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		<title>Christ + Dating</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Sara Pieper]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 25 Mar 2021 07:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Blog]]></category>
		<category><![CDATA[Timotheus Magazin]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Von Stefan Beyer, erschienen in Timotheus Magazin Nr. 42 (01/2021) Mir ging es wahrscheinlich wie den meisten jungen Christen. Ich hatte zwar eine Begeisterung für Jesus, aber zu vielen Themen hatte ich mir noch kein umfassendes Bild anhand der Bibel gemacht. Dadurch war ich natürlich ein &#8230; </p>
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<p class="has-small-font-size">Von Stefan Beyer, erschienen in <a href="https://www.betanien.de/timotheus-magazin-42/">Timotheus Magazin Nr. 42</a> (01/2021)</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" fetchpriority="high" decoding="async" width="590" height="380" src="https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2021/03/42_Christ-Dating.jpg?resize=590%2C380&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-5830" srcset="https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2021/03/42_Christ-Dating.jpg?w=590&amp;ssl=1 590w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2021/03/42_Christ-Dating.jpg?resize=300%2C193&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2021/03/42_Christ-Dating.jpg?resize=190%2C122&amp;ssl=1 190w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2021/03/42_Christ-Dating.jpg?resize=24%2C15&amp;ssl=1 24w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2021/03/42_Christ-Dating.jpg?resize=36%2C23&amp;ssl=1 36w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2021/03/42_Christ-Dating.jpg?resize=48%2C31&amp;ssl=1 48w" sizes="(max-width: 590px) 100vw, 590px" /></figure>



<p>Mir ging es wahrscheinlich wie den meisten jungen Christen. Ich hatte zwar eine Begeisterung für Jesus, aber zu vielen Themen hatte ich mir noch kein umfassendes Bild anhand der Bibel gemacht. Dadurch war ich natürlich ein gefundenes Fressen für die Versuchungen des Teufels. Mittlerweile bin ich über zwanzig Jahre lang Christ und Pastor einer Gemeinde. Ich konnte das gleiche Muster immer wieder beobachten. Jemand kommt zum Glauben oder wendet sich Jesus neu zu. Wenig später kommt Versuchung in sein Leben und der Glaube muss sich beweisen. Meistens kreisen die Versuchungen um drei Themenbereiche: Beziehungen zum anderen Geschlecht – Studium, Beruf und welche Prioritäten die richtigen sind – und spezifische Probleme und Sünden aus dem Leben vor der Bekehrung, die irgendwie nochmal neu aufflammen.</p>



<p>Ich möchte mich in diesem Artikel dem ersten Themenbereich widmen, den Beziehungen zum anderen Geschlecht. Leider musste ich es immer wieder erleben – auch in meinem eigenen Leben –, dass wohlmeinende Christen hier falsche Entscheidungen treffen. Oft war es so, dass gerade dann, wenn jemand gerade geistlich am Durchstarten ist, eine Beziehung eingeht, die zur großen Ablenkung wird. Oder man blendet plötzlich christliche Ratgeber vollkommen aus und meint, alleine klar zu kommen.</p>



<p>Leider habe auch ich genau diese Fehler gemacht. Ich war im Jahr&nbsp;2000 mit 17&nbsp;Jahren zum Glauben gekommen und Jesus hatte mein Leben von Grund auf verändert. Eigentlich wollte ich ihm von ganzen Herzen dienen und ihm mein Leben weihen. Dann kam es, wie es kommen musste. Noch innerhalb des ersten Jahres besuchte ich eine christliche Freizeit und lernte ein attraktives Mädchen kennen. Mir wurde erst mehrere Monate später im Gespräch mit meinem Pastor bewusst, dass ich zu dem Zeitpunkt überhaupt nicht gebetet und nach Gottes Willen gefragt hatte. Ich ließ mich einfach von meinen Gefühlen leiten. Es wurde dann aber immer mehr klar, dass meine Freundin und ich geistlich in ganz unterschiedliche Richtungen gingen. Zum einen war bei ihr noch nicht ganz klar, wie tief ihre Bekehrung wirklich ging und ob sie echt war. Außerdem hatte sie ausgeprägt weltliche Ziele: Sie wollte einen Mann mit einem Beruf, der irgendwann zu weltlichem Ansehen und Wohlstand führt. Ich musste erkennen, dass ich vollkommen falsch gehandelt hatte, diese Beziehung überhaupt zu beginnen. Daraufhin schwor ich mir, bei meiner nächsten Beziehung absolut sicherzugehen, dass wir geistlich in eine Richtung gehen und Gott wirklich dahintersteht.</p>



<p>Danach musste ich noch sechs schwere Jahre warten, bis Gott meine Ehefrau Antje in mein Leben führte. Aber nach mittelweile 12&nbsp;Jahren Ehe kann ich nur bestätigen, wie gut und richtig es war, die Entscheidung für eine Ehefrau mit dem Herrn im Mittelpunkt zu treffen. Antje und ich teilen unsere Leidenschaft für Jesus und es gibt nichts langfristig Erfüllenderes im Leben als die Beziehung zu Jesus. Leider habe ich auch beim Kennenlernen von Antje einige Fehler gemacht. Wir haben körperlich Grenzen überschritten, was ich heute bereue. Ich musste leider vieles in meinem Leben auf die harte Tour lernen. Das möchte ich dir ersparen und deshalb einige Tipps mitgeben, die sich an wichtigen Stellen aus dem ersten Korintherbrief orientieren.</p>



<h2 class="wp-block-heading">1. Tue alles zur Ehre Gottes</h2>



<p>Im ersten Korintherbrief antwortet der Apostel Paulus auf Fragen einer Gemeinde, die im Kontext großer sexueller Verirrungen lebte. Korinth war eine Stadt, in der es von Versuchungen nur so wimmelte und in der viele Menschen ein sexuell freizügiges Leben führten. In gewisser Hinsicht ähnelt die Situation in Korinth der heutigen Kultur in Deutschland. Deshalb sind die Hinweise von Paulus an diese Gemeinde so wichtig für uns. Ein zentraler Vers steht im zehnten Kapitel: „Ob ihr nun esst oder trinkt oder sonst etwas tut — tut alles zur Ehre Gottes!“&nbsp;(1Kor&nbsp;10,31)</p>



<p>Paulus gibt hier die Grundmotivation wieder, die all unser Handeln leiten sollte. Es sollte immer darum gehen, dass Gott verherrlicht wird. Deshalb lautet auch die wichtigste Frage, die ich mir in meinem Leben im Allgemeinen und bei meinen Beziehungen im Besonderen stellen sollte: Wird durch mein Fühlen, mein Denken und mein Tun Gott verherrlicht? Geht es mir am meisten um seine Ehre oder um etwas anderes? Wenn ich diese Frage bejahen kann, ist das ein gutes Zeichen, dass meine Beziehung auf einem richtigen Weg ist. Wenn nicht, sollte ich es mir noch einmal gut überlegen. Gottes Ehre und mein Wohl sind eng miteinander verbunden. Langfristig wird sich jede Entscheidung, die sich auf Gottes Ehre ausgerichtet hat, immer auch für mich als richtig und gut erweisen. Im Umkehrschluss wird sich jede Entscheidung, die nicht prinzipiell Gottes Ehre im Mittelpunkt hatte, als falsch und schädlich erweisen. Lass es bitte nicht darauf ankommen und kehre schnell zu Gott um, wenn dir bewusst wird, dass dich ein anderer Antrieb bestimmt hat.</p>



<h2 class="wp-block-heading">2. Begreife, dass du nicht dir selbst gehörst</h2>



<p>Wir leben in einer Kultur und einer Zeit, die absolut menschen- und selbstzentriert ist. Was lehren denn TikTok, Instagram und Co. mich anderes, als dass es um mich selbst geht, wie ich mich präsentiere, was ich erlebe, wie andere auf mich reagieren, was ich gut finde und was mir gefällt. Auch hier war die Kultur in Korinth nicht viel anders als unsere heutige. Das zeigt sich zum Beispiel darin, wie selbstzentriert die Gemeindemitglieder mit ihren geistlichen Gaben umgegangen sind. Es ging ihnen bei ihren Gaben weniger darum, dass der Gemeinde wirklich geholfen wurde, sondern darum, dass sie sich möglichst spektakulär in Szene setzen konnten. Leider sind keine Selfies der Gemeinde von Korinther überliefert.</p>



<p>Paulus erinnert die Korinther an eine zentrale Wahrheit des Evangeliums. Christus ist für uns gestorben, um uns zu erlösen. Aber gleichzeitig ist er auch unser Herr geworden, der uns erkauft hat und dem wir nun gehören. Er hat das Eigentumsrecht an uns erworben. Als Zeichen dafür hat er seinen Heiligen Geist in uns gegeben. Der Heilige Geist verleiht uns nicht nur Gewissheit, dass wir zu Christus gehören und unsere Errettung deshalb sicher ist, sondern er erinnert uns auch daran, dass wir Christi Eigentum sind und er das Recht hat, über uns zu verfügen. Paulus schreibt: „Flieht die Unzucht! Jede Sünde, die ein Mensch sonst begeht, ist außerhalb des Leibes; wer aber Unzucht verübt, sündigt an seinem eigenen Leib. Oder wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des in euch wohnenden Heiligen Geistes ist, den ihr von Gott empfangen habt, und dass ihr nicht euch selbst gehört? Denn ihr seid teuer erkauft; darum verherrlicht Gott in eurem Leib und in eurem Geist, die Gott gehören!“&nbsp;(1Kor&nbsp;6,18-20).</p>



<p>Mit Unzucht (griech. porneia) ist jeder sexuelle Kontakt vor oder außerhalb der Ehe gemeint. Wenn Paulus die Gemeinde hier aufruft, vor der Unzucht zu fliehen, dann heißt das nicht: Versuche die Grenzen so weit auszutesten, dass du die rote Linie grad so streifst, aber nicht übertrittst. Stattdessen sollte der Fokus auf Heiligkeit sein und die Grenze möglichst niemals auch nur in unsere Nähe geraten.</p>



<p>Die Begründung ist jedoch entscheidend. Paulus gibt nicht nur ein abstraktes Moralprinzip von sich, sondern er begründet es aus dem Evangelium. Sexuelle Sünde ist deshalb so schlimm, weil sie gegen den eigenen Leib geht.</p>



<p>Aber kann ich mit meinem Körper nicht machen was ich will? Hollywood und die Medien würden das bejahen. Die Bibel verneint es aber, weil wir eben nicht mehr uns selbst gehören, sondern Christus. Alles, was wir sind und haben, wurde durch Christus am Kreuz erkauft. Als wir Christus angenommen haben, haben wir ihn nicht nur als Retter angenommen. Er lässt sich nicht in einzelne Bestandteile spalten. Er ist immer auch Herr, der nun tatsächlich die Herrschaft über uns beansprucht. Ja, es geht sogar so weit, dass er in uns wohnt und durch seinen Geist an allem Anteil hat, was wir tun. Deshalb sollte die zweite wichtige Frage sein, die ich mir immer stellen muss: Entspricht mein Fühlen, Denken und Tun der Wahrheit des Evangeliums? Lebe ich so, dass zum Ausdruck kommt, dass Christus mein Herr ist und mein Körper ein Tempel des Heiligen Geistes? Wenn nicht, dann verleugne ich meine zentrale Identität und verfehle meinen Lebenssinn als Christ. Ich sage etwas Falsches über Christus und sein Werk am Kreuz aus. Es gibt, glaube ich, nicht viel Schlimmeres als das.</p>



<h2 class="wp-block-heading">3. Baue durch dein Leben andere auf</h2>



<p>Noch ein weiterer interessanter Vers im 10.&nbsp;Kapitel des Korintherbriefs ist hier relevant: „Es ist mir alles erlaubt — aber es ist nicht alles nützlich! Es ist mir alles erlaubt — aber es erbaut nicht alles!“&nbsp;(1Kor&nbsp;10,23).</p>



<p>Eigentlich ist dieser Vers eine Vorbereitung auf das große Kapitel&nbsp;13 über die Liebe, welches ja oft als Predigttext bei Hochzeiten verwendet wird: „Die Liebe ist langmütig und gütig, die Liebe beneidet nicht, die Liebe prahlt nicht, sie bläht sich nicht auf; sie ist nicht unanständig, sie sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu; sie freut sich nicht an der Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit; sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie erduldet alles“&nbsp;(1Kor&nbsp;13,4-7).</p>



<p>Es sollte uns mittlerweile nicht überraschen, dass auch Liebe in der Bibel vollkommen anders definiert wird als in unserer Kultur und in unserem Fernsehen. Bei biblischer Liebe geht es nämlich nicht um mich und meine Bedürfnisse, sondern um das Wohl des Partners. Die Frage, die ich mir immer stellen sollte, ist: Trägt das, was ich fühle, denke und tue zum langfristigen Wohl meines Umfelds, einschließlich meines Partners, bei? Oder geht es mir primär um mich selbst und „suche ich nur das Meine“? Und denke „nach mir die Sintflut …“?</p>



<p>Es ist ein Muster, das sich durch die ganze Bibel zieht, dass Gott uns Segen nicht zum Selbstzweck schenkt, sondern damit wir zum Segen für andere werden. Erinnerst du dich an die Berufung Abrahams? „Und ich will dich zu einem großen Volk machen und dich segnen und deinen Namen groß machen, und du sollst ein Segen sein“&nbsp;(1Mo&nbsp;12,2). Abraham erhielt den Segen nicht nur und auch nicht primär um seiner selbst willen, sondern damit er als Träger der messianischen Verheißung ein Segen für die ganze Menschheit sein würde.</p>



<p>Ein ähnliches Verständnis durchzieht die Gebete der Psalmen: „Gott sei uns gnädig und segne uns; er lasse sein Angesicht leuchten über uns, (Sela) damit man auf Erden deinen Weg erkenne, unter allen Heidenvölkern dein Heil“&nbsp;(Ps&nbsp;67,2-3).</p>



<p>Wir lesen in unserer selbstzentrierten Kultur sehr gern immer nur den ersten Teil dieser Verheißungen und lassen den Zweck des Ganzen aus. Ja, Gott soll uns gnädig sein und uns segnen. Aber das soll uns dazu befähigen, beizutragen, dass man auf Erden den Weg das Herrn und sein Heil erkenne.</p>



<p>Ich bin überzeugt: Wenn du bei deinem Dating als Christ diese drei Wahrheiten vor Augen behältst – nämlich dass du alles zur Ehre Gottes tun sollst, dass du nicht mehr dir selbst gehörst, sondern Christus, und dass dein Leben zum Segen für andere dienen soll und dass genau das wahre Liebe ist –, dann wirst du nicht mehr allzu viel falsch machen. Zumindest nicht so viel wie ich, der diese Wahrheiten erst später im Laufe der Zeit verinnerlicht hat.</p>



<p>Das ganze Thema Beziehungen hat natürlich auch viel mit Vertrauen auf den Herrn zu tun. Sünde ist ja immer das, was ich tue, wenn ich nicht auf den Herrn vertraue. Das heißt, wenn ich Sünde vermeiden und ein Leben führen will, das dem Herrn gefällt, dann muss ich ihm vertrauen. Der beste Ort, um Vertrauen zu lernen, ist die Gemeinde. Dort habe ich im Idealfall auch noch eine Reihe christlicher Vorbilder, die mir helfen können, weise Entscheidungen zu treffen. Leider ist das aber ein weiteres Problem bei dieser Sache. Oft zieht sich ein frischverliebtes Paar von der christlichen Gemeinschaft zurück und gibt sich im Privaten ganz seinen Gefühlen hin. Das ist ein großer Fehler. Nur in der Gemeinde haben wir Rechenschaft und Menschen, die uns an die oben beschriebenen Wahrheiten erinnern und uns die wichtigen und oft schwierigen Fragen stellen. Macht nicht den Fehler, der in den Sprüchen beschrieben wird: „Wer sich absondert, der sucht, was ihn gelüstet, und wehrt sich gegen alles, was heilsam ist&nbsp;(Spr&nbsp;18,1).</p>



<p>Tut das nicht, sondern sucht euch wenigstens einen weisen Ratgeber in der Gemeinde, mit dem ihr über eure Beziehung sprechen und beten könnt. Lasst euch auch was sagen, denn niemand von uns hat die Weisheit mit Löffeln gefressen. Wenn du nur schon zehn Jahre älter wärst, würde dir bewusst werden, wie töricht manche deiner Überzeugungen sind, die du momentan für der Weisheit letzten Schluss hältst. So war es bei mir, und so ist es wohl auch bei dir. Und was immer du tust, hör bitte nicht auf dein Herz, wie uns heute so oft weis gemacht wird, sondern auf Gottes biblische Weisheit.</p>



<p>„Wer sich auf sein eigenes Herz verlässt, ist ein Narr; wer aber in der Weisheit wandelt, der wird entkommen“ (Spr 28,26).</p>



<hr class="wp-block-separator is-style-wide"/>



<figure class="wp-block-image"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" width="200" height="50" src="https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2018/02/Unbenannt-1-1.png?resize=200%2C50&#038;ssl=1" alt="Christ +" class="wp-image-3783"/></figure>



<h4 class="wp-block-heading">Was ist deine Meinung dazu?</h4>



<p>In der Rubrik des Timotheus-Magazins  &#8222;<em>Christ +&#8220;</em> werden immer aktuelle und praktische Themen behandelt, bei denen uns deine Meinung interessiert. Nutze die Kommentarfunktion, um uns deine Gedanken ganz einfach mitzuteilen. Wir freuen uns auf Feedback und Austausch! </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.betanien.de/christ-dating/">Christ + Dating</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.betanien.de">Betanien Verlag</a>.</p>
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		<title>Online-Church – geht das?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans-Werner Deppe]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 17 Dec 2020 07:10:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Blog]]></category>
		<category><![CDATA[Timotheus Magazin]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In Zeiten von Corona hat der Trend zu Online-Community unter Christen enorm zugenommen. Die technischen Möglichkeiten des Verbindens und Teilhabens sind in einer solchen Zeit der Kontaktbeschränkungen äußerst nützlich. Schon vor der Pandemie verzeichneten Online-Angebote für Christen einen ständigen Aufwärtstrend. </p>
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<p class="has-small-font-size">Von Hans-Werner Deppe, erschienen in <a href="https://www.betanien.de/timotheus-magazin-41/">Timotheus Magazin Nr. 41</a> (04/2020)</p>



<figure class="wp-block-image"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" width="960" height="640" src="https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2020/12/samantha-borges-ax3lbQfdXP0-unsplash.jpg?resize=960%2C640&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-5724" srcset="https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2020/12/samantha-borges-ax3lbQfdXP0-unsplash.jpg?resize=1024%2C683&amp;ssl=1 1024w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2020/12/samantha-borges-ax3lbQfdXP0-unsplash.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2020/12/samantha-borges-ax3lbQfdXP0-unsplash.jpg?resize=768%2C512&amp;ssl=1 768w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2020/12/samantha-borges-ax3lbQfdXP0-unsplash.jpg?resize=190%2C127&amp;ssl=1 190w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2020/12/samantha-borges-ax3lbQfdXP0-unsplash.jpg?resize=24%2C16&amp;ssl=1 24w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2020/12/samantha-borges-ax3lbQfdXP0-unsplash.jpg?resize=36%2C24&amp;ssl=1 36w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2020/12/samantha-borges-ax3lbQfdXP0-unsplash.jpg?resize=48%2C32&amp;ssl=1 48w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2020/12/samantha-borges-ax3lbQfdXP0-unsplash.jpg?w=1500&amp;ssl=1 1500w" sizes="(max-width: 960px) 100vw, 960px" /></figure>



<h3 class="wp-block-heading">Corona befeuert die Digitalisierung. Kann eine Gemeinde  komplett im  Internet existieren?</h3>



<p>In Zeiten von Corona hat der Trend zu Online-Community unter Christen enorm zugenommen. Die technischen Möglichkeiten des Verbindens und Teilhabens sind in einer solchen Zeit der Kontaktbeschränkungen äußerst nützlich. Schon vor der Pandemie verzeichneten Online-Angebote für Christen einen ständigen Aufwärtstrend. Darunter finden sich sogar „echte Online-Gemeinden“, die für sich beanspruchen, wirkliche, vollwertige Gemeinden zu sein und alle Eigenschaften und Aktivitäten einer realen Ortsgemeinde zu bieten, einschließlich Abendmahl, Gebetsgemeinschaft und Jüngerschafts-Mentoring.<br>Es steht außer Frage, dass Online-Angebote sehr nützlich sein können. Die Frage ist: Können und dürfen sie die physische Gemeinde ersetzen? Wenn es zum biblischen Verständnis eines echten Christen gehört, dass er verbindlich einer örtlichen Gemeinde angehört, reicht es dann, wenn er Mitglied einer Online-Gemeinde ist wie z. B. „Life.Church online“? Life.Church online ist immerhin noch ein Arbeitszweig einer realen Ortsgemeinde, aber es gibt auch reine Online-Gemeinden wie VR Church, die nur digital existieren und doch behaupten, vollständige, echte Gemeinden zu sein.<br>Doch der Begriff „Online-Gemeinde“ ist schon ein Widerspruch in sich wie „alter Knabe“. Das Wesen der örtlichen Gemeinde als Gottes einzige verordnete Institution für unsere Zeit ist physisch, real und erfordert eine echte, körperliche Anwesenheit und Gemeinschaft. Warum, werde ich nun, angeregt durch einen ausführlichen Artikel von Ronald L. Giese Jr. (Is „Online Chruch“ really Church? The Church as God’s Temple. Erschienen in der Zeitschrift <a href="https://theoblog.de/themelios-45-2-2020/35892/?highlight=giese">Themelios</a>), zu erklären versuchen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Gemeinde heilsgeschichtlich gesehen</h2>



