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Evangeliumsverkündigung bei Johannes Hartl

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Eine Analyse seines Vortrags „Das entfesselte Evangelium“

In unserem Blog wies mich jemand in einem Kommentar auf einen Vortrag von Johannes Hartl hin, in dem dieser junge katholische Theologe seine Auffassung vom Evangelium ausführlich (ca. 50 Minuten lang) darlegt:  „Das entfesselte Evangelium“, gehalten auf der MEHR-Konferenz 2018 und zu finden auf Youtube: https://www.youtube.com/watch?v=u9HG-XXiQNg. Ich habe das zum Anlass genommen, anhand dieses Vortrags zu prüfen, was für ein Evangelium Johannes Hartl predigt, und den Vortrag dazu teils mehrfach angehört.

Ich muss sagen, dass ich schätzungsweise 97% dessen, was Johannes Hartl sagt, zustimmen kann. Er entlarvt sehr gut verbreitete falsche Einstellungen und Ansichten wie Relativismus und Moralismus („Gute-Mensch-Religion“), Narzissmus, Schönrednerei, Anklägerei usw. Das Entkräften falscher Vorstellung nimmt dabei den Großteil des Vortrags ein, etwa die ersten zwei Drittel.

Was ich neben den vielen guten, richtigen und hilfreichen Aussagen jedoch sehr problematisch finde, sind drei Punkte:

  1. die meiner Meinung nach falschen 3% seiner Aussagen,
  2. das, was er nicht sagt, aber unverzichtbar zum Evangelium gehört, und
  3. was er sonst noch glaubt, in diesem Vortrag aber nicht sagt.

1. Fragwürdige und unbiblische Aussagen

Ich will nicht das Haar in der Suppe einzelner Sätze heraussuchen; mit der Goldwaage könnte man in Hartls Vortrag wohl wie bei allen menschlichen Vorträgen etliche Fehlerchen finden. Seine längeren geistesgeschichtlichen und philosophischen Ausführungen sind sehr interessant, aber teils unangebracht simplifiziert und Kenner von Philosophie, Geschichte und Literatur hätten hier die eine oder andere Korrektur zu melden (Beispiel: bezeichnenderweise macht er in seinem Abriss einen Hoch- und Weitsprung über die Reformation hinweg vom Hochmittelalter direkt zur Aufklärung). Seine flapsige Ausdrucksweise wäre ihm nachzusehen, wenn sie doch eindeutig wäre, aber seine (zugeben einzigartig geschickte) Kombination unkonventioneller cooler Begriffe mit traditionellen Begriffen als Worthülsen macht seine Rhetorik zwar attraktiv, aber auch nebulös. Wer es genau wissen will, fragt sich immer wieder: Was meint er damit? (Siehe z.B. unten zum Begriff „Ankläger“.) Nun will ich aber vier Hauptpunkte a bis d herausstellen, die mir besonders aufgefallen sind:

a) Johannes Hartl arbeitet in dem Vortrag viel mit Anschauungsobjekten, u.a. ein Modell eines Herzens, das mit einer Art dreckigem Knetgummi („ekeliger Schleim“) umhüllt ist. Seine Aussage: Das Herz des Sünders sei von ekeligem Schleim umhüllt. Biblisch richtig wäre aber, dass das Herz nicht nur von Schlechtem umhüllt, sondern an sich und in sich böse ist (Jer 17,9 u.a.). Deshalb braucht der Sünder ein neues Herz; er muss wiedergeboren werden. Hartls Anschauungsobjekt des Schleims um das Herz vermittelt einen anderen, abgeschwächten Eindruck. So hat er auch vorher schon gesagt: „Allem, was Menschen tun, haftet ein Geschmäckle an, was nicht nur gut ist“. Ein „Geschmäckle“ ist sehr schwach ausgedrückt, aber tatsächlich lehrt die römisch-katholische Kirche auch nicht die völlige Verdorbenheit des Menschen. Der Mensch ist in der röm.-kath. Lehre nicht „tot in Sünden“, sondern nur verletzt: „… die menschliche Natur ist nicht durch und durch verdorben, wohl aber in ihren natürlichen Kräften verletzt“ (Katechismus der Katholischen Kirche; Nr. 405).

