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Warum musste der Messias aus Bethlehem kommen?

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Dieser Artikel von Ludwig Rühle erschien im Timotheus Magazin 4/2018.

Im Buch Micha finden wir eine der bekanntesten Messias-Verheißungen: „Und du, Bethlehem Efrata, die du klein bist unter den Tausenden in Juda, aus dir soll mir der kommen, der in Israel Herr sei, dessen Ausgang von Anfang und von Ewigkeit her gewesen ist“ (5,1). Das ganze Buch Micha macht offensichtlich, wie sehr Gottes Volk diesen Retter braucht. Nur er kann das Volk aus ihren Sünden und damit vor Gottes Gericht retten (1,3-5; 7,18-20). Insbesondere durch die Geschichte der Weisen aus dem Morgenland, die den neugeborenen König suchen und dabei nach Bethlehem gewiesen werden, wird deutlich, dass Jesus dieser Retter ist. Aber warum musste er gerade aus Bethlehem kommen?

Der Name Bethlehem

Stell dir vor, du hast auf einer Wanderung Hunger und freust dich auf ein gutes Essen. Wenn du dich mit knurrendem Magen Hamburg oder Frankfurt näherst, wird deine Erwartung und Vorfreude durch die Assoziation mit Hamburgern oder Frankfurter Würstchen viel größer sein, als wenn dich das Ortsschild von Leer an deinen leeren Magen erinnert. Namen haben Bedeutung und erwecken in uns Hoffnungen oder zumindest Erwartungen. Gerade in der Bibel haben Namen meistens eine tiefere Bedeutung. „Bethlehem“ bedeutet übersetzt Haus des Brotes. Dass Jesus, der uns das Brot des Lebens gibt und der selbst das Brot des Lebens ist, in „Brothaus“ geboren wurde, ist kein Zufall.

Die Stadt Davids

Jesus wurde in Bethlehem geboren, um anzuzeigen, dass er der verheißene Sohn Davids ist. Auch König David stammte aus Bethlehem (samt seinen Vorfahren Ruth, Boas und Isai: Ruth 1,1.22; 4,11), und er hatte von Gott die Verheißung bekommen, dass aus seiner Linie der Messias, der Retter, kommen sollte, der ewig regieren wird. Doch auch wenn Bethlehem als die Stadt Davids bekannt war (Lk 2,4), wohnten und regierten er und seine Nachkommen in Jerusalem. Warum konnte Jesus nicht in der Hauptstadt, der Königsstadt, geboren werden?

Ein Neuanfang

„Nun aber schließe deine Reihen, du Schar! Man hat eine Belagerung gegen uns aufgestellt; mit dem Stab haben sie dem Richter Israels ins Gesicht geschlagen“ (Mi 4,14). Dieser Vers meint wahrscheinlich die Situation, in der Jerusalem von den Assyrern belagert wurde. Hiskia, ein Nachfahre Davids, war zu dieser Zeit König. In diesem Vers wird er als der Richter Israels benannt und es wird beschrieben, wie er durch seine Feinde gedemütigt wurde (2Kön 18,13-37). Hiskia war einer der guten Könige Judas. Aber auch er konnte sein Volk nicht vor dem Untergang bewahren. Und auch er selbst hat sich am Ende seiner Herrschaft mehr auf seinen Reichtum als auf Gott verlassen (2Kön 20,12-21).

Sein Sohn Manasse war dann der schlimmste König von allen. Er baute nicht nur die Höhenaltäre wieder auf und führte überall den Götzendienst ein. Er richtete sogar Götzenaltäre im Tempel des Herrn auf (2Kön 21,7) und ließ seinen eigenen Sohn als Opfer für einen Götzen verbrennen (Vers 6).

Die Königslinie Davids hatte versagt. Aber dennoch sollte der Messias ein Nachfahre Davids sein. Bethlehem weist uns auf die große Messias-Verheißung an David (2.Sam 7) und den dort verheißenen Sohn Davids hin. Doch Bethlehem macht auch deutlich, dass ein Neuanfang nötig war, denn aus Jerusalem war nichts mehr zu erwarten. So wie einst David, so sollte auch der verheißene König für einen völligen Neubeginn stehen.