<p>Zuerst müssen wir uns vergegenwärtigen, was Gemeinde überhaupt ist. Sie ist der Ort oder das Ereignis der gemeinschaftlichen Anbetung Gottes und der Gemeinschaft einer Gruppe von Gläubigen mit Gott. Im Garten Eden erfreuten sich Adam und Eva dieser realen Gegenwart Gottes, bis die Sünde diese Gemeinschaft zerstörte. Altäre und Opfer waren dann über lange Zeit die Vorkehrungen, wo Gläubige einzeln oder gemeinsam die Nähe und Anbetung Gottes suchten. Gott aber hatte von Anfang an den Wiederherstellungs-Plan, sich ein ganzes Volk von Anbetern zu erlösen. Er berief von Abraham ausgehend dessen Nachkommenschaft als sein Volk, das Volk Israel. Nach der Rettung aus Ägypten gab Gott Israel einen wunderbaren zentralen Ort der Begegnung mit ihm, die Stiftshütte und später den Tempel. Damit verbunden war ein ausgeklügeltes System an Opfern und Zeremonien und Ordnungen, die alle bildlich&nbsp;(typologisch) auf den kommenden Messias Jesus Christus und sein wiederherstellendes Erlösungswerk hinweisen.<br>Israel war ein ethnisches&nbsp;(d. h. per Abstammung definiertes) Volk. Gottes Plan war aber umfassender und schloss die Erlösung von Menschen aus allen Nationen und Völkern ein. Schon im Alten Testament konnten gläubige Heiden in die Gemeinschaft Israels integriert werden. Man schaue sich dazu nur einmal den Stammbaum Jesu in Matthäus&nbsp;1 an, und auch Abraham selbst war ein Heide. Doch erst im Neuen Testament erfüllt sich Gottes Plan umfassender: Die Anbetung und Gemeinschaft mit ihm muss nicht mehr monozentral im Tempel von Jerusalem stattfinden. Die Bundeslade, die einst Gottes Gegenwart repräsentierte, war ohnehin schon länger verschwunden, die symbolischen Tieropfer waren nach dem wirklichen Opfer Jesu am Kreuz hinfällig und im Jahre 70&nbsp;n.Chr. wurde der Tempel von den Römern endgültig zerstört.<br>Der Tempel war der Ort gewesen, wo Gott wohnte und Menschen die Gemeinschaft mit ihm suchen konnten – diese Gemeinschaft mit Gott, die seit dem Sündenfall verloren war und die Gott durch seinen Erlösungsplan stets wiederherstellen wollte. Zur Zeit der Juden des Neuen Testaments war der Tempel aber eher ein leerer Götze geworden; die Juden vertrauten mehr auf dessen schöne Steine als auf den lebendigen Gott, der bei ihnen wohnen wollte. Dieser Gott kam dann zu ihnen in Jesus Christus, dem wahren Tempel. Im realen, physischen Fleisch, dem Körper Jesu Christi, war Gott unter dem Volk gegenwärtig, doch er wurde abgelehnt und gehasst. Aber wer glaubend zu Jesus kam, konnte die wiederhergestellte Gemeinschaft mit Gott erfahren. Das Prinzip zieht sich als roter Faden durch die Bibel: Gott sucht die Gemeinschaft mit seinem Volk und trifft Vorkehrungen, damit diese Gemeinschaft real stattfinden kann: Opfer, Altäre, Stiftshütte, Tempel – und als dieser zunehmend leer und bedeutungslos wurde, das Versammeln um Gottes Wort in den Synagogen – dann die alles überragende Gegenwart Gottes in Jesus. Nötig war an all diesen materiellen Orten immer ein blutiges Opfer, das mit Gott versöhnte. Und als Jesus in den Himmel aufgefahren war, sandte er den Heiligen Geist, um aus seinen bluterkauften Erlösten die Gemeinde als Körperschaft seines Leibes zu bilden und darin gegenwärtig zu sein.<br>Wer das Volk Gottes ist und wie es sich zum Gottesdienst versammelt, erfuhr zur Zeit des Neuen Testaments einen großen Umbruch. Es wurde deutlich, dass nicht automatisch alle gebürtigen Juden zum echten Volk Gottes gehören, sondern nur die gläubigen Juden, nämlich die, die an Jesus glaubten. Sie waren von neuem geboren. Das Volk Gottes ist kein ethnisches Volk, definiert durch natürliche Abstammung, sondern ein geistliches Volk von Kindern Gottes. Sie sind Mitglieder der Familie Gottes, des Hauses Gottes. Dieses Haus bzw. die Familie Gottes ist eines der vielen neutestamentlichen Bilder für die Gemeinde. Sie empfingen den Heiligen Geist, der in ihnen wohnte und sie versiegelte – Gottes Gegenwart in ihnen. Diese „Taufe mit dem Heiligen Geist“ schweißte die Gläubigen förmlich zusammen zu einem Leib, was ein weiteres Bild für die Gemeinde ist&nbsp;(1Kor&nbsp;12,13).<br>Hinzu zu dieser neuen Körperschaft kamen nun auch Heiden, die sich zum Glauben an Jesus bekehrt hatten. Juden wie Petrus erschien das revolutionär, aber es war schon immer Gottes Plan, denn bereits zu Abraham hatte er gesagt, dass durch dessen Nachkommen (dem Messias) alle Nationen gesegnet würden. Zusammen mit den gläubigen Juden bildeten die gläubigen Heiden das eine Volk Gottes. Dieses Volk, die Gemeinschaft der durch das Blut Jesu Erkauften, wird im Neuen Testament als ekklesia bezeichnet, die Gemeinde, wörtlich die Herausgerufene (eine zusammengerufene Versammlung). Wie das Volk Gottes im Alten Testament unter dem Alten Bund (dem Bund vom Sinai), ist auch das neutestamentliche Volk Gottes unter dem Neuen Bund (dem Bund von Golgatha) ein einziges Volk und nicht viele individuelle Gruppen oder Einzelpersonen. Doch der große Unterschied zum Alten Testament ist: Dieses Volk versammelt sich nicht mehr zentral an ausschließlich einem von Gott festgelegten Ort, dem Tempel von Jerusalem, sondern dezentral an vielen Orten, überall auf der Welt, in unzähligen einzelnen Ortsgemeinden. Diese Ortsgemeinden benötigen noch nicht einmal ein bestimmtes Gebäude, aber in jedem Fall ein tatsächliches, reales Versammeln z. B. in Privathäusern. Das Prinzip kleiner örtlicher Versammlungen gab es auch im Judentum schon in Form der Synagogen, und tatsächlich entstanden die Ortsgemeinden nicht zuletzt nach diesem jüdischen Vorbild.<br>Diese beiden Bedeutungen des Wortes „Gemeinde“ gibt es im Neuen Testament: die eine große Gesamtgemeinde aus allen Gläubigen weltweit, und die vielen einzelnen Ortsgemeinden, an die z. B. auch einige Briefe des Apostels Paulus gerichtet sind. Die Ortsgemeinde ist dabei stets eine Miniatur-Repräsentation der Gesamtgemeinde, was z. B. im Abendmahl zum Ausdruck kommt: „Ein Brot, ein Leib, sind wir, die vielen“&nbsp;(1Kor&nbsp;10,17).<br>Auch im Buch der Offenbarung gibt es Briefe an einzelne Ortsgemeinden, die sieben Sendschreiben in Offenbarung&nbsp;2 – 3. Die Offenbarung schildert, wie schwer es die Gemeinde in dieser Welt hat; sie wird verfolgt bis hin zum Märtyrertod. Deshalb bezeichnet man die Gemeinde auf der Erde auch als ekklesia militans – die kämpfende Gemeinde. Doch Jesus wandelt in der Vision des Johannes inmitten von sieben Leuchtern, die die Ortsgemeinden repräsentieren&nbsp;(Offb&nbsp;1,13; 2,1). Sie bieten dieser Welt Gottes Licht, und Jesus ist bei ihnen. Am Ende wird Gott alles gut und neu machen und sein leiblich auferstandenes Volk wird für immer bei dem leiblich Auferstandenen Jesus wohnen, sich von ihm trösten und lieben lassen und ihn anbeten. Das ist das großartige Ziel der Gemeinde: „Siehe, das Zelt Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und Gott selbst wird bei ihnen sein, ihr Gott“&nbsp;(Offb&nbsp;21,3). Das ist die ekklesia triumphans – die triumphierende Gemeinde und diese neu-schöpfliche Gegenwart Gottes bei seinem Volk ist das große Ziel der Heilsgeschichte.</p>



<figure class="wp-block-image"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="960" height="640" src="https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2020/12/christin-hume-Hcfwew744z4-unsplash.jpg?resize=960%2C640&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-5727" srcset="https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2020/12/christin-hume-Hcfwew744z4-unsplash.jpg?resize=1024%2C683&amp;ssl=1 1024w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2020/12/christin-hume-Hcfwew744z4-unsplash.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2020/12/christin-hume-Hcfwew744z4-unsplash.jpg?resize=768%2C512&amp;ssl=1 768w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2020/12/christin-hume-Hcfwew744z4-unsplash.jpg?resize=190%2C127&amp;ssl=1 190w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2020/12/christin-hume-Hcfwew744z4-unsplash.jpg?resize=24%2C16&amp;ssl=1 24w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2020/12/christin-hume-Hcfwew744z4-unsplash.jpg?resize=36%2C24&amp;ssl=1 36w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2020/12/christin-hume-Hcfwew744z4-unsplash.jpg?resize=48%2C32&amp;ssl=1 48w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2020/12/christin-hume-Hcfwew744z4-unsplash.jpg?w=1500&amp;ssl=1 1500w" sizes="auto, (max-width: 960px) 100vw, 960px" /></figure>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p> Die Ortsgemeinde ist die höchste von Gott verordnete Institution in dieser Welt und Zeit. </p></blockquote>



<h2 class="wp-block-heading">Die Gemeinde praktisch gesehen</h2>



<p>Die Ortsgemeinde ist die höchste von Gott verordnete Institution in dieser Welt und Zeit. Auch Ehe, Familie und Staat sind von Gott vorgesehen und verordnet, aber nur die Gemeinde ist die Institution, wo wir zu unserer höchsten Berufung zusammenkommen: Gott gemeinschaftlich anzubeten und zu verherrlichen – durch Worte und Taten.<br>Da es für Bibelschulen, Missionswerke, christliche Schulen und Verlage usw. keine biblischen Anweisungen gibt, sollten solche gemeinschaftlichen Werke und Dienste letztlich auch von der Gemeinde ausgehen. Und tatsächlich werden Missionare in der Bibel nicht von einem Missionswerk, sondern von einer Gemeinde – in der der Heilige Geist gegenwärtig ist und wirkt – ausgesandt (Apg&nbsp;13,2-3). Auch bei christlichen Schulen und andere Einrichtungen halte ich es für den Idealfall, wenn sie von Ortsgemeinden getragen und geleitet werden.<br>Apostelgeschichte&nbsp;2,42 skizziert vier wesentliche Aktivitäten der Gemeinde: biblische Lehre, Gemeinschaft, Brotbrechen und Gebet. Wenn einer dieser vier Bereiche fehlt, ist es kein vollständiges Gemeindeleben. Alle vier Dinge dienen dazu, dass wir mehr und mehr umgestaltet werden in das Bild Jesu und zur Ehre Gottes leben – nicht nur individuell, sondern als Gemeinschaft, wo wir füreinander da sind, uns mit unseren Gaben geistlich und physisch helfen und einander wertschätzen und lieben.<br>Nur in einer Gemeinde können wir mit Hilfe anderer den Segen erfahren, den Gott für uns vorgesehen hat: Wir wachsen geistlich durch die Zurüstung durch Gläubige, die dafür begabt sind, und stehen unter der Aufsicht von Hirten, die uns vor Fehlern, Verirrungen und Feinden bewahren und für alle geistlichen Bedürfnisse sorgen, allem voran mit dem Wort Gottes. Autoritätsausübung ist zwar nicht unbedingt das herausragendste Merkmal einer Gemeinde und gehört nicht zu den vier Punkten aus Apostelgeschichte&nbsp;2,42, aber es ist sehr wichtig, dass ein Christ verbindlich der von Jesus offiziell eingesetzten Autorität einer Gemeinde untersteht. Denn die Gemeinde ist mit ihrer Leitung quasi das auswärtige Amt des Himmels und bestätigt (durch Taufe und Mitgliedschaft) oder bestätigt eben nicht (durch Nichtaufnahme oder Ausschluss), dass wir echte Christen sind und dazugehören&nbsp;(Mt&nbsp;18,20).<br>Doch brauchen wir das tatsächlich nicht an einem festen Ort, in einem bestimmten Gebäude zu tun. Denn nicht das Gebäude ist die Gemeinde, sondern wir Gläubigen sind die Gemeinde. Ist also Online-Gemeinde möglich? Nun, Gott wohnt nicht in einem Tempel oder Haus, „das mit Händen gemacht ist“ (wie Stephanus in Apg&nbsp;7,48 erklärt), sondern durch seinen Heiligen Geist in den Gläubigen. Das gilt für uns als einzelne Gläubige, die wir mit unserem physischen Körper ein Tempel des Heiligen Geistes sind, aber es gilt auf einer noch höheren Ebene in unserer Gemeinschaft, und zwar dann, wenn wir uns physisch versammeln. Darauf werden wir im Folgenden noch näher eingehen, denn das ist ein Schlüssel für die Antwort auf die Frage, ob es eine vollwertige Online-Gemeinde geben kann.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Anbetung in Geist und Wahrheit und Gottes Allgegenwart</h2>



<p>Ein Argument, das für die Möglichkeit von Online-Gemeinde angeführt wird, findet sich in der Geschichte von der Frau am Jakobsbrunnen. Sie überlegte, ob ihr lokaler Berg der einzig richtige Anbetungsort sei oder Jerusalem. Jesus antwortete: „Es kommt die Stunde, da ihr weder auf diesem Berg, noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet. […] Es kommt aber die Stunde und ist jetzt, da die wahren Anbeter den Vater in Geist und Wahrheit anbeten werden; denn auch der Vater sucht solche als seine Anbeter. Gott ist Geist, und die ihn anbeten, müssen in Geist und Wahrheit anbeten“&nbsp;(Joh&nbsp;4,21-24). Das bestätigt unseren heilsgeschichtlichen Überflug, dass Gottes Volk sich nicht mehr wie im Alten Testament zentral in Jerusalem versammelt. Aber heißt „Anbetung in Geist und Wahrheit“ (statt in Jerusalem) auch, dass Christen sich überhaupt nicht mehr real, körperlich versammeln müssen? Kann gemeinschaftliche Anbetung „in Geist und Wahrheit“ virtuell online stattfinden?<br>Ein weiteres Argument der Befürworter von Online-Gemeinden ist Gottes Allgegenwart. Ja, Gott ist allgegenwärtig, aber der Mensch ist nicht immer in Gemeinschaft mit ihm. Der Sünder ist getrennt von Gott. Durch den Glauben, die Wiedergeburt und das Innewohnen des Heiligen Geistes wird die persönliche Gemeinschaft wiederhergestellt.<br>Aber der Wiederherstellungsplan Gottes schließt noch etwas Größeres mit ein. Die persönliche Gemeinschaft des Einzelnen mit Gott ist schon grandios, aber es gibt etwas noch Höheres: die gemeinschaftliche Gemeinschaft, in der Gott ganz eng bei seinem Volk wohnt, ist das große und noch höhere Ziel als die individuelle Beziehung zu Gott. Das reale, physische Zusammenkommen der Gemeinde ist ein kleiner Vorgeschmack auf die künftige große, ewige Gemeinschaft Gottes mit seinem Eigentumsvolk in der neuen Schöpfung.<br>Gott ist überall gegenwärtig, aber er hat beschlossen, Menschen nicht überall in gleichem Maße an seiner Gegenwart teilhaben zu lassen. Bestimmte Voraussetzungen sind dafür nötig. Der Sünder kann keine Gemeinschaft mit ihm haben, er muss zunächst durch das Evangelium zum Glauben kommen und sich so „in Geist und Wahrheit“&nbsp;(Joh&nbsp;4,24) befinden. Und auch der einzelne Gläubige erreicht nicht das hohe Ziel der gemeinschaftlichen Gemeinschaft mit Gott, wenn er nicht die reale Zusammenkunft der Gemeinde aufsucht, den besonderen Wohnort des Geistes und den „Pfeiler und die Grundfeste der Wahrheit“&nbsp;(1Tim&nbsp;3,15b), die dort verkündet wird. Paulus schreibt diese Aussage an Timotheus, damit er „weiß, wie man sich verhalten muss im Haus Gottes, das ist die Gemeinde des lebendigen Gottes&nbsp;…“&nbsp;(3,15a). Die Gemeinde ist ein realer Ort der Gemeinschaft und des gemeinsamen Verhaltens, mit gemeinschaftlichen Ordnungen wie Älteste und Diakone, von denen Paulus in den Versen zuvor schreibt. Die Gemeinde ist eine reale, fleischhafte, physische Gemeinschaft, so leibhaft wie der fleischgewordene Sohn Gottes selbst&nbsp;(Vers&nbsp;16).<br>Anbetung „in Geist und Wahrheit“ bedeutet nicht die Auflösung geschöpflicher (physischer) Existenz in der Gegenwart Gottes, sondern Gottes Ziel ist die Wiederherstellung der geschöpflichen Gegenwart bei ihm. Mit dem Fortschreiten von Gottes Heilsplan wird geschöpfliche Existenz nicht mehr und mehr in virtuelles Dasein aufgelöst, sondern wiederhergestellt. Die Stunde, in der wir geschöpflich real in Geist (geistlich erneuert) und Wahrheit (in voller Erkenntnis Gottes) anbeten werden, wird in der Ewigkeit vollkommen da sein, aber diese Stunde ist auch schon jetzt&nbsp;(Joh&nbsp;4,23) – seit dem ersten Kommen Jesu – in der versammelten Gemeinde vorgeschmacklich da.</p>



<figure class="wp-block-image"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="960" height="640" src="https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2020/12/samantha-borges-q3zZHY5GHu0-unsplash.jpg?resize=960%2C640&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-5726" srcset="https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2020/12/samantha-borges-q3zZHY5GHu0-unsplash.jpg?resize=1024%2C683&amp;ssl=1 1024w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2020/12/samantha-borges-q3zZHY5GHu0-unsplash.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2020/12/samantha-borges-q3zZHY5GHu0-unsplash.jpg?resize=768%2C512&amp;ssl=1 768w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2020/12/samantha-borges-q3zZHY5GHu0-unsplash.jpg?resize=190%2C127&amp;ssl=1 190w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2020/12/samantha-borges-q3zZHY5GHu0-unsplash.jpg?resize=24%2C16&amp;ssl=1 24w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2020/12/samantha-borges-q3zZHY5GHu0-unsplash.jpg?resize=36%2C24&amp;ssl=1 36w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2020/12/samantha-borges-q3zZHY5GHu0-unsplash.jpg?resize=48%2C32&amp;ssl=1 48w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2020/12/samantha-borges-q3zZHY5GHu0-unsplash.jpg?w=1500&amp;ssl=1 1500w" sizes="auto, (max-width: 960px) 100vw, 960px" /></figure>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p> Wir werden die Ewigkeit nicht als digital abgespeicherte Online-Seelen auf einer himmlischen Festplatte verbringen, sondern mit neuen, ewigen, vollkommenen Leibern in einer neuen Schöpfung! </p></blockquote>