b) Hartl stellt Gott nicht als Richter dar, sondern nur die Seite, dass er nicht mehr verurteilt. Der Bibeltext seines Vortrags (was durch vereinzelte Zitate im Verlauf des Vortrags deutlich wird) ist Römer 8 und dort insbesondere die Aussage, dass Gott jene, die in Christus sind, nicht mehr anklagt. Hartl stellt dies aber recht vage und allgemein dar, sodass der Zuhörer den Eindruck hat, dies gelte pauschal für alle Menschen oder alle Katholiken oder einen irgendwie unklar definierten Großteil der Menschen. Und das ist der Kern-Knackpunkt in Hartls Evangelium-Darstellung: Er unterscheidet nicht klar zwischen verloren und gerettet, sondern pauschalisiert und verallgemeinert das Heil.

Richtig wäre: Gott ist auch ein Richter; er ist heilig und gerecht und richtet deshalb zurecht aufgrund seiner Gerechtigkeit seinen Zorn gegen Sünder. Das ist das Thema der ersten Kapitel des Römerbriefes ist. Hartl springt aber mehrfach gleich nach Römer 8 und lässt Hauptbestandteile des Evangeliums, die in Römer 1-7 beschrieben werden, weg. Zwar erläutert Hartl teilweise die Sündenproblematik, die auch in Römer 1-3 beschrieben wird, aber dass Gott aufgrund seiner Heiligkeit und Gerechtigkeit Zorn gegen Sünder hat, die deshalb verloren sind, kommt so nicht in seinem Vortrag vor.

c) Hartls relativ kurze Darstellung dessen, was seiner Auffassung nach am Kreuz geschah (ca. 10 Minuten des Vortrags), finde ich ambivalent. Teils sind seine Ausführungen beeindruckend und berührend, aber teils auch fragwürdig. Das Kreuz verdeutliche zwei Botschaften: Erstens „So verloren wärst du“ (wobei unklar bleibt, was genau Hartl damit meint) und zweitens „Der Ankläger, der Zerstörer hat sein Werk am Kreuz getan … und seitdem tut er sein Werk nirgendwo mehr“. Wer ist dieser Ankläger und Zerstörer? Gott nicht, das hatte Hartl vorher klargestellt. Meint er den Teufel? Das scheint nahezuliegen. Das wäre aber eine fatale Aussage, denn nicht der Teufel hat sein Werk am Kreuz getan, sondern Gott selbst war es, der seinen Sohn seinen gerechten Zorn spüren ließ. Dem Teufel (sofern Hartl tatsächlich ihn meint, was offenbleibt) eine Beteiligung am Erlösungswerk zuzuschreiben, empfinde ich als blasphemisch. Und auch die Aussage „seitdem tut er sein Werk nirgendwo mehr“ ist in Bezug auf den Teufel falsch. Der Teufel „geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlingen kann“ (1Petr 5,8) und er verblendet und verführt nach wie vor die Sünder, die zu seinem Reich gehören (2Kor 4,4; Eph 2,2 etc.). Am Kreuz ist seine Niederlage jedoch besiegelt worden, das stimmt.

Möglicherweise meint Hartl mit „Ankläger und Zerstörer“ jedoch das Gesetz (ein kurzer Bezug auf Römer 8,2 in 41:30 könnte dies nahelegen). Aber auch auf das Gesetz passen seine Aussagen nicht, das Gesetz ist kein Zerstörer und nicht rein negativ. Das Gesetz ist gut, sagt Paulus, und Gott schreibt es dem Gläubigen sogar aufs Herz.  Hier wird ein wichtiger Punkt deutlich: Die biblische gegensätzliche Polarität zwischen dem völlig verdorbenen natürlichen Menschen und dem zur Heiligkeit erneuerten erlösten Menschen fehlt bei Hartl völlig. Bei ihm ist der natürliche Mensch ebenso „ein ganz normaler Sünder“ wie auch jeder Christ „ein ganz normaler Sünder“ ist. Anscheinend gibt es für ihn keinen wesentlichen Unterschied in der Heiligung, hier scheint er ganz heilspessimistisch.

