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Christ + Freundschaft

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Von Kelly Needham, erschienen in Timotheus Magazin Nr. 37 (04/2019)

Wahre Freunde sind schwer zu finden. Sie sind dir näher als deine Familie, und oft kennen sie dich besser. Sie beten größere Dinge als du für dich selbst betest. Sie glauben mit dir, wenn dein Glaube schwach ist. Sie nehmen sich Zeit für dich, wenn das Leben aus den Fugen gerät, und sie freuen sich mit dir, wenn alles gut läuft. Aber am meisten erinnern dich wahre Freunde bei jeder Begegnung daran, wer und was am wichtigsten ist.
Der Kern jeder christlichen Freundschaft ist eine Gemeinschaft, die sich auf zwei Überzeugungen stützt: 1. Jesus alleine kann unsere Seele erfüllen und 2. allein für sein Reich lohnt es sich zu leben.

Der Freund – ein getarnter Feind?

Jesus ist unser Brot des Lebens, unser lebendiges Wasser, unsere teure Perle, unser Licht, unsere Auferstehung, ja, unser ganzes Leben. Die größte Gefahr für unsere Seele ist, dass wir nicht in Ihm bleiben, Ihm nicht folgen und unsere Freude nicht in Ihm finden. Deshalb ist das wertvollste Geschenk, das ein Freund uns geben kann, entschlossen für unsere Freude in und Gemeinschaft mit Christus zu kämpfen.
Umgekehrt ergibt sich die schlimmste Verzerrung echter Freundschaft, wenn ein Freund uns ermutigt – sei es bewusst oder unbewusst –, unsere Gefühle und Zuneigungen auf etwas anderes zu richten. Ein Beispiel für eine solche Verzerrung ist das, was Petrus in Matthäus 16 tut. Jesus erklärt seinen Jüngern, dass er sterben und wieder auferstehen wird (Mt 16,21). Petrus weist Jesus mit dem sicherlich gut gemeinten Kommentar eines loyalen Freundes zurecht: „Gott behüte dich, Herr! Dies wird dir keinesfalls widerfahren“ (Vers 22).
Das erscheint auf den ersten Blick wie die tiefste, aufrichtigste und schönste Form der Freundschaft, aber mit dieser Aussage stellte sich Petrus zwischen Jesus und dessen Gehorsam zu seinem Vater. Petrus’ Ignoranz machte aus einem Freund einen Feind, zumindest für einen Moment. „Geh hinter mich, Satan! Du bist mir ein Ärgernis“ (Vers 23). Was Petrus für hilfreich hielt, das bezeichnete Jesus als „Ärgernis“ (oder Stolperstein, Fallstrick, griech. skandalon). Was Petrus als freundschaftlichen geistlichen Rat meinte, bezeichnete Jesus als satanistischen Widerstand.

Christliche Freundschaft ist ein Schatz, denn sie hilft uns an unserem größten Schatz festzuhalten.

Fünf Merkmale christlicher Freundschaften

Wie können wir also den Fehler des Petrus in unseren eigenen Freundschaften vermeiden? Wie können wir ein Freund sein, der den Glauben anderer bewahrt und stärkt? Hier sind fünf verschiedene Wege, wie wahre christliche Freundschaft unsere Liebe zu Christus durch gegenseitige Freundesliebe stärkt.

1. Wahre Freunde fördern unsere Freude in Gott.

Gemeinschaft vertieft immer die Freude. Mein Lieblingsfilm ist gut, wenn ich ihn alleine ansehe, aber noch besser mit einem Freund. Irgendwie ist ein leckeres Essen zufriedenstellender, wenn es gemeinsam genossen wird. Ganz natürlich begeistern wir unsere Freunde dafür, gemeinsam das zu genießen, was wir lieben: „Diesen Film musst du unbedingt sehen!“ „Zu diesem Restaurant musst du unbedingt mitkommen!“
Aber von all diesen Freuden im Leben ist Gott die Größte! Wir wurden für Ihn gemacht – um Ihn zu genießen und unser Herz und Leben nach Ihm auszurichten. Und wie jede andere Freude, so ist auch unsere Freude an Gott am größten, wenn wir sie mit anderen teilen. Christliche Freunde helfen uns, uns an Gott zu erfreuen, indem sie sich gemeinsam mit uns an Ihm erfreuen.
Es ist verlockend, diese Formel umzukehren und zu verzerren, indem wir Gott dazu instrumentalisieren, mehr Freude an Menschen zu bekommen. Wenn wir uns nur an Ihn wenden, um einen Ehepartner zu erbitten oder Freunde oder Kinder, an denen wir uns erfreuen, dann offenbart sich, dass wir Gott nur als Mittel, als Instrument ansehen, um die Gemeinschaft anderer genießen zu können. Das Gegenteil wäre richtig: von der Beziehung zu Menschen zu erwarten, dass sie die Beziehung zu ihm fördern. Paradoxerweise werden wir desto mehr Freude an unseren Freundschaften haben, je mehr diese Freundschaft dazu beiträgt, dass wir uns an Gott erfreuen.