<h2 class="wp-block-heading">Die Gemeinde bildlich gesehen</h2>



<p>Wir haben kurz die ganze Bibel heilsgeschichtlich überflogen, um zu sehen, was Gemeinde überhaupt ist, und wir haben praktische Seiten der Gemeinde betrachtet, um zu sehen, was die Gemeinde macht. Sehr viel über die Gemeinde lernen wir zudem aus den vielen Bildern, die das Neue Testament für die Gemeinde gebraucht. Bereits erwähnt haben wir das Haus im Sinne einer Familie und den Leib. Weitere Bilder sind z. B. die Braut, das Haus im Sinne eines Gebäudes, die Herde, das Priestertum, der Leuchter und der Tempel. Das sind alles sehr reichhaltige Bilder, die tiefen Einblick in das wunderbare Wesen des bluterkauften Volkes Gottes geben. Und anhand all dieser Bilder können wir untersuchen, ob das dadurch ausgedrückte Wesen der Ortsgemeinde mit einer virtuellen, verstreuten Online-Gemeinschaft vereinbar ist.<br>Obwohl die Gemeinde kein ethnisches Volk ist, sondern ein geistliches, ist sie dennoch ein echtes Volk aus echten Menschen, die echte Kinder Gottes sind und eine echte Familie bilden. Als solche leben sie zusammen in vertrauter und strukturierter Gemeinschaft. Das biblische Bild der Familie („Haus“ oder „Haushalt“, Eph&nbsp;2,19; 1Tim&nbsp;3,15; 1Petr&nbsp;4,17) für die Gemeinde drückt also eine enge Zusammengehörigkeit und Verbundenheit aus, eine Blutsverwandtschaft und Liebe, die ein praktisches Füreinander-da-Sein beinhaltet.<br>Das Bild des Leibes&nbsp;(Röm&nbsp;12,4ff; 1Kor&nbsp;10,16-17; 12,12ff; Eph&nbsp;1,23; 4,4ff) besagt, dass Christus das Haupt der Gemeinde ist und die Gläubigen sind die Glieder. Eine engere, dynamischere, vitalere Beschreibung der Zusammengehörigkeit ist kaum vorstellbar. Nur wenn ein Leib mit allen Gliedern und Organen beisammen und richtig verbunden ist, kann er gesund sein, funktionieren und leben. Nur dann stehen die Glieder dem Haupt zur Verfügung.<br>Dass die Gemeinde die Braut Christi ist&nbsp;(2Kor&nbsp;11,2; Eph&nbsp;5,23-32; Offb&nbsp;19,7-8), ist wohl der stärkste Ausdruck dafür, mit welcher Sehnsucht sich der Herr Jesus nach der vollendeten, leibhaftigen Gemeinschaft mit den Seinen in der Ewigkeit sehnt – und sie sehnen sich ebenfalls danach, dass die leiblich-räumliche Trennung von ihm aufhört. Bis dahin können wir aber die enge Gemeinschaft untereinander praktizieren und uns als vereinte Braut gemeinsam auf den Tag der „Hochzeit des Lammes“ freuen. Unser Ziel ist die vereinte Gemeinschaft, und so weit es möglich ist, sollten wir die Gelegenheit zur Gemeinschaft schon jetzt nutzen – nicht aus Pflicht, sondern aus Sehnsucht und Liebe.<br>Das Bild von der Gemeinde als Haus, das aus einzelnen Steinen gebaut wird&nbsp;(1Kor&nbsp;3,9ff; Eph&nbsp;2,22; Hebr&nbsp;3,3-4; 1Petr&nbsp;2,5) ist zwar etwas statischer, drückt aber auch aus, dass die Steine zusammengehören und nur in enger, fester und strukturierter Gemeinschaft ihren Zweck erfüllen – nämlich als Tempel eine Wohnung für Gott zu bilden. Das Wort „Erbauung“&nbsp;(griech. oikodomeo, „hausbauen“) stammt auch aus diesem Bild. Erbauung ist also eine gemeinschaftliche Sache. Sie kann online geschehen, aber je näher und echter wir beim Predigen und Lehren, bei Seelsorge, bei Hauskreisen usw. zusammen sind, desto besser ist die Erbauung. Digital, telefonisch oder mit Büchern sind nützliche Hilfsmittel, aber das echte Zusammenkommen ist Gottes eigentliche Absicht.<br>Die Gemeinde wird auch als Herde mit Hirten beschrieben&nbsp;(Joh&nbsp;10,16; Apg&nbsp;20,28-29; Eph&nbsp;4,11; 1Petr&nbsp;5,2-3), was wieder ein sehr starkes, lebhaftes Bild ist. Der Oberhirte ist natürlich nicht der Papst, sondern der Herr Jesus. Er hat Unterhirten eingesetzt, die sich um die Herde kümmern sollen. Das heißt, sie sollen sie nähren, pflegen, schützen und leiten. Je größer die Distanz zu den Schafen ist, desto schwieriger wird das: „Hütet die Herde, die bei euch ist!“&nbsp;(1Petr&nbsp;5,2). Und die Schafe sollen ja eine zusammenhängende Herde bilden und nicht einzeln herumlaufen. Dafür hat der gute Hirte sein Leben gegeben, um alle seine Schafe zu vereinen (Joh&nbsp;10,11.16) und um „die zerstreuten Kinder Gottes in eins zu versammeln“&nbsp;(Joh&nbsp;11,52).<br>Den Leuchter als Bild für die Ortsgemeinde – bzw. ein Leuchter-Ensemble als Bild für die weltweite Gemeinde – finden wir in Offenbarung&nbsp;1,12-20 und 2,1.5. Die Gemeinden spenden Licht für diese in Gottesfremdheit verfinsterte Welt&nbsp;(Mt&nbsp;5,14). Sie leuchten mit der Botschaft des Evangeliums der Liebe Gottes, indem sie das Wort Gottes verkünden und verbreiten, aber sie strahlen auch als Zeugnis für ein heiliges, Gott ehrendes Leben&nbsp;(Phil&nbsp;2,15). Dazu gehört allen voran die Liebe untereinander, denn daran sollen „alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid“, sagt der Herr&nbsp;(Joh&nbsp;13,35). Wie aber soll die Welt diese Liebe sehen, wenn wir uns nur online treffen? Die Ortsgemeinde hat eine ganz öffentliche Aufgabe.<br>Über den Tempel als Bild für die Gemeinde, die der Ort der Gegenwart und Anbetung Gottes ist, haben wir bereits nachgedacht. Paulus lehrt in 1.&nbsp;Korinther&nbsp;3,16-17, 2.&nbsp;Korinther&nbsp;6,16 und Epheser&nbsp;2,19-22, dass die Gemeinde den Tempel Gottes bildet, wo er ganz besonders gegenwärtig ist. Und damit meint Paulus die Ortsgemeinde.<br>Wir haben drei Ebenen der Gegenwart und Gemeinschaft Gottes gesehen: Erstens hat der Sünder gar keine Gemeinschaft mit Gott. Zweitens hat der einzelne Gläubige eine persönliche Beziehung zu ihm. Und drittens bildet die versammelte Ortsgemeinde als Tempel einen „schon jetzt“ existierenden Vorgeschmack des künftigen Wohnorts Gottes bei seinem Volk in der Ewigkeit. Das physische Zusammenkommen der Gemeinde ist so etwas einzigartig Besonderes, dass sogar die himmlische Welt (Engel, Dämonen), staunend zuschauen, wenn wir uns versammeln&nbsp;(Eph&nbsp;3,10).<br>Sogar für den Fall, dass sich nur „zwei oder drei“ Gläubige physisch im Namen Jesu versammeln, hat er verheißen: „…&nbsp;da bin ich in ihrer Mitte“&nbsp;(Mt&nbsp;18,20). Das ist der geistliche Tempel der Gegenwart Gottes. Aber dazu ist es eben notwendig, sich real zu versammeln und „unser Zusammenkommen nicht zu versäumen, wie es bei einigen Sitte ist“&nbsp;(Hebr&nbsp;10,25). Paulus thematisiert die Versammlung der Gemeinde im 1. Korintherbrief und gibt konkrete Anweisungen für diese Zusammenkünfte einschließlich Abendmahl und Wortverkündigung&nbsp;(1Kor&nbsp;11,17ff; 14,23ff). Und was geschieht, wenn ein Nichtchrist in so eine Zusammenkunft kommt? „Wenn aber alle weissagen und irgendein Ungläubiger oder Unkundiger kommt herein, so wird er von allen überführt, von allen beurteilt; das Verborgene seines Herzens wird offenbar, und so wird er auf sein Angesicht fallen und wird Gott anbeten und verkündigen, dass Gott wirklich unter euch ist“&nbsp;(14,24-25). Ja, Gott ist in der versammelten Ortsgemeinde wirklich auf eine unfassbar besondere Weise gegenwärtig. Das ist die engste Form der Gegenwart Gottes, die bis zur Wiederkunft Jesu möglich ist.<br>Noch ein letztes Bild. Die Gläubigen werden auch als Priestertum beschrieben&nbsp;(1Petr&nbsp;2,5; Offb&nbsp;1,6). Priester sind Geheiligte, die in die Gegenwart Gottes treten und ihm dienen durch Opfer und Anbetung. Als Christen dienen wir Gott auch einzeln, wenn wir z. B. „Witwen besuchen“&nbsp;(Jak&nbsp;1,27) oder Geld spenden&nbsp;(Phil&nbsp;4,18). Aber sogar das Sammeln von Spenden gehört eigentlich in den Gottesdienst&nbsp;(1Kor&nbsp;16,1-3). Und natürlich beten wir Gott durch Worte und Lieder an, gemeinschaftlich, als Vorgeschmack des Chores der Ewigkeit, der für Gott ein neues Lied anstimmen wird.<br>Alle Gläubigen sind Priester. Dieses allgemeine Priestertum bedeutet, dass alle Gläubigen sich aktiv in der Gemeinde mit ihren Gaben einbringen. Wenn Online-Gemeinden argumentieren, dass man sich bei ihnen besser beteiligen und einbringen kann als in realen Gemeinden, in denen man meistens nur Zuschauer sei, dann läuft in diesen realen Gemeinden mächtig etwas schief! Jeder Gläubige sollte sich aktiv und konstruktiv am Gemeinde­leben beteiligen, damit er seine Berufung als Priester erfüllt.<br>Es gibt noch mehr Bilder für die Gemeinde, aber diese sollen genügen. Manche dieser Bilder beziehen sich in erster Linie auf die Gesamtgemeinde, aber einige klar auf die Ortsgemeinde: der Leuchter, die Herde und der Tempel. Was diese Bilder ausdrücken, lässt sich online nicht wirklich praktizieren und erfahren. Besonders das Bild des Tempels (und das ist nicht nur ein Bild, sondern die Gemeinde ist der Tempel) macht klar, dass nur die körperlich versammelte Ortsgemeinde den Ort bildet, wo Gott in unserem Zeitalter bei seinem Volk wohnt und die Gemeinschaft mit Gott auf vorläufig vollkommene Weise wiederhergestellt ist – als Vorläufer des Himmels.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Leiblichkeit gehört zum Menschen</h2>



<p>Francis Schaeffer hat in seinen Büchern immer wieder vor der modernen Denkweise gewarnt, dass sich das Leben in zwei getrennte Bereiche teile: in einen rationalen physischen und einen nicht rationalen geistigen Bereich. Diese Spaltung ist falsch, wird aber immer verbreiteter. Der Glaube wird in den irrationalen geistigen Bereich verschoben, der nicht mit dem rationalen physischen Bereich verbunden sei. Das macht uns schizophren und fördert ein Doppelleben. Der Glaube ist nämlich sowohl sehr vernünftig und logisch als auch praktisch realitätsbezogen. Gott hat uns mit einem Leib geschaffen. Sein eigener Sohn wurde Fleisch und hat nun einen verherrlichten Auferstehungsleib. Seine Nachfolge ist etwas ganz Handfestes, das unser Alltagsleben in allen Bereichen durchdringt. Die Gemeinde ist Christi Leib in einem real körperlichen Sinn – eine Gott im Leib verherrlichende, leidende, ihr Kreuz tragende Gemeinde&nbsp;(z. B. Kol&nbsp;1,24).<br>Doch durch die zunehmende Digitalisierung werden wir von unseren Körpern entfremdet, von physischer Gemeinschaft entwöhnt und aus der realen Welt mehr und mehr entrückt in eine Flucht ins Virtuelle. Sogar unsere Freundschaften pflegen wir immer öfter virtuell. Es wächst eine Generation heran, die mehr virtuelle als reale Kontakte hat und in einer Onlinewelt lebt. Das ist völlig entgegen Gottes guter Schöpfung und seiner Absicht für den Menschen.<br>Die Gemeinde ist die Gemeinschaft derer, in deren Leibern der Heilige Geist wohnt. Wir müssen uns dieser Realität stellen und uns physisch begegnen. In der Gemeinde und als Gemeindeglieder. Mit unseren Schwächen und Gebrechen offen umgehen und sie nicht durch Filter vertuschen. Unsere Körper sind immer auch Ausdruck unserer Schwäche und Begrenztheit. Gerade in unserer Schwachheit wird Gottes Kraft und Größe deutlich. Mache einmal ein Wortstudium zu „Schwachheit“ und „schwach“ im Neuen Testament! Paulus schreibt z. B., dass Gott ihm gesagt hat: „Meine Gnade genügt dir, denn meine Kraft kommt in Schwachheit zur Vollendung. Sehr gerne will ich mich nun vielmehr meiner Schwachheiten rühmen, damit die Kraft Christi bei mir wohne. …&nbsp;denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark“&nbsp;(2Kor&nbsp;12,9-10).<br>Unsere Leiblichkeit verleiht uns auch die Sehnsucht nach einem perfekten Auferstehungsleib. Ja, wir werden die Ewigkeit nicht als digital abgespeicherte Online-Seelen auf einer himmlischen Festplatte verbringen, sondern mit neuen, ewigen, vollkommenen Leibern in einer neuen Schöpfung! Wir erwarten sehnsüchtig die Wiederkunft Jesu, und das nicht nur, um endlich aus dieser Welt samt dieser leidigen Corona-Pandemie entrückt zu sein, sondern um bei Jesus zu sein – in echt, leibhaftig, physisch, ganz real mit allen Sinnen.<br>Leiblichkeit gehört zu Gottes Plan – in Zukunft und jetzt. Wir können uns nicht online beim Umzug helfen. Wir können nicht online im Chor singen. Wir können nicht online unserem Bruder in die Augen schauen, seinen Atem spüren, unseren Arm um ihm legen und ihn eindringlich ermahnen, um Christi willen endlich mit seiner sündigen Gewohnheit aufzuhören. Wir können uns auch schlecht online taufen und nur sehr eingeschränkt das Mahl des Herrn feiern. Online-Gemeinde geht nicht und ist ein Widerspruch in sich. Es ist eine groteske Vorstellung, aber in der reinen Online-Gemeinde „VR Church“ nehmen alle Teilnehmer die künstlichen Gestalten von Avatars an, wie in einem Computerspiel. Das stellt die Realität der Gemeinde vollkommen auf den Kopf. Es kann keine entleiblichte Gemeinde geben, denn die Gemeinde ist ein Leib aus ganzen, echten Menschen.</p>



<figure class="wp-block-image"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="960" height="640" src="https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2020/12/christin-hume-mfB1B1s4sMc-unsplash.jpg?resize=960%2C640&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-5728" srcset="https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2020/12/christin-hume-mfB1B1s4sMc-unsplash.jpg?resize=1024%2C683&amp;ssl=1 1024w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2020/12/christin-hume-mfB1B1s4sMc-unsplash.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2020/12/christin-hume-mfB1B1s4sMc-unsplash.jpg?resize=768%2C512&amp;ssl=1 768w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2020/12/christin-hume-mfB1B1s4sMc-unsplash.jpg?resize=190%2C127&amp;ssl=1 190w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2020/12/christin-hume-mfB1B1s4sMc-unsplash.jpg?resize=24%2C16&amp;ssl=1 24w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2020/12/christin-hume-mfB1B1s4sMc-unsplash.jpg?resize=36%2C24&amp;ssl=1 36w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2020/12/christin-hume-mfB1B1s4sMc-unsplash.jpg?resize=48%2C32&amp;ssl=1 48w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2020/12/christin-hume-mfB1B1s4sMc-unsplash.jpg?w=1500&amp;ssl=1 1500w" sizes="auto, (max-width: 960px) 100vw, 960px" /></figure>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p> Wer Online-Gemeinde für möglich hält, hat total unterschätzt, was Gemeinde ist. </p></blockquote>



<h2 class="wp-block-heading">Fazit</h2>



<p>Ein letztes Argument der Online-Church-Befürworter lautet: „Zu Jesus kommen“ ist eine biblische Aufforderung, aber das geht nicht physisch, sondern nur „virtuell“. Nun, Jesus ist nicht leiblich auf der Erde, aber die Gläubigen sind es. Und „zu ihm kommen“ – eine Beschreibung des Gläubigwerdens – ist auch etwas sehr Reales, das konkrete Handlungen umfasst: sein Wort hören oder lesen, ihn im Gebet anrufen, sich taufen lassen, konkret auf ihn vertrauen, das eigene Denken und Leben konkret ändern. Ebenso ist das Versammeln als Gemeinde zu Gott hin zwar nicht an einen festen Ort gebunden, weil es momentan keinen festgelegten Ort dafür gibt, dennoch müssen wir uns konkret und real versammeln, wo auch immer, so gut es eben geht. Sei es im Freien oder in Kleingruppen daheim. Mit unseren Körpern, die Tempel des Heiligen Geistes sind, kommen wir wie viele einzelne Bausteine zusammen und bilden gemeinsam einen Tempel für Gott.<br>Der räumlichen Trennung zwischen Paulus (oft im Lock-In im Gefängnis) und seinen geliebten Gemeinden haben wir zahlreiche neutestamentliche Briefe zu verdanken. Diese für immer dokumentierte „Telekommunikation“ ersetzte nicht die ersehnte reale Gemeinschaft, aber war eine segensreiche Notlösung. Vielleicht werden die Notlösungen unserer Corona-Zeit uns den Segen sehr vieler online verfügbarer Predigten etc. hinterlassen, aber diese Online-Ressourcen ersetzen nicht die reale Gemeinschaft von Christen als Gemeinde. Sie sind Krücken, die wir eine Zeitlang als Behelf brauchen.<br>Sollen wir Online-Vernetzung nutzen, wenn wir uns nicht real treffen können? Auf jeden Fall. Wir sollen nicht stumpf die Finger vom Internet lassen und denken, dass die digitale Welt in sich böse sei; das ist sie trotz vieler Gefahren nicht. Nur müssen wir uns – neben den vielen anderen Gefahren – davor hüten, bequem zu werden und zu meinen, Online-Gemeinschaft ersetze echte Gemeinschaft. Ich habe mich selbst schon dabei ertappt, dass ich vom Sofa aus unseren Gottesdienst verfolgt habe und dachte: Prima, keine Autofahrt, keine Parkplatzsuche, mehr Zeit am Sonntag. Kein Sitznachbar stinkt, niemand quatscht mich blöd an. Ein solches Denken ist arg falsch. Wir brauchen eine Sehnsucht nach Gemeinschaft, wie Paulus und Epaphroditus sich z. B. nach den Philippern sehnten (Phil 1,8; 2,26; 4,1 etc.) und wie der Herr Jesus sich danach sehnte, das letzte Passahmahl mit seinen Jüngern zu essen und es wieder zu essen im Reich Gottes (Lk 22,15-16). Wir dürfen uns nicht einander vorenthalten, nicht voreinander verstecken, untertauchen in der Anonymität, Virtualität, Filterung und Abschaltbarkeit der Internet­medien. Wir dürfen uns nicht an Isolation gewöhnen. Lasst uns ein Vorgeschmack auf die reale gemeinsame Gemeinschaft mit Gott in der Ewigkeit sein und diesen Vorgeschmack ausleben, als sein Tempel aus vielen Steinen, Priestern, Gliedern, Schafen und Hirten. Lasst uns die echte Ortsgemeinde in dem Reichtum wertschätzen, wie Gott sie in seinem Wort beschreibt. Wer Online-Gemeinde für möglich hält, hat total unterschätzt, was Gemeinde ist.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Was ist deine Meinung zu dem Thema? Wir freuen uns auf dein Feedback! Diskutiere mit!</h3>
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		<title>Christ + Freundschaft</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Sara Pieper]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 06 Dec 2019 07:56:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Blog]]></category>
		<category><![CDATA[Timotheus Magazin]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wahre Freunde sind schwer zu finden. Sie sind dir näher als deine Familie, und oft kennen sie dich besser. Sie beten größere Dinge als du für dich selbst betest. Sie glauben mit dir, wenn dein Glaube schwach ist. Sie nehmen sich Zeit für dich, wenn das Leben... </p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-small-font-size">Von Kelly Needham, erschienen in <a href="https://www.betanien.de/timotheus-magazin-37/">Timotheus Magazin Nr. 37</a> (04/2019)</p>



<h2 class="wp-block-heading"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-5304" src="https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2019/11/37_Christ-.jpg?resize=590%2C380&#038;ssl=1" alt="" width="590" height="380" srcset="https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2019/11/37_Christ-.jpg?w=590&amp;ssl=1 590w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2019/11/37_Christ-.jpg?resize=300%2C193&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2019/11/37_Christ-.jpg?resize=190%2C122&amp;ssl=1 190w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2019/11/37_Christ-.jpg?resize=24%2C15&amp;ssl=1 24w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2019/11/37_Christ-.jpg?resize=36%2C23&amp;ssl=1 36w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2019/11/37_Christ-.jpg?resize=48%2C31&amp;ssl=1 48w" sizes="auto, (max-width: 590px) 100vw, 590px" /></h2>



<p>Wahre Freunde sind schwer zu finden. Sie sind dir näher als deine Familie, und oft kennen sie dich besser. Sie beten größere Dinge als du für dich selbst betest. Sie glauben mit dir, wenn dein Glaube schwach ist. Sie nehmen sich Zeit für dich, wenn das Leben aus den Fugen gerät, und sie freuen sich mit dir, wenn alles gut läuft. Aber am meisten erinnern dich wahre Freunde bei jeder Begegnung daran, wer und was am wichtigsten ist.<br>Der Kern jeder christlichen Freundschaft ist eine Gemeinschaft, die sich auf zwei Überzeugungen stützt: 1. Jesus alleine kann unsere Seele erfüllen und 2. allein für sein Reich lohnt es sich zu leben.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der Freund – ein getarnter Feind?</h2>



<p>Jesus ist unser Brot des Lebens, unser lebendiges Wasser, unsere teure Perle, unser Licht, unsere Auferstehung, ja, unser ganzes Leben. Die größte Gefahr für unsere Seele ist, dass wir nicht in Ihm bleiben, Ihm nicht folgen und unsere Freude nicht in Ihm finden. Deshalb ist das wertvollste Geschenk, das ein Freund uns geben kann, entschlossen für unsere Freude in und Gemeinschaft mit Christus zu kämpfen.<br>Umgekehrt ergibt sich die schlimmste Verzerrung echter Freundschaft, wenn ein Freund uns ermutigt – sei es bewusst oder unbewusst –, unsere Gefühle und Zuneigungen auf etwas anderes zu richten. Ein Beispiel für eine solche Verzerrung ist das, was Petrus in Matthäus 16 tut. Jesus erklärt seinen Jüngern, dass er sterben und wieder auferstehen wird (Mt 16,21). Petrus weist Jesus mit dem sicherlich gut gemeinten Kommentar eines loyalen Freundes zurecht: „Gott behüte dich, Herr! Dies wird dir keinesfalls widerfahren“ (Vers 22).<br>Das erscheint auf den ersten Blick wie die tiefste, aufrichtigste und schönste Form der Freundschaft, aber mit dieser Aussage stellte sich Petrus zwischen Jesus und dessen Gehorsam zu seinem Vater. Petrus’ Ignoranz machte aus einem Freund einen Feind, zumindest für einen Moment. „Geh hinter mich, Satan! Du bist mir ein Ärgernis“ (Vers 23). Was Petrus für hilfreich hielt, das bezeichnete Jesus als „Ärgernis“ (oder Stolperstein, Fallstrick, griech. skandalon). Was Petrus als freundschaftlichen geistlichen Rat meinte, bezeichnete Jesus als satanistischen Widerstand.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>Christliche Freundschaft ist ein Schatz, denn sie hilft uns an unserem größten Schatz festzuhalten.</p></blockquote>