d) Hartls Einladung am Ende des Vortrags ist kein Bußruf, kein Ruf zur Umkehr, zur Abkehr von der Sünde, und auch kein Ruf zum Glauben und Vertrauen allein auf Jesus als einzige Hoffnung, sondern klingt eher wie ein optionales Angebot zur Lebensverbesserung. Es bleibt unklar, was passiert, wenn man seiner Einladung nicht folgt: „Wenn dein Ich-Ideal dich erdrückt … wenn du es satt hast, so zu tun als schafftest du es aus eigener Kraft … dann erhebe deine Augen zum Kreuz und schöpfe Hoffnung.“ Das ist kein Ruf zu Buße und Glauben, sondern ein steckengebliebener „undeutlicher Ton einer Posaune“ (1Kor 14,8).

2. Lücken in Hartls Evangeliums-Darstellung

Im Römerbrief erklärt Paulus das Evangelium vollständig und systematisch. Hartl streift ein paar Themen aus Römer 1-2, manches sogar sehr gut (Moralismus), aber manches zu schwach. Dann springt er gleich zum Ende von Römer 8, was den Eindruck erweckt, die dortigen Verheißungen würden einer breiten Masse von Menschen oder vielleicht sogar allen Menschen gelten. Unklar bleibt: Wer ist ein Christ? Oder wie ein zu diesem Thema einschlägiger Buchtitel von Wolfgang Nestvogel es sagt: Wann ist ein Christ ein Christ? Was ist der Unterschied? Wer ist definitiv gerettet und wer nicht? Wie wird man wiedergeboren und ein Kind Gottes? Was ist, wenn man kein Kind Gottes ist? Warum ist Sünde überhaupt Sünde und warum verdiene ich die Hölle? Die Hölle und der gerechte Zorn Gottes kommen – wenn ich nicht erheblich etwas überhört habe – nicht vor. Und ebenso fehlen: Was ist Glauben, was bedeutet Errettung durch Glauben – allein durch Glauben, allein durch Gnade? Was ist Rechtfertigung?

Hartl macht treffende Aussagen über die Bedeutung Jesu, wie z.B. dass wir keine Stufenleiter in den Himmel selber hinaufsteigen können, sondern dass da jemand von oben herabkam, und dass Jesus das Lamm Gottes ist, das die „Last der ganzen Welt trägt“. Zum Geschehen am Kreuz erklärt er auch, dass Jesus irgendwie etwas an „unserer Stelle getan hat, was kein Mensch tun kann“, aber an diesem entscheidenden Punkt bleibt unklar, was genau er stellvertretend für wen getan hat. Hartl bezeichnet Jesus als „kompletten Büßer, den vollkommenen Umkehrenden“, der für einen „realen Ausgleich“ gesorgt und „die komplette Verantwortung übernommen hat“. Aber was meint Hartl damit? Es bleibt unklar, und er sagt nicht, dass er stellvertretend die Sündenstrafe für die getragen hat, die an ihn glauben, damit diesen Gläubigen seine Gerechtigkeit zugerechnet wird. Der Aspekt der Rechtfertigung fehlt vollständig, und das ist nach reformiertem Verständnis der zentralste Aspekt des Evangeliums. Die Frage: „Wenn Gott ein gerechter Gott ist, wie bekomme ich dann einen gnädigen Gott?“ bleibt bei Hartl unbeantwortet.

