellt, begründet und diskutiert werden – und zwar bevor man sich exegetisch an die relevanten Texte begibt. Thiessen aber schreibt einfach, dass er „die allgemeinen hermeneutischen und exegetischen Prinzipien dabei als selbstverständlich voraussetzt“ (S. 11). Damit hat es sich für ihn scheinbar erledigt. Dass er hier seine eigene und nicht unumstrittene Hermeneutik und Exegese als „allgemein“ bezeichnet, scheint ihn auch nicht zu stören. Bemerkenswert dabei ist eben diese Selbstverständlichkeit, dass sich seiner Ansicht nach eine Verheißung des AT dreifach erfüllen wird (1. teilweise schon im AT; 2. typologisch in der Gemeinde; 3. „eigentlich, wörtlich, buchstäblich bei der Wiederherstellung Israels“) (S. 10).</p>
<p><strong>Thiessen</strong><strong> geht auch mit seiner eigenen Hermeneutik willkürlich und inkonsequent um.</strong> So macht er auf S. 142 deutlich, dass z.B. nicht für alle Einzelheiten der Weissagungen in Hes. 40-48 in der Zukunft eine „wörtliche/eigentliche“ (vgl. S. 10) Erfüllung erwarten kann – weder in einem irdischen Millennium, noch in der neuen himmlischen Welt. Damit meint er vor allem die in Hesekiel genannten Sündopfer, welche ja sonst zu dem ein für allemal geschehenen Opfer in Christus im Widerspruch stehen würden. Dies ist nicht nur inkonsequent gegenüber seiner bisher dargestellten „buchstäblichen“ Hermeneutik, sondern auch willkürlich. Denn Thiessen bestimmt einfach, welche Schriftaussagen sich (wie) erfüllen werden und welche „nicht“. Er kann also innerhalb eines Satzes einer AT-Prophetie bestimmen, welche nun „eigentlich-wörtlich“ und welche „bildhaft“ zu interpretieren ist.</p>
<p><strong>Thiessen</strong><strong> zeigt auch sachliche Unkenntnis</strong>, wenn er die sog. „prophetische Perspektive“ oder die „Typologie“ (z.B. Hebr. 1,5) mit einer Theorie der „Mehrfacherfüllung“ gleichsetzt (S. 49f.133). Denn dies ist nicht zutreffend, wie ich u.a. mit Verweis auf Van Bruggen aufzeige (vgl. Senk 2006:27-28.92f). Mit seiner kurzen Abhandlung und Aneinanderreihung von angeblichen Beispielen auf Seite 132-134 ist es nicht getan. Denn bei allen seinen Beispielen muss er eben vorher von seiner Hermeneutik ausgehen. Es versucht so das System zirkelschlussartig mit dem System zu begründen.</p>
<p>Der Vorwurf Thiessens – man würde die Verheißungen des AT „vergeistlichen“ und ihnen einen „anderen Sinn“ geben – ist ausdrücklich zurückzuweisen (zumal er dies, wie eben oben gezeigt, selber macht – z.B. sein Verständnis der Opfer im Millennium). Thiessen muss sich fragen, wie er seine Interpretation des AT im Blick auf die Interpretation Jesu und der Apostel aufrechterhalten kann. Denn Jesus und die Apostel sind die maßgebliche Auslegungsautoritäten des AT. Wenn sie sagen, „dies meint dies“ oder „hier erfüllt sich das“, dann haben wir dies so zu glauben und nachzusprechen. Die Auslegung des AT durch das NT ist Maßstab und gibt an, wie Gott die Aussagen wirklich gemeint hat. Wer dies ignoriert oder umdeutet, gibt den Texten eine „andere Bedeutung“. Dies gilt auch dann, wenn man die Erfüllungsaussagen im NT nicht als die „eigentliche“ Erfüllung ansieht, sondern diese als „Teil/Bild/Vorerfüllung“ degradiert (S.133). Daher ist der Vorwurf von Thiessen – man würde Gott mit dieser Hermeneutik unterstellen, nicht zu seinen Aussagen zu stehen etc. (s.o.) – an ihn zurück zu geben.</p>
<p>In Mt.19,28 – aber auch in den anderen von Thiessen genannten Schriftstellen – ist in keiner Weise von einer nationalen <strong>Wiederherstellung Israels</strong> (S.12-79; vgl. Senk 2006:39-74) in einem irdischen Millennium die Rede. Dies muss man in die Texte hineinlegen, um es aus ihnen heraus zu bekommen. Das ist das erste Beispiel für seine „Wortdogmatik“, weitere folgen später. So meint Thiessen, dass der Begriff „Wiedergeburt“ in Mt.19,28 seine Sicht bestätige und dass Jesus hier von einem irdischen Zwischenreich rede, wie es der Dispensationalismus postuliert. Dazu führt Thiessen nicht nur Tit.3,5 an, wo es um die geistliche Wiedergeburt eines Menschen in Christus geht, sondern verweist auch auf Cicero, die Stoiker, Philo und vor allem Josephus (S. 30). Er legt etwas in das Wort <em>palingenesia</em> rein, was weder direkt noch indirekt und schon gar nicht im Kontext und in der Aussageabsicht des Textes ersichtlich wird. In Mt.19,28 geht es (wie in Apg.3,21) um die „Wiedergeburt“ <em>(palingenesia)</em> der neuen himmlischen Welt (Senk 2006:44f).</p>
<p>In seiner Auslegung von Apg.15,15ff übersieht Thiessen u.a., dass die Voraussetzung für die „Bekehrung der Heiden“ die „Wiederherstellung der Hütte Davids“ ist. Diese muss, laut Jakobus, also schon stattgefunden haben (vgl. Senk 2006:31-33).</p>
<p>Dem Leser bleibt ebenso verborgen, wie Thiessen darauf kommt (S.30), dass Lk.22,30 nicht von der Ewigkeit (vgl. Offb.21,12.14), sondern von einer nationalen Wiederherstellung Israels in einem irdischen Millennium redet, wie es verborgen bleibt, warum Lk.22,30 für Thiessen evtl. auch, wie er schreibt, einen „gewissen Hinweis“ auf die Ewigkeit enthalten kann.</p>
<p>In Mk.10,30 wird „das kommende Zeitalter“ eindeutig mit dem „ewigen Leben“ identifiziert und nicht mit einem irdischen Millennium bzw. Zwischenreich. Da nützt auch keine Berufung auf ein angebliches Verständnis des Judentums zum Begriff „diese bzw. zukünftige Zeit“, da (a) dies kein biblisches Argument ist, (b) die Aussagen des Judentums und Rabbinentums zeitlich schwer einzuordnen sind und (c) die Aussagen des Judentums bzw. Rabbinentums unterschiedlich interpretiert werden können. Daher dürfen die Aussagen des Judentums bzw. Rabbinentums nicht einfach in die biblischen Aussagen hineingelegt werden. Der Sinn des Textes muss (und kann) allein aus den biblischen Texten selber ersichtlich werden.</p>
<p>Ich wiederhole: An keiner dieser Stellen ist von einem irdischen Zwischenreich die Rede, wie es der Dispensationalismus postuliert – weder direkt noch indirekt und schon gar nicht im Kontext und in der Aussageabsicht der Texte. Die einfachste Regel der Hermeneutik und exegetischen Methodik („Was steht da und was nicht“) wird hier offenbar ignoriert.</p>
<p>In Lk.19,11-28 ist wohl eher an die himmlische Herrschaft zu denken und nicht an ein irdisches Zwischenreich. Mit keiner Zeile des Textes kann man belegen, dass es hier um ein irdisch-politisches Millennium für Israel geht. Dies müsste man dem Text sonst von außen aufdrücken.</p>
<p>Und in Lk.21,24 ist weder von einer Wiederherstellung des nationalen Israels noch von einem irdischen Millennium die Rede.</p>
<p>Vor allem ist es exegetisch und theologisch unhaltbar zu meinen, dass Lk.21,27f von der irdisch-politischen Erlösung Jerusalems bei der Wiederkunft Jesu redet. Hier ist eindeutig von der Erlösung der Jesusjünger die Rede. Mit dieser Erlösung ist im gesamten NT die himmlische Herrlichkeit meint. Es sind die Jünger Jesu, die ihr Haupt erheben sollen &#8211; und keine „unterdrückten Bewohner Jerusalems“! Die Ereignisse um die Zerstörung Jerusalems im Jahre 70 n.Chr. herum sollen nur als Vorzeichen der Wiederkunft Jesu und ewigen Erlösung dienen und meinen nicht die Erlösung selber! An zahlreichen Stellen des NT wird deutlich, dass mit und bei der Wiederkunft Jesu die Entrückung der Gemeinde in das himmlische Reich stattfindet bzw. beginnt (ohne irdisches Zwischenreich: vgl. Mt.13,41-43; 16,27; 25,31-46; Lk.20,32-36; Joh.5,28f; 14,2-3; 1.Kor.15,23-58; 1.Thess.4,13-18; 2.Thess.1,5-10; 2,1ff; 2.Petr.3,1-13; Hebr.9,27 u.a.).</p>
<p>Diese Auslegung Thiessens – Lk.21,27f auf eine eschatologisch-politische Erlösung Jerusalems zu beziehen – macht m.E. deutlich, dass eine solche zionistische „Israeltheologie“ nicht nur viele Bibeltexte umdeutet, sondern auch Jesus und seine Gemeinde in den Hintergrund drängt. Für Thiessen scheint die „Wiederkunft Jesu“ und die „Erlösung“ mehr ein politisch-geistliches Ereignis für das nationale Israel zu sein, als die Hoffnung und Erlösung der Gemeinde für bzw. in das himmlische Reich. Damit wird dem Heilswerk Jesu, seiner Wiederkunft und seiner neuen Heilsgemeinde die theologische Hauptbedeutung zugunsten einer unbiblischen irdisch-zionistischen Theologie entzogen.</p>