<h2 class="wp-block-heading">Fünf Merkmale christlicher Freundschaften</h2>



<p>Wie können wir also den Fehler des Petrus in unseren eigenen Freundschaften vermeiden? Wie können wir ein Freund sein, der den Glauben anderer bewahrt und stärkt? Hier sind fünf verschiedene Wege, wie wahre christliche Freundschaft unsere Liebe zu Christus durch gegenseitige Freundesliebe stärkt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">1. Wahre Freunde fördern unsere Freude in Gott.</h3>



<p>Gemeinschaft vertieft immer die Freude. Mein Lieblingsfilm ist gut, wenn ich ihn alleine ansehe, aber noch besser mit einem Freund. Irgendwie ist ein leckeres Essen zufriedenstellender, wenn es gemeinsam genossen wird. Ganz natürlich begeistern wir unsere Freunde dafür, gemeinsam das zu genießen, was wir lieben: „Diesen Film musst du unbedingt sehen!“ „Zu diesem Restaurant musst du unbedingt mitkommen!“<br>Aber von all diesen Freuden im Leben ist Gott die Größte! Wir wurden für Ihn gemacht – um Ihn zu genießen und unser Herz und Leben nach Ihm auszurichten. Und wie jede andere Freude, so ist auch unsere Freude an Gott am größten, wenn wir sie mit anderen teilen. Christliche Freunde helfen uns, uns an Gott zu erfreuen, indem sie sich gemeinsam mit uns an Ihm erfreuen.<br>Es ist verlockend, diese Formel umzukehren und zu verzerren, indem wir Gott dazu instrumentalisieren, mehr Freude an Menschen zu bekommen. Wenn wir uns nur an Ihn wenden, um einen Ehepartner zu erbitten oder Freunde oder Kinder, an denen wir uns erfreuen, dann offenbart sich, dass wir Gott nur als Mittel, als Instrument ansehen, um die Gemeinschaft anderer genießen zu können. Das Gegenteil wäre richtig: von der Beziehung zu Menschen zu erwarten, dass sie die Beziehung zu ihm fördern. Paradoxerweise werden wir desto mehr Freude an unseren Freundschaften haben, je mehr diese Freundschaft dazu beiträgt, dass wir uns an Gott erfreuen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">2. Wahre Freunde weisen uns auf unsere Sünde hin, die unsere Beziehung zu Gott stört.</h3>



<p>„Treu gemeint sind die Schläge des Freundes, aber reichlich sind die Küsse des Hassers“ (Spr 27,6).<br>Sünde täuscht uns. Sie verdunkelt unseren Verstand und macht uns zu Narren. Das geht sogar so weit, dass wir in Sünde leben und doch überzeugt davon sind, dass wir Gott gehorsam sind (denke an die Pharisäer). Deshalb brauchen wir unbedingt Freunde.<br>Wir brauchen Freunde, die uns liebevoll unsere Sünde zeigen. Wir brauchen Freunde, die uns helfen, unsere Schwachpunkte zu sehen. Wir brauchen Freunde, die mit schonungsloser Ehrlichkeit zu uns sprechen (Mt 18,15) und uns mit sanftem Mitgefühl die Wahrheit über uns sagen (Gal 6,1), auch wenn wir sie nicht hören wollen (Eph 4,15).<br>Das ist ein entscheidender Zweck von Gemeinschaft, den nur wenige wahr haben wollen. Wir hätten lieber Freunde, die uns immer sagen, was wir hören wollen, die uns die falsche Vorstellung von Gnade vermitteln, sagen Sünde sei nicht so schlimm, und uns die falsche Hoffnung geben, dass wir auch ohne Buße tiefe Gemeinschaft mit Gott haben können. Aber weil Sünde Gift für unsere Seelen ist und ein Dieb unserer Freude an Gott, können wir auf solche wahren Freundschaften nicht verzichten.</p>



<h3 class="wp-block-heading">3. Wahre Freunde ermutigen uns, Gott zu gehorchen.</h3>



<p>„Lasst uns aufeinander achtgeben, damit wir uns gegenseitig anspornen zur Liebe und zu guten Werken“ (Hebr 10,24; vgl. 3,13).<br>Einerseits brauchen wir Freunde, die uns helfen, unseren Ungehorsam zu erkennen, aber wir brauchen sie auch, um uns zum Gehorsam zu ermutigen. Oft braucht Gehorsam gegenüber Gott mehr Mut, als wir alleine aufbringen können. Ohne das treue Anfeuern durch christliche Freunde verfallen wir nur allzu leicht in Stagnation und Apathie. Wir wollen vielleicht nicht absichtlich ungehorsam sein, sind aber zu zaghaft und zögerlich, um im Glauben voranzuschreiten.<br>Die Ermutigung, die wir geben sollen, ist keine Schmeichelei oder oberflächliche Inspiration. Ermutigung heißt, jemandem Mut und Stärke für eine schwere Aufgaben zu geben, vor der er zurückschreckt. Wir vermittelt ihm eine bessere Sicht dafür, warum der betreffende Gehorsamsschritt so wichtig für Gottes Reich ist. Wir versichern ihm, dass sein Gehorsam Gott verherrlicht und für die Ewigkeit zählt. Wie auch immer die Ermutigung konkret aussieht, sie motiviert andere, mit Ausdauer weiterzulaufen in dem Rennen, das Gott für sie bestimmt hat.</p>



<h3 class="wp-block-heading">4. Wahre Freunde bringen uns in unserer Schwäche zu Gott.</h3>



<p>„Und siehe, Männer trugen auf einer Liegematte einen Gelähmten; und sie versuchten ihn hineinzubringen und vor ihn zu legen. Und da sie wegen der Menge keine Möglichkeit fanden, ihn hineinzubringen, stiegen sie auf das Dach und ließen ihn mit der Liegematte durch die Ziegel hinunter in die Mitte vor Jesus“ (Lk 5,18-19).<br>Das Leben in einer gottlosen Welt, mit unserem sündigen Fleisch, im ständigen Konflikt mit einen höllischem Feind, ist einfach zu schwierig, um es alleine zu schaffen. Auf uns allein gestellt, fallen wir schnell auf die Lügen Satans herein. Auf uns allein gestellt, brechen wir rasch unter der Last der Sünde zusammen. Auf uns allein gestellt, werden wir entmutigt und erschöpft. Wie der Gelähmte brauchen auch wir andere Gläubige, die uns zu Gott tragen.<br>Aber wie können wir andere zu Gott bringen? Wir hören einem christlichen Freund zu, wenn er eine verborgene Sünde gesteht und waschen ihn mit der Wahrheit, dass Christus ihn gereinigt und wiederhergestellt hat. Wir können denen, die schwere Leiden für den Namen Christi tragen, die praktische Hilfe bieten, die sie brauchen. Oder wir können ganz einfach unsere Freunde im Gebet zu Gott bringen und Ihn bitten, größere Dinge in ihrem Leben zu vollbringen, als wir für sie tun können.</p>



<h3 class="wp-block-heading">5. Wahre Freunde lieben uns zur Verherrlichung Gottes</h3>



<p>„Ob ihr nun esst oder trinkt oder sonst etwas tut — tut alles zur Ehre Gottes!“ (1Kor 10,31).<br>Die weltliche Vorstellung von bester Freundschaft ist, dass man sich gegenseitig Komplimente macht und rühmt. „Ich kann nicht ohne dich leben!“ Lobesworte und Treueversprechen können schnell einen kurzen Adrenalinrausch und einen falschen Eindruck von Wichtigkeit und Bedeutung vermitteln. Sicherlich sollen wir einander ermutigen und bestätigen, aber christliche Freunde sollten vielmehr auf Gottes Herrlichkeit und Größe fokussiert sein – nicht auf die eigene oder die der Freunde.<br>Wie bei allen anderen Dingen, sollte Gott und seine Verherrlichung auch das höchste Ziel unserer Freundschaften sein. Da unsere Herzen dazu neigen, von diesem Weg abzuirren und andere Dinge anzubeten, brauchen wir Freunde, die uns immer wieder an Seine Herrlichkeit und Seinen Wert erinnern.</p>



<hr class="wp-block-separator is-style-wide"/>



<figure class="wp-block-image"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="200" height="50" src="https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2018/02/Unbenannt-1-1.png?resize=200%2C50&#038;ssl=1" alt="Christ +" class="wp-image-3783"/></figure>



<h4 class="wp-block-heading">Was ist deine Meinung dazu?</h4>



<p>In der Rubrik des Timotheus-Magazins  &#8222;<em>Christ +&#8220;</em> werden immer aktuelle und praktische Themen behandelt, bei denen uns deine Meinung interessiert. Nutze die Kommentarfunktion, um uns deine Gedanken ganz einfach mitzuteilen. Wir freuen uns auf Feedback und Austausch! </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.betanien.de/christ-freundschaft/">Christ + Freundschaft</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.betanien.de">Betanien Verlag</a>.</p>
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		<title>Christ + Gemeindegründung</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Sara Pieper]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 22 Jun 2019 04:20:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Blog]]></category>
		<category><![CDATA[Timotheus Magazin]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Leiden des jungen Gemeindegründers<br />
Meine Frau Antje und ich waren von 2009 bis 2010 als Missionare mit dem Missionswerk Operation Mobilisation (OM) in Ägypten. Wir entschieden uns, nach unserem Einsatz wieder nach Jena zurückzukehren. Allerdings ...</p>
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<p class="has-small-font-size">Von Stefan Beyer, erschienen in <a href="https://www.betanien.de/timotheus-magazin-35/">Timotheus Magazin Nr. 35</a> (02/2019)</p>



<figure class="wp-block-image"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="590" height="380" src="https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2019/06/35_Christ-.jpg?resize=590%2C380&#038;ssl=1" alt="Christ + Gemeindegründung" class="wp-image-5169" srcset="https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2019/06/35_Christ-.jpg?w=590&amp;ssl=1 590w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2019/06/35_Christ-.jpg?resize=300%2C193&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2019/06/35_Christ-.jpg?resize=190%2C122&amp;ssl=1 190w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2019/06/35_Christ-.jpg?resize=24%2C15&amp;ssl=1 24w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2019/06/35_Christ-.jpg?resize=36%2C23&amp;ssl=1 36w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2019/06/35_Christ-.jpg?resize=48%2C31&amp;ssl=1 48w" sizes="auto, (max-width: 590px) 100vw, 590px" /></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Die Leiden des jungen Gemeindegründers</h2>



<p>Meine Frau Antje und ich waren von 2009 bis 2010 als Missionare mit dem Missionswerk Operation Mobilisation (OM) in Ägypten. Wir entschieden uns, nach unserem Einsatz wieder nach Jena zurückzukehren. Allerdings war uns bewusst, dass es in Jena keine evangeliumszentrierte Gemeinde gab, die auch einen Fokus auf Jüngerschaft hatte. Vor unserer Zeit als Missionare hatten wir mit einer Studentengruppe namens Connexxion zusammengearbeitet und unser Leben in Studenten an der Universität investiert, um sie darin anzuleiten, wie man Jesus nachfolgt. Dieser Dienst war immer von dem Wehrmutstropfen begleitet, dass wir keine gute Gemeinde vor Ort hatten, in die wir die Studenten, mit denen wir Jüngerschaft machten, schicken konnten. Es fühlte sich immer wie ein Schwimmen gegen den Strom an, weil in den Ortsgemeinden das Evangelium nicht so klar gelehrt wurde und die Studenten deshalb immer wieder Unsicherheiten bekamen. Also entschlossen wir uns, eine eigene Gemeinde zu gründen.<br> Gott hatte es so gefügt, dass es aus der Studentenarbeit heraus schon einen Gebetskreis gab, der für eine neue Gemeinde betete. Er bestand damals aus drei Ehepaaren. Sie warteten nur noch auf jemanden, der bei der neuen Gemeindegründung die Leitung übernehmen würde. Wir entschieden uns gemeinsam, dass wir uns den Freien evangelischen Gemeinden anschließen wollten, weil sie a) einen großen Fokus auf Gemeindegründung haben und b) wir bei der ersten Evangelium21-Konferenz im Jahr 2011 einige Pastoren aus den FeGs kennenlernten und deshalb die Hoffnung hatten, in diesem Bund mehr reformierte Mitstreiter zu finden als anderswo. Wir begannen mit unseren ersten Gottesdiensten im Sommer 2012 und wurden wenig später als Evangeliumsgemeinde Jena vom Bund offiziell als „Gemeinde in Gründung“ aufgenommen.<br> So weit, so gut. Wir hatten viele Ideen für die neue Gemeindegründung und auch ein Vertrauen auf Gott, dass er in Ostdeutschland wirken möchte und das Evangelium dazu gebrauchen kann, Menschen zu sich zu ziehen und in der Nachfolge Christi wachsen zu lassen. Auch wenn ich durch einige Gemeindegründer, die ich kannte, gewarnt wurde, dass der Weg einer Gemeindegründung in Ostdeutschland sehr schwer werden würde, war ich doch optimistisch, dass der Gott, der in Ägypten die Herzen von Muslimen verändern konnte, auch unter atheistischen Ostdeutschen wirken konnte.<br> Allerdings kamen dann doch einige Enttäuschungen, die mich zu verschiedenen Zeiten aus der Bahn geworfen haben und über die ich hier kurz berichten möchte.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Das Gefühl das Verlassenwerdens</h4>



<p>Im Laufe unserer Gemeindegründung haben immer wieder Menschen unser Gründungsprojekt verlassen, in die wir einst große Hoffnungen gesetzt hatten. Das begann damit, dass viele Studenten, in die wir schon jahrelang im Rahmen der Studentenarbeit Connexxion investiert hatten, nicht bei unserer Gemeindegründung mitmachen wollten. Es stellte sich heraus, dass sie schon zu sehr in den anderen Gemeinden verankert waren und nicht bereit waren, den Schritt in eine kleine Gemeinde mit ungewisser Zukunft zu machen. Das hatte mich persönlich sehr enttäuscht, weil wir gerade diesen Leuten ein gutes Umfeld für ihr langfristiges Wachstum in Christus bieten wollten. Ich fühlte mich ein bisschen wie Paulus, der am Ende seines Lebens schrieb, dass er von allen verlassen wurde (2Tim 4,16). <br> Dazu kam auch, dass ein Ehepaar aus dem Gründungskreis ganz plötzlich entschied, nicht mehr länger mitmachen zu wollen. Wir hatten den anderen Gemeinden von unserer Gründungsabsicht erzählt und dabei zum Teil so heftigen Widerstand bekommen, dass es für dieses Ehepaar zu viel wurde. Viele der örtlichen Gemeinden betrachteten uns als Konkurrenz, statt auf den riesigen Bedarf in Jena zu sehen, wo nur 1% der Bürger regelmäßig einen Gottesdienst besuchen.<br> Im Laufe der Zeit verließen uns immer wieder liebgewonnene Menschen. Da Jena eine studentisch geprägte Stadt ist, bleibt es nicht aus, dass Menschen ihr Studium abschließen und dann dort hinziehen, wo sie eine gute Arbeit finden. Das ist absolut nachvollziehbar. Nur war es für uns oft verletzend, dass die Umzugsentscheidung überraschend kam und aus unserer Sicht nicht ausreichend darauf geachtet wurde, dass an dem neuen Ort auch eine evangeliumszentrierte Gemeinde ist und nicht nur eine gute Arbeitsstelle. Das fühlte sich für uns so an, als ob die Menschen gar nicht so richtig wertgeschätzt haben, was sie in unserer Gemeinde hatten. Allerdings bekamen wir immer wieder nach Jahren dann die Rückmeldung, dass die Gemeinde eine große Rolle im Glaubensleben gespielt hatte und dass man die Art von Jüngerschaft, die wir machen, woanders nicht auf diese Weise gefunden hat.<br> Ich musste mich irgendwann entscheiden, für wen ich meinen Dienst mache. Entweder für Menschen, von denen ich hoffe, dass sie unsere Gemeinde wertschätzen und sich langfristig an unsere Gemeinde binden, oder für Jesus, der uns an diese Stelle gestellt hat mit dem Auftrag und dem Privileg, das Evangelium zu verkünden, ganz unabhängig davon, wie die Resultate aussehen. Eigentlich ist die Antwort einfach, aber es bleibt ein lebenslanger Prozess, sie für sich selbst richtig zu geben. Paulus redet in Galater 1,10 davon, dass er nicht den Menschen gefällig sein, sondern ein Knecht des Christus sein will. Ich musste wachsen im Verständnis, dass es allein um Jesus geht und dass er würdig ist, ihm zu dienen, ob die Gemeinde nun groß oder klein ist, und ganz gleich, wie Menschen auf das Evangelium reagieren. Mir hat es immer wieder geholfen, mal raus aus Jena zu kommen, um mich neu auf diese Perspektive auszurichten.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Langsamer Fortschritt</h4>



<p>Als wir unsere Gemeinde in Ostdeutschland gründeten, wurde uns von erfahrenen Gemeindegründern gesagt, dass man hier nur Gemeinde gründen kann, wenn man eine ganz langfristige Perspektive hat. Ich habe das zwar gehört, aber richtig geglaubt habe ich es nicht. Ich ging davon aus, wenn wir nur treu das Wort Gottes verkünden, uns evangelistisch engagieren und in Jüngerschaft investieren, dass dann die Gemeinde von selbst wachsen würde. In gewisser Hinsicht trifft das auch zu; allerdings ging das Wachstum wesentlich langsamer voran, als erwartet. Die Zahl unserer Gottesdienstbesucher ist immer noch relativ gering. Wenn man allerdings zusammenzählt, wie viele Menschen im Laufe der Jahre die Gemeinde auf die eine oder andere Weise besucht und das Evangelium gehört haben, dann ist die Zahl erstaunlich groß. Gott hat es uns erlaubt, ein Licht im dunklen Osten zu sein, aber nicht auf eine Weise, dass wir stolz auf uns sein können, sondern so, dass wir am Ende ihm alle Ehre geben müssen. <br> Mit dem langsamen Fortschritt kommen natürlich Versuchungen und Selbstzweifel. Wenn man sieht, wie andere Gemeinden, die mehr auf einen Erfahrungs- und Erlebnisglauben setzen, wesentlich schneller wachsen, dann ist man schon versucht, das irgendwie zu kopieren. Außerdem fragt man sich, ob es wirklich ausreicht, das Wort Gottes treu zu verkünden. Bei diesen Fragen und Selbstzweifeln wurde ich durch den Dienst von John MacArthur sehr bestärkt. Er legt in seinen Predigten immer wieder den Fokus darauf, was auch Paulus betonte, als er seinem Schützling Timotheus schrieb: Predige das Wort! (2Tim 4,2). Das Wort Gottes ist lebendig und wirksam (Hebr 4,12) und Gott wird es gebrauchen, um Menschen zum Glauben zu führen und im Glauben zu stärken. <br> Mittlerweile erachte ich es als echtes Privileg, jeden Sonntag das Wort Gottes verkündigen zu dürfen und achte gar nicht mehr so sehr darauf, wie viele Menschen da vor mir sitzen. Aber das war ein Prozess über Jahre. Ein Freund hatte mir einmal gesagt, dass viele Gemeindegründer überschätzen, was Gott in fünf Jahren tun wird, aber unterschätzen, was er in zwanzig Jahren tut. Das führt dazu, dass viele genau dann aufhören, wenn sich langsam Frucht einzustellen beginnt. Ich kann das nur bestätigen. Es ist schon erstaunlich, was Gott über die Jahre alles in und durch unsere kleine Gemeinde bewirkt hat.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Eigenbeschuss</h4>



<p>Im Militär spricht man von „friendly fire“, wenn man von den eigenen Streitkräften beschossen wird. Leider kommt dieser Eigenbeschuss auch in christlichen Kreisen des Öfteren vor. Ich war als junger Gemeindegründer nicht auf den Widerstand vorbereitet, den wir von anderen Christen erhalten würden. Das begann damit, dass die bestehenden Gemeinden in Jena uns als Konkurrenz ansahen und uns alle möglichen Motive unterstellten, warum wir die Gemeinde gründeten. Dabei ging es uns gar nicht darum, irgendwelche Schafe aus anderen Gemeinden abzuziehen, sondern darum, Menschen für Jesus zu gewinnen und sie im Glauben auszubilden. <br> Auch der Bund der Freien evangelischen Gemeinden meldete schnell Widerstand an. Der theologischen Hochschule in Ewersbach war es aufgestoßen, dass wir uns so klar zur Bibel und zum Netzwerk Evangelium21 bekannten. Wir wurden von der Bundesleitung dazu aufgefordert, unseren Namen Evangeliumsgemeinde abzulegen und jeden Hinweis auf Evangelium21 von unserer Webseite zu entfernen. Ich fuhr zum Rektor der Theologischen Hochschule nach Ewersbach und erklärte ihm im persönlichen Gespräch, warum wir nur glauben können, dass die Bibel das unfehlbare Wort Gottes ist. Viele von uns waren neu zum Glauben gekommen und für uns war es ein unausweichlicher Schritt, uns zur Unfehlbarkeit der Bibel zu bekennen: Wenn Gott gesprochen hat, dann hat er unfehlbar gesprochen. Erstaunlicherweise akzeptierte der Rektor das. In der Folge hat es sich immer wieder als weise herausgestellt, theologische Streitfragen nicht per E-Mail zu klären, sondern im persönlichen Gespräch.<br> Wir hatten auch intern einige Auseinandersetzungen und mussten zuweilen Gemeindezucht anwenden. Es schlossen sich Menschen unserer kleinen Gemeinde an, die nicht immer in allen Punkten unserer theologischen Grundlage folgten, die aber dachten, dass sie eine kleine Gemeinde schnell prägen und für sich einnehmen konnten. Als sie dann mit unserer theologischen Grundlage und den Herzenseinstellungen konfrontiert wurden, zu denen sie sich im Mitgliedschaftskurs eigentlich bekannt hatten, waren sie konsterniert und nicht länger bereit, dem zu folgen.<br> Es kam auch vor, dass wir mit anderen Gemeinden in unserem Bund in Konflikt gerieten. Wir wollten eine Partnerschaft mit der FeG Erlangen gründen, weil Erlangen die Partnerstadt von Jena ist. Es gab viele Gespräche und Besuche von beiden Seiten. Kurz vor Abschluss der Partnerschaft kam plötzlich die Frage auf, ob in unserer Gemeinde auch Frauen predigen dürfen. Als wir dies verneinten, wurde umgehend der Kontakt abgebrochen und die Partnerschaft auf Eis gelegt. In Thüringen stellte eine FeG in unserer Nähe einen Pastor ein, der erst vor kurzem geschieden war. Da diese FeG die Heimatgemeinde eines unserer Gründungsmitglieder ist und die Eltern dort Mitglieder sind, wurden wir genötigt, Stellung zu beziehen. Als ich intern die Eignung dieses Pastors für seinen Dienst anzweifelte, wurde meine E-Mail unrechtmäßigerweise sowohl dem Pastor selbst als auch der Bundesleitung weitergeleitet. Daraufhin wurden wir von der Bundesleitung aufgefordert, den Bund zu verlassen. Wir konnten diesen Konflikt später klären, aber er hatte uns eine Zeitlang emotional enorm mitgenommen.<br> Der Apostel Paulus spricht in seinen Briefen immer wieder davon, wie ihm falsche Motive unterstellt wurden und wie er sogar von Christen immer wieder feindlich angegangen wurde. Wir mussten erst eine Gemeinde gründen, um diesen Teil des Neuen Testaments persönlich nachvollziehen zu können.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Persönliches Wachstum in Christus</h4>