Nehmen wir als Minimal-Maßstab für ein vollständiges Evangelium einmal die Kurzform aus Johannes 3,16: „Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.“ Hartl verkündigt in diesem Vortrag den ersten Teil: Die Liebe Gottes und dass er seinen Sohn gab, aber es fehlt der zweite Teil: Was ist Glauben? Und was ist Verlorengehen im Gegensatz zum ewigen Leben? Es bleibt diffus, was von der Bibel her ein Unterschied von Tag und Nacht, von Leben und Tod ist.

Manche bezeichnen diesen Vortrag als „klares Evangelium“, ich finde ihn höchst unklar. Er verkündet, wie Spurgeon mal von Modernisten seiner Zeit sagte, dass Jesus „irgendetwas für irgendjemanden (oder alle?) getan hat, was irgendwie mit Erlösung zu tun hat“. Das Problematische daran (ähnlich wie bei den Emergenten) ist, dass er dabei weitgehend die traditionellen biblischen und evangelischen Begrifflichkeiten beibehält, so dass es nicht so auffällt.

3. Was Johannes Hartl sonst noch so glaubt:

Viele Bibeltreue können diesem Vortrag an sich sicherlich viel Gutes abgewinnen. Man sollte aber nicht vergessen, dass Hartl ein ganz linientreuer Katholik ist, der alle römisch-katholischen Dogmen und Lehren bejaht und bekennt, dass sie für ein Leben mit Gott nötig sind. In einem Interview wurde Hartl gefragt: „Gibt es für dich neben dieser persönlichen Beziehung zu Jesus noch etwas anderes, das wir beachten müssen, um voll Glauben zu leben?“ Seine Antwort: „Ja, das ist der Glaube der Kirche. Als Christ bin ich Teil der Kirche und damit Teil eines Glaubens, der eine viel längere Geschichte hat als mein persönlicher Glaube oder meine persönliche Jesus-Beziehung. Dieser Glaube der Kirche ist geprüft und verlässlich“ (Interview auf Jesus.ch). Damit meint er den Glauben und die Lehre der römisch-katholischen Kirche.

Wolfgang Nestvogel schreibt in seinem Buch „Wann ist ein Christ ein Christ?“ über Hartls Verkündigung: „Bei genauer Lektüre wird deutlich, dass diese [Hartls] Formulierung völlig vereinbar ist mit dem röm.-kath. Erlösungsverständnis … Es wird nämlich mit keiner Silbe gesagt, wie denn der Mensch diese Erlösung für sich ergreift, wie er zu Christus kommt. Wer die evangelisch klingende Rhetorik von Hartl sachgerecht einordnen will, muss die ökumenische Hermeneutik verstehen … Dann wird völlig plausibel, warum Hartl einerseits in der für Evangelikale vertrauten Sprache reden kann und zugleich ein ungebrochenes Bekenntnis zur gesamten römisch-katholischen Dogmatik vertritt“ (S. 214)

Man kann einem katholischen Theologen sicherlich nicht ankreiden, dass er die Lehren der römisch-katholischen Kirche glaubt und sie wichtig findet. Aber man kann Bibeltreuen ankreiden, wenn sie das ignorieren und sich von vereinzelten Schnittmengen zwischen katholischem und bibeltreuem Glauben ködern lassen.

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11 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Danke für diese Analyse. Genau über das, was Hans-Werner Deppe hier schreibt, bin ich auch bei Schauen von Hartls Vortrag gestolpert.

    Auch “ewiges Leben” (Joh 6,47) oder “Heilsgewissheit in Jesus” kommen weder hier, noch in seinem 90 Sekunden Video “Das Evangelium in 1 Minute” vor.

    “Wenn ich ihm [Jesus] glaube, […] dann macht er mein .Herz neu und erfüllt mich mit dem Heiligen Geist zu einer völlig neuen Lebensrealität.” (https://youtu.be/epy3kRVNnq0?t=57s) Allein diese zwei Dinge passieren durch Glauben? Da fehlt der “himmlische Aspekt”.