<p>Auch Thiessens Aussagen zu Apg.3,19-21 sind ein Beispiel für Thiessens „Wortdogmatik“. Diesmal meint er, den Begriffen <em>anapsyxis</em> bzw. <em>apokatastasis</em> in Apg.3,19-21 entnehmen zu können, dass Petrus hier angeblich von einer nationalen Wiederherstellung Israels in einem irdischen Millennium redet. Weder der Kontext noch die Aussageabsicht des Petrus lässt eine solche Interpretation zu. Würde Petrus ein irdisches Zwischenreich erwartet haben, hätte er dieses in seinem späteren Brief – wo er in aller Deutlichkeit über eschatologische Abläufe redet – sicher erwähnt (2.Petr.3,11ff). Thiessen hat keine exegetische Grundlage dafür, seine „Wortdogmatik“ in die Aussagen der Texte hineinzulegen. Petrus meint an dieser Stelle und mit diesen griechischen Begriffen die erneuerte, himmlische Welt Gottes (Jes.65,17ff; 66,22; 2.Petr.3,10-13) (Senk 2006:73).</p>
<p>Thiessen sagt abschließend:</p>
<p>Zusammenfassend können wir also feststellen, dass die Jünger Jesu bis zur Himmelfahrt Jesu und auch nachher der festen Überzeugung waren, dass die alttestamentlichen Verheißungen für Israel ihre („wörtliche“) Erfüllung nicht in der neutestamentlichen Gemeinde, sondern – wie sie im Alten Testament ausgesprochen wurden – in der Wiederherstellung Israels bei der Wiederkunft Jesu finden werden (S.40).</p>
<p>Diese zusammenfassende Schlussfolgerung Thiessens ist, im Lichte der tatsächlichen exegetischen Aussagen der Texte, als unhaltbar abzulehnen.</p>
<p>Thiessen behauptet, dass Röm.11 von einer national-politischen Wiederherstellung Jerusalems und Israels im Millennium spreche. Doch an keiner Stelle spricht Paulus ein solches Thema an. Auch dies muss wieder in den Text hineingelegt werden, um entsprechende Ergebnisse aus den Aussagen heraus zu bekommen. Paulus selber macht in Röm.11,1ff deutlich, dass der „Überrest“ Israels die <em>gegenwärtigen</em> Judenchristen meint und keine „allbekehrten“ Juden kurz vor der Parusie Jesu. Dieser erwählte Rest aus Israel zeigt, dass Gott weder sein Volk (des AT) noch seine Verheißungen an ihm vollends verworfen hat. D.h. es geht hier nicht um die Frage, ob Israel „endgültig“ verworfen wurde – wie Thiessen meint – sondern um die Frage, ob das nationale Israel „vollständig“ verworfen ist. Paulus verneint dies in Röm.11,1ff und macht an sich selbst und an Beispielen des AT deutlich, dass Gott sich einen gläubigen Überrest aus den Juden auserwählt hat und für die Verworfenen Juden nun die erwählten aus den Heiden in Israel „eingepfropft“ wurden. Auf diese Art und Weise kommt Gott zu einem „ganzen Israel“ (Röm.11,26). D.h. Paulus argumentiert numerisch, daher kann die Frage von Röm.11,1 auch nur eine numerische („völlig“) und keine temporale („endgültig“) sein. Die „zeitliche Frage“ ist schon anderorts oft beantwortet worden: Die Verworfenen (aus Juden und Heiden) sind <em>endgültig</em> verworfen („Gefäße des Zorns, <em>zum Verderben bestimmt</em>“ &#8211; vgl. auch Lk.13,34ff; 19,41ff; 10,13ff; 20,6.20ff; Joh.1,13; 8,37-59; Röm.9-11; 1.Petr.2,6-8; 1.Thess.2,14ff [griech: <em>eis telos</em>: endgültig!]).</p>
<p>Man muss sich auch fragen, wie Thiessen darauf kommt, dass die Wendung <em>to pleroma auton</em> („ihre Vollzahl“) in Röm.11,12 sich auf „Israels Wiederherstellung im Land Kanaan“ beziehen soll. Nichts im Text oder Kontext weist darauf hin. Neben der auch hier vorliegenden „Wortdogmatik“ wird wiederum etwas in einen Bibeltext bzw. in ein Wort gelegt, was dort selber aber nicht zu finden ist („Eisegese“). Daneben übersieht Thiessen die exegetische Tatsache, dass Röm.11,12 von einem gegenwärtigen Prozess spricht und nicht von einer „Allbekehrung“ bei der Parusie Jesu. Streng genommen kommt die Parusie in Röm.11 überhaupt nicht vor – vor allem nicht im Zusammenhang mit einer „Allbekehrung“ von Juden (auch nicht in 11,26). Dies sollte man bei der ganzen exegetischen Diskussion nicht vergessen. Zum anderen hat bisher kein dispensationalistischer Theologe exegetisch begründet, welche Juden sich angeblich nach Röm.11,26 bei der Parusie bekehren werden. Thiessen meint, dass damit die dann zu diesem Zeitpunkt lebenden Juden gemeint sind. Doch sollte man bei der ganzen exegetischen Diskussion nicht übersehen, dass der Text eine solche Definition nicht hergibt. Dies zeigt, dass die dispensationalistische Position nicht nur exegetisch-theologisch unhaltbar ist, sondern sogar für sich selber sich spekulativer Theorien und Vermutungen bedienen muss.</p>
<p>Auch die Theorie („Worttheologie“) Thiessens – dass Röm.11,15 die allgemeine Auferstehung der Gläubigen in enger Beziehung zu der Bekehrung von „ganz Israel“ stehe – hat keine exegetische oder paulinisch-theologische Grundlage. Mir scheint, dass man hier die theologische Wichtigkeit einer dispensationalistischen „Israeltheologie“ begründen und sie mit dem wichtigen soteriologischen Ereignis der „Totenauferstehung“ in Verbindung bringen will.</p>
<p>Es ist nicht richtig, wenn er auf Seite 66 den Konditionalsatz Röm.11,23 so hinstellt, als wenn Paulus hier eine ganz gewisse Sache anspricht. Damit führt er den unkundigen Leser in die Irre. Denn auch wenn hier ein prospektiver Fall vorliegt (ean + Konjunktiv), so wird damit nicht etwas Gewisses ausgedrückt („womit man rechnen <em>kann </em>&#8230;“). Er selber sagt ja, dass in V.23 eine Möglichkeit beschrieben wird und diese seiner Ansicht nach erst in V.26 zur Gewissheit wird. Aber warum sollte Paulus die „nationale Bekehrung Israels“ in V.23 vorher als Möglichkeit und drei Verse später als Gewissheit hinstellen? Hat er innerhalb dieser Verse seine Ansicht geändert?</p>
<p>Thiessen schließt sich auf Seite 72f der dispensationalistischen Meinung an, dass die (nationalen) zehn Stämme Israels „wieder gefunden wurden“. Jedoch wird von den meisten Historikern und Theologen betont, dass die zehn Stämme seit 722 v.Chr. praktisch nicht mehr existieren. Demnach scheint es bisher noch keine historisch-theologische Studie zu geben, welche (beiden theologischen Lagern) überzeugend das Gegenteil beweisen konnte.</p>
<p>Auch Thiessens Argumentation mit 2.Kor.3,15f beinhaltet keinen exegetischen Hinweis, aus dieser Aussage auf eine kollektive Errettung Israels am Ende der Zeit zu schließen. Die Grammatik des Textes macht eine solche Interpretation unmöglich (vgl. Senk 2006:67f).</p>
<p>Außerdem stellt sich die Frage, woher Thiessen das einschränkende Adjektiv „geistlich“ hernimmt, wenn er über die „<strong>Nachkommen Abrahams</strong>“ (S.26-46; vgl. Senk 2006:14-38) aus Gal.3,29 spricht. Dieses Adjektiv findet sich nicht im Text.</p>
<p>Vor allem der theologischen Schlussfolgerung, welche Thiessen daraus zieht, ist vehement zu widersprechen. Thiessen meint doch tatsächlich, dass die Heidenchristen keine vollgültigen Nachkommen Abrahams und damit Erben des Segens sind. (&#8230;) In Wirklichkeit hat dieser gläubige Kern im Volk Israel allein „Anspruch“ auf die Verheißungen, die Gott dem Abraham für seine leiblichen Nachkommen gegeben hat. (S.49.52)</p>