<p>Bevor ich Missionar wurde, ging ich davon aus, dass Missionare so eine Art Superchristen sind, die immer gerne in der Bibel lesen und niemals geistliche Probleme haben. Das war ein großer Irrtum. Missionare sind ganz normale Christen, denen es genauso schwerfällt wie jedem anderen auch, sich für das Wort Gottes Zeit zu nehmen. Das gleiche gilt für Gemeindegründer. Nur, weil man als Pastor einer Gemeinde arbeitet, hat man nicht plötzlich eine Abkürzung im Heiligungsprozess oder einen Schnellzugriff auf geistliche Gaben. Das Wachstum in Christus geht genauso schnell bzw. genauso langsam vonstatten wie bei anderen Christen auch. <br> Außerdem hatte ich die falsche Vorstellung, dass Gott mir irgendetwas schuldet, weil ich mein Leben in seinen Dienst gestellt habe. Als dann Probleme und Enttäuschungen kamen, klagte ich Gott an, wie er so etwas zu lassen könne bei jemanden, der ihm so ergeben dient. Gott ist jedoch würdig, dass wir ihm dienen, ganz unabhängig davon, wie es uns geht. Er schuldet uns auch nichts dafür. Ganz im Gegenteil. Wir bleiben unser Leben lang Sünder, die vollkommen in der Abhängigkeit seiner Gnade stehen. Wenn ich jetzt mit 36 Jahren auf mein bisheriges Leben zurückschaue, sehe ich schon einige Bereiche, wo Christus mich hat wachsen lassen. Meine Freude an ihm selbst hat zugenommen und ist nicht mehr so sehr von meinen Umständen abhängig. Meine Anbetung ist reicher und tiefer geworden. Allerdings hatte dieses Wachstum auch seinen Preis. Ich weiß jetzt, warum der Schreiber des Hebräerbriefs von der Zuchtrute des Herrn sprechen kann (Hebr 12,4-11). Auch als Pastor muss ich bei meinem geistlichen Leben dranbleiben. Ich muss regelmäßig die Bibel lesen, mir Zeit fürs Gebet nehmen und mich prüfen, wo in meinem Leben noch Sünde verborgen ist (siehe Ps 139,23-24).</p>



<h2 class="wp-block-heading">Und jetzt?</h2>



<p>Ich möchte dich durch die Beschreibung meiner Erfahrungen bei der Gemeindegründung zum einen abschrecken und zum anderen ermutigen. Ich möchte dich abschrecken, wenn du zu rosige Vorstellungen davon hast, was es heißt, Christus zu dienen. Ich möchte dich aber auch ermutigen, da du an mir sehen kannst, dass sich „die gleichen Leiden an euer Bruderschaft erfüllen, die in der Welt ist“ (1Petr 5,9). Ich konnte mit der Zeit zu neuer Freude in Christus durchdringen. Wenn ich dir dabei helfen kann, würde ich mich freuen, wenn du dich bei mir meldest. Ich denke, dass sich die Erfahrungen, die ich oben beschrieben habe, bei jedem Gemeindegründer auf die eine oder andere Weise wiederfinden. Ich würde gern für dich beten, dass Christus dir hilft, treu zu bleiben im Dienst und das Wort zu verkündigen, ohne müde zu werden.<br> Vergiss nicht, dass Jesus es wert ist, und dass er treu ist. In Hebräer 13,5 stehen im Griechischen fünf Verneinungen, die zusammen ausdrücken wollen: Jesus wird uns niemals, nicht, keinesfalls, und in keinster Weise verlassen. Auch wenn die Pforten der Hölle auf uns einstürmen, werden sie uns nicht überwinden können. Bleib Jesus treu!</p>



<hr class="wp-block-separator is-style-wide"/>



<figure class="wp-block-image"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="200" height="50" src="https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2018/02/Unbenannt-1-1.png?resize=200%2C50&#038;ssl=1" alt="Christ +" class="wp-image-3783"/></figure>



<h4 class="wp-block-heading">Was ist deine Meinung dazu?</h4>



<p>In der Rubrik des Timotheus-Magazins  &#8222;<em>Christ +&#8220;</em> werden immer aktuelle und praktische Themen behandelt, bei denen uns deine Meinung interessiert. Nutze die Kommentarfunktion, um uns deine Gedanken ganz einfach mitzuteilen. Wir freuen uns auf Feedback und Austausch! </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.betanien.de/christ-gemeindegruendung/">Christ + Gemeindegründung</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.betanien.de">Betanien Verlag</a>.</p>
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		<title>Sind wir alle süchtig nach Anerkennung?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans-Werner Deppe]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 14 Mar 2019 08:03:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Timotheus Magazin]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Es ist tatsächlich schon März! Fast ein Viertel des neuen Jahres ist schon wieder vorbei. Höchste Zeit für die neue Timotheus. Ihr spätes Erscheinen hat zumindest den Vorteil, dass kurz vor Drucklegung noch Termin und Ort der nächsten JOSIA-Konferenz festgelegt werden konnten.Haben wir die bisherige Zeit &#8230; </p>
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<p>Es ist tatsächlich schon März! Fast ein Viertel des neuen Jahres ist schon wieder vorbei. Höchste Zeit für die neue Timotheus. Ihr spätes Erscheinen hat zumindest den Vorteil, dass kurz vor Drucklegung noch Termin und Ort der nächsten JOSIA-Konferenz festgelegt werden konnten.<br>Haben wir die bisherige Zeit des Jahres gut – zur Ehre Gottes – genutzt? Oder haben wir schon wieder zu viel ins Smartphone oder andere Jahrmärkte der Eitelkeiten (wie John Bunyan die Angebote dieser Welt nennt) geschaut? Im Hauptartikel geht es um diese Gefahr der Smartphonekultur: nicht nur Zeit mit unnötigen Ablenkungen zu vertrödeln, sondern statt Gottes Ehre die eigene zu suchen und die Bestätigung durch andere, anstatt die bedingungslose Annahme von Gott in Christus. Kann es sein, dass wir die Anerkennung bei Menschen zu viel und die Anerkennung bei Gott zu wenig wertschätzen?</p>



<figure class="wp-block-image"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="851" height="315" src="https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2019/03/Facebook-Titelbild.jpg?resize=851%2C315&#038;ssl=1" alt="Timotheus Magazin 34 - Einblick" class="wp-image-5029" srcset="https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2019/03/Facebook-Titelbild.jpg?w=851&amp;ssl=1 851w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2019/03/Facebook-Titelbild.jpg?resize=300%2C111&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2019/03/Facebook-Titelbild.jpg?resize=768%2C284&amp;ssl=1 768w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2019/03/Facebook-Titelbild.jpg?resize=190%2C70&amp;ssl=1 190w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2019/03/Facebook-Titelbild.jpg?resize=24%2C9&amp;ssl=1 24w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2019/03/Facebook-Titelbild.jpg?resize=36%2C13&amp;ssl=1 36w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2019/03/Facebook-Titelbild.jpg?resize=48%2C18&amp;ssl=1 48w" sizes="auto, (max-width: 851px) 100vw, 851px" /></figure>



<p>Die Zeit gut zur Ehre Gottes zu nutzen, ist dabei keine Sache von Aktivismus. Weil Gott souverän ist und wir in ihm wirklich frei sind von allen Zwängen, können uns auch unangenehme Situationen, Probleme und Leiden nicht daran hindern, unserer Bestimmung nachzukommen und Gott die Ehre zu geben. Jede Lebenslage steht in Gottes Hand, und wenn wir darin ihm vertrauen, tun wir damit genau das, wozu wir berufen sind. So wie Paulus, der viel Zeit im Kerker verbrachte und dort nicht so aktiv sein konnte, wie man es von einem Pioniermissionar erwarten würde. Trotzdem war er frei und niemand konnte ihn hindern, in seiner so von Gott gewollten und geführten Lage den Willen Gottes zur Ehre Gottes zu tun: auf ihn zu vertrauen, Loblieder zu singen und ein Zeugnis zu sein &#8211; unter anderem durch Briefe, von denen wir heute noch profitieren, weil sie uns die Evangeliumskraft Gottes bieten. Genau das ist Thema in der Poetry-Slam-Dichtung von Redeemed, die wir hier auf Seite 12 abgedruckt haben.<br>Auch von den anderen Artikeln hoffen wir, dass sie euch im Alltag zum geistlichen Wachstum und zur Heiligung dienen. Um Heiligung geht es beim Überblick über 3. Mose und um Gottes Souveränität in unserem Leben in Elena Soussous Beitrag „Habe ich den Falschen geheiratet?“. Ludwig Rühles Impulse aus dem Hohenlied sind ebenfalls äußerst praktisch. Doch auch diese Ausgabe enthält eine kritische Auseinandersetzung: <a href="https://www.betanien.de/die-neue-hoffnung-fuer-alle-von-2015-verbessert-aber-noch-nicht-gut/">Die „Hoffnung für alle“ wird abgecheckt, insbesondere die Verbesserungen in der Revision von 2015.</a> Wir würden uns sehr über Feedback freuen, im Blog oder auf sonstigem Wege. Was haltet ihr von freien Bibelübertragungen im Allgemeinen und von der Hfa im Besonderen?</p>



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<h4 class="wp-block-heading"> Timotheus Magazin Nr. 34 </h4>



<h6 class="wp-block-heading">01/2019</h6>



<p>Umfang:<em> 40 Seiten</em> <br>Format:<em> 21 x 29,7 cm</em><br>Medium:<em> Printausgabe</em> </p>



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		<title>Christ + Politik</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans-Werner Deppe]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 27 Aug 2018 22:51:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Blog]]></category>
		<category><![CDATA[Timotheus Magazin]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Sollen Christen sich aus der Politik raushalten – oder haben sie auch eine politische Verantwortung?<br />
Während meines BWL-Studiums habe ich öfters überlegt, ob ich mich politisch engagieren sollte, mich aber dann doch dagegen entschieden. Das Studium ... </p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-small-font-size">Von Stefan Beyer, erschienen in<a href="https://www.betanien.de/timotheus-magazin-32/"> Timotheus Magazin Nr. 32</a> (03/2018)</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="590" height="380" src="https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2018/08/politik.png?resize=590%2C380&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-4683" srcset="https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2018/08/politik.png?w=590&amp;ssl=1 590w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2018/08/politik.png?resize=300%2C193&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2018/08/politik.png?resize=190%2C122&amp;ssl=1 190w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2018/08/politik.png?resize=24%2C15&amp;ssl=1 24w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2018/08/politik.png?resize=36%2C23&amp;ssl=1 36w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2018/08/politik.png?resize=48%2C31&amp;ssl=1 48w" sizes="auto, (max-width: 590px) 100vw, 590px" /></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Sollen Christen sich aus der Politik raushalten – oder haben sie auch eine politische Verantwortung?</h2>



<p>Während meines BWL-Studiums habe ich öfters überlegt, ob ich mich politisch engagieren sollte, mich aber dann doch dagegen entschieden. Das Studium hatte mich sehr in Beschlag genommen, aber im Dienst für eine christliche Studentengruppe gab es viel zu tun. Nach dem Studium bin ich der Berufung gefolgt, als Missionar mit Operation Mobilisation in Ägypten zu arbeiten. Als wir nach zwei Jahren wieder zurück nach Jena kamen, schlossen wir unser einer Gemeindegründungsinitiative an, aus der ein Jahr später die Evangeliumsgemeinde Jena hervorgegangen ist. Meine Mutter wohnt auch in Jena und immer, wenn ich sie besuche, beschwert sie sich über irgendein politisches Thema. Irgendwann sagte ich mir, dass ich nicht so enden will – mich mein Leben lang bloß vom Küchentisch aus über die Politik zu beschweren. Also entschloss ich mich, Mitglied der FDP zu werden. Warum genau diese Partei? Erstens war ich durch mein Wirtschaftsstudium von den Lösungsansätzen der Liberalen am meisten überzeugt und dem grundsätzlichen Vertrauen auf die schöpferische Kraft des Individuums und der Märkte. Zweitens habe ich längere Zeit in den USA und in Ägypten gelebt und von dort ein Freiheitsgefühl mitgebracht, welches ich am meisten in der FDP verwirklicht sehe. Drittens wollte ich nicht in die CDU eintreten, weil ich nicht eine Partei unterstützen wollte, die sich christlich nennt, es aber aus meiner Sicht vielfach nicht ist. Mir war es lieber, in einer Partei zu sein, die eine klare Grundlage in der Freiheit hat, und bei der ich mich dann bei einzelnen Themen als Christ anders positionieren kann (z.B. Legalisierung von Cannabis, Homosexualität, Abtreibung).</p>



<p>Das Aufnahmegespräch mit Thomas Nitzsche, der mittlerweile Oberbürgermeister von Jena ist, war sehr freundlich. Zunächst war alles sehr neu für mich und ich wollte das Parteileben erst einmal kennenlernen. Bei der FDP gibt es sogenannte Landesfachausschüsse, bei denen man auch als ganz normales Mitglied mitmachen und sich mit politischen Themen beschäftigen kann. Beim Neumitgliedertreffen lernte ich den Vorsitzenden des Landesfachausschusses Internationale Politik kennen. Da ich aufgrund meiner Auslandsaufenthalte ein großes Interesse an der transatlantischen Politik und dem Mittleren Osten hatte, entschied ich mich, bei diesem Landesfachausschuss mitzumachen. Unsere Arbeit bestand darin, dass wir einmal im Quartal ein Unternehmen, eine Einrichtung oder einen Bundeswehrstandort besuchten, bei denen es einen besonderen internationalen Bezug gab. Außerdem beschäftigten wir uns mit Anträgen aus dem Landesparteitag, die an uns verwiesen wurden, und konnten dadurch direkt auf das Parteiprogramm der FDP Thüringen Einfluss nehmen.</p>



<p>Als der Vorsitzende des Landesfachausschusses irgendwann in ein anderes Bundesland zog, fragte er mich, ob ich den Vorsitz übernehmen möchte. Nach ein wenig Bedenkzeit willigte ich ein. Das war für mich im Nachhinein eine entscheidende Zäsur. Davor war ich nur einfaches Mitglied, das ab und zu bei Veranstaltungen der Partei mit dabei war. Ich hatte mich bisher nie weder als Politiker gesehen noch in Erwägung gezogen, in diese Richtung zu gehen. Nun war ich plötzlich Landesfachausschussvorsitzender und damit eigentlich in bester Position, auf die Landtagsliste der FDP zu kommen.</p>



<p>Das führte dazu, dass ich mir noch einmal intensiv Rat holte bei christlichen Freunden und Mentoren. Ich war ja in der Gemeindegründung aktiv und sah das eigentlich als meine primäre Aufgabe. Nun musste ich mich entscheiden, da ich gemerkt hatte, dass man Politik auf Landesebene nicht nebenbei machen konnte, sondern viel Zeit und Nerven investieren musste. Nach einem längeren Gespräch mit Ron Kubsch entschied ich mich dafür, mich auf die Gemeindearbeit zu konzentrieren und den Vorsitz des Landesfachausschusses wieder abzugeben. Ron riet mir, mein politisches Engagement auf die kommunale Ebene zu begrenzen, da sich dies zeitlich mit dem Dienst in der Gemeinde vereinbaren ließ. Wenig später wurde ich von unserem Kreisvorsitzenden gebeten, ob ich seinen Platz im Jugendhilfe-Ausschuss der Stadt Jena übernehmen wollte. Das ist der einzige städtische Ausschuss, bei dem man stimmberechtigtes Mitglied sein kann, auch wenn man noch kein Stadtratsmandat hat. Ich willigte ein und wurde dadurch – was mir zu dem Zeitpunkt noch gar nicht so richtig klar war – Kommunalpolitiker.</p>



<p>Die Themen, die im Jugendhilfeausschuss besprochen wurden, waren zunächst einmal völlig neu für mich. Ich musste mich z.B. in die KITA-Bedarfsplanung, die Schulnetzplanung, die Suchtberatung in den Schulen, die Arbeit in den verschiedenen Jugendzentren Jenas und in die Lage sowie Ausstattung der städtischen Spielplätze einarbeiten. Mit der Zeit haben mir diese Themen aber richtig Spaß gemacht und ich konnte sogar einige Akzente im Ausschuss setzen. Da ich viel Kontakt zu Flüchtlingen habe, konnte ich ihre Perspektive bei der KITA-Bedarfsplanung einbringen. Außerdem wurde ich von der Polizei angefragt, ob ich mich im Ausschuss für ein neues Jugendzentrum in der Innenstadt einsetzen könnte. Dazu kamen mittlerweile zahlreiche weitere Themen, u.a. einen Standort für eine neue christliche Grundschule zu finden. Mittlerweile werde ich dadurch auf städtischer Ebene als Kommunalpolitiker wahrgenommen, auch wenn mir das selbst noch fremd vorkommt. Ich wollte mich ja eigentlich nur ein bisschen engagieren und mich nicht immer vom Küchentisch aus beschweren!</p>



<p>Theologische Fragen<br>Wenn man sich als Christ in der Politik engagiert, sollte man eine christliche Weltanschauung haben, die auf der Bibel basiert und die wichtige theologische Fragen beantworten kann. Für mich waren zunächst die Fragen akut, inwieweit ich als Christ in der Welt aktiv sein sollte und wie ich mit dem sündigen Verhalten umgehen soll, dem ich dort begegne. Wenn ich Parteiveranstaltungen besuche, werde ich ja immer wieder mit Sünde konfrontiert, und die Frage ist, wie ich mich davon distanzieren kann. Das Neue Testament sagt uns ganz klar, dass wir uns absondern (2Kor 6,17) und keine Gemeinschaft mit den Werken der Finsternis haben sollen (Eph 5,11). Auf der anderen Seite wird aber auch deutlich gelehrt, dass die Obrigkeit und die staatlichen Systeme von Gott eingesetzt sind (Röm 13,1). Sie werden sogar als „Gottes Dienerinnen“ beschrieben, die den Menschen Gutes tun (Röm 13,4). Es ist also nicht so einfach zu beantworten, ob man sich als Christ ganz aus der Politik raushalten oder umgekehrt sich voll einsetzen sollte, weil man ja dann Teil von Gottes Werk ist und Menschen Gutes tut. Eine komplexe Analyse des biblischen Befundes ist nötig sowie ein umfassendes christliches Weltbild.</p>



<p>Auf diesem Gebiet haben mir zwei Ressourcen außerordentlich geholfen: Zum einen habe ich über die Jahre regelmäßig den täglichen Podcast von Albert Mohler namens „The Briefing“ gehört. Dr. Mohler ist Präsident des Southern Baptist Theological Seminary, einer großen Bibelschule mit reformierten Ansichten. In seinem Podcast analysiert er die täglichen Nachrichten und kommentiert sie aus einer christlichen Weltanschauung. Dadurch hilft er seinen Zuhörern – wie zum Beispiel mir –, selbst über politische Fragen nachzudenken und sich auf Grundlage eines biblischen Denkens ein Urteil zu bilden. Dabei weigert er sich, zu einfache Antworten zu geben, außer bei Themen, zu denen die Bibel ganz klare Aussagen trifft wie z.B. Abtreibung. Aber bei vielen anderen Fragen – z.B. was die Rolle des Staates ist, ob und wie ein Krieg gerecht sein kann, wie internationale Beziehungen geregelt werden sollten, welche Flüchtlingspolitik richtig ist usw. liefert die Bibel viele Puzzlestücke, die man zu einem Weltbild zusammensetzen muss.</p>



<p>Zum anderen hat mir ein Buch von David VanDrunen geholfen, das mir Ron bei unserem Treffen empfohlen hatte. Es heißt „Natural Law and the Two Kingdoms: A Study in the Development of Reformed Social Thought” (“Naturrecht und die Zwei-Reiche-Lehre: Eine Untersuchung der Entwicklung reformierten Sozialdenkens“). In diesem umfassenden Buch weist VanDrunen nach, dass die Reformatoren sowohl auf lutherischer als auch auf calvinistischer Seite von einer sogenannten Zwei-Reiche-Lehre ausgingen. Dabei wird unterschieden zwischen einerseits Gott als Schöpfer und dem Reich der Welt (und damit der Politik), welches durch den ersten Adam begründet wurde, und andererseits Gott als Erlöser und dem Reich Gottes, welches durch den zweiten Adam, Jesus Christus, begründet wurde. Gott beauftragte Adam damit, die Erde zu erfüllen und sie sich untertan zu machen. Das war eine königliche Berufung, die Adam als Gottes Ebenbild und damit als stellvertretender Repräsentant Gottes erfüllen sollte. Außerdem wurde Adam von Gott beauftragt, den Garten Eden zu bebauen und zu bewahren. Das war eine priesterliche Berufung, die beinhaltete, den Garten reinzuhalten von allem, was die Gemeinschaft mit Gott stören könnte. Adam versagte in beiden Berufungen.</p>