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  2. Hartls philosophiegeschichtlicher Überblick anhand von Charles Taylor springt, wie du sehr richtig feststelltest, mit einem Riesensprung vom frühmittelalterlichen mystischen Ritualismus und Sakerdotalismus über den hochmittelalterlichen „Moralismus“ des 15. Jhds. direkt weiter zur Aufklärung, als hätte es überhaupt keine protestantische Reformation gegeben!
    Er benutzt den Begriff „Relativismus“ in radikal übersteuerter Weise, der gewiss kein Relativist zustimmen würde („Hey, ich bin okay, du bist auch okay. Und falls es einen Himmel gibt, sehen wir uns am Schluss alle dort wieder.“) Was er beschreibt, könnte man allenfalls als „Amoralismus“, oder mit dem modernen Achselzuck-Begriff „Whateaboutism“ („der eine macht’s so, der andere so, was soll‘s …“) bezeichnen.
    Auch „Moralismus“ ist von Hartl falsch definiert. Moralismus bezeichnet normalerweise die Auffassung, dass Moral die verbindliche Grundlage menschlichen Verhaltens ist.
    Seine ganzen Ausführungen zum möchtegern- „guten Menschen“ übersieht, dass der Fehler solchen Denkens nicht nur in einer falschen Motivation liegt (seine Motivation könnte man sich ja nötigenfalls aussuchen), sondern in einer falschen Vorstellung von „gut“. Jesus legt das Gesetz in der Bergpredigt innerlich und geistlich aus, wie es ursprünglich gemeint war („Ich aber sage euch …“).
    Hartls Begriff des „Betens“ scheint mir sehr formalistisch zu sein (meint er ein Abspulen von Ave Marias?). Er spricht immer wieder von Leuten, die „so viel beten“, aber dennoch überhaupt kein Konzept von ihren Fehlhaltungen haben.
    Er bringt den Existentialisten Sartre im Zusammenhang mit unbewältigten Schuldgefühlen ins Spiel. Doch der Ekel, den Sartre in „Der Ekel“ beschreibt, bezieht sich keineswegs auf unbewältigte Schuld. Seine Romanfigur, Antoine Roquentin, empfindet diesen Ekel angesichts der Sinnlosigkeit und Zufälligkeit seiner Existenz. Glücklich macht Roquentin die kontingente Verkettung von Umständen und die Tatsache, dass sich das Individuum in dieser Welt selbst erfindet und darüber frei entscheiden kann, was es sein will.
    Wie du schriebst, bringt Hartl alles durcheinander: „Gott ist nicht der Ankläger“. Das stimmt nur für Christen. Für Nichtchristen ist der Geist Gottes derjenige, der anklagt, bzw. “von der Sünde und vom Gericht überführt”.
    Hartl hat kein Konzept von Neugeburt. Er verkündet, wie Spurgeon mal von Modernisten seiner Zeit sagte, dass Jesus „irgendetwas für irgendjemanden (oder alle?) getan hat, was irgendwie mit Erlösung zu tun hat“.
    Im Abschnitt über die Bedeutung des Kreuzes fehlt komplett der forensische, und damit nach reformiertem Verständnis wichtigste Aspekt. Was meint er mit „realer Ausgleich“ und „voller Verantwortung“? Jesus habe „all dieses Zeug von allen Menschen der Welt getragen“. Was meint er mit „Jesus, der vollkommene Büßer“, „der vollkommene Umkehrende“?
    Hartl ersetzt die Lehre vom stellvertretenden Sühnopfer durch etwas anderes. Das Problematische daran (ähnlich wie bei den Emergenten) ist, dass er dabei weitgehend die traditionelle Begrifflichkeit beibehält, so dass es auf den ersten Blick nicht auffällt.
    Er zitiert viele Paulusworte, die eindeutig nur Christen betreffen, in allgemeiner Form.
    Insgesamt ist das Ganze unklar und irritierend.