<p>Vollwertige Erben und Nachkommen Abrahams sind für Thiessen nur die gläubigen Juden. Dies steht diamental gegenüber den paulinischen Aussagen, welche ganz klar deutlich machen, dass die Heiden vollgültige Erben und Teilhaber aller Verheißungen Gottes sind (Gal.3,29; Eph.2,11ff; Röm.4,17f; 11,17b u.a.). Auch hier stellt Thiessen seine „Israeltheologie“ über die (soteriologischen) Aussagen der Heiligen Schrift und entkräftet deren klaren Aussagen. Nirgendwo im NT wird gesagt, dass die Heiden <em>keine vollgültigen Teilhaber des Christus</em> sind. Denn genau dies würde die Behauptung Thiessens bedeuten, da die Teilhabe am Erbe und an den Verheißungen an Christus selber gebunden ist. Nur durch den gottgeschenkten Glauben an Christus bekommen Menschen daran Anteil (Gal.3,28f; Eph.2,8.11ff u.a.). Doch Gott sieht die Person nicht an. Gerade Gal.3,28f macht diesen soteriologischen (unterschiedslosen) Sachverhalt deutlich. Wir – die Gemeinde aus Juden und Heiden – sind die vollgültigen Erben des Heils und aller Verheißungen. Es ist das Erbe des ewigen „himmlischen Landes bzw. Jerusalems“, welches wir erben werden und auch schon Abraham und die Gläubigen im AT im Blick hatten (Hebr.11,13-16; 12,22 – ohne „irdisches Zwischenreich“!). Wir als Heidenchristen sind in den selben Ölbaum eingepfropft und haben dadurch Teil an denselben Wurzeln. Und wo Gott mit den gläubigen Juden hingeht, da gehen auch die gläubigen Heiden mit. Und was Gott den gläubigen Juden vererbt, dass erben auch die gläubigen Heiden (vgl. z.B. 1.Kor.10,1ff, wo er zu den hier angesprochenen Heidenchristen [die verbotenerweise an Götzenfestmählern teilnahmen] von „unseren Vätern“ spricht!; vgl. Senk 2006:14ff).</p>
<p>Man sieht an Thiessens Ausführungen sehr deutlich, wie die dispensationalistische Dogmatik dazu führt, grundlegende soteriologische Aussagen zugunsten ihrer national-politischen „Israeltheologie“ zu verändern. Gerade weil es hier auch um soteriologische Fragen geht, muss hier – im Licht des Neuen Testaments – nachdrücklich widersprochen werden.</p>
<p>Bemerkenswert sind in diesem Zusammenhang auch Thiessens Ausführungen über den <strong>Neuen Bund</strong> (S.80-97; vgl. Senk 2006:14-15.30-31). So sagt er dort, dass laut dem NT die gläubigen Heidenchristen „Mitteilhaber“ des Neuen Bundes sind, obwohl dieser im AT allein „Israel und Juda“ verheißen war und letztendlich die „wortwörtliche und eigentliche“ Erfüllung noch aussteht. Diese „Mitteilhaberschaft der Heiden“ zu leugnen – so Thiessen – würde zu viele Schwierigkeiten mit den klaren Aussagen des NT mit sich bringen (Lk.22,19-20; Hebr.8,8-13; 2.Kor.3,6 u.a.). Für Thiessen ist der Neue Bund allein mit dem nationalen Volk Israel geschlossen (der sich am Ende an einem „ganzen nationalen Israel“ vollständig erfüllen wird). Die Heiden sind durch Christus lediglich „Mitteilhaber“ des Neuen Bundes. Die Gemeinde ist für ihn also nur ein heilsgeschichtlicher „Einschub“ – nichts „Vollwertiges“. Daher erfüllen sich die Verheißungen – welche Thiessen noch für die Gemeinde übrig lässt – nicht „eigentlich-wörtlich“, sondern nur „typologisch“ (S.10). Auch die unbiblische Aussage Thiessens, dass die Heidenchristen keine „vollgültigen Nachkommen Abrahams“ seien, macht diese seine Sichtweise deutlich. Daher bestimmt er auch willkürlich, dass sich einige Verheißungen des AT ausschließlich auf das nationale Israel beziehen und nur einige (von ihm ausgewählte) auch auf die Gemeinde, und zwar nur typologisch, vorläufig bzw. teilweise. Ebenso geht er, wie wir noch sehen werden, bei seinen Ausführungen bzgl. der Weissagungen über die Wiedereinführung von Opfern in Hes.40ff vor.</p>
<p>Thiessen schreibt:</p>
<p>Natürlich gibt es manche Verheißungen, die sehr wohl auch für die Gemeinde im gegenwärtigen Zeitalter ihre Gültigkeit haben. Aber viele Verheißungen kann man unmöglich „geistlich“ bzw. symbolisch auslegen, ohne mit dem Text gewaltsam umzugehen. (S.156)</p>
<p>Daher argumentiert Thiessen auch, dass zum Zeitpunkt der Stiftung des Neuen Bundes nur Juden anwesend waren und daher dieser Bund allein mit „Israel“ geschlossen wurde (S.87). Bei dieser Argumentation muss man sich fragen, ob Thiessen z.B. ebenfalls meint, dass der Neue Bund nur mit Männern geschlossen wurde. Denn zum Zeitpunkt der Stiftung des Neuen Bundes waren ja nur Männer anwesend. Thiessen erklärt auch nicht, warum Paulus in 1.Kor.11,23-25 der heidenchristlichen Gemeinde in Korinth genau diese Einsetzungsworte &#8211; ohne heidenchristlichen Zusatz &#8211; für ihr Abendmahl überliefert hat. Demnach schließt das „für euch“ auch die Heiden mit ein, was Thiessen aber anscheinend leugnet. Außerdem übersieht Thiessen die Tatsache, dass Gott die Gemeinde aus Juden und Heiden bereits vor Grundlegung der Welt erwählt (Eph.1,3f) und diese in seine Verheißungen natürlich bereits eingeschlossen hatte. Jesus ist allein für diese erwählte Gemeinde aus Juden und Heiden – für die einsgemachte Herde (Joh.10,16) – gekommen und gestorben (Eph.5,25f; Joh.10,15.18). Dies macht deutlich, dass der Bund mit Israel ein Bund ist, der allein dem „wahren Israel“ aus Juden und Heiden galt und auch nur mit diesem Israel geschlossen wurde. Hieran sieht man, dass die Sichtweise über die Erwählungslehre (die Thiessen kategorisch ablehnt) auch Einfluss auf die Ansicht bzgl. Israel hat (vgl. Senk 2006:118ff). Nirgendwo im NT wird noch irgendeine Unterscheidung zwischen Juden oder Heidenchristen gemacht – vor allem nicht in Bezug auf die Verheißungen, Bündnisse und der Zugehörigkeit zum Volk Gottes (Eph.2,11-3,13). Der Wortlaut aus Eph.2,11ff macht unzweideutig klar, dass die Heidenchristen mit den Judenchristen eins gemacht wurden. Hier besteht keinerlei Unterschied mehr. Die Heiden sind nicht nur Neben-Teilhaber einiger (von Thiessen) ausgewählter Verheißungen und Bündnisse, sondern sie sind unterschiedsloser Bestandteil des Volkes bzw. Israel Gottes und vollwertige Teilhaber des Neuen Bundes (Eph.3,6). Die Begriffe „Miterbe, Mitteilhaber, Miteinverleibte“ sollen keinen Unterschied aufzeigen, sondern eben die Tatsache verdeutlichen, dass die Heidenchristen <em>genauso uneingeschränkt </em> zum Volk und Israel Gottes gehören wie auch die Judenchristen. Auch die vielen Verweise, dass sich die Verheißungen des AT an Christus und seinem Leib, der Gemeinde, erfüllen, machen dies deutlich. Nichts in der Schrift weist darauf hin, dass dieser Neue Bund erst („eigentlich“ oder „endgültig“) in einer nationalen Wiederherstellung des ethnischen Israels wirklich erfüllt wird.</p>
<p>Es ist bemerkenswert, dass Thiessen zugibt, dass sich Gal.6,16 auf Christen beziehen muss (S.21f). Doch zieht er daraus aber nicht die theologischen Konsequenzen, welche diese Erkenntnis mit sich bringt. Denn wenn die Gemeinde das neue „Israel Gottes“ ist, dann liegen die hermeneutischen, theologischen und eschatologischen Folgerungen daraus auf der Hand. Dies gilt auch für seine z.T. guten und richtigen Ausführungen zu Hebr.4,9 und 1.Petr.2,9f. Auch hier zieht er nicht die nötigen Konsequenzen aus den Texten und hält (unbegründeter Weise mit den Worten „&#8230;dies bedeutet aber nicht, dass&#8230;“) an seiner dispensationalistischen „Israeltheologie“ fest.</p>
<p>Es wird auch nicht klar, ob Thiessen das <em>ungläubige</em> nationale Israel noch als „Volk Gottes“ bezeichnet. Zwar betont Thiessen, dass es zu keiner Zeit „zwei Völker Gottes gab“, doch sagt er an anderer Stelle in Übereinstimmung mit Gäckle, dass „auch durch den Neuen Bund die Erwählung des Volkes Israel trotz seiner Ablehnung des Evangeliums nicht aufgehoben“ wird. „Das Volk Israel bleibt bis in Ewigkeit eine identifizierbare Größe innerhalb der Heilsgemeinde.“ (S.28f).</p>
<p>Thiessen scheint entweder nicht zu wissen, was er glauben soll, oder er versucht sich bewusst zu allen Seiten hin abzusichern (vgl. dazu seine unten dargestellte Verwirr-Hermeneutik). Hier jedenfalls wird deutlich, dass er das <em>ungläubige</em> national-irdische Israel als Bestandteil der Heilsgemeinde Gottes bezeichnet. Doch niemand gehört zu Gottes Volk, der nicht an Jesus Christus glaubt. Zudem trennt Thiessen eindeutig Israel und die Gemeinde und wird somit den Aussagen des NT nicht gerecht.</p>