<p>An dieser Stelle trennen sich nun laut VanDrunen die ursprünglichen Überzeugungen der Reformatoren und ihrer Nachfolger von denen der modernen neocalvinistischen Theologen. Für die Reformatoren hatte der erste Adam versagt und Gott sandte einen zweiten Adam, seinen Sohn Jesus Christus, um die ursprüngliche Berufung Adams zu erfüllen. Jesus gehorchte Gott vollkommen an unserer Stelle und erwarb für uns den Segen, den Adam erlangt hätte, wäre er Gott gehorsam geblieben. Dadurch begründete Jesus ein zweites Reich, die Gemeinde, welches inmitten der Welt das Reich Gottes verkörpert. Die besondere Aufgabe der Gemeinde ist es nun, sich eben nicht politisch zu engagieren, sondern das Evangelium von Jesus Christus zu verkünden, der die guten Werke vollbracht hat, die weder Adam noch wir vollbracht haben. Gott bewahrt die Welt, die er geschaffen hat, und damit das gegenwärtige Reich der Welt, das auf Adam und den späteren Bund mit Noah zurückgeht. Aber diese Welt hat letztlich keine bleibende heilsgeschichtliche Bedeutung und unsere Aktivitäten in ihr sind grundsätzlich vom ewigen Reich Gottes zu unterscheiden. Das heißt nicht, dass sie unwichtig sind, aber sie haben nur zeitlichen Wert, während unser Dienst im Reich Gottes ewigen Wert hat.</p>



<p>Die Neocalvinisten sehen in dieser Ansicht die Gefahr, dass sich Christen aus der Welt zurückziehen und sich nur noch auf das Reich Gottes konzentrieren. Das ist ja leider auch oft geschehen. Sie weigern sich, zwischen zwei Reichen in der Bibel zu unterscheiden und erachten die Berufung, die Gott Adam gegeben hat, als auch heute für den Christen weiterhin gültig. Sie meinen: Wenn wir kulturell (und politisch) aktiv werden, dann kommen wir unserem Schöpfungsauftrag nach und unsere kulturellen und politischen Werke haben in gewisser Hinsicht sogar heilsgeschichtliche Bedeutung, weil ihre Auswirkungen bis in die Ewigkeit hineinreichen.</p>



<p>Ich stimme an dieser Stelle VanDrunen, Luther, Calvin und den herkömmlichen reformierten Theologen zu. Adam ist in seiner Berufung gescheitert und genau deswegen ist Jesus gekommen. Jesus wurde wie Adam vom Teufel versucht, jedoch obsiegte er. Wenn wir an ihn glauben, erwerben wir das ewige Leben und den Eingang in die zukünftige Welt, welche Adam offen gestanden hätte, wäre er Gott treu geblieben. Unsere Aufgabe ist nun nicht, den Faden von Adam wiederaufzunehmen, sondern Christus nachzufolgen und seinem Reich zu dienen.<br>Allerdings heißt das nicht, dass Gott sich aus der Welt zurückgezogen hat. Der Bund, den Gott mit Adam schloss und später mit Noah erneuerte (1Mo 9,9ff), ist weiterhin gültig. Gott bewahrt diese Erde. Wir haben als Christen das Privileg, uns an dieser Bewahrung zu beteiligen, indem wir Salz und Licht für diese Welt sind (Mt 5,13-16).<br>Damit hat unser soziales und politisches Engagement eine wichtige Bedeutung, muss aber nicht die Last tragen, irgendwie das Reich Gottes herbeizuführen.</p>



<p>Das hat allein Christus, der zweite Adam, durch seinen Tod und seine Auferstehung getan. Die Gemeinde ist dazu da, die gute Nachricht vom Triumph Jesu zu verkündigen und Menschen in seine Nachfolge zu rufen. Als Christen leben wir in beiden Reichen. Wir sind Nachfahren Adams und leben gemeinsam mit seinen anderen Nachfahren in dieser Welt. Wir sollten sie lieben (Mt 22,39) und ihnen Gutes tun (Lk 6,31). Ein politisches Engagement, das wir als einzelne Christen vielleicht tun, ist ein möglicher Dienst an unseren Mitmenschen im Geiste dieser Gebote und dem Wunsch, dass sie durch unsere guten Werke gesegnet und auf unseren himmlischen Vater hingewiesen werden.</p>



<p>Wir leben aber auch im Reich Gottes und in seinem örtlichen Außenposten, der Gemeinde. Als solches sind wir Botschafter des Königs, der irgendwann kommen wird, um die Lebenden und die Toten zu richten (1Petr 4,5). Das heißt: Egal, wie gut es den Leuten in dieser Welt geht und welchen Segen sie durch Politik erfahren, sie werden nur dann vor Gottes Zorn gerettet, wenn sie die gute Nachricht von Jesus Christus hören und annehmen. Die Verkündigung dieser Botschaft hat für den Christen deshalb immer oberste Priorität.<br>Ein weiteres hilfreiches Konzept, welches VanDrunen in seinem Buch entfaltet, ist das sogenannte Naturrecht. Dieses Konzept beruht auf dem Gedanken, dass Gott einem jeden Mensch sein Gesetz ins Herz geschrieben hat (Röm 2,14-15), wodurch es eine allgemeine Vorstellung von Gerechtigkeit gibt, die auch Nichtchristen mit uns teilen. Das ist in gewisser Hinsicht ein common ground, auf dem wir bei unserem politischen Engagement aufbauen können. Wenn ich im Jugendhilfeausschuss sitze, argumentiere ich nicht mit der Bergpredigt, die eine Beziehung zu Christus voraussetzt, sondern mit allgemeinen Gerechtigkeitsprinzipien, die aber durchaus eine biblische Grundlage vor allem in den Zehn Geboten haben. Ich darf damit rechnen, dass die Nichtchristen in der Runde – was auch immer sie für politische Überzeugungen haben – einen allgemeinen Sinn für Gerechtigkeit teilen, durch den sich ein politischer Konsens erzielen lässt.</p>



<p>Ich würde nicht jedem Christen ein Engagement in der Politik empfehlen, weil damit Versuchungen verbunden sind (Macht, Anerkennung), mit denen man umgehen muss. Allerdings würde ich jedem Christen empfehlen, sich darum zu bemühen, eine christliche Weltanschauung zu diesen Themen zu entwickeln. Denn in einem demokratischen System sind wir alle dazu aufgerufen, wählen zu gehen, und das können wir als Christen nur dann verantwortlich tun, wenn wir gelernt haben, umfassend christlich zu denken.</p>



<hr class="wp-block-separator is-style-wide"/>



<figure class="wp-block-image"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="200" height="50" src="https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2018/02/Unbenannt-1-1.png?resize=200%2C50&#038;ssl=1" alt="Christ +" class="wp-image-3783"/></figure>



<h4 class="wp-block-heading">Was ist deine Meinung dazu?</h4>



<p>In der Rubrik des Timotheus-Magazins  &#8222;<em>Christ +&#8220;</em> werden immer aktuelle und praktische Themen behandelt, bei denen uns deine Meinung interessiert. Nutze die Kommentarfunktion, um uns deine Gedanken ganz einfach mitzuteilen. Wir freuen uns auf Feedback und Austausch! </p>
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		<title>Mein Denken verändern (lassen)?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans-Werner Deppe]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 23 Aug 2018 11:13:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Timotheus Magazin]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das praktische Leben als Christ beginnt damit, dass wir unser Denken ändern (lassen). So fängt der praxisbezogene Teil des Römerbriefes in Kapitel 12 an: „… werdet verwandelt durch die Erneuerung eures Denkens …“ (12,2 – wobei nicht unterschlagen werden soll, dass in Vers&#160;1 zuallererst unsere Hingabe &#8230; </p>
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<p>Das praktische Leben als Christ beginnt damit, dass wir unser Denken ändern (lassen). So fängt der praxisbezogene Teil des Römerbriefes in Kapitel 12 an: „… werdet verwandelt durch die Erneuerung eures Denkens …“ (12,2 – wobei nicht unterschlagen werden soll, dass in Vers&nbsp;1 zuallererst unsere Hingabe an Gott mit Haut und Haar steht).<br>Verändert zu denken heißt, „nicht gleichförmig dieser Welt“ zu sein (Vers 2), also nicht wie diese Welt mit ihren Eitelkeiten und falschen Werten „zu ticken“, sondern unseren Verstand, unsere Einstellung, unser Urteilen und Streben von der Bibel prägen zu lassen.</p>



<p>Das weltliche Denken kommt im Römerbrief bemerkenswerterweise schon ganz am Anfang vor: Die götzenliebenden Menschen sind „in ihren Überlegungen in Torheit verfallen“ und „in ihrem Herzen verfinstert“ (1,21). Als Eskalation ihrer Geringschätzung Gottes hat Gott sie „dahingegeben in einem verworfenen Denken“ (1,28). In solch einer verkehrten und verdrehten Welt leben wir! Merken wir das eigentlich noch? Eigentlich sind wir von Irren umgeben, und diese Irren bestimmen den Lauf der Welt, der Politik, der Gesellschaft!<br>Deshalb ist es so ungemein wichtig, dass wir Christen uns gegenseitig helfen, ermutigen und ermahnen, unser angeborenes und eingetrichtertes weltliches Denken abzulegen und durch ein biblisches Denken zu ersetzen. Dazu soll das Timotheus-Magazin dienen.</p>



<figure class="wp-block-image"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="851" height="315" src="https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2018/08/Facebook-Titelbild.png?resize=851%2C315&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-4666" srcset="https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2018/08/Facebook-Titelbild.png?w=851&amp;ssl=1 851w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2018/08/Facebook-Titelbild.png?resize=300%2C111&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2018/08/Facebook-Titelbild.png?resize=768%2C284&amp;ssl=1 768w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2018/08/Facebook-Titelbild.png?resize=190%2C70&amp;ssl=1 190w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2018/08/Facebook-Titelbild.png?resize=24%2C9&amp;ssl=1 24w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2018/08/Facebook-Titelbild.png?resize=36%2C13&amp;ssl=1 36w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2018/08/Facebook-Titelbild.png?resize=48%2C18&amp;ssl=1 48w" sizes="auto, (max-width: 851px) 100vw, 851px" /></figure>



<p>In der aktuellen Ausgabe #32 tragen viele Artikel dazu bei. Stefan Beyer erklärt in seinem Beitrag zu <a href="https://www.betanien.de/christ-politik/">„Christ und Politik“</a> die Zwei-Reiche-Lehre, mit der wir diese Welt aus Gottes Perspektive beurteilen können. Er ermutigt uns mit biblischen Argumenten, Salz und Licht in dieser verrückten Welt zu sein (auch wenn man bezüglich der Parteipräferenz des Autors durchaus geteilter Meinung sein kann …). In mehreren Beiträgen geht es um die Bereiche Familie, Kinderkriegen, Mannsein, Frausein – gerade hier haben wir es nötig, dem gesellschaftlichen Druck standzuhalten und überzeugt den biblischen Weg zu gehen. Echte Liebe – gebende, christusähnliche Liebe – ist der Welt völlig fremd, und in der Ausübung dieser Liebe können und sollen wir wie Lichter in der Nacht leuchten. Wie dieses Zeugnis durch gesunde Lehre gefördert wird, macht Bobbie Jamison in seinem Artikel über Evangelisation deutlich.<br>Und was die Welt am wenigsten kennt, ist die Liebe zu Gott – die Anbetung, wie sie in den Psalmen zum Ausdruck kommt. Die Psalmen sind ein Bibelbuch, durch das wir unser Denken in absolut „weltfremder“ Art ändern und auf Gott ausrichten lassen können. Auch dazu enthält dieses Heft zwei kurze Handreichungen.</p>



<p>Erinnern möchten wir euch noch an die <a href="http://www.josiablog.de/2018/06/josia-konferenz-2018-durch-die-wueste-ins-verheissene-land/">Josia-Konferenz</a> vom 14.–16. September in Gummersbach. Dort am Büchertisch würden wir uns sehr über Feedback freuen.</p>



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<h4 class="wp-block-heading"> Timotheus Magazin Nr. 32 </h4>



<h6 class="wp-block-heading">03/2018</h6>



<p>Umfang:<em> 44 Seiten</em> <br>Format:<em> 21 x 29,7 cm</em><br>Medium:<em> Printausgabe</em> </p>



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		<title>Christ und Tattoos &#8211; Passt das zusammen?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans-Werner Deppe]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 09 Jun 2018 09:03:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Blog]]></category>
		<category><![CDATA[Timotheus Magazin]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Von Hans-Werner Deppe, erschienen in Timotheus Magazin Nr. 31 (02/2018) Sie werden salonfähig. Und auch unter Christen werden Tattoos immer beliebter. Tattoo or not tattoo – das ist hier die Frage. Einerseits ganz einfach zu beantworten. Sollen Christen sich tätowieren? Die Bibel sagt natürlich nicht, dass &#8230; </p>
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<p class="has-small-font-size">Von Hans-Werner Deppe, erschienen in <a href="https://www.betanien.de/timotheus-magazin-31/">Timotheus Magazin Nr. 31</a> (02/2018)</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="590" height="380" src="https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2018/05/31_Christ-.jpg?resize=590%2C380&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-4496" srcset="https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2018/05/31_Christ-.jpg?w=590&amp;ssl=1 590w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2018/05/31_Christ-.jpg?resize=300%2C193&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2018/05/31_Christ-.jpg?resize=190%2C122&amp;ssl=1 190w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2018/05/31_Christ-.jpg?resize=24%2C15&amp;ssl=1 24w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2018/05/31_Christ-.jpg?resize=36%2C23&amp;ssl=1 36w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2018/05/31_Christ-.jpg?resize=48%2C31&amp;ssl=1 48w" sizes="auto, (max-width: 590px) 100vw, 590px" /></figure>



<p><strong>Sie werden salonfähig. Und auch unter Christen werden Tattoos immer beliebter.</strong></p>



<p>Tattoo or not tattoo – das ist hier die Frage.</p>



<p>Einerseits ganz einfach zu beantworten. Sollen Christen sich tätowieren? Die Bibel sagt natürlich nicht, dass Christen sich tätowieren lassen sollen. Christen haben das auch nicht nötig. Sie sind auch so cool und akzeptiert genug – von Gott perfekt und vorbehaltlos als Kinder angenommen und geliebt. Was für einen Grund und eine Motivation kann es da noch geben, sich ein Tattoo machen zu lassen?</p>



<p>Immerhin hat mittlerweile etwa jeder fünfte Mensch ein Tattoo, unter jungen Leuten jeder vierte, Tendenz stark steigend. In Deutschland werden jedes Jahr etwa drei Millionen neue Tattoos gestochen. Wartezeiten von einem halben Jahr für einen Termin im Tattoo-Studio sind normal. Das Geschäft brummt.</p>



<p>Bis vor ein paar Jahrzehnten gehörten Tätowierungen klar ins Milieu der Kriminellen und Verruchten, doch heute sind sie in allen Gesellschaftsschichten vorzufinden, in manchen Kreisen sogar ein Must-Have. So ein Gruppendruck kann natürlich menschlich gesehen tatsächlich zu einem Motiv werden. Man will dazugehören, mitmachen, sich identifizieren.</p>



<p>Unter bibeltreuen Christen war das Tätowieren bis vor kurzer Zeit völlig tabu. Natürlich freut sich der Himmel, wenn ein Sünder mit Tattoos zur Buße und zum Glauben kommt, aber seine Tätowierungen nun einmal nicht entfernen kann. Es gibt Christen mit Tattoos, weil wir alle einmal Sünder waren und manche aus dieser Zeit noch sichtbare Spuren mit sich tragen. Durch das Blut Christi wird dieser Makel für die Ewigkeit und vor Gott reingewaschen werden.</p>



<p>Aber es gibt auch eine zunehmende Zahl an Christen, die sich bewusst als Gläubige tätowieren lassen, mit christlichen Bildmotiven wie einem Kreuz, einem Bibelvers oder dem Namen Jesus. Ist das etwa falsch? Ist das gegen Gottes Willen und Sünde, oder kann man das im Rahmen der christlichen Freiheit ruhig tun? Gehört künstlerischer Ausdruck nicht schließlich zu unserem Menschsein als kreative Abbilder Gottes? Und kann so eine sichtbar getragene Botschaft nicht sogar ein evangelistischer Türöffner sein, um mit bestimmten Menschen in Kontakt und ins Gespräch zu kommen?</p>



<h2 class="wp-block-heading">Gilt die Aussage aus 3. Mose 19,28 heute noch?</h2>



<p>Was sagt die Bibel dazu? Welche Argumente werden von Christen üblicherweise für und gegen Tattoos angeführt? Und wird die Bibel dabei richtig ausgelegt? Das gilt es zu prüfen, und dabei stoßen wir als erstes auf den fast einzigen Vers in der Bibel, der ausdrücklich etwas zu dieser Praxis sagt: &#8222;Einen Einschnitt wegen eines Toten sollt ihr an eurem Fleisch nicht machen; und geätzte Schrift sollt ihr an euch nicht machen. Ich bin der HERR&#8220; (3Mo 19,28, vgl. 21,5).</p>



<p>Im historischen Zusammenhang richtet sich dieses Verbot gegen die Praxis der Israel umgebenden heidnischen Völker, die sich bei der Trauer um Verstorbene aus Aberglauben oder Götzendienst Hautritzungen zufügten (vgl. 1Kö 18,28; Jer 16,6; 41,5), aber auch allgemein gegen andere heidnisch-antike Praktiken der dauerhaften Hautbeschriftung. Menge übersetzt: „Wegen eines Toten dürft ihr euch keine Einschnitte an eurem Leib machen und keine Ätzschrift an euch anbringen.“ Manche englischen Bibelausgaben (z.B. ESV, NIV) übersetzen das hebräische Wort für „Ätzschrift“ sogar mit „Tattoos“. Viele Ausleger sehen in diesem Vers zwei einzelne Verbote: a) Hautritzungen wegen eines Toten in der ersten Hälfte des Verses, und b) Beschriftungs-Eingriffe in die Haut allgemein (also jegliche Tätowier-Methoden und -Anlässe) in der zweiten Hälfte.</p>



<p>Bei heutigen Tattoo-Verfahren wird Tinte zwischen die Hautschichten eingebracht, aber in alten Kulturen waren auch andere Methoden gebräuchlich, um dauerhafte Beschriftungen oder Bemalungen der Haut vorzunehmen, wie eben das Ritzen und Ätzen. Im Judentum sind Tätowierungen aufgrund dieser Gebote bis heute allgemein untersagt.</p>



<p>Wir müssen den Vers richtig auslegen, um ihn richtig anzuwenden und zu entscheiden, ob es sich um eine heute nicht mehr gültige zeremonielle Vorschrift handelt oder um den allgemeinen moralischen Willen Gottes. Viele ethisch verwerfliche Dinge wie Sodomie, Entweihung der Tochter (Vers 29) und das Opfern von Kindern werden nur im AT verboten und nicht erneut im NT, und doch ist klar, dass so etwas dem Willen Gottes zutiefst widerspricht. Das Argument „Das steht nur im Alten und nicht im Neuen Testament“ ist zu einfach gedacht und zu oberflächlich. Wir dürfen das Tattoo-Verbot von 3. Mose 19,28 nicht einfach von der Hand weisen mit einem lapidaren „Das gilt heute nicht mehr“. Christen sind zwar nicht an das mosaische Gesetz gebunden, aber das Gesetz drückt sehr wohl Gottes Willen nach Heiligkeit seines Volkes aus. Gottes Volk soll sich von der Gottlosigkeit und dem Götzendienst der Heiden fernhalten.</p>



<p>Und genau darum geht es in diesem Abschnitt. „Ihr sollt heilig sein, denn ich, der HERR, euer Gott bin heilig“, sagt Gott in Vers 2 zum Volk. Daraufhin folgen viele konkrete Anweisung sowohl für ein gottgemäßes Zusammenleben innerhalb des Volkes, aber auch für das Abweisen heidnischer Praktiken von außen. Von Vers 26 an werden verschiedene heidnisch-religiöse Praktiken genannt, die die Israeliten auf keinen Fall nachmachen sollten: Fleisch mit Blut essen, Wahrsagerei, bestimmte Frisuren (ja, auch die gehörten zum heidnischen Götzendienst, was man bei vielen Auslegern nachlesen kann) und eben Hautritzungen und Tattoos.</p>



<p>Gottes Volk steht seit eh und je mitten in einem Kulturkampf mit der sie umgebenden gottlosen und heidnischen Kultur. Christen sollen nicht „mitlaufen im Strom der Heillosigkeit“ (1Petr 4,4), sich nicht am Götzendienst beteiligen und nicht „gleichförmig dieser Welt“ sein (Röm 12,2). Und da Tätowierungen auch heute noch eine grundsätzlich heidnische Praxis sind mit spirituellem, gegenkulturellem oder ideologischem Hintergrund, ist klar, dass Christen unbedingt die Finger davon lassen müssen. 3. Mose 19,28 ist nur eine von vielen Aussagen der Schrift, dass Weltförmigkeit, die von außen das Volk Gottes verlockt und bedroht, entschieden abgelehnt werden muss.</p>



<p>Vielleicht denken manche, 3. Mose 19,28 spreche ebensowenig gegen ein heutiges Tätowieren wie 5. Mose 22,5 nicht das Tragen einer Hose für die Frau verbietet. Tatsächlich lassen sich beide Verse vergleichen, denn in beiden geht es um eine heidnisch-rituelle Sache. Aber die heidnische Praxis des Verkleidens einer Frau als Mann aus 5. Mose 22,5 trifft nicht auf das heutige Tragen einer Damenhose zu: Tattoos hingegen sind heute immer noch Tattoos.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Erkenntnisse aus der Kulturgeschichte</h2>