2. Wahre Freunde weisen uns auf unsere Sünde hin, die unsere Beziehung zu Gott stört.

„Treu gemeint sind die Schläge des Freundes, aber reichlich sind die Küsse des Hassers“ (Spr 27,6).
Sünde täuscht uns. Sie verdunkelt unseren Verstand und macht uns zu Narren. Das geht sogar so weit, dass wir in Sünde leben und doch überzeugt davon sind, dass wir Gott gehorsam sind (denke an die Pharisäer). Deshalb brauchen wir unbedingt Freunde.
Wir brauchen Freunde, die uns liebevoll unsere Sünde zeigen. Wir brauchen Freunde, die uns helfen, unsere Schwachpunkte zu sehen. Wir brauchen Freunde, die mit schonungsloser Ehrlichkeit zu uns sprechen (Mt 18,15) und uns mit sanftem Mitgefühl die Wahrheit über uns sagen (Gal 6,1), auch wenn wir sie nicht hören wollen (Eph 4,15).
Das ist ein entscheidender Zweck von Gemeinschaft, den nur wenige wahr haben wollen. Wir hätten lieber Freunde, die uns immer sagen, was wir hören wollen, die uns die falsche Vorstellung von Gnade vermitteln, sagen Sünde sei nicht so schlimm, und uns die falsche Hoffnung geben, dass wir auch ohne Buße tiefe Gemeinschaft mit Gott haben können. Aber weil Sünde Gift für unsere Seelen ist und ein Dieb unserer Freude an Gott, können wir auf solche wahren Freundschaften nicht verzichten.

3. Wahre Freunde ermutigen uns, Gott zu gehorchen.

„Lasst uns aufeinander achtgeben, damit wir uns gegenseitig anspornen zur Liebe und zu guten Werken“ (Hebr 10,24; vgl. 3,13).
Einerseits brauchen wir Freunde, die uns helfen, unseren Ungehorsam zu erkennen, aber wir brauchen sie auch, um uns zum Gehorsam zu ermutigen. Oft braucht Gehorsam gegenüber Gott mehr Mut, als wir alleine aufbringen können. Ohne das treue Anfeuern durch christliche Freunde verfallen wir nur allzu leicht in Stagnation und Apathie. Wir wollen vielleicht nicht absichtlich ungehorsam sein, sind aber zu zaghaft und zögerlich, um im Glauben voranzuschreiten.
Die Ermutigung, die wir geben sollen, ist keine Schmeichelei oder oberflächliche Inspiration. Ermutigung heißt, jemandem Mut und Stärke für eine schwere Aufgaben zu geben, vor der er zurückschreckt. Wir vermittelt ihm eine bessere Sicht dafür, warum der betreffende Gehorsamsschritt so wichtig für Gottes Reich ist. Wir versichern ihm, dass sein Gehorsam Gott verherrlicht und für die Ewigkeit zählt. Wie auch immer die Ermutigung konkret aussieht, sie motiviert andere, mit Ausdauer weiterzulaufen in dem Rennen, das Gott für sie bestimmt hat.

4. Wahre Freunde bringen uns in unserer Schwäche zu Gott.

„Und siehe, Männer trugen auf einer Liegematte einen Gelähmten; und sie versuchten ihn hineinzubringen und vor ihn zu legen. Und da sie wegen der Menge keine Möglichkeit fanden, ihn hineinzubringen, stiegen sie auf das Dach und ließen ihn mit der Liegematte durch die Ziegel hinunter in die Mitte vor Jesus“ (Lk 5,18-19).
Das Leben in einer gottlosen Welt, mit unserem sündigen Fleisch, im ständigen Konflikt mit einen höllischem Feind, ist einfach zu schwierig, um es alleine zu schaffen. Auf uns allein gestellt, fallen wir schnell auf die Lügen Satans herein. Auf uns allein gestellt, brechen wir rasch unter der Last der Sünde zusammen. Auf uns allein gestellt, werden wir entmutigt und erschöpft. Wie der Gelähmte brauchen auch wir andere Gläubige, die uns zu Gott tragen.
Aber wie können wir andere zu Gott bringen? Wir hören einem christlichen Freund zu, wenn er eine verborgene Sünde gesteht und waschen ihn mit der Wahrheit, dass Christus ihn gereinigt und wiederhergestellt hat. Wir können denen, die schwere Leiden für den Namen Christi tragen, die praktische Hilfe bieten, die sie brauchen. Oder wir können ganz einfach unsere Freunde im Gebet zu Gott bringen und Ihn bitten, größere Dinge in ihrem Leben zu vollbringen, als wir für sie tun können.

5. Wahre Freunde lieben uns zur Verherrlichung Gottes

„Ob ihr nun esst oder trinkt oder sonst etwas tut — tut alles zur Ehre Gottes!“ (1Kor 10,31).
Die weltliche Vorstellung von bester Freundschaft ist, dass man sich gegenseitig Komplimente macht und rühmt. „Ich kann nicht ohne dich leben!“ Lobesworte und Treueversprechen können schnell einen kurzen Adrenalinrausch und einen falschen Eindruck von Wichtigkeit und Bedeutung vermitteln. Sicherlich sollen wir einander ermutigen und bestätigen, aber christliche Freunde sollten vielmehr auf Gottes Herrlichkeit und Größe fokussiert sein – nicht auf die eigene oder die der Freunde.
Wie bei allen anderen Dingen, sollte Gott und seine Verherrlichung auch das höchste Ziel unserer Freundschaften sein. Da unsere Herzen dazu neigen, von diesem Weg abzuirren und andere Dinge anzubeten, brauchen wir Freunde, die uns immer wieder an Seine Herrlichkeit und Seinen Wert erinnern.

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1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Ich finde den Artikel einfach nur toll! In der heutigen Zeit ist es leider so, dass Freundschaften oft viel zu schnell auseinander brechen, weil sie auf dem falschen Fundament gebaut sind. Hier ist es gut beschrieben was eine christliche Freundschaften ausmachen sollte!
    Vielen Dank für die Übersetzung!

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