<p>Die vielen Versuche, der <strong>Offenbarung </strong>(S.110-134; vgl. Senk 2006:24-50) eine chronologische Einteilung zu geben, sind zumeist spekulativ und abhängig von der subjektiven theologischen Voreinstellung des Auslegers. Auch Thiessens Versuch ist da keine Ausnahme. Darauf eine Interpretation von Offb.20 zu begründen, wird wohl nur Dispensationalisten überzeugen. Thiessen selber gibt zu, dass die Offenbarung sich nicht chronologisch aufteilen lässt, da immer wieder Dinge aus der Vergangenheit beschrieben, dieselben Dinge mit verschiedenen Bildern und Beschreibungen wiederholt werden oder schon die metaphorische Sprache keine eindeutige chronologische oder auch inhaltliche Deutung zulässt. Wenn man dies jedoch erkannt hat, sollte man entsprechend zurückhaltender bei einer chronologischen Einteilung und einer darauf basierenden Auslegung von Offb.20,1ff (oder auch der Zorngerichtsreihen) sein. Diese Zurückhaltung findet sich aber nicht bei Thiessen, sondern er ist sich völlig sicher, dass seine chronologische Einteilung und inhaltliche Auslegung zutreffend sind. Wenn aber – wie Thiessen selber anhand einiger Stellen zugibt (z.B. sind Offb.11,15-19 und 19,11 identische Gerichte) – die Offenbarung nicht stringent chronologisch aufgebaut ist, mit welchen Recht beansprucht er sein chronologisches Verständnis für Offb.20,1ff? So bestätigt er Walvoord mit seiner festgelegten chronologischen Einteilung der Offenbarung (z.B. dass ab Kap. 4 von den „zukünftigen Dingen“ die Rede ist), die Thiessen gerade aufgrund eindeutiger Belege selber hinterfragt hat. Walvoord spricht Thiessen zufolge „treffend“ davon, dass seine dispensationalistische Aufteilung der Offenbarung die einzig „überzeugende“ sei und alle anderen „sich in einem Gewirr widerstreitender Meinungen“ verlieren. Hier schließt Walvoord in Bezug auf „überzeugend“ von sich auf andere und übersieht dabei, dass auch seine dispensationalistische Interpretation eine der vielen „widerstreitenden Meinungen“ zur Offenbarungsauslegung ist und auch seine eigene Auslegung keineswegs widerspruchsfrei ist.</p>
<p>Ich habe in meinem Buch bereits darauf hingewiesen, dass die Lehre über die chronologische und inhaltliche Abfolge der Eschatologie nicht auf einer spekulativen Interpretation der metaphorisch-unchronologischen Aussagen der Offenbarung beruhen darf, sondern aus den klareren Lehraussagen des NT abgeleitet und begründet werden muss. Und im Licht dieser klaren Schriftaussagen können und müssen – aufgrund der inspirierten Einheit der Schrift – auch die eher metaphorischen und unchronologischen Aussagen der Offenbarungen verstanden werden. Nur dann ist man exegetisch-theologisch auf der sicheren Seite. Alles andere ist spekulativ und zu sehr von den theologischen Voreinstellungen, Prägungen und Wünschen des Auslegers motiviert.</p>
<p>Ich möchte aber auch noch auf einige ausgewählte Einzelheiten in Thiessens Ausführungen zur Offenbarungsauslegung eingehen, zuerst auf seine folgende Aussage:</p>
<p>Diese Reihenfolge (d.h. erst die Vernichtung der antichristlichen Herrschaft bei der Wiederkunft Jesu und dann das Friedensreich des Messias) wird auch durch andere Stellen in der Bibel (vgl. z.B. 1. Thess 5,1ff.; 2. Thess 2,7-8; Dan 7,11ff.) direkt oder indirekt bestätigt. (S.120, Klammern im Original)</p>
<p>Doch an keiner der angeführten Stellen ist von einem irdischen Millennium und Zwischenreich die Rede – weder direkt noch indirekt. Hier zeigt sich, dass der dispensationalistische Ansatz Dinge in Texte hineinlegt, die dort gar nicht zu finden sind. Auch in Offb.20,1ff selber ist weder etwas von einem irdischen Zwischenreich noch von Israel die Rede. Aber dennoch meinen Dispensationalisten, der Text würde darüber etwas sagen. Dies ist nicht Exegese, sondern Eisegese.</p>
<p>Dann stellt sich noch die Frage, wie Thiessen in Offb.14,1ff auf die nationalen zwölf Stämme Israels kommt (S.114f). Im Text selber werden diese 144.000 eindeutig allgemein als Christen und Jesusjünger identifiziert. Hier ist gerade auffallend, dass eben nicht von den zwölf Stämmen Israels die Rede ist, sondern allgemein von den Gläubigen ohne ethnische Einschränkung. Dies erklärt dann auch Offb.7,1ff und die dort genannten Menschengruppe(n) (vgl. Senk 2006:46ff).</p>
<p>Thiessens Ausführungen sind zudem geprägt von einer „Wortdogmatik“ (ich bin an den entsprechenden Stellen bereits darauf eingegangen). Er legt zu viel Bedeutung in ein Wort, welche weder direkt noch indirekt von dessen Kontext bestätigt wird. Z.B. macht Paulus in Phil.3,11 oder 1.Kor.6,14 in keiner Weise deutlich, dass er hier an eine „stufenweise Auferstehungschronologie“ in Analogie zu einer dispensationalistischen Auslegung von Offb.20,1ff denkt – weder direkt noch indirekt und im Kontext und in den Aussageabsichten schon gar nicht. Auch hier wieder ein Fall von „Eisegese“.</p>
<p>Thiessen versucht die eindeutigen neutestamentlichen Bezüge zu Sach.14 (wie z.B. Offb.21-22) dadurch zu entkräften, indem er einfach behauptet, dass bestimmte Bilder, die sich im Alten Testament auf die messianische Friedensherrschaft beziehen, in Offb.21-22 auch für die Beschreibung der Neuschöpfung nach dem Friedensreich gebraucht werden. Doch ist das nicht eine Bestätigung, dass die alttestamentlichen Verheißungen nur und in erster Linie bildlich in Bezug auf diese Neuschöpfung gemeint sind. (S.144)</p>
<p>Die Antwort, wo und wie sich eine Verheißung oder Prophetie aus dem AT erfüllt hat oder erfüllen wird, liefert uns das NT. Wenn wir dort eindeutige Bezüge zu den jeweiligen AT-Aussagen finden, dann liegt die Antwort auf der Hand. Thiessen aber stellt sich gegen den Befund des NT und setzt seine dispensationalistische Hermeneutik und „Israeltheologie“ an dessen Stelle. Dabei hat er keinerlei exegetische Grundlage für seine Behauptung, dass Offb.21-22 nur bildhaft Umschreibungen aus dem AT „ausleiht“, die eigentlich einem wörtlich-irdischen Millennium gelten. Schon diese Theorie muss doch jedem als unhaltbar und spekulativ erscheinen. Das NT bezieht diese Aussagen eindeutig auf die Ewigkeit im himmlischen Jerusalem. Doch Thiessen bezieht dies – mit der unbegründeten Behauptung, dass hier Elemente aus dem Millennium zur bildlichen Beschreibung des himmlischen Jerusalems „ausgeliehen“ wurden – ohne exegetischen Hinweis auf ein biblisch unbegründetes irdisches Millennium. Diese ganze Diskussion gilt auch für den Tempel bei Hesekiel (Hes. 40-48), wo wir auch eindeutige Bezüge dazu in Offb.21-22 haben.</p>
<p>Der dispensationalistische Ansatz leugnet aber nicht nur die klaren, im NT (für Christus und die Gemeinde bzw. Ewigkeit) bezeugten Erfüllungen der AT-Verheißungen, sondern leugnet schon die inner-alttestamentlichen Zeugnisse dazu. So geht auch Thiessen immer wieder von einer irdischen Landverheißung für Israel aus, obwohl in Jos.21,43-45 ganz klar gesagt wird, dass Gott dies <em>alles</em> bereits unter Josua erfüllt hat. Bestätigt wird dies vom Empfänger der Verheißung selber (auf den sich die Dispensationalisten so sehr berufen) – Abraham. Dieser (und mit ihm alle Gläubigen des AT) erwartete und erhoffte keine „irdische Heimat“, sondern eine himmlische (Hebr.11,13-16; vgl. auch Hebr.4,9). Man stellt sich – zugunsten einer biblisch unbegründeten „Israeldogmatik“ (nach Fruchtenbaum „The Missing Link in Systematic Theology“!) – gegen die klaren Aussagen der Heiligen Schrift.</p>
<p>Auch bei seiner Darstellung des <strong>Paulus </strong>sowie des<strong> Hebräerbriefes</strong> (S.122-127; vgl. Senk 2006:67-76) prakiziert Thiessen ausgiebig Eisegese. In 1.Kor.15,22-28 deutet absolut nichts auf ein irdisches Zwischenreich in Analogie zu einer dispensationalistischen Auslegung von Offb.20,1ff hin – weder direkt noch indirekt und schon gar nicht im Kontext und in der Aussageabsicht des Paulus. Hier ein von Paulus angedeutetes irdisches Zwischenreich zu sehen, ist nur dem möglich, der dies hier sehen will. Dies ist eine dispensationalistische Überfremdung der biblischen Texte. Paulus selber hat dies hier nicht im Blick, denn schließlich schreibt er nichts darüber. Dies gilt auch für die von Thiessen dazu angeführten Parallelstellen aus Lk.19,11; Apg.1,6f; Eph.1,20-22; Röm.11,12.15.25-27 und Hebr.2,5-8; 3,7 &#8211; 4,14. An keiner dieser Stellen ist von einem irdischen Zwischenreich die Rede – weder direkt noch indirekt und noch in Kontext und Aussageabsicht der Texte. Die einfachste Regel der Hermeneutik und exegetischen Methodik („Was steht da und was nicht“) wird hier anscheinend ignoriert. Dem Leser sollte dies sicher selber auffallen, insbesondere dass Thiessen immer wieder wie zwanghaft schreibt <em>„indirekt &#8230; sagt der Text …“</em>. Direkte Belegstellen für seine Sicht kann er nicht anführen. Und die angeblichen „indirekten“ Belegtexte sagen nicht das aus, was er darin zu finden meint.</p>