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  3. Ich habe mit Mühe nur den ersten Teil dieses Hartl Vortrags gesehen, denn der zweite Teil ist (natürlich) nur im Shop erhältlich. Hartl erwähnt als Motivation für die Thematik, dass wenn er 10 katholische Priester bitten würde, ihm in Kurzform das Evangelium zu sagen, sie es alle nicht könnten. Das ist an sich bereits tragisch, aber vor dem Hintergrund der antichristlichen römisch-katholischen Lehre auch nicht verwunderlich. Hartl selbst kann das Evangelium deshalb auch nicht erklären. Meiner Meinung nach, kann es sehr gut sein, dass er es selbst nie verstanden und auch nicht angenommen hat. Über seine “Bekehrung” berichtet er bei Bibel TV, Gott habe ihn “verlockt und verführt” (wer ist denn der Verführer in der Bibel?!) und dann habe es “Klick im Herzen gemacht”.

    Schlimm ist leider, das weder seine Schüler im Gebetshaus noch die Mehr-Besucher noch Youtube-Zuseher nach seinem Vortrag irgendjemanden das Evangelium kurz und knapp und vor allem richtig verkünden können! Das ist die eigentliche Katastrophe!

    Da möchte man froh sein, dass 2019 die MEHR ausfällt, da das Haus plötzlich mehr in die “Tiefe als in die Breite gehen will” (das wäre phantastisch, wenn es wahr wäre – der Termin 2020 steht allerdings schon fest;-)
    Das millionenschwere Spendenprojekt “Mission Campus” pausiert” ebenfalls trotz großer “Prophetien” in der Vergangenheit seit geraumer Zeit – allerdings sang- und klanglos, öffentlich weitestgehend unbeobachtet & unkommentiert.
    Und der Livestream-Vortragsabend am Donnerstag (meist mit Hartl), den gibt es auch nicht mehr wöchentlich, sondern nur noch alle 2 Wochen.
    Das wird aber nicht bedeuten, dass man weniger von Hartl sehen und hören wird, meine ich.

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  4. Auch von meiner Seite ein paar kritische Bemerkungen zu Johannes Hartl:
    Johannes Hartl hat 2016 im Rahmen eines Daimler-Gebetskreistreffens einen Vortrag gehalten: http://www.christentreffen.de/download/dct-11_2016-11-19_j-hartl.mp3

    Im Rahmen dieses Vortrags hat er eine koreanische Gruppe von Christen erwähnt, die ein “Bild über Deutschland” empfangen hatte:
    sie sahen ganz Deutschland bedeckt von einem Wolkenmeer. Nur im Süden war die Wolkendecke von einer Lichtflut durchbrochen.
    Da wollten sie hin und so kamen sie – was Wunder – zum Gebetshaus in Augsburg.
    Dort wird das 24/-Gebet praktiziert. Nun; dieses Gebet wird auch von verschiedenen charismatischen Gemeinden in Deutschland praktiziert bzw. übergemeindlichen Bewegungen wie “Wächterruf” (auf deren Homepage http://www.waechterruf.de/ ist Johannes Hartl mittlerweile auch zu sehen) und 24/7-Prayer Deutschland http://24-7prayer.de/cms/

    Auf der Homepage von 24/7prayer DE sind verschiedene Gebetsorte zu sehen.
    Dann hätte – wenn diese Vision echt gewesen wäre – doch über jedem dieser Orte ein Lichtstrahl erschienen müssen (ich halte im Prinzipiellen solche “Visionen” für sehr fragwürdig).
    Warum also nur über dem Gebetshaus Augsburg? Wäre das nicht unfair von Gott, nachdem doch andere auch 24/7 Gebet praktizieren?
    Die Antwort ist wohl drin zu suchen, dass es sich beim Gebetshaus Augsburg um eine offiziell katholische Einrichtung handelt. somit ist die Deutungshoheit dieser Vision auch als “katholisch” zu betrachten.
    Konkret heißt das: nur die katholische Weise des Gebets (und somit auch des Glaubens) ist damit die einzig richtige.
    Das mag im Rausch der positiven Gefühle, die Johannes Hartl mit seiner jugendlich-dynamischen, begeisternden und frischen Art erzeugt, total untergehen.
    Aber es ist in der Tat ein Anspruch, den wiedergeborene Christen von der Heiligen Schrift her strikt ablehnen müssen.