<p>Tätowierungen waren kulturhistorisch unter vielen Völkern der Welt seit Jahrtausenden verbreitet, besonders als religiös-rituelle Praxis. Die Gletschermumie Ötzi hat zahlreiche Tätowierungen. Als heidnische Praxis bekannt ist das Tätowieren bei zahllosen antiken und auch heutigen indigenen Völkern. Wikipedia führt in einer „Liste von Ethnien mit traditionellen Körpermodifikationen“ fast einhundert Völker mit dieser Praxis auf, darunter nahezu alle Indianerstämme und zahllose afrikanische und asiatische Völker. Als europäische Völker werden u.a. die Pikten aufgeführt, die in der Antike in Schottland lebten und als kriegerisches Volk den Römern auf der britischen Insel das Leben schwer machten. Der Begriff „Pikten“ bedeutet „die Bemalten“ (daher das Wort Picture für Bild).</p>



<p>Einzug in die zivilisierte westliche Welt hielt das Tätowieren insbesondere durch den Seefahrer James Cook, der diese Praxis erstmals 1769 in seinem Reisebericht über polynesische Völker im Südpazifik beschrieb. Er benutzte dafür das polynesische Wort „tatau“, woraus sich das englische „tattow“ bildete. Cook beschrieb das polynesische Tätowieren als schmerzhafte Operation, bei der Farbe unter die Haut eingebracht wird, „insbesondere auf die Pobacken“<a href="#_ftn1" name="_ftnref1">[1]</a>. Auch brachte James Cook 1774 den tätowierten jungen Polynesier Omai mit nach London. Der sympathische Omai fand Eingang und Ansehen in den höchsten Adelskreisen Englands. Zudem ließen sich etliche der Seefahrer der Cook-Expeditionen tätowieren. So wurde das Tätowieren zur gängigen Praxis unter Seefahrern und in der Folge unter Kriminellen und Häftlingen. Häftlinge kommunizierten durch ihre Tätowierungen die Zugehörigkeit zu bestimmten Organisationen, die Länge ihrer Haftzeit oder andere geheime Botschaften oder Identitäten. In England wurde 1969 beobachtet, dass 40% der jungen Kriminellen Tätowierungen hatten. Deshalb wurde das Tätowieren Minderjähriger verboten, damit junge Leute sich nicht durch Tätowierungen schon frühzeitig mit kriminellen Gruppen identifizierten.</p>



<p>Seit der Erfindung der elektrischen Tätowiermaschine im Jahre 1891 verbreitete sich die Praxis des Tätowierens zunehmend, doch wirklich populär wurde es erst mit der Kulturrevolution der 1960er und 1970er Jahre, mit der auch die Rock- und Popmusik ihren Siegeszug hielt. Die Rocksängerin Janis Joplin (gestorben 1970 im Alter von 27 Jahren) war mit ihren kleinen Tattoos auf Handgelenk und Brust Vorreiterin und Trendsetterin. Tattoos stiegen auf von einem Merkmal der Subkultur zu einem Merkmal der Protest- und Gegenkultur. Wer sich tätowieren ließ, wollte sich dadurch eigentlich schon immer vom Mainstream der Gesellschaft abgrenzen. Aber mit der Abgrenzung schuf das Tätowieren natürlich eine neue Identifikation, die Zugehörigkeit zu einer bestimmten subkulturellen Gruppe. Waren das einst Matrosen und Kriminelle, so identifizierten sich Tätowierte seit den 1970er Jahren mit der Protestkultur und ihren verschiedenen Strömungen (Hippies, 68er, Rockmusikszene, Punks etc.).</p>



<p>Als ab den 1990er Jahren nicht nur immer mehr Rock- und Popmusiker, sondern auch andere Prominente wie Schauspieler und Sportler, insbesondere Profi-Fußballer, zunehmend Tattoos zur Schau trugen, wurde das Tätowieren endgültig gesellschaftlich salonfähig, behielt aber stets den Geschmack und das Flair des provozierend Andersartigen, des kühnen Verstoßes gegen gesellschaftliche Konventionen.</p>



<p>Unter Profi-Fußballern ist der Trend, dass man ohne Tätowierung schon fast nicht mehr akzeptiert wird, heute besonders deutlich. Möglichst beeindruckende Bemalungen gehören in diesem Sport offenbar zur psychologischen Kriegsführung, die vermittelt, dass man kein schüchternes Muttersöhnchen ist.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Denkmuster der Welt</h2>



<p>Wenn wir als Christen aufgefordert werden, „nicht gleichförmig der Welt“ zu sein, bezieht sich das vor allem auf das Denken, auf die Gesinnung: „Seid nicht gleichförmig dieser Welt, sondern werdet verwandelt durch die Erneuerung des Sinnes, um zu prüfen, was der Wille Gottes ist: das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene (Röm 12,2).</p>



<p>Welche Denkmuster liegen dem Tätowieren üblicherweise zugrunde? Die Vorstellungswelt in der Tattoo-Szene ist auch heute noch magisch und mystisch geprägt. Viele Tätowierer und Tätowierte gehen davon aus, dass Tattoos eine geheimnisvolle Kraft oder Schutz verleihen. Das macht auch schon die verbreitete Art von Motiven deutlich, die oft mystisch, heidnisch bis okkult geprägt sind. Ein beliebter Motivstil nennt sich „tribal“ (d.h. aus heidnischen Stämmen), ist also direkt aus dem Heidentum übernommen samt dem Hintergrund eines magischen Denkens. Wer ein Tattoo-Studio betritt oder sich anderweitig in die Hände eines Tätowierers begibt, wird mit dem Flair der mystischen, magischen, heidnischen und sogar okkulten Welt unausweichlich in Berührung kommen.</p>



<p>Das gesellschaftliche Denken hinter dem Tätowieren bringt Wikipedia auf den Punkt: „In der heutigen Zeit dienen Tätowierungen … als Ausdrucksmöglichkeit für Exklusivität, Selbstdarstellung, Geltungssucht und Abgrenzung &#8230; Weiterhin auch als Mittel zur Verstärkung sexueller Reize, Schmuck, Protest (Punk).“</p>



<h2 class="wp-block-heading">Christliche Gründe für Tattoos?</h2>



<p>Ist das denn bei Christen, die sich tätowieren lassen, auch so? Haben sie nicht andere, bessere Motive (im Sinne von Gründe – natürlich auch bessere Bildmotive)? Hanniel Strebel berichtet auf seinem Blog von einer Stippvisite in der ICF (International Christian Fellowship, eine charismatische Großgemeinde) in der Schweiz. Er fühlte sich dort allein schon wegen eines fehlenden Tattoos fremd<a href="#_ftn2" name="_ftnref2">[2]</a>. Zumindest für den Außenstehenden sind Tattoos anscheinend auch unter einer bestimmten Richtung von Christen identitätsstiftend.</p>



<p>Natürlich sollen Tattoos eine Identität ausdrücken, eine Zugehörigkeit, sogar eine Weihe. Wegen der Dauerhaftigkeit hat man sich einer Sache, Ideologie, Gruppe oder Person ganz und gar verschrieben. Ist das denn bei uns Christen nicht so? Haben wir uns nicht mit Haut und Haar dem Herrn Jesus verschrieben, uns ihm geweiht, mit dem festen Entschluss, dass das ein Leben lang so bleiben soll? Hoffentlich, aber das drücken wir nicht durch Tattoos aus, sondern durch die Taufe und ein entsprechend hingegebenes und gehorsames, geheiligtes (= Gott geweihtes) Leben.</p>



<p>Tattoos, auch „christliche“, machen dieser Identität, dieser klaren und reinen Zugehörigkeit zu Jesus, nur Konkurrenz. Se vermitteln stets auch die Botschaft, dass man irgendwie zur Tattoo-Kultur gehört, und das ist nun einmal eine ganz und gar nicht christliche Kultur. Wer sich als Christ tätowieren lässt, drückt damit bestenfalls eine Zughörigkeit zu einem pop-hippen Alternativ-Christentum aus. Daher ist Tätowieren unter Christen – da es bei althergebrachten Christen ja verpönt ist – ein Verstoß gegen Konventionen, eine Provokation. Man fühlt sich als „freier, starker Christ“ reifer als die „schwachen“ Christen. Aber genau dieses Denken ist falsch, wie Paulus mehrfach herausstellt (Röm 15,1; 1Kor 8,9-11; Gal 5,13). Und als Tätowierter kann man nicht situationsabhängig diese neutestamentlichen Anweisungen befolgen, keinen Anstoß zu geben, da das Tattoo sich nicht ablegen lässt wie eine coole Kappe, die manche „strengen“ Christen für den Sonntagsgottesdienst womöglich unangemessen finden. Weder Rebellion gegen Establishment oder Elterngeneration, noch provozierender Konventionenverstoß, noch Erhebung über unserer Meinung nach „schwache Christen“ dürfen jemals Leitlinien für unser Handeln sein.</p>



<p>Aber wenn sich jemand schlicht aus Liebe zu Jesus den Namen des Retters oder einen Bibelvers tätowieren lässt? Nun, wenn du von deinem Ehepartner genau weißt, dass er Tattoos nicht leiden kann, würdest du dir dann „aus Liebe zu ihm“ trotzdem seinen Namen stechen lassen? Und wenn in anderen Lebensbereichen (Bibellesen und Gebet, Dienst für andere und in der Gemeinde, Charakter …) noch so viel Luft nach oben ist, deine Liebe zu Jesus zu zeigen, warum sollte dann gerade dieser eigensinnige Wunsch der richtige Weg sein? Eigensinnige Gottesverehrung ist überhaupt keine Gottesverehrung. Es ist streng verboten, Gott auf Art der Heiden zu verehren: „… Ihr sollt ihre Altäre niederreißen … Den HERRN, euern Gott, dürft ihr so nicht verehren“ (5Mo 12,3-4). Wahre Anbetung kann nur „in Geist und in Wahrheit“ (Joh 4,24) geschehen, also entsprechend Gottes Wort.</p>



<p>Manche Christen tätowieren sich sogar mit Portraits von Predigern oder anderen christlichen Prominenten (die sich wahrscheinlich im Grabe umdrehen würden). Dabei ist „christlicher Starkult“ und „evangelikale Heiligenverehrung“ ohnehin schon eine reale Gefahr. Und wenn man sich ein Konterfei eines Glaubensvorbilds stechen lässt, ist das nicht sogar schlimmer als katholische Ikonen-Anbetung? Hier wird nicht nur ein Bild außerhalb von mir verehrt, sondern in meinen Körper eingebrannt, was eine viel stärkere Form der Verehrung ist, ein Ausdruck der Lebensweihe.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Kulturrelevant?</h2>



<p>Die Öffnung der Evangelikalen für die früher klar verurteilten Tätowierungen kommt vor allem aus der Emerging-Church-Bewegung. Diese Bewegung betont eine so genannte Kulturrelevanz, d.h. Christen sollen sich der modernen Kultur anpassen, damit sie die Leute von heute erreichen können. Sie verstehen „den Griechen ein Grieche“ werden so weitgehend, dass damit auch ein Annehmen solcher kulturellen Gewohnheiten eingeschlossen ist, die sündig oder heidnisch sind. Allerdings sagt Paulus in 1. Korinther 9,20-22 gar nicht, dass er „den Griechen ein Grieche“ geworden sei (lest selber nach). Er beschreibt dort seine persönlichen Mühen, um das Evangelium zu verbreiten, und liefert weder Vorwand noch Ausnahmegenehmigung, um heidnische Praktiken zu übernehmen. Man kann darüber diskutieren, ob es richtig war, dass Hudson Taylor sich einen Zopf wachsen ließ, um die Chinesen zu erreichen, doch bin ich sicher, dass er das nicht tat, weil er es cool fand, sondern aus selbstlosem Eifer für das Evangelium. Selbst Paulus wünschte, verflucht zu sein, wenn dadurch die Juden bekehrt würden (Röm 9,3). Das ist eine bewundernswert richtige Einstellung!</p>



<p>Haben manche Christen vielleicht den Auftrag, „den Tätowierten ein Tätowierter zu werden“? Nein, kulturelle Anpassung hat klare Grenzen. Wird dir jemand etwa nicht zuhören, nur weil du kein Tattoo hast? Oder wird ein Tätowierter allen Ernstes nur deshalb Interesse am Evangelium bekommen, nur weil du ein Tattoo hast? Wir sollen Salz der Erde sein, aber nicht selber Erde: also nahe dran an den Menschen, aber spürbar anders, von Gott geprägt.</p>



<p>Die emergente Bewegung geht mit ihrer Kulturanpassung klar zu weit im Gutheißen aller Art von Weltförmigkeit aufgrund fragwürdiger „missionaler“ Argumente. Leider verbreitet sich dieses Denken auch in reformierten Kreisen, durch Prediger und Autoren wie Mark Driscoll, Timothy Keller, Joel McDurmon und anderen.</p>



<p>Und nicht jedes vermeintliche Bekenntnis zu und Zeugnis für Jesus ist biblisch gut und richtig. Paulus brachte die Wahrsagerin in Apostelgeschichte 16,16-18 zum Schweigen, weil ihr Zeugnis für die Evangeliumsverkündigung zwar inhaltlich (fast) richtig war, aber aus einer dämonischen Quelle kam. Ich frage mich, ob das auf „christliche Tattoos“ nicht auch zutrifft. Das Evangelium wird hier mit heidnisch-weltlich-okkultem Hintergrund in Verbindung gebracht.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Alles ist erlaubt …?</h2>



<p>Aber ist uns Christen nicht ausdrücklich „alles erlaubt“ (1Kor 6,12 und 10,23)? Im Beitrag „Achte auf den Kontext“ auf Seite 20 sehen wir: Paulus macht an diesen Stellen deutlich, dass auch für Christen eben nicht „alles geht“, in 1. Korinther 6 insbesondere außerehelicher Verkehr und in 1. Korinther 10 rücksichtsloses Essen von Götzenfleisch. Paulus kritisiert die Korinther für ihr arrogantes, egozentrisches Verständnis von christlicher Freiheit. Auch für Christen gelten klare Grenzen, was geht und was nicht geht, was Sünde ist und was nicht. Tätowierungen gehen nicht.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Gesundheitliche Aspekte</h2>



<p>Schon vom gesunden Menschenverstand her sind Tätowierungen höchst unvernünftig. Da ist zunächst der Kostenpunkt – viel Geld (dreistellig auf jeden Fall), Aufwand, Schmerzen. Beim Tätowieren stechen bis zu sieben Nadeln gleichzeitig zu, etwa 1000 Mal in der Minute dringen sie in die Haut und reißen sie auf. Das herausfließende Blut wischt der Tätowierer fortwährend weg. Klingt wie freiwillige Folter gegen viel Geld. Über die Nadeln kann man sich Infektionen zuziehen.</p>



<p>Betreiber eines Tattoo-Studios brauchen keinerlei Qualifikation, nur einen Gewerbeschein. Hygienestandards und eingesetzte Farbstoffe sind oft fragwürdig. Bei billigeren Studios ist das gesundheitliche Risiko am größten. Laut einer Befragung der Uni Regensburg aus dem Jahr 2010 haben 67% der neu Tätowierten mit Entzündungen, Schwindel, Fieber oder Übelkeit zu kämpfen; viele klagen über anhaltende Komplikationen.</p>



<p>Manche Farbmittel enthalten krebserregende Stoffe und Schwermetalle. Die Farbpigmente lagern sich nachweislich auch in den Lymphknoten an, die sich entsprechend verfärben. Die gesundheitlichen Folgen sind weitgehend unerforscht. Es kann nicht gut und im Sinne des Erfinders unseres Leibes sein, uns so etwas anzutun. Und die Methoden zur Entfernung von Tattoos (Lasern, chemische Verfahren) sind gesundheitlich mindestens ebenso riskant.</p>



<p>Allein aus diesen menschlichen Überlegungen ist es schon abwegig, sich tätowieren zu lassen. Tätowieren hat den Reiz, einfach mal etwas Unvernünftiges zu tun. Meine Prognose: Wenn (der Herr seine Wiederkunft noch verzieht und …) in 20 Jahren die aufgewachsenen Kinder die unansehnlich gewordenen Tattoos ihrer Eltern sehen, wird die Tattoo-Mode rasch ein Ende finden.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Unser Körper als Tempel und Opfer</h2>



<p>Dass der Leib des Christen ein Tempel des Heiligen Geistes ist, steht auch im Zusammenhang von „… alles ist mir erlaubt …“ (1Kor 6,12-19). In 1. Korinther 6 geht es zwar speziell um sexuelle Sünden, und daher bedeutet die Tatsache, dass unser Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, nicht, dass Christen sich stets um körperliche Unversehrtheit, Makellosigkeit und hundertprozentige Bio-Gesundheit bemühen müssen. Nicht jedes Glas Cola ist Sünde. Aber Gott hat uns den Körper zu einem klaren Zweck gegeben: „…. der Bauch ist für die Speise“ und „der Leib … für den Herrn“ (Vers 13).</p>



<p>Unser Körper ist dafür da, dass wir</p>



<ol class="wp-block-list"><li>Gottes gute Gaben nach seinen guten Vorgaben zu seiner Ehre genießen</li><li>dass wir ihm damit dienen.</li></ol>



<p>Sexuelle Sünden sind ein Missbrauch des Körpers und Schändung dieses Tempels. Wer Hurerei betreibt, „sündigt gegen den eigenen Leib“ (Vers 18). Da Tätowieren ebenfalls eine körperlich-stoffliche Verbindung höchst fragwürdigen Hintergrunds und Ursprungs ist, drängt sich die Frage auf, ob diese Praxis nicht ebenfalls als Sünde gegen den eigenen Leib zu bezeichnen ist.</p>



<p>Der Leib des Christen gehört als Tempel nicht uns selbst, wir gehören uns gar nicht selbst, sondern sind „um einen Preis erkauft“ (1Kor 6,20; 7,23). Deshalb sprechen nicht nur gesundheitliche Bedenken gegen Tätowierungen, sondern auch die Eigentumsverhältnisse. Mit unserem Körper sollen wir Gott dienen, ihm unseren Körper und unsere Kraft weihen wie ein Opfer (Röm 12,1), und nicht unseren Körper zur Selbstverwirklichung und Selbstdarstellung verwenden. Unsere Haut ist nicht als Leinwand gedacht, das wäre eine Zweckentfremdung.</p>



<p>Mit der Haut und der Sichtbarkeit ist das ja ohnehin so eine Sache: Der Großteil unserer Hautfläche sollte in den meisten Situationen ohnehin nicht öffentlich exponiert sein, und Tattoos an den sichtbaren Hautstellen wie z.B. den Unterarmen gelten auch heute noch als unseriös und sind in vielen Berufen unerwünscht oder sogar verboten.</p>



<p>Und in der heutigen Zeit, wo beide Geschlechter ihre Körper „schmücken“, gilt beiden Geschlechtern der Aufruf aus 1. Petrus 3,3-4, dass unser Schmuck nicht äußerlich sein soll, sondern eine christusähnliche Bescheidenheit und Demut, ein stiller und sanfter Geist (vgl. 1Tim 2,9). Geben wir ein solches jesusähnliches Bild in der Öffentlichkeit ab?</p>



<p>Paulus pflegte seinen Leib nicht wie ein männliches Model, sondern er „zerschlug“ ihn und „knechtete“ ihn (1Kor 9,27; vgl. Röm 13,14). Er schrieb von sich: „Ich trage die Malzeichen Jesu an meinem Leib“ (Gal 6,17), was manche sogar als Argument für christliche Tattoos heranziehen! Doch Paulus meint damit, dass er durch den Dienst für Gott und die Verfolgung gekennzeichnet war auch in Form von Wunden durch Geißelung, Steinigung und vielerlei Entbehrungen.</p>



<p>Ich denke, man kann mit Fug und Recht sagen, dass Tätowierungen grundsätzlich eine „fleischliche“ Sache sind, die „dem Fleisch dienen“, das wir doch „für gekreuzigt halten“ sollen (Gal 5,24). Zum Glück ist das Christsein keine metaphysische Sache, abgehoben von dieser Welt, sondern wir sollen Gott mitten in dieser Welt dienen mit Haut und Haar, und ihm von ganzem Herzen unseren „Leib darstellen als lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Opfer, was euer vernünftiger Gottesdienst“ ist (Röm 12,1). Diese lebenslängliche Weihe, – die Nichtchristen durch Tätowierungen in Bezug auf ganze andere, wertlose Dinge ausdrücken – drücken wir durch die Taufe und durch unser alltägliches, hingegebenes Leben mit und für Gott aus. Möge an unserer Stirn wie bei den Priestern im Alten Testament stehen: „Heilig dem Herrn“ – das sei unser unsichtbares Siegel und unsere spürbare Auszeichnung vor der Welt.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Zusammenfassung</h2>



<p>Gründe gegen Tätowierung bei Christen:</p>



<ol class="wp-block-list"><li>Mose 19,28 besagt, dass die heidnische Praxis gewaltsamer und permanenter Hautmodifikation Gottes Willen nach Heiligkeit widerspricht (2Kor 6,14-17).</li><li>Der heidnische Ursprung und Hintergrund des Tätowierens wird bis heute tradiert und gepflegt, was bei einem Blick in ein übliches Tattoo-Studio deutlich wird.</li><li>Diese Praxis ist auch heute mit weltförmigem Denken (Röm 12,2) verbunden: u.a. magisches Denken, Rebellions-Kultur, Konventionen-Verstoß, Eitelkeit, Eigensinn, Rücksichtslosigkeit. Sie widerspricht jesusähnlicher Demut und Bescheidenheit.</li><li>Gegen das Tätowieren sprechen starke und unabwägbare, langfristige gesundheitliche Risiken, auch was das Entfernen betrifft.</li><li>Sich als Christ tätowieren zu lassen, bedeutet, den Leib als Tempel des Heiligen Geistes stofflich und gewaltsam mit fragwürdigen Dingen und Hintergründen in Verbindung zu bringen. Das NT warnt eindringlich vor dem Missbrauch unseres Körpers (1Kor 3,17; 6,13-20), der nicht uns selbst gehört, den Christus teuer erkauft hat und der dem Dienst für Gott geweiht sein soll (Röm 12,1).</li><li>Die angeblichen geistlichen Motive (Kulturrelevanz, Gottesliebe, Zeugnis, Ausdruck von Kreativität) sind biblisch nicht überzeugend und nicht haltbar.</li><li>Die dauerhafte Körpermodifikation drückt Weihe, Identität und Verschriebensein aus. Sie ist kein „Ausrutscher“ wie andere Sünden oder situationsabhängig entfernbar, sondern eine radikale, bleibende Initiation in eine bestimmte Identität. Tätowierung steht damit in Konkurrenz zu Bekehrung, Wiedergeburt, Taufe und einem Gott hingegebenen Alltagsleben.</li></ol>