<p>Man muss sich auch fragen, warum Thiessen auf S.127f die Sabbatruhe ausführlich aus Hebr.4,9 auf die Wiederherstellung Israels bezieht, dann aber im Gedankenfluss doch deutlich macht, dass sich diese Stelle auf das gesamte Volk Gottes (Gemeinde) bezieht und nicht nur auf das nationale Israel!</p>
<p>Auch bei seiner Behandlung der Aussagen <strong>Jesu</strong> (S.128f; vgl. Senk 2006:45f) zum Thema schreibt Thiessen <em>„indirekt &#8230; sagt Jesus …“</em> und macht damit deutlich, dass er auch hier keine direkten Belege für seine Sicht vorweisen kann. Und auch die dort von ihm angeblich „indirekten“ Belege sind – bei genauer Betrachtung der Texte und ohne dispensationalistische Vorentscheidungen – wieder nicht in den Texten zu finden. So sagt z.B. Jesus in Lk.21,24 nichts von einer Wiederherstellung des nationalen Israels in einem irdischen Millennium. Dies gilt auch für die anderen von Thiessen genannten Schriftstellen. Dass Jesus von einem gegenwärtigen und zukünftigen Reich gesprochen hat, ist unbestritten. Doch das zukünftige Reich meint laut NT die Vollendung in der Ewigkeit in der neuen Welt Gottes und kein irdisches Zwischenreich.</p>
<p>In Bezug auf das <strong>Alte Testament </strong>(S.129-134; vgl. Senk 2006:24ff) schreibt Thiessen bemerkenswerterweise:</p>
<p>Die alttestamentlichen Verheißungen, die sich auf ein irdisches messianisches Reich beziehen (&#8230;) entweder auf die neutestamentliche Gemeinde oder auf die Neuschöpfung von „Himmel und Erde“ zu beziehen, widerspricht den eindeutigen Aussagen nicht nur des Neuen, sondern auch des Alten Testaments. (S.129-130)</p>
<p>Nun wird der Leser zu Recht aufmerken. Haben wir doch eben festgestellt, dass Thiessen kein einziges direktes Argument vorweisen konnte, sondern nur angebliche „indirekte“ Belegstellen, und auch diese nicht das aussagen, was er darin zu finden meint. Doch hier spricht er plötzlich von „eindeutigen Aussagen des Neuen Testaments“! Aus „indirekt“ wurde einfach „eindeutig“. Diese Art der rhetorischen Argumentation von Thiessen ist weder redlich noch fair – nicht einmal gegenüber sich selber &#8211; hat er doch selber immer wieder die „Indirektheit“ seiner Belege betont.</p>
<p>Für Thiessens Ansatz dient das AT als Hauptbelegquelle. Daher verwendet er in diesem Kapitel nicht mehr Aussagen wie „indirekt“ etc., sondern „eindeutig, sehr deutlich“ usw. Dabei legt er allerdings eine bestimmte Hermeneutik zugrunde, welche von einer „konsequent wörtlichen Interpretation der Weissagungen des AT“ ausgeht. Daneben ignoriert (bzw. um-interpretiert oder degradiert als „Vor-, Teil- oder Bild-Erfüllung“) er einfach die vielen AT-Zitate im NT, welche die Gemeinde als neues Volk Gottes und neues Israel identifizieren und die Verheißungen des AT auf diese neue Heilskörperschaft „übertragen“. Dispensationalisten wie Thiessen stellen ihre literalistische Hermeneutik über die Schriftauslegung des NT. Dies ist einer der wesentlichen Unterschiede zwischen dem dispensationalistischen und nicht-dispensationalistischen Ansatz. Auch dass die Argumente bei Thiessen aus dem AT hier so „mager“ ausfallen, liegt daran, dass er bereits in seinen Ausführungen zum NT ständig auf das AT verwiesen hat. Dies macht deutlich, dass er das NT im „Licht“ des AT deutet und nicht – wie es heilsgeschichtlich richtig wäre – das AT im Licht des NT interpretiert.</p>
<p>Thiessen hat keine wirklichen Belege für seine Therorie anführen können. Seine Israeltheologie bzw. prämillenniaristische Sicht versucht er ausgehend von einer unhaltbaren dispensationalistischen Interpretation von Offb.20,1ff und einigen Aussagen des AT zu begründen. Im Lichte der Schrift hat sich diese Theorie aber als unhaltbar erwiesen.</p>
<p>Thiessen lehnt die metaphorische <strong>Auslegung von Hes.40-48</strong> ab (S.135-155; vgl. Senk 2006:34-37), obwohl diese dem NT entspricht (vgl. die Parallelen zu Offb.21-22!) und nennt diese Hermeneutik <em>„ein Nicht-Ernst-Nehmen und eine Flucht vor dem, was hier steht“ </em>(S.136). Dabei übersieht Thiessen, dass es die dispensationalistische Sicht ist, welche die inspirierten und autoritativen Aussagen und Auslegungen des NT (und AT – vgl. Jos.21,43f) dazu „nicht erst nimmt“. Außerdem hat Thiessen gezeigt, dass er „vor dem flieht, was geschrieben steht“. So weigert er sich z.B. – trotz richtiger Erkenntnis aus Gal.6,16; 1.Petr.2,9f und den Aussagen des NT zum im AT verheißenen Neuen Bund – die richtigen Konsequenzen daraus zu ziehen (s.o).</p>
<p>Thiessen macht gleich zu Anfang seiner Behandlung dieser Schriftabschnitts deutlich, dass man nicht alle Einzelheiten der Weissagungen aus Hes.40-48 in der Zukunft erwarten kann – weder in einem irdischen Millennium, noch in der neuen himmlischen Welt (S.142). Damit meint er vor allem die in Hesekiel genannten Sündopfer, welche ja sonst dem ein für allemal geschehenen Opfer Christi widersprechen würden. Dies ist nicht nur inkonsequent gegenüber seiner bisher dargestellten Hermeneutik, sondern auch willkürlich. Thiessen bestimmt einfach, welche Stellen (bzw. deren Einzelheiten) sich (wie) erfüllen werden und welche „nicht“. Wie wir unten sehen werden, geht Thiessen – trotz seiner auf S.142 geäußerten Annahme – davon aus, dass die Opfer wieder eingeführt werden (S.144). Dies entspricht wieder der verwirrenden und widersprüchlichen Hermeneutik, wie unten im allgemeinen Teil dargestellt.</p>
<p>Auch hier, in Zusammenhang mit Hes.40-48, redet Thiessen wieder von einer „Mehrfacherfüllung“, obwohl er bisher keine wirkliche hermeneutisch-theologische Begründung für diese Auslegungsart abgegeben hat.</p>
<p>Thiessen schreibt unter Berufung auf Külling Folgendes:</p>
<p>Die Opferordnung wird als <em>Bild-Lektion</em> benützt, um die Notwendigkeit für Heiligkeit in der Weihe und Reinigung von Tempel und Altar zu demonstrieren. Sie wollen visuelle Erinnerung an die Sündigkeit des Menschen und seine Erlösungsbedürftigkeit sein, während sie gleichzeitig bildhafte Erinnerung an das bereits vollbrachte Opfer des Messias sind, der ein für alle Mal Versöhnung für die Menschheit brachte. (S.142f)</p>
<p>Die Opfer entkräftigen nach Külling also „niemals das <em>einmalige</em> Opfer von Jesus Christus am Kreuz“, wie er im Einklang mit manchen anderen Exegeten, die er erwähnt, betont.</p>
<p>Diese spekulative Wunschinterpretation wird weder den Aussagen von Hes.40-48 noch denen des NT gerecht. Die ganze Theorie einer „Bild-Lektion“ hat keinerlei biblische Grundlage. Die gesamte Theorie beruht auf unbegründeten Annahmen. Dahinter steckt das Motiv, eine wörtliche Auslegung der Opfer aus Hes.40-48 gegenüber den soteriologischen Aussagen des NT abzusichern. Man behauptet, dass dies „bildhafte, symbolische Erinnerungsopfer“ seien. Doch dies wird nirgendwo im Text gesagt. An keiner Stelle wird deutlich, dass etwaige künftige Opfer nur „Symbolcharakter“ haben. Man versucht zu betonen, dass die Opfer im Millennium „niemals das einmalige Opfer von Jesus Christus am Kreuz“ entkräften würden. Doch es spielt keine Rolle, ob man dies vorher so behauptet bzw. verneint oder nicht. Fakt ist, dass man sich vom ein für allemal geschehenen Opfer abwendet, um sich wieder einem „schattenhaften System“ zuzuwenden (egal in welche zeitliche „Richtung“ der Schatten fällt.). Thiessen sagt dann zusammenfassend:</p>