    Auch bezeugt das Gebetshaus in Augsburg in einem Zeugnis auf deren Homepage die “Versöhnung mit dem Katholischen”:
    https://gebetshaus.org/augsburg/zeugnisse/vers-hnung-mit-dem-katholischen

    Zitat:
    …Ein paar Monate später, im September ging ich zum ersten Mal zu einem der offenen Abende der Initiative Gebetshaus in der Zwölf Apostel Kirche. Ich wollte Johannes Hartl mal „abklopfen“ und sehen ob das nur eine Ausnahme war, was ich im Gottesdienst meiner Gemeinde von ihm gehört hatte. Was dann geschah, war unerklärlich. Man muss dazu wissen, dass Gott so freundlich ist, selbst arroganten Pfingstlern wie mir einen Blick in die unsichtbare Welt zu gewähren und durch seinen heiligen Geist zu mir zu sprechen.

    Als ich auf die zwölf Apostelkirche zuging entdeckte ich zuerst ein paar bekannte Gesichter, die mir signalisierten, dass ich hier so verkehrt nicht sein konnte. Aber dann fing der Heilige Geist an zu wirken und ich konnte sehen, wie Salböl die Stufen hinauf in die Kirche herunterfloss und die Sehnsucht der Kinder Gottes IHN anzubeten förmlich aus dem Gebäude schwappte.
    Auf dem Weg die Treppen hinauf hatte ich das Gefühl, ich laufe auf einem Ölteppich.
    In der Kirche angekommen, sprach der Heilige Geist zu mir: „Nimm Weihwasser und bekreuzige dich, im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.“

    Führt der Heilige Geist wirklich zurück in die Katholische Kirche – inklusive den Ritualen wie Bekreuzigen und Weihwasser?
    Oder ist hier nicht vielmehr ein falscher Geist am Wirken?

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  5. Hallo, Autorenschaft!
    Ich finde es genial das ihr einen so fundierten Blog schreibt.
    Ich benutze eure Post`s immer wieder als Impuls in dem Gebetskreis
    meiner Schule, und es gab schon interessante Diskussionen.
    Leider habe ich dort einige Katholiken und sehr liberale Evangelische Schüler
    die es mit dem Glauben nur sehr lapidar halten.
    Hättet ihr einen Tipp wie man sie liebevoll zurechtweißen und
    ihnen ein kraftvolles Zeugnis sein kann?
    Herzliche Grüße
    Manuel Dell

    Antworten

    • Am Schluss ist die Frage ob man Gottes Wort glaubt oder nicht. Wer nicht glaubt ist ncht gerettet, so einfach ist das. Zurechtweisung kann nur durch Verkündung der absoluten Wahrheit geschehen. Man muss aber immer damit rechnen, dass diese Wahrheit nicht von jedem erkannt und angenommen werden kann. Letztendlich kehrt nur ein kleiner Bruchteil der Weltbevölkerung in den Himmel ein, so hat es Jesus jedenfalls prophezeit.

      Lukas 13:

      23 Es sprach aber einer zu ihm: Herr, sind es wenige, die errettet werden? Er aber sprach zu ihnen:
      24 Ringt danach, durch die enge Pforte hineinzugehen! Denn viele, sage ich euch, werden hineinzugehen suchen und es nicht können.