<p class="has-text-align-center"></p>



<p><a href="#_ftnref1" name="_ftn1">[1]</a>&nbsp;&nbsp;&nbsp; https://en.wikipedia.org/wiki/History_of_tattooing</p>



<p><a name="_ftn2" href="#_ftnref2">[2]</a>    http://hanniel.ch/2015/08/09/kolumne-wenn-die-form-den-inhalt-determiniert/</p>



<hr class="wp-block-separator is-style-wide"/>



<figure class="wp-block-image"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="200" height="50" src="https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2018/02/Unbenannt-1-1.png?resize=200%2C50&#038;ssl=1" alt="Christ +" class="wp-image-3783"/></figure>



<h4 class="wp-block-heading">Was ist deine Meinung dazu?</h4>



<p>In der Rubrik des Timotheus-Magazins  &#8222;<em>Christ +&#8220;</em> werden immer aktuelle und praktische Themen behandelt, bei denen uns deine Meinung interessiert. Nutze die Kommentarfunktion, um uns deine Gedanken ganz einfach mitzuteilen. Wir freuen uns auf Feedback und Austausch! </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.betanien.de/christ-und-tattoos-passt-das-zusammen/">Christ und Tattoos &#8211; Passt das zusammen?</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.betanien.de">Betanien Verlag</a>.</p>
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		<title>Arbeiten für Gott? Christ + Tattoos</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans-Werner Deppe]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 05 Jun 2018 08:33:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Timotheus Magazin]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die nächste spannende Timotheus-Ausgabe steht in den Startlöchern. Hier ein Einblick in den Inhalt und in das Editorial: Dem Herrn Jesus sei Dank, dass an dieser 31. Ausgabe des Timotheus-Magazins — Nummer zwei der neuen Redaktion — viele bisherige und auch neue Autoren mitgewirkt und zudem &#8230; </p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p>Die nächste spannende Timotheus-Ausgabe steht in den Startlöchern. Hier ein Einblick in den Inhalt und in das Editorial:</p>



<figure class="wp-block-image"><a  href="https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2018/05/Facebook-Titelbild.png?ssl=1" data-rel="lightbox-gallery-0" data-rl_title="" data-rl_caption="" title=""><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="851" height="315" src="https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2018/05/Facebook-Titelbild.png?resize=851%2C315&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-4501" srcset="https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2018/05/Facebook-Titelbild.png?w=851&amp;ssl=1 851w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2018/05/Facebook-Titelbild.png?resize=300%2C111&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2018/05/Facebook-Titelbild.png?resize=768%2C284&amp;ssl=1 768w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2018/05/Facebook-Titelbild.png?resize=190%2C70&amp;ssl=1 190w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2018/05/Facebook-Titelbild.png?resize=24%2C9&amp;ssl=1 24w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2018/05/Facebook-Titelbild.png?resize=36%2C13&amp;ssl=1 36w, https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2018/05/Facebook-Titelbild.png?resize=48%2C18&amp;ssl=1 48w" sizes="auto, (max-width: 851px) 100vw, 851px" /></a></figure>



<p>Dem Herrn Jesus sei Dank, dass an dieser 31. Ausgabe des Timotheus-Magazins — Nummer zwei der neuen Redaktion — viele bisherige und auch neue Autoren mitgewirkt und zudem ihre künftige Bereitschaft zur Mitarbeit erklärt haben. Im Hauptartikel macht uns Simon Mayer unsere oft unliebsame Arbeit lieb. Unsere abendländische Arbeitsethik geht ja besonders auf Martin Luther zurück, der herausstellte, dass jede Art beruflicher Arbeit eine „geistliche“ Tätigkeit zur Ehre Gottes ist. Die Sprüche vermitteln uns viel Weisheit dazu, was auch im Artikel von Hanniel Strebel deutlich wird.</p>



<p>Außerdem haben wir die Rubrik für Frauen „Wie Edelsteine“ wieder neu gestartet und mit Elena Soussou und Susanne Wrobel zwei Schwestern gefunden, die sich künftig kontinuierlich um Beiträge für diese Rubrik kümmern möchten.</p>



<p>Danke, dass einige von euch uns Feedback zu Nummer 30 geschrieben haben. Das Lob haben wir ebenso dankbar angenommen wie die konstruktive Kritik. Das Konzept der Leserbeteiligung schlug besonders bei der Rubrik „Christ +“ ein, wo es letztes Mal um <a href="https://www.betanien.de/die-mehr-konferenz-2018/">Johannes Hartl und die MEHR-Konferenz</a> ging. Das wurde im Blog heiß diskutiert und auch Katholiken beteiligten sich daran. Auf Anregung eines Blog-Kommentators habe ich einen angeblich evangelistischen Vortrag von Johannes Hartl auf Youtube geprüft und meine Analyse in unserem Blog betanien.de unter dem Titel „<a href="https://www.betanien.de/evangeliumsverkuendigung-bei-johannes-hartl/">Evangeliumsverkündigung bei Johannes Hartl</a>“ gepostet . Auch wenn gefühlt 97% der Aussagen Hartls richtig sein mögen, fehlt seiner Botschaft doch das Entscheidende.</p>



<p>In dieser Ausgabe geht es bei „Christ +“ um das Tätowieren, was in manchen christlichen Kreisen mittlerweile angesagt ist. <a href="https://www.betanien.de/christ-und-tattoos-passt-das-zusammen/">Lest den Artikel und dann schreibt doch eure Meinung bzw. die Ergebnisse eures Bibelstudiums im Blog.</a> Ich bin gespannt, ob sich dieses Thema als heißes Eisen erweisen wird.</p>



<p>Überhaupt möchte ich noch mal zu Rückmeldungen aufrufen: per eMail an tm@betanien.de oder via <a href="http://www.facebook.com/timotheusmagazin">Facebook</a> oder <a href="http://www.instagram.com/timotheusmagazin">Instagram</a>.</p>



<p>Oder natürlich gern in echt und live. Das durfte ich Ende Mai auf der Evangelium21-Konferenz in Hamburg erleben, wo mich an unserem Büchertisch einige Leser persönlich auf das Timotheus-Magazin ansprachen. Auf den Veranstaltungen, auf die wir ab S. 36 hinweisen, wird es dazu — so Gott will und wir leben — wieder Gelegenheit geben.</p>



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<div class="wp-block-button is-style-outline is-style-outline--3"><a class="wp-block-button__link no-border-radius" href="https://www.betanien.de/timotheus-magazin-31/"><strong>DER INHALT IM DETAIL</strong></a></div>
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<h4 class="wp-block-heading"> Timotheus Magazin Nr. 31 </h4>



<h6 class="wp-block-heading">02/2018</h6>



<p>Umfang:<em> 40 Seiten</em> <br>Format:<em> 21 x 29,7 cm</em><br>Medium:<em> Printausgabe</em> </p>



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		<title>Die MEHR-Konferenz 2018</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans-Werner Deppe]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 01 Mar 2018 11:41:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Blog]]></category>
		<category><![CDATA[Timotheus Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Über den Katholizismus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Von Thomas Lange, erschienen in Timotheus Magazin Nr. 30 (01/2018) Johannes Hartl begeistert immer mehr Evangelikale Anfang Januar fand in Augsburg die diesjährige MEHR-Konferenz mit Johannes Hartl und ca. 11.000 Teilnehmern statt. Ein christliches Mega-Event, eigentlich katholisch-charismatisch und ökumenisch ausgerichtet, aber erstaunlicherweise sind aus meinem Bekanntenkreis &#8230; </p>
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<p class="has-small-font-size">Von <span class="nl2go_class_14px_black ng-scope">Thomas Lange</span>, erschienen in <a href="https://www.betanien.de/timotheus-magazin-30/">Timotheus Magazin Nr. 30</a> (01/2018)</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Johannes Hartl begeistert immer mehr Evangelikale</h2>



<p>Anfang Januar fand in Augsburg die diesjährige MEHR-Konferenz mit Johannes Hartl und ca. 11.000 Teilnehmern statt. Ein christliches Mega-Event, eigentlich katholisch-charismatisch und ökumenisch ausgerichtet, aber erstaunlicherweise sind aus meinem Bekanntenkreis etliche eigentlich bibeltreue Christen hingefahren. Einer von ihnen wurde sogar aus dem Publikum ausgewählt und vor laufender Kamera befragt, warum er dort sei. „Um mich vom Heiligen Geist füllen zu lassen“, antwortete er. Aber kann man auf der MEHR-Konferenz wirklich vom Heiligen Geist erfüllt werden? Ein anderer mir bekannter Christ nannte (privat) als Begründung, er wolle einfach mal frei von lehrmäßigen Lasten Gemeinschaft mit Christen erleben. Ist das ein berechtigter Wunsch?</p>



<p>Am Konferenz-Samstagabend habe ich mir den Live­stream angeschaut, um mir ein eigenes Bild zu machen. Angekündigt war ein Vortrag von Johannes Hartl zum Thema „Europe shall be saved“ (Europa soll gerettet werden). Es war aber kein Vortrag im eigentlichen Sinne, sondern mehr eine Show, auf der Hartl als Moderator verschiedene Gäste präsentierte. Der erste war Jean-Luc Trachsel, ein Extrem-Charismatiker, der von seiner Geistestaufe mit sechs Jahren und seinen erfolgreichen Europa-Erweckungs-Kampagnen erzählte.</p>



<p>Inhaltlich kam an diesem Abend wenig rüber; im Grunde mündete alles in einer mit lauter Musik und Laser-Geflimmer aufgebauschten Proklamation von „Europe Shall be saved“. Gefühlt tausendfach wurde es wie ein Mantra gerufen, gebrüllt, gesungen, vom Publikum immer wieder gejubelt und exzessiv gefeiert – so extrem, dass es mich an Gehirnwäsche und Demagogie (Massen-Manipulation) erinnerte.</p>



<p>Schließlich vereinen sich die Gäste von Hartl (u.a. Ekkehart Vetter, Vorsitzender der Ev. Allianz) zu einem gemeinsamen Gebet für die Errettung Europas. Untermalt von sphärischer Trance-Musik versucht jeder Beter den anderen nicht nur an Emotionalität, sondern auch an ekstatischer Beschwörungskunst zu überbieten (abgesehen vom cool bleibenden katholischen Bischof). Abwechselnd dazu wird immer wieder in musikalischen Eruptionen der Slogan „Europe shall be saved“ in die Sinne eingepeitscht. Unter Jubeln, erhobenen Händen, Hopsen und Tanzen verfällt die riesige Publikumsschar in eine Massenbegeisterung.</p>



<p>Das Ganze scheint wie die Herbeibeschwörung einer Massenerweckung. Aber Erweckung zu welcher Religion? Zu einer Party-Religion, wo biblische Lehre und Geisterunterscheidung unerwünscht sind? Zu einem emotional definierten Christsein, das durch ein vermeintliches Geistestaufe-Erlebnis initiiert wird? Oder besteht die Erweckung einfach darin, dass Christen verschiedener Konfessionen alle Schranken aufgeben und sich formal vereinen? Denn das ist die große Vision, die Hartl vorrangig präsentiert: „Die Zeit, wo sich Christen nicht lieben und wertschätzen muss vorbei sein in Europa.“ Alle Christen sollen gemeinsam beten und „evangelisieren“ (mit welchem Evangelium, fragt sich). Hartl zieht das Bild eines Fußballspiels heran und betont immer wieder: „Es gibt EIN Tor und wir sind EIN Team“, und: „Es gibt nichts Schlimmeres, als wenn Christen andere Christen kritisieren.“</p>



<p>Aber was, wenn die herbeibeschworene Erweckung eine antichristliche Scheinerweckung sein wird, die Vereinigung falscher Wege? Dann werden viele schon darauf eingestimmt sein.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Das römisch-katholische Evangelium</h3>



<p>Etwas vom biblischen Wort vom Kreuz habe ich an diesem Abend nicht gehört. Paulus wollte unter den Korinthern nichts anderes predigen und wissen als Jesus Christus, „und ihn als gekreuzigt“ (1Kor 1,23; 2,2). Was für ein Gegensatz!</p>



<p>Das heißt natürlich nicht, dass Johannes Hartl nie vom Kreuz und von der Sündenvergebung durch Jesus Christus reden würde. Das tut er sehr wohl. Er vertritt zu 100% die Lehre der römisch-katholischen Kirche (RKK), und die beinhaltet auch, dass der Mensch als Sünder erlösungsbedürftig ist und diese Erlösung mit dem Kreuzestod und der Auferstehung Jesu zu tun hat. Und das sagt Hartl in seinen Vorträgen durchaus, wenn auch teils in einer irritierend coolen oder verkürzten Art.</p>



<p>Allerdings ist seine römisch-katholische Heilslehre nicht die biblische Heilslehre. Deshalb gab es ja die Reformation, denn der Katholizismus lehrt ein ähnlich klingendes, aber anderes Evangelium. Der Katholizismus lehrt z.B., dass der Mensch zwar krank an Sünde ist, aber nicht wirklich hilflos tot in Sünde. Er ist nicht völlig verdorben, sondern hat einen guten Kern, der sich zu Gott hinwenden kann. Er muss ein bisschen aufgepäppelt werden, nicht wirklich komplett erneuert. <strong>Das Erlösungswerk von Golgatha ist für die RKK nicht ein für alle Mal abgeschlossen und vollbracht, sondern wird im Messopfer täglich wiederholt, wie auch auf der MEHR-Konferenz.</strong> Die Aneignung des Heils geschieht „durch Glauben“, das bejaht die RKK, aber unter glauben versteht sie u.a. den Empfang der Sakramente, also rituelle Werke.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Das katholische „Mission Manifest“</h3>



<p>Auf der MEHR-Konferenz wurde ein „Mission Manifest“ aus zehn Thesen vorgestellt, die zu einem „Comeback der Kirche“ führen sollen – der katholischen Kirche wohlgemerkt. Das dazugehörige Buch <em>Mission Manifest</em> wurde von Johannes Hartl und anderen einflussreichen Katholiken verfasst und wird auch im evangelikalen Buchhandel vertrieben (SCM, Alpha, Asaph/fontis). Die Thesen klingen zunächst durchaus gut: „1. Uns bewegt die Sehnsucht, dass Menschen sich zu Jesus bekehren … 2. Wir wollen, dass Mission zur Priorität Nr. 1 wird &#8230;“ In der 6. These wird sogar den „Impulsen der Reformation“ Wertschätzung entgegengebracht.</p>



<p>Aber Bibeltreue sollten spätestens bei der 7. These hellhörig werden: „Wir müssen die <em>Inhalte des Glaubens</em> neu entdecken und sie klar und mutig verkündigen, sei es nun ‚gelegen oder ungelegen‘ (2Tim 4,2). Wir haben sie durch Gottes Offenbarung empfangen, finden sie gefasst im Urdokument der Heiligen Schrift <em>und lebendig überliefert im Verstehen der Kirche</em>, wie es der Katechismus lehrt.“ (Hervorhebungen hinzugefügt). Das ist ein deutliches Bekenntnis zum ur-katholischen Hauptgrundsatz: Der Inhalt des Glaubens – die eigentliche Lehre – wird von der Kirche definiert. Sie allein hat durch den Papst und seine Bischöfe das Recht, die Bibel auszulegen bzw. passend zu machen und zusätzliche Lehren hinzuzufügen wie die Himmelfahrt Marias, Heiligenverehrung, die Messe, die Sakramente, das Fegefeuer usw. Und diese „Geheimnisse des Glaubens müssen vollständig, ganzheitlich, in rationaler Klarheit und in der Freude der Erlösten verkündigt werden“, so die 7. These weiter.</p>



<p>Einerseits also sollen Evangelikale ihre Lehre nicht so wichtig nehmen oder sie aufgeben, damit Gräben überbrückt werden und Einheit entsteht, aber auf katholischer Seite wird durchaus offen erstrebt, dass zum Christsein nach katholischem Verständnis die gesamte Lehre der Kirche gehört. Und dazu zählen auch die unfehlbaren Dogmen der Gegenreformation, die den evangelischen Glauben von der Errettung <em>allein</em> durch Glauben, <em>allein</em> aus Gnade, <em>allein</em> auf Grundlage der Schrift und <em>allein</em> mittels Jesus auch heute noch verdammen.</p>



<p>Johannes Hartl ist ein absolut linientreuer katholischer Theologe und seine Gebetshaus-Bewegung ganz offiziell bischöflich gutgeheißen. Mich beunruhigt nicht so sehr, dass da ein junger katholisch-charismatischer Theologe ist, der in seinen eigenen Kreisen gut ankommt; mich beunruhigt aber sehr wohl, dass so viele Bibeltreue entweder so oberflächlich, so naiv, oder so weit vom biblischen Glauben abgerückt sind, dass sie Johannes Hartl und seine katholische Bewegung begeistert annehmen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">„… von diesen wende dich weg“ (2Tim 3,5)</h3>



<p>Ja, es geht um Jesus. Aber nicht um den Namen Jesus als Worthülse, sondern um den Herrn Jesus Christus der Bibel. Der oberste Grundsatz lautet doch für uns alle: „Jesus ist der Herr.“ Wenn der Herr in seinem Wort sagen würde, Lehrunterschiede sind nicht wichtig, Hauptsache alle machen gemeinsame Sache, dann wäre das der richtige Weg. Das sagt er aber nicht. Im Gegenteil finden wir im NT immer wieder Aufforderungen, Lehren, Lehrer und „Geister“ zu prüfen und uns ggf. zu distanzieren, denn es kursieren nun einmal Verführungen: „ein anderer Jesus“, „ein anderer Geist“ und „ein anderes Evangelium“ (2Kor 4,11). Prüfen, „Geistesunterscheidung“ (1Jo 4,1; 1Kor 12,10, 1Thes 5,21) und notfalls Distanzieren gehört zu unserem Auftrag als Christen ebenso wie Beten, Evangelisieren und einander Dienen (Jer 23,16; 2Tim 2,21; 3,5; 2Kor 6,17; Röm 16,17, 2Jo 10 u.a.). Eine Prüfung der römisch-katholischen Lehre führt uns zu vier entscheidenden Gründen, warum wir uns von ihr klar distanzieren sollten:</p>



<p><strong>1. Die RKK lehrt ein anderes Evangelium, einen anderen Weg der Errettung.</strong> Es ist ein Evangelium der Werke, des „Jesus plus x“ statt „Jesus plus nix“. Sie benutzt die Begriffe Jesus, Glauben und Gnade, meint damit aber etwas anderes als die Bibel. Von den haarsträubenden Lehren des Fegefeuers und des Ablasses mit Sündenvergebung gegen Geld und Leistungen ganz zu schweigen.</p>



<p><strong>2. Der Katholizismus ist eine Religion des Götzendienstes.</strong> Er lehrt die Anbetung einer Brotscheibe als „Jesus“ (die Hostie, praktiziert auf der MEHR-Konferenz), kultische Verehrung der „Gottesmutter“ und der Heiligen und deren bildlicher Darstellungen, übernimmt heidnische Kulte und ist offen gegenüber anderen Religionen.</p>



<p><strong>3. Die RKK ist ein Machtapparat, der alle nominellen Christen unter einem Dach vereinnahmen will.</strong> Ich befürchte, das hat etwas mit der „Hure Babylon“ aus Offenbarung 17-18 zu tun, und Gott sagt: „Komm heraus aus ihr, mein Volk“ (Offb 18,4; bemerkenswerterweise scheinen also noch Christen darin zu sein).</p>



<p><strong>4. Die katholische und charismatische Art von Glaubensleben ist völlig gegensätzlich zum biblischen Glauben:</strong> Bei RKK und charismatischer Bewegung basiert Glauben auf <em>Erfahrung</em>. Spirituelle Gefühle stehen im Zentrum. Man will Gottes Gegenwart schon jetzt unmittelbar erleben und spüren. Das ist Mystik. Biblischer Glaube beruht nicht auf sinnlicher Wahrnehmung („Erhebendes Gefühl“, „Gegenwart Gottes spüren“, Eindrücke, „Stimmen im Herzen“ …), sondern immer auf dem Hören, Lesen und verstandesmäßigen Verstehen von Gottes Offenbarung durch sein Wort (Röm 10,17).</p>



<p>Unsere biblische Lehre – besonders das Evangelium der Errettung allein durch Jesus, allein durch Glauben, allein aus Gnade, allein aufgrund der Schrift – ist unser kostbarster Schatz. Lasst uns diesen Schatz nicht wie Ballast über Bord werfen, um besser auf den Wellen reiten zu können. Dann werden wir Schiffbruch im Glauben erleiden. Lasst uns Katholiken lieben, indem wir ihnen diesen Schatz zeigen, und nicht, indem wir uns ihnen auf dem Irrweg ihrer Institution anschließen.</p>



<hr class="wp-block-separator is-style-wide"/>



<figure class="wp-block-image"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="200" height="50" src="https://i0.wp.com/www.betanien.de/wordpress/wp-content/uploads/2018/02/Unbenannt-1-1.png?resize=200%2C50&#038;ssl=1" alt="Christ +" class="wp-image-3783"/></figure>



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