<p>Dementsprechend kann es m.E. im Tausendjährigen Reich durchaus symbolische Opfer geben (denken wir an das Abendmahl als Erinnerung an den Tod Jesu). Nach dem einmaligen Opfertod Jesu für die Sünden der Welt ist die Frage nach zukünftigen Opfern jedoch sicher keine zentrale Frage, und so sollten wir uns darüber nicht streiten, sondern die endgültige Antwort Gott überlassen. (S.144)</p>
<p>Zuerst fällt der Widerspruch auf, dass Thiessen noch kurz vorher ausgeschlossen hat, dass es eine Wiedereinführung von Opfern geben wird (S.142). Er will diese jedoch „symbolisch“ verstehen, was der Text aus Hes.40-48 aber in keiner Weise hergibt. Auch sein Vergleich mit dem Abendmahl ist biblisch nicht zu rechtfertigen (vgl. Senk 2006:33-38).</p>
<p>Verwunderlich ist, wie Thiessen darauf kommt (auch auf S.10), dass dies keine „zentrale Frage“ sei. Es ist schließlich eine der wesentlichen theologischen Themen des NT, ob die Christen zum Heil noch die Satzungen und Ordnungen des AT einhalten müssen. Diese Frage zieht sich sowohl durch die historischen als auch durch die lehrhaften Schriften des NT. Immer wieder müssen die Apostel vor judaisierenden Irrlehrern warnen, die die Christen wieder unter die Satzungen des Alten Bundes bringen wollen. Vor allem der Hebräerbrief macht deutlich, dass jeder, der – nach dem einmaligen und endgültigen Opfer Jesu (Hebr.8-10) – nun wieder zu den „schattenhaften und unvollkommenden Ordnungen“ zurückkehren will, kein Anteil am Heil hat (Hebr.10,26). <em>„Wo aber Vergebung dieser (Sünden) ist, gibt es kein Opfer für Sünden mehr“ (Hebr.10,18).</em></p>
<p>Die obige Aussage Thiessens – dass dies keine „zentrale Frage“ sei – wäre so, als wenn Paulus sagen würde: „Nach dem einmaligen Opfertod Jesu für die Sünden der Welt ist die Frage nach der Beschneidung keine zentrale Frage, und so sollten wir uns darüber nicht streiten, sondern die endgültige Antwort Gott überlassen.“ Dies steht den deutlichen Worten des Apostels völlig entgegen (Gal.1,5ff). Wir müssen wohl auch heute wieder mit Paulus folgende Frage stellen:</p>
<p><em>„&#8230;jetzt aber habt ihr Gott erkannt – vielmehr ihr seid von Gott erkannt worden. Wie wendet ich euch wieder den schwachen und armseligen Elementen zurück, denen ihr von neuem dienen wollt?“ (Gal.4,9).</em></p>
<p>Gerade als Neutestamentler müsste es Thiessen zumindest auffallen, dass an keiner Stelle des NT eine Wiedereinführung eines Opfersystems angedeutet wird. Ein so gravierendes soteriologisches Thema müsste Spuren im NT hinterlassen haben. Vor allem die Betonung der in Christi Opfer endgültig abgeschaffenen (Opfer-) Ordnung des AT macht diese dispensationalistische Interpretation Thiessens unmöglich. Daher möchte ich nochmals betonen, dass wir das AT im Lichte des NT auslegen müssen. Sonst laufen wir Gefahr, nicht nur eine andere Eschatologie wie Jesus und die Apostel zu lehren, sondern auch eine andere Soteriologie. Denn die Frage nach einer Wiedereinführung von Opfern ist keine „Nebenfrage“ – wie Thiessen meint –, sondern eine zentrale Frage und Thematik der neutestamentlichen Soteriologie.</p>
<p>Auffällig ist auch, dass er auf die umfangreiche einschlägige Studie zum Tempel von Gregory Beale nicht eingeht (G. Beale: „The Temple and the Church’s Mission“, Intervarsity Press 2004). Allgemein scheint Thiessen sehr selektiv mit der Literatur seiner „theologischen Gegner“ umzugehen.</p>
<h2>Fälschliche Darstellung anderer Autoren</h2>
<p>Auch Thiessen falsche Darstellungen anderer Autoren mindern das Vertrauen in seine akademische Kompetenz und Redlichkeit. Hier nur einige Beispiele:</p>
<p>Thiessen nennt auf S.37 E. Schnabel als Beispiel für solche, die behaupten, dass die Jünger Jesus in Apg.1,6f falsch verstanden hatten. Dies sagt Schnabel dort aber mit keiner Silbe. Auch der Text selber macht nicht deutlich, wie die Jünger sich die „Wiederherstellung des Reiches für Israel“ vorgestellt haben (vgl. Senk 2006:71-74).</p>
<p>Thiessen zitiert mich (Senk 2006) auf S.23 falsch (es muss heißen: „bis auf den auserwählten Rest“ statt „bis auf einen Rest“). Außerdem macht doch gerade diese Aussage deutlich, dass ich nicht der Ansicht bin (wie Thiessen mir vorwirft), dass das nationale Israel als Ganzes (vollständig) verworfen sei, sondern dass ich glaube, dass ein erwählter Teil von Juden (nämlich alle an Christus glaubenden) zum Volk Gottes gehört und Anteil am Heil hat. Ich verweise dabei sogar auf dieselbe Aussage von Blomberg, den er dort angeblich als Argument gegen mich anführt.</p>
<p>Thiessen scheint auch mit einigen Begriffen nicht klarzukommen. So betone ich anhand der paulinischen Aussagen über den „Rest“, dass Gott sein Volk nicht „vollständig“ verworfen hat – aber die Verwerfung derer, die nicht zum erwählten Rest gehören, ist „endgültig“ (Senk 2006:60-67; vgl. Röm.9,1ff; 1.Thess.2,14ff;). Nun aber vermischt er einfach die Begriffe „endgültige“ und „vollständige“ Verwerfung miteinander (S.23ff), obwohl ihm doch klar sein müsste, dass der erste temporal und der zweite numerisch verstanden werden muss.</p>
<p>Auf Seite 56 behauptet Thiessen, dass ich von einer „Neudefinierung Israels“ bzw. „Übertragung“ spreche. Dies stimmt zwar, doch erwähnt Thiessen nicht, dass ich diese Begriffe in meinem Buch einschränkend gebrauche. Ich mache deutlich, dass die Begriffe der „Neudefinierung“ und „Übertragung“ im Lichte der (von Thiessen abgelehnten) Vorherbestimmung Gottes verstanden werden müssen (Senk 2006:14.24). Gott verändert sein Wort nicht, sondern es geht so in Erfüllung, wie er es ursprünglich gemeint hat – und dies wird uns im NT gezeigt.</p>
<p><strong>Unterm Strich </strong>lässt sich sagen: Thiessen vertritt unbiblische Lehren, welche vor allem auf seinem untragbaren Umgang mit der Bibel zurückzuführen sind. Seine widersprüchliche und undurchsichtig-inkonsequente Hermeneutik (insbesondere in Bezug auf die Erfüllung von Weissagungen des AT) zeigt dies deutlich. Dies wirft auch ein Licht auf das Israelinstitut der FTA, die ein solches Buch mit ihrer Auszeichnung bestätigen.</p>
<p>Ich hoffe, dass diese Rezension das Anliegen weckt, wirklich allein die Schrift das sagen zu lassen, was sie wirklich sagt. Dieses Prinzip sollte Thiessen auch anwenden, wenn er die Sicht anderer (bes. Andersdenkender) darstellen bzw. widerlegen will.</p>
<hr />
<h2>Anhang: Stellungnahme zu Thiessens Dogmatikbuch „Biblische Glaubenslehre“</h2>
<h3><strong>A1. Allgemein zu Thiessens Dogmatik</strong></h3>
<p>Thiessens Dogmatik soll eine „Systematische Theologie für die Gemeinde“ sein. Sie soll also vor allem keine wissenschaftliche dogmatische Abhandlung bieten, sondern allgemeinverständlich und komprimiert die christliche Lehre darstellen. Dennoch nimmt Thiessen den Leser auch in kontroverse theologische und exegetische Diskussionen mit hinein. Dies ist sicher ein zu lobendes Anliegen. So gibt er dem Leser einen Überblick über die verschiedenen Themen auch in ihrer Auseinandersetzung. Auch seine Art der Formulierung entspricht weitgehend diesem Anliegen. Selbst bei komplizierten philologischen Ausführungen versucht Thiessen allgemeinverständlich zu bleiben, auch wenn viele diese Ausführungen sicher nicht wirklich nachvollziehen bzw. prüfen werden können. So mancher Leser kann zweifelsohne viel aus seinem Buch (dazu)lernen.</p>
<h3>A2. Thiessens Umgang mit der Bibel (grundsätzlich)</h3>
<p>Thiessen versucht, alle wichtigen Themenbereiche christlicher Dogmatik anzusprechen, was ihm aber aufgrund des komprimierten Umfangs nur bedingt gelingt. Die daraus resultierende Kürze lässt noch zu viele Fragen offen, besonders in der exegetischen Begründung. So stellt er z.B. oft einfach dogmatische Behauptungen auf ohne biblische Begründung (z.B. warum es für Satan und die Dämonen keine Vergebung gibt – S.43; oder dass die Taufe ein „öffentliches Bekenntnis“ ist – S.159 uva.). Man bekommt auch den starken Eindruck, dass er Schriftstellen und exegetisch-theologischen Diskussionen (auch mit anderer Fachliteratur) dann aus dem Weg geht, wenn dies seiner Sichtweise Probleme machen könnte. Dies betrifft z.B. die Wiedereinführung von Opfern in dem von ihm postulierten irdischen Millennium oder seine Behauptung, dass es in Röm.9 nicht um die individuelle Erwählung zum Heil oder Unheil geht (auf S. 136 verweist er nur auf seinen eigenen Kommentar sowie auf Mauerhofer).</p>