Und dieser Neuanfang kam wieder aus Bethlehem, aber nicht nur aus Bethlehem. Er kam letztlich von Gott selbst. Der verheißene König aus Bethlehem würde nicht nur ein Sohn Davids, er würde zugleich der Sohn Gottes sein. „… aber aus dir soll mir hervorkommen, der Herrscher über Israel werden soll, dessen Hervorgehen von Anfang, von den Tagen der Ewigkeit her gewesen ist“ (Mi 5,1).

„An jenem Tag, spricht der HERR, will ich das Hinkende sammeln und das Verstoßene zusammenbringen und die, denen ich Unheil zugefügt habe. Und ich will aus dem Hinkenden einen Überrest machen und aus dem, was weit entfernt war, ein starkes Volk; und der HERR wird über sie als König herrschen auf dem Berg Zion von nun an bis in Ewigkeit“ (Mi 4,6-7). Gott würde in seinem Sohn kommen und König sein!

Eine „geringe“ Stadt

„Und du, Bethlehem-Ephrata, du bist zwar gering unter den Hauptorten von Juda …“ (Mi 5,1). Schon der Geburtsort sollte die Niedrigkeit, ja, die Erniedrigung des verheißenen Königs ausdrücken. Bethlehem war gering unter den Hauptorten von Juda. Es war ein Dorf, nach heutigen Maßstäben ein „Kaff“. Die Erniedrigung ging sogar noch weiter: Jesus – der rechtliche Sohn Davids aus königlicher Linie, der Sohn Gottes, menschgewordener Gott – wurde in Bethlehem in einem Stall geboren und in einen Futtertrog gebettet.

Warum war die Erniedrigung so wichtig, dass schon 700 Jahre vor Christi Geburt durch den Geburtsort darauf hingewiesen wurde? Und dass schon 1000 Jahre vor Christi Geburt der große König David als ein einfacher Hirte aus diesem Ort kommen musste? Schon durch die Geburt des Messias wurde deutlich, welchen Weg Jesus gehen würde. Den Weg der Erniedrigung, den Weg zum Kreuz. Doch was hat das mit dieser glorreichen Herrschaft zu tun, von der Micha spricht? „Und Er wird auftreten und sie weiden in der Kraft des HERRN und in der Hoheit des Namens des HERRN, seines Gottes; und sie werden sicher wohnen; denn nun wird er groß sein bis an die Enden der Erde“ (Mi 5,3).

Wie würde er sie vor den Feinden und vor Gottes Gericht retten, das die Feinde (in diesem Fall die Assyrer) ausführten? Indem er sie aus ihren Sünden rettete. Und wie konnte er das tun? Indem er die Schuld der Sünder, ja die Strafe, das Gericht Gottes über die Sünde auf sich nahm. Und das geschah am Kreuz.

Bethlehem steht nicht für ländliche Beschaulichkeit und weihnachtliche Dorfromantik. Bethlehem ist ein Hinweis auf die Erniedrigung des Sohnes Gottes und ein Fingerzeig auf das Kreuz. Am Anfang ein schreiendes Bündel Mensch auf einer Handvoll Stroh. Am Schluss der Todesschrei eines geschundenen Menschen, dessen Hände roh ans Kreuz genagelt sind.

Durch seine Erniedrigung von der Krippe bis zum Kreuz sollte der Messias das Reich Gottes bringen und die uralte Verheißung an David erfüllen: „Und er wird auftreten und sie weiden in der Kraft des HERRN und in der Hoheit des Namens des HERRN, seines Gottes; und sie werden sicher wohnen; denn nun wird er groß sein bis an die Enden der Erde. Und dieser wird der Friede sein!“ (Mi 5,3-4).

Der Messias ist der gute Hirte, der sein Volk in der Kraft des Herrn weidet und ihnen Frieden bringt, denn er gab sein Leben für die Schafe. Und so besiegte er die Feinde, ja, auch die größten Feinde des Menschen, die Sünde, den Teufel und selbst den Tod. Lasst uns Weihnachten feiern mit tiefem Dank für Jesu Erniedrigung zu unserer Rettung.

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