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Organspende für Christen? Auszug aus dem Buch “Heil oder Heilung”.

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Organspende für Christen?

Auszug aus dem Buch Heil oder Heilung? Dienst an Kranken im 21. Jahrhundert
Beitrag von Ottfried Windecker

An dieser Stelle möchte ich das Thema Organtransplantation aufgreifen. Ich werde mich dabei auf den Aspekt der Organentnahme bei so genannten hirntoten Patienten beschränken, da hier der Kern des Konflikts deutlich wird.

Zunächst möchte ich ausdrücklich erklären, dass mein ganzes Mitgefühl jenen Patienten gilt, die schwer organisch krank sind und darunter unsagbar zu leiden haben. Aber wir dürfen gewisse Fakten nicht unter den Teppich kehren.

Tatsache ist, dass die Transplantation von Organen, mit Ausnahme der Übertragung paariger Organe, erst durch eine Änderung der Todesdefinition möglich wurde. Grundlage für die Neudefinition des Todes waren die von einem Ad-hoc-Komitee der Harvard-Medical-School erstellten Kriterien für die Feststellung des »irreversiblen Komas«. Sie wurden 1968 publiziert. Seitdem wird der sogenannte »Hirntod« als »Tod des Menschen« weitgehend akzeptiert. Man nennt seitdem das Versagen des Organs Gehirn »Hirntod« und den übrigen Leib »Restkörper«.[Report of the Ad Hoc Committee of the Harvard Medical School to Examine the Definition of Brain Death: A definition of irreversible coma. JAMA 205: 337-340, 1968]

Zur Erinnerung: Am 3. Dezember 1967 gelang es Professor Barnard in Kapstadt erstmals, ein Herz zu transplantieren. Die Welt jubelte angesichts dieser modernen medizinischen Errungenschaft. In diese Euphorie passte natürlich nicht die Frage, woher Barnard dieses transplantierte Herz erhalten hatte. Aber diese Frage war der Ausgangspunkt für eine neue Todesdefinition. Umdefinition hieß das Zauberwort, um aus dem Dilemma herauszukommen.[Eisenmenger, W. und W. Spann: Wann ist der Mensch tot? Münch. Med. Wschr. 137: 508-509, 1995]

Sind Organspender tot?

Die entscheidende Frage aber bleibt: Sind Organspender tot? Tatsache ist, dass bis 1968 weltweit anerkannt war, dass der Mensch dann tot ist, nachdem sein Herz-Kreislauf-System unwiderruflich stillsteht. Eine Leiche ist ohne Herzschlag, ohne Reflexe, starr, kalt und weist alsbald Leichenflecke auf.

Seit die Harvard Universität 1968 die neue Todesdefinition eingeführt hat, gibt es weltweit viele verschiedene Todesdefinitionen.

Jene Menschen, die sich in einem irreversiblen Koma befinden und die man heute für hirntot, ja für tot erklärt, galten vor 1968 als lebend! Seit der Umdefinierung des Todesbegriffes gelten diese Menschen – in vielen, wenn auch nicht in allen Ländern – aber als tot.

Seitdem gibt es – per Neudefinition – »Leichen«,

  • die atmen, schwitzen oder frieren, Fieber haben können, mit den Zähnen knirschen, sich im Bett aufrichten, um sich schlagen oder treten, das Pflegepersonal umarmen, deren Haut rosig schimmert und im Sommer vielleicht von der Sonne gebräunt ist;
  • bei denen das Herz schlägt und die ein intaktes Stoffwechselsystem aufweisen, die sich warm anfühlen;
  • deren Glieder beweglich sind und deren Brustkorb sich hebt und senkt;
  • die Ausscheidungen haben und bei denen Tränen fließen können;
  • deren Wunden, wenn man ihre Haut aufritzt oder aufschneidet, wieder heilen würden;
  • die von den Schwestern und Pflegern mit ihrem Namen angesprochen werden und sich in nichts von anderen Patienten unterscheiden, die künstlich beatmet werden;
  • Männliche »Leichen«, die noch Kinder zeugen könnten und weibliche »Leichen«, die noch bis zu 3-4 Monate Kinder austragen und gebären könnten.