<p>An anderen Stellen gibt er zwar Bibelstellen als Beleg an, doch erklärt er oft nicht, wie er von der dort genannten Schriftaussage auf das im Buch formulierte dogmatische Ergebnis gekommen ist<strong> (</strong>z.B. dass 1.Kor.15,39 – scheinbar um mennonitisches Handeln in der Vergangenheit zu rechtfertigen – ein Martyrium/eine Todesstrafe aufgrund der Taufe lehren soll – S.162; vgl. dagegen die eher zurückstufende Aussage zur Taufe in 1.Kor.1,17; oder das Apg.5,32 lehre, dass die Hingabe/Heiligung Voraussetzung zur Geistesfülle sei – S.125 uva.). Stattdessen verweist er zumeist einfach auf andere Literatur. Überhaupt ist sein häufiges Verweisen auf Sekundärliteratur für eine „Gemeindedogmatik“ wenig hilfreich, da die meisten Gemeindemenschen keine theologische Ausbildung bzw. keine Möglichkeit haben, die Aussagen Thiessens anhand der angegebenen Fachliteratur nachzulesen geschweige denn nachzuprüfen. Vor allem seine vielen Verweise auf die Vorlesungsmanuskripte seiner früheren Lehrer wie Külling oder Mauerhofer fallen auf. Doch hat der Leser normalerweise keinen Einblick in diese Vorlesungsskripte. Man gewinnt den Eindruck, dass Thiessen seine theologischen Ansichten scheinbar unreflektiert von seinen Lehrern Külling und Mauerhofer übernommen hat.</p>
<p>Außerdem erwähnt er häufig theologische Floskeln oder fordert zu irgendetwas auf, was er aber nicht erklärend darstellt. So schreibt er z.B. an vielen Stellen vom „Wandeln im Geist“ oder „Führung durch den Geist“ etc., doch erklärt er diese Aussagen und Imperative an keiner Stelle (vgl. S.148). Der Leser seiner Zielgruppe (Gemeinden) kann mit diesen Aussagen wenig anfangen (vgl. dazu Senk 2007).</p>
<p><strong>Fragwürdig sind auch seine aus dem Kontext entrissenen Schriftverweise, die dem Leser eine von Thiessen bestimmte Bedeutung suggerieren sollen.</strong> So zitiert er z.B. Jes.65,19-20 ohne die dazugehörigen Verse 17-18 (S.208; vgl. sein Israelbuch S.85), welche aber sprachlich als auch inhaltlich mit den V.19-20 verknüpft sind. Diese Verse zeigen, dass es hier um den Neuen Himmel und die Neue Erde geht und nicht – wie Thiessen meint – um ein irdisches Tausendjähriges Reich. Oder aber er zitiert Stellen wie 1.Tim.2,4 („Gott will alle Menschen retten“), ohne darauf aufmerksam zu machen, dass der Kontext eindeutig von Kategorien von Menschen und nicht von jedem menschlichen Individuum spricht (vgl. Senk 2006:121f)</p>
<p><strong>Manchmal verdreht er augenscheinlich einfach die biblische Beschreibung. </strong>So sagt er in Bezug auf die Verstockung des Pharao durch Gott, dass Pharao sein Herz zuerst verstockt hatte und zitiert die Bibelstellen in dieser Reihenfolge (S.137). Die Wahrheit ist jedoch, dass zuerst von der Verstockung durch Gott die Rede ist (2.Mo.4,21; 7,13f; vgl. Spr.16,4), erst danach wird von der Verstockung Pharaos gesprochen (was aber natürlich die Folge der Verstockung durch Gott ist: der Pharao verstockt sein Herz, weil Gott dies so gewollt und gewirkt hat). Und genau dies sagt Paulus in Röm.9,14-18. Denn das Argument des Paulus ist ja gerade dies, dass Gottes souveränes Erbarmen oder Verstocken noch vor jeglicher Handlung des Menschen erfolgt (vgl. dazu Senk 2006:60-67).</p>
<p><strong>Zudem verwirrt Thiessen den Leser durch viele widersprüchliche Aussagen, die aus seiner z.T. unbiblischen Theologie entstehen.</strong> So ist z.B. für ihn der Glaube und der Gehorsam (Ablegen der Sünde) Voraussetzung dafür, um den Heiligen Geist zu empfangen bzw. von ihm erfüllt zu werden (S.122-123.125). An anderer Stelle aber sagt er, dass wir nur durch den Geist Glauben bzw. in Heiligung leben (bzw. Frucht bringen) können (S.127.139). Mitverantwortlich für diese Verwirrung ist Thiessens unbiblische <em>Trennung von Wiedergeburt und Glaube</em>. So meint er, dass der Glaube eine Voraussetzung des Menschen sei, um von Gott die Wiedergeburt zu empfangen (S.141). Dabei schreckt er (hier und an anderen Stellen) auch nicht davor zurück, seine Ansicht mit Bibelstellen zu belegen, die seine Ansicht eigentlich überhaupt nicht unterstützen (z.B. das Apg.5,32 lehre, dass die Hingabe/Heiligung Voraussetzung zur Geistesfülle sei – S.125 uva) (vgl. dazu Senk 2007).</p>
<p>Damit hängt auch sein theologischer Irrtum zusammen, dass der Mensch einen <em>freien Willen</em> habe und das Heil gänzlich in der Entscheidungsgewalt des Menschen liege (S.63.138) (vgl. dagegen Senk 2006:118ff). Er lehnt die Erwählung als „unbiblisch“ ab und versteht darunter (ohne dies wirklich biblisch zu begründen) ein nachträgliches Handeln Gottes („man ist erwählt, wenn man sich für Jesus entscheidet“; „wer Jesus annimmt, gehört zu den Auserwählten“ – er vertauscht also die Reihenfolge) bzw. „Vorherwissen“ Gottes (S.107.137). Zudem lehrt er auch, dass ein Christ das Heil verlieren kann, wenn er es nicht durch ein (von Thiessen definiertes) Heiligungsleben aufrechterhält. Nach Thiessen ist der Mensch also für den Empfang als auch für den Erhalt des Heils zuständig – er muss es selber machen (S.104.153-154.169). Thiessen lehnt sich hier – wie so oft – an seinen Lehrer Mauerhofer an und spricht in gleicher unbiblischer Weise davon, dass man schon im diesseits als Christ „Jesus immer ähnlicher“ werden bzw. immer mehr <em>Heiligungsstufen</em> erreichen muss (als weniger sündigt), damit man gerettet wird (S.169-171). Mauerhofer als auch Thiessen machen aus einer zukünftigen Verheißung und Gottesgabe (vgl. dazu Senk 2007) einen gegenwärtigen Imperativ für den Menschen.</p>
<p>Zu dieser Lehre der <em>Werkgerechtigkeit </em>formuliert er aber an anderen Stellen den Widerspruch, dass der Glaube und das Heil allein Gottes Gabe (Gnade) ist und Gott in seiner Souveränität seine Pläne ausführen wird (S.29). Jeder aufmerksame Leser muss sich dabei fragen: Warum und wie kommt Thiessen zu dieser Verwirrtheologie und was bezweckt er damit? Vermutlich will er dem Leser suggerieren, dass seine Werkgerechtigkeitslehre die Souveränität und Gnade Gottes nicht untergrabe. Aber genau das tut sie. Seine verwirrende und sich widersprechende Darstellung kann nicht über diese Tatsache hinwegtäuschen.</p>
<p>Aber damit sind wir noch nicht am Ende. Das Verwirrspiel geht weiter. So spricht Thiessen von der untrennbaren Einheit des Menschen, bezeichnet jedoch trotzdem die Seele bzw. den Geist des Menschen unbiblischerweise als eigenständigen und <em>unsterblichen Teil</em> (S.50.57.58; vgl. dagegen 1.Tim.6,16 u.a.) – ganz wie es die griechische Philosophie tat, von der Thiessen sich eigentlich abgrenzen will (S.54.60). Auch hier scheint er durch die doppelseitige bzw. widersprüchliche Argumentation, seine Ansicht von dem Verdacht befreien zu wollen, durch die Hintertür doch die griechische Philosophie übernommen zu haben (vgl. dazu Senk 2007). Es wundert daher auch nicht, dass Thiessen davon ausgeht, Jesus habe im Geist – zwischen seinem Tod und seiner Auferstehung – den „Geistern im Gefängnis“ (irgend)eine „Botschaft“ verkündigt (S.110f; vgl. dagegen Senk 2007).</p>
<p>Auch in Bezug auf die <em>Wiedereinführung von Opfern im AT</em> weiß scheinbar Thiessen selber nicht, was er lehren soll (Israelbuch S.142). So sagt er einmal, dass es aufgrund des Opfers Jesu sicher keine Sündopfer mehr geben wird. Dann aber meint er später doch, dass es im Millennium wieder Opfer geben wird (Israelbuch S.144).</p>
