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Playmobil-Luther ohne Ende – und damit ohne Christus

Playmobil 9325 - Martin Luther, 500 Jahre Reformation 1517-2017

Playmobil 9325 – Martin Luther, 500 Jahre Reformation 1517-2017

Martin Luther ist die erfolgreichste Playmobilfigur aller Zeiten. Über eine Million Exemplare wurden bereits verkauft. Es gab jedoch auch einen kleinen Skandal um die Figur. In der ersten Auflage (Playmobil-Nr. 6066) stand das Wort „ENDE“ in Großbuchstaben auf der linken Seite der aufgeschlagenen Bibel in Luthers Hand, nämlich unter den Worten „Bücher des Alten Testaments“. Auf der Seite rechts daneben war und ist „Das Neue Testament übersetzt von Doctor Martin Luther“ zu lesen. Von Seiten jüdischer Repräsentanten wurde das Wort „ENDE“ als diskriminierend interpretiert und als antisemitisch angeprangert, und Vertreter der evangelischen Landeskirchen stimmten in die Kritik mit ein. Und so verschwand das Wort „ENDE“ in der Neuauflage des Spielzeug-Luthers (Playmobil Nr. 9325).

Die Begründung, warum das Wort „ENDE“ unter dem Alten Testament antisemitisch sein soll, kommt mir schwer nachvollziehbar und an den Haaren herbeigezogen vor. Es könne angeblich so verstanden werden, dass das Alte Testament als beendet und überwunden und durch das Neue Testament abgelöst angesehen wird, was dann wiederum antijüdisch gedeutet werden könne – so argumentiert der jüdische Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik.  Und von evangelisch-landeskirchlicher Seite:   Da die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau gerade auf einer Synode „die bleibende Erwählung der Juden und Gottes Bund mit ihnen“ bestärkt habe, sei es irritierend, auf einer Playmobil-Figur „das Ende des Alten Testaments zu proklamieren“. Dann müsste allerdings auch dasselbe Wort „ENDE“ in der aufgeschlagenen Bibel des berühmten Luther-Standbildes auf dem Marktplatz von Wittenberg entfernt werden. Diese 1821 von Johann Gottfried Schadows geschaffene klassizistische Statue dient als historisches Vorbild für die Playmobil-Figur.

Dem Neuen Testament zufolge ist eine Ablehnung des „Endes“ des Alten Testaments unmittelbar eine Ablehnung Jesu Christi selbst. Denn er in Person ist ja „des Gesetzes Ende“ (Römer 10,4), und zwar in einem ganz positiven Sinne: Er hat das Gesetz erfüllt und er ist derjenige, auf den das Gesetz und das ganze Alte Testament hinweist und zu ihm hinführt. Das Alte Testament (die hebräische Bibel, bei den Juden „Tenach“ genannt) ist kein in sich abgeschlossener Selbstzweck, sondern ein Weg, und dessen wunderbares Ziel und Ende ist der verheißene Erlöser Jesus Christus.

Aufschlussreich ist in diesem Zusammenhang, was Paulus in 2. Korinther 3 über das Ende der alttestamentlichen Ordnung schreibt und warum das Volk Israel dieses Ende nicht sieht und nicht wahrhaben will. Dort greift Paulus auf die Begebenheit von 2. Mose 34,29-35 zurück, wo Moses mit strahlendem Gesicht von der Begegnung mit Gott auf dem Berg Sinai ins Lager der Israeliten zurückkehrte und sich anschließend eine Decke übers Gesicht legte, „damit die Söhne Israels nicht auf das Ende des Vergehenden blicken sollten“ (2Kor 3,13). „Das Vergehende“ ist in diesem Zusammenhang eindeutig das alttestamentliche Gesetz: Bereits in Vers 11 wird der alte Bund (im griechischen derselbe Ausdruck wie „altes Testament“) als „das Vergehende“ bezeichnet. Vergänglichkeit ist ein Wesensmerkmal der alttestamentlichen Ordnung. Sie muss ein Ende haben.

Auch in der folgenden Zeit legte Mose immer, wenn er mit strahlendem Gesicht aus dem Zelt der Begegnung kam, eine Decke über sein Gesicht, damit die Israeliten nicht das Erlöschen der Herrlichkeit dieser alttestamentlichen Ordnung sahen (2Mo 34,34-35). So ist für das jüdische Volk die Herrlichkeit des alten Bundes bis heute immer noch die größte Herrlichkeit. Sie erkennen nicht, dass sogar diese strahlende mosaische Herrlichkeit ein bloßer Schatten ist im Vergleich zur „überragenden“ und „bleibenden Herrlichkeit“ (2Kor 3,10-11) des Neuen Bundes: Jesus Christus selbst.

Wenn sie sich zum Herrn wenden, wird diese Decke von ihrem Herzen weggenommen (2Kor 3,16). Wenn ein Jude – oder sonst irgendein Mensch – sich zu Jesus Christus bekehrt, erkennt er „den Lichtglanz des Evangeliums von der Herrlichkeit des Christus“ (2Kor 4,4). Er erkennt, dass der ganze Sinn und Zweck des Alten Testaments darin besteht, auf Jesus Christus hinzudeuten. Er erkennt und glaubt, dass Jesus der Retter ist, er eine „ewige Erlösung“ und ein „ewiges Erbe“ für die erworben hat, die an ihn glauben (Hebr 9,12.15).

Das Alte Testament ist herrlich, aber seine Ordnung war nicht ewig, sondern vergänglich. Die Israeliten bzw. Juden haben das herrliche Privileg, dass ihnen diese einzigartige Offenbarung Gottes anvertraut wurde (Röm 3,2). Aber durch den Neuen Bund hat Gott „den ersten für veraltet erklärt; was aber veraltet und sich selbst überlebt, ist dem Verschwinden nahe“ (Hebräer 8,13). Wenn das Alte Testament kein Ende hätte, hätten wir keine bleibende Hoffnung auf Vergebung und Gemeinschaft mit Gott. Aber weil Jesus Christus ewig lebt und einen ewigen Bund gestiftet hat, gibt es eine ewige und herrliche Erlösung ohne Ende.

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