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Ist es gut, einen Kruzifix um den Hals zu tragen?

Ein Kruzifix ist ein Kreuz mit einer künstlerischen Darstellung des Leibes Christi daran (von lateinisch cruci, „Kreuz“, und fixus, „angeheftet). Traditionell werden Kruzifixe im Katholizismus zur Andacht und Anbetung gebraucht, sowohl in großformatiger Gestalt als Bildnisse in Kirchen und an Wegen, oder auch in Miniaturform als Halsschmuck. In letzter Zeit wird das Kruzifix auch unter evangelischen Christen immer beliebter. Ist das gut oder zumindest in Ordnung, oder widerspricht es dem biblischen Glauben?

Zuallererst müssen wir hier das Zweite Gebot bedenken: „Du sollst dir kein Götterbild machen, auch keinerlei Abbild dessen, was oben im Himmel oder was unten auf der Erde oder was in den Wassern unter der Erde ist. Du sollst dich vor ihnen nicht niederwerfen und ihnen nicht dienen. Denn ich, der HERR, dein Gott, bin ein eifersüchtiger Gott …“ (2Mo 20,4-5). Dieses Gebot wird in den katholischen Katechismus bezeichnenderweise üblich ausgelassen (und dafür das Zehnte Gebot in zwei Gebote unterteilt, um auf zehn Gebote zu kommen).

In diesem Zweiten Gebot geht es eindeutig um solche Bildnisse, die dem Zweck der religiösen Verehrung und spirituellen Kontemplation dienen („… sollst dich vor ihnen nicht niederwerfen und ihnen nicht dienen“). Ob es falsch oder in Ordnung ist, Jesus z.B. in Kinderbibeln abzubilden, kann hiermit zunächst nicht geklärt werden. Eindeutig ist jedoch, dass wir keinerlei Bildnisse bei unserer Anbetung und Verehrung des wahren Gottes verwenden sollen. Wer behauptet, ein Kruzifix sei gut, weil es ihn an Jesus erinnert und in die Anbetung führt, verfehlt komplett den Sinn des Zweiten Gebotes.

Das Bilderverbot des Zweiten Gebotes ist dabei absolut umfassend: Es verbietet nicht nur Bildnisse von Tieren („auf der Erde … in den Wassern“) oder Sternen („oben im Himmel“) sondern auch von Menschen, einschließlich des in Jesus menschgewordenen Gottes: „… keinerlei Abbild …“. Das ist absolut und schließt kategorisch alle erdenklichen Bildnisse zwecks Gebet und Kontemplation aus. Unsere Verehrung des wahren Gottes der Bibel, der in Jesus Mensch wurde, muss völlig losgelöst von jeglichen bildlichen Darstellungen sein.

In 5. Mose 4 erinnert Mose die Israeliten daran, dass sie am Berg Sinai nur Gottes Stimme hörten, aber „keine Gestalt sahen“ (5Mo 4,12; im Hebräischen dasselbe Wort wie „Abbild“ im Zweiten Gebot). Direkt daran anknüpfend folgt die Warnung: „So hütet eure Seelen sehr – denn ihr habt keinerlei Gestalt gesehen an dem Tag, als der HERR am Horeb mitten aus dem Feuer zu euch redete –, dass ihr nicht zu eurem Verderben handelt und euch ein Götterbild macht in Gestalt irgendeines Götzenbildes, das Abbild eines männlichen oder eines weiblichen Wesens …“ Diese Warnung vor Bilderdienst erstreckt sich eindringlichst über fast den ganzen Rest von 5. Mose 4: Immer wieder weist Mose darauf hin, wie einzigartig es war, dass sie Gottes Stimme gehört, aber nicht seine Gestalt gesehen haben. Das ist zwar das Alte Testament, aber für uns heute gilt noch vielmehr: Wir haben Gottes wunderbares Wort – die Bibel, die abgeschlossene Offenbarung Gottes –, aber keine Video- oder Fotoaufnahmen aus Jesu Leben. Wir haben ihn gehört, aber nicht gesehen. Und es gehört sicher zu Gottes perfekter Zeitplanung, dass Foto- und Filmtechnik damals noch nicht erfunden war.