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  6. //Man kann einem katholischen Theologen sicherlich nicht ankreiden, dass er die Lehren der römisch-katholischen Kirche glaubt und sie wichtig findet. Aber man kann Bibeltreuen ankreiden, wenn sie das ignorieren und sich von vereinzelten Schnittmengen zwischen katholischem und bibeltreuem Glauben ködern lassen.//(Zitat aus dem Artikel oben)

    Das ist der springende Punkt, Volltreffer!
    Die eigentliche Frage ist nämlich: Wird das Evangelium heute überhaupt noch verkündigt und gepredigt, oder begnügt man sich mit einer evangliums-ähnlichen Engführung desselbigen? Mit einem Evangeliums-Surrogat oder einer Evangliums-Imitation sozusagen.
    Traut man sich überhaupt noch das ganze Evanglium zu verkündigen? Denn dafür braucht es angesichts der säkularen Verhältnisse, die hier im Westen bereits autoritäre Züge aufweisen, Mut. Die Frage ist also: Habe ich einen biblisch gegründeten Glauben an das Evangelium?

    Ich möchte einen biblischen Aspekt aufgreifen. Ist man heute noch imstande zu verstehen, weshalb Paulus sich so sehr über die Galater ereifert? Ich wette, dass die Mehrzahl der Christen hierzulande die Frage, um die es im Galaterbrief geht, als eine nichtige Petitesse deklarieren würde. Schlimmer noch, derjenige, der diese Frage aufwürfe, würde als “Spalter” und “Unruhestifter” gebrandmarkt. Man würde ihm absprechen, “liebevoll” und “nachsichtig” mit den Mitmenschen zu sein.

    Worum geht es im Galaterbrief? Um nichts Geringeres als um die Rechtfertigung.

    Die biblische Lehre sagt: (1) Zuerst kommt die Umkehr (Buße) und der Glaube an Christus, (2) dann erfolgt die Rechtfertigung durch Gott und vor Gott und (3) schließlich als eine Konsequenz echten (!) Glaubens setzt augenblicklich der Prozeß der Heiligung des gläubiggewordenen Menschens ein (Beachtung von Gottes Geboten).
    Die Sequenz ist also vereinfacht dargestellt:
    (1) Buße und echter Glaube
    (2) Rechtfertigung
    (3) Halten von Gottes Geboten (Heiligung)

    Die Irrlehrer, die sich in die galatische Gemeinde eingebracht hatten, änderten eigentlich “nur” die Reihenfolge, indem sie Punkt (2) und (3) miteinander vertauschten. Sie sagten: (1) Glaube an Christus, (2) halte so gut es geht Gottes Gebote und (3) erst dann wirst Du gerechtfertigt. Der Glaube allein wäre demnach insuffizient. Mittels dieser Verdrehung zerstörten diese Irrlehrer die Magna Charta christlicher Freiheit und im Grunde den gesamten Charakter der Frohen Botschaft. Vor diesem Hintergrund ist Paulus’ Wut auf die galatischen Verhältnisse sehr leicht nachvollziehbar.

    Tragischerweise übernahm die römisch-katholische Kirche im Laufe der Jahrhunderte obengenannte Irrlehre und vertritt diese bis heute vehement. Sie postuliert, der echte Glaube reiche nicht aus und auf diese Weise bindet sie die Katholiken an ihre Institution im Sinne von Sola Ecclesia (zB Sakramentensystem). Das ist zwar sehr geschickt, entspricht aber nicht der christlichen Lehre.

    Mein Anliegen mit diesem Kommentar ist also, sich selbst zu prüfen, was man eigentlich glaubt. Dass Vertreter der röm-kath. Kirche (zB Johannes Hartl) einen anderen Glauben predigen, ist an sich ja bekannt.

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    • Danke! Das ist genau der Knackpunkt. Auf Irrlehren, egal aus welcher Quelle sie stammen, ob von den Zeugen Jehovas oder der röm. kath. Kirche, fallen nur Leute rein, die selbst in ihrer Theologie nicht gefestigt sind. Irrlehren testen eigentlich nur den eigenen Glauben und trennen letztendlich die Schafe von den Ziegenböcken. Der Satan benutzt Irrlehren als Aussiebeprozess.

      Lukas 22:

      31 Es sprach aber der Herr: Simon, Simon, siehe, der Satan hat euch begehrt, um euch zu sichten (= sieben) wie den Weizen;

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