Dennoch erklärt man diese Menschen für tot. Aber an einer Todeserklärung ist noch niemand wirklich gestorben. Weder Geburt noch Tod sind ein absolut definierter Zeitpunkt. Der Arzt muss hier gebührend abwarten und darf nicht selbstherrlich das Wesen des Menschen auf Teile des Gehirns reduzieren.[Schmid-Jortzig, E. und E. von Klaeden: Leichen bekommen kein Fieber. FAZ, 13. 05. 1997]

So tot wie möglich … ?

Das Dilemma ist, dass man als potentieller Spender so tot wie möglich sein möchte und als Organempfänger diese Organe so frisch und lebendig wie möglich erhalten möchte.

Kann aber ein Mensch für tot angesehen werden, wenn 97 % seiner Körperzellen noch funktionieren, aber nur 3 %, die sein Gehirn ausmachen, ausgefallen sind? [»Der Hirntod ist eine Phase im Sterben und damit Teil des Lebens. Wann ist der Mensch tot / Ein Gespräch mit dem Mediziner Linus Geisler über die Voraussetzungen einer Organentnahme.« Frankfurter Rundschau, 24. 02. 1995]

Wird der Patient nach Eintritt des sogenannten »Hirntodes« weiter beatmet, kann seine Lebensspanne noch 2 bis 4 Wochen, bei einer Schwangeren bis zu 4 Monaten betragen.[Byrne, P. A. et al: Brain death – the patient, the physician, and society. Gonzaga Law Review 18 (3), 429-516 1992-1983, in Medizin und Ideologie, Informationsblatt der Europäischen Ärzteaktion, 16. Jahrg., 12/1994, S. 57] Danach ist der Sterbeprozess auch durch künstliche Beatmung nicht mehr aufzuhalten, denn man kann keinen Toten beatmen!

Nach dem Hirnforscher Gerhard Roth ist die Aussage, »der Tod eines Menschen sei dann eingetreten, wenn seine gesamten Hirnfunktionen irreversibel ausgefallen sind (…) aus physiologischer Sicht nicht haltbar. (…) Er darf auch dann nicht zur Leiche erklärt werden, wenn man seine Organe gebrauchen kann, um andere Leben zu retten. Das Gehirn darf nicht als Obersteuerorgan und als ganzmachendes Organ mystifiziert werden … Das Gehirn, speziell der Gehirnstamm, ist im Hinblick auf die Aufrechterhaltung des Lebens ein Organ wie andere Organe auch und kann wie diese zumindest teilweise ersetzt werden. Ebenso darf die Tatsache, dass der Hirntod den Gesamttod unweigerlich nach sich zieht, nicht als Besonderheit des Gehirns bewertet werden. Das Versagen der Nieren führt genauso unweigerlich zum Tod eines Menschen wie der Ausfall des Hirnstamms, sofern man nicht ihre Funktion ersetzt hat. Niemand wird aber beim Ausfall der Nierenfunktion von einem toten Menschen sprechen, einer Leiche … Die Gleichsetzung von Hirntod und Gesamttod des Menschen ist daher abzulehnen.« Es wird behauptet, »dass der Ausfall der gesamten Hirnfunktion mit den heute angewandten Verfahren mit völliger Sicherheit festgestellt werden könne. Es existiere also ein eindeutiges Gesamthirntodkriterium. Diese Aussage ist falsch. Der Hirntod ist nicht völlig eindeutig diagnostizierbar. Weder Atemstillstand noch Ausfall der tieferen Hirnstammreflexe, noch neurophysiologische Registrierverfahren, noch Dopplersonographie erfassen mit völliger Sicherheit alle Hirnfunktionen. Dies ist entgegen vieler Verlautbarungen der Fachwelt seit langem bekannt.«[Auszug aus dem 17. Sitzungsprotokoll des Ausschuss für Gesundheit am 28. 06. 1995, 24f., http://www.supervision-hamburg-gesundheitswesen.de/rotondo/veroeffentlichungen/handbuch_intensiv.html]