Allerdings hat der Herr Jesus selbst ein sichtbares Bild verordnet, um an ihn zu denken: das Bild von Brot und Wein des Abendmahls, das uns symbolisch an sein Leiden am Kreuz erinnert. Christen sollen gemäß Jesu Aufforderung dieses „Mahl des Herrn“ immer wieder begehen: „… Dies tut zu meinem Gedächtnis“ (Lk 22,19; 1Kor 11,24). Das ist die biblische Art und Weise, sich durch ein sichtbares „Bild“ an ihn zu erinnern!

J.I. Packer stellt in seinem Buch „Gott erkennen“ (Kapitel 4) zwei Gründe heraus, warum es für Christen so wichtig ist, Gott gänzlich ohne bildliche Darstellung zu verehren: Erstens verunehren Bilder Gott, weil sie seine Herrlichkeit verdunkeln, und zweitens führen sie uns eben deshalb in die Irre.  Ein Künstler kann bestenfalls seine Kunstfertigkeit darstellen, aber niemals eine angemessene Widerspiegelung Gottes. Kein Bild der Welt kann Gott angemessen repräsentieren. Wann immer wir eine angebliche Darstellung Gottes präsentiert bekommen, ist sie Lüge und nie die reine Wahrheit. Das wahre Wesen Gottes kann nicht durch Bilder dargestellt werden. Und auch wenn die Kreuzigungsszene einen ganz wesentlichen Aspekt Gottes und Christi

 

darstellt, ist auch die Darstellung der Kreuzigung immer einseitig und zeigt nur Jesu Erniedrigung, aber nicht seine Erhöhung und Erhabenheit. Paulus schreibt, „wenn wir Christus auch nach dem Fleisch gekannt haben, so kennen wir ihn doch jetzt nicht mehr so“ (2Kor 5,16) und verweist dann auf die Auferstehung und neue Schöpfung. Jesus Christus ist für Christen jetzt der auferstandene Herr zur Rechten Gottes. Das (leere, reine) Kreuz mag ein christliches Symbol sein und als solches gebraucht werden, aber sich ein Kreuz mit dem Leib des Gekreuzigten um den Hals zu hängen, ist entweder Abgötterei oder Irrsinn. Wir brauchen keinen in Metall gegossenen eisernen oder aus Holz geschnitzten Leib des Gekreuzigten, sondern wir brauchen den Verdienst des Gekreuzigten (nur dadurch ist Versöhnung mit Gott und somit Anbetung möglich). Und wir brauchen die Gesinnung und den Geist des Gekreuzigten. Und den finden wir im Wort der Bibel.

Im Jubiläumsjahr der Reformation tun wir gut daran, uns von den schädlichen und Gott verunehrenden Einflüssen des Katholizismus abzuwenden und zum lebendigen Wort Gottes hinzuwenden, denn das ist echte Reformation.

 

Hilfreich hierzu ist der Heidelberger Katechismus:

Frage 97: Soll man denn gar kein Bildnis machen?
Antwort: Gott kann und soll keineswegs abgebildet werden; die Kreaturen aber, ob sie schon mögen abgebildet werden, so verbietet doch Gott derselben Bildnis zu machen und zu haben, dass man sie verehre oder ihm damit diene.

Frage 98: Mögen aber nicht die Bilder als der Laien Bücher in den Kirchen geduldet werden?
Antwort: Nein, denn wir sollen nicht weiser sein denn Gott, der seine Christenheit nie durch stumme Götzen, sondern durch die lebendige Predigt seines Wortes will unterwiesen haben.

Diskussion zum Thema in: „Wer sucht, der findet“ (Heidelberger Trilogie Band 2), ab Seite 217

(Hans-Werner Deppe, inspiriert durch einen Artikel von Tim Challies)

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