<p>Die nächste Verwirrung entsteht in der Selbstdarstellung der Hermeneutik. So versucht Thiessen durch seine Formulierungen immer deutlich zu machen, dass man die eigene Ansicht immer demütig und in Anbetracht der Fehlerhaftigkeit („Stückhaftigkeit“) der eigenen Erkenntnis formulieren sollte (S.12; Israelbuch S.8.11). Andererseits macht er aber deutlich, dass es nur die eine „absolute Wahrheit“ gibt und man sich mit den unterschiedlichen theologischen Ansichten nicht zufrieden geben soll (S.12.15). Er formuliert viele seiner Ausführungen so, als wenn diese die einzig wahre Lehre der Bibel ist (Beispiele: S. 58 „die Bibel zeigt deutlich“ [die Unsterblichkeit der Seele]; S.153 „die Bibel lehrt uns also eindeutig“ [das man durch Werke das Heil aufrecht zu erhalten hat]; S.204 „Somit kann es keine Frage sein, dass&#8230;“ [dass es ein irdisch-politischen Millennium geben wird]; S.206 „Somit sehen wir deutlich&#8230;Die ganze Bibel lehrt uns“ vgl. im Israelbuch S.76.121.129.131 [sehr deutlich, offensichtlich etc.] uva.). Er kann auch direkt oder indirekt ganz „spitz“ und verurteilend werden, wenn es um die Ablehnung anderer Ansichten geht (S.154 [Andersdenkende beim Thema Erwählung lassen die Bibel nicht das sagen, was sie wirklich sagt – nämlich das, was Thiessen meint!]; S.206 [Andersdenkende in Bezug auf Israel leugnen göttliche Verheißungen bzw. deuten diese um]; Israelbuch S.136 [wer Tempel und Opfer in Hes.40ff nicht so versteht wie Thiessen, der nimmt die Bibeltexte nicht ernst und es ist zudem eine „Flucht“ vor deren Aussagen]; Israelbuch S.156 [Andersdenkende tun dem Bibeltext „Gewalt an“] uva.). Schon fast trotzig wirkt die Formulierung, wenn er bei seiner Verteidigung der Lehre von der Verlierbarkeit des Heils einfach sagt, dass diese „biblisch“ ist, „auch wenn manchmal das Gegenteil behauptet wird“ (S.153). Schon der Titel seines Buches (und der einzelnen Kapitel) machen deutlich, dass Thiessen seine Ausführungen für die „biblischen“ hält. Diese Aussagen haben für andere Ansichten keinen Raum. Mit solchen absoluten Positionen macht er deutlich, dass seine Ansichten nicht zu hinterfragen sind, obwohl er dies doch von sich und anderen einfordert (S.12; Israelbuch S.11). Mit solchen Formulierungen kann er nicht behaupten, dass er seine Ansichten für hinterfragbare „Stückwerkerkenntnis“ hält, obwohl er versucht, diese scheinbar demütige Haltung von sich darzustellen (Israelbuch, S.8.11). Es ist völlig richtig, dass die biblische Hermeneutik ganz klar fordert, dass es nur eine absolute Wahrheit gibt und dass Gott durch die Klarheit und Kraft seines Wortes auch imstande ist, diese rechte Erkenntnis zu schenken (vgl. Senk 2006:107ff). Daher ist es absolut legitim, die Lehre der Schrift als absolute und unhinterfragbare Lehre darzustellen. So eine absolute Formulierung ist aber nicht legitim, wenn (a) die dargestellte Ansicht überhaupt keine biblische Grundlage hat und (b) wenn man widersprüchlicherweise dazu auf der anderen Seite demütig vorgibt, dass es überhaupt keine absolute Wahrheitserkenntnis gibt bzw. diese niemand für sich in Anspruch nehmen darf. Beides trifft hier auf Thiessen zu. Er übersieht dabei zusätzlich, dass es in 1.Kor.13,9 – an der er seine <em>scheinbare</em> <em>„Stückwerkhermeneutik“</em> anlehnt – nicht um unterschiedliche Ansichten der Schriftauslegung geht. Ansonsten müssten auch die paulinischen Schriften als „Stückwerkerkenntnis“ gelten, zu denen man auch unterschiedliche Ansichten haben kann. Thiessen stellt damit indirekt also die Autorität der Schrift in Frage und zeigt zudem mangelnde exegetische Einsicht. Auch dies hilft uns, die Gesamtargumentation Thiessens besser einzuordnen.</p>
<p>© 2007 beim Verfasser.</p>
<p><em>Ronald Senk (BTh, HonsBTh, MTh) studierte nach seiner technischen Berufsausbildung Theologie an der Bibelschule Wiedenest und absolvierte anschließend ein Weiterstudium im Bereich Neues Testament an der University of South Africa (UNSIA). Er ist verheiratet, hat drei Kinder und lebt mit seiner Familie in der Nähe von Bielefeld.</em></p>
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<h6>Jacob Thiessen</h6>
<h1 style="margin: 0px;">Israel und die Gemeinde</h1>
<h3 style="margin: 10px 0px 10px 0px;">Die Frage nach der Wiederherstellung Israels</h3>
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<h6>Jacob Thiessen</h6>
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		<title>Rezension zu Dave Hunts Buch &#8222;Eine Frage der Liebe&#8220;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans-Werner Deppe]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 17 Feb 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Blog]]></category>
		<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Verblendet durch Tradition Ein offener Brief an Dave Hunt inklusive einer ausführlichen Rezension als Antwort auf seinen Angriff auf die Reformation durch sein Buch &#8222;What Love is This?&#8220; oder auf deutsch &#8222;Eine Frage der Liebe – Wird Gott im Calvinismus falsch dargestellt?&#8220; (PDF, 400 KB) Lieber &#8230; </p>
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<h2 class="wp-block-heading">Verblendet durch Tradition</h2>


<p>Ein offener Brief an Dave Hunt inklusive einer ausführlichen Rezension als Antwort auf seinen Angriff auf die Reformation durch sein Buch &#8222;What Love is This?&#8220; oder auf deutsch &#8222;Eine Frage der Liebe – Wird Gott im Calvinismus falsch dargestellt?&#8220; (PDF, 400 KB)</p>
<hr />
<p>Lieber Dave,<br />seitdem ich inzwischen mein eigenes Exemplar Deines Buches erhalten habe (vielleicht erinnerst Du Dich daran, dass ich es überflog, als ich während der PFO-Konferenz in St. Louisb an Deinem Büchertisch stand), habe ich ein Wechselbad der Gefühle erlebt. Zuerst wollte ich nur eine Sendung der Reihe Dividing Line [Die Trennungslinie] darüber machen und dann einfach darauf hin arbeiten, eine Internetseite einzurichten, auf der in verschiedenen Beiträgen Deine Irrtümer korrigiert und Deine Argumente widerlegt werden, während ich weiterhin darauf drängte, dass Du an einer öffentlichen Debatte teilnimmst, was Du mir (wie Du Dich erinnern wirst) zweimal versprochen hast (einmal schriftlich im vergangenen Jahr, und als wir vor ein paar Wochen in St. Louis darüber sprachen).</p>
<p>Als ich aber damit anfing, Dein Buch durchzuarbeiten und alle meine persönlichen Anmerkungen zu notieren, stolperte ich über so viele Fehler und so viele erschütternd falsche Behauptungen, Zirkelschlüsse usw., dass ich wahrhaftig zu verstehen begann, warum diejenigen, welche das Buch oder Teile davon bereits gelesen hatten, so verärgert darüber waren.</p>
<p>[&#8230;]</p>
<p>Du hattest die Frage gestellt, ob Calvinismus „das Evangelium“ sei, und dem widersprochen, dass die Reformierten darauf bestünden. Insbesondere brachtest du auf den Punkt, dass du glaubst, Calvinisten seien gerettet. Angesichts deiner Behauptung, ich sei eines „schrecklichen Angriffs“ auf das Evangelium schuldig, der sogar so weit ginge, dass ich es es seiner Kraft berauben würde, ja sogar bis hin zu deiner in deinem Buch oft wiederholten Behauptung, der Calvinismus sei eine Beleidigung deines Gottes (anscheinend im Gegensatz zu meinem), frage ich mich jedoch, wie konsequent du hierin eigentlich bist. Ich frage mich, wie unser Gespräch wohl verlaufen wäre, wäre ich gleich darauf über das obige Zitat gestolpert!</p>
<p>Natürlich finde ich es im höchsten Maße ironisch, dass du sagst, der reformierte Glaube verleugne die Kraft des Evangeliums. Du bist derjenige, der sagt, dass das Evangelium mit dem autonomen Akt des menschlichen Glaubens verbunden werden muss, damit es zu einem fruchtbaren Ergebnis führt. Du bist derjenige, der darauf besteht, dass Gnade fehlbar sein muss, um wahre Gnade zu sein. Du bist derjenige, der leugnet, dass Gott die Freiheit hat zu lieben wie wir lieben, und bestehst darauf, er müsse in seinem Bemühen um die Errettung jedes Einzelnen versagen, um wahrhaft anbetungswürdig zu sein. Wie dein synergistisches Lehrsystem nun das Evangelium irgendwie wirksamer machen soll als die reformierte Verkündigung eines vollkommenen Erlösers, der unfehlbar errettet, entzieht sich meinem Vorstellungsvermögen.</p>
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