Leben ist mehr als messbare Hirnströme

Das Leben von Menschen auf messbare Hirnströme zu reduzieren ist äußerst fragwürdig, weil der ganze Mensch als Geist-Seele-Leib-Einheit von der Medizin dann überhaupt nicht mehr wahrgenommen wird.[Balkenohl, M.: Der umstrittene Hirntod. 1995, www.initiative-kao.de/Der_umstrittene_Hirntod.htm] Im Wort Gottes sehen wir sehr deutlich, dass der Mensch erst nach Aufgabe des Geistes tot ist. »Und er neigte das Haupt und übergab seinen Geist.«

»Denn wir wissen, dass, wenn unsere irdische Zeltwohnung abgebrochen wird, wir einen Bau von Gott haben…Darum sind wir allezeit getrost und wissen, dass solange wir im Leibe wohnen, wir nicht daheim sind bei dem Herrn« (2Kor 5,1+6).

Das EEG (Elektroenzephalogramm) geht ohnehin maximal nur 3 mm in die Hirnrinde, und die Hirntod-Diagnose ist wie alle medizinischen Diagnosen und Prognosen nie hundertprozentig sicher. Es kann z. B. niemand nachweisen, ob ein »Hirntoter«, also ein sich in der Sterbephase befindlicher Mensch, noch Angst empfindet und Schmerzen hat. Das ist eben nicht messbar.[Evers, J. und P. A. Byrne: Hirntod – Sind Organspender wirklich tot? Eine kritische Abhandlung. In Medizin und Ideologie, Informationsblatt der Europäischen Ärzteaktion, 16. Jahrg., 12/1994, S. 55f]

Was wollen wir?

Der Bonner Neurologe Prof. Linke sagt in seinem Buch »Hirnverpflanzung – Die erste Unsterblichkeit auf Erden«,[Linke, D. B.: Hirnverpflanzung. Die erste Unsterblichkeit auf Erden. Rowohlt, Hamburg 1993] dass es bei manchen medizinischen Projekten längst nicht mehr nur um »mehr Lebensqualität«, sondern um »Unsterblichkeit« geht. Es geht um den »schönen neuen Menschen«, nicht einmal mehr darum, sein zu wollen wie Gott, sondern besser als Gott!

Als ideologischen Unterbau braucht man dafür die Evolutionstheorie und die Leugnung des Schöpfergottes. Den Sündenfall und die Erlösungsbedürftigkeit des in seiner Natur verdorbenen Menschen muss man dann verneinen. Folgerichtig gilt bei dieser Sichtweise der Mensch mit seinen Krankheiten und Leiden als eine Fehlproduktion. Also muss man in den evolutionären Prozess – um jeden Preis – eingreifen. Man glaubt dies zu dürfen, weil man es kann.

Für Christen sind Sterben und Tod der Übergang in das Reich Gottes. »Es ist dem Menschen bestimmt, einmal zu sterben, danach aber das Gericht (Gottes)«, sagt der Hebräerbrief (9,27). Wer an Jesus Christus als seinen Retter glaubt, sagt mit dem Apostel Paulus: »Sterben ist mir Gewinn.« Der Zeitpunkt des Todes liegt in Gottes Ratschluss. Der Mensch hat nicht darüber zu entscheiden!

Ich möchte meine Ausführungen mit zwei Zitaten aus der Bibel abschließen: »Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses …« (Römer 12,10). Sie tötet auch nicht! »Denn keiner von uns lebt sich selbst und keiner von uns stirbt sich selbst. Leben wir, so leben wir dem Herrn, sterben wir, so sterben wir dem Herrn; ob wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn« (Römer 14,7+8).

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